Coruscant

Coruscant - Jedi-Tempel - Krankenstation, Iowyns Zimmer, mit Ian

Ja, da hatte Ian wohl recht. Zweifel waren vermutlich etwas völlig normales. Vielleicht fragte man sich häufig, wie das Leben verlaufen wäre, wenn man diese oder jene Entscheidung anders getroffen hätte... und das gehörte wohl auch mit dazu. Wichtig war nur, dass Ian klar war, dass diese Entscheidung ganz von ihm abgehangen und sie selbst da hoffentlich keine Rolle gespielt hatte. Schon unter normalen Umständen nicht – und unter diesen gleich drei Mal.
Allerdings war der Jedi-Orden ja keine Verpflichtung auf Lebenszeit. Sollte Ian sich irgendwann absolut unwohl fühlen, würde er den Schritt ja wieder rückgängig machen können.

Ihre Bemerkung über Padawane schien bei Ian anders anzukommen, als sie geplant hatte. Sie war sich allerdings nicht sicher, wie sie seine Worte verstehen sollte. Wollte er das nicht? Oder was meinte er?
Wenn du gar nicht möchtest, dann sicher nicht, erwiderte sie vorsichtig. Jetzt sowieso noch nicht. Er hatte Zeit, niemand würde ihn erst recht nach dieser Mission hetzen. In Eowyns Augen wäre es schade, sein Lehrtalent so ins Leere laufen zu lassen, aber sie verstand auch, wenn er es nicht wollte. Sie selbst tat sich ja unheimlich schwer mit diesem Thema. Was sie geritten hatte, dass sie Malek so bald nach ihrer Rückkehr unter ihre Fittiche genommen hatte... sie wusste es selber nicht genau. In dem Moment hatte es sich irgendwie richtig angefühlt, vielleicht, weil er so offen mit ihr gewesen war. Mittlerweile war sie sich nicht sicher, ob sie dem Padawan wirklich gerecht werden konnte, so sehr war sie mit sich selbst, Ian und der Galaxis beschäftigt.

Er brachte das Thema dann auf sie selbst, und es war faszinierend, wie sie anscheinend gegenseitig stolz auf sich waren. Wie er es sagte... dass sie ein Ratsmitglied sein
wollte. War es das? Wollte sie das? Es war eher so, dass sie... endlich akzeptiert hatte, was anscheinend schon längst für alle um sie ein Fakt gewesen war. Sie hatte angenommen, hatte aufgehört, sich zu wehren, und ja, da oben im Ratssaal, da hatte es sich richtig angefühlt. Aber hieß das auch, dass sie es wollte? Eigentlich... ja, eigentlich hatte sie sich darüber überhaupt keine großen Gedanken gemacht, ob sie es wirklich wollte. Denn diese Entscheidung war ihr doch eigentlich abgenommen worden. Und sie würde diesem Weg folgen, einfach, weil sie gar nicht anders konnte. Erst recht nicht mit einer Ahna vor ihrem inneren Auge, die ihr mit ihren letzten Worten die Schatten übergeben hatte. Und wenn sie das so bedachte... nein, sie wollte diesen Job eigentlich auf keinen Fall. Aber war sie es der verstorbenen Rätin nicht verflucht schuldig, um dieses Amt doch zu kämpfen?
Sie kam vom Thema ab.
Und konnte Ian definitiv nicht sagen, dass sie sich, was das "wollen" anging, nicht ganz sicher war. Für ihn war es so wichtig, wie konnte sie es ihm kaputtmachen? Eowyn schenkte ihm ein leichtes Lächeln. Er setzte so viel Hoffnung in diese Sache. Und vielleicht, vielleicht hatte er ja auch recht? Vielleicht machte es den Weg wirklich leichter. Vielleicht gab es ihr einen Rahmen, den sie gebraucht hatte. Vor allem die Aussprache mit Wes war bedeutsam, das war Eowyn definitiv klar, aber auch die sonstigen Themen... ja, vielleicht lag Ian richtig. Das tat er schließlich ziemlich oft.
Vielleicht, erwiderte sie nickend und schob sich die letzte Gabel in den Mund. Das sollte hoffentlich reichen bis heute Abend. Dieser würde lang werden... aber sie lief ja nicht einmal, also wie viel Energie verbrauchte sie schon?

Auch Ians Gedanken schienen zu den späteren Veranstaltungen geglitten zu sein. War sie aufgeregt? Eowyn überlegte einen Moment. Eigentlich... nicht wirklich. Sie hatte beinahe Angst vor Ahnas Abschiedszeremonie, aber die Verleihung? Ja, okay, sie würden, wie Riuen prophezeit hatte, eine Ehrung erhalten und einen hübschen Titel erhalten, aber... als ob das irgendetwas
verändern würde. Wenn die Verleihung nicht in so privatem Rahmen stattfinden würde, sie hätte darauf wetten können, dass der Rat auch das nur wegen irgendwelcher Außenwirkungen durchziehen wollte. Eowyn hatte sich früher nie Gedanken um die diversen Orden und Behängungen gemacht, die an hochrangigen Militärs nur so zu kleben schienen, aber jetzt verstand sie das Brimborium darum noch weniger. Oder lag es an ausgerechnet dieser Mission? An einer Mission, die zwar erfolgreich gewesen war, aber die sie so viel gekostet hatte, und... bei der sie selbst sich außerdem nicht gerade mit Ruhm bekleckert hatte.
Jedenfalls... sie schüttelte den Kopf.
Du?, fragte sie Ian zurück und antwortete dann auf seine Frage zwecks des Umziehens. Nein, ich habe mich vorher fertig gemacht, das muss für heute reichen. Schließlich wird das hier keine galaxisweite Pressekonferenz, versuchte sie sich an einem Scherz, der vermutlich ziemlich misslang. Es ging darum, Ahna die letzte Ehre zu erweisen – und der Pau'anerin war die Kleidung ihrer Untergebenen so ziemlich egal gewesen, außer natürlich, sie gehörte zur Mission. Dann hatte sie Wert auf jedes noch so kleine Detail gelegt. Und die Ehrung? Dafür würde ihre Robe erst recht ausreichen. Aber was Ian anging... Wieder schüttelte sie den Kopf. Zieh an, was auch immer du für richtig hältst. Ahna... wäre es egal gewesen. Und das hinterher? Du musst dich wohlfühlen. Das ist alles. Für Ian wiederum hielt sie diese Ehrung allerdings seltsamerweise für gar nicht so falsch. Er hatte sich diesen Orden wirklich verdient, hatte jeden Tag alles gegeben, um im Sith-Orden zu überleben und nicht aufzufallen, während er gleichzeitig Nachforschungen anstellte und auf dem Drahtseil der dunklen Seite seinen Tanz aufführte. Auf jeden Fall würde sie ihm diesen Abend nicht kaputtmachen.

