Bastion

Bastion | Imperium | Bastion Center | Sithtempel - vor dem Haupttor | Sedros und Darel sowie der Torwächter (NSCs)


Der Lauf hatte Darel mehr Kraft gekostet, als er zugeben würde. Seine Beine waren noch immer schwer vom vorherigen Tag, doch er hielt das Tempo, das sein Lehrmeister vorgab, ohne Klage, ohne sichtbares Nachlassen. Jeder Atemzug brannte zunächst in der Lunge, jeder Schritt zog in den Oberschenkeln, doch mit jedem Kilometer fand sein Körper langsam in einen gleichmäßigen Rhythmus. Sedros lief neben ihm mit einer Leichtigkeit, die beinahe demütigend wirkte, und Darel registrierte genau, dass kein Schweiß auf der Stirn seines Meisters glänzte, kein Atem schwerer ging.

Am Raumhafen angekommen, fühlte Darel, wie sich die Resterschöpfung wieder in seinen Muskeln sammelte, doch bevor sein Körper zur Ruhe kommen konnte, folgten die Sprünge. Liegestützsprüngen. Die ersten zwanzig waren kontrolliert, die nächsten dreißig kosteten Konzentration, ab fünfzig begann das Zittern. Sein Atem wurde stoßweise, der Schweiß rann erneut, und er spürte das leichte Nachgeben in den Schultern, das gefährliche Gefühl, wenn Kraft und Koordination sich voneinander lösen wollen. Er zwang jede Wiederholung sauber zu Ende, selbst als seine Arme brannten und der Stein unter seinen Händen rutschig wurde.

Als Sedros ihn erneut zur Meditation anwies und die Hand auf seinen Kopf legte, fuhr für einen flüchtigen Moment Anspannung durch ihn, eine Erinnerung an die Tortur des vergangenen Tages. Doch diesmal war es anders. Die Macht strömte nicht wie ein Sturm durch ihn, sondern wie ein angenehmer Fluss. Darel spürte, wie Wärme in seine Muskeln floss, wie die Schwere aus den Oberschenkeln wich, wie sich die Enge in seiner Brust löste. Es war, als würde jemand eine unsichtbare Ordnung in seinem Körper wiederherstellen, Blut beschleunigen, Giftstoffe vertreiben, die Müdigkeit zurückdrängen. Als Sedros die Hand zurückzog, fühlte er sich tatsächlich leichter, klarer, beinahe erneuert – und zugleich war ihm bewusst, dass diese Fähigkeit ihm noch lange nicht gehörte.

An Bord der Obsidian Gauntlet nahm er jedes Detail in sich auf, ohne offen zu starren. Die Enge der Kabinen, die karge Nasszelle, die beinahe leere Waffenkammer. Es war kein Schiff für Komfort, sondern für Zweckmäßigkeit.

Der Frachtraum hingegen war Chaos.

Der Geruch traf ihn wie ein Schlag. Ammoniak, Futterreste, Federn. Die Porgs wuselten zwischen Kisten und Nistplätzen umher. Einer sprang gegen sein Bein, ein anderer versuchte tatsächlich, sich an seiner Schulter festzukrallen. Darel blieb ruhig. Er schob die Tiere behutsam, aber bestimmt zur Seite, während er begann, Ordnung in das Durcheinander zu bringen. Die Servicedroiden arbeiteten mechanisch neben ihm, und er passte sich ihrem Rhythmus an, hob Käfige an, säuberte Flächen, richtete Nester neu aus.

Als Sedros ihn anwies, sechs alte und kranke Tiere auszuwählen, zögerte er nicht sichtbar. Er musterte die Porgs mit sachlichem Blick, achtete auf trübe Augen, struppiges Gefieder, langsame Bewegungen. Seine Hand griff zu, fing eines der Tiere ein, das in seinen Armen zappelte und quietschte. Für einen Moment spürte er das warme, schnelle Pochen des kleinen Herzens gegen seine Handfläche.

Er ließ es nicht zu lange dauern.

Im Nebenraum, als die Piranhakäfer dann über die wehrlosen Tiere herfielen, blieb sein Blick auf dem Geschehen. Die panischen Schreie schnitten kurz durch die Luft, dann war nur noch das Rascheln zahlloser Körper zu hören. Sein Magen zog sich einmal zusammen, reflexhaft, doch sein Gesicht blieb unbewegt, immerhin hatte er in der Vergangenheit schon mal Tiere schlachten müssen, als er einmal mit seinem Vater auf der Jagd war. Er zwang sich, nicht wegzusehen. Sedros beobachtete ihn – das war offensichtlich.

Zwischen dem Gewimmel der Insekten nahm er etwas anderes wahr. Eine feine, kaum greifbare Präsenz, die nicht von den Käfern ausging. Die Schwerter, sie standen reglos in den Behältern, doch ihre Aura war schwach, pulsierend. Dieser Eindruck blieb ihm länger im Bewusstsein als die Schreie der Porgs.

In der Nasszelle ließ er das heiße Wasser über sich laufen, schrubbte den Geruch des Stalls von seiner Haut und betrachtete kurz die verblassten Blutspuren an seinem Ohr. Sein Körper war noch immer nicht vollständig erholt, doch er stand aufrecht und fühlte sich zumindest erfrischt, als er in frischer Robe die Kombüse betrat.

Das Essen war schlicht, aber kräftig. Er setzte sich, nahm Besteck und begann zu essen, ohne Hast. Als Sedros vom Kochen sprach und von Giften, registrierte Darel den Hinweis. Jede Tätigkeit war Unterricht.



Dann kam die Frage von Sedros was die widrigen Umstände waren, die ihn hierhergeführt hatten.

Darel legte das Besteck für einen Moment beiseite. Nicht, um Zeit zu gewinnen, sondern um die Antwort zu ordnen. Sein Blick hob sich ruhig.


„Die kurze Version“, begann er schließlich ruhig, „ist einfach.“

Seine Stimme war gefasst und ohne Bitterkeit.

