Coruscant

Coruscant - Jedi-Tempel - Ratssaal, Fabienne, Aleron, Murrrarchesch und Z5

Aleron nahm sich Zeit, wirkte aber äußerlich ruhig. Er stand da, mit geschlossenen Augen, und Murrrar blickte bewusst nicht dauerhaft zu ihm. Manche konnten es spüren, wenn sie beobachtet wurden; und das wäre aktuell nicht hilfreich. Schließlich aber schien der Padawan eine Antwort gefunden zu haben.
Der Rat hörte genau zu und folgte seinen Ausführungen. Eine interessante Information, die der Morellianer da über seine Spezies erzählte, und auch, wenn es anscheinend kompliziert war, es zu erläutern, Murrrar hatte durchaus das Gefühl, zu verstehen, was Aleron meinte. Dies war also die Stärke, die er anführte, doch ganz zufrieden war Murrrar mit dieser Antwort nicht. Sicher, es war eine gute Antwort und auch eine wirklich gute Eigenschaft; eine, die in den meisten Fällen sicher weiterhelfen würde, vielleicht sogar Leben retten konnte. Doch wenn er es richtig verstanden hatte, so war diese Stärke allen Morellianern zu eigen, so, wie alle Wookiees überdurchschnittlich groß waren. Es war keine Stärke, die Aleron selbst betraf, etwas, das ihn persönlich ausmachte. Nun war seine Frage nicht so akkurat formuliert gewesen, dessen war der Jedi-Rat sich bewusst, aber ihm fehlte das Persönliche, welches er während des gesamten Gespräches kaum zu fassen bekam. Der Padawan schien ein sehr guter Kandidat für einen Jedi zu sein, doch blieb er immer an der Oberfläche, drang nie wirklich tiefer ein. Es konnte durchaus der Prüfungssituation zu Lasten gelegt werden, und wieder bedauerte Murrrar sehr, dass Tara nicht anwesend war. Fabienne zu befragen war natürlich ausgeschlossen.

Und vielleicht würde im nächsten Punkt mehr zu Tage treten... Doch die nächste Antwort überraschte Murrrar in der Tat. Er legte den Kopf ein wenig schief und dachte darüber nach, was Aleron sagte, und auch darüber, ob seine Ausbildung in puncto Lehren und Ansichten des Ordens vielleicht zu kurz gekommen war. Wenn dem so war, so würde er diesen Teil definitiv nachholen müssen. Denn was er sagte, war für Murrrar teils nicht verständlich. Weshalb dachte Aleron, der Orden würde Leid und Unrecht zulassen, um einem großen Ganzen zu nutzen? Dies würde dem Sinn des Ordens zuwieder laufen. Im Prinzip existierter dieser schließlich hauptsächlich deshalb, um den Frieden zu sichern, und damit Leid und Unrecht möglichst zu verhindern. Was sollte das große Ganze, das Ziel, ansonsten sein? Natürlich hatte Aleron recht, dass auch im Orden die Zukunft beobachtet wurde; gerade die Visionäre waren durchaus gefragte Jedi - doch man verließ sich nicht hundertprozentig auf sie, niemals. Ahna mit ihrer weit entwickelten Bruchpunkttechnik würde ein herber Verlust in Zukunft sein, ja, doch auch hier - man hatte ihr vertraut, weil man sie gewertschätzt hatte und ihre Schlussfolgerungen logisch und nachvollziehbar waren, nicht zwingend, weil der Rat glaubte, sie läge immer richtig.


[Ich weiß nicht, was Meisterin Li mit Euch über die Wege und Ansichten des Ordens besprochen hat, doch Ihr seid nicht sonderlich weit entfernt von der Realität dessen, wie hier gelebt wird. Der Rat lässt kein Leid zu, um einem theoretischen Konstukt zu dienen; nicht, seitdem ich dem Orden beigetreten bin zumindest. Es mag philosophische Debatten geben, das ist richtig, doch letzten Endes resultiert das Handeln des Ordens immer aus der Praxis. Wir handeln, wann immer es notwendig und möglich ist. Niemand weiß, was die Zukunft bringt, auch nicht unsere besten Visionäre. Wenn dies so wäre, so wären wir aktuell nicht in dieser politischen Situation.]

Alleine dies sollte deutlich machen, dass der Rat mitnichten alles vorhersagen konnte. Und wenn dies nicht möglich war, musste man immer nach dem handeln, was einem selbst richtig vorkam. Das war häufig ein Problem, da der Rat sich nicht immer einig war; das beste Beispiel war die aktuelle Situation und all ihre kleinen Unterpunkte. Aber trotzdem - sie alle taten, was sie konnten, und niemand im Rat würde jemals Leid zulassen, wenn es verhinderbar war. Letzteres war meist eben nur leider der problematische Punkt. Nicht immer waren die Ressourcen vorhanden, das Personal oder die korrekte politische Lage. Manchmal musste man abwägen, und das war es, was Murrrar und eigentlich dem gesamten Rat besonders schwert fiel. Aber sie hatten keine andere Wahl.

[Vielleicht möchtet Ihr Euch in Euren kommenden Studien noch ein wenig damit beschäftigen. Ich bin mir sicher, dass es auch eine Menge Jedi gibt, die sich gerne mit Euch darüber austauschen, egal ob praktisch oder auf theoretischer Ebene. Besonders unsere Bibliothekarinnen und Bibliothekare scheinen dafür ein Faible zu haben...]

Eine Schwäche, die keine war - ein interessantes Resultat, aber Aleron hatte im besten Wissen gesprochen, daher war ihm hier kein direkter Vorwurf zu machen. Es wurde außerdem ohnehin langsam Zeit, in die praktische Richtung zu gehen. Murrrar ging davon aus, dass seine körperlichen Fähigkeiten auf Grund seiner Vergangenheit ohnehin gut ausgebildet waren; sein Plan war es, sich mehr auf die geistigen Dinge zu konzentrieren.

[Ich würde gerne zum nächsten Punkt übergehen. Wir befinden uns in der Ratsebene – das bedeutet, hier ist es verhältnismäßig ruhig. Könnt Ihr mir sagen, wie viele Personen Ihr hier in der Nähe spürt? Und, falls sie nicht abgeschirmt sind, auch, was Ihr von ihnen auffangt – natürlich bitte absolut ohne in ihre Privatsphäre einzudringen, nur das, was sie 'herausschreien'.]

Coruscant - Jedi-Tempel - Ratssaal, Fabienne, Aleron, Murrrarchesch und Z5
 
Coruscant - Jedi-Tempel - Krankenstation - Normalstation - Eowyns Zimmer, mit Ian

Ian war nicht ganz einverstanden mit dem, was sie sagte, aber er formulierte es vorsichtig und Eowyn dachte nicht einmal daran, darüber zu diskutieren. Wenn er meinte, dass sie ein Anrecht hatte, dann war es eben so. Vielleicht half es ihm ja auch, dann spielte alles andere ja keine Rolle. Okay, erwiderte sie leise und nickte. Sie war noch immer die Frau, die er liebte... auch, wenn diese Aussage eher beiläufig fiel, es tat seltsam gut, es wieder zu hören. Auch, wenn sie eine andere Person war, auch, wenn sich seine Gefühle vielleicht irgendwann deshalb ändern würden... aktuell war es so, und daran würde sie sich halten. Wahrscheinlich war es wichtig, sich solche Anker zu schaffen...

Er wechselte das Thema und brachte sich selbst ins Spiel. Natürlich war es einerseits logisch, dass er als Heiler das Zepter in die Hand nahm und sich selbst um ihre Genesung kümmerte, aber... aber. Es war eine Nähe, die sie länger nicht mehr geteilt hatten, und vor allem stand seine eigene Gesundheit auf dem Spiel. Ian war dem Tod mehrmals so nahe gewesen, dass es eigentlich ein Wunder war, dass er noch hier saß und mit ihr sprach. Dieses Risiko eingehen, nur, damit sie wieder laufen konnte? War es das wert? Denn würde er sich zurückhalten können, wenn er sah, dass er etwas ausrichten konnte? Sicher, das wäre nicht ihre Entscheidung. Aber würde sie damit leben können? Auch das... es würde kommen, wie es kam. Und wenn er wollte? Dann lag es an ihm, nicht an ihr.

Wie du möchtest. Die Heiler haben schon viel versucht, aber du bist vielleicht erfahrener. Und fähiger, denn Ian war durchaus äußerst begabt, was seine Heilfähigkeiten anging. Er und Chesara waren immerhin zu Beginn die einzigen gewesen, die es geschafft hatten, das C-Virus zu heilen.

