Truuine

[ Truuine | Nahe Moraband | Gletscherhöhlen der Gala | Ausstellungsflächen | Stand von Imperialis Sensus ] Kanto Garison, Theranos Zesh, Lilivienne Évarielle d'Oridin, Kael Reed


Die gutaussehende Gouverneurin von Bastion hakte sich kurzerhand bei Kanto unter, was dieser mit einem charmanten Lächeln begrüßte. Er war nicht nur froh, der Fachsimpelei über Wein zu enkommen, sondern natürlich auch erfreut, dass Lady Évarielle d’Oridin offenbar seine Gesellschaft der des Sektoradjutanten vorzog.

„Selbstverständlich führe ich Sie durch den Stand von Quarzite. Und da ich bereits für meine Bescheidenheit gerügt wurde, werde ich mich darin üben, es auch möglichst objektiv zu halten, ohne Sie zu langweilen, werte Lady.“

Schon während sie sich entfernten, hörte Kanto, dass sich Theranos und Leutnant Reed schon wieder dem Wein widmeten. Subtil neigte er den Kopf in deren Richtung und bemerkte: „Und diese beiden scheinen ohnehin sehr gut ohne uns auszukommen.“

Sie beantwortete seine Frage nach ihrer Empfehlung zu den Sehenswürdigkeiten der Gala mit dem Beitrag ihrer eigenen Verwaltung, was zwar wenig überraschend war, aber das musste ja nicht bedeuten, dass es nicht tatsächlich empfehlenswert war. Bei der Art, wie sie es sagte, war sich Kanto allerdings nicht sicher, ob sie den Beitrag überhaupt selbst gesehen hatte. Er zuckte gedanklich die Schultern. Ganz im Gegensatz zu ihm hatte die Gouverneurin von Bastion mit Sicherheit gutes Personal für solche Entscheidungen und musste sich um derartige Nichtigkeiten nicht selbst kümmern.

„Nun, dann werde ich mir die Zeit auf jeden Fall nehmen. Was ist denn der Beitrag genau? Oder ist das ein Geheimnis?“, fragte er mit einem schelmischen Grinsen.

Mit den Weingläsern in Händen näherten sie sich dem kleinen Ambiente von Quarzites Ausstellung. Ein angedeutetes Kopfschütteln zu den beiden Bediensteten an der Bar sagte diesen, dass er hier keine Unterstützung brauchte. Stattdessen führte er die Gouverneurin direkt zu der schmalen, dunklen Gletscherspalte, die in der Wand der Höhle klaffte.


„Bitte nach mir, Lady Évarielle.“

Langsam folgte er ihr in den gewundenen, schmalen Gang und kam nicht umhin, die durchaus verführerischen Kurven zu bewundern, die sich unter ihrem seidenen Umhang andeuteten. Aber das Licht wurde immer weniger und sie zu einem bloßen Schemen vor ihm, bis sie schließlich einen Hohlraum im Eis mit vielleicht 15 Metern Durchmesser betraten.
Vor ihnen, in der Mitte der Höhle, erhob sich eine vier Meter hohe Skulptur aus rosa-violett leuchtendem Kristall. Er war die einzige Lichtquelle im Raum und tauchte alles in das fahle Licht, das Kanto mittlerweile so vertraut war, war es doch die einzige natürliche Quelle von Helligkeit auf Quarzite.

Kanto sagte bewusst nichts und ließ die Skulptur auf die Gouverneurin wirken. Sie waren die einzigen Personen in der Höhle und die Geräusche der Gala drangen durch den dicken Gletscher nicht mehr bis hier hier. Nur das leise, atmosphärische Klimpern von Glas oder Kristallen drang aus verborgenen Lautsprechern und schuf ein mystisches Ambiente.

Einzelne Kristallsplitter in Gelb und Blau waren in die Skulptur eingearbeitet. Zwei davon, in einem intensiven Aquamarin starrten wie Augen auf sie herab. Der Kopf einer femininen Gestalt schien sich würdevoll und gnädig auf sie herabzusenken und mehrere Armpaare streckten sich ihnen einladend entgegen, mit dem Versprechen seliger Geborgenheit.