„Meine Familie erfuhr von meiner Machtsensitivität. Und damit war die Entscheidung gefallen.“

Er machte eine kleine, beinahe gleichgültige Handbewegung auch wenn man vielleicht ein gewisses Maß an Enttäuschung sah.
„Ich wurde nicht gefragt. Man sah darin eine Gelegenheit. Einfluss. Prestige. Einen möglichen Vorteil für das Haus.“

Dann lehnte er sich minimal zurück, nicht trotzig, sondern sachlich.
„Die längere Version ist weniger dramatisch, als man vermuten könnte. Ich bin in einer wohlhabenden Familie aufgewachsen. Kein Adel, aber mit Ambitionen. Disziplin, Ordnung, Leistung – das waren keine Tugenden, das waren Voraussetzungen. Man brachte mir früh bei, dass der Wert eines Menschen sich daran bemisst, was er beiträgt.“

Ein kaum merkliches Zucken ging durch seine Mundwinkel.
„Ich hatte keine unglückliche Kindheit. Ich wurde gefördert. Trainiert. Gefordert. Ich habe Leistung erbracht – und ich tat es gern. Weil ich glaubte, es diene der Familie. Dem Zusammenhalt. Einem großem Ganzen...wie Naiv ich war.“

Sein Blick wurde für einen Moment kühler.
„Erst als klar wurde, dass mein Leben nur als strategische Ressource betrachtet wird, verstand ich den Unterschied.“

Er schwieg kurz. Nicht nur aus Rührung. Sondern auch aus Klarheit.
„Ich wurde nicht entsandt, um gefördert zu werden. Ich wurde entsandt, weil es nützlich war.“

Seine Finger legten sich ruhig ineinander auf dem Tisch und sah Sedros direkt an, ohne Herausforderung, ohne Unterwürfigkeit.
„Ich bin niemandem mehr etwas schuldig, nur weil ich in Ihren Kreis geboren wurde. Wenn ich diene, dann aus eigener Entscheidung. Wenn ich leiste, dann weil ich davon lerne und wachse.“

Darel machte einen langsamen Atemzug.
„Mir ist bewusst, dass ich als Schüler Verpflichtungen habe. Dass Ihr Erwartungen habt. Dass der Orden Erwartungen hat. Und ich werde sie erfüllen.“

Seine Stimme blieb ruhig und ein schwaches, kontrolliertes Lächeln zog über sein Gesicht.
„Meine Familie wird eines Tages sehen, was aus ihrer Investition geworden ist. Nur wird sie nicht mehr bestimmen, wem diese Stärke gehört.“

Dann nahm er das Besteck wieder auf, als wäre das Gespräch nichts weiter als eine nüchterne Darlegung von Fakten gewesen und blickte seinen Meister an und wartet auf dessen Reaktion



Bastion | Imperium | Bastion Center | Raumhafen - an Bord der Obsidian Gauntlet, Kombüse | Sedros und Darel
 
Bastion | Imperium | Bastion Center | Raumhafen - an Bord der Obsidian Gauntlet, Kombüse | Sedros und Darel

Darel schien eine solide physische Basis mitzubringen. Das war gut. Sedros würde so schon morgen die Anforderungen des Trainings erhöhen können. Auch psychisch schien der Schüler die nötige Stabilität mitzubringen. Er beschwerte sich nicht über die niederen Arbeiten und erledigte sie in einer angemessenen Geschwindigkeit. Und auch bei der Fütterung behielt Darel die Nerven. Das zeigte dem reinblütigen Sith, dass er den richtigen Kandidaten als seinen ersten Schüler ausgewählt hatte.

Darels Hintergrundgeschichte stellte sich dann aber doch als Enttäuschung heraus. Sie war geradezu langweilig unspektakulär. Ein Spross aus der gehobenen Mittelschicht also. Die Eltern hatten stets Leistung verlangt und dafür im Gegenzug nur wenig Liebe gezeit. Jetzt fühlte sich Darel gewissermaßen verraten und um seine Jugend gebracht. Gleichzeitig sehnte er sich aber auch nach Anerkennung von Menschen, deren Meinung absolut bedeutungslos war. Nun, der junge Schüler stand noch ganz am Anfang seiner Ausbildung. Er hatte also noch Zeit, um zu lernen. Und das würde er.

„Einmal mehr wohl gesprochen, mein Schüler. Du wirst lernen und du wirst dich beweisen. Doch vergesse eines nie. Erleuchtete Wesen sind wir und auch wenn wir eine Rolle im Imperium für unsere Herrin, die Imperatorin spielen, um unsere Macht zu erhalten und uns vor der gierigen Republik und ihren Handlangern, den Jedi, zu schützen, so vergesse nie, dass der Durchschnittsbürger nicht auf einer Stufe mit einem Sith steht.“

Sedros schenkte seinem Schüler eines seiner diplomatischen Lächeln, die peinlich darauf achteten, auch ja keinen einzigen seiner Raubtierzähne zu zeigen.

„Zunächst jedoch wäschst du das Geschirr ab und räumst die Küche auf. Wenn du fertig bist, kehren wir in den Tempel zurück und setzen deine Ausbildung fort.“

Im Vergleich zum anstrengenden Hinweg, gestaltete sich die Rückfahrt zum Sith-Tempel als jämmerlich unspektakulär. Ein Gleitertaxi brachte die beiden innerhalb von wenigen Minuten zurück vor die Tore des Tempels.

„Den Rest des Tages verbringen wir mit etwas Schwertkampftraining. Folge mir.“

Ohne großes zeremoniell führte Sedros seinen Schüler zurück in die Domäne der Wissenden. Hier belegten sie einen der kleineren Trainingsräume und der reinblütige Sith bedeutete Darel, sich eine Waffe seiner Wahl zu nehmen.

„Bevor du deine Waffe baust, will ich sehen, dass du die Grundlagen von Form 1 beherrscht. Also los, wärme dich auf und gehe dann die Grundbewegungen durch, die den Jüngern beigebracht wird. Ich will sehen, auf welchem Stand du bist.“

Während Sedros also Darels Aufwärmübungen mit einem Auge betrachtete, nahm er sich einen etwas über einen Meter langen Rohrstock zur Hand und wartete geduldig mit hinter dem Rücken verschränkten Händen ab, bis der Schüler fertig war. Anschließend korrigierte der reinblütige Sith die Grundhaltung seines Schülers. Hier wurde schnell deutlich, welche kurze Zeit er als Jünger verbracht hatte...es ermangelte ihm einfach an allem.

„Gut. Greife mich an.“

Darels Angriff war natürlich vergebene Liebesmüh und viel zu langsam ausgeführt. Ohne große Mühe wich Sedros dem Schlag aus und ließ den Rohrstock mit übermenschlicher Geschwindigkeit hinter seinem Rücken hervorschnellen und einen unsanften Schlag auf Darels Finger ausführen.

„Zu zögerlich. Nochmal.“

Auch der zweite Angriffsversuch war alles andere als zufriedenstellend. Ein zweiter Hieb auf die Finger folgte.

„Hast du etwa Angst, mich zu verletzen? Diese Rücksicht ist vergebene Liebesmüh. Nochmal.“

Der dritte Versuch war schon besser, Sedros konnte spüren und sehen, wie verschiedene Emotionen mit Darels Willen rangen. Es endete aber wieder in einem Schlag auf Darels Finger.

„Schlage nicht einfach mit den Armen zu. Dadurch fehlt dir Kraft und Kontrolle. Außerdem ermüdest du so viel zu schnell. - Nochmal.“

Zack. Ein weiterer Schlag. Diesmal wich Sedros mit einer Piruette auf, glitt so an seinem Schüler vorbei als würden sie miteinander tanzen und ließ den Rohrstock auf Darels Gesäß niedergehen, bevor dieser sich umdrehen konnte.

„Falsch. Nochmal.“

Zack.

