Coruscant

[ Coruscant I Tempel-Distrikt I Tiefere Ebenen | Verkehrsschacht ]
Faith, Zweibein, Jorti und eine Swoop-Gang

Als das Echo des Blasterschusses durch den Verkehrsschacht hallte und sich zwischen das Röhren und Zischen der Fahrzeugtriebwerke mischte, biss Faith sich auf die Unterlippe. Das hätte sie verhindern sollen. Ihr Blick glitt zu Jorti, der sich mit beiden Händen an sein verletztes Bein klammerte. Sein Schrei ging ihr dabei nicht nur unangenehm unter die Haut, sie spürte seinen Schmerz auch in der Macht. Sie hatte gehofft, mit ihrem Auftreten als Jedi wenigstens genug Eindruck zu machen, um die Mitglieder der Gang zu einer Unterredung zu zwingen. Die Barabel hatte ihr nun allerdings ziemlich deutlich gezeigt, was diese Hoffnung wert gewesen war. Nun standen vier körperlich eindrucksvolle Gestalten um die Padawan herum, während die fünfte noch immer bei dem Zeltron blieb, der nun ohnehin nicht mehr davonlaufen konnte.

Faith hielt ihre Hände zunächst offen vor dem Körper und verlagerte ihr Gewicht möglichst unauffällig auf die Fußballen. Gegen den Wookiee würde sie sich auf kein Kräftemessen einlassen. Das war Wahnsinn. Auch der Gamorreaner konnte sie mit einem ordentlich platzierten Schlag sofort außer Gefecht setzen. Irgendwie musste sie aber zu Jorti gelangen und von hier verschwinden, bevor einer von ihnen auf die Idee kam, auch ihr ins Knie zu schießen.


„Sehr mutig, auf einen unbewaffneten Mann zu schießen“, kommentierte Faith, während ihre Aufmerksamkeit auf dem ausgestreckten Waffenarm des Wortführers blieb.

„Er braucht einen Heiler. Lasst mich zu ihm.“

Viel Hoffnung steckte nicht hinter der Aufforderung. Die Worte hatten viel mehr den Zweck, ihr etwas Zeit zu verschaffen, während sie ihre Sinne über die Gruppe hinaus ausbreitete. Diese Leute wussten wer sie war, und sie hatten ihr mehr verraten, als beabsichtigt gewesen sein konnte. Truuine. Das Kopfgeld. Jemand wollte an Arlen heran, aber auch an sie. Hinter den Gangmitgliedern fuhr der Verkehr durch den röhrenförmigen Schacht. Fahrzeuge aller Art schoben sich auf kreisenden Bahnen nach oben. Faith suchte nach einer Möglichkeit, das Ganze hier zu einem möglichst unblutigen Ende zu bringen. Sie schätzte die Abstände zwischen sich, Jorti und den gezogenen Waffen ab. Hinter ihrem Rücken regte sich Zweibein an seiner Halterung.

Und dann geschah alles ganz schnell. Die Macht kündigte ihr die Bewegung des Waffenarms früh genug an. Faith verstärkte die Kraft ihrer Beine, schnellte in einer unmenschlichen Geschwindigkeit voran, griff nach dem Blaster des Weequays und drückte die Mündung mit einem einzigen Ruck nach unten. Gleichzeitig schwang sie sich aus der Schusslinie, packte das Handgelenk und stieß den Unterarm gegen seine eigene Hüfte. Das Einzige, was er erwischte, war sein eigener Fuß. Zwischen dem Verkehrslärm hörte sie das erschrockene Piepen Zweibeins, der sich bereits von ihrem Rücken löste. Viel Gelegenheit, sich über den gelungenen Anfang zu freuen, blieb ihr aber nicht. Der zweite Weequay befand sich nah genug, um nach ihr zu greifen. Die Padawan zog den Kopf ein, ließ seinen Arm über ihre Schulter gleiten und trat ihm mit der Sohle ihres Stiefels gegen das Knie. Das genügte zwar, um an ihm vorbeizukommen, aber seine wild herumschwingenden Finger erwischten ihre Robe und hielten sie fest.

Sie spürte, wie der Stoff ihrer Kapuze sich um ihren Hals spannte, während sie herumgerissen wurde. Führ einen Moment japste sie nach Luft, machte aber einfach weiter, indem sie seinen Arm mit beiden Händen packte, sich in den Griff hineindrehte und die Macht ihre Bewegung unterstützen ließ. Der Weequay verlor ihre Robe aus den Händen, als sie sein Handgelenk nach außen drückte und sich unter seinem Arm hindurchduckte. Aus dem Augenwinkel erkannte sie nun, dass der Wookiee auf sie zukam.

Zweibein erkannte es auch. Der Droide sauste ihm quer vor das Gesicht und entlud einen kurzen Energieblitz aus einem seiner kleinen Arme. Dankbar für die Ablenkung stieß Faith sich mit beiden Beinen vom Boden ab und rammte den Gamorreaner, der ihr den Weg zu Jorti versperrte, gegen den zweiten Weequay. Die beiden hatten Mühe, nicht übereinander zu purzeln und versperrten dem Wookiee für einen weiteren Augenblick mit wedelnden Armen den Blick. Mehr brauchte sie nicht. Sie lief los, während die Barabel ihren Blaster bereits von Jorti auf sie herumzog.

Faith hob die linke Hand. Ihr Machtgriff erwischte den Waffenarm der Reptiloiden und zwang ihn nach außen, gerade rechtzeitig, bevor ein Bolzen an ihr vorbeifuhr. Mit schnellen, machtverstärkten Schritten überbrückte sie den restlichen Abstand und rammte auch der Echse ihre Schulter in die Brust. Der Zusammenstoß tat ihr abermals selbst weh, doch er brachte sie nahe genug heran, um das Handgelenk der Barabel festzuhalten. Derweil kam Zweibein hinter ihr angeschossen. Die Padawan durckte sich, ehe der Droide sich mit seinen Greifarmen gegen den Kopf ihrer Gegnerin warf. Nun ließ Faith sie los, verpasste ihr einen Machtstoß, der sie aus dem Gleichgewicht brachte und ging neben Jorti auf ein Knie. Ihre Schulter pochte, der Atem ging zu schnell und hinter ihr rappelten sich die Gangmitglieder bereits wieder auf.


„Das wird wehtun“, sagte sie dicht an seinem Gesicht und schob einen Arm unter sein Knie, während sie den anderen Arm um seinen Rücken legte. Sie hätte ihm gern zumindest einen Teil des Schmerzes genommen, aber dazu hätte sie sich konzentrieren müssen. Und für das, was nun kam, brauchte sie alles, was sie hatte.

Faith spannte die Beine an, ließ die gewaltigen Kräfte der Macht durch ihren Körper fließen und hob ihn hoch. Das Gewicht zog unmittelbar an ihren Armen. Sie korrigierte den Griff ein wenig, presste ihn näher an sich und wandte sich dem offenen Verkehrsschacht zu. In Windeseile machte sie einen Lastgleiter mit offener Ladefläche aus, der sich auf der ansteigenden Fahrbahn annäherte. Die Padawan lief die letzten Schritte bis zum Rand und drückte sich ab.

Diesen freien Nachmittag hatte sie sich völlig anders vorgestellt. Während sie über die wenigen Meter zwischen Rand und Fahrzeug sprang, unter denen es aber mehrere hundert Meter offen nach unten führte , ruderten ihre Beine durch die Luft. Ihr Mund verzog sich, und gerade als ihr Zweifel daran kommen wollten, ob sie diesen Sprung mit einem Zeltron auf den Armen tatsächlich schaffen konnte, landeten sie krachend zwischen niedrigen Behältern. Eine harte Kiste rammte ihr gegen die Hüfte und Jorti musste selbst seinen Kopf mit den Händen schützen, um nicht ebenfalls hart gegen etwas zu schlagen.

Hinter ihr schlug ein Blasterbolzen in die äußere Kante der Ladefläche. Während aus der Fahrerkabine wütende Rufe ertönten, tauchte Zweibein über der Bordwand auf und landete mit einem Schwall aus empörtem Binär neben ihr. Faith hielt eine Hand schützend an Jortis Schulter und schaute erst wieder über den Rand, als die Gang weit unter ihnen zurückblieb.