Kanto sah das Kunstwerk nicht zum ersten Mal und trotzdem überraschte ihn wieder die Anziehung, die diese Gestalt ausübte, obwohl ihre vielen Arme so grotesk fremdartig waren.

Er hielt sich im Hintergrund und ließ Lilivienne Zeit zur Betrachtung. Dann sagte er leise:
„Die Allmutter… Die oberste Gottheit der Kage. Eine rückständige Alienspezies von Quarzite.“

Bedächtig wanderte er um die Skulptur herum, die von jeder Seite eine andere Figur offenbarte. Einmal den grausigen Schädel eines Milodon, des insektoiden Reittieres der Kage. Dann entdeckte er in der Rückseite eingeschnitzt einen Schwarm kleiner Flederdrachen, die kopfüber dort zu hängen schienen, so wie sie an den Höhlendecken auf Quarzite zu schlafen pflegten. Von jedem Blickwinkel schien die Kristallschnitzerei etwas anderes zu zeigen. Das war die eigentliche Kunst, musste Kanto anerkennen.

Und trotzdem interessierte ihn Lilivienne Évarielle d’Oridin mehr als die Skulptur. Verstohlen beobachtete er sie im Dämmerlicht, während sie den Kristall betrachtete. Er hätte sich kurz entschuldigen können und sich von einem der Bediensteten draußen alle Infos über die Gouverneurin geben lassen können, aber das würde ja den Spaß verderben. Wozu trockene Daten lesen, wenn man ein persönliches Gespräch führen konnte. Er schätzte die Frau auf sein Alter, vielleicht sogar etwas älter, wobei das bei der Aufmachung schwer zu sagen war. Sie bewegte sich sehr routiniert auf der Gala, was bei ihrem Hintergrund nicht verwunderlich war. Aber Kanto hatte in ihren Nachfragen zu politischen und wirtschaftlichen Situation Quarzites auch eine gewisse strategische Klarheit herausgehört. Wahrscheinlich war sie nicht nur eine geübte Gesellschafterin, sondern eine berechnende Strategin. Aber das war nur geraten.

Außerdem wusste sie ihre weiblichen Reize offenbar durchaus einzusetzen, was bei der männerdominierten Verwaltungsriege des Imperiums vielleicht von Vorteil sein konnte, wenn man es nicht übertrieb. Kanto jedenfalls hätte nichts dagegen, sie später beim Ball zum Tanz aufzufordern, wenn man es so ausdrücken wollte. Aber da waren noch ein paar Stunden hin…



[ Truuine | Nahe Moraband | Gletscherhöhlen der Gala | Ausstellungsflächen | Kunstinstallation von Quarzite ] Kanto Garison, Lilivienne Évarielle d'Oridin
 
[Innerer Rand / Manaan-Sektor / Truuine-System / Truuine / Nordpolarkreis / Nahe Moraband / Galagelände / VIP-Bereich] - mit Gouverneur Dr. T'rsop, Gouverneur Enric Kreeger, Valeria Kreeger und vielen weiteren

"Meine Bemerkung galt der Zeit, die Ihnen dafür zur Verfügung steht. Darüber verfügen im Krieg auch andere", entgegnete Enric auf die Rechtfertigung seines Amtskollegen zu dem Hinweis, des nötigen Handelns in einem Krieg.
T'rsop nahm positiv zur Kenntnis, dass sein Gegenüber doch wieder neutralere Töne anschlug. Auch wenn er durchaus verstand, dass es weiterhin eine Mahnung blieb. Wie sehr nervte ihn nur dieses politische Verklausulieren.