„Deine Schultern sind zu verkrampft. - Nochmal.“

Zack.


„Warum nutzt du deine Emotionen nicht? - Nochmal.“

Zack.

„Frieden ist eine Lüge. - Nochmal.“

Zack.

„Es gibt nur Leidenschaft. - Nochmal.“

Zack.

„Durch Leidenschaft erlange ich Kraft. - Nochmal.“

Zack.

Natürlich war es nur eine Frage der Zeit, bis
Darel die Beherrschung unter den demütigenden Schlägen verlieren würde. Darauf legte es Sedros ja auch an. Und endlich war da Feuer in den Augen des Schülers zu sehen.

„Durch Kraft erlange ich Macht. - Nochmal.“

Schließlich gönnte der reinblütige Sith seinem Schüler einen kleinen Teilerfolg. Statt einmal mehr einfach mit übermenschlicher Geschwindigkeit auszuweichen, sah sich Sedros zumindest augenscheinlich genötigt, Darels letzten Schlag mit dem Rohrstock zu parieren. Die Klinge glitt so haarscharf an seinem Gesicht vorbei und Sedros schenkte seinem Schüler ein lobendes Lächeln, bevor er ihn mit einem Tritt gegen das Knie zu Boden beförderte. Darel sollte keinesfalls missverstehen, wie weit ihr beider Können auseinanderlag.

„Das soll für heute genügen. Gut gemacht. Ich will, dass du den Rest des Tages über den Sith-Kodex sinnierst. Morgen wirst du mir erklären, zu welchem Schluss du gekommen bist und wie dir der Kodex im Kampf helfen kann. Zuvor aber leistest du bei Sonnenaufgang das Ausdauertraining ab, das ich dir heute gezeigt habe. Anschließend treffen wir uns in einer Meditationskammer in der Domäne der Lernenden. Die Zimmernummer schicke ich dir via Kommlink. - Du kannst gehen.“

Der Tag war produktiv gewesen. Darel war jedoch noch weit davon entfernt, eigenständige Schwertübungen abzuhalten. Das war ein Jammer, ließ sich aber kurzfristig ändern. Am nächsten Morgen schickte Sedros seinem Schüler eine Zimmernummer zu und wartete geduldig in der Kammer auf ihn. Als Darel eintrat, stand Sedros einer Statue gleich mit vor dem Körper ineinander geschobenen Ärmeln da. Nachdem der reinblütige Sith selbst die Meditation erlernt hatte, spielte es keine Rolle mehr für ihn, ob er im Liegen, Sitzen oder Stehen meditierte.

„Guten Morgen mein Schüler. Wie ist es dir seit unserem Auseinandergehen ergangen? Welche Erkenntnisse haben dich ereilt? Berichte.“

Sedros war gespannt darauf, was Darel zu sagen hatte. Ein klein wenig wünschte er sich, dass der Schüler nichts zufriedenstellendes herausbringen würde, damit er ihn züchtigen konnte, ohne allzu willkürlich zu wirken.

Bastion | Imperium | Bastion Center | Sith-Tempel - Domäne der Lernenden - Meditationskammer | Sedros und Darel
 
Bastion / Bonetown / The Void / Sane, Brianna, Bailee

Ungeduldig wartete Sane darauf, was passieren würde. Die Tür zu Rians altem Zimmer hatte er einen Spalt breit offen gelassen. Zum einen, damit ihn die zwei Frauen hier oben leicht finden konnten, zum anderen, damit er hören konnte, was draußen auf dem Gang vor sich ging. Die schwarze Robe war ihm natürlich nicht entgangen. War er einer Sith in die Arme gelaufen? Oder hatte da jemand einfach einen merkwürdigen Modegeschmack? Wenn es sich um eine Sith handelte, musste das noch nicht das Ende bedeuten. Sane war mittlerweile lange genug auf Bastion um zu wissen, dass auch die Mitglieder des Ordens ihre eigenen Machenschaften und Ziele verfolgten, die nicht unbedingt zum "offiziellen" Weg zählten. Rian war ein guter Hacker und Datenanalyst, Sane hatte davon selbst schon profitiert. Wer weiß, wie weit sich dieser Ruf hier herum gesprochen hatte. Was, wenn die Frauen davon Wind bekommen haben und nun seine Dienste in Anspruch nehmen wollten? Sane ballte die Faust und schüttelte den Kopf. Es half nichts, zu spekulieren. Er musste abwarten, was gleich passieren würde und sich dann der Situation anpassen, so wie er es schon immer getan hatte. Zwar improvisierte er nicht gerne, doch er wusste, dass er dazu fähig war.

Es dauerte nur wenige Minuten, bis er die Schritte hörte. Dann öffnete sich die Tür. Die Frau mit der ungewöhnlich blassen Haut und der Robe betrat als erste den Raum, gefolgt von ihrer Begleitung. Dann veränderte sich plötzlich etwas. Sane konnte es ganz deutlich spüren und dann auch erkennen. Ein Aufflackern in ihren Augen. Zu seiner Überraschung - und zu seiner Bestätigung - rief sie dann sogar seinen Namen. Er erstarrte vor Schreck. Doch als sie schließlich die weite Kapuze zurückschlug und Lianna erwähnte, schien für einen Moment die Zeit stillzustehen. Mit ein bisschen Vorstellungskraft konnte er die schwarzen Haare ausblenden und sie sich als weiß-silberne Mähne vorstellen. Vor ihm stand eine Jedi. Nicht nur irgendeine Jedi: Brianna Kae, die ihm darüber hinaus noch von Kestrel erzählte. Sane musste sich kurz einen Moment sammeln. Erschwerend hinzu kam, dass er das Gesicht von Brianna auf Bastion in letzter Zeit häufiger gesehen hatte. Sie wurde mit dem Tod des Imperators in Verbindung gebracht. Das Imperium wollte ihren Kopf.


"Ich... Meisterin Kae. Es ist... Ihr solltet nicht hier sein. Nicht im Imperium und schon gar nicht auf Bastion."

Seine Gedanken rasten und sein Blick fiel auf die andere Frau. Dann war das vermutlich auch eine Jedi. Bei ihr war sich Sane allerdings sicher, dass er sie noch nie gesehen hatte. Womöglich die Schülerin von Brianna. Das machte es noch eine Spur verrückter, dass sie auf Bastion waren. Dafür musste es einen guten Grund geben.

"Ihr habt Meisterin Skyfly erwähnt. Lebt sie? Wurdet Ihr vom Orden entsandt, um sie zu retten? Was ist mit Q'Tahem?"

Eine seltsame Mischung aus Hoffnung und Scham stieg in ihm auf. Sane hatte seine Freunde für tot gehalten, diese Vermutung aber nie überprüft. Hatte er einen Fehler gemacht? Hätte er sie womöglich schon früher aus den Klauen der Sith befreien können? Brianna meinte, dass sie erwartet hatte, dass auch Sane noch in der Gefangenschaft der Sith war. Er holte tief Luft. Es hatte keinen Sinn, die Jedi in diesem Punkt anzulügen, auch wenn es ihm unangenehm war.