„Gut gemacht“, sagte sie schließlich und legte ihrem Droiden kurz eine Hand auf das Gehäuse.

Es kostete anschließend einige Erklärungen und eine nachfolgende Diskussion unter entschuldigenden Blicken, ehe der Fahrer dazu einwilligte, sie zum Jedi-Tempel zu bringen. Erst dann konnte sie ihre volle Aufmerksamkeit auf Jortis Knie lenken. Die Wunde sah schlimm aus. Faith hielt ihre Hand darüber und ließ vorsichtig heilende Energie in das Gewebe und die darunterliegenden Knochen wandern. Sie beschränkte sich auf das, was ihm die nächsten Minuten erleichtern konnte und musste von dem Versuch ablassen, sobald die Anstrengung sie übermannte. Der Einsatz der Macht hatte sie inzwischen völlig ausgelaugt. Müde sackte sie neben dem Zeltron zusammen und atmete schwer, wobei Schweißtropfen ihre Haarspitzen entlangwanderten und zwischen ihre Beine fielen. Sie zog den Holoprojektor aus ihrer Robe, ging sicher, dass er den Sprung überstanden hatte, und verstaute ihn wieder sicher.

Am Tempel benötigte Faith keinen langen Anlauf, um Hilfe zu erhalten. Sobald sie auf dem Plateau aufsetzten, kamen sofort Sicherheitskräfte und mehrere Jedi heran, die sich dort gerade zufällig aufhielten. Sie gab an, wer sie war, erklärte die Schussverletzung, bedankte sich bei dem Fahrer des Lastengleiters und blieb bei Jorti, bis er auf einer Repulsortrage lag. Erst dann merkte sie, wie sehr ihre Unterarme schmerzten. Während sie ihn zur Krankenstation begleitete, berichtete sie einer hinzugeilten Heilerin knapp, dass der Zeltron außerdem Drogen genommen hatte und sie bereits zuvor Auffälligkeiten in seinem Blut gespürt hatte. Was genau er hinter dem Müllcontainer konsumiert hatte, wusste sie nicht. Das würde Jorti ihr im Zweifel selbst erzählen müssen. Als sie schließlich Platz machen musste, damit man ihn untersuchen konnte, trat sie ein wenig widerwillig zurück und verschränkte die Arme vor der Brust, um dem Drang zu widerstehen, helfen zu wollen.


„Ich komme nachher wieder nach dir sehen“, sagte sie zu dem Zeltron, bevor sie den Behandlungsbereich verließ. „Lass dir bitte helfen.“

Draußen lehnte sie sich zunächst an eine Wand, strich sich die nassen Haare aus dem Gesicht und atmete tief durch. Ihre Schulter tat weh, an ihrer Hüfte würde vermutlich ein ordentlicher blauer Fleck entstehen und ihre Robe hatte auch schon bessere Tage gesehen. Es hätte aber auch schlimmer kommen können. Morgen würde sie dem Jedi-Orden einen ordentlichen Bericht über die Ereignisse abgeben müssen. Die Nachricht von Truuine, die unbekannte Frau und schließlich die Gang, die Faith offenbar gezielt gesucht hatte. Das war nichts mehr, was sie für sich behalten sollte. Der Orden musste davon wissen und die Angelegenheit in Hände legen, die damit mehr anfangen konnten, als eine meisterlose Padawan. Sie glaubte jedoch, in Anbetracht der Tatsache, dass viele der Jedi heute mit dem Gedenken an Ahna Rigby beschäftigt waren, dass morgen früh ein besserer Zeitpunkt dafür wäre. Arlen konnte allerdings nicht so lange warten. Bis vor wenigen Stunden hatte sie ihn nicht mit irgendwelchen Geschichten von Coruscant behelligen wollen. Aber jetzt hatte jemand einen Mann angeschossen und offensichtlich versucht, sie nach Truuine zu verschleppen. Das war eine erwähnenswerte Lage, fand sie.

In ihrem Quartier legte Faith den Holoprojektor auf den Tisch und kramte ihr Com heraus. Sie übertrug die Aufnahme, prüfte, ob sie der Nachricht beigefügt war und blieb dann einen Moment mit dem Daumen über der Schaltfläche zum Starten der Aufnahme sitzen. Noch immer war sie ziemlich verschwitzt. Wenigstens den Atem wollte sie beruhigen, um Arlen nicht unnötig zu verunsichern. Also schloss sie für einen Moment die Augen, nutzte die Jedi-Atemtechnik und fuhr ihren Körper herunter. Erst dann betätigte sie den Knopf.


„Arlen, mir geht es gut, ich bin im Jedi-Tempel“, begann sie, um direkt die Schärfe aus der Nachricht zu nehmen.

„Ein Zeltron namens Jorti Conoc, hat mir heute die beigefügte Holo-Aufnahme gebracht. Er behauptet, der Gefangene sei dein Vater und du könntest ihn auf Truuine abholen. Außerdem sollst du für irgendwelche Schäden aufkommen. Damit ist wohl der Gefangenentransport gemeint. Ich weiß nicht, was daran stimmt oder auch nicht. Geschickt wurde er nach seiner Aussage von einer blauen Frau mit Kiemen. Zweibein hat ihren Gleiter verfolgt, aber verloren.“

Faith unterbrach die Aufnahme kurz, hörte sich den Anfang noch einmal an und nahm dann den Rest auf.

„Ich bin Jorti gefolgt, weil er noch seine Bezahlung abholen wollte. Dabei sind wir an eine Swoop-Gang geraten, die meinen Namen kannte und mein Kopfgeld einsacken wollte. Einer von ihnen hat ausdrücklich Truuine genannt. Sie haben Jorti ins Knie geschossen. Ich habe ihn rausgeholt und bei den Jedi-Heilern abgegeben. Morgen werde ich über die Sache einen Bericht einreichen. Bitte sieh dir das Holo an und melde dich, sobald du kannst. Ich wollte dich nicht unnötig behelligen, aber das hier solltest du erfahren. Pass auf dich auf. Mach nichts Dummes! Ich liebe dich.“

Abermals prüfte sie, dass die Aufnahme beigefügt war und schickte die Nachricht dann ab. Anschließend blieb sie noch eine Weile sitzen, obwohl sie wusste, dass das Com dadurch nicht schneller eine Antwort erhalten würde.

Erst der Blick auf das Chrono brachte Faith dazu, aufzustehen. Die Gedenkfeier für Ahna Rigby stand kurz bevor. Also wusch sie sich und wechselte die beschädigte Robe in eine angemessene
Trauerrobe. Ihre Gedanken gingen dabei immer wieder zu dem gefesselten Aleen auf dem Holo und zu Arlen, der irgendwo weit entfernt seine eigene Mission zu erledigen hatte. Sie konnte ihm die Nachricht schicken und darauf achten, dass Jorti Hilfe annahm. Für den Moment war da nichts mehr, was sie tun konnte.

Auf dem Weg zur großen Halle wurden ihre Schritte langsamer. Sie hatte Zweibein in ihrem Quartier gelassen, er musste aufladen. Sie hatte Ahna nicht persönlich gekannt, aber wollte ihr zumindest Respekt erweisen. Bei dem Gedanken an die verstorbene Rätin mischte sich unweigerlich die Erinnerung an Chesara hinzu. Abermals an diesem Tag atmete Faith durch, ehe sie die Kapuze absetzte und in die Halle trat. Sie blieb zunächst am Rand des Eingangs stehen, um sich zu orientieren und anderen Jedi nicht den Weg zu versperren.

Die Große Halle war bereits ziemlich gut gefüllt. Zwischen den Sitzreihen standen noch kleinere Gruppen zusammen, während andere bereits ihre Plätze ausgesucht hatten und sich mit ihren Sitznachbarn unterhielten. Selbst auf den Galerien und Balkonen hatten sich Jedi versammelt. Faith ließ ihren Blick an den hohen Säulen hinaufwandern, ehe sie sich wieder den Anwesenden zuwandte. Nach dem Lärm im Verkehrsschacht empfand sie das gedämpfte Treiben an diesem Ort als angenehm. Sie musste sich trotzdem bewusst dazu bringen, sich vom Eingang zu lösen. Sie war hier im Tempel und wieder in Sicherheit. Sie brauchte nicht mehr nach einem Fluchtweg Ausschau halten.