Es würde ihm so viele Zeit und Nerven sparen, wenn alle direkt wären. Klar, dann würde es einige heftige Streitereien geben - oft vermutlich mit ihm selbst im Zentrum - aber nach einem aufrichtigen und guten Streitgespräch wusste man recht zeitdirekt, wer wirklich loyal und interessiert ist und wer eh nur halbgar mit drinnen hing. Oder eben nur aus politischen Abwägungen.
Und dann hätte man in zwei-drei Stunden das Ergebnis, was teilweise wochen- oder monatelange Sondierungen hervorbrächten. Aber gut, so war es nun leider nicht bestellt und die allermeisten Verwalter und Politiker des Imperiums (und wie er wusste, auch der Republik) bestanden auf diese politischen Spielchen und Korsetts. Also musste auch
T'rsop da mitziehen.
Da er seinen Standpunkt deutlich gemacht hatte und
Enric durchaus schlau und fähig befand, nahm er dessen Konkretion mit einem leichten Nicken zur Kenntnis. Das teils Zustimmung signalisierte, aber vor allem neutral zeigte, dass er die Thesen des Gouverneurs von Byss zur Kenntnis genommen hatte.

T'rsops Gedanken drifteten einen Moment ab, als er über die möglichen Folgen des Krieges nachdachte. Er schaute leicht und ohne bewusste Wahrnehmung die spiegelnden Eiswände in der Ferne an.
Ja, der Krieg könnte ihn zu ungewohntem und schnellem Handeln drängen. Er würde einiges arg komplizieren und ihn in seinen Forschungen und Visionen stark zurückwerfen. Dies war der wichtigste Grund, wie dem Pau'aner aufging während er sich kurz nachdenklich eine Kinnfurche rieb, weshalb er einerseits schnell gute und verlässliche Verbündete im interplanetarem Bereich finden und festigen müsste, sowie die planetare Verteidigung mit Prefsbelt IV in Absprache mit Moff
Aren stärken sollte.
Und vor allem müsste die Werft bald fertig werden, damit die Handlungsposition und Bedeutung Prefsbelt IV im Imperium steigen würden.

Dann wurde seine Aufmerksamkeit wieder von
Valeria beansprucht, die seine Ausführungen über die Bedeutung und Macht von Kultur durch das Beispiel einer besänftigenden Komödie aufgriff.
Er hörte ihr deutlich ihre Zweifel an diesem Beispiel und dem daraus resultierenden Prinzip an. Er konnte sie ein Stück weit nachvollziehen.
Die Strategie, die Bevölkerung (oder die Arbeiterschaft, oder eine sonstige Gruppe) mit Brot und Spielen ruhig zu stellen und zu besänftigen, durfte nicht plump angewandt werden. Und nur der Zeitüberbrückung dienen und nicht der Bequemlichkeit.
Aber richtig angestellt und subtil vermittelt, konnte man dadurch eine zerstrittene Gesellschaft einen und den Brand von Unzufriedenheit in Nutzfeuer umwandeln.

Dass die Menschenfrau das Bild des Theaters aufgriff und als Metapher verwendete, schenkte ihr ein weiteres ehrliches Lächeln des Gelehrten. Es ist doch schöner, wenn man sich bildreich und kreativ ausdrückte, als monoton-sachlich. Und auch dass sie ihm gutes Gelingen für seine immer konkretere werdende Planung zu einem identitätsstiftenden und -stärkenden kulturellen Programm für Prefsbelt IV, nahm er erfreut zur Kenntnis.
Nach einigen weiteren Details verwies ihn
Enric auf eine konkrete Kontaktperson - eine Frau Tessan.
T'rsop vermerkte sich den Namen mental und würde ihr eine Anfrage schicken, die in ihrer Ausarbeitung konkret und weitsichtig genug sein würde.

Und als sie schließlich im Gespräch auf die Art und Weise des Miteinanders zwischen ihnen kamen, stellte der Pau'aner an dem leicht mitschwingenden Unter- und Nachton des Menschen fest, dass dieser wohl etwas pikiert über die Direktheit und Klarstellung seines Kollegen war.
"Naja, es kann leider nicht jeder mit meiner ehrlichen Art umgehen", dachte
T'rsop bei sich. Hörte aber weiter aufmerksam und offen zu.

