Bastion

[Bastion - Bastion-Center - Regierungsgebäude - Flur]
Lucian Bellori, Percival Leobund, Sir Jared Bellfourd, Gregory Doyl

Bastion Center hatte Lucian schon bei früheren Aufenthalten nicht sonderlich beeindruckt und auch diesmal änderte sich daran wenig. Natürlich war die schiere Größe der imperialen Thronstadt kaum zu übersehen. Ministerien, Verwaltungsgebäude und gewaltige Wolkenkratzer erstreckten sich über ganze Bezirke, während über der Skyline meistens ein Sturm wütete. Doch vielleicht lag es gerade an dieser gewaltigen Konzentration imperialer Macht, dass Lucian immer schon etwas anderes und noch größeres erwartet hatte. Noch vor wenigen Tagen hatte der Verwalter in seinem kaum fertig eingerichteten Büro auf Brentaal gestanden und Cassian Varro erklärt, weshalb er überhaupt keinen Grund sah, seine neue Wirkungsstätte schon wieder zu verlassen. Inzwischen musste er sich widerwillig eingestehen, dass sein Vizegouverneur mit seiner Einschätzung vermutlich nicht vollkommen daneben gelegen hatte.

Brentaal IV mochte eine der wirtschaftlich bedeutendsten Welten des Imperiums sein und Lucians Ernennung zu ihrem Gouverneur stellte den größten Sprung seiner bisherigen Laufbahn dar. Bastion war dennoch eine andere Kategorie. Hier saßen jene Menschen, die Ministerien lenkten, mit dem Dunstkreis der Imperatorin verkehrten und über das Schicksal des gesamten Imperiums verfügten. Wenn man ihn also in diesen scheiß Expertenrat berief, dann würde Lucian also verdammt noch einmal teilnehmen. Nicht weil er besondere Freude daran verspürte, sich von anderen erklären zu lassen, welche Probleme es zu lösen galt, sondern weil er nach all den Jahren nicht vorhatte, eine offene Tür deshalb zu ignorieren, weil ihm der Raum dahinter nicht gefiel. Dass er Brentaal währenddessen in den Händen Cassians zurücklassen musste, bereitete ihm überraschend wenig Sorgen. Der Mann war ein selbstgefälliger, aalglatter Schnösel und besaß die ausgesprochen störende Angewohnheit, dies mit einer solchen Gelassenheit zu tragen, dass Lucian ihm nur schwer einen Vorwurf daraus machen konnte. Leider war er ebenso kompetent. In den vergangenen Wochen hatte Varro mehrfach bewiesen, dass er sehr genau wusste, welche Hebel innerhalb einer Verwaltung bewegt werden mussten, damit sich tatsächlich etwas bewegte. Lucian vertraute ihm deshalb keineswegs blind, doch ausreichend, um für einige Tage nach Bastion zu reisen, ohne alle zwei Stunden nachzufragen, ob sein Büro noch stand.

Seine Schritte hallten gleichmäßig über den Boden des Korridors. Lucian trug seine dunkelgraue Gouverneursuniform, hatte auf zusätzliche zeremonielle Elemente jedoch verzichtet. Eine Rangplakette genügte vollkommen. Wer innerhalb dieses Gebäudes nicht wusste, welche Stellung ein Gouverneur einnahm, war vermutlich ohnehin nicht wichtig genug, um ihn länger zu beschäftigen. Seine Stimmung hatte sich seit seiner Ankunft überraschend stabil gehalten. Der Flug war ruhig gewesen, seine Unterbringung akzeptabel und bislang hatte niemand versucht, ihm auf den Sack zu gehen. Gemessen an seinen vergangenen Wochen war das beinahe ein gelungener Vormittag.

Dann hörte er seinen Namen.

Lucian verlangsamte seinen Schritt und wandte sich um. Die Stimme hatte einem etwas
nervös wirkenden Mann gehört, der einige Meter entfernt neben zwei weiteren Männern durch den Korridor kam und offenbar keinerlei Versuch unternommen hatte, seine Feststellung für sich zu behalten. Lucians Blick blieb einen Moment an ihm hängen, ehe er zu dem älteren der beiden Begleiter wanderte. Groß, schmal, zurückhaltend und mit jener ruhigen Aufmerksamkeit ausgestattet, die Lucian bei Menschen gewöhnlich mehr schätzte als übertriebene Geschäftigkeit. Der dritte Mann stand dagegen erkennbar im Zentrum der kleinen Gruppe.

Er war jung. Deutlich jünger als Lucian jedenfalls und vermutlich noch keine dreißig. Schwarzes Gewand, dunkles Cape, goldene Kette und eine Haltung, die verriet, dass er es gewohnt war, nicht als einer unter vielen wahrgenommen zu werden. Als sich ihre Blicke trafen, erschien für einen kurzen Augenblick ein Lächeln auf dessen Gesicht, das ungefähr so natürlich wirkte wie das eines Mannes, der einem gerade ins Waschbecken gepisst hatte, nur um im nächsten Moment zu fragen, wo er sich denn die Hände waschen könne.

Lucian blieb stehen und der
junge Mann reichte ihm keine Hand. Gut, denn Lucian hatte ebenfalls nicht vor, ihm eine anzubieten. Er betrachtete ihn einen kurzen Augenblick. Leobund. Der Name sagte ihm zunächst nichts, jedenfalls nichts, das ihn unmittelbar hätte aufhorchen lassen. Der Titel erklärte hingegen zumindest einen Teil des Auftretens. Dass ein Mann dieses Alters bereits eine Abteilung im Außenministerium leitete, war bemerkenswerter. Lucian hatte in seiner Karriere genügend junge Karrieristen erlebt, die ihre Position vor allem dem richtigen Namen, den richtigen Kontakten oder dem richtigen Vater verdankten.

Der Expertenrat würde vermutlich früh genug zeigen, welche Sorte vor ihm stand. Sein Blick wanderte kurz an
Percival vorbei zu dem Mann, der seinen Namen eben noch durch den Korridor getragen hatte.

