Coruscant

[Coruscant-System | Coruscant | Obere Ebenen | Jedi-Tempel| Westturm, Meditationsraum | Lieutenant Arkadi Duval, Eowyn, Ian

Es würde eine schwierige, harte Befragung werden, davon war Arkadi von Anfang an ausgegangen. Ein Sith war ein Sonderfall, etwas, auf das selbst die beste Ausbildung und Erfahrung einen Agenten kaum ausreichend vorbereiten konnte, die Angehörigen des dunklen Ordens spielten ähnlich wie die Jedi in einer anderen Liga und machten spezielle Maßnahmen erforderlich. Selbst eine normale Befragung war eine heikle Angelegenheit und verlangte Geduld und Vorsicht, dies galt hier umso mehr. Doch der blonde Mann war fest entschlossen, die Befragung durchzuziehen und die Wahrheit zu ergründen, egal um welchen Preis. Er würde dafür sorgen, dass die wahre Natur des angeblichen Überläufers enthüllt wurde, ob diese nun seinen Behauptungen entsprach oder nicht. Alle in diesem Raum würden erfahren, was für ein Mensch Ian Dice war, und es würde keine Ausflüchte mehr geben, keine Tricks und keine Lügen. Und keine schützende Hand der Jedi, die der Wahrheitsfindung im Weg stand. Sicher, Arkadi würde sich an die Spielregeln halten, die der Orden aufgestellt hatte, und Eowyn keinen Vorwand geben, ihrem Schützling zur Seite zu springen. Ihrem Schützling, der ihr so viel zu bedeuten schien. Seit dem Augenblick, in dem er den Raum betreten hatte, hatte er ihr signalisiert, dass die Zeit der Schonung vorbei war. Ohne Zweifel war die betont freundlich lächelnde Frau davon ausgegangen, dass man den angeblichen Überläufer weiter mit Samthandschuhen anfassen würde. Der Raum, der Kaf und Kuchen, selbst ihre warme, einladende Stimme bewiesen das. Die Großmeisterin hatte einen gemütlichen Plausch im Sinn gehabt, ohne unangenehme Fragen und ohne Druck. Hatte sie Angst, dass etwas über ihren Schützling ans Tageslicht kommen würde? Etwas, das auch sie belastete? Der ehemalige Soldat nahm sich vor, auch diese Möglichkeit zu ergründen. Wer sich derart für jemand anderen einsetzte, musste Hintergedanken haben. Arkadi verzichtete darauf, auf ihre freundliche oder auch nur gespielt freundliche Begrüßung einzugehen. Er war hatte nicht vor, sich einlullen zu lassen. Ein subtiler Machtkampf war entbrannt, der bereits damit begann, dass Eowyn demonstrativ einwilligte, dass seine Leute den Raum durchsuchten, obwohl er nicht um Erlaubnis gebeten hatte. So wollte die Frau mit dem lockigem Haar zeigen, dass sie ihm nicht alles durchgehen lassen würde.

Die Untersuchung des Raumes diente zwei Zwecken. Zum einen sollte damit in der Tat sichergestellt werden, dass niemand mithören konnte. Angesichts der laxen Sicherheitsvorkehrungen der Jedi wollte der Lieutenant nicht ausschließen, dass jemand entsprechende Technik versteckt haben könnte. Und da die Informationen, die Ian angeblich besaß, so brisant waren, durfte er kein Risiko eingehen. Der zweite Zweck war deutlich zu machen, dass diese Befragung richtig durchgeführt werden würde, nach Vorschrift. Unangenehmes Schweigen herrschte, während die beiden Agenten den Raum überprüften und Arkadi nutzte die Zeit, um Ian zu betrachten, die kühlen blauen Augen des Agenten suchten nach Zeichen von Angst oder anderen Hinweisen. Der angebliche Überläufer hielt seinem Blick stand und starrte zurück, ein lautloses Duell. Der Sith war größer als Arkadi und machte einen kräftigen Eindruck, sein dunkles Haar und seine braunen komplementierten den Kontrast zu dem Agenten. Arkadi konnte sich gut vorstellen, wie der Sith mitleidlos auf andere geblickt hatte, kurz bevor er ihre Leben beendet hatte, und wie sehr seine Opfer sich vor diesem großem Mann gefürchtet hatten. Abscheu kam in dem Agenten auf. Wegen Leuten wie Ian waren Milliarden gestorben, auf beiden Seiten. Arkadi war damals zur Armee gegangen, um die Bürger der Neuen Republik vor Monstern wie den Sith zu schützen, und während er für die gewöhnlichen Soldaten des Imperiums trotz der Schrecken so etwas wie Mitgefühl empfunden hatte, weil sie nicht wirklich wussten, was für Bestien sie dienten, so hatte er die Sith schon damals aus ganzen Herzen gehasst.

Der Agent zwang sich, seine Gefühle etwas zu dämpfen. Er war hier um die Wahrheit herauszufinden, das Urteil würden andere fällen müssen. Seine kleine Ansprache hatte zumindest dafür gesorgt, dass diese unerträgliche falsche Lächeln von Eowyns Gesicht verschwunden war, die Jedi nickte ernst und meinte, dass diese Sache im Sinne aller richtig und fair anzugehen war, wobei sie letzteres betonte. Mit fair meinte sie wohl, dass man den Gefangenen weiterhin wie Schulbuben behandeln sollte, der ein paar Äpfel gestohlen hatte. Oh, Arkadi würde fair sein. So fair wie es nur ging, kalt und sachlich und der Wahrheit verpflichtet. Auch Ian sah sich zu einer Aussage genötigt, mit hartem Gesichtsausdruck verkündete der Sith, dass die vom Virus betroffenen Lebewesen unabhängig von der Entscheidung über sein Schicksal weiter leiden würden. War das eine Drohung, gemäß der Maxime, wenn man ihm keine Gnade zeigte, würde er sein Wissen mit ins Grab nehmen, oder ehrlich gemeint? Die blauen Augen des Agenten wurden etwas schmaler, doch er sah weiterhin aus dem Fenster. Der angebliche Überläufer fügte hinzu, dass auch er diesen Lebewesen etwas schuldete und ihnen im Rahmen seiner Möglichkeiten helfen wollte. Arkadi ließ das unkommentiert. Die Wahrheit würde noch früh genug ans Licht kommen und dann würde sich zeigen, ob er das tatsächlich so meinte. Er wäre nicht der erste Verbrecher, der durch Kooperation Milde erlangen wollte. Nachdem Arkadi sich an den Tisch gesetzt hatte, holte Eowyn sich erst einmal einen Kaf und erkundigte sich, ob auch die beiden anderen etwas wollten, was beide mit einem Kopfschütteln verneinten. Zumindest darin waren sie sich einig. Arkadi war die Reaktion des Sith bei dem Wort Familiengeschichte nicht entgangen. Ein wunder Punkt? Es schien ganz so.

Gerne hätte Arkadi schon an dieser Stelle nachgehakt, doch Eowyn sprang ihrem Schützling zur Seite und äußerte sich auf ihre penetrant freundliche Weise, und der Agent nickte knapp. Die Jedi erklärte im Brustton der Überzeugung, dass sich Ian sich aufgrund seiner „aufopferungsvollen“ Rettung eines Neugeborenen schonen sollte und Pausen notwendig sein könnten. Er war versucht zu erwidern, dass die Opfer des Virus auch keine Pause einlegen konnten, schwieg aber. Er hatte nicht vor, den Sith zu quälen oder über Gebühr zu belasten, allein schon aus dem pragmatischen Grund, dass die Befragung dann ins Wasser fallen würde. Diese Sache mit dem Neugeborenen, da würde er noch nachhaken.


„Zur Kenntnis genommen.“


Bestätigte der blonde Mann knapp. Die Großmeisterin fuhr fort, runzelte fragend die Stirn und verlange zu erfahren, warum der Agent über die Familiengeschichte sprechen wollte, spitzfindig verwies sie auf den Unterschied zwischen Verhör und Befragung. Arkadi bließ demonstrativ ruhig, er wollte nicht, dass diese Machtnutzer etwas von ihm erfuhren. Natürlich nutzte Ian diese Steilvorlage, die seine Beschützerin ihm so eifrig geliefert hatte, und geradezu süffisant meinte der Sith, dass er sehr wohl kooperativ war, aber nur für Fragen, die der Sache dienlich waren. Es war eine gute Entscheidung gewesen, keinen Kaf zu nehmen, kam Arkadi in den Sinn, aber er überwand seinen Ärger rasch, denn hier war etwas interessantes zur Sprache gekommen. Die Familie war definitiv ein wunder Punkt bei Ian.


„Es ist üblich, im Rahmen einer Befragung ein psychologisches Profil zu erstellen. Wie sie sicher wissen, sind Kindheit und Jugend überaus wichtig für die Prägung einer Person. Wenn sie aber derart entschieden dagegen sind, werden wir auf diesen Abschnitt verzichten. Ich werde das entsprechend vermerken.“


Vollständige Kooperation von jemanden, der seine Schuld begleichen wollte, sah anders aus, fügte Arkadi in Gedanken zu. Der Agent macht eine kurze Pause und legte dann einen Scanner vor Ian auf den Tisch.


„Dieses Gerät dient zur Erfassung Ihrer Biodaten. Es genügt, wenn Sie Ihre Finger darauf legen, die Abdrücke werden dann erfasst. Zudem wird das Gerät eine kleine Blutprobe entnehmen. Schmerzfrei.“


Erneut eine kleine Pause und Arkadi legte das zweite Gerät, den sogenannten Lügendetektor, daneben. Es war nun auf Ian gerichtet und erfasste seine Vitalwerte. Natürlich konnte es, anders als die Bezeichnung vermuten ließ, Lügen nicht von Wahrheit unterscheiden, sondern lediglich Hinweise liefern, ob jemand aufgeregt war oder nicht. Ein fähiger Agent nutzte diese Daten, verließ sich aber nicht auf sie.


„In Ordnung. Für die Erstellung Ihrer Akte benötige ich zunächst Ihre biographischen Grunddaten. Mr. Dice, ich brauche Ihren vollständigen Namen und falls Sie je unter einem anderen Namen geführt wurden auch diesen. Zudem die Welt und wenn möglich den Ort, in dem Sie geboren wurden, Ihr Geburtsdatum und die Namen Ihrer Eltern. Wenn sich letzteres ebenfalls als zu...unangenehm für Sie erweist, wird das zwar unsere Arbeit erschweren, aber die Entscheidung liegt bei Ihnen. Anschließend...“


Der Agent legte die Fingerspitzen aneinander und beugte sich etwas nach vorne, seine kühlen blauen Augen fest auf Ian gerichtet.


„...möchte ich über Sie und die Sith sprechen. Spezifisch die Umstände und Gründe, die Sie zum Beitritt bewogen haben, Ihre Stellung in der Organisation des Ordens und die Tätigkeiten, die Sie in seinem Namen ausgeübt haben. Zudem die Namen wichtiger Sith, mit denen Sie zu tun hatten. Falls Sie mit Vertretern der Jedi oder der Neuen Republik ebenfalls...Kontakt hatten, wären deren Namen und eine Beschreibung der Umstände ebenfalls hilfreich. Da wir gerade von Namen sprechen...ich weiß, dass einige Mitglieder der Sith einen neuen Namen wählen, sobald sie einen bestimmten Rang erreichen. Haben Sie das ebenfalls getan?“


Arkadi hatte vor, das Leben dieses Mannes Stück für Stück auseinanderzunehmen und zu analysieren, nach Hinweisen zu suchen, warum er zu den Sith gegangen war und warum er angeblich nun übergelaufen war. Nach allem was der Agent wusste war Ian längere Zeit ein Sith gewesen und hatte keinen niedrigen Rang innegehabt, und wenn er die Wahrheit sagte, musste es irgendeinen Grund gegeben haben, warum er zu zweifeln begonnen hatte und schließlich hier gelandet war. Wenn sich die Schilderung als glaubwürdig erweisen sollte, würde Arkadi ihm vielleicht eher Glauben schenken und versuchen, ihn nicht mehr als Sith zu sehen. Vielleicht.


[Coruscant-System | Coruscant | Obere Ebenen | Jedi-Tempel| Westturm, Meditationsraum | Lieutenant Arkadi Duval, Eowyn, Ian
 
Coruscant, Jedi-Tempel – Medizinische Abteilung, Saal 21 – NPCs, Brianna und Talery


Als sie Eisblume dann noch einmal genauer nach dem Geruch des Bithjedi fragte musste die Caamasi erst überlegen, bevor sie ihre Antworte formulierte. Schließlich kannte sie ja außer Kuka-Rouz keine anderen Bith. Daher stellten sich kurz nachdenklich ihre purpurnen Gesichtsdaunen auf ehe sie ihre Wahrnehmungen beschrieb.


"Ich denke ich kann mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass er jetzt anders riecht als zuvor. Für meine empfindliche Nase riecht er im Moment etwas angenehmer als vorher. Nicht mehr so beißend und streng. Für genauere Rückschlüsse bräuchte ich aber viel mehr Beobachtungen von Patienten der gleichen Spezies. Wobei das vermutlich hier nicht das Problem sein sollte bei der Menge an Erkrankten."


Dabei verzog die Caamasi kurz bedrückt den blau lackierten Schnabel. Zumindest die Echanijedi war äußerst gespannt wie sich die für Talery wahrnehmbaren Geruchsveränderung bei Patienten entwickelten und sie selbst empfand selbstverständlich auch eine gewisse Neugierde. Dennoch traute sie sich nicht allzu große Hoffnungen diesbezüglich zu machen. Für sie war es allenfalls ein "Nebenkriegsschausplatz", da sie mit dem vielen, langen Heilen schon genug gefordert war. Sie konnte nur froh sein, dass das Riechen der Patienten für sie keine zusätzliche Anstrengung darstellte. Daher mühte sie sich einfach aufmerksam zu sein bei den nächsten Patienten.

Nach ihrer Pause ging es mit ihrer langen, anstrengenden Schicht weiter, nach deren Ende sich schließlich auch Brianna breit schlagen ließ den Ortolaner einmal auszuprobieren, was die Caamasi freute, denn sie würde zu gerne noch einmal ortolanisch essen gehen. Hoffentlich war der Ortolaner hier so gut wie jener, den sie in Erinnerung hatte, was zugegeben bereits auch wieder einige Jahre her war. Nachdem sie ihre unansehnlichen Krankenhauskluften ausgezogen und zum Waschen gegeben hatten, brachte Eisblume das Gespräch leider wieder auf das leidige Thema Lichtschwert. Sogar ihr Kristall wurde als was Besonderes gelobt, was ihr vor Brena schon etwas unangenehm war. Brenas beeindruckend wirkende Geste bekam sie in dem Zusammenhang gar nicht mit, weil sie ihren Blick verlegen auf den Boden gesenkt hatte.


"Ich weiß ja und bei den Anstrengungen, die wir tagsüber leisten müssen werde ich deine Hilfe wohl auch brauchen, Meisterin."


Es war jedenfalls eine sehr herausfordernde Situation und so schnell würde es mit Sicherheit nicht einfacher werden, zumindest nicht ohne Heilmittel. Beim Ortolaner angekommen tat es einfach gut mal zu sitzen ohne etwas tun zu müssen und dabei atmete die Caamasi den Essensgeruch tief und fest ein. Was war das für eine Wohltat im Gegensatz zur Krankenstation. Auch konnte sie ihre Nase dort ja nicht einfach mental ausblenden, wo sie doch darauf achten wollte wie sich der Körpergeruch der Patienten vor und nach der Machtheilung veränderte. Umso mehr genoss sie es nun hier, auch wenn die Umgebung hier auch nicht unbedingt eine Augenweide oder eine Geruchskomposition nach Caamasivorstellungen war. Aber das störte die müde Padawan gerade recht wenig. Es war auch angenehm, dass Brena, die Talerys Angestrengheit sehr wohl bemerkt hatte, sie zu trösten versuchte.


"Danke, Brena. Ich habe ja auch selbst bereits gemerkt, dass mir schon so einiges leichter fällt wie bei Schichtbeginn. Das ist wie das richtige Kombinieren von Parfüms, Kleidung und Pflegeprodukten. Man muss auf die vielen kleinen Nuancen achten. Die Feinheiten können unheimlich viel ausmachen."


Als die große Whiphidin ihnen dann auch noch einen Tipp gab wurde sogar Brianna noch neugierig. Sich gegenseitig zu heilen klang jedenfalls recht vernünftig und wenn es die anderen Heiler auch machten, dann musste es ja auch etwas bewirken.


"Das ist gut zu wissen! Danke, Brena. Dann wissen wir jedenfalls, was wir die nächsten Tage und Wochen über in den kurzen Pausen machen werden, nicht wahr, Brianna?"


Dabei lächelte Talery ihre Meisterin kurz an, ehe sie bei einer zu ihrem Tisch gekommenen Ortolanerin etwas bestellte, was vom Namen her äußerst lustig klar, aber nach Zutatenliste für ihren empfindlichen Magen genau das Richtige sein müsste. Die beiden erfahreneren Heilerinnen unterhielten sich dann auch noch darüber, dass man beim intensiven Heilen wohl auch einen höheren Nahrungsbedarf hatte. Darüber hatte die Padawan bisher zugegeben noch überhaupt nicht nachgedacht. War man dann wirklich so hungrig? Gut, im Moment hatte sie schon einen ordentlichen Hunger, aber sie war sich nicht sicher, ob dies jetzt so viel mehr war als sonst. Daher nahm sich die Caamasi vor dies wie so vieles erst einmal genauer zu beobachten, bevor sie für sich selbst irgendwelche Rückschlüsse zog. Dennoch brauchte sie für die nächsten Tage energiereiche, körnerhaltige Riegel, also Müsliriegel und ähnliches. Vielleicht gab es das ja auch auf der Krankenstation vorrätig, aber zur Sicherheit wollte sie später noch einen Droiden der Jedi zu einem nahegelegenen Nahrungsmittelgeschäft schicken für den Fall, dass es im Tempel nichts Geeignetes für sie gab.

Das Essen, dass schließlich von derselben Ortolanerin gebracht wurde roch jedenfalls ausgezeichnet, so dass Talery noch minutenlang einfach nur hätte da sitzen und das Aroma genießen können. Aber das Hunger war dann doch zu stark und sie ließ es sich wirklich schmecken. Es war nach Talerys Empfinden noch so einem langen, anstrengenden Tag einfach nur mehr echt köstlich. Nasser Hund und Eisblume hatten im Ürigen ähnlich viel Hunger und beide holten sich nach dem Ortolaner noch ein halbes Nuna vom Agamarianer für später, was dann für Talery doch zu viel gewesen wäre. Daher verzichtete sie dankend auf die zweite Runde. Danach wünschten sie sich eine gute Nacht. Morgen würden sie sich ja ohnehin wieder sehen. Inzwischen war die Padawan auch wieder etwas besser wiederhergestellt. Das Essen hatte die Müdigkeit und Ausgelaugtheit etwas reduziert. Allerdings hätte die Caamasi als sie in ihrem gemeinsamen Quartier angekommen waren sich am liebsten gleich aufs Bett geworfen und höchstens noch etwas in Chesara Syonettes Beschreibungen gelesen, denn an ihrem Lichtschwert zu arbeiten. Davor hatte sie momentan einfach noch einen viel zu großen Bammel. Aber leider wurde Brianna nicht müde das Thema immer wieder zu erwähnen. In dem Fall war das gemeinsame Quartier ein Nachteil, denn ihre bleiche Meisterin hatte sofort alle nötigen Lichtschwertteile bei der Hand bzw. in einer großen, flachen Schale. Dass alles gefühlt zweimal vorhanden war konnte sie sich nach kurzem Überlegen erschließen. Die Echani hatte sich ja auch schon seit längerem vorgenommen sich selbst nochmals ein Lichtschwert zu bauen. Talery fragte sich insgeheim zwar zu welchem Zweck. Sie hatte doch eh eines. Das reichte doch, oder? Aber dies auch laut anzusprechen traute sie sich in dem Moment nicht. Dann würde sie sich ja so vorkommen als wollte sie absichtlich vom Thema ablenken und den Eindruck wollte sie dann auch nicht entstehen lassen. Brianna meinte es ja im Grund gut, auch wenn sie selbst das Vertrauen ihrer Meisterin in die Fähigkeiten ihrer Padawan nicht so ganz nachvollziehen konnte bzw. wollte. Ihr gefiel nämlich die Position einer Padawan auch sehr gut. Man hatte keine Verantwortung und bekam im Grunde alles von ihrer Meisterin gesagt. So einfach würde es als Ritterin nicht mehr sein. Dann musste sie Farbe bekennen und selbst aktiv werden. Aber nun gab es kein Entrinnen mehr als Eisblume als nötigen Teile auf einmal schweben ließ und sie vage so zusammensetzte wie es bei einem Lichtschwert sein musste. Seufzend musterte Talery den Aufbau, wo jedes Teil hingehörte. Aber so ohne weiteres konnte sie sich das mit Sicherheit nicht merken.


