Iridonia

[Iridonianische-Liga | Glythe-Sektor | Iridonia | Malidris | Botschaftskomplex des Galaktischen Imperiums "Grey Spire"] - Leopold August Fourb von Bühl, Uric Jerricko

Sein Urlaub war vorüber gegangen wie es zu erwarten war, viel zu schnell und mit einigen Unterbrechungen. Er mochte die Arbeit auf dem Kolonieplaneten sehr, all die Möglichkeiten und die Gestaltungsfreiheit, die sich ihm bot. Doch ohne Unterbrechung war es dort auch nicht auszuhalten. Er war in der absoluten Oberschicht Ralltiirs aufgewachsen, hatte ein äußerst luxuriöses Leben geführt und auch seine Anstellung in der Fourb Gruppe hatte daran wenig geändert, war er doch ein Neffe des Generaldirektors Joseph Fourb. Da stellte das Leben in einer solchen Kolonie doch eine gewisse ... Umstellung dar. Er hatte gerade auf Marquinn an Deck seiner Yacht gelegen, als die Firmenleitung ihn kontaktiert hatte. Sein Ruf als Fachmann für Entwicklungsprojekte war in der Firma bekannt, ansonsten hätte man ihn wohl kaum nach KP-1 geschickt, wo es neben wirtschaftlichen Gewinnen durchaus auch um die Entwicklung der Kolonie ging. Und anscheinend befand sich wohl direkt auf seinem Weg zurück in den Unbekannten Raum eine weitere Front, wo er in dieser Hinsicht tätig werden konnte. Das dieser Rückweg eigentlich zu diesem Zeitpunkt noch zwei Wochen in der Zukunft gelegen hatte und nun das Studium von Akten und Geschäftsberichten zu seiner Haupt-"Urlaubsbeschäftigung" gemacht worden war, störte in der Geschäftsleitung wohl niemanden.

Iridonia war ein Hauptgewinn, was Erzgewinnung anging, soviel wusste er bereits. Und nachdem er sich die Akten und Dossiers durchgelesen hatte, konnte er sich ein recht gutes Bild über die politische Situation hier vor Ort machen. Und wie die Fourb-Gruppe diese mitgestalten und sie durchaus auch für sich nutzen konnte. Die politisch prekäre Situation vor Ort hatte bisher verhindert, dass die Fourb-Gruppe groß in den Glythe-Sektor expandiert war, doch nun schien Ordnung eingekehrt zu sein und die Programme die von der Imperialen Botschaft ausgearbeitet worden waren, schienen vielversprechend zu sein. Der Vertreter der Interessen vor Ort war ein hagerer, beinahe kränklich aussehender Mann. Uric Jerricko war aber loyal zum Unternehmen, stammte von Uyter und arbeitete bereits in dritter Generation für die Firma seiner Familie. Zudem schien sein Verstand durchaus etwas her zu machen, auch, wenn es sein Äußeres nicht tat, vertraute man den Akten. Leopold hatte von Marquinn regelmäßig in Kontakt mit dem Mann gestanden, der bereits vor Ort einige erste Kontakte etabliert hatte. Hier auf Iridonia im Botschaftskomplex trafen sie sich nun zum ersten Mal persönlich. Sie hatten sich zum Essen getroffen und waren direkt danach weiter in Richtung des Treffpunktes mit Konsulin Vendar spaziert. Dass diese Konsulin eine Verwandte der neuen Imperatorin war, war wohl ein weiterer Grund gewesen, warum man Jerricko nicht alleine zum ersten Treffen hatte schicken wollen, sondern jemanden aus der Familie, der selbst aus adeligen Kreisen Ralltiirs stammte. Dass der Glythe Sektor noch dazu in der strategischen Umgebung von KP-1 lag, gab dem ganzen dann wohl den letzten Ausschlag.

Mittlerweile waren sie vor dem Büro eingetroffen, dass ihnen als Treffpunkt mitgeteilt worden war und sie warteten darauf eingelassen zu werden. Leopold strich sich seinen dunkelbraunen Dreiteiler glatt und ging sich durch sein Haar. Jerricko machte in seinem Anzug auch einen äußerst kompetenten Eindruck, doch Attraktivität konnte er damit nicht vortäuschen. Leopold, der ohnehin schon ein ziemlich attraktiver Mann war, wirkte neben seinem Partner nochmals besser aussehender, wie er fand als er sich für den Termin mit der Konsulin noch ein letztes Mal herrichtete. Währenddessen ging Jerricko die Akten mit ihm gemeinsam durch. Er hatte die letzten Wochen auf Iridonia wirklich gut genutzt und bereits einige Kontakte geschlossen und Bodenproben und Analysen vorbereiten lassen. Sobald einmal dieser wichtige erste Tanz mit Konsulin Vendar getanzt war, würde Uric Jerricko die Geschäfte auf Iridonia auch gut ohne seine Unterstützung weiterführen, dessen war er sich sicher.

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[Iridonianische-Liga ++ Glythe-Sektor ++ Iridonia ++ Malidris ++ Botschaftskomplex des Galaktischen Imperiums "Grey Spire"] Vesperia Vendar

Draußen waren bereits Schritte zu hören während Vesperia sich mit den letzten Zeilen ihres vorbereiteten Dossiers beschäftigte. Sie saß an ihren Schreibtisch, hinter ihr die gigantische Panoramaaussicht auf Malidris, gewandt zur Tür in ihrem halbrunden Büroraum. Herzklopfen hatte sie keines mehr vor solchen Terminen aber sie müsste lügen wenn ihr Kiefer nicht unwillkürlich malen würde. Auf ihren Schultern lastete ein Gewicht das nur wenige Nachvollziehen konnten, zusätzlich erwartete Baron Dalmard Ergebnisse wenn er zurückkehrte. Ein letzter Blick in das Dokument das ihr der Stab zusammengestellt hatte, nach ihrer Weisung natürlich.

GALAKTISCHES IMPERIUM​

MINISTERIUM FÜR ÄUSSERE ANGELEGENHEITEN​

IMPERIALE BOTSCHAFT BEI DER IRIDONIANISCHEN LIGA – GREY SPIRE, MALIDRIS​

VORLÄUFIGES PERSONEN-, KONZERN- UND VERHANDLUNGSDOSSIER
Einstufung:
VERTRAULICH – NUR FÜR DEN DIENSTGEBRAUCH
Aktenzeichen: IRL/MÄA-KON/FG-41-7
Empfängerin: Konsulin Vesperia Alessia Renata Keto Vendar
Gegenstand: Leopold August Fourb von Bühl; Uric Jerricko; Fourb-Gruppe
Anlass: Vorbereitung des Erstgesprächs im Botschaftskomplex
Bearbeitungsstand: Vorlage unmittelbar vor Terminbeginn


I. Vermerk zur Quellenlage​

Die nachfolgende Auswertung verbindet imperiale Registerauszüge, öffentlich zugängliche Unternehmensangaben, wirtschaftliche Meldedaten, gesellschaftliche Verzeichnisse, Erkenntnisse der Botschaft sowie eine vorläufige Auswertung der Aktivitäten der Fourb-Gruppe auf Iridonia. Der Umfang des Konzerns und die enge Verflechtung von Familie, Politik und Unternehmensführung machen eine vollständige Trennung zwischen privaten und geschäftlichen Interessen nur eingeschränkt möglich.

Die verwendeten Kennzeichnungen bedeuten:

  • GESICHERT: durch mehrere belastbare Einträge oder amtliche beziehungsweise unternehmerische Unterlagen bestätigt.
  • WAHRSCHEINLICH: durch Indizien gut gestützt, jedoch noch nicht abschließend belegt.
  • BEWERTUNG: analytische Schlussfolgerung der Botschaft; nicht als Tatsachenbehauptung zu behandeln.
  • OFFEN: vor oder während des Gesprächs zu klären.
Es wird empfohlen, die Gäste nicht erkennen zu lassen, wie weit die örtliche Vorprüfung bereits fortgeschritten ist. Besonders die Reichweite von Herrn Jerrickos Kontakten, die genaue Herkunft seiner Bodenproben und die interne Vollmachtsverteilung sollten zunächst durch freie Angaben der Delegation geprüft werden.


II. Kurzlage für die Konsulin​

Die Fourb-Gruppe ist kein gewöhnlicher Bergbaubetrieb, sondern ein über zwei Standardjahrhunderte gewachsener, familiengeführter Konzern mit eigener Rohstoffförderung, interstellarer Frachtkapazität, Kolonialentwicklung, Beteiligungsverwaltung und einer ausgeprägten gesellschaftspolitischen Außendarstellung. Der Konzern kann ein Abbaugebiet nicht nur erschließen, sondern die vollständige wirtschaftliche Umgebung darum errichten: Arbeiteransiedlungen, Raumhafen, Versorgung, Transport, Sicherheitsverträge und öffentliche Begleitprogramme. Darin liegt sowohl sein Wert als auch seine Gefahr.

Leopold August Fourb von Bühl ist als Angehöriger der erweiterten Familie des Generaldirektors und als Fachmann für Entwicklungsprojekte der ranghöhere Gast. Seine Anwesenheit verleiht dem Termin dynastisches Gewicht. Es ist jedoch nicht belegt, dass er rechtsverbindliche Abschlussvollmacht für die Gesamtgruppe besitzt. Seine derzeitige Verwendung auf KP-1 spricht für praktische Erfahrung mit großräumigen Erschließungs- und Kolonialvorhaben.

Uric Jerricko ist der voraussichtliche dauerhafte Vertreter vor Ort. Er hat bereits Kontakte hergestellt, Bodenproben veranlasst und Analysen vorbereiten lassen. Seine äußere Zurückhaltung darf nicht mit geringer Bedeutung verwechselt werden. Falls ein Geschäft zustande kommt, wird voraussichtlich Jerricko und nicht Leopold die laufende Umsetzung steuern.

Gesamtbewertung: Die Fourb-Gruppe ist als Partner für eine kontrollierte wirtschaftliche Erschließung Iridonias grundsätzlich geeignet. Sie verfügt über Kapital, Erfahrung, Transportmittel und politische Zugänge. Ihre lange Geschichte zeigt allerdings, dass sie politische Systeme weniger aus Überzeugung unterstützt als nach deren Nutzen für Stabilität, Vermögensschutz und Expansion beurteilt. Ihre gegenwärtige proimperiale Ausrichtung ist real, aber strategisch motiviert. Der Konzern sollte deshalb Zugang zu einem geregelten Verfahren erhalten, nicht zu einem Privileg ohne Gegenleistung.

Empfohlene Leitlinie: Anerkennung ohne Unterordnung; Kooperation ohne Exklusivität; schrittweise Genehmigungen statt umfassender Vorrechte; vollständige Datenteilung und überprüfbare Verpflichtungen.


III. Hauptperson: Leopold August Fourb von Bühl​

1. Identitäts- und Funktionsdaten​

MerkmalAktenlage
Vollständiger NameLeopold August Fourb von Bühl
Spezies/GeschlechtMensch, männlich
HerkunftRalltiir
Gesellschaftliche StellungAngehöriger der absoluten Oberschicht Ralltiirs; Verbindung zu dortigen Adelskreisen
FamilienbeziehungNeffe des Generaldirektors Joseph Fourb
ArbeitgeberFourb-Gruppe
FachgebietEntwicklungsprojekte; wirtschaftliche Erschließung und Aufbau kolonialer Strukturen
Derzeitige HauptverwendungKolonieplanet KP-1
Formale KonzernfunktionNicht abschließend ausgewiesen
AbschlussvollmachtNicht bestätigt
Aufenthalt vor AnreiseMarquinn; privater Aufenthalt an Bord einer Yacht
Zweck des Iridonia-BesuchsStrategische Erstansprache; Prüfung eines Engagements der Fourb-Gruppe im Glythe-Sektor, insbesondere auf Iridonia

2. Berufliches Profil​

GESICHERT: Leopold genießt innerhalb der Fourb-Gruppe den Ruf eines Fachmanns für Entwicklungsprojekte. Seine Entsendung nach KP-1 wäre ohne entsprechendes Vertrauen der Unternehmensleitung unwahrscheinlich. Dort geht es nicht lediglich um Rohstoffgewinnung, sondern um den Aufbau einer Kolonie, die Erschließung bislang kaum erfasster Regionen, neue Transportwege, Forschungsstandorte und die spätere wirtschaftliche Nutzung natürlicher Ressourcen.

Seine Qualifikation dürfte daher vor allem in der Verbindung mehrerer Unternehmenssparten liegen. Ein Vorhaben auf Iridonia könnte aus seiner Sicht gleichzeitig ein Projekt von Fourb-Mining, Fourb-Transporting und Fourb-Colonies sein, flankiert durch Fourb-Charity und gegebenenfalls die Victorius-Fourb Holding. Er ist folglich nicht nur als Minenfachmann zu behandeln, sondern als möglicher Architekt eines vollständigen wirtschaftlichen Standorts.

BEWERTUNG: Seine Entsendung unmittelbar aus einem privaten Aufenthalt und vor der planmäßigen Rückkehr nach KP-1 deutet auf Priorität und Zeitdruck hin. Die Konzernleitung will offenbar frühzeitig Position beziehen, bevor konkurrierende Unternehmen oder örtliche Interessengruppen die verfügbare politische und wirtschaftliche Fläche besetzen.

3. Gesellschaftliches und persönliches Profil​

Leopold ist in außerordentlichem Wohlstand aufgewachsen und führt diesen Lebensstil trotz seiner Tätigkeit in abgelegenen Kolonialgebieten fort. Der Besitz oder die regelmäßige Nutzung einer Yacht, sein Aufenthalt auf Marquinn und seine Einbindung in die gesellschaftliche Oberschicht Ralltiirs sind gesichert. Er legt Wert auf ein gepflegtes, standesgemäßes Auftreten. Die bisherige Beobachtung im Botschaftskomplex zeigt einen dunkelbraunen Dreiteiler, sorgfältige Selbstkontrolle vor dem Empfang sowie sichtbare Aufmerksamkeit für Frisur und Erscheinungsbild.

BEWERTUNG: Leopold besitzt ein ausgeprägtes Bewusstsein für Rang, Familie und persönliche Wirkung. Dies macht ihn für korrektes Protokoll und eine erkennbare Würdigung seiner Stellung empfänglich. Übertriebene Schmeichelei wäre jedoch kontraproduktiv: Sie könnte ihn darin bestätigen, dass die Botschaft aus Prestigegründen auf die Fourb-Gruppe angewiesen sei.

Sein Komfortbedürfnis darf nicht mit mangelnder Belastbarkeit gleichgesetzt werden. Er arbeitet trotz der entbehrungsreicheren Bedingungen auf KP-1 und hat sich kurzfristig in umfangreiche Akten und Geschäftsberichte zu Iridonia eingearbeitet. Hinter Eitelkeit und Standesbewusstsein steht damit wahrscheinlich eine ernst zu nehmende berufliche Befähigung.

4. Voraussichtliche Rolle im Gespräch​

WAHRSCHEINLICH: Leopold wurde aus drei Gründen entsandt:

  1. um den Erstkontakt durch ein Mitglied der Unternehmerfamilie aufzuwerten;
  2. um der Konsulin als Angehöriger einer bedeutenden Familie und der ralltiirischen Oberschicht gesellschaftlich auf Augenhöhe zu begegnen;
  3. um Iridonia in eine größere Entwicklungsplanung einzufügen, die KP-1 und den angrenzenden Raum einschließt.
Seine Anwesenheit ist damit zugleich Respektsbekundung und Verhandlungsmittel. Die Fourb-Gruppe dürfte erwarten, dass ein Familienmitglied leichter Zugang zu einer Konsulin erhält, deren eigene familiäre Verbindung zum imperialen Hof öffentlich bekannt ist.