Viele der Gesichter sagten ihr nichts. Faith kannte inzwischen natürlich mehr Jedi als früher, aber zwischen all den Leuten hier, wurde ihr bewusst, wie klein ihr Kreis an Bekanntschaften noch war. Weiter vorne erkannte sie Rat Janson. Sein Anblick rief ihr das Gespräch in Erinnerung, mit dem ihre Zeit bei der Armee begonnen hatte. Damals hatte sie gehofft, herauszufinden, wohin sie gehörte. Jetzt stand sie wieder hier, mit schmerzender Schulter, ohne Lichtschwert und mit einer ganzen Reihe von Dingen, die sie morgen dem Orden erklären musste. Immerhin war die Frage, ob sie überhaupt Jedi werden wollte, inzwischen mehr als beantwortet.

Die Padawan legte ihre Hände ineinander und setzte sich langsam in Bewegung, während ihr Blick weiter durch die Reihen wanderte. Sie erkannte Steven Crant beinahe sofort, als sie ihre Augen auf ihn legte. Er saß neben einer ihr unbekannten menschliche Frau (Elise), in deren unmittelbarer Nähe ein Gehstock lehnte und einem Chiss (Riuen). Für einen Moment musste Faith lächeln. Lianna, die Kantine, Arlen neben ihr und der Jedi-Ritter, neben dem sie damals kaum einen vernünftigen Satz rausbrachte. Sie erinnerte sich an den faden Reisbrei und ihre wenig gebildete Frage danach, was eigentlich ein Baron war. Vor allem aber erinnerte sie sich daran, wie freundlich er zu ihnen gewesen war und dass er selbst auch ein Padawan Chesaras gewesen war. Wie lange war das inzwischen her? Lange jedenfalls. Es tat irgendwie gut, zwischen all den Fremden jemanden aus ihren ersten Tagen im Orden zu erkennen. Sie nahm sich vor, ihn zu begrüßen, sobald sie näher an seine Reihe kam, und ließ ihren Blick zunächst weiter gleiten.

Bei Steven und seinen Sitznachbarn bemerkte Faith außerdem eine silberhaarige Echani, deren Gesicht sie aus den Holo-Nachrichten wiedererkannte. Das musste Brianna Kae sein, deren Name in der Berichterstattung über den Tod des Imperators immer wieder zusammen mit Eowyns gefallen war. Nach Faiths eigenem Aufeinandertreffen mit Darth Angelus fiel es ihr schwer, sich vorzustellen, was es bedeutet haben musste, einem Sith-Imperator gegenüberzustehen. Neben ihr befand sich ein großer Mann (Ganner) in dunklen Roben, den sie nicht kannte. Ihr Blick blieb kurz bei ihm hängen, ohne dass sie einen Namen oder eine Erinnerung mit seinem Gesicht verbinden konnte.

Weiter vorne saß Eowyn El’mireth selbst in einem Schwebestuhl. Faith erkannte ihr Gesicht aus der Übertragung ebenso sicher wie den dunkel gekleideten Mann an ihrer Seite: Ian Dice. Nun, da sie Eowyn tatsächlich vor sich sah, blieb ihre Aufmerksamkeit länger bei ihr hängen, als höflich gewesen wäre. Allerdings stand sie ja recht weit weg. Außerdem war sie nicht die Einzige, die immer wieder Blicke auf die beiden warf. Die Frau, deren Antworten sie im Holo-Feed so aufmerksam verfolgt hatte, war auf einmal nah genug, dass Faith einfach hätte hingehen können. Der Gedanke verursachte ein leichtes Ziehen in ihrer Magengegend. Sie hatte sich seit der Pressekonferenz bereits fest dazu entschlossen, Eowyn darum zu bitten, ihre Ausbildung zu übernehmen. Sie wollte von jemandem lernen, der schwierigen Fragen standhielt und Verantwortung für die eigenen Entscheidungen übernahm. Was sie selbst auf Kelada erlebt hatte, ließ sich einfach nicht mehr mit einer Meisterin vereinbaren, die auf alles eine Antwort wusste, die zu einfach war.

Heute war jedoch weder der richtige Ort, noch der richtige Zeitpunkt, um El‘mireth damit zu behelligen. Heute war Gedenken, Erinnerung und Trauer angesagt. Faith besaß genug Pietät, um den Anlass dieses Abends nicht zu verfremden. Also löste sie ihren Blick wieder und ging weiter an den Sitzreihen entlang. Als sie schließlich auf der Höhe von Steven angelangt war, wandte Faith sich ihm zu.


„Schön, dich wiederzusehen, Steven“, sagte sie leise, nachdem sie die anderen Gespräche abgewartet hatte. „Lange nicht gesehen.“

Sie neigte auch den anderen Anwesenden grüßend den Kopf, ohne sich aufzudrängen. Zu gern hätte sie gefragt, wo er in der Zwischenzeit gewesen war und ob wenigstens er, im Gegensatz zu allen anderen, etwas über Chesara gehört hatte. Doch auch das waren Fragen für später. Faith suchte sich einen freien Platz in der Reihe hinter ihm. Beim Hinsetzten meldete sich ihre Hüfte mit einem dumpfen Ziehen. Sie verzog kurz den Mund, zog den Saum irher Robe ordentlich über das Knie und legte die Hände darauf, bis der Schmerz verzogen war.

Von hier aus konnte sie den vorderen Teil der Halle gut sehen. Sie beobachtete erneut die Ratsmitglieder weiter vorne. Zwischen ihnen fehlte Chesara. Mit diesem Gedanken wurde ihr bewusst, wie sehr sie darauf hoffte, eines Tages wieder ihre Stimme zu hören, oder wenigstens ihr Gesicht zu sehen. Sie senkte den Blick auf ihre ineinandergelegten Hände, als die Trauerfeier begann und der Rat, den sie unter dem Namen Rornan kannte, den Anfang machte. Ihm folgten Rätin Joseline und Rat Janson. Sie alle würdigten das Leben und Schaffen von Ahna Rigby und klangen ernsthaft betroffen, als sie über sie sprachen. Eine Betroffenheit, die sich unmittelbar auch auf Faith legte, obwohl sie die Pauanerin nie persönlich gekannt hatte.


[ Coruscant I Tempel-Distrikt I Jedi-Tempel | Große Halle ]
Faith; vor ihr in der Reihe Steven, Elise und Riuen, Brianna, Ganner; weiter vorne Eowyn und Wes; und außerdem noch ganz viele andere Jedi
 
~ Coruscant ~ Jedi-Tempel ~ Große Halle ~ Steven Crant, Elise, Riuen, Faith und zahlreiche weitere Jedi ~


Steven hatte gerade seinen Blick wieder auf die vorderen Reihen gerichtet, als er zwischen dem leisen Stimmengewirr und den gedämpften Schritten der ankommenden Jedi plötzlich seinen eigenen Namen vernahm. Eine weibliche Stimme, in den Tiefen seiner Erinnerung angenehm vertraut und doch so lange nicht gehört, sodass der Baron einen kurzen Moment benötigte, um sie zuzuordnen. Überrascht wandte er den Kopf und blickte zu der jungen Menschenfrau, die neben seiner Sitzreihe stehen geblieben war. Faith Navalon. Bei der Macht!

Steven hob die Augenbrauen, während sich auf seinem Gesicht beinahe augenblicklich ein erfreutes Lächeln ausbreitete. Es war tatsächlich
Faith. Die junge Padawan, die er vor vielen Jahren auf Lianna in der Kantine der Jedi-Basis kennengelernt hatte. Damals hatte sie mit ihrem ebenfalls noch unerfahrenen rothäutigen Mitpadawan (Arlen) an seinem Tisch gesessen und ihn mit einer ausgesprochen unschuldigen Frage überrascht: Was war eigentlich ein Baron? Steven erinnerte sich noch erstaunlich gut an diese Begegnung: An den gewöhnungsbedürftigen Charbotewurzel-Eintopf, den wesentlich besseren Nachtisch und die verlegene junge Frau, die ihre Fragen teilweise mit vollem Mund gestellt hatte. Vor allem aber daran, dass beide gerade erst ihre Ausbildung bei Chesara begonnen hatten. Seiner eigenen ehemaligen Meisterin.