"Das sieht ja überaus kompliziert aus. Gibt es da irgendwo einen Bauplan, den ich mir ansehen kann? Und was muss ich denn mit meinen lila Kristall machen? Passt der so oder ist der noch irgendwie zu bearbeiten? Vom Schliff her sieht er ja toll aus, aber keine Ahnung welche Anforderungen ein Lichtschwert an seinen Kristall stellt."


Etwas überfordert blickte sie dann von den Teilen zu ihrer Meisterin. Ja, für Talery wäre es gewiss keine Motivation gewesen Lichtschwertteile zu bekommen. Sie hatte es ja erst im Laufe ihrer Ausbildung akzeptiert, dass das Tragen eines Lichtschwert und die Verteidigung damit notwendig für eine Jedi war.


"Ich meine so eine Meditation über dem Kristall würde ich mir für heute noch zutrauen, aber so viele Lichtschwertteile gleichzeitig zu halten und richtig zusammenzusetzen erscheint mir etwas viel zu sein. "


Der verunsicherte Blick der jungen Caamasi war dabei nicht zu übersehen. Vermutlich würde sie gewiss einen Teil der Lichtschwertteile auf den Boden schmeißen und womöglich beschädigen, sagte sie sich. Die Teile sind doch mit Sicherheit nicht gerade billig...



Coruscant, Jedi-Tempel – Quartiere – Brianna und Talery
 
Coruscant – Jedi-Tempel - Westturm - alter Meditationsraum - mit Ian und Arkadi, 4 NPCs vor der Tür

Eowyn war sich bewusst, dass Ian seine Herzprobleme momentan wohl am liebsten unter den Tisch fallen lassen würde, für sie kam das allerdings nicht in Frage. Sie wusste, dass Ian noch immer anfällig war, sie wusste, dass er sich schonen sollte, und die Befragung eines Agenten des Geheimdienstes gehörte da keinesfalls darunter. Für ihn war es wohl ein Zeichen von Schwäche - für sie war es eines von Stärke, denn es zu erwähnen zeigte nun einmal, was Ian geleistet hatte, was für Opfer er brachte. Es machte sicher nicht gut, was er in der Vergangenheit getan hatte, aber es machte deutlich, dass Ian heute ein anderer Mensch war, dass er sein bestes gab, um einen anderen Weg zu gehen. Mehr konnten die Jedi und auch die Neue Republik aktuell nicht verlangen.
Viel wichtiger war ihr allerdings der zweite Punkt. Ian hatte selbst ihr gegenüber niemals wirklich über seine Kindheit gesprochen, sie konnte sich nur an das eine Mal erinnern, das eine Mal, bei dem er ihr die Morde gestanden hatte, und natürlilch an den Abend, als sie über seine Narben gesprochen hatten. Eowyn wusste, dass seine Kindheit und Jugendzeit bis zu dem Moment, als er seine Familie verlassen hatte, grauenvoll gewesen sein musste, und vor allem, dass er es vermied, darüber zu sprechen. Es würde ihm nicht schaden, im Gegenteil - vielleicht würde der Agent sogar ein kleines bisschen verstehen, wie aus Ian das werden konnte, was er geworden war. Eowyn zumindest hatte es geholfen, da war sie sich ziemllich sicher.
Andererseits ahnte sie, dass Ian Schwierigkeiten damit haben würde. Solche Dinge auszugraben belastete einen, es würde alles, was da noch kam, vielleicht schwerer machen.

Einmal davon abgesehen, dass Eowyn
wirklich wissen wollte, weshalb Duval bei einer Befragung die Familiengeschichte erkunden wollte.

Ein psychologisches Profil... bei einer simplen Befragung? Duval verzichtete darauf, auf Eowyns Frage bezüglich des Verhörs oder der Befragung einzugehen, was Eowyn deutlih machte, dass es sich sehr wohl eben nicht um ein Verhör handelte. Und ihr war es neu, dass bei einer einfachen Befragung gleich das ganze Spektrum aufgefahren wurde, selbst der Lügendetektor hatte hier vermutlich nichts verloren. Gegen ihn allerdings würde sie nicht protestieren - denn erstens wusste sie, dass Ian ehrlich war und nichts bewusst verdrehen würde, und zweitens sollte sie nur die Dinge ansprechen, bei der sie auch eine Chance auf Veränderung hatte. Und ob der Agent auf diesen Detektor verzichten würde... nun ja.
So blieb Eowyn nur, ein leises
Ist es das, ja?, in ihre Tasse zu murmeln, als sie einen erneuten Schluck nahm, und ihre Augenbrauen hochzuziehen.
Interessant war auch, dass weder sie noch Ian ausgeprochen hatten, dass sie dagegen waren - sie hatten nur nachgefragt. War Duval in diesem Punkt aus gutem Grund vorsichtig? Oder war er, auch diese Möglichkeit zog Eowyn in Betracht, schlicht und einfach korrekt? Um dies zu beurteilen hatte Eowyn tatsächlich noch nicht genug Aktionen dieser Art beigewohnt, also würde sie in diesem Fall nicht urteilen.

Der nächste Seitenhieb, die kleine Pause vor dem Wörtchen "unangenehm", entging Eowyn nicht. Schon vorher hatte sie deutlich gespürt, was Duval von Ian hielt, und sie war sich sicher, dass auch Ian nicht die Gefühle entgangen waren, während sie ihr kleines Augenduell ausgefochten hatten. War dem Agenten klar, wie deutlich manche Dinge vor Ian und ihr - oder zumindest auf jeden Fall vor ihr selbst lagen? Sein ruhiges, klares Äußeres konnte über manches vielleicht hinwegtäuschen, konnte auch viele Lebewesen auf eine falsche Fährte führen, aber sie hatte zuindest einen Eindruck davon, wie es in seinem Inneren aussah. Das war sein gutes Recht - von niemandem konnte verlangt werden, sein Inneres zu kontrollieren, zu verändern. Die Gedanken waren nun einmal frei, und Eowyn würde niemals, niemals darüber urteilen wollen.
Dennoch galt ihrer Ansicht nach auch für Nicht-Machtnutzer, sich nicht von seinen Gefühlen beherrschen zu lassen. Ob Duval das konnte - das würde sich noch zeigen.

Was ihre eigene Person anging - nun wurde es thematisch und inhaltlich ernst, für sie war also nicht mehr viel zu sagen, und so lehnte Eowyn sich äußerlich entspannt auf ihrem Stuhl zurück, ihre Kaftasse mit beiden Händen haltend, und sah Ian an. Er hatte nichts zu verlieren - Ians Gründe, die Sith zu seiner Wahl zu machen, waren nicht ausschließlich von niederen Gefühlen geprägt gewesen. Jetzt würde sich aber zeigen, inwiefern er in der Lage war, das hier "nur als Gespräch" zu sehen.
Sie öffnete sich ein wenig, zeigte Ian, wie sehr sie ihn liebte, und schickte ihm ihr Vertrauen - ja, manchmal, das musste sie zugeben, war es eben doch geschickt, wenn man über Wege verfügte, die andere absolut nicht wahrnehmen konnten. Einmal davon abgesehen, dass sie nichts Verbotenes tat, nein, sie unterstützte Ian nur und gab ihm hoffentlich etwas Halt und Kraft. Das könnte ihr niemand übel nehmen.


Coruscant – Jedi-Tempel - Westturm - alter Meditationsraum - mit Ian und Arkadi, 4 NPCs vor der Tür
 
Coruscant – Jedi-Tempel - Westturm - alter Meditationsraum, der gerade für etwas missbraucht wird, das weit von Meditation entfernt liegt - mit Eowyn und Arkadi, 4 NPCs vor der Tür

Es bedurfte weder der Macht, noch einem Vorurteil, um Duval halbwegs einschätzen zu können. Die kalten, blauen Augen, die in Ians starrten, die Haltung, alles was der Agent ausstrahlte: er hatte sein Urteil längst gefällt und Ian war sich sicher, dass dieser Mann es nicht einfach revidieren würde. Auch Eowyn hatte, als er ihr damals offenbart hatte, wer er war, geurteilt, doch sie war offen gewesen. Duval hingegen? Sicher nicht. Für ihn war Ian ein Monster, das für Tod und Leid verantwortlich war und selbst wenn Ian gewollt hätte, dass der Agent anders über ihn dachte, wie hätte er das bewerkstelligen sollen? Er war ein Monster gewesen. Er hatte Leid und Tod über andere gebracht. Was Duval glauben wollte, würde Ian nur bestätigen können, denn sicher würde er vor diesem Mann nicht in Tränen ausbrechen und ihn davon überzeugen suchen, wie sehr ihm all das Leid tat. Ja, er bereute aufrichtig– doch der andere würde nichts davon glauben und Ian würde nicht dafür sorgen, das Duval Mitleid oder etwas anderes empfinden würde. Mitleid wollte er nicht, so wenig wie er mit Samthandschuhen angefasst werden wollte. Der Wunsch nach Gnade war da, aber nicht nach Vergebung. Nicht nach Verzeihung und Ian war bereit, seine Strafe entgegen zu nehmen, auch wenn diese sein Ende bedeuten würde. Ungeschoren kam er nicht davon und ungeschoren wollte er nicht davon kommen. Ohnehin, wie auch immer das Strafmaß ausfallen würde, Ian würden seine Taten sein Leben lang begleiten. Ob es nun noch Tage, Monate oder Jahre andauerte.
Noch während der Agent aus dem Fenster blickte und seine Gesichtszüge so verbarg, spürte Ian eine Welle an Abneigung über ihn hinwegschwimmen und Ian schirmte sich gegen das Gefühl des anderen ab, ließ seine Mauern selbst aber unten, auch wenn alles in ihm danach schrie, genau das nicht zu tun. Die Jedi draußen und Eowyn, sie würden spüren, was Ian fühlte und je stärker Ians Gefühle wurden, umso deutlicher würde vermutlich auch Duval spüren. Dabei war es verrückt. Ian war meisterhaft darin gewesen, zu verbergen, was er fühlte. Seine Maske hatte er sich über Jahre antrainiert und jetzt war der Zeitpunkt, an dem er sie ablegen musste, vor allem, da Duval kein Jedi war, was die Sache vielleicht vereinfacht hätte. Wes hatte er bereits angeboten, zuzulassen, dass jemand in seinen Geist drang, doch Duval konnte dieser jemand nicht sein.

Duval antworte schließlich auf Eowyns Frage und Ian kam nicht umhin, innerlich den Kopf zu schütteln. Ein psychologisches Profil. Natürlich. Um dann was? Den Versuch zu starten, Erklärungen zu finden? Um Mitleid vorzutäuschen, wo keines war? Oh, Ian war entschieden dagegen und so kooperativ er auch sein wollte: Niemand, niemand ging seine Kindheit etwas an. Tahiri hatte er im Dunkeln gelassen, Alisah gegenüber hatte er nur erwähnt, dass die Narben von seiner Familie stammten. Und Eowyn? Wusste bereits genug. Doch Duval? Nein. Dieses Gespräch wurde außerdem aufgezeichnet und Ian war nicht bereit etwas zu erzählen, das seine Position nur schwächen konnte. Er würde keine Informationen preisgeben, die Duval am Ende doch nur gegen ihn verwenden würde. Er würde nicht über alles sprechen, nein, nein, das würde er nicht. Der Agent legte die Sache so aus, als hätte Ian etwas unerhörtes getan, als hätte er sich verweigert – doch das hatte er bisher nur innerlich und da spürte der Dunkelhaarige nun seinerseits, wie er Abneigung zu empfinden begann und er kämpfte gegen jene an, als er seinen Finger auf das Gerät legte. Der kleine Stich war kaum wahrnehmbar und viel unangenehmer als jener, war das zweite Gerät, welches seine Vitalwerte erfasste, doch er würde es ignorieren, so gut er eben konnte. Vitalwerte, von wegen. Sein Herz spielte verrückt und am Ende würde Duval nur glauben, er log, schon allein, weil dieser Mann das glauben wollte. Als läge ihm etwas an der Wahrheit – das, an was ihm lag, so war Ian überzeugt, war in so schnell wie möglich vor Gericht zu schleifen. Abschaum. In den Augen des anderen war Ian bloß Abschaum und war es nicht auch ein Teil dessen, den Ian selbst von sich glaubte? Ihm wurde warm, schon jetzt und kurz fixierte Ian das Gerät, das ihn überprüfte. Das ihn am Ende wahrscheinlich zum Lügner abstempeln würde. Dabei zählten Lügen tatsächlich nicht zu den Dingen, die Ian sich vorwerfen konnte. Bis auf diese verhängnisvolle Unterschrift und diese Lüge war die schlimmste von allen.

„Mein voller Name ist Ian Dice, ich wurde nie unter einem anderen geführt, außer bei den Sith, dort gab ich mir den Namen Darth Keebo.“ Ian stockte kurz, denn auch wenn er nicht unter anderem Namen geführt worden war, so hatte er doch einmal einen gefälschten Pass bei sich getragen. „Ich habe einmal unter falschem Namen einen Vertrag unterschrieben. Den Vertrag, der die Vorverhandlungen für den Frieden einläutete. Ich unterschrieb mit Acini Ed, einem Anagramm aus Ian Dice.“ All diese Dinge würde Ian nicht verbergen und seine Stimme klang sachlich, so als gebe er hier wirklich nur etwas zu Protokoll. War das gut? War es nicht besser, Gefühle zu zeigen? Doch was hätte er zeigen sollen? Es ging um Daten und jene würde er Duval liefern. „Geboren wurde ich am 16.04, mein … Vater … hieß Jerome Dice, meine....Mutter … hieß Gracie, geborene Forrester.“ Seine Brüder erwähnte Ian nicht, denn nach Geschwistern hatte Duval nicht gefragt. „Ich wurde auf Telos IV geboren, in der Hauptstadt Thani.“ Ian presste Sekunden den Kiefer aufeinander, als er überlegte, ob es sinnvoll war, von sich aus zu sagen, seine Eltern keines natürlichen Todes gestorben waren. Sicher würde Duval danach fragen und warum sollte Ian ihm hier die erste Chance überlassen? Doch anzufügen, dass er sie auf dem Gewissen hatte, ihn und seine Brüder? Ian wurde noch wärmer und erneut richtete sich sein Blick auf das Gerät, das seine Werte überprüfte. Dabei wusste er genau, was es anzeigen würde: einen beschleunigten Herzschlag. Doch dann spürte er Eowyn, die ihm urplötzlich etwas vermittelte, was ihn beruhigte und Ian versuchte, so leise wie möglich ein und auszuatmen.
„Sie sind keines natürlichen Todes gestorben“, sagte er dann, leise und hätte er Duval nicht dafür hassen sollen, ihm al das erzählen zu müssen?
Nein, antwortete eine innere Stimme direkt. Denn Duval tat nichts weiter, als seinen Job und Ian hätte nichts erzählen müssen, wenn es nichts zu erzählen gegeben hätte.

„Ich kann Eure Worte nur bestätigen, Agent Duval,“ gab Ian dann zu, sah dem anderen Sekunden entgegen, braune Augen in blaue. „Ich habe Leid und Tod über Wesen gebracht. Aber was auch immer ich dazu sagen werde…“ Er würde ihm nicht glauben. „Ihr haltet mich für ein Monster, weil ich ein Sith gewesen bin, ich werde nicht abstreiten, ein solches gewesen zu sein“ und ehrlicher konnte Ian nicht antworten. „Doch ich werde genauso wenig versuchen, Euch mit Worten vom Gegenteil zu überzeugen.“ Erneut sah er dem Agenten entgegen, zwang sich, ihm direkt in die Augen zu sehen. Doch schlussendlich musste Ian weg sehen, starrte auf einen Fixpunkt. Wenn er das schon gesagt hatte, dann… „Ich hatte sieben Brüder und auch sie…“ Es konnte nur furchtbar klingen. Selbst jetzt, als Ian das zweite Mal hörte, sich sagen hörte, was er getan hatte, klang es schrecklich. Vielleicht noch schlimmer, als bei Eowyn. „Ich habe drei von ihnen umgebracht,“ und Ian zwang sich, nicht in einen Flüsterton zu verfallen, zwang sich, noch einmal zu Duval zu sehen, vielleicht nur für eine winzige Sekunde, seine Stimme wurde nicht leise, aber tonlos. Und auch wenn sie nicht danach klang, als wäre er stolz, klang sie nahezu bar jeglicher Emotionen und Ian war sicher, dass Eowyn allein erkennen würde, das dem nicht so war. „So wie ich meine Eltern umgebracht habe.“ War er damit nicht mitten in seiner Familiengeschichte? War es Duval nicht schon gelungen, ihn dazu zu bringen, einen Teil davon preis zu geben? Hätte er diese Informationen überhaupt preisgeben müssen? Ian mahlte mit dem Kiefer, starrte wieder zu seinem Fixpunkt, schluckte, schien mit diesem Schlucken alle aufkommenden Gefühle zu verdrängen, sie direkt in seinen Magen zu verfrachten, in dem er ein dumpfes Gefühl zu spüren begann. „Und schon davor habe ich auch getötet.“ Und jetzt flüsterte er doch. Die Piraten… doch er konnte sich nicht erinnern. Er konnte sich nicht wirklich erinnern. Da war das Bild von ihm und dem Messer ins einer Hand, da war das Bild von dem Piraten, der sich von Tahiri erhoben hatte, dass das Bild, wie sie tot in seinen Armen gelegen hatte, wie ihr Kopf immer wieder leblos zur Seite geglitten war. Doch nahezu alles, was dazwischen lag, war ausradiert, weg aus Ians Erinnerung. Wieder war da diese Zahl acht und wieder kam das dumpfe Gefühl, breitete sich vom Magen aus, lastete nun auch auf seiner Brust. Acht. Die Zahl war groß und die Zahl war furchtbar, doch es war besser, er nannte sie gleich, ehe Duval falsche Schlüsse zog, ehe Duval von noch mehr ausging. Dabei spielte fast keine Rolle mehr, ob die Zahl sich vergrößerte. Acht oder zehn – für Duval würde es keinen Unterschied machen und für Ian? „Acht. Ich habe acht Menschen ermordet.“ Was natürlich nicht stimmte, wenn er das Virus einbezog, waren es mehr, denn auch indirekter Mord war nichts weiter als Mord. Ian schluckte erneut, als er seinen Blick losriss, ihn über die Tischplatte wandern ließ. „Und für ihr Protokoll und ihr psychologisches Profil,“ und da war kein Hohn in seiner Stimme, „Ich habe keine Befriedigung dabei empfunden. Ich habe es nicht gerne getan. Aber ich habe es getan und ich war sicher gewesen, das es mein Recht war.“ Und mit diesen Worten hatte er sich freiwillig aufs Schafott begeben. Jetzt musste er nur noch warten, bis Duval es bediente.

Coruscant – Jedi-Tempel - Westturm - alter Meditationsraum, der gerade für etwas missbraucht wird, das weit von Meditation entfernt liegt - mit Eowyn und Arkadi, 4 NPCs vor der Tür

.
 
Zuletzt bearbeitet:
[ Coruscant - Jedi-Tempel - Ebene 107 - Werkstatt ] Rilanja, Zasuna und zwei Soldaten

Die Entscheidung, ob sie ein Lichtschwert bauen wollte, blieb also ihr überlassen. Insgeheim hatte Zasuna gehofft, dass ihre Meisterin ihr diese Entscheidung irgendwie abnehmen würde. Eine klare Aufforderung es zu tun, oder eben die Aussage, dass sie dazu noch nicht bereit war, wäre doch eine tolle Sache gewesen. Langsam aber sicher wurde ihr klar, dass sie ihren eigenen Weg finden und ihre eigenen Entscheidungen treffen musste. Nicht immer würde jemand da sein, der ihr sagte, was sie zu tun und was sie zu lassen hatte. Dies zu Erlernen war definitiv auf ein Teil der Jedi-Ausbildung. Oder auch des "Erwachsen Werdens", wobei Zasu eigentlich der Meinung war, diesen Punkt bereits vor einer Weile hinter sich gelassen zu haben.