"Mein Vater. Er hat viel Einfluss auf Bastion. Als er von meiner Gefangenschaft erfahren hatte, konnte er ein paar Gefallen einfordern. Im Gegenzug... sollte ich mein Erbe antreten. Als Baron des Imperiums."

Er ließ die Worte kurz im Raum stehen und nahm die misstrauischen Blicke wahr, ohne ihnen auszuweichen.

"Ich habe versucht, diese Position zu nutzen, um Gutes zu tun. Es ist nicht einfach, aber auch auf Bastion gibt es Leute, die mit der Neuen Republik sympathisieren."

Er dachte an Samin, Kestal und seine Leute. Die Kinder. Sane musterte die beiden Jedi bei dem Gedanken. Die Kinder. Bisher hatte er keine Möglichkeit gehabt, mit jemandem über diese Aktion zu sprechen. Er wusste auch nicht, ob das so eine gute Idee war. Samin hatte einmal erwähnt, dass sie nicht wollte, dass die Kinder von Bastion den Jedi in die Hände fielen. Auf der anderen Seite waren die Jedi der beste Schutz, den ein machtsensitives Kind haben konnte. Wäre die Chiss wütend, wenn er Brianna auf das Thema stoßen würde?

Bastion / Bonetown / The Void / Sane, Brianna, Bailee
 
Bastion - Bastion Center - Raumhafen - Essam mit Marrev und Q'Tahem beim Schiff, Kestrel auf dem Schiff?




Essam entspannte sich leicht, sobald er spürte, dass das Messer sich senkte. Ein langsames Nicken folgte dann bei Q’Tahems und Marrevs Worten. Die Aufforderung, schnell das Schiff zu betreten, ließ sich Essam nicht zweimal sagen und folgte der Aufforderung direkt.

“Mir reicht, dass ich von hier Weg komme. Ich erwarte nicht, dass Ihr mir vertraut.”

Kaum dass die Gruppe auf dem Schiff war, wurde die Laderampe geschlossen. Essam schaute noch einmal zurück und atmete tief durch. Man konnte wahrscheinlich sehr schnell erkennen, dass zumindest ein wenig die Anspannung in seinem Körper und Geist wich. Er selbst folgte dem Mann, der ihn dazu aufforderte. Zusammen betraten sie eine Kabine. Essam wirkte durch den beengten Raum eines Raumschiffes wahrscheinlich nur noch größer als sonst. Sobald Marrev dann mit den zwei “Armreifen” vor ihm stand, nickte er ruhig und legte seine Waffe zur Seite. Nach und nach legte er seine Rüstung ab und stand in recht simpler Kleidung vor Marrev. Er hielt ihm beide Hände hin, damit er die Armreifen anlegen konnte.

“Ich habe es ja selbst vorgeschlagen. Daher… alles in Ordnung.”


Er nickte ruhig und wartete, bis die Armreifen angelegt wären. Es war klar, dass dieser Mann sich nur um die Anderen kümmerte. Es war nicht schwer zu erkennen, dass die anderen Beiden ziemlich mitgenommen waren. Auf die Frage, wie Essam feststellen wollte, dass die Gruppe keine Sith waren, lachte der Riese mit seiner tiefen, kehligen Stimme.

“Ich war mir schon recht sicher. Sith tendieren nicht gerade dazu, ihre Verletzten so liebevoll durch die Stadt zu fahren. Wie ihr euch bewegt habt, war noch ein sehr guter Indikator. Ich hätte wahrscheinlich das Risiko, die Landeplattform zu betreten, nicht eingegangen, wenn eine große Wahrscheinlichkeit bestanden hätte, dass ihr welche seid. Ihr lauft nicht so… steif.”


Er schaute Marrev ernst an.

“Dazu haben Sith ein gewisses… Problem mit Wesen wie mir… Euch schien es einfach nicht relevant genug, was ich bin, um mich einzusortieren. Andere Faktoren wogen eindeutig schwerer. Deswegen bin ich optimistisch, dass Ihr keine Sith seid.”

So folgte Essam dem Anderen durch das Schiff zum Cockpit. Sein Blick wanderte einmal in dem Raum umher, ehe er sich einen Ort zum Sitzen suchte, der nicht der Pilotensitz wäre.

“Ihr habt euch noch nicht vorgestellt. Ich vermute, wir werden länger als ein paar Minuten zusammen verbringen. Da wäre es nicht uninteressant, wenn man zumindest die Namen der Personen in seinem Umfeld kennt.”


Auch wenn seine Stimme nach wie vor recht tief war, so war er deutlich entspannter, was seine Stimme zumindest ein wenig weicher klingen ließ. Es war ein Glücksfall hier gelandet zu sein. Daher war Essam auch einverstanden, dass man ihm misstraute. Es war komplett rational. Denn am Ende hatte er zugegeben, eigentlich ein Werkzeug der Sith zu sein. Von einem bestimmten Blickwinkel. Das bedeutete also, dass dieser Mann wirklich um die anderen auf diesem Schiff besorgt war. Vielleicht könnte er etwas helfen sobald man sich ein wenig kennenlernen konnte.




Bastion - Bastion Center - Raumhafen - Essam mit Marrev, Kestrel und Q'Tahem aud dem Schiff
 
Bastion | Imperium | Bastion Center | Sithtempel - Domäne der Wissenden - Bücherei | Seris und Cerus

Seris stand an der Seite des gewaltigen Raumes und verschränkte die Arme vor der Brust. Die Aufgabe war einfach gewesen: Wache halten. Ihr Schädel brummte von der gestrigen Tortur immer noch. Die Bibliothek war größer, als Seris erwartet hatte. Abschätzig sah sich die Rothaarige die vielen Medien an. Ihre Stiefel schabten leise über den Steinboden, als sie ein paar Schritte ging. Der Blick der Rothaarigen glitt über die Regale, blieb an den Rücken der Bücher hängen. Reihen aus Zeichen und Worten, die sie nicht lesen konnte. Für einen Moment fragte sie sich, wie viele Leute hier wohl tatsächlich verstanden, was da alles drinstand.


Sie schnaubte leise. Seris blieb schließlich an einem der Tische stehen und lehnte sich mit der Hüfte dagegen. Ihre Augen wanderten weiter durch den Raum. Sie beobachtete Bewegungen zwischen den Regalen, hörte das Rascheln von Seiten irgendwo weiter hinten. Ihre Finger trommelten ungeduldig auf die Tischkante.

Dann besannte sie sich und ging zurück zum Eingang wo ihr eigentlicher Posten war. Frustriert starrte die Rothaarige auf einen Buchrücken.

