Cranan 12

Ivor Karn

thug life
Cranan 12
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[ Infos zum Planeten: Cranan 12 (engl.) ]

[ Zugehörigkeit: Neutral ]
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Namhafte Lokalitäten
Guildspine - Die graue Hauptsiedlung des Planeten, halb Minenverwaltung, halb Frachtdrehscheibe. Ein Ort aus Förderquoten, Sirenen, Staub und Männern in zu sauberen Mänteln, die nie selbst unter Tage gehen.

Inducement Plaza
Ein sarkastischer Spitzname für den Verwaltungsbezirk, in dem Gildenvertreter, Zwischenhändler und lokale Funktionäre Geschäfte „aushandeln“. Der Name spielt auf die Mischung aus Anreizen und Drohungen an, mit der der Planet seit jeher gelenkt wird.​
Dustmarket
Ein improvisiertes Viertel aus Bars, Ersatzteilhändlern, Schrotthöfen und Schlafkojen. Wer dort arbeitet, verkauft Erzproben, Werkzeuge, Medikamente, gefälschte Papiere oder Informationen darüber, welcher Aufseher gerade Schulden hat.​
Red Marker Station
Eine abgelegene Bahnstation für Förderzüge und schwere Erztransporte. Der Ort ist klein, windig und unerquicklich, aber genau deshalb ideal für diskrete Übergaben, stille Entsorgungen und Treffen, die besser in keinem Logbuch auftauchen.​
Haven 9
Ein heruntergekommener, überraschend beliebter Arbeiterbezirk am Rand der Industriezone. Billige Schlafkapseln, laute Kantinen, Schlägereien nach Schichtende und genau die Sorte Bars, in denen man in einer Nacht mehr über Cranan 12 erfährt als aus jedem offiziellen Bericht.​

Black Vein Basin - Ein riesiges Tagebaugebiet, dessen Gestein von dunklen Erzadern durchzogen ist. Der Name klingt poetisch, ist aber bloß Arbeiterhumor für ein Loch, das täglich weitere Leben, Maschinen und Jahre frisst.

Crystal Gate - Ein Kontroll- und Zollbezirk am Rand der großen Frachtrouten. Offiziell sorgt man hier für Sicherheit entlang der Crystal Passage. Inoffiziell entscheidet sich hier, welche Ladung sauber registriert wird und welche mit ein paar Credits plötzlich unsichtbar werden kann.

Excarga Yard - Das größte Verladefeld in Orbitnähe, benannt nach der Route, über die der meiste Reichtum den Planeten verlässt. Hier stehen Erzcontainer wie Häuserblocks, und alles riecht nach heißem Metall, Treibstoff und Schweiß.

The Smelter Rows - Ein endloser Gürtel aus Raffinerien, Schmelzöfen und Abgasfahnen außerhalb der Hauptsiedlung. Tagsüber flimmert die Luft, nachts leuchtet der Horizont wie ein schmutziger Sonnenaufgang.

The Twelve Shafts - Ein alter Sammelbegriff für den historischen Kern der Abbauzonen. In der Praxis meint jeder damit etwas anderes: Förderkomplexe, Schächte, Arbeiterquartiere oder das ganze vernarbte Herz des Planeten.
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Besonderheiten
Cranan 12 liegt im Äußeren Rand, im Arkanis-Sektor des Cranan-Systems, entlang der Crystal Passage, und gilt als terrestrische Welt, deren wirtschaftlicher Wert ganz aus ihren Erz- und Mineralvorkommen erwächst. Der Planet war einst wohlhabend und produktiv, zugleich jedoch eng in die Interessen der Minengilde eingespannt: Im Arkanis-Sektor war Cranan 12 die einzige Welt, die von ihr direkt kontrolliert und ausgebeutet wurde, während ein Großteil der Lieferungen über die Cranan-Excarga-Route nach Excarga ging. Dadurch haftet dem Planeten der Charakter eines prosperierenden, aber fremdbestimmten Rohstoffstandorts an — eines Ortes, dessen Reichtum in Förderanlagen, Frachtrouten und Abhängigkeiten gebunden ist. Die Minengilde selbst reicht bis in die Frühzeit der Raumfahrt zurück, war unter der Republik eine der großen quasi-politischen Handelsmächte, überstand die zahlreichen Kriege der Galaxis und blieb auch unter dem Galaktischen Imperium eigenständig genug, um als Lieferant strategischer Rohstoffe weiterzumachen.
 
/// Arkanis Sektor ʭ Cranan System ʭ Cranan 12 ʭ Guildspire ʭ Ivor Karn und Beewohner \\\

Wenn Cranan 12 ein Herz besaß, dann schlug es tief unter der Kruste, eingeklemmt zwischen Förderbohrern, hydraulischen Pressen und den schmutzigen Gebeten jener Arbeiter, die jeden Morgen mit Staub in den Augen und Metallgeschmack auf der Zunge erwachten. An der Oberfläche blieb davon nur ein grauer Puls aus Sirenen, Abgasfahnen und endlosen Güterzügen, die sich durch die Industrieebenen fraßen wie eiserne Würmer durch faulendes Fleisch. Über Guildspine hing der Himmel in der Farbe alter Asche, niedrig, schwer und vom permanenten Glimmen der Schmelzöfen entzündet, als habe jemand den Horizont in Brand gesetzt und anschließend vergessen, das Feuer wieder zu löschen. Darüber hingen, fast schon verhöhnend, die riesigen Darius-G-Klasse Frachter der Minengilde, welche die aus der porösen und stark perforierten Kruste des Planeten herausgebrochenen Schätze in die Galaxis transportierten.
Die Hauptsiedlung des Planeten war halb Verwaltungsapparat, halb Frachtnarbe, ein Ort, an dem selbst der Regen schmutzig fiel und auf den Panzerplatten der Gehwege ölige Schlieren hinterließ. Tagsüber krochen Kolonnen aus Arbeitern aus den Wohnblöcken von Haven 9 in Richtung The Smelter Rows, eingepackt in billige Atemfilter, geflickte Thermojacken und jene stumme Erschöpfung, die ein Wesen bekam, wenn sein Leben in Schichten, Quoten und Lohnabzügen gemessen wurde. Nachts fraßen sich die Neonreklamen des Dustmarket durch den Staub, in kranken Farben, die auf rostigen Fassaden flackerten und Dinge versprachen, die auf Cranan 12 immer teurer waren als angegeben: Schlaf, Rausch, Wärme, Medizin, Vergessen.


Ivor Karn hatte in diesem Drecksloch inzwischen vier Wochen verbracht. Vier Wochen waren auf einem Planeten wie diesem genug, um den Husten der Arbeiter von den Lügen der Aufseher unterscheiden zu lernen. Genug, um zu wissen, welcher Sicherheitsmann am Crystal Gate seine Mutter in einem Pflegehabitat auf Arkanis finanzierte, welcher Zwischenhändler am Inducement Plaza seine Bestechungsgelder in Glücksspielchips verwandelte und welcher Bahnmeister an der Red Marker Station jeden dritten Förderzug zehn Minuten zu früh aus dem System loggte. Genug, um aus einem Auftrag eine Untersuchung zu machen und aus einer Untersuchung eine Liste von Namen, Schulden, Gewohnheiten, Angstreaktionen und gebrochenen Versprechen. Er war als Vollstrecker gekommen, mit einem Black-Sun-Auftrag im Gepäck und genug Feuerkraft im Mantel, um aus einem Missverständnis ein lokales Ereignis zu machen. Geblieben war er als Detektiv, widerwillig, schlecht gelaunt und mit jener besonderen Sorte Geduld, die nur Wesen besaßen, die gelernt hatten, dass Gewalt oft am besten wirkte, wenn sie noch im Raum stand und lächelte.

„Vier Wochen für ein verschwundenes Paket“, hatte er am Morgen in den beschlagenen Spiegel seiner Schlafkapsel in Haven 9 geknurrt, während das rote Licht seines Kyberauges zwischen Rostflecken und alten Rasierklingen reflektierte. „Ich werde langsam häuslich. Jemand erschießt mich besser, bevor ich Vorhänge kaufe.“

Niemand hatte gelacht. In den Nachbarkapseln hatten zwei erschöpfte Minenarbeiter geschnarcht, ein Rodianer hatte in ein Tuch gehustet, und irgendwo hinter der Wand hatte eine defekte Heizleitung geklungen wie ein sterbendes Ronto. Ivor hatte trotzdem mit einem müden Grinsen seine Reißzähne präsentiert. Manche Witze waren für die Galaxis gedacht. Andere nur für das eigene Überleben.

Jetzt stand er im Dustmarket, dort, wo die Hauptstraße aus aufgeplatztem Ferrobeton zwischen Ersatzteilbuden, Imbissständen und illegalen Medkiosken hindurchführte, und ließ den Blick über eine Menge gleiten, die zu müde war, um neugierig zu wirken, und zu arm, um ungefährlich zu sein. Sein Kamm ragte über die meisten Köpfe hinweg, knapp über zwei Meter Raubtierkontur unter einem Mantel, dessen Säume vom Säureregen ausgefranst waren. Aschgraue Schuppen zogen sich über seine breite Schnauze, von Narben und alten Brandstellen unterbrochen, während sein organisches Auge in einem matten Orangegelb brannte. Das andere Auge glühte rot in der zerfurchten linken Gesichtshälfte, wo Metall, Kunstnerven und grob eingesetzte Panzersegmente die Erinnerung an einen Thermaldetonator zusammenhielten. Der Cyber-Scanner-Arm an seiner rechten Seite tickte leise, als die Sensoren durch das Gewühl tasteten. Billige Implantate in einer billigen Welt. Es passte zu Cranan 12 wie Dreck unter Fingernägeln. An einem Stand verkaufte eine alte Weequay-Frau aufbereitete Atemfilter, deren Dichtungen so porös wirkten, dass selbst Optimismus hindurchsickern würde. Daneben feilschten zwei Nautolaner um gefälschte Schichtmarken für The Twelve Shafts, während ein Mensch mit glasigem Blick kleine Ampullen gegen Schmerzen anbot, die garantiert halfen, solange man weder Leber noch Zukunft brauchte. Über allem hing der Geruch von altem Frittieröl, heißen Kabeln, nassem Staub, billigem Schnaps und Erzpartikeln, die in jede Falte krochen und den Leuten langsam beibrachten, wie es sich anfühlte, von innen zu rosten.

Seine organischen wie kybernetischen Augen glitten über verschiedene Läden, während er seine Kontakte mental durchging. Da war
Vexa Brill, eine falleenische Barkeeperin aus Haven 9, deren Lächeln sanft genug war, um Männer zum Reden zu bringen, und deren Gedächtnis schärfer arbeitete als jede Kamera im Gildenbezirk. Da war Toorn Pakk, ein Ughnaught-Schrotthändler am Rand des Dustmarket, der angeblich alles besorgen konnte, solange es irgendwann einmal Schrauben besessen hatte. Da war Myr Vanthe, eine menschliche Zollschreiberin am Crystal Gate, deren Loyalität zur Mining Guild immer exakt bis zur nächsten unbezahlten Glücksspielschuld reichte. Und da war Galdren Zoska, Bahnaufseher der Red Marker Station, ein Twi'lek mit schlechten Zähnen, guten Ohren und der Angewohnheit, bei jedem Satz so zu schwitzen, als stünde sein eigener Name bereits auf einem Leichenschein. Aus solchen Leuten baute man auf Cranan 12 Wahrheit. Aus Feigheit, Gier, Sehnsucht, verletztem Stolz und der gelegentlichen Drohung, jemandem das Leben mit einem Lächeln aus den Gelenken zu drehen.

Die verschwundene Fracht war aus dem Excarga Yard gekommen, offiziell eine Reihe falsch verbuchter Erzcontainer, inoffiziell ein Black-Sun-Paket, dessen Inhalt auf keinem Manifest stand und dessen Wert hoch genug war, dass drei Männer inzwischen tot, zwei Datensätze gelöscht und ein Sicherheitsdroide der Mining Guild in Einzelteilen im Abwasserkanal unter The Smelter Rows gelandet war. Der Auftrag war simpel formuliert gewesen: Fracht finden, Beteiligte identifizieren, Schaden begrenzen. Simpel formulierte Aufträge hatten in Ivors Erfahrung dieselbe Verlässlichkeit wie gebrauchte Thermaldetonatoren. Am ersten Tag hatte er geglaubt, irgendein lokaler Frachtdieb habe sich übernommen. Am siebten Tag roch es nach einem internen Leck am Crystal Gate. Am vierzehnten Tag führte die Spur zu einem Zwischenkonto am Inducement Plaza, sauber genug gewaschen, dass nur jemand mit Verwaltungszugang den Dreck darunter hätte verbergen können. Am einundzwanzigsten Tag tauchte eine medizinische Lieferung in Haven 9 auf, bezahlt mit Credits, die aus genau jener verschwundenen Frachtkette stammten. Am achtundzwanzigsten Tag hatte Ivor begriffen, dass jemand die Ware genutzt hatte, um Arbeiterquartiere zu versorgen, Streikzellen zu bewaffnen und Transportpässe für Familien zu kaufen, die aus den Schächten verschwinden wollten, bevor die nächste Quote sie endgültig verschluckte. Das machte die Sache ärgerlich.

Schuldige mit guten Gründen waren die schlimmsten. Sie redeten zu viel, starben schlecht und ließen einem am Ende Gedanken zurück, die sich mit Schnaps allein kaum vertreiben ließen. Ein Hologramm flackerte über einem nahen Verwaltungsmast auf und zeigte das Emblem der Mining Guild, flankiert von einer sanften Frauenstimme, die eine Erhöhung der Sicherheitsstufe im Black Vein Basin als Maßnahme zum Schutz der Arbeitsgemeinschaft bezeichnete. Unten auf der Straße spuckte ein alter Nikto in den Staub. Ein Kind mit zu großen Augen sammelte leere Nährpastebehälter aus einer Rinne, während zwei private Sicherheitskräfte der Gilde vorbeimarschierten, sauber gepanzerte Stiefel, saubere Blaster, saubere Gesichter hinter verspiegelten Visieren. Alles an ihnen sah aus, als wäre es gerade erst ausgepackt worden. Alles um sie herum sah aus, als wäre es schon vor Jahren weggeworfen worden.
Ivor zog den Mantel enger um die Flakweste und ließ die Metallfinger seiner rechten Hand einmal knacken. Das Geräusch ging im Dröhnen eines startenden Erztransporters beinahe unter.

„Na schön, Cranan“, murmelte er und setzte sich in Bewegung. „Zeig mir, wo du deine Leichen versteckst. Ich habe heute gute Schuhe an.“

Sein Ziel lag jenseits des Dustmarket, draußen bei der Red Marker Station, wo die Förderzüge aus The Twelve Shafts kurz hielten, bevor sie Richtung Excarga Yard weiterliefen. Voss hatte endlich geredet. Eine Übergabe sollte stattfinden, spät in der Schichtpause, zwischen zwei Transportfenstern, in einem Wartungstunnel unter Gleis Drei. Angeblich brachte jemand eine Datenspule mit, auf der die echten Frachtumleitungen verzeichnet waren. Angeblich wollte dieser Jemand nur Credits und sichere Passage. Angeblich hatte die Mining Guild keine Ahnung. Ivor glaubte an "angeblich" ungefähr so fest wie an günstige Kybernetik mit lebenslanger Garantie.
Der Weg zur Station führte durch ein Viertel, das auf keiner touristischen Karte existiert hätte, sofern Cranan 12 überhaupt Touristen gesehen hätte, die ihre eigenen Organe behalten wollten. Schlafbaracken standen dort in Reihen wie Strafblöcke, aus dünnem Plasteel, innen feucht vom Atem zu vieler Körper, außen verkrustet vom Staub der Raffinerien. Zwischen ihnen hingen Kabelbündel wie schwarze Lianen. Aus offenen Türen drang das Klappern billiger Geschirrbleche, das Husten von Kindern, das Murmeln alter Holoübertragungen und der Streit von Leuten, denen die Kraft für echte Wut längst fehlte. Über einer Kantine blinkte ein Schild, auf dem ein lächelnder Droide eine dampfende Mahlzeit präsentierte. Darunter löffelten Arbeiter graue Brühe aus Schalen, deren Rand bereits abgeschlagen war. Der Thuggatoris sah hin, länger als er wollte. Vielleicht, weil er aus solchen Rändern kam. Vielleicht, weil jeder Planet seine eigene Art hatte, Wesen klein zu machen. Vielleicht, weil
Dravin Ryk’sa in manchen Nächten mit derselben brüchigen Hilflosigkeit in seinem Stuhl saß wie diese Leute in ihren Kantinen, und Ivor für einen Moment daran erinnert wurde, dass man manche Schulden in keinem System sauber ausbuchen konnte.