In Anbetracht der ungemütlichen Entscheidung, die sie zu treffen hatte, verlagerte sie ihr Gewicht von einem Fuß auf den anderen und musterte Rilanjas Aura in der Macht, als würde sich dahinter die Antwort auf alles verbergen. Ihre Aura hatte den typischen Schimmer und Glanz eines Jedi angenommen, durchmischt von freundlichen, warmen Farben. Und dennoch traute Zasuna sich nicht, sich weiter vorzutasten um womöglich zu erfahren, was ihre Freundin gerade dachte. Eine Aura war manchmal wie ein Nebel, man konnte darin eintauchen aber etwas zu finden war schwierig, wenn der gegenüber es mit Absicht versteckte. Als sie das Gedankenlesen auf Mon Calamari an nicht machtgeschulten Personen ausprobiert hatte, war ihr das dann doch vergleichsweise leicht gefallen.
Sie musste zurückdenken, wie diese Dinge in den Holofilmen dargestellt wurden. Gerne sah das aus wie ein Computersystem, in das man sich nur mit dem richtigen Passwort hinein einhacken konnte. Sie sah das weitaus weniger technisch. Aber dafür brachte sie ihr wirrer Gedankengang auch zur Antwort auf die Frage, die noch immer im Raum stand.


"Ich habe dir auf dem Flug hier her schon erzählt, dass ich es absolut nicht mit Technikkrams hab. Ich bin froh, wenn ich einen antiken Emitter von einem Comgerät unterscheiden kann."

Mit dem Finger tippte sie dabei auf ihre Schläfe und damit auch auf das dunkle Band, welches ihre fehlenden Augen versteckte. Technik und Bauteile waren ihr ein Graus. Graue, schwarze Felder in ihrem Sichtfeld.

"Wie soll ich eine gefährliche Waffe aus etwas bauen, was ich nicht einmal sehen kann? Eines meiner größten Probleme bei der Ausbildung mit Meister Adrian war, dass ich das Lichtschwert und seine Klingen nicht sehen kann. Das ist beim Lichtschwertkampf äußerst hinderlich, wie du dir sicher vorstellen kannst."

Es war mehr als nur hinderlich, und das war allen Anwesenden klar. Sie hatte sogar befürchtet, deswegen ihre Ausbildung zur Jedi abbrechen zu müssen. Wenn es nach ihr ginge, hätte sie auch gerne beim Kampfstab bleiben können. Das entsprach auch etwas mehr der Jedi-Philosophie, bei der es ja weniger darum ging Kampfgegner zu verstümmeln. Doch sie hatte gelernt und eingesehen, dass das Ritual des Lichtschwertkampfes ein zentraler Bestandteil der Lehren war.

"Meister Adrian war der Meinung, dass durch eine direkte Beziehung zu der Waffe die Möglichkeit besteht, dass ich eine Verbindung dazu aufbaue. Daher war er der Meinung, dass es in meinem Fall sinnvoll wäre, den Bau des Lichtschwertes nicht wie üblich an das Ende der Ausbildung zu stellen, sondern eben vorzuziehen. Aus dem Grund habe ich mich während seiner Abwesenheit schon auf Lianna ausführlicher mit dem Thema beschäftigt."

Aus ihrer Manteltasche zog sie das Flimisplast mit ihren Notizen, welches sie damals in der Bibliothek gerade beschrieben hatte, als sie Rilanja das erste Mal begegnet war. In der Bibliothek fühlte sie sich wie zu Hause und sicher. In der Theorie hatte sie das Prinzip zum Bau des Schwertes verstanden. Die Praxis war eine ganz andere Hürde.

"Macht das deiner Meinung nach auch Sinn oder hast du eine andere Idee?"

Aus der Innentasche ihres Umhangs zog sie kurz danach ein ganz anders Objekt. Es war jener blaue Kristall, den ihr Meister Joff auf Alpheridies als Reisebegleiter und Mutmacher mitgegeben hatte. Seit diesem Zeitpunkt hatte sie den Stein immer bei sich getragen. War das die Lösung zu ihrem großen Problem oder einfach nur Wunschdenken? Sie hielt den Kristall zwischen Daumen und Zeigefinger nach oben, damit Rilanja ihn auch gut sehen konnte.

"Aber eins weiß ich genau: Ich schaffe das nicht alleine."

[ Coruscant - Jedi-Tempel - Ebene 107 - Werkstatt ] Rilanja, Zasuna und zwei Soldaten
 
[Coruscant / Obere Ebenen / Jedi Tempel / Hangar]JK und Gaya

Gaya kam eine halbe Stunde später zum Hangar und begrüßte den Ke'Dor.

"Guten Tag Padwan, bereit für die Reise?"

Sie sah wohl gerüstet aus mit ihrer dicken Reiserobe und dem kleinen Rucksack locker über der Schulter.
Er selbst hatte einen Rucksack mit etwas Proviant, ein bisschen Geld in verschiedenen Währungen und seinen Credit Chip. Zusätzlich ein paar extra Klamotten und ein wenig Ersatzteile sollte JK mal wieder das Bedürfnis haben sein Lichtschwert zu schrotten.
Sie stiegen die Anhöhe zur Rampe Charlie-4 hoch und betraten das Jedi-Shuttle, dass sie auf die Correllianische Hyperraumroute bringt.

"Der Flug wird knapp 2 Wochen dauern, in der Zeit können wir uns weiter um deine Kontrolle mit der Macht kümmern."

Mit einem lauten brummen erwachten die Kuat Drive Triebwerke zum Leben. Eine Sullustanerin in Pilotenuniform kam noch einmal durch den Gang des kleinen Schiffes und versicherte sich dass alle an Board waren. Kurz gab es Probleme mit einem Mann aus Malastare dessen Pass wohl abgelaufen war.
Nach dem die ganzen Check in Routinen durch waren erhob sich das Schiff vom Boden und brachte sie in die äußere Umlaufbahn des Planeten.
Durch die Scheibe konnte man den Blockadering des Militärs sehen um unberechtigte Transfers von und zum Planeten zu verhindern. Zwei A-Wings tauchten an ihrer Flanke auf und begleiteten sie zum Sprungpunkt. Das surren der Triebwerke wurde kurz lauter und plötzlich wurden aus Punkten lange Streifen.
Dies war ein Anblick an dem sich der Jedi nie sattsehen würde. Der einzelne Mann ist nichts und alles ist die Macht!

"Ich schlage vor wir gönnen uns eine Mütze schlaf, wenn wir wieder wach sind können wir dein Training fortsetzen!"


[Correllianische Hyperraumroute / Hyperraum / Jedi Shuttle]JK und Gaya

OP: Weiter im Hyperraum Thread :)
 
Coruscant, Jedi-Tempel - großer Garten - im Quarantäneanzug - bei Markus, Elise, Wes, War und die Sandpanthers

Kurz hatte Alisah eine Schnute gezogen. Konnte es wirklich sein, das Markus Adrian genau so lange nicht gesehen hatte wie sie? Das Adrian nicht überall rum gegangen war und über seine unmögliche Schwester gezetert hatte war schon komisch. Aber warum sollte Markus sie darüber anlügen. Also gab Alisah recht bald die leichte Grimasse auf und nickte nur Andeutungsweise. Sie rechnete es ihm hoch an, das er nicht viel auf Gerüchte gab und doch musste sie Eines einräumen.

Na ja, ein paar der Gerüchte werden - denke ich - schon wahr sein.
Ich hab durchaus einigen Mist angestellt. ...


Ein abschätzender Blick wanderte zu Elise hinüber, deren nicht gerade ausgeprägte Zuneigung zu ihr, war durchaus deutlich fühlbar, auch wenn sie erklärt hatte, dass die Freude auch auf ihrer Seite war. So wie Alisah das spürte, nicht weniger mehr als Lippenbekenntnisse, zumindest in dem Moment, in dem klar wurde welcher Art Alisah's Vergangenheit war.
Allerdings konnte man das Elise nicht unbedingt übel nehmen. Wenn Alisah ehrlich war, dann hätte sie sich, damals als Dhemya's Padawan, nicht so zusammen gerissen und so nen angeblichen ExSith sicher ziemlich schräg von der Seite an gemacht.
Fast mehr über die Alisah von damals als über Elise, verdrehte Alisah kurz die Augen und wandte sich dann aber wieder Markus zu.


... aber bei weitem nicht so viel wie mancher vielleicht denkt. Wenn du unbedingt willst erzähl ich dir von mir. Wenn ihr Zeit habt.

Ja wenn sie Zeit hatten. Und dann würde er auch mehr über sich erzählen müssen und diese Elise würde vielleicht auch ein paar Worte mehr raus bringen als die Floskel von vorhin.

OH!

Das über diese letzte Mission klang ja nicht so gut. Thearterra..., kein Zuckerschlecken..., ein rauer Planet..., nicht unbedingt ein Erfolg... .
Waren sie da vielleicht auf Sith getroffen? War Elise deshalb so ablehnend? Hm...


Du must mir da mehr...

Alisah kam nicht dazu aus zu sprechen, denn Wes kam zu ihnen und sprach auch sie an.

Ich? Ähm, Ja.
Hm, kann man so sagen!


Nuschelte sie beinahe ein bisschen verlegen, weil sie sich ertappt fühlte. Klar, keiner hatte es ihr verboten oder sie aufgehalten, aber explizit erlaubt, weil es ihr so gut ging, hatte ihr diesen Ausflug auch keiner.
Was diesen Punkt betraf war es beinahe ein Glück, dass Wes nicht viel Zeit zu haben schien und nicht weiter nachfragte sondern sich gleich an Markus wandte.
Klar, sie hätte jetzt gerne mit Wes gesprochen, vor allem über das Angebot das er ihr gemacht hatte und das sie durchaus annehmen wollte. Doch dafür war später noch Zeit. Er hatte sicher unheimlich viel um die Ohren, also wollte sie ihrerseits im Moment auch nicht im Weg sein und trat einfach ein paar Schritte zur Seite. Nicht zuletzt auch weil diese Republiksoldaten (War und Anhang), die sie vorhin von Ferne gesehen hatte, auch mit näher gekommen waren und sie nicht unbedingt plötzlich in einen Gewehrlauf sehen wollte weil irgendwer sie identifizierte. Hach, wie gut dass sie den Schutzanzug trug. Und jetzt nur nicht auffallen.
Was?
Wes schien direkt eine Aufgabe für Markus und Elise zu haben! Och menno!
ein bisschen frustriert knapperte Alisah an ihrer Unterlippe. Wenn das wirklich so war würde sie sich nicht unterhalten können und Markus wäre wieder so schnell fort wie er aufgetaucht war.
Leise schnaufte Alisah, würde aber auch dagegen nichts tun können.


Coruscant, Jedi-Tempel - großer Garten - im Quarantäneanzug - bei Markus, Elise, Wes, War und die Sandpanthers
 
- Coruscant – City – Straßen – Mit Rámon -

Sie verließen die Wohnung noch vor Morgengrauen, wie Schatten die sich heimlich noch im Dunkeln davon stahlen, bevor der Tag ihre Tarnung aufdecken würde.

“Du trägst die alleinige Verantwortung.“

Chesaras Stimme wog leise über dem entfernten Rauschen von Verkehr, so allgegenwärtig auf Coruscant wie der leicht penetrante Geruch der Abgase. Rámons Blick war nach vorne gerichtet.

„Glaub mir, ich bin mir den Risiken mehr als bewusst.“

Hinter ihm verschwand der Block von Bauten, in dem sich sein Vater und ein Teil seiner Geschwister in relativer Sicherheit in der familieneigenen Wohnungen aufhielten zwischen anderen, weit größeren Gebäuden und Betonmauern. Dort hatte Chesara ihre Jedi-Robe zurück gelassen und sich stattdessen in eine Hose von Cloé Cortina und in eine Jacke, die einmal deren Schwester gehört hatte, gekleidet. Beides war ihr eine Spur zu groß, doch es war praktische Kleidung und sie war warm angezogen. Niemand, der ihr Gesicht nicht kannte, würde eine Jedi in ihr sehen. Fast war es, als reise sie zurück in die Vergangenheit. Gerade erst war sie froh gewesen, sich auf Coruscant wieder frei bewegen zu können, da tauchte sie schon wieder unter, nur dass sie diesmal nicht vor dem Imperium davon lief, sondern selbst auf der Jagd war. Chesara suchte nach Antworten. Sie plante die gezielte Untersuchung des Virus in möglichst vielen verschiedenen Spezies, die nach ihrem bisherigen Wissensstand ganz unterschiedliche Symptome und sich daraus entwickelnde Krankheitsverläufe begünstigten. Ein roter Faden zog sich zwar durch alle Infizierungen, doch hier und da gab es Abweichungen zu dem Bild, das sie bisher hatten. Die Anpassungsfähigkeit des Virus, durch die er es schaffte sich in den unterschiedlichsten Metabolien zu manifestieren, war seine größte Stärke – und das größte Problem bei seiner Bekämpfung. Chesaras einfache Hoffnung war, dass wenn sie wussten, wie sich der Virus zusammen setzte, sie auch eine bessere Chance hatten ein Heilmittel zu finden. Erst damit wäre die erste Hürde genommen. Die zweite würde sein, ein potentielles Heilmittel auch für alle Spezies verträglich und vor allem wirksam zu machen. Dazu waren eine gute Kooperation und ein regelmäßiger Austausch aller involvierten Seiten essentiell. Damit der Orden wusste, wo sie sich aufhielt, würde Chesara alle paar Tage Rückmeldung dazu geben, hatte sie beschlossen, kleine Updates über ihre Aktivitäten und ihren Aufenthaltsort, den sie so oft wie möglich wechseln würde. Das war ihr Plan: nie zu lange verweilen, sich im Verborgenen halten und helfen wo sie konnte. Über die Zerstörung des Lazaretts hatte sie den Rat bereits informiert. „Meinen Informationen nach ist die vormals benutzte Halle nach einem Feuer gänzlich unbrauchbar geworden.“, hatte sie an die übrigen Jedi Räte geschrieben. „Was an Equipment nicht zerstört worden ist, ist entwendet worden. Ich wünschte, ich hätte bessere Nachrichten, doch die gibt es nicht. Das Lazarett ist Geschichte und ich werde mich morgen aufmachen zu anderen problembehafteten Kommunen.“ Sie hatte von dem wütenden Mob berichtet, der das Ende der Krankenaufnahme bedeutet hatte, und auch von ihrer eigenen Verletzung und ihrem Glück, dass sie jemanden gehabt hatte der sich um sie gekümmert hatte. Zu begreifen, dass das Lazarett Geschichte war, war noch immer schwierig für sie. Sie hatte so vieles dort bewirkt und hätte vielleicht noch mehr erreichen können, doch sie war nicht mächtig, nicht kompetent, nicht fähig genug gewesen, den Aufstand in den Griff zu bekommen und die Bewohner des Slums vor sich selbst zu bewahren. Das warf sich Chesara selbst vor. Auch deswegen musste sie jetzt weiter machen, an anderer Stelle. Das war sie sich selbst und der unteren Schicht Coruscants schuldig.

“Ich bin nicht gänzlich undankbar für deine Anwesenheit.“

Dass sie, was den wissenschaftlichen Teil ihrer sich selbst auferlegten Untersuchungen betraf, durchaus auf fachmännische Hilfe angewiesen war, darüber war sich Chesara bewusst. Sie war keine ausgebildete Medizinerin und sie hatte nie studiert, daher fehlte es ihr an vielen Stellen an Hintergrundwissen – Lücken, die ein ausgebildeter Arzt füllen konnte.

„Dann hast du eine seltsame Art, das zu zeigen.“

Obwohl er nicht unfreundlich klang, lächelte Rámon nicht und Chesara schüttelte den Kopf, über sie beide und über die Situation. Als sie gestern entschieden hatte alleine zu gehen, hatte Rámon nicht widersprochen. Kein Wort hatte er gesagt. Dann, heute morgen, war er neben ihr erschienen, zum Aufbruch bereit, und hatte sich nicht umstimmen lassen, allen Versuchen zum Trotz, und Chesara hatte sich eingestehen müssen, dass sie es längst nicht mehr gewohnt war, dass sich ihr jemand widersetzte.

“Hast du die Zahlen gesehen, die sie heute Nacht noch veröffentlicht haben?“

Wollte sie wissen. Krankenhäuser, Lazaretts und andere Hilfsstationen hatten die Verluste addiert, die sie bis zu diesem Tag zu beklagen hatten. Es waren nicht nur Zahlen, es waren Leben die ausgelöscht worden waren, verloren an einen Virus, der vor nichts und niemandem Halt machte. Und das war nur der offizielle Stand.

„Ja, habe ich.“

“Die Dunkelziffer wird sehr viel höher sein. Ich weiß, dass du mir helfen kannst, Rámon. Ich kann den Virus alleine heilen, aber ich kann ihn nicht alleine analysieren. Dazu brauche ich dich. Aber die Dunkelziffer wird sehr viel höher sein. Die veröffentlichten Zahlen haben nur die registrierten Sterbefälle erfasst. Das ist ein Bruchteil von dem, was wirklich um uns herum passiert.“

Er blieb stehen, wandte sich ihr zu und sah sie direkt an.

„Warum versuchst du mir Angst zu machen?“

Wollte er wissen.

„Weil ich Familie habe? Weil ich für meine Kinder verantwortlich bin? Meine Kinder sind mit Abstand das Wichtigste in meinem Leben und ich weiß genau, welche Verantwortung ich für sie trage. Sie sind einer der Gründe, warum ich mit dir mitgehen muss. Wir müssen diesen Virus vernichten – vielleicht nicht du und ich, aber irgendjemand muss und wird es tun und vielleicht können unsere Studien dabei helfen.“

Wie zwei Kämpfer standen sie sich gegenüber, dachte Chesara, doch dort wo Entschlossenheit in seinen Augen stand, wusste sie, dass er Zweifel in den ihren sehen musste.

“Und wenn du krank wirst?“

Fragte sie sanft.

“Was mache ich dann?“

„Dann tust du, was du immer tust. Du kannst den Virus in jedem Stadium heilen, Chesara, ich habe es selbst gesehen.“

“Das ist nicht fair.“

Er spielte den Ball damit zurück in ihre Hände. Wenn es darauf ankam sollte sie den letzten Pass machen.

“Nichts ist fair. Nur weil du eine Jedi bist, hast du das Recht, volles Risiko zu gehen nicht für dich alleine gepachtet.“

Glaubte er, dass sie das dachte? Dass sie das Übel dieser Galaxis ganz alleine bekämpfen konnte und würde? Sie wusste sehr gut, was Zivilisten wie die Cortinas im Kampf gegen das Imperium geleistet hatten. Diese ganze Familie hatte noch keine Gefahr gescheut und dennoch war die jetzige Situation eine andere.

„Du glaubst doch, dass die Macht dich beschützt.“

Sie holte tief Luft. Ihr Vertrauen in die Macht war so groß, dass das tatsächlich stimmte. Chesara wusste, tief in ihrem Inneren und ohne es mit nachvollziehbarer Logik erklären zu können, dass sie nicht erkranken würde. Und Rámon wusste das, weil sie es ihm erzählt hatte.

„Dann glaub‘ einfach, dass sie uns beide beschützt.“

- Coruscant – City – Straßen – Mit Rámon -
 
Coruscant, Jedi-Tempel – Ortolanische Cantina – NPCs, Talery und Brianna

Brianna hatte keinen Zweifel daran, dass Talery mehr als genug olfaktorische ‚Anschauungsobjekte‘ im Jedi-Tempel finden würde, um weitere Geruchsstudien an Infizierten durchzuführen. Ihr fiel sogar ein Vergleichs-Bith ein: Ji Vewis, medizinischer Leiter an Bord der Thranta während der Denon-Operation. Die Echani würde überraschen, wenn er nicht auf Coruscant weilte. Wahrscheinlich würde er in ähnlicher Position tätig sein wie Meisterin Thropp in ihrem Team. Er würde nicht schwer zu finden sein; die Mirialan hatte sich schon im Krankensaal befunden, als Talery und Brianna morgens gekommen waren und sie war noch dort gewesen, als die Echani sich endlich der fürchterlichen Heilerrobe hatte entledigen können. Sie schien genauso so viele Patienten zu behandeln wie die anderen Heiler, hatte aber zusätzlich noch den ganzen organisatorischen Kram am Hals. Brianna hoffte, dass sie nicht gleich ein eigenes Team bekommen würde, sobald ihre Meisterbeförderung in trockenen Tüchern war. Es schien schrecklich viel Arbeit zu sein. Ihr Pensum reichte auch so schon, so dass die Silberhaarige Talery absolut keinen Vorwurf machen konnte, auf die Hilfe beim Lichtschwertbau angewiesen zu sein. Die Caamasi schlug sich wacker und in der medizinischen Abteilung verausgabte sie sich sinnvoller, als wenn sie auf eigene Faust Grundlagenforschung im Jedi-Waffenbau betreiben müsste.