"Ihr Begleiter hat freundlicherweise bereits einen Teil der Vorstellung für uns übernommen.“

Der Ton blieb vollkommen trocken. Kein Lächeln begleitete die Bemerkung, und Lucian ließ offen, ob er sie als Scherz verstanden wissen wollte. Anschließend richtete er seine Aufmerksamkeit wieder auf Percival.

"Und ja. Wenn Sie ebenfalls zu diesem Expertenrat unterwegs sind, für den man mich kaum eine Woche nach meinem Amtsantritt hierher beordert hat, scheinen wir tatsächlich den gleichen Weg zu haben."

Lucian setzte sich wieder in Bewegung, ohne eine ausdrückliche Einladung abzuwarten. Wenn sie ohnehin dasselbe Ziel hatten, sah er wenig Sinn darin, noch länger mitten auf einem Flur herumzustehen. Für einige Schritte schwieg er und ließ seinen Blick über die Wegweiser an den Wänden gleiten, bevor er wieder zu dem jungen Abteilungsleiter sah.

"Neutrale Staaten im galaktischen Norden."

Er wiederholte die Bezeichnung eher feststellend als fragend.

"Dann hoffe ich, dass dieser Expertenrat seinem Namen gerecht wird. Ich habe schon genügend davon erlebt, in denen alles mögliche saß - außer den verdammten Experten“

Ein kurzer Seitenblick folgte.

"Hoffentlich werden Sie mir dann gleich als erster beweisen, dass es diesmal anders ist“

Lucian wandte den Blick wieder nach vorne. Er kannte Leobund nicht und hatte bislang weder Anlass, ihn zu mögen, noch ihn abzuschreiben. Das auffällige Auftreten, die unterkühlte Begrüßung und die Tatsache, dass ein Mann in diesem Alter bereits eine durchaus gewichtige Position bekleidete, genügten allerdings vollkommen, um zumindest sein Interesse zu wecken. Ob dieses Interesse nach der bevorstehenden Sitzung in Respekt oder Verachtung umschlug, würde sich zeigen.

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Lucian Bellori, Percival Leobund, Sir Jared Bellfourd, Gregory Doyl
 
[ Bastion || Bastion-Center || Regierungsgebäude || Flur ] - Percival Leobund, Sir Jared Bellfourd, Gregory Doyl, Gouverneur Bellori

Der Mann, welcher so unverhofft dank Doyl zu der Gruppe dazugestoßen war, schien nicht unbedingt die Etikette in Person zu sein. Er machte keinerlei Anstalten sich angemessen gegenüber Percival zu verhalten. Keine Verbeugung, noch nicht mal ein leichtes Senken des Kopfes. Percival zog misstrauisch die Augenbraue leicht nach oben. Dieser Mann musste doch wissen, was der Name Leobund zu bedeuten hatte ... oder berief das Imperium wirklich Menschen in den Rang eines Gouverneurs, welchen sämtliches notwendige Wissen um Rang und Stand fehlte? Percival schämte sich nicht sich einzugestehen, dass es ihn durchaus störte, wenn man ihn nicht einordnen konnte, wenn einem der Name Leobund nichts sagte. Vielleicht war er in seiner Heimat einfach zu sehr das krasse Gegenteil gewohnt gewesen, aber er hatte schon gedacht, ja war davon ausgegangen, dass man im Regierungsgebäude des Galaktischen Imperiums Personen mit Rang und Namen erkennen würde.

Zumindest war der Gouverneur glücklicherweise kein Mann unnötiger Worte. Das hätte ihm auch noch gefehlt, jetzt mit einem unwissenden alten Kerl durch die Flure hier zu spazieren, der ihn mit eben dieser Unwissenheit vollpalaverte. Als er sich erneut in Bewegung setzte, tat Percival es ihm gleich. Es klang mehr und mehr heraus, dass dieser Expertenrat wohl wirklich eine Lachnummer für sich war. Er selbst war nicht nur völlig frisch in seinem Amt, sondern generell völlig frisch in der Imperialen Verwaltung. Und auch der Gouverneur schien erst vor kurzem an diesen Rang gekommen zu sein. Was sollte schon schiefgehen, wenn man einen Expertenrat aus lauter neu berufenen bildete?


,,Ich selbst habe auch erst vor wenigen Wochen meine Reise nach Bastion vom Tapani-Sektor aus angetreten. Dieser Expertenrat setzt wohl wirklich auf ... frische Personalien."

Den kleinen Wink in Richtung des Tapani-Sektors hatte Percival sich nicht verkneifen können. Dieser Mann musste doch spätestens jetzt hoffentlich wissen, wer er war, wo er nun den ehrwürdigen Familiennamen sogar mit einem Ort verknüpft hatte. Sonst müsste er ihm seinen Rang und Titel gleich noch mehr auf dem Silbertablett präsentieren.

Die beiden Männer gingen für ein paar Momente schweigend durch die Flure, begleitet von Percivals kleinem Gefolge. Er kam erneut nicht darum herum zu bemerken, wie unglaublich schmucklos dies alles hier war. Von außen auf diese brachiale Art ohne Frage einschüchternd, aber hier drinnen fehlte die Finesse, das Besondere, was er wohl erwartet hatte, wenn man an die Schaltzentrale eines so gewaltigen Reiches dachte. Womit diese Schaltzentrale allerdings punkten konnte, waren immerhin lange und verzweige Wege, bis man an seinem Zielort ankam. So hatte sein Begleiter doch noch die Möglichkeit, ein neues Gespräch zu eröffnen. Auf die Aussage bezüglich des Expertenrats konnte Percival nicht anders als mit einem unverhohlenen Grinsen - ein wenig von oben herab - reagieren. Zum einen, da er sich bereits ähnliches gedacht hatte, zum anderen, da dieser Mann doch tatsächlich dachte, Percival hätte es nötig ihm irgendetwas zu beweisen.


,,Oh, ich habe Obulette nicht verlassen, um irgendwem auf dieser verregneten Welt irgendetwas zu beweisen."

Percival musste noch immer grinsen, als er fortfuhr.

