Artek III

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„Gleichfalls“, zischte Teneb Dask seinem Meister hinterher, kaum lauter als der Regen, der gegen die beschlagenen Fensterscheiben des Schankraums rann, mit genug Schärfe gesprochen, dass das Wort wie ein kleines, sorgsam verborgenes Messer klang, das man einem Rückzug hinterherschleuderte, in dem sicheren Wissen, dass es ihn heute nicht mehr treffen würde, aber vielleicht die Erinnerung daran im Fleisch beließ. Sikarius reagierte nicht, oder tat zumindest so, als reagiere er nicht, was in seiner Art oft dasselbe war, und verschwand in jener launischen Selbstherrlichkeit in seiner Kammer, die Teneb inzwischen besser kannte als ihm lieb war.

Er selbst zog sich wenig später in sein eigenes Zimmer zurück, da Ruhe auf Artek III längst aufgehört hatte, ein Zustand zu sein, auf den man sich verlassen konnte, und weil sich jede Stunde, die man nicht lernte, übte oder wenigstens an sich herumschnitt wie an einem schlecht geformten Stück Metall, im Nachhinein als gestohlene Zeit anfühlte. So setzte er sich auf das Bett, dessen schmale Matratze unter ihm in jenem unerquicklich federlosen Maß nachgab, das alle Möbel dieses Dorfes zu besitzen schienen, legte das Trainingslichtschwert zunächst neben sich, dann ans Fußende, dann auf die Kommode und schließlich auf den Boden, nur um es sich immer wieder mit dem Machtgriff in die Hand zu reißen, schnell, präzise, ohne zu zögern, ohne die innere Bewegung zu verwässern. Anfangs gelang es ihm nur ungleichmäßig, mal kam die Waffe sauber an, mal zu hoch, mal zu früh rotierend, einmal so schräg, dass ihm der Griff gegen die Fingerknöchel schlug und ihn fluchen ließ. Dennoch wiederholte er die Bewegung, wieder und wieder, bis der Übergang zwischen Willen und Zugriff kürzer wurde und der Griff der Klinge nicht mehr wie ein Stück Metall wirkte, das er aus der Ferne an sich riss, sondern wie etwas, das sich seinem Ruf bereits halb ergeben hatte.
Zwischen diesen Wiederholungen ließ er andere, kleinere Übungen einfließen, all jene Techniken, die sich auf engem Raum und im Sitzen vollführen ließen, wenn der Körper zwar erschöpft, der Wille jedoch noch zu gereizt zum Schlafen war. Er hob einen Becher an, ließ ihn langsam durch den Raum schweben, nicht hoch, nicht spektakulär, sondern kontrolliert genug, dass er weder taumelte noch gegen etwas schlug. Er versuchte, den Luftzug vor dem Fallen einer losen Decke am Fenster vorauszuspüren, suchte mit dem Machtsinn nach der Bewegung, noch ehe sie sichtbar wurde, und unterdrückte dann probeweise eine Welle von Ärger, die allein dadurch entstand, dass die verdammte Decke sich nicht so verhielt, wie er es wollte. Es war unerquicklich, anstrengend und in seiner Kleinteiligkeit beinahe lächerlich, und doch wusste er inzwischen, dass genau diese Form der Wiederholung, dieses ständige Schleifen an den Kanten des eigenen Unvermögens, ihn in den letzten Monaten weitergebracht hatte als jede einmalige Offenbarung.

Irgendwann kippte die Erschöpfung doch in Schlaf, und mit dem Schlaf kam kein Vergessen, sondern jener Albtraum, der sich in den letzten Wochen immer wieder neue Gesichter gesucht hatte, ohne seinen Kern zu verändern. Wieder war da
Peska Khalo, oder vielmehr das, was er aus ihm gemacht hatte. Ein aufgerissener, unfertig toter Körper, über den er noch immer gebeugt stand, während die Klinge in immer neuen Winkeln auf etwas einschlug, das einmal Kopf gewesen war. Blut spritzte in dicken, schwarzen Fächern über Gras, Hände und Gesicht, und zwischen den Schlägen knackte etwas, das im Traum viel lauter war als im wirklichen Augenblick gewesen sein konnte. Knochensplitter steckten in Schlamm und Stiefeln, klebten in seinen Haarstoppeln, rutschten ihm über die Lippen wie zu hart geratene Zähne, und immer wenn er im Traum zurückweichen wollte, stand da schon wieder diese unförmige, weißrote Masse, die einmal ein Gesicht gewesen war, nur um erneut unter ihm zu verschwimmen. Der Nebel ringsum war dabei nicht leer, vielmehr voller stiller, unförmiger Konturen, die sich zu einem immateriellen Schemen zusammensetzen und das Schlachten beobachtete, als müsse es erst ganz vollendet werden, ehe etwas anderes beginnen könne.