Dass auch Brianna Brenas Ansicht nach Fortschritte als Heilerin gemacht hatte, ging ob des Lobs für ihre Padawan fast unter. Mit dem Vergleich Talerys zwischen Machtheilung, Mode und Körperpflege konnte die muskulöse Athletin aber rein gar nichts anfangen. Abwesend nickte sie, während sie dachte, dass Kleidung vor allem eine Eigenschaft haben musste: sie durfte nicht im Weg sein. Vorzugsweise brachte diese auch Briannas Bombenfigur zur Geltung; das waren die zwei Dinge, die den Heilerroben im Jedi-Tempel völlig abgingen. Großen Abstimmungsbedarf mit Pflegeprodukten sah sie nicht – die Echani variierte da nicht viel. Ein Deo musste vor allem zuverlässig Gerüche überdecken – nach einem schnellen Training zwischendurch oder einer Lichtschwert-Übungsstunde für Padawane war nicht immer Zeit, sofort zu duschen. Wie man Gerüche auf Kleidung abstimmen konnte, überstieg sowieso Briannas Fassungsvermögen – vielleicht machte es aber in der Wahrnehmungswelt einer Caamasi Sinn. Mit dem Vorschlag ihrer Padawan, sich in den Pausen gegenseitig zu heilen, konnte sie dagegen sofort etwas anfangen.


„Definitiv! Ich möchte mich nicht schon wieder so kaputt und ausgelaugt fühlen wie nach Denon – obwohl ich befürchte, dass es die Entwicklung angesichts der Lage hier nur hinauszögert,“

Meinte die Jedi-Ritterin düster. Dass sie sich sportlich nicht weiterentwickeln können würde, solange sie im Kampf gegen das C-Virus im Einsatz war, damit hatte sie sich abgefunden. Angesichts des vielen Materials über ihre Mutter, welches Brianna von ihrem Onkel erhalten hatte, war dies ein Jammer. So viele neue Dinge auszuprobieren… aber in dem Fall durfte sie wohl froh sein, wenn sich ihre Verluste an Kraft und körperlicher Leistungsfähigkeit in Grenzen hielten. Die Silberhaarige war jedenfalls wild entschlossen, alles in ihrer Macht stehende zu tun, um dies zu verhindern und ordentlich zu essen zählte dazu.

Wenn man sich erst einmal an die Abwesenheit von Gewürz gewöhnt hatte, schmeckte Ortolanisch gar nicht schlecht. Trotzdem freute Brianna sich schon seit der Agamarianer in Riechweite gekommen war, auf das deftige Vogelvieh. Sie konnte es gar nicht erwarten, sich über ihren Nach-Abendessen-Imbiss herzumachen, doch dieser Vogel musste bis nachher warten. Zunächst musste sie Talery helfen, ihr Lichtschwert zu bauen oder vielmehr erst einmal dazu bewegen, mit dem Bau zu beginnen. Der Blick auf die Teilesammlung der Echani-Jedi, wo diese bereits alles für ihre Padawan außer dem Kristall vorbereitet hatte, wirkte ebensowenig beruhigend wie eine kleine, grobe Demonstration den Montageprozesses. Talery hielt diesen für überaus kompliziert, was schlichtweg nicht stimmte. Brianna war keine Leuchte in technischen Dingen und trotzdem in der Lage gewesen, sich den Zusammenbau aus Büchern zu erschließen. Besonders schwierig konnte es demzufolge nicht sein, wusste die Silberhaarige, obwohl sie das so niemals laut ausgesprochen hätte. Anders verhielt es sich beim Zweiphasenlichtschwert, an dessen Konstruktion sie bisher gescheitert war. Dabei war nicht ausgeschlossen, dass es Jedi gab, die sowas ebenfalls für einfach hielten.

Es schien Brianna, als würde Talery momentan alles lieber tun als ein Lichtschwert zu bauen, vielleicht sogar noch eine Schicht in der medizinischen Abteilung, wenn man sie fragte. Offensichtlich hatte die Caamasi bereits davon gehört, dass Lichtschwertkristalle eingestimmt werden mussten und ihre Meisterin war bereit, sich damit zufrieden zu geben – besser das als heute gar nichts mehr zu erreichen! Allerdings erinnerte Brianna sich nicht daran, je groß über ihren Kristall als solches meditiert zu haben und sie bezweifelte, dass Kestrel es an ihrer Stelle getan hatte. Wenn sie ehrlich war, war es eher eine ziemliche Wischiwaschi-Meditation über das Lichtschwert als Ganzes gewesen, ohne dass die Silberhaarige zu dem Zeitpunkt genau gewusst hatte, was sie tat. So gesehen machte es tatsächlich in Talerys Reihenfolge mehr Sinn – Brianna schwirrte der Kopf zu sehr vor lauter Bauanleitungen, als dass sie noch genau wusste, wie genau diese wo beschrieben worden war. Außerdem musste sie in der Retrospektive sagen, dass der ganze Prozess wenig glorreich verlaufen war. Manchmal musste man erst zurückblicken um zu erkennen, wie sehr man sich verändert hatte und das hatte sie in den letzten beiden Jahren als Jedi-Ritterin allerdings. Die Echani hatte den Lichtschwertbau selbst lange vor sich hergeschoben und als einfach hatte sie ihn damals auch nicht empfunden – dabei war sie da schon Ritterin gewesen. Es wäre nicht richtig, wenn sie Talery nicht dasselbe ebenfalls zugestehen würde.


„Wie sieht dein Kristall denn aus? Ist er ungefähr so geschliffen wie dieser da?“

Fragte Brianna und öffnete eine kleine Schatulle, welche die für das Zweiphasenlichtschwert benötigten Kristalle enthielt. Den größten, eisblau funkelnden, entnahm sie und zeigte ihn Talery.

„Das ist ein Permafrostkristall, ein Geschenk der Talz von Alzoc III. Es ist ebenfalls ein Lichtschwertkristall und wurde geschliffen von Rätin Horn, er ist also zweifellos in Ordnung. Wenn deiner so ähnlich aussieht, haben wir kein Problem, denke ich.“

Sie seufzte.

„Kaum zu glauben, dass das schon über zwei Jahre her ist. Ich war 24 damals und demnächst werde ich 27, habe es aber noch nicht geschafft, daraus das Lichtschwert zu bauen, das ich haben will. Jedenfalls kann man alle möglichen Kristalle für ein Lichtschwert verwenden, wie du siehst, solange diese auf die Macht eingestimmt werden. Ich schätze, wir können genauso gut damit beginnen…“

Während des letzten Satzes blätterte Brianna bereits betont beiläufig durch die Sektion Lichtschwertbau im Leitfaden für junge Ritter und stellte fest, dass dort ebenfalls erst der Kristall eingestimmt und dann das Lichtschwert zusammengesetzt wurde. Hatte sie das damals überlesen? Bestimmt hatte sie damals eine andere Anleitung benutzt, die den Vorgang andersrum beschrieb, beruhigte sie sich.


„So kompliziert ist der Zusammenbau der Teile nicht, wenn man erst einmal weiß, wie es geht und vielleicht ein paar Mal versucht hat. Aber es muss nicht mehr unbedingt heute sein, da gebe ich dir recht. So würde das in etwa aussehen,“


Erläuterte Brianna, als sie Talerys Lichtschwertteile in der Schale mit den Händen anordnete. Sie war nicht gewillt, der Caamasi den Leitfaden für junge Ritter zu geben, in welchem die entsprechenden Schaubilder vorhanden waren. Noch war sie ihre Padawan und wollte ihren Informationsvorsprung nicht ohne weiteres aufgeben. Brianna stand auf und holte ein weiteres Datenpad aus ihrer Tasche (wann hätte sie auch Zeit zum Einräumen gehabt?). Auf diesem befand sich die Broschüre ‚Lichtschwertbau in einer Vweiluschale‘ und ein schneller Blick offenbarte der Echani, dass auch hier zunächst der Kristall eingestimmt wurde (gleich in Abschnitt 3 ‚Behandlung des Kristalls‘ und nicht erst in Abschnitt 9 ‚Montage der Komponenten‘). Konnte das etwa der Grund sein, warum das Zweiphasenlichtschwert nicht funktionierte, fragte sich die Jedi-Ritterin im Stillen. Andererseits würde Mondlicht, ihr aktuelles Lichtschwert, dann auch nicht funktionieren. Je länger sie darüber nachdachte, desto komplizierter schien Lichtschwertbau zu sein und keine ‚einfache Aufgabe, so sie mit der nötigen Sorgfalt ausgeführt wird‘, wie Abschnitt 1 behauptete. Die Broschüre reichte Brianna trotzdem ihrer Padawan, mit den Schemata (Abschnitt 9, Abbildungen 2 bis 7) aufgerufen.

„Hier. Im Nachhinein hätte es Sinn gemacht, wenn du mir damals beim Zusammenbau gleich zugesehen hättest. Es war ja absehbar, dass du einmal selbst in die Situation kommen würdest. Aber weißt du was? Wenn ich so darüber nachdenke, sollten wir einfach morgen früh zum Rat gehen, mit oder ohne Lichtschwert. Ich hatte ja auch kein eigenes bei meiner Beförderung. Kestrel hat ihr erstes von Rätin Horn bekommen. So wärst du schneller Ritterin und hättest nicht mehr den Zeitdruck, was die Lichtschwertkonstruktion angeht,“


Schlug Brianna plötzlich vor, die im Moment gerade nicht daran dachte, dass sie ihre Padawan zum damaligen Zeitpunkt niemals beim Lichtschwertbau hätte zusehen lassen. Dafür war sie sich damals ihrer Sache selbst viel zu unsicher gewesen und das Risiko, sich zu blamieren, viel zu groß.

Coruscant, Jedi-Tempel – Quartiere – Talery und Brianna

Hab Briannas Lichtschwertbau nach etwas Suchen gefunden: http://www.projektstarwars.de/thema/weltraum-neue-republik.44224/page-69#post-1492457
 
Coruscant - Jedi-Tempel - Gärten - NPCs, Alisah, Markus, Elise, War und Wes

So in Eile wie er war, spürte Wes die durchaus vorhandenen Schuldgefühle seiner potentiellen Padawan Alisah nicht. Vielleicht waren es auch die eigenen, die die fremden überdeckten. Einer jungen Jedi die Schülerschaft anzubieten und dann postwendend zu verschwinden, das konnte man eigentlich nicht bringen. Nun trafen sie rein zufällig erneut aufeinander und der Taanaber Jedi-Rat hatte erneut keine Zeit für die junge Frau. Es war eine dumme Situation; Wes schwor sich, diese so bald wie möglich wieder ins Lot zu bringen, nur eben nicht jetzt sofort. Er kam sich vor, als lief das ganze Chaos auf Coruscant momentan bei ihm zusammen, wie die Fäden in einem Spinnennetz und Wes tat sein Bestes, nicht irgendwo kleben zu bleiben.

»Das ist großartig, Alisah! Hör zu, ich werde bald wieder nach dir sehen und weitermachen, wo wir aufgehört haben. Ich muss nur vorher noch zwei, drei Dinge regeln, okay?«

Nicht dass Wes großartig auf eine Antwort gewartet hätte – das waren Angewohnheiten, die im gestressten Krankenhausmanageralltag mit der Zeit verloren gingen. Aber man gewöhnte sich dafür daran, einfach irgendwo hineinzuplatzen und wie es schien, hatte die Macht ihn mit Markus und seiner Padawan genau zu den richtigen Personen geführt.

»Das trifft sich gut, sehr gut sogar…,«

Begann der Jedi-Rat und wandte sich an Elise.

»Wes Janson, ganz recht. Mir ist es auch eine Freude. Ich denke, deinen Namen in einem Bericht gelesen zu haben… Thearterra, oder nicht? Schön, dass ich dem nun ein Gesicht zuordnen kann, so ein hübsches noch dazu…«

Es schadete ja nichts zu testen, ob der alte Charme noch funktionierte, der ihn in einer Umfrage der Kernweltenausgabe von ›Leute Heute‹ immerhin den… naja, lieber nicht daran denken oder sich gar bildlich vorstellen. Geschäftlicher und an beide gerichtet fuhr er fort:

»Mir ist zwar nicht bekannt, dass der Auftrag als solches gefährlich wäre, aber die Erfahrung ist sicher nicht verkehrt. Ich benötige jemand, der Admiral Blade, seine Leute und mich begleitet. Wir untersuchen einen Schauplatz proimperialer… Aktivitäten. Klingt nach nichts großem, aber ich habe ein komisches Gefühl bei der Sache, als ob mehr dahinter steckt, als es den Anschein hat. Wir müssten aber sofort los. Seit ihr dabei?«


Wes war sicher, dass was sie dort vorfinden ganz sicher keine Tierarztpraxis war und es dort auch keine Energydrinks gab. Auch ein Geheimagent wäre daher sicher nicht verkehrt, aber Agent Duval war nicht mehr im Garten zu spüren. Da hätte er einmal die Chance gehabt, sich nützlich zu machen anstatt den Jedi zu erklären, wie sie ihre ureigensten Aufgaben zu erfüllen hatten… Seine Begleiter Arlen mit Padawan waren auch weg, aber diese hatten sich wenigstens abgemeldet. Im selben Moment meldete sich Wes' Kom.

»Mein Kom… entschuldigt, es ist wahrscheinlich wichtig.«

Das war es tatsächlich. Es handelte sich um eine Meldung von Chesara, deren Unternehmung, ein Lazaraett in den unteren Ebenen zu unterhalten, offenbar gescheitert war. Schlimm, wirklich schlimm, aber im Moment konnte er nichts tun. Aber da der Jedi-Rat das Kom schon einmal in der Hand hatte, verfasste er eine kurze Nachricht an Agent Duval:


Agent Duval,

Admiral Blade und ich sind unterwegs, einen möglichen Schauplatz imperialer Aktivitäten auf Coruscant zu untersuchen. Dachte, dies könnte für den NRGD interessant sein.

Wes Janson

So – und wenn er nicht antwortete, würden die Schatten ihn aufstöbern. Er würde sich nicht nochmals vorhalten lassen, die Anwesenheit ordensfremder Personen im Tempel auf die leichte Schulter zu nehmen. Das erledigt, trat er einen Schritt zurück, um auch Admiral War Blade einzubinden, und nahm den vorherigen Faden wieder auf.

»Die Situation in den unteren Ebenen gerät immer mehr außer Kontrolle. Gerade eben erreicht mich die Nachricht von Rätin Chesara, dass ihr Lazarett geplündert und zerstört wurde. Sie selbst wurde dabei verletzt.«

Im Endeffekt bedeutete dies, dass sie keine Jedi-Heiler mehr außerhalb des Tempels, Militärlagern oder anderen gesicherten Orten mehr einsetzen konnten, auch außerhalb der unteren Ebenen. Eine Panik konnte überall ausbrechen und mit der aggressiven Form des Virus war nicht zu spaßen. Chesara wusste, was sie tat und war erfahren genug, um auf sich selbst aufzupassen – alle anderen Heiler brachten sich tunlichst nicht unnötig in Gefahr.

Coruscant - Jedi-Tempel - Gärten - NPCs, Alisah, Markus, Elise, War und Wes
 
Coruscant, Jedi-Tempel, Medzinische Abteilung, Okin mit NPCs

Okin stand wieder in der medizinischen Abteilung und versuchte seine Machtfähigkeit unter Kontrolle zu bringen, die ihm aktuell das Leben zur Hölle machte. Er hatte zwar gerade eben versucht einen Meister zu finden, der etwas von seinen Problemen verstand und ihn bei der Bewältigung unterstützen konnte, aber bisher war die Suche nicht von Erfolg gekrönt gewesen. Er hatte nachdem er eine Weile herumgefragt hatte, wie er denn einen Meister finden könne, den Ratschlag bekommen, dass er einen Meister Aydo aufsuchen könne, der ein Visionär sei, der mit der Aufgabe neue geeignete Mitglieder zu rekrutieren betraut sei. Jedoch stellte sich heraus, dass es sich bei diesem Meister Aydo um ein kleines grünes Männchen, das nur mysteriöse oder nach Okins Meinung sinnlose Weisheiten mit fragwürdiger Grammatik preisgab. Denn der grüne Zwerg hatte Okins Frage damit beantwortet: „Uns alle die Macht führt. Musst entscheiden vertrauen auf sie. Dann alles wird passieren von allein.“ Okin hatte den Meister verdutzt angesehen, doch dieser war offensichtlich der Meinung, dass er bereits alles hilfreiche gesagt hatte und schien keine Anstalten zu machen konkretere Informationen zur Meistersuche zu geben. Und so hatte sich Okin enttäuscht wieder in Richtung Krankenflügel begeben.

Dort versuchte er den Ratschlag der silberhaarigen Ritterin Kae zu befolgen, die gemeint hatte, dass er sich den fremden Gefühlen noch mehr öffnen müsse, um sie kontrollieren zu können. Doch das war viel leichter gesagt als getan. Denn der junge Mann hatte ja eigentlich keine Ahnung, wie er das tat, was er tat. Es hatte für ihn wie aus dem nichts begonnen, dass er plötzlich die Gefühle der Fremden fast dauerhaft wahrnahm. Er hatte nur die Vermutung, dass es irgendetwas mit dem Tod seiner Familie zu tun hatte. Und ohne einen Meister, der ihn darin einwies, waren seine ganzen Bemühungen nur ein Stochern im Trüben. Er hatte es schon auf alle Art und Weisen probiert, die ihm eingefallen waren: Mit offenen Augen, mit geschlossenen Augen, im Sitzen, im Stehen, im Liegen, indem er versuchte an nichts zu denken, indem er versuchte an die möglichen Emotionen der anderen zu denken, indem er versuchte achtsam alles um ihn herum wahrzunehmen, usw.. Doch was er auch probierte, er hatte es nicht geschafft, sich noch weiter auf die fremden Emotionen einzulassen.

Es war sicher nicht so, dass er sonderlich erpicht darauf war, dass er diese noch stärker wahrnahm, denn die Schmerzen der Patienten trieben ihn immer noch fast in den Wahnsinn, aber wenn das nutzte, um sie langfristig kontrollieren zu können, musste er das eben tun. Doch er steckte im Moment einfach in seinen Bemühungen fest und folterte sich hier mit den Schmerzen anderer. Er brauchte einen neuen Einfall. Der Coruscanti, der etwas abseits vom Geschehen stand, sah sich in der medizinischen Abteilung um und hoffte auf einen genialen Geistesblitz. Es herrschte wie immer reges Treiben. Überall hetzten angespannte Heiler und mit medizinischen Utensilien beladene Droiden durch den Raum. Es kamen immer mehr neue Patienten, immer mehr Wesen, die infiziert waren und hier im Jedi-Tempel auf ihre Rettung hoffen mussten. Die Zahl der Infizierten, die zum Tempel kamen, war vor kurzem sprunghaft gestiegen. Die Menschen wussten sich einfach nicht mehr anders zu helfen und das Lazarett in den Slums war der Panik zum Opfer gefallen und abgebrannt. Etliche Menschen waren dem Brand zum Opfer gefallen und die verzweifelten Bewohner der unteren Ebenen drängten nun natürlich in so großer Menge in die oberen Ebenen vor, dass die Lage vermutlich bald vollkommen außer Kontrolle geraten würde.

