Bastion

----> kommend von Weltraum

Hyperraum | kurz vor dem Hyperaustrittspunkt über Bastion | an Bord der Obsidian Gauntlet | Sedros und Darel


Die letzten Korrekturen der Anflugroute verliefen ohne besondere Zwischenfälle. Darel überprüfte ein letztes Mal die Freigaben der Flugkontrolle, übermittelte die im Navigationscomputer hinterlegten Identifikationscodes seines Meisters und bestätigte die ihm zugewiesene Landebahn, bevor sich die Sterne vor den Sichtfenstern langsam wieder zu einzelnen Lichtpunkten verdichteten und die Obsidian Gauntlet den Hyperraum verließ. Das gewaltige Verkehrsaufkommen rund um Bastion war selbst für ihn inzwischen kein ungewohnter Anblick mehr. Zahlreiche Schiffe unterschiedlichster Größe hielten sich an die exakt vorgegebenen Anflugkorridore, Patrouillen der imperialen Raumstreitkräfte überwachten den Raumhafen mit beinahe maschineller Präzision und zwischen all dem fügte sich auch ihr eigenes Schiff ohne Schwierigkeiten in den stetigen Strom ein. Darel arbeitete die letzten Anweisungen konzentriert ab, korrigierte mehrmals minimal den Schub und setzte die Obsidian Gauntlet schließlich sauber und nahezu erschütterungsfrei auf der zugewiesenen Plattform auf.

Erst als die Triebwerke langsam herunterfuhren und die Anzeigen nach und nach von Flug- auf Bodenbetrieb wechselten, erlaubte er sich einen kurzen, zufriedenen Blick über die Instrumente. Vor wenigen Wochen hätte ihn allein der Gedanke, ein Schiff unter den Augen der Flugkontrolle Bastions zu landen, noch erheblich mehr unter Druck gesetzt. Inzwischen fühlten sich viele Handgriffe bereits selbstverständlich an, ohne dass er dabei leichtsinnig geworden wäre.

Nachdem sämtliche Systeme ordnungsgemäß heruntergefahren waren, verließ Darel das Cockpit und traf wenig später an der Einstiegsluke wieder auf seinen Meister. Er hörte aufmerksam zu, während Sedros die erste Mission für beendet erklärte, und neigte respektvoll den Kopf, als dieser ihm für den heutigen Tag ausdrücklich Anerkennung aussprach. Das Lob fiel knapp aus, wie alles, was Sedros sagte, doch gerade deshalb maß Darel diesen wenigen Worten ein umso größeres Gewicht bei. Sein Meister verschwendete keine Anerkennung, um jemanden zufriedenzustellen, sondern sprach sie nur dann aus, wenn sie aus seiner Sicht verdient war. Genau deshalb nahm Darel sie schweigend an, ohne sie kleinzureden oder sich darauf etwas einzubilden.

„Ich danke Euch, Meister“, erwiderte er ruhig. „Ich werde Eure Erwartungen auch weiterhin nicht enttäuschen.“

Die anschließende Fahrt vom Raumhafen zum Sith-Tempel verlief ebenso ereignislos wie der Anflug. Während der Gleiter lautlos über die breiten Verkehrsachsen der Hauptstadt glitt, ließ Darel den Blick aufmerksam über die vorbeiziehenden Gebäude schweifen. Bastion wirkte nach außen hin unverändert. Die Straßen waren belebt, Händler gingen ihren Geschäften nach, zivile Gleiter bewegten sich in geordneten Bahnen durch den Himmel und selbst die gewaltigen Regierungs- und Verwaltungsgebäude vermittelten den Eindruck einer Welt, deren Alltag sich durch die politischen Spannungen der Galaxis kaum beeinflussen ließ. Hätte Darel nichts von den jüngsten Entwicklungen gewusst, wäre kaum ein Hinweis darauf zu finden gewesen, dass sich das Imperium inzwischen erneut im Krieg befand.

Am Tempel angekommen trennten sich ihre Wege schließlich. Sedros verabschiedete sich mit einem knappen Nicken und verschwand ohne weitere Worte in Richtung des Zirkels der Alchemisten, während Darel ihm noch einige Augenblicke mit dem Blick folgte, bis die hochgewachsene Gestalt schließlich zwischen den dunklen Korridoren des Tempels verschwand. Erst danach setzte auch er sich langsam in Bewegung.


Zum ersten Mal seit seiner Ankunft auf Bastion hatte ihm niemand unmittelbar eine neue Aufgabe erteilt. Weder wartete ein Trainingsraum auf ihn noch eine Lektion, eine Prüfung oder eine Reise zu einem unbekannten Ort. Sedros hatte ihm bewusst die Entscheidung überlassen, wie er die verbleibende Zeit nutzen wollte, und obwohl diese Freiheit auf den ersten Blick selbstverständlich erschien, stellte Darel rasch fest, dass sie sich ungewohnt anfühlte. Über viele Jahre hinweg hatten seine Eltern seinen Tagesablauf bestimmt, anschließend hatte beinahe jede Stunde unter der Anleitung seines Meisters gestanden. Nun lag es allein an ihm, zu entscheiden, womit er den Rest dieses Tages verbringen wollte.

Zunächst führte ihn sein Weg jedoch in sein Quartier. Nachdem sich die Tür hinter ihm geschlossen hatte, stellte sich jene angenehme Stille ein, die nur gelegentlich vom gedämpften Summen der Lebenserhaltung und der entfernten Betriebsgeräusche des Tempels unterbrochen wurde. Er stellte den Rucksack auf dem Tisch ab und begann ohne Hast damit, seine wenigen persönlichen Gegenstände auszuräumen. Der kleine Stein von Dxun fand seinen Platz auf dem Schreibtisch, unmittelbar daneben legte er die sorgfältig gereinigten Zähne der Cannoks und des Bomas ab, die er zuvor noch in ein schlichtes Stofftuch eingeschlagen hatte. Für Außenstehende mochten es lediglich Überreste erlegter Tiere sein. Für Darel waren sie Erinnerungen an seine erste Mission, seinen ersten eigenständig geführten Kampf und an einen Ort, der ihn in vielerlei Hinsicht verändert hatte.

Anschließend überprüfte er noch einmal sein Lichtschwert, entfernte sorgfältig den feinen Staub, der sich trotz aller Vorsicht noch in einzelnen Vertiefungen des Griffes gesammelt hatte, und verstaute die Waffe wieder an ihrem vorgesehenen Platz. Erst danach ließ er sich langsam auf den Stuhl am Schreibtisch sinken und verschränkte nachdenklich die Hände vor sich.

Seine Gedanken kehrten unweigerlich zu den Worten seines Meisters zurück.

Auf den ersten Blick hatte Sedros ihm lediglich einen freien Tag gewährt. Je länger Darel jedoch darüber nachdachte, desto weniger war er davon überzeugt, dass es tatsächlich nur darum ging. Sein Meister hatte ihn in den vergangenen Wochen kaum jemals etwas tun lassen, ohne dass sich dahinter eine Absicht verborgen hätte. Selbst scheinbar einfache Aufgaben hatten sich oft als Prüfungen herausgestellt, bei denen nicht das Ergebnis allein, sondern vor allem der Weg dorthin von Bedeutung gewesen war.

Möglicherweise verhielt es sich diesmal nicht anders. Wahrscheinlich wollte Sedros gar nicht wissen, ob Darel einen freien Tag genießen konnte. Vielleicht wollte er vielmehr sehen, wie sein Schüler mit einer Freiheit umging, die ihm niemand näher erklärte.

Dieser Gedanke beschäftigte ihn eine ganze Weile. Er hätte den restlichen Tag ohne Zweifel mit weiterem Training verbringen können. Ebenso hätte er sofort mit den ersten ernsthaften Versuchen der Levitation beginnen oder sich in die Bibliothek des Tempels zurückziehen können. Gleichzeitig hatte sein Meister ausdrücklich davon gesprochen, den Tag so zu verbringen, wie Darel es selbst für richtig hielt. Vielleicht gehörte genau das ebenfalls zur Ausbildung eines Sith. Nicht jede Entscheidung wurde von einem Vorgesetzten getroffen. Irgendwann musste jeder selbst erkennen, welche Prioritäten sinnvoll waren und welche lediglich aus Gewohnheit entstanden.

Langsam erhob sich Darel wieder von seinem Platz und ließ den Blick noch einmal durch sein ordentlich eingerichtetes Quartier schweifen. Er verspürte weder den Wunsch, den gesamten Tag hinter verschlossenen Türen zu verbringen, noch hielt er es für sinnvoll, sich sofort wieder in neue Übungen zu stürzen. Bastion war seit seiner Ankunft beinahe ausschließlich aus der Perspektive eines Schülers zu seinem Lebensmittelpunkt geworden. Vielleicht war genau jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen, den Tempel einmal nicht als Unterrichtsort zu betrachten, sondern als das Zentrum eines Ordens, dessen Teil er inzwischen geworden war.

Mit diesem Gedanken verließ er sein Quartier und machte sich mit ruhigen Schritten auf den Weg durch die weitläufigen Hallen des Sith-Tempels, ohne ein konkretes Ziel vor Augen zu haben und doch mit dem Gefühl, dass auch dieser Spaziergang Teil seiner Ausbildung werden könnte.


Bastion | Imperium | Bastion Center | Sith-Tempel | Darel
 
Bastion- Bonetown-NSC- Familie Veynar
Es war bereits später Abend und die Gassen von Bonetown waren in das fahle Licht der alten Neonröhren getaucht. Der Nieselregen verwandelte die trostlose Gasse in Schlammloch. Die meisten Leute hatten sich bereits in ihre Wohnungen verzogen. Nur einige zwielichtige Gestalten trieben sich auf den Straßen der kleinen Stadt herum. Einer von ihnen war Kasian Valerian, ein bekannter Drogenhändler. Mit einem dreckigen Grinsen auf den Lippen zog der schmierige Mann durch die Straßen und versuchte seine Wahre für ein paar Credits unter die Leute zu bekommen. Der junge Mann lehnte sich ein wenig frustiert gegen eine Hauswand und entzündete sich einen Killerstick. Während er dem Rauch der Droge verträumt zu sah erblickte er eine Person in einem zerfetzten Mantel. Solch eine Person hatte er in dieser Gegend noch nit gesehen. Bonetown war so klein, dass man sich hier eigentlich kannte.

Der junge Mann setzte sein schönstes Lächeln auf und trat etwas näher auf die Person zu. "Na mein Freund, du siehst aus als könntest du etwas Spaß gebrauchen-"

Gerade als er weiter reden wollte sah er in das Gesicht des Fremden und er wich entsetzt ein paar Schritte zurück. Das Gesicht des Fremden war vollkommen verstümmelt. Tiefe Narben, verätzte Stellen und ein fehlendes Auge.

"So So..." ertönte es unter dem Mantel. Die Stimme des Mannes schien gar nicht zu seinem Auftreten zu passen. Es war eine dunkle Stimme mit einem fast schmeichelnden Klang. Die unheimlich aussehende Gestalt trat etwas auf den Spice Verkäufer zu.

"Von wem kommt denn dein "Spaß" ?" fragte der entstellte Mann und griff in seine Tasche um Augenscheinlich ein paar Kredits aus seinem löchrigen Mantel zu ziehen.

"Das ist richtig gutes Zeug! Das kommt von Ventrillian höchst persönlich!"

Der junge Mann zog aus seiner Tasche ein kleines Fläschen mit roter Flüßigkeit und hielt es dem Fremden hin. Dieser zog seine Augenbrauen in die Höhe.

"Ventrillian noch nie gehört." sagte der Fremde und machte Anstalten nach dem kleinen Fläschen zu greifen, doch der Händler zog es schnell weg.

"Hey! Erst die Credits, dann die Wahre!" rief der junge Mann und trat etwas weiter weg von der Gestalt. "Du scheinst wohl nicht von hier zu kommen. Ventrillian ist der beste Unterhändler für Spice! Er hohlt das Zeug direkt aus Kessel! "

Der Fremde zog die Augenbrauen weiter in die Höhe. "Und was ist, wenn ich selbst im Geschäft bin?"fragte der Fremde. Seine Worte waren freundlich, doch irgendetwas in seiner Stimme hatte einen gefährlichen Unterton.

" Dann solltest du sehen, dass du hier ganz schnell Land gewinnst alter Mann! Ventrillian kann keine Konkurrenz leiden. "
Der alte Mann nickte langsam und strich sich über seinen ungepflegten langen Bart.
"Gut, gut, dann will ich dich für deine Mühen entlohnen. Hier hast du ein paar Credits."

Der Mann griff in seine Geldbörse, doch anstatt dem anderen die Credits zu überlassen, zischte eine Virboklinge in den Bauch des jungen Händlers. Dieser taumelte vor Schreck und Schmerz zurück und fiehl auf den nassen Boden. Der Fremde trat näher an ihn heran.

"Sag deinem Boss, dass Ich mein Geschäft zurück will. - Sag ihm Haris ist wieder da." sagte der Mann und nahm sich nun die Kapuze vom Gesicht. Feuerrote Haare waren im dunklen der Gasse zu sehen, ehe sich der Mann abwandte und seinen Weg fortsetzte.

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Die schwere Metalltür der Kapsel in den unteren Ebenen von Bonetown glitt mit einem protestierenden Quietschen auf. Kalte, feuchte Luft aus den Gängen mischte sich mit dem vertrauten Geruch von abgestandenem Essen und Spotchka. Haris Veynar stand im Rahmen, größer als in Maras Erinnerung.

„Na sieh mal einer an…“, sagte er leise. Aus dem kleinen Wohnbereich kamen zuerst Schritte. Janos,erstarrte mitten in der Bewegung, die Augen groß. Dann stürmte er los.

„Papa!“

Haris fing ihn mit einem tiefen, herzlichen Lachen auf, wirbelte ihn einmal durch die Luft und drückte ihn fest an sich. Die Narben verzog sich, als er lächelte – ein warmes, echtes Lächeln, das seine Augen fast erreichte.

„Schau dich an, mein Großer! Du bist ja schon fast so groß wie ich damals. Hast du auf deine Mutter und deine Schwestern aufgepasst, wie ich es dir gesagt habe?“

Janos nickte eifrig, das Gesicht in Haris’ abgetragener Jacke vergraben. „Ich habs versucht…“

„Gut so. Ein Veynar passt auf seine Familie au
f.“ Haris’ Hand strich über den Rücken des Jungen, fest, besitzergreifend. „Das ist mein Junge.“

Mara stand wie festgefroren am Durchgang zur winzigen Küche. Ihre Hände zitterten leicht, während sie die Kante der Arbeitsplatte umklammerte. Haris’ Blick wanderte zu ihr. Das Lächeln blieb auf seinen Lippen, aber etwas in seinen Augen veränderte sich.

„Mara“,
sagte er sanft. Zu sanft. „Hast du gut auf unser Heim aufgepasst?“

Die Worte waren liebevoll. Der Unterton war es nicht.

Mara schluckte. „Haris… die Kinder haben dich vermisst."
Mervin wurde von den Geräuschen aus dem Wohnzimmer angelockt und trat neugierig in die Küche. Er brauchte ein paar Sekunden. Dann trat er ganz langsam auf den Neuankömmling zu.Haris öffnete langsam seinen Arm und trat näher auf den Ältesten zu und noch bevor dieser es verhindern hätte können, wurde auch er in eine feste Umarmung gezogen. Nach einer Weile löste er sich aus der Umarmung.

„Wo ist Seris?“
Bastion- Bonetown-NSC- Familie Veynar
 
[ Bastion – Bastion Center – Diamond District – Neu bezogene Residenz von Darth Angelus ]
Darth Angelus, Zorn, Triumph, Verlangen, Umzugsdroiden und Bedienstete, NPCs

Manchmal lösten sich Probleme am besten, indem man ihnen genügend Zeit gab, um sich selbst zu erledigen. Akuma Kurogai war ein solches Problem gewesen. Was einst mit verschwundenen Lieferungen, fingierten Überfällen und einem aufsässigen Unterboss des Himura-Clans begonnen hatte, war während Angelus' Abwesenheit zu genau jenem Ende gekommen, das er vorgesehen hatte. Kurogais geschwächte Stellung war durch Hadar's entschlossenes Handeln schließlich vollständig zusammengebrochen, seine verbliebenen Gefolgsleute hatten sich den neuen Verhältnissen gefügt und der Stardust-Nachtclub in Bonetown samt den daran hängenden Geschäften war in Angelus' Einflussbereich gefallen. Wertvoller als der Club selbst waren jedoch die Strukturen dahinter: Straßensoldaten, Lagerhäuser, Transporteure, Mittelsmänner und ein logistisches Netzwerk, das sich durch weite Teile Bastion Centers zog. Angelus musste nichts davon selbst verwalten. Er musste nicht einmal anwesend sein. Millionen von Credits flossen trotzdem monatlich, da niemand innerhalb der Struktur es wagte, den Zorn eines Sith auf sich zu ziehen. Nach dem Verlust des Vermögens seiner Familie hatte er damit begonnen, sich eine neue finanzielle Grundlage zu schaffen – und anders als sein aristokratisches Erbe hatte ihm niemand diese Macht in die Wiege gelegt. Sabar hatte sie sich genommen, ebenso wie seinen hart erkämpften Status als Sith.