Als das Klopfen kam, brauchte es mehrere Anläufe, bis sein Geist es nicht mehr als Teil dieses Alptraums verstand. Erst schien es nur ein weiteres Geräusch in der zähen, knochenfeuchten Dunkelheit des Traums zu sein, dann brach es klarer hindurch, ein wirklicher Laut aus Holz, Scheibe, Außenwelt.
Teneb schlug die Augen auf, widerwillig aus dem Schlaf gerissen zu werden und brauchte einen Moment, bis sich seine Sinne an die Dunkelheit der Kammer gewöhnten. Das Klopfen kam erneut. Als er das Fenster öffnete, stand dort im Nebel eine Gestalt, und obwohl sie die Form seines Meisters trug, lief ihm bei ihrem Anblick sofort eine andere Art von dünner Gänsehaut über den Rücken, als es normalerweise der Fall war. Es war nicht einmal etwas Greifbares, eher eine falsche Nähe, eine Überdeutlichkeit in den Konturen, als wäre die Erscheinung zugleich anwesend und nur aus der Erinnerung an Anwesenheit geformt. Was ihn dennoch daran hinderte, die Sache sofort als Gefahr zu begreifen, war nicht die Gestalt selbst, sondern die Tatsache, dass er am Rand seiner Wahrnehmung zuvor deutlich UX-23 sah. Der Droide mochte vieles sein, ein Wärter und ein pedantischer Aufseher sowie ein kalter Buchhalter von Sikarius’ Exzessen, doch wenn selbst er diese Begegnung nicht in Frage stellte, musste, so sagte es ihm wenigstens jener Teil seines Verstandes, der noch Ordnung erzwingen wollte, etwas an ihr legitim sein.
Als
UX-23 sich daraufhin anderen Dingen zuwandt, registrierte Teneb nicht mit der Schärfe, die Misstrauen in Handlung übersetzt. Zu viele Eigenartigkeiten waren in den letzten Monaten um ihn herum geschehen, als dass jede von ihnen noch die Kraft gehabt hätte, ihn sofort aufzuschrecken. Der Tempel flüsterte. Der Nebel lebte. Träume griffen über den Schlaf hinaus. Sikarius tat Dinge, die jedem Außenstehenden wie Wahnsinn erschienen. Warum also nicht auch mitten in der Nacht vor seinem Fenster stehen und ihn wachklopfen, statt in sein Zimmer zu stürmen und ihn an den Beinen herauszuschleifen. Maximal die beinahe schon zarte Weckung hätte dem Sith Schüler Warnung genug sein sollen, doch wer konnte ahnen, dass eine Manifestation mehr Umgangsformen pflegte, als ein Krieger der Sith.

Teneb streckte seine Machtsinne aus, prüfte die Gestalt vor dem Fenster, suchte nach Brüchen, nach falschen Schwingungen, nach jener kleinen Unsauberkeit, die jede Täuschung in der Macht gewöhnlich zurückließ. Doch er fand nichts, nur die kalte, vertraute Dichte des Nebels, die Form des Meisters, den schmalen Zug von Autorität, an den sein Inneres längst gewöhnt war. Er zog sich an, nahm das Trainingslichtschwert an sich und trat hinaus. Der Weg durch Törcsván war in dieser Nacht mehr ein Tasten als ein Gehen. Der Nebel lag schwer über dem Dorf, er hatte es förmlich verschluckt. Die Gestalt seines vermeintlichen Meisters bewegte sich wenige Schritte vor ihm und Teneb folgte wie in jener eigentümlichen Mischung aus Gehorsam, Neugier und innerem Widerstand, die sein Verhältnis zu Sikarius inzwischen kennzeichnete. Einmal blieb er kurz stehen, zog die Robe enger und sagte in den weißkalten Dunst hinein: „Wenn das wieder so ein beschissener Test ist, hättest du wenigstens den Anstand haben können, mich nicht aus dem Schlaf zu reißen.“

Die Gestalt antwortete nicht sofort. Vielleicht hörte sie ihn gar nicht. Vielleicht tat sie nur so. Teneb schnaubte leise. „War ja klar.“

Sie gingen weiter. Unter ihren Füßen wurde der Boden unebener, das Dorf lockerte sich zu vereinzelten dunklen Volumen auf, und vor ihnen hob sich der Hang zum Tempel ab wie ein Stück Nacht, das dichter war als alles andere. Je näher sie kamen, desto deutlicher spürte Teneb wieder jenes bekannte Drücken in der Macht, dieses süße, widerwärtige, fast erregte Vibrieren am Rand der Wahrnehmung, als würde der Ort selbst den Atem anhalten, weil sich ihm etwas näherte, das ihm längst gehörte oder bald gehören würde. Ein zweites Mal sprach Teneb in den Rücken seines Meisters hinein, und diesmal lag weniger Trotz als blanke Schärfe in seiner Stimme.

„Wenn du mich wieder an irgendeiner Kante stehen lässt...“ brummte er, während ihm der Wind ins Gesicht peitschte.

Der Bleiche biss die Zähne aufeinander. Hass und Faszination, Wut und jene immer wiederkehrende, beinahe krankhafte Bereitschaft, noch tiefer in diese Lehre hineinzugehen, liefen in ihm zusammen wie zwei Flüsse, die längst aufgehört hatten, getrennte Farben zu tragen. Vor ihnen schälte sich die Silhouette des Tempels allmählich aus dem Nebel, nicht vollständig, eher als eine drohende Ahnung von Mauern, Brüchen und Dunkelheit, und während sie den letzten Abschnitt des Weges hinaufstiegen, begriff Teneb, dass er trotz allem weiterging, obwohl jede vernünftige Regung in ihm hätte umkehren wollen. Gerade das war vielleicht das Schlimmste. Nicht, dass er getäuscht worden sein mochte. Sondern dass er inzwischen bereit war, auch einer Täuschung zu folgen, wenn sie ihm nur tief genug versprach, dass am Ende irgendeine Form von Macht auf ihn wartete.


