Coruscant

[Coruscant - AA-9 Passagiertransporter Aurek-Dorn-3 - Dockanlage eines abgelegenen Raumhafens] Palakwi Rha

Metallisches Klacken und Zischen kündigte ihr an, dass der Moment der Wahrheit gekommen war. Grell drang zwischen der Verriegelung und der Ausstiegsluke des AA-9 Linientransporters Licht ein und blendete sie für einen Augenblick, bevor sich ihre Augen nach den dumpfen Lichtverhältnissen in dem überfüllten Passagiertransporter wieder an normales Sonnenlicht angepasst hatten. Sie hatte sich bewusst schon vor guten zwei Stunden an die Luke gestellt, begierig wieder Luft zu atmen, aus der man nicht alle paar Stunden die Körpergerüche und den Schweiß von tausenden Passagieren filtern musste, neugierig auf diesen neuen Planeten und seine vielfältigen Eindrücke: ihr neuer ‚Kontakt‘ von Corellia hatte berichtet, der ganze Planet sei von einer einzigen Stadt überzogen. Es war für sie schwer vorstellbar. So viele Lebewesen, Kulturen, Orte! Nicht weniger wichtig war aber die aufgestaute Energie, die sie tief in ihrem Inneren spürte. Während der knapp anderthalbtägigen Reise mit dem ausgesprochen Passagiertransporter war sie in ihrer kleinen Kabine, die sie sich noch dazu mit einer Familie rodianischen Familie hatte teilen müssen, quasi eingesperrt gewesen. Das Schiff war zu klein für ausgiebige Läufe gewesen und der schäbig ausgestattete Fitnessraum hatte lediglich ein paar alternde Tretmühlen und einige Geräte zum Training mit dem Eigengewicht geboten. Auch hier war die Notwendigkeit die Geräte zu teilen ihr im Weg gestanden. Das war auch der Grund, weshalb sie ein Art elektrisches Britzeln in ihren Fingerspitzen und Füßen verspürte, dass sie dringend angehen musste, wenn sie nicht launisch werden wollte.

Vor ihren Augen bot sich ein erstaunlich banales Bild: eine schmutzige, weite Landeplattform, die auf ein halbes Dutzend Schalter der Coruscanter Zollkontrolle ausgerichtet war. Palakwi Rha sog tief die Luft ein, der die leicht metallische und säuerliche Note der gefilterten Atmosphäre im Schiff fehlte und spürte eine Welle an überschüssiger Energie durch ihre Gliedmaßen bis in die Lekku-Spitzen schwappen. Energischen Schrittes trat sie voran, wobei sie ihren alternden Rucksack aus zähem Leder über die Schulter schwang. Fast im Laufschritt ging sie auf einen der Schalter zu, wo sie von einem gelangweilt klingenden Zolldroiden empfangen wurde. „Willkommen auf Coruscant, Juwel der Republik und Zentrum der Galaxis,“ blökte der Blecheimer monoton und wies mit einer abrupten Geste auf den bereitstehenden Scanner für das Gepäck. „Bitte legen Sie ihr Handgepäck in die dafür vorgesehene Scan-Position, reichen Sie mir ihren Identichip und treten Sie dann durch den Personensicherheitssensor.“ Die junge Twi’lek nickte knapp und tat wie ihr geheißen, während die ersten der anderen Passagiere langsam die Schalter neben ihr auffüllten und die damit verbundene Geräuschkulisse aus Unterhaltungen, schleifenden Koffern und surrenden Scannern aufbrandete. Mit Interesse musterte sie die vielfältigen Gestalten, die mit ihr gereist waren und bewunderte ihre teils bunte Kleidung und interessanten Mitbringsel, die die Reisenden mit sich brachten. Während sie selbst in den Scanner trat und die Überprüfung anstandslos hinter sich brachte, beobachtete sie eine Gruppe aus mehreren Togruta, zwei Aqualish und einem Ithorianer, die gemeinsam zu reisen schien. Der Kopfschmuck an den Lekku der Togruta waren ebenso vielfarbig wie ihre Kleidung und der Ithorianer trug einen breiten, rostigen Käfig mit einem eigenartigen, gelegentlich schrill kreischenden vierflügeligen Papageien darin. Was diese Gruppe wohl zusammenführte?

Palakwi warf der ungewöhnlichen Reisegruppe einen letzten Blick zu, bevor sie sich ihren Rucksack auf den Rücken warf und sie ihren Handabdruck zum Scan auf das große Pad des Droiden drückte. „Grund für ihre Einreise,“ ratterte der mechanische Zollbeamte fragend. Die Nachfrage ließ ein kurzes Lächeln über ihr Mundwinkel huschen. Die Antwort klang für sie immer noch ebenso magisch wie verwunderlich. „Persönliche Angelegenheiten im Jedi-Tempel,“ antwortete sie schmunzelnd. Nachdem die Touch-Oberfläche des Pads einmal kurz aufleuchtete, zog der Droide das Pad ruckartig zurück und sie konnte darauf einen Schnappschuss der Überwachungskameras mit den dazugehörigen Daten aus ihrer ID: Palakwi Rha, 23 Jahre alt, geboren auf Ryloth. Sie war ebenso erleichtert wie überrascht unter der Spalte ‚Sonstiges‘ keine polizeilichen Vermerke zu finden. Zwar hatte ihr neuer ‚persönlicher‘ Jedi-Freund – oder doch eher Geschäftspartner? Sie war sich unsicher – versprochen sich darum zu kümmern, dass ihr Vorstrafenregister in der Republik eingefroren wurde. Für den Fall der Fälle hatte sie auch ein offizielles Bestätigungsschreiben, dass sie Erlaubnis hatte, unbehelligt zum Jedi-Tempel zu reisen. So wie es schien, hatte er sein Versprechen gehalten. Nicht, dass sie vermutet hatte, sie würde hier in ihre Verhaftung marschieren, weil Jedi-Ermittler Jakiim Vex seinen Teil ihres Deals nicht eingehalten hatte. Der Iktotchi hatte integer gewirkt und, viel bedeutsamer für sie, auf eine eigenartige Weise vertraut. Es fiel ihr schwer es genau auf den Punkt zu bringen, aber etwas in ihr hatte ihr zu bedeuten gegeben, dass sie das Richtige tat.