Sie stellte die Teller zusammen und bewegte sich noch einmal ins Bad, um sich zumindest etwas frischzumachen und das Gesicht zu waschen. Etwas Zeit später dann waren sie beide bereit. Noch einmal diesen Raum verlassen... und diesmal hinein in die Masse. Allerdings würden die anderen Jedi hoffentlich pietätvoll genug sein und sie bei einer solchen Veranstaltung in Ruhe lassen. Sie atmete einmal tief durch und bemühte sich, ihre Nerven zu beruhigen, was allerdings nicht sonderlich erfolgreich war.
Wollen wir?, fragte sie dann Ian leise und machte sich gemeinsam mit ihm auf den Weg.

Vielleicht bildete sie es sich nur ein, aber sie hatte das Gefühl, die Stimmung war etwas gedrückter und leiser als normalerweise. Ja, ganz
sicher bildete sie es sich ein, denn die meisten hatten Ahna daoch kaum gekannt. Verflucht, selbst sie hatte Ahna kaum gekannt, und dabei hatte sie teilweise wirklich viel Zeit mit ihr verbracht. Ob es Alexander besser ging, ob er einer der wenigen war, der Ahna irgendwie... persönlich gekannt hatte? Oder vielleicht Marrev, oder Jeg? Sie würde sie bei Gelegenheit fragen.
Es dauerte nicht lange und sie erreichten die Große Halle. Diese war definitiv nicht mehr leer, und Eowyn erkannte so einige Gesichter, wenigstens vom sehen. Sie zog ihren Kurs, mit niemandem zu reden, allerdings stoisch durch und verteilte allenfalls mal ein kleines Lächeln hier und da. Ganz sicher würde sie sich nicht auf ein Gespräch einlassen, mit niemandem. Gut, mit
fast niemandem. Ein paar wenige Ausnahmen gäbe es da schon. Marrev zum Beispiel, aber er stand da hinten und war selbst in ein Gespräch vertieft. Brianna vielleicht, um zu erfahren, ob sie etwas erreicht hatte, aber die stampfte gerade einen anderen Jedi in den Steinboden, und das ohne einen Finger zu krümmen. Was der wohl angestellt hatte? Elise... aber von ihr wusste Eowyn nicht einmal, ob sie kommen würde, immerhin war sie wesentlich übler dran als sie selbst und der Abend noch lang. Und falls Elise nicht kam, würde auch Riuen nicht aufkreuzen, wobei sich Eowyn beinahe wünschte, dass er sich bei Ian blicken ließ. Ihr... Verlobter hatte garantiert Redebedarf, aber mit wem sollte er sich austauschen außer mit ihr? Und sie war ganz sicher nicht für alles die richtige Person.

Klar war, dass sie selbst als Rätin ihren Platz ganz vorne einnehmen würde, und sie würde unter keinen Umständen zulassen, dass Ian ihre Seite verließ. Sie nickte Wes zu, genau wie den anderen schon anwesenden Rätinnen und Räten und erkannte, dass irgendjemand mitgedacht und einen Platz für ihren Schwebestuhl freigelassen hatte. Innerlich seufzte sie frustriert auf, dass es
notwendig war, aber sie musste... akzeptieren. Alles akzeptieren...
Sie saßen schließlich, Ian an ihrer Seite, und Eowyn würde es nicht aushalten, hier nun schweigend darauf zu warten, dass sie sich noch einmal von Ahna verabschieden sollte. Um nichts in der Galaxis wollte sie das hier heute verpassen, aber gleichzeitig... wollte sie einfach nur weg...
Hast du in den letzten Tagen Kontakt zu Riuen gehabt?, fragte sie Ian leise und sah ihn fragend an.

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Kommend von Weltraum (Neutral)

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Die Macht war wirklich ein wunderbares Werkzeug, doch wie jedes Werkzeug schien es auch als Waffe missbraucht werden zu können. Brasso hörte ihr zu, ohne sie ein einziges Mal zu unterbrechen, und je länger Ritterin Lumiran sprach, desto deutlicher veränderte sich etwas in seinem Gesicht, wobei es weniger Zustimmung als vielmehr jene konzentrierte Aufmerksamkeit war, mit der er gewöhnlich vor einem geöffneten Maschinengehäuse saß, dessen Funktionsweise er noch nicht verstand und deshalb zunächst jede Leitung, jede Verzweigung und jeden scheinbar überflüssigen Kontakt betrachtete, bevor er auch nur daran dachte, die Hand hineinzustecken. Freiheit zu bleiben oder zu gehen. Eine lehrende Person, die mehr zeigte als befahl. Ein Kodex, dessen Bedeutung nicht in Stein gemeißelt schien. Schutz statt Herrschaft. Frieden, soweit man ihn bewahren aber nicht erzwingen musste. Nichts davon klang nach jener Art von Institution, die Brasso kennengelernt hatte, und vielleicht war genau das der Grund, weshalb er zunächst misstrauischer wurde statt weniger. Systeme, die behaupteten, dem Einzelnen Freiheit zu lassen, hatten auf Bracca oft nur besonders lange Verträge gebraucht, um das Gegenteil zu beweisen.

Bei dem Wort Meister glitt sein Blick für einen Moment zur Seite, hinüber zu einer blanken Wandplatte der Krankenstation, in der sich die gedämpften Lichter des Schiffes als milchige Streifen spiegelten. Meister hatte es auch in den Zerlegehöfen gegeben, Vorarbeiter, Schichtführer und Gildenaufseher, Männer und Frauen, die erklärten, Erfahrung müsse automatisch Gehorsam erzeugen und deren wichtigste Qualifikation darin bestanden hatte, nicht selbst dort arbeiten zu müssen, wo die Luftfilter versagten. Doch das Bild, das Tenia zeichnete, erinnerte ihn weniger an diese Leute als an die wenigen alten Schrotter, die einem Jungen irgendwann wortlos den besseren Hydrospanner hingelegt hatten, nachdem sie sicher gewesen waren, dass er damit niemandem die Hand zerquetschen würde. Menschen, die wussten, dass Wissen nichts wert war, wenn man es so festhielt, dass niemand nach einem selbst noch etwas damit anfangen konnte.