Wie lange mochte das inzwischen her sein? Wenn Steven
Faith nun betrachtete, wurde ihm erst bewusst, wie viel Zeit tatsächlich vergangen war. Aus dem dunkelblonden, niedlichen, etwas unsicheren Mädchen war eine erwachsene, durchaus attraktive junge Frau geworden, deren Gesicht ihm zwar noch vertraut vorkam, aber deutlich reifere Züge angenommen hatte. Sie wirkte ruhiger, erfahrener und ihr hellbraunes, im warmen Licht Coruscants beinahe kastanienfarben schimmerndes Haar war zu einem sorgfältig gebundenen Knoten zusammengesteckt, von welchem ein langes schwarzes Band in ihren Rücken fiel.

„Faith!?“ erwiderte Steven leise, aber mit deutlich hörbarer Freude in seiner Stimme. „Wie schön dich wiederzusehen!“

Ein kurzes, charmantes Schmunzeln folgte, ehe der Baron ihr respektvoll zunickte. Aus dem Augenwinkel bemerkte er, dass sie sich in der Reihe unmittelbar hinter ihm niederließ und dabei für einen flüchtigen Moment das Gesicht verzog. Ob sie sich verletzt hatte? Vielleicht waren die vergangenen Jahre auch für sie nicht gerade einfach verlaufen. Schmerz war der größte Lehrmeister für Erfahrung.

„Wir sollten uns nach der Feier unbedingt unterhalten, wenn du etwas Zeit hast.“ fügte er mit gedämpfter Stimme hinzu. „Es gibt sicherlich einiges zu erzählen.“

Und einiges zu fragen, Chesara beispielsweise. Der Gedanke an ihre gemeinsame ehemalige Meisterin ließ Stevens Lächeln für einen kurzen Moment schwächer werden. Faith hatte damals so voller Neugier und Begeisterung von ihrer Ausbildung gesprochen, ein Gefühl das Steven damals und heute sehr gut nachempfinden konnte. Chesara war nicht nur eine weise Jedi, sondern eine ausgesprochen geduldige Lehrmeisterin. Vielleicht hatte Faith etwas von ihr gehört? Oder war auch sie inzwischen auf der Suche nach jener Frau, die so vielen Jedi ihren Weg gezeigt hatte?

Aber das waren Fragen für später und Steven wandte sich wieder nach vorne. Der Anstand gebietet es, denn die Situation war für ein freudiges Schwelgen in Erinnerungen sicher nicht angebracht. Für einen Moment glaubte Steven die Blicke von irgendeiner strengen Oberlehrer-Jedi zu spüren, die jedes bisherige Wort von ihm und Faith mit größter Missgunst strafte. Kurz darauf begann die Zeremonie.

Steven richtete sich etwas gerader auf und legte die Hände locker ineinander. Vorne erhob
Rornan das Wort, dem zunächst Rätin Joseline und anschließend Wes Janson folgten. Ihre Stimmen trugen weit durch den ehrwürdigen Saal, während sie das lange Leben und die Verdienste der verstorbenen Rätin Ahna Rigby würdigten. Steven hörte aufmerksam zu, auch wenn er die Pau'anerin nie persönlich kennengelernt hatte, waren ihm ihre diplomatischen Leistungen wohl bekannt. Sein Blick glitt für einen flüchtigen Moment zu den vielen versammelten Jedi und anschließend zu Faith hinter ihm. Die gemeinsame Erinnerung an die kleine Kantine auf Lianna, an Arlen und vor allem an Chesara hatte ihn unverhofft eingeholt.

Damals war Faith noch eine neugierige Anfängerin gewesen und Steven hatte sich bereits für einen ausgesprochen erfahrenen Jedi-Ritter gehalten. Nun ja, wenigstens einer von ihnen hatte sich seitdem sicherlich weiterentwickelt.



~ Coruscant ~ Jedi-Tempel ~ Große Halle ~ Steven Crant neben Elise und Riuen, Faith hinter ihm sowie zahlreiche weitere Jedi ~
 
Coruscant - Jedi-Tempel - Große Halle; mit Ian, weiter weg auch Brianna, Ganner, Wes, diverse NPCs und andere Jedi

Ians Kontakt zu Riuen war also schon einige Tage her. Natürlich verstand Eowyn, dass der Chiss mit Elise andere Dinge im Kopf hatte als ihren Verlobten, aber... er war dennoch sein Freund. Elise war wach. Waren da nicht einmal ein paar Minuten, um nach ihm zu sehen? Riuen war sein Freund, vielleicht der einzige, den er hier hatte. War ihm nicht klar, was das alles bedeutete? Im Weltraum, zwischen Bastion und Kast, hatte er noch getönt, dass es ein Unding war, jemanden so traumatisiertes wie Ian auf die nächste Mission zu schicken. Ihm musste also klar sein, wie es Ian ging, erst recht nach seinen zwei Herzinfarkten. Warum war er nicht auch hier? Warum unterstützte er ihn nicht? Sie hatte mittlerweile eine bessere Sicht auf den Padawan, auf jeden Fall, aber das... enttäuschte sie doch. Natürlich ging es Elise schlecht, und natürlich war auch er in Sorge... aber war es nicht auch eine Möglichkeit, dass die beiden sich gegenseitig ihre Sorgen klagten? So aber kämpfte jeder für sich...

Sie schwieg einen Moment.
Das ist... bedauerlich, antwortete sie schließlich. Was sollte sie sonst sagen? Ian brauchte dringend andere Personen, mit denen er in Kontakt treten konnte, aber es war zu viel, es war einfach alles zu viel, dass sie sich noch darum kümmerte, obwohl es so wichtig war. So verdammt wichtig. Aber wer sollte da noch sein? Ihr fiel einfach niemand ein... Elise selbst riss sie aus ihren Gedanken, als sie plötzlich vor ihr stand. Elise! Eowyn lächelte der blassen Frau zu und erwiderte die überraschende Umarmung leicht. Ich war mir nicht sicher, ob du es schaffen würdest... Sie hatte also die Pressekonferenz gesehen. Eowyns Gesicht blieb undurchdringlich, als Elise ihr Kompliment aussprach. Großartig... Nun ja. Wäre sie großartig gewesen, dann sähe die Lage der Republik und der Jedi mittlerweile anders aus, aber immerhin hatte sie alles nicht noch verschlimmert.
Selbst Riuen umarmte sie, was Eowyn noch mehr überraschte als die Geste von Elise, und sie brauchte einen Moment, um die Umarmung vorsichtig und kurz zu erwidern. Hatte sie Riuen überhaupt schon jemals umarmt oder so nahegestanden, abgesehen von Situationen wie auf Bastion, wo es nicht anders gegangen war? Aber das waren absolut unnötige Gedanken... Riuen jedenfalls hatte sich die Konferenz also nicht gegeben, was Eowyn ein leichtes Heben ihrer Brauen entlockte. Interessante Entscheidung, immerhin war es auf dieser Konferenz auch um sein Schicksal und seine Taten gegangen, aber vielleicht hatte er sich wirklich komplett in Elises Rettung vergraben? Das gefiel ihr nicht – nicht, weil die Ritterin diese Rettung nicht nötig haben würde, sondern weil die Gefahr bestand, dass er sich verrannte, Fehler machte, Probleme heraufschwor.
Vielleicht aber irrte sie und es gab andere Gründe. Nein,
ganz sicher irrte sie und es gab andere Gründe. Sie hatte früher viel zu viel angenommen, interpretiert, geraten. Das würde sie nicht mehr tun, und es ging sie nichts an. Nicht wirklich. Auch, wenn Elise ihre Freundin war, Riuen Ians bester Freund und sie selbst nun den Rang einer Rätin bekleidete...