Schlussendlich sprach auch Ian das Thema Bastion an – andersherum, und Eowyn konnte nicht verhindern, dass sie bei seiner ersten Frage zurückzuckte und ihn erschrocken ansah. NEIN. Sie wollte nicht reden, nicht heute, nicht morgen, rein gar nicht, niemals, vor allem nicht mit ihm... Ja, sie würde reden
müssen, das wusste sie, deshalb hatte sie auch um professionelle Vermittlung gebeten, aber mit Ian? Ihr Kiefer spannte sich an, besonders als sie daran dachte, wie er das ganze sah. Er glaubte, dass sie ein gewisses Recht darauf hatte, davon zu erfahren, war er dann nicht auch der Meinung, es sei umgekehrt genauso? Er wollte es wissen. Er wollte etwas tun. Er wollte, dass sie auf ihn zukam, dass sie sich öffnete, aber... wie sollte sie das? Wie sollte sie dem Mann, der sie liebte, sagen, was alles geschehen war? Wie sollte das gehen? Vielleicht morgen... Oder übermorgen. Und vielleicht musste sie es einfach tun. Sich abgrenzen und reden. Sie war doch ganz gut darin mittlerweile... Viel anders würde sie es bei einer Therapeutin schließlich wahrscheinlich auch nicht tun. Es war sein Wunsch, also... Sie atmete durch, ließ los und schlug die Augen nieder. Okay. Okay, aber... nicht jetzt. Nicht heute. Nicht vor morgen. Ich... weiß, dass du da bist. Ich weiß das, wiederholte sie und sah ihn wieder an. Und ich danke dir dafür.

Coruscant - Jedi-Tempel - Krankenstation - Normalstation - Eowyns Zimmer, mit Ian
 
[Coruscant - Jedi-Tempel - Krankenstation] Calen mit Daruq und Elise - weitere Patienten

Calen spürte recht deutlich das da ein Widerspruch in Elise war. Er konnte es nicht greifen, aber zum einen wirkte sie unruhig zum anderen aber auch beherrscht auf ihn. Es war verwirrend.

„Calen“, antwortete er schließlich auf ihre Frage nach seinem Namen. Die Stimme war ruhig genug, auch wenn sie sich für ihn selbst dünner anhörte, als ihm lieb gewesen wäre. „Calen Rynn.“

Als sie ihn aufforderte, noch einmal zu fühlen, tat er genau das. Er versuchte nicht, besonders klug zu sein oder etwas zu beweisen. Stattdessen erinnerte er sich an den Stand, an den Atem, an dieses bewusste Wahrnehmen, ohne gleich einordnen zu wollen. Sein Blick blieb auf Elise gerichtet, während er die Macht nicht suchte, sondern zuließ das sie ihn durchflutete.

Was er wahrnahm, ließ ihn unwillkürlich langsamer atmen. Es war keine einzelne klare Präsenz, eher etwas Verschobenes. Wie zwei Dinge, die denselben Raum beanspruchten, obwohl nur eines wirklich dort hingehörte. Elise selbst fühlte sich angespannt, aber stabil an, wie jemand, der trotz Schmerzen aufrecht blieb. Darunter oder vielleicht darüber lag etwas anderes. Etwas, das nicht ruhte, etwas das bedrückend und durchaus... böse war.

„Es fühlt sich… falsch platziert an“, begann er vorsichtig. „Nicht einfach dunkel. Eher wie etwas, das keinen eigenen Halt hat und sich an euch klammert. Es widerspricht dem was von euch in euch ist. Wie ein Parasit.“

Er runzelte leicht die Stirn, suchte nach besseren Worten.

„Es ist, als würde es ständig Druck machen. Nicht nach außen, sondern nach innen. Als wollte es euch aus dem Gleichgewicht bringen, nicht mit Gewalt, sondern indem es dableibt und langsam Einfluss nimmt. Auch wenn es Gewalttätig wirkt.“

Ein kurzer Moment des Zögerns, dann sprach er weiter.

„Es wirkt heiß. Unruhig. Aber nicht wild. Mehr… geduldig.“ Er verzog leicht den Mund. „So, als hätte es Zeit. Und als würde es warten, dass ihr einen Moment nicht aufpasst.“

Calen hob kurz den Blick, begegnete wieder ihren Augen. Da war kein Mitleid darin, eher ein ehrliches Bemühen zu verstehen und etwas das wie eine Mischung aus Neugier und Sorge wirkte.

„Und es fühlt sich absolut nicht wie ein Teil von euch an“, fügte er leise hinzu. „Ihr seid da. Sehr deutlich. Aber ihr seid nicht im Gleichgewicht. Da sind widersprüchliche Emotionen.“

Er hob eine Hand und massiert seine rechte Schläfe, merkte erst jetzt, wie sehr er sich angespannt hatte, und versuchte den aufkommenden Kopfschmerz wegzumassieren.

„Seid ihr es die wütend ist oder ist es das Ding? Wo kommt es her?“ Seine Sinne strichen noch einmal in ihre Richtung und ihm fröstelte nun etwas als er sein spüren auf das Bewusstsein ohne Bewusstsein konzentrierte. „Streitlust und Frieden.“ Murmelte er und sah verwirrt drein.

[Coruscant - Jedi-Tempel - Krankenstation] Calen mit Daruq und Elise - weitere Patienten
 
Coruscant - Jedi-Tempel - Krankenstation - Normalstation - Eowyns Zimmer, mit Eowyn

Ian wollte sich Eowyn genauer ansehen, er wollte es unbedingt und gleichzeitig? Nun, gleichzeitig wollte der Mann eben das auf gar keinen Fall. Nicht nur, weil er sich würde zurückhalten müssen, sondern auch, weil ein genauerer Überblick ihm mehr verraten würde, als Eowyn bisher ausgesprochen hatte. Was auch daran lag, dass sie beide sich schon so oft verbunden hatten, dass Eowyns Körper ihm absolut vertraut war. Jetzt, wo sie einander sogar fragten, ob sie Umarmungen austauchen durften, erschien es beinahe absurd, die Macht zu nutzen, um sein Gegenüber auf eine solch intensive Weise zu berühren. Damals, und Ian würde es nie vergessen, hatte er Eowyn bei ähnlichem, Bilder übertragen. Was, wenn nun das Gleiche andersherum geschehen würde? Der Dunkelhaarige hatte sich schon auf Bastion verboten, die Überwachungsvideos anzusehen. Auch wenn die Verletzung ihres Rückens auf Kast geschehen war, auch wenn sie kaum etwas über Bastion verraten würde, Ians Angst war real. Auf der anderen Seite, so erinnerte er sich selbst daran, hatte er nur angeboten, sich ihren Rücken anzusehen. Nicht alles, bloß den Rücken. Es wäre übergriffig gewesen, weiter zu forschen und dennoch, dennoch spürte Ian, dass da etwas war, was auch das tun wollte. Alles sehen und natürlich, nichts sehen wollen. Wie absurd war es, dass er ihr eben angeboten hatte zu sprechen, wenn schon diese, beinahe Kleinigkeit, ein Problem darstellte.
Kaum, dass Ian sich als Gesprächspartner angeboten hatte, verzog Eowyn das Gesicht. Unmerklich spannte sich ihr Kiefer an, etwas, dass dem anderen kaum entgehen konnte, zu vertraut waren sie sich. Da waren so viele Gesten Eowyns, die Ian in und auswendig kannte, die er erwarte, noch ehe Eowyn sie zeigte. Auch wenn dieses Anspannen nicht dazu gehörte. Ian nahm es wahr.