„Das klingt weniger nach einem Orden, als ich erwartet hätte“, sagte er schließlich und ließ den Satz einen Augenblick wirken, ehe sich ein schmaler Zug von trockenem Humor um seinen Mund legte. „Was vermutlich entweder für Euch spricht oder dafür, dass ich sehr schlechte Erfahrungen mit Institutionen gemacht habe Wo ist also der Haken?.“

Kurz lachte er ein kehliges, warmes Lachen, tatsächlich ein ehrliches Lachen. Er spürte, dass er sich in der Anwesenheit der Ritterin eigenartig ruhig und gelassen fühlte. Die Anspannung, die seine Muskeln auf Ketaris durchzogen hatte, wich einem Gefühl von vorsichtigem Vertrauen. Doch das Lächeln verging, als er über den Rest nachdachte. Sich nicht von Wut, Angst oder Hass führen zu lassen, klang in einer sauberen Krankenstation auf einem Jedi-Schiff zunächst wie einer jener Sätze, die sich leicht aussprechen ließen, solange niemand einem gerade das Wenige nahm, das man noch besaß; Brasso hatte in den letzten Tagen selbst gespürt, wie rasch Zorn aus einem Werkzeug eine Waffe machen konnte, und vielleicht war es gerade deshalb kein Satz, den er vorschnell als naive Moral beiseiteschieben konnte. Das Prinzip des Hydrospanners verlangte Entschlossenheit, aber niemals blinde Kraft. Das Prinzip des Scanners verlangte, eine Gefahr zu erkennen, bevor sie über einen entschied. Vielleicht waren seine eigenen Regeln und die der Jedi gar nicht so weit voneinander entfernt, wie ihre Namen vermuten ließen.

Bei der Erwähnung der Lichtwaffen hob der Abednedo allerdings merklich den Kopf. Sein Blick wanderte beinahe automatisch zu seiner improvisierten Stromlanze, die man unweit der Behandlungsliege abgestellt hatte, ein unförmiges Gebilde aus zusammengeschweißtem Metall, neu gewickelten Griffen und Komponenten, deren ursprüngliche Hersteller vermutlich Einspruch dagegen erhoben hätten, was Brasso daraus gemacht hatte. Neben allem, was er bislang von Jedi gesehen hatte, wirkte sie wie das Werkzeug eines Schrottplatzarbeiters, der versehentlich auf einem Schlachtfeld gelandet war.
Schließlich ließ Brasso sich vorsichtiger zurücksinken, bis sein Rücken vollständig von der Liege getragen wurde, und erst jetzt, da keine Entscheidung mehr unmittelbar getroffen werden musste, schien die Erschöpfung wieder Raum in ihm zu finden. Das gleichmäßige Summen der Lebenserhaltung, die gefilterte Luft und das ferne Vibrieren der Schiffssysteme legten sich um ihn wie ein fremder Rhythmus, und irgendwo dahinter wartete Coruscant, eine Welt, die ihm noch immer größer erschien als jede vernünftige Entscheidung.

„Ich weiß nicht, ob ich ein Jedi werden will“, sagte er nach einer Weile, ohne darin Ablehnung zu legen. „Ich weiß nicht einmal, ob ich weiß, was ein Jedi wirklich ist.“

Seine graublauen Augen fanden Tenia wieder.

„Aber ich möchte verstehen, was da in mir ist. Und wenn Ihr recht habt, dann wäre es ziemlich dumm, ein Werkzeug sein ganzes Leben mit sich herumzutragen und sich zu weigern zu lernen, wie man es benutzt. Vor allem, wenn dieses Werkzeug auch Schaden anrichten kann“

Brasso atmete langsam aus, wobei ein kaum merkliches Ziehen durch seine Miene lief, und schloss für einen Moment die Augen.

„Was ist diese dunkle Seite der Macht?“, sprach er deutlich nachdenklich seine Gedanken gegenüber der Ritterin aus. „Wut und Angst können einen übermannen, fürchte ich. Was löst das in der Macht aus?“

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„Das ist gut. Ein Padawan wäre irgendwie … unpassend.“
Auch wenn Ian nicht auf ewig ausschließen konnte, jemanden auszubilden, so fühlte sich allein der Gedanke schon jetzt vollkommen falsch an. Er hatte keine Ausbildung als Jedi genossen und seine Vergangenheit machte ihn eher zu einer Abschreckung, als zu einem Vorbild, auch wenn es gewiss Dinge gab, die er anderen näherbringen konnte. Doch ein ehemaliger Sith, wie er, als Lehrer? Nein. Nein, fühlte sich grotesk an und es gab sicher andere Dinge, auf die er sich konzentrieren konnte.

Auch Ian schüttelte dann den Kopf. Weder fühlte er sich bereit, auf einer Trauerfeier zu sein, noch einer Ordensverleihung aktiv beizuwohnen. Zwar hatte er kein Verhältnis, kaum einen Bezug zu Ahna, aber sie war gestorben, um andere zu retten und sie hatte ihr Leben auf einer Mission gegeben, die so niemals hätte stattfinden sollen. Ian konnte nicht verdrängen, dass diese Mission auch auf seinen Wunsch hin stattgefunden hatte. Auf gewisse Art fühlte er sich schuldig, nicht, weil Ahna mitgekommen war, sondern weil sie an seiner statt gestorben war. Alle hatten überlebt, außer sie. Zwei Herzinfarkten war es nicht gelungen, ihm das Leben zu nehmen, aber eine einzige Attacke hatte ausgereicht, ein Akt der Verteidigung, um das Leben der Rätin auszuhauchen und das … Er wollte nicht daran denken, nein, jetzt wollte der Mann nicht daran denken und er schob jedes aufkommende Gefühl dazu bei Seite.