"Den gleichen Maßstab werden wir an Ihre Empfehlungen anlegen", schloss Enric schließlich.
Und
T'rsop nickte ernst. Er wusste und hörte, dass dies auch eine kleine Rüge und angehauchte Zurechtweisung oder Mahnung war. Aber das verletzte ihn diesmal nicht. Das war ein ehrliches Wort - und auch er konnte nur besser werden, wenn er etwas gefordert wurde.
Daher antwortete er:
"So soll es sein. Alles andere wäre ja unsinnig. Und somit haben wir durch diese Gegenseitigkeit auch gutes Futter für eine etwaige entstehende Zusammenarbeit, damit diese auch kräftig und groß werden kann."

Und so besiegelten sie eine erste Anbahnung von möglicher Zusammenarbeit beider Planeten. Und der Gelehrte hoffte inständig, dass dabei auch etwas Gutes rumkommen würde.
Vor allem seiner Vision und seiner Zeit wegen.

Leicht frustriert und doch irgendwie geehrt stellte der Pau'aner fest, dass das Ehepaar
Kreeger ihm tatsächlich Gesellschaft leisten wollte.
Genervt war
T'rsop, da dies hieß, er müsse noch weitere Zeit auf den guten Ton und die erdrückende Etikette achten. Und geehrt, da er nicht oft die Gelegenheit hatte, mit wirklich schlauen Personen über Kultur und Kunst ins Gespräch zu kommen und zu philosophieren.
Auch wenn
Enric dabei doch etwas trocken und sehr funktional blieb.

Und so ging das Trio los. Vorbei an Ständen, Ausstellungen und Sicherheitsstationen.
T'rsop nutzte ein gemächliches Tempo, ohne zu schlendern. Er wollte nicht zu locker wirken vor den beiden Menschen, die so viel Wert darauf zu legen schienen, dass man sich 'passend' präsentierte. Und er wollte ihnen auch nicht weglaufen.
Irgendwo auf dem Weg fiel sein Blick dann auf einen Essensstand, der Eintöpfe und Suppen anpries.


"Entschuldigen Sie, ich würde kurz mal ausschwenken...", dann drehte er sich im Gehen noch einmal kurz um, "Darf ich Sie zu einer Suppe oder einem Eintopf zum Mitnehmen einladen?"
Der Gouverneur von Prefsbelt IV sog genießerisch den Duft der verschiedenen Speisen ein und warf einen Blick auf die Karte. Er entschied sich für einen würzigen Gemüseeintopf und Speckstücken eines Tieres, das er nicht kannte und daher gerne probieren wollte.

Frisch ausgerüstet mit seinem heutigen Mittagessen gingen sie dann weiter, während
T'rsop immer mal wieder von seinem Teller löffelte.
Es schmeckte sehr gut - würzig - und lag leicht im Magen.
Ridley hatte auch bei der leiblichen Versorgung ein gutes Händchen gehabt. Zum Glück!
Ansonsten würde doch etwas fehlen. Ein leichtes Schmunzeln umzuckte den Mund des Pau'aners, der dann unhörbar murmelte:
"Brot und Spiele..."

Nach einer Weile des gesellig-schweigenden Flanierens blieb die kleine Gruppe an einer Vitrine stehen. Dort ausgestellt war eine filigran gearbeitete mechanische Uhr.
Der Pau'aner bewunderte kurz, wie exakt man wohl arbeiten musste, um so eine winzige Mechanik zum Laufen zu bringen. Ein wahres Kunststück intelligenten Lebens. Und nicht rein funktional wie die Uhren und Chronos, die nun fast jeder im Imperium und vor allem jede offizielle Stelle nutzte, die er kannte.

Ein Blick auf seine beiden Begleiter zeigte ihm, dass diese die Köpfe etwas näher zusammensteckten und wie von dem Uhrwerk angezogen dorthin schauten. Und ihm entging auch nicht, dass sich ihre Körperhaltung gut kontrolliert, aber doch nicht ganz verborgen, einen Hauch änderte.
Dies wurde gerade ein Moment der Zweisamkeit für die
Kreegers.
Und diesen gönnte
T'rsop beiden und wandte sich um. So konnte er selbst einmal kurz entspannen und sein Essen zuende bringen. Dabei überlegte er, wie schwer es sein musste, als Ehepaar in so hohen Verwaltungskreisen zu leben.
Immer der Öffentlichkeit ausgesetzt. Fast immer der Etikette unterworfen.
Da blieb wohl wenig Zeit für Zweisamkeit und Zärtlichkeit. Gut, dass er selbst sich nicht auch darum kümmern musste.
Und doch ahnte er, wie wertvoll dann gerade solch kleine Momente für die beiden sein mussten.