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[ Outer Rim / Sith-Welten / Artek-System / Artek III / Törcsván / Pub 'Bei Rousseaus' / Letos Kammer ] Leto

Als Leto am nächsten Morgen erwachte, blieb er für einige Momente einfach liegen und wartete darauf, dass der leichte Kopfschmerz hinter seiner Stirn verschwand. Versonnen schaute er zur Decke und betrachtete die ehemals weiß getünchte Oberfläche, die der Zahn der Zeit fleckig gemacht und mit einem dünnen Spinnennetz aus Rissen durchzogen hatte. Staub tanzte im Licht der Morgensonne, das durch das von innen beschlagene Fenster strahlte. Seine Intensität verriet einen seltenen Sonnenstrahl, der nicht von Wolken abgefangen wurde.

Langsam setzte Leto sich auf und lockerte die vom langen Liegen steifen Glieder. Wie spät war es? Ein Blick auf sein Com verriet, dass er uncharakteristisch früh erwacht war. Aber dafür war er ja auch früh eingeschlafen. Nicht einmal die Stiefel hatte er ausgezogen! Für einen Moment ruhten seine Augen auf den dunkelbraunen Bremsspuren, die seine Stiefel auf den fast noch frischen Laken hinterlassen hatten. Seltsam. Aber vielleicht ein guter Tausch für die lange Nacht traumlosen Schlafes, die er hinter sich hatte. Geräuschvoll knurrte sein Magen. Genüsslich streckte er sich und stand auf. Wenn er nur jede Nacht so schlafen könnte…

Im Schankraum rührte Rousseau grade in einem Topf und senkte den Blick als er Letos Tür aufgehen sah. Wortlos schob er ihm eine Schale Eintopf und einen Humpen Bier zum Frühstück hin und ging anschließend sofort wieder zum Rühren über. Leto seinerseits setzte sich ebenso wortlos an den Tresen und begann das Essen in sich reinzuschaufeln. Rousseau gehorchte, ohne zu murren, als Leto ihm wenige Minuten später winkte, die Schale erneut zu füllen. Erneut machte er sich darüber her und hätte fast überhört, wie UX-23 schwebend den Schankraum betrat. Doch an sich machte auch das keinen Unterschied. Erneut winkte er Rousseau für einen Nachschlag und sah erst in Richtung des Droiden, als dieser die Stimme erhob:


„Wo ist dein Schüler?“

Leto verdrehte sein Auge. Was sollte denn das jetzt schon wieder?

„Wo soller sein. Der Penner pennt.“

, gab er zwischen zwei Bissen zurück.

„Das ist nicht akkurat, Sikarius. Sein Fenster steht offen und er ist nicht anwesend. Es gibt Spuren im Matsch. Ich frage erneut: Wo ist dein Schüler?“

Vielleicht kam es Leto nur so vor, doch hatte sich eine ungewohnte Schärfe (mehr noch als sonst) in die Stimme des Droiden gemischt. Die Schale ein drittes Mal geleert, sah er auf.

„Was willst du von mir? Woher soll ich das wissen?!“

„Weil du oft genug für sein Verschwinden verantwortlich warst.“

„Na und?! Dann eben jetzt nicht. Ist das Schiff noch da, vielleicht hat er sich wieder nach Zygerria verp*sst.“

„Beide Shuttles der Svelte-Klasse sind noch anwesend.“

, gab UX-23 zurück.

„Dann hampelt der wohl irgendwo im Dorf herum. Öl dir jetzt mal nicht ins Hemd.“

„Ist er wieder zum Tempel gegangen?“

, mischte sich plötzlich eine gänzlich unerwartete Partei in die Unterhaltung ein. Leto brauchte einen Moment, um zu verstehen, dass UX-23 nicht plötzlich den Vocoder gewechselt hatte, sondern doch tatsächlich Rousseau in seiner Anwesenheit etwas gesagt hatte. Langsam wanderte sein ungleicher Blick zu dem Menschen, der hastig zu Boden schaute.

„Was heißt hier wieder?!“

, fauchte er, was den Wirt noch weiter zusammenschrumpfen ließ.

„Ich musste deinen Schüler vor Wochen daran hindern tiefer in den Tempel vorzudringen.“

, stellte UX-23 klar und Letos Augen zuckten zu der Maschine zurück.

„Und das hast du bis jetzt nicht für nötig gehalten mitzuteilen.“

„Nein, es war nicht nötig.“

„Und trotzdem gehst du MIR damit auf den P*ss, ICH hätte meinen Schüler verloren?!“

„Deine Versäumnisse sind klar in der Überzahl.“

„Deine Mutter ist klar in der Überzahl, du dumme Rostbirne!“


Deine Aussage ergibt keinen grammatischen Sinn.“

Letos geballte bionische Faust landete so fest auf dem Tresen, dass die Oberfläche splitterte. Der Humpen mit Bier wankte und schwappte über. Bevor er wusste, wie ihm geschah, war Leto auf den Beinen. In der Macht streckte er seine Sinne aus, warf sein Netz weit und suchte nach der Präsenz des Schülers. Er ignorierte die schuldige Nervosität Rousseaus und die schlafenden Dorfbewohner in den umliegenden Häusern. Immer weiter breitete sein Geist sich aus, umfloss die Tempelklippe wie Wasser, bevor er schließlich direkt seinen Blick auf die dunkle Wunde an ihrer Spitze richtete. Und da war sie, das kleine Flämmchen einer vertrauten Aura.