Umso wichtiger jetzt ihren Teil zu tun: die Twi‘lek hatte Wiedergutmachung für ihre bisherige ‚Arbeit‘ geleistet – Diebstähle im Auftrag von diversen schmierigen Geldsäcken und anderen zweifelhaften Subjekten. Sie hatte den größten Teil ihres (begrenzten) Besitzes verkauft, vor allem aber die ‚Jolly Nomad‘, ihren alternden YT-1300 Frachter. Letzteres hatte sie mehr geschmerzt als alles andere, da das Schiff die letzten Jahre ihr Heim gewesen war und ihr die Möglichkeit geschenkt hatte, sich frei durch die Galaxis zu bewegen. Aber das war nur eine Hälfte des Deals gewesen, weswegen sie die eigentliche Einreisekontrolle schnellen Schrittes hinter sich ließ und sich zur Gepäckausgabe begab, wo sie einen versiegelten, schwarzen Plasteelkoffer entgegennahm, der den zweiten Teil ihres Deals enthielt. Unterhalb des Griffs war ein republikanisches Siegel angebracht mitsamt einem magnetischen Schloss. Sie hatte ihre Waffen darin verschickt, da sie sie nicht offen an Bord mit sich führen durfte und auch das Objekt der Begierde ihres letzten Arbeitgebers war darin, schlicht weil es sicherer war, als es an Bord zu transportieren. Eiligen Schrittes begab sie sich zur lokalen offiziellen Station des republikanischen Zolls an diesem kleinen Raumhafen, wo das Schloss legal entfernt werden konnte.

Palakwi musste schlucken, als sie das Büro gefunden hatte – aber was hatte sie erwartet? Sie hatte günstig reisen müssen, weswegen sie das ranzige alte Passagierschiff gebucht hatte, das selbstverständlich einen ebenso günstigen Raumhafen anflog, der wenig Landegebühren kostete. Eine Schlange an Reisenden, deren Stimmen sich wütend bis frustriert zu überschlagen schienen, begann gute dreißig Meter außerhalb der Türen des Büros. Die Twi’lek fühlte, wie sich etwas in ihrem Inneren verkrampfte und das Britzeln in ihren Fingerspitzen wurde intensiver, aber es half nichts. Sie wartete ungeduldig in der Schlange, wobei sie begann, nervös auf ihren Fußballen hin und her zu wippen und ihr Multitool von ihrem Gürtel elegant in ihrer Hand kreisen zu lassen, bis sie irgendwann auch das einstellte, weil es ihre innere Unruhe nur noch steigerte. Schließlich, nach einer sich endlos anfühlenden Weile, stand sie vor einem mürrisch aussehenden, unrasierten Menschen in Zolluniform, der ihr ein unangenehmes Lächeln entgegenbrachte. „Morgen, Lady. Was kann die Republik heute für Sie tun, hmm?“

[Coruscant - abgelegener Raumhafen in einem ärmlichen Distrikt - lokales Büro des republikanischen Zolls] Palakwi Rha
 
Coruscant – Jedi-Tempel, Ratssaal – per Holo: Joseline, Satrek (inaktive SCs) – Elonore, Rornan, Murrar (NPCs), Ian, Eowyn und Wes

Sein Leben hätte Wes nicht darauf verwetten wollen, dass Eowyn sich tatsächlich und wirklich befördern lassen würde. Dass sie nicht auf den letzten Drücker nochmal eine Szene oder einen Rückzieher machen würde um vor dem versammelten Rat zu behaupten, dass sie nicht hierhin gehörte, aber nichts dergleichen geschah. Ein Agent Duval, ein Lord Sturn und all die imperialen Folterknechte hatten ganze Arbeit geleistet. Unter einem solchen Druck zerbrachen selbst die besten; die finsteren Mächte der Galaxis hatten ihre Methoden längst perfektioniert. Selbst eine Eowyn, aber diese Eowyn hatte zurückgefunden und als sie mit ihrem Schwebestuhl ihren Platz in der Runde einnahm, fühlte es sich seltsam richtig an. Es war Aura, ja, aber nicht nur. Diese Frau hatte viel mehr erlebt als die Anzahl ihrer Lebensjahre vermuten ließ, Gutes und Schlechtes. War das nicht, worauf es ankam? Nicht die Jedi mit den geradlinigsten Lebensläufen waren die besten, sondern gerade die, die es schwer gehabt hatten. Die Schlachten geschlagen und überstanden hatten. Ahna hatte aufgrund ihrer Langlebigkeit viele gesehen. Eowyn war im Grunde sowas wie ihre Nachfolgerin, eine gute Nachfolgerin, aber so wollte er die Blondhaarige nicht sehen. Es wäre unfair, eine frischgebackene Rätin mit einer Institution zu vergleichen, die dem Rat so lange zugehörig gewesen waren. In zehn Jahren sah es vielleicht anders aus, aber zum gegenwärtigen Zeitpunkt war das eine unnötige Belastung, die man ihr nicht auch noch aufladen durfte. Wes war seinerzeit zum Glück nicht Gefahr gelaufen, sich mit jemand vergleichen lassen zu müssen und wenn, hätte er wohl eher gebockt und resigniert anstatt zu versuchen, ein möglichst guter Rat zu werden. Auch Eowyn verdiente es, für sich selbst zu stehen anstatt jemand anderes sein zu müssen und nicht sie selbst.