„Wann immer du bereit dazu bist“, sagte er daher und bemerkte, dass sie ganz ähnlich reagiert hatten. Auch er hatte um Aufschub gebeten.
„Dann, sehe ich mir deinen Rücken an. Ich werde mich nur auf das konzentrieren, was damit zu tun hat, in Ordnung? Und ich breche ab, wenn du dich unwohl fühlst“, Ian stockte, schickte aber dann doch leise hinterher, „oder ich“.
Dann schloss er die Augen, griff nach der Macht und, wappnete sich innerlich um nichts nach Außen zu zeigen. Er wollte unbedingt vermeiden, dass er zusammenzuckte oder etwas anderes zeigte, dass Eowyn erschrecken oder hoffen ließ. Erschrecken ließ es Ian. Denn schon ein erster Blick genügte, um zu sehen, dass mehr als ein Wirbel betroffen war. Während die oberen vollkommen intakt aussahen, zeigte sich bei ein, nein, bei zweien etwas anderes. Ian hatte schon genug Brüche gesehen, aber diese waren anders. Keine sauberen Brüche, keine geraden, sondern genau, wie Eowyn bereits ausgeführt hatte. Trümmer. Und jene Trümmer waren es, die zusätzlich Schwierigkeiten machten. Sie fühlten sich auch für Ian wie Fremdkörper an. Wenn das Rückenmark sonst vergleichbar mit einer Straße oder einem Kanal war, aus mehreren Eben bestand, die zwar keine einheitliche oder ebene Schicht war, zeigte sich bei Eowyns Rücken deutlich, dass es Verletzungen, Unterbrechungen gab. Und dann waren da Schwellungen. Genug, um neben den Teilchen zusätzlich für Probleme zu sorgen. Denn ein verstopfter Kanal leitete nicht weiter – und Eowyn spürte nichts, weil ihr Rückenmark so keine richtige Verbindung mehr zu ihrem Gehirn hatte. Blieb Ian bei dem Vergleich mit einer Straße dann war diese still. Zu still.

Vorsichtig zog Ian sich schließlich zurück und öffnete die Augen.

„Da ist wirklich einiges im Argen“, begann er vorsichtig. „Was ich dir sagen kann ist, dass, so absurd es klingt, es wahrscheinlich das Beste ist, dass du nichts erreicht hast bis jetzt. Denn“, Ian überlegte. „Nimm dein Auge. Die Schwellung. Sie … sorgt dafür, dass man erst mal wenig anderes sehen kann und manchmal ist es besser, abzuwarten, bis man mehr sehen kann.“ Dann seufzte er, lang und tief und schloss ein zweites Mal die Augen. „Will ich wissen, wie dieser Sturz gewesen sein muss, um diesen Bruch zu erleiden? Ich …“ Ian rang um Beherrschung und jetzt verriet ein Muskel, der über seinem Auge zuckte, was er bisher erfolgreich verbogen hatte. Dass er mitfühlte. Zu viel fühlte – weil Eowyn keine normale Patientin war.
„Ich wünschte, du hättest all das nicht erleiden müssen“, schloss er, und öffnete die Augen erst wieder, als seine Stimme kontrollierbar schien.
„Was haben die Heiler gesagt?“

Coruscant - Jedi-Tempel - Krankenstation - Normalstation - Eowyns Zimmer, mit Eowyn
 
Coruscant - Jeditempel | Ratssaal | Aleron Blackthorne, Fabienne Bertheau und Jedirat Murrrarchesch

Der Jedirat schien nicht so recht einverstanden oder auch nur zufrieden mit Alerons Antworten zu sein. Das verwunderte den Morellianer keineswegs, das Thema war alles andere als simpel und er glaubte auch, dass der jeweilige eigene Standpunkt, ob nun im Leben an sich oder auch als Ordensmitglied im Speziellen, erheblich dazu beitrug, die eigene Sicht maßgeblich zu beeinflussen.

„Das ist ein Thema, dass mich schon eine ganze Weile beschäftigt und ich glaube auch, dass es mich noch eine lange Zeit begleiten wird.“

Als nächstes wollte Murrar seine Machtfähigkeiten testen und fragte Aleron, die Präsenzen um sie herum zu erspüren und dieses oder jene Detail über ihren Gemütszustand zu teilen, ohne allzu persönlich zu werden. Der Einwand ließ die Mundwinkel des Morellianers kurz zucken. Es war tatsächlich erschreckend einfach, unvorbereitete Personen zu lesen. Darum war es umso wichtiger, sich immer wieder in Erinnerung zu rufen, welche Verantwortung damit einherging.

So streckte Aleron seine Machtfühler aus, um ihre Umgebung zu erkunden. Nicht allzu weit. Vielleicht 30 Meter, wenn überhaupt. Aber selbst in diesem kleinen Bereich war erstaunlich viel wahrzunehmen

„Da seid natürlich Ihr, ich selbst und auch Ranger Bertheau. Aber ich spüre auch einen Jedi, tief in eine Meditationsübung versunken. Dann wären da noch ein weiterer Ranger und zwei Jedi.“

Der Blick des Padawan wurde glasig, als er sich darauf konzentrierte, mehr über diese Personen in Erfahrung zu bringen. Das war über die Distanz nicht so ganz einfach, ohne diese Personen näher zu kennen.

„Der einzelne Jedi ist zu tief in seine Meditation versunken, als dass ich mehr über ihn...oder sie in Erfahrung bringen kann. Oder die Geistige Abschirmung ist zu stark.“

Gut, er hatte auch nicht wirklich versucht, gegen die Abschirmung anzukämpfen. Das wäre nicht zuletzt auch ziemlich unhöflich gewesen und würde außerdem gegen Murrars Testbedingungen verstoßen.

„Einer der Ranger wirkt...angespannt und aufgeregt. Ich nehme ein ganzes Wirrwarr an Emotionen wahr. Der andere hingegen...er...verbirgt seine Gedanken und Gefühle damit, indem er Karten zählt...kein schlechter Trick, will ich sagen.“

So war es Aleron nicht möglich, etwas mehr über den Gemütszustand des Kartenzählers zu erfahren. Jedenfalls nicht, ohne innezuhalten und tiefer in dessen Bewusstsein einzudringen. Und das war sehr wahrscheinlich genau der Sinn des Ganzen.

„Die anderen beiden Jedi wirken...nervös...mit einer unterschwelligen Dringlichkeit. Ich schätze, sie bereiten eine Besprechung vor und sind sich unsicher, wie sie verlaufen wird.“

Anschließend fokussierte sich Alerons Blick wieder auf den Jedirat vor ihm.

Coruscant - Jeditempel | Ratssaal | Aleron Blackthorne, Fabienne Bertheau und Jedirat Murrrarchesch
 
Coruscant - Jedi-Tempel - Krankenstation - Normalstation - Eowyns Zimmer, mit Ian

Bereit? Sie würde nie dazu bereit sein, oder vielleicht... in frühestens einem, zwei, drei Jahren. Vielleicht irgendwann, aber definitiv nicht in nächster Zeit. Wenn es danach ging, wann sie bereit war, dann würde sie Ian niemals etwas erzählen, aber das war nicht das, was zählte.
Eowyn nickte kurz und war froh, dass Ian wieder das Thema wechselte; auch, wenn sie sich damit ebenfalls nicht sonderlich wohl fühlte. Trotzdem war es immerhin besser, als über Bastion zu sprechen.
Ian ging auf ihr Angebot ein, sich die problematische Stelle selbst anzusehen, und Eowyn nickte erneut.
Okay. Nur auf den Rücken konzentrieren... Ablenkungen geschahen, auch, wenn er es nicht beabsichtigte. Niemals würde sie Ian unterstellen, dass er es darauf anlegte, aber Dinge passierten. Und, dass er selbst diese Situation ebenfalls als seltsam empfand, wurde deutlich, als er erwähnte, abzubrechen, falls er sich unwohl fühlte. Warum hätte er das sonst sagen sollen?

Er schloss die Augen, und auch Eowyn ließ ihre Lider sinken. Sie würde sicher nicht beobachten, wie Ian irgendwelche Erkenntnisse durchzuckten oder sonst etwas, nein. Außerdem wollte sie vermeiden, dass sie irgendwie mit ihm... "zusammenstieß". Also zog sie sich in sich zurück, machte sich klein, versuchte, Ian absolut aus dem Weg zu gehen und überhaupt nicht wahrzunehmen, was er da eigentlich tat. Sie atmete, konzentrierte sich auf ihre Mitte, und nur ein klitzekleiner Teil von ihr schenkte dem Außen immerhin so viel Aufmerksamkeit, dass sie mitbekam, als Ian seine Untersuchung beendet hatte. Sie öffnete ihre Augen und blinzelte, während Ian schon sprach. Mit erklärenden, diplomatischen Worten. Ja... sie wusste, dass einiges hinüber war. Sie wusste es genau, sie hatte es ja selbst gespürt... und es musste auch einiges kaputt sein, sonst hätten die Heiler schon viel schneller eine positive Prognose ausgesprochen oder gar schon spürbare Fortschritte erzielt. Sie hatte hier immerhin eine der besten Versorgungen der Galaxis, vielleicht sogar
die beste.
Sie verstand nicht wirklich, was Ian ihr zu erklären versuchte, aber sie nickte trotzdem. Es würde schon passen. Er war der Profi, er wusste, was richtig war und was falsch. Sein Seufzer dann, seine geschlossenen Augen, und seine Worte... ja, es nahm ihn mit. Und dabei war das hier nur die Verletzung von Kast, die Verletzung, die eigentlich die am einfachsten zu erklärende und die logischste war. Eine Kampfverletzung. Nicht schön, aber... irgendwie... vielleicht... ehrenvoller, als all die anderen. Und definitiv nicht so schwer Ian gegenüber zu erklären wie all die anderen. Wie würde er erst reagieren, falls sie ihm vom Rest erzählte? War ihm klar, was er sich da wünschte?