OFFEN: Es ist zu klären, ob Leopold lediglich eine strategische Absichtserklärung abgeben, eine Vorvereinbarung aushandeln oder konkrete Rechte beantragen darf. Er sollte vor jeder materiellen Zusage um schriftliche Bestätigung seines Mandats, des zuständigen Konzernzweigs und der vorgesehenen Zeichnungsberechtigten ersucht werden.

5. Stärken, Ansatzpunkte und Warnzeichen​

Stärken

  • unmittelbarer Zugang zur Unternehmerfamilie und wahrscheinlich zur Generaldirektion;
  • Erfahrung mit komplexen Entwicklungsprojekten unter schwierigen Bedingungen;
  • Fähigkeit, Rohstoffgewinnung, Logistik und Siedlungsentwicklung zusammenzudenken;
  • gesellschaftliche Gewandtheit und Kenntnis hochrangiger Umgangsformen;
  • Bereitschaft, sich kurzfristig und intensiv in neue Aktenlagen einzuarbeiten.
Ansatzpunkte

  • Bedeutung eines langfristigen Vermächtnisses für die Familie Fourb;
  • Wunsch nach sichtbarer Anerkennung als bevorzugter, aber nicht alleiniger imperialer Entwicklungspartner;
  • Interesse an einer Verbindung zwischen Iridonia, dem Glythe-Sektor und KP-1;
  • Bedürfnis, gegenüber der Unternehmensleitung einen frühen und prestigeträchtigen Erfolg nachzuweisen;
  • gegenwärtige proimperiale Expansion des Konzerns.
Warnzeichen

  • erkennbare Bereitschaft, politische Übergangsphasen wirtschaftlich zu nutzen;
  • mögliche Überschätzung der Wirkung von Name, Vermögen und gesellschaftlichem Rang;
  • ungeklärte persönliche Abschlussvollmacht;
  • Gefahr, dass ein repräsentatives Auftreten die tatsächlichen Konditionen und Zuständigkeiten verdeckt;
  • mögliche Trennung zwischen von Leopold zugesagter strategischer Großzügigkeit und von Jerricko später verlangter operativer Härte.

6. Empfohlene persönliche Behandlung​

Leopold sollte mit vollständiger protokollarischer Höflichkeit empfangen und als Familienrepräsentant anerkannt werden. Danach ist das Gespräch zügig von der gesellschaftlichen auf die sachliche Ebene zu führen. Geeignet ist eine Formulierung, die seine Erfahrung würdigt, aber die Hierarchie klarstellt. Er sollte zunächst die strategische Vision der Gruppe darstellen. Anschließend sind die technischen und örtlichen Angaben ausdrücklich an Jerricko zu richten. So wird Leopolds Rang gewahrt, ohne dass Jerrickos Sachwissen hinter ihm verborgen bleibt.


IV. Begleitperson: Uric Jerricko​

1. Identitäts- und Funktionsdaten​

MerkmalAktenlage
NameUric Jerricko
HerkunftUyter
ArbeitgeberFourb-Gruppe
Familienbindung an den KonzernSeine Familie arbeitet nach vorliegenden Angaben in dritter Generation für die Fourb-Gruppe
FunktionÖrtlicher Interessenvertreter und voraussichtlich dauerhafter Ansprechpartner auf Iridonia
AuftretenHager, gesundheitlich angegriffen wirkend, geschäftsmäßig gekleidet
Fachliche EinschätzungIntelligent, loyal, gut vorbereitet
Vorarbeit auf IridoniaErste Kontakte; Bodenproben; vorbereitete Analysen
Verhältnis zu LeopoldBislang regelmäßiger Fernkontakt; erstes persönliches Zusammentreffen auf Iridonia

2. Operative Bedeutung​

Jerricko ist für den tatsächlichen Verlauf eines möglichen Projekts wahrscheinlich wichtiger als sein protokollarischer Rang vermuten lässt. Er verfügt über die örtlichen Kontakte, kennt die bereits untersuchten Flächen und wird nach Leopolds Abreise voraussichtlich die Geschäfte der Fourb-Gruppe weiterführen.

BEWERTUNG: Seine mehrgenerationale Bindung an den Konzern begünstigt Loyalität, kann aber zugleich eine Unternehmensmentalität hervorgebracht haben, in der die Interessen der Familie Fourb als selbstverständlich über denen örtlicher Partner stehen. Er ist eher als Berufsfunktionär einer Dynastie denn als unabhängiger Sachverständiger zu betrachten.

3. Vor dem Gespräch zu sichernde Punkte​

Die bereits entnommenen Bodenproben und vorbereiteten Analysen sind von besonderer Bedeutung. Zu klären sind:

  • genaue Entnahmeorte und Koordinaten;
  • Rechtsgrundlage und Zustimmung der jeweiligen örtlichen Stellen;
  • Namen aller lokalen Vermittler, Grundbesitzer, Clanvertreter oder Verwaltungsangehörigen;
  • Umfang, Art und Verbleib der Proben;
  • beteiligte Labore und lückenlose Übergabekette;
  • bereits gemachte finanzielle oder politische Zusagen;
  • vorläufige Rohstoffbewertung und erwartete Abbaumengen;
  • Weitergabe der Ergebnisse innerhalb oder außerhalb der Fourb-Gruppe.
Falls Jerricko bei diesen Punkten ausweichend antwortet, ist davon auszugehen, dass die Gruppe ihren Informationsvorsprung zunächst in Verhandlungsmacht umwandeln will. Eine weitere Genehmigung sollte dann bis zur vollständigen Offenlegung ausgesetzt werden.

4. Empfohlene Gesprächsführung​

Jerricko ist ohne Bezug auf sein äußeres Erscheinungsbild und mit derselben sachlichen Höflichkeit wie Leopold zu behandeln. Direkte, präzise Fragen dürften bei ihm wirksamer sein als gesellschaftliche Annäherung. Sein Verhältnis zu Leopold sollte durch abwechselnde Fragen geprüft werden: Werden operative Fragen ausschließlich von Jerricko beantwortet, strategische Zusagen jedoch nur von Leopold, bestätigt dies die angenommene Arbeitsteilung.


V. Die Fourb-Gruppe​

1. Herkunft und Entwicklung​

Die Fourb-Gruppe ist ein Familienunternehmen in der zehnten Generation. Ihr Ursprung liegt in einer privaten Mine auf Uyter, die vor mehr als zweihundert Standardjahren in den Besitz der Familie gelangte. Aus der ursprünglichen Förderung entwickelte sich unter Victorius Fourb ein eigener Transportzweig, zunächst für die Verschiffung der eigenen Erze und später für externe Frachtkunden.

Nach dem neunzigjährigen Bestehen geriet das Unternehmen durch interne Schwierigkeiten und schwere Korruptionsvorwürfe unter Druck. Die damalige Generaldirektorin Cassandra Fourb gründete daraufhin den späteren Zweig Fourb-Charity, der Arbeitsbedingungen beaufsichtigen, Korruption verhindern und das öffentliche Bild der Gruppe verbessern sollte. Der Konzern stellt diese Reform bis heute als Beleg seiner Selbstkontrolle dar. Die Entstehungsgeschichte zeigt jedoch ebenso, dass öffentliche Wohltätigkeit und Reputationspflege von Beginn an Teil derselben Institution waren.

Die Firmengeschichte ist von starken Patriarchen und Matriarchinnen, misslungenen Nachfolgen, innerfamiliären Machtkämpfen und wiederholten Phasen erneuter Expansion geprägt. Unter Joseph Fourb erreichte die Gruppe ihren bisherigen wirtschaftlichen Höhepunkt.

Aktenabweichung: In der öffentlichen Unternehmensdarstellung wird der frühe Minenbesitzer als Wilhelm Jakob Fourb geführt, während die ausführlichere Familienchronik Wilhelm Joseph Fourb nennt. Der Unterschied dürfte genealogischer oder redaktioneller Natur sein, ist aber als Beispiel für die kuratierte Selbstdarstellung der Dynastie festzuhalten.

2. Politische Grundhaltung​

Die Fourb-Gruppe verfolgt seit vergleichsweise kurzer Zeit einen deutlich proimperialen Kurs. Nach eigener Planung soll ihr Besitzanteil im Raum der Neuen Republik über zwanzig Standardjahre um vierzig Prozent sinken, während die Vermögenswerte auf imperialem Gebiet um fünfzig Prozent wachsen sollen. Als Gründe werden die größere Fähigkeit des Imperiums zur galaktischen Einigung, der Schutz des Firmenvermögens vor einem erwarteten Krieg sowie neue Partnerschaften mit imperialen Stellen genannt.

Gleichzeitig unterhält die Gruppe weiterhin einen auf republikanische Angelegenheiten ausgerichteten Hauptsitz auf Mon Calamari. Die Hinwendung zum Imperium ist daher keine bereits abgeschlossene Loslösung von republikanischen Märkten.

BEWERTUNG: Die Loyalität der Fourb-Gruppe zum Imperium ist gegenwärtig nützlich und wirtschaftlich belastbar, aber nicht uneigennützig. Das Unternehmen unterstützt Ordnung, wenn es deren Regeln beeinflussen und seine Investitionen schützen kann. Die Familiengeschichte auf Uyter bestätigt diese Anpassungsfähigkeit: Joseph Fourb unterstützte während der dortigen Revolution frühzeitig gemäßigte Kräfte, half ihnen durch Finanzierung zur Durchsetzung und bewahrte der Familie dadurch Einfluss in der neuen Ordnung. Die Fourbs hängen weniger an einer Staatsform als an einem System, in dem Eigentum, Verträge und politische Zugänge berechenbar bleiben.

3. Konzernsparten​

SparteLeitungKerngeschäftRelevanz für Iridonia
Fourb-MiningLevis JamiesonErzabbau; besonders Eisen und Cortosis; keine GasförderungExploration, Abbau und Betrieb möglicher Minen; Aufbau von Arbeiteransiedlungen und eigenen Umschlagplätzen
Fourb-TransportingArnold Jonathan HeavesKonzerninterne und externe Fracht; große, verstärkte Frachterflotte; WerftbetriebAbtransport von Rohstoffen, Versorgung neuer Standorte, möglicher Aufbau eines dauerhaften Frachtkorridors
Fourb-CharityHeather TaiswaterArbeitsaufsicht, Korruptionsprävention, Wohltätigkeit, Veranstaltungen, Öffentlichkeitsarbeit und MarketingAbfederung lokaler Widerstände; soziale Programme; Kontrolle des öffentlichen Erscheinungsbilds des Projekts
Fourb-ColoniesChester KlenstrowErkundung und Kolonisierung im Unbekannten Raum mit imperialen SubventionenEntwicklungsplanung, Siedlungsbau, Infrastruktur und Verbindung zu KP-1
Victorius-Fourb HoldingOviel Fourb-Tioni; Baron GyzerVerwaltung von Familienvermögen, Immobilien und Beteiligungen; AktienhandelFinanzierung, gesellschaftsrechtliche Konstruktion, mögliche Projektgesellschaften und strategische Beteiligungen

Fourb-Mining​

Der älteste und stärkste Konzernzweig unterhält Minen in weiten Teilen der Galaxis. Größere Standorte werden häufig durch konzernnahe Arbeiterdörfer ergänzt. Deren soziale Aufsicht liegt bei Fourb-Charity; der Schutz wird in enger Zusammenarbeit mit privaten Sicherheitsunternehmen gewährleistet. Größere Standorte verfügen teils über eigene kleine Raumhäfen, die überwiegend Fourb-Transporting vorbehalten sind.

Der Hauptsitz befindet sich bei den Tipoca-Minen auf Kessel. Die Gruppe fördert eine breite Auswahl an Erzen, wobei Eisen und Cortosis einen erheblichen Anteil bilden.

Folgerung für Iridonia: Ein Angebot der Fourb-Gruppe wird mit hoher Wahrscheinlichkeit über den bloßen Abbau hinausgehen. Zu erwarten sind Forderungen nach zusammenhängenden Flächen für Mine, Wohnbereiche, Lager, Energieversorgung, Sicherheitszonen und Frachtanlagen. Eine solche Ansiedlung kann Infrastruktur schaffen, aber ebenso einen faktisch konzernkontrollierten Bezirk hervorbringen.

Fourb-Transporting​

Der Transportzweig betreibt eine breit aufgestellte Handelsflotte. Besonders häufig werden Action-VI-Schwertransporter eingesetzt. Die Schiffe werden regelmäßig mit verstärkter Panzerung und verbesserten Schilden ausgerüstet; der Begleitschutz erfolgt durch private Sicherheitsfirmen. Der Hauptsitz und die zentrale Werft befinden sich auf Fondor. Dort werden auch fremde Schiffe gegen hohe Gebühren untergebracht, repariert und modifiziert.

Der wiederholte Versuch, ein profitables Geschäft mit Passagiertransporten aufzubauen, ist bislang nicht erfolgreich. Für Iridonia ist dies nur insoweit bedeutsam, als die Gruppe ihre Stärke eindeutig im Fracht- und nicht im zivilen Personenverkehr besitzt.

Fourb-Charity​

Fourb-Charity ist zugleich Sozialaufsicht, Antikorruptionsstelle, Veranstalter, Marketingapparat und öffentliches Gesicht des Konzerns. Diese Bündelung ermöglicht schnelle Reaktionen auf örtliche Kritik, verhindert aber eine wirklich unabhängige Kontrolle der übrigen Konzernzweige.

Bewertung: Angebote für Kliniken, Ausbildungsprogramme, kulturelle Förderung oder Unterstützung örtlicher Gemeinschaften sind als reale Leistungen zu würdigen, dürfen jedoch nicht an dauerhafte Abbaurechte oder politische Loyalität gekoppelt werden. Sozialleistungen sollten vertraglich messbar sein und möglichst unter gemeinsamer Aufsicht stehen.

Der in älteren Unterlagen genannte Sitz in Baliss Hall auf Alderaan ist wegen des Alters und möglicher Unvollständigkeit des Registers erneut zu verifizieren.

Fourb-Colonies​

Der jüngste und experimentellste Zweig arbeitet mit imperialen Subventionen an der Erkundung und Kolonisierung des Unbekannten Raums. Sein Survey-Komplex auf Nirauan verbindet Verwaltung, Kolonistenunterkünfte, militärisch nutzbare Einrichtungen und eine Orbitalstation. Die Sparte strebt Vorrechte in neu erschlossenen Gebieten sowie langfristig bessere Beziehungen zum Imperium an.

KP-1 ist ein aktuelles Beispiel für diese Arbeitsweise. Die Fourb-Gruppe ist dort neben der Kolonialverwaltung und wissenschaftlichen Einrichtungen an der Erschließung bislang kaum erforschter Regionen beteiligt. Geplant sind Außenposten, Landeflächen, Labore, Lager, Werkstätten, medizinische und sicherheitsbezogene Einrichtungen sowie neue Handelswege. Rohstoffinteresse, Forschung, Siedlungsentwicklung und Sicherheitsfragen greifen ineinander.

Folgerung für Iridonia: Leopold könnte beabsichtigen, erprobte Strukturen von KP-1 auf Iridonia zu übertragen. Anders als auf einer kaum erschlossenen Koloniewelt trifft die Gruppe hier jedoch auf eine bestehende staatliche Ordnung, lokale Verwaltungen, Eigentumsrechte und traditionelle Bindungen. Ein Kolonialmodell darf nicht unverändert übernommen werden.