Dann vibrierte sein Comlink. Das Signal kam verschlüsselt, dreifach umgeleitet, mit einem Black-Sun-Schlüssel, der alt genug war, um beleidigend zu wirken.
Ivor nahm den Anruf an, ohne stehen zu bleiben.

Eine verzerrte Stimme legte sich in sein Ohr.
„Krayt. Dein Zeitfenster schließt sich. Die Fracht interessiert inzwischen höhere Ebenen.“

„Höhere Ebenen“, knurrte Ivor. „Klingt nach Leuten, die lange genug oben waren, um Höhenangst verdient zu haben.“

„Du wurdest geschickt, um ein Problem zu lösen.“

„Ich löse gerade fünf. Eins davon redet mit mir.“

Ein kurzes Schweigen. Dann: Bring die Ware zurück. Die Umstände sind zweitrangig.“

Der hünenhafte Reptiloide trat über eine Pfütze, in der sich das rote Glimmen seines Kyberauges spiegelte. Für einen Moment sah es aus, als würde etwas Kleines und Böses aus dem Wasser zurückstarren.

„Klar“, sagte er. „Und falls die Umstände anfangen zu schreien?“

„Dann sorg dafür, dass sie leiser werden.“

Die Verbindung brach jäh ab. Ivor blieb erst an der nächsten Kreuzung stehen. Vor ihm ragten die Transportmasten der Red Marker Station aus dem Dunst, schmal, windschief und von Warnlichtern gesäumt, während hinter ihnen die Gleise in Richtung Black Vein Basin liefen, hinaus zu jenem gigantischen Loch, das täglich Maschinen, Knochen und Lebensjahre fraß. Ein Förderzug donnerte in der Ferne über eine Brücke, beladen mit dunklem Erz, das im Licht der Raffinerien wie geronnenes Blut glänzte. Er schob eine CryoBan-Granate tiefer in die Manteltasche, prüfte mit dem Daumen den Sitz der Unterarm-Vibroklinge und ließ den EE-4 Karabiner unter dem Stoff ein Stück gegen den Riemen gleiten. Sein Grinsen kam langsam, breit und hässlich, ein Raubtierausdruck mit zu viel Humor darin.

„Leiser werden“, wiederholte er die Stimme nachäffend und ging auf die Station zu. „Immer dieselbe Musik. Keiner fragt je, ob ich tanzen kann.“

Am Eingang der Red Marker Station standen zwei Gildensöldner unter einem flackernden Heizpilz und versuchten so auszusehen, als hätten sie den Wind, den Staub und die Langeweile unter Kontrolle. Der eine legte die Hand an den Blaster, als er Ivor kommen sah. Der andere erkannte ihn früher. In seinem Helm spiegelte sich der rote Punkt des Kyberauges.

„Karn“, sagte er, und der Name klang in seinem Mund wie eine schlechte Nachricht.

Ivor blieb vor ihnen stehen, groß genug, breit genug und schmutzig genug, um den ganzen Eingang wie eine persönliche Beleidigung wirken zu lassen. Aus dem Inneren der Station wehte kalte Luft, vermischt mit Ozon, Schmierfett und dem metallischen Kreischen alter Bremsen. Irgendwo unter Gleis Drei wartete ein Informant mit einer Datenspule. Irgendwo in den Schatten wartete garantiert jemand mit einer Waffe. Und irgendwo zwischen Fracht, Aufstand, Syndikat und Gilde lag die Wahrheit, eingewickelt in so viele Lügen, dass sie beinahe nach Heimat roch.


Ivor Karn zeigte mit einem Grinsen den beiden Wachen seine Zähne.

„Jungs“, sagte er freundlich, beinahe jovial, „ich bin wegen der Führung hier. Man sagte mir, Cranan 12 hätte unterirdisch einiges zu bieten.“

Der Söldner mit der Hand am Blaster schluckte. Ivor beugte sich ein wenig vor, gerade weit genug, dass das rote Auge in dessen Visier brannte.

„Entspannt euch. Wenn heute alles glattläuft, müsst ihr nur so tun, als hättet ihr mich nie gesehen.“ Sein rechter Arm surrte, als die Metallfinger sich öffneten und wieder schlossen. „Und falls es schiefgeht“, fügte er hinzu, während hinter ihm ein neuer Förderzug durch den Staub heranbrüllte, „habt ihr wenigstens eine verdammt gute Geschichte für die Cantina.“

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Die beiden Gildensöldner wogen einen Augenblick lang ab, wie viel Dienstpflicht ihnen ihr Sold tatsächlich wert war. Es war eine dieser winzigen Pausen, in denen sich auf Cranan 12 ganze Biografien entschieden: Ein Finger zuckte am Abzug, ein Blick glitt zum nächsten Notrufpanel, ein Atemzug blieb hinter einem verspiegelten Helm hängen, und irgendwo hinter den Panzerschichten arbeitete die ganz einfache Erkenntnis, dass ein schlecht bezahlter Wachposten am Ende der Galaxis selten dafür geschaffen war, Legenden aufzuhalten. Der Ältere der beiden trat zuerst zur Seite.

„Gleis Drei ist gesperrt“, sagte er, bemüht, seine Stimme in jenem Bereich zwischen Vorschrift und Selbsterhaltung zu halten, in dem Wachleute überlebten.

Ivor nickte langsam, als hätte er eine komplizierte diplomatische Erklärung gehört.


„Gut“, sagte der massige Thuggatoris. „Dann sind wir uns einig, wo ich hinmuss.“

Er ging an ihnen vorbei, ohne die Schulter einzuziehen. Sein Mantel strich über den Türrahmen, der rechte Metallarm gab ein leises Surren von sich, und hinter ihm sagte keiner der beiden etwas, was man später hätte bereuen müssen. Red Marker Station empfing ihn mit Kälte, altem Licht und dem Geräusch müder Maschinen. Die Halle war kleiner als die meisten Frachtterminals von Guildspine, aber sie trug dieselbe Hässlichkeit im Gesicht, geprägt von verwitterten Durastahlträger, abgeplatzten Warnmarkierungen, vergilbte Streckenkarten sowie lieblosen Automaten mit ausgebrochenen Tasten und Bodenplatten, in deren Ritzen sich Erzstaub, Zigarettenfilter und vertrocknete Blutspritzer zu einer Art planetarem Sediment verbunden hatten. Über den Gleisen hingen Heizstrahler, die eher nach einer Beschäftigungsmaßnahme aussahen, als nach einem wahrhaftig wärmespendenden Konstrukt. Ein paar Arbeiter kauerten darunter, in dicke Jacken gewickelt, Helme auf den Knien, die Augen glasig vom Ende einer Zwölf-Stunden-Schicht. Niemand sah Ivor länger an als unbedingt nötig. Manche Wesen entwickelten auf Welten wie Cranan 12 eine besondere Form von Weisheit, denn sie wussten, welche Gestalten in den Raum gehörten und welche aus einer Geschichte kamen, in der Statisten selten lange Atemluft bekamen.

Eine Durchsage knackte durch die Lautsprecher:
„Förderzug Aurel-Sieben nach Excarga Yard verspätet sich um sechs Minuten. Wartungspersonal für Gleis Zwei bitte zum Entkopplungsbereich.“

Die Stimme klang synthetisch freundlich und damit besonders grausam. Alles auf diesem Planeten besaß die Manieren einer Maschine, die einen beim Sterben um eine Unterschrift bat.

Ivor ließ den Blick durch die Halle gleiten. Sein organisches Auge nahm Gesichter, Haltungen und Fluchtwege auf während das rote Implantat Temperaturunterschiede wahrnahm. Am Getränkeautomaten links saß ein Duros mit zu neuem Mantel. Über dem Ausgang zur Wartungsebene stand eine Gran-Frau, deren drei Augen unterschiedliche Dinge beobachteten. Neben der Treppe zu Gleis Drei lehnte ein junger Mensch mit Gildenhelm unter dem Arm, zu sauber für einen Techniker, zu nervös für einen echten Profi. Drei falsche Flecken in einem schmutzigen Bild.

„Na, ihr hübschen kleinen Zufälle“, murmelte Ivor. „Habt ihr euch extra für mich angezogen?“

Er kaufte sich an einem Automaten einen Becher Kaf, der nach verbranntem Filter, Metall und persönlicher Niederlage schmeckte. Dann stellte er ihn auf den nächsten Abfalleimer und ließ ihn dort dampfen. Der Trick war alt, banal und zuverlässig. Wer auf den Becher sah, wartete auf eine Ablenkung. Wer auf Ivor sah, hatte genug Instinkt, um gefährlich zu werden. Der junge Mensch an der Treppe sah auf den Becher. Ivor lächelte sein breites Raubtiergrinsen.

Im Wartungstunnel unter Gleis Drei war die Luft enger, feuchter und voller Schwingungen. Über ihm liefen Förderzüge mit einer Gewalt durch die Nacht, die den ganzen Gang erzittern ließ. Rostige Rohre schwitzten Kondenswasser. Kabelstränge hingen aus offenen Schächten. Das flackernde Rot der Markierungsleuchten schnitt den Tunnel in kurze, blutige Abschnitte, in denen jede Pfütze wie frische Wunde glänzte.
Galdren Zoska wartete zwischen zwei alten Schalttafeln, wie vereinbart. Der Bahnaufseher sah aus, als habe ihn Cranan 12 bereits halb verdaut und aus Höflichkeit wieder ausgespuckt. Sein Overall war an den Ärmeln durchgescheuert, sein Gesicht hatte die Farbe alter Suppe, und der Blick, mit dem er Ivor empfing, besaß die fiebrige Schärfe eines Mannes, der plötzlich begriffen hatte, dass Gier und Angst selten dieselbe Richtung empfehlen.

„Du bist spät“, zischte Zoska, die olivgrünen Lekku nervös zuckend.

Ivor blieb drei Schritte vor ihm stehen.

„Ich bin dramatisch...“, sagte er. „... und warte nicht gern.“

Zoska fuhr sich mit der Zunge über die Lippen. „Hast du die Credits?“

„Hast du die Spule?“

Der Bahnaufseher griff in die Innentasche seines Overalls. Ivors rechter Arm hob sich nur um wenige Zentimeter, beinahe lässig, doch im Gelenk spannte sich genug Gewalt, um einen Schädel gegen die Schalttafel zu drücken, falls Zoska plötzlich zur falschen Art von Bewegung fand. Aus der Tasche kam eine kleine Datenspule, schwarz, verkratzt, mit einem roten Gütesiegel der Minengilde, das jemand mit einem Messer halb weggekratzt hatte.

„Da ist alles drauf“, sagte Zoska. „Frachtcodes, Umleitungen, tote Container, manuelle Overrides am Crystal Gate. Ich habe sogar den internen Marker gefunden. Das Ding lief durch höhere Freigaben.“

„Hoffen wir, dass dein kleines Spielzeug hält, was es verspricht.“, sagte Ivor trocken.

Zoska lachte heiser, einmal, viel zu kurz. Du verstehst das falsch. Das kam von oben und unten zugleich. Jemand aus der Verwaltung hat die Tür geöffnet. Jemand aus den Schächten hat die Ware genommen. Und jetzt zerfleischen sie sich gegenseitig, während die Gilde so tut, als wäre alles ein Buchungsfehler.“

Der Reptiloide nahm die Spule und musterte diese. Sein kybernetisches Auge fokussierte kurz, tastete die Oberfläche ab und registrierte Mikrorisse, Staubanhaftungen, Fettspuren, sogar eine winzige Gravur am Rand. Drei Zeichen, hastig eingeritzt: H9-A. Haven 9. Abschnitt A, natürlich. Er steckte die Spule in eine seiner zahlreichen Taschen in seinem Duster ein.

„Wer hat dich bezahlt, Galdren?“

Zoska schluckte. „Ich will raus.“

„Das war der Wunsch. Ich fragte nach dem Namen.“

Über ihnen donnerte ein Zug vorbei. Die Wand bebte, Staub rieselte aus einer Fuge. In diesem Lärm sah Ivor die Bewegung eher, als dass er sie hörte. Ein Schatten am Ende des Tunnels, ein kurzes Blinken von Optikglas, der matte Lauf eines Blasters hinter einem Rohr. Sein Metallarm riss Zoska am Kragen nach unten, während die erste Salve über sie hinwegbrannte und die Schalttafel in einen Regen aus Funken verwandelte. Voss schrie. Ivor grinste breit, halb in den Staub gedrückt, halb schon in Bewegung.

„Siehst du“, knurrte er, während er den EE-4 unter dem Mantel hervorriss, „genau darum hasse ich Papierkram. Immer kommt jemand mit Korrekturen.“

Er feuerte, bevor der Schütze seinen zweiten Schuss sauber setzen konnte. Der Karabiner bellte in der Enge des Tunnels wie ein wütendes Tier, grünes Mündungsflammen warfen Ivors Schatten riesenhaft gegen die Wand. Der erste Angreifer wurde aus seiner Deckung gerissen und verschwand hinter den Rohren, begleitet von einem metallischen Krachen und einem sehr menschlichen Laut. Zwei weitere Gestalten lösten sich aus der Dunkelheit. Gildensöldner oder Streikzellenkämpfer, die Panzerteile waren zu gemischt, die Bewegungen zu hastig, die Absicht eindeutig genug.

Ivor stieß Zoska hinter einen Wartungskasten und warf sich seitlich in Deckung. Blasterfeuer fraß glühende Löcher in die Wand. Ozon brannte in der Nase. Sein Cyberauge flackerte, korrigierte, flackerte erneut. Für einen halben Herzschlag zog ein Schmerz hinter seiner Stirn auf, heiß und vertraut, wie eine alte Rechnung, die wieder Zinsen verlangte.

„Jetzt gerade?“, fauchte er dem Implantat zu. „Wirklich? Du billiges Stück Banthamist.“

Das Bild stabilisierte sich. Gut genug. Er schnappte sich eine CryoBan-Granate, biss den Sicherungsring mit den Zähnen frei und warf sie flach über den Boden. Sie schlitterte durch eine Pfütze, prallte gegen eine Schiene und detonierte mit einem weißen Atemzug aus Kälte. Frost kroch über Rohre und Stiefel, zwei Angreifer verloren Halt, einer schlug hart gegen eine Strebe. Ivor war bereits über ihnen, Mantel flatternd, Zähne im Licht der Warnlampen, der rechte Arm ein hässliches Versprechen aus Servos und zerkratztem Metall.

Der erste bekam den Kolben des EE-4 ins Visier. Der zweite zog ein Vibromesser, schnell genug für eine Gasse in Haven 9, viel zu langsam für jemanden, der vier Wochen lang gelernt hatte, wie Cranan 12 seine Leute tötete.
Ivors Unterarmklinge sprang heraus und fing das Messer mit einem Kreischen ab. Er trat dem Mann das Knie weg, packte ihn am Brustgurt und schleuderte ihn gegen die Wand.

