Coruscant

Coruscant - Jedi-Tempel - Krankenstation, Iowyns Zimmer, mit Ian

Ja, da hatte Ian wohl recht. Zweifel waren vermutlich etwas völlig normales. Vielleicht fragte man sich häufig, wie das Leben verlaufen wäre, wenn man diese oder jene Entscheidung anders getroffen hätte... und das gehörte wohl auch mit dazu. Wichtig war nur, dass Ian klar war, dass diese Entscheidung ganz von ihm abgehangen und sie selbst da hoffentlich keine Rolle gespielt hatte. Schon unter normalen Umständen nicht – und unter diesen gleich drei Mal.
Allerdings war der Jedi-Orden ja keine Verpflichtung auf Lebenszeit. Sollte Ian sich irgendwann absolut unwohl fühlen, würde er den Schritt ja wieder rückgängig machen können.

Ihre Bemerkung über Padawane schien bei Ian anders anzukommen, als sie geplant hatte. Sie war sich allerdings nicht sicher, wie sie seine Worte verstehen sollte. Wollte er das nicht? Oder was meinte er?
Wenn du gar nicht möchtest, dann sicher nicht, erwiderte sie vorsichtig. Jetzt sowieso noch nicht. Er hatte Zeit, niemand würde ihn erst recht nach dieser Mission hetzen. In Eowyns Augen wäre es schade, sein Lehrtalent so ins Leere laufen zu lassen, aber sie verstand auch, wenn er es nicht wollte. Sie selbst tat sich ja unheimlich schwer mit diesem Thema. Was sie geritten hatte, dass sie Malek so bald nach ihrer Rückkehr unter ihre Fittiche genommen hatte... sie wusste es selber nicht genau. In dem Moment hatte es sich irgendwie richtig angefühlt, vielleicht, weil er so offen mit ihr gewesen war. Mittlerweile war sie sich nicht sicher, ob sie dem Padawan wirklich gerecht werden konnte, so sehr war sie mit sich selbst, Ian und der Galaxis beschäftigt.

Er brachte das Thema dann auf sie selbst, und es war faszinierend, wie sie anscheinend gegenseitig stolz auf sich waren. Wie er es sagte... dass sie ein Ratsmitglied sein
wollte. War es das? Wollte sie das? Es war eher so, dass sie... endlich akzeptiert hatte, was anscheinend schon längst für alle um sie ein Fakt gewesen war. Sie hatte angenommen, hatte aufgehört, sich zu wehren, und ja, da oben im Ratssaal, da hatte es sich richtig angefühlt. Aber hieß das auch, dass sie es wollte? Eigentlich... ja, eigentlich hatte sie sich darüber überhaupt keine großen Gedanken gemacht, ob sie es wirklich wollte. Denn diese Entscheidung war ihr doch eigentlich abgenommen worden. Und sie würde diesem Weg folgen, einfach, weil sie gar nicht anders konnte. Erst recht nicht mit einer Ahna vor ihrem inneren Auge, die ihr mit ihren letzten Worten die Schatten übergeben hatte. Und wenn sie das so bedachte... nein, sie wollte diesen Job eigentlich auf keinen Fall. Aber war sie es der verstorbenen Rätin nicht verflucht schuldig, um dieses Amt doch zu kämpfen?
Sie kam vom Thema ab.
Und konnte Ian definitiv nicht sagen, dass sie sich, was das "wollen" anging, nicht ganz sicher war. Für ihn war es so wichtig, wie konnte sie es ihm kaputtmachen? Eowyn schenkte ihm ein leichtes Lächeln. Er setzte so viel Hoffnung in diese Sache. Und vielleicht, vielleicht hatte er ja auch recht? Vielleicht machte es den Weg wirklich leichter. Vielleicht gab es ihr einen Rahmen, den sie gebraucht hatte. Vor allem die Aussprache mit Wes war bedeutsam, das war Eowyn definitiv klar, aber auch die sonstigen Themen... ja, vielleicht lag Ian richtig. Das tat er schließlich ziemlich oft.
Vielleicht, erwiderte sie nickend und schob sich die letzte Gabel in den Mund. Das sollte hoffentlich reichen bis heute Abend. Dieser würde lang werden... aber sie lief ja nicht einmal, also wie viel Energie verbrauchte sie schon?