Victorius-Fourb Holding​

Die Holding verwaltet Aktien, Immobilien und Familienbeteiligungen. Zu den öffentlich bekannten relevanten Positionen zählen:

  • 33 Prozent an Insight Research, formal gehalten durch Aren Vayliuar;
  • 30 Prozent am Waffenhersteller Relby;
  • 25 Prozent an Armitage Nuclear Energy.
Diese Beteiligungen geben der Familie Zugang zu Forschung, Rüstung und Energieversorgung. Sie erhöhen die Fähigkeit, ein Projekt vertikal zu integrieren, schaffen aber zugleich schwer durchschaubare Interessenkonflikte. Vor einer Vereinbarung ist offenzulegen, welche Gesellschaft Vertragspartner wird, wer die Finanzierung trägt und an wen Daten, Proben oder Patente weitergegeben werden dürfen.

4. Bedeutende Standorte​

StandortFunktionBewertung
Fourb-Tower, UyterAllgemeiner Hauptsitz und VerwaltungsspitzePolitisches und dynastisches Zentrum
Tekkel-Towers, Bastion-CenterImperialer Hauptsitz; Leitung Bert LuxwillZugang zur imperialen Oberschicht und zu zentralen Behörden
Christopher-Building, Mon CalamariHauptsitz für republikanische Angelegenheiten; Leitung Cassandra BlythFortbestehende republikanische Präsenz trotz proimperialer Neuausrichtung
Tipoca-Minen, KesselHauptsitz Fourb-MiningGrößter und traditionsreichster Förderkomplex
Fourb-Spaceyard, FondorHauptsitz Fourb-Transporting und WerftLogistische Eigenständigkeit und technische Nachrüstung
Survey-Komplex, NirauanHauptsitz Fourb-ColoniesKoloniale Planung, Orbitalumschlag und imperiale Zusammenarbeit
Villa Piocenca, Visdic, UyterSitz der Victorius-Fourb HoldingVermögensverwaltung und Repräsentation der Familie

5. Führung und politisches Netzwerk​

Joseph Fourb​

Joseph Fourb, 97 Standardjahre, ist Generaldirektor und Patriarch der Familie. Er studierte Betriebswirtschaft und arbeitete vor seiner Unternehmensführung in der Regierung Uyters, wo er ein belastbares Kontaktnetz aufbaute. Er übernahm bereits mit 31 Standardjahren die Leitung. Sein öffentliches Auftreten gilt als charmant und zuvorkommend; in geschäftlichen Angelegenheiten wird er als kalt und berechnend beschrieben. Er ist stark auf den Schutz von Familie und Freunden bedacht.

Die Entsendung seines Neffen gibt dem Termin Gewicht, ersetzt jedoch keine Bestätigung durch Joseph, den Vorstand oder den zuständigen Spartenleiter.

Aren Vayliuar​

Aren Vayliuar, Enkel Joseph Fourbs, ist zugleich Moff des Prefsbelt-Sektors und Vice-Generaldirektor der Fourb-Gruppe. Diese Personalunion verschafft dem Konzern außergewöhnliche Zugänge zu imperialer Verwaltung, Sicherheitsstrukturen und regionaler Wirtschaftspolitik. Vayliuar gilt als pragmatisch, arbeitsorientiert und klar proimperial.

Bewertung: Die Doppelrolle ist für die Fourb-Gruppe ein Vorteil, für staatliche Vertragspartner jedoch ein Grund zu erhöhter Sorgfalt. Konzerninteressen dürfen nicht allein deshalb als imperiale Interessen behandelt werden, weil ein hochrangiger Imperialer zugleich der Unternehmensführung angehört.

Weitere Verbindungen​

  • Julia Vayliuar, geborene Fourb, ist in Fourb-Charity aktiv und gesellschaftlich gut vernetzt.
  • Tyria Fourb ist Senatorin auf Uyter.
  • Mehrere Familienangehörige bekleiden hohe Unternehmenspositionen.
  • Julius Fourb dient als Captain in der Imperialen Armee und vertritt einen ausgesprochen strengen proimperialen Standpunkt.
  • Die Standorte auf Bastion und ihre gesellschaftlichen Einrichtungen schaffen direkten Zugang zur imperialen Elite.
Gesamtbild: Bei der Familie Fourb handelt es sich nicht nur um Eigentümer eines Konzerns, sondern um eine über Generationen gewachsene Wirtschafts- und Politikdynastie. Familienmitglieder dienen als Unternehmensleiter, Politiker, Militärangehörige und gesellschaftliche Mittler. Entscheidungen können dadurch schnell vorbereitet werden, sind jedoch regelmäßig von Nachfolgefragen und innerfamiliären Interessen beeinflusst.


VI. Strategisches Interesse an Iridonia​

1. Gesicherte Absichten​

Die Fourb-Gruppe betrachtet Iridonia als besonders aussichtsreich für Erzgewinnung. Die frühere politische Unsicherheit hatte eine größere Expansion in den Glythe-Sektor verhindert. Die nun wiederhergestellte Ordnung und die von der imperialen Botschaft entwickelten Programme werden als günstiges Zeitfenster wahrgenommen.

Der Konzern hat bereits Vorarbeiten geleistet. Jerricko hat Kontakte hergestellt, Bodenproben beschafft und Analysen vorbereiten lassen. Leopold hat politische Dossiers und Geschäftsberichte ausgewertet. Außerdem besitzt der Glythe-Sektor für Fourb wegen seiner strategischen Nähe zu KP-1 Bedeutung.

2. Wahrscheinliches Zielbild des Konzerns​

Ein realistisches Fourb-Vorhaben könnte in fünf Stufen verlaufen:

  1. Informationsvorsprung sichern: weitere Proben, Karten, Kontakte und Zugang zu Verwaltungsdaten;
  2. Explorationsrechte erhalten: zeitlich befristete Untersuchungs- und Vermessungslizenzen;
  3. Förderrechte bündeln: langfristige Konzessionen für aussichtsreiche Lagerstätten;
  4. Standort vertiefen: Lager, Arbeiterunterkünfte, Energieversorgung, Sicherheitsverträge und ein eigener Frachtbereich;
  5. Sektorale Anbindung schaffen: dauerhafter Transportkorridor zwischen Iridonia, weiteren Welten des Glythe-Sektors und den Projekten im Umfeld von KP-1.
Die Gruppe wird voraussichtlich versuchen, mehrere dieser Stufen bereits in einer frühen Rahmenvereinbarung abzusichern. Davon ist abzuraten.

3. Voraussichtliche Forderungen​

Mögliche ForderungWahrscheinlichkeitImperiale Bewertung
Vorrang bei Explorations- und AbbaulizenzenhochNur für klar abgegrenzte Gebiete und nach Prüfung
Exklusive oder langfristig automatisch verlängerbare Konzessionenmittel bis hochNicht im Erstgespräch zusagen
Steuer-, Zoll- oder GebührennachlässehochNur gegen messbare Investitionen und Rückfallklauseln
Eigene Lager-, Lande- und UmschlagsflächenhochMöglich, aber unter iridonianischer und imperialer Aufsicht
Einsatz privater Sicherheitsunternehmenmittel bis hochGenehmigungspflicht, klare Bewaffnungs- und Zuständigkeitsgrenzen
Zugriff auf geologische VerwaltungsdatenhochNur gegen vollständige Gegenseitigkeit und Datenteilung
Erleichterte Einreise von Personal und FachkräftenhochKontingentiert und überprüfbar
Politische Unterstützung der Botschaft gegenüber lokalen StellenhochNur für ein transparentes Verfahren, nicht für ein vorweggenommenes Ergebnis
Einbindung von Fourb-CharitymittelAls Zusatzleistung möglich, nicht als Ersatz für Abgaben oder Haftung
Kopplung an KP-1 oder andere KonzernprojektemittelStrategisch interessant, aber getrennt zu bilanzieren

4. Möglicher Nutzen für Iridonia und das Imperium​

  • schneller Zugang zu Kapital und erprobter Fördertechnik;
  • gesicherte Frachtkapazitäten durch einen konzerneigenen Transportzweig;
  • Aufbau von Straßen, Landeflächen, Energie- und Lagerinfrastruktur;
  • Arbeitsplätze, Ausbildung und mögliche lokale Weiterverarbeitung;
  • bessere Einbindung Iridonias in imperiale Lieferketten;
  • Erschließung strategisch relevanter Erze, insbesondere bei Nachweis von Cortosis oder anderen militärisch bedeutsamen Vorkommen;
  • dauerhafte wirtschaftliche Präsenz eines Konzerns, der seine Zukunft verstärkt im imperialen Raum sucht;
  • Möglichkeit, die politische Stabilisierung durch sichtbaren wirtschaftlichen Nutzen zu festigen.

5. Wesentliche Risiken​

Konzerngebiet statt Partnerschaft​

Die Kombination aus Mine, Arbeiterdorf, eigenem Raumhafen, konzerngebundener Versorgung und privatem Sicherheitsdienst kann eine wirtschaftliche Enklave schaffen, die örtlichen Behörden nur noch formal untersteht.

Informationsasymmetrie​

Die bereits beschafften Proben verschaffen Fourb einen Vorsprung. Ohne Offenlegung aller Daten könnte der Konzern Vorkommen geringer darstellen, um günstige Rechte zu erhalten, oder besonders wertvolle Funde zurückhalten.

Politische Vereinnahmung​

Fourb ist erfahren darin, wirtschaftliche Förderung, gesellschaftliche Wohltätigkeit und politische Netzwerke miteinander zu verbinden. Lokale Amtsträger oder Clanvertreter könnten durch Aufträge, Spenden und persönliche Vorteile dauerhaft gebunden werden.

Sicherheitskonflikte​

Private Sicherheitskräfte an einem rohstoffreichen Standort können mit örtlichen Kräften, traditionellen Autoritäten oder imperialen Stellen in Konkurrenz geraten. Bewaffnung, Einsatzregeln und Befehlsketten müssen vorab festgelegt werden.

Abhängigkeit von einem integrierten Anbieter​

Wenn Fourb zugleich fördert, transportiert, unterbringt, schützt und die soziale Versorgung übernimmt, wird ein späterer Betreiberwechsel teuer und politisch schwierig.

Republikanische Restexposition​

Der Konzern unterhält weiterhin bedeutende Strukturen in republikanischem Raum. Dies schafft Handelszugänge, aber auch Risiken durch Sanktionen, Beschlagnahmung, Nachrichtenzugriffe oder widersprüchliche Verpflichtungen.

Reputationsrisiko​

Fourb-Charity kann lokale Zustimmung fördern. Kommt es jedoch zu Arbeitsunfällen, Umweltschäden oder Konflikten mit traditionellen Gemeinschaften, wird die imperiale Botschaft wegen ihrer vermittelnden Rolle ebenfalls verantwortlich gemacht werden.


VII. Beobachtungspunkte während des Termins​

Leopold​

  • Überlässt er Jerricko technische Antworten freiwillig oder unterbricht er ihn?
  • Spricht er im Namen der Gesamtgruppe, einer Sparte oder der Familie?
  • Nennt er Joseph Fourb als Auftraggeber oder nur allgemein die Unternehmensleitung?
  • Reagiert er auf zeitlich begrenzte Rechte mit Interesse oder verlangt er sofortige Exklusivität?
  • Erkennt er die Iridonianische Liga als Vertragspartner mit eigenen Interessen an?
  • Welchen Stellenwert gibt er örtlicher Verarbeitung, Beschäftigung und Ausbildung?
  • Verknüpft er die Sache mit der Stellung der Konsulin oder der Imperatorin?

Jerricko​

  • Nennt er Kontakte und Koordinaten vollständig?
  • Verfügt er über Originaldaten oder nur über Zusammenfassungen?
  • Blickt er bei politischen Fragen zu Leopold, bei wirtschaftlichen Fragen jedoch nicht?
  • Bestehen örtliche Zusagen, die der Botschaft bisher nicht bekannt sind?
  • Welche Formulierungen verwendet er für Land, traditionelle Gebiete und Sicherheitszonen?
  • Bezeichnet er Fourb-Charity als Kontrolle, Öffentlichkeitsarbeit oder Verhandlungsvorteil?

Verhältnis beider Gäste​

Die tatsächliche Hierarchie lässt sich daran erkennen, wer schweigt, wenn Verantwortung und Haftung angesprochen werden. Leopold dürfte die strategische Autorität, Jerricko die operative Kontrolle beanspruchen. Kommt es zwischen beiden zu Widersprüchen, ist jede Zusage bis zur schriftlichen Klärung zurückzustellen.


XI. Offene Ermittlungs- und Prüfaufträge​

  1. Vollständiger gesellschaftlicher und beruflicher Registerauszug zu Leopold August Fourb von Bühl, einschließlich Alter, Ausbildung, genauer Konzernstellung und Zeichnungsrechten.
  2. Schriftliches Mandat der Delegation und Bestätigung des zuständigen Konzernzweigs.
  3. Vollständige Liste der durch Uric Jerricko kontaktierten Personen und Stellen.
  4. Herkunfts-, Genehmigungs- und Übergabekette aller Bodenproben.
  5. Abgleich der Analysen mit einem unabhängigen imperialen oder iridonianischen Labor.
  6. Prüfung aller örtlichen Zahlungen, Geschenke, Spenden und Vorverträge.
  7. Ermittlung des vorgesehenen privaten Sicherheitsunternehmens.
  8. Klärung, ob Fourb-Mining oder Fourb-Colonies die Federführung beansprucht.
  9. Finanzierungsnachweis und mögliche Beteiligung der Victorius-Fourb Holding.
  10. Prüfung republikanischer Gesellschaften, Versicherer oder Konten im vorgesehenen Projekt.
  11. Abgleich der KP-1-Planungen mit einem möglichen Iridonia-Korridor.
  12. Prüfung der unternehmensinternen Nachfolge- und Entscheidungswege angesichts des hohen Alters Joseph Fourbs.
  13. Aktualisierung veralteter oder widersprüchlicher Standort- und Genealogieangaben in den öffentlich zugänglichen Konzernakten.

VIII. Abschließende Bewertung​

Die Fourb-Gruppe kann auf Iridonia innerhalb weniger Jahre eine wirtschaftliche Struktur errichten, für die weniger integrierte Unternehmen Jahrzehnte benötigen würden. Genau diese Fähigkeit verschafft ihr jedoch das Potenzial, aus einer Konzession eine dauerhafte Abhängigkeit zu formen.

Leopold August Fourb von Bühl ist als ernst zu nehmender strategischer Gesandter zu behandeln. Sein Familienname, seine gesellschaftliche Sicherheit und seine sichtbare Eitelkeit sind Teil seines Auftretens, aber nicht dessen vollständiger Inhalt. Seine Arbeit auf KP-1 belegt, dass die Unternehmensleitung ihm komplexe Entwicklungsaufgaben zutraut. Noch offen ist, ob er auch die rechtliche und finanzielle Verantwortung tragen darf, die seine Worte nahelegen könnten.

Uric Jerricko ist der Schlüssel zur örtlichen Wirklichkeit. Er besitzt die Kontakte, Proben und Vorarbeiten und wird voraussichtlich bleiben, wenn Leopold abreist. Die Konsulin sollte Leopold die Bühne des Erstgesprächs gewähren, die belastbaren Antworten jedoch von Jerricko verlangen.

Die Fourb-Gruppe ist gegenwärtig proimperial, expansionswillig und auf politische Anerkennung angewiesen. Sie ist damit verhandlungsbereit. Ihr ist ein Weg zu eröffnen, aber kein Territorium zu überlassen; ein Verfahren anzubieten, aber kein Ergebnis zu versprechen; ein Gewinn zu ermöglichen, aber nur gegen Investition, Transparenz und dauerhafte Bindung an die Interessen Iridonias und des Galaktischen Imperiums.

Schlussformel der Auswertung:
Die Fourb-Gruppe ist als Partner geeignet, sofern sie nicht zum Patron wird. Leopold öffnet den Zugang zur Familie. Jerricko kennt das Gelände. Die Botschaft muss die Regeln setzen.



ENDE DER AKTE
Weitergabe oder Vervielfältigung nur mit Genehmigung der Leiterin des Imperialen Konsulats.