„Bleib liegen“, sagte Ivor. „Ich möchte ungern eine weitere Witwe meiner Sammlung hinzufügen.“

Dann war es stiller. Nur der Tunnel atmete, die Rohre tropften, Voss wimmerte hinter dem Wartungskasten, und irgendwo in der Station über ihnen begann ein Alarm zu heulen, erst zaghaft, dann mit wachsender Überzeugung. Ivor zog einen der Angreifer am Kragen hoch. Unter dem beschädigten Helm kam ein junges Gesicht zum Vorschein, staubig, blutend, kaum älter als zwanzig. Kein Gildensoldat. Haven-9-Arbeiter. Abschnitt A, vermutlich. In den Augen lag dieser widerliche Mix aus Angst und Entschlossenheit, der jede einfache Lösung ruinierte.

Der junge Mann spuckte Blut auf den Boden.
„Du arbeitest für sie.“

Ivor hielt ihn mit seiner krallenbewehrten Pranke fest, während sein rotes Auge hörbar nachjustierte.

„Junge“, sagte er ruhig, „ich arbeite für Leute, die zahlen. Heute ist dein Glückstag. Ich bin außerdem neugierig.“

„Dann frag die Gilde, was in der Fracht war.“

Ivor beugte sich näher. Der Alarm war inzwischen laut genug, um die nächsten Minuten sehr kompliziert zu machen.

„Ich frage gerade dich.“

Der Arbeiter sah zur Seite, zu Zoska, dann wieder in das rote Licht.

„Medizin“, presste er hervor. „Waffen. Pässe. Und etwas, das sie aus Black Vein Basin geholt haben. Etwas, wofür sie ganze Schichten verschwinden lassen.“

Ivor sagte einen Moment lang gar nichts. Draußen kreischten Bremsen. Schwere Schritte näherten sich über den oberen Gangrosten. Gildenverstärkung, schnell, zahlreich, schlecht gelaunt. Voss kroch aus seiner Deckung, bleich und zitternd.

„Du hast gesagt, du bringst mich raus“, stammelte er.

Ivor sah den Arbeiter an., dann wieder zu dem Twi'lek und dann den Tunnel hinab, wo die roten Lampen wie ein Countdown blinkten. Sein Grinsen kehrte zurück, langsamer diesmal, gefährlicher, mit einem Schatten von Müdigkeit darunter.

„Tja“, sagte er und lud den EE-4 mit einem satten Klicken nach. „Sieht aus, als müsste ich heute aus Versehen ein paar Leben retten. Hasst es, wenn mein Kalender spontan moralisch wird.“

Er packte Zoska am Kragen, riss den Arbeiter auf die Füße und stieß beide in Richtung des seitlichen Wartungsschachts.

„Bewegt euch. Und falls einer von euch lügt, werfe ich ihn dem anderen als Vorspeise vor.“

Dann drehte sich Ivor Karn zur Treppe um, aus der bereits die ersten Helmlampen der Gildensicherheit in den Tunnel schnitten, stellte sich breit in den roten Staub und hob den schweren Mehrlader.

„Na los, Jungs“, rief er in den Lärm. „Cranan 12 wollte mir doch seine Unterwelt zeigen.“

Hinter ihm verschwanden Zoska und der junge Arbeiter im Seitenschacht, stolpernd, fluchend, halb getragen vom eigenen Überlebenswillen, während vor ihm die ersten Gildensöldner durch den Rauch der CryoBan-Kälte brachen. Ivor spürte das alte Kribbeln vor dem Aufprall, dieses hässliche, warme Versprechen von Chaos, das ihm vertrauter war als jedes Zuhause. Das rote Licht seines Cyberauges schnitt durch den Dunst, sein Grinsen wurde breiter, und als die Helmlampen der Männer ihn erfassten, hob er den EE-4 wie einen Toast auf eine Welt, die seit vier Wochen versuchte, ihn zu Tode zu langweilen.

/// Arkanis Sektor ʭ Cranan System ʭ Cranan 12 ʭ Guildspire ʭ Red Marker Station ʭ Wartungstunnel unter Gleis Drei ʭ Ivor Karn, Galdren Zoska [NPC] und der junge Arbeiter [NPC] \\\
 
||Outer Rim Territories || Excarga System || Excarga || Cargarsis ||Schiff (Leandra)|| Pumpkin; NPCs ||

Kaum hoben die 'Barossa' und die 'Leandra' von Excarga – genauer, von Cargarsis – ab, war der HK-Droide recht froh, von diesem Hinterweltler-Planeten Wegzugsein. Natürlich würde er hier noch ein mal zurückkehren, aber für's Erste, hatte er genug von dem organischen Abschaum. Dass er sich in die aktuelle Wahl auf Cargarsis eingemischt hatte, würden andere BS'ler anzweifeln, immerhin hatte er 'Beweise' um den aktuellen Gemeinderat jederzeit zu erpressen, doch was diese nicht wussten war, dass es nur Indizien waren und auch ein 'Verbrauchsdatum' hatten, wie Organische selbst. Da nicht sicher war, ob der Gemeinderat in seiner jetzigen Form Bestand hatte oder bei gewissem Druck gegen ihn opponieren würden, wirkte er eher – nach reichlicher Kalkulation –dafür, dass dieser ausgetauscht wird. Generell, wenn sie ihm nicht mehr nützlich waren, entsorgte er sich dessen Verbindung, sogar mit brutaler Heimtücke und Hinterlist. Nur, weil es logisch war, er es konnte und Organische verabscheute.

Dank der Daten der 'Huntress' und den Informationen anderer Frachterpiloten, konnte die 'Leandra' – mit der 'Barossa' im Schlepptau – über die Hyperraumroute (Cranan-Excarga-Route) direkt nach Cranan-12 reisen. Da der mittelgroße Frachter deutlich langsamer war, als die 'Leandra' – mit einem Hyperantrieb der Klasse 1 – passte sich der leichte Frachter dem anderen Frachter an. Der HK-47-Droide hatte so gar keine Vorstellung von dem Ort und kümmerte sich - während des Fluges - um die Wartung seiner Waffen und Feinjustierung seines Körpers. Seinen Informationen nach war Cranan-12 ein neutraler Ort ohne Zugehörigkeit. Sprich ein perfekter Ort für ihn, Excarga und der Black Sun, hier aktiv zu werden ohne wirklich im Konflikt mit den anderen Großmächten zu geraten, die sich derzeit an einer anderen Ecke der Galaxie das Leben schwer machte. Perfekt für Pumpkin. Immerhin mied er die Öffentlichkeit und operierte lieber im Dunklen, Verborgenen. Wo niemand so genau hinschaute und er seine illegalen Geschäfte und Treiben nachverfolgen könne. Nach mehreren Stunden gelangten die bei den Frachter ins System von Cranan-12, worauf die Schiffssensoren sofort ein buntes Treiben aus diversen Frachtschiffen und Plattformen registrierte. Der HK-Droide ging ins Cockpit, schaute den FEG-Piloten über die Schulter, durch das Frontfenster und registrierte allerlei Sichtungen, um sich einen groben Überblick vom Planeten und Orbit zu verschaffen. Sein erster Blick ließ ihn sofort feststellen, dass Cranan-12 deutlich fortschrittlicher schien, als Excarga, wobei er dort einem Trugschluss auferlegen könnte, weil er von Excarga nur Cargarsis kannte. Kaum näherten sich die beiden Frachter dem Planeten, meldete sich eine Flugkontrolle, die den Waren- und Schiffsverkehr um den Raum um Cranan-12 koordinierten. Aufgrund des Gewusels, konnte Pumpkin die Flugkontrolle mit seinen Photorezeptoren nicht ausmachen, dafür war zu wenig Licht und/oder zu wenig Farbunterschiede im Orbit, als dass er dies erkennen könnte.

Flugkontrolle: "FlugkontrolleCranan-12 an unbekannte Schiffe. Identifizieren Sie sich."

Der FEG-Co-Pilot-Droide der 'Leandra' nahm das Gespräch entgegen:

'Leandra': 'Hallo FlugkontrolleCranan-12. Hier spricht die 'Leandra'. Im Schlepptau, der HT-2200-Frachter namens 'Barossa'. Erbitten Einweisung zu einem Landeport auf dem Planeten Cranan-12."

Flugkontrolle: "Willkommen, 'Leandra'. Welches genaue Ziel haben Sie beide? Auslieferung von Fracht, andere Geschäfte oder sind Sie freizeitlich hier?!"

Die zweite Frage klangt vom Operator der Gegenseite fast verwundert, aber er musste es fragen, um die Schiffe besser zuweisen zu können. Während der HK-Droide noch ungehalten erwähnte – ohne dass der Funk aktiv war – dass dies dem Operator einen Dreck zu interessieren habe, schaute der Co-Pilot kurz zum HK-Droiden, dann wieder auf die Kommunikationsanlage. In der kurzen Pause, überlegte der Co-Pilot, welche diplomatische Antwort er herausgeben sollte und beantwortete die Frage mit:

'Leandra': "Andere Geschäfte. Bitte weisen Sie uns eine Richtung zu einem Landeport auf dem Planeten zu."

Nach einer kleinen Pause, folgte eine allgemeine Anweisung, wie die Regeln auf Caranan-12 wären und dass die Schiffe einem Leitstrahl folgen sollten, der sie zum 'Guildspine' (Planeten), genauer gesagt, zum 'Crystal Gate' führen würde. Der Co-Pilot bedankte sich höflich, während der HK-Droide zum Ingenieursbüro ging, um dort ein Data-PADD zu nehmen. Nachdem der HK-Droide alle Waren im Frachtlager auf dem PADD notiert hatte, ging er noch ein mal zum Cockpit und briefte die Droiden, dass sie auf dem Schiff bleiben sollten. Sollte jemand fragen, für welche Firma sie unterwegs seien, sollten sie den 'Speeder-Verleih' auf Cargarsis erwidern. Ansonsten sollten die sie das Schiff auftanken und warten lassen, während er sich um die Liegegebühr im Port kümmern würde. Kaum an dem Landeport angekommen, verließ er das Schiff und sah sich um. Die Luft war dick von Öl, Asche und schwül. Ein Utopia sah anders aus, aber der Himmel sah deutlich angenehmer aus, als der von Nar Shaddaa, den man aufgrund hoher Gebäude gar nicht erst sehen konnte. Der HK-Droide sprach gleich mit einem Dockarbeiter und erkundigte sich, wo der Hafenmeister sei, er seine Liegegebühr entrichten könne und worauf ihm eine kleine Hütte gezeugt wurde. Auf dem Weg zum Büro, kontaktierte er via Com-Link die 'Barossa', dass sie die Rationen in die 'Leandra' umladen und dann wieder nach Excarga fliegen sollten. In der gezeigten Hütte, saß ein männlicher Otavi, begrüßte etwas überrascht den orangen HK-Droiden, worauf sie kurz ins Gespräch kamen, wie lange die beiden Schiffe stehen sollte. Der HK-Droide erklärte vorweg, dass er im Auftrag von 'Osric' sei, dieser aber in keinen der beiden Schiffe wäre. Er selbst wollte, dass die 'Leandra' für einige Tage auf dem Landedeck stehen blieb, während die 'Barossa' nur Ware umladen würde und gleich wieder abfliegen solle. Trotzdem erklärte der Otavi, dass der Droide – oder dessen Meister – eine Liegegebühr bezahlen müsse, auch für die Dauer der Umladung. Immerhin blockiere der mittelgroße Frachter derzeit ein Landeport. Der HK-Droide verstand zwar, was der Hafenmeister sagte, auch wenn er dessen Wortwahl etwas kritisierte (aber nicht äußerte). Er bezahlte die Liegegebühr und erkundigte sich, wo er Essensrationen, Kunststoffe, Werkzeuge und Arbeitskleidung verkaufen könne. Der Ovati überlegte kurz und meinte nur knapp, dass in der Nähe eine Cantina sei, der die örtlichen Landedeckmitarbeiter und Hafenarbeiter versorgte. Dort könne er die Rationen gewiss loswerden. Die anderen Sachen wären bestimmt auf 'Excarga Yard' etwas Wert, doch er könne es auch hier am 'Crystal Gate' versuchen. Immerhin bestand dieser Bereich nicht nur aus Landeplattformen, sondern waren auch mit einzelnen Geschäften gespickt. Er ging zurück zur 'Leandra', worauf er einige Droiden – alle, die auf zwei Beinen gehen konnten – sah, welche die Rationenvon der 'Barossa' zur 'Leandra' brachten. Kaum war der HK-Droide im Schiff, orderte er an, wo die Verkaufsgüter platziert werden sollte und machte sich zur besagter Cantina auf, um einen Verantwortlichen zu finden, um die gekühlten Rationen zu verkaufen. In der kleinen Cantina angekommen, die äußerlich, wie auch innerlich schmutzig vom Staub aussah, ging der HK-Droide direkt zum Tresen. Der allgemeine Farbton am Port war Grau, Braun und Variationen von dieser Farbe. Hier dachte man wohl weniger über Farbe nach, weil wozu auch?! Durch die Luftverschmutzung war alles gleich vergilbt und speckig, was zu lange an der Luft blieb. Was ihm aber auch auffiel, waren die diversen Blicke auf den orangen HK-Droiden. Nicht, dass die Bewohner noch nie einen Droiden gesehen hätten, sondern eher wegen dessen grellen Farbe, die etwas auffiel. Wenn auch nur temporär. Immerhin wirbelte immer wieder dreckige Luft von Staub, Öl durchsetzte Luft, Asche und gewisse Gerüche – von verbrannten Materialien durch die Hochöfen – in der Luft, die der HK-Droide glücklicherweise nicht wahrnehmen konnte.

Als der HK-Droide in kurzen Worten seine Rationen anbot, wechselte dieser gleich in 'Verkaufsmodus' und pries die Frische, die Exklusivität und Finesse der Speisen an, worauf sie schnell in die Preisverhandlungen gingen. Übliche Rationen würden fünf Credits pro Portion kosten, was auch dem aktuellen Warenwert der angebotenen Rationen entsprach, doch Pumpkin musste noch einen deutlichen Aufpreis verlangen. Nicht nur, um einen Teil seiner Lieferkosten zurückzubekommen, sondern auch, um auch preislich zu zeigen, dass seine Speisen exklusiv waren. Was man meistens am Preis zeigte. Aus zehn Credits, wurden schlussendlich ein Preis zwischen sechs und sieben Credits, wobei der HK-Droide dem Inhaber der dreckigen Cantina entgegen kram. Dabei äußerte der HK-Droide, dass sein Meister – in dessen Auftrag er die Rationen verkaufte – mehr Interesse habe, dass seine Kunden zufrieden seien und weniger der exorbitante Profit. Der Inhaber freute sich, denkend, er hätte ein Schnäppchen gemacht, der HK-Droide froh darüber, die relativ schnell verderbbare Ware losgeworden zu sein. Schnell wurde vereinbart, wo der Inhaber sich die Rationen abholen könne, worauf die Credits ihre Eigentümer wechselten und der HK-Droide sich nun auf den Weg machte, sich im 'Crystal Gate' umzuschauen, wo und wie er die restlichen Güter verkaufen könne. Dabei ging dem HK-Droiden durch den Prozessor, wie sehr er es immer wieder hasste, sich zu verstellen, sich Organischen anzubiedern, damit er seine Ware – mit Profit – verkaufen konnte. Dank seiner angelernten Hinterlist und Täuschung, wie auch erlernten Erfahrung, welche Satzbausteine kombiniert zum bestmöglichen, geschäftlichen Erfolg verhalf, konnte er seine Waren gut verkaufen. Während er durch das 'Crystal Gate' schlenderte, das Treiben, die Reaktionen und Bewohner beobachtete, merkte er, dass er in der Nähe der Landeports weniger potenzielle Kundschaft finden würde. Doch der Ort bot sich oberflächlich an, eine Wäscherei aufzumachen, damit die Bewohner ihre Kleidung vom industriellen Schmutz befreien könnten. Dabei schlich sich ein Subprogramm in seinen laufenden Prozess ein, wie angewidert er doch immer wieder war, wenn er diesen organischen, Credits generierenden Abschaum beobachtete.