,,Aber als ich mir die Akten angeschaut habe, habe ich mich tatsächlich gefragt, wofür ein solcher Expertenrat überhaupt notwendig ist. Meine Abteilung könnte ohne Probleme die aufkommenden Fragen alleine bearbeiten, gäbe man mir ein paar Freiheiten. Und dafür würde mir auch die Hälfte der Besetzung reichen, die meine Abteilung gerade fasst. Die andere Hälfte hat mein Vorgänger wohl als eine Art Arbeitsbeschaffungsmaßnahme eingestellt."

Wie nebensächlich deutete Percival in Richtung Doyls der hinter ihm lief und bei dem es ihn wirklich nicht interessierte, dass er jedes einzelne Wort hören konnte. Den Sinn verstehen würde er wohl eh nicht. Aber er wusste wirklich beim besten Willen nicht, was ihn gleich in diesem Expertenrat erwartete. Auch fragte er sich, was ein Gouverneur einer Kernwelt wie Brentaal IV in einem solchen Gremium zu suchen hatte. Doch auch, wenn der Mann was Adel und wichtige Personen anging offenbar keinerlei Ahnung hatte, war er ihm noch nicht unwichtig genug, als dass Percival ihm diese Frage, mit dem für ihn unvermeidlichen geringschätzigen Unterton, direkt persönlich stellen würde.

,,Aber vielleicht wird man ja überrascht. Und wenn nicht übernimmt meinen Stuhl halt einer von den Untergebenen von mir, die aktuell eh nicht viel mehr leisten als auf irgendwelchen anderen Stühlen herumzusitzen."

[ Bastion || Bastion-Center || Regierungsgebäude || Flur ] - Percival Leobund, Sir Jared Bellfourd, Gregory Doyl, Gouverneur Bellori
 
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Lucian Bellori, Percival Leobund, Sir Jared Bellfourd, Gregory Doyl

Lucian hatte auf Bastion schon nach wenigen Tagen wieder verstanden, weshalb er sich so lange erfolgreich eingeredet hatte, dass Brentaal IV vollkommen ausreichte. Dort konnte er wenigstens in seinem eigenen Büro darüber entscheiden, welcher beschissene Schreibtisch wo zu stehen hatte. Hier dagegen bestand scheinbar der halbe Tag daraus, durch Flure zu laufen und Menschen zuzuhören, die sich für wichtiger hielten als die Imperatorin selbst. Der junge Mann neben ihm passte zunächst hervorragend in dieses Bild. Zu jung für die Selbstverständlichkeit, mit der er seinen Posten trug, zu gut angezogen, zu auffällig, zu überzeugt davon, dass eine Abteilung unter seiner Führung vermutlich schon deshalb hervorragend funktionierte, weil sie das Glück hatte, unter seiner Führung zu stehen. Lucian hatte in seinem Leben genügend solcher Typen gesehen. Manche hatten berühmte Väter gehabt, andere die richtigen Freunde, wieder andere waren schlicht lange genug in irgendeinem Stab herumgekrochen, bis jemand ihnen aus Versehen einen Rang angeheftet hatte. Die Sorte unterschied sich im Detail, das Ergebnis selten. Und Percival Leobund – mit seinem Cape, seiner Kette und diesem kaum zu übersehenden Bewusstsein für die eigene Person – hatte in Lucians Kopf bereits einen ziemlich sicheren Platz zwischen verwöhnter Bengel und arrogantem Stabsschwanz gefunden. Dass er nun auch noch erklärte, seine eigene Abteilung könne den verdammten Expertenrat vermutlich mit der Hälfte der Leute praktisch alleine ersetzen, machte die Sache nicht besser. Oder vielleicht doch ein wenig. Denn so sehr Lucian Leute verachtete, die sich für das Zentrum der Galaxis hielten, so wenig konnte er einem Mann vorwerfen, dass er über aufgeblähte Verwaltung schimpfte. Das Problem war nur, dass Lucian noch nicht wusste, ob der Junge tatsächlich etwas konnte oder lediglich zu viel Zeit damit verbracht hatte, sich selbst zuzuhören. Dann fiel das Wort Tapani-Sektor. Lucian ging noch zwei Schritte weiter, ehe sich seine Stirn leicht zusammenzog. Leobund...Obulette...Tapani. Er warf Percival einen kurzen Seitenblick zu. Ach du Scheiße.

Natürlich: Mecetti - tapanischer Hochadel.

Lucian sagte zunächst nichts. Sein Blick blieb einen Augenblick länger auf dem
jungen Mann liegen als zuvor, während sich die losen Informationen in seinem Kopf endlich zu einem Bild zusammensetzten. Das Cape, die Kette und die Selbstverständlichkeit. Der Name, den Lucian beim ersten Mal noch irgendwo zwischen hundert anderen Familiennamen abgelegt hatte.

Seine Mutter hätte ihn dafür vermutlich mit diesem Blick angesehen, bei dem bereits feststand, dass gleich jemand anderes die eigentliche Strafe vollstreckte. Sein Vater ganz sicher. Lucian zog langsam die Brauen hoch. Verdammte Scheiße. Ein tapanischer Hochadliger. Und ausgerechnet einer, dem offensichtlich niemand je beigebracht hatte, sich zuerst seine Sporen zu verdienen, bevor er das Maul aufriss. Er ließ
Percival dennoch ausreden und achtete bewusst darauf, es tatsächlich zu tun. Lucian spürte bereits mehrere Antworten in seinem Kopf entstehen, von denen mindestens zwei ausreichend gewesen wären, um einen diplomatischen Zwischenfall mit dem Haus Mecetti auszulösen. Dennoch entschied er sich für die aus seiner Sicht diplomatische Variante.

"Acht Jahre, Lord Leobund...“

Begann er also mal wieder. Den Titel benutzte er diesmal bewusst. Lucian hob eine Hand und ließ sie in einer kurzen, selbstverständlich wirkenden tapanischen Geste durch die Luft fahren.

"Acht Jahre habe ich in republikanischer Gefangenschaft verbracht.“

Er machte eine kurze Pause.