Vor wenigen Tagen hatte Okin selbst noch in diesem Feldlazarett gearbeitet. Er wusste zwar eigentlich, dass er sehr froh sein konnte, dass er der Zerstörung gerade noch entkommen war. Dennoch beschäftigte es ihn, ob er nicht etwas tun hätte können, um das Ganze zu verhindern. Wenn er nur da geblieben wäre, vielleicht hätte er als Psychologe die Masse beruhigen können. Oder vielleicht hätte er irgendetwas mit Hilfe der Macht unternehmen können. Er hatte ja scheinbar eine Begabung im emotionalen Bereich. Fragen über Fragen. Doch am Ende stand die Tatsache: Er war gegangen und das Unheil war geschehen. Das Unheil folgte den Orten, an denen er gewesen war. Aktuell das zerstörte und abgebrannte Lazarett, in dem er als Psychologe tätig gewesen war. Und nur wenige Tage zuvor sein zu Hause, das nach dem Tod seiner Eltern ebenfalls den Flammen zum Opfer gefallen war. Erinnerungen kamen in Okin hoch. Seine reglose Mutter auf dem Bett, sein blutüberströmter Vater, das lichterloh brennende Gebäude seiner Kindheit, die schmerzhaften Anfälle seiner Schwester und das Messer, mit dem er …. Mit den Erinnerungen waren auch die eigenen Gefühle hochgekocht. Gewaltige Trauer übermannte ihn. Nein, er wollte jetzt nicht daran denken. Es tat so weh.


Und die Macht gehorchte Okin. Seine eigenen Gefühle traten in den Hintergrund und er fühlte wieder das Leid, die Verzweiflung und den Schmerz der anderen. Stärker als zuvor, intensiver als zuvor. Doch im Endeffekt so viel leichter als das eigene Leid. Und dadurch hatte nun auch Okin endlich die bittere Wahrheit verstanden, warum er plötzlich die Machtfähigkeit bekommen hatte. Er rannte davon. Er rannte vor seinen eigenen Gefühlen davon. Es war so viel leichter das Leid vieler Fremden auf sich nehmen, als das eigene Leid zu ertragen. Und die Macht wollte ihm helfen, wollte ihm sein Leid ersparen.

Coruscant, Jedi-Tempel, Medzinische Abteilung, Okin mit NPCs
 
[Coruscant-System | Coruscant | Obere Ebenen | Jedi-Tempel| Westturm, Meditationsraum | Lieutenant Arkadi Duval, Eowyn, Ian

Wie viel von seinen Gedanken und Gefühlen konnten Eowyn und Ian durch die Macht in Erfahrung bringen, fragte sich Arkadi unbehaglich. Dem blonden Agenten missfiel die Vorstellung, dass die beiden in der Lage waren, überhaupt etwas über ihn in Erfahrung zu bringen. Konnten Jedi und Sith nicht sogar ohne Worte miteinander kommunizieren? Tauschten die beiden just in diesem Moment Informationen aus? Angesichts der mangelnden Neutralität der Großmeisterin war dieser Verdacht keineswegs abwegig und Arkadi wünschte sich, dass man ihm einen verlässlichen Machtnutzer zur Seite gestellt hätte, an dessen Loyalität es keine Zweifel gab und der kein persönliches Verhältnis mit dem angeblichen Überläufer hatte. Ein weiteres Beispiel für die Abkapselung des Ordens vom Rest der Neuen Republik. Man hätte stärker versuchen sollen, Jedi für den Geheimdienst und die Streitkräfte zu gewinnen und sie dort fest zu integrieren, um sich ihrer Talente frei von den teilweise befremdlichen Vorstellungen des Ordens nutzbar machen zu können. Doch das war nicht geschehen, und ohnehin lagen solche Erwägungen über seiner Gehaltsstufe. Es brachte ohnehin nichts, über verpasste Chancen nachzugrübeln, er musste sich auf seine Aufgabe konzentrieren. Auch ohne die Hilfe eines Machtnutzers würde er die Wahrheit über Ian Dice in Erfahrung bringen, wenn nötig auch gegen den Widerstand seiner Beschützerin. Natürlich würde sie versuchen, ihm weiterhin Steine in den Weg zu legen, doch davon würde er sich nicht von seiner Pflicht abhalten lassen. Sie standen noch ganz am Anfang der Befragung, noch konnte viel passieren. Geduld war eine entscheidende Eigenschaft dabei. Sobald er erst einmal eine Möglichkeit gefunden hatte, den Sith zum Reden zu bringen, würde sich auch der Rest ergeben, es war bloß eine Frage der Zeit. Dementsprechend ignorierte der ehemalige Soldat den leisen Kommentar der Großmeisterin beflissen und konzentrierte sich ganz auf Ian, der ihm gegenüber saß und somit ganz im Fokus stand. Er war hier der Schlüssel, in seinem Kopf befanden sich die Antworten, die Arkadi wollte. Nun musste er nur die richtigen Fragen auf die richtige Weise stellen. Innerlich sammelte sich der Agent, legte sich seine Strategie zurecht und strahlte dabei kühle Distanziertheit aus. Schon die ersten Reaktionen des angeblichen Überläufers waren sehr aufschlussreich gewesen und er hatte vor, weiterhin gründlich auf jedes Zeichen zu achten. Gestik, Mimik, die Körperhaltung, die Art und Weise, wie man etwas sagte, all das war bei der Wahrheitsfindung wichtig. Die Blutprobe gab Ian ohne Murren ab, auch wenn der Agent ein wenig Unbehagen dabei zu erkennen glaubte. Jetzt war der Sith erfasst, seine Fingerabdrücke und DNA bekannt und gespeichert. Wenn nötig konnte man ihn damit aufspüren und verhindern, dass er sich eine andere Identität zulegte. Allerdings gab es Mittel und Wege, um beides zu verändern, und ob die Sith über spezielle Techniken in dieser Hinsicht verfügten, war unbekannt. Wie so vieles über den dunklen Orden. Wenn Arkadi mehr über die inneren Abläufe der Sith in Erfahrung bringen konnte, war das überaus wertvoll.

Nun kam die Befragung in Gang, die Fragen waren gestellt und alle warteten gespannt auf die Antworten. Seine kühlen blauen Augen fest auf Ian gerichtet hörte Arkadi mit neutraler Miene zu, als der Sith zu reden begann, er klang sachlich. Darth Keebo hatte er also während seiner Zeit im Orden geheißen. Arkadi war mit Decknamen vertraut und wusste, dass mit einem neuen Namen auch eine neue Identität verbunden war. Bei den Sith war es offenbar nicht anders. Der angebliche Überläufer machte eine kurze Pause und fügte dann hinzu, dass er doch einmal einen falschen Namen benutzt hatte, und zwar während der Vorverhandlungen für den Friedensvertrag. Arkadi machte sich eine Notiz, die entsprechenden Unterlagen anzufordern und zu prüfen, ob die Unterschrift mit der von Ian übereinstimmte. Dass der Sith zu den Vorverhandlungen entsendet worden war, bedeutete, dass er eine hohe Stellung innegehabt haben musste, auch der Titel eines Darth sprach dafür. Ian Dice war keineswegs ein einfacher Befehlsempfänger gewesen. Hatte er im Auftrag des Imperators persönlich gehandelt? Weitere Daten folgten, diesmal zu den Eltern des Sith, der von Telos IV stammte. Eine imperiale Welt, was die Verifizierung dieser Angaben erschweren würde. Slicer des NRGD würden versuchen müssen, die entsprechenden Daten aus den Datenbanken zu entwenden. Doch selbst wenn diese mit den Angaben des Sith übereinstimmen sollen, war dies noch kein Beweis. Entsprechende Unterlagen konnte man fälschen, falsche Familienstammbäume und Einträge in die Verzeichnisse erstellen, um eine Tarnidentität zu untermauern.

Erneut folgte eine kurze Pause und der Lügendetektor zeigte erhöhte Werte an. Die Familie war definitiv ein schwieriges Thema für Ian, seine Stimme war leise geworden, fast so, als bereitete es ihm körperliche Schmerzen, darüber zu sprechen. Die Eltern des Sith waren keines natürlichen Todes gestorben? Also waren sie tot und konnten passenderweise auch nicht mehr untersucht werden. Vielleicht hatte es sie nie gegeben. Arkadis Augen wurden etwas schmaler, als der angebliche Überläufer ihn ansah und dann gestand, dass er dem Agenten nur zustimmen konnte, er war ein Monster gewesen, das Leid und Tod gebracht hatte. Der ehemalige Soldat schwieg und ließ den Mann reden, während er über seine Worte nachdachte. Nun wandte der Sith seinen Blick ab, und dann, mit tonloser Stimme, verkündete er die schreckliche Wahrheit. Ian Dice hatte drei seiner sieben Brüder und seine Eltern ermordet, und schon davor hatte er getötet. Acht Lebewesen. Ohne Hohn oder Stolz in der Stimme fügte der Sith hinzu, dass er es nicht gerne getan hatte, sich aber damals im Recht gefühlt hatte. Angesichts dieser Bombe herrschte eine ganze Weile Stille, eine Stille, in der man eine Stecknadel hätte fallen hören. Arkadi starrte vor sich hin und dachte über das Gesagte nach. Er hatte schreckliche Dinge gesehen, tote und an Körper und Seele verwundete Kameraden, vom Imperium getötete Zivilisten, verwüstete Dörfer und Städte. Er kannte Leid und Schrecken und in gewisser Weise war er abgestumpft, doch die Erzählung des Sith berührte in ihm etwas. Der Agent hatte eine glückliche Kindheit gehabt und selbst nach dem Zerwürfnis mit seinen Eltern wäre ihm nie auch nur der Gedanke gekommen, ihnen auch nur ein böses Wort zu sagen. Was war mit Ian Dice damals geschehen? War er ein Psychopath, der andere aus reiner Freude am Töten ermordete? Nein, so wirkte er nicht. Hatte es sich um Rache gehandelt oder vielleicht sogar Notwehr? Arkadi stellte mit Unbehagen fest, dass seine Hände zitterten, und er zwang sie, damit aufzuhören. Die Erinnerungen...


„Ich...bin nicht hier, um über Ihre Vergangenheit zu urteilen. Das werden andere tun müssen, nicht zuletzt Sie selbst. Meine Aufgabe hier ist es lediglich, die Wahrheit herauszufinden.“


Stellte der Agent klar und warf Eowyn einen kurzen Seitenblick zu. Sie hatte es gewusst? Jedenfalls wirkte die Jedi weder schockiert noch überrascht. Damals hatte sich Ian im Recht gefühlt, schoss es Arkadi durch den Kopf. Damals. Wohl jeder fühlte sich im Recht, wenn es darauf ankam, der ehemalige Soldat war da keine Ausnahme. Er hatte nie gerne getötet, doch mit der Zeit war er abgestumpft, war es natürlich geworden. Es war notwendig gewesen, rief er sich in Erinnerung. Wenn sich niemand dem Imperium in den Weg gestellt und sich dabei die Hände schmutzig gemacht hätte, würden sie nun alle unter einer grausamen Tyrannei leben, Sklaven des dunklen Herrschers auf Bastion und seiner Schergen. Wo Recht zu Unrecht wurde, wurde Widerstand zur Pflicht, mit allen notwendigen Mitteln. Ian war im Imperium aufgewachsen, vermutlich hatte man ihm ähnliches über die Neue Republik erzählt. Und im Gegensatz zu Arkadi war er machtbegabt, sein Weg beinah vorgezeichnet. Oder war er das?


„Diese Ereignisse haben bei Ihrem Beitritt zum Sith-Orden eine Rolle gespielt.“


Es war eine Feststellung, keine Frage. Arkadi machte eine kurze Pause und ordnete seine Gedanken.


„Erzählen Sie mir davon. Von Ihrer Zeit bei den Sith. Wurden Sie angeworben oder gingen Sie freiwillig? Welche Ideologie hat man Ihnen vermittelt? Und welche Rechte und Pflichten hatten Sie im Orden?“


Arkadi musste mehr darüber in Erfahrung bringen, wie der Orden funktionierte und welche Funktion Ian erfüllt hatte. Der Agent fixierte den angeblichen Überläufer.


„Etwas muss Sie zum Zweifeln gebracht haben, denn nun sind Sie hier. Was war das?“


Ideologie, Credits, moralische Skrupel, persönliche Gründe, das waren die Hauptursachen, warum jemand einer Organisation den Rücken kehrte. Irgendetwas musste passiert sein. Irgendetwas.


[Coruscant-System | Coruscant | Obere Ebenen | Jedi-Tempel| Westturm, Meditationsraum | Lieutenant Arkadi Duval, Eowyn, Ian
 
[Coruscant-System | Coruscant | Obere Ebenen | Jedi-Tempel| Westturm, Meditationsraum | Lieutenant Arkadi Duval, Eowyn, Ian

Acht. Wieder schwebte die Zahl über ihm, wie das Schwert des Damokles. Acht. Die Zahl war so deutlich vor seinen Augen, so deutlich in Ians Kopf, ja sie schien noch deutlicher im Raum zu schweben. Acht. Die Stille die entstand, machte die Zahl nur deutlicher, so, als müsse sie ihr Platz schaffen, als verdränge die Zahl alles andere. Acht, hallte es von den Wänden wieder. Acht, schwebte im Raum und obwohl niemand etwas sagte, obwohl niemand sprach, war da diese Zahl die von den Wänden wiedergegeben wurde, deren Schall unaufhörlich von Wand zu Wand geworfen wurde, ein niemals endendes Echo. Achtachtachtachtacht. Selbst Ians Herz schien, mit jedem Schlag, nur diese Zahl nach außen zu tragen. Acht. Acht. Acht.
Ian schloss die Augen, versuchte seinen Herzschlag zu ignorieren, doch wie sollte man etwas außer Acht lassen, das in einem geschah? Und wie deutlich spürte der ehemalige Sith seinen Herzschlag? Acht – acht – acht. Den Blick auf die Tischplatte gerichtet, ohne auch nur ein einziges Mal zu blinzeln, ertrug Ian die Stille und die Monotonie des Widerhalls. Acht – acht- acht. Beinahe das Symbol der Unendlichkeit, welch Ironie.

Sein Zeitgefühl vergessend, wusste Ian nicht einzuschätzen, wann Duval die Stille unterbrach, wusste nicht einmal, ob der Agent ihn anstarrte, wusste nicht, ob er auf etwas gewartet hatte oder nicht. Erst als er sprach, öffnete Ian wieder die Augen, sah zu seinem Gegenüber. Duval war nicht hier, um über seine Vergangenheit zu urteilen? Fast hätte Ian freudlos aufgelacht, doch er sah den anderen nur an, mit unergründlichem Blick. Er brauchte kein Urteil von Duval, kein Urteil von der Republik, kein Urteil von irgendwem. Ian hatte sein Urteil über sich selbst längst gefällt. Längst gefällt… Duvals Aufgabe bestand lediglich darin, die Wahrheit herauszufinden? Welche Wahrheit? „
Welche Wahrheit?“ hörte Ian sich fragen, ob laut oder leise, wusste er nicht einzuschätzen, als er Duval anstarrte. „Welche Wahrheit?“, wiederholte er, mit dem Hauch von etwas in der Stimme, das Ian selbst kaum deuten konnte. „Die Wahrheit über mich? Über die Sith? Über das Virus?“ Welche verdammte Wahrheit wollte Duval haben? Die Wahrheit gibt es nicht“, sagte er dann. „Nur meinen Standpunkt davon.“ Und er hatte seine Wahrheit mehr als einmal kundgetan, er hatte gestanden, vor Eowyn, vor Joseline, hatte seinen Bericht geschrieben. Was also wollte Duval noch von ihm? Andere urteilen lassen. Die Wahrheit herausfinden. Über was?! Dann kam, wie aus dem Nichts eine Feststellung, die keine Frage war. Diese Ereignisse hatten dazu beigetragen, dass Ian den Sith beigetreten war? Und wieder echote in Ians Kopf eine Frage. Welche Ereignisse? „Welche Ereignisse?“, hörte er sich fragen, obwohl er die Frage nicht laut hatte stellen wollen. „Die Morde?“ Oder das, was davor geschehen war? Wahrheiten, Ereignisse – Duval benannte nichts von alledem. Stattdessen warf er diese Begriffe ein, irgendwelche Sätze, Fragen, die keine Fragen waren und nur inhaltslos blieben konnten.
Was hatte eine Rolle für seinen Beitritt zu den Sith gespielt? Seine Kindheit? Tahiris Tod? Die Ablehnung der Jedi? Der Mord an seinem Sith-Meister? Perspektivlosigkeit? Imperiales Gedankengut? Ian schloss abermals die Augen, als eine Woge von Gefühlen und Erinnerungen über ihn kam.

***
Gordon riss die nächste Pflanze kaputt, warf deren Früchte auf den Boden und beobachte dabei ganz genau Ians Blick, kostete jede Sekunde dabei aus. „Gordon, hör auf damit, bitte!“. Doch Gordon hörte nicht auf, als er mit dem Absatz auf die Frucht trat, sie zerquetschte. ‚Mit was soll ich aufhören‘ Damit?“, fragte der Junge höhnisch und riss die nächste Pflanze aus, als Ian dessen Hand festhielt. „Bitte, hör auf!“ Doch Gordon stieß ihn weg, zertrat die nächste Frucht und lachte, vor allem lachte er, als Ian versuchte, die zerrissener Pflanze wieder zusammen zu setzen, das eine Ende des abgerissenen Stängels wieder an das andere zu setzen, gerade so, als wäre das möglich. Es ging nicht. Ian wusste das doch. Aber.. aber wenn er sich vorstellte, dass es ging, vielleicht, vielleicht hatte er Glück? Doch der Stängel fiel herunter, hielt nicht und als er auf den Boden segelte, fühlte es sich so an, als hätte Ian die Pflanze durchgerissen. Als hätte er sie kaputt gemacht. ‚Du bist dümmer als ein Dewback,‘ lachte Gordon und führte seinen Akt der Vernichtung fort. ‚Kannst mich nicht mal aufhalten. Und dann blieb er stehen. Oh ja, du kannst mich nicht mal aufhalten. Was willst du denn tun, dagegen?‘ In Zeitlupe griff er nach der nächsten Pflanze. ‚Was willst du tun? Zugucken? Mich anflehen? Oder…‘ und er machte eine Pause, ließ ein böses Grinsen aufblitzen, ‚Willst du mich vielleicht schlagen? Ich weiß genau, dass du das willst. Aber das kannst du genau so wenig, wie du mich aufhalten kannst, du kleiner, dummer Feigling.‘ Und da riss er die nächste Pflanze ab, warf sie vor Ians Füße. ‚Na los, halt mich auf, die Reihe ist noch lang. Oder willst du, dass ich alle kaputt mache?‘ Gordon war mehr als zwei Köpfe größer, wie sollte er ihn denn aufhalten? Wie denn? „Gordon, bi-“ ‚Bitte, hör auf, bitte hör auf‘, äffte Gordon Ian, ihn unterbrechend, nach. ‚Ist das echt das einzige was du kannst? Schlag mich doch einfach und dann höre ich auf.‘ Die nächste Pflanze fiel zu Boden, die nächste Frucht wurde zertreten. ‚Du bist so armselig, du kannst wirklich gar nichts. Außer selber Prügel einkassieren und selbst da bist du - ‘ Ian hatte Anlauf genommen um seinen Bruder von der nächsten Pflanze zu stoßen, doch Gordon kam nicht mal ins Wanken und lachte. ‚Wie ich es gesagt habe. Du kannst nichts,‘ und da stieß er zurück, und im Gegensatz zu Gordon, fiel Ian. ‚Das macht echt keinen Spaß mit dir, das ist einfach zu armselig. Du bist genau wie diese Pflanzen hier. Einmal dran reißen, einmal drauftreten und schon kaputt.‘ Dabei unterstrich Gordon seine Worte, indem er sie ausführte und die nächste Pflanze herausriss. ‚Aber du hast Glück, ich lasse dir Zeit, bis ich mit der Reihe fertig bin.‘ Und die Reihe war lang. ‚Und wenn die Reihe fertig ist, kommt die nächste und wenn die Reihe fertig ist, kommt Dad, außer du hast Pech, denn wenn er später kommt, habe ich mehr Zeit.‘ Wenn er aber mehr Zeit hatte… Ian stand auf, nahm Anlauf, hoffte, stellte sich vor, das er Gordon diesmal wirklich zur Seite stoßen würde können! Wenn er nur fest daran glaubte und nicht an die Sache mit der Pflanze und der Neiderlage von eben dachte… Er schubste Gordon und diesmal geriet der Ältere nicht nur ins Wanken, sondern wurde geradewegs von den Beinen gerissen. Ob die Überraschung in seinen, oder in Ians Augen größer war? Es blieb keine Zeit, das festzustellen, denn es näherten sich Schritte und an der Art der Schritte, wusste Ian, wer da kam, auch ohne sich umdrehen zu müssen. Gordon starrte zu Ian, ließ ein nächstes boshaftes Grinsen aufblitzen, ehe er das Gesicht verzog, als hätte er Schmerzen. ‚Dad! Dad, gut, dass du endlich da bist, schau, was Ian gemacht hat,‘ und dabei deutete er auf die Pflanzen, als er betont langsam aufstand. ‚Ich wollte ihn aufhalten, aber - ‘ ‚Ich habe genau gesehen, wie er dich gestoßen hat,‘, ertönte die zornige Stimme von Jerome Dice, als sich dessen Hand, wie ein Schraubstock in Ians Schulter bohrte.