Als er nach einem 'Spaziergang' wieder bei seinem YT-1000-Frachter war, die 'Barossa' bereits nach Excarga zurück verschwunden, versicherte er sich, dass die Rationen vollständig übergeben wurden. Im nächsten Schritt ging es darum, an einem Informationshändler zu gelangen und diesen zu beauftragen, potenzielle Käufer für Erzgut zu finden. Nicht, um jetzt Erze zu verkaufen – er hatte nichts dabei – sondern um Kontakte zu knüpfen und später, wenn er Erze hatte, diese dem Käufer die Erze übergeben konnte. Es war sinnlos, eine Händlerroute aufzubauen, wenn man nicht vorher eine Ahnung hatte, wem man seine Waren – und besonders für welchen Preis – verkaufen könne. Doch viel wichtiger war erst mal, sich einen groben Überblick von Cranan-12 zu verschaffen. Wo genau lag dieses 'Crystal Gate' in Relation zur Stadtmitte. Wie hieß die Hauptstadt? Wie war der Planet politisch organisiert und besonders wo? Wie viel Macht hatte die Minengilde und wo genau war deren Sitz? Wie war die Stimmung und Haltung zu der Minengilde und besonders wo fand er eine populäre Cantina, wo er all die Fragen stellen konnte. Natürlich liefen viele Bewohner – wie zähes Blut – durch die Straßen, doch auf offener Straße Jemanden anzusprechen und zu offenbaren, dass der HK-Droide keine Ortskenntnis besäße, barg auch ein gewisses Risiko, in einer Seitengasse in seine Einzelteile demontiert zu werden. Zwar hatte er nicht sonderlich Angst, in eine gewalttätige Konfrontation zu geraten – denn der Pseudo-Protokolldroide hatte 'Zähne' und konnte sich wehren – aber es war nicht taktisch klug, auf einem unbekannten Planeten, sich mit der örtlichen Sicherheit anzulegen. Hier hatte er mehr Nach-, als Vorteile. Ein Umstand, den der hochmütige und heimtückische Droide gerne vermeiden wollte. Doch er wusste, dass er seine Erscheinung etwas besser tarnen musste. Aufgrund seiner orangen Lackierung, fiel er nicht so sehr auf, doch im Gegensatz zu den Braun- und Grautönen der Bewohner, war er trotzdem etwas auffällig. Auffälliger, als es ihm lieb war. Als er nach einem längeren Marsch im Dustmarket ankam, sah er deutlich mehr Geschäfte um sich. Sofort betrat er das erste Kleidungsgeschäft und suchte nach einem Poncho mit Kapuze, der zum äußerlichen Geschehen von Cranan-12 passte. Grau/Braun, verwittert, stabil. Er probierte den Poncho an und musste aufgrund seiner Metallbox auf den Rücken, einige Größen größer nehmen, dass er zwar klobiger aussah, aber deutlich verhüllter. Er zog den Poncho wieder aus, ging zum Kassierer und bezahlte den Poncho, worauf der HK-Droide seine mitgebrachten, grobe Arbeitskleidung anbot. Die robusten Overalls für Bergbau- und Industriearbeiter, war hier perfekt. Der HK-Droide zeigte sein PADD, damit der Kassierer die Waren sichten könne und schien interessiert zu sein, aber derlei Geschäfte durfte er nicht machen und bat um einen Augenblick, um seinen Chef heranzuholen. Nach einigen Minuten, war der Ladeninhaber da, verhandelte mit dem HK-Droiden, wobei die Preisverhandlung sich als schwierig erwies. Der Ladeninhaber rang um jeden Credit, worauf der HK-Droide aus all seinem Repertoire schöpfen musste, um schlussendlich einen kleineren Aufschlag herauszubekommen. Für einen Aufschlag von 50 %, was relativ unter gewöhnlicher Verkaufsmarge lag, schlug der Droide den Deal ein und ließ sich auch gleich Informationen geben, wo er im Dustmarket seine Kunststoffe und Schweißgeräte verkaufen könne. Der Verkäufer freute sich über seinen Erwerb, ließ sich mitteilen, wo er die Ware abholen könne und teilte dem Droiden mit, wo interessierte Geschäfte für den Rest seiner Waren wären. Der Droide bedankte sich für die Transaktion und verließ das Geschäft, worauf er sich vor der Tür des Geschäftes umschaute und meinte, dass sein neuer Poncho – zwar sauber, aber – zu auffällig aussah. Er müsse diesen mit Jemanden tauschen, damit er sich noch mehr in die Szene assimilieren könne, doch wer hätte bitte schon seine Größe?! Es half nichts, hier herum zu oxidieren und Rost anzusetzen, daher ging er einfach durch die Straßen, sichtete die Geschäfte und Personen – und dessen Kleidergröße – bis er einen Gammoreaner sah, diesen ansprach und ihm seinen Kapuzen-Poncho zum Tausch anbot. Der Gammoreaner schaute etwas verwirrt, schaute auf den sauberen und heilen Poncho und stimmte schnell ein, worauf sie die Kleidung tauschten. Nun sah der HK-Droide deutlich gewöhnlicher und unauffälliger aus, was seine Anpassung an das übliche Stadtbild perfekt machte. Dass er damit mehr Draufgezahlt hatte, störte dem HK-Droiden nicht, immerhin war es eine Investition in Tarnung, als ein wirklicher Verlust.

Er wanderte dann eine Weile durch Dustmarket, inspizierte die Läden und dessen Waren, wie auch Wege und notierte sich im Prozessor die wichtigsten Orte, Geschäfte und Straßen. Schlussendlich fand er Orte und Abnehmer für seine 'Excarga-Kunststoffe' und Schweißgeräte, die er problemlos veräußern konnte. Kaum war er aus dem zweiten Geschäft hinaus, kontaktierte er – über sein 'Bounty Hunter'-Büro – sein Schiff (die Leandra), um denen mitzuteilen, dass in der nächsten Zeit Leute kommen würden, um die restlichen Arbeitskleidungen und Schweißgeräte abzuholen. Die Droiden sollten, wenn es so weit war, die Waren herausgeben. Er selbst würde sich jetzt auf den Weg in die nächste Cantina machen, um seine gewonnenen Erfahrungen zu notieren. Immerhin hatte er schon lange keinen 'Reisebericht' mehr geschrieben. Er kannte ein paar HoloNet-Seiten, wo er 'Reiseberichte' über besuchte Orte senden konnte, wie er sie empfand, welche Lokalitäten er gut oder schlecht fand. Dass ein Droide solch einen Bericht erfasst hatte, störte den Betreiber der HoloNet-Seite nicht. Immerhin wusste er nichts vom Ersteller. Auch wenn die Berichte sehr sachlich und logisch klangen, war es nur ein Bericht von Unzähligen, die dem Einen gefiel, dem Anderen wiederum nicht. Entscheidend war aber, dass derlei Kleinkram etwas Geld einbrachte und wenn es nur Kleingeld war.

Als sich der 'getarnte' HK-Droide – in abgewetzten Lumpen – durch die Straße bewegte, wie zähes Blut, wie auch alle anderen Bewohner, sah er eine ranzige Cantina. 'Zum gefräßigen Rankor'. Das Schild über der Tür war eine vereinfachte Darstellung von zwei Klauen, mit jeweils drei Krallen, zwei Augen mit stechendem Blick, einem gefräßigem Maul in Zickzack-Linien, darüber der Namenszug. Das gesamte Schild sah verwittert und rostig aus, bräunlich vergilbt. Sichtlich von dem Wetter gezeichnet. Noch bevor der HK-Droide die Flügeltür öffnen konnte, kam schon ein Nikto aus der Cantina geflogen, segelte an dem Droiden vorbei und rappelte sich betrunken auf, um sich schnell aus dem Staub zu machen. Erst jetzt, näher am Eingang, vernahm der orange HK-Droide die wummernde Musik, die aus dem Inneren kam und neigte seinen – mit Kapuze bedeckten – Kopf, um hinein spähen zu können. Wieder, als er die Tür ergreifen wollte, traten förmlich zwei feiernde Minenarbeiter – zwei Barlosar – mit jeweils einer Flasche Bier in einer Hand, den anderen Arm kumpelhaft um den Nacken des Anderen eingehackt und singend aus der Cantina. Pumpkin trat beiseite, um die Feierwütigen an sich vorbeiziehen zu lassen, bis er schlussendlich die Tür aufstieß. Sein Erscheinen erregte absolut kein Aufsehen. Die primären Farben in der Bar waren drinnen, wie draußen, grau, braun und irgendwas dazwischen. Hätte der HK-Droide olfaktorische Sensoren, würde ihm eine dicke Brühe aus diversem Fusel, Rauch, Hitze, Schweiß und anderen Gerüchen entgegen kommen, dessen Ursprung er lieber nicht eruieren hätte wollen. Die Cantina war voll, gut besucht alle Male. Nicht sonderlich schmutzig, aber aufgrund der ganzen Gäste schienen die Putzdroiden und Bediensteten, welche die Drinks an die Tische brachten und zeitgleich putzten, eifrig überfordert zu sein. Es schien so, als hätte eine Arbeitsabteilung seine Nachmittagsschicht beendet und suchten nun hier Zerstreuung von der harten Arbeit. Der HK-Droide schaute sich kurz flüchtig um und wollte sich einen ruhigen Ort zum Arbeiten suchen, ging am belebten Tresen vorbei, der sichtlich dicht bedrängt wurde. Etwas durch den schmalen 'Pfad' windend, erstreckte sich ein Bein horizontal vor Pumpkin's Körper. Nicht versehentlich, sondern mit purer Absicht und Provokation. Der HK-Droide sondierte den Ursprung des Beines, sah einen Moogan auf einem Barhocker sitzen, zurück gelehnt, mit seinen Ellenbogen auf dem Tresen und schaute abschätzig zur verhüllten Person, also Pumpkin in Kapuzen-Poncho. Der Moogan selbst trug – wie hier üblich – anthrazitfarbene Bergbaukleidung, einen gelben Helm mit Lampe und einer Menge Schmutz im Gesicht.

Moogan: "Na, was haben wir denn da?!"

Ertönte von dem Moogan, der nur von jeweils einem Italbosi – dessen Rassen der HK-Droide nicht kannte – und einem Nothoiin flankiert wurde.

Moogan: "Um hier durch zu dürfen, musst du uns einem Drink als ... 'Wegzoll' zahlen."

Der Moogan scherzte herablassend, schaute kurz zu seinen Kollegen, sich deren Bestätigung versichernd, während ein amüsiertes Kichern von allen Dreien ertönte.

Moogan: "Davon ab. Was für einer Rasse gehörst du an?! Oder bist du so hässlich, dass du durch den Poncho und alles, deinen Buckel verstecken musst?!"

"Warnung:... ",

ertönte nur aus der Sprachbox des Droiden. Der Moogan wollte zeitgleich an den Rand Pumkin's Kapuze greifen, doch der orange Attentäter-Droide wehrte den Greifversuch ab. Dieser hatte bereits beim Ausstrecken des Beines alle Angriffspunkte – lethal oder nicht lethal – sondiert und tippte mit zwei mechanischen Fingerspitzen – wie ein Geschoss - gegen den Kehlkopf des Moogan, noch bevor dieser sein ausgestrecktes Bein ganz zurückziehen konnte. Sichtlich am Kehlkopf getroffen und paralysiert, hielt sich der Moogan sofort die Hände am Hals. Rang nach Luft, gurgelte nur hustend, während sein anderer Kollege, der Italbosi, den 'Unbekannten' (Pumpkin) aufmischen wollte, worauf der HK-Droide blitzschnell gegen das Innenknie des Italbosi trat, worauf dieser das Gleichgewicht verlor und mit dem Oberkörper voraus sackte. Diese Gelegenheit nutzte der Attentäterdroide, griff dessen Hinterkopf, um den Schwung des Falles mitzunehmen und führte dessen Fallrichtung zum Oberschenkel des Moogan, worauf der Italbosi daran seitlich abprallte und ein kleines 'Schleudertrauma' erlitt. Sichtlich benommen, sank der Italbosi auf die Knie, versuchte zu realisieren, was gerade passiert war, zerschmetterte schon der Nothoiin ein Glas auf Pumpkin's Hinterkopf. Das Glas zerschellte an seinem verhüllten Durastrahl-Schädel, worauf sich aber die Kaputze löste und der Nothoiin die roten, glühenden Photorezeptoren des Droiden sehen konnte. Sichtlich überrascht, stammelte dieser nur:

Nothoiin: "Ein Droide?!"

Doch weiter kam der Nothoiin nicht, da der HK-Droide dem Nothoiin gleich fest mit einer Hand zwischen dessen Beine griff, die Kronjuwelen seines Gegenübers quetschte, worauf nur ein wimmerndes Aufjaulen ertönte. Zeitgleich zog sich Pumpkin seine Kapuze wieder über den Kopf, bis schon der Barmann – hinterm Tresen – heran eilte, eifrig auf den klebrigen Tresen klopfe, um die Aufmerksamkeit aller Beteiligten zu bekommen.

Barmann: "Hey! Hey!! Hey!!! Das reicht!! Aufhören! Oder ich rufe die Sicherheit!!"

Nachdem die drei 'Störenfriede' ausgeschaltet wurden, drängte sich der verhüllte HK-Droide an die Bar, zum Barkeeper.

"Beruhigung: Der ... 'Zwist' ist befriedet. Fazit: Die drei Herren hier werden für den entstandenen Schaden und Störung aufkommen."

Der HK-Droide griff den Moogan am Kragen und drängte ihn provokativ an dem Tresen, damit dieser auch verstand, was er jetzt zu tun habe.

"Erklärung: Ich hingegen, nehme eine ganze Flasche Ihres besten Schnapses. Natürlich auf deren Kosten. Anfrage: Und sollten Sie einen Informationshändler kennen, schicken Sie ihn bitte an meinen Tisch."

Mit diesen Worten ließ er den Moogan los, der sich noch den Hals rieb.

"Zusatz: Und geben Sie sich ruhig ein ordentliches Trinkgeld für Ihre Mühen."

Recht zügig, wischte der Barmann über einen kleinen Teil der Bar, verstand schnell und holte aus der Vitrine eine Flasche grünen Schnapses, den er gleich dem Gast (Pumpkin) auf dem Tresen stellte. Mit diesen Worten, schnappte sich der HK-Droide die Flasche und drängte sich durch die Menge an Gästen, tiefer in die Cantina. Nachdem der HK-Droide einen ruhigen Tisch in einer Nische gesehen hatte, steuerte er diesen an. In der Nische saßen noch ein männlicher Mensch, jeweils im Arm eine Twi'lek und eine Zabrak, dazu noch ein männlicher Weequay gegenüber dem Trio und ein weiterer Mensch. Vom Alter waren sie alle viel zu Jung, um auf diesen Minenplaneten zu versauern. Auffallend war aber, dass die Männer alle die gleichen Mäntel und Overalls trugen, die für Minenarbeiter typisch waren. Dazu fiel dem HK-Droiden auch ein Anstecker an dessen Kragen auf, eine gekreuzte Spitzhacke, die wohl für eine Firma, eine Abteilung oder Gruppierung gehörte. Unklar, für welche. Die Frauen schienen mehr wie 'leichte Mädchen' zu sein, zu hübsch und zu sauber, als dass sie hier arbeiten würden. Während der Mensch an einer Zigarette paffte und sich über dessen 'Begleitung' freute, stellte sich der HK-Droide am Ende des Tisches, stampfte die grüne Flasche sichtbar an den Rand des Tisches, wobei der dumpfe Aufprall die Aufmerksamkeit der Gäste am Tisch erhaschte.