Schließlich öffnete man die Bürotür und die beiden Herren traten ein. Vesperia deutete nur auf die Stühle vor ihrem Schreibtisch ohne sich die Mühe zu machen sich zu erheben.

"Pünktlich auf die Minute meine Herren. Mr. Fourb von Bühl, Mr. Jerricko nehmen sie Platz. Es freut mich das sie meiner Einladung gefolgt sind. Wie war ihr Flug?", Vesperias Tonfall war freundlich, wenn man Emotionslose ergebnisorientierte Kälte so bezeichnen konnte, für sie war es in jedem Falle freundlich und so gut die Stabsmitarbeiter der Botschaft auch waren, wie sie ein Gespräch führte auf Basis der Informtionen die sie besaß, das würde noch immer sie selbst entscheiden.

[Iridonianische-Liga ++ Glythe-Sektor ++ Iridonia ++ Malidris ++ Botschaftskomplex des Galaktischen Imperiums "Grey Spire"] Vesperia Vendar, Leopold August Fourb von Bühl, Uric Jerricko
 
[Iridonianische-Liga | Glythe-Sektor | Iridonia | Malidris | Botschaftskomplex des Galaktischen Imperiums "Grey Spire"] - Leopold August Fourb von Bühl, Uric Jerricko

Sie mussten nicht all zu lange vor dem Büro warten. Als schließlich die Türen geöffnet wurden erwartete sie ein durchaus ansehnliches Büro, mit einer durchaus ansehnlichen Konsulin die bereits hinter ihrem Schreibtisch auf sie wartete. Leopold lächelte charmant und ließ Jerricko, der sich auf iridonianischem Parkett bereits geübter bewegte als er den Vortritt. Lady Vendar schien ihre Hausaufgaben gemacht zu haben, als sie zuerst Uric und dann ihn selbst begrüßte und sie sich gar nicht mehr die Mühe machen mussten, sich vorzustellen. Die Konsulin wies auf die Stühle vor dem Schreibtisch, woraufhin Leopold sich mit einem Lächeln niederließ.

,,Konsulin Vendar, es ist uns eine Freude von Ihnen hier in der Botschaft begrüßt zu werden. Ein beeindruckender Komplex auf einem beeindruckenden Planeten. Ich selbst hatte ja bereits schon länger die Freude mich hier aufzuhalten, wie sie sicher bereits wissen."

,,Mein Flug war hingegen recht ereignislos. Was man in Tagen wie diesen wohl durchaus positiv hervorheben kann. Auch ich danke selbstverständlich für die Einladung."

Uric und Leopold gaben sich das Gespräch wie einen Staffelstab weiter. Sie beide waren geübt in solchen Situationen und hatten sich bereits im Vorhinein gut miteinander abgesprochen. Sie würden hier als Team, als Einheit auftreten. Uric als Vertreter der Expertise, Leopold als Vertreter der Geschäftsleitung, wenn man so wollte. Doch beide waren gut im Bilde das Feld des jeweils anderen betreffend. Weder für ihn noch für Uric war dies doch der erste Termin dieser Art. Leopold hatte bereits an den Verhandlungen mit dem Imperium über die Subventionierung und Konzeptionierung des Kolonieprojektes mitgewirkt. Dagegen würde sich diese Veranstaltung wohl als recht harmlos herausstellen, wie er hoffte. Und Uric war bereits bei der Erschließung anderer Projekte tätig gewesen, vor allem im neutralen galaktischen Norden.

,,Die Unterlagen, die wir von der Botschaft erhielten, schienen unserer Organisation sehr vielversprechend zu sein, sodass wir nicht zögerten, uns hier vor Ort persönlich einzubringen."

Leopold lächelte erneut. Die betreffenden Unterlagen waren eigentlich nicht viel mehr als eine Einladung gewesen, sich selbst auf Iridonia einzubringen, doch ein wenig anfängliche Höflichkeit hatte noch nie geschadet. Die Fourb-Gruppe hatte bereits auf diese Einladung und die grundsätzlichen Informationen Iridonia betreffend hin, angefangen erste Konzepte zu erarbeiten, die sich im Wesentlichen nicht von der Erschließung anderer, bisher noch kaum erschlossener Wirtschaftsgebiete unterschied. Die Kombination der verschiedenen Geschäftszweige der Gruppe, um eine gewinnbringende Struktur vor Ort aufzubauen und sich dabei ... eine gewisse Eigenständigkeit zu erhalten. Doch er wollte nicht zu sehr mit der Tür ins Haus fallen. Die Botschafterin war bisher recht still geblieben und Leopold wollte auch ihr die Möglichkeit geben, sich zuerst etwas in das Feld heranzutasten. Er war sich seiner Sache recht zuversichtlich, auch wenn er wusste - soviel hatten ihm die Verhandlungen mit Imperialen Würdenträgern bereits gezeigt - dass sie hier nichts geschenkt oder auf dem Silbertablett geschenkt bekommen würden. Es würde von Vorteil sein, dass Uric in seinen Akten bereits erste Informationen und Kontakte zu lokalen Landbesitzer hatte, die ihrer Verhandlungsposition wohl zugute kommen würden ... zu gegebenem Zeitpunkt.

[Iridonianische-Liga | Glythe-Sektor | Iridonia | Malidris | Botschaftskomplex des Galaktischen Imperiums "Grey Spire"] - Leopold August Fourb von Bühl, Uric Jerricko
 
[Iridonianische-Liga ++ Glythe-Sektor ++ Iridonia ++ Malidris ++ Botschaftskomplex des Galaktischen Imperiums "Grey Spire"] Vesperia Vendar, Leopold August Fourb von Bühl, Uric Jerricko

Vesperia unterbrach die abgestimmte Vorstellung der beiden Männer nicht, obgleich sich die Aufgabenteilung zwischen ihnen bereits nach wenigen Sätzen deutlicher abzeichnete, als es jede Funktionsbezeichnung in ihrem Dossier vermocht hätte. Jerricko hatte beim Eintreten den Vortritt erhalten und damit die Rolle des mit den örtlichen Verhältnissen vertrauten Vertreters übernommen, während Leopold Fourb von Bühl ihm beinahe übergangslos folgte, den gesellschaftlichen Rahmen setzte und mit jenem selbstverständlichen Charme sprach, den Menschen gewöhnlich nicht erst in einem Besprechungsraum erlernten, sondern über Jahre hinweg in den gehobeneren Kreisen selbsternannter Eliten erlernte. Zugegeben, Vesperias eigene Blutlinie hatte sich ja nun auch erst kürzlich von dem Klammern an Alte Titel in den realen Imperialen Adelsstand gespielt, der Fakt das dies so selten passierte zeigte jedoch von welch Überlegener Genetischer Abstammung sie und ihre Verwandten doch gegenüber jenen standen die noch immer Adel spielten, allen voran natürlich Lucienne, die definitiv und so selbstkritisch war die Korosierin, ihr in allen Belangen überlegen war und zurecht den Thron bekleidete. Aber zurück zu ihren beiden Bittstellern. Dass die beiden Männer einander das Gespräch ohne sichtbares Zögern überließen, bestätigte zumindest, dass die Fourb-Gruppe nicht lediglich einen Namen und einen örtlichen Sachbearbeiter entsandt hatte, sondern ein offenbar halbwegs eingespieltes Team. Jeder kannte die Rolle des anderen und sie wussten sich aufeinander zu verlassen.

Bei der Erwähnung des ereignislosen Fluges deutete Vesperia ein knappes Nicken an. Nach sechs Jahren, in denen sie selbst mehr Stunden in Sternjägercockpits und an Bord diplomatischer Schiffe verbracht hatte, als ihre spätere Tätigkeit im Außenministerium vermuten ließ, wusste sie einen ereignislosen Reiseverlauf durchaus zu würdigen, mehr als eine zur Kenntnisnahme war die Information aber nicht wert.

Ihre Aufmerksamkeit blieb einen Moment länger auf dem hageren Unternehmensvertreter liegen, ehe sie zu Leopold zurückkehrte und ihm mit unverändert ruhiger Miene zuhörte. Erst als er die Unterlagen der Botschaft erwähnte, die seiner Organisation vielversprechend erschienen waren und sie dazu bewogen hätten, sich persönlich vor Ort einzubringen, senkte Vesperia den Blick kurz auf das vor ihr liegende Datapad. Sie musste nicht noch einmal nachlesen, was versandt worden war, denn sowohl der Wortlaut als auch die damit verbundene Absicht waren unter ihrer Aufsicht entstanden und ließen nur wenig Spielraum für die Bedeutung, die ein interessierter Empfänger ihnen im Nachhinein beimessen wollte.


Bevor wir uns den Vorstellungen Ihrer Gruppe zuwenden, möchte ich an dieser Stelle eine Präzisierung vornehmen, damit sie keiner fehlerhaften Annahme für ihr hier sein aufgesessen sind.“, Ihre Stimme hatte nichts von der höflichen Ruhe und Abstinenz jeglicher Wärme verloren, mit der sie die beiden Herren empfangen hatte. Es lag weder Tadel noch erkennbare Verärgerung darin, es war schlicht und ergreifend wichtig den Grundstein auch an der richtigen Stelle zu setzen. Hier ging es um das Wohl des Imperiums. Persönliche Ideen und Vorstöße hatten keinerlei Relevanz wenn sich nicht absolut im Einklang mit der Vision des Barons standen. Dafür hatte Vesperia zu sorgen.Was Sie von unserer Akquiseabteilung erhalten haben, war keine Ausschreibung, keine Konzession und ebenso wenig eine Ermächtigung, im Namen eines bereits vereinbarten Vorhabens auf Iridonia tätig zu werden. Meine Einladung galt ausschließlich ihrem Unternehmen und der Möglichkeit, mir die Ideen, Ambitionen und Fähigkeiten vorzustellen, mit denen sich die Fourb-Gruppe an den wirtschaftlichen Zielsetzungen beteiligen möchte, die Baron Dalmard und Ihre Majestät die Imperatorin für die Iridonianische Liga und den sie umgebenden Raum verfolgen. Sie sitzen heute nicht hier, weil bereits entschieden worden wäre, dass die Fourb-Gruppe einen bestimmten Teil dieses Vorhabens übernimmt oder weil wir übersehen haben das sie ohne eine Rücksprache mit dem Konsulat oder dem Botschafter persönlich bereits Handlungen auf einem Staatsgebiet durchgeführt haben das von besonderem Interesse für die Obersten des Reiches selbst ist. Sie sind hier weil ich entschieden habe das ihr Unternehmen über Kapital, Erfahrung und eine Verbindung unterschiedlicher Geschäftszweige verfügt, die eine solche Beteiligung grundsätzlich interessant erscheinen lassen und sie für das Entwicklungsprojekt hier in Iridonia in Frage kommen lassen."

Vesperia lehnte sich geringfügig zurück, sie musste nicht aussprechen das in den Plänen eines Imperialen Barons herum zu pfuschen gut und gerne hieß das man selbst und die nähere Familie keinerlei Existenzberechtigungen im Imperium mehr zu erwarten hatten. Zumindest auf diesem Parkett wo sich die hier Anwesenden gerade bewegte. Dass die Fourb-Gruppe Gewinn und vielleicht sogar Freiheiten erwartete, störte sie nicht, ebenso wenig wie der Umstand, dass deren Führung die veränderte politische Ordnung auf Iridonia als Gelegenheit begriff und eventuell vorschnell gehandelt hatte. Unternehmen, die sich allein aus Pflichtbewusstsein oder ideologischer Begeisterung an der Stabilisierung einer verwundbaren, gar ausbeutbaren, Region beteiligten, existierten höchstens in den Reden ihrer eigenen Öffentlichkeitsabteilungen, während verlässliche Bindungen dort entstanden, wo politische Ordnung, wirtschaftlicher Vorteil und die Aussicht auf langfristigen Schutz ineinandergriffen.

Um weiteren Missverständnissen etwas vorzugreifen: Es ist ausdrücklich vorgesehen, dass imperiale Bürger und Unternehmen an der von uns angestrebten wirtschaftlichen Neuordnung der Liga verdienen. Baron Dalmard hat kein wohltätiges Aufbauprogramm entworfen und auch die Imperatorin erwartet nicht, dass privates Kapital ohne angemessene Gegenleistung in diesen Raum fließt. Die Aussicht auf Gewinn ist kein unerwünschter Nebeneffekt, sondern ein wesentlicher Anreiz, durch den sich Investitionen, Handelswege und industrielle Fähigkeiten dauerhaft an das Imperium und seine Partner binden lassen. Die Fourb-Gruppe darf daher selbstverständlich mit der Erwartung an uns herantreten, hier Geld zu verdienen.

Sie ließ den Satz nicht als Zugeständnis stehen, sondern führte ihn in demselben Tonfall weiter, ehe einer der beiden Männer daraus eine weitergehende Anerkennung ableiten konnte.

Der mögliche Gewinn ist jedoch die Gegenleistung für einen Beitrag zu einer übergeordneten Strategie und keine Gebühr, mit der sich ein Unternehmen von dessen Vorgaben freikauft. Welche Projekte Zugang, politische Unterstützung oder konsularische Vermittlung erhalten, wird danach entschieden, welchen Nutzen sie der Iridonianischen Liga und den strategischen Interessen des Galaktischen Imperiums bringen. Dabei wird weder ein fremdes Unternehmen auf iridonianischem Boden einen abgeschlossenen Herrschaftsbereich errichten noch wird eine Verbindung aus Förderanlagen, Unterkünften, Transportinfrastruktur und privaten Sicherheitsdiensten eine Eigenständigkeit erlangen, die den Einfluss der zuständigen Behörden lediglich auf dem Papier bestehen lässt.

Vesperia griff nach zwei Datapads und schob sie zu ihrem Gästen, Prognosen der reinen Rohstoffbestände der Liga und der umliegenden noch freien Welten. Sollte sich das Projekt "Iron Mantle" als Erfolg erweisen könnte selbst ein Marktanteil von zehn bis fünfzehn Prozent den Aktienwert der meisten Imperialen Corporations zu denen auch die Fourbs zählten fast verdoppeln. Der Gegenpol zu ihrer harten Linie die sie verbal gesetzt hatte. Sie sah es in den Gesichtern der Anwesenden, sie hatte es selbst kaum glauben können, wie viele Jahre und wie viele Trillionen Credits an Wirtschaftsleistung aus dieser Kernregion geborgen werden konnten.

Auch deshalb war eine Einladung an die Fourbs ausgestellt worden. Der Konzern gehörte zu den wenigen die überhaupt die Infrastruktur hatten einen solchen Stein ins Rollen zu bringen. Was nicht hieß das man sie nicht absägen würde wenn es sich als untragbar herausstellte.


Als Leiterin des Konsulats ist es meine Aufgabe ihre Interessen gegenüber der Liga zu vertreten, woraus sich für jedes durch uns begleitete Vorhaben ein verbindlicher Rahmen ergibt. Sämtliche Operationen und gesellschaftsrechtlichen Konstruktionen, die für Geschäfte innerhalb der Liga eingesetzt werden sollen, sind daher vor ihrer Einrichtung oder vertraglichen Bindung gegenüber meinem Konsulat offenzulegen und den von uns festgelegten Schutzvorkehrungen zu unterstellen. Dies gilt für unmittelbare Tätigkeiten der Fourb-Gruppe ebenso wie für Tochtergesellschaften, Projektgesellschaften, Beteiligungsketten, Konsortien, örtliche Gemeinschaftsunternehmen oder jede andere Konstruktion, durch die Eigentum, Haftung, Kontrolle oder Gewinne verteilt werden.

Ihre Finger ruhten nun ineinandergelegt auf der Tischfläche, während ihr Blick zwischen beiden Gästen wechselte.