Sie sah, wie er kämpfte. Sah, wie er sich zusammenriss. Sah, wie er damit rang, damit sie eben
nicht sah. Aber sie kannte ihn genug, und so reichte es, zu sehen, was er nicht verbergen konnte. Wenn sie sprach... es würde ihn zerstören. Er wünschte es sich, aber... ob er wirklich verstand? Aber über Kast... da konnte sie reden. Kast war nicht Bastion. Kast... war anders.
Und außerdem sah sie diesen Moment ohnehin immer und immer wieder vor sich.


Ich war kurz davor, Sturn zu durchbohren, und er... kam wohl nicht damit klar, von mir besiegt zu sein. Ein Hauch der alten Eowyn klang hindurch. Sie schloss ihre Augen und konnte alles sehen, spüren, ja, sogar riechen. 'Ein würdiges Ende. Für uns beide. Die Aufführung ist vorbei...', zitierte sie ihn. Er... lachte, und ließ eine Welle los, die den ganzen Thronsaal zerstörte. Ich weiß wirklich nicht, wie er das überleben konnte. Sie öffnete wieder ihre Augen. Ich hab alles losgelassen. Rechtzeitig, alles, meine gesamte Körperbeherrschung, alles, was mich davor irgendwie noch zusammengehalten hat, und meine Energie in ein Schild nach vorne gesteckt, um mich zu schützen. Ich weiß nicht, wie weit ich dann geflogen bin, oder worauf ich gelandet bin. Nur noch... das es seltsam weh tat. Kurz. Weil... dann war ich schon weg. Und sie hatte verdammtes Glück gehabt, nicht von irgendeinem herabfallenden Trümmerstück lebensgefährlich verletzt worden zu sein. Ihr Arm, ja, damit konnte sie leben. Ihr Kopf... wäre das Ende gewesen. Und es war schon so ziemlich knapp gewesen.

Auf seinen Wunsch aber konnte sie nichts erwidern. Was sollte sie schon sagen – dass sie sich das ebenfalls wünschte? Natürlich. Aber das Leben war, wie es war. Und sie hatten beide getan, was notwendig gewesen war. Als ob es für Ian so viel leichter gewesen war. Also... ja, vielleicht doch.
Ich wünschte übrigens das gleiche für dich, fügte sie noch leise an, bevor sie sich der Frage nach den Heilern zuwandte.
Ich weiß es nicht mehr genau. Ich... ich... Sie atmete einmal tief durch. Ich habe nicht richtig zugehört, gab Eowyn dann leise zu. Ich weiß, dass sie noch ein wenig Hoffnung haben, aber dass viel Arbeit notwendig sein wird und sie für nichts garantieren. Und die Chancen klein sind. Und vielleicht diese OP, aber... vielleicht war das auch auf irgendetwas anderes bezogen... Lass uns... das morgen alle gemeinsam durchsprechen, okay? Vielleicht hilft es, wenn wir alle zusammenarbeiten... Ian hoffentlich nur in passiver Rolle.

Coruscant - Jedi-Tempel - Krankenstation - Normalstation - Eowyns Zimmer, mit Ian
 
Coruscant - Jedi-Tempel - Ratsebene - Rornans Büro, mit Arlen

Der Ritter trat ein, klassisch gekleidet, das Gesicht gezeichnet vom letzten Einsatz. Immerhin war er so ehrlich, sich nicht irgendeine Ausrede für seine Verspätung einfallen zu lassen. Was hatte Rornan nicht schon alles gehört... vom steckengebliebenen Turbolift bis hin zu einem Abstecher in die Krankenstation, weil man über einen Mausdroiden gestolpert war. Dass er Lügen in der Regel schnell enttarnen konnte, vergaßen die meisten irgendwie.
Interessanterweise korrigierte Merillion sich und nutzte seinen Doktortitel. Wobei es eigentlich weniger interessant, als irritierend war. Immerhin stand er hier, weil er vor einem Rat Stellung zu beziehen hatte, nicht, weil er eine Studienarbeit abgeben wollte oder eine Frist verpasst hatte, kürzliches Studium hin oder her. Doch Disziplin schien er zu besitzen, ebenso wie Respekt, denn er widersprach nicht oder diskutierte, sondern begann zügig mit seinem Bericht, welchem Rornan konzentriert folgte und ab und an Notizen machte. Einiges wusste er bereits durch den Bericht, aber er wollte die Zusammenhänge hören und verstehen. Es gab keine sonderlich großen Überraschungen, auch, wenn Rornan durchaus Fragen hatte, doch es war wichtig, Merillions Fluss nicht zu stören. Seinem Fazit am Ende konnte er jedoch wirklich nur bedingt zustimmen. Und dann diese Sache mit Faith Navalon... Rornan hielt nicht allzu viel von Beziehungen zwischen Ordensmitgliedern, auch, wenn sie nicht verboten waren. In seinen Augen waren diese nicht gut mit dem Kodex vereinbar und brachten meistens früher oder später nur Leid. Eine solche Empfehlung aber auszusprechen, und erst
hinterher die Befangenheit zu erwähnen, hielt der Rat definitiv für die falsche Reihenfolge.

Der Sith hatte seinen Bericht beendet, und Rornan ließ sich die letzten Minuten durch den Kopf gehen. Ihm war natürlich absolut klar, dass ein Artikel wie der von "Kelada Now" nicht den Tatsachen entsprach, doch die Diskrepanz zwischen den beiden Abläufen war enorm. Merillion war so sicher kein Massenmörder, wie Angelus kein mild lächelnder Wohltäter war (El'mireth konnte davon sicher ein Lied singen), doch ihm fehlten Details zu den besonders kritischen Momenten. Details, die einen Unterschied machen konnten.


"Mir ist bewusst, dass derlei Undercovermissionen Risiken bergen", begann er, "und es ist immer eine Gratwanderung, doch ich frage mich, wie genau diese Wanderung bei Euch aussah, Ritter Merillion."

Er wandte den Blick vom Ritter ab und sah abwechselnd auf sein Datapad und zu seinem Gegenüber.

"Der Gefängnisausbruch. Zivile Verluste? Und wie sicher könnt Ihr Euch dessen sein?
New IndSec. Wie kann sich eine ganze Stadt vor dem Imperium verbergen, und wie kann es sein, dass sie durch Euch gefunden wurde?
Ihr wart von Angelus enttarnt und habt Euch dennoch entschieden, nicht sofort den Planeten zu verlassen, sondern eine Hinrichtung zu unterbinden, trotz der Anwesenheit des NRGD auf diesem Planeten. Weshalb?
Die Ausschaltung der Führer des organisierten Verbrechens. Ihr nennt den Einsatz "akzeptabel", andere würden ihn Mord nennen. Wo seht Ihr den Unterschied?
Der Aufstand der Gefangenen. Ein vermutlich gut gemeinter Eingriff in den Ablauf dort, doch weshalbt kamt Ihr zu dieser katastrophalen Fehleinschätzung? Was werdet Ihr tun, um dergleichen in Zukunft zu verhindern?

Was ich bisher beurteilen kann: zum Zeitpunkt der Flucht aus dem Gefängnis hätte die Mission sicher abgebrochen werden müssen. Auch, wenn Eure Tarnung nicht direkt aufflog, es war klar, dass dies nicht lange so bleiben würde. Außerdem hattet Ihr nun zwei Padawane bei Euch, die dringend aus dem Zielgebiet entfernt gehört hätten. Es war äußerst fahrlässig, vor allem angesichts der Tatsache, dass mit Darth Angelus ein kompromissloser Sith den Planeten betreten hatte, die Mission fortzusetzen."


Rornan griff nach einem zweiten Datapad, auf dem er den Bericht von "Kelada Now" bereits geöffnet hatte und legte es vor Merillion fest auf den Schreibtisch. Vermutlich hatte der Ritter noch keine Ahnung davon.