"Angebot: Ihr kriegt die gesamte Flasche. Ich kriege den Sitzplatz. ALLEINE."

Sichtlich amüsiert über die Kaltschnäuzigkeit des Gastes (Pumpkin), dampfte der Mensch etwas Rauch aus seinen Nasenlöchern und schaute zwischen seinen 'Konkubinen' und seinen Kollegen.

Arbeiter: "Nettes Angebot. Aber... wie wäre es, wenn du uns.."

Der Mensch befreite einen Arm um einen seiner Frauen, lehnte sich vor und wollte die Flasche greifen.

Arbeiter: "... uns die Flasche gibst und du.. dich einfach verpisst?!"

Großmäulig, wohl den Macker vor den Frauen spielend, griff der Mensch zur Flasche, doch der HK-Droide, der die ganze Zeit seine metallische Hand am Flaschenhals hielt, zog die Flasche außerhalb der Griffweite des Menschen.

"Wiederholung: Letzte Chance. Euer Sitzplatz. Meine Flasche."

Die Photorezeptoren, die zuvor an der Bar rot aufflammten, waren nun eher warm, orange ohne Intention, den Anwesenden einen neuen Gesichtsanstrich zu verpassen, doch der Mensch lehnte sich entspannt zurück, platzierte posig seine Füße auf dem Tisch und umarmte seine Begleiterinnen, um diese enger an sich zu ziehen. Als würde dem jungen Maulhelden die Cantina gehören. Damit wies er den unbekannten Gast – im schmutzigem Kapuzen-Poncho – mit einem Grinsen ab. Der HK-Droide verstand die Geste, nahm die Flasche an sich und schaute sich um, wie die Besetzung der umliegenden Tische war. Am Nebentisch, saßen ein paar Menschen und Rodianer, auch Bergbauarbeiter, die ihr Feierabendbier genossen und sich entspannt unterhielten. Der HK-Droide ging zu dessen Tisch, stampfte auch hier seine grüne Schnapsflasche auf den Tisch und bot auch hier an, nur mit einem anderen Ergebnis:

"Angebot: Die gesamte Flasche soll euch gehören, wenn ihr mir und meinem Meister den Nebentisch freiräumt."

Der HK-Droide machte dezent eine Kopfbewegung zum Tisch, an dem er vorher war. Der Rodianer musterte – ohne Anfassen – die Flasche, erkannte mit Erstaunen, dass es eine der teuersten und besten Schnäpse war und schaute in die Runde.

Rodianer: "Ist das etwa... schaut euch mal das 'Gesöff' an.... Das ist doch.. oder?"

Die Aufmerksamkeit der Anwesenden war geweckt und alle lehnten sich vor, um sich die Flasche anzuschauen, das Etikett zu prüfen. Der HK-Droide selbst hatte keine Ahnung davon, vertraute nur darauf, dass der Barmann ihn auch wirklich einen guten Schnaps gab, doch während sich die kleine, neue Gruppe über die Echtheit der Flasche austauschten, 'verspürte' der HK-Droide ein gewisses 'kribbeln' oder vibrieren in seinen Prozessoren. Es war eines dieser Bauchgefühle, die Profis verspürten, wenn sie glaubten, beobachtet zu werden. Der HK-Droide drehte sich hektisch um, behielt aber den Kontakt zur Flasche. Aufmerksam musterte er die Gäste. Der vorherige Tisch hatte den Droiden bereits vergessen und alle umliegenden Gäste schienen auch mehr mit sich selbst beschäftigt zu sein, worauf der HK-Droide keinen spezifischen Beobachter ausmachen konnte. War er zu auffällig? Ein neutraler Beobachter könnte sich fragen, warum der HK-Droide so sehr darauf bestand, diesen speziellen Tisch in der Nische haben zu wollen, doch für Pumpkin war es nicht nur eine Frage der Lage für Observation, sondern auch eine hinterlistige Retourkutsche für die Abweisung. Der HK-Droide instruierte die fünf Bergbauarbeiter dahingehend, dass sie den Nebentisch nur freiräumen sollten ohne Blutvergießen. Er wollte nicht noch mehr Aufsehen erregen, als er eh schon tat. Und wenn er den Abschaum hätte atomisieren wollen, würde er es nicht in inkompetente organische Hände geben, sondern es einfach selbst erledigen. Nachdem einige prüfende Blicke untereinander ausgetauscht wurden, dann immer wieder gen Nebentisch, ob der Mut ausreiche, diesen 'relativ' gewaltlos freizuräumen, nickten sich alle zu und machten sich auf, den Platz zu verlassen. Der erste Mensch spielte lallend, schritt gespielt betrunken an den Tisch und kippte sein Restbier im Glas auf eine der Frauen, die der Mensch in der Nische an sich geklammert hatte. Natürlich brach sofort Hektik aus, was aber in der vollen Cantina weniger auffiel, weil es immer mal wieder kleinere Rangeleien gab. Kaum sprang die erste Frau auf, protestierend darüber, dass sie vollgekleckert wurde, sprangen auch schon der Mann und die zweite Frau auf, um sich den 'Unruhestifter' zur Brust zu nehmen, doch bevor sie sich versahen, wurden alle aus der Nische gezerrt, worauf sich der HK-Droide in die Nische setzte und die Flasche demonstrativ auf die Tischmitte platzierte. Während noch leichte Schubscher, Proteste und Rangeleien entstanden, drängte die Gruppe aus Menschen und Rodianern die andere Gruppe von der Nische, damit der HK-Droide seine Ruhe hatte. Sichtlich angefressen, verteilte sich die Gruppe mit den Frauen woanders hin, worauf eine der Rodianer die Flasche annahm, sich mit einem Nicken bedankte und sich am Nebentisch wieder hinsetzte. Endlich konnte der HK-Droide sein PADD nehmen und anfangen, seinen 'Reisebericht' über Excarga/Cargarsis, anzufertigen. Dabei schaute der misstrauische Droide – unter seiner Kapuze – mit seinen orangen Photorezeptoren nach Vorne, ob wiederum eine Retourkutsche kommen würde, dafür, dass er den Platz sich 'erkämpfen' lassen ließ. Geschweige, ob ihn jemand beobachten würde.

||Outer Rim Territories || Arkanis Sektor || Cranan-System || Cranan-12|| Guildspire || Dustmarket || Cantina: 'Zum gefräßigen Rankor' ||Pumpkin, NPCs
 
/// Arkanis Sektor ʭ Cranan System ʭ Cranan 12 ʭ Guildspire ʭ Red Marker Station ʭ Wartungstunnel unter Gleis Drei ʭ Ivor Karn, Galdren Zoska [NPC] und der junge Arbeiter [NPC] \\\

Die ersten Gildensöldner kamen in sauberer Formation die Treppe herunter, drei Helme nebeneinander, Lampen auf Brusthöhe, Blasterläufe tief genug, um jede Bewegung im Tunnel in verwertbare Gewalt zu übersetzen. Ihre Panzerplatten waren grau, glatt und frisch gewartet, mit dem schwarzgelben Abzeichen der Mining Guild auf der Schulter, und in der roten Notbeleuchtung wirkten sie wie Exekutionsdrohnen, denen jemand aus Kostengründen noch organische Nervensysteme gelassen hatte. Über ihnen heulte der Stationsalarm, unter ihnen zitterten die Schienen vom Anlauf eines Förderzugs, und irgendwo in dem seitlichen Wartungsschacht fluchten Zoska und der junge Arbeiter bereits mit jener gemeinsamen Verzweiflung, die aus Feinden für ein paar Minuten Transportgut machte.
Ivor Karn stand breit im Tunnel, der EE-4 schwer in der Metallhand, der Mantelsaum im kalten Atem der CryoBan-Granate gefroren, das rote Cyberauge als böser Stern im Dunst. Er nahm die Formation mit dem Mündungsfeuer seine EE-4 in einer Kadenz eines Hyperraumsprungs auseinander, bevor die Männer selbst wussten, dass sie bereits eine Geschichte mit schlechtem Ende betreten hatten. Der erste zielte zu präzise, ein ehemaliger Soldat vielleicht, ausgebildet auf saubere Korridore und klare Befehle. Der zweite hielt seinen Blaster eine Spur zu hoch, nervös, jung, jemand, der im Simulator bessere Leistungen zeigte als im Blutgeruch eines Wartungstunnels. Der dritte hatte den Körper leicht seitlich gedreht, ein Messer in Reichweite, wahrscheinlich derjenige, der Ärger gern aus der Nähe löste.


„Nabend, Jungs“, rief Ivor ihnen entgegen, als wäre er zufällig in eine Schichtbesprechung geraten. „Falls ihr wegen der Lärmbeschwerde hier seid, ich beschuldige die Industriearchitektur.“

Der erste Schuss kam aus der Mitte, Ivor war bereits unten. Der rote Blitz fraß sich über seine Schulter hinweg in eine Rohrleitung und riss einen Schwall aus heißem Dampf auf, der den Tunnel augenblicklich in eine brodelnde Nebelkammer verwandelte. Der Geschuppte rollte seitlich, rammte den Rücken gegen einen Wartungskasten, fluchte, grinste und ließ den handlichen Mehrlader sprechen. Der EE-4 hämmerte unzählige Salven in die Treppenkante, verwandelte Durastahl in Splitter und zwang die Formation auseinander. Einer der Söldner verlor den Stand, der andere taumelte gegen das Geländer, der dritte sprang mit erstaunlicher Behändigkeit nach links und verschwand hinter einem Rohrbündel.

„Sieh an“, knurrte Ivor. „Einer kann tanzen.“

Er zog sich mit der Metallhand hoch, während eine zweite Salve aus der Treppe kam und die Wand neben seinem Kopf in glühende Krater verwandelte. Sein Cyberauge flackerte kurz schmerzhaft und Störlinien liefen durch das Bild, dünn wie Risse im Glas, begleitet von einem stechenden Impuls tief hinter der linken Schläfe. Für einen Herzschlag lag die Welt in doppelten Konturen vor ihm, Schatten über Schatten, Zielmarken über Staub und heißem Dampf. Genervt schlug der Reißzahn sich mit der Handfläche gegen die Schläfe.

„Jetzt zusammenreißen, du rotes Mistauge. Wir sterben später nostalgisch.“

Das Bild stabilisierte sich. Gut genug für schlechte Arbeit.

Aus dem Seitenschacht kam Zoskas Stimme, hoch und panisch.
Karn! Der Schacht endet an einer Wartungsluke über Gleis Vier!“

„Dann mach sie auf!“ ätzte der Reptiloide an den Lekkuträger zurück.

„Sie ist verriegelt!“

„Dann überzeug sie!“ blaffte er nun Zoska an und fragte sich, was er noch alles tun sollte.

„Womit?!“

Ivor riss eine weitere CryoBan-Granate vom Gürtel, aktivierte sie mit dem Daumen und warf sie ohne hinzusehen in Richtung Treppe. „Mit deiner bezaubernden Persönlichkeit, was weiß ich!“

Die Granate detonierte in einem grellen weißen Ausbruch. Frost schoss über Metall, kroch an den Stiefeln der Söldner hoch, verwandelte Dampf in glitzernden Kristall und kaufte Ivor genau drei Sekunden. Er nutzte zwei davon, um loszurennen, und die dritte, um dem seitlich aus der Deckung springenden Messermann den Lauf des EE-4 in die Brust zu rammen. Der Söldner brachte sein Messer hoch, schnell genug, um Respekt zu verdienen. Ivor blockte mit dem Unterarm, spürte die Vibrokante kreischend über die Panzerung seiner Prothese springen und schlug mit der Stirn nach vorn. Helm und Schädel nahmen die Botschaft unterschiedlich gut auf. Der Mann ging zu Boden.

„Schlechte Nachricht“, sagte Ivor und stieg über ihn hinweg. „Ich führe.“

Im Seitenschacht war es eng genug, dass selbst ein dünner Arbeiter Probleme bekam, für Ivor hingegen wurde der Durchgang zur persönlichen Beleidigung. Kabel rissen an seinem Kamm, Rohrschellen kratzten über die Schulterplatten seiner Weste, und der Mantel blieb zweimal an scharfkantigen Halterungen hängen, bevor er das Kleidungsstück mit einem wütenden Ruck befreite. Vor ihm hockte Zoska an einer runden Wartungsluke, die Finger blutig, das Gesicht verzerrt vor Angst und Anstrengung. Der junge Arbeiter stand daneben, eine erbeutete Blasterpistole in beiden Händen, den Lauf auf Ivor gerichtet, obwohl seine Arme zitterten.

„Nimm das Ding runter“, knurrte Ivor bedrohlich.

„Du bringst uns zur Gilde.“ entgegnete der Dürre mit leicht zitternder Blasterpistole, die noch immer unangenehm nah auf das Gesicht des Reptiloiden gerichtet war.

Ivor sah an ihm vorbei zur Luke, dann zurück in das bleiche, staubverschmierte Gesicht. Der Junge mochte Anfang zwanzig sein, mit den eingefallenen Wangen eines Wesens, das seit Jahren mehr Schichtstaub als echtes Essen bekommen hatte. In den Augen lag diese gefährliche, junge Härte, die noch glaubte, Opferbereitschaft könne die Galaxis beschämen.

„Kleiner, sagte Ivor ruhig als der Bursche keine Anstalten machte das Schießeisen zu senken, während hinter ihnen die ersten Schritte in den Schacht krachten, „wenn ich dich zur Gilde bringen wollte, hätte ich dich vorhin mit Geschenkband umwickelt. Jetzt hilf dem alten Zoska oder erschieß mich. Beides zusammen wird hektisch.“

Zoska warf ihm einen beleidigten Blick zu. „Alt?“

„Du hast den moralischen Teint von abgelaufenem Joghurt. Arbeite mit mir.“

Der junge Arbeiter fluchte, senkte den Blaster und trat gegen die Wartungsluke. Sie bewegte sich keinen Millimeter. Ivor drängte sich nach vorn, schob Zoska mit der Schulter zur Seite und rammte die Metallfinger in das manuelle Rad. Servos heulten auf. Irgendwo in seiner Prothese knirschte ein Zahnkranz, der seit Monaten hätte ersetzt werden müssen. Die Luke gab einen zähen, rostigen Laut von sich.

„Karn!“, schrie Zoska, während sich der Angesprochene mental notierte dem Twi'lek ein paar Takte darüber zu sagen während einer Mission keine Klarnamen zu verwenden. Wozu hatte er den schnittigen Rufnamen "Krayt" angelegt, wenn nicht dafür?.

Lange blieb ihm aber nicht mehr Zeit den Lekkuträger darüber zu unterrichten, Blasterfeuer schlug in den Schacht. Der junge Arbeiter schrie auf und feuerte blind zurück. Ivor zog fester. Das Rad sprang mit einem metallischen Schlag herum, die Luke flog auf, und eisiger Wind riss ihnen den Staub aus dem Gesicht. Draußen lag Gleis Vier als schwarzer Streifen unter dem Bauch der Station. Unter ihnen raste ein Förderzug aus The Twelve Shafts vorbei, langsam genug für einen Wahnsinnigen, schnell genug für alle Wesen mit Zukunftsplänen. Die offenen Erzmulden waren halb beladen, dunkle Brocken glommen im Licht der roten Positionslampen, und jede Kupplung zwischen den Wagen schlug mit der Regelmäßigkeit eines industriellen Herzfehlers.