Das Ergebnis umgab ihn nun. Über das weitreichende Netzwerk von CarHi war Angelus an ein Anwesen im Diamond District gelangt, das selbst sein bisheriges Luxusapartment des Ritterordens beinahe bescheiden erscheinen ließ. Etwas abseits der ansonsten allgegenwärtigen Hochhausschluchten Bastion Centers erhob sich die schlossartige Residenz hinter Mauern und weitläufigen Außenanlagen draußen, wo ein typischer Bastioner Sturm gerade noch die Kulisse beherrschte; verschwenderisch groß, dekadent und noch längst nicht fertig eingerichtet. Bedienstete, Handwerker und Droiden frequentierten die Hallen, Möbel und Kunstgegenstände wurden angeliefert, Sicherheitssysteme installiert und einige Flügel standen noch nahezu leer. Selbst der private Landeplatz wartete noch auf ein Schiff aus der Flotte des Sith-Ordens und des Extinktorenzirkels, das seiner würdig sein würde. Seine Statue hingegen hatte selbstverständlich bereits einen prominenten Platz erhalten. Zorn, Triumph und Verlangen waren ebenfalls mit ihm umgezogen und begleiteten ihren Herren wie drei lebende Ebenbilder seines neu gewonnenen Wohlstands. Angelus genoss all das. Den Wein, den Luxus, die Größe. Und dennoch spürte er zunehmend wieder jenes alte Ziehen in seinem Inneren. Dort draußen näherte sich das Imperium einem ausartendem Krieg und während andere Männer sich auf kommenden Schlachtfeldern ihre Namen verdienen würden, konnte Darth Angelus nicht ewig zwischen Marmor und Seide sitzen und in diesem himmlischen Luxus schwelgen. Bevor er jedoch wieder hinauszog, musste sein neu errichtetes Reich jedoch auch ohne seine Anwesenheit funktionieren.

Und heute sollte der
Mann eintreffen, dem er genau diese Aufgabe zugedacht hatte. Angelus hatte sich ausnahmsweise gegen seine Rüstung entschieden. Stattdessen trug er kostbare Gewänder, dunkel und aristokratisch geschnitten, mit dezenten purpurfarbenen Verzierungen, die mehr kosteten als vermutlich die gesamte Habe eines gewöhnlichen imperialen Bürgers. Ein Kelch erlesenen Rotweins ruhte locker in seiner Hand, während er von einer erhöhten Galerie aus die Arbeiten in der Eingangshalle beobachtete. Eine Mitteilung seines Sicherheitssystems ließ ihn aufblicken.

Sein Gast war eingetroffen und wenig später öffneten sich die gewaltigen Türen.


Azhag Vekk betrat die Halle.

[ Bastion – Bastion Center – Diamond District – Neu bezogene Residenz von Darth Angelus ]
Darth Angelus, Zorn, Triumph, Verlangen, Umzugsdroiden und Bedienstete, Azhag Vekk, NPCs
 
Zuletzt bearbeitet:
[ Bastion – Bastion Center – Diamond District – Dreadhall Mansion ]
Darth Angelus, Zorn, Triumph, Verlangen, Azhag Vhek, Umzugsdroiden und Bedienstete, NPCs


Azhag Vhek betrat die Halle. Darth Angelus sagte zunächst nichts. Er blieb auf der erhöhten Galerie stehen, hielt den Kelch locker in der Hand und betrachtete den Neuankömmling mit einer Selbstverständlichkeit, mit der ein Käufer eine besonders seltene Erwerbung begutachtete. Die Berichte hatten nicht übertrieben. Der Hylobon war selbst für seine Spezies ein Hüne. Weit über zwei Meter geballte Masse gehüllt in einer schweren, tiefschwarzen Panzerung, die im gedämpften Licht der Halle schimmerte. Das dunkelgraue Gesicht des Nichtmenschen wirkte grob und verwittert und war von einem langen, ergrauten Bart eingerahmt. Auf seinem Rücken ruhte eine Stangenwaffe, die neben einem gewöhnlichen Menschen beinahe lächerlich überdimensioniert erschien. Aber bei Azhag Vhek wirkte sie angemessen. Angelus kannte seine Geschichte. Und genau deshalb war der ehemalige Chieftain hier.

Vhek war kein gewöhnlicher Söldner, der sich durch einige gewonnene Schießereien einen martialischen Ruf aufgebaut hatte. Er hatte weit entfernt von all dem hier auf seiner wilden Heimatwelt geherrscht. Rivalen persönlich erschlagen, Aufstände niedergeschlagen und seinen eigenen Clan mit einer Brutalität geführt, die schließlich selbst seinesgleichen gegen ihn aufgebracht hatte. Eine Koalition hatte benötigt werden müssen, um seine Herrschaft zu brechen und ihn von seiner Heimat zu verbannen. Ein Rohling also, zweifellos. Aber keiner jener geistlosen Muskelberge, von denen die Unterwelt Bastions und selbst der Orden der Sith bereits genügend hervorbrachte. Wer jahrelang Krieger geführt, Rivalen gegeneinander ausgespielt und eine eigene Herrschaft behauptet hatte, musste über einen gewissen Intellekt verfügen. Angelus benötigte keinen Gelehrten, aber er benötigte einen Mann, der verstand, wann gesprochen, wann gedroht und wann jemand aus dem Weg geräumt werden musste.

Für einen
Nichtmenschen war das durchaus beeindruckend. Der Gedanke ließ Sabars Mundwinkel leicht zucken. Seine Ansichten über die natürliche Rangordnung der Spezies hatten sich nicht geändert. Doch Angelus war inzwischen viel zu sehr von seiner eigenen Überlegenheit überzeugt, um Stärke bei anderen grundsätzlich leugnen zu müssen. Im Gegenteil: Ein Herrscher schmückte sich schließlich nicht mit Schwächlingen.

Langsam setzte er sich in Bewegung. Seine Schritte führten ihn die breite Treppe hinab. Zorn, Triumph und Verlangen blieben zurück. Unten angekommen trat er unmittelbar vor
Azhag und musste tatsächlich das Kinn ein Stück anheben. Das kam selten vor.

"Azhag Vhek

Seine grünen Augen musterten den
Hylobon noch einmal. Dann nahm er einen Schluck Wein.

"Ehemaliger Chieftain auf Eurer Heimatwelt. Kriegsherr. Schlächter, wenn die Berichte stimmen"

Eine kurze Pause.

"Mir gefallen die Berichte"

Das wölfische Lächeln erschien nun deutlicher.

"Man hat mir Euch als Leibwächter empfohlen"

Angelus schwenkte den Kelch leicht und blickte beinahe gelangweilt auf den dunklen Wein darin.

"Aber dafür seid Ihr mir zu schade"

Er ging einige Schritte an dem
Hünen vorbei, ehe er sich wieder zu ihm wandte.

"Ich brauche keinen Schatten, der mich auf Schritt und tritt begleitet und darauf wartet, dass jemand töricht genug ist, mich anzugreifen. Ich bin selber qualifiziert dazu, solche dummen Versuche zu vereiteln."

Seine freie Hand deutete beiläufig auf die gewaltige Halle und damit sinnbildlich auf alles, was mittlerweile zu seinem Besitz gehörte.

"Die Dreadhall Mansion braucht einen Sicherheitschef. Meine Geschäfte brauchen Aufsicht. Stardust, Bonetown, die Transporte und Lagerhäuser. Männer, die sich für Credits gegenseitig abstechen würden und denen erklärt werden muss, warum das schlecht fürs Geschäft ist."

Angelus' Blick kehrte zu
Azhag zurück.

"Ihr werdet Euch in Zukunft darum kümmern"

Keine Frage, kein vorsichtig formuliertes Angebot. Angelus sprach bereits so, als sei die Entscheidung gefallen.

"Ihr werdet meine persönliche Sicherheit organisieren, meine Leute führen und meine Interessen vertreten, wenn ich nicht auf Bastion bin. Was außerhalb des Sith-Ordens meine Aufmerksamkeit verlangt, erreicht zuerst Euch. Und was Ihr selbst erledigen könnt, erreicht mich überhaupt nicht."

Er kam wieder näher.

"Und sollte ich innerhalb des Ordens einmal eine Angelegenheit haben, für die ein Mann ohne Lichtschwert und Sith-Titel geeigneter ist…"

Sein Lächeln verriet den Rest.

"…werdet Ihr auch diese erledigen."

Angelus betrachtete den ehemaligen
Chieftain einige Augenblicke schweigend. Dann wurde seine Miene ernster.

"Ich weiß, was man Euch genommen hat“

Seine Macht, Autorität und den respekteinflößenden, herrschaftlichen Nimbus, der ihn einst umgeben hatte. Er trat noch einen halben Schritt näher.

"Ich werde Euch nichts davon zurückgeben"

Eine kleine Pause.

"Aber ich gebe Euch dafür etwas Neues."

Seine Hand öffnete sich in Richtung der Residenz.

"Männer und Credits. Waffen und Einfluss. Einen Platz im Herzen der imperialen Hauptstadt und meinen kostbaren Namen hinter Eurer neu gewonnenen Autorität."

Angelus ließ die Worte wirken. Gerade einem Mann wie
Azhag musste man dies alles nichts als Beginn einer wunderschönen neuen Freundschaft verkaufen.

"Dafür verlange ich Ergebnisse und absolute Loyalität. Ihr müsst mich nicht lieben. Ihr müsst mich nicht einmal mögen."

Dieser Satz ging ihm nicht leicht von den Lippen. Sein Blick wanderte aber gezielt für einen Moment zu den drei Frauen auf der Galerie.

"Verehrer habe ich bereits genug"

Dann wanderte er wieder zu
Azhag.

"Aber wenn ich Euch einen Auftrag gebe, wird er erledigt. Wenn jemand mir schadet, sorgt Ihr dafür, dass er es bereut. Wenn meine Geschäfte bedroht werden, erfahre ich davon erst, nachdem Ihr das Problem beseitigt habt."

Einige Herzschläge herrschte Stille.

"Könnt Ihr damit leben, Vhekk?"



Die Einzelheiten waren erstaunlich schnell geklärt. Azhag Vhek war kein Mann für langwierige Vertragsverhandlungen gewesen und Angelus hatte ohnehin nicht vorgehabt, aus der Angelegenheit ein Vorstellungsgespräch zu machen. Als die beiden schließlich wieder durch die Eingangshalle gingen, hatten Dreadhall und der Stardust Club einen neuen Sicherheitschef – und Darth Angelus seine rechte Hand. Es gefiel ihm. Der Kontrast zwischen ihnen hätte kaum größer sein können. Neben dem elegant gekleideten Sith wirkte Azhag wie ein Wesen, das unmittelbar von einem barbarischen Schlachtfeld in die feinsten Hallen Bastions geraten war. Doch gerade deshalb passte er hierher. Die Blicke der Bediensteten, die dem Hylobon auswichen, entgingen Angelus nicht. Schon seine bloße Anwesenheit erzeugte Ordnung. Und genau das konnte nützlich werden.

Angelus blieb schließlich am Fuß der großen Treppe stehen.


"Dann beginnen wir mit etwas Einfachem"

Er nahm seinen Kelch wieder, den ein Bediensteter inzwischen herbeigebracht hatte.

"Wir haben hier auf Bastion eine neue Gouverneurin"

Seine Stirn legte sich für einen Augenblick in Falten.

"Irgendetwas mit…"

Er verstummte und machte eine wegwerfende Bewegung mit zwei Fingern.

"Ach, dieser vollkommen lächerliche Name. Ich kann ihn mir nicht merken und habe nicht vor, meine Zeit damit zu verschwenden."

Angelus nahm einen Schluck.

"Findet heraus, wie sie heißt"

Das wölfische Lächeln kehrte zurück.

"Und ladet sie nach Dreadhall ein"

Er wandte sich bereits ab, blieb nach zwei Schritten jedoch noch einmal stehen.

"Unverbindlich..."

Sein Kopf drehte sich gerade weit genug zurück, dass
Azhag sein Profil sehen konnte.

...sie soll verstehen, dass Darth Angelus ihre Bekanntschaft machen möchte. Ohne irgendeinen Anlass, nervös zu werden."

Eine winzige Pause.

"Noch nicht"

Damit setzte er seinen Weg fort. Zorn, Triumph und Verlangen erwarteten ihn bereits oben auf der Galerie. Angelus hob den Kelch wieder an die Lippen. Dreadhall Mansion war bezogen, sein Vermögen floss wieder. Die Geschäfte liefen. Und nun hatte er einen
Mann gefunden, der dafür sorgen sollte, dass all das auch dann funktionierte, wenn sein Herr Tausende Lichtjahre entfernt Krieg führte. Oder auch ansonsten keine Lust hatte, sich als Mann mit einer höheren Bestimmung um diese niederen Belange zu kümmern,

Die drei Frauen schmiegten sich an seine Schultern, als er vor den gewaltigen Holotisch trat und mit einer beiläufigen Bewegung die Galaxiskarte zum Leben erweckte. Unzählige Systeme flackerten auf und der adelige Sith betrachtete sie einige Augenblicke schweigend.

Die Bewegungen der Fronten, die Verschiebungen der Territorien. Sie ergaben einen Sinn, gemeinsam mit den Berichten um zunehmende Unruhen. Sein Auge blieb auf
N08 ruhen, als hätte er sich schon darauf fixiert. Früher oder später würde es dazu kommen...


[ Bastion – Bastion Center – Diamond District – Dreadhall Mansion ]
Darth Angelus, Zorn, Triumph, Verlangen, Azhag Vhek, Umzugsdroiden und Bedienstete, NPCs
 
Bastion | Imperium | Bastion Center | Sith-Tempel | Darel


Darel ließ sich zunächst ohne festes Ziel durch die weitläufigen Korridore des Sith-Tempels treiben und stellte bereits nach wenigen Minuten fest, wie wenig er von jenem Ort eigentlich kannte, der seit seiner Ankunft auf Bastion zu seinem neuen Lebensmittelpunkt geworden war. Bisher hatte er sich beinahe ausschließlich zwischen seinem Quartier, den Trainingsbereichen, der Bibliothek und jenen Räumlichkeiten bewegt, zu denen ihn Sedros aus unterschiedlichen Gründen geführt hatte, weshalb ihm erst jetzt bewusst wurde, dass diese Wege lediglich einen kleinen Ausschnitt einer Anlage darstellten, deren tatsächliche Ausmaße er bislang kaum einschätzen konnte. Zahlreiche Korridore zweigten von den ihm bekannten Bereichen ab, Turbolifte führten in Ebenen, auf denen er noch nie gewesen war, und immer wieder passierte er offene Hallen oder Aufenthaltsbereiche, die ihm vollkommen unbekannt vorkamen, obwohl er vermutlich bereits dutzende Male nur wenige Meter entfernt an ihnen vorbeigegangen war.

Dabei veränderte sich auch seine Wahrnehmung des Tempels, sobald er ihn nicht mehr ausschließlich als Schüler betrachtete, der möglichst pünktlich von einer Lektion zur nächsten gelangen musste. Überall herrschte Bewegung, allerdings auf eine vollkommen andere Weise als in einer gewöhnlichen Akademie. Sith unterschiedlichster Ränge gingen ihren Angelegenheiten nach, manche allein, andere von Schülern oder Droiden begleitet, während sich dazwischen Bedienstete, Techniker und Angehörige der Verwaltung bewegten, die notwendig waren, um eine derart gewaltige Anlage überhaupt am Laufen zu halten. An mehreren Stellen begegnete Darel kleineren Gruppen von Schülern, die offenbar auf dem Weg zu gemeinsamen Übungen waren, und einmal blieb er für einige Augenblicke vor einem geöffneten Trainingsbereich stehen, in dem ein Ausbilder gerade mehrere junge Ordensangehörige durch dieselben grundlegenden Bewegungsabläufe führte, mit denen auch seine eigene Ausbildung begonnen hatte.

Noch vor einiger Zeit hätte er vermutlich selbst dort gestanden, doch inzwischen verlangte niemand mehr von ihm, sich einer solchen Gruppe anzuschließen. Der Ausbilder nahm ihn zwar ganz kurz zur Kenntnis, widmete seine Aufmerksamkeit anschließend jedoch wieder seinen Schülern. Erst in diesem unscheinbaren Moment wurde ihm wirklich bewusst, wie sehr sich sein eigener Status seit der Annahme durch Sedros verändert hatte. Seine Ausbildung lag nicht mehr in den Händen wechselnder Lehrer, die ihm nach einem allgemeinen Lehrplan dieselben Grundlagen vermittelten wie jedem anderen Schüler, sondern war nun unmittelbar an seinen Meister gebunden, der entschied, welche Fähigkeiten er erlernen sollte, welche Aufgaben er erhielt und wann er bereit war, den nächsten Schritt zu gehen.

Damit ging jedoch auch eine Freiheit einher, deren Bedeutung Darel erst allmählich zu verstehen begann, denn solange Sedros ihm keine konkreten Anweisungen gab, würde niemand seinen Tagesablauf für ihn organisieren. Er konnte trainieren, lesen, meditieren oder den Tempel verlassen, ohne dass irgendein Ausbilder kontrollierte, ob er seine Zeit nach dessen Vorstellungen verwendete. Gleichzeitig bedeutete genau diese Freiheit aber auch, dass ein verschwendeter Tag ausschließlich seine eigene Verantwortung gewesen wäre, und obwohl Sedros ihm ausdrücklich freigegeben hatte, wollte Darel seinem Meister bei ihrer nächsten Begegnung nicht erklären müssen, dass er die vergangenen Stunden lediglich damit verbracht hatte, auf seinem Bett zu liegen und darauf zu warten, erneut gerufen zu werden.