"Das hier sind die Folgen. Lest es in Ruhe durch. Anschließend bitte ich um eine Stellungnahme."

Coruscant - Jedi-Tempel - Ratsebene - Rornans Büro, mit Arlen
 
[ Kernwelten / Corusca-Sektor / Coruscant / Jedi-Tempel / Rornans Büro ] Arlen, sowie (NPCs) Rornan

Nachdem Arlen seinen Bericht abgeschlossen hatte, schluckte er. Nicht aus Verlegenheit, sondern weil er eine ganze Weile gesprochen hatte und sein Mund langsam wirklich trocken wurde. Rat Elliundi hatte sich derweilen immer wieder Notizen gemacht, ihn jedoch nicht unterbrochen. Es war schwer den Quermianer einzuschätzen und das nicht zuletzt, weil Arlen mit Vertretern seiner Spezies noch nicht viel zu tun gehabt hatte. Lediglich bei seiner holprigen Aneinanderreihung von Titeln hatte er eine Regung in dem grauen Gesicht gesehen, doch war es ihm unmöglich gewesen die Bedeutung zu interpretieren. Vielleicht Missfallen? Möglich, doch hatte Elliundi, wenn dem so war, nicht klargestellt, wie genau er angesprochen werden wollte.

Nun jedoch erhob der Quermianer endlich seine Stimme und erkannte die Gratwanderung an, die bei einer Undercovermissionen nötig war. Laut fragte er sich, wie diese bei Arlen ausgesehen hatte. Dieser spannte sich kaum merklich bei Elliundis Worten, in Erwartung des Nachbohrens, das nun zweifelsohne folgen würde. Den allgemeinen Bericht abzuliefern hatte er nicht gefürchtet, doch dass er nun die unschönen Details Revue passieren lassen musste, erfüllte ihn keineswegs mit Vorfreude.

Die erste Frage des Rates war jedoch nicht wirklich schwer zu beantworten. Hatte es zivile Opfer bei Faiths Ausbruch aus dem Gefängnis gegeben?


„Keine zivilen Verluste, von denen ich weiß. Jedoch wird es zahlreiche Opfer unter imperialen Soldaten gegeben haben. Bei der Befreiung des Internierungslagers gelang es mir ein Zeta-Klasse Frachtshuttle zu kapern, mit dem die Insassen des Lagers abtransportiert werden sollten. Das Gefängnis in Colina ist eine Doppelstruktur aus dem Gefängnisteil und einer angebauten Garnison. Beide Teile berühren sich, sind aber getrennte Strukturen. Um die Bedingungen für Faiths Ausbruchs aus dem Hochsicherheitstrakt zu schaffen, ließ ich das Frachtshuttle auf den Garnisonsteil stürzen. Da ich tiefen Zugriff auf die Systeme des Schiffes hatte, war es mir möglich den Einschlagsort über den Autopiloten genau zu bestimmen. Ich kann nicht ausschließen, dass sich Zivilisten zur Zeit des Einschlags in der Garnison aufhielten, jedoch gab es auch keinen Grund ihre Anwesenheit auf Sperrgebiet zu vermuten. Die Teile des Gefängnisses, die von Zivilisten bewohnt werden, wurden bei der Aktion nicht beschädigt.“

Eine Sache ließ Arlen bei dieser Erklärung natürlich aus. Er selbst besaß nicht die nötigen Fähigkeiten einen Frachterautopiloten umzuprogrammieren. Diesen Teil hatte Tha’klen übernommen. Jedoch war dieses Detail für Rat Elliundis Frage nicht weiter relevant und Arlen hatte beschlossen die Verantwortung für alles auf Kelada Geschehene implizit zu übernehmen. Zumindest wenn er nicht explizit danach gefragt wurde, wer genau am Ende des Tages was getan hatte.

Rat Elliundis nächste Frage dann wandte sich einem gänzlich anderen Thema zu. Wie gelang es New IndSec sich vor dem Imperium zu verbergen und wie konnte es sein, dass ausgerechnet Arlen und die Padawane die verborgene Stadt gefunden hatten. Eine gute Frage und keine für deren Antwort Arlen sich schämen musste.


„Die Hauptstadt Keladas hieß zu Zeiten der alten Republik IndSec. Sie lag in einer Schlucht in der Norpolarregion und wurde über einen Staudamm flussaufwärts mit Energie versorgt. Nach der Machtergreifung wurde Kelada City als neue Hauptstadt benannt und IndSec zu einem Ghetto für die nichtmenschliche Bevölkerung. Dies allein genügte den imperialen Besatzern jedoch nicht und ein ‚Unfall‘ wurde herbeigeführt. Der Damm brach und die Schlucht – samt IndSec – wurde geflutet. New IndSec wurde von jenen erbaut, die diesen Genozid überlebt haben. Natürlich in erster Linie aquatische und amphibische Lebensformen. Die Stadt basiert auf Gungantech und befindet sich unter Wasser, wo sie etwa 30.000 Wesen eine Heimat bietet. Aufgrund ihrer geringen Größe existiert sie autark und bis auf einige Kontakte in die kriminelle Unterwelt isoliert vom Rest des Planeten.“

Kurz befeuchtete Arlen sich seine Lippen und fuhr dann fort:

„Während meiner Suche nach dem Jedi-Tempel fand ich mehrere Koordinaten die als seine Position in Frage kamen. Nachdem ich sie ausgelesen hatte, wurden sie verfälscht, um zu gewährleisten, dass das Imperium unsere Bewegungen nicht nachvollziehen konnte. Der nördlichste Datensatz führte uns zum zerstörten IndSec, wo er auf Mu’tabars Haus – die gefallene Jedi von der ich sprach – wies. Die Bewohner von New IndSec bemerkten unsere Anwesenheit am Rand des Sees und setzten uns zwecks näherer Befragung temporär fest. Natürlich wollten auch sie wissen, wie wir sie gefunden hatten.“

So viel dazu. Die Frage war leicht gewesen, doch war sie vermutlich für den Moment die letzte ihrer Art. Als nächstes forschte Rat Elliundi dem Moment nach, an dem alles schiefgelaufen war. Warum hatten sie nach der Enttarnung durch Angelus nicht sofort den Planeten verlassen? Warum hatten sie überhaupt versucht die Hinrichtung zu unterbinden, wenn der NRGD doch auf dem Planeten gewesen war?

„Wie gesagt: nachdem wir den Kampf gegen Angelus verloren, war Flucht das Erste, was wir versuchten. Doch wurde dies durch unser beschädigtes Schiff vereitelt. Bei unserem nächsten Zusammentreffen mit meinem NRGD-Kontakt wurde eine mögliche Extraktion in den Raum gestellt. Uns wurde erklärt, dass man aufgrund der schwierigen politischen Lage noch immer damit beschäftigt sei, Zivilisten in kleinen Gruppen vom Planeten zu schmuggeln. Dabei ging es um jene, die wir Wochen zuvor bei Faiths Befreiung vor der Deportierung gerettet hatten. Wir hätten also bereits von Flüchtlingen belegte Plätze an uns reißen müssen. Ich entschied mich dagegen, da die Situation zu diesem Zeitpunkt unter Kontrolle schien. Darth Angelus hatte den Planeten verlassen und wir bewegten uns im Untergrund. Ich versuchte nicht länger die Charade des Darth Kerbal aufrechtzuerhalten.“

Arlen verzog das Gesicht. Im Nachhinein klang es selbst für ihn hohl, die Situation als ‚unter Kontrolle‘ zu beschreiben. Eine weitere Fehleinschätzung seinerseits.