Zoska sah nach unten.
„Das ist Selbstmord.“

Ivor packte ihn nonchalant am Kragen. „Endlich sagt mal jemand was Romantisches.“

Er stieß ihn hinaus. Zoska fiel mit einem langen, dünnen Schrei und landete in einem Erzcontainer, dessen Inhalt seinen Aufprall mit der Zärtlichkeit eines Geröllfelds abfing. Der junge Arbeiter sprang selbst, schmal, zäh, erstaunlich kontrolliert, rollte über die Kante und verschwand zwischen dunklen Brocken. Ivor wartete lange genug, bis ein Blasterstrahl am Rand der Luke vorbeizischte und die Metallfassung zum Glühen brachte. Dann sprang er selbst. Für einen Moment gab es nur Wind, Lärm und den grauen Himmel von Cranan 12, der durch das Gerippe der Station über ihm hing wie ein schmutziges Versprechen. Dann schlug er in der Erzmulde auf, schwer, hart, mit der Schulter zuerst. Schmerz explodierte durch Rippen, Rücken und Hüfte. Sein rechter Arm grub sich in die Ladung, Metallfinger zerquetschten Erzstücke, und sein organisches Auge sah für einen Atemzug lang nur Funken.

Er blieb liegen, atmete aus und lachte, bevor er grollend hervorstieß:
„Ich liebe Geschäftsreisen.“

Der Förderzug kroch hinaus in die Nacht, fort von Red Marker Station, hinein in den Korridor aus Staub, Wind und entfernten Schmelzöfen. Hinter ihnen wurden Suchscheinwerfer lebendig. Sirenen schnitten durch die Luft. Auf den oberen Laufstegen der Station rannten Schatten durcheinander, zu spät und zu klein gegen die Masse des Zuges, der seine Fracht Richtung Excarga Yard schleppte. Der junge Arbeiter kroch über die Erzbrocken zu Ivor hinüber. Sein linker Ärmel war blutgetränkt, eine Streifwunde, hässlich, aber tragbar. Zoska lag ein paar Meter weiter auf dem Rücken und starrte in den Himmel, als verhandle er gerade mit sämtlichen Göttern, die Cranan 12 aus gutem Grund mieden.

„Du bist wahnsinnig“, keuchte der Arbeiter.

Ivor setzte sich auf, prüfte den EE-4, sah den Riss im Gehäuse und verzog das Gesicht.
„Wahnsinnig ist ein Wort, das Leute benutzen, wenn sie meine Methode noch schuldenfrei erleben.“

„Mein Name ist Tavin, sagte der Junge nach einem Moment, als wäre diese Information ein Zugeständnis.Tavin Rell. Haven 9, Abschnitt A.“

„Karn. Schlechte Entscheidungen, galaxisweit.“

Tavin presste eine Hand auf die Wunde. „Du hast die Spule.“

„Und du hast Antworten.“

Zoska hob schwach eine Hand. „Ich habe Schmerzen.“

„Du hast Glück“, sagte Ivor. „Schmerzen bedeuten, dass du noch Reklamationsrecht hast.“

Der Zug fuhr hinaus aus dem Bereich der Station. Ringsum öffnete sich das schwarze Industriepanorama von Cranan 12. Links die fernen Feuer der Smelter Rows, rechts die niedrigen, erstickten Lichter von Haven 9, weiter draußen das Black Vein Basin, ein gigantischer Abgrund im Boden, dessen Rand von Bohrtürmen, Kranarmen und Förderbrücken gesäumt war. Von oben betrachtet wirkte es wie eine Wunde, die man mit Maschinen offenhielt. Tief in seinem Inneren glommen dunkle Erzadern unter den Scheinwerfern, und irgendwo dort unten, wenn man Tavin glaubte, lag etwas, das die Gilde aus dem Stein geholt und danach aus den Berichten geschnitten hatte.

Ivor zog die Datenspule aus dem Mantel und hielt sie ins rote Licht seiner Optik. H9-A. Haven 9, Abschnitt A. Tavin betrachtete das kleine Ding mit einer Mischung aus Hoffnung und Angst.

„Was ist in Black Vein Basin passiert?“, fragte Ivor.

Tavin schwieg. Er schwieg verdächtig lange.

Dann drehte der Reptiloide den Kopf langsam zu ihm.
„Ich bin gerade von einem Bahnhof in einen Erzcontainer gesprungen, habe mir wahrscheinlich eine Rippe mindestens geprellt und einen sehr teuren Blaster ruiniert. Mein Geduldsakku blinkt rot.“

Der Junge schluckte. „Sie haben vor drei Monaten eine neue Ader geöffnet. Tiefer als die alten Schächte, unterhalb der Zwölften. Schwarzes Gestein, mit Kristalladern drin, kalt, obwohl die Maschinen daneben überhitzen. Erst dachten alle, es wäre ein Fund, der den Planeten reich macht.“

Zoska lachte bitter. „Den Planeten.“

Tavin nickte, ohne zu ihm zu sehen. „Dann wurden Leute krank. Kopfschmerzen, Blut aus den Ohren, Gedächtnislücken. Manche hörten Stimmen aus den Wänden. Manche kamen aus der Schicht zurück und kannten ihre eigenen Kinder kaum noch. Die Gilde hat die Schichten isoliert, Berichte gelöscht, Familien mit Schweigegeld abgespeist oder mit Schuldverträgen erpresst. Wer zu viel fragte, verschwand in eine Sonderverlegung.“

Ivor sagte nichts. Der Wind zerrte an seinem Mantel. In der Ferne zuckten Sicherheitsgleiter über Red Marker Station in die Luft.

„Die Fracht“, fuhr Tavin fort, „war unsere Chance. Medizin, Waffen, Pässe, Zugangscodes. Und ein Probenbehälter aus dem Basin. Einer von unseren hat ihn aus einem Gildenlabor geholt.“

„Warum?“

„Damit jemand außerhalb von Cranan 12 sieht, was sie da ausgraben.“

Zoska richtete sich mühsam auf. „Und damit eure Leute ihn verkaufen können.“

Tavins Blick wurde hart. „Damit unsere Leute leben.“

Ivor sah zwischen beiden hin und her. Da war sie wieder, diese lästige Stelle, an der eine Sache zwei Wahrheiten gleichzeitig trug und beide stanken. Ein gestohlener Black-Sun-Transport, eine Gilde mit zu sauberen Händen, Arbeiter mit Waffen und ein Probenbehälter, den offenbar mehrere Seiten lieber in einem Grab als in fremden Händen sehen wollten.

Sein Comlink vibrierte erneut. Diesmal kam kein Black-Sun-Schlüssel. Die Kennung war lokal, alt, verschleiert über drei tote Relais am Dustmarket. Toorn Pakk. Der Ughnaught-Schrotthändler hatte die nervöse Angewohnheit, nur dann verschlüsselt zu sprechen, wenn Feuer bereits am eigenen Schwanz brannte. Ivor kratzte sich die Schuppen zwischen seinem organischen und kybernetischen Auge und nahm an.


„Karn“, krächzte Toorn. „Du bist auf jedem Gildenkanal. Red Marker brennt vor Funk. Was hast du gemacht?“

„Kundenbindung.“

„Sehr lustig. Hör zu: Jemand hat nach deinem Schiff gefragt. Zwei Menschen, ein Devaronianer, keine Gilde. Zu sauber für Dustmarket, zu dreckig für Verwaltung. Einer hatte Crymorah-Tinte unter dem Handschuh.“

Ivor spürte, wie sein sonst raubtierhaftes Grinsen jäh verschwand.

„Mein Schiff?“

„Sie sind am Excarga Yard. Dockring C. Dein Zugangscode wurde vor elf Minuten angepingt.“

Der Zug ruckte. In der Ferne tauchten die Lichter des Excarga Yard auf, ein Meer aus Containerblöcken, Landefeldern, Kranen und orbitalen Frachttürmen, benannt nach der Route, über die der meiste Reichtum Cranan 12 verließ und fast keine Hoffnung zurückkam. Ivor steckte die Datenspule ein und lud den EE-4 nach. Sollte das Teil den Geist aufgeben, hatte er immer noch seine Bryar Handkanone, mit der er Brustkörbe perforieren konnte.

Tavin sah ihn an.
„Was bedeutet das?“

Ivor blickte zum Excarga Yard, wo zwischen den Frachttürmen die Positionslichter seines Schiffes irgendwo im Dreck liegen mussten. Das Crymorah Syndikat hatte die Geduld verloren, ganz schön weit weg von zuhause. Oder jemand innerhalb der Black Sun war von Anfang an Teil der Kette gewesen und hatte ihn ans Messer geliefert.

„Das bedeutet“, sagte er langsam, während das rote Licht seines Cyberauges sich in der Erzladung spiegelte, „dass die falschen Kath-Hunde gerade an meinem Eigentum schnüffeln.“

Zoska verzog das Gesicht. „Und?“

Ivor zeigte grollend seine langen und scharfen Zähne.

„Und ich bin ein großer Freund klarer Grenzen.“

Der Förderzug donnerte weiter Richtung Yard, verfolgt von Sirenen, Suchscheinwerfern und einer Wahrheit, die allmählich zu groß wurde, um sie einfach in einem Wartungstunnel zu erschießen. Vor ihnen warteten Containerberge, Crymorah-Männer, Gildenakten, ein Probenbehälter aus dem verfluchten Herzen des Black Vein Basin und vermutlich noch mehr Wesen, die glaubten, Ivor Karn lasse sich wie ein lokales Problem entsorgen.

Er legte den EE-4 über die Schulter und sah zu Tavin.


„Also gut, Held von Abschnitt A. Du willst die Galaxis retten, Zoska will überleben, und ich will verhindern, dass jemand mit fettigen Fingern mein Schiff anfasst.“

Der Wind riss an seinem Mantel, als der Zug in die ersten Lichter des Excarga Yard einfuhr.

„Endlich ein Abendprogramm mit Struktur.“

Unter ihnen kreischten die Bremsen des Förderzugs, während die gewaltigen Containerreihen des Excarga Yard aus Staub und Licht vor ihnen aufstiegen wie eine Stadt aus gestapelten Särgen. Ivor senkte den Kopf gegen den Wind, ließ das rote Cyberauge über Kräne, Wachposten und Dockringe wandern und spürte, wie aus dem Chaos der letzten Stunden langsam eine Richtung wurde. Irgendwo dort vorne warteten Antworten, Verrat und ein paar arme Bastarde, die glaubten, sein Schiff sei eine offene Einladung. Sein Grinsen kehrte zurück, breit, hässlich und voller Vorfreude.

/// Arkanis Sektor ʭ Cranan System ʭ Cranan 12 ʭ Excarga Yard ʭ Ivor Karn, Galdren Zoska [NPC] und Tavin Rell [NPC] \\\
 
/// Arkanis Sektor ʭ Cranan System ʭ Cranan 12 ʭ Excarga Yard ʭ Ivor Karn, Galdren Zoska [NPC] und Tavin Rell [NPC] \\\

Einem müden Koloss gleich, dessen Knochen aus Kupplungen, Bremsleitungen und Erzmulden bestanden, fuhr der Förderzug in den Excarga Yard. Unter den Rädern schrien die Schienen, über ihnen zogen Kranarme durch die staubige Nacht, und vor ihnen wuchs das größte Verladefeld von Cranan 12 aus dem Dunst. Überall Containerblöcke in der Höhe kleiner Habitationstürme, Lichtmasten mit flackernden Halogenkronen, orbital ausgerichtete Traktorstrahlemitter, Gabelschlepper, die durch enge Korridore aus gestapeltem Reichtum krochen, und überall jene kalte, bürokratische Gewalt, mit der eine Welt ausgeblutet wurde. Excarga Yard roch nach heißem Metall, Treibstoff, Ionenschweiß, altem Gummi und Arbeiterkörpern, die seit zu vielen Jahren dieselbe Luft atmeten. Draußen, hinter den Sichtschutzwänden aus Durastahl und billiger Konzernpropaganda, lag Haven 9 in dreckiger Dunkelheit, arm, laut, verschlissen und voller Wesen, die am Morgen wieder in die Schächte steigen würden. Hier dagegen standen die Container in präzisen Reihen, sauber nummeriert, versiegelt, gewogen und mit Routenmarkern versehen, als könne man durch ordentliche Logistik verbergen, dass jeder dieser Blöcke aus gestohlener Lebenszeit bestand.

Ivor Karn kniete in der Erzmulde, den Mantel vom Fahrtwind an den Körper gepresst, den beschädigten EE-4 über den Oberschenkel gelegt. Sein rotes Cyberauge jagte über Bewegungsmuster, Patrouillenabstände und die blinkenden Positionscodes der Dockringe, während sein organisches Auge eher bei den Dingen hängen blieb, die Maschinen gern übersahen. Ihm fiel eine Arbeiterin mit blutiger Bandage unter dem Handschuh auf sowie ein Rodianer, der beim Vorbeigehen an einer Gildenpatrouille unbewusst die Schultern hochzog. Als sie an zwei Wartungsdroiden vorbeifuhren, fiel ihm deren Gehäuse, mehr noch die Narben von improvisierten Reparaturen auf. Während der Förderzug weiter donnerte, sah der Reptiloide ein Kind hinter einem Zaun, das einem startenden Frachter nachsah, als sei jeder Abflug eine Beleidigung. Tavin lag flach neben ihm und presste den verwundeten Arm an die Brust, während Zoska sich am Rand der Mulde festhielt, bleich, verschwitzt und von der Erkenntnis gezeichnet, dass sein bisheriges Leben als korrupter Bahnaufseher im Vergleich zu Ivors Gesellschaft geradezu gesundheitsfördernd gewesen war.

„Dockring C liegt westlich“, keuchte Zoska und deutete mit dem Kinn auf einen fernen Abschnitt des Yards, wo die Positionslichter zwischen Kränen und Frachtmasten in schmutzigem Blau pulsten. „Wenn dein Schiff dort steht, kommst du über die Containerbrücke C-17 hin. Vorausgesetzt, die Gilde hat sie freigegeben.“

Ivor sah ihn stumm grollend an.

Zoska schluckte. „Schon gut. Dumme Formulierung.“

„Du lernst“, sagte Ivor gehässig, „Langsam wie ein Gizka, fast niedlich.“

Der Zug ruckte, als die automatische Bremsung griff. Über Lautsprecher wurde eine Entladepriorität ausgerufen, trocken, sachlich, in jener Art Stimme, die einen auch in ein Massengrab lotsen würde, solange die Reihenfolge stimmte. Arbeiter in schweren Exoschienen warteten bereits an den Rampen. Weiter hinten näherten sich zwei Gildenpatrouillen, ihre Helmlampen wie wandernde Insektenaugen im Staub. Noch hatten sie den Zug aus Red Marker Station auf der Liste gewöhnlicher Transporte. Das würde sich ändern, sobald jemand die leere Wartungsebene, die angeschossenen Männer und die fehlenden Zielpersonen sauber genug sortiert hatte.

Ivor tippte gegen sein Comlink.
Toorn. Sag mir, dass du noch atmest.“

Rauschen, dann ein kratziges Ughnaught-Schnaufen. „Ungesund, aber vorhanden.“

„Dockring C.“

„Drei Fremde an deinem Schiff. Vielleicht vier. Einer am Zugangspanel, einer unter der Rampe, einer im Schatten vom Treibstoffmast. Der Devaronianer raucht. Schlechte Angewohnheit bei offenen Leitungen.“

„Sympathischer Mann.“

„Er hat Crymorah-Zeichen. Halb versteckt.“

Ivor verzog missbilligend die Schnauze. „Halb versteckt ist eine Beleidigung an beide Seiten.“

„Karn, das sieht nach Zugriff aus.“

Der Thuggatoris blickte an sich herunter, an den Staub, das Blut auf dem Mantel, den gefrorenen Rand der CryoBan-Rückstände und den Ruß am Lauf seines beschädigten Mehrladers.