„Verf*ckte Sch*eiße, ihr dummen, besch*ssenen P*sser.“

, fluchte Leto fegte die leere Frühstücksschale und den Humpen mit einer Handbewegung zum Tresen. Mit Mord in den Augen wandte er sich zum Gehen.

„Er ist im Tempel. Wegen deinem manipulativen Bullsch*t haben wir Zeit verloren. F*ck dich ins Knie!“

Kaum hatte Leto den Pub hinter sich verlassen, hatte sich UX-23 schon wieder an seine Fersen gehängt. Der Droide schien klug genug zu sein, Leto nicht vollzutexten und folgte ihm einfach auf dem Fuß. Über den Dorfplatz, hinaus auf den äußeren Weg, am Landefeld vorbei und schließlich den Hang hinauf. Seine Stiefel hinterließen tiefe Fußspuren im Matsch, verwischten die mehrere Stunden alte Fährte, rutschten auf dem ansteigenden Weg immer wieder ab.

Stumm verfluchte er sowohl den Droiden, den Schüler, Rousseau und jeden einzelnen der besch*ssenen Dorfbewohner. Wenn der Junge sich zwischendurch heimlich zum Tempel schlich, hätte er gewarnt werden müssen. Verf*ckte Sch*iße! Das Training in seinem Schatten war ein Tanz auf dem Vulkan. Gleichzeitig die richtige Umgebung, um einen Sith zu formen, andererseits ein allesverschlingender Schlund, der nur auf einen Fehltritt wartete. Seine Gedanken rasten. Die ganze verdammte Mühe den Jungen zu unterweisen, durfte nicht umsonst gewesen sein! Doch was würde er tun müssen, um ihn – nein, die Früchte seiner Arbeit! – zu retten?


Schüler, beweg deinen Ar*sch aus dem Tempel. Sofort!

, fauchte er den Schüler telepathisch an, doch natürlich kam keine Antwort. Irgendetwas sagte ihm, dass er selbst in die dunklen Untiefen würde hinabsteigen müssen. Letos Augen wanderten in die Höhe, musterten das zerstörte Bauwerk, das ihm so lange als Heim gedient hatte und nun wieder schwarz und bedrohlich über ihm aufragte. Was hatte er in ihm zurückgelassen, was nun bereits auf ihn wartete? Nichts! Egal!

Der Schüler, war das Einzige, was der dumme Tempel noch zu bieten hatte. Er würde hinabsteigen und sehen, wie die Dinge standen. Im Zweifel würde er ihn eben vernichten. Was war schon groß dabei?! Deswegen hatte er nie den Namen des Jungen gelernt. Er bedeutete nichts! Er war Darth Sikarius und was bedeuteten schon ein paar Monate Urlaub mit einem privaten Boxsack zum Abreagieren?!

Als Leto die Schwelle des Tempels erreicht hatte, blieb er stehen. Ein modriger Geruch schlug ihm entgegen und das Tröpfeln von Wasser hallte vielfach verstärkt von den schwarzen Wänden wider. Eine dünne Schicht aus Nebel waberte über den Boden und legte sich hungrig um seine Stiefel. Nein, das bildete er sich nur ein. Für wenige Herzschläge zögerte er.


„Deine Mutter war ein Kalkeimer und dein Vater ein Puff!“

, fluchte er. Was war schon groß dabei? Der Tempel hatte ihn schon einmal freigeben müssen. Er war mächtiger als alle hier wartenden Schatten zusammengenommen. Nein, falsch. Hier warteten keine Schatten. Hier war nur er und der Dieb. Und der dumme Droide, aber die Rostlaube zählte nicht!

Tief atmete er ein, dann aus. Und schließlich betrat er den Tempel.


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Outer Rim | Sith-Welten | Artek-System | Artek III | Tempel | Teneb Dask & der Nebel in Menschenform

Gewiss gab es Orte, die bloß aus Stein errichtet worden waren, doch der Tempel über Törcsván gehörte nicht dazu, denn was in dieser Nacht vor Teneb Dask aus dem Nebel auftauchte, wirkte weniger wie ein Bauwerk als wie der sichtbare Rand eines alten, geduldigen Abgrunds, der schon lange vor ihm dort gewartet hatte. Der Aufstieg durch Nebel, Frost und den gedämpften, vom Wind nur halb zerrissenen Atem der Steppe hatte den Bleichen in jenen Zustand versetzt, in dem die Welt ihre Konturen auf eine unheilvollere Weise verdichtete. Hinter ihm blieb Törcsván zurück wie ein matter Rest menschlicher Behauptung, vor ihm erhob sich die Ruine des ehemaligen Sith-Tempels in jener Mischung aus erloschener Größe und fortdauerndem Anspruch, die nur Orte ausstrahlen, an denen Macht einst konzentriert, missbraucht und zuletzt in Trümmer verwandelt worden war. Selbst der Nebel, der sich um die Mauern schlang und durch gesprungene Böden, offene Treppen und kollabierte Korridore tastete, wirkte hier wie ein dienendes, tastendes Organ, das den Ort nicht verhüllte, sondern ihn mit kalten, weißen Fingern gegen den Rest der Welt abschirmte.

