Bastion

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Mit ruhiger Miene hörte Zion seiner Schülerin zu und ließ sich ihre Worte im Kopf herum gehen. Vieles von dem, was sie sagte, kam wieder in ihm auf. Die Erinnerungen wurden zu Bildern in seinem Kopf, welche die ganze Geschichte erzählten, bis er ins Wasser gestürzt war. Zum Beispiel wie Zion mit der Jedi-Meisterin gekämpft hatte und später an ihren Kleidern hing, welche durch den schwachen Stoff gerissen waren und wie er mit dem Sith-Holocron ins kalte Wasser gefallen war und von Lisha gefunden wurde.
Als seine Schülerin von Arica sprach, kam in ihm erneut eine Erinnerung hoch und er sah sie im Schiff der Jedi. Es war nur ein kleiner Augenblick, jedoch war er sich sehr sicher, Arica da gesehen zu haben. Diese Information würde er jedoch erst einmal für sich behalten. Obwohl es ihm übel aufstieß, dass sie mit den Jedi paktierte. Vielleicht könnte er diese Situation für sich persönlich ausnutzen.
Zion schaute in Lishas Augen, die genau wie seine eigenen eine orangene Farbe besaßen. Sie wusste das von Arica nicht, Lisha hatte zu viel damit zu tun, ihr Leben, beziehungsweise das seine, zu retten. Ihr war nichts vorzuwerfen, tot würde Lisha ihrem Meister nichts nützen. Stärke durfte man nie mit Dummheit verwechseln.

"Wir fliegen nach Bastion zurück, ich habe alles, was ich brauche. Du wirst dich ausruhen und deine Kräfte sammeln. Hier hast du einen wichtigen Schritt auf deinem Weg zum Sith geleistet, nun gehe!"

Es dauerte nicht lange und Lisha ging zum Turbolift und fuhr ein Deck tiefer. Zion wusste, dass sie ihn nicht aus Nächstenliebe gerettet hatte. Er war der einzige, der von ihr wusste und in der Lage war, ihr mehr Wissen zu übermitteln. Sie war wirklich auf dem Weg der Sith angekommen.

Mehrere Standardstunden später erreichte die 'Vespin' das Bastion-System. Zion öffnete seine Augen und atmete tief aus. In all den Stunden wurde das Schiff vom Autopiloten geflogen. In der Zeit hatte der Sith-Warrior vor, sich mit dem Holocron auseinander zu setzen, doch schon nach wenigen Minuten wurde Zion klar, dass er nicht die benötigte Kraft besaß. Thearterra hatte ihm zu viel abverlangt, sein Körper konnte sich noch nicht vollkommen regenerieren und dadurch war sein Geist nicht stark genug für den Wächter des Holocrons. Das zwang Zion dazu, sich in Meditation zu begeben.

Der kleine Planet mit dem rötlichen Schein wurde langsam immer größer und man konnte nach und nach den Kontrast der urbanen Beschaffenheit und der natürlichen grünen und blauen Gebiete erkennen. Bald war das Schiff so nah an Bastion herangekommen, dass Zion von der Bodenkontrolle kontaktiert wurde, welche seine Daten erfassen wollte. Der Sith-Warrior gab alles an und wurde direkt zum Tempel des Sith-Ordens gelotst. Die 'Vespin' befand sich über den Hangartoren des Ordens, als Zion von automatischer Steuerung auf manuelle wechselte. Nach wenigen Sekunden setze das Schiff mit einem leichten Ruck auf dem Boden des Sith-Hangars auf. Zion erhob sich von seinem Cockpitstuhl und fuhr mit dem Turbolift in das untere Deck, wo bereits Lisha auf ihn wartete und blieb direkt vor ihr stehen.
Der Hüne stand nun vor dem zierlichen Mädchen.

"Betritt den Tempel, gehe in die Cantina und kräftige dich. Lass deine Wunden behandeln und vervollständige deine Ausrüstung, beziehungsweise kleide dich wieder.....zweckmäßig ein. Ich will, dass du abrufbereit und in weniger als dreißig Minuten bei mir bist. Jetzt geh!"

Seine Schülerin verließ das Schiff. Wenige Minuten später folgte Zion ihr und verschwand in den Schatten der düsteren Korridore.




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-Bastion-Sith-Orden-Haupteingang-Plaguis-Sliff Quori-Cryus


Cryus beobachtete alles sehr aufmerksam. Sein leerer Blick war so starr, dass es beinahe schon beängstigend wirkte. Unauffällig hatte der Arkanianer bereits die riesige Menge an Nahrung vertilgt, welche einen normalen Humanoiden wohl mehrere Tage am Leben erhalten hätte. Bei ihm jedoch setzte sich, trotz der großen Magenfülle nur ein leichtes Sättigungsgefühl ein. Er kannte das bereits. Da sein Körper für gewöhnlich nicht in der Lage war eine solche Menge an Nahrung aufzunehmen, da er keinen sehr viel größeren Magen besaß, verspürte Cryus ein leichtes Ziehen unter der Bauchdecke, dass ihn ein wenig lethargisch machte, jedoch aufgrund des verstärkten Kreislaufes nur wenige Minuten anhalten würde.

Der Neuankömmling ein alter menschlicher Mann, der einen sehr erhabenen, gar majestätischen Eindruck zu hinterlassen pflegte gab schnell klein bei, nach den Worten von Sliff. Gleich einer steinernen Fassade war das leichenblasse Gesicht, dass den Sklavenlord(Plaguis), wie er sich selbst bezeichnete aufmerksam musterte. Das war nicht ganz leicht, denn der Schein der Sonne und insbesondere das Chitin Sliffs reflektierte und erschien in infraroten und ultravioletten Wellenlängen, welche seine empfindlichen Sinnesorgane dezent reizten. So dezent, dass es einige Sekunden bedurfte, um überhaupt einen Blick nach draußen erhaschen zu können. Abseits im Schatten jedoch war es möglich das Bild nach und nach in seiner vollen Pracht auf sich wirken zu lassen. Würde sich Cryus in die Sonne begeben, würde er vermutlich wie bei seiner Ankunft erst einmal gänzlich geblendet nach Orientierung suchen. Um sich dieser Blöße zu entziehen verharrte er einfach und nahm die einzige Rolle ein, welche er wahrhaft gut beherrschte. Die des stillen Beobachters.

Ein weiteres Individuum fand den Weg zum großen Portal der Sithakademie und wurde ebenso von Sliff in Augenschein genommen. So wie er selber war der Neue (Ares) rekrutiert worden und war nun hier, um mit der Ausbildung zu beginnen. Wenngleich es eigentlich eine falsche Bezeichnung war den Arkanianer als "Rekrut" zu bezeichnen, denn er hatte seinen Weg von selbst hier her gefunden. Alles Offizielle war lediglich eine Hilfe gewesen. Als Sliff Cryus vorstellte, nickte dieser lediglich hölzern mit dem Kopf, ohne dabei seine kalte Mine zu verändern.



-Bastion-Sith-Orden-Haupteingang-Plaguis-Sliff Quori-Cryus-Segomo
 
[: Sartinaynian-System | Bastion | Bastion Center :||: Wohnviertel | Wohnung der Thiuros | Tür bzw. Flur :||: Captain Aiden Thiuro mit seiner Mutter Emily Thiuro :]

Mit einem überaus liebevollen Kuss auf die rechte Wange begrüßte ihn seine Mutter, Emily Thiuro, jedes Mal, wenn er freundlich lächelnd durch die offene Tür trat und von ihr mit einer überladenen Herzlichkeit in Empfang genommen wurde. Längst war die schöne Frau, die einst mit Seth Thiuro glücklich verheiratet war, selbst in die Jahre gekommen. Hier und da zeigten sich einzelne Fältchen oder graue Strähnen. Doch dafür hatte sie stets ihre Fröhlichkeit behalten; quasi konserviert. Und so kostete sie selbst bei diesen kurzen, eher spontanen Besuch ihres Sohnes vom ersten Augenblick an jede einzelne Sekunde förmlich aus. Um seiner Mutter eine Freude zu machen, legte Aiden deshalb seine kühle Art, die er sonst ständig besaß, ab.

„Ich hoffe, du bleibst wenigstens zu einer Tasse Caf“, sagte die schlanke Frau, die allmählich an der Fünfzig kratzte, während sie gemeinsam den Flur entlang in Richtung Wohnzimmer gingen. „Schon seit Wochen erhalte ich kaum eine Nachricht von dir! Höchstens über ein paar Sender im HoloNet erfahre ich mal, wo du eigentlich steckst!“

Es stimmte: Im Gegensatz zur Mehrheit seiner Kameraden hielt Aiden wirklich lausigen Kontakt zu seiner Familie in der fernen Heimat. Zeitweilig meldete er sich über Wochen nicht bei seiner Mutter – weder per Anruf, noch per Textnachricht. Unwillkürlich nagte nun das schlechte Gewissen an dem imperialen Piloten, während er schweigend der kleineren Gestalt vor sich folgte. Den einnehmenden Duft von frisch gebrühtem Caf und selbstgebackenem Kuchen hatte er natürlich schon weit vorher gerochen. Trotzdem huschte ihm flüchtig ein Lächeln über die Lippen als diese Gerüche endlich ein klares, reales Bild bekamen. Tief in seinem Inneren verspürte er ein Gefühl der „Heimat“. In diesem Moment wollte er nicht zurück auf die Sternjägerbasis in Bastions Orbit.

Kal Doorna, Mrs Thiuros langjähriger Freund, erhob sich höflich und reichte dem schwarzhaarigen Captain zur Begrüßung die Hand. Schon vor Jahren – kurz bevor er die Militärakademie besuchte – hatte sich Aiden damit abgefunden, dass seine Mutter eine neue Liebe im Leben brauchte. Natürlich hing sie an ihrem verstorbenem Ehemann, aber sollte sie deshalb auf ewig unglücklich sein? Nein, in diesem Punkt hatte der Bastioner irgendwann seine egomanischen Ansichten abgelegt. Ihr Freund begleitete sie sogar Jahr für Jahr zu Seth Thiuros Grab, legte ebenfalls einen kleinen Blumenstrauß auf die dunkle Erde und trauerte im Stillen gemeinsam mit ihr. Dankbar, unendlich dankbar war ihm der Sohn für dieses edle Handeln. Deshalb begegneten sich beide Männer stets mit Respekt. Aiden ließ sich auf dem breiten Sofa nieder. Aus all den Lautsprecherboxen, die in das Mobiliar kunstvoll eingebaut waren, dudelte derweil eine Musik, die womöglich in irgendeinem weit entfernten Sektor gerade „aktuell“ war.


„Bestimmt hast du so einen Caf schon lange nicht mehr getrunken“, bemerkte Emily Thiuro als sie das heiße Getränk behutsam servierte.

Und obwohl die beiden anwesenden Herren die Geschichte schon kannten, erzählte sie noch einmal in aller Ausführlichkeit wie sie einst in der Kadettenmesse der Bastioner Militärakademie eine Tasse Caf getrunken hatte. Dabei sparte sie selbstverständlich nicht an Metaphern, um haarklein den Ekel zu beschreiben, den sie beim Trinken empfunden hatte. Insgeheim waren die beiden Männer – ganz unabhängig voneinander – längst zu der Erkenntnis gekommen, dass die Beschreibungen jedes Mal einen Tick ausgefallener wurden. Somit wusste niemand mehr was zwischen all den Übertreibungen überhaupt noch die tatsächliche Wahrheit war. Vielleicht, so hatte Kal einmal philosophisch gesagt, besitzt die Wahrheit viele Facetten. Mit dieser Erklärung konnte Aiden leben. Denn am Ende waren es stets die einfachen Dinge, die sich in der Realität problemlos beweisen oder widerlegen ließen.

***

Um auf den belebten Straßen der planetaren Hauptstadt nicht mehr allzu sehr aufzufallen, hatte sich der Imperiale letztendlich dazu entschlossen, kurzerhand seine auffällige Uniform gegen einen Satz einfacher Straßenkleidung zu tauschen. So musste er nicht befürchten, dass man ihn erneut erkannte und ansprach. Denn im Gegensatz zu so manchem Kameraden hatte er nicht das ständige Bedürfnis ein „Bad in der Menge“ zu nehmen. Eigentlich störte er sich sogar seit jeher daran, dass das „Wolve Squad“ - aufgrund der KOMENOR – medial so präsent war. Vielleicht mochten sie auf diese Weise beim Feind tatsächlich für Angst und Schrecken sorgen, aber zu vielen Piloten stieg der „Ruhm“ auf Dauer zu schnell in den Kopf. Für ein paar Kameras oder heldenhafte Geschichten riskierte deshalb der eine oder andere talentierte Jungspund sein Leben – und verlor es am Ende sinnlos.

Unauffällig mischte sich Aiden ein weiteres Mal unter die unzähligen Bürger, die auf den schmalen Fußgängerwegen gingen. Das Viertel, in dem seine Mutter lebte und er aufgewachsen war, gehörte noch zu Ravelins ursprünglichen Stadtbezirken. Jedoch hatte das unheimliche Wachstum, das durch den einstigen Imperator Darth Arthious jäh ausgelöst worden war, die Stadtgrenze der gigantischen Metropole längst verschoben. War das Viertel einst zum Großteil von menschlichen Mittelständlern bewohnt, zählten diese heute zur schwindenden Minderheit. Mit den Jahren hatten sich Völker aus dem gesamten Imperium in Bastion Center, dem einstigen Ravelin, niedergelassen – und so war die Multikulturalität in diesen Tagen an jeder Straßenecke zu bemerken. So boten beispielsweise einige Ryn hier und da Glücksspiele, okkulte Kleinigkeiten oder Wahrsagungen feil, während gleichzeitig ein paar Duros versuchten billiges Fast Food an die Laufkundschaft zu verkaufen. Etliche Sprachen, Dialekte und Akzente schwirrten außerdem durch die geräuschvolle Luft. Bastion mochte vielleicht nicht zu den Core Worlds zählen, eine Thronwelt war es trotzdem.

In einem kleinen, unscheinbaren Café wollte sich Cassie mit ihm treffen. Da es sich hierbei um einen öffentlichen, statt einem vertrauten Ort handelte, konnte der imperiale Captain momentan überhaupt nicht einschätzen was sie wollte. Wollte sie nun etwa die (heimliche) Beziehung mit ihm endgültig beenden? Hatte sie jemand anderes kennengelernt? Obwohl der Pilot äußerlich weiterhin einen sehr ruhigen Eindruck machte, meldete sich in ihm die Eifersucht. Flink huschte der strenge Blick seiner eisblauen Augen nach links und rechts, während er beide Hände steif in die Hosentaschen vergraben hatte. Nichts hatte sie gesagt. Nichts hatte sie erklärt. Von dem einen Tag auf den anderen hatte die eigensinnige Corellianerin – scheinbar grundlos – die Staffel verlassen. Was – außer einem anderen Mann – konnte es also sein? Beim Öffnen der Tür drang ein äußerst fröhliches Klingeln aus einem nahen Lautsprecher. Mit einem flüchtigen Blick registrierte ihn der Kellnerdroide. Doch auf dieses rollende Ding achtete dafür Aiden nicht. Sein Blick durchforstete stattdessen rasch die Gesichter der anwesenden Gäste. War sie überhaupt da?


[: Sartinaynian-System | Bastion | Bastion Center :||: Wohnviertel | Café :||: Captain Aiden Thiuro, ein paar Gäste (darunter Cassie Bennett) :]
 
[ Bastion |außerhalb von Imperial City | Anwesen der Akaji's | Serenety im Garten |Han und Sayaka im Haus ]

Zu tiefst erschüttert trat die junge Exotin hinaus in den Garten. Ihre Wange schmerzte von der Backpfeife ihres Vaters. Sie hatte frische Luft gebraucht, musste ihren Ärger an einem anderen Ort loswerden. Andernfalls hätte sie wohl noch einiges ihrem Vater an den Kopf werfen können. Innerlich zerrissen schritt sie über den Kieselweg, welcher in der Dunkelheit weiß schimmerte, da die Sterne darauf niederleuchteten und ebenso der Mond. Auch wenn es ihr zum einen Leid tat, dass sie so unhöflich zu ihrem Vater gewesen war, ihm so vieles aus dem Zorn heraus an den Kopf geworfen hatte und ihr Ton alles andere als respektvoll gewesen war, so sie sich dennoch dessen bewusst, dass es früher oder später so hätte kommen müssen. Zu viel war in ihr angestaut, zu viel was sie belastete und das Gespräch hatte das Fass zum Überlaufen gebracht. Irgendwann was das Füllungsvermögen erreicht und alles was noch dazu kam lief über. Sie war ebenso nur ein Mensch wie alle anderen auch und auch sie besaß einen Punkt an dem es nicht mehr ging. Viel zu lange schon hatte sie ihr Fass befühlt und es schien, als ob dieses Fass mit jedem weiteren Inhalt der dazu geschüttet worden war, gewachsen wäre. Dieses Wachstum jedoch hatte heute ein jähes Ende genommen. Serenety war geplatzt wo sie sonst alles hinunterschluckte und über sich ergehen ließ, so hatte es heute nicht mehr funktioniert. Der Zorn war zu groß geworden, ihre Gefühlwelt zu sehr misshandelt worden als das es einen anderen Ausweg hätte geben können und obwohl sie sich schämte sich so gehen gelassen zu haben, so war sie dennoch zu einem Teil froh darüber. Ein wenig mehr Befreiung bedeutete dies. Auch wenn sie wusste, dass noch längst nicht alles von ihr gewichen war, ihre Seele noch immer zu ertrinken schien, so hatte sie einen Anfang gemacht. Jedem anderen hätte sie geraten sich Hilfe zu suchen, doch sich selbst vergaß sie dabei. Serenety gehörte zu den Personen die sich für alles und jeden aufopferten und dabei etwas wichtiges vergasen, nämlich sich selbst.