Mit diesem Gedanken setzte er seinen Rundgang fort und begann zunehmend auf Dinge zu achten, an denen er bisher vermutlich achtlos vorbeigegangen wäre. Besonders die Unterschiede zwischen den einzelnen Sith fielen ihm auf, sobald er sich die Zeit nahm, sie tatsächlich zu beobachten. Einige bewegten sich mit einer beinahe demonstrativen Selbstsicherheit durch die Hallen und schienen geradezu zu erwarten, dass andere ihnen Platz machten, während wieder andere wesentlich zurückhaltender auftraten und kaum Aufmerksamkeit auf sich zogen. Manche trugen klassische Roben, andere bevorzugten praktische Kleidung, Rüstungsbestandteile oder deutlich individuellere Gewänder, und selbst im Umgang mit ihren Schülern schienen sich erhebliche Unterschiede zu zeigen. Darel beobachtete einen Meister, der seinem Begleiter während des Gehens ruhig etwas erklärte, während ein anderer Schüler in respektvollem Abstand hinter einer Sith herlief, die ihn kaum eines Blickes würdigte und ein andere Schüler gerade von seinem Meister beschimpft und gezüchtigt wurde.

Bislang hatte Darel den Orden zwangsläufig vor allem durch Sedros kennengelernt, doch langsam begann er zu begreifen, dass sein Meister lediglich eine von vielen möglichen Vorstellungen davon verkörperte, was es bedeutete, ein Sith zu sein. Diese Erkenntnis weckte mehr Neugier in ihm, als er zunächst erwartet hatte, denn mit jeder Beobachtung entstanden neue Fragen darüber, wie dieser Orden eigentlich funktionierte, welche Wege einem Sith nach seiner Ausbildung offenstanden und weshalb manche Mitglieder ihr gesamtes Leben bestimmten Bereichen der Macht widmeten, während andere offenbar vollkommen andere Ziele verfolgten.



Als Darel wenig später an mehreren öffentlich zugänglichen Archivterminal vorbeikam, blieb er deshalb beinahe automatisch stehen. Eigentlich hatte er nicht vorgehabt, seinen freien Tag bereits wieder mit stundenlangem Studium zu verbringen, doch der Anblick des Terminals erinnerte ihn an eine Frage, die ihn seit ihrer Rückkehr von Dxun ohnehin beschäftigte. Nach einem kurzen Zögern trat er an die Konsole, meldete sich mit seiner Zugangsberechtigung an und begann zunächst mit einer allgemeinen Suche nach Dxun, bevor er die Ergebnisse schrittweise auf historische Sith-Präsenzen, bekannte Anlagen und archäologische Aufzeichnungen eingrenzte.

Die Menge der verfügbaren Informationen war beträchtlich, brachte ihn jedoch nicht annähernd so schnell weiter, wie er gehofft hatte. Dxun tauchte in zahlreichen historischen Berichten auf, ebenso fanden sich Hinweise auf Sith, Expeditionen, militärische Ereignisse und unterschiedliche archäologische Fundstätten, doch eine eindeutige Zuordnung jener Anlage, die er gemeinsam mit Sedros betreten hatte, erwies sich als wesentlich schwieriger. Besonders die monumentalen Statuen ließen ihn nicht los, weshalb Darel versuchte, anhand ihrer Beschreibungen, der ungefähren Lage und verschiedener historischer Epochen herauszufinden, wen sie dargestellt haben könnten, ohne jedoch zu einem Ergebnis zu gelangen, das ihn wirklich überzeugte.

Gerade das machte die Sache für ihn allerdings zunehmend interessanter. Noch auf Dxun hatte ihn vor allem beschäftigt, wie es möglich sein konnte, dass Personen, die offenbar bedeutend genug gewesen waren, um derartige Monumente zu hinterlassen, irgendwann nahezu vollständig aus dem allgemeinen Gedächtnis verschwanden. Nun saß er in einem der bedeutendsten Zentren des Sith-Ordens vor einem Archiv, das auf unzählige historische Quellen zugreifen konnte, und trotzdem ließ sich die Frage nicht mit einigen wenigen Suchbegriffen beantworten. Darel speicherte sich deshalb mehrere Verweise auf weiterführende Literatur ab, darunter historische Abhandlungen über Dxun und einige Werke über frühe Sithkulturen, bevor er das Terminal schließlich verließ. Er würde später darauf zurückkommen, vielleicht sogar in der Bibliothek oder außerhalb des Tempels nach ausführlicheren Werken suchen, doch für den Moment genügte ihm die Erkenntnis, dass seine Fragen offenbar interessanter waren als ihre Antworten einfach.

Sein weiterer Weg führte ihn schließlich in einen der allgemeinen Trainingsbereiche, wobei Darel dieses Mal bewusst darauf verzichtete, sein Lichtschwert überhaupt aus der Halterung zu nehmen. Die Ereignisse auf Dxun hatten ihm deutlich genug gezeigt, dass ein Kampf nicht ausschließlich von der Beherrschung einer Waffe entschieden wurde, sondern ebenso davon, wie lange der eigene Körper Belastungen standhalten konnte, wie schnell man seine Position veränderte und ob Kraft, Beweglichkeit und Ausdauer ausreichten, um das umzusetzen, was die eigene Technik verlangte. Besonders Sedros' Ankündigung, ihm mit Ataru eine Kampfform zeigen zu wollen, die stark auf Geschwindigkeit und offensives Vorgehen setzte, hatte seine Neugier geweckt, weshalb es Darel sinnvoll erschien, zumindest an den körperlichen Voraussetzungen zu arbeiten, bevor sein Meister mit dem eigentlichen Unterricht begann.

Er begann deshalb mit einfachen Übungen, steigerte die Belastung jedoch schrittweise, bis sich aus dem zunächst lockeren Training eine durchaus fordernde Einheit entwickelte. Neben Übungen mit dem eigenen Körpergewicht konzentrierte er sich vor allem auf Rumpfstabilität, Sprungkraft, schnelle und reflexartige Bewegungen sowie kontrollierte Bewegungsabläufe, wobei er zunehmend bemerkte, an welchen Stellen ihm noch Kraft oder Beweglichkeit fehlten. Gerade bei einigen tieferen Positionen und schnellen Richtungswechseln meldeten sich Muskeln, die während des gewöhnlichen Lichtschwerttrainings bislang kaum beansprucht worden waren, weshalb Darel zum Abschluss erheblich mehr Zeit als gewöhnlich darauf verwendete, seine Beweglichkeit durch ausgiebiges Dehnen zu verbessern.


Als er einige Zeit später den Trainingsbereich schließlich wieder verließ, war sein Körper angenehm erschöpft, ohne dass er das Gefühl hatte, sich für den restlichen Tag vollkommen verausgabt zu haben. Vielmehr empfand er eine gewisse Zufriedenheit darüber, etwas getan zu haben, das weder Sedros angeordnet noch irgendein Ausbilder von ihm verlangt hatte, sondern ausschließlich aus seiner eigenen Überlegung entstanden war, wie er sich auf die kommenden Lektionen vorbereiten konnte.

Darel ging noch einmal in sein Quartier zurück, um zu duschen und sich wieder frisch wieder zu machen. Nachdem er in seinem Quartier stand und gerade seine Haare trocknete, fiel sein Blick beinahe unmittelbar auf den kleinen Stein, den er von Dxun mitgebracht hatte. Er hatte ihn ursprünglich lediglich als Erinnerung aufgehoben, doch nach Sedros' Erklärung über die Levitation besaß das unscheinbare Stück Gestein, wovon er immer noch annahm das es ein Teil einer Statue war, plötzlich einen zweiten Nutzen, der beinahe zu passend erschien, um ihn zu ignorieren.

Darel setzte sich vor den Schreibtisch, legte den Stein mit etwas Abstand vor sich ab und versuchte zunächst, genau das umzusetzen, was sein Meister ihm erklärt hatte. Dabei stellte er schnell fest, dass die theoretische Beschreibung erheblich einfacher geklungen hatte als die tatsächliche Ausführung. Einen Gegenstand anzusehen und zu wissen, dass er existierte, war selbstverständlich keine Schwierigkeit, doch ihn unabhängig von seinen gewöhnlichen Sinnen durch die Macht wahrzunehmen, erwies sich als vollkommen andere Herausforderung. Mehrfach ertappte er sich dabei, dass er lediglich über die Beschaffenheit des Steins nachdachte oder sich seine Position vorstellte, anstatt tatsächlich nach jener Verbindung zu suchen, von der Sedros gesprochen hatte.

Nach mehreren erfolglosen Versuchen änderte Darel deshalb seine Herangehensweise. Statt sich darauf zu konzentrieren, den Stein unbedingt bewegen zu wollen, versuchte er zunächst lediglich, seine Umgebung bewusster wahrzunehmen und jene Eindrücke voneinander zu trennen, die von seinen gewöhnlichen Sinnen stammten. Es dauerte lange, bis er überhaupt glaubte, etwas wahrzunehmen, und selbst dann konnte er nicht mit Sicherheit sagen, ob es tatsächlich die Macht gewesen war oder lediglich seine eigene Erwartung, die ihm einen Fortschritt vorgaukelte. Einmal meinte er zu erkennen, dass sich der Stein minimal bewegt hatte, doch als er die Augen öffnete, lag er beinahe exakt dort, wo er ihn zuvor abgelegt hatte.

Anstatt darüber frustriert zu sein, musste Darel beinahe schmunzeln. Sedros hatte schließlich davon gesprochen, dass es dauern würde, und wenn sich ein Kieselstein innerhalb eines Nachmittags problemlos seinem Willen unterworfen hätte, wäre die Fähigkeit vermutlich kaum etwas Besonderes gewesen. Dennoch blieb eine Frage zurück, die sich während seiner Versuche zunehmend in den Vordergrund geschoben hatte.

Sein Meister hatte erklärt, dass ein lebloser Gegenstand schwieriger in der Macht wahrzunehmen war als ein Lebewesen.

Darel lehnte sich etwas zurück und betrachtete den Stein nachdenklich, während er diese Aussage noch einmal durchging. Auf Dxun hatte er die Präsenz seines Meisters wahrgenommen, ebenso hatte er zumindest geglaubt, während der Kämpfe etwas von den Kreaturen und ihrer unmittelbaren Umgebung zu spüren, doch all diese Situationen waren von Gefahr, Konzentration und der außergewöhnlich starken Präsenz der dunklen Seite geprägt gewesen. Im Sith-Tempel wiederum befand er sich beinahe ausschließlich inmitten anderer Machtnutzer, weshalb auch dieser Ort kaum geeignet erschien, um herauszufinden, wie sich gewöhnliche Lebewesen innerhalb der Macht eigentlich anfühlten.

Je länger er darüber nachdachte, desto interessanter erschien ihm die Frage.

Wenn tatsächlich alles Lebendige durch die Macht miteinander verbunden war, müsste eine gewöhnliche Straße voller Personen vollkommen anders wirken als dieser Stein vor ihm. Vielleicht würde er dort überhaupt nichts erkennen, vielleicht würde die Vielzahl der Eindrücke ihn überfordern oder möglicherweise würde er erstmals bewusst verstehen, was Sedros mit seinen Worten gemeint hatte. Welche Antwort richtig war, ließ sich allerdings nur auf eine Weise herausfinden.

Darel erhob sich schließlich, nahm den kleinen Stein vom Schreibtisch und legte ihn wieder zu den übrigen Erinnerungsstücken von Dxun, bevor er einen Blick auf die Uhrzeit warf. Noch lag genügend Zeit vor ihm, und nachdem er den bisherigen Teil seines freien Tages mit Erkundung, Recherche und Training verbracht hatte, verspürte er keinerlei schlechtes Gewissen bei dem Gedanken, den Tempel für einige Stunden hinter sich zu lassen.


Anfangs überlegte er, die Sith Robe zu tragen, wählte dann aber etwas aus den wenigen privaten Kleidungsstücken, die er von seinem früheren Leben mitgebracht hatte und die dem entsprachen, was er vor seiner Zeit auf Bastion getragen hätte immerhin wollte er draußen nicht auffalen. Das Lichtschwert befestigte er dennoch an seinem Gürtel, wenn auch so, dass es unter seiner Kleidung nicht unmittelbar ins Auge fiel, bevor er sein Datapad in einen Rucksack steckte und das Quartier wieder verließ.

Dieses Mal führte ihn sein Weg auf einen der Ausgänge zu, und während sich die gewaltigen Hallen langsam hinter ihm verloren, formte sich aus der anfänglichen Idee bereits eine kleine Aufgabe, die er sich selbst gestellt hatte. Er wollte einen belebten Ort finden, an dem sich möglichst viele unterschiedliche Personen aufhielten, und dort versuchen, nicht ihre Gesichter, Kleidung oder Stimmen zu beobachten, sondern herauszufinden, ob er ihre Anwesenheit auch auf jene Weise wahrnehmen konnte, die Sedros ihm beschrieben hatte.

Vielleicht würde daraus nichts werden und er würde nach einigen Stunden lediglich mit der Erkenntnis zurückkehren, dass er noch sehr viel lernen musste. Doch selbst das wäre für Darel inzwischen eine Antwort gewesen, mit der er etwas anfangen konnte.

Und wenn sich auf dem Weg zufällig eine Buchhandlung fand, in der sich etwas Brauchbares über Dxun oder die Geschichte jener längst vergessenen Sith auftreiben ließ, würde er sich darüber gewiss ebenfalls nicht beschweren.


Bastion | Imperium | Bastion Center | Sith-Tempel | Auf dem Weg in Richtung Arthious-Boulevard | Darel
 
[ Bastion – Bastion Center – Diamond District – Dreadhall Mansion ]
Darth Angelus

Der Sturm hatte Bastion Center bereits seit den frühen Morgenstunden in einem festen Griff. Nur ein Mindestmaß an Tageslicht drang durch die dunkelgrauen Wolken, gerade noch hell genug, um die Skyline des Diamond Districts aus dem Regen hervortreten zu lassen. Der Vormittag hatte nichts Helles an sich. Er war lediglich weniger dunkel als die Nacht. Darth Angelus stand unter dem ausladenden Dach des Eingangs des Anwesens und betrachtete den Himmel. Seine Hände ruhten hinter dem Rücken, der Pelzumhang schlug durch den Wind in unregelmäßigen Bewegungen gegen die schwere Rüstung, die er zum ersten Mal seit Wochen wieder vollständig angelegt hatte. Es fühlte sich beinahe fremd an und gleichzeitig so vertraut, dass er sich fragte, weshalb er sie überhaupt so lange gegen die kostbaren Gewänder eingetauscht hatte. Die Panzerung machte ihn deutlich breiter, schwerer und imposanter, wie sie es immer getan hatte. In herrschaftlicher und selbstgefälliger Pose wartete er also auf jenen Mann, der als Titel den Namen seiner Heimatprovinz auf Dubrillion trug.

Darth Veyron hatte die Zusammenkunft der Octurie im Sith-Tempel angesetzt. Angelus wiederum hatte entschieden, dass Dreadhall besser geeignet war. Die Nachricht an den Tribun hatte er sorgfältig formuliert. Der Tempel war wegen der bevorstehenden Operationen überfüllt, überall bewegten sich Jünger, Krieger, Offiziere und Boten durch die Domänen. Nur war das nicht der eigentliche Grund gewesen.

Angelus hatte schlicht keine Lust gehabt, am frühen Vormittag durch halb Bastion zum Tempel zu fliegen. Und er genoss das Gefühl es zu wagen, einen vorgesetzten
Vollstrecker zu brüskieren und diesen selbst irgendwo hin zu beordern, wohin er keineswegs wollte. Er hatte deshalb durchaus damit gerechnet, dass Darth Veyron nicht begeistert sein würde. Wie wenig begeistert, sollte sich gleich zeigen. Ein tiefes Dröhnen mischte sich unter das Heulen des Windes und ließ Angelus aufblicken. Zwischen zwei Hochhäusern erschien eine schwarze Maschine und schob sich durch den Regen auf Dreadhall zu. Der Sith beobachtete, wie das Schiff in der Luft verharrte und schließlich auf dem Landeplatz aufsetzte. Sein Blick blieb weiterhin an dem Schiff hängen, das offensichtlich Teil der Flotte des Sith-Ordens war. Darth Veyron verfügte natürlich über ein eigenes Schiff - anders als Darth Angelus.

Die Rampe des Schiffes senkte sich und
Darth Veyron trat heraus. Der Mann entsprach nur teilweise dem Bild, das Angelus sich aus den Unterlagen gemacht hatte. Der Tribun war groß, kräftig und wirkte vielleicht etwas älter, als seine Daten vermuten ließen. Dunkles, durch den Regen durchnässtes Haar lag relativ ungeordnet an seiner Stirn, ein dichter Bart überdeckte die untere Gesichtshälfte. Seine Rüstung war schwarz, schwer und mit dunkelroten Elementen versehen, doch anders als Angelus' eigene Panzerung wirkte sie nicht wie etwas, das regelmäßig von Bediensteten poliert wurde. Kratzer liefen über die Schulterplatten, einzelne Kanten waren abgestoßen und an mehreren Stellen zeichnete sich ab, dass Teile irgendwann ausgebessert worden waren. Auf der Brust prangte ein rotes und betont aufwendig eingraviertes Zeichen des Zirkels, zwei gekreuzte Sith-Äxte, während von seinen Schultern ein dunkler Umhang hinabfiel.