„Zugriff auf mein Schiff?“, sagte er. „Wie exotisch für ihre Gesundheit.“

Die Verbindung knackte. „Außerdem hat jemand die Dockfreigabe deines Schiffs eingefroren. Offizieller Grund: Zollprüfung wegen Manifestabweichung.“

Zoska stöhnte. „Das ist Myr Santhe. Crystal-Gate-Schreiberin. Wenn die Freigabe über ihren Kanal lief, kann sie sie auch drehen.“

„Myr, die alte Spritschleuder, schuldet mir Geld“, sagte Ivor.

Tavin sah auf.
„Du kennst sie?“

„Kleiner, ich kenne auf diesem Planeten inzwischen mehr schlechte Entscheidungen als die meisten Beichtdroiden.“

Der Zug kam endgültig zum Stehen. Klammern schlugen an die Wagen, hydraulische Arme senkten sich über die Erzmulden, und ein Schwarm aus gelben Arbeitsdroiden rollte an. Ivor griff Tavin am Kragen, zog ihn auf die Füße, dann Zoska, etwas grober, weil Pädagogik auf Cranan 12 selten sanft ausfiel.

„Der Plan lautet wie?“, sagte Tavin zwischen zusammengebissenen Zähnen.

Zuerst sah Ivor zum Dockring C, dann zu den Patrouillen, dann zu den Containerstapeln, deren Schatten wie Straßenschluchten wirkten.


„Wir gehen zu meinem Schiff, stellen ein paar Leuten Fragen, räumen die mit den falschen Antworten aus dem Weg und verlassen anschließend diesen bezaubernden Schrotthaufen von Welt mit mehr Beweisen als Einschusslöchern.“

Zoska hob vorsichtig einen Finger. „Und die Gilde?“

„Die bekommt Gelegenheit, sich kulturell weiterzuentwickeln.“

„Was bedeutet das?“

Ivor sprang aus der Erzmulde auf die Seite eines langsam vorbeifahrenden Wartungsschleppers und grinste zu ihnen hoch. „Schmerzen sind auch Bildung.“

Sie bewegten sich durch den Excarga Yard, als wäre der ganze Ort ein feindlicher Organismus. Ivor vorn, groß, geduckt, erstaunlich leise für ein Wesen mit Metallarm und schwerer Bewaffnung. Tavin hinter ihm, den verletzten Arm am Körper, den erbeuteten Blaster in der gesunden Hand und Zoska zuletzt, immer wieder zusammenzuckend, wenn irgendwo ein Scanner piepte oder ein Gabelschlepper zu nah an ihnen vorbeifuhr. Zwischen den Containern herrschte eine eigene Nacht. Von oben kamen neonfarbene Lichtstreifen, zerschnitten von Kranarmen und Sicherheitsgittern, unten sammelten sich Staub, Treibstoffpfützen und die Geräusche fremder Arbeitsschritte. Der Reptiloide führte sie durch eine Lücke zwischen zwei Containerstapeln, blieb an einer Kreuzung stehen und hob die Metallhand. Vor ihnen patrouillierten zwei Sicherheitsleute der Gilde, begleitet von einem kleinen Suchdroiden mit summender Sensorhaube. Der Droide tastete die Luft ab, sein blauer Scanstrahl glitt über Metall, Bodenmarkierungen und schließlich über den Container, hinter dem sie kauerten.

„Scanner“, flüsterte Tavin.

Ivor öffnete am kybernetischen Handgelenk die Schnittstellenbuchse, zog ein kurzes Kabel aus einer Manteltasche und stöpselte sich in ein Wartungspanel am Containerfuß. Für einen Atemzug wurde sein Gesicht hart. Das rote Auge flackerte, der Kiefer spannte sich, und unter der grauen Schuppenhaut zuckte ein Nerv. Billige Systeme waren leicht zu öffnen. Billige Implantate nahmen es einem trotzdem übel.


„Karn?“, hauchte Zoska.

„Still. Ich führe gerade ein sehr dummes Gespräch mit einem sehr dummen Container.“

Im Cyberauge tanzten Statuscodes. Der Suchdroide blieb stehen. Sein Scanstrahl flimmerte, sprang, wurde breiter. Der Geschuppte schob eine falsche Wartungsmeldung in den lokalen Knoten, überhitzte Kühlzelle, Gasleck-Warnung, sofortiger Sperrbereich. Der Droide piepte irritiert. Einer der Gildensicherheitsleute fluchte, sah auf sein Armbandterminal und winkte den anderen zurück.

„Gasleck in Reihe C-14.“

„Schon wieder?“

„Schreib es der Nachtschicht zu.“

Die beiden verschwanden. Ivor zog das Kabel aus dem Handgelenk und atmete langsam aus. Ein dünner Blutstropfen lief ihm aus dem linken Nasenloch bis an die Oberlippe. Er wischte ihn mit dem Daumen weg.

Tavin starrte ihn an.
„Tut das jedes Mal weh?“

„Nur wenn es funktioniert.“

„Und wenn es versagt?“

„Dann werde ich poetisch und sterbe.“

Zoska sah aus, als wolle er seine Lebensentscheidungen schriftlich widerrufen.

Sie erreichten Containerbrücke C-17 über einen Wartungsaufstieg, dessen Leitersprossen feucht, scharfkantig und für kleinere Spezies geplant waren. Oben breitete sich Dockring C unter ihnen aus. Dort standen kleinere Frachter, Schlepper, Shuttlewracks, legale Transportschiffe mit illegalen Zusatzkammern und illegale Schiffe mit überraschend gültigen Papieren. Zwischen Kranmasten und Treibstoffleitungen lag
Ivors Anxarta-Frachter Silver Heron, breit, abgenutzt und mit der trotzig schmutzigen Silhouette eines Schiffes, das zu viele Systeme gesehen hatte, um an Hafenbehörden zu glauben.

An der Rampe standen drei Gestalten. Der Devaronianer lehnte mit einer Zigarette im Mundwinkel an einer Treibstoffsäule und trug den Mantel eines Mannes, der Gewalt gern wie Mode verstand. Eine schmale menschliche Frau arbeitete am Zugangspanel, ihr Datenstift tief im Schlossgehäuse. Ein zweiter Mensch, massig, kahl, mit Panzerweste und ruhigen Schultern, sicherte die Rampe. Im Schatten unter dem Rumpf bewegte sich noch jemand, beinahe unsichtbar, bis Ivors Cyberauge die Wärmespur an der falschen Stelle packte.
Vier. Toorn hatte sich beinahe verzählt. Für einen Ughnaught ungewöhnlich. Ivor legte den EE-4 auf die Brüstung, zielte auf den Devaronianer und sprach über den offenen lokalen Kanal seines Comlinks.

„Freunde der gepflegten Eigentumsverletzung“, sagte er, laut genug, dass seine Stimme durch die Lautsprecher am Dock knisterte. „Ich gebe euch zehn Sekunden, eure Finger von meinem Schiff zu nehmen und so zu tun, als hättet ihr euch nur verlaufen.“

Die Frau am Panel erstarrte. Der Devaronianer nahm die Zigarette aus dem Mund und sah langsam nach oben. Sein Grinsen war schmal, rot im Gesicht, voller professioneller Herablassung. „Krayt. Du siehst beschädigt aus.“

Ivor zielte sorgfältig. „Ich nenne das Geländeoptik.“

„Der Kahn hat neue Besitzer“, sagte der Devaronianer. „Du kannst gehen, siehe es als Respektbekundung, die nur ein einziges Mal wirkt.“

Ivor seufzte. „Cranan 12. Immer charmant, immer beschissen.“

Der Devaronianer hob eine Hand. Unter Ivors Schiff richtete sich ein Schatten mit gezogener Waffe auf, während am Rampenscharnier eine kleine Sprengladung aufblinkte. Präzise genug, um sein Schiff zu öffnen, frech genug, um Ivor Karn persönlich zu beleidigen und den Wert zu mindern.

„Runter“, sagte Ivor, dann schoss er.

Der EE-4 knallte über Dockring C. Die erste Salve zerfetzte eine Treibstoffsäule, Gas schoss in weißem Nebel über den Platz, und noch bevor der Devaronianer fluchen konnte, rammte Ivor Tavin und Zoska in Richtung Wartungsrutsche.


„Zum Schiff!“

„Da stehen vier Bewaffnete!“, schrie Zoska.

„Dann frag nach Gruppenrabatt!“

Sie stürzten hinab in den Dockbereich. Blasterfeuer riss Funken aus Brücken und Leitungen, während Ivor im Nebel auf dem Boden aufkam und sofort wieder in Bewegung war. Der Devaronianer sprang ihm entgegen, Vibroklinge in der Hand, Freude im Gesicht.

„Ich wollte dich schon lange treffen, Krayt.“

Ivor fing den ersten Hieb mit der Unterarmklinge ab und trat ihm das Knie in den Bauch. „Das sagen viele. Meistens sterben sie kontaktfreudig.“

Der Devaronianer war schnell, gemein und gut bezahlt. Seine Klinge suchte Gelenke, Kabelbuchsen und weiche Stellen. Ivor blockte, wich aus, schlug mit der Prothese zurück und sah im Rand seines roten Auges, wie der Saboteur wieder zur Sprengladung griff.

„Tavin! Rampe!“

Der Junge feuerte zweimal. Der zweite Schuss zwang den Saboteur zurück. Ivor packte den Devaronianer am Mantel, rammte ihm die Stirn ins Gesicht und schleuderte ihn gegen die Treibstoffsäule. Eine Zigarette fiel glimmend zu Boden und sah dann zur Gasfahne.

„Rauchen tötet.“

Er trat die Zigarette hinein.

Die Explosion war klein genug, um sein Schiff strukturell zu verschonen, und groß genug, um den Devaronianer in einen Stapel Frachtkäfige zu schicken. Löschschaum regnete über Dockring C, Gildenarbeiter brüllten, Crymorah-Leute fluchten, und Ivors Frachter stand im weißen Nebel wie ein beleidigtes Raubtier.

Die Frau am Zugangspanel hob die Hände, als Ivor auf sie zukam.


„Ich kann's erklären.“

„Wunderbar“, sagte Ivor. „Ich sammle gerade Erklärungen. Bald habe ich ein Sammelalbum.“

„Ich arbeite für Varko Dannik.“

Der Name fiel schwerer als Blasterfeuer. Varko Dannik, Zwischenhändler vom Inducement Plaza, Makler zwischen Mining Guild, Frachthäusern und lokalen Funktionären; höfliches Lächeln, teure Mäntel, saubere Hände, überall Dreck darunter.

„Dannik bezahlt Crymorah?“, fragte Ivor.

Die Frau schluckte.
Dannik verkauft an jeden. Die Gilde, das Crymorah-Syndikat, eure Leute, jeden mit Credits. Der Probenbehälter war der eigentliche Wert. Die Arbeiter haben ihn abgefangen. Seitdem räumt Dannik Spuren auf.“

„Welche Spuren?“ fragte der Reptiloide, denn die Zeit lief und sie hatten, mal wieder, für einigen Wirbel gesorgt.

„Haven 9, Abschnitt A. 'Ne Razzia läuft bereits. Wer vom Behälter weiß, verschwindet.“

Tavin wurde bleich. Ivor hörte die Sirenen, das Fauchen der Löschanlagen und darunter das alte Summen seiner Prothesen. Dravin. Xeva. Schuld mit Stromversorgung. Er richtete sich auf.

„Zoska.“

Der Bahnaufseher zuckte. „Ja?“

„Du kennst die Zugfreigaben.“

„Einige.“

„Heute wirst du fleißig.“

Tavin trat näher. „Wir müssen nach Haven 9.“

Ivor blickte zum Schiff, dann zum brennenden Dockring, dann hinaus zu den Arbeiterbezirken.

„Erst holen wir mein Schiff frei. Dann Haven 9. Danach Dannik.“

Die Frau am Boden flüsterte: „Der Inducement Plaza ist voller Sicherheitszonen.“

Ivor zeigte seine Zähne und antwortete: „Süße, ich war auf Cranan 12 seit einem Monat höflich. Schau, wohin das geführt hat.“

Kurz darauf erwachte die Rampe seines Frachters knirschend zum Leben. Über dem Excarga Yard drehten Gildenscheinwerfer durch Rauch und Staub, während Haven 9 am Rand der Industriezone glomm wie eine entzündete Wunde. Ivor zog, zielte auf die Frau, falls sie auf dumme Gedanken kam und sprach ohne sie aus den Augen zu lassen zu Tavin.

„Na los“, sagte er. „Retten wir dein Viertel, bevor mir wieder einfällt, dass ich eigentlich ein mieser Fleischfresser bin.“

Die Rampe schloss sich hinter ihnen mit einem schweren hydraulischen Stöhnen, und für einen Atemzug verschluckte der Bauch des Frachters den Lärm des brennenden Dockrings. Dann erwachten die Systeme flackernd zum Leben, irgendwo tief im Schiff hustete ein alter Generator wie ein lebensmüder Raucher, und Ivors rotes Cyberauge spiegelte sich in der Frontscheibe des Cockpits, während draußen die Suchscheinwerfer der Gilde hektisch über den Nebel jagten. Haven 9 lag vor ihnen, Dannik dahinter, und Cranan 12 hatte gerade den Fehler gemacht, aus einem bezahlten Auftrag eine persönliche Angelegenheit zu machen.

/// Arkanis Sektor ʭ Cranan System ʭ Cranan 12 ʭ Silver Heron ʭ Ivor Karn, Galdren Zoska [NPC] und Tavin Rell [NPC] \\\
 
/// Arkanis Sektor ʭ Cranan System ʭ Cranan 12 ʭ Silver Heron ʭ Ivor Karn, Galdren Zoska [NPC] und Tavin Rell [NPC] \\\

Der Frachter riss sich vom Dockring los, als hätte er selbst beschlossen, dass Excarga Yard ihm auf Dauer zu viele unangenehme Bekanntschaften zumutete. Unter dem Rumpf platzten Halteklammern aus ihren Verriegelungen, Warnlichter schrien über die Anzeigen, und irgendwo tief im Maschinenraum hustete der Generator in einer Tonlage, die mehr nach alter Gewohnheit als nach technischer Zuverlässigkeit klang. Ivor saß im Pilotensitz, den beschädigten Mantel noch halb über der Flakweste, eine Hand am Steuerjoch, die andere als Metallklaue über den Schaltern, während sein rotes Cyberauge über Statusmeldungen, Sperrcodes und die aufsteigenden Gildenjäger am Rand des Yards jagte.

„Dein Schiff klingt krank, presste Tavin hervor, der sich mit einer Hand an der Lehne des Co-Pilotensitzes festhielt und mit der anderen seine blutende Schulter stützte.

Der FIxer zog den Frachter zwischen zwei Containerkräne, so knapp, dass einer der Ausleger mit einem kreischenden Geräusch über den oberen Rumpf schabte.


„Sie ist sensibel“, sagte er. „Und sie hört gern Komplimente, wenn sie brennt.“

Zoska saß hinter ihnen an einem kleinen Nebenterminal, bleich, verschwitzt, mit zuckenden Lekku und mit der verzweifelten Konzentration eines Twi'lek, der gerade begriffen hatte, dass jeder falsche Tastendruck seine Todesursache in den Bereich des Peinlichen verschieben konnte. Vor ihm liefen Zugfreigaben, Dockfenster, Zollvermerke und Gildenrouten über den Bildschirm. Immer wieder flackerte eine Sperrmeldung auf, dann Ivors gefälschter Wartungsmarker, dann ein alter Bahncode, den Zoska mit zitternden Fingern in das System prügelte.