Für Serenety jedoch gab sie selbst nicht wirklich. Sie hatte gelernt ihre eigenen Wünsche in den Hintergrund zu stellen, sich selbst zu verleugnen und damit ihr ganzes Sein auf andere zu richten. Ein Teil dessen war vielleicht angeboren, ein anderer Teil war erlernt. Nicht zuletzt durch ihr Studium, die Erziehung, der Akademie und was sie sonst noch erlebt und durchlebt hatte. Sie hatte sich niemals zuvor beschwert oder auch nur irgendwem an den Kopf geworfen, dass man ihr Leben bestimmen würde. Bisher wäre sie nicht einmal auf diese Idee gekommen, bis jetzt! Wenn sie darüber nachdachte wie ihr Leben bisher verlaufen war, so wurde deutlich, dass alles bisherige von ihrem Vater bestimmt wurde. Von klein auf hatte er sie mit seinem ganzen Wesen für sich vereinnahmt und es hatte nichts gegeben was dies hätte ändern können. Für sie unbemerkt hatte sich ihr Sein auf ihren Vater konzentriert, für ihn hatte sie alles getan, tat es noch heute und würde es noch tun. Die Liebe zu den Eltern war etwas allumfassendes, etwas gewaltiges was man nicht einfach so erklären konnte. Diese Liebe war es, die sie zu dem gemacht hatte was sie war und wohl auch immer sein würde. Der Käfig in den sie gesperrt worden war hatte ihr nie etwas ausgemacht. Genau genommen hatte sie dies nicht einmal bewusst wahrgenommen. Erst vor einer Weile war ihr dies ein Stück weit bewusst geworden, nämlich als die mit Daichi, Toji’s Cousin gesprochen hatte. Dies jedoch lag schon länger zurück. Heute erst verstand sie die ganze Tragweite dessen was ihr Leben war.

Heute verstand sie ihre Gefühle, alles was damit verbunden war und nun verstand sie auch warum sie ihrem Vater so viel an den Kopf geworfen hatte. Welche andere Möglichkeit hätte sie sonst gehabt? Es hätte keinen wirklichen anderen Weg gegeben, nicht bei dem was sie war. Serenety hatte beschlossen in die Fußstapfen ihres Vaters zu treten und so war es letztlich auch gekommen. Sie wusste, dass sie ihn liebte, dass er ihr wichtig war und es auch immer sein würde und dennoch war ihr ebenso klar, dass sie ihr eigenes Leben führen müsste. Ein Leben mit einer Zukunft. Doch welcher Zukunft? Sie wusste es nicht. Die Zukunft die sie gerne hätte würde niemals in Erfüllung gehen und so würde sie einen anderen Weg finden müssen. Wie also sollte dieser aussehen? Sollte sie sich auf ihr Kommando konzentrieren und alles andere außeracht lassen!? Sich dem hingeben was sie dort erwarten würde und damit nur noch eines haben was wichtig war, die „Darkmoon“, deren Mannschaft und das Imperium? Würde sie dies erfüllen? Vielleicht. Immerhin würde dies zu ihrem Mittelpunkt werden und gleichzeitig würde es sie von ihren Gefühlen ablenken. Gefühle die nicht erwidert wurden und ihr Herz in einen Stein verwandelten. Schon jetzt merkte sie die Veränderung welche unaufhaltsam weitergehen würde und irgendwann zur Vollständigkeit gelangen würde. Dennoch gab es noch etwas was getan werden musste! Sie konnte und wollte nicht länger verlobt sein. Diese Verlobung, die niemals wirklich eine sein würde, würde sie nur daran erinnern welches Leid sie dadurch erfahren hatte. Sie würde jeden Tag umso mehr daran erinnerte werden, dass sie alles zerstört hatte was sie einst hätte haben können. Sie wollte diese Erinnerungen nicht mehr, sie wollte nicht an etwas und vor allem an jemanden erinnert werden, den sie niemals haben konnte. Sie würde mit ihrem Vater noch mal in aller Ruhe darüber sprechen und ihn bitten, dass die Verlobung gelöst wurde. Es musste einen Weg geben aus diesem Dilemma heraus zu kommen ohne das ihr Vater sein Gesicht verlor. Sein Versprechen an Kenji war eines welches genau genommen nicht aufgehoben werden konnte, da dieser Tot war. Die Ehre der beiden Familien durfte demnach nicht befleckt werden schon gar nicht, weil Kenji nicht mehr bei ihnen war. Sie wusste noch nicht wie sie dieses Problem lösen sollte, welchen Weg sie finden könnte. Serenety konnte nicht einmal sagen ob sie mit diesem Ansinnen bei ihrem Vater etwas erreichen würde. Han war ein stolzer Mann, durchdrungen von den Traditionen, dem die Ehre der Familie überaus wichtig war. Serenety selbst war nicht anders und dennoch musste sie etwas tun. Jemanden zu lieben bedeutete auch los lassen zu können. Seelische Schmerzen waren stets mit Liebe verbunden und sie wollte nichts mehr als Toji glücklich zu sehen auch dann wenn es für sie bedeuten würde niemals glücklich zu sein. Doch in ihren Augen war es verwerflich selbstsüchtig zu sein und sie würde es niemals zulassen, dass ein so negatives Gefühl über sie bestimmte!

Die Schritte der jungen Frau brachten sie tiefer in den Garten hinein, in dem hohe Bäume standen. Die Bepflanzung entsprach dem was ihr Volk als schön und traditionell ansah. Die Liebe zum Detail war überall zu sehen. Stundenlange Arbeit steckte darin und noch mehr Arbeit war es alles so zu erhalten wie es war. Sie folgte dem plätschern des Flüsschens. Das sanfte Geräusch des Wassers entspannte sie, hatte es schon immer getan. Hier in diesem Garten konnte sie Ruhe finden, ihre Gedanken ordnen. An keinem anderen Ort bisher war ihr dies möglich gewesen und so lief sie weiter, ehe sie ein Bank erreichte welche unter einem Baum mit roten Blättern stand. Die Form glich fast einem Stern. Die Krone neigte sich zum Boden hin und versteckte ein wenig die Bank die darunter stand. Es war ein idyllisches Plätzchen an dem man ungestört war und wo es keine Beobachter geben konnte. Sie setzte sich auf die Holzbank, welche aus dunklem Holz geschnitzt worden war und in sanften kurven auf der Erde ruhte. Der Künstler dieses schönen Stückes hatte wie Zeit darauf verwendet und dafür gesorgt, dass eine weibliche Note darin lag. Serenety setzte sich auf die Bank und lehnte ihren Kopf gegen den Stamm des Baumes. Seine Rinde besaß einen mittleren Ton und war im Gegensatz zu vielen anderen eher glatt. Seine Strukturen waren feiner, ebenmäßiger. Die Schönheit der Natur erfreute die Sinne und schaffte es die junge Frau aus ihren Sorgen zu reisen. Diese Wirkung hatte dieser Garten immer und als Kind war sie oft und viel hier gewesen. Später dann war es ihr nicht mehr so oft möglich gewesen und seit sie dem Imperium diente noch weniger. Nichts desto trotz versuchte sie hier zu sein wann immer sie konnte.

Serenety war froh, dass weder ihre Mutter noch ihr Vater ihr gefolgt waren und sie allein hier sitzen und nachdenken konnte. Wären ihre Eltern hier würde sie keine Ruhe haben. Ihre Mutter würde versuchen ihren Gefühlen auf den Grund zu gehen und dies war etwas was sie nicht wollte. Ihre Gefühle waren die ihren und sie teilte jene nicht. Dies wiederum zeigte auf, dass sie Gefühle noch nie wirklich mit jemandem geteilt hatte und wahrscheinlich nicht einmal wusste ob sie wirklich dazu in der Lage war. Obwohl ihre Kindheit weitgehendste behütete gewesen war, sie mit beiden Elternteilen über sich hatte sprechen können, so hatte sie dies dennoch nie wirklich getan. Einzig und allein ihr Vater hatte die Ehre gehabt ein wenig darin involviert zu werden. Seufzend schloss sie die Augen und versuchte ihre Gedankenwelt beiseite zu schieben. Der Zorn in ihrem inneren verrauchte langsam und doch wusste sie, dass er wieder auflodern würde sollte etwas geschehen und so entschloss sie sich dazu noch eine Weile hier zu bleiben.


**

Han blickte seine Frau an, deren Augen seine fixierten. Die Ungestüme Art seiner Tochter, der respektlose Ton und ihre Flucht, dies alles waren Punkte die ihn bewegten. Auch wenn er ihr gern gefolgt wäre, so wusste er doch das es keinen Sinn gehabt hätte weiter mit ihr zu sprechen. Sie brauchte Zeit, Zeit um sich zu beruhigen, klar zu denken und Vernunft anzunehmen. Sayaka sah ihn einen weiteren Moment schweigend an, ehe sie ein Lächeln nicht mehr unterdrücken konnte. Han, der dieses Lächeln nicht einordnen konnte zog die Stirn in Falten.

„Gibt es etwas, was ich nicht mitbekommen habe oder woher rührt dein Lächeln?“, wollte er wissen.

Sayaka löste sich aus der Umarmung ihres Mannes und legte ihren Kopf leicht schräg. „Es scheint so“, antwortete sie.

Han, der nun noch weniger verstand was hier los war strich sich über das Kinn. Es schien nicht so als ob seine Frau ihn aufklären wollte. Welches Geheimnis hier auch immer ungelüftet war, er wollte es lüften. „Hättest du mir die Güte zu erklären was genau du meinst oder ziehst du es vor mich rätseln zu lassen?“, hackte er nach.

Sayaka konnte sich ein kurzes Grinsen nicht verkneifen. „Gleich wie gut du sonst verstehen magst und besonders deine Tochter, so hast du ihre letzte Äußerung nicht verstanden. Hättest du dies getan, dann hättest würdest du wissen was ich meine.“

Han rief sich die Worte seiner Tochter in Erinnerung, welche davon gesprochen hatte, dass das Herz einer Frau zu brechen keine Rolle spielen mochte und sie dies noch ertragen könnte, wenn es nicht schon gebrochen wäre. Diese Worte warn so verpackt, dass sie mehrere Bedeutungen haben konnten und Han war sich nicht sicher was genau sie bedeuten sollten. Allerdings war die Worte eine Frau nicht immer gänzlich zu verstehen, da sie dazu neigten sich immer wieder in Rätseln zu äußern. Also schüttelte er den Kopf in der Hoffnung, dass seine Ehefrau ihm die Frage beantworten würde. Dies lächelte erneut.

„Du hast all die Zeit versucht deine Tochter und Kenji’s Sohne zusammen zubringen indem du Serenety auf die Musashi geschickt hast. Alles was du bisher getan hast, hast du dafür getan. Als der Vorfall auf Onderon stattfand indem deine Tochter außer sich war, weil Toji sie betrogen hatte – wobei keiner von beiden zu diesem Zeitpunkt etwas von ihrer Verlobung wusste – hast du trotz allem versucht das Versprechen zu wahren. Immer wieder hast du mit der Familie Murata gesprochen um zu erfahren ob Toji sich entschieden hätte. Keine Minute bist du zur Ruhe gekommen. Dir war es so wichtig das Serenety Gefühle für ihn entwickelt, dass du nun nicht mitbekommen hast wie es tatsächlich um ihr Herz steht“, erklärte sie.

Han ließ sich die Worte seiner Frau durch den Kopf gehen und fragte sich was er übersehen hatte. Konnte sie nicht einfach deutlich ausdrücken was Sache war anstatt es in weitere Worte zu verpacken die erst einmal auseinandergenommen werden mussten? Wie sollte man die Frauenwelt begreifen, wenn diese sich nicht klar äußer konnte? War es so schwer A oder B zu sagen oder eine genaue und kurze Erklärung abzugeben? Leise seufzend sah er seine große Liebe an, sein Blick bittend um Erlösung.

„Oh Han, Serenety liebt Toji. Hast du dies nicht begriffen?“, wollte sie wissen.

Han sah seine Frau an als ob diese ihm gerade gesagt hätte, dass sie selbst Schwanger sei. Diese Offenbarung dessen, dass seine Tochter ihren Verlobten liebte ließ ihn einen Moment sprachlos erscheinen. Obwohl es genau dies war, was er gewollt und was ihm wichtig gewesen war, so stand er nun vor seiner Frau wie ein kleiner Junge, welcher auch noch darauf gehoben werden musste. „Bist du sicher?“, frage er, da er absolute Gewissheit haben wollte.

„Ja, ich bin mir sehr sicher. Die ganze Art wie sie gesprochen hat und ihr letzter Satz dann. Man konnte deutlich die Qual in ihren Worten hören. Die Trauer in ihrem Blick“, klärte sie ihren Mann auf.

Han’s Gesicht veränderte sich, es wurde heller, freundlicher und begann dann zu strahlen. „Wenn du Recht hast mein Schatz, dann ist doch alles gut. Warum also so ein Theater?“

Seine Frau setzte sich auf einen der Stühle und zog ihren Mann an ihre Seite. Erst als dieser sich gesetzt hatte war sie gewillt zu sprechen. „Ich bin mir nicht sicher. Es ist nicht einfach durch all das zu sehen was vor sich geht. Allerdings vermute ich, dass Toji entweder nichts davon weiß, dies jedoch kann ich mir kaum vorstellen oder aber, dass ihre Gefühle nicht mehr erwidert werden“, vermutete sie.

„Nicht mehr erwidert? Warum sollte dies so sein?“, wollte Han wissen.

„Gefühle können sich verändern mein Liebling und sie können sich dahingehend verändern, dass das was man einst für jemanden empfand nicht mehr so ist. Vielleicht ist es bei dem jungen Murata so und dies wäre ein Grund warum unsere Tochter die Lösung der Verlobung will“, erklärte sie.

Han verzog leicht die Lippen bei den Worten seiner Frau. „Ich kann dies nicht glauben. Sayaka, gerade du solltest doch wissen, dass wenn man jemanden liebt, wirklich liebt es keine Veränderung geben kann. Jedenfalls nicht in die Richtung, dass sie einfach verschwinden. Außer es ist eine andere Frau im Spiel“, stellte er klar.

„Alles kann sich verändern, Han und es muss nicht einmal eine andere Frau sein. Auch wenn ich dir Recht gebe so ist dies unser empfinden und muss nicht unbedingt von anderen geteilt werden. Du und ich sehen in der Liebe etwas ganz besonderes. Unsere Generation hat ein anderes Empfinden und einiges von dem was wir denken passt nicht zu der heutigen Generation und Jugend. So vieles verändert sich im Leben“, berichtete sie.

Han verzog erneut die Lippen und griff dann nach den Händen seiner Frau. „Es gibt nur eine Liebe und damit auch nur ein Empfinden. Selbst wenn unsere Generation in diesen Dingen noch anders denken mag als die Jüngere, so werde ich nicht akzeptieren, dass ein Versprechen aufgrund einer Vermutung gelöst wird. Zudem wäre dies nicht möglich und dies sollten beide wissen.“

„Han, ob es sich um eine Vermutung handelt oder nicht wissen wir nicht und es steht uns nicht zu darüber zu urteilen. Ich wollte dir nur begreiflich machen, dass deine Tochter ihren Verlobten liebt. Dies würde so vieles erklären! Besonders auch warum sie ihm auf Despayre das Leben gerettet hat und warum sie dir vorwirft du hättest ich ein eigenes Kommando verschafft“, berichtete sie.

Wieder zog er die Stirn in Falten. Seine Frau sprach etwas an bei dem er nicht ganz mitkam. „Das sie sein Leben auf Despayre aus Liebe zu ihm gerettet hat kann ich noch nachvollziehen. Was es aber mit dem Kommando zu tun haben soll begreife ich nicht ganz“, offenbarte er.

Seine Frau hatte fast vermutet, dass er damit nichts anfangen konnte und so klärte sie ihn auf. „In ihrem Zorn hat sie deutlich gemacht, dass sie sich keineswegs über ein eigenes Kommando freut. Der Grund dazu wäre, dass sie somit nicht mehr unter Murata dient. Was wiederum zur Folge hat, dass sie ihn nicht mehr sehen kann und auch nicht mehr in seiner Nähe ist. Ich schlussfolgere daraus also, dass ihr dies nicht gefällt. Allerdings gibt es wohl noch einen Punkt, den ich bisher nicht ausmachen konnte.“

Als er sich die Worte seiner Frau durch den Kopf gehen ließ musste er sich eingestehen, dass sie Sinn ergaben. Jedenfalls würde dies so einiges erklären und damit auch ihr Verhalten. Blieb also die Frage was es noch gab, dass sie so wütend gemacht hatte.
„Hast du eine Vermutung was ein sein könnte? Gleich wie sehr ich mich bemühe eine Antwort drauf zu finden, ich werde nicht klug daraus“, meinte er seufzend.

Sie schüttelte den Kopf. „Nicht wirklich, nein. Du weißt wie sie ist und dass sie normalerweise nicht über ihre Gefühle spricht. Ich glaube auch nicht, dass sie uns etwas sagen wird. Jetzt jedenfalls nicht und ich werde es wahrscheinlich nicht erfahren. Vielleicht bestünde die Möglichkeit, dass du mit ihr sprichst wenn die Wogen sich geglättet haben und sie zurückkommt“, schlug sie vor.

Han nickte kurz. Es wäre eine Möglichkeit und er würde versuchen diese zu ergreifen. Vorausgesetzt seine Tochter spielte mit.

**

Serenety, die noch immer auf der Bank unter dem Baum saß, die Augen geschlossen, lauschte dem Gesang eines Nachtvogels. Die helle wunderschöne klare Stimme ließ auch das letzte Quäntchen von Zorn bei ihr verrauchen. Die Melodie besaß etwas fröhliches, aufmunterndes und gleichzeitig herzerwärmendes. Dieser kleine Vogel, der so zart war und von der Natur mit einer solch klangvollen Stimme versehen war, schaffte es Serenety zu bewegen. Sie öffnet die Augen, nahm den Kopf vom Stamm und erhob sich um dieser Stimme zu folgen. Auch wenn sie wusste, dass die Chance diesen kleinen Kerl zu finden eher gering waren, so wagte sie es dennoch. Sie hielt die Luft an, spitzte die Ohren und versuchte die Richtung auszumachen aus der dieser Gesang kam, dann folgte sie ihr. Er musste sich hier im Garten befinden, nur wo? Nachdem sie einige Schritte gegangen war bleib sie erneut stehen um zu lauschen. Hatte sie den richtigen Weg gewählt? Der Gesang ertönte lauter und sie sah sich um. Da sowohl die Sterne wie auch der Mond schienen und Lampen den Garten zusätzlich erhellten konnte man recht gut sehen. Also kniff sie ihre bernsteinbraunen Augen zusammen und ließ diese über die Bäume und Sträucher gleiten. Irgendwo dort musste er sein. Als sie erneut sein zwitscher hörte wandte sie sich leicht nach links und als sie nach oben sah erblickte sie ihn. Er saß auf einem Ast und sah zu ihr hinab ganz so als ob er sie trösten wolle. Serenety glitt unter den Ast und setzte sich dort auf den Rasen. Dann lauschte sie dem kleinen Kerl, welcher weiter sein Lied sang. Die Empfindungen welche durch ihren Körper wanderten ließen sie für geraume Zeit die Wirklichkeit vergessen.