"Tribun"

Schnitt die klare Stimme des Ritters durch die kühle Luft. Auf den ersten Blick war sein
Gegenüber in leisen Ansätzen genau jene Sorte Extinktor, die Angelus schon oft genug erlebt hatte. Der Zirkel zog solche Gestalten schließlich an: Krieger, die außerhalb eines Kampfes beinahe schon unvollständig wirkten, Berserker mit altertümlichen Sith-Waffen, deren gesamtes Weltbild auf absoluten Blutrausch reduziert war. Dieser Sith war dennoch keiner von denen - das erkannte der adelige Sith beinahe augenblicklich. Der Vollstrecker blieb wenige Schritte vor ihm stehen. Sein Blick wanderte einmal über Angelus' Rüstung, dann an ihm vorbei zu dem prunkvollen Anwesen hinter ihm. Er erhob seine tiefe Stimme:

"Ihr seid ein arroganter Bastard, Angelus. Ich setze eine Zusammenkunft der Octurie im Tempel an und Ihr besitzt tatsächlich die Dreistigkeit, mir stattdessen eine Einladung in diesen dekadenten Lusttempel zu schicken, als wäre ich irgendein Höfling, der seinen Tag nach Euren Launen zu richten hat.“

Angelus hatte sich auf diese Begegnung vorbereitet. Das war vermutlich der einzige Grund, weshalb sein Gesicht vollkommen ruhig blieb. An anderer Stelle hätte bereits eine solche Beleidigung genügt, um ihn in Rage zu bringen. Heute aber war er vorbereitet. Der Krieger mochte unendlich viel von sich selbst halten, doch er war nicht vollkommen unfähig, Größe außerhalb seiner eigenen Person zu erkennen. Man musste sie ihm nur in einer Form präsentieren, die er respektieren konnte. Abstammung beeindruckte ihn nur äußerst bedingt, Titel schon deutlich mehr, tatsächliche Macht jedoch am meisten. Veyron hatte sich seinen Rang im Zirkel nicht durch Klinkenputzen und Stiefellecken verdient. Der Mann war Tribun, weil andere er dazu in der Lage war, wildgewordene und in ihrem Blutrausch stupide Extinktoren zu kontrollieren und zu tatsächlichen Waffen zu formen und als diese zu nutzen. Und das alleine war schon mehr wert als die Hälfte der Ordenswürden, mit denen sich andere Sith schmückten.

"Wenn Ihr schon gezwungen seid, Eure Zeit mit mir zu verbringen, erschien es mir sinnvoll, Euch wenigstens einen Ort zuzumuten, der dieser Zusammenkunft angemessen ist. Der Tempel ist dieser Tage vollkommen überfüllt, mein Sitz nicht und zudem ist er abgeschirmt von der Außenwelt."

Angelus sprach ausgesprochen ruhig, fast höflich. Veyron ließ ihn ausreden, was bereits mehr war, als sein Gesichtsausdruck zunächst vermuten ließ. Dann trat der Tribun einen halben Schritt näher.

"Spart Euch Eure silberzüngige Begründung. Ihr könnt Eure Gäste mit diesem Unsinn beeindrucken, wenn Euch danach ist, aber nicht mich. Kein Ort dieser Galaxie ist so gut abgeschirmt wie der Sith-Tempel. Ihr wart nur zu bequem, Euren Palast zu verlassen und habt deshalb beschlossen, dass sich der Treffpunkt eben nach Euch richtet. Haltet mich nicht für einen Narren, Angelus.“

Angelus schwieg und dachte sich seinen Teil. Wie gut der Sith-Tempel abgeschirmt war, konnte man anhand dieser lächerlich-peinlichen Gerüchte erkennen, die im Orden kursierten. Von Jedi, die den Tempel infiltrieren und anschließend den Imperator haben töten können. Der adelige Sith wusste, dass das weitaus mehr waren als Gerüchte, schließlich hatte er El'Mireth eigenhändig aus dem Domizil dieses Versagers Sturn verlegt.

"Ihr habt einige bemerkenswerte Erfolge für euer junges Alter vorzuweisen, Angelus. Aber vielleicht hat Euch genau das zu schnell vergessen lassen, dass der Zirkel nicht Euer persönlicher Hof ist. Hier seid Ihr Krieger und Eingeweihter, kein Fürst und nicht der Mittelpunkt irgendeiner kleinen Welt, die Ihr Euch hier eingerichtet habt.“

Mit seiner Körpergröße konnte er leicht auf Angelus herabsehen. Sabar hasste so etwas.

"Und wenn ich schon einmal hier bin, kann ich Euch auch gleich etwas anderes fragen. Seid Ihr etwa weich geworden, Darth Angelus? Im Zirkel machen hässliche Gerüchte die Kunde: Darth Angelus habe sich seit Empress Teta kaum noch im Tempel blicken lassen. Stattdessen suhlt er sich täglich im Wein, veranstaltet Feste mit der Bastioner High Society und betet sich selbst an, während er im Hintergrund irgendwelche Straßenhunde aus den Gossen Bastion Centers seine Drecksarbeit verrichten lasst. “

Diese Worte weckten seinen Zorn dann doch. Sein Kiefer spannte sich und die Augen leuchteten auf. Die Lippen des Kriegers zuckten dabei bedrohlich. Der Vollstrecker merkte dies und hob beinahe interessiert das Kinn, beinahe schon erpicht darauf zu sehen, was hinter diesen Signalen steckte. Doch Angelus ließ den Zorn letztlich versinken. Stattdessen lächelte er wieder glatt und zuckte betont verständnislos mit den Schultern.

"Diese Gerüchte verwechseln wohlverdienten Genuss mit Schwäche, Tribun

Sein Lächeln wurde eine Spur breiter und herausfordernder. Es war gefährlich - mit Darth Veyron war nicht zu scherzen. Und dennoch musste sich Angelus angesichts dieser lächerlichen Anschuldigen beweisen. Was er auch durchaus genoss; natürlich tat er das.

"Aber wenn Ihr wissen wollt, ob Darth Angelus noch kämpfen kann, dann braucht Ihr Euch darüber keine Sorgen zu machen. Ihr werdet schon bald ausreichend Gelegenheit bekommen, Euch selbst davon zu überzeugen."

Der Vollstrecker trat einen Schritt näher. Sein Blick veränderte sich, wirkte nun mehr prüfend denn tadelnd.

"Gut. Das nächste Mal folgt Ihr meinen Anweisungen. Ihr geht dorthin, wohin ich es befehle. Ein weiteres Mal werde ich Euch nicht daran erinnern.“

Angelus erwiderte seinen Blick. Darin lag keine Unterwürfigkeit, aber auch keine Herausforderung.

"Dann wird ein weiteres Mal auch nicht nötig sein, Tribun"

Mehr musste nicht gesagt werden. Und überraschenderweise sagte auch
Veyron nichts mehr dazu. Er wandte sich in Richtung Eingang, als wäre die Angelegenheit damit vollständig erledigt. Kein Nachtreten, keine zusätzliche Demütigung und keine selbstgefällige Genugtuung darüber, den jüngeren Sith zum Einlenken gebracht zu haben. Während die beiden Sith die Stufen erklommen, sah der Vollstrecker über seine Schulter.

"Sobald Darth Vaelira eingetroffen ist, beginnen wir mit der Besprechung. Sie sollte zeitnah eintreffen, denn anders als Ihr ist sie eine fähige Pilotin"

[ Bastion – Bastion Center – Diamond District – Dreadhall Mansion ]
Darth Angelus, Darth Veyron
 
[ Bastion – Bastion Center – Diamond District – Dreadhall Mansion ]
Darth Angelus, Darth Veyron


Darth Angelus verzichtete darauf, die letzte Bemerkung des Tribuns über seine mangelnden Fähigkeiten als Pilot zu kommentieren. Nicht etwa, weil ihm keine passende Antwort darauf eingefallen wäre, ganz im Gegenteil. Aber die Vorstellung, dass ein Mann seines Standes seine kostbare Zeit damit verschwenden sollte, eigenhändig ein Raumschiff durch die Galaxis zu steuern, obwohl es für solche niederen Tätigkeiten hervorragend ausgebildete Piloten gab, erschien ihm ausgesprochen lächerlich. Auch ein Großadmiral bediente schließlich nicht persönlich jedes Geschütz seines Flaggschiffes. Trotzdem musste er sich eingestehen, dass ihn die Sache mehr störte, als sie es eigentlich sollte. Veyron verfügte über ein eigenes Schiff aus der Flotte des Ordens und wenn die vorliegenden Informationen über Darth Vaelira stimmten, würde sie vermutlich mit einem eigenen Sternjäger eintreffen. Und nur Darth Angelus musste sich fliegen lassen. Vielleicht würde er tatsächlich lernen müssen, wie man so ein Ding steuerte.

Der
Vollstrecker und der Krieger hatten kaum die letzten Stufen vor dem Eingang erreicht, als erneut das Heulen von Triebwerken durch den Sturm heulte. Veyron blieb stehen und wandte den Kopf in Richtung der Außenanlagen. Angelus tat es ihm gleich. Zwischen den dunkelgrauen Wolken und den schwarzen Türmen des Diamond Districts erschien ein wesentlich kleineres Schiff als jenes des Tribuns. Ein Sternjäger raste mit hoher Geschwindigkeit zwischen zwei Wolkenkratzern hindurch und hielt direkt auf Dreadhall zu. Für den Geschmack des adeligen Kriegers begann die Maschine ziemlich spät damit, ihren Anflug abzubremsen. Erst unmittelbar vor dem Anwesen zog der Jäger in einer engen Kurve über die äußeren Gärten hinweg und richtete sich anschließend auf den Landeplatz aus. Veyron beobachtete den Anflug schweigend, Angelus hingegen zog leicht die Augenbrauen zusammen. Sie war anscheinend tatsächlich eine fähige Pilotin. Wie schön für sie. Das Cockpit öffnete sich und wenige Augenblicke später erschien Darth Vaelira auf dem Landeplatz.

Die
Kriegerin war für eine Frau relativ groß und ihre athletische Gestalt wurde von einer enganliegenden schwarzen Rüstung umschlossen, die sich wie ein Geflecht dunkler Schuppen über Brust, Taille und Beine legten. Einzelne dunkelrote Elemente stachen aus dem Schwarz hervor, während das Lichtschwert sichtbar an ihrer Seite hing. Sie war auffallend jung. Jünger als Angelus selbst und trotzdem bereits Kriegerin und Extinktorin. Ihr Gesicht besaß feine und beinahe makellose Züge, die jedoch durch den selbstgefälligen Ausdruck alles andere als unschuldig wirkten. Das lange dunkle Haar fiel ihr in lockeren Wellen über die Schultern, durchzogen von mehreren deutlich helleren Strähnen, die beinahe silbrig erschienen. Ihr Kinn war leicht erhoben und die Art, wie sie über den Landeplatz auf die beiden Sith zuschritt, wusste zu imponieren. Sabar hatte schließlich ein Gespür für solcherlei Dinge. Ihre Schritte waren erstaunlich leicht und fließend. Wo Veyron mit der schweren Selbstverständlichkeit eines erfahrenen Kriegers auftrat und Angelus seine Bewegungen inzwischen beinahe bewusst herrschaftlich inszenierte, wirkte Vaelira geradezu grazil. Nicht schwach - keineswegs. Unter der Rüstung zeichneten sich ausreichend trainierte Muskeln ab, um diesen Eindruck zu verhindern. Aber jede Bewegung besaß eine natürliche Eleganz. Interessant wurde es auch von der Hüfte abwärts: Die schwarze Panzerung endete oberhalb ihrer Knöchel und ließ ihre Füße vollständig unbedeckt, während sie vollkommen selbstverständlich über den regennassen Boden schritt. Helle Nägel bildeten einen beinahe absurden Kontrast zu der schweren Sith-Rüstung. Dadurch erweckte sie noch mehr den Eindruck einer altertümlichen Statue, oder einer Figur auf einem Gemälde aus längt vergangenen Epochen der Galaxie. Angelus betrachtete die Kriegerin etwas länger, als es notwendig gewesen wäre.

Vaelira stieg die Stufen hinauf und blieb schließlich einige Schritte vor ihnen stehen. Ihr Blick fiel zuerst auf Veyron.

"Tribun. Ich hoffe Ihr habt nicht schon ohne mich angefangen"

Angelus wandte den Blick langsam zu Veyron.

"Ich ziehe es vor, nicht warten zu müssen, wenn ich die Octurie versammle. Das nächste Mal seid Ihr vor mir da."

Vaelira neigte den Kopf ein wenig zur Seite. Ihr Lächeln wurde nicht kleiner.

"Eure Einladung hat mich etwas verspätet erreicht. Ich hatte schon befürchtet, der Zirkel würde meine zahlreichen Talente übersehen."

Die junge Sith besaß ihren eigenen Stil und war frech. Und agierte offenbar vollkommen ohne das Bedürfnis, einen vernünftigen ersten Eindruck zu hinterlassen. Angelus musste sich eingestehen, dass ihn das amüsierte. Veyron hingegen trat einen halben Schritt auf sie zu. Nicht bedrohlich genug, um daraus eine offene Konfrontation zu machen, aber deutlich genug, dass sie den Kopf heben musste, um seinen Blick zu halten.

"Ich habe bereits einen Krieger in dieser Octurie, der sich für zu bedeutend hält, um einfachen Anweisungen zu folgen. Ich brauche keinen zweiten."

Der Blick des Tribuns wanderte für einen Augenblick demonstrativ zu Angelus. Dessen Lippen wurden schmal, doch formten sie ein wölfisches Lächeln. Vaelira folgte dem Blick und grinste.

"Zumindest weiß ich nun, wer von uns den schlechteren Stand hat"

Mit diesen Worten begrüßte sie ihn also auf seinem eigenen Grundstück. Angelus hob eine Augenbraue.

"Das setzt voraus, dass wir beide miteinander konkurrieren"

Vaelira wandte ihm nun ihre volle Aufmerksamkeit zu. Ihre braunen Augen glitten noch einmal über seine Rüstung, den Pelzumhang und schließlich sein Gesicht. Sie musterte ihn prüfend und er kam nicht umhin, es zu genießen. Es musste ihr gefallen, was sie sah - was auch sonst?

"Tun wir das denn nicht?"

Der adelige Sith lächelte wieder und prüfte nun sie mit den grünen Augen.

"Vielleicht in deiner Vorstellung"

Vaelira schnaubte leise. Angelus ging sofort zum Du über, entgegen seiner adeligen Netiquette und den üblichen Umfangsformen unter vollwertigen Sith im Ordnen. Die Sith schien das nicht zu stören, denn sie tat es ihm augenblicklich gleich.

"Du bist also wirklich so, wie man erzählt"

Angelus hob sein Kinn ein kleines Stück.

"Die meisten Erzählungen über mich leiden darunter, dass ihre Urheber nicht die notwendigen Worte besitzen, um der Wirklichkeit gerecht zu werden"

Veyron schnaufte hörbar durch die Nase und schien in diesem Augenblick etwas begriffen zu haben, das ihm ausgesprochen wenig Freude bereiten durfte. Darth Zion hatte ihm keine gewöhnliche Octurie überlassen. Seine Stimme durchschnitt die Luft und den tobenden Sturm förmlich.

"Genug!"

Darth Vaelira öffnete bereits den Mund, doch Veyrons strenger Blick traf sie. Sie hielt tatsächlich inne, wirkte aber nicht eingeschüchtert. Dafür war sie offensichtlich zu sehr von sich überzeugt. Aber sie war auch nicht dumm genug, um nicht zu erkennen, dass Veyron seinen Rang keineswegs nur als Schmuck trug.

"Ich wollte lediglich höflich sein..."

Veyron rümpfte die Nase und ging an den beiden Kriegern vorbei, um die Stufen des Eingangs zu erklimmen. Die beiden Krieger folgten ihm leicht versetzt. Kaum hatten sie die Eingangshalle betreten, blieb Vaelira erneut zurück. Unweit der breiten Treppe stand die lebensgroße Statue von Darth Angelus - selbstverständlich an einem Ort, an dem kein Besucher sie übersehen konnte. Die junge Sith musterte das steinerne Abbild einige Sekunden schweigend, trat schließlich näher und strich mit zwei Fingern prüfend über dessen Kinn.

"Natürlich..."

Murmelte sie kaum hörbar, ehe sie die Hand wieder sinken ließ und den beiden Männern folgte. Angelus sah ihr mit einem selbstzufriedenem Gesichtsausdruck nach. Veyron hingegen ließ seinen Blick über die hohen schwarzen Säulen, die dunklen Galerien und die violetten Lichtlinien des noch nicht vollständig eingerichteten Anwesens schweifen. Zu Angelus' Überraschung blieb eine weitere Beleidigung aus.

"Euer Geschmack ist offenbar nicht ganz so verdorben wie Eure Selbstwahrnehmung, Angelus"

Das wölfische Lächeln auf Angelus' Lippen verriet nun, dass er davon vor allem den ersten Teil des Satzes gehört hatte.

"Und Euer Geschmack weiß positiv zu überraschen, Tribun"

Veyron schnaubte lediglich und setzte seinen Weg fort. Vaelira schloss zu ihnen auf, während Angelus noch einmal zufrieden durch seine Eingangshalle blickte. Die Führung des Zirkels hatte eine bemerkenswerte Octurie zusammengestellt. Ob bemerkenswert gut, würde sich aber erst noch zeigen.

"Bring uns in den Konferenzraum, Angelus..."

Hallte die Stimme des Tribuns.

"...Zeit, über Agamar und den Krieg zu sprechen."


[ Bastion – Bastion Center – Diamond District – Dreadhall Mansion ]
Darth Angelus, Darth Veyron, Darth Vaelira
 
[ Bastion – Bastion Center – Diamond District – Dreadhall Mansion – Konferenzraum ]
Darth Angelus, Darth Veyron, Darth Vaelira

Darth Angelus kam der Aufforderung des Tribuns nach und führte die beiden Sith tiefer in das Anwesen. Der Konferenzraum gehörte zu jenen Teilen Dreadhalls, deren Einrichtung er nach seinem Einzug priorisiert hatte. Ein großer Holotisch dominierte den dunklen Raum, während hinter den hohen Fenstern weiterhin der Sturm über dem Diamond District tobte. Veyron verlor keine weitere Zeit mit dem Anwesen und aktivierte die Projektion. Wenig später flimmerte der galaktische Norden vor ihnen auf, umrandet von allen möglichen zusätzlichen Daten, Bewegungen und Markierungen. Agamar lag dabei im Zentrum der Darstellung, so wie es im Grunde ohnehin schon klar war. Umliegende Systeme und Hyperraumverbindungen zeichneten sich zwischen den imperialen und republikanischen Einflussgebieten ab. Sabar hatte Karten schon immer gemocht. Abermilliarden Lebewesen schrumpften auf ihnen zu winzigen kleinen Punkten zusammen; Welten wurden zu Ressourcen, strategischen Positionen und zu Besitz. Es war eine durchaus angenehme Art, die Galaxis zu betrachten.