Wir werden wissen, welche Gesellschaft als Vertragspartner auftritt, wem sie tatsächlich gehört, aus welchen Quellen ihr Kapital stammt, wer Weisungen erteilen und Verpflichtungen eingehen darf, wohin erwirtschaftete Mittel abgeführt werden und welche Stelle haftet, wenn ein Projekt seine Zusagen nicht erfüllt. Verträge mit örtlichen Verwaltungen, Landbesitzern, Clanvertretern oder Vermittlern sind ebenso zu dokumentieren wie die Erhebung und Weitergabe geologischer Daten, die Entnahme von Proben, die Einfuhr von Fachpersonal und die Beauftragung privater Sicherheitskräfte. Bei strategisch bedeutsamen Rohstoffen, sicherheitsrelevanter Infrastruktur oder einer Übertragung von Erkenntnissen an weitere Konzernteile gelten zusätzliche Prüf- und Berichtspflichten. Keine dieser Bestimmungen soll Ihnen die Führung Ihres Unternehmens abnehmen, Mister Fourb von Bühl, sie stellt jedoch sicher, dass die Interessen des Imperiums, welche wir nachfolgend ebenfalls gerne besprechen können, nicht durch undurchsichtige Haftungsverhältnisse, unkontrollierte örtliche Absprachen oder Konflikte gefährdet werden, die sich bereits zu Beginn eines Vorhabens hätten vermeiden lassen.

Vesperia konnte sich vorstellen, dass Leopold in diesen Anforderungen zunächst Einschränkungen sah, doch war es nicht ihre Aufgabe, ihm jede staatliche Aufsicht als Gefälligkeit zu verkaufen. Gleichwohl bot der konsularische Rahmen der Fourb-Gruppe etwas, das für ein Unternehmen ihrer Größe kaum weniger wertvoll war als eine günstige Abbaukonzession: berechenbare Zuständigkeiten, politische Vermittlung und die Gewissheit, dass rechtmäßig erworbene Rechte nicht von der nächsten örtlichen Interessengruppe oder einer wechselnden Mehrheit des Großen Rates ohne Weiteres infrage gestellt werden konnten.

Im Gegenzug kann das Konsulat Zugänge vermitteln, die Anerkennung rechtmäßig geschlossener Vereinbarungen absichern, Streitfälle begleiten und gegenüber den Organen der Liga für jene Unternehmen eintreten, die ihre Verpflichtungen erfüllen. Die Vorkehrungen dienen daher nicht nur der Kontrolle, sondern ebenso dem Schutz derjenigen imperialen Bürger, deren Kapital, Personal und Ansehen in diesen Raum eingebracht werden. Ein Unternehmen, das zu vollständiger Transparenz bereit ist und seine wirtschaftlichen Ziele mit den politischen Voraussetzungen dieses Gebietes in Einklang bringt, wird in der Botschaft einen verlässlichen Ansprechpartner finden.

Damit war für Vesperia alles gesagt, was gesagt werden musste, bevor die Fourb-Gruppe ihre Vorstellungen darlegte. Sie hatte ihnen keinen Zugang versprochen, ohne ihnen die Möglichkeit dazu zu nehmen, und sie hatte ihren Gewinn weder moralisch infrage gestellt noch zum alleinigen Maßstab einer Zusammenarbeit erhoben. Nun konnten die beiden Männer zeigen, ob ihre Vorbereitung über allgemeine Konzepte hinausging und ob sie bereit waren, die Bedingungen staatlicher Unterstützung ebenso ernst zu nehmen wie deren Vorteile.

Wo wir nun alle auf dem selben Stand der Dinge sind meine Herren, haben sie Fragen oder wollen wir anfangen?"

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Das war wirklich die eine Sache, die ihm im Imperium im Vergleich zu der Republik störte; dass dieser Hang zum autoritären auch bei sowas vom Kern so liberalen wie wirtschaftlichen Verhandlungen durchgezogen wurde. Leopold lehnte sich in seinem Stuhl zurück und lauschte der Ansprache ihrer Gastgeberin. Sie schien von ihrer Position sehr überzeugt zu sein, vielleicht sogar ein wenig zu sehr. Von den Zabraks war bisher wohl immer wenig Widerspruch gekommen, dachte Leopold sich, wenn Lady Vendar und der geschätzte Botschafter Baron Dalmard ihnen imperiale Vorstellungen diktiert hatten, im Zweifelsfall mit einigen Sternenzerstörern in der Hinterhand. Er selbst hatte sich vermutlich getäuscht, dass dies hier eine vollkommen ereignislose Verhandlungen werden würde, doch war er für ein wenig Herausforderung stets zu haben. Einen Zabrak Stamm würde er auf jeden Fall nicht miemen, denen die Imperiale Herrschaft hier vor Ort einfach ihre Vorstellungen aufzwingen konnte. Er hörte zu und machte sich seine Gedanken.

Ab und an musste er fast ein wenig schmunzeln, hatte sich als geübter Verhandler aber gut genug im Griff, um nichts nach außen dringen zu lassen, ebenso wie Jerricko. Sie saßen ganz bestimmt nicht hier, weil Lady Vendar es einfach so bestimmt hatte, völlig abhängig von ihrem Gutdünken. Er kannte den Imperialen Markt und die Anbieter, die im Bergbau ihr Glück versuchten. Von denen passte nur ein Bruchteil in das Profil, welches Lady Vendar beschrieb. Der Großteil hätte in diesem Planeten, in dem ganzen Sektor eine Testwiese der Ausbeutung gesehen. Leopold war klar, dass sie nicht die einzigen waren, die anders vorgehen würden, doch von diesem Bruchteil an Firmen fehlten einem ganz erheblichen Teil die Ressourcen, die die Fourb-Gruppe mitbrachte, um ein so ertragreiches Gebiet schnell zu erschließen. Sie saßen nicht hier, weil Lady Vendar einen guten Tag hatte und der Name Fourb in ihren Ohren so schön geklungen hatte. Sie saßen hier, weil sie als eine der ganz wenigen Firmen die Anforderungen erfüllten, die nötig waren, um die Pläne ihres Vorgesetzten zu realisieren.

Danach wurde es jedoch interessanter, als Lady Vendar anfing zu erklären, was sie erwarteten und was sie bereit wären zu geben. Dass es der Fourb-Gruppe erlaubt sei, Geld zu verdienen erwiderte Leopold dann doch, völlig bewusst, mit einem kurzen Lächeln. Das dies ohnehin erwähnenswert war, zeigte doch das enge Korsett, in dem manch ein Imperialer dachte und davon ausging, das wirtschaftliche Leistung im Zweifelsfall auch ohne Unternehmen passieren könnte und das der Staat lediglich aus Nächstenliebe handelte, wenn dort zusammengearbeitet wurde. Dass dies keineswegs so war, musste man wohl kaum erwähnen. Schließlich, als die Konsulin geendet hatte, ergriff Jerricko das Wort, um die ganz zu Anfang gemachten Vorwürfe bezüglich ihrer Vorarbeit zu entkräften.

,,Wo sie unsere bereits erfolgte Tätigkeit ansprechen, wir hätten wohl unsere wie auch ihre Zeit verschwendet, hätten wir nicht - im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten wohlgemerkt - bereits Erkundigungen eingeholt um zu überprüfen, ob aus unserer Sicht Verhandlungen überhaut Sinn ergeben und auch, um diese mit Ihnen im besten Fall so konkret wie möglich zu führen. Nur damit Sie dieses Vorgehen nicht falsch verstehen; es handelt sich dabei um ein absolutes Standardprozedere um soviel Effizienz wie möglich zu garantieren, keineswegs um an den bereits etablierten Strukturen vorbeizuarbeiten."

Leopold bestätigte die Worte seines Verhandlungspartners mit einem Nicken. Auch wenn Lady Vendar wohl versucht hatte, von ihnen am Ende des Tages nur die Unterschrift unter einen bereits fertigen Vertrag zu bekommen, war auch ihr wohl klar, dass hier ein geben und nehmen stattfinden musste. Am Ende des Tages würde eine gemeinsame Win-Win Situation entstehen, ihr das zu vermitteln, war wohl ihre Kernaufgabe hier.

,,Abgesehen davon herrschen von unserer Seite vorerst keine konkreten Fragen, wir können also gerne beginnen."

Leopold lehnte sich in seinem Stuhl erneut zurück, bevor er dann wieder das Wort ergriff.

,,Lassen Sie mich nach Ihren Ausführungen nur eine Sache von unserer Seite ergänzen, damit sie keiner falschen Erwartungshaltung erliegen. Wir gehen vollständig mit dem Plan seiner Exzellenz des Botschafters d'accord. Wissen Sie, eine stabile und florierende Region ist für uns als Unternehmen mindestens ebenso sehr von Vorteil, wie für die imperialen Strukturen und die Einwohner. Die Fourb-Gruppe will sich nirgendwo einnisten, um ein Stück Land völlig auszubeuten. Wir spielen ein längeres Spiel, wenn man so will. Das wir uns dabei an die gesetzlichen Richtlinien halten, was Transparenz angeht ist offensichtlich. Ihnen ist mit Sicherheit die Person unseres Stellvertretenden Generaldirektors bekannt. Es wäre definitiv nicht in unserem Interesse, in irgendwelche gesetzlichen Grauzonen vorzustoßen und damit an dem Gesetzt vorbei zu manövrieren, welches durch unsere Geschäftsleitung selbst verteidigt wird. Wir sehen und mit den Strukturen vor Ort stets in einer Partnerschaft."

Wie diese Partnerschaft ausgestaltet werden würde, darin würde die Krux der kommenden Verhandlung liegen. Vendar hatte klar definiert, was sie erwartete und im Gegenzug bereit war zu geben. Sie erwartete viel und Leopold war keineswegs bereit, sich zu einem Sklaven und ausführenden Werkzeug der Imperialen Konsulin machen zu lassen, doch dazu würde es ohnehin nicht kommen. Ein geben und nehmen, das war es halt am Ende. Leopold verschränkte seine Finger.

,,Und um noch eine ihrer letzten Sorgen zu entkräften; die Fourb-Gruppe arbeitet divers und kann sich auf verschiedenste Ausgangssituationen einstellen. Der abgeschlossene Herrschaftsbereich den sie ansprachen ... auf neutralen und unsicheren Welten mag dies von Zeit zu Zeit sehr in unserem Interesse und notwendig sein. Aber hier befinden wir uns so sehr innerhalb der imperialen Einflusssphäre ... und unter den Augen einer solch wachsamen Konsulin, das wir keineswegs eine Notwendigkeit in einem solchen Vorgehen sehen. Wir sind ein Unternehmen und wie sie schon richtig sagten am Gewinn interessiert. Es ist uns eine Freude, wenn wir unser eigenes Sicherheitspersonal zurückschrauben können und uns dafür auf die Kräfte verlassen können, die uns von Ihnen zur Verfügung gestellt werden, um nur ein Beispiel zu nennen. Wir sparen uns Geld und sie müssen nicht befürchten, dass wir ihnen die Türen vor der Nase zusperren."

Leopold lächelte freundlich. Er hoffte, einige der Sorgen der Konsulin entkräftet zu haben und sie ein wenig mehr in ihrem Sinne eingestimmt zu haben. Leopold würde die Dinge, die ihm und der Firma wichtig waren, aufs Blut verteidigen, doch er log nicht, wenn er sagte, dass man hier auf Iridonia tatsächlich an einer Zusammenarbeit interessiert sei.

,,Also bitte, erzählen Sie doch etwas von Ihren Plänen bezüglich der wirtschaftlichen Erschließung Iridonias und wie die Fourb-Gruppe sich dabei mit einbringen kann."


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Vesperia ließ Jerricko ausreden, ohne ihm durch eine Regung zu verraten, ob seine Berufung auf gesetzliche Möglichkeiten und ein übliches Standardverfahren etwas an ihrer Einschätzung geändert hatte. Leopold bestätigte die Erklärung mit einem Nicken, lehnte sich später in seinem Stuhl zurück und verschränkte die Finger, während ein Lächeln seine Ausführungen über langfristige Partnerschaft, Transparenz und eingesparte Sicherheitskosten begleitete. Ob er damit Zuversicht zeigen, ihrer zuvor gesetzten Härte etwas von ihrer Bedeutung nehmen oder lediglich die Selbstverständlichkeit seiner Worte unterstreichen wollte, ließ sich daraus nicht verlässlich bestimmen. Sichtbar war nur, dass keiner der beiden Männer Veranlassung sah, von der begonnenen Linie abzuweichen.

Die Erwähnung des stellvertretenden Generaldirektors hatte dabei kaum mehr als ein leichtes Heben ihrer Braue hervorgerufen. Aren Vayliuar mochte der Geschäftsleitung angehören, einen Teil des Familienvermögens verwalten und der Fourb-Gruppe an anderen Orten Türen öffnen, doch sein imperiales Amt verlieh ihm innerhalb der Iridonianischen Liga keinerlei Zuständigkeit. Das musste weder Jerricko noch dem Neffen Joseph Fourbs erklärt werden. Wenn sie seinen Namen dennoch in den Raum stellten, durfte Vesperia ihn als Hinweis auf das politische Netzwerk des Unternehmens zur Kenntnis nehmen, ohne darin eine rechtliche Absicherung zu erkennen. Hier verliefen Einfluss und Verantwortung über die Botschaft, während Baron Dalmards Rang, Auftrag und unmittelbare Stellung innerhalb der Pläne der Imperatorin jeden Vorteil überragten, den Vayliuars Name den beiden Herren hätte verschaffen können. Der Vergleich war deutlich genug, um unausgesprochen zu bleiben.

Sie löste ihre Hände voneinander und legte eine davon neben das Datapad, dessen Oberfläche noch immer die für dieses Gespräch vorbereitete Akte zeigte.


Ihre wirtschaftliche Vorprüfung beanstande ich nicht, Mister Jerricko. Mein Einwand gilt allein der Tatsache, dass Sie vor deren Beginn nicht selbst den vorgesehenen Kontakt zur Botschaft und zum Konsulat gesucht haben.

Die Korosierin ließ einen kurzen Augenblick verstreichen, in dem ihr Blick auf dem örtlichen Vertreter ruhte.

Über die Reichweite meiner Einladung und den für Tätigkeiten in der Liga geltenden Rahmen habe ich mich bereits geäußert. Bevor Sie örtliche Kontakte einbanden, geologische Daten beschaffen oder Bodenproben untersuchen ließen, wäre die beabsichtigte Vorprüfung dort anzuzeigen und abzustimmen gewesen. Sie mussten dafür nicht auf einen ausgehandelten Vertrag warten, wohl aber die zuständige Stelle einbeziehen, die innerhalb der Liga genau jene staatlichen Interessen wahrt, welche durch solche Untersuchungen berührt werden.

Vesperia neigte den Kopf nur geringfügig, ohne Jerricko aus ihrer Aufmerksamkeit zu entlassen.

Dass einzelne Schritte nach iridonianischem Recht zulässig gewesen sein mögen, beantwortet daher lediglich die Frage, ob Sie gegen örtliche Bestimmungen verstoßen haben. Es beantwortet nicht, ob Sie den imperialen Anforderungen an Koordination und Kontrolle entsprochen haben. Wo der Staat Informationen, Rohstoffe und mögliche Einflussräume kontrollieren muss, ist unternehmerische Zweckmäßigkeit nachrangig.

Mit einer Bewegung über das Bedienfeld öffnete sie ein leeres Protokoll, das sich zwischen den Anwesenden über der Tischfläche aufbaute.