Auf Onderon und dem Anwesen der Murata’s hatte sie mit Daichi gesprochen und ihm gesagt, dass sie sich wünsche frei zu sein. Damals hatte sie das Wasser als Veranschaulichung genommen. Dieser kleine Vogel war ebenso frei. Er konnte hinfliegen wohin er wollte und war nicht an etwas gefesselt. Warum konnte sie nicht dieser kleine Vogel sein, der so wundervoll Sang und sich keine Sorgen machen musste. Er war nicht gebunden an irgendein Versprechen sonder entschied selbst was er tat. Wie gerne wäre sie er, frei in ihren Entscheidungen, frei von Sorgen. Leise summte sie die Melodie des Vögelchens mit ehe sie Lauter wurde und ein Lied anstimmte. So sangen sie gemeinsam, ergänzten sich perfekt in dem was sie taten. Serenety sah zu ihm auf, ließ ein Lächeln sehen und versuchte ihn mit ihren Fingern zu locken. Wahrscheinlich würde er darauf nicht reagieren und umso überraschter war sie, als das Vögelchen von seinem Ast herab hüpfte und sich auf ihren Finger setzte. Sie hielt für einige Sekunden die Luft an, so überwältigt war sie, dass sie fast vergas zu atmen. Ob es ihre Traurigkeit gewesen war die das Tier dazu veranlasst hatte? Die Antwort darauf kannte sie nicht. Das Glücksgefühl jedoch was durch ihren Körper glitt vertrieb ihre Sorgen und gemeinsam trällerten sie ihr Liedchen zu Ende und stimmten dann ein neues an.


Es war ein Augenblick der Zufriedenheit, der sie alles vergessen ließ. Der die Wirklichkeit einmal zu etwas positivem machte. Etwas, was viel zu selten in ihrem Leben vorkam.

[ Bastion |außerhalb von Imperial City | Anwesen der Akaji's | Serenety im Garten |Han und Sayaka im Haus ]
 
[ Bastion / Sith-Tempel / Trainingsraum ] Fel, Janus

Im Gegensatz zum vorigen Tag wirkte Janus äußerst zufrieden mit den Lernfortschritten, die sein treuer Schüler gemacht hatte. Man merkte, dass er gute Laune hatte, denn er lobte ihn in den höchsten Tönen. Fel fragte sich insgeheim, ob der echte Janus irgendwann im Laufe der Nacht getötet und durch einen bösen Zwilling ausgewechselt worden war. Naja…böse wäre in diesem Zusammenhang relativ. Da der Graf an und für sich schon böse war, müsste dies ein noch böseres Double sein, das aber trotzdem gut zu Fel war. Aber wäre das dann immer noch ein böser Doppelgänger? Der Mörder hatte ein kleines Paradoxon aufgetan! Allerdings war dieses Szenario so unwahrscheinlich, dass die Worte des Grafen wohl nur auf dessen gute Laune zurückzuführen waren.

Da ist wohl heute ein kleiner Philosoph aus den Federn gesprungen

Die Worte des Würgers hatten einen leicht spöttischen Unterton, soweit man das bei mentalen Stimmen sagen konnte. Trotzdem verspürte Fel einen leichten Stich von Ärger ob der Anmaßung des Persönlichkeitsstrangs. Doch der Graf sprach weiter und so lenkte er Mörder seine Gedanken zurück auf die Unterhaltung. Sein Gegenüber wollte wissen, ob es irgendwelche Beweise gab, die von seinen Opfern auf Fel zurückfallen konnten. Natürlich sagte er das nicht explizit. Ohne es zu merken, waren sie wieder in die vor Metaphorik strotzende Unterhaltungsweise zurückgefallen, derer sie sich seit ihrem ersten Zusammentreffen bedienten.

„Ich gestehe, der Begriff Freunde war überzogen“

Leicht lächelte der Mörder

„Nachdem ich mich ein wenig mit ihnen beschäftig hatte, beschloss ich, dass mich nichts von ihnen begleiten würde. Sie werden schwerlich Lust haben, von unserem Zusammentreffen zu berichten“

Fast musste er grinsen. Für einen Außenstehenden würde diese Unterhaltung im schlimmsten Fall unverständlich wirken. Im besten Fall würde ein Zuhörer glauben, Meister und Schüler führten ein unverfängliches Gespräch über simple Bekanntschaften des Mörders. Das mussten sie unbedingt aufrechterhalten! Wenn man dies lang genug praktizierte und übte, würden man sich irgendwann über das Wetter unterhalten können und dabei einen Plan austüfteln, eine planetare Regierung aus dem Amt zu hebeln, ohne dass jemand etwas davon mitbekam. Doch dafür hieß es üben, üben, üben!

Was die Leichen anging, so würden sie tatsächlich dem unachtsamen Betrachter nichts über ihren Mörder verraten. Äußerlich hatte er nichts hinterlassen, was einen Ermittler zu ihm führen würde, so hatte er zum Beispiel alles Blut beseitigt, das eine Spur zu seinem Nest gezeichnet hatte. Worauf er jedoch nicht geachtet hatte, waren DNA-Spuren auf den Körpern der Toten. Doch mal ehrlich – wer würde sich die Mühe machen drei unbedeutende Jünger auf die DNA ihres Mörders zu filzen?! Vor allem wenn eine Spur so klar und deutlich von Kellan über seinen Bruder Karkk’Oh zu Cyrus führte? Wenn sich also tatsächlich jemand mit dem Fall beschäftigte, würde wahrscheinlich der Arkanier belangt werden.

Nun gebot Janus Fel jedoch mit dem Training zu beginnen und das soeben levitierte Lichtschwert zu aktivieren. Fel tat wie geheißen und surrend erwachte die weinrote Klinge zum Leben. Interessiert betrachtete der Mörder den gleißenden Strahl aus Energie und war überrascht, wie leicht sich das Gebilde sich in seiner Hand anfühlte. Leicht bewegte er den Griff und wunderte sich plötzlich nicht mehr darüber, dass der Graf soeben davon gesprochen hatte, dass man sich leicht selbst treffen konnte. Bei der ersten Bewegung hatte er noch keine Vorstellung wie sich die Klinge im Verhältnis zum Griff bewegen würde. Das Gerät schimpfte sich zwar Lichtschwert, doch war es in keinen Fall mit einem echten Schwert gleichzusetzen.

Ein paar Mal schwang er den surrenden Energiestrahl hin und her, um ein Gefühl dafür zu bekommen. Dann, als er sich sicher genug wähnte, fokussierte er den Blick auf den Grafen, der immer noch mit erwartungsvoller Miene an seinem Platz stand. Ohne Vorwarnung schnellte Fel nach vorne und führte einen unbeholfenen Schlag gegen den Grafen aus. Doch dieser war schneller. Offenbar hatte er die Attacke vorausberechnet, denn von einer Sekunde auf die andere war er aus dem Wirkungsradius der Lichtklinge verschwunden und der Mörder verspürte einen brennenden Schmerz, der sich ihm über den Rücken zog.


Verdammt!

In einem echten Kampf hätte das uns halbiert.

Das kann doch…

Sieh‘s ein. Janus wusste was er tat als er uns davon abhielt die Silberhaarige anzugehen

Fluchend wirbelte Fel herum und hatte wieder den Grafen im Blick, der nun ein leichtes Lächeln auf den blassen Lippen zur Schau trug. Der Mörder machte ein paar Schritte, suchte nach einer Lücke in der Verteidigung seines Gegenübers. Meinend eine gefunden zu haben, machte er wieder einen Satz und platzierte einen Stich auf Höhe des Herzen, der den Grafen getötet hätte, hätte es sich nicht um Traningslichtschwerter gehandelt – und hätte der Graf nicht mit der Leichtigkeit und Eleganz eines Adeligen abgeblockt.

Die rot leuchtenden Klingen machten ein knirschendes Geräusch, als sie aufeinander trafen und Fels Stich ging ins Leere, grade nah genug an Janus‘ Körper vorbei, dass er den teuren Anzug des Grafen unversehrt zurückließ. Wie eine Schlange zuckte dessen Klinge nun vor und hinterließ einen brennenden Fleck knapp über dem Herzen des Mörders.

Noch lauter fluchend taumelte Fel zurück und wollte wieder zum Angriff übergehen, doch diesmal hob der Graf eine Hand und öffnete den Mund, um ihm über eine bessere Methode zu informieren.


[ Bastion / Sith-Tempel / Trainingsraum ] Fel, Janus
 
[Bastions Mond | Last Defense | Ebene 5 | vor der Kantine] Chett Nectu

Chett Nectu kochte innerlich vor Wut. Sakura Mitsumo hatte den Versuch gewagt, seinen Panzer zu durchbrechen und an sein wohl gehütetes Inneres zu kommen. Den Teil seiner Erinnerungen und Emotionen, die er gründlich weggesperrt hatte und deren Existenz er so effizient leugnete, dass er es selbst meistens glaubte. Daher ärgerte er sich auch nicht darüber, dass sie beinahe etwas ausgegraben hätte, sondern dass sie ihm unterstellte, es gäbe etwas zum Ausgraben. Mit sinnlosem Gerede von Kameradschaft - eine ebensolche Lüge wie die vom ehrenhaften und ruhmreichen Leben des Sternenjägercorps - hatte sie versucht, seine Überzeugungen anzugreifen. Aus welchem Grund? Er wusste es nicht. Vielleicht war sie einer jener unverbesserlichen Gutmenschen, die sich weigerten, aus ihren zartrosa Träumen aufzuwachen. Wie er solche Leute hasste! Letztlich hatte sie damit nur eins erreicht: Die Aggressionen wachzurütteln, die der jahrelang aufgestaute Frust in ihm erzeugte. Obwohl er es ursprünglich nicht vorgehabt hatte, wechselte er abrupt die Richtung, als er einen Wegweiser zu den Krafträumen entdeckte. Er brauchte jetzt eine Flachbank mit ausreichend Gewichten, um sich auszupowern. Und am besten einen Sandsack, denn er konnte sich nun kaum etwas Besseres vorstellen, als auf etwas einzuschlagen. Zumindest solange es keine Option war, auf jemanden einzuschlagen. Wenn ihm jetzt jemand dumm käme, wären ihm ein paar gebrochene Gesichtsknochen sicher. Und Chett ein mehrwöchiger Arrest und das Ausscheiden aus dem Auswahlverfahren, vielleicht sogar aus dem Militärdienst.

***

Da es keinen gewalttätigen Zusammenstoß mit einem Mitbewerber oder dem Stationspersonal gab, durfte Chett Nectu vorläufig Teilnehmer des Auswahlverfahrens bleiben und sich der Hoffnung hingeben, dass er vielleicht ein Wolve werden könnte. Auch wenn er während der Hälfte der Zeit sicher war, dass er überhaupt keine Chance hatte, und sich in der anderen Hälfte fragte, ob er es überhaupt wollte. Aber nun war er schon einmal hier und würde machen, was man von ihm verlangte. Wie er es immer tat. Jemand musste schließlich tun, was getan werden musste. Das Gespräch mit Officer Mitsumo zeigte ihm überdeutlich, dass die Wolves jemanden für die Drecksarbeit brauchten. Jemanden, der nicht so humanistisch veranlagt war, dass er sich vermutlich auch mit dem nächstbesten Rebellenpiloten anfreunden würde, sondern der ohne zu zögern auch auf Unbewaffnete und Fliehende schoss. Denn nicht weniger als das verlangte dieser Krieg von ihnen, und wer nicht taff genug dafür war, der trug nichts zum Sieg bei.

Diese Denkweise motivierte ihn, sein Bestes zu geben. Bei allen anstehenden Tests und Prüfungen war er hochkonzentriert und zeigte vollen Einsatz. Die wenige Freizeit, die der enge Zeitplan den Prüflingen ließ, nutzte er, um sich fortzubilden und die Lücken seines Wissens und Könnens zu schließen. So fiel ihm zum Beispiel auf, dass er sich mittlerweile zwar recht gut an den Defender gewöhnte; doch nur im Einzelflug beziehungsweise an der Seite simulierter Kameraden. Der Flug mit einem echten Partner war etwas völlig Anderes. Und auch hier musste er die Stärken und Schwächen des Defenders kennen. Bei der hohen Geschwindigkeit, mit der gekämpft wurde, war es um so schwerer, sich auf seinen Flügelmann einzustellen und dessen Manöver vorauszuahnen. Sicherlich geschah es um so leichter, dass man sich aus dem Blick verlor und damit der wichtigsten Aufgabe - dem gegenseitigen Schutz - nicht nachkommen konnte. Also fasste er den Beschluss, bei nächster Gelegenheit mit seinem konsequenten Ignorieren aller anderen Bewerber zu brechen und sich jemanden zu suchen, mit dem er eine Zweier-Simulation starten konnte.

Er hatte an diesem Tag einige langatmige, aber zweifellos wertvolle taktische Lehrgänge über sich ergehen lassen, die unter anderem diesen Aspekt des Jägerfluges berücksichtigten. Die Gelegenheit, diese zu erproben, ergab sich kurze Zeit darauf. Er hatte eine einstündige Lücke in seinem Zeitplan gefüllt, indem er sich einen Simulator reserviert hatte. Gerade machte er sich daran diesen zu aktivieren, als das Gerät ihm anzeigte, dass auch die Nachbarkabine nun von einem (vermeintlichen) Mitbewerber (Samin) besetzt worden war. Hastig brach er den Start seines Einzelfluges ab und öffnete stattdessen eine Sprechverbindung zum benachbarten Simulator.


»Hier Chett Nectu in Kabine Zwei«, sagte er. »Haben Sie Interesse an einem Flug zu zweit?«

[Bastions Mond | Last Defense | Ebene 5 | Simulatorraum] Chett Nectu; Hes'samin'nuruodo
 
[ Bastion / Sith-Tempel / Trainingsraum ] Fel, Janus

Der leere Trainingsraum war angenehm still und erlaubte es Janus sich ganz auf Leto Fel zu konzentrieren und ohne störende Ablenkungen zu üben. Das Gewusel der Jünger und an bestimmten stark frequentierten Orten war teilweise beinah lästig und der elegant gekleidete Fastmensch hatte sich schon ein paar Mal dabei ertappt über Wege nachzudenken diese Überbevölkerung zu verringern. So wie es aussah leistete sein rothaariger Schüler bereits seinen Beitrag dazu das man im Orden wieder mehr Luft zu atmen hatte. Janus grinste in sich hinein, es war ja fast schon altruistisch.

Die Antwort des Würgers auf die Frage des Sith-Kriegers fiel positiv aus und so lächelte der dunkelhaarige Halb-Echani leicht, eine Geste die der seines Schülers verblüffend ähnelte. Fel erklärte, dass Freunde wohl eine eine etwas überzogene Bezeichnung war und niemand erfahren würde was er getan hatte. Lobend nickte Janus ihm zu, seine Stimme hatte einen unverkennbar amüsierten Unterton.


„Schön, schön. Wenn Bekannte zu einer Last werden, dann sollte man sich von ihnen....trennen. Permanent, versteht sich.“

Dieser Hagel von Metaphern und Euphemismen hätte weitere Anwesende bestimmt entweder beruhigt oder verwirrt, besaß aber auch seinen ganz eigenen Reiz. Der Graf erinnerte sich noch gut an sein ehrliches Versprechen, einem Kunden seine Waffen zu „demonstrieren“, was er auch getan hatte. Die Demonstration war geradezu mörderisch gut gewesen und Janus hatte einen säumigen Zahler weniger, die Botschaft war angekommen.

Nun da diese Angelegenheit geklärt war konnte das Training beginnen. Wie befohlen aktivierte Fel sein Übungslichtschwert und begann sich mit der Waffe vertraut zu machen. Für einen ausgebildeten Fechter wie Janus war das Lichtschwert nichts unbekanntes, für den Würger hingegen schon. Immerhin war vorsichtig und schlau genug sich nicht selbst zu verletzen, was man nicht von allen Schülern behaupten konnte. Der Graf fragte sich wie viele Tote es wohl geben würde wenn man die Übungswaffen durch echte ersetzen würde, am besten noch heimlich. Das wäre ein unterhaltsames Spektakel.

Rasch verdrängte Janus den amüsanten Gedanken und konzentrierte sich, kniff die grünen Augen zusammen und korrigierte seine Position und Haltung. Sein Blick und der Fels trafen sich und es war klar was nun geschehen würde. Der Würger griff überraschend an, aber Janus war kein Amateur und hatte den Angriff kommen sehen, wich dem unbeholfenen Schlag des Würgers mit einem schnellen Seitenschritt aus, ließ Fel ins Leere laufen und zog die leuchtende Klinge über seinen Rücken, wo sie eine kleine Brandspur auf der Kleidung hinterließ.

Zufrieden lächelte Janus als sich Fel fluchend umdrehte und einen neuen, diesmal etwas besser geplanten Angriff durchführte. Dennoch war das Ziel, Janus Herz, ziemlich offensichtlich und der Graf blockte den Angriff mühelos ab und lenkte Fels Klinge zur Seite als sie zischend auf seine traf. Es wäre auch wirklich schade um den Anzug gewesen. Blitzschnell konterte Janus und nutzte aus das die Brust des Würgers nun ungeschützt war, die Spitze seiner Klinge traf in einem präzisen Stich Fels Kleidung auf Höhe des Herzens und brannte einen Fleck hinein.

Man musste Fel zu gute halten das er nicht aufgab, er taumelte zurück und rappelte sich zu einem erneuten Angriff auf, aber Wille allein reichte nicht. Gebieterisch hob Janus die Hand und bedeutete Fel zu pausieren, dann nickte er ihm zu.


„Ich habe Euch zweimal getötet, Fel. Für den Anfang gar nicht schlecht, Ihr gebt nicht leicht auf. Allerdings merkt man das Ihr mit dieser Waffe nicht vertraut seid. Eure Technik ist grob und unkoordiniert und Eure Bewegungen vorhersehbar. In einem echtem Kampf hättet Ihr keine Chance. Aber das hier ist kein echter Kampf, und Ihr steht noch ganz am Anfang, also sind Fehler keine Überraschung. Zu Eurem Glück könnt Ihr von einem der Besten lernen. Passt also gut auf.“

Dünn lächelte Janus seinem Schüler zu, dann trat er näher an ihn heran und begutachtete Fels Haltung und Griff. Es gab noch einiges zu tun bis Fel ein halbwegs brauchbarer Schwertkämpfer sein würde.