Auch Ians Gedanken schienen zu den späteren Veranstaltungen geglitten zu sein. War sie aufgeregt? Eowyn überlegte einen Moment. Eigentlich... nicht wirklich. Sie hatte beinahe Angst vor Ahnas Abschiedszeremonie, aber die Verleihung? Ja, okay, sie würden, wie Riuen prophezeit hatte, eine Ehrung erhalten und einen hübschen Titel erhalten, aber... als ob das irgendetwas
verändern würde. Wenn die Verleihung nicht in so privatem Rahmen stattfinden würde, sie hätte darauf wetten können, dass der Rat auch das nur wegen irgendwelcher Außenwirkungen durchziehen wollte. Eowyn hatte sich früher nie Gedanken um die diversen Orden und Behängungen gemacht, die an hochrangigen Militärs nur so zu kleben schienen, aber jetzt verstand sie das Brimborium darum noch weniger. Oder lag es an ausgerechnet dieser Mission? An einer Mission, die zwar erfolgreich gewesen war, aber die sie so viel gekostet hatte, und... bei der sie selbst sich außerdem nicht gerade mit Ruhm bekleckert hatte.
Jedenfalls... sie schüttelte den Kopf.
Du?, fragte sie Ian zurück und antwortete dann auf seine Frage zwecks des Umziehens. Nein, ich habe mich vorher fertig gemacht, das muss für heute reichen. Schließlich wird das hier keine galaxisweite Pressekonferenz, versuchte sie sich an einem Scherz, der vermutlich ziemlich misslang. Es ging darum, Ahna die letzte Ehre zu erweisen – und der Pau'anerin war die Kleidung ihrer Untergebenen so ziemlich egal gewesen, außer natürlich, sie gehörte zur Mission. Dann hatte sie Wert auf jedes noch so kleine Detail gelegt. Und die Ehrung? Dafür würde ihre Robe erst recht ausreichen. Aber was Ian anging... Wieder schüttelte sie den Kopf. Zieh an, was auch immer du für richtig hältst. Ahna... wäre es egal gewesen. Und das hinterher? Du musst dich wohlfühlen. Das ist alles. Für Ian wiederum hielt sie diese Ehrung allerdings seltsamerweise für gar nicht so falsch. Er hatte sich diesen Orden wirklich verdient, hatte jeden Tag alles gegeben, um im Sith-Orden zu überleben und nicht aufzufallen, während er gleichzeitig Nachforschungen anstellte und auf dem Drahtseil der dunklen Seite seinen Tanz aufführte. Auf jeden Fall würde sie ihm diesen Abend nicht kaputtmachen.

Sie stellte die Teller zusammen und bewegte sich noch einmal ins Bad, um sich zumindest etwas frischzumachen und das Gesicht zu waschen. Etwas Zeit später dann waren sie beide bereit. Noch einmal diesen Raum verlassen... und diesmal hinein in die Masse. Allerdings würden die anderen Jedi hoffentlich pietätvoll genug sein und sie bei einer solchen Veranstaltung in Ruhe lassen. Sie atmete einmal tief durch und bemühte sich, ihre Nerven zu beruhigen, was allerdings nicht sonderlich erfolgreich war.
Wollen wir?, fragte sie dann Ian leise und machte sich gemeinsam mit ihm auf den Weg.

Vielleicht bildete sie es sich nur ein, aber sie hatte das Gefühl, die Stimmung war etwas gedrückter und leiser als normalerweise. Ja, ganz
sicher bildete sie es sich ein, denn die meisten hatten Ahna daoch kaum gekannt. Verflucht, selbst sie hatte Ahna kaum gekannt, und dabei hatte sie teilweise wirklich viel Zeit mit ihr verbracht. Ob es Alexander besser ging, ob er einer der wenigen war, der Ahna irgendwie... persönlich gekannt hatte? Oder vielleicht Marrev, oder Jeg? Sie würde sie bei Gelegenheit fragen.
Es dauerte nicht lange und sie erreichten die Große Halle. Diese war definitiv nicht mehr leer, und Eowyn erkannte so einige Gesichter, wenigstens vom sehen. Sie zog ihren Kurs, mit niemandem zu reden, allerdings stoisch durch und verteilte allenfalls mal ein kleines Lächeln hier und da. Ganz sicher würde sie sich nicht auf ein Gespräch einlassen, mit niemandem. Gut, mit
fast niemandem. Ein paar wenige Ausnahmen gäbe es da schon. Marrev zum Beispiel, aber er stand da hinten und war selbst in ein Gespräch vertieft. Brianna vielleicht, um zu erfahren, ob sie etwas erreicht hatte, aber die stampfte gerade einen anderen Jedi in den Steinboden, und das ohne einen Finger zu krümmen. Was der wohl angestellt hatte? Elise... aber von ihr wusste Eowyn nicht einmal, ob sie kommen würde, immerhin war sie wesentlich übler dran als sie selbst und der Abend noch lang. Und falls Elise nicht kam, würde auch Riuen nicht aufkreuzen, wobei sich Eowyn beinahe wünschte, dass er sich bei Ian blicken ließ. Ihr... Verlobter hatte garantiert Redebedarf, aber mit wem sollte er sich austauschen außer mit ihr? Und sie war ganz sicher nicht für alles die richtige Person.

