Allgemeine Geschichte

Meiner Meinung nach ist Wiliam Bligh eine tragische Figur. Über wenig Seefahrer wurde zu Unrecht in Roman und Filmen so viel Müll ausgeschüttet als über ihn.
Was die Fahrt der Bounty angeht , so galt der damalige Kapitänleutnant und spätere Vizeadmiral Bligh als eher milder Kommandeur.
Sein Umgang mit Deserteuren auf Tahiti zeigt dies ganz deutlich.
Der wahre Lump auf der Bounty war Fletscher Christian.
Auch war Blighs Überfahrt nach Timor eine erstklassige Leistung der Navigation die ihm wohl keiner hätte nachmachen können.

Da bin ich ganz bei dir. Das Bild, das viele von William Bligh im Kopf haben, stammt oft eher aus Romanen und den bekannten Verfilmungen der Bounty als aus den historischen Quellen. Mein eigenes Wissen dazu stützt sich in erster Linie auf einige Zeitschriftenartikel, in denen der Tenor jedoch ähnlich ist: Die neuere Forschung zeichnet ein deutlich differenzierteres Bild.

Bligh war sicher kein einfacher Vorgesetzter. Er konnte verletzend sein, seine Offiziere scharf kritisieren und Konflikte eskalieren lassen. Das ist ein berechtigter Kritikpunkt. Gleichzeitig war er aber keineswegs der brutale Sadist, als den ihn die Populärkultur jahrzehntelang dargestellt hat. Im Vergleich zu vielen anderen Kapitänen seiner Zeit griff er sogar seltener zu körperlichen Strafen.

Am meisten beeindruckt mich bis heute auch seine Fahrt nach Timor. Unter den damaligen Bedingungen war das eine navigatorische Meisterleistung, die nur wenige Seeleute überhaupt hätten bewältigen können. Dass er den Großteil seiner Männer lebend ans Ziel brachte, spricht für seine Fähigkeiten als Seemann und Organisator.

Auch Fletcher Christian sehe ich kritischer, als es viele Verfilmungen tun. Er war sicherlich keine eindimensionale Schurkenfigur, aber die romantische Verklärung des edlen Meuterers überzeugt mich ebenso wenig. Am Ende waren beide Männer komplexe Persönlichkeiten. Bligh ist jedoch derjenige, dessen Ruf durch die Legendenbildung wesentlich stärker gelitten hat.
 
Auch war Blighs Überfahrt nach Timor eine erstklassige Leistung der Navigation die ihm wohl keiner hätte nachmachen können.

Bereits 1629 navigierte der Kapitän des VOC-Schiffs Batavia nach dessen Havarie vor der Westküste Australiens zwei kleine Beiboote ca. 1.600 Seemeilen nach Java um Hilfe zu holen. :klugs
Diese Leistung gereichte ihm allerdings nicht zur Ehre. Aufgrund von Ereignissen auf der Überfahrt, einer quasi-Meuterei, und sexuellen Übergriffen auf weibliche Passagiere wurde er in Batavia (Jakarta) inhaftiert.
Dazu muss man wissen das auf den Schiffen der Ostindienkompanie die Kapitäne, bzw. Navigatoren, nicht das alleinige Sagen hatten. Den Kurs des Schiffs und welche Häfen angelaufen werden bestimmte der Oberkaufmann, der auch im Namen der VOC entscheiden konnte, welche Waren wo verkauft und angekauft wurden. Der Kapitän war lediglich dafür zuständig, das Schiff zum vom Oberkaufmann bestimmten Hafen zu navigieren.
Das Schicksal der übrigen Schiffbrüchigen der Batavia war übrigens tragisch. Gestrandet auf zwei kleinen Inseln litten sie unter Wasser- und Nahrungsmangel. In dieser Situation errichtete der Unterkaufmann Jeronimus Cornelisz mit einigen Getreuen eine Terrorherrschaft, bei der er 125 Menschen ermorden ließ. Als der Oberkaufmann Monate später zurückkehrte wurde Cornelisz noch vor Ort der Prozess gemacht, in dessen Folge er enthauptet wurde. Zwei der ebenfalls zum Tode verurteilten Meuterer - Wouter Loos und Jan Pelgrom de Bye - wurden auf dem australischen Festland ausgesetzt, mit dem Auftrag, das Land zu erkunden und Kontakt zu den Eingeborenen aufzunehmen. Damit waren sie die ersten europäischen Siedler in Australien. Von ihnen wurde jedoch nie wieder etwas gehört.

C.
 
@Crimson
Über den Fall habe ich mal eine Doku gesehen. Das war doch dieser Apotheker oder ?
Aber ich dachte der wäre gehängt worden und nicht geköpft.

Ja, erhängt natürlich. Vorher wurde jedem der Verurteilten eine Hand abgeschnitten, Cornelisz als Anführer beide Hände. Cornelisz war ursprübglich Apotheker in Haarlem gewesen. Nachdem sein Sohn drei Monate nach sessen Geburt an Syphillis verstarb, war sein Ruf und somit sein Geschäft ruiniert, da die Krankheit auf außerehelichen Geschlechtsverkehr schließen ließ. Er verkaufte seine gesamte Habe und ging nach Amsterdam, um bei der VOC anzuheuern. Seinerzeit ein rpobater Weg für Leute, die für eine Zeit aus den Niederlanden verschwinden mussten oder wollten. Was ihn letztlich zu seinen Untaten bewog ist bisheute Gegenstand von Spekulationen. Neue Forschungsergebnisse gehen davon aus, dass er in Folge seiner nicht vollständig ausgeheilten Syphillis an Neuroleus erkrankt war, einer Hirnschädigung, die mit Wesensveränderungen bis hin zu Größenwahn einhergeht.
Ein Nachbau der Batavia, der zwischen 1985 und 1995 unter Verwendung alter Handwerkstechniken gebaut wurde liegt übrigens im niederländischen Lelystad vor Anker, und kann dort besichtigt werden.

C.
 
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