„Zunächst einmal haltet Ihr den Griff zu fest. Das ist ein Lichtschwert, kein Kolben den Ihr krampfhaft umklammern müsst. Haltet die Waffe so gut das sie gut in der Hand liegt, das reicht aus. Zweitens, Ihr präsentiert mir Euren ganzen Körper als Ziel. Das ist sehr freundlich, aber Eurer Gesundheit eher abträglich. Dreht Euch etwas, so wie ich, und steht schräg. Schon besser. Versucht Eure Angriffe präziser auszuführen. Stecht gezielt und vollführt genaue Hiebe, keine wilden Schläge. Versucht unorthodoxe Angriffe, kontrolliert die zentrale Linie und versucht meine Bewegungen vorauszuplanen. Also, noch einmal.“

Gelassen trat Janus wieder zurück, nahm seine Position wieder ein und wartete auf Fels Angriff.

[ Bastion / Sith-Tempel / Trainingsraum ] Fel, Janus
 
[Bastion | Sith-Tempel | Chiffiths Unterkunft] Chiffith

Chiffith hatte lange, tief und ungestört geschlafen. Wie lange, das wusste er nicht, denn weder hatte er vorher auf das Chrono geschaut noch tat er es jetzt. Das spielte für ihn auch überhaupt keine Rolle. Wichtig war ihm nur, dass er sich ausgeruht fühlte. Er rollte seinen langen Körper aus und streckte sich, so weit es die enge, finstere Kammer zuließ. Dank des Bactas, mit dem man seine Wunden behandelt hatte, bemerkte er keine Anzeichen einer Infektion. Nur Heilungsschmerz spürte er. Und auch eine Ansteckung mit der Rakghoul-Seuche war ausgeblieben, sonst hätte er sich wohl bereits verwandelt. Janus Sturns Medidroide hatte ihm gesagt, dass es keine Anzeichen für eine Kontaminierung gebe und dass es sowieso unwahrscheinlich sei, dass die Krankheit einen machtsensitiven Lamproiden befallen würde, doch nun erlosch auch die letzte Spur von Sorge. Der Schlaf hatte auch dieses Problem aus der Welt geschafft.

Der Schüler des Imperators warf einen kurzen Blick auf die Gegenstände, die in sienem Quartier verstreut lagen. Es handelte sich um alltägliche Dinge, von denen er jedoch die wenigsten zu etwas anderem benutzte als zu Übungen. Auch jetzt ging es ihm nur darum, auszutesten, ob sich neben seinen körperlichen Fähigkeiten auch seine geistigen regenerierten. Er reckte eine Klaue nach einer leeren Plastikflasche und zwang sie Kraft seines Willens in die lüfte. Während sie dort schwebte, hob er auch ein abgeschlagenes Stuhlbein an. Und schließlich gesellte sich ein Küchenmesser dazu. Eine Weile ließ er sie dort schweben und um die eigene Achse kreisen, dann schleuderte er sie in einer beiläufigen Bewegung seines Schwanzes an die Wand und kümmerte sich nicht mehr um sie. Er wusste, was er wissen musste: Er hatte die nötige Kraft ohne Probleme mobilisieren können, und ohne abermals das Gefühl zu haben, dass sie ihn auslaugte. Auf Taris hatte er Beobachtungen gemacht, die ihn vermuten ließen, dass man sich im extremsten Fall durch eine übermäßige Beanspruchung seiner geistigen Kräfte selbst umbringen konnte - ebenso wie wenn man die Warnzeichen von Muskeln und Kreislauf ignorierte. Er hatte es eindeutig übertrieben. Doch das war nötig gewesen, um zu überleben. Welchen Preis er dafür gezahlt hatte, wusste er noch nicht - seine Wundheilung kam ihm weniger effizient und seine Haut grauer vor, aber das konnte reine Einbildung sein. Jedenfalls war es gut zu wissen, dass er diesen Preis nicht auch für kleine Übungen wie das Levitieren von Alltagsgegenständen bezahlen musste.

Er griff nach seiner neu gebauten, aber noch unerprobten Lichtlanze, heftete das Komlink daran fest und verließ den Raum. Er erinnerte sich daran, dass er einen intensiven Traum gehabt hatte, in dem es unter anderem um seine bevorstehende Aufgabe - die Rekrutierung von Jüngern für Darth Allegious' Spionagenetzwerk - gegangen war. Doch das Traumbild war längst verblasst und hatte nichts zurückgelassen, das ihm als Hilfestellung oder Warnung dienen konnte.


›Um so besser‹, dachte er. Denn so musste er sich nicht die Frage stellen, wieviel der Traum wohl zu bedeuten hatte und ob er gut daran tat, ihn zu beachten, oder ihn lieber ignorieren sollte. Ohne dieses Rätsel war die Angelegenheit mit Sicherheit einfacher.

Sein Plan für diesen Tag und gegebenenfalls auch für die nächsten bestand also darin, dieser Aufgabe so gut wie möglich nachzukommen. Das hieß, er musste sich im Ordensgebäude bewegen, Kontakt zu anderen Schülern, zu Jüngern und Dienern suchen und herausfinden, ob diese bereit waren, als Spitzel zu fungieren - und was sie dafür wollten. Außerdem hatte er vor, seine Lichtwaffe auszuprobieren, testweise ein paar Gegenstände damit zu durchschneiden und erste Kampfübungen zu absolvieren, sofern sich die Gelegenheit dazu ergab.

Zunächst jedoch galt es, seinen Hunger zu stillen. Er hatte keine Lust, sich in der Kantine einen aufgetauten oder gar künstlichen Brocken Fleisch zu holen, der zwar seinen Bedarf an Nährstoffen, aber nicht seine Gelüste stillte. Chiffith hatte das Gefühl, mittlerweile auf einer neuen Stufe seiner Ausbildung zu stehen. Er war freier und selbständiger geworden als unter Darth Draconis. Und mit dieser neu gewonnenen Selbstbestimmung nahm er sich das Recht heraus, sich seine Nahrung auf die Weise zu beschaffen, die seiner Natur entsprach. Indem er jagte und tötete.

Nicht im Tempel. Er war schon einmal dafür bestraft worden, dass er hier getötet hatte. Aber draußen in Bastion Center gab es eine Menge Leben, die niemand vermissen würde. Sie wollte er heimsuchen wie der Wolf die Herde. Leider hatte er nicht die Zeit für eine lange, spannende Jagd. Doch zumindest die Freude, das Blut eines besiegten Gegners zu trinken, während dessen Herz zum letzten Mal schlug, wollte er sich nicht nehmen lassen.


[Bastion | Sith-Tempel | unterwegs zum Haupttor] Chiffith
 
[ Bastion / Sith-Tempel / Trainingsraum ] Fel, Janus

Janus war nun ganz in der Rolle des Lehrers. Er betrachtete Fels Technik, zeigte ihm seine Fehler auf und gab Verbesserungsvorschläge. Offenbar hatte Fel bis jetzt das Lichtschwert zu fest gepackt gehalten. Das klang logisch. Wenn man mit materiellen Waffen angriff kam es auf die Kraft an mit der man sie führte. Je härter man zuschlug, desto mehr Schaden verursachten sie.

Wenn man Janus‘ Kampfstil betrachtete, stellte man genau das Gegenteil fest. Der Graf focht mehr, als dass er wild um sich schlug, wie der Mörder es bis grade noch getan hatte. Wenn man es sich recht überlegte passte dies auch zu dem Image von Eleganz und Leichtigkeit das er Tag und Nacht aufrechterhielt. Also versuchte auch Fel sich darauf einzustellen und, wie Janus es ihm geraten hatte, mit präziseren Stichen zu arbeiten.

Auch der Tipp mit der seitlichen Körperhaltung war Gold wert. Die verringerte Angriffsfläche ließ sich viel leichter verteidigen, wie Fel kurz darauf feststellte. Nach einigen weiteren fehlgeschlagenen Angriffen schaffte er es schließlich einen Schlag des Grafen zu parieren und es kam zu einem kurzen Schlagabtausch.

Die nächsten Stunden verbrachten Meister und Schüler mit intensivem Training. Fel war überrascht wie viel es zu lernen gab und worauf man gleichzeitig alles achten musste. Fußstellung, Körperhaltung, bis hin zu der Stellung seiner Finger hatte Janus zu kritisieren. Doch schließlich, nach einem besonders langen Schlagabtausch, der am Ende dennoch mit einem brennenden Striemen an Fels Kehle geendet hatte, gebot der Graf Einhalt und befahl dem Mörder etwas zu trinken.

Erleichtert ließ Fel das Trainingslichtschwert sinken und wischte sich die durchnässten Haare aus der Stirn. Gemächlich ging er hinüber zu einem Getränkeautomaten, der in einer Ecke des Raumes positioniert war und zog sich einen Becher köstlichen Wassers. Ein Blick über die Schulter verriet ihm, dass Janus nicht annähernd so erschöpft war, wie sein Schüler. Der Anzug des Grafen saß nach wie vor perfekt und nicht einmal die Haare an seiner Stirn machten den Anschein zu kleben. Das war ein Zeichen, dass Fel noch viel zu lernen hatte, bevor er dem Grafen auch nur annähernd auf diese Weise gefährlich werden könnte.

Langsam ging zurück und stellte sich neben den Grafen, der sich für die kurze Pause lässig an eine Wand gelehnt hatte.


„Was hindert eigentlich einen Gegner daran mit der Macht das gegnerische Lichtschwert abzuschalten?“

Stellte Fel eine Frage, die ihn eine Weile schon beschäftigte. Er hatte es noch nicht probiert, da er sich auf den Schwertkampf hatte fokussieren wollen, doch die Möglichkeit hatte die ganze Zeit in seinem Kopf herumgespukt. Vernehmlich in Form des Würgers, der mehr als einmal gebrüllt hatte, er solle dies tun, anstatt sich wieder treffen zu lassen.

Auch wollte er die Pause nutzen um das Thema Lichtschwerttheorie wieder aufgreifen, die am vergangenen Tag schon einmal angeschnitten worden war.


„Du hast ja gesagt, dass eine Lichtschwertklinge sogar Metall schneiden kann. Heißt dass sie zerstört alle Materialien, oder gibt es Einschränkungen?“

[ Bastion / Sith-Tempel / Trainingsraum ] Fel, Janus
 
[ Bastion / Sith-Tempel / Trainingsraum ] Fel, Janus

Janus kam nicht umhin angesichts seiner neuen Rolle als Lehrmeister amüsiert zu lächeln. Es war noch nicht lange her, da war er der Schüler gewesen, frisch und unerfahren in eine Welt voller neuen Erkenntnissen und Möglichkeiten. Jetzt war er in der Position, in der Kira bei ihm gewesen war. Der blasse Graf fand diese Rolle erstaunlich angenehm. Sie wirkte seiner Herkunft und Stärke angemessen und passend.

Leto Fel jedenfalls konnte man keinen Vorwurf machen, der Würger achtete aufmerksam auf Janus genaue Erklärungen und gab sich sichtlich Mühe sie in die Tat umzusetzen. Der rothaarige Mensch griff nun deutlich präziser und effektiver an und bot auch kein so einfaches Ziel mehr, er schaffte es sogar einen von Janus Angriffen zu parieren und ihn in einen kurzen Schlagabtausch zu verwickeln. Natürlich war der Würger für den Sith-Krieger noch lange keine Herausforderung, aber die Grundlagen sahen vielversprechend aus.

Die Zeit verging wie im Flug und der dunkelhaarige Fastmensch ließ sich ganz in die Übung sinken, forderte Fels ganzes Können und gönnte weder sich noch seinem Schüler zu viel Rücksichtnahme. Im Laufe der Zeit wurden die Fortschritte des Würgers deutlich und die Pausen zwischen Janus erfolgreichen Treffern länger, bis es dem Sith dann gelang Fel am Hals zu erwischen. Zufrieden lächelte der elegant gekleidete Graf, senkte seine Klinge und bedeutete Fel mit einer Geste eine Pause einzulegen.

Der Würger schien etwas Erholung nötig zu haben und Janus wollte seinen Schüler nicht überfordern. Es war falsch auf Biegen und Brechen zu trainieren und sich zu überlasten. Janus selbst fühlte sich angenehm aktiv und voller Kampfeslust, aber eine kurze Unterbrechung würde auch ihm bestimmt nicht schaden.

Gelassen lehnte sich Janus gegen die Wand des Trainingsraums während sich Fel ein Glas Wasser holte und dann zu ihm zurückkehrte. Der Würger war neugierig und fragte was denn eigentlich einen Machtnutzer davon abhielt das Lichtschwert des Gegners mit der Macht zu deaktivieren. Höflich lächelte der Graf seinem Schüler zu und nickte, seine Stimme verriet keine Spur von Erschöpfung.


„Theoretisch nichts. Allerdings ist es schwierig sich in einem intensiven Kampf so sehr auf den Knopf zu konzentrieren und außerdem würde es nur einen kleinen Vorteil bringen, schließlich reicht ein einfacher Knopfdruck um die Waffe wieder zu aktiveren. Erfolgversprechender ist es zu versuchen den Gegner mit der Macht zum Taumeln zu bringen oder das Lichtschwert aus der Hand zu reißen. Gerade bei einem schwächeren Gegner kann dies schnell zum Erfolg führen.“

Erläuterte Janus gut gelaunt. Fel hatte noch eine weitere Frage, er wollte wissen ob ein Lichtschwert wirklich durch alle Materialien schneiden konnte. Kurz überlegte der Graf und ging in Gedanken alles durch, dann senkte er bedächtig den Kopf.

„So gut wie alle Materialien, ja. Manche brauchen länger bzw. sind schwerer zu durchtrennen, und es gibt ein Metall namens Kortosis, das Lichtschwertern widerstehen kann. Soweit ich weiß ist es allerdings vergleichsweise selten und teuer sowohl in Förderung als auch in Herstellung.“

Entspannt richtete sich Janus auf und ging einige Schritte um sich die Beine zu vertreten, dann lief er zu einem der Schränke und holte einen Übungsblaster heraus, die Waffe war so modifiziert worden das sie nur mit einem Minimum an Energie und ihre Strahlen nicht tödlich waren bzw. ernsthafte Verletzungen verursachten. Mit einem Nicken wies er Fel an in Position zu gehen, dann richtete er den Blaster professionell und mit vorbildlichem Griff auf den Würger und lächelte.

„Auf Taris habt Ihr vielleicht bemerkt das man mit dem Lichtschwert auch Blasterschüsse abwehren kann. Das verschafft Euch einen enormen Vorteil gegenüber normalen Gegner und ist eine wichtige Fähigkeit. Achtet auf den Bereich auf den ich ziele und versucht die Schüsse zu blocken. Bereit ?“

Zufrieden grinste Janus, brachte den Blaster in Anschlag und zielte auf den Brustkorb des Würgers, der in Position ging und sein Lichtschwert hob. Leicht kniff der Graf die Augen zusammen, atmete ein und krümmte dann den Finger am Abzug.

[ Bastion / Sith-Tempel / Trainingsraum ] Fel, Janus
 
[ Bastion / Sith-Tempel / Trainingsraum ] Fel, Janus

Janus äußerte sich eher skeptisch in Bezug auf Fels Vorschlag Lichtschwerter mitten im Kampf mithilfe der Macht zu deaktivieren. Zwar klang die Antwort durchdacht und stringent, doch befriedigte sie den Mörder wenig. Er konnte sich einige sehr praktische Anwendungsmöglichkeiten vorstellen, bei denen es dem Gegner nicht reichen würde, den Aktivierungsknopf wieder zu drücken, um den Effekt zu negieren.

„Aber gesetzt den Fall es geling sich auf den Knopf zu konzentrieren und ihn zu deaktivieren, wenn der Gegner grade parieren will. So könnte man das Gefecht schnell beenden, anstatt den Gegner nur aus dem Gleichgewicht zu bringen. Generell finde ich interessant, dass du so etwas Grobes bevorzugst, anstatt den Gegner wie üblich elegant und präzise auszuschalten“

Heftig Fel biss sich auf die Zunge. Die Stichelei war ihm rausgerutscht, obwohl er sich doch eigentlich für den Morgen vorgenommen hatte, den Grafen nicht zu verärgern. Aber dennoch stimmte es. So schwer konnte es doch nicht sein so präzise zu arbeiten. Und wenn, wäre es sicherlich von Vorteil diese Technik zu üben, da grade so etwas unkonventionell war und den Kampf zu einer unerwarteten Entscheidung bringen konnte. Die Frage war nur, wie schützte man sich im Gegenzug gegen solch eine Machtanwendung? Fel konnte doch schwerlich der einzige sein, dem so eine Idee gekommen war?

„Aber gesetzt dem Fall, das wäre unmöglich, wie schützt man sich im Allgemeinen gegen feindliche Machtanwendung?“

Doch was noch viel interessanter war es, dass es tatsächlich etwas gab, was durch Lichtschwerter nicht zu zerstören war. Noch dazu ein Metall und damit war es doch möglich, mit einer Klinge gegen Lichtschwertschwinger vorzugehen! Im Geist des Mörders formierte sich das Bild eines Schwertes. Von ihm selbst geschmiedet, durchdrungen von seiner Essenz.

„Ich dachte immer Geld ist kein Hindernis, werter Graf“

Sagte Fel und grinste

„Und selbst wenn: Wer würde einem Sith und seinem Schüler nicht ein wenig Kortosis zum Bau einer bescheidenen Klinge leihen? Besser gesagt, wer würde es überleben, es nicht zu tun?“

Angestrengt dachte nach. Er wollte die Idee die ihm soeben gekommen war in den überzeugendsten Worten formulieren, um Janus dazu zu bekommen, eventuell mitzuziehen

„Wenn ich es richtig verstanden habe, hat Chiffith gestern seine eigene Waffe bauen dürfen. Ich würde das auch gerne, nur eben kein Lichtschwert. Ich würde auch keine vorgefertigten Teile wie der Wurm benutzen“

Fel hielt kurz inne und nahm einen Schluck aus seinem Becher

„Dass ich mich noch relativ früh in meiner Ausbildung befinde, würde dabei auch nicht schaden. Es würde dauern, bis ich gelernt hätte zu Schmieden, bis ich die richtige Legierung – oder was auch immer nötig ist – des Kortosis herausgefunden hätte, bis ich wüsste wie man ein Schwert schmiedet“

Je länger Fel redete, desto besser gefiel ihm der Gedanke

„Was haltet Ihr davon, Meister?“

Er verfiel mit Absicht in eine höflichere Redeweise, als er es bisher.

Schließlich war die Pause vorbei und Janus ging zu einem der Schränke, aus dem er einen Blaster hervorholte. Es handelte sich wohl einen Übungsblaster, denn Janus erklärte eine Übung, bei der sich sein Schüler beim Gebrauch eines echten, wohl ernste Verletzungen zuzöge.