Der zweite in Bunde, Ian, galt als noch unsicherer Kandidat. Nicht von seinem Herzen her, welches er zweifellos am rechten Fleck hatte. Eleonore zählte diverse Gelegenheiten auf, an denen Ian sich jedihaft verhalten hatte, selbst wenn es zu seinem eigenen Nachteil war, und dabei vergaß sie noch mehrere, an die Wes sich erinnerte. Das Angebot das er erhielt, bekamen nicht viele und noch weniger waren davor nie Jedi gewesen. Die Fälle, bei denen Wes persönlich involviert war, also sein Freund Radan und seine Padawan Alisah, waren gefallene Jedi, die zurück in's Licht gefunden hatten. Ian war anders. Er war nie Jedi gewesen und deshalb begegneten ihm viele hier im Tempel ihn mit Misstrauen. Aber, und das war bemerkenswert, es waren stets Jedi, die ihn nicht kannten und meistens welche, die ihm noch nie begegnet waren. Wer ihn erlebt hatte der wusste, dass kein Mensch mit Hang zum Bösen war, kein Opportunist, der sich auf die Seite des Jedi-Ordens schlug, weil es ihm gerade nützlich erschien, kein Verführer von Eowyn, der nur auf das eine aus war, sondern jemand, der mit ihr durch dick und dünn gehen würde und bereits gegangen war. Jemand der die beiden kannte wusste, dass die Macht sie füreinander bestimmt hatte. Aus Eowyn eine Rätin und aus Ian einen Jedi zu machen, am selben Tag, das erschien Wes so passend. Er musste einfach nur ja sagen.

Es wirkte, als seien Ian die ganzen Lobhudeleien eher peinlich. Er schien sich in der Rolle des Helden nicht so richtig wohl zu fühlen. Das erste Angebot von Murrrar hatte er nicht direkt ausgeschlagen, und dieses Mal? Als Ian erklärte, keine Bedenkzeit zu brauchen, konnte das in beide Richtungen gehen. War er inzwischen bereit, darauf einzugehen? Oder fühlte er sich – in unnötiger Bescheidenheit – nicht jedihaft genug? War er vielleicht nicht mehr bereit, sich in die Zwänge eines Ordens zu begeben, nun, wo er Eowyn hatte? Doch er sagte ja. Es wäre ihm eine Ehre, aufgenommen zu werden, erklärte er und verbeugte sich höflich, obwohl das nicht wirklich nötig schien. Eleonore lächelte gütig und vollzog den Akt der Aufnahme, indem sie sagte:


»Dann sei es entschieden. Der Rat heißt Euch hiermit im Orden der Jedi willkommen und ernennt Euch zum Jedi-Ritter. Eine Prüfung erachten wir für unnötig, eure Ritterlichkeit habt Ihr bereits unter Beweis gestellt. Ihr seid nun einer von uns mit allen Rechten und Pflichten, die dazu gehören, insbesondere das Recht, einen Padawan auszubilden und auf alle Quellen in Meister Nackls Bibliothek zuzugreifen.«

»Es heißt jetzt ›Rat Nackl‹, Eleonore,«


Verbesserte sie jemand. Ups, dachte Wes, das wäre ihm auch passiert. Meister Nackl war schon Meister Nackl gewesen, als es noch Padawan Wes geheißen hatte und er war nicht unbedingt enthusiastisch über seine Beförderung gewesen. Im Großen an Ganzen lief es darauf hinaus, dass er seinen neuen Rang schlicht ignorierte. So oder so war er der Hüter des Wissens des Jedi-Ordens, diesen Rang machte ihn niemand streitig. Wes hob die Hand.

»Ich beantrage, die Sitzung für beendet zu erklären,«

Ried er in die Runde und erntete von ihr nach einem allgemeinen kurzen Zögern gemurmelte Zustimmung.

»Das macht es mir nämlich leichter zu tun, was ich gerne tun würde.«

Gesagt, getan. Wes erhob sich von seinem Sitz, lief geradwegs rüber zu Eowyn, beugte sich zu ihr runter und drückte sie herzlich.

»Ich bin so froh dass du es dir anders überlegt hast. Du gehörst wahrhaftig hierher, in den Ratssaal, ich glaube jeder kann es spüren.«

Anschließend gab er sich zu Ian und schüttelte ihm die Hand.

»Gratuliere! Die Jedi können froh sein, dich jetzt in seinen Reihen zu wissen. Mich freut es jedenfalls sehr und ich denke, dass du die richtige Entscheidung getroffen hast, auch für euch beide.«

Coruscant – Jedi-Tempel, Ratssaal – per Holo: Joseline, Satrek (inaktive SCs) – Elonore, Rornan, Murrar (NPCs), Ian, Eowyn und Wes
 
Coruscant - Jedi-Tempel - Tari Haakos Zimmer, Tari und Nebbra (NPC)

Sie hatte anscheinend voll ins Schwarze getroffen. Die Reaktion Taris war eindeutig. Sein Leben war definitiv nicht einfach gewesen, was er dann auch mit Worten bestätigte. Er ging jedoch nicht sonderlich darauf ein, schien es eher als positiv zu betrachten, und Nebbra beschloss, dass es nicht an ihr war, da weiter nachzuhaken. Vielleicht war er ja auch wirklich fein damit.