***

Fast hätte der Dunkelhaarige die Frage des Agenten nicht mitbekommen, die Aufforderung, von der Zeit bei den Sith zu sprechen. Erst als die letzten Fragen kamen, konnte Ian die richtigen Rückschlüsse ziehen.

„Ich war 26, als ich freiwillig zu ihnen gegangen bin.“ Er hatte gewusst, dass er machtsensitiv war. Er hatte es gewusst. Als er bei den Jedi hatte aufgenommen werden wollen und spätestens, als er für kurze Zeit einen Sith-Meister gehabt hatte. „Friede ist Lüge, es gibt nur Leidenschaft.

Durch Leidenschaft erlange ich Stärke.

Durch Stärke erlange ich Macht.

Durch Macht werde ich zum Sieg geführt.

Durch den Sieg zerbrechen meine Ketten.

Die Macht wird mich befreien.“ Was, außer dem Kodex, konnte ihre Ideologie besser beschreiben? Ian verzog das Gesicht, als er den Kodex leidenschaftslos, aber ernst und voller Bitterkeit zitierte.

„Macht und Stärke sind die Triebfedern und wer mächtiger und stärker ist, hat mehr Rechte. Die Pflicht ist, dem Imperator die Treue zu schwören, die absolute Treue. Wer schwächer ist, darf auch so behandelt werden. Wer sich nicht wehren kann, wer schwach ist, hat es nicht verdient, aufzusteigen.“ Und das hatte schon seine erste Prüfung bewiesen, die Ian, hätte er sie nicht bestanden, sein Leben gekostet hätte. „Meine letzte Aufgabe war, Vorbereitungen für die Vorverhandlungen zu treffen. Ich sollte entscheiden, wo wir uns treffen. Ich sollte entscheiden, wann wir uns treffen. Ich durfte entscheiden, ob ich mit oder ohne meine Schülerin gehe.“ Und da lachte Ian doch auf, kurz, freudlos. Als wäre es eine Entscheidung gewesen. Allegious Worte waren unmissverständlich gewesen. Wann er aufbrechen wolle, war keine Frage gewesen, sondern eine indirekte Drohung, der nur Sekunden später, eine wesentlich subtilere gefolgt war.

„Nachdem ich einen Meister gefunden hatte, hat dieser eine Verbindung hergestellt,“ fuhr Ian schließlich fort, sprang damit vom Ende zum Anfang. „Er prüfte mich vorher. Das heißt, nicht er allein. Ich musste mich gegen einen Sith wehren. Als ich für tauglich empfunden wurde, stellte Darth Noctious eine Verbindung her, so dass er immer wusste, wo ich war. Das ist nicht zwangsläufig üblich. Ich habe diese Verbindung zu keinem meiner Schüler hergestellt.“ Ian hatte keine Ahnung, was er noch erzählen sollte, was genau Duval überhaupt wissen wollte und da machte er einfach mit der nächsten Frage weiter, sah von seinem Fixpunkt auf, Duval direkt in die Augen, voller Überzeugung. „Ich bin kein Überläufer. Ich bin kein Jedi. Ich bin kein Sith mehr, aber ich bin kein Jedi. Ich gehöre nicht zur Republik. Und ich gehöre nicht mehr zum Imperium. Ich bin hier, weil es das richtige ist. Ich bin hier, weil ich helfen will. Ich bin hier, weil ich will, dass das Virus gestoppt wird und ich bin hier, weil ich das Virus mit stoppen will.“ Ian ließ seinerseits eine Pause folgen, denn Duval sollte begreifen, wie ernst Ian damit war. Was ihn zum Zweifeln gebracht hatte? Das Virus. Eowyn.
„Der Imperator hat mich zum Zweifeln gebracht, als er mich zu sich rief, als er diese… diese verfluche Phiole zeigte. Als er davon sprach, die Republik vernichten zu wollen, sie und unbedeutende imperiale Welten.“ Ian sah Allegious vor sich, hörte dessen Stimme. Sah die unglücksbringende Phiole, sah, wie die dunkle Flüssigkeit im Boden versickerte.
„Wie hätte ich da nicht zweifeln können? Sein Ziel, war die Republik auszulöschen und jeden, der ihr dient. Er hat alles in Kauf genommen, ohne Rücksicht auf Verluste. Ohne Rücksicht auf irgendetwas. Es geht ihm um absolute Macht, alles andere spielt keine Rolle. Und jeder, der nicht wichtig genug ist, um am Leben zu bleiben, darf sterben, egal, ob er der Republik angehört, oder dem Imperium. Das, was Allegious anstrebt ist absolute Macht, Herrschaft über alle.“ Ian schüttelte den Kopf, denn das war nie sein Ziel gewesen, nie seine Ambition. „Mir ging es nicht darum, über andere zu herrschen.“ Ihm war es darum gegangen, sich nicht mehr beherrschen zu lassen. Sicher, er wusch seine Hände nicht in Unschuld, absolut nicht, doch hätte Ian geahnt, das Allegious, das das Imperium derart über Leichen ging…
„Ich wusste nicht, dass er so etwas plant. Ich dachte, ihm läge etwas an seinen Bürgern. Ich dachte, das Imperium strebe nach Gerechtigkeit. Ich dachte, es wäre gerechter als die Republik.“ Doch Ian hatte sich geirrt, in jedem einzelnen Punkt. In jedem. Einzelnen. Punk.
„Ich dachte, ich wäre anders. Ich dachte, ich wäre gerecht.“ Und auch darin hatte er geirrt. „Und als ich erkannte, dass ich war, wie sie, dass das Imperium war wie sie,“ und ob Duval begriff, dass Ian nun wieder bei seiner Familie war, „war es zu spät. Allegious kennt keine Gleichheit. Allegious kennt nur Extreme.“ Der Noghri hatte von Feinden gesprochen und es war deutlich geworden, dass jeder, der nicht mit ihm war, ein Feind war. „Er hat in Kauf genommen, dass Unschuldige sterben…. Ich… ich habe in Kauf genommen, dass Unschuldige sterben. Ich habe es nicht nur in Kauf genommen“ Und jetzt starrte Ian Duval regelrecht an. „Wie also hätte ich nicht zweifeln sollen?“ Und es klang nicht wie ein Vorwurf, sondern wie eine traurige Erkenntnis. Die traurige Erkenntnis einer Person, die falsch zu lange für richtig gehalten hatte. Jetzt waren es Ians Hände, die zu zittern begannen und um genau das zu unterdrücken, verbarg er sie unter dem Tisch. „Erkenntnis“, presste Ian dann hervor, tiefe Bitterkeit in seiner Stimme. „Es war Erkenntnis, die mich dazu gebracht hat. Ich war blind und ich war dumm. Es war Erkenntnis und es war Eowyn.“ Die vielleicht noch minimale Neutralität seines Gesichtsausdruckes, die ganz zu Beginn da gewesen war, war nun zur Gänze verschwunden und Ian sah viel älter aus, als er eigentlich war – uralt.
„Ich habe geglaubt, dass es darum ginge, Fesseln zu lösen, aber es geht darum, anderen Fesseln anzulegen. Vor allem die eigenen. Doch nicht nur diese. ‚Frieden ist eine Lüge‘ und Befreiung bedeutet Herrschaft und Knechtschaft der anderen.“


[Coruscant-System | Coruscant | Obere Ebenen | Jedi-Tempel| Westturm, Meditationsraum | Lieutenant Arkadi Duval, Eowyn, Ian

Occ:
ich sollte/durfte vor Eowyn posten
 
Coruscant, Jedi-Tempel – Quartiere – Brianna und Talery


Talerys Kopf schwirrte auch so schon von der anstrengenden Schicht auf der Krankenstation. Das Essen beim Ortolaner und das lockere Gespräch mit nasser Hund hatten ihr zwar gut getan, aber die Müdigkeit der über zehn Stunden langen Schicht hatte sie schon ziemlich ausgelaugt. Daher konnte sie sich nur mehr mit Mühe auf etwas Komplizierteres konzentrieren. Einen Lichtschwertkristall mit einem anderen zu vergleichen traute sie sich allerdings noch zu. Träge erhob sie sich von dem Bett, auf dem Meisterin und Padawan saßen und schlich zu ihrem Schrank. Dort in einer funktionalen Transportbox bewahrte die Caamasi den lila Hurricane-Kristall auf, das Geschenk ihrer Eltern, der farblich so wunderbar zu ihren Gesichtsdaunen passte. Neugierig öffnete sie sogleich die Box und hielt den Kristall ins Licht.


"Also ich finde schon, dass er von der Form her deinem Bläulichen ähnelt",


antwortete sie, während sie wieder zurück zum Bett ging und sich behäbig darauf sacken ließ.


"Er ist nicht identisch, aber hoffentlich ähnlich genug, oder was meinst du?"


Dabei warf sie ihrer Echanimeisterin einen fragenden Blick zu. Talery hatte sich nämlich bisher noch nie damit beschäftigt wie ein Kristall von der Form her beschaffen sein musste, um sich als Fokuskristall für ein Lichtschwert zu eignen. Eisblume hatte da in ihren Augen gewiss viel mehr Ahnung.


"Aber dein Blauer ist auch überaus hübsch anzusehen. Zu schade, dass du noch nicht dazu gekommen bist ihn zu verbauen, Brianna",


fügte sie ehrlich hinzu. Allerdings fragte sie sich auch, ob sie selbst jemals von jemand anderem aus Dankbarkeit so ein kostbares Geschenk erhalten würde. Von den eigenen Eltern, das war etwas anderes. Aber von einem Fremden, das war gewiss nicht alltäglich. Es hatte auch irgendwo etwas Romantisches, so wie Jedi sein sollten..


"Dieses Einstimmen eines Lichtschwertkristalls erfolgt einfach durch eine Meditation, oder? Das würde ich mir heute noch vage zutrauen. Für weiteres bin ich fürchte ich heute zu müde."


Das galt im Besonderen für das Zusammenbauen einen ganzen Lichtschwerts. Die Padawan zweifelte daran, dass sie all die Gegenstände heute überhaupt nicht levitieren, geschweige denn richtig montieren konnte, selbst wenn sie die Anleitung bzw. die Abbildung verstanden hätte. Heute war sie einfach nicht mehr aufnahmefähig. Daher stürzte sie sich auf das Angebot der Meditation. Das war von all dem Angebotenem noch das "Harmloseste". Da konnte sie am Wenigsten falsch machen, überlegte sie. Außer natürlich während dem Meditieren einzuschlafen, aber das Risiko musste sie eingehen. Sollte Eisblume das merken musste sie sich eben dafür entschuldigen, aber alles zu seiner Zeit. Allerdings bezweifelte die Caamasi, dass es ihr viel gebracht hätte, wenn sie schon vor Monaten einmal ihrer Meisterin vom Bauen eines Lichtschwerts zugesehen hätte. Damals war sie ja noch der Meinung gewesen, dass sie keine Waffe benötigte und erst recht keine eigene bauen wollte.


"Ich glaube, dass hätte damals noch nicht allzu viel genutzt, Meisterin. Etwas anderes wäre es, wenn du jetzt ebenfalls gleichzeitig selbst eines bauen würdest. Aber dann könntest du ja mir nicht helfen, sprich damit wäre mir ja dann unter den gegebenen Umständen auch kaum geholfen."


Als Brianna dann im Anschluss noch auf die abscheuliche Idee kam, dass sie ihre Padawan ja auch ohne Lichtschwert gleich morgen früh vor den Jedi-Rat zerren konnte fiel der Caamasi erstmal die Kinnlade nach unten. Das konnte doch nicht ihr Ernst sein, oder? Sie war doch noch nicht so weit, glaubte sie. So lange wie ihr die Echanijedi Zeit gab, würde sie diese nutzen, um noch Padawan bleiben zu können. Je länger, desto lieber wäre es ihr.


"Nein, nein, das passt schon. Ich beschäftige mich lieber erst noch mit dem Lichtschwertbau. Ich meine, jetzt wo ich ja schon einen Kristall habe, wäre es doch schade den nicht zu verbauen, oder? Meine Eltern würden bestimmt gerne hören und eine Holo sehen wie sich der Kristall in einem Lichtschwert macht. Ja, ganz gewiss. Also keine Eile, in Ordnung?"


Dabei nickte sie eifrig und hektisch verkrampften sich ihre dreifingrigen Hände in ihrer Tunika. Zum Glück hatte sie den Kristall schon wieder zurück in die Box gelegt, sonst wäre womöglich noch ein Unglück geschehen. Sie atmete ein paar Mal tief durch, um sich etwas zu beruhigen. Die Müdigkeit war auch mit einem Male wie weggeblasen. So entschlossen wie Talery es in dem Moment schaffte sah sie ihrer bleichen Meisterin in den Augen.


"Ich werde so lange ich heute schaffe über dem Kristall meditieren und ihn einstimmen, hoffe ich. Gegebenenfalls machte ich morgen noch weiter."


So sollte sie noch etwas Zeit gewonnen haben, hoffte sie und vielleicht war Brianna auch in den kommenden Tagen etwas weniger eifrig darin, den Bau von Talerys Lichtschwert voranzutreiben. Danach nahm sie seufzend den lila Kristall aus der Schachtel. Schön war er jedenfalls. So gesehen würde er sich auch an einem Halsband gut machen, aber diese Alternative gab es leider nicht. Jedoch waren diese Kristalle ja nicht "verbraucht" oder so, wenn sie in einem Lichtschwert eingebaut waren, glaube sie. Womöglich würde sie ihn später doch noch für etwas anderes verwenden. Aber dann zwang sie ihre erneut abschweifenden Gedanken in die richtigen Bahnen zu lenken. Die zierliche Padawan setzte sich im Schneidersitz auf das Bett, legte den Kristall auf ihre offenen Handflächen und schloss dann die Augen. Es war so verlockend einfach einzuschlafen, schoss ihr durch den Kopf, aber nein, sie musste zumindest angefangen haben, sagte sie sich. Ansonsten wäre Eisblume gewiss enttäuscht und traurig und das wollte sie dann auch nicht riskieren. Also ließ sie dann doch die Macht durch sich fließen, welche sie etwas erfrischte. All ihre Aufmerksamkeit richtete sie auf den Kristall, befühlte ihn, untersuchte ihn und umschloss ihn. Dabei verlor sie auch ihr Zeitgefühl, denn sie konnte gar nicht sagen wie lange sie schon meditiert hatte als ihr auffiel, dass ihr Kopf bereits durch kurze Sekundenschlafintervalle immer wieder nach unten sackte. Schuldbewusst sah sie sich um, ob Eisblume etwas mitbekommen hatte. Dennoch hatte es für den Moment keinen Sinn mehr. Ein letzter prüfenden Blick über den Kristall gab ihr allerdings das Gefühl, dass er sich bereits etwas verändert hatte und sich anders anfühlte. Eigenartig.


"Für heute Abend habe ich jetzt wirklich genug, Brianna. Mir fallen schon die Augen zu. Ich glaube auch, dass ich schon Fortschritte bei der Einstimmung gemacht habe und ich werde morgen Abend weitermachen, ok?"


Das reichte hoffentlich, um ihre Meisterin zufrieden zu stellen. Vorsichtig legte sie den Kristall zurück in die Box und dann machte sie sich schlafbereit. Dass an all ihren Klamotten und selbst an ihren wohlgepflegten Daunen überall der durchdringende Krankenhausgeruch haftete fiel ihr in ihrer Müdigkeit gar nicht mehr auf. Sie sollte nur noch schlafen, ewig schlafen.



Coruscant, Jedi-Tempel – Quartiere – Brianna und Talery
 
.:: Coruscant | Vor dem Jedi-Tempel | Gärten | mit Elise, Alisah, Wes - War und Co. etwas entfernt ::.


Markus bedachte Alisah mit einem überaus warmherzigen Blick, als diese zugab, in der Vergangenheit einigen Mist gebaut zu haben. Sie hatten alle ihre Fehler. Es war nur menschlich, weshalb er weder sie noch Ian verurteilte. Wichtig war nur, dass sie zurück zur hellen Seite gefunden hatten. Nichts anderes zählte, denn sie alle waren nicht perfekt und das war auch gut so. Hell und Dunkel mussten ausgeglichen sein, um das Gleichgewicht der Galaxis nicht zu stören. Manchmal war es notwendig, die Seiten zu wechseln.... Vermutlich war dies alles der Wille der Macht. Markus hatte über die Jahre gelernt, der Macht zu vertrauen und auch in dieser Beziehung vertraute er auf den Willen einer Macht, welche man nicht sehen, aber doch umso mehr spüren konnte.
Dass die junge Frau vieles erlebt hatte in der Zeit, die er sie aus den Augen verloren hatte, glaubte er nur zu gern und es war schön, dass sie ihm alles erzählen wollte. Das gute Verhältnis von damals war also noch immer vorhanden. Leider ließ es seine Zeit nicht zu, weiter über diese Dinge zu sprechen. Rat Janson kam auf die kleine Gruppe zu, begrüßte sie höflich und begann ein Gespräch mit dem Jedi-Wächter, dem die Aufgabe, welche Wes bereits für ihn und seine Padawan im Sinn hatte, gerade Recht kam. Ein entschuldigender Blick zu Alisah bedeutete dieser, dass sie keine Zeit für Gespräche hatten. Trotzdem behielt er das Anliegen im Hinterkopf, um bei Gelegenheit darauf zurück zu kommen.

Elise war bereits voll und ganz in ihrem Element. Sie preschte vor, redete zu viel für Marks Geschmack und verdiente sich damit einen vielsagenden Blick ihres Meisters. Sie sollte sich zurückhalten. Das musste sie unbedingt noch lernen. Trotzdem konnte er es ihr eigentlich nicht übel nehmen, war er selbst einmal wie sie gewesen. Sie ähnelten sich so sehr, dass es ihm fast Angst machte, aber irgendwie würde sich dies auch noch auszahlen - so sagte ihm jedenfalls sein Gefühl.

"Mir ist zwar nicht bekannt, dass der Auftrag als solches gefährlich wäre, aber die Erfahrung ist sicher nicht verkehrt. Ich benötige jemand, der Admiral Blade, seine Leute und mich begleitet. Wir untersuchen einen Schauplatz proimperialer… Aktivitäten. Klingt nach nichts großem, aber ich habe ein komisches Gefühl bei der Sache, als ob mehr dahinter steckt, als es den Anschein hat. Wir müssten aber sofort los. Seid ihr dabei?"

Markus warf einen Blick über Wes Schulter in Richtung des Admirals und seiner Soldaten. Die abschwächenden Worte Jansons passten nicht so ganz zu der Prominenz, die diese Sache untersuchen wollte. Er konnte sich nicht vorstellen, dass dieser Auftrag so unwichtig und ungefährlich war, wie der Rat es darstellen wollte und so nickte Markus ohne großartig darüber nachzudenken.

"Wir sind dabei!"

Da er sich sicher war, dass Elise bereits jetzt für eine neue Mission brannte, egal um was es sich dabei handeln mochte, sprach er bereits für sie mit. Natürlich erwartete er auch von seiner Padawan, dass sie sich ihm und seinen Entscheidungen nicht in den Weg stellen würde. Sie hatte zu tun, was nötig war, um zu lernen.
Rat Jansons Kom-Link meldete sich und er war einen Moment beschäftigt, währenddessen Markus sich ein letztes Mal Alisah zuwandte:

"Du bist sicher noch länger auf Coruscant. Genau wie wir. Ich würde mich freuen, wenn wir zu einem anderen Zeitpunkt reden könnten, Kleine! Aber jetzt ruft erst einmal die Pflicht."

Der Corellianer lächelte - es wirkte fast wie früher, trotz der Narben und anderer Zeichen der Zeit in seinen Gesichtszügen. Mehr Zeit blieb ihm auch nicht für die junge Brünette, denn Janson band nun auch den Admiral ins Gespräch ein. Er redete von einem Lazarett in den Unteren Ebenen, das gefallen war. Er nannte einen Mark nur allzu bekannten Namen, bei dem er augenblicklich die Muskeln anspannte. Chesara war da unten? Und sie war verletzt?

"Können wir etwas für sie tun oder ist sie außer Gefahr?"