Wie sollte das überhaupt von Statten gehen? Wie sollte der Mörder so präzise zuschlagen können, dass er eine Blasterbolzen aus der Luft fischen konnte?! Möglicherweise war es ja einfacher als gedacht. Also ging er mit aktiviertem Lichtschwert in Position und wartete, dass sein Meister schoss. Das ließ auch nicht lange auf sich warten. Der Schuss heulte auf, die rot glühende Klinge zuckte zur Seite und ein brennender Schmerz grub sich in seine Schulter. Er hatte nicht getroffen.

Einige weitere Male wurde die Übung absolviert, meistens mit demselben Ergebnis. Ein oder zwei Mal schaffte Fel es das leuchtende Ding zu blocken, doch die Mehrzahl der Male resultierte in weiteren verbrannten Stellen auf seiner Haut.


„Gibt es dabei einen besonderen Trick?!“

Fragte er schließlich und versuchte einen weiteren Schuss zu blocken, der jedoch ohne viel Federlesens die Haut unter seiner Robe verbrannte.

[ Bastion / Sith-Tempel / Trainingsraum ] Fel, Janus
 
[Bastion - Sith-Orden – größerer Trainingsraum– Nheria +Bero vs. Rorrik(NPC), Abseits Kira+Jolina mit Baby Adria]


Allmählich schien Kira wieder in ihre alten, rücksichtslosen Verhaltensmuster zurück zu fallen. Kein Wunder also, dass sie es so eilig hatte die Last des ihr verbliebenen Kindes los zu werden. Wahrscheinlich würde es nicht mehr allzu lange dauern, bis sie dem nächsten Sith vom Schlage Raniks oder noch Schlimmerem dumm kam und wieder in richtig großen Schwierigkeiten war.
Jolina selbst war es inzwischen leidlich gewohnt so herrisch von ihr angefahren zu werden und blieb daher ziemlich gelassen. Immerhin war Kira keine echte Gefahr für die junge Kriegerin, auch wenn sie alles dafür tun wollte, dass die Hexe in dem Glauben blieb ihr ein wenig überlegen zu sein. Nur so, aus einer Position der vermeintlichen Schwäche konnte Jolina die ehemalige Mitschülerin weiterhin perfekt manipulieren und beeinflussen. Wenn dieses Handeln dazu führte, dass Kira im Orden weiter Aufstieg und mehr an Einfluss gewann, war der jungen Kriegerin das nur recht und billig.


„Natürlich liegt es an dir zu entscheiden, wie wir weiter vorgehen Kira. Ich wollte nur zum Ausdruck bringen, dass wir noch immer sehr, sehr vorsichtig sein müssen. Wir wissen noch immer nicht wer hinter der Entführung des kleinen Aaron steckt. Wochenlang hat mein Remote das Gebiet der alten Schule überwacht, aber der Entführer ist nicht zurück gekehrt. Entweder, er ist inzwischen wirklich fort oder weis, dass wir uns jetzt wieder im Orden befinden. Behalte dies im Hinterkopf wenn du mit anderen Sith im Orden redest. Neue Feinde, können wir im Augenblick wahrlich nicht gebrauchen.“

Kira wurde langsam ungeduldig. Selbst der blutige Kampf der Jünger vermocht sie nicht länger zu unterhalten. Eigentlich war der auch schon fast vorüber. Zufrieden sah Jolina zu, wie Bero und Nheria es durch gemeinsame Anstrengungen vermochten ihren hünenhaften Konkurrenten auszuschalten. Rorrik starb und Jolina sog genüsslich die Erkenntnis und Angst seines Todes in sich auf. Er war sehr stark gewesen, auch in der Macht… aber leider auch ein ziemlicher Idiot.

Kurz überlegte die Sith den Kampf weitergehen zu lassen, um zu sehen, wer von den beiden übrigen Jüngern wahrlich der stärkste war. Aber dann besann sie sich eines Besseren und beschloss beiden eine Chance zu geben.


„Genug!“

Rief sie durch den Trainingsraum den beiden Überlebenden zu. Sie waren beide verletzt und hatte wohl sowieso wenig Lust weiter aufeinander los zu gehen. Obschon sie es wohl trotzdem tun würden, wenn Jolina es von ihnen nur verlangen würde. Sie waren noch Schafe, die vielleicht einmal Wölfe werden könnten. Wie von Geisterhand öffneten sich die Tore des Raumes wieder.

„Ihr beide habt den ersten Schritt getan… denn ihr seid noch am Leben. Vielleicht seid ihr es wert Ausgebildet zu werden… vielleicht auch nicht, die nächsten Tage und Wochen werden dies zeigen. Vorerst dürft ihr mich als Schüler begleiten und ich rate euch beiden gut aufzupassen und zu lernen!“

Eindringlich sah Jolina den beiden abgekämpften Gestalten in die Augen. Eine kurze Pause hatte sie sich verdient.

„Lasst jetzt eure Wunden auf der Medstation behandeln. Dann stärkt euch in der Cantina. Dort treffen wir uns dann! Und denkt daran, ihr seid jetzt Sithschüler von Jolina Norrs, mein Eigentum. Alles was ihr sagt und macht wird auf mich zurückfallen, also enttäuscht mich besser nicht!“

Mit einem knappen Wink entließ Jolina ihre beiden Anwärter und wandte sich zu ihrer Alten Mitschülerin um.

„Lass uns in der Cantina etwas Essen bis meine beiden Spielzeuge wieder Landfein hergerichtet sind. Wir könnten inzwischen weiter beraten, wie wir letztlich vorgehen. Willst du direkt bei dem Alchemistenzirkel vorstellig werden, oder wollen wir uns erst einmal einen Überblick verschaffen und herausfinden, wer überhaupt das Sagen hat in dem Verein?“



[Bastion - Sith-Orden – größerer Trainingsraum– Kira + Jolina mit Baby Adria]
 
[Bastion - Sith-Orden – größerer Trainingsraum– Nheria, Bero, Abseits Kira+Jolina mit Baby Adria]

Jolinas Wort flog durch den Trainingsraum und beendete das kleine Massaker. Bero war froh drum, da er nicht wirklich lust hatte auch noch gegen Nheria zu kämpfen. Seine Brust schmerzte und seine Kräfte wurden im Kampf verbraucht. Sein Körper war schweißbedeckt, auch seine Muskeln fühlten sich an als würden sie jeden Moment verkrampfen, doch der größte Schmerz strahlte von seiner Brust aus. Kurz schaute der junge Schüler zu Rorriks Leiche und wusste nicht ob er mit ihm oder den anderen Jüngern mitleid empfinden sollte. Ein leichter Konflikt herrschte in ihm drin, doch dann schüttelte er leicht den Kopf und kam zu Erkenntnis, dass die anderen Jünger ihn auch nicht verschont hätten. Krampfhaft versuchte er den Gedanken zu verdrängen und blickte zu seiner neuen Meisterin. Bero hatte es tatsächlich geschafft. Er konnte es selber noch nicht glauben, dass er dies überlebt hat und aufstieg um eine Ausbildung anzutreten. Eigentlich kam ihm alles surreal vor, wenn Bero überlegte das er vor nicht langem noch in einer Bar saß, irgendwo auf Bstion. Er freute sich darüber ohne dran zu denken wie steinigen dieser Weg noch sein könnte. Bero hörte Jolina aufmerksam zu und behielt sie dabei im Blick, bis sie ausgesprochen hat. Eine leichte Verbeugung folgte von dem Bitarus.

"Danke....Meisterin.."

Sprach Bero und lief dann aus dem Trainingsraum. Er drehte seinen Kopf zu Nheria und würde sie dann leicht angrinsen.

"Das macht uns dann wohl zu Rivalen. Aber wir können uns ja trotzdem mal... näher kennen lernen."

Der Schüler (Bero) zwinkerte ihr zu und schlenderte dann mit einem Umweg zur Medstation. Gleich wurde er zu einem Medi-Droiden zugeteilt und begutachtet. Nach einer kurzen Bacta Behandlung wurde sein Wunde an der Brust bandagiert. Ein paar Pillen wurden ihn noch mit geben dann durfte er auch schon gehen. Auf dem Weg zu seiner Unterkunft betrachtete er die Pillen-Verpackung, die gegen die Schmerzen und für das schnellere verheilen waren. Zwei Stück schmiss er sich auf dem Weg ein und betrat nach wenigen Minuten seine Unterkunft. Schnell zog er sich frische Sachen an und lief zu Cantina. Auf dem Weg dort hin stellte er sich innerlich mehrere Fragen. Wie nun alles ablaufen würde? Oder wie Jolina so wahr? Oder wie sie reagieren würde wenn Bero mal etwas falsch machen würde? Mit einem leicht mulmigen aber dennoch neugierigem Gefühl im Bauch, kam er in die Cantina. Er nahm sich ein Gericht welches größtenteils aus Fleisch bestand und lies seinen Blick schweifen. Bero suchte nach Jolina oder vielleicht Nheria. Wenn er Jolina finden würde, würde er zu ihr laufen und fragen.

"Darf ich mich zu euch setzen?" Falls sie ja sagt, würde er sich zu ihr setzen und abwarten wie es dann weiter geht. Was sie sagen würde oder sogar vielleicht schon irgend eine Aufgabe?

[Bastion - Sith-Orden – Cantina – Bero, Kira, Jolina]
 
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[Bastion - Sith-Orden – größerer Trainingsraum– Nheria +Bero vs. Rorrik(NPC), Abseits Kira+Jolina mit Baby Adria]

Kira beobachtete nur beiläufig die Jünger, die gerade um ihr Leben kämpften (Nheria, Bero). Mittlerweile hatte sie daran das Interesse verloren. Vielleicht lag es aber auch einfach nur an ihrer Ungeduld. Jolina berichtete ihr unterdessen, dass in der Schule, wo sie entbunden hatte, keine weiteren ungewöhnlichen Dinge passiert waren. Der Täter war also nicht zurückgekehrt.


„Wieso sollte er auch zurückkehren? Er hat ja schließlich schon was er wollte. Er hat sicherlich nicht ohne Grund den Jungen genommen.“

Meinte Kira grimmig und unterdrückte ihre aufkommende Wut nach Rache.
Wieder warnte ihre ehemalige Mitschülerin sie vor vorschnellen Handlungen und vor ihrem Umgang mit anderen Sith. Kira nickte immer wieder genervt. Sie wusste, dass Jolinarecht hatte, doch sie wusste von sich selbst genauso, dass sie Fehler ungern zugab und überhaupt nicht kritikfähig war und außerdem fiel es ihr nach wie vor schwer ihre Emotionen zu kontrollieren.

Die beiden Jünger (Nheria und Bero) überlebten und Rorrik starb. Das Ende des Kampfes hatte sich doch noch als spannend erwiesen und Kira beruhigte sich für einen Moment, da sie der Anblick etwas entspannte. Beide würden nun Schüler von Jolina Norrs werden. Ja, ein neuer Schüler bzw. ein neuer Handlanger und Sklave an ihrer Seite würde ihr auch gefallen. Janus Sturn war immerhin fertig ausgebildet und hatte es sich nicht nehmen lassen sofort das Weite zu suchen, nachdem er die Möglichkeit gehabt hatte seine Ketten zu sprengen. Schade eigentlich. Er war ein guter Diener gewesen, doch verübeln konnte man es ihm nicht. Dies war sogar Kira klar, denn immerhin zeigte dies Stärke von ihm und brachte somit keine Schande über ihren Ruf. Auch wenn ihr Ruf ohnehin nicht so gut war, wie sie wollte.

Jolina schlug dann vor die Cantina aufzusuchen und Kira nickte.


„Ich wäre dafür, dass wir gleich zum Zirkel laufen, nachdem wir gegessen haben. Umso mehr wie Nachforschungen anstellen, umso vorbereiteter sind sie, wenn sie Wind davon bekommen und könnten etwas Dreistes als Gegenleistung verlangen oder greifen uns sofort an. Wenn wir unverhofft kommen…nun,…ich erwarte mir einfach mehr davon.“

Erklärte Kira und es war vielmehr ihre Ungeduld, die sie dazu trieb so zu handeln. Kira begleitete dann Jolina zur Cantina und sie füllte ihr Tablett reichlich.

Bero kam als erstes aus der Medistation zurück und fragte Jolina, ob er sich zu ihr setzen dürfe. Kira lachte verächtlich auf.


Jolina, da hast du dir ja einen sehr höflichen Kandidaten an Land gezogen. Das tut ja schon fast weh in den Ohren.“

Amüsierte sich die Sith und grinste den Schüler böse an.

„Setz dich! Wie kann man mit solchen banalen Fragen nur so unsere kostbare Zeit verschwenden, Jünger!“

Befahl Kira leicht gereizt über den Kopf von Jolina hinweg und wiegte kurz ihr Baby, welches langsam unruhig wurde.

„Wie kann man nur so oft Hunger haben… .“

Meinte Kira und entblöste sich ein wenig, um ihr Kind zu stillen. Eine Tatsache, welche sie nervte. Nicht nur, weil es sie schwach aussehen ließ und mehr wie eine Mutter, denn eine Sith, sondern auch, weil ihr das Stillen unangenehm war. Adria bekam langsam Zähne und generell zog sie viel zu fest an ihr. Doch woher sollte sie schon Babynahrung herbekommen? Somit musste sie sich leider wie ein Milch gebendes Nutzvieh fühlen. Ja, sie fühlte sich wie eine Banthamutter.

„Noch nie eine stillende Sith gesehen, hm? Ich würde dir raten deinen Mund und deine Gesichtszüge diesbezüglich gut zu kontrollieren, Schüler! (Bero)“

Zischte sie dem angehenden Sith zu und sah ihn durchdringend mit ihren dunklen Augen an.

Jolina, ich möchte wirklich nicht mehr länger warten mit Adria. Du würdest genauso handeln, hättest du so eine Belastung an dir kleben.“

Wandte sie sich an ihre ehemalige Schülerin, während sie versuchte noch mit ihrer freien Hand etwas von ihrem Tablett zu essen.

„Vielleicht könnten wir auch deine Schüler für unser Anliegen benutzen? Als Boten? Somit würden wir sehen, wie gefährlich und ungehalten der Zirkel auf ungebetene Gäste reagiert?“

Schlug Kira vor und sah Jolina breit grinsend an.

[Bastion - Sith-Orden – Cantina – Bero, Kira+ Adria, Jolina]
 
[Bastion | Bastion Center | Sith-Orden | Haupteingang] Ares Segomo, Sliff Quori, Cryus, Plaguis Mountice

Der Wächter stellte sich als Sliff Quori vor. Er bezeichnete sich selbst als Jünger der Sith. Da er auch die andern beiden, Cryus und Plaguis, nur mit Namen und ohne eine Art Titel vorstellte, waren die drei wohl keine hohen Tiere. Ares Vorfreude, besonders mit Blick auf den Älteren, wandelte sich in Enttäuschung. Diese Wesen hier konnten seinem Aufstieg höchstens als Untergebene dienlich sein. Welchen Posten der Alte nun wirklich innehatte wurde aus dem Gespräch nicht klar. Ihm schien es nur sehr merkwürdig, sollte jemand in diesem Alter noch als Anwärter zu den Sith kommen. Einen vom Alter geschwächten Menschen konnte man einfach zu leicht aus dem Weg räumen.
Der Insektoide überprüfte die Daten auf dem Datapad und wies Ares anschließend an, sich an einen Droiden zu wenden, der ganz in der Nähe stand. Ares sollte diesem seine Papiere und eine Blutprobe geben.
Während er relativ bereitwillig seine Papiere aushändigte, zögerte Ares kurz, als der Droide ihn aufforderte seinen Arm wegen der Entnahme der Probe auszustrecken. Er hatte keinerlei Ahnung, wozu das ganze gut sein sollte. Dann aber tat er aber wie aufgetragen. Den Grund würde er gleich bei Sliff erfragen.
Der Insektoide fuhr fort und versicherte, dass Ares nach den Formalitäten den Dienst im Tempel als Jünger aufnehmen konnte. Er war überrascht, da er sich deutlich mehr erhofft hatte. Man hatte ihn schließlich rekrutiert. Wieso musste er warten, bis ein Sith auf ihn aufmerksam wurde?


"Wozu dient diese Blutprobe?"

fragte Ares den Wächter.

"Und wieso muss ich warten, bis ich durch Glück einem Meister gefalle? Ich wurde rekrutiert und habe nicht vor, wie ein dreckiger Köter vor jedem zu buckeln."

Seine höfliche Zurückhaltung war Angesichts der Offenbarung, dass es sich bei Plaguis um keinen hohen Sith handelte, wie verflogen. Er hatte sich einen schnelleren Aufstieg vorgestellt und geglaubt, man würde ihn nicht lange warten lassen bei der Zuteilung eines Meisters. Das ganze gefiel ihm ganz und gar nicht. Sollte sein Vater ihm irgendwo aus dem Jenseits zusehen können, würde er sich sicherlich köstlich amüsieren. Ares Zorn auf seinen Vater wuchs und er verfluchte ihn in Gedanken.
Der alte Mann würde aber nicht recht behalten. Wenn es sein musste, um die Macht zu erlangen, die Ares sich erhoffte, war er bereit, den Unterwürfigen zu spielen. Drecksarbeit zu erledigen war zwar unter seiner Würde, aber wenn es sich am Ende lohnte, würde Ares sich seinem Schicksal ergeben.


"Sagt, alter Mann, warum seid ihr hier? Seid ihr ebenfalls ein Jünger?"


fragte Ares Plaguis. Sollte dieser tatsächlich auf der Suche nach einem Meister sein, würde er keine Konkurrenz darstellen. Ares hatte nicht vor, sich von einem altersschwachen Greis ausbremsen zu lassen auf seinem Weg nach ganz Oben. Ohne zunächst auf Plaguis Antwort zu warten wandte sich Ares auch an Cryus:

"Und du, was ist mit dir?"


Der Weißhaarige war da schon eher ein Konkurrent. Ares wurde bewusst, das sich im Tempelgebäude selbst höchstwahrscheinlich noch viel mehr Anwärter tummelten. Es würde ein harter, blutiger Weg werden, wenn er über sie alle triumphieren wollte. Aber er wusste, das er die Fähigkeiten dazu besaß. Der Traum, den er gehabt hatte, war ein Wegweiser gewesen. Er hatte sich selbst gesehen, als unglaublich mächtiges Wesen, das alles über die Macht wusste, was es zu wissen gab. Diese Vision würde sich erfüllen. Ares war sich sicher, dass er auserwählt worden war. Er hatte da dieses Gefühl, das ihm Gewissheit verschaffte. Gewissheit, das die drei Wesen die vor ihm standen eines Tages zu ihm aufblicken würden.