Wichtiger war, was sie eigentlich allen Anwärtern mitgab: Zu wissen, dass das hier kein Zuckerschlecken war und eigentlich nicht viel mit den heroischen Geschichten, die über die Jedi allgemein im Umlauf waren, gemein hatte. In den Geschichten ging es meistens gut aus, selten eritt ein Jedi einmal einen wenigstens heroischen und aufopferungsvollen Tod, aber die Realität war anders. Viele kämpften mit inneren Dämonen, zusätzlich zum harten Leben da draußen, da es nicht einfach war, immer für das Gute einzustehen. Man konnte dadurch auch leicht auf der Strecke bleiben, zumindest wenn man an der Front kämpfte. Sie selbst war keine Kämpferin, ihre Stärken lagen im geistigen Bereich, und so hatte sie es ein wenig einfacher. Aber die, die andauernd da raus gingen, um die Leute zu beschützen... es war nicht einfach.
Gleichzeitig aber wollte sie natürlich auch niemanden abschrecken. Nur gab es durchaus Personen, besonders die jüngeren, die herkamen und dachten, sie würden ein wenig Lichtschwerter schwingen und ansonsten ein spannendes Leben voller Reisen und kleinen Abenteuern erleben. Und dem... war nicht so. Manche erkannten das rechtzeitig und gingen bald. Andere blieben zu lange... und zerbrachen manchmal daran. Jedi konnten nur helfen, wenn sie selbst mit sich im Reinen waren.

Es war dann Zeit, auch Tari zu Wort kommen zu lassen. Seine Antwort war klar und eindeutig; er scheute sich nicht vor diesem Leben, und Nebbra nickte. Das war ein gutes Zeichen. Sicher, jemand wie er, dessen Leben nicht einfach gewesen war, würde vermutlich ganz gut zurecht kommen. Sie schmunzelte dann ein wenig ob seiner zweiten Frage, und erwartete die Dritte eigentlich längst, denn dies war die, die sie eigentlich alle stellten. Doch eins nach dem anderen.


"Richtig. Ein Jedi braucht Belastbarkeit in allen Bereichen, physisch und psychisch. Das physische wird dabei eigentlich fast schon vorausgesetzt, aber sobald Ihr einen Meister habt, wird er oder sie mit Euch einen Plan erarbeiten. Auch ich, die eigentlich nicht viel im Außeneinsatz unterwegs bin, achte darauf, stets fit und gesund zu sein, ebenso, wie meine Fähigkeiten in allen Bereichen nicht verkommen zu lassen. Man weiß nie, wofür man sie braucht."

Damals, als der Tempel fiel, hatte jeder zum Schwert greifen müssen. So viele hatten es dennoch nicht geschafft.

"Der Test braucht nicht mehr lang", lächelte sie dann und wandte sich der letzten Frage zu. "Ja, theoretisch kann es gleich losgehen. Ihr wurdet ja bereits ins Tempelsystem aufgenommen, ich würde Euch dann als meistersuchend markieren. Eine Meistersuche kann unterschiedlich lang dauern. Manchmal klappt es noch am nächsten Tag, andere brauchen Monate. Das liegt einfach daran, ob eine passende Person verfügbar ist. Nicht jeder Meister passt zu jedem Anwärter. Es ist eine starke Bindung, die man eingeht, das tut man nicht leichtfertig oder mit jedem. Es kann sich frustrierend anfühlen, wenn man lange wartet, aber das liegt in der Regel nicht am Anwärter selbst. Ihr werdet in dieser Zeit aber nicht herumsitzen und Däumchen drehen. Es gibt durchaus immer wieder Möglichkeiten, zu lernen. Meisterlose geben Unterricht, man kann beim Unterricht von anderen Meister-Padawan-Paaren zuhören oder gar beiwohnen, manchmal tun sich auch Anwärter zusammen und probieren gemeinsam ein wenig. Bloß keinen Lichtschwertkampf, das kann übel enden. In den Trainingsräumen ist eigentlich immer etwas los, und man findet in der Regel jemanden, der einem etwas beibringt oder hilft. Außerdem kann man dort natürlich auch die normale körperliche Fitness trainieren. Ihr werdet bestimmt bald ein paar Personen finden, mit denen Ihr Euch zusammentun könnt. Bis vor kurzem haben die Anwärter auch auf der Krankenstation ausgeholfen, vor allem mit Tätigkeiten, die einfach jeder erledigen kann, aber seit das C-Virus zerstört ist, ist dies nicht mehr notwendig und Ihr könnt Euch voll und ganz auf das Leben hier konzentrieren." Nebbra lächelte. "Abgesehen davon, Ihr bekommt ein Zimmer, ein anderes als das hier, und Ihr dürft selbstverständlich regelmäßig eine unserer Kantinen aufsuchen. Es sind so viele Personen hier und unterschiedliche Spezies, dass wir mehrere haben, Ihr werdet bald herausfinden, welche Euch am ehesten zusagt. Genauso bekommt Ihr Kleidung und Ausrüstung wie Koms oder Gürtel in der Ausrüstungskammer gestellt. Wir haben auch ein paar wenige Aufenthaltsräume, in denen vor allem die Padawane und Anwärter herumsitzen, auch da könnt Ihr Anschluss finden.

Und was die Ausbildungsinhalte angeht... Das ist völlig verschieden."
Ein erneutes Lächeln erschien auf Nebbras Gesicht. "Wir haben hier keinen Lehrplan. Anfangs geht es natürlich darum, überhaupt Zugriff auf die Macht zu bekommen, aber schon ab da lernt jeder hier individuell. Solltet Ihr einmal Hilfe benötigen und noch keinen Meister haben, dann kommt gerne auf jemanden zu, eigentlich sind alle recht hilfsbereit. Auch mich könnt Ihr kontaktieren, im System findet man daher extra meine Komnummer."

Jetzt hatte sie eine Menge gesagt und Tari womöglich etwas überrollt, aber anfangs war es einfach viel. Vermutlich war das allerdings auch alles... oder? Nebbra überlegte kurz, ob sie etwas vergessen hatte, da piepte leise das Gerät neben ihr. Nebbra nahm es in die Hand, sah aufs Display und nickte.

"Ihr habt Recht gehabt", schmunzelte sie und sah dann auf. "Ihr besitzt die Fähigkeit. Herzlichen Glückwunsch dazu – und willkommen im Jedi-Orden."