Egal was er anziehen würde, Ian würde sich in nichts wohlfühlen, was weniger am Stoff, als an den Umständen lag. Dennoch zog er sich um, trug nicht die Robe, sondern klassisch schwarz, weil es die Farbe war, in der er sich schon immer am wohlsten gefühlt hatte. Noch immer sah er müde aus und Ian rieb sich über die Augen, schöpfte sich kaltes Wasser ins Gesicht. Ein Gesicht, das so viel älter wirkte als vor der Mission. Er war schmaler geworden und die Ärzte hatten ihn vorgewarnt, dass er noch dünner werden würde. Ein leises Seufzen kam – denn das war nichts, über was er sich den Kopf zerbrechen sollte und doch tat er es. Nicht wegen etwaiger Eitelkeit. Da waren … Verbindungen. Da waren noch immer alte Schatten, alte Wunden, die wieder aufreißen wollten, die nie verheilen würde. Da wo eine Narbe zurückgeblieben war, da war für immer eine Erinnerung.
Telos. Tahiri. Die Unfähigkeit sie zu retten. Damals war Ian auch körperlich schwach gewesen. Groß und beinahe dürr. Kein Zustand, den er je wieder haben wollte. Bastion, Eowyn. Auch das würde ihn nicht loslassen. Nicht die Zelle, nicht die Katakomben. Nichts davon. All das hatte weitere Linien in sein Gesicht gezeichnet. Sich auf sein Herz gelegt. Und vielleicht war all das mit ein Grund gewesen, warum es beinahe aufgehört hätte zu schlagen …

„Ich würde gerne ja sagen, aber ich schätze, es spielt keine Rolle“, lächelte Ian schief, als er zurück aus dem Bad kam und Eowyns Frage ehrlich beantwortete. Trotzdem setzen sie sich beide in Bewegung und in der großen Halle starrte Ian auf den Boden, damit ihn niemand ansprach und damit ihn nicht erneut irgendeine Panik einholte.
„Ich habe ein einziges Mal mit ihm gesprochen, als er mich darum bat, mir Elise anzusehen. Seitdem nicht.“ Wahrscheinlich war der Chiss bei ihr und versuchte fieberhaft nach einer Möglichkeit der Heilung zu suchen.



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Als Tenia zu den Jedi gegangen war, hatte sie sich überhaupt keine Gedanken gemacht und keine Fragen gestellt. Regeln, Philosophien, sie an all das keinen Gedanken verschwendet. Weg von Null, jemand anderes werden, jemand, vor dem man Respekt hatte und zu dem man aufblickte, das waren ihre Beweggründe gewesen. Regeln, Philosophien, jemandem folgen, der einem Anweisungen gab? Unwichtig! Tja. Lange hatte es dadurch nicht gedauert, das erste Mal in Schwierigkeiten zu geraten und die Nullianerin hatte sich ziemlich lange Zeit gelassen, mit dem Lerneffekt.

Brasso zumindest schien sich nicht nur Gedanken zu machen, sondern ernsthaft über das, was er hörte, nachzudenken. Sie konnte sein Gesicht nicht lesen, nur bemerken, wie er ihrem Blick einen Moment auswich und in die Ferne sah. Es klang weniger nach dem, was er erwartet hatte? Nun, das konnte sich die Nullianerin lebhaft vorstellen. Wo der Haken war? Auch sie lachte, wohl wissend es das es da tatsächlich Haken gab, mehrere sogar.
Auf Null war sie es gewohnt gewesen, zu tun und zu lassen, was auch immer sie wollte. Das hatte oft genug Ärger mit ihren Eltern gebracht, aber gestört hatte sie das nicht immer. Dinge, die auf Null funktioniert hatten, hatte sie auf Lianna oder Coruscant gar nicht erst getestet und eine Rebellion gegen Regeln und gegen Padme hatte in einer Ausnüchterungszelle geendet.
Brassos und ihre Situation waren zwar nicht vergleichbar, er kein rebellierender Heranwachsender mehr. Aber trotzdem gab es Haken. Sie hatte den Abednedo zwar nur ein bisschen kennen lernen können, aber sein Drang das Richtige tun zu wollen und anderen zu helfen, ohne groß z überlegen, konnte sicher auch problematisch werden. Ob das aber einer der Haken war, von denen er sprach? Ganz bestimmt nicht.

„Ihr müsst das jetzt auch noch nicht wissen. Ich war auch nicht sicher, was ich werden wollte.“ Jedi? Das war ein loser Begriff gewesen, der viel weniger mit dem zu tun gehabt hatte, was Tenia eigentlich hatte werden wollen. Jemand, zu dem man aufsah, jemand, vor dem mans ich im besten Fall fürchtete. Die Erinnerung an Arica war ihr gut im Gedächtnis geblieben und hätte sie in diesem Moment jemand gefragt, was sie werden wollte, sie hätte mindestens in ihren Gedanken gesagt: Arica. Die Ausstrahlung der Sith hatte sie mehr fasziniert, als verängstigt und auch wenn sich die Nullianerin heute dafür schämte: Ihr Weg hätte sie mit ein bisschen mehr Mühe der Sith in deren Arme laufen lassen. Hätte Arica damals Anstalten gemacht, sie zu beeinflussen, sie hätte ein völlig anderes Gespräch mit Brasso geführt.