"Die...Sag...." Seris versuchte den Buchtitel eines besonders großem Exemplars zu entziffern und schüttelte dann nach einer Weile des angestrengten Denkens den Kopf und fischte aus ihrer Tasche ein kleines Schloss und zog eine der Spikes aus ihrer Jacke und brachte mit geübten Fingernd das kleine alte Schloss zum öffnen, nur um es wieder zu schließen und den ganzen Prozess zu wiederholen.

Bastion | Imperium | Bastion Center | Sithtempel - Domäne der Wissenden - Bücherei | Seris und Cerus
 
Bastion – Bonetown – The Void, Obergeschoss – Sane, Bailee und Brianna

Es war nicht schwer zu bemerken, dass Sane ähnlich vorsichtig und nervös war wie Bailee und sie. Seine Reaktion auf ihr Wiedererkennen war nicht, was sie erwartet hätte. Gut, es war wohl eine Notwendigkeit. Angehörige der Republik hatten es auf Bastion bestimmt nie leicht gehabt, doch in diesen Tagen nach dem Tod des Imperators sicherlich mehr als je zuvor. Ganz zu schweigen davon, wenn frau der Republik in offizieller Funktion angehörte. Sane war Militärsanitäter oder sowas, wenn sie sich recht erinnerte. Da wollte Frau auf Bastion sicher nicht erkannt werden! Schon gar nicht von einer vermeintlichen Sith. Briannas Maskerade war im Tempel pure Notwendigkeit gewesen, aber auf den Straßen zumindest nützlich. Sith-berobten warf frau auf Bastion keinen zweiten Blick zu – sehr wertvoll für eine behördlich gesuchte Echani mit schwarz gefärbten Haaren und gelber Schminke in Gesicht.

Die Jedi-Ritterin ihrerseits war genauso vorsichtig. Da war jemand frei, der eigentlich in Sith-Gefangenschaft sein sollte. Jede konnte gebrochen und gedreht werden, oder fast jede. Eowyn nicht oder, naja, jedenfalls nicht ganz, aber nicht weil die Sith es nicht versucht hätten. Wenn die Frau nur endlich einmal bemerken würde, wie stark sie eigentlich war, wäre sie unbezwingbar! Eine wie Ahna, nur komplett anders. Brianna fragte sich, wie es der Rätin gerade ging, im Tempel-Krankenbett, mit dem Ultimatum der neuen Imperatorin im Kopf. Bailee hatte ihre Meisterin nur mit knapper Not davon abhalten können, etwas sehr dummes zu tun.

Und Sane? Was hatte er getan, wenn er nun scheinbar Teil eines Untergrundnetzwerks geworden war, oder zumindest Leute kannte, die einem angehörten? Denn die unbekannte Person am Raumhafen hatte Brianna genau hierher gesandt und da war er, genau die eine Person, die sie hatte retten wollen aber nicht können. Die Erleichterung, sie wiederzusehen, war ihm anzumerken, aber auch Sorge. Er schien über die aktuellen Entwicklungen genau im Bilde zu sein und warnte sie, dass sie hier in Gefahr war. Das wusste die Echani leider selbst nur zu gut.


„Ich benutze auf Bastion den Namen Vin Venture. Außerdem redet mich niemand als ‚Meisterin Kae‘ an, das müsst Ihr nicht tun. Meine nautolanische Begleiterin hier ist meine Padawan Bailee Troisi und wir wären tatsächlich beide lieber nicht hier auf Bastion,“

Beantwortete sie Sanes Frage, verbunden mit dem Angebot, auf Formalitäten zu verzichten. Es stand zu vermuten, dass sie in diesem Raum sicher vor unerwünschten Lauscherinnen sicher waren.: Trotzdem erschien es ihr geschickter, sich gleich einen Umgang anzugewöhnen, der sie nicht gleich als Jedi outete. Der Mensch vermutete indes ganz recht, dass sie hier waren, um Kestrel und Q'Tahem zu retten.

Kestrel lebt. Sie ist bei vollem Verstand und war in der Lage, den Tempel aus eigener Kraft zu verlassen, aber insgesamt ist sie in sehr schlechter Verfassung. Q'Tahem hat einen Lekku verloren und ist ebenfalls ziemlich mitgenommen, aber es geht ihm besser als seiner Meisterin. Ich bin nicht offiziell hier auf Bastion, als Meistgesuchte des Imperiums hätte der Rat das niemals erlaubt,“

Erklärte die Echani.

„Rätin Eowyn gibt mir Rückendeckung, was meine Abwesenheit auf Coruscant angeht. Kes und Q und sind in Begleitung eines sehr kompetenten Jedi, gut möglich, dass sie Bastion bereits verlassen haben. Sie werden sehr froh sein zu erfahren, dass es Euch gut geht, Sane. Sie waren in größter Sorge um Euch. Ich habe mich von ihnen getrennt, weil ich eine Gefahr für sie darstelle. Verletzt sind sie bei weitem nicht so mobil, wie ich es bin und sein muss. Nur Bailee war nicht davon abzubringen, mich zu begleiten.“

Brianna grinste und verschwieg wohlweislich den Part, als sie sich dem Imperium hätte stellen wollen. Im Gegenzug erklärte Sane, wie er freigekommen war, aufgrund der Beziehungen seines einflussreichen Vaters. Bei den Worten ‚Baron des Imperiums‘ verzog sie das Gesicht.

„Ist das sowas wie Ritterin des Imperiums?“

Sie dachte an Adria, das verzogene Gör, aber auch an diesen Zion, den sie gerne kennengelernt hätte. Solange sie noch als Sith gegolten hatte freilich. Jetzt nicht mehr so sehr. Doch Sane erklärte weiter, dass er seine Position für das Gute nutzte und dass es republikanische Sympatisantinnen auf Bastion gab. Im ersten Moment war Brianna überrascht, doch dann… es lebten viele Leute dort, es würde dem Imperium niemals gelingen, sie alle gleichzuschalten. Niphira kam ihr in den Sinn, die sogar eine Sith war ohne wirklich an dessen Ideale zu glauben.

„Das ist sehr mutig von euch, Leuten an einem Ort wie diesem zu helfen wo es sonst niemand wagt. Und wie das Leben so spielt könnte ich ebenfalls Eure Hilfe gebrauchen. Den geplanten Fluchtweg kann ich nun nicht mehr nutzen und so prominent wie ich es zur Zeit auf Bastion bin war ich nicht einmal auf dem Höhepunkt der Viruskrise. Nur nicht in einem guten Sinn, deshalb der Partnerinnenlook in gelb-schwarz mit Bailee.“

Sie grinste.

„Dummerweise wurde ich von einem Schüler von Kira Guldur erkannt, so dass die Maskerade als Mirialan auch bald hinfällig sein wird, und uns gehen daher allmählich die Optionen aus. Wir waren drauf und dran, uns auf das erstbeste Raumschiff zu schmuggeln, hauptsache weg von Bastion, als dieser Informant uns bemerkt hat, der uns hierher sandte. Oder was immer er ist,“

Schloss Brianna. Wenn sie Glück hatte, rannte Sedros geradewegs zu seiner Meisterin und die versuchte das eigensinnig wie eh und je alleine zu regeln. Wenn nicht, wurde Vin Venture, die Mirialan-Sith, bald ebenso sehr gesucht wie Brianna Kae, die Echani-Jedi.