Er entfernte sich noch einen halben Schritt und ließ seinen Blick durch die Menge und den Weg gleiten. Auch hier waren viele schöne - und auch ein Paar mäßige - Kunstwerke zu sehen. Von Skulpturen über Schmuck hin zu Straßenmusikern.
Ja, die Stimmung war locker und die Leute genossen es, hierdurchzuschlendern. Blieben hier oder dort mal stehen. Unterhielten sich. Lachten. Besprachen Dinge.
Ein oder zwei bemerkten ihn und sahen skeptisch zu diesem nicht-menschlichen Gouverneur. Und
T'rsop hob grüßend und dadurch spottend die Hand und nahm sich dann den letzten Löffel seines Mahls.

Als er schließlich die Schüssel einem Servicedroiden überreichte, kamen auch
Valeria und Enric zurück zu ihm und sie konnten den Weg in die Galerie fortsetzen.
In der Ausstellungshalle selbst wusste der Gelehrte nicht, wo er zuerst hinschauen sollte. Es gab Gemälde mit detailreichen Darstellungen von Festen oder Tieren - und auch abstrakte in einer Mannigfaltigkeit von Farben und mit mysteriösem Schattenspiel. Dazu auch wieder Skulpturen und Bildnisse, die sich in ihrer Feingliedrigkeit wohl übertrumpfen mochten.
Und - für Truuine wohl mit-typisch - Gebilde aus Eis, die das Licht einfingen und in bunten Farben des gesamten Spektrums zurückwarfen. Jedenfalls, wenn man ein Wesen war, das verschieden Farben wahrnehmen konnte.


"Welchem Werk würden Sie zuerst Ihre Zeit widmen, Gouverneur", fragte ihn nun Enric ehrlich interessiert. Wo er, T'rsop, selbst stehenbleiben würde.
Bevor er direkt auf die Frage seines Amtskollegen einging, konnte sich der Gouverneur von Prefsbelt IV nicht verkneifen, etwas seinem Schalk nachzugeben - und damit durchschimmern zu lassen, dass ihm sehr wohl bewusst war, dass der Geschmack einer Person ein direkter Weg in deren Wesen war.


"Wissen Sie, Gouverneur. Es gibt doch diese Legende von einem höchst erfolgreichen Flottenadmiral. Der hat doch die Kunst, Musik und Kultur seiner Gegner studiert - oder besser: regelrecht in sich aufgenommen - und konnte sie danach spielerisch und in höchster Effizienz besiegen.
Es freut mich, dass Sie mich also auf der tiefsten Ebene meiner Person kennenlernen wollen."

Um zu verdeutlichen, dass er das nicht böse meinte, zwinkerte er dem Menschenpaar kurz zu und konnte es vor kindlicher Freude über seinen rhetorischen Stubser nicht verhindern, dass er kurz seine Zähne in einem offenen Lächeln zeigte.

Danach räusperte er sich - und hoffte, dass die beiden Menschen seinen Humor verstehen oder zumindest tolerieren würden und er sich nicht nochmals erklären müsste. Und wurde wieder ernst.

"Aber dann wollen wir doch mal sehen, wohin mich der Strom der Ausstellungsstücke zieht."
So schritt T'rsop los. Und verschwunden war jeglicher Schelm in ihm. Und auch jegliche Darstellung.
Er brauchte nur wenige Momente, bevor er die Wesen um sich herum - selbst die
Kreegers - ausblendete und sich vollends auf die Werke konzentrierte.
Es waren allesamt Meisterwerke. Wenn natürlich auch die wenigsten perfekt waren. Und es gab bei dieser Vielzahl an verschiedensten Stilen und Kunstwerken auch welche, die er in ihrer Klasse anerkennen konnte, die allerdings überhaupt nicht seinem Ästhetikempfinden entsprachen. So ging er mit überfliegendem Blick recht schnell an Skulpturen von Humanoiden vorbei. Diese sah er ja in Persona oft genug. Außerdem waren diese für seinen Geschmack zu plumpe und offensichtliche Selbstverherrlichungen.
Das ging mit mehr Substanz und Stil - je unterschwelliger, desto besser. Oder zumindest sollte diese dann abstrakt oder verstörend sein.