, fragte ihr ehemaliger Padawan und er spürte die Gefühle, die bei der Kombination ihres Namens und dem Wort "verletzt", in ihm aufkamen.


.:: Coruscant | Vor dem Jedi-Tempel | Gärten | mit Elise, Alisah, Wes, War und Co. ::.
 
[Coruscant - Jedi-Tempel - Ebene 112 - Lagerraum - Sarid Horn, Mas Nerlo, Levice Vajetsi ; Major Kenoweth, Soldaten, Dr. Dor'esk, Assistent Jelanci Cravai, TO13]

Aus einem seitlichen, von hohen Lagerregalen gesäumten Gang trat Meisterin Horn hinzu, worauf hin sich Levice aus der Hocke erhob und zugleich ihre robenartige Kleidung ordnete.
Die Deckenbeleuchtung tauchte den Durchgang in kühles Licht, das umso künstlicher wirkte, da es den Raum ein wenig zu hell erleuchtete. Levice blickte erneut in Richtung der Verletzten, deren schweißnasse Gesichter im grellen Licht glänzten. Das Gift hatte vermutlich genug Zeit gehabt, um sich im Körper der Soldaten auszubreiten. Ein rasches Eintreffen medizinischer Versorgung, insbesondere des Antidots, war entscheidend.
Gemeinsam mit den übrigen Soldaten hatte sie deren Kameraden seitlich gelagert und so gut es möglich war sichergestellt, dass ihre Atemwege nicht behindert wurden.
»Es deutet alles darauf hin, dass die Soldaten dem Muttertier begegnet sind, Meisterin. Das Tier hat sie vermutlich überrascht und sie als Bedrohung wahrgenommen und deshalb angegriffen.
Ihr Zustand ist kritisch, aber dadurch, dass uns die Quelle des Giftes bekannt ist, können wir hoffentlich die verstrichene Zeit wieder aufholen.
Es sieht danach aus, als hätten sie sich verteidigt und auf das Tier geschossen.«

Der vermutete Verlauf implizierte, dass der ausgewachsene Komodorattan, sofern er getroffen worden war, sich möglicherweise nicht mehr weit entfernt haben konnte.
Major Kenoweth, der sich zwischenzeitlich selbst ein Bild vom Zustand der ihm unterstellten Soldaten gemacht hatte, schaltete sich nun ein.
»Rätin Horn, da uns das Tier noch immer gefährlich werden kann, sollten wir anfangen, systematisch den Lagerraum zu durchsuchen und insbesondere nach Schlupflöchern Ausschau halten. Wenn es sogar meine Männer so überraschen und verletzen konnte, muss es umgehend gefunden werden, bevor sich der Vorfall wiederholt.«

Das Geräusch von Schritten kündigte kurz darauf die Ankunft des medizinischen Hilfsteams an. Ein Medidroide in menschlicher Begleitung machte sich sofort an sein Werk, sobald er die Verletzten ausgemacht hatte.
Levice trat einen Schritt zurück, um den Helfer durchzulassen. Er war kein Jedi, zählte aber vermutlich zu den Sanitätern, die zur Zeit allerorts aushalfen. Die Padawan beobachtete mit fachlichem Interesse, wie der Droide über einen Bluttest die Art des Giftes bestätigte und dessen zirkulierende Menge feststellte, um die korrekte Dosierung des Gegengiftes zu berechnen. Zugleich wurden die Soldaten für den Abtransport bereit gemacht.
Von ihrem Platz aus lauschte Levice, wie sich der Sanitäter an die Jedi-Rätin und Major Kenoweth wandte.
»Wir bringen sie direkt in den Tempel, wo ihr Zustand weiter beobachtet wird. Gegebenenfalls werden sie aufgrund der aktuellen Lage verlegt, worüber Sie informiert werden.« Mit einem entschuldigenden Nicken verabschiedete der ältere Mann sich und winkte seinen die Tragen führenden Kollegen und den Medidroiden hinter sich her.

Dr. Dor’esk blickte der sich entfernenden Gruppe nach.
»Das Muttertier wird früher oder später zum Bau zurückkehren, Major. Es sollte genügen, dort eine Falle zu platzieren, deren Überprüfung wir übernehmen können.« knüpfte die Bothanerin an den Vorschlag des Soldaten an. Ihr Tonfall ließ vermuten, dass es sich dabei aus ihrer Sicht um die praktikabelste Vorgehensweise handelte. Levice konnte sich jedoch des Eindrucks nicht erwehren, dass sie sich vor allem um das Wohlergehen des Muttertiers im Falle eines erneuten Zusammentreffens sorgte.

[Coruscant - Jedi-Tempel - Ebene 112 - Lagerraum - Sarid Horn, Mas Nerlo, Levice Vajetsi ; Major Kenoweth, Soldaten, Dr. Dor'esk, Assistent Jelanci Cravai, TO13]
 
- Coruscant – Untere Ebenen – Wohnnischen – Mit Rámon –

Coruscants Wohnnischen erstreckten sich über ein weitläufiges Areal in den Unteren Schichten der Stadt. Nicht tausende, sondern nahezu Millionen von Lebewesen hausten hier auf engstem Raum. Nischen nannte man diese Unterkünfte, weil sie zu klein waren um dem Begriff Wohnung im offiziellen Sinne zu entsprechen. Die meisten bestanden lediglich aus einem Raum, zwei wenn man Glück hatte. Stabile Wände gab es jedoch nicht immer, hier und da waren Trennwände aus Karton gezimmert worden, oft hielten auch rostige Metallstäbe von den Schrottplätzen aus den Industriefeldern einzelne Stoffreste zusammen, die vor Blicken schützten wie löchrige Vorhänge. Gelebt wurde hier dicht zusammen gedrängt. In den Familien teilten sich Eltern und Kinder nicht selten ein Bett. In anderen Räumen schlief man auf dem Boden. Für Chesara war am erstaunlichsten, dass viele von denen, die hier lebten, dennoch zufrieden waren. „Es könnte schlimmer sein. Noch sind wir nicht in den Slums.“, sagte eine Frau zu ihr, zwei Kinder an ihren Händen, eines an ihrer Brust und Chesara verstand, dass es hier noch Hoffnung gab. Wer hier lebte, hatte noch nicht ganz aufgegeben. Dann und wann hörte man über Freunde von Bekannten, die es geschafft hatten die Unteren Ebenen zu verlassen. Dazu brauchte es vor allem Glück und die richtigen Kontakte, hieß es. Und wenn es denen gelungen war, warum nicht auch uns?

An einem guten Tag schaffte Chesara es, vier bis fünf Patienten zu behandeln. Sie kamen aus den umliegenden Unterkünften, nachdem Rámon die Voruntersuchungen getroffen hatte. Testete er jemanden positiv auf den C-Virus, setzte er diesen auf seine Liste, notierte die Nummer der Wohnnische und Chesara übernahm den Rest. Sie waren vorsichtig, nannten niemals ihre richtigen Namen und schworen jeden dem sie begegneten zu absoluter Verschwiegenheit auf. Früher oder später, darüber waren sie sich bewusst, würden ihre Sprechstunden trotzdem die Runde machen. Wie es dann weiter ging würden sie sehen müssen. Für ein paar Tage fanden sie immer irgendwo einen Schlafplatz. Gastfreundschaft war das einzige Zahlungsmittel das die meisten ihnen anbieten konnten und das einzige das Chesara und Rámon annahmen.


“Sie hatte über Schmerzen in ihrem Arm geklagt, aber zuerst nichts von dem Biss in ihrer Hand gesagt. Es muss beim Spielen passiert sein.“

Sie saßen über der neu angelegten Akte eines Mädchens, das an diesem Tag bei Chesara in Behandlung gewesen war. Sie war noch nicht ganz zehn Jahre gewesen. Ihren genauen Geburtstag hatten ihre Eltern nicht bestimmen können.

„Konntest du rekonstruieren, wann es passiert sein muss?“

Chesara betrachtete das Foto des Mädchens, das jetzt in einer Heiltrance lag und keine Antworten geben konnte.

„Ungefähr.“

Rámon brach ein Stück Brot ab. Die wenigsten Wohnnischen besaßen eine eigene Küche. Die Familie, die ihnen einen Schlafplatz angeboten hatte, kochte in einem Gemeinschaftsraum der Wohnanlage, einer vor Jahren eingeführten Notlösung, die sich zum Dauerzustand entwickelt hatte, nachdem der eigene Elektroherd kaputt gegangen war. Seitdem war weder Geld für eine Reparatur, noch für eine Neuanschaffung übrig gewesen.

„Erste Schmerzen nach der Bisswunde innerhalb von 12 Stunden, bis hinauf in den Oberarm. Sie dachten es wäre eine Verspannung der Muskulatur, Nacken oder Schulter. Keine Behandlung.“

“Sie hätten ohnehin keinen Arzt bezahlen können.“

„Nein. Nach 24 Stunden war der Bereich um die Verletzung tiefrot verfärbt, stark angeschwollen und nicht mehr zu verbergen. Da haben sie auch die Eltern bemerkt.“

Das Mädchen hatte auf der Straße mit einem streunenden Tier gespielt und eine Bisswunde davon getragen. Nur wenig später hatte es zuerst über starke Schmerzen geklagt, schließlich über Lähmungserscheinungen im betroffenen Gliedmaß.

“Durch den Biss ist der Virus direkt in die Blutbahn gelangt.“

„Befall des Nervensystems.“

“Das Tier war der Wirt.“

„Aber wir können es leider nicht nachweisen.“

Sie blieben schweigend über ihren Aufzeichnungen sitzen. Die Augen des Mädchens waren wie tot gewesen, der Blick apathisch. Sie hatte Chesara nicht ein einziges Mal direkt angesehen, jegliche Fähigkeit zu kommunizieren waren ihr abhanden gekommen. Das war keine vollkommen neue Beobachtung, doch sie hatte Chesara nicht minder erschüttert.

“Ich bin nicht überzeugt, dass sie vollständig genesen wird.“

Sagte Chesara und wich ab von der sachlichen Herangehensweise, die ihnen half Fakten zusammen zu tragen und Zusammenhänge zu erkennen. Emotionen hatten sich in ihre Stimme geschlichen. Es war unmöglich, in die Gesichter der Kranken zu sehen, die Angst ihrer Angehörigen zu spüren und dennoch unbeteiligt zu bleiben.

„Aber sie wird leben.“

Antwortete Rámon.

„Vielleicht mit Einschränkungen, vielleicht nicht so wie zuvor…“

“Ich weiß.“

Chesara rieb sich das Gesicht. Sie wusste, dass sie alles getan hatte das sie konnte und das sie es weiterhin tun würde. Es gab nichts, das sie sich vorzuwerfen hatte und trotzdem fühlte es sich wie ein Versagen an, manchmal an eine Grenze zu stoßen, über die hinaus man nichts weiter tun konnte.

“Hast du das oft erlebt, wenn du Operationen geleitet hast?“

Wollte sie wissen. Rámon trank einen Schluck aus einer der Flaschen, die sie penibel steril hielten.

„Es kam vor, ja. Ein Gelenk, das steif bleibt, einen Nerv den man nicht retten kann…“

“Amputationen?“

Sie dachte an seinen Bruder, für den das Schicksal zu schnell entschieden hatte.

„Auch das, ja. Es ist nie einfach, Chesara.“

“Doch wir tun was wir können.“

Das hatten sie heute getan und würden es morgen wieder tun.

“Und hoffen, dass es reicht.“

- Coruscant – Untere Ebenen – Wohnnischen – Mit Rámon –
 
Coruscant – Jedi-Tempel - Westturm - alter Meditationsraum - mit Ian und Arkadi, 4 NPCs vor der Tür

Eowyn sah Ian mit einem unauffälligen, normalen Blick an, als dieser seine Daten zu Protokoll gab. Es war... seltsam, das alles zu hören. Sie selbst hatte nie gewagt, ihn nach irgendetwas persönlichem zu fragen, das vor Tahiri geschehen war, und selbst das nur sehr vorsichtig. Sein Geburtstag, die Namen seiner Eltern. Sein Geburtsort. Ja, anders als "seltsam" konnte man diese Situation nicht beschreiben. Dinge, die doch eigentlich irgendwie selbstverständlich sein sollten. Ohne diese Befragung...
Gracie. Jerome. Die dunklen Schatten bekamen Namen, sie nahmen Form an. Wer waren sie gewesen? Wie genau hatten sie es geschafft, Ian so zu verformen? Wie war eine Mutter dazu in der Lage? Ihr eigen Fleisch und Blut...
Wenn sie selbst schon alleinevon diesen Dingen so nachdenklich wurde, wie musste es erst Ian gehen?
Ihre Unterstützung half ihm hoffentlich, wenigstens ein klitzekleines bisschen, denn mehr konnte sie nicht tun, als Ian gleich weitersprach, gleich andeutete, was mit ihnen geschehen war. Es musste sein... Das war es, weswegen sie hier waren. Das war es, was Ian im Magen und auf der Seele lag, und das war es, was schlussendlich im wahrsten Sinne sein Genick brechen konnte. Es würde nicht helfen, es hinauszuzögern, im Gegenteil.
Und wie er es sagte, das war ganz Ian, so, wie sie ihn kannte. So, wie er auch mit ihr geredet hatte... was beinahe dazu geführt hätte, dass sie sich nicht auf ihn eingelassen hatte. Dieses Gespräch, in welchem sie einfach nur hatte hören wollen, dass er es bereute, dass er es rückgängig machen würde, dass das alles der größte Fehler seines Lebens gewesen war... Er hatte es nicht deutlich über seine Lippen gebracht, auch wenn sie heute wusste, dass er tief bereute.
Heute ging er allerdings nicht ganz so weit. Glücklicherweise.

Sieben Brüder. Sieben... Acht Kinder. War das für seine Mutter - Gracie - ein Grund gewesen, Ian fallen zu lassen? Ihn nicht zu schützen, ihn zu ignorieren? Eowyn wünschte sich kurz, mehr zu wissen, um zu verstehen, um nicht völlig im Dunkeln zu tappen, bis Ian weiterredete. Schmerz... Sie war sich sicher, den Schmerz in seiner Stimme zu hören, die Mühe, die es ihm bereitete, da weiterzureden, zu Protokoll zu geben, was er getan hatte. Aber er hielt sich, er machte es gut, er hielt das alles irgendwie aus... und schließlich war da die komplette Zahl. Acht Morde, acht Todesfälle, über die entschieden werden musste. Eowyn hatte nicht den Hauch einer Ahnung, was die Republik tun würde. Telos gehörte nicht zur Republik... und die restlichen Morde - Ian konnte vielleicht mit Strafmilderung rechnen, er hatte sich gestellt, es waren keine kaltblütigen, geplanten Morde gewesen. Und Eowyn hatte Ian niemals nach der Kleinigkeit gefragt,
wo diese Morde geschehen waren. Wie auch, sie hatten niemals wieder wirklich darüber gesprochen seit dieser Nacht auf Va'art. Sie hatte es nicht gewagt, hatte es selber auch irgendwie verdrängt, außerdem waren immer andere Dinge wichtiger gewesen. Und ändern konnte sie ohnehin nichts daran.
Eowyn entging nicht die Kleinigkeit, dass die Hände Duvals sich ein wenig mehr bewegten, als sie eigentlich sollten. Sie hatte wohl eine einzigartige Position in diesem Gespräch... Reine Beobachtung, Zuschauerin, nur mit der Aufgabe des Schutzes bedacht - bei dem sie sich eigentlich sicher war, dass weder Duval noch Ian sie nötig hatten. Sie hatte die einmalige Möglichkeit, von ihrer Position aus beide Antagonisten genau im Blick zu haben, was ihr außerdem die Gelegenheit gab, sich selbst nicht allzu tief in Ians Erzählungen und Gefühlswelt hinabsinken zu lassen. Sie durfte sich nicht beeinflussen lassen... so war sie Ian keine Hilfe.
Aber was hatte Ian gesagt, um diese Reaktion hervorzurufen? Eowyn konnte kein starkes Gefühl vom Agenten ausgehend spüren. Wut hätte sie gefühlt, da war sie sich eigentlich sicher... Was auch immer es war, es war schnell vorbei, und Duval fuhr fort.
Nur die Wahrheit herausfinden... Wenn es wirklich nur das war, dann hatten sie kein Problem. Ian hatte nicht vor, etwas zu verbergen, das relevant war, und Eowyn sah dem Agenten in dem kurzen Moment, in dem er herübersah, ruhig entgegen. Wollte er ihr damit sagen, dass er nicht ihr Gegner war? Sie hatte keine Ahnung... und wieder einmal zeigtte sich, dass ein wenig mehr Politik und Diplomatie nicht geschadet hätte.

Die Befragung ging weiter, und Eowyn nahm einen weiteren Schluck von ihrem mittlerweile lauwarmen Kaf, umsich zu bschäftigen, um weiter ihre ruhige Kontrolle zu halten. Die Tasse war halb leer, und ihr Blick blieb einen Moment daran hängen. Sie wusste, sie sollte hochblicken, sollte die beiden vor sich im Auge halten, sollte nach Zeichen von zu starker Überforderung bei Ian, nach Zeichen von falschen Tricks bei Duval Ausschau halten, aber Ians Gefühle waren ohnehin deutlich genug und dabei, sie zu überrollen. Und dann war da wieder eine typische Ian-Antwort, bei der Eowyn ihren Kopf erneut hob. Es gab nur "seinen" Standpunkt... Das war typisch. Das war so typisch... Er und sein Bestehen auf Korrektheit, auf Genauigkeit, selbst in einer solchen Situation - oder eher vielleicht,
gerade in einer solchen Situation. Ob Duval klar war, dass die Morde teilweise während Ians Zeit bei den Sith, nicht davor, geschehen waren?
Ian beantwortete seine Fragen nicht wirklich, im Gegenteil, seine Gegenfragen gaben ihm aber vielleicht Zeit, sich zu sammeln, oder zumindest einen Versuch zu starten, Eowyn wusste es nicht, und da schwappte erneut eine solche Welle von Emotionen über Eowyn, dass sie erneut einen Schluck Kaf nahm, einfach, um nicht selbst die Kontrolle zu verlieren, um nicht anzuzeigen, dass sie sehr wohl eine Verbindung hatte, die Duval nicht sehen konnte, um nicht die Augen zu schließen vor dem, was sie fühlte. Sie hätte nicht beschreiben können, was es war - das Gefühl von Verrat, davon, betrogen worden zu sein, von Verletztheit und vor allem von Verzweiflung und Hilflosigkeit. Waren es Erinnerungen, die Ian all das empfinden ließen, Erinnerungen, die Duval aufkommen ließ, oder war es die momentane Situation?
Sie klammerte sich unauffällig an ihrer Tasse fest, froh, etwas in der Hand zu haben, froh, etwas für ihre Hände zu tun zu haben, als Ian ansetzte all die Fragen zu beantworten.

Was er über die Sith erzählte, dabei war nichts wirklich Neues für Eowyn. Aber die persönlichen Dinge... auch hier ein Thema, über das sie nie gesprochen hatten. 26 war er gewesen... Er hatte eine Schülerin gehabt, als sie sich begegnet waren. Zumindest theoretisch. Darth Noctious. Kleinigkeiten... aber Dinge über einen Lebensabschnitt von Ian, über den sie so gut wie nichts wusste, über den Ian schwieg, so viel er konnte, und über den sie selbst nicht wagte, ihn auszufragen. Dennoch gehörte es zu ihm... dieses Leben war ein Teil von ihm, auch wenn er es am liebsten auslöschen wollte.
Was folgte, kannte sie gut, und sie sah wieder auf. Ians Gefühle waren längst wieder unter Kontrolle, zumindest unter weitaus besserer Kontrolle als eben. Sie hörte ihm zu, wünschte, ihn irgendwie unterstützen zu können. Es musste so schwer für ihn sein, von all dem zu sprechen, vieles, das er ihr gegenüber nie erwähnt hatte, anderes, das er versuchte, zu vermeiden, wenn es ging... Ob Duval wusste, wie schwer es für ihn war? Ob er begriff, dass Ian es ernst meinte? Seine Zweifel... Duval
musste danach fragen. Natürlich, es war essenziell...
Erkenntnis. Erkenntnis - und sie selbst. Eowyn sah gerade zu Ian, ahnte, dass Duvals Blick augenblicklich zu ihr gehen würde, wappnete sich vor diesem, gab sich Mühe, keine Miene zu verziehen. Wieder ein kleiner Hinweis darauf, dass Ian und sie mehr verband als die reine Bewacherfunktion... Ob es so klug gewesen war, das zu erwähnen, vor allem, da sie nicht für die Erkenntnis in seinem Leben verantwortlich gewesen war? Das hatte er ganz von alleine geschafft... Aber geschehen war geschehen, und letzten Endes würde es keinen Unterschied machen.