„Mit dem Ziel uns weiterhin von Keladas Städten und der Besatzungsmacht fernzuhalten, statteten wir dem letzten Koordinatensatz einen Besuch ab. Dort stießen wir endlich auf den gesuchten Jedi-Tempel und bargen alle Artefakte, die wir tragen konnten. Anschließend kamen wir wieder mit meinem NRGD-Kontakt zusammen, der uns die Route über den Deportationsfrachter vorschlug. Diesen Vorschlag nahmen wir an, in der Hoffnung weiteren Deportierten helfen zu können. Erst dann machten wir uns wieder auf den Weg nach Kelada City, hörten jedoch auf dem Rückweg von der geplanten Hinrichtung. Bo gehört…gehörte – ich weiß nicht, ob er noch lebt – nicht dem NRGD selbst an. Sondern zu lokalen keladanischen Rebellen die eng mit ihm arbeiteten. Dennoch unterstützte er mich nach Kräften bei Faiths Befreiung, weshalb ich ihm noch etwas schuldig war. NRGD-Präsenz war zu diesem Zeitpunkt noch auf Kelada, doch war ihre Schlagkraft durch Erfolge des Gouverneurs arg in Mitleidenschaft gezogen worden. Ich sah mich in der Position zu helfen, da die Hinrichtung auf mir bekanntem Boden stattfinden und ich Schleichwege nutzen würde, die ich selbst erst erschaffen hatte. Ich glaubte die Gelegenheit für eine letzte, saubere Mission zu haben, in deren direktem Anschluss wir Flucht ergreifen würden. Aus diesen Gründen entschied ich mich, dass es das Risiko wert sei. Im Nachhinein erkenne ich die mir gestellte Falle.“

Wie in der Mine hatte er sich zum Schluss zu viel vorgenommen. Er hatte alle retten wollen, hatte versucht sein Versprechen an Faith einzuhalten, Bo – ‚Grün-3‘ – zu helfen und war am Ende doch gescheitert. Natürlich erwähnte er das Versprechen an Faith an dieser Stelle nicht und stellte die Sache stattdessen als gänzlich seine Idee dar.

Schon jetzt fühlte er sich elend, doch Rat Elliundi war noch lange nicht damit fertig, ihn mit schweren Fragen zu löchern. Als nächstes erkundigte der Quermianer sich nach dem Tod der Verbrecherbosse und stellte er Arlens Einschätzung des Vorgehens als ‚akzeptabel‘ in Frage. Stelle stattdessen den Begriff ‚Mord‘ in den Raum. Unwillkürlich verkrampften sich Arlens Hände, die er noch immer diszipliniert hinter dem Rücken verschränkt hielt.


„Auf Kelada tötete ich viele Wesen – in erster Linie imperiale Soldaten – vorsätzlich. Hätte ich dieselben Taten in gleicher Weise gegen unschuldige Zivilisten begangen, wäre ich ein Mörder. Nach republikanischem, wie imperialem Gesetz. Zweifelsohne. Was meine Tötung der Kartellbosse jedoch von diesem Begriff abhebt, ist, dass ich nicht eigenmächtig handelte. Ich handelte mit Mandat meiner Regierung. Bevor ich diesen Weg einschlug, informierte ich den NRGD über meine Pläne. Nicht nur wurde mein Vorgehen durch ihn bewilligt und koordiniert, ich wurde auch regelmäßig über relevante Informationen gebrieft. Sowohl die Modifizierung der Gleiter als auch Durchführung der Mission griffen auf Geheimdienstressourcen zurück. Meiner Ansicht nach handelte es sich bei meinem Anschlag nicht um Mord, da er im Auftrag meiner Regierung durchgeführt wurde, an deren Seite ich für Frieden und Freiheit in der Galaxis kämpfe.“

Kurz zögerte er, dann fuhr er fort.

„Dies ist die legalistische Sicht. Meine ethische Begründung für diesen Schritt habe ich in meinem Bericht eben dargelegt. Der Kodex verbietet das Töten nicht grundsätzlich, er verneint Unwissenheit, Leidenschaft und Chaos. Meine Entscheidung war nicht gefühlsgesteuert und geschah auch nicht vorschnell aus einem Mangel an Informationen heraus. Die Verbrecherbosse haben die Zivilbevölkerung systematisch vergiftet, ausgebeutet und versklavt. Alles, um mehr Credits aus ihnen herauszupressen. Die Methode war nicht meine Wunschlösung, aber nach Wochen des Planens die Einzige, die meine Tarnung zu diesem Zeitpunkt intakt hielt und meine Mission vorantrieb. Dies ist die Gratwanderung, die Ihr erwähntet.“

Die Einschätzung war ehrlich, doch enthielt sie eine weitere Auslassung: Tha’klen hatte er über besagten NRGD-Kontakt überhaupt erst kennengelernt. Und bevor er die Machtsensitivität der Verpine erkannt hatte, hatte hen für Arlen Bomben in die Gleiter verbaut.

Nun endlich kam die Sprache jedoch auf den fehlgeschlagenen Minenaufstand. Elliundi wollte wissen, wie es zu Arlens katastrophalem Versagen gekommen war. Und noch wichtiger: Wie er dies in Zukunft verhindern würde? Erneut krampften sich Arlens Hände zusammen. Hier lag er, der Kern all dessen, was er sich auf Kelada vorzuwerfen hatte. Sein größter Fehlschlag, dessen Schatten er vermutlich niemals von seinem Gewissen würde reinwaschen können.


„Mein ursprünglicher Plan sah vor, zusammen mit zwei weiteren Gefangenen unseren Tod vorzutäuschen und über diese Weise aus der Mine zu fliehen. In diesem Lager traf ich jedoch auf einen Harch, der als ‚Der Kommodore‘ bekannt war. Der Kommodore war ein Kriegsheld noch aus den Tagen der Alten Republik und hatte über seine Monate der Mine eine Gruppe von etwa zwei Dutzend Veteranen, Raumschifftechnikern und Feldärzten um sich geschart. Ich identifizierte ihn und seine Gruppe als extrem wertvolle Ressource für den keladanischen Widerstand und entwickelte mit ihm zusammen einen neuen, riskanteren Plan, um auch ihn und seine Leute zu retten. Der Plan schlug durch eine Verkettung unglücklicher Umstände während seiner Durchführung fehl. Einer von uns sollte den Wachwechsel beobachten, wurde jedoch erwischt. Daraufhin mussten wir verfrüht losschlagen.“

Kurz erwog Arlen, ob er erwähnen sollte, dass er zu diesem Zeitpunkt für einen Abbruch der Aktion gewesen war. Der Kommodore hatte darauf gepocht trotz der Gefahr weiterzumachen. Dann jedoch verkniff er sich die Klarstellung. Es erschien ihm zu einfach einem Toten die Schuld zuzuschieben. Er wollte nicht wirken, als stehle er sich mit billigen Tricks aus der Verantwortung. Nach wenigen Herzschlägen fuhr er also fort:

„Dabei gelang es uns nur eine von zwei Lancet-Luftartillerien zu zerstören. Die zweite zerstörte später unser zweites Fluchtfahrzeug mitsamt dem Kommodore und seiner Gruppe.“

Langsam atmete Arlen durch den Mund aus und schloss für einen Moment die Augen.

„Wie ich in meinem schriftlichen Bericht schon erwähnte, verlor ich in diesem Moment meines Versagens, bei andauernder Lebensgefahr, für einen Moment die Kontrolle. Ich gab mich meinen Emotionen hin und zerstörte die Lancet-Luftartillerie mit der Macht. In diesem Moment handelte ich gegen den Kodex – ein weiterer Moment des Versagens für den ich mich zutiefst schäme.“

Erneut befeuchtete er seine Lippen, bevor er weitersprach:

„Dieser Moment war jedoch davor und seither meine einzige Berührung mit der Dunklen Seite. Nicht einmal während der Folter kam ich ein weiteres Mal an diese Schwelle. Als Beweis, kann Euch meine Aura dienen – und mein Lichtschwert. Dies ist das Lichtschwert von Darth Furor, mit dem ich nach Kelada ging.“

Mit einer knappen Bewegung trat er vor und legte Rat Elliundi den Griff seines goldenen Lichtschwertes auf den Schreibtisch. Dann trat er wieder zurück und enthüllte seine Aura, die er bis grade routinemäßig gedämpft hatte.