"Während die anderen aus meinem Akademiejahrgang ihre Rangabzeichen poliert und eine Beförderung nach der anderen kassiert haben, saß ich acht Jahre in einem Käfig und spielte Karten mit Männern, die schon beim Mischen beschissen haben.“

Seine Hand öffnete sich noch einmal, als müsse die Geste allein verdeutlichen, was für eine unfassbare Beleidigung dieser Zustand für einen zivilisierten Menschen dargestellt hatte.

"Acht verdammte Jahre.“

Lucians Blick wanderte kurz über
Percival, blieb an der goldenen Kette hängen und kehrte schließlich in dessen Gesicht zurück.

"Mein Vater hätte mich mit dem Gürtel vertraut gemacht, wenn er mich dabei erwischt hätte, einem Mitglied des tapanischen Hochadels nicht den allergrößten Respekt entgegenzubringen."

Seine Mundwinkel bewegten sich kaum merklich. Da war einiges, was ihm gerade durch den Kopf ging. So einiges. Und so ziemlich alles davon hätte sein Vater mit Sicherheit nicht gebilligt.

"Von daher werde ich mich jetzt unterstehen, Ihnen zu sagen, was mir gerade durch den Kopf geht."

Damit richtete Lucian den Blick wieder nach vorne. Er ging einfach weiter. Stur, schweigend und mit den Händen hinter dem Rücken, als hätte das Gespräch damit vorerst seinen vollkommen natürlichen Abschluss gefunden. Keine Bemerkung mehr über
Percivals Abteilung. Keine Reaktion auf dessen Selbsteinschätzung. Nicht einmal ein weiterer Seitenblick. Wenn der Bengel tatsächlich so gut war, wie er glaubte, würde Lucian es früh genug feststellen. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn sie erreichten ihr Ziel just in diesem Augenblick.

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Lucian Bellori, Percival Leobund, Sir Jared Bellfourd, Gregory Doyl
 
| Outerrim-Territorien – Braxant Sector – Sartinaynian-System – Bastion – Bastion Center – Domäne der Wissenden – persönliche Quartiere | Dopa Maskey, S-4O |​


Der Raum lag beinahe vollständig im Dunkeln. Lediglich das unstete Licht mehrerer Holoschirme und Monitore kämpfte gegen die Schatten an, tauchte die Wände für einige Herzschläge in kaltes Blau, ließ sie kurz darauf rötlich aufglimmen und dann wieder beinahe vollständig verschwinden. Das leise Summen der Geräte vermischte sich mit dem kaum hörbaren Brummen der Belüftungsanlage und dem gelegentlichen Klicken einer wechselnden Übertragung. Irgendwo außerhalb des Quartiers pulsierte Bastion weiter, doch hier drinnen schien davon kaum etwas übrig geblieben zu sein. Inmitten dieses flackernden Lichtes saß ein einzelner Mann vor der Konsole. Mal lag eine Hälfte seines grünen Gesichtes im Schatten, während die andere vom bläulichen Schein eines Holofeeds beleuchtet wurde, dann zog rotes Licht über die geometrischen Tätowierungen an seinem Kinn und ließ seine Augen für einen Moment beinahe schwarz erscheinen. Seine Rüstung stand einige Schritte entfernt auf einer Halterung. Auch das Lichtschwert hatte Dopa Maskey abgelegt und neben sich auf die Konsole gelegt. In seiner rechten Hand hielt Craton stattdessen ein Glas Abrax, das er langsam zwischen seinen Fingern drehte, während die aquamarin blaue Flüssigkeit darin der Bewegung folgte.
Seit geraumer Zeit saß er bereits so da, er beobachtete.
Auf einem der Bildschirme marschierten Sturmtruppen durch einen langen Korridor. Die Aufnahme besaß keinen Ton und war von so schlechter Qualität, dass sie vermutlich aus einer Sicherheitskamera, einem Helmspeicher oder irgendeinem anderen System gezogen worden war, aus dem sie niemals hätte nach außen gelangen dürfen. Dunkle Brandspuren zeichneten sich auf den weißen Wänden ab. Ein Körper lag halb außerhalb des Sichtfeldes, während zwei Soldaten einen weiteren Mann aus einem Raum zerrten. Für einen kurzen Moment flackerte das Bild, dann begann die Sequenz von vorne. Auf einem anderen Monitor wechselten sich Bilder von Kashyyyk mit Aufnahmen republikanischer Kriegsschiffe ab. Ein Nachrichtensprecher redete vom Angriff der Neuen Republik, von Invasion, Mobilmachung und dem endgültigen Wiederaufflammen des Krieges. Darunter liefen Meldungen über Flottenbewegungen und Erklärungen imperialer Würdenträger über den Bildschirm. Ein weiterer Holofeed zeigte den verstorbenen Imperator, aufgenommen zu einer Zeit, als niemand, der diese Bilder gesehen hatte, vermutlich ernsthaft daran gezweifelt hätte, dass dieser Mann noch Jahrzehnte über das Imperium herrschen würde.
Nun war er tot.

Auf dem nächsten Bildschirm erschien seine Erbin. Neue Ernennungen. Versetzungen. Verhaftungen. Gerüchte über Säuberungen innerhalb des Ordens, des Militärs und der imperialen Verwaltung. Namen, die gestern noch etwas bedeutet hatten, verschwanden. Andere nahmen ihre Plätze ein. Männer und Frauen, die über Schiffe, Legionen oder ganze Behörden verfügt hatten, fanden sich plötzlich in Gefängnissen wieder oder tauchten überhaupt nicht mehr in den Meldungen auf. Und direkt daneben liefen vollkommen nüchterne Zahlenkolonnen über einen weiteren Monitor. Lieferungen. Einnahmen. Ausgaben. Lagerbestände. Namen von Geschäften und Personen aus Bone-Town. Eine Waffenlieferung war verspätet. Ein Etablissement hatte im vergangenen Monat weniger Gewinn erwirtschaftet als erwartet. Irgendwo fehlten einige Kisten Spice und an anderer Stelle hatte jemand offenbar versucht, eine größere Summe verschwinden zu lassen. Im Vergleich zum Schicksal ganzer Sternensysteme beinahe lächerlich belanglos. Craton nahm einen kleinen Schluck Abrax und ließ seinen Blick zwischen den Bildschirmen wandern. Auf der einen Seite entschieden Männer über Krieg und Frieden, über den Tod von Millionen und darüber, welche Flagge morgen über irgendeiner Welt wehen würde. Auf der anderen Seite ging es um die Einnahmen eines Bordells und darum, welcher kleine Ganove glaubte, ein paar Credits beiseiteschaffen zu können. Je länger er darüber nachdachte, desto weniger unterschiedlich erschien ihm beides. Es ging immer um dasselbe. Darum, wer etwas besaß. Wer darüber entscheiden durfte. Wer glaubte, darüber entscheiden zu dürfen. Und darum, wer am Ende tatsächlich entschied. Der Mirialaner ließ das Glas langsam zwischen seinen Fingern kreisen und beobachtete, wie sich darin das wechselnde Licht der Monitore brach.