Coruscant - Jedi-Tempel - Tari Haakos Zimmer, Tari und Nebbra (NPC)
 
Coruscant – Jedi-Tempel – Krankenstation – Brianna

Jetzt musste Brianna nur noch diesen Ritter Retheim finden. Sehr stark in's Detail gegangen war Eowyn während ihrer kurzen Begegnung ja nicht. Sonst kannte sie leider nicht allzu viele Schatten. Sie war zwar schon eine ganze Weile dabei, die meiste Zeit davon hatten sie aber damit zugebracht, sie zu testen. Die Echani hatte nicht mal gewusst, dass die Schatten sie testen und entsprechend wenig wusste sie Bescheid. Tatsächlich kannte sie nur zwei weitere Schatten, Marrev Jemiss und Jeg Harkness. Zumindest einen der beiden musste sie finden. Manchmal konnte die Geheimniskrämerei der Schatten ein echtes Problem sein…

Aber Jeg Harkness ließ sich finden. Scheinbar hatte er auf seiner letzten Mission eine kleine Verletzung erlitten und Meister Mooch hatte ihn wohl wieder zusammengeflickt. Der Togorianer konnte Brianna auch sagen, wo Jegs Quartier war und nur wenig später klopfte sie auch bereits an seine Tür.


„Herein!“

Brianna ließ sich natürlich nicht lange bitten. Als sie das Quartier betrat, blieb sie erst einmal wie angewurzelt stehen. Was für ein Schock! Sein Zimmer war größer als ihres, aber das war nicht der Grund. Jeg hatte ein Doppelbett und die Laken waren pink! Der Rest des Zimmers war in etwa so eingerichtet wie eine Untergrund-Bar auf Nar Shaddaa, in der ortolanische Rockbands ihre Debüts in der galaktischen Musikbranche gaben. Dazu gehörten an die Wand gehängte Instrumente, deren Namen Brianna nicht einmal kannte und bunte blinkende Holoschilder von Alemarken und auch ein paar anderen Ding. Die Silberhaarige hätte sich am liebsten die Augen zugehalten, zum Schutz vor Augenkrebs.

Aber auch das war noch nicht das schlimmste. Da war…

Verdammt


„Mya?“

Fragte Brianna irritiert und verwirrt. Ihre Kinnlade wäre dabei fast auf dem Boden aufgeschlagen. Die Twi'lek und Jeg saßen sich in unverfänglicher Position an einem kleinen Tisch gegenüber, jede ein Getränk vor sich stehend. Soweit die Echani es beurteilen konnte (und das konnte sie) hatten sie diese recht hektisch eingenommen. Sie hatten beide erhöhten Puls. Manche Dinge, die einer als Echani-Jediheilerin so auffielen, wollte frau eigentlich gar nicht so genau wissen. Mya leerte mit einem Schluck, stand auf und stolzierte Richtung Tür, nicht ohne ein Wort des Abschieds natürlich.

„Möge die Macht mit Euch sein, Meister Harkness.“

Wollte die Tw'lek sie für dumm verkaufen? Die beiden waren doch nie und nimmer per ‚ihr‘? Hatte Jeg überhaupt schon mal eine Frau gesiezt? Und wie sie an ihr vorbeistolzierte und zu ihr runtersah. Sie trug Stiefel mit hohen Absätzen und sah aus wie ein Meter neunzig. Brianna war neidisch auf Myas Größe und die wusste das auch. ganz. genau. Mit einem Raubtiergrinsen flötete sie:

„Jetzt gehört er ganz dir.“

Grrr… Brianna warf der anderen Ritterin einen finsteren Blick hinterher, bis sich die Tür hinter ihr schloss. Sie war fast erschrocken, als sie sich wieder umdrehte und Jeg plötzlich vor ihr stand.

„Hallo, Süße. Ein Traum wird wahr. Seit Jahren warte ich auf diesen Moment…“

Begrüßte der Zeltron sie mit seinem üblichen gespielten aufreißerischen Grinsen. Er wollte sie offensichtlich aufziehen und offensichtlich brauchte es dazu nicht mehr viel.

„Nenn' mich nicht ‚Süße‘, wenn du deine strahlend weißen Zähne behalten willst!“

Zischte sie und funkelte ihn verschwörerisch an.

„Weiß Janson eigentlich, was seine Assistentin und du hier treiben?“

Jeg hatte bereits umgeschalten auf den geschäftsmäßigen Modus und antwortete:

„Die Schatten müssen wissen, was die Ermittler wissen und Mya ist eine exzellente Quelle von Informationen.“

„Jaja, ich bin mir ganz sicher, dass der Austausch von Informationen bei ihrem Besuch im Vordergrund stand,“


Erwiderte Brianna sarkastisch. Jeg zuckte ungerührt mit den Achseln.

„Glaub' was du willst, das ist ein Auftrag von Alexander. Aber setz' dich doch. Willst du auch einen Alderaan Twist?“

Bei der Echani fiel der Dezicred. Gab Jeg Aufträge… Natürlich dachte sie nicht im Traum daran, mit einem Zeltron was zu trinken.

Alexander wie ‚Alexander Retheim‘. Wo finde ich ihn?“

„Normal findet er dich, aber um diese Zeit sollte er in Ahnas Büro im Ratsturm sein.“

„Alles klar, danke.“


Das reichte Brianna. Sie machte auf dem Absatz kehrt und verschwand, was den anzüglichen Jeg zurückbrachte.

„Sicher, dass du nicht die Nacht bleiben willst?“

Rief er just als die Tür offen stand und so laut, dass es bestimmt der ganze Gang hörte. Die Silberhaarige schnaubte genervt. Typisch Jeg… aber egal, sie hatte sich lange genug aufhalten lassen und hatte erfahren, was sie wissen wollte. Obwohl sie es mehr als anmaßend fand, dass dieser Knilch, dieser Jedi-Ritter sich einfach Ahnas Büro unter den Nagel gerissen hatte, als würde es ihm gehören. Aber im Moment war sie diejenige, die was von ihm brauchte, also musste sie sich wohl zusammennehmen. Ab zum Turbolift, lautete die Devise.