Veyron stützte die Hände auf den Rand des Holotisches und sah nacheinander zu den beiden jüngeren Sith.

"Das primäre Angriffsziel der Neunten Gefechtsflotte sollte Euch beiden aus den Dossiers hinreichend bekannt sein. Agamar wird fallen und wenn alles nach Plan läuft, wird die Siebte Gefechtsflotte der Republik dort einen erheblichen Teil ihrer Schiffe verlieren. Wir werden diese Schlacht allerdings zunächst nur aus der Ferne betrachten. Wir werden an der Seite des Verbandes 'Hammer der Imperatorin' an einer Nebenfront operieren."

Angelus nickte. Auch wenn es ihm nicht gefiel, nicht an der prestigeträchtigsten Front dabei zu sein, galt es ihre vorhandenen Möglichkeiten zu maximieren.

"Deshalb will ich von Euch nicht hören, wie Ihr Agamar erobern würdet. Mich interessiert, was Ihr mit einem kleinerem, aber dafür flexiblerem Verband anfangen würdet, während alle Augen auf die große Schlacht gerichtet sind. Wenn Ihr schon Extinktoren seid, dann zeigt mir, dass Ihr Möglichkeiten erkennt, die einem gewöhnlichen Flottenoffizier entgehen.“

Vaelira lehnte sich auf der gegenüberliegenden Seite etwas gegen den Tisch.

"Ihr wollt also wissen, was wir zerstören wollen, während Agamar und die siebte Gefechtsflotte der Republik fällt?"

Veyron warf ihr einen wenig begeisterten Blick zu.

"Nein. Ich will wissen, ob in Euch auch nur ein Funken strategischen Verstands steckt, der sich zu etwas Brauchbarem formen lässt."

Dann sah er zu Angelus.

"Angelus! Ihr zuerst. Ihr habt Euch in den vergangenen Wochen ausgiebig damit beschäftigt, Euch ein nettes, kleines Reich aufzubauen. Jetzt zeigt mir, ob Ihr noch versteht, wie man das eines anderen auseinandernimmt."

Angelus ließ sich etwas Zeit, während er langsam um den Tisch schritt. Natürlich konnte man nach einem Sieg bei Agamar irgendwelche republikanischen Stützpunkte angreifen, Flotten attackieren und versuchen, die feindliche Kommandostruktur zu eliminieren. Dies war zwar alles sinnvoll, aber auch ausgesprochen gewöhnlich. Der adelige Sith dachte stattdessen an Dinge, mit denen sich die meisten Krieger im Zirkel in ihrem stupiden Stolz nur ungern beschäftigten. Sein Blick blieb südlich von Ithor an jener Welt hängen, mit der er sich in den vergangenen Tagen eindringlich beschäftigt hatte - Agriworld-2079. Angelus hob eine Hand und vergrößerte das System. Produktionsdaten und zahlreiche Versorgungswege erschienen über dem Hologramm.

"Agriworld-2079"

Im Augenwinkel erkannte er, wie der
Tribun die Stirn in Falten legte und Vaelira es sich gerade so noch verkniff, verächtlich die Nase zu rümpfen.

"Diese Welt gehört zu den wichtigsten Nahrungsproduzenten des republikanischen Hoheitsgebiets im galaktischen Norden. Wenn wir die Siebte Gefechtsflotte bei Agamar vernichten, dann eröffnen sich unserem Militär unzählige Möglichkeiten, die Republik mit einer Blitzstrategie zu überrennen. Ein schwerer Schlag, keine Frage. Aber Flotten lassen sich ersetzen und neues Kanonenfutter findet sich immer."

Seine Finger glitten über die Versorgungsrouten, die sich von der Agrarwelt aus durch große Teile des republikanischen Gebietes zogen.
Vaelira betrachtete die eingeblendeten Daten. Sie schien nun doch etwas interessierter.

"Und deshalb willst du diese Welt erobern?"

Angelus' Mundwinkel hob sich leicht.

"Nein"

Das eine Wort genügte, um ihre Aufmerksamkeit zurück zur Karte zu ziehen. Er ließ Agriworld-2079 noch größer werden und betrachtete die Welt einige Sekunden und fuhr dann dort.

"Ich will diese Welt abschaffen"

Veyrons Augen wurden schmal. Angelus genoss den Augenblick, natürlich. Vaelira richtete sich etwas weiter auf und ihr Blick wechselte zwischen dem adeligen Sith und der Projektion.

"Abschaffen?"

Das wölfische Lächeln auf seinen Lippen wurde schmaler.

"Sterilisieren"

Er vergrößerte die landwirtschaftlich genutzten Regionen.

"Ein dafür bestimmtes Flottenaufgebot arbeitet die produktivsten Landflächen systematisch ab. Felder, Böden, Bewässerungsanlagen, Speicher und Verarbeitungszentren. Ich will diese Regionen nicht beschädigen, nur damit sie ein Jahr später wieder produzieren können. Ich will sie mit konzentriertem Feuer unfruchtbar und unbewohnbar machen."

Diese Worte kamen vollkommen ruhig über seine Lippen, als würde er über irgendeine industrielle Fertigungsmethode sprechen.

"Genug Feuer auf dieselben Gebiete und dort gibt es nichts mehr aufzubauen. Keine nächste Ernte, keinen schnellen Wiederaufbau und keine republikanische Verwaltung, die einfach ein paar beschädigte Anlagen ersetzt. Aus einer Welt, die noch heute einen bedeutenden Teil dieses Raumes ernährt, wird morgen eine Welt, die sich selbst versorgt werden muss."

Vaeliras Mundwinkel zogen sich langsam nach oben.

"Du willst also die Kornkammer des republikanischen Nordens in eine Landschaft aus Obsidian verwandeln?"

Angelus sah sie an und nickte selbstzufrieden. Die
Kriegerin lachte leise und betrachtete die Welt auf der Karte mit neuem Interesse.

"Das ist wirklich widerlich"

Ihr Grinsen wurde jedoch breiter.

"Mir gefällt die Idee"

Angelus nickte ihr gefällig zu, ihr Grinsen im Ansatz erwidernd.
Veyron blieb vollkommen ernst. Sein Blick folgte den eingeblendeten Versorgungswegen.

"Ihr sprecht damit nicht länger über eine Schlacht. Ihr wollt die Versorgung eines ganzen republikanischen Supersektors angreifen und die Bevölkerung bewusst in die Folgen hineinziehen."

Angelus sah ihn an, als hätte der
Tribun lediglich noch einmal ausgesprochen, weshalb der Gedanke ja so gut funktionierte.

"Natürlich. Denn genau dort liegt der Nutzen für uns, Darth Veyron"

Der Ritter genehmigte sich eine bewusste Kunstpause. Den nun würde sein Lieblingsteil beginnen...

[ Bastion – Bastion Center – Diamond District – Dreadhall Mansion – Konferenzraum ]
Darth Angelus, Darth Veyron, Darth Vaelira
 
[ Bastion – Bastion Center – Diamond District – Dreadhall Mansion – Konferenzraum ]
Darth Angelus, Darth Veyron, Darth Vaelira

Der adelige Sith ließ Agriworld-2079 mit einer beiläufigen Handgeste wieder etwas kleiner werden und stattdessen die zahlreichen Versorgungsrouten hervortreten, die sich von der Agrarwelt aus wie ein Geflecht durch den republikanischen Norden zogen. Ithor, Er'Kit, Ketaris und zahlreiche kleinere Systeme erschienen deutlicher. Das waren Welten mit Milliarden Bewohnern, eigenen Kulturen und Geschichten - typische republikanische Diversität. Für Angelus waren es in diesem Moment vor allem Mäuler, die gestopft werden mussten.

"Wenn Agriworld-2079 ausfällt, muss die Republik Nahrung aus anderen Regionen heranschaffen. Sie braucht mehr Frachter, längere Transportwege und mehr Eskorten, um diese Frachter überhaupt sicher ans Ziel zu bringen. Reserven werden aufgebraucht, Preise steigen und irgendwann müssen ihre Regierungen entscheiden, ob sie zuerst ihre Bevölkerung oder die eigenen Streitkräfte versorgen. Zusätzlich ruft eine solche Schwächung die Piraterie im Outer Rim auf den Plan."

Seine Finger glitten weiter über die Karte. Während die republikanischen Versorgungslinien länger wurden, ließ er mehrere imperiale Angriffsachsen aufleuchten.

"Doch für uns ändert ausgesprochen wenig. Das Imperium verfügt über stabile und mannigfaltige Versorgungslinien aus dem Westen und dem Süden. Unsere Flotten werden weiter mit reichlich Treibstoff und Munition versorgt, unsere Armeen bekommen ihre Rationen und wir sind nicht darauf angewiesen, uns aus jenen Gebieten zu ernähren, die wir gerade erobern."

Ein dünnes Lächeln lag auf seinen Lippen.

"Anders als andere weniger pragmatische und dafür mehr ehrbehaftete Mitglieder unseres Zirkels möchte ich keine zwei gleich starken Gegner gegeneinander kämpfen sehen. Ich will perfekt ausgerüstete imperiale Invasionsarmeen auf Welten landen sehen, deren Verteidiger seit Wochen rationieren. Ich will republikanische Regierungen untereinander darüber streiten sehen, welcher Lebensmittelkonvoi zuerst eskortiert wird, während unsere Flotten längst den nächsten Angriff vorbereiten."

Vaelira hatte ihre anfängliche lässige Haltung aufgegeben und betrachtete die Karte mittlerweile mit unverhohlenem Interesse.

"Und wenn diese Welten fallen? Was dann?"

Angelus sah zu ihr und sein Lächeln wurde breiter.

"Dann versorgen wir sie"

Für einen Moment schwieg die junge Sith. Sie grinste nicht, stattdessen spürte Sabar, wie es in ihrem hübschen Köpfchen ratterte.

"Du willst sie erst aushungern und danach so tun, als hätten wir sie gerettet?"

Angelus zuckten leicht die Schultern.

"Wir müssen nicht so tun, denn es wird die Wahrheit sein"

Er ließ eine republikanische Welt auf der Karte die Farbe wechseln. Wenige Augenblicke später erschienen darüber mehrere imperiale Transportsymbole.

"Wochenlang erklären ihre Regierungen den Bürgern, sie müssten nur durchhalten. Die Rationen werden kleiner, die Lager leerer und irgendwelche fetten, republikanischen Politiker schwingen täglich leere Reden. Doch dann erobern wir ihre Welten und wenige Tage später landen imperiale Frachter mit Versorgungsgütern in denselben Raumhäfen."

Seine Stimme klang dabei beinahe angenehm.

"Und plötzlich gibt es wieder Nahrung"

Vaelira lachte leise.

"Das ist fast schon pervers"

"So funktioniert Herrschaft, Vaelira"

Entgegnete Angelus ohne zu zögern.

"Die breite Masse interessiert sich erheblich weniger für Verfassungen, Parlamente und die heuchlerischen Ideale dieser Republik, als ihre Politiker und die verdammten Jedi glauben. Die Menschen wollen Sicherheit, Nahrung und ein funktionierendes Leben. Wenn die Republik ihre Bürger und deren Familien nicht mehr versorgen kann und es stattdessen das Imperium nach der Eroberung innerhalb kürzester Zeit wieder tut, werden aus Besatzern erstaunlich schnell Erlöser."

Sein Blick glitt über die gelb markierten Welten.

"Man muss diese Menschen nicht davon überzeugen, dass das Imperium gut ist. Es genügt ihnen zu zeigen, dass ein Leben unter der Republik schlechter ist - wir sind das verdammte galaktische Imperium und verbreiten Stabilität und Ordnung!"

Vaelira schüttelte amüsiert den Kopf.

"Und vermutlich erwartest du danach noch die Errichtung von Statuen, ja?"

Angelus warf ihr einen Seitenblick zu. Ihr Grinsen wurde breiter. Veyron beteiligte sich nicht an ihrer Belustigung. Der Tribun stand weiterhin mit verschränkten Armen vor der Karte und betrachtete die zahlreichen Versorgungswege. Erst nach einigen Sekunden erhob er wieder seine Stimme.

"Ihr sprecht davon, die imperiale Terrordoktrin auf eine Stufe zu treiben, die die meisten unserer Admirälítät für unnötig halten würden. Eine gesamte Welt zu sterilisieren, um den gesamten Raum auszuhungern, bleibt nicht ohne Antwort. Die Republik wird darauf reagieren und ihre eigenen Grenzen dessen verschieben, was sie für zulässig hält."

Angelus' Gesichtsausdruck wurde nun beinahe verständnislos.

"Welche Grenzen?"

Veyron sah ihn an.

"Das wisst Ihr genau"

Der junge Sith richtete sich etwas auf.

"Jedi sind auf imperialem Boden eingedrungen und haben unseren Imperator Darth Allegious hinterhältig ermordet. Und kaum war sein Leichnam kalt, hat die Republik unsere vermeintliche Schwäche genutzt und Kashyyyk überfallen. Wenn das keine Eskalation ist, weiß ich nicht, worauf wir noch warten sollen."

Sein Ton blieb ruhig, doch die Selbstverständlichkeit darin hatte etwas Endgültiges.

"Sie haben unseren Imperator gemeuchelt und unmittelbar danach versucht, uns Territorium zu entreißen. Für mich haben sie damit jedes Recht verwirkt, sich anschließend über die Härte unserer Antwort zu beklagen."

Angelus legte eine Hand an den Rand des Holotisches.

"Ich will ihnen keine proportionale Antwort geben. Ich will, dass sie bereuen, überhaupt angefangen zu haben. Besonders diese verfluchte Imperatorenmörderin El'Mireth..."

Vaeliras Augen lagen gebannt auf ihm, doch Veyrons Miene blieb hingegen hart:

"Furcht und Schrecken können einen Feind brechen. Sie können ihn aber genauso gut zusammenschweißen"

"Nicht, wenn wir genug Furcht und Schrecken verbreiten"

Die Antwort kam augenblicklich. Angelus lächelte längst nicht mehr.

"Ein einzelnes Massaker erschafft Märtyrer. Eine einzelne verlorene Welt erzeugt Wut. Aber wenn jeder weitere Monat des Krieges weniger Nahrung, mehr verlorene Systeme und die Aussicht auf die nächste verglaste Agrarregion bringt, wird aus Wut irgendwann Erschöpfung."

Seine Finger wanderten langsam durch den republikanischen Einflussraum.

"Ich will nicht, dass sie lernen, uns zu lieben. Ich will erreichen, dass sie irgendwann mehr Angst davor haben, den Krieg fortzusetzen, als davor, sich uns zu unterwerfen."

Das war für Angelus der eigentliche Zweck von Terror. Nicht bloß Leichen zu produzieren. Das konnte beinahe jeder Idiot mit der richtigen Menge schwerer Waffen. Wirkliche Gewalt musste etwas im Kopf des Überlebenden verändern. Sie musste aus Trotz Zweifel machen, aus Zweifel Angst und aus Angst schließlich Gehorsam. Zur Not den Willen eines ganzen Supersektors brechen. Eine Aussicht, die ihm wesentlich besser gefiel als die Eroberung irgendeines einzelnen Planeten. Veyron schwieg einen Moment, bevor er schließlich mit einem Finger gegen die Darstellung von Agriworld-2079 tippte.

"Es gibt nur ein Problem mit Eurer Vorstellung. Ihr habt die Aufgabe offenbar deutlich größer geplant als unsere Mittel. Wir operieren an einer Nebenfront und bekommen dafür ein begrenztes Kontingent. Einen kleinen Verband mit wenigen Großkampfschiffen, dazu vielleicht noch Eskorten und Unterstützungseinheiten. Keine ganze Flotte, mit der Ihr nach Belieben ganze Kontinente in Schutt und Asche legt und entlaubt."

Angelus' Lippen verzogen sich kaum merklich. Da war sie wieder, diese ausgesprochen lästige Eigenschaft der Wirklichkeit, seine Vorstellungen an Befehlsketten und verfügbaren Ressourcen zu knüpfen. Admiräle, Commodores, Flottenkommandos. Menschen, die das Recht besaßen, eine ausgezeichnete Idee abzulehnen, nur weil ihr Rangabzeichen ihnen die entsprechende Befehlsgewalt verlieh. Angelus bedauerte für einen kurzen Moment ernsthaft, dass diese Befehlsgewalt nicht bei ihm lag. Hätte sie dort gelegen, wäre die Diskussion bereits beendet gewesen. Schiffe hätten neue Befehle erhalten und Agriworld-2079 hätte zeitnah aufgehört, ein Problem zu sein. Eines Tages würde er sie nicht mehr überzeugen müssen, dessen war er gewiss. Doch heute sahen die Umstände noch anders aus

"Dann überzeugen wir die Zirkelführung und die das Kommando der Gefechtsflotte, uns mehr Feuerkraft zur Verfügung zu stellen"

Veyron hob eine Braue.

"Ihr sagt das, als würdet ihr auf einem Jawa-Basar um Schrott und Früchte handeln"

Der bullige Vollstrecker ließ den Blick noch einmal über die Karte wandern. Irgendetwas regte sich in ihm, der Krieger konnte es spüren. Er seufzte und just in diesem Augenblick begann Darth Angelus zu spüren, dass seine Saht bereits gelegt war. Die beiden anderen Extinktoren hatten zu viel Gefallen an seinem Plan gefunden, um ihn einfach nur zu verwefen.