Die Gestalt vor ihm, noch immer in der Form seines Meisters und doch auf eine Weise geglättet, die sie zugleich glaubwürdig und unerquicklich falsch erscheinen ließ, glitt durch diese Dichte, ohne den Boden sichtbar zu berühren. Als sie sprach, war ihre Stimme eine sanfte Verzerrung des Vertrauten, und gerade diese Nähe zum Bekannten machte sie gefährlicher als jedes offen monströse Auftreten.


„̴K̸o̷m̵m̴,̸ ̷T̸e̸n̶e̶b̶“̴, sagte sie, und im Nebel klang sein Name wie eine Zuwendung. „̴I̷c̶h̷ ̸w̶i̸l̷l̵ ̷d̶i̷r̷ ̶e̶i̵n̷ ̵G̴e̴s̵c̸h̴e̷n̸k̸ ̵m̶a̷c̶h̸e̴n̴.̶“̶

Teneb folgte in jener willenverschobenen, fiebrigen Weise, in der ein Mensch einer Idee folgt, die ihm längst in den Schädel eingesickert ist. Ein Teil von ihm verfluchte Sikarius dabei weiter, als wäre sein Hass das letzte intakte Organ in einem ansonsten bereits von fremden Einflüssen durchsetzten Leib. Selbst jetzt, selbst in diesem unwirklichen Zug durch die Ruine, dachte er mit schneidender Schärfe an seinen Meister, an dessen Tritte, dessen Lachen, die verweigerte Würde seines Namens, die Scherze, das Blut, die Lehren, die immer zugleich Erniedrigung gewesen waren. Vielleicht war es genau diese anhaltende, tiefe Feindseligkeit, die die Entität schmeckte. Vielleicht brauchte sie sie nur zu berühren, um zu verstehen, wie wenig die Gestalt Sikarius’ geeignet war, ihn noch tiefer an sich zu binden. Denn allmählich, fast zärtlich, begann sich ihre Erscheinung zu verändern. Zuerst war es nur eine Unschärfe im Umriss, ein leichtes Flimmern dort, wo Schulter in Hals, Gesicht in Schatten hätte übergehen müssen. Dann wurde die Haltung gerader, weniger verkrampft, weniger von jener beleidigten Härte getragen, die Sikarius eigen war. Die Züge lösten sich aus der bekannten Hässlichkeit und nahmen eine andere Strenge an, eine ruhigere, fast traurige Würde, die Teneb nicht benennen konnte und doch sofort als plausibler empfand. Das Entsetzliche daran war nicht, dass er den Wandel bemerkte. In seinem Zustand erschien es ihm folgerichtig, beinahe erleichternd. Sein Hass galt nicht dem Nebel, nicht dem Tempel, nicht einmal der falschen Hand, die ihn tiefer lockte. Er galt Sikarius. Also durfte, ja musste diese Führergestalt aufhören, Sikarius zu sein. Alles andere wäre innerlich unlogisch gewesen. In dieser pervertierten Logik lag bereits der halbe Sieg der Entität. Sie führte ihn durch Bereiche des Tempels, die selbst tagsüber unerquicklich genug gewesen wären und sich nun, in dieser weißen, alles durchfeuchtenden Nacht, wie die Verdauungsorgane eines größeren, älteren und nur notdürftig stillgelegten Wesens anfühlten. Zuerst passierten sie das Foyer, dessen prunkvolle Eingangstreppe noch immer einen Hauch jener imperialen Pracht behauptete, die hier einst geherrscht haben musste, auch wenn das Portal verschüttet und die große Statue, die den Raum dominiert haben mochte, zerschlagen und bis zur Unkenntlichkeit entstellt war. Überall lag jene gespenstische Spannung einer ruinierten Wahrheit, die an ihrem restauriertem Anspruch zerschellte. Der Teppich in der Eingangshalle, schwer und teuer genug, um auf anderen Welten ehrfürchtige Bewunderung zu wecken, wirkte hier wie ein Fremdkörper, als hätte man einem Leichnam Rouge aufgetragen. Die Wände waren frisch verputzt, der schwarze Marmor der Treppe glänzte stumpf, das Geländer aus weißem Alabaster zog sich in filigranen Linien empor – und doch konnte Teneb hinter allem den Verfall hören, nicht mit den Ohren, sondern in jener tieferen Weise, in der Orte, die zu lange von Tod und Wahn bewohnt wurden, selbst in ihren reparierten Formen weiter faulen.