Nur wenig später klopfte Brianna an die Tür zu Ahnas/Retheims Büro und wurde wieder hereingebeten. Retheim war ein Mensch, gut gekleidet, in Anzug statt einer Jedirobe, eine gehörige Portion Selbstbewusstsein ausstrahlend. Bis auf die Haarfarbe und die Brille erinnerte er sie total an Janus.


„Ritterin Kae! Setzt Euch. Was verschafft mir das Vergnügen? Bitte setzt Euch doch,“

Begrüßte Retheim sie und verwies auf den Stuhl vor seinem Schreibtisch. Das war kein Ratsbüro, das war wie bei Myas Schreibtisch mit Wes Jansons Büro dahin. Auch hier gab es eine zweite Tür, die nach hinter führte… und der Ritter merkte, dass sie in die Richtung starrte.

„Das ist Ahnas Büro. Normalerweise gehen wir da nicht hinein. Kaf? Tee?“

Fragte der Schatten und Brianna konnte spüren, dass er erwartete, dass sie sich gefälligst setzen sollte. Na schön, dann tat sie ihm den Gefallen. Retheims zweckmäßig eingerichtetes Büro war eine große Verbesserung im Vergleich zu Jegs gefühlter Nar-Shaddaa-Untergrund-Puff-Kaschemme.

„Einen Tee, wenn es keine Umstände macht.“

Der Mensch benachrichtigte einen Droide und sah die Echani erwartungsvoll an. Diese hatte sich mittlerweile einen Plan zurechtgelegt und beschlossen, mit der hoffentlich einfacheren Sache anzufangen.

„Ich brauche die Hilfe der Schatten für die Suche nach einer untergetauchten Person. Ihr Name ist Samin, sie ist eine Chiss und ehemalige imperiale Elitepilotin, so viel habe ich schon herausgefunden. Sie half einer Gruppe machtsensitiver Kinder, von Bastion zu fliehen und ich muss sie finden, bevor das Imperium es tut,“

Erklärte sie ihm. Retheim schüttelte den Kopf, als die Türe sich zischend öffnete und ein Droide eine Tasse Tee brachte und außerdem eine Tasse Kaf für ihn.

„Mehr habt Ihr nicht? Das ist nicht gerade viel an Information, ist Euch das bewusst?“

Brianna nahm die Tasse zwischen ihre Hände, hob sie an und sog mit der Nase den Geruch auf. Das wusste sie doch selber. Wenn es einfach wäre, bräuchte sie ja nicht die Hilfe der Schatten, um Samin zu finden.

„Eine früherer Republikssoldat, Sane von Kath, half ihr und den Kindern, von Bastion zu fliehen. Seiner Familie gehört eine Reederei, vielleicht kann ich das Schiff und das Ziel in Erfahrung bringen.“

„Versprechen kann ich nichts…“


Das war der Echani natürlich zu wenig:

„Ihr müsst es versuchen! Nicht auszudenken, wenn diese Kinder in die Hände des Imperiums fallen. Diejenige von ihnen, die nicht sterben, werden Sith. Wollt ihr das? Jedes bisschen könnte helfen. Berichte von Sith, die nach Kindern Ausschau halten. Diese Frau, Samin, hatte wohl einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht. Sie könnte auf Überwachungsholos auftauchen. Irgendwas!“

Retheim seufzte, während Brianna an ihrem Tee nippte.

„Also gut, die Schatten werden die Augen offen halten. Sonst noch etwas?“

„Ja. Seid Ihr im Bilde darüber, dass Rat Janson veranlasst hat, den gefangenen Sith-Lord Janus Sturn auszutauschen?“

„Lasst mich raten: Ihr möchtet Euren Sith-Lord gerne für Euch behalten?“


Entgegnete der Ritter kühl und trank einen Schluck aus seiner Tasse Kaf. Brianna reagierte hitzig auf diese Unterstellungen.

„Waaas? Das ist doch nicht meinetwegen! Hier geht es darum, dass einer der gefährlichsten Sith, der Sarissia auf dem Gewissen hat sowie Eowyn, Kestrel und Q'Tahem beinahe und sicherlich eine große Anzahl weiterer Jedi und Nicht-Jedi. Er hat die ehemalige Jedi Kate Manice auf die dunkle Seite geführt und vieles andere mehr. Dieser Mann soll einfach so wieder auf freien Fuß gesetzt werden? Die Schatten müssen das verhindern!“

Der Mensch seufzte lauter.

„Da gibt es nichts mehr zu verhindern, der Vertrag ist unterzeichnet und die Bedingungen sind gut. Unsere verbliebenen Kriegsgefangenen des vorangegangenen Krieges kehren im Gegenzug zurück, das kann der Jedi-Orden als positive Publicity gut gebrauchen. Außerdem bekommen wir einen Hebel, den imperialen Griff über eine ganze Reihe zu Welten zu lockern. All das im Austausch gegen einen klinisch toten Sith-Lord…“

„Er ist nicht klinisch tot!“

„Der werte Lord sah nicht sonderlich fidel aus, als ich ihn das letzte Mal gesehen habe. Dem Bericht des behandelnden Heilers zufolge sei nicht klar, was ihn überhaupt noch am Leben hält. So einen Lord können die Sith doch gerne zurückhaben.“


Oh ja, das war sicher sehr bequem für den feinen Herrn.

„Ihr als Schatten solltet doch wissen, wozu die Sith imstande sind. Die bringen ihn zurück, notfalls in einem neuen Körper, und alles beginnt von vorn!“

„Das setzt voraus, dass Lord Sturn noch eine Hausmacht im Sith-Orden hätte. Ich bin mir aber sicher dass, sollte es dazu kommen, Ihr beide Euch eher früher als später wieder über den Weg läuft und dann könnt Ihr ihn ja erneut fangen. Was glaubt Ihr was ich denn in der Angelegenheit tun kann? Diese Thema ist längst durch!“

Ahna hätte es von vornherein nicht zugelassen und würde auch jetzt noch einen Weg finden, es zu verhindern,“


Rief Brianna zornig aus und stand dabei auf.