"Und wenn das Kommando Euch die nötigen Schiffe trotzdem nicht gibt?"

Angelus zuckte beinahe gleichgültig mit den Schultern.

"Dann dauert es eben länger"

Vaelira begann bereits wieder zu grinsen.

"Das ist deine Lösung?"

Angelus sah zu ihr.

"Mehr Schiffe bedeuten mehr Feuerkraft und damit weniger Zeit, weniger Schiffe bedeuten dagegen eben mehr Zeit. Man beginnt bei den produktivsten Landflächen und arbeitet sich immer weiter vor. Agriworld-2079 ist schließlich ein Planet und kann uns wohl kaum davonlaufen."

Vaelira lachte wieder auf und sein wölfisches Lächeln kehrte zurück. Veyron schnaubte, beteiligte sich jedoch auch diesmal nicht an ihrem Lachen. Stattdessen betrachtete er die hervorgehobene Agrarwelt, dann die davon ausgehenden Versorgungsrouten und schließlich die möglichen imperialen Stoßrichtungen. Sein Gesichtsausdruck hatte sich verändert. Der offene Tadel war verschwunden und an seine Stelle trat jene prüfende Ruhe, die Angelus bereits bei ihrer ersten Begegnung aufgefallen war. Schließlich nickte der Tribun langsam.

"Grausam ist die Idee. Und einige Offiziere werden Euch vermutlich schon für den Vorschlag für vollkommen wahnsinnig halten."

Sein Finger folgte einer der Versorgungsrouten.

"Aber sie ist nicht dumm. Ihr nehmt ihnen eine kritische Versorgungswelt und zwingt die Republik dazu, Transportkapazitäten und Eskorten von anderen Aufgaben abzuziehen und benutzt anschließend unsere eigenen Versorgungslinien, um den militärischen Sieg politisch zu festigen. Wenn die Daten über diese Welt stimmen, kann das mehr bewirken als die Eroberung mehrerer unbedeutender Systeme."

Angelus hob das Kinn ein kleines Stück. Aus Veyrons Mund kam dies beinahe einem Ritterschlag gleich. Der Tribun sah ihn direkt an.

"Offenbar habt Ihr die vergangenen Wochen tatsächlich gründlicher genutzt, als ich dachte. Und dabei habe ich schon befürchtet, Ihr seid schwach geworden, Angelus. Ich habe mich wohl getäuscht"

Angelus' Lächeln wurde augenblicklich selbstzufriedener. Veyron schnaubte erneut, doch diesmal deutlich zurückhaltender und wandte sich schließlich Vaelira zu.

"Gut. Angelus hat zumindest bewiesen, dass hinter seinem Größenwahn noch ein brauchbarer Verstand steckt. Jetzt seid Ihr dran, Darth Vaelira"

Angelus verlagerte seinen Blick auf die junge Kriegerin. Nun würde sich zeigen, ob hinter ihrer großen Klappe tatsächlich etwas steckte, das es wert war, mit seinem Vorschlag verglichen zu werden. Er bezweifelte es...

[ Bastion – Bastion Center – Diamond District – Dreadhall Mansion – Konferenzraum ]
Darth Angelus, Darth Veyron, Darth Vaelira
 
[ Bastion – Bastion Center – Sith-Tempel – Hangar ]
Darth Angelus, Darth Veyron, Darth Vaelira


Die abschließende Besprechung der Octurie hatte erheblich weniger Zeit in Anspruch genommen als jene Zusammenkunft wenige Tage zuvor in Dreadhall. Es gab schließlich auch nicht mehr viel zu besprechen. Die Führung des Zirkels hatte den Vorschlag der drei Sith an das imperiale Oberkommando weitergeleitet und dort hatte man sich tatsächlich dazu entschieden, die Idee weiterzuverfolgen. Der Kampfverband Hammer der Imperatorin würde für die geplante Operation zur Verfügung stehen. Darth Veyron sollte dabei dem führenden Rear Admiral Darius Korran zur Seite gestellt werden, während Angelus und Vaelira jeweils einer der größeren Kampfgruppen zugeteilt wurden. Welcher genau, würde Veyron ihnen auf Ord Mantell mitteillen.

Gemeinsam betraten die drei Sith den Hangar des Tempels, in dem ihre Schiffe bereits für den Abflug vorbereitet wurden.
Vaeliras martialisch anmutendes TIE-Modell stand unweit der geöffneten Hangarschleusen, während einige Plattformen weiter ein wesentlich größerer Decimator auf Veyron wartete. Der Tribun würde die Reise nicht alleine antreten, sondern hatte einen Piloten für das Schiff dabei. Eine Entscheidung, die der Ritter innerlich nur begrüßen konnte. Ein Mann von Rang sollte schließlich wichtigeres zu tun haben, als stundenlang eigenhändig ein Schiff durch den Hyperraum zu steuern und in einem engen, unbequemen Cockpit eingepfercht zu sein. Seine Aufmerksamkeit wanderte dann jedoch zum dritten Schiff und er blieb langsam stehen. Die dunkle Maschine entsprach ganz offensichtlich nicht dem gewöhnlichen Material, das er bisher kannte. Ihre aggressive Silhouette und die schwere Panzerung waren unverkennbar. Eine Fury-Klasse.

"Das ist meiner?“

Veyron blieb neben ihm stehen und folgte seinem Blick.

"Für diesen Einsatz“

Der
Tribun schien es für notwendig zu halten, diesen Zusatz besonders hervorzuheben. Angelus ignorierte ihn bewusst und betrachtete stattdessen weiter den Jäger.

"Der Orden stellt diese Maschinen normalerweise nicht jedem Krieger zur Verfügung. Ich habe dafür gesorgt, dass Ihr eine bekommt.“

Das wölfische Lächeln auf Angelus' Lippen wurde etwas breiter. Offenbar begann
Veyron doch langsam, seinen tatsächlichen Stellenwert innerhalb der Octurie und des gesamten Zirkels zu erkennen.

"Ihr überrascht mich, Tribun"

Veyron warf ihm einen Seitenblick zu.

"Freut Euch nicht zu früh, Angelus - Ihr werdet nämlich selbst fliegen“

Das Lächeln verlor augenblicklich einen Teil seiner Breite.
Vaelira, die sich inzwischen mit gewohnt eleganten Schritten in Richtung ihres eigenen Jägers bewegte, ließ ihre baren Füße beinahe lautlos über den Hangarboden gleiten, ehe sie einen Schwenk zu dem Fury-Klasse Jäger machte. Davor blieb sie einige Meter entfernt stehen, ließ einen gekünstelt beeindruckten Pfeifer los und drehte sich zu den beiden anderen Sith um.

"Versuch wenigstens, die Maschine heil nach Ord Mantell zu bringen. Es wäre wirklich schade um sie."

Angelus ließ den Blick zu ihr wandern und sagte nichts. Die
junge Kriegerin lachte leise und amüsiert und setzte den Weg zu ihrem Jäger fort. Veyron hingegen blieb noch einen Moment neben ihm stehen.

"Der Astromech übernimmt ohnehin den größten Teil. Die Route ist hinterlegt, den Hyperraumsprung berechnet er selbst und sobald wir Ord Mantell erreichen, kann er Euch auch beim Anflug unterstützen. Ihr müsst im Grunde nur verhindern, dass Ihr die Maschine eigenmächtig irgendwo hineinsetzt."

Angelus hob eine Augenbraue.

"Ihr habt also noch immer zu wenig Vertrauen in mich“

Veyron musterte ihn kurz.

"Ich habe Euch auch noch nie fliegen sehen - und wenn ich es richtig verstanden habe, dann hat das noch nie jemand“

Damit ließ der
Tribun ihn stehen und bewegte sich in Richtung des Decimators. Angelus sah ihm einige Sekunden nach. Dass dieser Mann unbedingt jedes Gespräch mit irgendeiner Form von Provokation beenden musste, war eine ausgesprochen unangenehme Angewohnheit. Allerdings hatte Veyron ihm gerade eine Fury organisiert, weshalb der adelige Krieger großzügig genug war, darüber hinwegzusehen. Wenig später saß er selbst im Cockpit des Jägers. Der Innenraum war erwartungsgemäß enger als die jener großräumigeren Schiffe, in denen er sich gewöhnlich durch die Galaxis transportieren ließ, wirkte aber dennoch hochwertig genug, um seinem neuen Besitzer zu gefallen. Mehrere Anzeigen flammten vor ihm auf, während der Astromech hinter seinem Sitz eine Reihe elektronischer Laute von sich gab. Angelus beschloss, dass er garantiert keine Diskussion mit einem Droiden führen würde.

Die Triebwerke der drei Maschinen erwachten beinahe gleichzeitig zum Leben.
Veyrons Decimator hob als erstes von seiner Plattform ab und schob sich langsam in Richtung der Hangarschleusen. Vaeliras wesentlich kleinerer Jäger folgte unmittelbar dahinter. Angelus legte beide Hände an die Kontrollen des Fury und ließ sich von den eingeblendeten Hinweisen des Droiden durch die notwendigen Schritte führen. Er musste zu seiner eigenen Zufriedenheit feststellen, dass es tatsächlich nicht besonders schwierig war. Zumindest solange der Droide den Großteil erledigte.

Veyrons Stimme erklang über den gemeinsamen Kommunikationskanal.

"Wir treffen uns im Bright Jewel System wieder. Die Koordinaten habt Ihr beide. Und versucht bis dahin, nichts Dummes anzustellen"

Vaelira meldete sich beinahe sofort.

"Das war doch eindeutig an Darth Angelus gerichtet“

Der adelige Sith ließ seine Maschine langsam von der Plattform abheben.

"Ich habe schon hochmotorisierte Luxusspeeder gesteuert, als du noch ein Schulmädchen in dem Loch warst, aus dem man dich aus irgendeinem Grund herausgelassen hat"

Ein kurzes Lachen erklang über den Kanal.

"Anaxes, Angelus. Versuch du erst einmal, den Hangar zu verlassen"

Anaxes also... tieferer Kern. Das war interessant. Der Krieger verzog die Lippen und konzentrierte sich wieder auf seine Steuerung. Der Jäger reagierte empfindlicher auf seine Bewegungen, als ihm lieb war und zog für einen kurzen Moment stärker zur Seite als beabsichtigt. Vollkommen fremd war ihm die Handhabung einer schnellen Maschine allerdings nicht. Auf Dubrillion hatte Sabar schon früh gelernt, Speeder zu fliegen und sich dabei als durchaus talentierter Pilot erwiesen. Natürlich war ein Repulsorfahrzeug kein Sternenjäger, aber Geschwindigkeit, das räumliche Gefühl und die Steuerung in ihren Grundzügen waren ihm zumindest vertraut. Nach den ersten etwas unbeholfenen Korrekturen begann er deshalb überraschend schnell zu verstehen, wie empfindlich die Fury auf seine Bewegungen reagierte. Der Astromech quittierte eine etwas zu starke Kurskorrektur dennoch mit einem warnenden Quietschen.

"Sei still!“

Angelus korrigierte den Kurs und folgte den beiden anderen Schiffen schließlich aus dem Hangar hinaus. Unter ihnen breitete sich Bastion Center aus. Die gewaltigen Wolkenkratzer verschwanden zwischen dunklen Wolken, während weiter oben bereits das Schwarz des Weltraums wartete. Der Sith zog die Fury höher und überließ dem Astromech zunehmend die Kontrolle. Vielleicht war Fliegen tatsächlich eine Fähigkeit, die man beherrschen sollte. Besonders kompliziert schien sie jedenfalls nicht zu sein, zumindest nicht dann, wenn ein Droide beinahe alles erledigte.
Bastion wurde hinter ihnen zunehmend kleiner. Wenig später erreichten die drei Schiffe den vorgesehenen Sprungpunkt.
Veyrons Decimator richtete sich als erstes aus.

"Wir sehen uns auf Ord Mantell“

Angelus überprüfte die angezeigten Koordinaten und warf einen Blick auf
Vaeliras Jäger, der wenige Kilometer entfernt im Raum schwebte. Er hasste es, dass sie darin um so viel besser war als er selbst. Nicht einmal er konnte sich irgendetwas anderes einreden. Dann verschwanden die Sterne vor ihrem Schiff in langgezogenen Linien und der TIE sprang in den Hyperraum. Veyrons Decimator folgte nur wenige Augenblicke später. Angelus blieb allein zurück und betrachtete die entsprechenden Anzeigen vor sich. Der Astromech bestätigte den berechneten Kurs. Einige Tage zuvor hatte er noch in seinem Anwesen gestanden und über eine Welt gesprochen, deren Existenz er für die Republik beenden wollte. Nun war das Oberkommando bereit, ihnen einige Kriegsschiffe dafür zu geben. Der Gedanke ließ das wölfische Lächeln auf seine Lippen zurückkehren.

"Du hast den Tribun gehört, Droide. Bring uns nach Ord Mantell“

Der Astromech bestätigte und führte den Krieger zur Aktivierung des Hyperraumantriebs. Dann wurden Sterne zu weißen Linien und Bastion verschwand.



Die Reise zog sich länger hin, als Angelus lieb war. Nachdem die ersten Versuche, sich etwas ausführlicher mit den Kontrollen der Fury auseinanderzusetzen, seinen Reiz verloren hatten, überließ er die Steuerung vollständig dem Astromech und widmete sich stattdessen den aktuellen Operationsdaten. Immer wieder erschien Agriworld-2079 auf einem der Displays. Produktionsgebiete, Raumhäfen, Transportverbindungen, Lagerkomplexe, Bevölkerungszentren. Noch war die Welt intakt.

Dass sich die Führung des Zirkels tatsächlich hinter ihren Vorschlag gestellt hatte, gefiel ihm mit zunehmender Dauer der Reise immer besser.
Veyron mochte die militärische Vernunft dahinter erkannt haben, aber der ursprüngliche Gedanke war Angelus' Verstand entsprungen. Nun hatte das imperiale Oberkommando Kriegsschiffe bereitgestellt und Offiziere planten bereits damit, ihn umzusetzen. Vielleicht war es genau das, was Macht letztlich ausmachte. Nicht bloß selbst jemanden töten zu können, sondern Tausende andere dazu bringen zu können, nach den eigenen Vorstellungen zu handeln. Der adelige Sith lehnte sich etwas zurück. Ja, dieser Gedanke gefiel ihm ausgesprochen gut.

Ein Signalton unterbrach seine Gedanken. Mehrere Anzeigen veränderten sich gleichzeitig und der Astromech gab eine kurze Meldung von sich. Der Austritt aus dem Hyperraum stand unmittelbar bevor. Angelus richtete sich wieder auf und zog seine Handschuhe zurecht. Der Droide begann bereits damit, die Systeme für den Wiedereintritt in den Normalraum vorzubereiten.


"Den Anflug übernehme ich“

Eine skeptisch klingende Tonfolge folgte und der Sith verengte die Augen.

"...mit deiner Unterstützung“

Der Astromech schien damit wieder beruhigt. Vor ihm lief der Countdown herunter. Angelus legte eine Hand um die Steuerung und beobachtete die letzten Sekunden. Dann war es soweit. Die hellen Linien des Hyperraums brachen zusammen und verwandelten sich wieder in einzelne Sterne. Vor ihm öffnete sich das Bright Jewel System. Angelus ließ den Blick über die Sensoranzeigen wandern, während sich bereits erste Navigationsdaten auf seinem Display sammelten. Ord Mantell lag direkt vor ihm.
Wenig später erschienen auch Veyrons Decimator und Vaeliras TIE auf den Sensoren. Die drei Maschinen fanden sich wieder zusammen und nahmen in lockerer Formation Kurs auf den Planeten.


[ Mittler Rand – Bright Jewel Sektor – Bright Jewel System – im Anflug auf Ord Mantell – Fury-Klasse Sternjäger ]
Darth Angelus

Weiter auf Ord Mantell
 
Bastion | Imperium | Bastion Center | Sith-Tempel | Zirkel der Alchemisten | Sedros

Die letzten Stunden hatten sich als überaus frustrierend herausgestellt. Lange hatte der reinblütige Sith darauf hingearbeitet die Position im Sith-Orden auszufüllen, die er nun inne hatte, nur um jetzt festzustellen, dass er nur sehr wenig von dem verstand, was in den Folianten, Schriftrollen und digitalen Aufzeichnungen des Zirkels der Alchemisten zu finden war. Darth Lisak hatte darauf hingewiesen, dass es Jahre, wenn nicht Jahrzehnte brauchen würde, bis Sedros im Zirkel aufsteigen konnte und nach einer ersten Sichtung beschlich den reinblütigen Sith das Gefühl, dass das nicht nur so dahin gesagt worden war. Ihm fehlte ein Grundbasis, um sich das sitchalchemistische Wissen, das ihm nun zugänglich war, sich auch tatsächlich zu erschließen und anzueignen. Hilfe dafür wollte und konnte er dafür nicht erwarten, also musste er sich selbst helfen. Der Sith-Orden hatte zum Glück geradezu unermessliche Ressourcen zur Verfügung und auch wenn einem Sith-Krieger ein Großteil davon nicht so ohne weiteres zugänglich war, so gab es doch einiges, auf das Sedros nun eben doch zugreifen konnte.