Die beiden waren schnell wieder weg, suchten sich vermutlich Plätze weiter hinten, und Eowyn vermied wieder jeglichen Blickkontakt außerhalb ihrer kleinen Blase. Es dauerte nicht lang und Rornan trat vor die Versammlung. Die letzten Gespräche erstarben, die allermeisten suchten sich Plätze. Eowyn konzentrierte sich ganz auf die Worte des Quermianers, die voller Lob waren und doch so wenig sagten. Joseline fuhr fort, erzählte Dinge, die auch Eowyn neu waren, und anschließend folgte Wes. Er ging auf Ahnas Leben ein, ganz im Allgemeinen, und seine Worte stachen Eowyn. Der ultimative Preis für das größere Wohl... und für
ihr Leben und das Briannas. Was Ahna noch alles hätte leisten können! Und auf was der Orden nun alles verzichten musste... diese geniale Strategin, hervorragende Lichtschwertkämpferin, aufopferungsvolle Jedi und einfach nur perfekte Schatten war ein Verlust, ganz vom persönlichen abgesehen, welcher der Orden eigentlich gar nicht verarbeiten konnte, und beinahe niemand wusste es...

Murrrar folgte dann mit seinen Worten über Ahnas konkrete diplomatische Karriere, erwähnte über Z5 ihre größten Erfolge, aber auch die kleineren, und ließ durchklingen, dass auch die kleinen Einsätze genauso wichtig gewesen war. Niemand wusste, welche Auswirkungen welcher Konflikt jemals haben konnte. Beinahe niemand... denn Ahnas legendäre Bruchpunktgabe, von der ebenfalls kaum jemand gewusst hatte, hatte ihr so häufig einen Wink gegeben, wo entweder
ihr Einsatz oder der anderer Schatten besonders hilfreich sein konnte. Wie sollte sie selbst, sollte sie das Amt übernehmen, nur in diese Fußstapfen treten? Wie sollte es überhaupt jemand tun?!

Man hatte ihr gesagt, dass jedes anwesende Ratsmitglied etwas sagen würde, was dazu führte, dass Eowyn eine Entscheidung hatte treffen müssen. Entweder sich erneut einem Publikum stellen, sich der Erinnerung an Ahna stellen, von der Pau'anerin reden, als wäre sie nicht in den Sekunden ihres Todes bei ihr gewesen, oder aber negativ auffallen, da sie die einzige Rätin sein würde, die nichts sagen würde, was aktuell eine fatale Entscheidung sein konnte. Sie hatte also nicht wirklich eine Wahl, erneut, auch wenn sie vieles gegeben hätte, um jetzt nicht gleich dieses Podium befahren zu müssen.

Murrrar war fertig und verließ den Platz hinter dem Podium. Das war ihr Einsatzzeichen... Wie ferngesteuert löste Eowyn ihre Bremse und fuhr nach vorne, stellte sich neben das Podium, da sie keinerlei Ambitionen hatte, das Ding nun irgendwie auf die richtige Höhe einzustellen. Sie starrte vor sich auf den Boden. Ganz grob hatte sie überlegt, was sie sagen wollte oder würde, aber das war nun irgendwie alles fort, und ohnehin... nichts, was sie hier sagen würde, konnte Ahna gerecht werden.
Sie musste allerdings irgendetwas sagen, also holte sie Luft, sah nach oben, blickte über die Masse hinweg. So viele Jedi. So viele... und nur ein Bruchteil von ihnen, ihre Schattenkollegen, wussten, um wen genau sie trauerten.
Zu ihnen wollte...
musste sie sprechen. Irgendwie.

Ahna Rigby war eine wahre Kämpferin, begann Eowyn schließlich, verstärkte ihre noch immer kratzige Stimme mit Hilfe der Macht, ließ sie durch die Große Halle wabern. Sie kämpfte mit ihren Worten, mit ihrer Seele, mit ihrem Herzen. Sie traf all ihre Entscheidungen wohlbedacht, ließ dabei ihre persönlichen Empfindungen immer außen vor. Das mag manchen hart erscheinen, doch für sie war es der einzige gangbare Weg, um all die schwierigen Dinge zu entscheiden, die täglich auf sie warteten, und dies tat sie mit einer Brillanz die ihresgleichen sucht. Als Rätin hatte sie es nicht leicht, denn was auch immer sie tat, hatte jeden Tag Konsequenzen für die gesamte Galaxis. So viel mehr, als die allermeisten hier ahnten... Dabei war sie dennoch immer in der Lage, die Jedi, denen sie Aufgaben übertrug, persönlich zu kennen und ihre Einsätze gewissenhaft zu verfolgen, ja, diese Jedi manchmal sogar noch zu fördern. Ich weiß nicht, wann Ahna sich jemals ausruhte oder etwas für sich selbst tat, denn sie war einfach immer da, gab niemals auf, kämpfte bis zum Schluss und traf die Entscheidungen, die in dieser Galaxis manchmal getroffen werden müssen.
Ich habe Ahna bei weitem nicht so gut gekannt, wie sie es verdient gehabt hätte. Wie Wes bereits sagte, sie lebte für die Jedi und ließ nur äußerst selten, vielleicht sogar nie, jemanden hinter ihre Fassade blicken. Nur ein einziges Mal ist es mir, bei meinem letzten Gespräch mit ihr, vielleicht ein kleines bisschen gelungen, und ich hoffe, sie verzeiht mir, wo auch immer sie ist, dass ich davon nun so offen spreche, denn ich denke, sie hat es verdient, dass ihr alle auch diese Seite von ihr kennt.
Eowyn schloss kurz die Augen, sah den Thronsaal vor sich. Die Trümmer, der zerbrochene Thron, und Ahna, wie sie dastand und absorbierte, immer mehr diese Energie absorbierte, die sie sonst alle töten würde... Sie sagte mir, dass sie stolz war. Eowyn öffnete die Augen wieder, gab sich Mühe, dass ihre Stimme nicht brach, versuchte, die Schatten unter den Jedi auszumachen. Jeg. Marrev. Brianna. Alexander. Und all jene, von denen sie wusste, und das waren gewiss dennoch nicht alle. Sie versuchte, sie auszumachen, sie kurz anzublicken, ihnen klarzumachen, wem diese Worte galten, auch wenn sie alle nicht die Umstände kannten, unter denen sie gefallen waren. Vielleicht ahnten sie es, wenigstens ein paar von ihnen, aber das spielte keine Rolle. Niemandem würde auffallen, wenn sie ihren Blick so schweifen ließ, aber die um die es ging... sie würden es wissen.
Sie sagte mir, dass sie stolz war, und alleine das ist schon eine Erwähnung wert. Sie sagte aber auch, sollte sie jemals gehen müssen, dass sie uns vermissen würde. Das hier... es war von der Situation her ein wenig gelogen, aber es war eine Notlüge. Wie sonst sollte sie von Ahnas letzten Worten berichten ohne zuzugeben, dass es genau jene gewesen waren? Uns alle. Für Ahna waren das recht emotionale Worte, eine solche Emotionalität gestand sie sich ansonsten bedauerlicherweise nicht zu, vielleicht hat sie etwas geahnt.

Ich weiß, bin mir absolut sicher, dass sie ohne zu zögern ihr Leben gegeben hätte, für mich, für euch, für alle da draußen; so, wie sie es letztendlich auch getan hat; ohne, dass jemand von den genauen Umständen erfahren konnte oder wohl jemals wird. Ich konnte Ahna kaum näher kennenlernen, seit ich zur Rätin berufen wurde, und ich bedauere das zutiefst, denn ich weiß, wie außergewöhnlich sie gewesen ist und wie viel ich von ihr hätte lernen können. Es wird schlicht unmöglich, sie im Rat zu ersetzen. Aber ich verspreche, dass ich alles daran setzen werde, ihr Vermächtnis zu bewahren.
Diesmal wanderte ihr Blick zum Rat und ganz besonders zu Rornan. Sie hatte nicht vorgehabt, eine solche Ansage zu machen, ausgerechnet heute, ausgerechnet hier, ganz im Gegenteil, hatte sie Wes doch noch gesagt, dass sie nicht kämpfen würde um Ahnas Nachfolge. Aber während sie sprach... alles andere wäre ihr falsch vorgekommen. Brianna hatte recht. Sollte ausgerechnet Alexander Ahnas Erbe fortführen?! Sie selbst mochte ungeeignet sein... Alexander aber war es noch weniger. Vielleicht würde der Rat es als Affront sehen. Doch sie hatte Wes gesagt, wen sie sich da in den Rat holten, sie würden damit klarkommen müssen.