„Was ein Jedi ist, werdet Ihr vielleicht nie gleichsehen. Wenn Ihr mich fragt, habe ich auch keine eindeutige Antwort darauf. Weder damals noch heute.“
Das Gegenteil von einem Sith. Jemand, der die Macht für das Gute nutzt. Jemand, der ehrvoll ist. All das hatte sie schon gehört und in den Geschichten, in denen sie gelesen hatte, waren Jedi edelmütige Wesen, die über ihren Gefühlen standen und sich niemals aus der Fassung bringen ließen.
Was war ein Jedi wirklich? Irgendwie war das eine Frage, die auch gerne mit Steven besprechen würde. Er war ein völlig anderer Jedi als sie und das nicht, weil sie unterschiedliche Personen waren. Steven war eloquent und wortgewandt, er überlegte nicht lange, bevor er tat, was er für richtig hielt. Damals hatte er versucht zu erklären, dass es keine dunklen Machtfähigkeiten gab, sondern das es immer eine Rolle spielte, mit welcher Intention man eine Attacke anwandte. Etwas, das Tenia bis heute anders sah, ganz anders. War man ein Jedi, wenn man Blitze nutzte? Oder brauchte es, wie so oft ein Adjektiv davor. Guter Jedi. Schlechter Jedi. Annehmbarer Jedi.
Auch Brasso näherte sich dieser Frage an, als er wissen wollte, was die dunkle Seite der Macht war und diesmal war es die Nullianerin die einen Moment schwieg und in der Ferne nach einer Antwort suchte.
„Die dunkle Seite ist der Haken. Sie ist die Verführung, die in der Macht lauert. Das destruktive. Nehmt den Schacht auf Ketaris. Ich konnte den Lift anhalten, aber ich hätte ihn zerquetschen können. Als wir von der Bande bedroht wurden, wäre es in einfaches gewesen, nicht zu sprechen, sondern alle zu vernichten. Das“, sie levitierte einen beliebigen Gegenstand zu sich, „ist etwas das ich mit oder ohne Gefühl tun kann. Für sich gesehen ist das weder dunkel noch hell. Es ist nur eine Anwendung.“ Womit sie beinahe wie Steven klang. Sie levitierte den Gegenstand etwas ruppiger zurück. „Aber es gibt Anwendungen, die von Anfang an destruktiv sind. Die dunkle Seite ist die leise Stimme, die will, dass alles schneller und einfacher geht. Die Stimme, die Euch verräterisch zuflüstert, all Eure Emotionen zu nutzen, vor allem Eure Wut. Das, was unkontrolliert sein will. Das, was sich über alles andere stellen will. Was andere schmerzt und andere beherrscht. Ich denke, ein heller Machtanwender nutzt die Macht. Ein dunkler lässt sich benutzen.“ War das zu einfach, oder zu kompliziert?

„Was Ihr tut, hinterlässt etwas, und jedes Mal, wenn Ihr etwas Dunkles anwendet, würden die Spuren deutlicher. Sich absichtlich hinzugeben ist etwas anderes. Zu straucheln und zu fallen gehört dazu, aber es gibt Grenzen. Die dunkle Seite zerstört. Weil sie nur darauf aus ist, das eigene Ego zu stärken und die eigene Macht auszubauen. Besser als jeder zu werden. Stärker. Und das hat schon immer zu Leid geführt.“
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Mit Faszination verfolgte der Abednedo den schwebenden Gegenstand mit den Augen, solange er sich durch den sterilen Raum bewegte, und obwohl er Tenia inzwischen oft genug dabei beobachtet hatte, Dinge ohne sichtbare Hilfe aus Metall, Draht oder Repulsorfeldern zu bewegen, weigerte sich ein Teil seines Verstandes noch immer hartnäckig, diese Erscheinung einfach hinzunehmen. Kein Magnetfeld summte in den Wänden, keine Führungsschiene verbarg sich unter der Decke, kein Projektor erzeugte jenen leichten Druck in der Luft, der einen funktionierenden Traktorstrahl verriet. Der Gegenstand gehorchte einer Kraft, für die Brasso weder Werkzeug noch Messgerät besaß, er nahm Tenias Erklärung mit einer Aufmerksamkeit auf, die beinahe angespannter wirkte als zuvor. Denn solange die Macht nur etwas Geheimnisvolles gewesen war, etwas Unsichtbares, das Türen verschloss und Servolifte anhielt, hatte man sie in jene große Schublade legen können, in der sich all die Dinge befanden, deren Funktionsweise ihm noch unbekannt war. Nun aber sprach die Ritterin von den Eigenschaften der Macht, sprach von Verlockung, Gewohnheit und davon, dass jede Anwendung Spuren hinterließ, und plötzlich klang das Ganze viel weniger fremd, als Brasso lieb gewesen wäre.
Sein Blick blieb an dem Gegenstand hängen, den sie etwas ruppiger zurückgeschickt hatte, ehe er langsam auf seine eigenen Hände sank. Die Finger waren voller alter Narben, an mehreren Stellen verfärbt von Verbrennungen, deren Ursprung er längst nicht mehr benennen konnte, und zwischen den rauen Hautfalten saßen noch immer dunkle Rückstände von Ketaris, die selbst das antiseptische Tuch des Droiden nicht vollständig entfernt hatte. Hände waren Werkzeuge, hatte er als Junge geglaubt, und wie jedes Werkzeug wurden sie nur durch das gut oder schlecht, was man mit ihnen tat. Später hatte er gelernt, dass auch das zu einfach war. Manche Werkzeuge wurden dafür gebaut, bestimmte Dinge leichter zu machen, und wenn etwas leicht wurde, tat man es häufiger. Ein Hydrospanner machte eine Verbindung lösbar. Eine Schneidladung machte eine Wand überflüssig. Ein Blaster machte aus einem Streit irgendwann nur noch die Frage, wer zuerst den Abzug betätigte. Vielleicht war die Macht ähnlich, nur ohne Griffstück, ohne Sicherungshebel und ohne jenes kleine Gewicht in der Hand, das einen wenigstens daran erinnerte, dass man gerade etwas Gefährliches hielt. Die dunkle Seite der Macht erschien ihm gefährlich und doch konnte er sich nicht freisprechen, dass er sich in den Worten wiedererkannte. Es fiel ihm aber sichtlich schwer das, was er auf Ketaris erlebt hatte, in Worte zu fassen. Kurz schwieg er, versuchte seine Gedanken zu ordnen und beschloss, dass er es mit einem Gleichnis probieren würde.


„Das klingt wie eine Überbrückung“, sagte Brasso schließlich, und der Satz kam langsam, weil der Gedanke während des Sprechens erst seine endgültige Form annahm. „Man nimmt einen Widerstand aus dem Kreislauf, weil er stört. Eine Sicherung, weil sie immer wieder auslöst. Einen Regler, weil er einem sagt, dass etwas nicht geht, obwohl man unbedingt will, dass es geht.“

Sein Daumen strich unbewusst über die verhärtete Narbe an der Innenseite seiner Hand, und mit dieser Bewegung kam eine Erinnerung zurück, die so alt und vertraut war, dass sie keinen vollständigen Gedanken mehr brauchte: das beißende Ozon eines offenen Schaltkastens, die Hitze in einem viel zu engen Wracksegment, ein Bauteil, das mehr wert gewesen war als die Vorsicht eines jungen Schrottsammlers, und der Moment danach, in dem Metall noch nachglühte, während ein anderer Mensch aufgehört hatte, sich zu bewegen. Seine Miene veränderte sich kaum, doch die Müdigkeit darin bekam für einen Augenblick etwas Schwereres.