Bastion – Bonetown – The Void, Obergeschoss – Sane, Bailee und Brianna
 
Bastion | Imperium | Bastion Center | Raumhafen - an Bord der Obsidian Gauntlet, Kombüse | Sedros und Darel


Nachdem das Gespräch beendet war und Sedros ihm aufgetragen hatte, die Küche aufzuräumen, tat Darel ohne Widerrede, was von ihm verlangt worden war. Das Wasser rauschte durch das Becken der kleinen Kombüse, während er Teller und Besteck reinigte, Fett und Essensreste von der Metalloberfläche schrubbte und anschließend alles ordentlich zurück in die vorgesehenen Fächer stellte. Die Tätigkeit war simpel, beinahe banal, doch genau deshalb verstand er sie als Teil der Lektion. Hier ging es nicht um Würde oder Status. Es ging darum zu zeigen, dass er Anweisungen befolgte und Aufgaben erledigte, ohne sich über sie zu stellen.

Als er fertig war, verließ er gemeinsam mit seinem Meister die Obsidian Gauntlet. Die kurze Fahrt zurück zum Tempel verlief beinahe still. Ein Gleitertaxi brachte sie durch die grauen Straßenschluchten der Hauptstadt, vorbei an monumentalen Verwaltungsgebäuden, militärischen Patrouillen und dem stetigen Strom an Bürgern, die sich durch die Straßen Bastions bewegten. Darel lehnte leicht gegen die Rückenlehne, während sein Blick durch das Fenster glitt, und ließ die Ereignisse des Tages noch einmal Revue passieren. Der Lauf, die Übungen, der Gestank des Frachtraums, die Fütterung der Käfer. Alles hatte einen Zweck gehabt, auch wenn dieser nicht immer sofort offensichtlich gewesen war.

Vor dem Tempel stiegen sie aus. Die gewaltige Architektur des Sith-Heiligtums ragte dunkel in den Himmel, als wäre sie aus einem einzigen Stück schwarzen Steins gemeißelt worden. Sedros wandte sich ohne Umschweife zu ihm und teilte ihm mit, dass es mit dem Schwerttraining weitergehen würde.

Darel nickte knapp und folgte seinem Meister zurück in die Domäne der Wissenden. Die Gänge dort waren ruhiger als die unteren Ebenen, erfüllt von einer konzentrierten Atmosphäre, in der man beinahe das Gewicht alter Studien und verborgenen Wissens spüren konnte.

Der Trainingsraum, den sie betraten, war klein, aber gut ausgestattet. An einer Wand befand sich ein Waffenständer mit verschiedenen Übungsklingen. Darel trat heran und ließ den Blick über die Auswahl gleiten, ehe er sich für ein Schwert entschied, dessen Griff etwas länger gearbeitet war, sodass es sowohl einhändig als auch zweihändig geführt werden konnte. Das Gewicht fühlte sich solide an, vertraut genug, um kontrolliert arbeiten zu können.

Er begann mit seinem Aufwärmen. Zunächst einfache Bewegungen, um den Körper wieder auf Betriebstemperatur zu bringen. Liegestütze, langsam und sauber ausgeführt. Kniebeugen, um die Beine zu lockern. Danach Dehnübungen, bei denen er Schultern, Rücken und Hüfte löste, während sein Atem allmählich ruhiger wurde. Schließlich folgten einige Bewegungsabläufe aus dem Nahkampftraining – Schritte vor und zurück, Drehungen, Gewichtsverlagerungen, um die Balance zu finden. Als er schließlich bereit war, richtete er sich auf und gab Sedors bescheid.



Dieser brachte sich in Position und befahl, Darel ihn anzugreifen.

Der erste Angriff war sauber geführt, technisch korrekt, genau so, wie er es in den wenigen Wochen seiner Ausbildung gelernt hatte. Darel verlagerte sein Gewicht nach vorn, ließ die Klinge in einem kontrollierten Bogen nach unten gleiten und setzte gleichzeitig einen Schritt nach. Doch noch bevor der Schlag sein Ziel erreichen konnte, war Sedros bereits verschwunden. Der reinblütige Sith hatte sich mit einer beinahe beiläufigen Bewegung aus der Angriffslinie gelöst, und im selben Augenblick schnellte der Rohrstock hinter seinem Rücken hervor.

Der Schlag traf Darels Finger hart.

Der Schmerz war scharf, unmittelbar, und zog wie ein elektrischer Impuls durch seine Hand. Seine Finger zuckten reflexartig, doch er hielt die Waffe fest. Ein leises, gepresstes Fluchen entwich ihm, kaum hörbar.

Er setzte erneut an.

Der zweite Angriff war schneller. Weniger vorsichtig. Doch das Ergebnis änderte sich kaum. Sedros bewegte sich mit einer Leichtigkeit, die fast beleidigend wirkte, glitt einen halben Schritt zur Seite, und wieder fuhr der Rohrstock herab.

Ein weiterer Schlag auf die Finger.

Der Schmerz brannte jetzt stärker, ein pulsierendes Ziehen breitete sich in seiner Hand aus, während er die Klinge erneut anhob. Darel spürte, wie Frustration in ihm aufzusteigen begann. Seine Bewegungen waren präzise genug, seine Haltung korrekt – und dennoch war jeder Versuch vergeblich.

Wieder griff er an.

Dieses Mal wich Sedros nicht nur aus. Der Sith drehte sich mit einer geschmeidigen Bewegung an ihm vorbei, beinahe wie in einem Tanz, und noch bevor Darel sich vollständig neu ausrichten konnte, landete der Rohrstock mit einem trockenen Klatschen auf seinem Gesäß.

Der Schmerz war weniger scharf als der in seinen Fingern, aber die Demütigung traf stärker.

Zunächst war es nur ein schwaches Glimmen, ein leiser Ärger über die scheinbare Mühelosigkeit, mit der sein Meister jeden seiner Angriffe zunichtemachte. Doch je länger die Übung dauerte, desto stärker wurde dieses Gefühl, wuchs zu einer Hitze in seiner Brust an, während jeder weitere Schlag des Rohrstocks ihn daran erinnerte, wie groß der Abstand zwischen seinem Können und dem seines Lehrmeisters noch war. Seine Bewegungen wurden schneller, weniger vorsichtig, der Griff um das Schwert fester, und als er erneut angriff, war in der Bewegung mehr Druck, mehr Entschlossenheit, als er zuvor gezeigt hatte.

So dauerte die Übung eine längere Zeit an und jedes mal aufs neue wurde Darel von Sedors vorgeführt.

Nach dem letzten Klaps auf den Hintern, schrie Darel kurz auf.