Da Sie Ihre Vorarbeiten selbst zum Gegenstand des Gespräches gemacht haben, können wir diesen Punkt unmittelbar klären. Nennen Sie mir sämtliche Behördenvertreter, Landbesitzer, Clanangehörige, Unternehmen und Vermittler, mit denen Sie oder ein in Ihrem Auftrag handelnder Dritter gesprochen haben. Führen Sie deren Funktion, tatsächliche Entscheidungsbefugnis und die betroffenen Gebiete auf. Anschließend erläutern Sie, welche geologischen, infrastrukturellen oder wirtschaftlichen Daten angefordert oder bereits übergeben wurden, wer über sie verfügte und welche Bedingungen an ihre Nutzung geknüpft waren.

Die ersten noch unbeschriebenen Felder glitten auseinander und gaben weitere Zeilen frei.

Sollten bereits Messungen, Sondierungen oder die Entnahme von Proben erfolgt sein, benötige ich die genauen Orte, die jeweilige Rechtsgrundlage sowie Art und Umfang des Materials. Dazu gehören die beteiligten Labore, die vollständige Verwahrungs- und Weitergabekette und jede Abteilung, Tochtergesellschaft oder externe Stelle, die Zugang zu Ergebnissen erhalten hat. Dasselbe gilt für Zahlungen, Gebühren, Provisionen, Absichtserklärungen, Optionen und mündliche Zusagen. Sollte bei einem Ihrer Gesprächspartner der Eindruck entstanden sein, die Fourb-Gruppe handle bereits mit Billigung der Botschaft oder genieße bei einer späteren Vergabe einen zugesicherten Vorrang, werden Sie auch das angeben.

Ihr Blick glitt für einen Moment zu Leopold, ehe er zum leeren Protokoll zurückkehrte.

Für den Augenblick genügt mir Ihr mündlicher Bericht. Die vollständigen Unterlagen reichen Sie anschließend ein. Ich empfehle Ihnen, nichts deshalb auszulassen, weil Sie es innerhalb Ihres üblichen Geschäftsablaufes für nebensächlich halten. Ihre Angaben werden mit Erkenntnissen abgeglichen, deren Entstehung weder von der Fourb-Gruppe noch von den Personen abhängig war, die Ihnen vor Ort Auskunft erteilt haben.

Die Berichte des Imperialen Geheimdienstes, die bereits ihren Weg in den Grey Spire gefunden hatten, würden ihren Wert gerade dadurch behalten, dass Jerricko nicht wusste, welche Namen, Orte oder Bewegungen darin enthalten waren. Ihn der Lüge zu überführen war also am Ende einfach und konnte von Vesperia im Nachgang ausgewertet werden.

Leopolds Ausführungen über Partnerschaft und ein längerfristiges Engagement ließ Vesperia lediglich als allgemeine Absicht in das Protokoll aufnehmen. Dass er den zuvor gesetzten Rahmen nicht offen zurück wies, war für den Fortgang des Gespräches ausreichend. Ob seine Worte belastbar waren, würde sich ohnehin nicht daran zeigen, wie oft er Transparenz oder gemeinsame Interessen versicherte, sondern an der Verteilung von Kapital, Kontrolle, Ertrag und Risiko innerhalb eines konkreten Vorschlages. Sein Beispiel für die mögliche Verringerung eigener Sicherheitskräfte war dafür wesentlich aufschlussreicher. Auf der Ebene einer einzelnen Gesellschaft war der Ansatz sauber. Wenn öffentliche Kräfte eine Aufgabe übernahmen, musste das Unternehmen die dafür erforderlichen Kapazitäten nicht selbst finanzieren und jede vermiedene Ausgabe verbesserte Rendite wie Amortisationsdauer. Vesperia hätte keine Schwierigkeiten gehabt, ihnen die Kalkulation selbst aufzustellen. Der betrachtete Horizont endete nur an einem Punkt, an dem die Überlegungen der beiden Großindustriellen offenbar ebenfalls endeten.

Kleingeistige Großindustrielle.

Eine Volkswirtschaft war kein übergroßes Unternehmen. Sie hielt Reserven vor, die im gewöhnlichen Betrieb keinen Gewinn erwirtschafteten, hielt alternative Transportwege für den Ausfall einzelner Korridore offen, trug Bildungs- und Infrastrukturkosten schon lange vor den ersten besteuerbaren Erträgen und musste selbst dann noch Versorgung, Sicherheit und militärische Handlungsfähigkeit gewährleisten, wenn sich ein Projekt für seinen Betreiber nicht länger rechnete. Die öffentliche Hand konnte durch die Übernahme bestimmter Aufgaben sehr wohl einen größeren gesamtwirtschaftlichen Nutzen schaffen, doch daraus entstand kein Anspruch auf den unentgeltlichen Einsatz staatlicher Kapazitäten.


Aus dem Ausschluss eines konzernkontrollierten Sicherheitsraumes folgt nicht, dass iridonianische oder imperiale Kräfte den Werksschutz der Fourb-Gruppe übernehmen“, stellte sie fest.Die Liga gewährleistet die allgemeine öffentliche Ordnung. Über den Schutz kritischer Infrastruktur kann gesondert gesprochen werden. Zugangskontrolle, Geländesicherung und der unmittelbare Schutz eigener Anlagen verbleiben zunächst beim Betreiber, während Transportwege nach Ladung, Route und Gefahrenlage zu beurteilen sind. Eine militärische Reaktion untersteht staatlicher Befehlsgewalt und keiner betrieblichen Verfügbarkeitsplanung.“

Neben dem Protokoll öffnete sich eine kleinere Übersicht, in der Sicherheitsaufgaben und mögliche Kostenträger noch ohne Zuordnung aufgeführt waren.

Sie werden deshalb beziffern, welche eigenen Kapazitäten Sie zurückfahren möchten, welche Standorte und Routen davon betroffen wären und auf welche Bedrohungsannahmen Sie Ihre Planung stützen. Ebenso benötige ich die von Ihnen erwartete Reaktionsfähigkeit öffentlicher Kräfte, die gewünschte Eingreifzeit und Ihren vorgesehenen Anteil an den entstehenden Kosten. Zuständigkeit, Befehlsgewalt und Haftung werden voneinander getrennt. Die bloße Tatsache, dass eine Investition in unserem Interesse liegt, macht ihre Absicherung nicht zu einer unentgeltlichen staatlichen Dienstleistung.

Vesperia berührte eine weitere Fläche ihres Datapads, woraufhin das Protokoll zur Seite rückte und einer Karte der Iridonianischen Liga Platz machte. Rohstoffvorkommen erschienen neben Energieerzeugern, stillgelegten Industrieanlagen, besiedelten Räumen und den größeren Verkehrsadern des Gebietes, bis sich vor ihnen kein einzelner möglicher Minenstandort mehr befand, sondern ein wirtschaftliches Gefüge, dessen ungenutzte Verbindungen deutlicher hervortraten als seine bereits arbeitenden Teile.

Sie baten um eine Darstellung unserer Pläne und der möglichen Rolle Ihres Hauses. Projekt Iron Mantle verbindet die weitere Erfassung und Erschließung der Rohstoffvorkommen mit dem Ausbau von Energieerzeugung, örtlicher Verarbeitung und Transportkapazitäten. Die Liga soll künftig einen größeren Anteil ihrer eigenen Rohstoffe veredeln, statt den überwiegenden Wertzuwachs anderen Wirtschaftsregionen zu überlassen. Dafür benötigen wir zusätzliche Energie, modernisierte Umschlagplätze, verlässliche Verbindungen zwischen Abbaugebieten und industriellen Zentren sowie Unternehmen, die nicht allein Maschinen einführen, sondern Arbeitskräfte ausbilden und örtliche Zulieferer entwickeln.

Mit dem Finger zog sie eine Verbindung zwischen mehreren bekannten Lagerstätten, einem Energiekomplex und zwei der größeren Häfen, ehe weitere mögliche Standorte in der Umgebung hervortraten.

Die einzelnen Vorhaben werden daran gemessen, welchen Beitrag sie zur industriellen Kapazität, zur Steuer- und Abgabenbasis, zur Beschäftigung und zur Widerstandsfähigkeit der Liga leisten. Ein Standort, der für seinen Betreiber hohe Ausfuhren erzeugt, aber Energie, Sicherheitskosten und spätere Sanierung der öffentlichen Hand überlässt, besitzt für diese Planung einen geringeren Wert als ein zunächst bescheideneres Projekt, das Wertschöpfung und Fachwissen innerhalb des Gebietes verankert. Ebenso kann eine Infrastrukturmaßnahme gesamtwirtschaftlich sinnvoll sein, obwohl sie für sich genommen keine ansprechende Rendite erzielt, wenn sie mehrere Standorte erschließt, Versorgungskosten senkt oder im Krisenfall einen zweiten Zugang offenhält.

Steuern und Abgaben sollen dort anfallen, wo der tatsächliche Wert geschaffen wird. Legen Sie deshalb auch dar, welche konzerninternen Lieferungen, Finanzierungen, Lizenzmodelle und Verrechnungspreise Sie für das Vorhaben planen. Wir werden keiner Gestaltung zustimmen, die Gewinne aus der Liga verlagert oder den hier geschaffenen Wert durch interne Entgelte künstlich mindert.

Am Rand der Darstellung ließ sie die bestehenden Verbindungen der Fourb-Gruppe zu Bergbau, Transport und Kolonialentwicklung erscheinen, wo sich daneben die bereits festgelegten Prüffelder für Eigentum, Kontrolle und Haftung öffneten.

Für Ihre Gruppe ergibt sich daraus ein breites Tätigkeitsfeld, aber noch kein vorgefertigter Platz. Ich möchte von Ihnen wissen, welcher Konzernzweig die Federführung übernehmen soll und welche Aufgaben Sie Fourb-Mining, Fourb-Transporting, Fourb-Colonies oder der Victorius-Fourb Holding zugedacht haben. Falls Sie mit einer Projektgesellschaft arbeiten wollen, beziehen Sie die bereits von mir verlangten Angaben zu Eigentum, Kontrolle, Abschlussvollmacht und Haftung in Ihre Vorlage ein. Legen Sie dabei offen, welche Risiken beim Mutterhaus, der Projektgesellschaft oder örtlichen Partnern verbleiben und nennen Sie die Garantie, mit der die Fourb-Gruppe für deren Verpflichtungen einsteht.

In der Projektion erschienen Felder für Kapital, Zeiträume und Leistungsstufen.

Darauf aufbauend benötige ich das vorgesehene Investitionsvolumen, seine Finanzierung und den Zeitplan von der Erkundung bis zum regulären Betrieb. Beziffern Sie Gewinnschwelle, angestrebte Amortisationsdauer und Rendite, einschließlich der Annahmen zu Rohstoffpreisen, Fördermengen, Energie, Fracht, Personal und Sicherheit. Mich interessiert ebenso, wie empfindlich Ihr Modell auf geringere Ausbeute, Preisverfall, höhere Transportkosten oder Verzögerungen reagiert und an welchem Punkt Sie ein Projekt aus wirtschaftlichen Gründen nicht weiterführen würden.

Sie vergrößerte die Darstellung der möglichen Häfen und Fördergebiete, ohne eines davon bereits als verfügbar zu markieren.

Dem stellen Sie die Rechte gegenüber, die Sie von der Liga oder der Botschaft erwarten. Dazu gehören gewünschte Gebiete, Laufzeiten, Ausschließlichkeit, Verlängerungs- und Übertragungsrechte, Zugänge zu Energie, Häfen, Verkehrswegen und staatlichen Daten sowie jede Subvention, Garantie oder steuerliche Vergünstigung. Legen Sie ebenso dar, welche Anlagen nach Vertragsende in wessen Eigentum übergehen und in welchem Zustand sie zu übergeben wären. Gleichzeitig benennen Sie die Risiken, die Ihr Haus selbst übernimmt, die vorgesehenen Rückstellungen, Versicherungen und sonstigen Sicherheiten für Stilllegung oder Sanierung sowie Ihre Vorkehrungen für Krieg, einen längerfristigen Preisverfall oder den Ausfall einer beteiligten Gesellschaft.

Erst als die Felder für staatliche Unterstützung und unternehmerisches Risiko nebeneinanderstanden, ergänzte sie die Leistungsseite des möglichen Geschäftes.

Schließlich erwarte ich messbare Angaben zu örtlichen Arbeitsplätzen, Qualifikationsstufen, Ausbildungsprogrammen und dem Anteil iridonianischer Zulieferer. Dasselbe gilt für den innerhalb der Liga verbleibenden Anteil der Wertschöpfung sowie für Infrastruktur, die auch außerhalb Ihres eigenen Betriebes nutzbar bleibt. Zusätzliche Rechte werden sich an überprüfbaren Investitionen, Produktionszielen und Ausbildungsleistungen orientieren. Welche Schwellen Sie dafür vorschlagen, können Sie in Ihrem Konzept darlegen.

Für einige Augenblicke ließ die Diplomatin die Karte unverändert zwischen ihnen schweben. Was sie bislang gezeigt hatte, genügte, um die wirtschaftliche Richtung zu erkennen, erklärte aber noch nicht, weshalb die Entwicklung der Liga für Bastion weit über höhere Steuereinnahmen und eine ruhigere Provinz hinausging. Sie zog den Codezylinder aus seinem Halter und gab eine weitere Ebene frei, woraufhin alte Werftkapazitäten, mögliche Flottenstützpunkte und Versorgungsradien aus dem Hintergrund traten. Von den Häfen Iridonias führte ein noch unvollständiges Netz durch den neutralen Raum in Richtung Utegetu.

Damit Sie die Größenordnung einordnen können, in der wir den Nutzen eines Engagements bewerten, erhalten Sie einen begrenzten Einblick in das weiterführende Ziel. Die wachsende Wirtschaftskraft der Liga soll ihre Wiederbewaffnung mit eigens für sie entwickelten Schweren Schlachtkreuzern der Dragon-Klasse und älteren yevethanischen Schiffen tragen, ohne dass zivile Entwicklung und Flottenaufbau dauerhaft von Zuweisungen aus dem imperialen Kern abhängig bleiben. Zugleich soll Iridonia die wirtschaftliche Grundlage erhalten, ihren Einfluss entlang der neutralen Gebiete in Richtung Utegetu auszudehnen.

Rohstofffelder, Verarbeitungsstandorte, Frachtrouten und militärische Reichweiten lagen nun übereinander, wobei erst ihre Verbindung erkennen ließ, weshalb ein Bergbauunternehmen für diese Planung zugleich wertvoll und gefährlich werden konnte.

Die bereits dargestellten Förder-, Energie- und Transportvorhaben bilden dafür lediglich die Grundlage. Hinzutreten müssen Reparatur- und Werftanlagen sowie dauerhaft lebensfähige Siedlungen. Für die Fourb-Gruppe liegt darin eine erheblich größere Möglichkeit als in einer einzelnen Abbaukonzession. Im Gegenzug wird ihre Betriebsrechnung Teil dieser staatlichen Entwicklung sein und nicht deren Maßstab.

Vesperia schloss die zusätzliche Ebene wieder, während die wirtschaftliche Grundkarte und die noch offenen Prüffelder des Protokolls bestehen blieben.

Diese Information ist der einzige Vertrauensvorschuss, den Sie heute in die weitergehenden Absichten des Imperiums erhalten. Sie ist weder zur Weitergabe bestimmt noch berechtigt sie Ihr Unternehmen, gegenüber örtlichen Stellen mit einer bereits bestehenden Billigung aufzutreten.

Sie legte den Codezylinder zurück und richtete ihre Aufmerksamkeit zuerst auf Leopold, bevor ihr Blick wieder Jerricko einschloss.

Also meine Herren, sind sie vorbereitet wie sie sagen und so nett mir meinen relativ grundsätzlichen Informationskatalog ein wenig zu füllen?"

Die Konsulin nahm die Hand vom Bedienfeld und lehnte sich zurück, während die unvollständigen Verbindungen von Iron Mantle zwischen ihnen weiterschwebten.