„Was ist Macht?“

Er stellte die Frage an niemanden bestimmten. S-4O befand sich irgendwo in den hinteren Räumen seines Quartiers und auch jene Stimmen, die ihn früher bisweilen ungefragt beraten, verhöhnt oder zu Dingen gedrängt hatten, schwiegen. Das störte ihn nicht. Vielleicht sprach er deshalb inzwischen manchmal mit sich selbst. Nicht weil er erwartete, dass etwas Unsichtbares ihm antwortete. Gedanken waren einfach zu bequem. Man konnte sie drehen, verändern, beschönigen und so lange im eigenen Kopf herumschieben, bis sie einem gefielen. Sobald man sie aussprach, waren sie plötzlich da. Man konnte sie hören. Und man konnte ihnen widersprechen. Sein Blick wanderte wieder zu dem Bild des toten Imperators. Flotten. Armeen. Welten. Der Sith-Orden. Eine ganze Galaxis voller Männer und Frauen, die auf seinen Befehl getötet hatten und für ihn gestorben wären. Wahrscheinlich war es schwer, sich etwas vorzustellen, das mehr Macht besaß.
Und trotzdem war er tot.
Craton hob sein Glas ein wenig in Richtung des Bildschirms.

„Hat hervorragend funktioniert.“
Ein schiefes Grinsen zuckte über seine Lippen, ehe er den nächsten Schluck nahm. Die Bilder wechselten weiter. Gefangene wurden abgeführt. Ein imperialer Würdenträger sprach davon, dass Verräter ausgemerzt werden müssten. Ein anderer versprach Stabilität. Dazwischen Bilder brennender Schiffe über Kashyyyk, marschierender Soldaten und aufgebrachter Senatoren der Republik. Die Galaxis mischte die Karten neu und jeder versuchte, sich noch schnell einen möglichst guten Platz am Tisch zu sichern. Cratons Blick blieb wieder an den Zahlenkolonnen hängen. Bone-Town. Fast unwillkürlich kehrten die Erinnerungen zurück.

Das Treppenhaus war dunkel gewesen. Ozon hatte in der Luft gelegen und der widerlich süßliche Geruch von verbranntem Fleisch. Drei Körper auf den Stufen. Der Restlichtverstärker seines Helmes hatte alles in dieses geisterhafte Grün getaucht und irgendwo über ihm hatten weitere Schritte auf dem Permabeton widergehallt. Er erinnerte sich an das Gewicht der Detonatoren, die er den Toten abgenommen hatte. An den Schweiß unter seinem Helm. An Tarrds Stimme aus den Lautsprechern, die ihm einen schönen Tod gewünscht hatte. Damals hatte Dopa Maskey geglaubt, die größte Schwierigkeit würde darin bestehen, bis ganz nach oben zu gelangen. Er hatte sich geirrt, das Töten war einfach gewesen. Zumindest verglichen mit dem, was danach gekommen war. Ein anderes Bild schob sich vor die Monitore. Mr. Tarrd saß nicht hinter seinem Schreibtisch, rr lag davor. Blut lief aus seiner Nase und tropfte auf den Teppich. Eine seiner Hände zitterte unkontrolliert, während seine Augen immer wieder zu der roten Lichtschwertklinge sprangen, deren Spitze nur wenige Zentimeter über dem Boden summte. Der Mann hatte ihn angefleht, gedroht, gebettelt. Irgendwann wahrscheinlich weder gedroht. An die genauen Worte erinnerte Craton sich kaum noch. An seine eigene Antwort dagegen schon.

„Ihr bleibt Mr. Tarrd.“
Tarrd hatte ihn damals angesehen, als hätte der Mirialaner gerade den Verstand verloren. Vielleicht hatte er erwartet, dass Dopa Maskey seinen Platz einnehmen wollte. Seine Geschäfte, seine Männer, seine Clubs, seine Konten. Vielleicht war genau das auch der Grund gewesen, weshalb es so lange gedauert hatte, bis Tarrd verstand, dass Craton keinerlei Interesse daran hatte, hinter seinem Schreibtisch zu sitzen und sich täglich mit verschwundenen Spicekisten, Schutzgeld und der Bezahlung irgendeines Türstehers herumzuschlagen. Ein Wisch seiner Finger ließ einen der Nachrichtenfeeds verschwinden und die Geschäftsdaten größer werden.