Und dann würden sie ihm entweder dienen oder vernichtet werden.


[Bastion | Bastion Center | Sith-Orden | Haupteingang] Ares Segomo, Sliff Quori, Cryus, Plaguis Mountice
 
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Plaguis stand nun vollkommen perplex im Hintergrund des regen Treibens vor dem Sith-Tempel. Immer mehr verlor sich der Sklavenlord in Illusionen, jedoch konnte er nicht nicht einmal wirklich beschreiben, was er sah. Es waren lediglich Bruchteile, die er verschwommen vernahm, doch was er sah und hörte, genügte vollkommen um ihn zu faszinieren: Blut, Schnee und Geschrei. Jenes Zeichen für den Adligen, dass sich sein Traum sobald erfüllen würde und er im Blut seiner Feinde stünde.

Das wütende Gerede, welches sich direkt vor ihm abspielte bemerkte er so gut wie gar nicht, doch wurde er mit harschen Worten aus seiner traumatischen Halluzination gestoßen:


"Sagt, alter Mann, warum seid ihr hier? Seid ihr ebenfalls ein Jünger?"


Plaguis brannte vor Zorn. Wie konnte es dieser Bast***nur wagen, ihn aus seinen Illusionen zu reißen und ihn mit solchen Tönen anzumaulen?

[B"]Mein Name ist Plaguis Mountice. Ich bin ein Lord von Honoghr und habe bis heute, Leute wie euch abgeschlachtet und meinen Bestien zum Fraß vorgeworfen! Ihr könnt froh sein, dass ich meine Klinge schon weggegeben habe, sonst wäre euer Kopf gerade dabei, auf dem Boden zu rollen!"[/B]

Alter Mann? Sagt? Duzte ihn dieser Wicht etwa? Plaguis Augen durchbohrten die seines Gegenübers. Er strahlte Hass und Dominanz nur so aus und grausamste Erinnerungen von Völkermord und Unterdrückung kamen dem Sklavenlord auf. Plaguis konnte mit seiner Klinge wahrscheinlich jeden, der hier stand, mit wenigen Bewegungen töten, so viel war ihm zumindest bewusst...



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[Bastion | Bastion Center | Sith-Orden | Haupteingang] Sliff Quori, Cryus, Plaguis Mountice, Ares Segomo

Während Ares Segomo seine Unterlagen und Proben abgab, fragte er Sliff Quori, wozu diese gut sein sollten. Der Insektoid fand es eigentlich selbsterklärend, aber das lag vielleicht auch daran, dass er schon so lange hier und mit allen Abläufen vertraut war. Für jemanden, der den Tempel zum ersten Mal betrat, musste alles neu und ungewöhnlich sein - eine Sichtweise, in die er sich nur noch teilweise hineinversetzen konnte. Aber er hatte nichts dagegen, für Aufklärung zu sorgen. Er antwortete dem Menschen daher in neutralem Tonfall:

»Der gesamte Tempel ist ein Sicherheitsbereich. Wie ihr euch denken könnt, versuchen ständig Leute, hier unbefugt einzudringen. Die Sith haben Feinde. Immer wieder gibt es Sabotage- oder Attentatsversuche. Außerdem gibt da drinnen genug, was einen Diebstahl lohnen würde. Und als wäre das nicht genug, ist der Orden auch immer wieder Anlaufstelle für Verzweifelte oder Wahnsinnige, die trotz fehlender Grundvoraussetzungen Sith werden wollen oder sich bereits dafür halten. Aus diesem Grund ist der Einlass beschränkt und sind die Sicherheitsvorkehrungen sehr hoch. Die Personalkontrolle einschließlich der Genproben und der biometrischen Aufnahmen dient dazu, euch mit den Verbrecherkarteien der Polizei und der Geheimdienste abzugleichen, um sicherzugehen, dass wir uns kein faules Ei ins Nest legen. Außerdem werdet ihr auf die Weise auch in Zukunft wiedererkannt. Wenn ihr einmal in den Computern seid, kommt ihr beim nächsten Mal leichter rein und raus.

Ich will aber nicht verschweigen, dass es noch einen anderen Nebeneffekt hat: Wenn dort drinnen Verbrechen passieren - Diebstähle, Morde, unerlaubtes Eindringen in Sicherheitsbereiche - wird man auf diese Weise dem Täter schneller auf die Schliche kommen. Was natürlich auch Unschuldigen zur Entlastung dient. Die Kontrollen und die Datenerfassung dienen also auch euch.

Was deine zweite Frage angeht... wenn dich das Militär rekrutiert, als was beginnst du dann diene Laufbahn? Als General oder als einfacher Soldat?«


Das war natürlich eine rhetorische Frage, weshalb er dem Mann gar keine Gelegenheit gab, zu antworten.

»Bisher wurde nicht mehr festgestellt als deine grundlegende Befähigung, den Umgang mit der Macht zu erlernen. Ob du auch die charakterliche Eignung mitbringst und dem Druck standhalten kannst, der damit einher geht, muss sich erst noch herausstellen. Denn nur die Besten und Stärksten dürfen Sith werden. Das gilt für euch drei wie für alle die vor euch da waren und alle die nach euch kommen. Wer Macht will, muss sich beweisen - wer herrschen will, muss zuerst lernen zu dienen. Jedes Mitglied des Ordens, bis hinauf zu Seiner Göttlichen Majestät, dem Dunklen Lord Allegious, hat dort angefangen wo ihr jetzt seid und musste sich jeden Hauch von Autorität erst verdienen. Und nur, weil ihnen nichts geschenkt wurde, sind sie schon jetzt dort, wo einer oder zwei von euch vielleicht einmal sein werden.«

Ob Ares, Cryus und Plaguis diese Antwort, die nach Sliffs Auffassung eine der wichtigsten Lektionen für das Überleben im Orden war, nicht nur verbal, sondern auch inhaltlich verstanden hatten, wusste er natürlich nicht. Aber das lag auch nicht in seiner Verantwortung - er war kein Lehrer, sondern selbst nur ein Diener, der für ein gutes Leben im Orden arbeiten und darum kämpfen musste. Wenn sie es jetzt nicht verinnerlichten, würden sie es später auf die harte Tour begreifen - oder untergehen.

Dass es zumindest noch nicht komplett in den Köpfen angekommen war, bewies sich, als unmittelbar darauf ein Streit zwischen Ares und Plaguis ausbrach. Obwohl der Ton des jüngeren Menschen nicht außergewöhnlich unfreundlich oder provozierend gewesen war, schien sich der ältere in seiner Ehre verletzt zu sehen. Vielleicht ging es dabei auch nur um ein Geltungsbedrüfnis - das hatten schließlich alle gemeinsam, die das Zeug dazu hatten, Sith zu werden. Nachdem der Kobok sich von Plaguis' Titeln nicht hatte beeindrucken lassen, versuchte er es nun offenbar bei einem, den er für schwächer hielt. Verbunden mit einer unzweideutigen Morddrohung.

Sofort schob sich Sliff zwischen die beiden. Er wusste dank der Scans mittlerweile, dass er der einzige Bewaffnete war. Und der einzige mit Gift. Jede Spur von Furcht, die dennoch übrig geblieben wäre, musste seinem Pflichtbewusstsein weichen. Die Sorge, siene Pflichten zu vernachlässigen und dafür Strafen auf sich zu ziehen, war sowieso größer als die, in einen Kampf verwickelt zu werden.


»Genug!« rief er grimmig. »Ich dachte, ich wäre deutlich gewesen: Unruhe zu stiften steht euch beiden nicht zu! Seid froh, wenn kein Sith darauf aufmerksam wird, wie ihr euch hier benehmt!

Ich sagte es ja bereits: Was ihr da draußen wart, zählt hier nicht mehr. Titel und Heldentaten aus der Vergangenheit sind hier nichts wert. Hier muss sich jeder aufs Neue beweisen und sich seine Position in der Hierarchie verdienen. Wenn einer von euch ein mächtiger Sith wird, interessiert es keinen mehr, ob er ein Fürst oder ein Sklave war. Und wenn er in einem Leichensack zum Müllschlucker getragen wird oder irgendwo in den Katakomben von den Ratten gefressen wird, ebenso wenig.

Aber wenn ihr so viel überschüssige Energie habt, dann lasst euren Worten doch Taten folgen und kämpft es aus. Für so etwas ist genug Platz im Tempel vorgesehen. Folgt mir zu den Trainingsräumen und zeigt dort was ihr könnt.«


Bevor er aber den engen Raum zwischen den beiden Kontrahenten verließ, deutete er noch einmal auf seinen Lähmungsstab und fügte hinzu:

»Bis dahin haltet euch gefälligst zurück! Der nächste, der sich unangemessen verhält, nimmt eine kleine Auszeit!«

Damit setzte er sich in Bewegung und durschritt an der Spitze der drei Neulinge das Portal. Er wählte den kürzesten Weg in Richtung der Trainingsräume. Sollten die vorlauten Aspiranten doch mit Trainingsschwertern und Knüppeln aufeinander einschlagen, bis keiner von ihnen mehr stehen konnte - dann war zumindest sichergestellt, dass sie Sliff und den anderen Wachen keine Probleme mehr bereiteten.

[Bastion | Bastion Center | Sith-Orden | unterwegs zu den Trainingsräumen] Sliff Quori, Cryus, Plaguis Mountice, Ares Segomo
 
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-Bastion-Sith-Orden-Haupteingang-Plaguis-Sliff Quori-Cryus-Segomo


Cryus hatte alles von seiner Position genau beobachtet. Rivalität schien sogar schon zwischen diesen Wesen zu herrschen, bevor sie überhaupt ihren Weg hier her fanden. Es waren niedere Instinkte in seinen Augen. Zaghaftigkeit und Angst vor dem Verlust. Verlust von was auch immer. Macht, Fähigkeiten, Ansehen, Geld? Wer wusste das schon. Jeden trieb irgendetwas an und nur der würde sich durchsetzen, der nach dem Nachhaltigsten strebte, was aus Sicht des Arkanianers Wissen war. Nach wie vor gab es für ihn nichts was einen Konflikt für ihn an Profit herausspringen lassen würde. Gewalt war unwichtig. Erhabenheit zählte und die Kunst sich anzupassen. Dass dies nicht leicht war, auch für ihn nicht hatte er bereits gemerkt und das Blut an seiner Robe erinnerte ihn daran.
Plaguis schien einen Ruf zu besitzen, Macht, Mittel. Man konnte es ihm förmlich ansehen, dass es ihn innerlich zerfraß all dies abgeben zu müssen. Man konfrontierte den Menschen mit etwas, dass er als überwunden geglaubt hatte und nun hatte er nichts mehr. Cryus besaß nichts außer sein Leben. Mehr brauchte er auch nicht. Alles war er hatte konnte er nur mit seinem Tod verlieren und dies schien die beste Voraussetzung zu sein, die man hier haben konnte.
Sogleich entbrannte der nächste Disput und der Neue (Ares) ließ sofort die Muskeln spielen. Auch er hielt sich für etwas Besonderes, weil er rekrutiert wurde. Das wurde der Arkanianer auch und die Logik legte es nahe davon auszugehen, dass die Meisten ihren Weg durch Rekrutierung zu den Sith fanden. Der Arkanianer beäugte den jungen Menschen abschätzend, ohne jede Emotion und antwortete auch nicht auf seine Frage. Sie war belanglos, brachte ihn und auch sein Gegenüber nicht weiter und sich mit Belanglosigkeiten zu beschäftigen brachte keinen Vorteil. Dies legte in Cryus Geist nur zwei Vermutungen nahe. Entweder der Neuling (Ares) suchte nun auch bei ihm Streit oder er folgte einem verhalten, dass der Arkanianer in der Galaxis schon oft beobachtet hatte. Er versuchte indirekt herauszufinden mit wen er es zu tun hatte. Zugegeben war der Gesichtsausdruck des Menschen (Ares) eigenartig, aber so etwas wie Einschüchterung kannte Cryus nicht. Als Sliff dann eingriff und dem Treiben ein Ende setzte zuckte der Arkanianer nicht einmalt. Lediglich sein Blick wechselte zwischen Plaguis und Ares hin und her, was aufgrund seiner leeren und kalten Augen jedoch unmöglich zu verfolgen war.

Innerlich spürte er wie die Fülle seines Magens langsam abnahm und der hunger leicht wieder aufzukommen schien. Nach einer Weile wandte sich der Arkanianer an Sliff


"Ich werde zurück in die Kantine gehen."

Cryus Stimme war fast monoton und klang sogar ein wenig angsteinflößend. Ohne auf eine Antwort zu warten machte der Arkanianer kehrt. Sein fotografisches Gedächtnis machte es ihm sehr leicht den Weg zurück zu finden. Niemand begegnete ihm auf seinem Weg, was ihn durchaus verwunderte, jedoch nicht weiter kümmerte.
Zurück in der Kantine suchte sich der Arkanianer seinen Weg zwischen teils gaffende, teils uninteressierte Jünger zur Essensausgabe. Der dortige Droide hielt einen kleinen Moment inne, denn er erinnerte sich ncoh gut daran wie viel Cryus das letzte Mal geholt hatte und vor allem wie lange das her war. Ungefähr mit der vierfachen Menge an Nahrung, die ein regulärer Jünger für sich beanspruchte suchte er sich einen ruhigen, unbesetzten Tisch und begann zu essen. Sehr viel zu essen. So viel, dass immer mehr Anwesende seinen Blick auf ihn richteten, doch er brauchte es. Sein Energieverbrauch verlangte es ihm ab.


[Bastion - Sith-Orden – Cantina – Bero, Kira+ Adria, Jolina, abseits Cryus]
 
[ Bastion |außerhalb von Imperial City | Anwesen der Akaji's | Serenety's Schlafzimmer |allein ]

Wach lag sie in ihrem Bett und blickte zur Decke hinauf, sich überlegend wie sie diesen Tag verbringen sollte, nachdem ihr erste Tag bei ihren Eltern so schlecht angefangen hatte. Sie hatte am letzten Abend nicht mehr ihren Vater aufgesucht, hatte nicht noch einmal mit ihm gesprochen, sondern war nach ihrem Aufenthalt im Garten und dem kurzen Augenblick der Zufriedenheit – welche sie dem kleinen Vogel geteilt hatte – ins Haus zurück gegangen und hatte sich dann in ihr Zimmer begeben. Ihre beiden Eltern, so hatte sie mitbekommen, waren noch länger wach gewesen und hatten sich unterhalten. Keiner der beiden war jedoch versucht gewesen mit ihr zu sprechen, sondern hatten sie einfach gehen lassen. Jetzt am frühen Morgen, die Sonne war gerade aufgegangen lag sie wach und ausgeruht – wenigstens zum Teil – auf ihrem Bett und war sich nicht ganz schlüssig darüber was sie tun sollte. Natürlich musste sie noch etwas mit ihrem Vater klären, dennoch wollte sie ihm nicht erneut mit etwas kommen was ihn nur verärgern würde. Blieb ihr jedoch eine andere Wahl? Während sie so darüber nachdachte fragte sie sich, ob sie nicht an anderer Stelle um das bitten sollte, was sie ihren Vater bitten wollte. Toji’s Großvater verweilte soweit sie wusste auf Onderon und es wäre durchaus möglich, dass er ihre Bitte überdenken und vielleicht einlenken würde. Allerdings, und dies sollte sie bedenken, würde ihr Wunsch fast sofort ihren Vater erreichen und sie würde sich damit in eine Situation bringen in die sie nicht kommen wollte. Han war ein stolzer Mann und er schätzte es keineswegs wenn man etwas hinter seinem Rücken tat. Also viel dies Option aus. Welche Möglichkeit bleib ihr also noch? Sie konnte versuchen ihrem Verlobten diese Bitte zu unterbreiten. Beim ersten Mal hatte er darauf nicht eingehen wollen, doch nun wo sich alles geändert hatte, wo sie sich eigentlich sicher war, dass er nichts für sie empfand, sollte es doch möglich sein! Serenety seufzte. Es wäre ihr lieber gewesen dies mit ihm unter vier Augen zu klären anstatt ihm eine Nachricht zu senden und zudem war er mit Sicherheit mit anderen Dingen beschäftigt. Serenety wollte nicht wie ein bettelndes Kind erscheinen welches seine Wünsche durchzusetzen verlangte. Weder die Idee mit seinem Großvater zu sprechen noch jene ihm selbst eine Nachricht zu senden kam somit infrage. Es wäre feige dies nicht von Angesicht zu Angesicht zu klären und sie vermutete, dass wenn sie ihrem Verlobten gegenüberstand vielleicht nicht die Kraft aufbringen würde ihm zu sagen, dass sie frei sein wollte. Dennoch ärgerte es sie, dass sie dieses Thema nicht schon früher geklärt hatten. Sie hatten lange genug zusammen gedient um für klare Verhältnisse zu sorgen! Warum ihnen dies nicht gelungen war, sie wusste darauf keine Antwort und dennoch fuchste es sie ungemein. Allein der Gedanke daran ließ sie beinahe aus der Haut fahren. Sie fragte sich ob es ihm Spaß machte sie zu quälen, sie im ungewissen zu lassen und vielleicht sogar noch über sie spottet. Auch wenn sie behaupten konnte ihn zu kennen, seine Wesen, seine Charakterzüge und seine ganze Art, so fragte sie sich dennoch ob sie womöglich irrte. Sie bewunderte ihn, ja, besonders für das was er war und für das was er tat. Er war nicht so vernebelt wie so viele andere Imperiale die nur eines im Kopf hatten, nämlich ihre Ansichten durchzudrücken und jene auf der Schiene laufen zu lassen, die so typisch war. Er besaß ein anderes Wesen, eines das durchaus dazu in der Lage war mit zu fühlen und sich zu sorgen. Allein dies schon waren Eigenschaften die sie schätzte, die ihr wichtig waren. Seine Schwächen kannte sie ebenso gut und dennoch überwogen sie nicht. Wenn sie sich selbst als Vergleich hinzunahm erkannte sie, dass es so viele Makel an ihr selbst gab. Natürlich besaß ein Mann seinen Stolz was nur allzu normal war, doch ihr eigener Stolz war nicht minder gering und genau dieser Stolz war es gewesen der zu so vielen Problemen geführt hatte. Serenety wusste, dass sie niemals die fügsame, sanfte Frau sein würde die sich ein Mann wünschen würde. Ihr Charakter war viel zu stark, viel zu ausgeprägt um mit jeder anderen Frau mithalten zu können. Äußerlich mochte sie weiblich sein und wohl auch hübsch, innerlich jedoch besaß sie keinerlei Weiblichkeit. Ihr ganzes Wesen, ihr ganzes sein war stets darauf bedacht gewesen zu kämpfen. Sie hatte gelernt sich durchzusetzen, Verantwortung zu übernehmen, eigene Entscheidungen zu treffen und jene notfalls durchzudrücken. Sie war nicht als Frau erzogen worden und verstand es nicht mit geschickert Zunge und ihren Körperreizen zu spielen nur um einen Mann für sich zu gewinnen. Die Trauerfeier hatte ihr gezeigt, dass sie weit davon entfernt war eine Frau zu sein. Diese Blondine mit ihrer koketten Art, die genau wusste wie sie sich Toji hatte nähern müssen, wie sie ihn um ihren Finger hatte wickeln müssen um sich seiner Aufmerksamkeit sicher zu sein, all dies waren Dinge von denen sie keine Ahnung hatte. Die junge Akaji war viel zu ehrlich um ein solches Spiel – ein solch gerissenes Spiel – spielen zu können.