Ahna ist TOT!“

Retheim erhob sich ebenfalls. Frau sah es dem fein herausgeputzten Jedi an, dass das ein Reizthema für ihn war und die Nerven langsam blank lagen. Brianna hatte gute Lust, ihm gehörig die Meinung zu geigen, aber wegen Samin und den Kindern war sie auf ihn angewiesen. Sie zwang sich, einen Gang runter zu schalten, sich etwas zu beruhigen und eine entspanntere Körperhaltung anzunehmen. Ihr blieb ja nichts anderes übrig. Mit gezwungen ruhiger Stimme erklärte sie:

„Ich will nicht, dass Lord Sturn ohne mich den Tempel verlässt. Ich muss sicher gehen, dass er wirklich nie mehr in der Lage sein wird, Leid und Unglück in der Galaxis zu verursachen und ich muss wissen, ob das Imperium wirklich sein Wort hält.“

Retheim seufzte wieder, dieses Mal wohl vor Erleichterung, und trank einen großen Schluck seines Kafs.

„Das wäre nun tatsächlich endlich einmal eine gute Nachricht…“

Coruscant – Jedi-Tempel – Ratsturm, im Vorzimmer von Ahnas Büro – Alexander Retheim (NPC) und Brianna
 
Coruscant - Jedi-Tempel - Ratssaal, mit Ian und Wes sowie Murrrar, Eleonore und Rornan; Satrek und Joseline per Holo (NPCs)

Ian sah sich im Saal um und schenkte ihr ein kleines Lächeln. Sie konnte daraus allerdings nichts lesen – würde er dankend ablehnen? Mehr Bedenkzeit erbeten? Zustimmen? Alles war im Rahmen der Möglichkeiten, immerhin hatte er schon Zeit gehabt, um darüber nachzudenken. Allerdings war diese Entscheidung weitreichend, und in den letzten Tagen war enorm viel losgewesen.
Bedenkzeit schloss er dann aber aus, und Eowyn musste zugeben, nun war sie... leicht nervös. Nicht im schlechten Sinne, aber das hier war schließlich ihr Verlobter, der da vorne stand, und der nun eine weitreichende Entscheidung für sein Leben traf, die auch ihres beeinflussen würde. Nicht, dass er diese Entscheidung mit ihr besprechen musste; zwar wäre es schön gewesen und sie hätte es sich gewünscht, aber sie verstand gut, dass dieser Punkt einer war, den er vielleicht mit sich selbst ausmachen musste. Gerade
jetzt, wo sie beide noch mit so viel anderem kämpften.

Es kam ihr wie eine gefühlte Ewigkeit vor, bis Ian fortfuhr – und dann tatsächlich um Aufnahme in den Jedi-Orden bat. Eine Ehre. Er sagte, es wäre ihm eine Ehre... Eowyn atmete zitternd durch die Nase ein. Sie hatte... nicht damit gerechnet, wurde ihr jetzt klar. Darauf gehofft, ja, vielleicht, aber nie damit gerechnet. Tat er es für sie, um in ihrer Nähe zu bleiben? Oder weil er wirklich überzeugt war? All diese Zweifel, die er am Orden, am Rat, am Kodex gehabt hatte... waren sie ausgeräumt, oder wenigstens minimiert? Mussten sie ja. Ian würde niemals etwas tun, das seinen Überzeugungen widersprach, nicht einmal ihr zuliebe. Und das war auch verdammt gut so.
Eleonore bestätigte seine Aufnahme, und Eowyn konnte nicht wirklich glauben, was da eben geschehen war beziehungsweise noch geschah. Ian war ein Jedi. Ein richtiger, echter Jedi. Sie schüttelte verwundert leicht den Kopf, während sie Ian allerdings zulächelte. Träumte sie? Die Erwähnung Meister Nackls bekam sie nur am Rande mit, während sie versuchte zu sortieren, was das nun alles bedeutete. Dabei rückte ja beinahe in den Hintergrund, dass sie ab sofort eine
echte Rätin sein würde, mit allerhand Aufgaben und Pflichten...

Die Sitzung war dann schneller beendet, als sie hatte kommen sehen, und beinahe genauso schnell fand sie sich in einer kurzen Umarmung von Wes wieder. Sie zuckte kurz zusammen, waren derlei Berührungen doch noch recht ungewöhnt und manchmal auch noch sehr erschreckend für sie, doch eine Sekunde später riss sie sich schon zusammen und erwiderte das Drücken mit einem Arm. Wes' Worte rührten sie erneut. Sie hatte ihnen allen Unrecht getan. Sie hätte... mehr nachhaken müssen, damals. Ja, natürlich, sie hatte den Rang nicht gewollt und Wes hatte es gewusst, aber... Sie musste ab sofort besonnener sein und mehr nachfragen.
Ich danke dir, Wes. Wirklich. Sie sah ihm in die Augen. Auch für deine Worte vorhin. Ich werde mich wirklich sehr anstrengen, es zu sehen wie du. Wenn Wes sie für fähig hielt, dann musste sie es doch auch sein...
Der Rat wandte sich dann an Ian, und auch Eowyn folgte ihm und lächelte dem neuen Jedi zu, während er Wes' Glückwünsche entgegennahm. Sie war so, so stolz auf ihn... Er hatte das hier so verdient. Eigentlich sollten sie das ganze heute noch feiern. Aber bei dem, was noch alles anstand... Ein Schatten legte sich kurz auf Eowyns Gesicht, als sie an Ahna dachte, doch sie schob es beiseite. Dieser Moment sollte nur Ian gehören.