Tarrds Geschäfte. Noch immer Tarrds Geschäfte. Zumindest wenn man die Besitzverhältnisse betrachtete. Es hatte Zeit gekostet. Mehr Zeit, als Dopa Maskey ursprünglich eingeplant hatte. Geduld ebenfalls. Und mehr von Tarrds Männern, als eigentlich notwendig gewesen wären. Zunächst hatte der Verbrecherboss versucht, ihn beseitigen zu lassen. Danach hatte er versucht ihn zu hintergehen. Dann hatte er begonnen, Menschen um sich herum auszutauschen, weil er überall Verräter vermutete. Craton hatte ihn gelassen, hatte gelegentlich sogar nachgeholfen. Ein Wort zur richtigen Zeit. Ein Verdacht, der vorher vielleicht noch gar nicht existiert hatte. Eine kleine Befürchtung, die plötzlich wesentlich vernünftiger erschien als noch wenige Augenblicke zuvor. Dazu verschwundene Männer, fehlgeschlagene Anschläge und Informationen, die Craton eigentlich unmöglich hätte kennen können. Es war erstaunlich gewesen, wie wenig man einen Menschen tatsächlich bewegen musste, wenn dieser den Rest des Weges aus Angst selbst zurücklegte. Irgendwann hatte Tarrd bei Entscheidungen begonnen darüber nachzudenken, was Dopa Maskey davon halten würde. Noch später hatte Craton aufgehört, ihm überhaupt zu drohen. Das war der interessanteste Teil gewesen. Eine weitere Erinnerung flackerte durch seinen Kopf. Tarrd hinter seinem Schreibtisch, blasser als früher und mit roten Äderchen in den Augen. S-4O stand neben ihm und erklärte mit vollkommen emotionsloser Stimme einen Fehler in den Geschäftsbüchern. Tarrd hatte zuerst den Droiden angesehen. Dann Craton, sann wieder die Zahlen, und sie korrigieren lassen. Ohne Diskussion, vielleicht war genau das Macht. Nicht einen Mann dazu zu bringen, vor einem zu knien. Nicht einmal, ihm eine Waffe an den Kopf zu halten. Sondern dafür zu sorgen, dass er stehen blieb und trotzdem tat, was man wollte. Dopa Maskey ließ den Blick wieder über die anderen Bildschirme gleiten. Der Imperator hatte auf einem Thron gesessen. Tarrd saß hinter einem Schreibtisch. Admiräle standen auf den Brücken ihrer Schiffe. Politiker hielten Reden und Sith ließen andere vor sich knien. Vielleicht verwechselten sie alle nur das sichtbare Zeichen mit der Sache selbst. Ein König konnte auf einem Thron sitzen. Interessanter war doch derjenige, den der König um Rat fragte, bevor er eine Entscheidung traf. Der Mirialaner lehnte sich etwas weiter in seinem Stuhl zurück.


„Also?“ Er ließ den Abrax noch einmal kreisen. „Was machen wir jetzt?“ Wieder antwortete niemand. Für einige Herzschläge blieb nur das Summen der Monitore und die Stimmen der Nachrichtensprecher, die stumm über verschiedene Bildschirme liefen. Dann ertönte hinter ihm ein leises elektronisches Signal. Craton drehte langsam den Kopf. S-4O stand einige Schritte entfernt im Halbdunkel. Das dunkle Rot seines Chassis wirkte im blauen Licht der Monitore fast schwarz. „Master Dopa Maskey.“ Der Mirialaner hob eine Augenbraue. „Wenn du mir jetzt sagst, Tarrd habe wieder vergessen eine Rechnung zu bezahlen, darfst du ihn diesmal selbst schlagen.“ „Mr. Tarrd hat sämtliche gegenwärtig fälligen Verbindlichkeiten erfüllt.“ Der Droide verharrte einen Augenblick.
„Ich habe eine Nachricht für Euch erhalten.“ Cratons Aufmerksamkeit wanderte von seinem Glas vollständig zu dem Droiden. „Von wem?“
„Unbekannt.“
Jetzt setzte der Mirialaner sich etwas gerader hin. „Das ist keine Antwort.“ „Es ist die einzige, die ich Euch geben kann. Die Nachricht wurde über eine authentifizierte Verbindung des Sith-Ordens übertragen. Die Kennung ist gültig. Informationen über ihren Ursprung wurden jedoch entfernt.“ Craton schwieg. Entfernt, nicht verloren, nicht beschädigt. Entfernt.
„Kannst du sie zurückverfolgen?“ „Nein.“ Langsam erschien ein schiefes Grinsen auf dem Gesicht des Mirialaners. „Dann wollte jemand, dass ich weiß, dass er das kann.“ S-4O antwortete darauf nicht. Musste er auch nicht. „Zeig sie.“

Die Geschäftsdaten verschwanden von einem der Bildschirme. Für einige Augenblicke blieb die Fläche vollkommen schwarz, ehe weiße Schrift darauf erschien. Kein Siegel, keine Signatur, ein Name.
"Darth Angelus benötigt für eine bevorstehende Unternehmung einen Problemlöser. Gesucht wird jemand, der Aufgaben erfüllt, für die offene Gewalt nicht immer das geeignete Werkzeug darstellt. Solltet Ihr Euch dazu befähigt fühlen, folgt diesem Aufruf und begebt Euch nach Agriworld-2079.
Betrachtet dies nicht als Befehl.
Betrachtet es als Gelegenheit.
Und bedenkt:
Ihr steht unter Beobachtung.

Craton las die Nachricht, dann noch einmal. Beim dritten Mal schenkte er dem ersten Teil kaum noch Beachtung. Sein Blick blieb bei den letzten vier Worten hängen. Ihr steht unter Beobachtung. Keine Drohung, vielleicht. Keine Einladung, vielleicht. Er nahm sein Glas wieder in die Hand und ließ den verbliebenen Abrax langsam darin kreisen. Angelus braucht einen Problemlöser.“ Es gefiel ihm mehr, als es vermutlich sollte. Darth Fierfek Angelus. Sein ehemaliger Meister. Der Mann, der ihn ausgebildet hatte, der ihn hatte scheitern lassen, wieder hatte aufstehen lassen und der ihm schließlich etwas gegeben hatte, das nur wenige Meister freiwillig hergaben. Freiheit. Und jetzt brauchte dieser Mann jemanden, nicht einen Schüler. Nicht einen Jünger, den er irgendwohin schicken konnte. Einen Problemlöser. Und irgendjemand innerhalb des Ordens war offenbar der Ansicht, dass Dopa Maskey genau davon erfahren sollte. Der Gedanke schmeckte beinahe so gut wie der Abrax, fast. Doch die letzten vier Worte blieben. „Wer zum Teufel beobachtet mich?“ S-4O legte den Kopf geringfügig schief. „Soll ich darauf antworten?“ Craton sah den Droiden einige Herzschläge lang an. Dann musste er lachen. „Nein.“ Er trank den Rest seines Abrax aus und stellte das Glas auf der Konsole ab. „Aber wir werden es herausfinden.“