Dazu gehörten nicht zuletzt erhebliche Geldmittel und Zugangsprivilegien auf fast allen Ebenen der öffentlichen Verwaltung und weiten Teilen der Privatwirtschaft, auf die
Sedros zugreifen konnte, so lange er nur belegte, dass ihre Nutzung sich mit Ordensinteressen deckte. Nach einigen Stunden Recherche fand der reinblütige Sith heraus, dass für einen Novizen des Zirkels der Alchemisten dazugehörte, für seine Forschungsprojekte Ressourcen anzufordern. Sedros war dereinst in Armut in der Gosse der Hauptstadt Thules, Hurom, aufgewachsen und daher wurde ihm fast schwindelig, als er endlich verstand, mit welchen Summen hier teilweise hantiert wurde. Es fiel schwer, so wirklich zu begreifen, was für die Sith scheinbar als alltäglich galt und er hatte tatsächlich einen langen Moment lang so seine Mühen damit, tatsächlich auf einen Teil dessen zuzugreifen, was ihm als Sith-Krieger zugestanden wurde. Nach dem Schockmoment gingen dem reinblütigen Sith alle Skrupel ab.

Sedros musste sich mehr Wissen aneignen, das war aber natürlich nicht genug. Er benötigte auch die damit einhergehenden Nachweise, wenn er sich mehr Ressourcen erarbeiten wollte, als seine monatliche, vom Sith-Orden zur Verfügung gestellte Beihilfe hergab. Dafür brauchte es ein Studium der Molekularbiologie mit anerkanntem Abschluss. Kein kurzfristig erreichbares Ziel, aber gerade deswegen kein weniger wichtiges. Es würde Jahre dauern, das Studium abzuschließen. Sedros würde es vielleicht nicht einmal in der Regelstudienzeit schaffen, denn seine Aufgaben im Sith-Orden würden ihm mehr als wahrscheinlich nicht erlauben, als gewöhnlicher Vollzeitstudent jeden Tag auf dem Universitätscampus zu verbringen. Gerade deswegen entschied er, die nötigen Arrangements so schnell wie möglich zu treffen. Der Sith-Orden arbeitete mit einer Reihe von äußerst diskreten Anwaltskanzleien und Vermittlungsbüros genau für solche Anlässe zusammen und so war es erstaunlich simpel, die nötigen Arrangements in die Wege zu leiten.

Zunächst einmal natürlich ein Stipendium an der Eliteuniversität von Bastion Center. Für den einfachen, selbst den wohlhabenden und einflussreichen Imperiumsbürger war es fast unmöglich hier einen Studienplatz zu bekommen. Für den Sith-Orden war es allerdings ein Leichtes.
Sedros wurde noch empfohlen, eine einfache Wohnung in Campusnähe zu mieten. Der reinblütige Sith hatte daran überhaupt nicht gedacht. Darauf angesprochen verstand er aber nur zu gut, dass es über kurz oder lang Fragen aufwerfen würde, wenn er jeden Tag in den Sith-Tempel zurückkehrte. Ein Zimmer in einer studentischen Wohngemeinschaft zu mieten, kam naturgemäß aus denselben Gründen genauso wenig in Frage. Sedros überließ die Details den Experten und nickte auch lediglich den Hinweis ab, dass seine aktenkundige Vita ihn eigentlich nicht für ein Studium hier auf Bastion qualifizierte. Das wusste er selbst und sah diesen simplen Fakt auch nicht als Schwäche an. Die Anwälte würden dafür sorgen, dass seine Akten bei den Behörden versiegelt wurden. Den Ressourcen des Sith-Ordens sei Dank, würde es in Kürze gar nicht so einfach werden, Hintergrundinformationen über Sedros herauszufinden. Alles in allem war er mehr als zufrieden mit seinem Gespräch mit den Mittlern und Anwälten. Er zweifelte nicht daran, dass heute gemachte Versprechen eingehalten wurden, denn er konnte sich nur zu gut vorstellen, dass diese Leute sehr genug wussten, was so mancher Sith als Belohnung für ein Versagen ausgab.

Als
Sedros endlich mit allem fertig war, war es schon spät in der Nacht. also ging er ohne Umschweife zu Bett, ohne Darel noch einmal zu sich zu rufen. Am folgenden Morgen aber schickte der reinblütige Sith seinem Schüler in aller Frühe eine kurze Nachricht, nachdem er einen Trainingsraum reserviert hatte. >>Komm in den Trainingsraum, in dem wir uns kennen gelernt haben.<< Anschließend machte Sedros sich selbst auf den Weg dorthin, um auf seinen Schüler zu warten und die Zeit für eine simple Meditationsübung zu nutzen. Als Darel schließlich eintraf, erhob sich der reinblütige Sith weder noch öffnete er auch nur die Augen. “Guten Morgen mein Schüler. Hast du deine freie Zeit genossen? Ich hoffe, du hast neue Kraft getankt, denn es liegt viel vor uns.” Sedros war wahrlich gespannt auf Darels Antwort. Hatte sein Schüler die Zeit nutzbringend verbracht oder sie leichtfertig vergeudet?

Bastion | Imperium | Bastion Center | Sith-Tempel - Domäne der Wissenden - Trainingsraum | Sedros und Darel
 
Bastion | Imperium | Bastion Center | Sith-Tempel | In der nähe des Arthious-Boulevard | Darel


Je weiter sich Darel vom Sith-Tempel entfernte, desto deutlicher veränderte sich die Umgebung um ihn herum, bis die schweren Mauern und weitläufigen Hallen des Ordens schließlich hinter den Gebäuden der Hauptstadt verschwanden und an ihre Stelle jenes geschäftige Leben trat, das er während seiner bisherigen Zeit auf Bastion kaum näher kennengelernt hatte.

Zwar hatte er die Hauptstadt bereits zwei durchquert und auf den Fahrten zwischen Raumhafen und Tempel bereits etwas von ihr gesehen, doch bislang war Bastion für ihn meistens eine Kulisse geblieben, die hinter den Scheiben eines Gleiters vorbeigezogen war, während sein eigentliches Ziel stets an einem anderen Ort gelegen hatte. Nun gab es erstmals keinen Meister, dem er folgen musste, keinen Termin, den es einzuhalten galt, und auch keinen konkreten Auftrag, der bestimmte, wohin er seine Schritte zu lenken hatte.

Gerade deshalb ließ sich Darel zunächst treiben und folgte einer der breiteren Verkehrsachsen, die vom Umfeld des Tempels tiefer in die Hauptstadt führten. Die Unterschiede zu den abgeschlossenen Bereichen des Sith-Ordens waren kaum zu übersehen. In der nähe des Boulevards, zwischen den hohen Gebäuden bewegten sich zahllose Menschen und vereinzelt Angehörige verschiedenster Humanoider Aliens, Geschäfte und Lokale säumten die unteren Ebenen der Häuser, während einige Stockwerke darüber Fußgängerbrücken verschiedene Gebäudekomplexe miteinander verbanden und noch weiter oben ein beinahe ununterbrochener Strom ziviler Gleiter durch die vorgesehenen Verkehrskorridore zog.


Uniformierte Imperiale gehörten ebenso selbstverständlich zum Straßenbild wie Verwaltungsangestellte, Händler, Studenten oder Arbeiter, und je länger Darel durch die Straßen ging, desto stärker entstand bei ihm der Eindruck, zum ersten Mal tatsächlich etwas von jener Welt zu sehen, deren Mittelpunkt Bastion darstellte.

Dabei fiel ihm auf, wie wenig der Krieg selbst hier im alltäglichen Leben sichtbar zu sein schien. Natürlich begegnete er immer wieder Angehörigen des Militärs und auf mehreren öffentlichen Informationsflächen liefen Nachrichten oder Verlautbarungen der imperialen Verwaltung, doch die meisten Menschen gingen ihren Angelegenheiten mit derselben Selbstverständlichkeit nach, mit der sie es vermutlich bereits Wochen zuvor getan hatten. Geschäfte waren geöffnet, Restaurants und Cafés gut besucht und vor einigen größeren Gebäuden standen kleine Gruppen miteinander im Gespräch, während andernorts Lieferdroiden Waren entluden oder Angestellte hastig zwischen zwei Terminen unterwegs waren. Für Darel war dieser Gegensatz durchaus bemerkenswert, nachdem er die vergangenen Tage auf einem Mond verbracht hatte, auf dem bereits ein unachtsamer Schritt in die falsche Richtung darüber entscheiden konnte, ob man wenige Minuten später selbst zur Mahlzeit irgendeines Raubtiers wurde.

Anfangs beschränkte er sich darauf, seine Umgebung zu beobachten, doch schon bald erinnerte ihn die Vielzahl der Personen um ihn herum wieder an den eigentlichen Grund, weshalb er den Tempel überhaupt verlassen hatte.

Sedros hatte ausdrücklich davon gesprochen, dass es schwieriger war, einen leblosen Gegenstand in der Macht wahrzunehmen als ein Lebewesen, und wenn diese Aussage zutraf, dann konnte Darel sich kaum einen geeigneteren Ort für einen Versuch vorstellen als eine Straße, auf der sich innerhalb weniger Minuten mehr Lebewesen an ihm vorbeibewegten, als ihm auf Dxun während ihres gesamten Aufenthaltes begegnet waren.

Er verlangsamte seine Schritte und versuchte zunächst, jene Wahrnehmung wiederzufinden, die ihm während der Kämpfe gegen die Bomas und Cannoks zumindest für einzelne Augenblicke beinahe selbstverständlich erschienen war. Sehr schnell stellte sich allerdings heraus, dass die Aufgabe unter diesen Umständen eine vollkommen andere Schwierigkeit besaß. Auf Dxun hatte es nur wenige unmittelbare Gefahren gegeben, auf die sich seine Aufmerksamkeit konzentrieren musste, während ihn hier gleichzeitig Stimmen, Schritte, Motorengeräusche, Werbeanzeigen, Gespräche und die Bewegungen hunderter Personen umgaben. Sobald Darel glaubte, sich auf eine bestimmte Präsenz konzentrieren zu können, lief jemand zwischen ihnen hindurch oder ein anderer Eindruck drängte sich in den Vordergrund, sodass nach wenigen Minuten von der anfänglichen Zuversicht kaum noch etwas übrig geblieben war.

Trotzdem gab er den Versuch nicht auf, sondern begann vielmehr darüber nachzudenken, ob bereits seine Herangehensweise falsch war. Vielleicht bestand sein Fehler darin, unbedingt einzelne Personen erkennen zu wollen, obwohl er noch nicht einmal gelernt hatte, die Gesamtheit dessen wahrzunehmen, was ihn umgab. Sedros hatte ihm schließlich nicht gesagt, dass er sofort jedes Lebewesen in seiner Umgebung wie einen leuchtenden Punkt in einer Karte erkennen würde. Er hatte lediglich erklärt, dass alles durch die Macht miteinander verbunden war und Darel lernen musste, diese Verbindung überhaupt wahrzunehmen.



Mit diesem Gedanken im Hinterkopf suchte er sich schließlich einen ruhigeren Ort, von dem aus er dennoch genügend Menschen in seiner Umgebung haben würde. Einige Straßen weiter entdeckte er eine öffentlich zugängliche, begrünte Terrasse, die zwischen mehreren größeren Gebäudekomplexen angelegt worden war und mit Bäumen, niedrigen Sträuchern sowie einigen Sitzgelegenheiten einen auffälligen Gegensatz zu den ansonsten von Stein, Metall und Glas dominierten Straßenzügen bildete. Der Platz lag mehrere Ebenen oberhalb einer der Hauptverkehrsachsen und bot zwischen den Gebäuden hindurch einen erstaunlich weiten Blick über Teile der Hauptstadt, weshalb Darel zunächst einige Zeit am Rand der Terrasse stehen blieb und die Aussicht betrachtete.

Von hier oben wirkte Bastion beinahe noch gewaltiger. Gebäude reihten sich bis weit in die Ferne aneinander, dazwischen erhoben sich immer wieder größere Verwaltungs- und Regierungskomplexe über die umliegenden Viertel, während sich die Verkehrsströme auf mehreren Ebenen durch das Stadtbild zogen und irgendwo zwischen all dem der Sith-Tempel lag, den Darel inzwischen bereits beinahe selbstverständlich als sein Zuhause betrachtete. Der Gedanke daran fühlte sich noch immer etwas merkwürdig an.

Vor nicht allzu langer Zeit hatte sein Leben vollkommen anders ausgesehen, während er nun mit einem Lichtschwert unter seiner Kleidung auf einer Terrasse in Bastion stand und darüber nachdachte, wie er lernen konnte, andere Lebewesen durch ein Energiefeld wahrzunehmen, dessen Existenz ihm früher zwar bekannt gewesen war, dessen tatsächliche Bedeutung er aber niemals verstanden hatte.

Darel suchte sich schließlich eine etwas abgelegene Sitzgelegenheit unter einem der Bäume und schloss die Augen, ohne dabei eine klassische Meditationshaltung einzunehmen, die unnötige Aufmerksamkeit auf ihn gezogen hätte, da ja dennoch immer Personen an ihm vorbeikamen.

Stattdessen lehnte er sich zurück, legte die Hände locker auf seine Oberschenkel und versuchte zunächst lediglich, zur Ruhe zu kommen, während die Geräusche der Stadt weiterhin von allen Seiten auf ihn einwirkten. Anders als im abgeschlossenen Trainingsraum konnte er sie nicht vollständig ausblenden, weshalb er nach einiger Zeit aufhörte, genau das zu versuchen, und sie stattdessen als Teil seiner Umgebung akzeptierte.

Er wusste nicht, wie lange er dort saß, bevor sich seine Wahrnehmung allmählich zu verändern begann. Vielleicht waren lediglich einige Minuten vergangen, vielleicht erheblich mehr, doch irgendwann bemerkte Darel, dass er nicht länger bewusst jedem Geräusch folgte und trotzdem ein erstaunlich klares Gefühl dafür besaß, dass sich Menschen in seiner unmittelbaren Umgebung bewegten. Noch konnte er nicht unterscheiden, wer sie waren oder wie viele Personen sich tatsächlich dort befanden, und vermutlich hätte er nicht einmal sicher erklären können, ob er sie wirklich durch die Macht wahrnahm oder sein Unterbewusstsein lediglich die unzähligen Geräusche der Umgebung verarbeitete, doch gerade diese Unsicherheit weckte seinen Ehrgeiz.

Er konzentrierte sich stärker auf jenes schwer greifbare Gefühl, ohne es erzwingen zu wollen, und versuchte dabei an Sedros' Worte über den kleinen Stein zurückzudenken. Nicht sehen, nicht hören und möglichst auch nicht darüber nachdenken, wo jemand sein musste, sondern die Verbindung suchen, von der sein Meister gesprochen hatte.
Darel konnte konnte nicht erklären, was genau er wahrnahm. Es war weder ein Geräusch noch ein Bild und schon gar keine Stimme in seinem Kopf, sondern vielmehr das kaum greifbare Gefühl, dass sich etwas innerhalb seiner unmittelbaren Umgebung verändert hatte. Bevor er darüber nachdenken konnte, öffnete er die Augen und wandte den Kopf leicht zur Seite, gerade rechtzeitig, um einen älteren Mann zu sehen, der einige Meter hinter seiner Sitzgelegenheit vorbeiging und seinen Weg über die Terrasse fortsetzte.

Für einige Augenblicke sah Darel ihm nach. Das konnte Zufall gewesen sein.

Wahrscheinlich war es sogar Zufall gewesen, und genau deshalb widerstand er der Versuchung, aus einem einzigen Erlebnis bereits einen Erfolg zu machen. Stattdessen schloss er erneut die Augen und versuchte dasselbe noch einmal, wobei die folgenden Minuten zunächst überhaupt kein Ergebnis brachten. Mehrfach glaubte er, eine Bewegung oder Präsenz wahrzunehmen, nur um beim Öffnen der Augen festzustellen, dass sich an der vermuteten Stelle niemand befand, während er andere Personen wiederum überhaupt nicht bemerkt hatte, obwohl sie beinahe unmittelbar an ihm vorbeigegangen waren.

Gerade diese Fehlschläge machten den vorherigen Augenblick allerdings interessanter.

Darel blieb beinahe eine weitere Stunde auf der Terrasse und wiederholte die Übung so lange, bis die Konzentration zunehmend anstrengend wurde. Am Ende konnte er noch immer keine Personen zuverlässig in der Macht erkennen, doch einige wenige Male entstand erneut dieses undeutliche Gefühl, dass sich etwas in seiner Umgebung befand, bevor seine gewöhnlichen Sinne ihm bestätigten, dass tatsächlich jemand dort war. Mehr hatte er für seinen ersten Versuch ohnehin nicht erwartet, und als er schließlich die Augen öffnete, fühlte er sich trotz der bescheidenen Ergebnisse erheblich zufriedener als nach seinen Versuchen mit dem Stein.

Während er sich erhob und langsam die Terrasse verließ, begann er bereits darüber nachzudenken, ob beide Übungen vielleicht unmittelbar miteinander verbunden werden konnten. Wenn es ihm leichter fiel, ein Lebewesen wahrzunehmen, könnte er versuchen, sich zunächst diese Empfindung einzuprägen und anschließend herauszufinden, worin genau der Unterschied zu einem leblosen Gegenstand bestand. Vielleicht lag gerade darin ein Weg, um Sedros' Aufgabe besser zu verstehen, auch wenn Darel gleichzeitig bewusst war, dass sein Meister vermutlich wenig begeistert wäre, wenn er bei ihrer nächsten Begegnung lediglich eine komplizierte Theorie präsentierte, ohne auch nur einen Stein bewegt zu haben.



Seine Gedanken wurden unterbrochen, als er beim Verlassen der Terrasse beinahe mit einem Mann zusammenstieß, der aus entgegengesetzter Richtung kam und offensichtlich erheblich weniger darauf bedacht war, anderen Personen auszuweichen. Der Fremde stoppte erst unmittelbar vor ihm und musterte Darel mit jener selbstverständlichen Verärgerung, die bereits erkennen ließ, dass er die Schuld für den beinahe erfolgten Zusammenstoß keineswegs bei sich selbst suchte.