Je tiefer sie gingen, desto mehr verlor der Tempel den Charakter von Architektur. Der amphitheaterähnliche Kampfplatz unter den restaurierten Bereichen lag in einem Halbdunkel, das selbst den Nebel zu scheuen schien, und die Gitterstäbe, Käfige und die Loge für einen Imperator wirkten wie Überreste eines Rituals, dessen Schaulust das Grauen ausgeleuchtet hatte. Halb verrotete Kalziumkerker sprachen Bände über das elendige Sterben, dass hier einst zelebriert wurde und anhand des Zustands konnte der Bleiche sich herleiten, dass die Zerstörung des Tempels und die letzten Schauakte dieser Barbarei zeitlich weit auseinander lagen. Der Weg führte ihn weiter, durch Hallen die flüsternd ihm vom Verderben und den Verheißungen der dunklen Macht berichteten und am dünnen Leichentuch seines Geistes zerrten. Es war, als folgte er einem Irrlicht, dass den Weg gerade gut genug ausleuchtete, um dem Umbaraner, der sich in dieser Halbdunkelheit visuell wohl fühlte, die Richtung vorzugeben.
In den Kellergewölben darunter jedoch kippte alles. Dort, wo einst Bestien gehalten worden waren, wo dicke Stäbe, Stromführungen, alte Vibrationsmotoren und längst blinde Holokameras die emporragenden Gerippe von Rancors, Acklays, Kampfhydren und Tuk’atas erzählten, war die Luft von einer Art abgestandener Vitalität, als hätten selbst die leeren Käfige noch etwas von dem Drängen, Fressen und Leiden in ihre Gitter eingeschrieben. Auch hier spürte er eine Art Abdruck des Leids dieser Kreaturen, als hätte sich ihr Wehklagen und ihr Wille zum Ausbruch nicht nur in den Kerben der Gitter manifestiert, sondern seien auf atomarer Ebene in das Eisen eingedrungen.
Teneb sah Rost, exkrementartige Flecken sowie verrutschte Knochenfragmente und Reste von Ketten, die nicht mehr zuzuordnen waren. Er war von dem Gefühl umgeben, dass der Tempel nicht leer stand. Geräusche traten an den Rand seiner Wahrnehmung, die nicht verlässlich auf Materie zurückzuführen waren und ihm Streiche spielten. Immer wieder schnellte der Bleiche um in dem Gewissen, ein Klauenkratzen aus einer Kammer vernommen zu haben, deren Tür aus den Angeln hing. Dann wiederum ein kurzes, feuchtes Schnauben, obwohl kein Leib sichtbar war und in der Dunkelheit auch keine Augen aufblitzten. Zuletzt war da noch das leise, vielstimmige Summen eines Raumes, der nie für Menschen erbaut worden sein mochte und ein Auffangbecken für all die Grausamkeit dieses Molochs gewesen sein durfte.

„̷D̴u̷ ̷w̴i̸l̶l̷s̶t̷ ̶w̶a̸c̵h̶s̸e̶n̴“̵, sagte die Entität vor ihm, ohne sich umzudrehen. Ihre Stimme war nun endgültig nicht mehr die seines Meisters. Sie besaß eine tiefere, ruhigere Textur, fast etwas Trauriges, fast etwas Fürsorgliches, und genau diese Färbung ließ Teneb die Haut an den Armen prickeln. „̷D̶a̷n̴n̸ ̴h̸ö̴r̷ ̵a̵u̶f̷,̵ ̷a̴n̸ ̷d̷e̶r̷ ̶H̸a̷n̵d̶ ̴e̶i̶n̶e̴s̸ ̵M̵a̶n̶n̷e̵s̴ ̵z̸u̸ ̶k̴r̶i̸e̶c̵h̵e̸n̶,̸ ̵d̶e̵r̵ ̵s̸e̷l̴b̸s̶t̷ ̵n̴i̴e̷ ̴g̷e̶l̴e̶r̷n̸t̷ ̶h̵a̶t̶,̵ ̴a̵u̸f̶r̴e̸c̸h̶t̶ ̴z̸u̷ ̴g̸e̶h̷e̸n̶.̶“̸

Er sagte nicht, obwohl er etwas sagen wollte und spürte, wie es im Hals steckenblieb. Denn tief in ihm hatte der Satz einen Nerv getroffen, der zu lange bloß unter Hass gelegen hatte.

Schließlich führte sie ihn in einen Bereich, in dem der Tempel eng wurde. Die Mauern traten dicht aneinander, Gänge brachen unvermittelt ab, Durchgänge schienen weniger geplant als in den Stein hineingebissen, und der Weg, den er nun nahm, glich eher einem Instinkt als einer Route. Er musste sich seitlich drehen, unter gebrochenen Verstrebungen hinwegducken, durch einen Spalt zwischen eingestürzter Wand und uraltem Mauerwerk schlüpfen, in dem die Luft stickiger, wärmer und zugleich viel toter wirkte als in den größeren Hallen zuvor. Hier unten schien der Tempel nicht gebaut, sondern geschichtet, als hätte etwas über Jahrzehnte oder Jahrhunderte hinweg aus Resten, Hohlräumen, Knochen und Bedürfnis einen privaten, fast tierischen Rückzugsraum in den Fels hineingefressen.