„Ich habe einmal einen Sicherheitskreis überbrückt, weil ich überzeugt war, den Strom für ein paar Sekunden kontrollieren zu können“, fuhr er leiser fort. „Ich brauchte ein Bauteil dahinter, und die Abschaltung hätte zu lange gedauert.“ Er ließ die Luft langsam durch die Nase entweichen und schmeckte für einen Moment wieder verbrannte Isolierung, obwohl die Krankenstation nur nach Desinfektionsmittel und sauber gefilterter Schiffsluft roch. „Es hat funktioniert.“

Brasso schwieg. Gerade dieses Wort war es, das die Erinnerung seit Jahren so hässlich machte. „Nur nicht lange genug.“

Er ließ die Hände sinken und sah wieder zu
Tenia. Das Prinzip des Hydrospanners verlangte Entschlossenheit, doch Brasso hatte nie behauptet, dass Entschlossenheit bedeutete, jede Begrenzung mit Gewalt zu überwinden. Das Prinzip des Stroms sprach vom Widerstand, weil Widerstand Bedeutung hatte. Etwas, das sich wehrte, stellte eine Frage. Wer diese Frage jedes Mal einfach überbrückte, weil ihm die Antwort nicht gefiel, lernte irgendwann nur noch, wie man Sicherungen entfernte. Vielleicht war das, was Tenia als dunkle Seite bezeichnete, genau deshalb gefährlicher als irgendeine geheimnisvolle Finsternis, die aus einem alten Tempel kroch und Menschen mit fremder Bosheit erfüllte. Brasso hätte einer solchen Sache misstraut. Jeder vernünftige Mensch hätte das getan. Eine Stimme jedoch, die ihm sagte, dass er recht hatte, dass seine Wut gerechtfertigt war, dass es schneller ging, wenn er den Widerstand aus dem Weg räumte, war eine andere Angelegenheit. Solche Stimmen klangen selten wie Versuchung. Meist klangen sie wie Vernunft. Sein Blick wanderte kurz zu der Stromlanze an der Wand und von dort zu dem kleinen medizinischen Scanner, der neben seiner Liege regelmäßig Lebenszeichen in kalten blauen Ziffern ausgab.

„Auf Ketaris hätte ich den Kubaz verletzen wollen“, sagte er nach einer Weile, ohne sich Mühe zu geben, das Eingeständnis schöner zu machen. „Als ich ihn nach dem Einsturz gesehen habe, wollte ich für einen Moment nicht mehr wissen, weshalb er tat, was er tat oder wer über ihm stand. Ich wollte, dass er aufhört. Ich wollte, dass es ihm wehtut.“

Das Geständnis kostete ihn weniger, als er erwartet hatte. Vielleicht weil es ohnehin wahr gewesen war, vielleicht weil
Tenia in jenem Augenblick neben ihm gestanden und den Zorn vermutlich längst gespürt hatte.

„Wenn ich Euch richtig verstehe, wäre die Gefahr also gar nicht erst, dass ich wütend werde.“ Seine Stirn legte sich leicht in Falten. „Die Gefahr beginnt dort, wo ich entscheide, dass meine Wut mir das Recht gibt, alles andere zu übergehen.“

Dieser Gedanke gefiel ihm. Nicht, weil er angenehm war, sondern weil er sich prüfen ließ. Brasso hatte nie viel von Regeln gehalten, die verlangten, ein Gefühl einfach nicht zu besitzen. Gefühle waren wie Hitze in einem Reaktor. Sie entstanden. Man konnte sie ableiten, beobachten, nutzen, manchmal sogar brauchen, doch wer behauptete, Hitze existiere nicht, nur weil sie unerwünscht war, verbrannte irgendwann die ganze Anlage. Tenias Erklärung klang anders. Sie verlangte offenbar nicht, nichts zu fühlen. Sie verlangte, das Gefühl nicht zum einzigen Regler zu machen.

Die dunkle Seite ist vielleicht weniger ein anderes Werkzeug...“, murmelte er schließlich, „...als die Entscheidung, alle Sicherungen auszubauen und sich danach einzureden, das System sei endlich effizient.“

Ein schwaches Lächeln erschien in seinem erschöpften Gesicht, doch seine Augen blieben ernst.


„Das wäre zumindest eine Erklärung, die ich verstehe.“

Für einige Atemzüge schwieg er wieder, lauschte dem konstanten Brummen des Schiffes und dem feinen Ticken des medizinischen Geräts, das seinen Körper mit einer Beharrlichkeit überwachte, die er selbst ihm jahrelang verweigert hatte. Schließlich hob er den Kopf noch einmal.

„Ihr habt gesagt, Straucheln gehört dazu.“ Seine Stimme war ruhig, doch in der Frage darunter lag deutlich mehr als akademische Neugier. „Woher weiß man dann, wann man nur gestrauchelt ist und wann man angefangen hat, sich einzureden, dass Fallen eigentlich der bessere Weg ist?“

Während er auf Tenias Antwort wartete, ließ Brasso den Kopf ein wenig gegen die Rückenlehne sinken, begleitet vom gleichmäßigen Summen der Schiffssysteme und dem leisen Puls des medizinischen Scanners, der ihm ungerührt bescheinigte, dass sein Körper vorerst noch funktionierte.