Sie blickte dann nach links, zu dem maßstabsgetreuen Hologram der Pau'anerin, und nickte ihr sanft zu.
Ich hoffe, du hast jetzt etwas Zeit für dich, sagte Eowyn, ohne, dass ihre Stimme noch verstärkt wurde. Danke für einfach alles, Ahna. Ruhe in Frieden.

Eowyn verließ das Podium.

Coruscant - Jedi-Tempel - Große Halle; mit Ian, weiter weg auch Brianna, Ganner, Wes, Elise, Riuen, Steven, Faith, diverse NPCs und andere Jedi
 
Coruscant - Jedi-Tempel - Große Halle; mit Eowyn, Ian, weiter weg auch Brianna, Ganner, Wes, Elise, Riuen, Steven, Faith, diverse NPCs und andere Jedi

Wie sehr hatte sie Null vermisst! Schon als sie ihre Heimat immer näher kommen sah, hatte Tenia geweint, so sehr berührte sie das satte Grün der Wälder. Als sie Null das erste Mal verlassen hatte, war sie überglücklich gewesen, es endlich hinter sich zu lassen und mit ihm all das, was sie unbedingt dort lassen wollen. Jetzt hingegen war genau das Gegenteil der Fall. Das Schiff hatte nicht schnell genug landen können und Tenia sog alles, was sie sah, was sie fühlte, in sich auf. Schon auf dem Schiff hatte sie sich umgezogen, die Robe gegen eines ihrer Kleider getauscht, die Schuhe natürlich auf dem Schiff gelassen. Sie wollte den Boden spüren, das Moos, die Pflanzen, die Natur, das ganze Leben. Und sie rannte. Sie rannte, wie sie zuletzt als kleines Kind gerannt war, durch die verschlungenen Pfade, die sie blind hätte gehen können und die sich kaum verändert hatten. Die Luft war so anders, so befreiend und für einen langen, beinahe ewig währenden Augenblick konnte Tenia vergessen. Was war, was sein konnte. Da war einfach Null. Null in seiner vollen Schönheit. Das satte grün, das dazu einlud darin zu verweilen, es genau zu betrachten, die unterschiedlichsten Nuancen zu erkennen. Moosgrün, Blattgrün, dunkelgrün. Helles Grün. Es gab so, so viele unterschiedliche Grüntöne! Ein bisschen kam es ihr vor wie im Märchen und natürlich, ja, jaaaa, natürlich sie romantisierte all das, aber genau das war es, was Tenia gerade brauchte. Ein bisschen Abstand vor dem, was sie war – und diesmal nicht, weil sie bedauerte, wer das war. Sondern weil eine Jedi hier gerade nicht gebraucht wurde. Niemand benötigte Hilfe, der schwelende Konflikt, der längst zu einem Krieg geworden war – es schien hier und jetzt für einen Moment einfach ganz, ganz weit weg. Ewig weit weg.
Sie fiel ihren Eltern in die Arme, sie weinten gemeinsam, freuten sich gemeinsam und erst im Kontakt mit ihnen, holte die Realität sie natürlich wieder ein.

Warum sie sich so viel Zeit mit einem Besuch gelassen hatte. Wie es ihr als Jedi ging, ob sie noch immer eine Jedi sein wollte. Ob sie nun endlich (!) jemanden kennengelernt hatte, vielleicht sogar einen stattlichen Nullianer und ob sie nicht doch Jägerin werden wollte, ob sie nun doch endlich entschied, alles zu essen, nicht nur Pflanzen. Dass sie auch wieder Fremden Null zeigen könnte, bis ihre Mutter dem ganzen endlich Einhalt gebot. Dann sprachen sie über den Krieg und Tenia sah sich einem neuen Sturmfeuer aus Fragen ausgesetzt. Ob Eowyn El’mierth wirklich den Imperator ermordet hatte. Ob sie Eowyn persönlich kannte. Und diesen Ian (ich hoffe doch nicht!). Ob sie sich auch in einen Sith verliebt hatte. Ob das, was über das Virus gesagt worden war stimmte, denn auf Null sei niemand erkrankt. Wie es sein konnte, dass man nicht auf ein Urteil gewartet hatte und überhaupt, was sie von der ganzen Sache hielt, wie sie sich positionierte und weshalb.
Als das Gespräch endlich zu Ende gewesen war, hatte Tenia sich so erschöpft gefühlt, wie nach der ganzen Mission auf Ketaris und sie war heilfroh gewesen, endlich wieder nach draußen in die Natur zu können. Aber ihre kleine heile Welt, die sie bis eben noch so romantisiert hatte, bekam jetzt die ersten Risse. Da ein totes Tier auf dem Boden, dort zurückgelassener Müll. Und natürlich kehrte alles zurück, weil es nie fort gewesen war. Die Galaxis befand sich im Krieg und es war nur eine Frage der Zeit, bis sich Planeten anschlossen und für oder gegen die Republik kämpften. Ein Thema, das ihre Eltern vehement abgestritten hatten. Null sei schon immer neutral gewesen und Null sei kein interessanter Planet für irgendwen, außer für Nullianer und solche, die Natur so sehr schätzen wie sie. Es musste neutrale Planeten geben, weil das der Lauf der Natur sei. Natur passte sich an, setzte sich durch. Natur sei ‚slektionsneutral‘ und so sei eben auch Null. Hier würde kein Krieg stattfinden und auch kein Krieg beeinflusst werden. Irgendwann hatte sie aufgegeben.

Der war der Abend hereingebrochen und Tenia hatte ihre Nachrichten auf dem Comm gelesen, einen Hilferuf von Riuen und Elise beantwortet. Elise! Wie lange hatte Tenia die damalige Padawan nicht gesehen, die nun in Lebensgefahr steckte, nachdem die sie sich auf Thearterra einen Virus eingefangen hatte. Natürlich würde sie helfen – immerhin war sie damals auch dort gewesen. Sie sicherte beiden in einer Nachricht ihre Hilfe zu und musste nicht lange überlegen, wen sie noch darum bitten konnte, ebenfalls zu helfen. Steven. Steven, den sie schon einmal um Hilfe gebeten hatte auf Ketaris. Der ihr tatsächlich aus der Patsche geholfen hatte und der, nachdem sie sich offenbart, ihm von Jafan erzählt hatte, kein einziges Lebenszeichen mehr von sich gegeben hatte. Wieder hallte der Satz in ihrem Kopf nach: ‚Vielleicht bin ich schon damals seit Mon Calamari in dich verliebt, Tenia‘.
Schon wieder spürte Tenia Tränen, diesmal lag es nicht an Null, sondern an etwas anderem, für das sie etwas mehr Zeit brauchte, um es beim Namen zu nennen. Enttäuschung. Hatte Jafan nicht auch gesagt, dass er verliebt in sie war? Und hatte er sich nicht noch in der Nacht, als sie einander so nahegekommen waren, wie man sich nur nahekommen konnte, einfach ohne ein Wort weggeschlichen?
Sie würde ihn dennoch um Hilfe bitte. Einfach weil … Sie ihn vermisste. Und weil es vielleicht eine Erklärung gab, dafür, dass er nicht mehr geschrieben hatte, denn lavierten sie nicht beide die ganze Zeit um etwas sehr Offensichtliches herum? Aus Angst davor, dass das, was sie hatten kaputtgehen konnte. Tat das vor allem nicht sie?
Sie wollte ihm schreiben, das Comm in der Hand. Dann ein Rascheln, danach eine Unachtsamkeit und ihr Commgerät stürzte die Klippe hinab, die sie vorhin mit Mühe hinauf geklettert war und unten angekommen gab es nicht mehr viel, mit dem sie hätte antworten können.
‚Höhere Mächte‘, hätten ihre Eltern gesagt. ‚Ein Zeichen‘ und so sehr Tenia nicht an so etwas glauben wollte, so wenig konnte sie sich dagegen wehren, dass doch etwas davon sie berührte.
Sie sammelte die Einzelteile ein, wünschte sich Brassos Fähigkeiten und begab sich zurück zu ihrem Elternhaus um früh, am nächsten Morgen – viel zu früh und warum, konnte all das nicht bitte warten – wieder nach Coruscant zu fliegen.