"Was ist das für ein Scheißdreck wie soll ich denn was lernen, wenn ihr nichts tut außer auszuweichen das ihr viel Stärker seit Meister bin ich mir doch bewusst verdammt! " und schlug kurz mit der Klinge auf den Boden ehe er erneut auf Sedors zu stürmte.

Die Klinge schoss vor, und für einen kurzen Moment trafen ihre Waffen aufeinander, als der Rohrstock die Vibroklinge parierte. Es war nur ein Augenblick, kaum mehr als ein Wimpernschlag, doch Darel spürte den Widerstand deutlich, spürte, dass sein Angriff zumindest nah genug gewesen war, um seinen Meister zu einer echten Abwehrbewegung zu zwingen…dachte er zumindest.

Der Erfolg dauerte jedoch nicht lange.

Noch während er versuchte, den Druck zu halten, traf ihn der Gegenangriff. Ein präziser Tritt gegen sein Knie raubte ihm die Balance, und im nächsten Moment fand er sich auf dem Boden wieder, während sein Atem kurz stockte und der Schmerz in seinem Gelenk aufloderte. Er fing sich mit einer Hand ab, spürte sofort das Stechen in den ohnehin malträtierten Fingern und blieb einen Moment kniend, während er versuchte, seinen Atem wieder unter Kontrolle zu bringen.

Als er schließlich wieder aufstand, war sein Körper verschwitzt, seine Hände brannten, und seine Schultern fühlten sich an, als hätte er Stunden im Training verbracht. Doch unter der Erschöpfung lag eine neue Erkenntnis, die sich langsam in seinem Bewusstsein festsetzte. Seine besten Angriffe waren nicht die gewesen, die er ruhig und technisch perfekt geführt hatte, sondern jene, bei denen der Ärger in ihm stärker geworden war, bei denen er aufgehört hatte, vorsichtig zu sein, dafür emotional aber dennoch präzise.

Noch bevor Darel erneut zum Angriff ansetzen konnte, hob Sedros die Hand leicht, und damit endete die Übung ebenso abrupt, wie sie begonnen hatte. Der reinblütige Sith betrachtete seinen Schüler einen Moment lang mit jener nüchternen Aufmerksamkeit, die Darel inzwischen von ihm kannte, als würde er nicht nur den Zustand seines Körpers, sondern auch die Reaktionen dahinter prüfen, die Art, wie er mit Schmerz, Frustration und Erschöpfung umging. Schließlich erklärte Sedros mit ruhiger Stimme, dass es für heute genügen sollte, und befahl ihm, den Rest des Tages damit zu verbringen, über den Sith-Kodex zu sinnieren und sich am nächsten Morgen bei Sonnenaufgang wieder bei ihm zu melden, um zu berichten, zu welchen Schlussfolgerungen er gekommen war.

Darel nickte lediglich, nahm das Vibroschwert wieder an sich und brachte es zurück zu dem Waffenständer, während die Müdigkeit nun mit voller Wucht in seine Muskeln zurückkehrte, als hätte sein Körper nur darauf gewartet, dass die Anspannung des Trainings nachließ. Seine Hände schmerzten noch immer von den wiederholten Treffern des Rohrstocks, seine Schultern fühlten sich schwer an, und als er schließlich die Domäne der Wissenden verließ und durch die langen, gedämpft beleuchteten Korridore des Tempels ging, merkte er, wie sich die Anstrengung des Tages langsam in jeden Schritt legte.



Der Weg zurück zu seinem Quartier war still.

Die Stimmen anderer Schüler oder Diener hallten nur gedämpft durch die Steinflure des Tempels, und während Darel schließlich die Tür seines kleinen Zimmers hinter sich schloss, blieb er für einen Moment einfach stehen, lehnte sich leicht gegen das kalte Metall der Tür und ließ den Blick über den schlichten Raum schweifen. Erst jetzt spürte er, wie erschöpft er tatsächlich war.

Er setzte sich schließlich auf das schmale Bett, stützte die Ellbogen auf die Knie und ließ den Kopf kurz hängen, während seine Gedanken zu dem zurückkehrten, was Sedros ihm aufgetragen hatte.

Über den Kodex nachdenken.

Ein leises, fast müdes Schnauben entwich ihm.

Noch vor wenigen Stunden hatte sein Meister ihm beigebracht, dass Stärke aus Emotionen geboren wurde, dass Zorn, Leidenschaft und Wille Waffen sein konnten, die man nicht unterdrücken durfte, sondern nutzen sollte – und nun sollte er still in seinem Zimmer sitzen und über einen Text nachdenken, der in feierlichen Worten formuliert war, als wäre er für Philosophen geschrieben worden.

Für einen Moment erschien ihm das widersprüchlich.
Alles hier schien roh, direkt, körperlich, voller Druck und Emotion – und gleichzeitig verlangten diese Sith von ihren Schülern, dass sie still saßen und über Worte nachdachten, als würden diese Worte allein irgendeine Bedeutung besitzen.

Darel fuhr sich langsam mit der Hand über das Gesicht, während sein Blick sich schließlich auf den kleinen Datapad auf dem Tisch richtete, auf dem der Kodex in wenigen knappen Zeilen verzeichnet war.

Er kannte die Worte längst.
Jeder Schüler im Tempel kannte sie.
Dennoch ließ er sie noch einmal durch den Kopf gehen.

Frieden ist eine Lüge. Es gibt nur Leidenschaft.

Für einen Moment verzog sich sein Mund leicht.

Frieden war eine Lüge.

Wenn er an sein eigenes Leben dachte, klang diese Aussage weniger wie eine philosophische Weisheit und mehr wie eine nüchterne Feststellung. In seinem Elternhaus hatte es nie wirklichen Frieden gegeben, nur Erwartungen, Disziplin und den ständigen Druck, zu funktionieren. Nach außen hatte alles geordnet gewirkt, respektabel, erfolgreich – doch hinter dieser Fassade hatte immer nur ein stiller Wettbewerb geherrscht, ein Ringen um Anerkennung und Einfluss.

Vielleicht war genau das gemeint.
Dass der Frieden, von dem so viele sprachen, in Wahrheit nur eine dünne Schicht war, unter der ständig Konkurrenz, Ehrgeiz und Machtkämpfe brodelten.

Durch Leidenschaft erlange ich Stärke.

Hier musste Darel unweigerlich an das Training mit Sedros denken.
An den Moment, in dem seine Angriffe schneller geworden waren, als der Ärger in ihm stärker geworden war.
Vielleicht war Leidenschaft nichts anderes als dieser Zustand, in dem man aufhörte, vorsichtig zu sein.

Durch Stärke erlange ich Macht.

Das klang beinahe banal.
Doch während er darüber nachdachte, verstand er langsam, dass es dabei nicht nur um körperliche Stärke ging. Stärke konnte auch Kontrolle sein, Disziplin, die Fähigkeit, sich selbst zu beherrschen und andere zu übertreffen.