Auch Spiegel und Mobiliar ließ er schnell hinter sich - auch wenn diese durchaus etwas Faszinierendes an sich haben konnten.
Bei ein Paar Stoffen und Gewebekunstwerken blieb er etwas länger stehen. Mode war zwar nicht so seins - sie sollte funktional und bequem sein - aber er erfreute sich doch an gewagten Farben und mochte wärmespendende Oberflächen.

Auch hier schritt er kommentarlos weiter.
Bei einigen Bildern und abstrakten Skulpturen blieb er länger stehen. Das war schon eher Seins. Aber welches war würdig genug, um wirklich in ein intensives Gespräch zu kommen und ein intensives Erlebnis zu haben?
Er liebte Lichtspielereien und -brechereien. Und auch konnte er sehr gut an die Verknüpfung von Natürlichem und Zivilisatorischen anschließen - je brutaler, desto besser.
Auch glitt sein Blick wandernd immer mal wieder hoch oder zur Seite, um die große und deutliche Architektur des Raumes wahrzunehmen. Natürlich, elegant, hoch und weiträumig. Und doch ohne, dass der Schall sich unangenehm verbreitete und die Unterhaltungen störte. Es mussten sehr gut versteckte Schallauffänger installiert worden sein - oder gar integriert. Das Licht in verschiedenen Farbtönen oder Intensivitäten zurückwerfend aufgrund der Eisoberflächen. Welch eine Verbindung von Können, Kunst und Funktionalität.

Der Gelehrte hatte nicht nur die Leute um sich herum vergessen, sondern auch die Zeit. Er hätte nicht mehr mit Sicherheit sagen können, ob eine, zwei oder drei Stunden vergangen waren.
Schließlich fand er etwas, das ihn tatsächlich fast magisch anzog:

Er stand vor einem Gebilde, dass wohl eine implodierende Sonne darstellte. Er war sich ziemlich sicher, dass hier mit Transpariglas und auch natürlichem Eis gearbeitet wurde.
Und man hatte unterschiedliche Nuancen von Gelb-, Orange-, und Rot-Tönen eingearbeitet. Die aber selbst nur zur Geltung kamen, wenn das Licht im entsprechenden Winkel einfiel. Und so hatte man, je nach Licht und Kopfhaltung, einen vor allem roten, gelben, orangen und sogar dezent lilanen Stern vor sich abgebildet.
Und das Werk war so bearbeitet, dass man sogar kleine Details und Spiegelungen hatte, die ausbrechende Heliumexplosionen darstellten.
Alles überaus meisterlich und wunderschön. Und das, was für
T'rsop die Krone aufsetzte, war eine winzige Stelle im Inneren des Kunstwerks, die fast schwarz blieb - egal, aus welchem Winkel.
Ja, das war es!

Er richtete sich wieder zu seiner vollen Größe auf - und hatte gar nicht gemerkt, dass er teils gebückt um das Ausstellungsstück herumgegangen war - und schüttelte sachte den Kopf, um wieder ganz im Hier und Jetzt anzukommen.
Er drehte sich um. Und
Enric und Valeria waren noch da, dicht beieinander und nun doch dezent neugierig wartend.
T'rsop nutzte eine ausholende Handbewegung aus dem Bereich des Theater-Spiels und deutete dann auf das Kunstwerk.
"Das ist zum Beispiel etwas, das mich zutiefst berührt."

Er freute sich schon darauf, dies näher ausführen zu dürfen. Wartete aber zunächst einmal auf die Reaktion der anderen beiden.
Was und wie würden sie wohl zu dem Kunstwerk sagen?