*****

Coruscant hatte Tenia nicht vermisst und nach Null noch weniger. Es war das absolute Gegenteil von Null und trotzdem fühlte sie sich im Orden zu Hause. Kaum dort angekommen, überschlugen sich schon wieder die Ereignisse. Rätin Ahna Rigby war ums Leben gekommen und es hatte eine Einladung via Comm gegeben, die Tenia natürlich nicht mehr gelesen hatte.
Dennoch war sie rechtzeitig genug zurückgekehrt, um der Trauerfeier beiwohnen zu können. Als Tenia sich, ein schwarzes, langes Kleid tragend, in die große Halle begab, war diese schon sehr gut gefüllt und die Nullianerin froh, einen Platz weit hinten zu ergattern. Sie setzte sich und dann begann es auch schon, Trauerreden wurden gehalten. Es war das erste Mal, das Tenia einer solchen Rede beiwohnte, zumindest außerhalb von Null. Das, was gesagt wurde und alles unterschied sich sehr von Null und doch berührten gerade die Worte Eowyns die Nullianerin sehr.


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// CORUSCANT – UNTERE EBENEN – VESPAR-PASSAGE – VANTA
Nerro Dragijic Vorna, Tarek Sorn, NPCs

Als der Privatgleiter schließlich auf der Landeplattform des Vanta aufsetzte, hatte Nerro bereits zum dritten Mal denselben Titel abspielen lassen. EMPEROR 1313 verstand eben etwas von seinem Handwerk. Mit einem letzten, zufriedenen Kopfnicken ließ der Hutt die Musik verstummen und wartete darauf, dass sein Chauffeurdroide die seitliche Einstiegsluke öffnete. Draußen war die Vespar-Passage längst zu ihrem geschäftigen Alltag übergegangen. Händler boten ihre Waren an, zwielichtige Gestalten bevölkerten die Straßen und zahllose Reklametafeln rangen um die Aufmerksamkeit potenzieller Kunden. Ohne natürliches Sonnenlicht und bei einem Nachtleben, das niemals vollständig zum Erliegen kam, hatte der Begriff Morgen hier unten ohnehin eine etwas andere Bedeutung.

Gemächlich schlängelte sich Nerro aus dem geräumigen Gleiter. Zwei Sicherheitskräfte, die sich gerade mit einem Lieferanten unterhalten hatten, richteten sich bei seinem Anblick augenblicklich auf und grüßten respektvoll. Der Hutt erwiderte die Geste mit einem großzügigen Nicken. Ausgesprochen anständige Kerle. Zumindest solange sie wussten, wer ihre Rechnungen bezahlte.

Nur wenige Augenblicke später stieß auch sein persönlicher Leibwächter Killa Vasko dazu. Der breitschultrige Mensch überragte die meisten Passanten um einen guten Kopf und machte mit seinen muskulösen Armen und der offen getragenen Blasterpistole auch keinerlei Anstalten, besonders unauffällig zu wirken. Nerro schätzte diese Eigenschaft außerordentlich. Ein Leibwächter, dessen Anwesenheit niemand bemerkte, erfüllte schließlich nur die Hälfte seiner Aufgaben. Der Mensch gehörte zwar nicht zum engeren Kreis der Familie, begleitete den Hutten jedoch seit geraumer Zeit bei dessen Ausflügen durch die Vespar-Passage. Er kannte die Gegend, wusste mit unangenehmen Zeitgenossen umzugehen und besaß vor allem die angenehme Eigenschaft, keine überflüssigen Fragen zu stellen.

Gemeinsam näherten sie sich dem Eingang des Vanta. Zwei Sicherheitskräfte, die sich gerade mit einem Lieferanten unterhalten hatten, richteten sich bei Nerros Anblick augenblicklich auf und grüßten respektvoll. Der Hutt erwiderte die Geste mit einem großzügigen Nicken, während Vasko einen prüfenden Blick über die Umgebung schweifen ließ. Ausgesprochen anständige Kerle. Zumindest solange sie wussten, wer ihre Rechnungen bezahlte.

Das Vanta gehörte gewiss nicht zu den exklusivsten Adressen Coruscants, hob sich aber doch deutlich von den schäbigen Vergnügungslokalen der umliegenden Straßenzüge ab. Dunkle Einrichtung, violette Beleuchtung, eine ordentlich ausgestattete Bar und ein Publikum, das gewöhnlich über genügend Credits verfügte, um diese auch auszugeben. Nerro war ausgesprochen stolz auf den Laden. Dass er streng genommen nur fünfunddreißig Prozent davon besaß, spielte in seiner persönlichen Betrachtung eine eher untergeordnete Rolle. Die übrigen Anteile gehörten schließlich Tarek. Und Tarek gehörte gewissermaßen zur Familie und damit ihm.

Im Inneren herrschte noch vergleichsweise wenig Betrieb. Einige Angestellte bereiteten die Räumlichkeiten für den Abend vor, während ein Reinigungsdroide unermüdlich den Boden bearbeitet und ein paar einzelne Tänzerinnen ein kleines Publikum unterhielten, begleitet von der hier charakteristischen musikalischen Untermalung. Nerro ließ seinen Blick zufrieden über die Räumlichkeiten wandern, bevor er sich zum Turbolift begab, der in die oberen Geschäftsräume führte.

Dort wartete bereits sein Unterboss.

Tarek Sorn war ein achtundvierzigjähriger Mensch, der mit seinem dunklen Anzug, den sorgfältig zurückgekämmten Haaren und seinem stets kontrollierten Auftreten eher an einen erfolgreichen Geschäftsmann als an einen Kriminellen erinnerte. Tatsächlich hatte er den Großteil seines Erwachsenenlebens in der Coruscanter Unterwelt verbracht. Er kannte ihre ungeschriebenen Gesetze, ihre Geschäftsleute und vor allem jene zahlreichen kleinen Gefälligkeiten, von denen die kriminelle Wirtschaft der Metropole zusammengehalten wurde. Tarek verstand es, Probleme zu lösen, bevor sie zu ernsthaften Schwierigkeiten heranwuchsen. Seine ruhige, beinahe nüchterne Art bildete dabei einen bemerkenswerten Gegensatz zum temperamentvollen Wesen seines Vorgesetzten.

Als Nerro das Büro betrat, erhob sich der Mensch von seinem Schreibtisch und begrüßte ihn mit einem respektvollen Lächeln.

"Ah, Tarek! Mein lieber Freund!"


Der Hutt breitete die kurzen Arme aus, als hätte er seinen Unterboss seit Monaten nicht mehr gesehen. Tatsächlich lag ihre letzte Begegnung kaum einen Tag zurück.

"Guten Morgen, Boss. Ich hoffe, du hattest eine angenehme Fahrt."

"Ausgezeichnet sogar! Ein wunderschöner Morgen, mein Freund."


Tarek erwiderte die Begeisterung mit einem zurückhaltenden Lächeln und wartete, bis Nerro auf seiner eigens angefertigten Sitzfläche Platz genommen hatte. Eine Angestellte erschien beinahe augenblicklich mit einem Getränk, das der Hutt mit sichtlicher Zufriedenheit entgegennahm. Anschließend ließ er sich die neuesten Geschäftszahlen vortragen.

Die Einnahmen des Clubs entwickelten sich erfreulich, die Spieltische liefen ordentlich und auch die anderen Unternehmungen hatten überwiegend zufriedenstellende Ergebnisse geliefert. Nerro kommentierte die Zahlen gelegentlich mit einem wohlwollenden Schmatzen. Solche Nachrichten hörte er ausgesprochen gerne. Gewinne ohne nennenswerte Anstrengung waren ohnehin die angenehmste Art von Gewinnen.

Erst als Tarek erwähnte, dass Varek Noll um eine persönliche Unterredung gebeten hatte, veränderte sich Nerros Miene jedoch leicht.

"Nein"


Tarek hielt kurz inne.