Sie wartete, bis Ian Wes geantwortet hatte, dann nahm sie seine Hand.
Ich bin stolz auf dich, sagte sie leise, während sie ihm fest mit einem Lächeln in die Augen sah und drückte die Hand fest. Sehr stolz. Herzlichen Glückwunsch. Du hast es dir so verdient... Sie wusste nicht, was sie sagen sollte, um alles auszudrücken, was sie empfand. Da war so viel mehr als das, und sie wünschte, sie wäre dazu in der Lage, aber es musste eben reichen.

Coruscant - Jedi-Tempel - Ratssaal, mit Ian und Wes sowie Murrrar, Eleonore und Rornan; Satrek und Joseline per Holo (NPCs)
 
[Coruscant, Jedi-Tempel, eines der Gästezimmer] - mit Tari Haako und Nebbra Flugzseg'tani

Die Jedi wies ihn nochmal auf die emotionalen und psychologischen Gefahren des Jedi-Seins hin. Aus Flugzseg'tanis Stimme hörte Tari einen Ernst heraus, der ihn daran hinderte, das Gesagte als für ihn nicht wichtig abzutun. Aber dennoch tat er sich sehr schwer damit, sich wirklich vorstellen zu können, wie er an der Bürde des Jedi-Seins scheitern könnte. Ein Großteil seines bisherigen Lebens war eine Zerreißprobe gewesen, die er jedes Mal bestanden hatte. Ob es der Absturz in die Suburbia war, die güldene Unterdrückung als Diener oder der harte Weg als halblegaler Ringkämpfer.
Was auch immer ihm hier im Jedi-Orden bevorstehen würde: Er würde die Herausforderung annehmen und sie ausknocken oder zur Aufgabe bringen. Und die äußeren Gefahren durch die Tyrannen und das Imperium wirkten auf ihn auch so ungreifbar, dass er sich ihretwegen auch keine wirklichen Sorgen machte.
Im Fall der Fälle würde sein Kämpferinstinkt schon beistehen.

Als seine Gastgeberin und Prüferin schließlich zur geistigen und körperlichen Fitness kam, konnte sich der trainierte Neimoidianer ein Grinsen und das Anspannen seiner Muskeln nicht verkneifen.

"Ich würde sagen, eine grundlegende Fitness und Power bringe ich schon mit. Und ich habe nicht vor, diese in den nächsten Jahren und Jahrzehnten einzubüßen."
Ja, Tari war stolz auf seine Muskulatur und seinen Kämpferkörper - zumal er als Neimoidianer von Natur aus härter und strenger trainieren musste als viele andere Spezies, um seine funktionale Muskeldefinition erhalten zu können. Und sie hatte ihm schon gute Dienste geleistet. Sowohl im Einstecken als auch im Austeilen. Aber er war auch neugierig, Neues zu lernen.
"Aber wahrscheinlich gibt es als Jedi noch ganz andere Übungen, die mich zunächst wie einen Waschlappen aussehen lassen werden. Aber auch da werde ich mich durchbeißen. Und bin gespannt drauf."

Als nächstes erklärte ihm die Jedi dann, was die nächste Zeit für ihn parat halten würde, dass er im Tempelsystem aufgenommen werden und dann auf einen Meister warten würde. Als sie dann aber fortfuhr mit "Manchmal klappt es noch am nächsten Tag, andere brauchen Monate", wurde Taris Euphorie und Neugierde doch stark gedämpft.
Das Lächeln verschwand von seinem Gesicht. Monate lang warten? Er wollte doch jetzt ein Jedi werden - er wollte sich doch jetzt für die Gerechtigkeit und das Gute einsetzen! Seine Stimmung wurde nur wenig davon gehoben, dass
Flugzseg'tani ihm viele Möglichkeiten aufzählte, wie er seinen Weg schon einmal beginnen konnte, auch ohne Meister.
Seine Zweifel sorgten dafür, dass eine unbedachte Frage aus ihm rausrutschte:
"Und was, wenn ich keinen Meister finde?" "Was, wenn ich versage und meinen Vater und Freunde ganz umsonst alleingelassen habe?", diesen zweiten und dringenderen Teil der Frage stellte der junge Mann nicht laut, sondern nur in seinem Herzen.

Die Jedi-Meisterin sprach ihm aber noch etwas Zuversicht und Geduld zu. Dann piepte das Analysegerät.

"Ihr habt Recht gehabt. Ihr besitzt die Fähigkeit. Herzlichen Glückwunsch dazu - und willkommen im Jedi-Orden", verkündete sie das Ergebnis. Aller Sorgen zum Trotz wurde Tari nun von einem warmen Hochgefühl erfasst. Er konnte tatsächlich die Macht nutzen! Er konnte tatsächlich ein Jedi werden!
"Boom! Das ist ja cool! Äh... und danke. Ich weiß, dass es lange dauern kann, einen Meister zu finden - aber ich würde so gerne heute schon anfangen. Mein zukünftiger Meister soll sehen, dass ich mitdenke und nicht faul bin, dass er mit mir rechnen kann.
Also: Wo fange ich am besten an? Soll ich eher einen Unterricht besuchen, oder mich mit anderen Meisterlosen bekannt machen? Oder gibt es irgendwelche Leute, die ich am besten zuerst kennenlernen sollte?"


Und im Laufe des Tages wurde Tari sich zögernd bewusst, dass er wirklich dafür brannte, ein Jedi zu werden - aber dass er auf der anderen Seite auch große Angst davor hatte, zu versagen und dadurch die wichtigsten Entscheidungen seines Lebens als falsch zu erweisen. Er hoffte wirklich, dass die Macht ihn zu einem Meister führen würde. Aber für ihn stand auch fest: er würde nicht aufgeben. Er ging in diesen Kampf, um zu gewinnen.

[Coruscant, Jedi-Tempel, eines der Gästezimmer] - mit Tari Haako und Nebbra Flugzseg'tani
 
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