Sein Blick glitt erneut über die Nachricht. Ord Mantell, Krieg, eine Gelegenheit. Angelus. Und irgendwo innerhalb des Sith-Ordens jemand, der genug über ihn wusste, um ausgerechnet ihm diesen Hinweis zukommen zu lassen. Jemand, der wusste, welche Art von Mann Craton Minara gewesen war und offenbar eine Vorstellung davon hatte, welche Art von Sith Dopa Maskey gerade wurde. Jemand glaubte, ihn beobachten zu können, ohne selbst gesehen zu werden. Das war beinahe schon unhöflich. Dopa Maskey erhob sich langsam aus dem Sessel. Sein Blick wanderte zuerst zu seiner Rüstung, dann zu dem Lichtschwert auf der Konsole und schließlich wieder zurück zu dem Gewirr aus Nachrichten, Kriegsmeldungen und Geschäftsdaten. Vielleicht hatte er sich gerade noch gefragt, was er als Nächstes tun sollte. Offenbar hatte die Galaxis beschlossen, ihm eine Karte zuzuschieben. Und Craton Minara hatte noch nie besonders gut darin sein können, eine interessante Hand einfach liegen zu lassen. „S-4O.“ „Master?“ „Such uns ein Schiff.“ „Welche Spezifikationen?“ Craton nahm sein Lichtschwert von der Konsole und betrachtete einen Moment den metallenen Griff in seiner Hand. „Zivil. Unauffällig. Nichts, das schon im Orbit 'Sith' schreit.“ Er machte einige Schritte in Richtung seiner Rüstung, ehe er noch einmal stehen blieb. „Und besorg mir Landecodes für Agriworld-2079“ „Legitime?“ Craton blickte über die Schulter. Das alte Grinsen war wieder da. „Ausreichende.“


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Leicht irritiert - fast schon ein wenig besorgt, blickte Percy in Richtung seines Begleiters, der plötzlich damit begann, auf irgendwelche Ereignisse zu referenzieren, mit den Percy so gar nichts anfangen konnte.

,,Wie meinen?"

, fragte er in eine kurze Pause hinein, nachdem der Gouverneur völlig aus dem Nichts seine Kriegsgefangenschaft erwähnt hatte. Vielleicht war das ja so eine Sache in der Verwaltung oder bei Bürgerlichen, dass man bei einer ersten Begegnung sich zu übertrumpfen versuchte mit möglichst tragischen Kriegsgeschichten. Percy konnte in diese Richtung auf jeden Fall wenig beisteuern, war das tragischste, was er erlebt hatte, wahrscheinlich die paar Monate gewesen, die sein Bruder ihm nicht erlaubt hatte, am Rennsport teilzunehmen. "Drei Monate habe ich in meinem Palast verbracht ohne Rennen fahren zu dürfen" klang im direkten Vergleich mit den Worten des Gouverneurs aber wahrscheinlich doch ein wenig läppisch.

Mit einer Mischung aus Irritation und Amüsement hörte er dem Mann weiter zu und schien nun doch zu verstehen, worauf er hinauswollte. Mit Zufriedenheit bemerkte Percy, dass bei seinem Wegbegleiter zumindest jetzt der Groschen gefallen war und er mit seinem Namen endlich etwas anfangen konnte. Das Percy dafür ein Kriegstrauma oder sowas bei dem Mann an die Oberfläche hatte befördern müssen, interessierte ihn herzlich wenig. Es störte ihn wohl, dass während Männer wie Percy in Palästen ein schönes Leben gelebt hatten und jetzt ohne Probleme in den Reihen des Imperiums aufstiegen, er selbst soooo viel Leid hatte ertragen müssen. Zum einen konnte Percy sich kaum vorstellen, dass die Kriegsgefangenschaft bei der Republik so tragisch war, glaubten diese libertären Demokraten doch auf eine unangenehm nachdrückliche Art und Weise an so etwas wie Menschenrechte und -würde und zum anderen war jeder Mann seines eigenen Glückes Schmied. Das Haus Mecetti suchte immer nach Dienstboten, wer sich bei der Armee meldete, musste doch damit rechnen, im Zweifelsfall auch einzustecken.

Percy fand es fast ein wenig Schade, als der Gouverneur davon sprach, dass er sich hüten würde alles auszusprechen an das er dachte und davon marschierte und blickte dem bulligen Mann amüsiert hinterher, ohne noch ein weiteres Wort zu verlieren. Kritik kümmerte ihn wirklich wenig und er war oft den neidischen Blicken anderer ausgesetzt gewesen. Er hätte es durchaus amüsant gefunden, zu erfahren, auf welche Weise genau dieser Bürgerliche sich an seiner natürlich besseren Stellung stieß. Percy konnte nicht genau sagen wieso, aber der Mann hatte bei ihm in den letzten paar Sekunden einen erheblichen Sympathiebonus erfahren. Wahrscheinlich konnte er sich einfach zu sehr für solch ein Kuriosum begeistern.

Aber viel mehr Zeit darüber nachzudenken hatte er ohnehin nicht mehr, waren sie doch nun unmittelbar vor dem Konferenzraum. Percy betrat diesen - ein dunkler Raum mit einem ovalen, langgezogenen Tisch in der Mitte über dem eine Lampe angebracht war, sodass die Leute am Tisch im hellen saßen und diejenigen die auf Stühlen in der zweiten Reihe Platz nehmen mussten, im Schatten verschwanden. Als Percy ankam, war der Rest bereits eingetroffen und hatte Platz genommen. Er suchte seinen Platz an dem Tisch, der mit einem Namensschildchen markiert war und ließ sich nieder. Sein kleines Gefolge nahm hinter ihm Platz. Elf Männer saßen an dem Tisch, der Gouverneur von gerade ihm schräg gegenüber.


,,Nun sind wir ja alle vor Ort und können beginnen."

Der Mann am Kopfende, der nun das Wort ergriffen hatte, hatte ein ernstes, kantiges Gesicht, mit einer markanten Nase, auf der eine Brille ruhte. Leopold kannte ihn bereits aus seiner Vorarbeit.