[Innerer Rand / Manaan-Sektor / Truuine-System / Truuine / Nordpolarkreis / Nahe Moraband / Galagelände / Ausstellungshalle]
- mit Gouverneur Dr. T'rsop, Gouverneur Enric Kreeger, Valeria Kreeger und vielen weiteren
 
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Lilivienne Évarielle d'Oridin, Alizée Marre, Theranos Zesh, Kanto Garison und Kael Reed; weiter entfernt Ridley Solaris, Kal Andrim, Lucien Velcrest, Agustin Prada, Aren Vayliuar, T'rsop, Enric Kreeger, Valéria Kreeger, Nira Merash, Matthew Severide und allerhand weiterer Gäste

Lily vernahm noch die Zusicherung von Theranos, die versprochenen Flaschen weiterhin als Geschenk zu betrachten und darüber hinaus eine passende Auswahl für Bastion zusammenzustellen, während sie sich mit Kanto vom Stand entfernte. Sie wandte den Kopf ein letztes Mal zurück und betrachtete den Sektoradjutanten mit einem dankbaren Lächeln.

„Dann werde ich Ihr Versprechen nicht aus falscher Bescheidenheit ablehnen und damit riskieren, Sie zu beleidigen. Alizée wird alles Weitere mit Ihrem Personal klären.“

Sie nickte ihrer Majordomus zu, die natürlich nicht erst jetzt verstand, was sie zu tun hatte. Ihr Tross würde zurückbleiben und die entsprechenden Angelegenheiten regeln.

Die Bemerkung des Gouverneurs von Quarzite über die beiden zurückbleibenden Weinexperten quittierte sie mit einem vielsagenden Blick. Beim Gehen hörte sie, wie die beiden tatsächlich bereits wieder vollständig in ihrer eigenen Welt aufgingen.


„Offenbar. Solch Eintracht störe ich ungern.“

Auf die Nachfrage nach Professor Nemdars Kreation konnte sie dagegen keine besonders erleuchtende Antwort geben. Natürlich wusste sie, was der gewünschte Effekt war, aber der Wissenschaftler hatte sich bereits bei der Beantragung seiner Forschungsgelder als bemerkenswert geschickt darin erwiesen, gerade genug preiszugeben, um ihre Neugierde zu wecken, ohne sich ausschweifend zu erklären.

„Es handelt sich um eine unscheinbare Kiste ...“, begann sie genauso unspektakulär wie eben jenes Objekt, „ ...die eines von Professor Nemdars Forschungsprojekten beinhaltet. Er leitet das Institut für neurokognitive Studien von Bastion“, fügte sie erklärend hinzu.

„Der relevante Effekt setzt bei Berührung der Kiste ein. Erinnern Sie sich an den Wortlaut der Einladung zur Gala, Gouverneur? Die Gelegenheit, Kunst zu erleben, die nicht transportiert werden kann – ein Erlebnis, das an diesen Ort gebunden bleibt.“

Lilivienne legte eine dramatisierende Pause ein, während sie ihren Blick dem Adeligen zuwandte.

„Der Beitrag von Bastion verschafft dieser Beschreibung eine wörtliche Bedeutung. Sofern Sie die Kiste berühren, werden Sie sich an die letzten neunzig Minuten nicht mehr erinnern können. Einundneunzig Minuten und vier Sekunden, um genau zu sein.“

Sie hob belustigt die Augenbrauen.

„Der Gedanke ist natürlich, dass Sie die Kiste nach einer besonders beeindruckenden oder bemerkenswerten Performance aufsuchen, um dieses Erlebnis an den Augenblick und den Ort zu binden. Erst so wird sich daraus etwas wirklich Einzigartiges, nicht zu Wiederholendes ergeben.“

Die Gouverneurin lachte leicht.