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Genau dieses Streben, war es auch, dass Rache überhaupt erst möglich machte. Eine Ungerechtigkeit heimzahlen. Wollen, dass der andere genau das Leid erfuhr, dass er selbst ausgelöst hatte. Tenia hatte sich oft gerecht, im Kleinen und bei Zulia im Großen. Auch wenn das heute kaum nennenswerte Taten gewesen waren, wusste sie sicher, dass sie das auf sehr falsche Pfade hätte führen können. Oder vielleicht sogar geführt hätte. Vielleicht war es damals auch Darth Zion gewesen, der ihr eine Lehre erteilt hatte. Die deutlich sichtbare Narbe, die er ihr zugefügt hatte, hatte mit dazu geführt, sich grundlegend zu hinterfragen. Was eigentlich ein tiefer Einschnitt in ihre Eitelkeit gewesen war, hatte sie wachgerüttelt. Bei den Wäldern Nulls, sie war so oft, so arrogant gewesen. Natürlich, ja natürlich hatte all das seine Gründe gehabt. Eine winzige Nullianerin die bei nichts hatte mithalten können, hatte sich doppelt auf ihr Aussehen etwas eingebildet. Weil es das einzige gewesen war, mit dem sie hatte punkten können. Zum Glück hatte sie damals schon immer auch ein schlechtes Gewissen empfunden, wenn sie Dummes getan hatte. Zulia hatte ihr leid getan. Manchmal hatte es ihr sogar hinterher leidgetan, wenn sie manipulativ auf die Tränendrüse gedrückt hatte. Und manchmal kam es ihr wie ein Wunder vor, dass sie Ritterin Lumiran geworden war und keine Kriegerin. Deswegen fürchtete sie sich so sehr vor einer innigen Beziehung mit Steven. Nicht, weil er schlecht war, sondern weil er genau die Züge besaß, gegen die sie bitter gekämpft hatte. Steven war eitel und er wollte er nach vorne kommen, er schreckte nicht davor zurück, zu manipulieren. Er würde sicher behaupten, alles im Griff zu haben, aber Tenia hatte mehr als wahnsinnige Angst davor, dass ihm genau dieser Griff entgleiten konnte. Eben weil sie selbst nicht frei davon war.

Brasso verglich das, was sie erklärt hatte mit einer Überbrückung. Einen Widerstand aus dem Kreislauf nehmen, weil er störte. Eine Sicherung, die immer wieder auslöste. Ein bisschen wie das, was er auf Ketaris getan hatte und die Nullianerin nickte. Er erklärte weiter, dass er tatsächlich schon einmal einen Kreis überbrückt hatte, in der Vollen Überzeugung, die Kontrolle zu behalten. Um nur wenig später eines Besseren belehrt zu werden. Was auch immer sich damals zugetragen hatte, es schien etwas in dem Abednedo verändert zu haben. Da flackerte kurz etwas in seinen Augen auf. Ein alter Schmerz oder Schuld. Etwas, das er schon zu oft aus seinen Gedanken gegraben, aber nie wirklich begraben hatte.

Dass er den Kubaz hatte verletzen wollen, war ein Eingeständnis, das ihn ehrte und vor allem war es etwas, das Tenia sehr gut verstand. Das Wesen hatte für eine menge Leid gesorgt, sicher nicht zum ersten Mal und natürlich fühlte sich Rache in solchen Momenten besonders süß, besonders richtig an. „Das zugegeben zu können ist Stärke und ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich mir nie etwas ähnliches gewünscht hätte.“ Sie hatte sich an Zulia gerecht, damals, in sehr jungen Jahren. Später waren ihre Gefühle viel subtiler gewesen.

„Genau das meinte ich. Gefühle machen uns aus, aber wann und wie wir ihnen nachgeben ist entscheidend. Und diese Entscheidungen lösen immer etwas aus. Macht ist … verführerisch. Wenn wir spüren, dass wir besser sind. Wenn wir besser sein wollen. Sie kann einen sehr selbst gerecht machen.“ Tenia glaubte, dass man sehr genau spürte, wann ein gewisser Punkt überschritten war. Wann ein Straucheln mehr war, als ein einfaches Stolpern. Dennoch war Brassos Frage schwer zu beantworten. Wann spürte man, dass man nicht mehr strauchelte, sondern den einfachen Weg ging?

„Ich glaube, man spürt ich. Die meisten von uns haben ein Bewusstsein für das, was falsch und richtig ist und ich meine damit nicht diese überdeutliche Moral.“ Was eine schlechte Erklärung war. Die Nullianerin seufzte. „Als ich eine Padawan war, faszinierte mich eine Sith. Ihre Aura war dunkel, angsteinflößend. Sie war abschreckend und faszinierend zu gleich. Ich wollte sein wie sie, nicht wie mein Meister. Wollte, dass mich jemand sah und mich nicht nur direkt respektierte, sondern angstvoll zu mir hinaufblickt. Ich hatte damals Glück. Die Sith hat keinen Versuch gemacht, mich zu bekehren. Das sind diese kleinen Momente. Und manchmal sind die Übergänge fließend. Ihr wolltet dem Kubaz Schmerzen zufügen, aber ihr habt gewusst, dass es falsch wäre. Ihr habt Euren Zorn unter Kontrolle gehalten. Ihr hättet anders agieren können und ihr könntet Euch jetzt wünschen, dem Wunsch nachgekommen zu sein. Die dunkle Seite ist manchmal sehr direkt, manchmal sehr subtil. Aber ich glaube, wir wissen immer, wann es das eine oder das andere ist. Spätestens hinterher.“

Was klang, als müsste man die Erfahrung erst machen um sie beurteilen zu können.

„Ich finde kein gutes Gleichnis, nicht für die subtilen Augenblicke. Ich kann es nur mit den Wäldern Nulls vergleichen. Ein Gewitter ist offensichtlich, ich weiß, es ist gefährlich und ich halte mich fern. Das wäre die dunkelste Seite. Aber dann ist da der Nebel, der zwischen den Bäumen ist. Auf einer verlockenden Abkürzung. Vielleicht sorgt er dafür, dass ich einen Ast nicht sehe, der mir ins Gesicht peitscht. Das ist ein Fehltritt oder ein Straucheln. Aber wenn ich mir einzureden beginne, dass ich doch noch genug sehe und einfach weiterlaufe, weil der Weg viel kürzer und bequemer ist, dann ist das kein Straucheln, sondern eine bewusste Entscheidung. Dinge Ignorieren. Warnungen ignorieren. Sich Sachen schönreden. Ich glaube es beginnt im Kleinen. “

:: Raumhafen Coruscant :: Schiff des Jedi-Ordens :: Brasso Nunkai und Tenia Lumiran :::
 
[ Kernwelten / Corusca-Sektor / Coruscant / Senatsdistrikt / In der Nähe des Jeditempels ] Jorti und Faith, sowie (NPCs) Passanten

Jorti konnte sein Glück kaum fassen, als diese Faith ihn doch tatsächlich einfach so gehen ließ. Er winkte mit einem verlegenen Grinsen…und dann macht er, dass er davonkam. Erst zwei Ebenen tiefer wagte er es durchzuatmen und über seine nächsten Schritte nachzudenken. Naja, seine nächsten zwei Schritte. Zuerst brauchte er etwas Gold und dann Credits um noch mehr Gold kaufen zu können.