„Ich kann Haven 9 für sechzehn Minuten aus den lokalen Einsatzkarten nehmen“,erklärte der Schuppenlose. „Mehr schaffe ich kaum. Danach merkt die Leitstelle, dass Abschnitt A plötzlich unter einer Gasleckwarnung liegt.“


„Sechzehn Minuten“, sagte Ivor. „Luxus. Ich habe schon Scheidungen kürzer erlebt.“

Der Frachter schoss über die Containerreihen hinweg, tief genug, um Staubwolken aus den Gassen zu reißen. Hinter ihnen brachen zwei kleine Sicherheitsgleiter aus dem Nebel, schlank, graublau, mit Gildenemblemen auf den Flanken und der kalten Entschlossenheit von Maschinen, die durch private Sicherheitsbudgets moralisch entlastet waren. Ivors linkes Auge flackerte, er biss die Zähne zusammen, zog den Frachter nach rechts und tauchte unter einer schwebenden Frachtplattform hindurch. Der erste Gleiter folgte zu eng. Der zweite Pilot war klüger, blieb höher und setzte eine Warnsalve vor den Bug.

„Die schießen!“, rief
Zoska halb entrüstet.

„Stechende Beobachtungsgabe“, entgegnete Ivor salopp. „Dafür gibt es sicher irgendwann ein Abzeichen.“

Er riss das Steuerjoch herum. Der Frachter legte sich schwerfällig auf die Seite, streifte mit der Unterkante einen Lichtmast und jagte eine Kaskade blauer Funken über das Cockpitfenster. Tavin fluchte in einer Sprache, die Ivor nach vier Wochen Cranan 12 für lokalen Arbeiterdialekt hielt und nach Tonfall für sehr unhöflich. Die erste Sicherheitsmaschine zog zu tief nach, geriet in den Funkenregen und verlor für einen Atemzug die Sensorstabilität. Ivor drückte den Frachter nach unten, zog ihn über eine Reihe leerer Treibstofftanks hinweg und aktivierte mit dem Daumen eine alte Frachtraumöffnung am Heck.

„Was machst du?“, fragte Tavin.

„Entrümpeln.“

Aus dem hinteren Schacht lösten sich drei rostige Containerverriegelungen, ein gebrochener Hydraulikblock und ein Werkzeugkasten, den der Thuggatoris seit Monaten hatte sortieren wollen. Der Kram trudelte in die Flugbahn des ersten Gleiters. Der Pilot wich dem Hydraulikblock aus, nahm den Werkzeugkasten frontal gegen die Kanzel und verschwand in einer taumelnden Kurve hinter einem Kran.

Ivor sah kurz über die Schulter. „Endlich hat Aufräumen mal einen Sinn.“

Der zweite Gleiter blieb dran, hartnäckig, besser geführt, mit einem Piloten, der Ivors Muster las. Kein Gildenangestellter aus dem unteren Regal. Vielleicht Crymorah bezahlt, vielleicht Danniks eigene Reserve. Die Salven kamen enger, gezielter, tasteten nach Triebwerken und Steuerflächen. Ivors rotes Auge zeichnete den Winkel, seine organische Hand zog das Schiff in eine flache Senke zwischen zwei Raffinerieleitungen, und für einen Moment hing Haven 9 vor ihnen im Cockpitfenster.

Der Arbeiterbezirk lag wie ein ausgeschütteter Schrottkasten am Rand der Industriezone: Kapselblöcke aus vergilbtem Plasteel, Kantinenbaracken mit flackernden Reklameschildern, Werkstätten aus Frachtcontainern, gestapelte Schlafmodule, illegale Kabelbäume, Wassertanks auf rostigen Stelzen und dazwischen Gassen, die vom Licht der Smelter Rows in krankem Orange getränkt wurden. Über Abschnitt A standen bereits Suchscheinwerfer. Gildenfahrzeuge blockierten zwei Hauptzugänge. Kleine schwarze Mannschaftstransporter rollten durch die Straßen, ohne Sirenen, mit gedimmten Markierungen und jener stillen Geschwindigkeit, die jeder verstand, der schon einmal erlebt hatte, wie Menschen verschwanden, bevor eine Akte überhaupt begann.


Tavin wurde starr.

„Da unten wohnt meine Schwester“, stammelte er verunsichert.

Ivor antwortete erst, als er den Gleiter hinter sich im Blick hatte, den Abstand berechnete und den alten Deflektorschild des Frachters für drei Sekunden überlastete.

„Dann hoffen wir mal, dass sie deine besseren Entscheidungen geerbt hat.“

Er zog den Frachter in einen brutalen Sinkflug. Der Sicherheitsgleiter folgte, zu schnell, zu siegessicher. Der Geschuppte wartete, bis die Zielwarnung schrill wurde, dann schaltete er die unteren Positionsdüsen aus und ließ das Schiff einen halben Herzschlag sacken. Der Gleiter schoss über ihn hinweg. In diesem Augenblick riss der Reißzahn den Bug hoch und gab eine kurze Salve aus dem ventralen Geschütz ab. Der Treffer fraß dem Gleiter die Steuerflosse weg. Die Maschine taumelte in Richtung eines leeren Schlackebeckens und verschwand in einer Fontäne aus Dampf und geschmolzenem Dreck.

„Keine Sorge“, sagte Ivor, als Zoska entsetzt Luft holte. „Das war bestimmt versichert. Irgendwo. Von jemandem, den ich hasse.“

Der Frachter setzte hart auf einer Freifläche zwischen zwei Wohnblöcken auf. Der Boden war für so viel Gewicht kaum gedacht; Platten sprangen, Kabel rissen, Staub und Abfall wirbelten auf. Noch während die Rampe sank, griff Ivor nach seinem TL-50 und ließ den beschädigten EE-4 im Schiff, prüfte das Magazin und entschied, dass ein schwerer Mehrlader immer noch überzeugender war als freundliche Kommunikation. Draußen brüllte Haven 9. Menschen, Nikto, Rodianer, Weequay, Gran, Twi’lek und ein paar Spezies, deren Namen in den Gildenlisten vermutlich ohnehin falsch geschrieben waren, drängten aus Türen, zogen Kinder in Seitengassen, warfen Kisten aus Fenstern oder rissen hastig Verstecke unter Bodenplatten auf. Gildensöldner trieben Bewohner an Wände, scannten Gesichter, zerrten Männer und Frauen aus Gruppen heraus, während Crymorah-Schläger in zivilen Mänteln zwischen ihnen arbeiteten und jene Ruhe ausstrahlten, mit der Profis fremde Angst inventarisierten. Es war keine offene Schlacht. Es war eine Säuberung mit administrativem Gesicht, eine Razzia, die später als Sicherheitsmaßnahme in irgendeinem Bericht stehen würde.

Ivor trat von der Rampe, breit, staubig, rauchend, mit rotem Auge und schwerem Blaster.

Ein Gildensöldner hob die Waffe.
„Auf den Boden!“

Ivor sah sich kurz um, als suche er nach dem richtigen Ansprechpartner.

„Ich bin gerade gelandet“, sagte er. „Gebt mir wenigstens Zeit, die Gegend zu hassen.“

Dann feuerte er. Der erste Schuss riss dem Söldner die Waffe aus der Hand und schleuderte ihn gegen einen Wassertank. Tavin sprang von der Rampe, rief Namen in die Menge, suchte Gesichter, fand irgendwo eine junge Frau mit staubverschmiertem Gesicht und einem Kind auf dem Arm. Für einen Moment brach in seinem Blick etwas auf, das älter war als der Aufstand und stärker als Angst. Dann war er wieder in Bewegung. Zoska blieb auf der Rampe stehen, als hätte sein Körper einen Streik ausgerufen.

Ivor packte ihn unsanft im Vorbeigehen am Kragen und zog ihn mit. „Du kommst mit.“

„Ich bin Bahnaufseher!“

„Heute bist du Bürgerheld. Beschwer dich später bei der Personalabteilung.“

Sie bewegten sich durch die Hauptgasse von Abschnitt A, während der Frachter hinter ihnen mit geöffneter Rampe wartete und eine wachsende Gruppe von Bewohnern hineinströmte. Ivor schoss selten, aber jedes Mal mit der unangenehmen Präzision eines Mannes, der Gewalt als Interpunktion verstand. Ein Crymorah-Schläger, der eine alte Arbeiterin an den Haaren packte, verlor seinen Blaster und zwei Finger. Ein Gildensöldner, der auf Tavin anlegte, bekam Ivors Metallfaust gegen das Visier und ging zu Boden, als habe ihm jemand den Strom abgedreht. Ein Suchdroide sank rauchend in eine Pfütze, nachdem Ivor ihm mit der Unterarmklinge den Sensorkopf vom Rumpf trennte.

„Karn!“, rief Tavin aus einer Türöffnung. „Hier!“

In einem niedrigen Gemeinschaftsraum, der tagsüber als Kantine, abends als Versammlungspunkt und nachts vermutlich als Schlafplatz diente, hatten sich ein Dutzend Bewohner verschanzt. In der Mitte stand eine versiegelte Transportkiste, klein, frostbeschlagen, mit schwarzem Warnsymbol und mehreren herausgerissenen Gildenmarkern. Daneben kniete Tavins Schwester, eine hagere Frau mit demselben harten Blick, nur älter, schärfer, abgearbeiteter. In ihrer Hand lag ein Blaster, der seit Clone-Wars-Tagen wahrscheinlich mehr Besitzer als Wartungen gesehen hatte.

„Tavin“, sagte sie, und in dem einen Wort lagen Erleichterung, Vorwurf und die Müdigkeit eines ganzen Bezirks.

Mara, das ist Karn.“

Sie musterte Ivor streng von oben nach unten. „Der Black-Sun-Mann?“

Ivor sah zur Kiste, dann zu ihr. „Heute bin ich eher freiberuflicher Ärger.“

Mara verzog keine Miene. „Die Kiste muss raus. Wenn Dannik sie bekommt, sind alle verschwunden, die davon wissen.“

Der Geschuppte trat näher an den Probenbehälter. Sein Scannerarm summte, das rote Auge zog Daten aus dem Frostfilm, Warncodes, Materialsignatur, schwache Energieemissionen, merkwürdige Interferenz am Rand des Spektrums. Für einen Moment flackerte seine Optik stärker als zuvor. Kein gewöhnlicher Erzfund oder eine Substanz aus einem normalen Gildenlabor. Etwas in diesem Behälter störte Sensorik und Nerven zugleich, kalt, tief, unangenehm lebendig in der Art, wie manche Dinge in der Galaxis wirkten, obwohl sie aus Stein kamen.

„Was ist da drin?“, fragte er skeptisch und wischte sich die metallische Klaue ab, als müsse er seine Sensorik säubern.

Mara schüttelte den Kopf. „Ein Splitter aus der neuen Ader. Die Techniker nannten ihn Nullkristall. Danach redeten sie nur noch hinter Türen.“

Zoska trat einen Schritt zurück. „Bei den Schächten gab es Gerüchte. Maschinen, die ohne Strom anliefen. Männer, die Stimmen aus ausgeschalteten Comlinks hörten. Eine ganze Schicht, die laut Bericht nie existiert hat.“

Draußen schlug eine Detonation in die Gasse. Staub fiel von der Decke. Kinder schrien. Ivor richtete sich auf.

„Wunderbar“, sagte er und verdrehte sowohl das organische als auch das kybernetische Auge. „Verfluchtes Gestein im Handgepäck. Genau das hat meiner Woche gefehlt.“

Tavin sah ihn an. „Du bringst es weg?“

Ivor blickte zu Mara, zu den Bewohnern, zur Kiste, dann durch das Fenster hinaus auf die Männer mit den Waffen und die Lichter der Gilde. In seinem Kopf arbeitete die alte Rechnung: Black Sun würde zahlen. Crymorah würde zahlen. Dannik hatte bereits verkauft. Die Mining Guild würde dafür töten und zwar nicht zu knapp. Dravin brauchte Behandlungen, Spezialisten, Medikamente, alles, was Credits aus Schuld herauspressen konnten. Auf Cranan 12 standen gerade genug Credits im Raum, um einen anständigen Mann zu ruinieren. Ivor Karn war nie in Gefahr gewesen, ein anständiger Mann zu werden.

Er trat zur Kiste, packte sie mit der Metallhand am Griff und hob sie hoch. Der Frost fraß sich knisternd über die Prothese.


„Ich bringe sie weg“, sagte er. „Und vorher sorge ich dafür, dass Dannik aufhört, Leute aus ihren Betten zu pflücken.“

Mara nickte langsam. „Warum?“

Ivor sah sie an, und für einen Moment wurde sein mit Reißzähnen versehenes Grinsen müde.

„Weil ich einen schwachen Tag habe. Nutzt ihn, bevor ich mich bessere.“

Sie rannten zurück zum Frachter, Mara mit den Kindern und Alten, Tavin mit erhobenem Blaster, Zoska mit einem Datenpad voller improvisierter Zugcodes, Ivor zuletzt, die Kiste in einer Hand, den TL-50 in der anderen. Hinter ihnen rückten Gildensöldner nach, flankiert von Crymorah-Leuten, die inzwischen begriffen hatten, dass aus einer Razzia ein sehr persönliches Missverständnis geworden war. Die Silver Heron nahm die ersten Flüchtenden auf, viel zu viele für Komfort, gerade genug für Hoffnung. Der Laderaum füllte sich mit Atem, Husten, Blut, Staub und dem Geruch von Wesen, die ihr Zuhause verlassen mussten, bevor es in einem Bericht verschwand. Als die Rampe hochfuhr, schlug eine Blastersalve gegen den Rand. Ivor stand im Schließspalt, hob den Mehrlader und gab eine letzte Antwort in die Gasse, breit genug, laut genug, endgültig genug, um den Vormarsch für kostbare Sekunden zu brechen. Dann schloss sich die Rampe. Im Halbdunkel des Frachtraums starrten Dutzende erschöpfte Gesichter auf ihn. Die Kiste mit dem Nullkristall dampfte zu seinen Füßen. Über Funk kreischten Warnungen, Fahndungsmarker, Dockblockaden, Einsatzbefehle. Zoska sah auf sein Pad und wurde noch blasser.

Dannik verlegt den Laborzug“, sagte er. „Abfahrt sofort. Er geht direkt zum Crystal Gate.“


Ivor wischte sich Blut und Staub von der Schnauze, sah zur frostigen Kiste, dann in Richtung Cockpit.

„Natürlich tut er das“, sagte er. „Alle wollen immer abreisen, wenn ich anfange, Spaß zu haben.“

Er stapfte nach vorn, während der Frachter erneut bebte und sich schwerfällig vom Boden löste. Hinter ihnen sank Haven 9 in Staub und Suchscheinwerfer zurück. Vor ihnen wartete Crystal Gate, der Laborzug und Varko Dannik, der wahrscheinlich gerade glaubte, aus sicherer Entfernung eine Krise zu verwalten. Der Thuggatoris setzte sich in den Pilotensitz, legte die Metallhand auf das Steuer und zeigte dem brennenden Horizont seine Zähne.

„Na schön“, murmelte er. „Dann holen wir uns jetzt den Mann mit der Rechnung.“

/// Arkanis Sektor ʭ Cranan System ʭ Cranan 12 ʭ Silver Heron ʭ Ivor Karn, Galdren Zoska [NPC] und Tavin Rell [NPC] und ein Haufen Geflüchteter \\\
 
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