„Kannst du nicht aufpassen, Junge?“
Darel hob leicht eine Augenbraue, während sich beinahe automatisch die Antwort in seinem Kopf formte, die er über viele Jahre hinweg vermutlich gegeben hätte. Eine knappe Entschuldigung hätte die Angelegenheit beendet, selbst wenn er ziemlich sicher war, dass nicht er es gewesen war, der achtlos durch die Menge gelaufen war. Es wäre vernünftig gewesen, höflich und vor allem vollkommen belanglos, weshalb sich seine Lippen bereits öffneten, ehe ihm ausgerechnet die Worte seines Meisters wieder in den Sinn kamen.

Wie oft hatte er genau das getan?
Ärger hinuntergeschluckt, eine Bemerkung für sich behalten oder nachgegeben, weil es einfacher gewesen war, die eigene Reaktion vollständig zu kontrollieren, als sich mit den möglichen Folgen auseinanderzusetzen. Seine Eltern hatten großen Wert auf genau diese Form der Beherrschung gelegt, während Sedros ihm erst vor wenigen Stunden erklärt hatte, dass er seinen Instinkten mehr vertrauen und aufhören musste, jede aufkommende Emotion sofort wieder unter Kontrolle bringen zu wollen.

Die bereits vorbereitete Entschuldigung blieb deshalb unausgesprochen.
Darel betrachtete den Mann stattdessen einige Augenblicke schweigend und bemerkte dabei sehr bewusst die Gereiztheit, die sich in ihm ausbreitete. Sie war zunächst kaum mehr als ein unangenehmes Ziehen gewesen, hervorgerufen durch eine vollkommen belanglose Begegnung, doch je länger er dem Fremden gegenüberstand, desto stärker störte ihn dessen selbstverständliche Erwartung, dass ausgerechnet er zurückweichen sollte.

„Ich glaube, Ihr wart derjenige, der nicht aufgepasst hat“, erwiderte Darel schließlich ruhig.

Der Mann schien mit dieser Antwort nicht gerechnet zu haben. Sein Gesichtsausdruck verhärtete sich, ehe er einen Schritt näher kam und Darel mit der Hand gegen die Schulter stieß. „Dann lern vielleicht trotzdem, aus dem Weg zu gehen Junge .“
Der Stoß war weder besonders kräftig noch gefährlich, doch er genügte.

Darel spürte, wie der Ärger beinahe augenblicklich stärker wurde, und dieses Mal unternahm er keinen Versuch, ihn sofort wieder zurückzudrängen. Stattdessen ließ er das Gefühl bestehen und beobachtete für einen winzigen Augenblick beinahe fasziniert, wie sich gleichzeitig auch jene schwer greifbare Wahrnehmung veränderte, nach der er während der vergangenen Stunde so angestrengt gesucht hatte. Der Mann vor ihm war plötzlich nicht mehr lediglich eine Gestalt, die er mit seinen Augen sah. Für einen kurzen Augenblick glaubte Darel, dessen Präsenz auf eine andere, wesentlich unmittelbarere Weise wahrzunehmen, und noch bevor er bewusst darüber nachdenken konnte, was er eigentlich tat, folgte er diesem Gefühl.

Seine rechte Hand bewegte sich kaum merklich nach vorne. Der kleine Machtstoß traf den Fremden vollkommen unvorbereitet.
Mit einem erschrockenen Laut wurde der Mann ein paar Schritte nach hinten geworfen, verlor das Gleichgewicht und landete unsanft auf dem Boden, während einige Passanten in unmittelbarer Umgebung stehen blieben oder hastig Abstand nahmen. Darel selbst verharrte einen Augenblick vollkommen ruhig und betrachtete zunächst seine eigene Hand, ehe sein Blick wieder zu dem Mann wanderte.

Es hatte funktioniert. Nicht besonders elegant und vermutlich auch nicht mit jener kontrollierten Präzision, die Sedros von ihm irgendwann erwarten würde, doch daran bestand kein Zweifel. Zum ersten Mal hatte er die Macht nicht während einer Meditationsübung gesucht oder angestrengt versucht, irgendeinen kleinen Stein zu bewegen. Er hatte sich geärgert, seinem Instinkt nachgegeben und die Macht hatte beinahe selbstverständlich darauf reagiert.

Der Fremde hatte sich inzwischen halb aufgerichtet und starrte Darel mit einer Mischung aus Wut und plötzlich aufkommender Unsicherheit an. Sein Blick wanderte für einen Moment über dessen Kleidung und blieb schließlich an dem Lichtschwert hängen, das Darel bei sich trug und gerade hervorblitze.

Die Wut verschwand bemerkenswert schnell aus seinem Gesicht und wich Unsicherheit uns Angst.
Darel bemerkte diese Veränderung sofort und empfand dabei etwas, das ihm selbst noch vor wenigen Wochen wahrscheinlich unangenehm gewesen wäre. Der Mann hatte ihn eben noch herumgestoßen und behandelt, als könnte er sich jede Respektlosigkeit erlauben, während nun ein einziger Blick genügte, um aus der vorherigen Überheblichkeit sichtbare Angst werden zu lassen.
Und Darel musste feststellen, dass ihm dieses Gefühl gefiel.
Er trat einen einzelnen Schritt auf den Fremden zu, blickte ihn grimmig an ohne die Stimme zu erheben.
„Verschwinde.“

Mehr brauchte es nicht.
Der Mann kam hastig wieder auf die Beine, warf Darel noch einen letzten unsicheren Blick zu und entfernte sich anschließend erheblich schneller, als er gekommen war. Auch die wenigen Passanten, die stehen geblieben waren, verloren auffällig rasch das Interesse an dem Vorfall, sodass sich das alltägliche Treiben bereits wenige Augenblicke später wieder um ihn herum schloss.

Darel blieb noch einen Moment an derselben Stelle stehen und bemerkte erst jetzt, dass der Ärger beinahe vollständig verschwunden war. An seine Stelle war eine eigentümliche Ruhe getreten, begleitet von jener unterschwelligen Zufriedenheit, die weniger daraus entstand, den Fremden zu Boden geworfen zu haben, als aus der Erkenntnis, dass er die Macht für einen kurzen Augenblick vollkommen anders erlebt hatte als während seiner bisherigen Übungen.

Vielleicht war genau das der Punkt gewesen, den Sedros ihm hatte vermitteln wollen.

Nicht, dass er jedem Gefühl blind folgen sollte, denn selbst Darel erkannte, wie schnell eine solche Haltung lächerlich und gefährlich werden konnte. Aber ebenso wenig durfte er jeden Impuls sofort unterdrücken, nur weil er unangenehm, unhöflich oder gesellschaftlich unerwünscht war. Für diesen einen Augenblick hatte er seinen Ärger zugelassen, ihn genutzt und ihm eine Richtung gegeben, anstatt ihn einfach wieder verschwinden zu lassen.

Während Darel seinen Weg schließlich fortsetzte, musste er unwillkürlich an das Bild der Quelle denken, mit dem er seinem Meister erst wenige Stunden zuvor seine Vorstellung erklärt hatte. Vielleicht hatte er gerade zum ersten Mal tatsächlich ein wenig Wasser durch das Flussbett gelassen.Dass ihm das Ergebnis dabei deutlich besser gefallen hatte, als es vermutlich sollte, beschäftigte ihn allerdings noch eine ganze Weile.



Sein nächstes Ziel ergab sich eher zufällig. In einer der angrenzenden Straßen entdeckte Darel zwischen mehreren Geschäften eine Buchhandlung, deren Auslage neben gewöhnlicher Literatur auch historische Werke, Biografien und einige wissenschaftliche Veröffentlichungen enthielt.
Hier fand er mehrere Werke, die zumindest Teile seiner Fragen berührten. Eines beschäftigte sich mit archäologischen Expeditionen in historisch bedeutende Regionen des Onderon-Systems, während ein anderes verschiedene Grab- und Monumentalbauten früherer dunkler Orden behandelte, ohne dabei speziell jene Anlage zu erwähnen, die Darel und Sedros besucht hatten. Gerade deshalb entschied er sich schließlich für beide.

Mit den beiden Werken auf seinem Datapad und einer zusätzlichen gedruckten Ausgabe unter dem Arm setzte Darel seinen Weg fort, bis ihm irgendwann auffiel, dass seit seiner letzten Mahlzeit inzwischen beträchtliche Zeit vergangen war somit würde er in den Tempel Zurückkehren, sich eine Mahlzeit holen und noch etwas trainieren bevor er heute mal früher schlafen gehen wollte um morgen wieder ausgeruht zu sein.


Als die gewaltigen Mauern des Sith-Tempels schließlich wieder vor ihm lagen, war der Tag bereits weit fortgeschritten. Als Darel nach dem Essen in sein Quartier zurückkehrte, legte er seine Neuerwerbungen auf dem Schreibtisch ab und blieb einige Augenblicke vor dem kleinen Stein von Dxun stehen, der noch immer genau dort lag, wo er ihn am Nachmittag zurückgelassen hatte.
Eigentlich hatte er für heute genug getan.
Dennoch entscheid er sich noch für ein kurzes Training und es noch einmal mit dem Stein zu verscuhen.

Nach einer kurzen Trainingseinheit, die diesmal weniger auf Kraft als auf Beweglichkeit, Rumpfstabilität und ausgiebiges Dehnen ausgerichtet war, setzte sich Darel frisch geduscht erneut vor den Schreibtisch und legte den Stein mit etwas Abstand vor sich ab. Die Übungen in der Stadt hatten seine Vorstellung zumindest etwas beeinflusst, wonach er eigentlich suchen musste, weshalb er diesmal nicht versuchte, den Gegenstand sofort zu bewegen. Stattdessen erinnerte er sich zunächst an jene schwachen Eindrücke der Menschen auf der Terrasse und versuchte anschließend herauszufinden, wie sich die Abwesenheit von Leben innerhalb der Macht davon unterschied.

Lange geschah überhaupt nichts.
Darel blieb dennoch sitzen und versuchte immer wieder, seine Aufmerksamkeit auf den Stein zu richten, ohne dabei lediglich an dessen sichtbare Form zu denken. Irgendwann meinte er erneut, jene kaum greifbare Verbindung zu erahnen, die ihm bereits während des Fluges Schwierigkeiten bereitet hatte, doch sobald er bewusst danach griff und versuchte, ihr seinen Willen aufzuzwingen, verlor sich das Gefühl wieder.

Mehrmals wiederholte sich derselbe Ablauf, bis Darel schließlich die Augen öffnete und den Stein mit leicht zusammengezogenen Brauen betrachtete.
Er lag noch immer an derselben Stelle. Zumindest glaubte Darel das.

Nachdem er einige Augenblicke genauer hinsah, war er sich plötzlich nicht mehr vollkommen sicher, ob sich das kleine Gesteinsstück nicht vielleicht doch um einen Zentimeter bewegt hatte. Ebenso gut konnte er es allerdings selbst beim Ablegen etwas anders positioniert haben, weshalb er sich weigerte, einen Erfolg zu verbuchen, den er nicht eindeutig beweisen konnte. Trotzdem prägte er sich die genaue Lage diesmal bewusst ein, bevor er den Versuch noch einige Male wiederholte.

Der Stein erhob sich an diesem Abend nicht.
Doch Darel hatte zunehmend das Gefühl, dass dies irgendwann geschehen würde.
Als er die Übung schließlich beendete, war es bereits spät geworden und die Müdigkeit des Tages machte sich inzwischen deutlich bemerkbar. Er verbrachte noch einige Zeit mit einem der Werke über Dxun, markierte mehrere Abschnitte über alte Grabkomplexe und notierte sich einige Begriffe, denen er bei Gelegenheit in den Archiven des Tempels weiter nachgehen wollte, bevor er das Datapad schließlich zur Seite legte.

Rückblickend war sein freier Tag vollkommen anders verlaufen, als er es noch am Morgen erwartet hätte. Er hatte weder etwas Außergewöhnliches erlebt noch irgendeine neue Fähigkeit gemeistert, und trotzdem hatte er nicht das Gefühl, auch nur eine Stunde davon verschwendet zu haben. Er kannte nun weitere Teile des Tempels, hatte begonnen, sich mit der Geschichte Dxuns auseinanderzusetzen, seinen Körper auf die kommenden Kampfübungen vorbereitet und erstmals versucht, die Macht bewusst außerhalb jener geschützten Umgebung wahrzunehmen, in der Sedros ihn bisher unterrichtet hatte.

Vor allem aber hatte ihm niemand vorgeschrieben, auch nur eines dieser Dinge zu tun.
Diese Erkenntnis begleitete ihn noch, als er schließlich zu Bett ging und kurze Zeit später einschlief.


Am nächsten Morgen wurde Darel ungewöhnlich früh vom Signal seines Datapads geweckt. Noch halb im Schlaf griff er danach und blinzelte einige Male gegen das Licht des Displays, bevor er die kurze Nachricht seines Meisters erkannte.
Damit war die freie Zeit offenbar beendet.

Darel setzte sich auf, fuhr sich kurz durch die Haare und warf einen Blick auf die Uhrzeit, bevor er ohne unnötige Verzögerung aufstand. Nach einer kurzen Dusche zog er frische Trainingskleidung an, befestigte sein Lichtschwert am Gürtel und nahm sich lediglich die Zeit für ein kleines Frühstück, bevor er sein Quartier verließ. Während er durch die noch vergleichsweise ruhigen Korridore des Tempels ging, musste er unwillkürlich daran denken, wie anders ihm derselbe Weg inzwischen vorkam als bei seiner ersten Begegnung mit Sedros.

Damals hatte er nicht gewusst, was ihn in diesem Trainingsraum erwartete, und noch weniger hatte er abschätzen können, welche Folgen diese Begegnung für sein Leben haben würde. Nun kehrte er als dessen Schüler an denselben Ort zurück, nachdem er seine erste Mission überstanden, sein eigenes Lichtschwert geführt und zum ersten Mal eine Ahnung davon bekommen hatte, wie weit der Weg noch war, den sein Meister für ihn vorgesehen hatte.
Als sich die Tür des Trainingsraumes vor ihm öffnete, entdeckte Darel Sedros bereits in Meditation und trat ruhig ein, ohne die Stille unnötig zu stören. Er näherte sich bis auf angemessene Entfernung und wartete, bis sein Meister ihn ansprach.

Bei dessen Frage musste Darel für einen kurzen Augenblick darüber nachdenken, wie er den vergangenen Tag überhaupt zusammenfassen sollte. Das Wort genossen traf es auf eine gewisse Weise durchaus, auch wenn Sedros vermutlich etwas anderes darunter verstanden hätte als das, womit sein Schüler die vergangenen Stunden tatsächlich verbracht hatte.


„Guten Morgen, Meister.“
Darel neigte respektvoll den Kopf, ehe sich ein schwaches, beinahe zufriedenes Lächeln auf seine Gesichtszüge legte.
„Ja, das habe ich tatsächlich. Allerdings habe ich festgestellt, dass ich offenbar nicht besonders gut darin bin, einen freien Tag einfach nur mit Nichtstun zu verbringen.“

Er ließ einen kurzen Moment verstreichen, bevor er fortfuhr und dabei bewusst darauf verzichtete, seinem Meister jede einzelne Stunde des vergangenen Tages aufzuzählen.
„Ich habe mir zunächst einige Bereiche des Tempels angesehen, für die bisher nie wirklich Zeit geblieben ist, und anschließend versucht, mehr über Dxun und die Anlage herauszufinden. Bei den Statuen bin ich allerdings noch nicht wesentlich weitergekommen. “
Sein Ausdruck wurde etwas nachdenklicher, als er zum für ihn interessanteren Teil kam.

„Danach habe ich Eure Erklärung über die Wahrnehmung von Lebewesen ausprobiert. Außerhalb des Tempels, mitten in der Stadt.“
Darel zögerte einen Augenblick, weil er selbst noch immer nicht sicher war, wie viel von dem Erlebten tatsächlich auf die Macht zurückzuführen gewesen war.

„Es funktioniert noch nicht zuverlässig. Meistens nehme ich überhaupt nichts wahr oder bilde mir vermutlich etwas ein. Aber einige Male wusste ich, dass sich jemand in meiner Nähe befand, bevor ich die Person gesehen oder bewusst gehört hatte. Ich kann allerdings noch nicht unterscheiden, ob ich tatsächlich ihre Präsenz wahrgenommen habe oder lediglich unbewusst andere Eindrücke verarbeitet habe.“
Gerade diese Unsicherheit störte ihn weniger, als sie es noch vor wenigen Tagen getan hätte. Stattdessen schien sie inzwischen beinahe Teil der Herausforderung geworden zu sein noch mehr an sich zu arbeiten.

„Mit dem Stein habe ich es anschließend ebenfalls noch einmal versucht. Der war erheblich weniger kooperativ.“
Ein hauch von Ärgerniss huschte über sein Gesicht.

„Zumindest schwebt er noch nicht. Ich glaube aber langsam zu verstehen, wonach ich überhaupt suchen muss.“
Auch wenn der Meinung war das er den Stein vielleicht etwas bewegt hatte sagte er Sedros noch nichts da er sich nicht ganzsicher wahr.

Darel richtete seine Aufmerksamkeit anschließend wieder vollständig auf seinen Meister. Was auch immer Sedros für diesen Morgen vorbereitet hatte, nach den vergangenen Stunden fühlte er sich tatsächlich erholt, auch wenn er seinen freien Tag vermutlich auf eine Weise verbracht hatte, die andere kaum als Erholung bezeichnet hätten. Da er nicht wusste, ob sein Meister das Verhalten gegenüber einem Bürger des Imperiums gut oder schlecht heißen würde, ließ er diesen Teil wiederum aus, solange sein Meister nicht weiter nachfragen würde.


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