Und außerdem war Ian ehrlich. Die Ehrlichkeit, sein Bereuen konnte sie in jedem seiner Worte hören, sie konnte es spüren, so, dass es beinahe weh tat, und es wurde immer mehr. Zum ersten Mal bekam sie einen wirklichen, echten Eindruck davon, wie er sich angesichts dessen, dass das, woran er sein ganzes Leben lang geglaubt hatte plötzlich in Scherben lag, eigentlich fühlte, und es war definitiv nicht angenehm - doch gleichzeitig war sie beinahe froh darüber, auch wenn diese Gefühle sie dazu zwangen, ihre Tasse fest zu umklammern. Sie wünschte, ihm das alles abnehen zu können. Ihm ein anderes Leben zu geben, die Zeit zurückzudrehen, ihm zu helfen, auch wenn das bedeutete, dass sie sich niemals begegnet wären, und es ging so weit, dass sie nun ihrerseits eine leichte Abschirmung errichtete, Ian ein wenig ausschloss. Sie konnte es sich momentan nicht leisten, sich von seinen Gefühlen überrennen zu lassen, und erst Recht nicht, dass
er die ihren abbekam. Empathie war gut und schön - in einem solchen Fall allerdings eher kontraproduktiv.
Und die große Frage war ohnehin, was Duval aus dem ganzen machen würde...


Coruscant – Jedi-Tempel - Westturm - alter Meditationsraum - mit Ian und Arkadi, 4 NPCs vor der Tür
 
[ Coruscant - Jedi-Tempel - Gärten] War in der Nähe von Wes, Alisah, Markus und Elise

Nachdem War erst seinen Namen gehört hatte und der Jedi-Rat dann schließlich einen Schritt zurück machte, fühlte er sich seinerseits aufgefordert einen Schritt näher an die Gesprächstruppe heran zu treten. Der Corellianer musterte die Anwesenden freundlich und setzte dann zu einer Begrüßung an.

„Die Damen und Herren Jedi, Admiral Blade. Freut mich, Ihre Bekanntschaft zu machen und vielen Dank für Ihre Unterstützung.“

Er wollte es bei der kleinen Vorstellungsrunde belassen. Da es sich bei Jedi nicht um Militärs handelte, war die übliche Ehrenbezeichnung eben nicht angebracht, auch wenn es ihm bei der Begrüßung von Wes Janson dann doch durchgegangen war, nachdem ihn die Verbeugung etwas in Verlegenheit gebracht hatte. Andererseits waren die Jedi auch keine normalen Zivilisten. Sonst hätte er sie auch auf keinen Fall zu einer solchen Mission eingeladen, von der er noch nicht wusste, wie gefährlich es letztendlich werden würde.

Bei Jedi hingegen konnte er davon ausgehen, dass sie seinen Leuten nicht im Weg herum standen und durchaus sehr nützlich sein konnten. Er kannte den Ausbildungsstand der anderen Missionsteilnehmer noch nicht, aber alleine ein Jedi-Rat konnte auch schon sehr viel ausrichten. Wobei ihm Wes Jansons Spezialisierungsrichtung nicht bekannt war. Rätin Chesara , die er gerade angesprochen hatte, kannte War nur als außergewöhnliche Heilerin. Mit einem Lichtschwert in der Hand hatte er sie noch nie gesehen, soweit er sich erinnern konnte.

Nach allem was sie für ihn getan hatte, lag ihm ihr Wohlergehen aber auch am Herzen. Insofern waren die Neuigkeiten mit der Verletzung und dem zerstörten Lazarett nicht gerade beruhigend. Doch diese Mission war zeitkritisch und konnte sich als weitaus bedeutender herausstellen, als das Wohlergehen einzelner.


„Nach Abschluss unseres Einsatzes können wir gerne nach der Rätin suchen, wenn dies gewünscht ist.“

Dabei wanderte sein fragender Blick in Richtung des Rates, nachdem er zuvor die neuen Gesprächspartner ausführlich gemustert hatte. Der Mann (Markus) machte auf ihn im ersten Moment einen erfahrenen, kampferprobten Eindruck. Da die Jedi meist in Zweiergruppen als Meister und Schüler unterwegs waren, konnte es sich bei seiner Begleiterin (Elise) um seine Schülerin handeln. Bei der zweiten Frau in der Runde (Alisah) ging er im Anbetracht der Umstände davon aus, dass sie an der Mission nicht teilnehmen würde. Aber selbstverständlich waren das alles nur seine erste Eindrücke und Vermutungen. Gerade bei Jedi, und das hatte er zwischenzeitlich gelernt, konnte man sich aufgrund ihrer Stärke durch die Macht auf Äußerlichkeiten sowieso nie verlassen.
Außerdem spürte er noch den Drang danach, noch ein kurzes Missionsbriefing zu geben, damit - was auch immer ihnen bereits an Informationen gegeben wurde - auch jeder wusste, worauf sie sich einließen.


„Nochmal kurz zur Mission: Ein Gamma-Klasse ATR-6 Angriffstransporter steht auf der Landeplattform bereit und wird uns, 4 Soldaten der Spezialeinheit Sandpanthers und 8 normale Soldaten zum Zielort bringen. Beim Zielort handelt sich um eine Tierarztpraxis mit angegliederter Kleintierhandlung in der Nähe des Vergnügungsviertels. Laut unserem Informanten ist dies aber nur eine Tarnung. Er könnte sich möglicherweise um einen Ort handeln, von wo aus das Virus gezielt verbreitet wurde. Dies sind allerdings nur Vermutungen. Alles ist möglich: Es könnte uns also sowohl passieren, dass wir voll bewaffnet in eine richtige Tierarztpraxis hinein marschieren, oder aber dass wir uns plötzlich gut bewaffneten, feindlichen Kräften gegenüber sehen, die sofort das Feuer eröffnen.“

Er legte eine kurze Pause ein, damit seine Worte ihre Wirkung entfalten konnten. Wenn sie wirklich nachher in eine echte Tierarztpraxis einmarschierten, würde das äußerst peinlich werden. Doch die Informationen von seinem Gefangenen, wenn auch nur ein Teil davon stimmte, machten wirklich sehr deutlich, dass dort irgendetwas nicht mit rechten Dingen zugehen konnte. Selbstverständlich war es nach wie vor auch möglich, dass das alles garnichts mit dem Virus zu tun hatte.

„Der Angriffstransporter ist nicht gerade unauffällig. Wir werden das Zielgebiet einmal umfliegen und einige Soldaten an den Punkten absetzen, wo wir Fluchtwege vermuten. Dann gehen wir zum Haupteingang. Von da an sind wir auf ihre Jedi-Sinne angewiesen und werden spontan entscheiden. Ob wir freundlich anklopfen oder uns ... weniger freundlich Zugang verschaffen mache ich von Ihrer Einschätzung abhängig."

Eine gewisse Eile und Anspannung in seiner Stimme würde verdeutlichen, dass sie nicht herumtrödeln durften. Je länger sie warteten, desto größer war die Wahrscheinlichkeit, dass die Gegner vorbereitet waren beziehungsweise genug Zeit hatten, um alle Beweise zu vernichten.

„Wir sollten so schnell wie möglich starten. Benötigen Sie noch Ausrüstung oder kann es sofort losgehen?

[ Coruscant - Jedi-Tempel - Gärten] Wes, Alisah, Markus und Elise und War
 
Coruscant, Jedi-Tempel – Quartiere – Talery und Brianna

Talery tat wie ihr geheißen, holte ihren Lichtschwertkristall aus dem Schrank und zeigte ihn Brianna. Der Stein war hübsch anzusehen, das musste man ihm lassen. Nur, wenn die Echani ganz ehrlich war, hatte sie keine Ahnung woran sie die Lichtschwerttauglichkeit erkennen konnte. Sie sollten es ausprobieren, dann würden sie ja sehen. Brianna stimmte ihrer Padawan aber dahingehend zu, dass er ihrem Permafrostkristall ähnelte, auch in der Machart. Identisch geschliffen mussten sie ja nicht sein, oder? Der Schliff hing von der Natur und den konkreten Eigenschaften des Kristalls ab, glaubte sie zu wissen. Ein wenig unsicher sah sie zwischen den beiden Kristallen hin und her.

„Ich denke schon, dass er passt,“


Beschloss die Echani, die es auf jeden Fall auf einen Versuch ankommen lassen würde. Sie hatte ein gutes Gefühl bei der Sache, und kaputt gehen würde er schon nicht. Dass ihr Talz-Kristall aber nach wie vor ungenutzt herumlag, war tatsächlich ein Jammer und Talery würde sowas bitteschön gar nicht erst anfangen.


„Ja, zu schade. Er ist wunderschön und wenn ich ihn ansehe, kommen so viele Erinnerungen zurück… das war meine beste Zeit als Padawan, weißt du?“


Seufzte sie, ohne jedoch vorzuhaben, ins Detail zu gehen. Es wäre sicherlich schöner gewesen, Geschichten auszutauschen und sich unterhalten als die Caamasi zum Lichtschwertbau anzutreiben, aber es musste sein. Das war eben Coruscant – Arbeit, Arbeit, Arbeit und das würde sich im Laufe des Aufenthalts wohl auch nicht ändern. Zweifellos würde sie dafür sorgen, dass ihre Padawan Talery auch jenseits davon persönlich und moralisch weiterkam. Selbst wenn es nur ein kleiner Schritt wie die Meditation über den Kristall war, zu mehr würde ihre heute doch arg phlegmatische Padawan sich eh nicht mehr überreden lassen.

„Fein! Dann machen wir das eben. Die Einstimmung erfolgt durch Meditation, richtig. Du sollst eins mit ihm bzw. später dem Lichtschwert werden. Die Macht wird durch dich hindurch kanalisiert, oder irgendwie so ähnlich.“


Bei der Macht, Brianna musste zugeben, dass sie ebenfalls schon reichlich müde war und nicht mehr alle Einzelheiten aus dem Handbuch für junge Ritter aus dem Kopf abrufen konnte. So anstrengend war eine kleine Meditation ja zum Glück nicht. Wahrscheinlich hatte Talery auch recht damit, dass es ihr jetzt rein gar nichts mehr helfen würde, hätte sie seinerzeit nach Denon beim Lichtschwertbau zugesehen. Sie wäre zweifellos auch wahnsinnig motiviert gewesen, beim Lichtschwertbau zuzusehen – ungefähr so wie jetzt, selbst eines zu bauen.

Wenn Brianna ihrer Padawan zuliebe auf die Idee gekommen wäre, Talerys Beförderung vor die Vollendung des Lichtschwertes vorzuziehen, wäre sie bitter enttäuscht gewesen. Befördert zu werden schien die eine Sache zu sein, welche die Caamasi noch mehr scheute als den Lichtschwertbau – warum eigentlich? Die vor den Kopf gestoßene Silberhaarige hörte den Ausflüchten ihrer Schülerin gar nicht zu. Als ob sie sich danach nicht mehr sehen würden… Als Jedi-Meisterin und Jedi-Ritterin konnten sie genauso gut ein Team sein wie jetzt. Brianna wollte so gerne die nächste Stufe der Karriereleiter erklimmen und eine Jedi-Meisterin sein wie ihre Chefin Alvaba Thropp oder Markus Finn. Wieso sollte Talery dies nicht wollen? Das Leben endete doch nicht am letzten Padawantag.


„Heißt das, du willst kein Lichtschwert bauen, weil du keines haben willst – oder weil du keine Jedi-Ritterin sein willst – oder beides? Du klingst, als wollte ich dich in ein Waisenhaus für Vogeleier abgeben! Es ist ja nicht so, als ob ich dich wegstoßen und mit dir nichts mehr zu tun haben will. Wenn du Ritterin bist, ändert das erst einmal gar nichts zwischen uns. Ich bin nicht wie meine Meisterin Kestrel, die sich auf einen schrecklichen Planeten verkrümelt hat, kaum dass ich befördert war! Du kannst bei mir bleiben so lange du willst!“


Als Brianna mit ihrer Tirade fertig war, dachte sie an das, was Talery vorher gesagt hatte. Gleichzeitig mit ihr ein Lichtschwert zu bauen machte eine Menge Sinn, auch wenn das ihrer Caamasi-Padawan offensichtlich nicht klar war. In den Tiefkern mit dem Zweiphasenlichtschwert, das partout nicht funktionierte! Sie würde einfach Eiskristall klassisch und einfach bauen, aber besser als Mondlicht, ordentlich eingestimmt, mit dem Griff den sie haben wollte und den vielen anderen Dingen, die verbesserungswürdig waren, zusammen mit Talery. Wenn ihr später einmal danach war, konnte sie dann immer noch Mondlicht als Zweiphasenwaffe neu bauen. Vielleicht funktionierten diese ja auch nicht mit Permafrostkristallen, oder man brauchte lauter gleiche? Das würde sie tun, egal wie Talery das fand. Jetzt erst recht! Dass diese erklärte, heute noch ein wenig zu meditieren und schon damit rechnete, nicht fertig zu werden, machte es nicht besser.


„Ich weiß nicht, ob man den Einstimmungsprozess wieder aufnehmen kann, aber wenn du meinst… du hättest in der Cantina eine Tasse Tee trinken sollen, um wach zu bleiben. Jedenfalls habe ich soeben beschlossen, zusammen mit dir mein neues Lichtschwert zu bauen. Ich denke, es wird für dich dadurch einfacher und schneller vonstatten gehen als wenn du ohne Vorlage arbeiten musst,“


Verkündete Brianna, die dabei herzlich wenig interessierte, dass Talery nicht an Geschwindigkeit interessiert war. Als die Padawan sich endlich bequemte anzufangen, setzte die gelenkige Echani sich im Lotossitz auf ihr Bett, legte das Schmuckkästchen mit den Kristallen vor sich und begann ebenfalls mit der Meditation. Eine ganze Weile lang konzentrierte sie sich auf den Kristall und stellte sich diesen als Verlängerung ihrer selbst vor. Dabei war sie sich zunächst selbst nicht schlüssig, ob sie Fortschritte machte, bis dieser plötzlich sein Kissen verließ und in Richtung von Briannas Händen schwebte. Er begann sogar zu leuchten, obwohl die Echani-Jedi nicht wusste, ob sie dies nur vor ihrem inneren Auge so sah. Just in dem Moment meldete sich Talery zu Wort und Brianna wusste nicht, ob sie mit ihrer Padawan zufrieden sein sollte, weil sie doch eine Weile durchgehalten hatte, oder unzufrieden, weil sie eben doch vorzeitig das Handtuch warf, und entschied sich für die goldene Mitte.


„Ich kann dich wahrscheinlich nicht zwingen schneller zu arbeiten, hmm? Vergleiche einmal das Gefühl von meinem mit deinem, dann müsstest du sagen können, wie weit du gekommen bist. Ich denke nämlich, dieser ist soweit,“

Betonte Brianna und konzentrierte sich nochmals kurz, was den Kristall ein weiteres Mal zum schweben (und im Geiste leuchten) brachte. Nur kurz allerdings, dann machte sie Schluss für heute. Da die Echani ohne Training nicht ins Bett konnte, sicherlich nicht wollte, ging sie an ihren Kleiderschrank und schlüpfte in ihre Sportsachen.


„Nun denn – gute Nacht,“

Meinte sie kurz angebunden und huschte ins leere Nebenquartier, welches eigentlich Talerys gewesen wäre. Dort tanzte sie noch eine Weile durch eine Kata, die sie ihre Mutter auf einem Holo praktizieren gesehen hatte und die sie nun ebenfalls lernte – Brianna behielt derlei Dinge extrem schnell. Als sie genug davon hatte, machte sie einige Kraft- und Dehnübungen, bevor sie irgendwann einschlief.

Als Brianna mitten in der Nacht aufwachte, lag sie geradezu verknotet am Boden, so dass der Anblick an einen schrecklichen Unfall erinnerte. Langsam stand sie auf und reckte die schmerzenden Glieder. Auf ihrem Datapad prüfte sie kurz die Zeit auf ihrem dPad – genügend Zeit, um noch eine Weile in ihrem Bett zu schlafen. Allerdings fiel ihr etwas anderes ein, was sie schon hatte tun wollen, seit sie Eshan verlassen hatte – sie schrieb eine kurze Nachricht an die Adresse, hinter der sich ihrem Onkel zufolge ihre bisher unbekannte Tante Yuulon auf Lianna verbergen sollte. Die Echani hielt sich kurz, wollte eigentlich nur sehen, ob sie antwortete. Sie kennenlernen würde sie sie am liebsten persönlich, oder wenigstens per Holo. Anschließend gönnte sie sich noch so etwas wie zwei Stunden richtigen Schlaf, bevor der nächste Tag wieder mit sportlicher Aktivität begann.

Als Frühstück aß sie das kalte Nuna, welches sie vergessen hatte und ärgerte sich, eine Gelegenheit verpasst zu haben, etwas für den Erhalt ihrer Figur zu tun. Leider fühlte sie sich danach zu voll, um noch ausgiebig normal zu frühstücken, sie packte sich aber einige Dinge für den Lauf des Tages ein. Als sie ihr Datapad nach einer Antwort von Tante Yuulon prüfte, fand sie stattdessen nur eine sonderbare Nachricht, auf die sich die Echani keinen Reim machen konnte und die sie beschäftigte. Sie trug das Logo der Incom Corporation und den lapidaren Vermerk, die gewünschte Person wäre derzeit nicht erreichbar. Die Nachricht bat um Briannas Verständnis und stieß dabei auf taube Ohren. Was hatte dies zu bedeuten? Hatte Onkel Ylsaen ihr die falsche Adresse gegeben? War Yuulon krank oder ihr sonst etwas zugestoßen? Oder wollte sie schlichtweg nichts mit ihrer Nichte zu tun haben, was angesichts des Hintergrunds um die Verurteilung ihrer Schwester, Briannas Mutter, irgendwo verständlich wäre. Anderenfalls hätte sie ihre Jedi-Verwandte ja auch von sich aus kontaktieren können, wenn sie schon beide auf Lianna nebenher lebten. Es war ja nicht so, dass Brianna einen unauffälligen Lebensstil führte.


Die Schicht auf der medizinischen Abteilung verlief weitgehend wie der Vortag (keine Zeit, um über mögliche Verwandte nachzugrübeln), nur dass Brianna nun ihren alten, weißen Trainingsanzug statt der schrecklichen Heilerrobe trug – Meisterin Thropp schien daran bei der morgendlichen Besprechung keinen Anstoß zu nehmen. Brena, Talery und Brianna testeten weiterhin die Theorie, die Patienten durchzuwechseln und die Echani bildete sich ein, dass ihre Mirialan-Meisterin die Zuständigkeiten einiger schwieriger Fälle geändert hatte. Insbesondere Ruam schien über die Änderung der gewohnte Routine nicht allzu glücklich zu sein, für Brianna war es hingegen eine Bestätigung und ein kleiner Triumph. Schließlich hatte sich der Mon Calamari am Vortag noch beschwert, dass ‚die Neue‘ hereinplatzte und alles auf den Kopf stellen wollte. Briannas Trancepatienten waren nicht aufgewacht, aber auch beide noch am Leben, was unter den Umständen positiv war. Dies bedeutete schließlich, dass kein Patient ihrer Schicht seit gestern gestorben war!

Das Abendessen fand wieder im Ortolaner statt, Talery zuliebe, die anschließend stark sein musste, wenn es um die Fortsetzung des Lichtschwertbaus ging. Dieses Mal hatte Brianna mehr Glück bei der Speisenwahl und sie schmeckte tatsächlich mehr von ihrem Gericht als das Aroma der rohen Zutaten. Als Abendessen nach dem Abendessen holte sie sich dieses Mal einen Banthaburger mit Beilage und prägte sich ein, diesen heute auch zu essen. Mit der Mahlzeit im Gepäck erreichten Talery und sie wieder ihr gemeinsames Quartier und sie setzten sich auf ihre Betten.


„Nun? Fühlst du dich fit für Teil zwei des Lichtschwertbaus?“


Wollte sie von ihrer in dieser Hinsicht mindermotivierten Padawan wissen.


Coruscant, Jedi-Tempel – Quartiere – Talery und Brianna
 
Zurück
Oben