[Iridonianische-Liga ++ Glythe-Sektor ++ Iridonia ++ Malidris ++ Botschaftskomplex des Galaktischen Imperiums "Grey Spire"] Vesperia Vendar, Leopold August Fourb von Bühl, Uric Jerricko
 
[Iridonianische-Liga | Glythe-Sektor | Iridonia | Malidris | Botschaftskomplex des Galaktischen Imperiums "Grey Spire"] - Leopold August Fourb von Bühl, Uric Jerricko, Vesperia Vendar

Wie die Frau zur Diplomatin geworden war, war Leopold schleierhaft. Nicht nur schien die gute Dame keinerlei Erfahrungen in der Verhandlung mit interessierten Partnern zu haben, noch besonders gut aufgestellt zu sein, was die Rechtslagen ihrer ganzen Operation anging. Leopold lächelte unvermittelt weiter, doch während sie erzählte und erzählte, Forderungen über Forderungen aus einer für ihn ungerechtfertigten Position stellte, reifte in ihm immer klarer der Gedanke, dass es eine Vertragsunterzeichnung lediglich geben würde, sobald sie den Baron und Botschafter kennengelernt hatten. Diese Frau als Vertreterin ihrer Interessen zu haben, schien so zu sein, wie der Gefängniswärter die Interessen der Gefangenen gegenüber der Gefängnisdirektion vertrat. Sie würden hier nicht eine Infrastruktur aufbauen, die schließlich sang und klanglos von dieser werten Dame übernommen würde, wo dann plötzlich die "Erlaubnis, dass die Fourb-Gruppe auch Gewinn erwarten dürfe", gänzlich vergessen war.

,,Nun, über diese Rechtslage lässt sich durchaus streiten, wir sind nach wie vor mit bestem Wissen und Gewissen und im Einklang mit dem Gutachten einer äußerst fähigen Rechtsabteilung in der Sicherheit, gegen keine Gesetze verstoßen zu haben."

So sehr es Leopold auch ärgerte, dass diese "Diplomatin" ihnen hier mir nichts dir nichts Rechtsbruch vorwarf, so sehr versuchte er sich doch zusammenzureißen und ließ sich äußerlich nichts anmerken. Das letzte Mal, als er sich informiert hatte, war die Iridonische Liga noch unabhängig gewesen und, wie sie selbst festgestellt hatte, galten hier lokale Regelungen. Und die Fourb-Gruppe war keinesfalls ein imperiales Unternehmen, sondern auf dem neutralen Uyter registriert. Nur, weil man hier eine zukünftige Zusammenarbeit mit dem Imperium anstrebte hieß das noch lange nicht, dass man sich auf neutralem Boden den Gesetzen eines fremden Staates zu fügen hatte. Doch blendete er dies vorerst aus, würde diese Konsulin doch wahrscheinlich wieder versuchen, ihnen auf irgendeine Weise einen völlig ungerechtfertigten Strick daraus zu drehen. Auch, wenn die gute Dame keinerlei Interesse an konstruktiven Verhandlungen zu haben schien, versuchte Leopold doch sein Bestes, den Verlauf des Gespräches in eben diese Richtung zu lenken. Den befehlenden Ton der Dame überhörte er dabei geflissentlich.

,,Nichtsdestotrotz ist es aber doch auch, wie ich Ihnen ja bereits zu erklären versuchte, völlig in unserem Interesse, mit Ihnen mit gänzlich offenen Karten zu spielen. Wie gesagt, wir versuchen in keinerlei Weise etwas hinter ihrem Rücken zu arrangieren, sondern gemeinsam mit ihnen an diesem Projekt zu arbeiten. Ihnen Informationen vorzuenthalten ist in keinerlei Weise in unserem Interesse. Es sei noch zudem hinzugefügt, dass wir kein zwielichtiges Unternehmen sind, wie sie andeuten, dass irgendwelche falschen Aussagen an örtliche Stellen tätigt die auch nur andeuten, wir würden bereits in Zusammenarbeit mit dem Imperium auf Grundlage eines bereits geschlossenen Vertrages handeln."

Diese kleine Klarstellung hatte er sich dann doch nicht verkneifen können. Jerricko übernahm unmittelbar das Wort, um das Gespräch zurück in die fachliche Richtung zu führen.

,,Wir haben einige Gebiete lokalisiert, die von besonderem Interesse für uns sein könnten und sich als Startprojekte eignen. Wir haben bereits an einigen anderen Stellen Proben entnommen mit Genehmigung der örtlichen Landbesitzer, am vielversprechendsten sind aber diese paar Orte."

Jerricko beugte sich nach vorne und zeigte der Konsulin auf seinem Datapad die Ergebnisse. Er verfiel schnell in ein geologisches Fachgerede und spulte die Zusammensetzung von Erzen, die Bodenreinheit und andere relevante Informationen ab, warum die von ihnen ausgewählten Gebiete besonders geeignet seien und die anderen weniger, wo die Gebiete lagen und was sie auszeichnete. Bei dem einen war die Grundstruktur hinderlich, bei dem anderen die Erze vorerst zu tief noch in der Erde verborgen. Dort war der Anteil der Verunreinigungen etwas höher als anderswo und bei einer anderen Stelle ließen örtliche Gegebenheiten Schieflagen der Messungen vermuten. Es dauerte einige Minuten bis er fertig war und Leopold dachte sich im Stillen, etwas zufrieden, dass die werte Dame wohl mit den Informationen die sie gerade noch so großspurig gefordert hatte, kaum etwas anfangen konnte.


,,Die Proben haben wir alle hier vor Ort in lokalen Laboren untersuchen lassen, die jeweiligen Kontakte leite ich ihnen selbstverständlich weiter, ebenso wie die Ergebnisse der Proben. Die Geschäftsführung auf Uyter hat diese Daten ebenfalls erhalten, die entsprechenden Personen sind ebenfalls enthalten, falls sie sich rückversichern wollen. Den Kontakt mit sämtlichen lokalen Stellen habe ich hier vor Ort geleitet. Es fand bisher, außer den von mir bereits genannten Kontakten zur Genehmigungserteilung für die Entnahme von Proben, lediglich ein erstes Vorfühlen statt. Keinerlei weiterführende Absprachen oder ähnliches, lediglich, wer im Zweifelsfall zuständig wäre und ob eine Zusammenarbeit mit der Fourb-Gruppe auf den ersten Blick sinnig erscheint. Diese Einschätzungen lassen wir ihnen gerne zukommen, auch wenn ihre Geheimdienstberichte wahrscheinlich bei weitem ausführlicher sein werden und im Zweifelsfall bei der späteren Entscheidung deutlich gewichtiger sein werden. Bisher hatten wir gerade mit dem Clan Traja Kontakt, dem einige der wertvollsten Böden gehören, der aber auch nicht über die Identifizierung von Schlüsselpersonen hinausging.."

Jerricko schien deutlich ausgeglichener zu sein. Vielleicht war dies auch durchaus von Vorteil. Es schien nicht so, als würden sie keine einheitliche Linie verfolgen, doch schien sein Kollege mehr auf die faktischen Gegebenheiten vor Ort fokussiert zu sein, als auf das Getue dieser Konsulin. Leopold hoffte wirklich nur inständig, dass der Botschafter von zumindest etwas anderem Schlag war. Dieses Gebiet war zu verlockend, gleichzeitig würden die anderen Unternehmen, von denen es wie bereits erwähnt wohl kaum viele geben konnte, bei so einer Konsulin wohl eher noch schneller vom Haken springen als die Fourb-Gruppe, die zumindest durch Mr. Vayliuar noch eine gewisse Rückendeckung im Imperium besaß. Der Baron würde sich bei seiner Konsulin bedanken, wenn sie alle potentiellen Investoren verschreckt hatte.

Und als die gute Konsulin erneut damit fortfuhr, nun auf Leopolds Anmerkung bezüglich der Sicherheitskräfte einzugehen, bestätigte sich seine Sichtweise nur erneut. Das sie dem Zickzackkurs, den sie hier vorgab überhaupt selbst noch folgen konnte, überraschte ihn beinahe. Leopold lächelte ungebrochen.

,,Irgendjemand muss halt den Schutz übernehmen. Unentgeltliche Dienstleistungen forderte hier niemand. Sie sprachen davon, dass wir keinen eigenständigen, vom Rest abgeschlossenen Herrschaftsbereich etablieren sollten. Ich hob lediglich hervor, dass dies in keinerlei Weise in unserem Interesse liegt und wir selbstverständlich gerne auf die staatlichen Strukturen zurückgreifen. Wenn ich mich für sie missverständlich ausgedrückt habe, möchte ich mich entschuldigen. Die Dinge, über die sprechen sind ja in keinerlei Weise etwas, was in dieser Art außergewöhnlich wäre, auch, wenn es zu diesem Zeitpunkt noch nicht genau zu beziffern ist von unserer Seite aus. Sobald die Dinge konkreter werden, ist eine detaillierte Aufschlüsselung natürlich ebenso in unserem wie in ihrem Interesse, da keiner möchte, dass die geförderten Rohstoffe verloren gehen oder die aufgebauten Anlagen zerstört werden. Gewisse Schlüssel sollten verhandelt werden, wer zu welchem Anteil welchen Schutz übernimmt und zu welchen Kosten, da bin ich ganz bei ihnen, doch Stand jetzt müssen wir uns zuerst einmal auf grundlegendere Dinge abstimmen, denke ich."

Und zu diesen grundlegenderen Dingen kam sie nun auch. Und diese Dinge schienen nun deutlich ansprechender zu sein und klarer formuliert, wie Leopold feststellte. Hätte die Konsulin sofort mit diesem Plan begonnen, wäre er ganz anders eingestiegen. Während die Dame erzählte und erklärte, wich das Lächeln aus Leopolds Gesicht und er hörte aufmerksam zu, während Jerricko es ihm gleichtat. Dieses Projekt überstieg die Vorstellungen, die die Fourb-Gruppe gehabt hatte, was Investitionen anging, aber auch deutlich was Gewinn anging.

,,Ich muss zugeben, die Ausmaße dieses Projektes übersteigen die Erwartungen, die sich im Vorhinein im Zuge der Einladung gemacht wurden. Wir sind glücklicherweise Anpassungsfähig ... und verfügen über viel Investitionsmöglichkeiten. Die Kombination unserer verschiedenen Geschäftszweige und der dort bereits gemachten Erfahrungen wird hier essenziell sein. Gerade die Erfahrungen, die ich selbst im Rahmen unseres Colonie-Projektes gemacht habe, dürften hier gut zur Anwendung kommen können. Natürlich in einer anderen Auslebung, um sie sofort zu beruhigen. Vielleicht zu Anfang einige grundlegende Dinge, was wir uns vorstellen können und welche Gedanken wir uns bereits gemacht haben."

Leopold zog einen Holoprojektor hervor und legte ihn vor sich auf den Tisch. Noch schaltete er ihn nicht an.

,,Es geht ihnen um den Glythe-Sektor primär, nicht darum, Wert unmittelbar in das Imperium zu transferieren und den Sektor dafür im Zweifelsfall auszubeuten. Soviel war uns ja schon vorher klar. Unser Gedanke war es daher von Anfang an, vor allem auf örtliche Arbeitskräfte zu setzen. An Mitarbeitern von außerhalb werden wir nicht vorbei kommen, um das einmal ganz klar zu sagen. Wir brauchen Menschen, die hier vor Ort ausbilden und in den Strukturen und den Arbeitsweisen bewandert sind, um die bereits gemachten Erfahrungen hier vor Ort zu implementieren. Nichtsdestoweniger soll von Anfang an ein Fokus auf die Einarbeitung der Zabraks gelegt werden. Vor allem als Arbeitskräfte, gerade Anfangs, aber durch schnelle Fortbildungsprogramme und Förderung von Potentialen soll schnell auch die Möglichkeit geschaffen werden, Einheimischen in führende Positionen zu gelangen. Die Erfahrung zeigt, dass dies im Zusammenspiel mit deren Wissen um die lokalen Verhältnisse oft von großem Vorteil ist. Wenn man sich den Umfang ihres Projektes anschaut dürfte dies zudem die Akzeptanz der lokalen Bevölkerung verstärken."

Dann aktivierte er den Holoprojektor der einige Graphen und Datenbänke zeigte. Leopold wischte durch diese durch und zeigte sie der Konsulin.

,,Hier haben wir einige Zusammenstellungen von möglichen Gewinnerwartungen und Investitionsströmen, die im Vorhinein zusammengestellt wurden. Wenn ich mir ihr Projekt anschaue, wird das nicht ausreichen. Wir sind bereit dazu, deutlich die erwartete Investitionssumme zu überschreiten. Bei einem solchen Projekt ist es aber wesentlich, langfristig zu planen. Wir sind sehr gerne dazu bereit, dieses Projekt mit nach vorne zu tragen und viel Knowhow, Geld und Arbeiter zu investieren, aber dafür müssen Verträge ausgehandelt werden, die sicherstellen, dass die Fourb-Gruppe langfristig an dem Projekt mitwirken kann und nicht nur als Startspritze herhält. Es erscheint zwar überflüssig zu sagen, aber falls entsprechende Leistungen ausbleiben, Erfolge nicht erzielt werden oder gar Vertragsinhalte nicht erfüllt werden steht natürlich eine Neuverhandlung oder gar Kündigung völlig im Bereich des Möglichen. Aber wie unsere Bilanzen zeigen, wissen wir wie man solche Projekte anpackt und wie man sie erfolgreich angeht."

Er öffnete eine Grafik, die den Verlauf des Colonie-Projektes zeigte und dabei auf wesentliche Punkte einging, die die Konsulin angefragt hatte.

,,Dies zeigt die erzielten Erfolge auf KP-1, dem Planeten im Unbekannten Raum, auf welchem unser Colonie-Projekt fußt. Wie sie sehen, waren wir nicht nur innerhalb kürzester Zeit in der Lage, die umgebenden Bereiche effizient zu erforschen, sondern auch an den entsprechenden Stellen schnell Anlagen aufzubauen und diese, und das ist wohl das hervorstechendste, auch gewinnbringend zu nutzen. Dazu sei erwähnt, dass die Lage auf KP-1 als unbesiedelter und unbekannter Planet von seiner Ausgangslage deutlich schwieriger ist. Hier gibt es Strukturen, auf die zurückgegriffen werden kann, die wir nutzen können. Gleichzeitig zeigt es gut, wie unsere Unternehmensfelder ineinandergreifen können und das wir uns nicht nur darauf fokussieren, Stollen in Berge zu schlagen, sondern auch Erfahrungen haben im Aufbau von Infrastruktur und darüber hinaus. Sie werden sehen, dass gerade ihr größerer Plan Iridonia und der Anschluss in Richtung Utegetu in eine ähnliche Richtung stößt und mit diesem Knowhow gut vorangetrieben werden kann."

Er schaltete den Holoprojektor für den Moment aus, ließ ihn aber auf dem Tisch liegen.

,,Wir haben viele Kapazitäten. Das Colonie-Projekt ist mit der ersten Phase gut angelaufen, sodass Kapazitäten frei geworden sind, die wir nun auch zusätzlich in eine neue Richtung gut nutzen können. Ich denke es wäre sinnvoll, wenn Botschaft und Firma gemeinsam im Kontakt mit lokalen Stellen vorgehen, um eine einheitliche Linie zu fahren. Bei einem Projekt von einer solchen Größe muss ein enger Austausch stattfinden. Gewisse Subventionen und Unterstützungen scheinen mir sinnvoll von Seiten Iridinoias beim Wiederaufbau alter Anlagen und dem Aufbau grundsätzlicher Infrastruktur, sowie vom Imperium, wenn man gerade in den Bereich ihres größeren Projektes blickt."

Nachdem Leopold zu Ende gesprochen hatte lehnte er sich zurück und verschränkte erneut die Finger.