„Natürlich könnte man sich die Darbietung danach auch ein zweites Mal ansehen und dasselbe Wunder wie beim ersten Mal verspüren. Aber das war nicht der Kerngedanke.“

Das amüsierte Lächeln blieb auf Lilys Lippen, während sie sich von Kanto in den schmalen Gletscherspalt führen ließ, der Teil des Quarziter Ensembles war. Mit jedem Schritt verlor sich das Licht der Ausstellung hinter ihnen etwas, bis der Gang schließlich in eine abgeschlossene Eiskammer mündete. Hier blieb die Gouverneurin abrupt stehen. Ein Ausdruck der wahrhaftigen Bewunderung zeichnete sich in ihrem Gesicht ab. Rosa-violettes Licht zeichnete die zahlreichen Arme einer femininen Figur gegen die Wände, während die Einschlüsse in ihrem Gesicht beinahe wie Augen auf sie wirkten. Erst als Lilivienne weiterschritt, bemerkte sie, dass sich aus einem anderen Winkel weitere Formen aus dem Kristall ergaben.

Kantos Erklärung über die Gottheit der Kage nahm sie mit einem langsamen Nicken hin. Die vielen Arme entsprachen nicht unbedingt ihrem menschlichen Verständnis von mütterlicher Geborgenheit, doch die Verbindung aus einladender Haltung und fremdartiger Anatomie hatte eine völlig eigene Wirkung, die von der Gestalt ausging. Sie trat etwas näher an die Skulptur heran, ohne sie zu berühren, und ließ ihren Blick erneut über die wechselnden Figuren wandern, während sie den leuchtenden Kristall umrundete. An einer Stelle beugte sie sich etwas vor, um die farbigen Einschlüsse genauer zu betrachten.


„Ist das Leuchten eine natürliche Eigenschaft des Kristalls? Und stammt die Skulptur tatsächlich von einem Künstler dieser Spezies? Oder nur ihre Inspiration?“

Lilivienne ließ ihren Blick noch einmal an den vielen Armen entlangwandern.

„Die Darstellung ist fremdartig, aber keineswegs primitiv. Der Künstler scheint sehr genau zu wissen, welche Wirkung sie entfaltet.“

Nun blieb die Gouverneurin in geringem Abstand zu Kanto stehen. Das geschäftliche Stimmengewirr der Ausstellung war hier vollständig verstummt.

„Warum stellen Sie die oberste Gottheit einer rückständigen Spezies aus?“

Ihr Tonfall enthielt keinen Vorwurf. Es war die reine, aufrichtige Neugier, die nun mit einem leichten Lächeln auf ihren Lippen hervorkam. „Warum genau dieses Werk?“

Hatte er sich bewusst dafür entschieden? Was war der Hintergedanke? Die Frage besaß durchaus das Potenzial, von einer planetaren Verwalterin zu stammen, die sich für die Entwicklung einer anderen imperialen Welt interessierte. Die nächste wurde da ungleich persönlicher.

„Wie genau sind Sie auf Quarzite gelandet, Gouverneur? Sie sprechen von dem Planeten, als wäre er nichts Weiteres als eine Aufgabe für Sie. Mir kam es nach Ihren ersten Worten vor, als wäre er nichts weiter als ein grauer Felsklumpen. Nun führen Sie mich ausgerechnet an einen Ort wie diesen. Entweder verkaufen Sie Ihre Welt absichtlich unter Wert, oder Sie genießen es, Erwartungen zu korrigieren.“

Lilys Lächeln wurde ein wenig wärmer. Sie würde gerne mehr darüber erfahren, wie ein Kanto Garison zu genau dieser Position gelangt war. Und dieser Ort schien ihr geradezu perfekt dazu, das Gespräch auf eine persönlichere Ebene zu schieben, während der Rest der Gala für einige Minuten ausgeschlossen war. Ihr Blick blieb mit sichtlicher Belustigung auf ihm ruhen.

„Oder wollten Sie mich nur mit der Überraschung beeindrucken?“

Sie lachte kokett und warf ihm einen charmanten, aber unschuldigen Blick zu.

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Lilivienne Évarielle d'Oridin und Kanto Garison; weiter entfernt Alizée Marre, Theranos Zesh, Kael Reed, Ridley Solaris, Kal Andrim, Lucien Velcrest, Agustin Prada, Aren Vayliuar, T'rsop, Enric Kreeger, Valéria Kreeger, Nira Merash, Matthew Severide und allerhand weiterer Gäste
 
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