„Zusammen mit den Padawanen gelang es mir im Tempel von Kelada den synthetischen Lichtschwertkristall vom Einfluss der Dunklen Seite zu reinigen. Dies wäre mir nicht möglich gewesen, hätte die Mission mich korrumpiert.“

Für einen Moment war Arlen deutlich vom Thema abgekommen, doch es war ihm wichtig erschienen, auch mit diesem Aspekt seines Versagens so offen wie möglich umzugehen. Nun war es jedoch endlich an der Zeit für seine Einschätzung, warum er glaubte, dass seine Mission in der Mine am Ende schiefgelaufen war:

„Meine Fehler in der Mine erkenne ich im Nachhinein als Muster. Wie auch mit Bos fehlgeschlagener Rettung wollte ich zu viel. Ich wollte meine eigentliche Mission erreichen, erkannte dabei jedoch auch weitere Missstände, die ich nebenher beheben könnte. Die Rettung des Kommodores aus der Mine hätte der Rebellion bei Erfolg vielbenötigtes Feuer zugeführt. Bo schuldete ich nach seiner Hilfe etwas. Es erschien mir logisch meine Mission anzupassen und zusätzliche Parameter miteinzubeziehen, um mehr Gutes zu erreichen. Häufig mit Erfolg – Faiths Rettung aus dem Gefängnis und Jitteks Überführung nach New IndSec – aber auch manchmal mit katastrophalen Folgen. In diesem konkreten Fall hätte ich die sichere Mission beibehalten und durchführen sollen. Später hätte ich dann mit NRGD-Rückendeckung zurückkehren und eine solidere Rettungsmission planen können. Ich entschied mich in der Mine dagegen, da ich fürchtete nach dem Abwarten zu spät zu kommen. Mein Denken war geprägt von ‚Jetzt oder nie‘, da ich nicht wusste, wie lange meine Mission gegen das Kartell dauern würde. Und wann ich überhaupt Gelegenheit haben würde, zurückzukehren.“

Arlen spürte, wie seine Hände hinter seinem Rücken zu zittern begonnen hatten.

„In Zukunft muss ich lernen mich mit weniger zufrieden zu geben. Ich muss mich an meine eigenen, soliden Pläne halten, auch wenn das bedeutet meine Freunde zu enttäuschen. Vielleicht sie im Stich zu lassen, sie vielleicht nicht retten zu können. Meine Instinkte sind solide, doch habe ich gesehen wozu meine Tendenz mir zu viel aufzubürden führen kann. Ich fürchtete zu spät zu kommen, um den Kommodore zu retten, doch am Ende kam er durch mein Eingreifen um. Nicht durch meine Tatenlosigkeit. Bo konnte ich nicht retten und musste am Ende selbst gerettet werden. Ich hätte-“

Das Wort endete in einem erstickten Geräusch und Arlen räusperte sich. Hastig wischte er sich eine Träne aus dem Augenwinkel, atmete tief durch und zwang seinen Körper dazu ihm wieder zu gehorchen.

Nun kam Rat Elliundi endlich zu seiner finalen Einschätzung. Analytisch legte er seine vorläufige Einschätzung dar, woran die Mission gekrankt hatte. Laut ihm war es fahrlässig gewesen sie nach der Befreiung Faiths fortzusetzen, vor allem da Angelus noch immer auf dem Planeten geweilt hatte. Langsam nickte Arlen. Es schmeckte ihm nicht, doch sprach Wahrheit aus den Worten des Rates.


„Während der Mission war es mir ein Anliegen die Padawane von Kelada zu bringen. Ursprünglich wollte ich Tha’klen nicht ausbilden, doch der NRGD weigerte sich eine entsprechende Extraktion in die Wege zu leiten. Ich hätte in diesem Moment die Mission abbrechen können, um ihn selbst mit meinem Schiff wegzubringen, doch entschied ich mich zu bleiben. Kurz vor Faiths Befreiung starb Darth Allegious, was das Verlassen Keladas auch mit meinem Schiff erschwerte. Ich gebe zu, dass ich nach Faiths Befreiung nicht direkt daran dachte zu gehen, jedoch war mein Denken gefärbt davon, dass eine direkte Flucht zum Schiff verdächtig wirken würde. Ich dachte ich könne Risiken minimieren, indem wir uns weitab der Städte verbargen und auf eine bessere Gelegenheit warteten. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich schon entschieden, dass meine offene Anwesenheit in den Städten zu riskant war, aber noch nicht, dass wir Hals über Kopf fliehen mussten. Ich sah es vielmehr als Gelegenheit das Sekundärziel des Jedi-Tempels möglichst weitab des Imperiums zu verfolgen. Im Nachhinein kann ich Eure Einschätzung nicht bestreiten, dass dies ein Fehler war.“

Nachdem Arlen dem Rat geantwortet hatte, verlagerte er sein Gewicht unauffällig von einem Fuß auf den anderen. Er hatte sein Com zwar bei sich, doch wäre es unangemessen gewesen auf die Uhr zu schauen. Er musste schon eine ganze Weile damit verbracht haben Rat Elliundi einen immer ausführlicheren Bericht abzuliefern, doch am Ende des Gesprächs schienen sie noch lange nicht zu sein. Nachdem Elliundi zuvor seine erste Einschätzung gegeben hatte, kam er nun auf die ‚Folgen‘ zu sprechen, wie er es nannte. Unwillkürlich runzelte Arlen die Stirn, während er ein weiteres Mal auf den Schreibtisch zutrat und das Datapad entgegennahm, das eine graue Hand ihm entgegenstreckte. Was wollte der Quermianer ihm zeigen?

Rasch huschten seine Augen über die ersten Zeilen und weiteten sich, als er Symbole erkannte, die er während des letzten Jahres viel zu häufig gesehen hatte. Der Sender Kelada Now war während der Mission sein allgegenwärtiger Begleiter gewesen, doch hatte er gehofft nie wieder das Propagandagift des staatsgesteuerten Kanals lesen zu müssen. Während er die Worte las, die dort lautstark seinen Namen in die Galaxis brüllten, begann allmählich die Farbe aus seinem Gesicht zu weichen. ‚Jedi. Terrorist. Massenmörder.‘, nannten ihn die sauber aneinandergereihten Aurebesh-Buchstaben und begannen dann damit ihn systematisch in den Augen der Galaxis zu zerfleischen.

Arlens Hände griffen das Datapad fester, während er den Krimi las, in dem er als das Monster dargestellt wurde. Seine Fingerknöchel hatten eine hellrosa Färbung angenommen. Der Artikel sprach über seinen Anschlag auf die Verbrecherbosse, von seinem Angriff auf die Mine, dem Anschlag auf das Gefängnis. Ihr Kampf gegen Angelus wurde erwähnt, die Entführung Jitteks und schließlich die Kaperung des Gozanti-Kreuzers auf dem weg nach Truuine. Der Text verschwieg, verdrehte und verfälschte, verwandelte Darth Angelus in einen strahlenden Helden und illustrierte Arlen so perfide als blutrünstige Kreatur, dass er es fast selbst glaubte. Immer wieder huschte sein Blick zu Rat Elliundi, der noch immer nicht gesagt hatte, wie ernst er die Propagandaerzählung nahm. Sein Schweigen lastete wie eine bleierne Decke über dem Raum. Doch auf dem flackernden Screen des Datapads warteten nur immer noch mehr Worte darauf, dass Arlen sie las und verarbeitete. Ihm war schlecht, doch musste er weiterlesen. Immer weiter. Bis er schließlich das Ende erreicht hatte.


„Ich-“

, begann er schließlich, doch seine Stimme versagte ihm. Tief holte er Luft, schluckte und begann dann erneut:

„Der…Artikel ist ein poliertes Stück Propaganda, das sich auf Lügen und Halbwahrheiten verlässt. Er erfindet zivile Opfer, wo keine waren – beispielsweise, als ich die Verbrecherbosse ausschaltete – und schreibt andere mir zu, für die ich nicht verantwortlich bin. Nicht ich nahm den Fußgängerüberweg unter Beschuss, sondern Angelus. Ein klassisches Vorgehen der imperialen Propagandamaschinerie, dass durch die Enthüllung meines Klarnamens und meiner Identität als Jedi enorm an Gewicht gewinnt.“

Erneut schluckte Arlen und gab sein Bestes, das Zittern aus seiner Stimme zu verbannen.