Klar war, dass sie selbst als Rätin ihren Platz ganz vorne einnehmen würde, und sie würde unter keinen Umständen zulassen, dass Ian ihre Seite verließ. Sie nickte Wes zu, genau wie den anderen schon anwesenden Rätinnen und Räten und erkannte, dass irgendjemand mitgedacht und einen Platz für ihren Schwebestuhl freigelassen hatte. Innerlich seufzte sie frustriert auf, dass es
notwendig war, aber sie musste... akzeptieren. Alles akzeptieren...
Sie saßen schließlich, Ian an ihrer Seite, und Eowyn würde es nicht aushalten, hier nun schweigend darauf zu warten, dass sie sich noch einmal von Ahna verabschieden sollte. Um nichts in der Galaxis wollte sie das hier heute verpassen, aber gleichzeitig... wollte sie einfach nur weg...
Hast du in den letzten Tagen Kontakt zu Riuen gehabt?, fragte sie Ian leise und sah ihn fragend an.

Coruscant - Jedi-Tempel - Große Halle; mit Ian, weiter weg auch Brianna, Ganner, Wes, diverse NPCs und andere Jedi
 
Kommend von Coruscant

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Die Macht war wirklich ein wunderbares Werkzeug, doch wie jedes Werkzeug schien es auch als Waffe missbraucht werden zu können. Brasso hörte ihr zu, ohne sie ein einziges Mal zu unterbrechen, und je länger Ritterin Lumiran sprach, desto deutlicher veränderte sich etwas in seinem Gesicht, wobei es weniger Zustimmung als vielmehr jene konzentrierte Aufmerksamkeit war, mit der er gewöhnlich vor einem geöffneten Maschinengehäuse saß, dessen Funktionsweise er noch nicht verstand und deshalb zunächst jede Leitung, jede Verzweigung und jeden scheinbar überflüssigen Kontakt betrachtete, bevor er auch nur daran dachte, die Hand hineinzustecken. Freiheit zu bleiben oder zu gehen. Eine lehrende Person, die mehr zeigte als befahl. Ein Kodex, dessen Bedeutung nicht in Stein gemeißelt schien. Schutz statt Herrschaft. Frieden, soweit man ihn bewahren aber nicht erzwingen musste. Nichts davon klang nach jener Art von Institution, die Brasso kennengelernt hatte, und vielleicht war genau das der Grund, weshalb er zunächst misstrauischer wurde statt weniger. Systeme, die behaupteten, dem Einzelnen Freiheit zu lassen, hatten auf Bracca oft nur besonders lange Verträge gebraucht, um das Gegenteil zu beweisen.

Bei dem Wort Meister glitt sein Blick für einen Moment zur Seite, hinüber zu einer blanken Wandplatte der Krankenstation, in der sich die gedämpften Lichter des Schiffes als milchige Streifen spiegelten. Meister hatte es auch in den Zerlegehöfen gegeben, Vorarbeiter, Schichtführer und Gildenaufseher, Männer und Frauen, die erklärten, Erfahrung müsse automatisch Gehorsam erzeugen und deren wichtigste Qualifikation darin bestanden hatte, nicht selbst dort arbeiten zu müssen, wo die Luftfilter versagten. Doch das Bild, das Tenia zeichnete, erinnerte ihn weniger an diese Leute als an die wenigen alten Schrotter, die einem Jungen irgendwann wortlos den besseren Hydrospanner hingelegt hatten, nachdem sie sicher gewesen waren, dass er damit niemandem die Hand zerquetschen würde. Menschen, die wussten, dass Wissen nichts wert war, wenn man es so festhielt, dass niemand nach einem selbst noch etwas damit anfangen konnte.