Ob ihre Leben anders verlaufen wäre, wenn sie zu den Frauen gezählt hätte, die genau diese Art von Spiel beherrschten!? Vielleicht und dennoch war ihr klar, dass sie dann niemals den Weg des Militärs und somit der Laufbahn der Marine gefolgt wäre. Als Frau was es ohnehin schon schwer sich in einer „Männerdomäne“ zu bewehren. In ihren Augen hätte kein weibliches Wesen es geschafft allein mit ihrer Weiblichkeit zu dominieren. Vielleicht war dies auch ein Irrtum, bedachte sie die Szene mit dieser unmöglichen weiblichen Chiss. Was es in den schon ohnehin sehr dünn besetzten Damen innerhalb der Marine möglich, dass die ein oder andere von ihnen durch ihre Manipulative weibliche Art weiter kam als sie? Sicherlich war es dies, doch sollte man bedenken das eine solche Frau eine Schande war. Jedenfalls für Serenety, die nicht viel davon hielt mit seinen Reizen zu spielen und diese als Werkzeug zu benutzen. Sie empfand es als abstoßen, andere jedoch und besonders die Männerwelt schien dies mehr als nur anziehend zu finden. Was daran jedoch s anziehen war würde für sie wohl immer ein Rätsel bleiben allein schon, weil sie eine gänzlich andere Ansicht darüber hatte.

Dies jedoch löste nicht ihr momentanes Problem sondern war lediglich eine weitere Ungereimtheit. Betrachtete sie dies aus dem psychologischen Aspekt, so war die Antwort klar und ebenso auch alle damit verbundenen Ungereimtheiten. Die junge Exotin seufzte leise und strich sich eine der langen Haarsträhnen aus dem Gesicht, welche sich aus dem geflochtenen Zopf gelöst hatte und sie nun im Gesicht kitzelte. Die Psychologin in ihr ermahnte sie nicht weiter darüber nachzudenken, da die Antwort ihr nicht gefallen würde und so schob sie diesen Aspekt beiseite nur um wieder bei ihrem eigentlichen Problem zu landen, nämlich bei ihrer Verlobung. Wie also sollte sie dies Lösen ohne ihren Vater zu verärgern und besonders ohne sein Versprechen an Kenji zu brechen und ihm dafür sein Gesicht zu nehmen. Zu einem wäre sie niemals fähig, ihrem Vater Schande zu bereiten! Somit wurde ihr klar, dass sie sich in einer Zwickmühle befand aus der sie nicht heraus konnte. Welchen Weg also wollte sie wählen? Was würde sie tun können? Wenngleich auch sie versuchte eine Lösung zu finden mit der alle Beteiligten ohne ein blaues Auge davon kommen würden, so fand sie nichts, was ihr hätte helfen können. Betrübt darüber schob sie die Decke von sich und setzte sich auf. Ihre Bernsteinfarbenen Augen, welche sich der Sonne zuwandten um den Tag zu betrachten, fingen das Licht ein und ließen diese leuchten. Wenigstens schien dieser Tag ein schöner werden zu wollen.

Langsam erhob sie ihre noch immer zu schlanke Gestalt vom Bett und trat ins Bad um sich ein wenig zu erfrischen. Das Kühle Wasser floss indes über ihre Hände und erfrischte sie. Beide Handflächen zu einer Schale geformt fing sie etwas von dem kühlen Nass auf und hob es ihrem Gesicht entgegen um auch die letzten Reste von Müdigkeit, die darin zu lesen sein könnten, zu vertreiben. Dann trocknete sie ihr Gesicht mit einem Handtuch, kam der restlichen Morgentoilette nach und kehrte dann zurück in ihr Schlafzimmer um sich vor den Frisiertisch zu setzten und ihr langes Haar auszubürsten. Zuvor jedoch musste sie den Haargummi lösen und ebenso den Flechtzopf. Erst dann konnte sie nach ihrer Naturhaarbürste greifen und sich damit durch das lange schwarze Haar fahren, welches im offenen Zustand bis über ihr Gesäß reichte. Diese Mähne war nicht nur sehr lang sondern auch sehr dich und so kostete es ein wenig Zeit, bis sie alles gebürstet und dann zu einem Knoten nach oben gesteckt hatte. Da sie sich im Hause ihres Vaters aufhielt und ihre Mutter darauf Wert legte, dass ihre Tochter standesgemäß aufgemacht war, griff Serenety nach einig Tiegel und Töpfe um ihr Naturhübsches Gesicht zu „bemalen“. Make up war etwas, was sie kaum verwandte, ihrer Mutter zuliebe aber anlegte. Da ihre Haute ebenmäßig und ohne jeden Makel war brauchte sie nicht viel. Ihre Augen betonte sie mit Tusche und einem Lidstrich wie es ihre Mutter selbst tat. Eine leichter Lipgloss auf die Lippen und sie war fertig. Jedenfalls was dies anging. Nun steckte sie ihn ihr hoch gestecktes Haar, welches von traditionellen Stäbchen gehalten wurde einen kleinen Kam mit Blumen. Warum ihre Mutter darauf so viel Wert legte verstand sie zwar nicht, doch da sie ihr eine Freude bereiten wollte fuhr sie in ihrer Verschönerung fort und so vervollständigte ihr Aussehen nicht nur kleine bernsteinohrringe sondern passend dazu auch Armbänder aus Bernstein ihre Handgelenke.

Sie erhob sich von ihrem Stuhl, trat an den Kleiderschrank, in welchem sich eine ganze Reihe der herrlichsten Kimonos befanden, schob die Tür auf und sah sich einige Sekunden um, ehe sie nach einen schwarzen Kimono griff. Der Stoff war zart, aus Seide und mit einem Muster aus Blüten, Knospen und Vögeln Bestickt, welche auf Zweigen saßen. Die Blüten besaßen ein rot und rosa wie auch die sanften sich halböffnenden Knospen. Das Grün der Blätter erinnerte an eine frische wiese und ging dann in ein Bernstein über, welches alles miteinander verband. Kurz strich sie über den Stoff, welcher schimmerte, was nur Seide zustande brachte, dann legte sie den Kimono auf das Bett, zog die Unterwäsche an bei der ihre Mutter nur die Hände über dem Kopf zusammen geschlagen hätte, da sie es bis heute nicht fertig gebracht hatte ihre Tochter für hübsche Spitzenunterwäsche zu begeistern. In Serenety’s Augen musste sie zweckmäßig sein und bequem. Es reichte gerade das sie gepolstert war und einen Draht unterhalb der Körbchen besaß. Den Kimono anzulegen dauerte ein wenig länger, da die einzelnen Teile – da es sich nicht um einen ganz schlichtes Gewand handelte – erst um ihren Körper gebunden werden mussten und so verhüllte letztlich eine Lage nach der anderen ihren Körper, ehe der Samtstoff als letztes das ganze perfektionierte. Serenety strich den Stoff glatt und schlüpfte in ein paar Schuhe aus weichem feinen Leder. Die Frau, welche ihr nun im Spiegel entgegensah hatte nicht viel mit der Serenety zu tun, die sonst nicht viel Wert auf ihr Äußeres legte. Die Offizieren war verschwunden und an ihre Stelle war eine sehr hübsche junge Frau getreten. Serenety hatte sich nie gänzlich wohl in dieser „Verkleidung“ gefühlt. Viel lieber trug sie die einfachen Sachen ihres Volkes und dabei auch eher den Teil, der für die Männerwelt bestimmt war. Doch in diesem Haushalt, in dem viel Wert auf Traditionen gelegt wurde und in dem ihre Mutter zumindest in diesem Punkt gewonnen hatte, fügte sich die Tochter in ihr Schicksal. Ehe sie jedoch ihr Schlafzimmer verließ sprühte sie noch ein wenig Parfüm auf ihren Hals. Sie liebte den Geruch von Lavendel, welcher sehr gut zu ihr passte, dann erst verließ sie ihre Räumlichkeiten, schritt die Treppe in die unteren Stockwerke hinab und näherte sich dem Raum indem sie schon die leisen Stimmen ihrer Eltern vernahm. Als Serenety durch die zurückgeschobenen Türe trat blickte Sayaka ihre Tochter an und das wohlwohlende überglückliche Lächeln darin zeigte Serenety, dass sie sich richtig entschieden hatte. An diesem Morgen hatte sie keine Diskussion darüber zu fürchten wie unmöglich es ihre Mutter fand, dass ihre einzige Tochter sich nicht wie eine Frau kleidete sondern es stattdessen vorzog wie ein Mann herum zu laufen. Ihre Mutter trat ihr entgegen, blieb vor ihr stehen und lächelte noch mehr. Serenety, die größer war wie sie, blickte zu ihr hinab.


„Guten Morgen Mutter“, begrüßte sie diese und sah dann zu ihrem Vater, welcher zwar von seinem Stuhl erhoben aber stehen geblieben war um sie einziges Kind zu betrachten. Der Stolz darin war zu nur allzu deutlich zu erkennen. Han, welcher seine Tochter nur höchst selten in solcher Schönheit sah war begeistert und musste mal wieder feststellen wie sehr ihn Serenety überraschte. Auch wenn sie für ihn in ihrer Uniform schon wunderschön gewesen war, so war sie nun nur noch schöner.

„Guten Morgen kleines“, grüßte Han seine Tochter wohl wissend, dass das Wort kleines nicht zutraf. Serenety löste sich von ihrer Mutter, welche ihrer Tochter einen kurzen Kuss auf die Wange gegeben hatte und gemeinsam schritten sie an den gedeckten Holztisch, an dem sie schon letzten Abend gesessen und gespeist hatten.

Das Frühstück bestand aus viel Obst, welches verschieden Sorten aufwies, aus Müsli, Joghurt und Brötchen sowie einige Beilagen. Sayaka hatte sich ihrem Mann gegenüber gesetzte und neben sie setzte sich nun auch ihre Tochter.

„Ich bin glücklich dich in dieser überaus hübschen Aufmachung zu sehen, Serenety“, erklärte die Mutter ihrer Tochter. „Da du einige Tag hier sein wirst werden wir sehen, dass du genug zu essen bekommst, damit sich deine hübsche Figur wieder erholt.“

Die Worte ihrer Mutter machten ihr deutlich, dass sie noch immer zu dünn war und eigentlich hatte sie nicht wieder daran erinnert werden wollen. So war der Grund dazu noch nicht allzu lange her. Dies jedoch wollte sie nicht Thematisieren, zumal ihre Mutter nur ins Detail würde gehen wollen und darauf konnte sie verzichten. Es reichte ohnehin schon, dass Sayaka wusste was sich auf Despayre zugetragen hatte. Jedenfalls wusste sie einen kleinen Teil davon, was ausreichend war. Ihre Mutter war in ihren Augen viel zu sehr um ihr Wohl besorgt. Da sie es jedoch nicht anders kannte hatte sie es einfach akzeptiert. Sollte sie selbst jemals Kinder haben, dann würde sie wohl nicht sehr viel anders sein.

„Und was hast du heute vor?“, wollte Han wissen und blickte in das Gesicht seiner Tochter. „Da du heute Morgen keinen Besuch im Dojo getätigt hast nehme ich an, dass dies im Laufe des Tages noch kommen wird“, stellte er fest.

Ihr Vater kannte sie zu gut. Sie hatte sich tatsächlich heute Morgen gegen das Dojo der Familie entschieden und hatte ihre Zeit darauf verwendet ihren Gedanken nach zu hängen. Dafür war Han sicherlich im Dojo gewesen und hatte sie wohl auch vermisst, denn auf seinem Gesicht konnte man durchaus eine gewisse Enttäuschung lesen. Sie beide standen sich gern im Dojo gegenüber, trainierten gemeinsam oder probierten neue Einfälle aus.

„Ich bin mir noch nicht ganz sicher. Vielleicht werde ich in die Stadt fahren und mich dort ein wenig umsehen, ehe Mutter auf die Idee kommt meine Cousinen zu informieren und sie dazu auffordert mit mir die Stadt unsicher zu machen. Was das Training angeht, ja, ich gedenke heute Abend einen Ausflug ins Dojo zu machen.“

Wohl wissend das ihre Worte ihre Mutter dazu brachten ein wenig die Lippen zu verziehen, da sie genau diese Idee gehabt hatte und nun feststellen musste, dass sie ertappt worden war. Han ließ ein Schmunzeln hören und biss in sein Brötchen.

„Du wirst dich vor deinen Cousinen nicht verstecken können, Seren. Sie freuen sich schon dich zu sehen“, offenbarte Sayaka mit einem spitzbübischen Lächeln auf den Lippen, was Han dazu veranlasste erneut zu schmunzeln. Seine Frau war und blieb ein Genie wenn es darum ging die eigene Tochter zu überrumpeln. Zwar gelang ihr dies nicht oft, aber wenn es gelang, so war sie recht stolz darauf. Serenety blickte zu ihrer Mutter, nicht ganz sicher ob sie ihr dafür den Hals umdrehen sollte, da sie mit ihren Cousinen umherziehen würde müssen. Cousinen die sie zwar mochte, aber deren Leben so wenig mit ihrem eigenen zu tun hatte. Sah man mal von Sakura ab. Alle anderen ihrer Cousinen gehörten zu den Frauen, die man auch getrost als Frau abstempeln konnte und wo es schwierig wurde sich gegen sie zu stellen, wenn sie erst einmal gemeinsam entschieden hatten und kein Widerwort duldeten. Wie sollte man sich einer Übermacht erwehren, die durchzog was sie sich vorgenommen hatte!? Ebenso gut hätte man sie auch in einen Schraubstock stecken können. Das Positive am Schraubstock wäre jedenfalls, dass der hervorgerufene Schmerz dadurch erträglicher war als eine Horde verrücktgewordener Shoppingsüchtiger Familienangehöriger in die Hände zu fallen.

„Dies sollte Urlaub für mich werden Mutter und nicht eine Treibjagt durch sämtliche Läden der Stadt.“

Der Vorwurf in ihrer Stimme ließ Sayaka leise Lachen. „So schlimm ist es auch nicht liebes und ich denke einfach ein wenig weibliche Gesellschaft wird dir nicht schaden. Erst Recht nicht, wo du ohnehin schon so viel Zeit unter Herren verbringst und dies auf einem Kriegsschiff“, scherzte die ältere der Akaji’s, was ihre Tochter dazu veranlasste zu seufzen. Sayaka Akaji war unverbesserlich.

„Ich möchte über den Tag und die Stunde entscheiden, wenn du mir schon aufbürdest einen solchen anstrengenden Shoppingmarathon hinter mich zu bringen.“

Sayaka nickte zufrieden. „Gut, sage mir wann und ich werde alles in die Wege leiten“, erwiderte sie.

Innerlich schlug Serenety die Hände über dem Kopf zusammen. Ausgerechnet mit ihren Cousinen! Mit Frauen die stolz darauf waren Frauen zu sein und die genau dies auch auslebten. Fast schon bildlich konnte sie sehen wie man sie durch sämtliche Läden der Stadt jagte, wie ein gehetztes Tier um ja kein Schnäppchen zu übersehen oder ihr die neusten Trends zu zeigen, gleich ob es sich dabei um Schmuck jeglicher Art, um Make Up, Frisuren, Kleidung, Taschen, Schuhe oder wer weiß was handeln mochte. Schon jetzt machte sie sich darauf gefasst, dass es kein anders Thema als dies und natürlich die Herren der Schöpfung gehen würde. Serenety würde sich wünschen diesen Tag lieber mit ihren Feinden zu verbringen wie mit ihren Cousinen. Zwar liebte sie jede einzelne von ihnen und einige von ihnen warten entweder bereits verheiratet oder verlobt, aber sie waren auch anstrengend. Mehr als anstrengend! Dass ihre Mutter sie derart „bestrafen“ musste war alles andere als Gerecht. Dummerweise konnte sie dagegen allerdings nichts mehr tun.

„Was habt ihr beiden vor?“, wollte sie von ihren Eltern wissen und biss dann ein Stück Obst ab, kaute und schluckte es hinunter.

„Deine Mutter und ich wollen einige Einkaufe tätigen. Jetzt wo sie endlich Drehpause hat können wir es uns leisten“, antwortete er.

Die Worte ihres Vaters rief ihr in Erinnerung, dass ihre Mutter ja groß in den Schlagzeilen gewesen war. Der Neue Film welcher auf der Grundlage von einem Roman lag. Wenn Serenety es recht in Erinnerung hatte, dann war es ein Roman von Kawabata und hieß „Die Legende von Izanami“. Ein Roman der eingeschlagen war wie eine Bombe und noch immer in aller Munde war.

„Meinen Glückwunsch jedenfalls für deine neue Rolle als Izanami, Mutter. Ich hatte bisher nicht wirklich die Gelegenheit Kawabata’s Buch zu lesen.“

Sayaka lächelte stolz ihre Tochter an. „Dies ist nicht schlimm, du hast ohnehin nicht viel Zeit. Allerdings, sobald der Film fertiggestellt ist bestehe ich darauf, dass du ihn dir ansiehst“, gab sie zu verstehen und Serenety nickte. Wenn es sonst nichts war was sie ihrer Mutter versprechen musste, so war dies das geringste Übel.