,,Für diejenigen, die mich nicht kennen, ich bin Wulfric Pentagast, Staatssekretär des Ministeriums für Äußere Angelegenheiten. Seine Exzellenz, der Minister, bat mich, die erste Sitzung des Expertenrates persönlich zu leiten. Vielleicht stellen sie sich einmal kurz vor, bevor ich weiterspreche, damit jeder hier weiß, mit wem er es zu tun hat."

Die Vorstellungsrunde verlief, Gott sei es gedankt, recht zügig. Den Gouverneur kannte er bereits, ansonsten saßen hier Dezernenten und Abteilungsleiter aus dem Außenministerium und dem Propagandaministerium, aber auch aus dem Kriegsministerium. Direkt neben ihm hatte ein General Platz genommen, der auf den ersten Blick so wirkte, als könnte er es was Eitelkeit und Arroganz anging, durchaus mit Percy aufnehmen. Wahrscheinlich aber mit deutlich weniger gutem Recht.

,,Lord Percival Leobund, Leiter der Abteilung Neutrale Staaten im Galaktischen Norden, im Auswärtigen Ministerium."

, vermeldete Percy kurz und knapp, als er an der Reihe war. Schließlich übernahm wieder der Staatssekretär das Wort.

,,Der Grund weshalb dieser Expertenrat zusammengetreten ist, dürfte ihnen allen in groben Zügen bekannt sein. Lassen Sie ihn mich in aller Kürze nocheinmal vertieft darstellen. Der Krieg hat begonnen und während die Republik mit dem Vorstoß aus Kashyyyk einen ersten Fokus setzt, werden wir vor allem im Galaktischen Norden zuschlagen. Erste militärische Züge sind bereits im Gange, doch wir wollen uns hier auf das diplomatische Parkett spezialisieren. Mit einem recht aggressiven Vorgehen konnte die Republik bereits neutrale Planeten nördlich von Kashyyyk, eine bedeutende Anzahl, unter ihre Schirmherrschaft bringen und ist bei einigen noch dabei. Das Ziel dieses Expertenrates ist ein ähnliches. Zwischen den Supersektoren 9 und 14 liegt nicht nur viel Republikanisches Gebiet, sondern auch eine gewaltige Menge an neutralen Staaten. Wir wollen hier Schritte erdenken und konkrete Handlungen koordinieren, die schließlich dazu führen sollen, dass diese Gebiete dem Imperium einverleibt werden. Ist das soweit klar?"

Die Männer in der Runde nickten. Sie alle hatten vorher entsprechende Unterlagen erhalten um sich vorzubereiten und einzuarbeiten, dass, was der Staatssekretär erzählte war also kaum etwas wirklich neues. Percy hatte sich zurückgelehnt und gelauscht, als nun der Blick des Staatssekretärs auf ihm zu ruhen kam.

,,Nun gut, dann werden wir doch einmal konkreter. Als ein erster, sinnvoller Schritt erscheint es mir, die Informationslage fürs erste zu sondieren. Abteilungsleiter Leobund, ich denke Sie können uns hier erhellen."

Percy ließ seinen Blick durch die Runde schweifen. Ihm missfiel es erneut, dass sein Titel ausgespart blieb, doch dagegen ließ sich hier wenig machen. Mit absoluter Selbstverständlichkeit nickte er schließlich auf die Worte des Staatssekretärs.

,,Nichts leichter als das. Ich habe ein Dossier vorbereitet, was Informationen über die neutralen Planeten und Staatssysteme im von uns betrachteten Raum enthält. Ich stand mit den Botschaftern vor Ort und habe aktuelle Geheimdienstinformationen genutzt. Sie werden also kaum eine aktuellere Informationsquelle finden. In Zusammenarbeit mit den Botschaften vor Ort habe ich eine Prioritätenliste erstellt, welche Planeten sinnvoll sind, zuerst angegangen zu werden. In dem Dossier sind weiterhin strategische Pläne enthalten, die die Botschaften bereits seit längerem verfolgen um eine möglichst ... pro-imperiale Stimmung zu erzeugen. Ich habe mir die Freiheit genommen, diese mit Anmerkungen und weiteren Gedankengängen zu versehen, vor allem bei den besonders zu priorisierenden Planeten."

Er tippte auf seinem Computer, der vor ihm in den Tisch eingelassen war einige kurze Befehle. Die Daten waren äußerst ausführlich, enthielten jedoch immer auch einen kurzen Abschnitt, der prägnant das Wichtigste zusammenfasste. Percy würde sich hier in seinem mündlichen Bericht nur kurz auf das Wesentliche fokussieren. Er wusste beim Besten Willen nicht, was die ganzen Leute hier tun wollten, dies war doch keine Arbeit, für die man zehn mehr oder weniger wichtige Leute extra in einen düsteren Konferenzraum nach Bastion beordern musste.

,,Sie sollten jetzt alle Zugriff auf die Dateien haben. Als besonders dringend habe ich die Planeten Listehol und Zygerria klassifiziert, um so die Republik vom Coporations-Sektor abzuschneiden, wichtige Planeten an den Hyperraumrouten zu sichern und auch, gerade über Listehol, eine mögliche Verbindung der beiden Supersektoren zu erzielen. Eher im Galaktischen Westen liegen Birgis, Bimmiel und besonders die Ciutric Hegemonie, kurz vor den Grenzen des Republikanischen Raums. Trotz dieser geographischen Nähe hält die starke aristokratische Prägung des letzteren die Republik noch von einem zu starken Ausgreifen ab. So nah an dem Republikanischen Raum eine Ansammlung bereits recht zentral regierten und wohlhabenden Welten für das Imperium ... zu begeistern würde sich meiner Meinung nach hervorragend als Speerspitze eignen. Aber sie haben die Daten ja vor sich. Falls diese irgendwelche Fragen offen lassen, bitte, dafür sitze ich ja hier."

[ Bastion || Bastion-Center || Regierungsgebäude || Flur ] - Percival Leobund, Sir Jared Bellfourd, Gregory Doyl, Gouverneur Bellori
 
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