Die Entität blieb dann an einem Ort abrupt stehen. Dieser lag in einer klaustrophobischen Kammer, deren Decke so niedrig war, dass selbst Teneb sie beinahe als Druck empfand. Der Raum war voller Überreste, eine Ansammlung von Dingen, die für einen bestimmten, dunklen Zweck behalten und dann vergessen worden waren. Knochen in verschiedenen Stadien des Zerfalls lagen dort, manche gebleicht, manche noch von dunklen Resten überzogen, dazu zerrissene Stoffe, alte Bactapackungen, Flaschenhälse, verrottete Lederstreifen und etwas, das einmal Schlafmaterial gewesen sein mochte. Dazwischen jene eigentümliche, intime Hässlichkeit, die Orte annehmen, in denen jemand lange genug gehaust und sich zugleich verborgen hat. Alles daran sprach von einem Wesen, das Enge suchte, das sich in Spalten, Nischen und Zwischenräumen eher zu Hause fühlte als in offenen Zimmern, und das hier, inmitten des Gestanks nach altem Blut, Schimmel, billigem Alkohol und kalter Feuchtigkeit, eine Form von Heimstatt geschaffen hatte. Im Zentrum dieses Abfalls, zwischen Rippenbögen, Flaschen und verkrustetem Stoff, lag das Geschenk, ein Lichtschwert. Es war nicht prunkvoll im ordinären Sinn, besaß kein keine unnötige Verzierung. Die Materialien waren edel, die Linien klar, ein Gegenstand der mit viel Hingabe erschaffen worden war.
Teneb kniete sich fast ehrfürchtig in diesen Haufen aus Knochen und Resten, schob mit vorsichtigen Fingern einen Unterkiefer zur Seite, strich über das glatte, kühle Gehäuse und hob die Waffe an.

In dem Moment, in dem seine Hand den Griff vollständig umschloss, lief ein Schauer durch ihn. Er sah kein Bild im eigentlichen Sinn, keine Erinnerung, die ihm gehörte, was er spürte war ein Abdruck eines ausgelöschten Lebens. Etwas Junges, Unverbrauchtes, Ernsthaftes. Hoffnung, die nicht naiv gewesen war und vor erlernter Disziplin strotzte. Schmerz, der abrupt, ungerecht, zu früh gekommen war. Darunter eine Potenz, die nicht hatte wachsen dürfen, weil man sie vorher herausgerissen hatte.
Teneb spürte das Leuchten eines Wesens, das erst begonnen hatte zu werden und bereits zerstört worden war, ehe es ganz in seine eigene Form treten konnte. Es war, als hielte er nicht nur eine Waffe, sondern eine abgeschnittene Zukunft in den Händen.

„̸G̶e̶f̵ä̵l̴l̸t̸ ̴d̶i̴r̵ ̸m̴e̶i̶n̴ ̴G̸e̴s̷c̵h̷e̴n̵k̵?̶“̵, fragte die Entität hinter ihm.

Teneb antwortete zunächst nicht und nickte nur stumm. Er hob das Schwert leicht an, spürte das Gewicht, die Balance, das Versprechen. Dann aktivierte er es. Die Klinge erwachte mit einem kreischenden, fast animalischen Aufheulen, und das blaue Licht, das aus dem Griff hervorbrach, schnitt in der engen Kammer eine Klarheit auf, die alles andere noch verwesender aussehen ließ. Knochen glommen kalt auf. Feuchtigkeit glänzte an den Wänden. Im blauen Schein wirkte das "Nest" zugleich banaler und schrecklicher. Teneb spürte in diesem Augenblick eine Erhabenheit, die ihm mit dem Trainingslichtschwert nie zugänglich gewesen war. Es war eine echte Klinge. Eine Waffe voller Verheißung.

„̷V̸i̷e̸l̴ ̷b̴e̶s̷s̷e̷r̷“̷, murmelte die Entität. „̶V̴i̵e̷l̶ ̷b̵e̵s̴s̵e̸r̴,̵ ̴a̷l̷s̸ ̸d̴e̸i̸n̷ ̸a̶l̷t̴e̷r̴ ̷M̶e̸i̵s̷t̶e̸r̸ ̴j̵e̶ ̴f̷ü̸r̸ ̸d̷i̸c̸h̸ ̶w̷a̵r̵.̵“̵

Der Umbaraner schloss kurz die Augen, nur um das Kreischen und Glühen der Klinge deutlicher in sich aufzunehmen.

„̸E̵r̵ ̵w̷a̸r̵ ̵s̷c̸h̴l̸e̸c̴h̵t̵“̸, flüsterte die Stimme weiter, nun ganz nah, obwohl er keine Schritte gehört hatte. Die Stimme war tief und zäh wie schwarzer Teer, der förmlich aus dem Mund der Entität quoll. „̷E̶r̵ ̷h̵a̶t̵ ̵d̵i̴c̶h̴ ̵n̶i̷c̶h̶t̶ ̵g̶e̶f̷o̷r̴m̵t̸.̷ ̶E̷r̷ ̷h̵a̸t̵ ̶d̴i̵c̵h̴ ̷a̶u̶s̷g̴e̷h̶ö̶h̷l̶t̵.̶ ̵J̴e̵d̶e̸n̵ ̴S̸c̴h̷l̵a̴g̷,̷ ̷j̶e̶d̴e̸ ̵D̶e̵m̶ü̸t̶i̸g̴u̴n̸g̴,̸ ̴j̶e̶d̵e̵s̷ ̴v̵e̶r̸w̷e̴i̷g̷e̴r̷t̷e̷ ̶W̴o̸r̶t̴ ̸h̷a̸t̴ ̶e̶r̴ ̵b̷e̸n̷u̴t̸z̷t̸,̶ ̶u̶m̴ ̸e̷t̵w̵a̸s̴ ̷a̷u̶s̷ ̵d̴i̷r̴ ̴h̶e̴r̶a̷u̷s̸z̸u̷r̵e̶i̸ß̷e̶n̶,̵ ̵n̵i̸c̵h̴t̵ ̵u̵m̴ ̸e̷t̵w̶a̷s̸ ̴i̴n̵ ̵d̵i̴r̸ ̴w̸a̴c̸h̸s̷e̴n̷ ̵z̵u̷ ̸l̸a̸s̶s̴e̸n̶.̸“̸