Das war überschaubar, würde aber doch etwas Fußweg von ihm verlangen. Immerhin gab es eine effiziente Route, um beides mitzunehmen. Und er konnte sich auf etwas freuen.

Die Fischfrau hatte Jorti ganz schön weit weg von zuhause abgesetzt. Gut, mit dem Gleiter war es ein Flug von keinen zwei Minuten gewesen, zu Fuß brauchte er aber doch etwas länger. Schritt für Schritt, Ebene für Ebene aus dem Tempeldistrikt hinaus und zurück in die Teile Coruscants wo die Leute etwas weniger piekfein gekleidet und dafür deutlich zugänglich waren.

Hier unten wollte ihm im niemand irgendeine komische Kur im Jedi-Tempel andrehen. Ganz im Gegenteil.

Jorti fand seinen Dealer an der gewohnten Stelle. Die Nautolanerin nickte ihm zu und musste gar nicht erst fragen, was er wollte. Sie war lediglich einen abschätzigen Blick auf Faiths Credits und drückte ihm dann unauffällig eine traurig-kleinen Plastoiddispenser in die roten Finger.

Der Zeltron roch den Gestank des Müllcontainers nicht, hinter dem er sich wie immer verkroch, um ein paar Minuten für sich zu sein. Insekten summten um ihn herum, während er den Dispenser in sein eigenes Atemgerät setzte. Er rastete mit einem Klicken ein, Jorti hob ihn an die Nase und drückte den Abzug.

Von einem Moment zum anderen war frisches Muon Gold in seinem System. Fast war ihm, als spüre er wie seine Pupillen sich weiteten, als hörte er, wie der Nebel über seinem Geist sich zurückzog. Mit einem leisen Klappern landete der Dispenser im Müllcontainer und dessen Gestank traf ihn wie ein Gleiter im Flug.

Hastig quetschte Jorti sich hinter dem Ding hervor und machte sich erneut auf den Weg. Die Credits hatten nicht lang gehalten, aber er wusste ja, wo er mehr herbekommen konnte. Er hatte den Auftrag erfolgreich ausgeführt, also schuldete die Fischfrau ihm etwas!

Der verabredete Treffpunkt war nicht weit weg. Oder sonderlich kompliziert.

Einfach der Gleiterschacht wo Jorti sonst so seine meisten Tage verbrachte und wo sie ihn mit ihrem Arbeitsangebot aufgegabelt hatte. Es war ein Verkehrsrondell von vielleicht fünfhundert Metern Durchmessern, das zu den unteren Ebenen hin schmaler wurde. Den Himmel sah man von hier nicht, aber doch einen guten Durchschnitt durch die Ebenen Coruscants. Reihen um Reihen von Gleitern schraubten sich hinauf oder hinab und reihten sich in die Verkehrsbahnen in der Umgebung ein.

Von hier war es noch ein kleiner Fußweg zu Jortis üblichem Platz. Aber das störte ihn nicht. Fröhlich pfiff er vor sich hin, denn für wenigstens ein paar Minuten war die Welt in Ordnung. Er hatte Gold, mehr Gold wartete auf ihn. Was brauchte er mehr?

Auf den letzten Metern wurde Jorti plötzlich langsamer. Sein üblicher Platz war besetzt – und das von Leuten, mit denen er sich nicht unbedingt deswegen anlegen wollte. Ein paar Gestalten lehnten lässig an der Brüstung zum Rondell, ihre Swoop-Bikes nicht weit entfernt. Abzeichen an ihren Jacken wiesen sie als lokale Gangmitglieder aus. Ein Gamorreaner, ein Wookiee, zwei Weequays und eine Barabel. Kein ungewöhnlicher Anblick hier unten.

Von der Fischfrau war noch nichts zu sehen, da war das auch kein Problem. In sicherer Entfernung blieb Jorti stehen, hockte sich auf einen eingerissen Plastofilmkarton und lehnte sich mit dem Rücken gegen die Brüstung. Er musste nur ein bisschen abwarten und dann würde sie sicher schon auftau-


„He du!“, durchbrach eine raue Stimme das dumpfe Dröhnen des Verkehrslärms und das Stimmengewirr, das von den Wänden des Schachtes widerhallte.

Jorti sah sich suchend um, wer gemeint sein könnte, und sah dann, dass die Augen eines der Weequay direkt auf ihn gerichtet waren. Hastig rappelte er sich auf, rutschte jedoch auf irgendetwas öligem aus und zerquetschte im Fallen den Karton unter sich. Unterdessen kam plötzlich irgendwie die ganze Gruppe auf ihn zu!


„Wer ich?“, fragte Jorti schwach, doch da packten ihn bereits haarige Hände am Kragen und zogen ihn in die Höhe. Instinktiv aktivierte er seine Pheromone und hoffte, dass das klären konnte, was die Swooper von ihm wollten.

Heute schien er irgendwie kein Glück damit zu haben.


„Ja du“, brummte der grünere der beiden Weequays, der nun dicht an ihn herantrat. Der Wookiee hielt Jorti auf perfekter Höhe, dass der Sprecher der Gruppe ihm Zigrauch ins Gesicht pusten konnte. „Du bist Jorti, nicht?“

„Ähhhhhh-“, machte Jorti. Woher kannten die seinen Namen?!

„Du hast doch vorhin mit so nem netten Mädchen geredet. Wo is sie jetzt?!“

„Äh, weiter oben glaub ich. Tempeldistrikt! Äh, woher weißt’n das?“

„Ich stelle hier die Fragen. Halt’s Maul“ Die Faust des Weequays traf ihn unvorbereitet. Der Harte Schlag in die Magengegend entlockte Jorti ein ersticktes Würgen und trieb ihm sämtliche Luft aus den Lungen. „Jetzt erzähl mal, wo ist das Mädchen?!“

[ Kernwelten / Corusca-Sektor / Coruscant / Tiefe Ebenen nahe des Tempeldistrikts ] Jorti, sowie (NPCs) Swoop-Gang
 
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