Durch Macht erlange ich den Sieg.

Das war für ihn eigentlich eindeutig, der mit der größten Macht, würde am Ende den Sieg davontragen.

Durch den Sieg zerbreche ich meine Ketten.

Dieser Satz ließ ihn länger nachdenken.
Vielleicht waren diese Ketten nicht nur Feinde oder Rivalen.
Vielleicht ging es auch um die Erwartungen.
Alles, was einen Menschen dazu brachte, für Ziele zu leben, die nicht seine eigenen waren.
Und schließlich blieb der letzte Satz.

Die Macht wird mich befreien.

Darel lehnte sich langsam zurück, ließ den Blick zur Decke des kleinen Zimmers wandern und spürte, wie sich in seinem Inneren langsam eine ruhigere Klarheit bildete.
Vielleicht war genau das der Kern dieses Kodex.

Nicht einfach blind zu dienen.
Nicht für andere zu kämpfen.
Sondern stark genug zu werden, um irgendwann selbst entscheiden zu können, wofür man lebte.

Mit diesem Gedanken schloss er schließlich für eine Weile die Augen, ließ die Worte noch einmal durch seinen Kopf gehen und wusste, dass sein Meister am nächsten Morgen eine Antwort von ihm erwarten würde.



Als Darel am nächsten Morgen erwachte, lag der Tempel noch im Zwielicht der frühen Stunde. Durch die schmalen Fenster seines Quartiers fiel nur ein fahles, bläuliches Licht, das ankündigte, dass der Sonnenaufgang noch einige Zeit auf sich warten lassen würde. Für einen Moment blieb er ruhig liegen und spürte in seinen Muskeln die Nachwirkungen des vergangenen Tages – die Müdigkeit in den Beinen vom langen Lauf durch die Stadt, das dumpfe Ziehen in seinen Schultern vom Training, und vor allem das empfindliche Brennen in seinen Fingern, wo der Rohrstock seines Meisters wieder und wieder eingeschlagen hatte.

Langsam setzte er sich auf, atmete tief durch und begann mit den Bewegungen, die ihm inzwischen zur Gewohnheit geworden waren. Zuerst dehnte er die Schultern und Arme, ließ die Gelenke kreisen, lockerte die Muskeln seines Rückens und der Beine, bevor er einige einfache Übungen ausführte, Liegestütze, Kniebeugen, ein paar kurze Bewegungsabläufe aus dem Nahkampftraining, nur um den Körper in Gang zu bringen und die Schwere der Nacht aus den Gliedern zu vertreiben.
Als Darel die Nachricht bekam wohin er sich begeben sollte, griff er nach seiner einfachen Trainingsrobe, zog sie über und verließ sein Quartier.

Der Tempel war um diese Zeit still.
Nur vereinzelte Schritte hallten durch die langen Korridore, während Darel sich durch die Domäne der Lernenden bewegte, den Datapad mit der Zimmernummer seines Meisters im Gedächtnis. Schließlich blieb er vor der entsprechenden Tür stehen, richtete kurz seine Haltung und trat ein.

Sedros wartete bereits.

Der reinblütige Sith stand in der Mitte der Kammer, unbeweglich wie eine Statue, die Hände in den Ärmeln seiner Robe verborgen, als hätte er dort schon seit geraumer Zeit gestanden und auf diesen Moment gewartet. Als Darel eintrat, hob er nur leicht den Kopf, und in seinen Augen lag jene ruhige Aufmerksamkeit, die Darel inzwischen gut kannte.

Sedros begrüßte Darel und fragte Ihn zu was für einer Erkenntnis er gekommen sei.
Darel blieb einige Schritte vor seinem Meister stehen, die Hände ruhig hinter dem Rücken verschränkt, während er einen Moment lang überlegte, wie er seine Gedanken in Worte fassen sollte.
Schließlich begann er.


„Der Kodex beginnt mit den Worten Frieden ist eine Lüge, es gibt nur Leidenschaft.“

„Ich glaube nicht, dass damit gemeint ist, dass Frieden als solches unmöglich ist. Ich denke eher, dass Frieden oft nur eine Oberfläche ist, hinter der immer etwas anderes arbeitet. Ehrgeiz. Konkurrenz. Wünsche. Jeder Mensch trägt Dinge in sich, die ihn antreiben, auch wenn er nach außen ruhig wirkt. Im Tempel herrscht vielleicht Friede, doch jeder will und hat die Leidenschaft, etwas aus sich zu machen, und das ist wichtig, zumindest hätte ich das so verstanden.“


Er ließ einen kurzen Moment verstreichen, bevor er fortfuhr.

„Durch Leidenschaft erlange ich Stärke.“

Darel senkte kurz den Blick, als würde er den Gedanken noch einmal prüfen.
„Leidenschaft bedeutet für mich nicht nur Zorn oder Hass. Es bedeutet, dass man etwas wirklich will ohne Rücksicht. Dass man nicht zögert, wenn es darauf ankommt. Gestern im Training habe ich gemerkt, dass meine besten Angriffe nicht die waren, bei denen ich vorsichtig gewesen bin oder wo ich mit der besten Technik vorgegangen bin, sondern die, bei denen ich aufgehört habe, mich zurückzuhalten.“

Seine Stimme blieb ruhig, doch seine Haltung wurde etwas fester.
„Durch Stärke erlange ich Macht.“

Er hob den Blick wieder zu seinem Meister.
„Stärke ist nicht nur körperlich. Es ist auch Kontrolle. Disziplin. Die Fähigkeit, durchzuhalten, auch wenn man erschöpft ist. Wer stärker ist als andere – körperlich oder geistig – kann Dinge erreichen, die ihnen verschlossen bleiben.“

Darel machte eine kurze Pause, bevor er zum nächsten Satz kam.
„Durch Macht erlange ich den Sieg.“

Ein schwacher Zug ging über sein Gesicht.
„Wenn jemand stärker ist, kontrollierter, entschlossener, wissender, dann gewinnt er. Gegen Feinde. Gegen Rivalen. Gegen jeden, der versucht, ihm im Weg zu stehen und Siegt.“

Sein Blick wurde für einen Moment etwas dunkler.
„Durch den Sieg zerbreche ich meine Ketten.“

Darel wiegte nochmals kurz seinen Kopf hin und her.
„Ich glaube, diese Ketten sind nicht nur allein Gegner. Es können auch Erwartungen sein. Selbstzweifel, Angst, solcherlei Dinge.

Er ließ die Worte bewusst schlicht stehen.

„Und der letzte Satz lautet Die Macht wird mich befreien.“

Darel atmete ruhig ein, bevor er den Gedanken zu Ende führte.
„Für mich bedeutet das, dass jemand, der die Macht wirklich versteht und beherrscht, irgendwann frei wird. Frei von Dingen, die ihn festhalten. Frei von allem.“

Damit schwieg er.
Seine Haltung blieb ruhig, während er seinen Meister ansah und auf dessen Reaktion wartete.



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