Die Worte trafen ihn mit der widerwärtigen Genauigkeit einer Diagnose, die man selbst längst ahnt und nicht hören will. Was die Entität aussprach, war nicht bloß Hass auf
Sikarius in fremdem Gewand. Es griff tiefer. Teneb spürte die Leere, von der sie sprach, nicht poetisch und in jener stumpfen, lähmenden Weise, in der Depression sich im Inneren einnistet. Er fühlte den Zustand, in dem selbst Triumph nur kurz aufflammt, um sogleich wieder in dumpfe Müdigkeit, Gereiztheit und Sinnverlust zurückzusinken. Das widerlich zersetzende Gefühl, dass man sich von außen zwar bewegt, kämpft und lernt, doch innerlich längst ausgehöhlt ist und nur noch von dem aufrechterhalten wird, was andere in einen hineingeschlagen haben. Artek III hatte in ihm Räume im Inneren leergeräumt, in denen früher Scham, Vorsicht, Trauer oder Hoffnung gewohnt hatten. Nun waren dort Frost, Zorn und ein Schweigen, das nie ganz in Ruhe überging.

„̵L̶a̸s̴s̸ ̸m̴i̵c̸h̸ ̴h̵i̷n̸e̷i̷n̷“̴, sagte die Entität, und ihre Stimme wurde noch weicher, noch älter, noch gefährlicher. „̵I̸c̷h̴ ̸k̶a̷n̵n̵ ̷d̵i̴c̴h̵ ̸a̵u̶s̴f̷ü̶l̵l̶e̷n̴.̴ ̵I̶c̴h̵ ̸k̴a̶n̶n̷ ̸d̴i̷e̶ ̵T̶i̶e̴f̵e̵ ̸i̴n̶ ̸d̶i̶r̸ ̶n̸i̵c̷h̸t̵ ̸f̸o̴r̵t̸n̷e̵h̷m̵e̴n̵,̸ ̸a̵b̷e̵r̴ ̴i̷c̴h̸ ̴k̷a̷n̵n̸ ̶s̸i̴e̵ ̵m̵i̵t̵ ̸e̸t̴w̶a̶s̷ ̶a̴n̶d̵e̶r̵e̸m̸ ̶f̴ü̸l̵l̵e̸n̵ ̴a̵l̵s̸ ̷M̷ü̷d̵i̴g̶k̷e̸i̷t̴,̷ ̴K̸r̶ä̶n̵k̴u̸n̵g̵ ̵u̸n̶d̶ ̸d̷i̴e̶s̴e̸m̸ ̵k̸a̸l̵t̷e̶n̴,̵ ̸t̷o̸t̶e̶n̶ ̸H̷u̶n̴g̸e̷r̷.̸ ̷I̷c̵h̴ ̶k̷a̸n̷n̶ ̵d̴i̶r̴ ̸g̴e̴b̷e̶n̷,̴ ̷w̷a̵s̶ ̵e̵r̶ ̷n̷i̷e̴ ̵g̶e̵b̵e̸n̸ ̶k̵o̷n̸n̸t̸e̴.̸ ̶B̸e̷d̶e̶u̵t̶u̷n̵g̸.̶“̷

Teneb
stand wie angewurzelt in der engen Kammer, das blaue Lichtschwert in der Hand, das "Nest" des Raubtieres, dass hier gehaust hatte zu seinen Füßen, den Gestank alter Knochen und verrotteter Reste in der Nase und doch erschien ihm nichts davon abstoßend genug, um die Versuchung zu brechen. Jenseits des Ekels lag etwas Schlimmeres, etwas, das der Tempel und die Stimme dahinter mit quälender Präzision berührten. Die Möglichkeit, dass das, was ihm als Ausbildung verkauft worden war, zwar Stärke gebracht, aber zugleich einen Hohlraum in ihm hinterlassen hatte, den er nicht mehr ignorieren konnte und nun die Gelegenheit gekommen war aus dieser Stasis auszubrechen und eine Metamorphose zu durchleben, die aus ihm endlich das machen würde, was Sikarius nie zu schleifen imstande gewesen war.

Draußen heulte irgendwo Wind durch gebrochene Gänge. Im Mauerwerk knackte etwas, als verschöbe der Tempel selbst im Schlaf sein Gewicht. Das blaue Licht warf unruhige Reflexe auf die feuchten Wände, und in diesen Reflexen schien sich die Gestalt hinter ihm weiter zu verändern, immer weniger Person, immer mehr Gegenwart, als müsse sie keine Form mehr halten, weil er sie ohnehin bereits als plausibel akzeptiert hatte.
Teneb öffnete die Augen. Das Kreischen der Klinge war noch da. Der Geruch von Tod auch. Die Leere in ihm ebenfalls und die Stimme wartete nur auf seine Antwort.

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