„Ich werde es tun, allein schon um mitreden zu können.“

Sayaka lächelte noch strahlender, was sich in ihren braunen Augen mit dem Hauch von Bernstein nur zu deutlich zeigte. Sie sah überaus hübsch ihrem Kimono aus, welcher ebenfalls aus Seide war, allerdings in einem Blau gehalten und mit Drachen verziert war. Die Farben Gold und Rot waren der Mittelpunkt und hoben die Feine Stickerei heraus. Ihr langes schwarzes Haar war ebenso hochgesteckt wie Serenety’s allerdings eine klasse eleganter. Die Stäbchen darin wiesen am Ende kleine runde Tropfe aus Perlmutt auf. Ihre zarten Handgelenke schmückte ebenfalls Perlmutt und in ihren Ohren steckten die passenden Ohrringe dazu. Sayaka Akaji war eine besondere Schönheit ihres Volkes und sie fiel durch ihr Aussehen auf. Han war immer stolz auf seine Frau gewesen und auch selbst, einmal nicht in seiner Uniform gekleidet war ein mehr als nur attraktiver Mann. Gut trainiert und mit keinem gram Speck versehen. Training zahlte sich aus und ihr Vater legte viel Wert auf körperliche Fitness und Ertüchtigung. Da das Frühstück beendet war erhob sich Han, reichte seiner Frau die Hand und zog sie an sich. Die Liebe in seinem Blick, mit der er Sayaka bedachte, versetzte Serenety’s Herzen einen Stich. Wie sehr wünschte sie sich selbst eine ebensolche Liebe, stark und so innig. Die Exotin löste den Blick von ihren Eltern, welche sie zu sehr schmerzte und so griff sie nach ihrem Glas mit Saft, trank jenes leer und hoffte, dass die Szenerie vorüber gehen würde. Als sie wieder aufsah küsste Han seine Frau gerade auf die Stirn.

„Ich denke, ich werde gehen“, versuchte Serenety um sich aus der Lage zu befreien und erntete einen Blick ihrer beiden Eltern.

Han trat vor und griff nach der Hand seiner Tochter. „Warum fährst du nicht einfach mit uns in die Stadt? Wenn du länger brauchst kann ich dir unseren Wage schicken sobald du fertig bist“, schlug er vor.

Seren dachte einen Moment darüber nach. Sicherlich war diese Idee durchaus praktisch. Allerdings hatte sie nicht vor, vor dem Abendessen zu Hause zu sein.

„Nein, nicht nötig. Ich werde mir entweder ein Taxi nehmen oder aber laufen.“

Han nickte. Etwas anderes hatte er nicht erwartet. „Also gut, dann fahre mit uns und den Rückweg bestreite allein.“ Er löste sich von seiner Frau, sprach kurz mit Daichi, ihrem Diener und kehrte dann zu seinen Damen zurück. „Lasst und nach draußen gehen. Unser Gleiter wartet auf uns“, teilte er mit, griff nach Sayaka’s Hand und führte sie nach draußen, wo der Gleiter tatsächlich schon wartete. Han half seiner Frau in das Gefährt und dann seiner Tochter, ehe er selbst einstieg und Anweisung gab. Der private Gleiter setzte sich in Bewegung und schoss dann aus der Ausfahrt. Die Fahrt bis zum Zentrum der Stadt dauerte nicht lange, da das Tempo recht hoch war und so blieb ihnen kaum Zeit sich zu unterhalten. Serenety genoss die ruhig Fahrt in der sie keine Konversation betreiben musste. Als der Gleiter Imperial City erreichte, ließ der Fahrer sie nahe der Einkaufsmeile heraus. Serenety verabschiedet sich von ihnen um ihrer eigenen Wege zu gehen und versprach ihrem Vater sich zu melden, sollte wie abgeholt werden wollen.

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Für einige Minuten sah sie sich um, nicht ganz sicher wohin sie gehen sollte. Natürlich gab es jede Menge zu besichtigen wenn es um die Läden ging. Doch auf den ersten Blick zog sie keiner dieser Geschäfte wirklich an. Weder brauchte sie ein Modegeschäft, ein Schuh oder Schmuckgeschäft und leider waren diese am meisten vertreten. Die Einzelhändler boten ihre Waren feil und trafen damit auch die Wünsche der Meisten. Die wenigen Ausnahmen die sich nicht wirklich für die Hauptattraktionen interessierten würde in der Minderheit bleiben. Sollte man sie irgendwann für sich gewinnen, würde der Handel sich dies wohl in ihren Kalender eintragen und mit einem Zusatz versehen welcher aufzeigte, dass man es endlich geschafft hatte jeden zu beeinflussen. Die jungen Frau schritt durch die Strasser der Einkaufszeile, blickte mal nach links, rechts und zurück und stellte fest, dass nichts davon sie auch nur irgendwie begeistern konnte. Sie war einfach nicht der Shoppingtyp wenn es um gewöhnliches ging. Die Hauptstrasse würde ihr jedoch nicht viel mehr bieten als genau das und so bog sie in eine der Seitentrassen ein. Dort wohin sich nicht ganz so viele verirrten konnte man die ein oder andere Attraktion entdecken. Zumindest dann, wenn man etwas besonderes suchte und nicht zu den normalen eher langweiligen Konsumenten gehörte die sich mit dem Durchschnitt zufrieden gaben.

Aufmerksam sah sich Serenety um, besah sich jeden Laden von außen ganz genau und als sie feststellte das es nichts besonderes war schritt sie weiter. Erst am Ende der Strasse wurde sie auf ein Geschäft aufmerksam, in dessen Auslage sich einige antike Waffen befanden. Von außen betrachtete war es für jemanden der nicht ein Fabel dafür hatte recht einfach gehalten und somit eher unauffällig. Für jeden anderen der sich dafür jedoch begeistert war diese Schlichtheit gerade gut und so trat Serenety durch die Tür, worauf die Glocke ging. Als sie eingetreten war sah sie sich um und war beeindruckt. In allen Regalen befanden sich schöne antike Waffen aus Eisen und anderen Materialien. An den Wänden hingen Schwerter, Spieße, Lanzen und was man sich sonst noch wünschen konnte. Dies war ein Paradies für Serenety und der perfekte „Modeladen“, bei dem es keine Kleidung gab. Fast schon ehrfürchtig trat sie an die Regalen heran und betrachtete jedes Stück einzeln, was selbstverständlich viel Zeit in Anspruch nehmen würde, weil dieses Geschäft nicht unbedingt klein zu nennen war. Jedenfalls gab es reichlich zu sehen, zu spekulieren und vielleicht sogar etwas zu finden was ihr besonders gefiel und sie ihrer Sammlung hinzufügen konnte. Fasziniert und völlig gefangen in ihren Betrachtungen schritt sie die Regale langsam ab. Außer den antiken Waffen gab es natürlich noch alles was man zu benötigte um sie in Schuss zu halten, sowie Ersatzteile. Fein säuberlich geordnet, beschriftet und ausgezeichnet, erhielt man den perfekten Überblick. Der Geschäftsinhaber oder die Inhaberin legte wohl viel Wert darauf und dies fand Serenety sehr gut. Es zeugte von Achtung, Wertschätzung und natürlich für eine Vorliebe.

Während die junge Exotin in ihrem Kimono durch die Reihen lief tauchte hinter ihr ein älterer Mann auf, welcher sich um die fünfzig befinden musste. Sein schwarzes Haar war kurzgeschnitten und wies leichte graue Strähnen auf. Seine Augen waren wach und braun. Er stammte nicht von ihrem Volk, war jedoch ein Mensch und Serenety lächelte ihn kurz an.
„Kann ich der Dame behilflich sein?“, hakte er nach und betrachtete sie neugierig.

„Für den Moment noch nicht. Ich wollte mir erst einmal alles in Ruhe ansehen, ehe ich sie angesprochen hätte. Vielen Dank jedoch.“

Der Mann nickte. „Wenn sie fragen haben oder ich ihnen etwas zeigen oder erklären soll, dann geben sie mir Bescheid. Ich befinde mich an meinem Tresen und reinige einige Waffen“, teilte er ihr mit, lächelte kurz und drehte sich dann um, damit er seiner Arbeit nachgehen konnte.

Serenety ließ ihre bernsteinfarbenen Augen erneut über die Regale gleiten. Alles was sie bisher zu Gesicht bekommen hatte war schön gewesen und zeugte von einer hervorragenden Arbeit. Leider war die Wertschätzung der Meisten heute, was solche Antiken Prachtstücke anging nicht mehr so wie früher. Liebhaber gab es zwar, die besonders feilschten wenn es um exquisite oder selten Stücke ging die reichlich teuer waren, doch die meisten machten sich nicht viel aus der Geschichte die dahinter steckte. Die wenigsten hinterfragten was die Vergangenheit dieser oder jener Waffe war oder welche Geschicke sie vielleicht schon gelenkt haben mochte. Seren liebte die alten Legenden, die Mythen und Sagen welche sich darum rankten. Sie kannte die meisten in und auswendig. Was die Waffen ihres eigenen Volkes anging, so konnte ihr da keiner etwas vormachen wenn er meinte ihr etwas erzählen zu müssen. Sie kannte sich nicht nur in der Geschichte aus sonder auch in der Kunst darin sie zu gebrauchen. Dies hatte sie durch jahrelanges Training gelernt und sich stetes zu Gemüte führen müssen. Es war nicht nur der Kampf mit ihnen die sie faszinierte sondern auch die Handhabung als solches. Ein Schwert, einen Dolch oder etwas anderen in den Händen zu halten, das Gewicht zu fühlen, die Kälte, dies war etwas besonderes. Es handelte sich dabei nicht um leblose Gegenstände sondern jedes von ihnen war etwas lebendiges, pulsierendes. Natürlich würde dies niemand verstehen, der nicht auch so dachte wie sie und die meisten würden sie wahrscheinlich für verrückt erklären, was jedoch nicht so war. Es war stets einfach etwas abzuwerten wenn man den wirklichen Wert nicht erkannte und leider war dies etwas, was die wenigsten konnten. Waffen waren nichts mehr inspirierendes oder faszinierendes mehr, wenn sie nicht knallten. Damit konnte sie nicht konform gehen. Für sie war jede Waffe die der heutigen Generation und damit ein Blaster oder Lichtschwert war nichts, was sie als schön empfand oder jemals schön empfinden würde. Zu modern und viel zu anfällig. Ein Katana war geschmiedet, mehrfach geschmiedet und aus edelsten metallen gefertigt. Die Kunst dieser Schmiedearbeit war schon fast in Vergessenheit geraten und nur noch sehr wenig beherrschten sie. Es waren eben Waffen die aus der „Mode“ gekommen waren und dies war bedauerlich. Da die meisten jedoch nicht wusste was Mode bedeuteten war es somit klar, dass es niemanden interessierte. Der Zeitgeist wechselte ohnehin ständig. Mode bedeutete Zeitgeist und dies wurde gerne übersehen.

Ehe die junge Frau die letzten Regale erreichte blieb sie mit einem mal unverwandt stehen. Ihre Augen fixierten. Vor ihr, auf einem kleinen Gestell befand sich ein Tanto, ein altes Kampfmesser ihres Volkes. Seine Klingenlänge betrug ca. 30 Zentimeter und war leicht gebogen. Die Klinge war sauber poliert und glänzte. Da sie ähnlich geschmiedet wurde wie die vom Katana, wies es ebenfalls eine unverkennbare Maserung auf. Sein Griff war aus dunkler Jade hergestellt und somit ein Prunkstück. Ebenso war das Saya aus Jade. Eine überaus schöne Arbeit die Serenety sofort ins Auge gesprungen war. Mit einem Blick zu dem Verkäufer signalisierte sie ihm, dass sie Hilfe bräuchte und er kam sofort auf sie zu.


„Haben sie etwas gefunden, was ihnen gefällt?“, wollte er wissen und bedachte sie mit einem neugierigen Blick.

Serenety nicke und deutete dann auf das Tanto.

„Mich interessiert das Tanto mit dem Jadegriff.“

Der Händler sah sie überrascht an, so als ob er es nicht fassen konnte, dass eine Frau wie sie sich mit so etwas auszukennen schien. „Gern, es ist ein altes Stück aus längst vergangener Zeit“, begann er zu erklären, griff danach und reichte es ihr.

„Dies sehe ich. Es wurde noch traditionell gefertigt von einem der letzten Meister seines Faches zu einer Zeit die gerade im Umbruch begriffen war. Leider starb dieser Meister ohne seine Kunst weitergeben zu können und so geriet sie in Vergessenheit ehe sie vor einem halben Jahrzehnt wieder auftauchte. Interessanterweise wurden die alten Schriftrollen bei einer Ausgrabung gefunden“, erzählte sie und erntete einen Blick der glatt aus einem Film stammen könnte.

„Sie kennen sich mit der Geschichte aus? Verzeihen sie, aber sie sehen nicht so aus“, meinte der Mann, was sie zum Lächeln brachte.

„Lassen sie sich von meinem momentanen Äußeren nicht täuschen. Dies gehört sonst nicht zu meinen eigentlichen Aufmachungen, wenn nicht eine Gewisse Dame sich dies wünschen würde.“

Der Mann nickte, da er verstand. „Dies erklärt natürlich alles, obgleich ich doch gestehen muss, dass es so gut wie gar nicht vorkommt, dass eine Frau in meinem Laden steht und so viel Begeisterung an den Tag legt. Zwar kommen ab und an Damen hier her, allerdings nur um nach einem Stück für ihren Mann zu suchen und es interessiert sie meist überhaupt nicht was dahintersteckt. Sie wären damit die Erste, die etwas davon versteht und auch noch den Hintergrund kennt“, erklärte er.

Serenety nickte und ließ dann das Tanto prüfend durch ihre Finger gleiten. Das Gewicht war optimal verteilt und es fühlte sich sehr gut an. Der Verkäufer sah ihr zu und musste erneut lächeln als er sah, dass die Frau vor ihm nicht nur Ahnung hatte sondern auch damit umgehen konnte. „Darf ich sie fragen woher sie dies können?“, wollte er wissen und deutete auf das, was sie tat.

„Von klein auf bin ich in den Techniken meines Volkes unterwiesen worden und trainiere seitdem.“

Ein Nicken folgte und in die Augen des Mannes trat Bewunderung und Neugier. „Dies ist erstaunlich. Besonders weil es eher unüblich ist. Gerade für eine Frau ihres Volkes.“

„Sie wären damit nicht der einzige, der genau diese Worte wählen würde. Sicher, es ist nicht unbedingt üblich und dennoch geschieht es hin und wieder. Allein unsere Geschichte macht deutlich, dass es einzelne Frauen gab die sehr wohl darin ausgebildet wurden. Legenden gibt es darüber noch mehr und jede Legende hat auch irgendwo ein Quäntchen Wahrheit.“

„Da haben sie wohl Recht. Dennoch überrascht es einfach“, gab er zu.

„Glauben sie mir, es geht nicht nur ihnen so. Was wollen sie für das atemberaubend schöne Stück haben?“

Einen langen Augenblick herrschte Schweigen als er abzuschätzen versuchte wie viel sie ihm würde zahlen können. „Nun ich denke, da sie eine Kennerin sind wäre der Preis, welcher dort steht mit einer Minderung von zwanzig Prozent passend. Was denken sie?“ fragte er.

„Ich bin mit ihrem Angebot einverstanden und würde einschlagen.“

Der Verkäufer nickte, nahm die antike Waffe und schritt an seine Theke, wo er sie fein säuberlich mit Saya in eine passende Schatulle steckte, den Deckel schloss und es in eine Tüte packte. Serenety zahlte, bedankte sich und verließ glücklich den Laden. Draußen angekommen sah sie sich um, kehrte auf die Hauptebene zurück und glitt in die nächste Seitenstrasse. Das Ziel dort war ein Teegeschäft, welches zu ihren Lieblingsgeschäften gehörte und in dem sie sich ebenso verlieren konnte wie im Geschäft zuvor. Als sie durch die Tür trat blickte die Inhaberin auf und ließ ein Lächeln über ihre älteren Lippen gleiten. Wache graue Augen sahen sie an.

„Serenety! Wie schön dich zu sehen. Es ist eine Ewigkeit her, dass du zuletzt bei mir warst. Wie hübsch du doch bist“, freute sich Ilena, trat auf sie zu und zog sie in die Arme. Ilena war eine Frau von Anfang sechzig. Herzlich, liebenswürdig ,überaus freundlich und gerne zum plaudern aufgelegt. Desweiteren kannte sie sich hervorragend mit allen Teesorten aus die es so gab. Ihr fast schon graues Haar hatte sie zu einem Knoten nach oben gebunden, wie sie ihn immer trug und der ihr auch sehr gut stand. Ihre Kleidung ließ ihre noch immer gute Figur noch strahlender erscheinen. Eine blaue Bluse mit einer dunklen Hose. Darunter Stiefel mit nicht all zu hohem Absatz. Eine Kette aus Edelsteinen schmückte ihren Hals wie auch ihre Ohren.

„Es ist ebenfalls schön dich zu sehen und ja, ich war schon lange nicht mehr bei dir. Zu viel Arbeit und zu wenig Freizeit. Du kennst meine Familie und du weißt wie es ist, wenn man dem Imperium dient.“

Ilena nickte. Sie wusste nur allzu gut was Serenety meinte, da ihr eigener Mann dem Imperium diente. „Wie auch immer, jetzt wo du hier bist hoffe ich, dass du ein wenig Zeit für die alte Ilena hast, die unbedingt wissen möchte was du bisher erlebt hast. Ich hoffe doch du genießt eine Tasse Tee mit mir und suchst dir anschließend etwas Schönes aus“, fragte sie eifrig.

„Nichts anderes hatte ich vor. Wenn ich ehrlich bin, dann habe ich dich vermisst. Ich weiß noch, dass ich als kleines Mädchen so gern hier war und deinen Geschichten gelauscht habe. Es scheint mir, als ob es eine Ewigkeit her ist.“

Ilena lächelte breit, setzte eine Kanne Tee auf, nahm zwei Tassen zur Hand und stellte diese auf einen kleinen Tisch in einer schönen Tee Ecke. Dann deutete sie ihrem Gast sich zu setzten und verschwand wieder. Serenety kam dieser Aufforderung nach und blickte sich dann in dem Laden um. Nichts hatte sich verändert, alles war noch so wie sie es in Erinnerung hatte. Die Liebe zu den Details, die verspielten Regale mit ihren Teedosen. Der Geruch, welcher in der Luft hing und so unterschiede Nuancen aufwies. Sie konnte Zimt, Kardamom, Beeren, Jasmin und vieles andere riechen. Die Süße der Luft mischte sich mit einem andern Geruch, welchen sie zu deuten versuchte, es ihr aber nicht gelang. Also würde sie Ilena fragen sobald sie mit der Teekanne zurückkehrte.

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