„Das klingt weniger nach einem Orden, als ich erwartet hätte“, sagte er schließlich und ließ den Satz einen Augenblick wirken, ehe sich ein schmaler Zug von trockenem Humor um seinen Mund legte. „Was vermutlich entweder für Euch spricht oder dafür, dass ich sehr schlechte Erfahrungen mit Institutionen gemacht habe Wo ist also der Haken?.“

Kurz lachte er ein kehliges, warmes Lachen, tatsächlich ein ehrliches Lachen. Er spürte, dass er sich in der Anwesenheit der Ritterin eigenartig ruhig und gelassen fühlte. Die Anspannung, die seine Muskeln auf Ketaris durchzogen hatte, wich einem Gefühl von vorsichtigem Vertrauen. Doch das Lächeln verging, als er über den Rest nachdachte. Sich nicht von Wut, Angst oder Hass führen zu lassen, klang in einer sauberen Krankenstation auf einem Jedi-Schiff zunächst wie einer jener Sätze, die sich leicht aussprechen ließen, solange niemand einem gerade das Wenige nahm, das man noch besaß; Brasso hatte in den letzten Tagen selbst gespürt, wie rasch Zorn aus einem Werkzeug eine Waffe machen konnte, und vielleicht war es gerade deshalb kein Satz, den er vorschnell als naive Moral beiseiteschieben konnte. Das Prinzip des Hydrospanners verlangte Entschlossenheit, aber niemals blinde Kraft. Das Prinzip des Scanners verlangte, eine Gefahr zu erkennen, bevor sie über einen entschied. Vielleicht waren seine eigenen Regeln und die der Jedi gar nicht so weit voneinander entfernt, wie ihre Namen vermuten ließen.

Bei der Erwähnung der Lichtwaffen hob der Abednedo allerdings merklich den Kopf. Sein Blick wanderte beinahe automatisch zu seiner improvisierten Stromlanze, die man unweit der Behandlungsliege abgestellt hatte, ein unförmiges Gebilde aus zusammengeschweißtem Metall, neu gewickelten Griffen und Komponenten, deren ursprüngliche Hersteller vermutlich Einspruch dagegen erhoben hätten, was Brasso daraus gemacht hatte. Neben allem, was er bislang von Jedi gesehen hatte, wirkte sie wie das Werkzeug eines Schrottplatzarbeiters, der versehentlich auf einem Schlachtfeld gelandet war.
Schließlich ließ Brasso sich vorsichtiger zurücksinken, bis sein Rücken vollständig von der Liege getragen wurde, und erst jetzt, da keine Entscheidung mehr unmittelbar getroffen werden musste, schien die Erschöpfung wieder Raum in ihm zu finden. Das gleichmäßige Summen der Lebenserhaltung, die gefilterte Luft und das ferne Vibrieren der Schiffssysteme legten sich um ihn wie ein fremder Rhythmus, und irgendwo dahinter wartete Coruscant, eine Welt, die ihm noch immer größer erschien als jede vernünftige Entscheidung.

„Ich weiß nicht, ob ich ein Jedi werden will“, sagte er nach einer Weile, ohne darin Ablehnung zu legen. „Ich weiß nicht einmal, ob ich weiß, was ein Jedi wirklich ist.“

Seine graublauen Augen fanden Tenia wieder.

„Aber ich möchte verstehen, was da in mir ist. Und wenn Ihr recht habt, dann wäre es ziemlich dumm, ein Werkzeug sein ganzes Leben mit sich herumzutragen und sich zu weigern zu lernen, wie man es benutzt. Vor allem, wenn dieses Werkzeug auch Schaden anrichten kann“

Brasso atmete langsam aus, wobei ein kaum merkliches Ziehen durch seine Miene lief, und schloss für einen Moment die Augen.

„Was ist diese dunkle Seite der Macht?“, sprach er deutlich nachdenklich seine Gedanken gegenüber der Ritterin aus. „Wut und Angst können einen übermannen, fürchte ich. Was löst das in der Macht aus?“

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