"Es scheint ihm wichtig zu sein. Er hat ausdrücklich nach dir gefragt"

"Und mir ist wichtig, dass wir uns an unsere Abmachungen halten, Tarek"


Seine Stimme hatte nichts von ihrer gewohnten Geschmeidigkeit verloren, doch sein Blick war ernst geworden.

"Ich möchte nicht mit den Captains über das Business sprechen. Nicht hier, nicht in meinem Apartment und nur im Notfall an wechselnden Orten. Dafür gibt es dich."


Tarek nickte verständnisvoll, gab allerdings zu bedenken, dass die technischen Sicherheitsmaßnahmen des Vanta erst kürzlich überprüft worden waren. Das Büro verfügte über eine ausgezeichnete Abschirmung, sämtliche Kommunikationsanlagen waren gesichert und die Räumlichkeiten wurden regelmäßig auf unerwünschte Überwachungstechnik untersucht. Alles in allem war die Wahrscheinlichkeit eines erfolgreichen Lauschangriffs ausgesprochen gering.

Nerro zeigte sich davon wenig beeindruckt.

"Ja, ja! Ausgezeichnete Sicherheitsvorkehrungen! Aber glaubst du wirklich, dass uns das vor allem schützt? Irgendein Ermittler braucht nur ein einziges brauchbares Gespräch mitzuschneiden. Ein einziges! Und plötzlich haben wir eine Menge unangenehmer Fragen zu beantworten."


Der Hutt ließ seine Nickhaut langsam über die silbergrauen Augen gleiten. Schon der Gedanke daran war ihm ausgesprochen zuwider. Er hatte schließlich nicht die Absicht, irgendwann wegen eines übereifrigen Captains in einer republikanischen Arrestzelle zu landen. Sein eigenes Geschäftsmodell beruhte zu einem nicht unerheblichen Teil darauf, dass andere Wesen die strafrechtlich besonders interessanten Tätigkeiten übernahmen.

"Du sprichst mit den Captains. Die Captains sprechen mit ihren Leuten. Und ich spreche mit dir. So haben wir es im letzten Jahr vereinbart und so bleibt es. Keine unnötigen Gespräche, keine persönlichen Anweisungen und keine karking Aufzeichnungen, die uns irgendwann um die Ohren fliegen. Ist das klar?"


Tarek nickte ernst. Es kam nicht oft vor, dass sein Boss Huttisch in seinen alltäglichen Sprachgebrauch fließen ließ und wenn, dann nur, wenn er zumindest leicht verstimmt war Anders als mancher Außenstehende vielleicht vermutet hätte, hielt er diese Vorsicht keineswegs für übertrieben. Er hatte lange genug in der Unterwelt gearbeitet, um zu wissen, dass schon wesentlich größere Organisationen an vermeintlich unbedeutenden Fehlern gescheitert waren.

"Selbstverständlich, Boss. Ich werde mit Varek sprechen. Die Captains kennen die Regeln."

"Hervorragend! Und sie sollen sich gefälligst daran halten"


Damit war die Angelegenheit für den Hutten zunächst erledigt.

Tarek gehörte zu den wenigen Personen, denen Nerro ein nennenswertes Maß an Vertrauen entgegenbrachte. Was allerdings weniger mit persönlicher Zuneigung als mit der ausgesprochen lästigen Tatsache zusammenhing, dass er den Menschen schlichtweg brauchte. Tarek war zuverlässig, kompetent und verstand es, die Geschäfte am Laufen zu halten, ohne seinen Vorgesetzten mit jeder verdammten Kleinigkeit zu belästigen. Dass er dabei gelegentlich die Frechheit besaß, ihm zu widersprechen, nahm Nerro zähneknirschend in Kauf. Schließlich war gute Hilfe schwer zu finden. Selbstverständlich wäre er auch ohne Tarek zurechtgekommen. Irgendwie vermutlich. Besonders ärgerlich fand der Hutt allerdings, dass selbst Prinz Pompom seinem Unterboss bisweilen mehr Zuneigung entgegenzubringen schien als ihm selbst. Eine geradezu unerhörte Undankbarkeit, wenn man bedachte, wer hier eigentlich für alles aufkam! Dennoch wusste Nerro die Fähigkeiten seines Stellvertreters zu schätzen. Während die vier Captains ihre Geschäfte weitgehend eigenständig führten und ihrem Boss mit gebührendem Respekt begegneten, genoss Tarek eine Sonderstellung. Er durfte sich Freiheiten erlauben, die Nerro bei anderen kaum geduldet hätte. An der Rangordnung änderte das selbstverständlich nichts. Am Ende war es schließlich seine Familie, sein Geld und vor allem sein Verdienst, dass dieser ganze Laden überhaupt existierte.

Die anschließenden geschäftlichen Besprechungen verliefen weitgehend ereignislos. Einige ausstehende Zahlungen mussten überprüft werden, die Abgaben der Captains entwickelten sich zufriedenstellend und eine kleinere Auseinandersetzung zwischen zwei Geschäftspartnern hatte Tarek bereits ausgeräumt. Nerro hörte aufmerksam zu, traf einige Entscheidungen und zeigte sich mit der Arbeit des Unterbosses überwiegend zufrieden.

Schließlich wandte sich Tarek einem anderen Thema zu. Wie er beiläufig erwähnte, hatte sich über einen seiner älteren Kontakte bei der örtlichen Baugewerkschaft eine interessante Gelegenheit ergeben. Ein privates Konsortium plante die Sanierung eines größeren Versorgungskomplexes unweit der Vespar-Passage. Das Bauvorhaben sollte über mehrere Monate laufen und versprach zahlreiche Aufträge für kleinere Subunternehmen.

Nerro zeigte sich augenblicklich interessiert. Die Baubranche gehörte zweifellos zu jenen ausgesprochen angenehmen Wirtschaftszweigen, in denen sich eine Menge Credits verdienen ließen, sofern man die richtigen Leute kannte. Und Tarek kannte glücklicherweise einige davon.

Dieser erläuterte, dass die Gewerkschaft bei der Vergabe bestimmter Beschäftigungsverhältnisse ein gewichtiges Wort mitzureden hatte. Einige ihrer Vertreter seien durchaus bereit, mit vertrauenswürdigen Geschäftspartnern zusammenzuarbeiten.

Was damit gemeint war, musste Tarek seinem Vorgesetzten kaum erklären. Gut bezahlte Anstellungen, deren Inhaber auf der betreffenden Baustelle bestenfalls gelegentlich vorbeischauten, waren schließlich keine sonderlich neue Erfindung. Sogenannte No-Show-Jobs. Auf dem Papier völlig gewöhnliche Beschäftigungsverhältnisse, in der Praxis dagegen eine ausgesprochen bequeme Einkommensquelle.

Nerro schürzte zufrieden die Lippen.

"Sehr gut, mein Freund. Und du bist sicher, dass diese Leute zuverlässig sind?"


Tarek bejahte dies, schränkte allerdings ein, dass er zunächst persönlich mit seinem Kontakt sprechen wollte. Noch sei schließlich nichts vereinbart. Nerro stimmte zu und gab ihm die Erlaubnis, die Angelegenheit weiterzuverfolgen. Sofern sich daraus ein lohnendes Geschäft entwickeln ließ, hatte er selbstverständlich nichts dagegen einzuwenden.

Für den Mittag hatten die beiden ohnehin bereits einen Tisch in einem gehobenen Restaurant auf den mittleren Ebenen reserviert, wie es an diesem Tag der Woche ihre Gewohnheit war. Bis dahin blieb noch genügend Zeit, einige weitere Angelegenheiten zu erledigen.

Der Hutt nahm einen letzten Schluck aus seinem Glas und betrachtete seinen Unterboss mit einem breiten, zufriedenen Lächeln.

"Siehst du, mein Freund? Andere reden ständig davon, Arbeitsplätze zu schaffen. Wir tun tatsächlich etwas dafür!"


Er lachte vergnügt über seinen eigenen Scherz. Ein guter Tag, wahrlich.

// CORUSCANT – VESPAR-PASSAGE – VANTA – BÜRO

Nerro Dragijic Vorna, Tarek Sorn
 
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