„Der Artikel war mir bislang nicht bekannt, deswegen scheint mit eine Neubewertung von Operation Doppelgänger geboten. Wie ich eben sagte, habe ich die meisten Ziele erreicht. Doch wurde dem Imperium durch meine Enttarnung propagandistische Munition geliefert, die es nun einerseits gegen den Jedi-Orden richtet und andererseits zu Rekrutierungszwecken verwendet. Ich bin kein Medienspezialist und kann nicht einschätzen, wie zerstörerisch die Wirkung ist, die ein solches Schriftstück entfalten kann. Doch muss ich annehmen, dass diese enorm ist.“

Erneut zögerte er, während er versuchte sich die Implikationen vor Augen zu führen. Diese waren finster, doch fiel ihm wenigstens ein kleiner Lichtblick auf:

„Zumindest in manchen Dingen kann der Orden und die Republik die Glaubwürdigkeit des Artikels glaubhaft in Frage stellen. Hier wird geschrieben, dass ich vermutlich die Insassen des gekaperten Gozanti-Kreuzers tötete. Dies ist falsch und wir haben 750 Zeugen, die dies bestätigen werden. Sie wurden als unschuldige Passagiere auf dem Weg in ein neues Leben nach Truuine dargestellt, doch wurden sie wie Tiere in Käfigen deportiert. Wenn diese Lüge entlarvt wird, kann vielleicht auch der Rest in Frage gestellt werden…“

Es war eine schwache Hoffnung, doch änderte sie nichts an seinen nächsten Worten:

„Im Licht des Artikels kann ich Operation Doppelgänger zumindest für den Jedi-Orden nicht länger als Erfolg bezeichnen. Meine Entscheidungen haben…größeren Schaden angerichtet, als ich vorhergesehen habe…“

Ein weiteres mal versagte Arlens Stimme, während sein Verstand sich langsam weiter durch die resultierenden Konsequenzen arbeitete. Hatte er am Ende wirklich einen Mehrwert im Krieg gegen das Imperium erzielt? Ein solches Propagandastück, über das gesamte Imperium verteilt, brachte sicherlich mehr neue Rekruten, als er getötet hatte. Der Krieg war ausgebrochen und das Imperium hatte nun ein weiteres Ereignis, um das es sich patriotisch sammeln konnte.

„Für den Jedi-Orden ist die Mission durch meine Enttarnung als kritischer Fehlschlag zu betrachten. Ich übernehme die volle Verantwortung für diese Entwicklung und werde mich jeder Konsequenz fügen, die der Rat für angemessen hält.“


[ Kernwelten / Corusca-Sektor / Coruscant / Jedi-Tempel / Rornans Büro ] Arlen, sowie (NPCs) Rornan
 
Coruscant - Jedi-Tempel - Ratssaal, Fabienne, Aleron, Murrrarchesch und Z5

Nachdem Murrrar seine Aufgabe gestellt hatte, streckte er ebenfalls seine Fühler aus. Er konnte schwerlich eine Aufgabe stellen, deren "Lösung" er nicht selber wusste... Gleichzeitig behielt er den Padawan im Auge. Nach außen hin wirkte er konzentriert, aber nicht überfordert. Er schien den Auftrag problemlos ausführen zu können, und was er sagte, war korrekt. Bei dem Jedi in Meditation handelte es sich um Jedi-Rat Rornan Elliundi; kein Wunder, dass Aleron keine Chance hatte, irgendetwas über ihn zu erfahren, außerdem war er Quermianer, und für Personen, die noch keine jahre- oder jahrzehntelange Erfahrung hatten, war es meist schwieriger, Leute zu lesen, die nicht der eigenen Spezies entsprachen oder dieser ähnelten. Selbst, wenn Aleron versucht hätte, die Barrieren des Rates ein wenig abzutasten, er hätte wohl nichts herausfinden können.

Spannender war es, was die anderen Personen anging. Die beiden anderen Jedi konnte Murrrar ebenfalls zuordnen. Dabei handelte es sich um Ahnas Assistenten Alexander Retheim, dessen normalerweise selbstbewusste und beinahe schon arrogante Ausstrahlung durch den Tod seiner Chefin und die darauffolgenden Ereignisse etwas gelitten hatte, sowie einen seiner Schattenkollegen, der aktuell bei dem ganzen Chaos aushalf.
Und dann waren da noch die beiden Ranger, eine davon natürlich Fabienne Bertheau. Sie war die, welche aufgeregt der Prüfung lauschte, während ihr Kollege irgendwo da draußen geistige Abschirmung für Nicht-Machtsensitive trainierte. Effektiv, wenn man es nicht darauf anlegte, seine Konzentration zu durchbrechen. Hier im Tempel würde er damit weit kommen, in der Natur draußen... nun ja. Doch er hatte schließlich keine andere große Wahl, denn was geistige Fähigkeiten anging, hatten die Ranger leider ein paar Nachteile. Umso wichtiger, dass die Jedi ihren Teil übernahmen und sie in diesem Bereich schützten.
Aleron verzichtete darauf, auch ihn zu analysieren, was Murrrar sehr gut verstehen konnte. Abgesehen davon - er war grob abgeschirmt, damit er Aleron nicht zu sehr ablenkte, sonderlich viel hätte er ohnehin nicht erkennen können.


[Sehr gut], nickte Murrrar anerkennend. [Bei dem meditierenden Jedi handelt es sich um Rat Elliundi, seine Abschirmung ist annähernd perfekt. Ihr habt erreicht, was ihr erreichen konntet.]

Das war es mit der ersten Aufgabe, welche Aleron sehr gut bestanden hatte. Alles andere hätte ihn bei seiner Meisterin allerdings auch überrascht. Jetzt wollte er etwas tiefer in Alerons Ausbildung hinabsteigen, aber da Tara nicht hier war und ihm zu wenige Informationen vorlagen, würde er ausnahmsweise Aleron die Entscheidung überlassen, wie er seine Fähigkeiten präsentieren wollte. Zumindest zum Teil.

[Da mir leider nicht alle Informationen über Eure Ausbildung vorliegen und der Bericht ein paar kleine Lücken aufweist, stelle ich Euch nun zur Wahl, was Ihr mir zeigen möchtet. Seht es als Ausgleich dafür an, dass Eure Meisterin nicht hier sein kann... Ich würde gerne etwas von den weiter fortgeschritteneren, aktiven Fähigkeiten sehen. Egal, ob es dabei um die Heilung einer kleinen Wunde geht - ich stelle mich dafür problemlos zur Verfügung -, die Ansätze einer Tiefschlaf- oder Heiltrance, eine kleine Illusion oder vielleicht sogar Fähigkeiten wie zur Manipulation von Wasser. Oder etwas ganz anderes, überrascht mich ruhig. Aber es sollte mehr sein als nur das Levitieren eines Komgeräts.]

Was sich natürlich von selbst verstand, eine solche Aufgabe bekamen oft Anwärter in ihrer ersten Woche hier im Tempel gestellt.

Coruscant - Jedi-Tempel - Ratssaal, Fabienne, Aleron, Murrrarchesch und Z5
 
Coruscant - Jedi-Tempel - Krankenstation - Normalstation - Eowyns Zimmer, mit Eowyn



Ian war überzeugt, dass es nicht unmöglich sein würde, Eowyn zu heilen. Schwierig, sehr schwierig, das war keine Frage, doch der erste Blick stimmte ihn hoffnungsvoll, auch wenn er das noch nicht kommunizieren wollte. Er war müde – und er würde, im Ernstfall, nicht richtig helfen können. Denn eine unverrückbare Tatsache war, dass es nicht nur viel Zeit, sondern auch sehr viel Anstrengung kosten würde, Eowyn zu heilen. Während ersteres weniger ein Problem darstellte, war, zumindest was Ian betraf, zweiteres unmöglich.
Sturn. Ian verzog unwillkürlich das Gesicht, als er an den Sith denken musste, dem auch er auf Bastion begegnet war. Sie hatten bereits über ihn gesprochen und doch löste dieser Name etwas in Ian aus. Keine Wut, keinen Hass – ein seltsames Bedauern darüber, dass dieser Mann noch am Leben war.

„Wahrscheinlich hat er irgendwie die Dunkle Seite manifestiert. Hat seinen Körper kurz verlassen. Was auch immer. Ich…“ Ian seufzte, tief. „wünschte, das wäre ihm nicht gelungen.“ Auch jetzt war tiefes Bedauern in seinen Worten. Warum sollte er das für sich behalten? „Vielleicht musste es sein, damit ihr beide überlebt.“ Und am Ende, was hätte der Tod von Sturn schon bewirkt? Die Galaxis hätte sich mit einem schlechten Wesen weniger nicht verbessert. Genau das war es, was schwer auszuhalten war und deutlich machte, wie wenig Rache oder das Töten von Gegner brachte, wenn man glaubte, damit die Galaxis besser zu machen.
Auf Sturn würden weitere folgen. So wie stets auf einen Imperator der nächste folgte. Ein elender Kreislauf.

Ja, danke“, lächelte Ian müde. Sie hätten es wohl beide leichter haben sollen.
Dann sprach sie darüber, was die Ärzte gesagt hatten. „
Lass uns wirklich noch einmal morgen darüber sprechen. Ich würde auch gerne mit denen, die dich behandelt haben ins Gespräch gehen. Das könnte helfen.“

Coruscant - Jedi-Tempel - Krankenstation - Normalstation - Eowyns Zimmer, mit Eowyn
 
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