"Folgende Frage ist aber noch wichtig zu klären, bevor man an die konkretere Ausgestaltung geht: mit wie vielen Firmen versuchen sie dieses Projekt voranzutreiben? Ich kenne den Markt, es gibt nur wenige Unternehmen, die dafür das nötige Knowhow und die Verknüpfung der notwendigen Sparten besitzen. Von diesen wenigen Unternehmen ist bei mit Sicherheit 60% Ausbeutung wesentlicher Teil der Firmenpolitik, weitere 20% setzen quasi noch auf Sklaverei, wenn man es auch anders nennen mag. Diese 80% sind also wohl kaum von Interesse für ein Projekt wie dieses. Von dem Rest fehlt wiederum einem Großteil das notwendige Kapital - es bleibt also nicht viel übrig. Um zu wissen, wie viel wir investieren können und wollen, müssen wir wissen, wer sonst noch beteiligt ist. Zudem muss alles Hand in Hand laufen und nicht aneinander vorbei. Mögliche andere Firmen müssten dazu bereit sein."

Er erwähnte nicht, dass die Fourb-Gruppe dies alles auch alleine bewerkstelligen könnte, mit gewissen Subventionen und natürlich in enger Zusammenarbeit mit Imperium und den Zabraks. Dieser Umstand war der Konsulin längst bewusst.


[Iridonianische-Liga | Glythe-Sektor | Iridonia | Malidris | Botschaftskomplex des Galaktischen Imperiums "Grey Spire"] - Leopold August Fourb von Bühl, Uric Jerricko, Vesperia Vendar
 
[Iridonianische-Liga ++ Glythe-Sektor ++ Iridonia ++ Malidris ++ Botschaftskomplex des Galaktischen Imperiums "Grey Spire"] Vesperia Vendar, Leopold August Fourb von Bühl, Uric Jerricko

Vesperia ließ Leopolds neuerliche Einlassung verstreichen, ohne ihm jene Auseinandersetzung zu gewähren, die er aus ihrer Feststellung offenbar noch immer machen wollte. Sein Lächeln blieb bestehen, seine Stimme beherrscht und von außen war nicht mehr zu erkennen als der Versuch, einen für ihn wichtigen Punkt mit dem Gewicht einer nicht anwesenden Rechtsabteilung zu versehen. Erst als Jerricko sich nach vorne beugte und die ersten geologischen Datensätze auf seinem Pad öffnete, verlagerte sich ihre Aufmerksamkeit sichtbar. Die angekündigte Übertragung erschien beinahe zeitgleich am Rand ihres Displays, durchlief die abgeschottete Schnittstelle des Besprechungsraumes und legte sich als gesonderte Datenebene neben das weiterhin geöffnete Protokoll.

Endlich.

Aufgeblasene B-Ware wurde nicht dadurch zur ersten Wahl, dass sie ihre Arbeit in einem gefälligen Hologramm präsentierte. Verwertbare Arbeit war es dennoch und Vesperia war nicht kleinlich genug, sie abzulehnen, nur weil die beiden Männer hinter ihr ihre Geduld bereits über Gebühr beansprucht hatten. Dass ausgerechnet diese Herren hier für ein Unternehmen sprachen, dessen stellvertretender Generaldirektor zugleich den Rang eines Moffs trug, blieb ihr ohnehin unverständlich. Vielleicht besaß ein bedeutender Name auch außerhalb Empress Tetas die angenehme Eigenschaft, den Blick von der Qualität seiner Träger abzulenken.


Dann dürfte sich der vermeintliche Streit rasch beilegen lassen, Mister Fourb.

Die Korosierin richtete den Blick nur für die Dauer ihrer Antwort auf Leopold.

Ich habe Ihnen keinen Rechtsbruch vorgeworfen. Gegenstand meines Einwands war weder Ihre Vorprüfung noch deren örtliche Zulässigkeit, sondern der unterbliebene Kontakt zur Botschaft und zum Konsulat vor ihrem Beginn. Das Gutachten Ihrer Rechtsabteilung mag die einzelnen Schritte betreffen. Es ersetzt nicht nachträglich einen Verfahrensweg, den Sie nicht beschritten haben. Mehr gibt es dazu im Augenblick nicht zu sagen.

Damit wandte sie sich Jerrickos Ausführungen zu, ohne auch noch auf die Versicherung einzugehen, dass die Fourb-Gruppe kein zwielichtiges Unternehmen sei. Ob sie diesen Ruf verdiente, würde keine Erklärung an diesem Tisch entscheiden. Dafür gab es Bilanzen, Eigentumsregister, Geschäftsbeziehungen und die wesentlich weniger formvollendeten Berichte jener Stellen, deren Aufgabe nicht darin bestand, Konzernvertretern zu gefallen.

Jerricko sprach schnell, doch keineswegs ungeordnet. Zusammensetzung, Reinheit und Tiefe der Lagerstätten gingen mit den erfassten Störfaktoren in die eingehenden Dateien über, ergänzt um Kartenebenen, Probenkennungen, Laborberichte und die angekündigten Kontaktverzeichnisse. Das geologische Fachvokabular ordnete sich für Vesperia beinahe von selbst entlang jener Größen, die in einer späteren Betriebsrechnung über Kapitalbedarf, Förderkosten und Ausfallrisiko entschieden. Tiefer liegende Vorkommen bedeuteten einen anderen Kapitaleinsatz und längere Vorlaufzeiten. Stärkere Verunreinigungen erhöhten den Energiebedarf der Aufbereitung und jede Unsicherheit innerhalb der Messung verbreiterte den Bereich, in dem aus einer ansprechenden Gewinnerwartung eine sehr teure Fehleinschätzung werden konnte. Energie, Transport, Eigentumsrechte und die politische Stellung der betroffenen Clans gehörten dabei ebenso in die Bewertung wie das Material unter ihren Füßen.

Während Jerricko die Unterschiede der untersuchten Gebiete erläuterte, verband die Konsulin seine Daten mit der wirtschaftlichen Grundkarte von Iron Mantle. Sie ließ keine neue Rangfolge aufscheinen und markierte keinen der vorgeschlagenen Standorte als gebilligt, doch mehrere Prüffelder wechselten vom leeren in einen vorläufig belegten Zustand. Die übermittelten Unterlagen enthielten auch die von ihm genannten örtlichen Labore, die Empfänger innerhalb der Geschäftsführung auf Uyter und jene Personen, mit denen er im Umfeld der möglichen Abbaugebiete gesprochen hatte. Namen, Zeitpunkte und Ergebnisse lagen damit vor, ohne dass Vesperia einen Grund gehabt hätte, die einzelnen Angaben noch einmal für den gesamten Raum zu wiederholen. Ihr Stab würde sie mit den unabhängigen Erkenntnissen abgleichen und ausgewählte Proben erneut untersuchen lassen. Erst nach diesem Abgleich würden die Angaben einer Unternehmensdatei für sie zur belastbaren Grundlage.

Clan Traja erhielt in der Projektion eine eigene Kennzeichnung. Dass ein örtlicher Landbesitzer einer Probennahme zugestimmt hatte, bewies zunächst dessen Einverständnis und noch nicht zwangsläufig, dass dieselbe Person über sämtliche darunterliegenden Abbau- oder Verwertungsrechte verfügen konnte. Ebenso wenig war aus einem ersten Vorfühlen bereits eine unzulässige Absprache geworden. Beides ließ sich prüfen, nun da Jerricko endlich die Personen und Dokumente dazu geliefert hatte.


Die Übermittlung genügt mir für den heutigen Termin, Mister Jerricko. Mein Stab wird die Unterlagen auswerten und die für uns entscheidenden Befunde unabhängig bestätigen lassen. Soll Ihre Gruppe während dieser Prüfung weiter für Iron Mantle berücksichtigt werden, erfolgen bis zu ihrem Abschluss keine weiteren Probennahmen, Verpflichtungen gegenüber örtlichen Stellen oder Weitergaben der gewonnenen Daten. Das gilt auch innerhalb Ihrer Unternehmensgruppe.

Sie hob eine Hand, noch bevor aus dem letzten Satz eine neue Debatte über die gewöhnlichen Abläufe eines Konzerns entstehen konnte.

Die bereits benannten Empfänger auf Uyter werden Bestandteil der Prüfung. Ich verlange keine nachträgliche Unkenntnis innerhalb Ihrer Geschäftsleitung, sondern einen begrenzten und nachvollziehbaren Informationskreis, solange wir noch nicht entschieden haben, welche Erkenntnisse für die strategische Planung der Liga von Bedeutung sind. Sollten die Genehmigungen der Landbesitzer nicht zugleich die erforderliche Berechtigung zur Probenentnahme und die Rechte am Untergrund umfassen, wird Ihre Rechtsabteilung die fehlenden Nachweise ergänzen.

Jerrickos Hinweis auf die Berichte des Geheimdienstes beantwortete sie mit einem kaum merklichen Neigen des Kopfes. Seine offen ausgesprochene Vermutung, andere Stellen kennten seine Wege genauer als er sie gerade dargestellt hatte, gab ihm immerhin einen zusätzlichen Anreiz, die übermittelte Fassung vollständig zu halten.

Ihren Vorschlag, die weiteren Kontakte mit örtlichen Stellen gemeinsam zu führen, nehme ich an. Für das Konsulat gilt Mister Jerricko damit bis auf Weiteres als verantwortlicher Ansprechpartner Ihrer Gruppe. Wir benennen einen festen Verbindungsbeamten und binden für jedes betroffene Gebiet die zuständige Stelle der Liga ein. Gespräche, übermittelte Daten und mögliche Zusagen werden in einem gemeinsamen Register erfasst. Das gilt auch für jeden weiteren Kontakt mit Clan Traja.

Damit war der Verfahrenspunkt für Vesperia abgeschlossen. Sie ließ das gemeinsame Register am Rand der Projektion bestehen und wandte sich Leopolds Vorlage zu.

Bei Leopold war das Lächeln spätestens in dem Augenblick verschwunden, in dem sich die Verbindungen von Iron Mantle bis nach Utegetu geöffnet hatten. Welche Rechnung sich hinter seiner nun konzentrierteren Miene entwickelte, ließ sich nicht erkennen, doch er hatte selbst eingeräumt, dass die Größenordnung des Vorhabens seine bisherigen Erwartungen überstieg. Was er nun über den Holoprojektor präsentierte, bestätigte den Wechsel besser als jede Beteuerung. Investitionsströme, erwartete Erträge und die Entwicklung des Kolonieprojektes lagen tatsächlich zwischen ihnen, anstatt lediglich als Verweis auf die Erfahrung der Fourb-Gruppe im Raum zu stehen.

Vesperia ließ die auf KP-1 bezogenen Kurven neben Jerrickos neu eingegangenen Daten bestehen. Die darin hinterlegten Werte beantworteten nicht sämtliche Fragen ihres zuvor geöffneten Protokolls, doch sie machten sichtbar, mit welchen Annahmen Fourb bislang gerechnet hatte und an welchen Stellen die größere Dimension von Iron Mantle eine vollständige Neubewertung verlangte. Es wäre unsinnig gewesen, vorläufige Zahlen an Anforderungen zu messen, die dem Unternehmen bei ihrer Erstellung noch nicht bekannt gewesen waren. Wesentlich interessanter war, dass Leopold ihre Unzulänglichkeit selbst eingeräumt und zugleich erklärt hatte, den Einsatz der Gruppe ausweiten zu können.


Ihre Bereitschaft, das vorgesehene Engagement an die tatsächliche Größenordnung des Programms anzupassen, gibt uns eine Grundlage, auf der wir weiterarbeiten können“, stellte sie fest.Die heute übermittelten Projektionen behandle ich als Vorplanung. Sobald mein Stab die technischen Datensätze geprüft und Ihnen die für eine belastbare Modellierung freigegebenen Rahmenwerte übermittelt hat, legen Sie eine überarbeitete Fassung vor. Darin trennen Sie das Kapital, das unmittelbar durch die Fourb-Gruppe bereitgestellt wird, von Fremdfinanzierung und jeder Form staatlicher Unterstützung. Dasselbe gilt für bereits gebundene und tatsächlich verfügbare Kapazitäten.

Mit einer Bewegung ihrer Finger rief sie die von Leopold vorgeführte Entwicklung von KP-1 erneut auf, ohne dessen Gerät an sich zu nehmen.

Das Kolonieprojekt ist als Leistungsnachweis relevant. Es belegt, dass Ihre Unternehmenszweige Erkundung, Aufbau und Betrieb technisch miteinander verbinden können. Ein unbewohnter Planet ist in dieser Hinsicht allerdings nicht zwangsläufig die schwierigere Ausgangslage. Auf KP-1 mussten Sie Strukturen schaffen. Auf Iridonia müssen Sie vorhandene Strukturen einbinden, Eigentumsverhältnisse beachten, Arbeitskräfte qualifizieren und mit politischen Trägern umgehen, deren Zustimmung nicht durch die Errichtung einer Anlage ersetzt wird.

Sie vergrößerte die übermittelten Projektphasen nur so weit, dass die noch offenen Prüfpunkte daneben Platz fanden.

Ergänzen Sie deshalb die Abweichungen zwischen Planung und tatsächlichem Verlauf, den Anteil externer Unterstützung und die Kapazitäten, die nach Abschluss der ersten Phase wirklich verlagert werden können. Ich benötige keine zweite Präsentation der Erfolgskurve. Mein Stab braucht die Grundlage, auf der sie entstanden ist.

Bei Leopolds Ausführungen über örtliche Arbeitskräfte hatte Vesperia die dazugehörigen Felder bereits geöffnet. Der Ansatz entsprach im Grundsatz dem gesetzten Ziel. Nur besaß das Wort später jene angenehme Dehnbarkeit, mit der Unternehmen eine Verpflichtung über Jahre hinweg in ihren Berichten fortschreiben konnten, ohne ihr jemals gefährlich nahezukommen. Während ihrer Arbeit in der Abteilung für Handelsentwicklung hatte sie genügend Programme gesehen, in denen aus vorübergehend eingeführten Spezialisten eine dauerhafte Führungsschicht und aus angekündigtem Wissenstransfer eine jährlich erneuerte Schulungspräsentation geworden war.

Ihr Ansatz für die örtlichen Arbeitskräfte ist grundsätzlich vereinbar mit unseren Anforderungen. Für die Anfangsphase werden Sie auf eigenes Fachpersonal nicht verzichten können. Daraus darf jedoch keine dauerhafte Trennung zwischen iridonianischer Arbeit und auswärtiger Führung entstehen.

Neben Leopolds Projektion rückten Beschäftigung und Ausbildung in den Vordergrund.

Sie schlagen die Entwicklungsstufen dafür selbst vor. Benennen Sie für jede Projektphase, welche Tätigkeiten durch örtliche Beschäftigte übernommen werden, welche Qualifikationen geschaffen werden und wann technische sowie betriebliche Leitungsfunktionen übergehen können. Ergänzen Sie anerkannte Ausbildungswege, die Einbindung iridonianischer Zulieferer und die Voraussetzungen, unter denen von außerhalb entsandtes Personal wieder zurückgeführt wird. Wir werden Ihre Vorschläge anschließend an der Größenordnung des jeweiligen Teilprojektes messen.

Das Unternehmen kannte seine Arbeitsabläufe besser als jede Behörde und durfte deshalb selbst zeigen, was es unter den vorgegebenen Bedingungen für erreichbar hielt. An den eigenen Vorschlägen ließ sich später erheblich sauberer messen, ob Fourb tatsächlich eine iridonianische Führungsschicht aufbaute oder lediglich die Formulierung seines Versprechens beherrschte.

Leopolds Wunsch nach langfristiger Vertragssicherheit war vernünftiger als der größte Teil dessen, womit er das Gespräch begonnen hatte. Niemand band Kapital, Personal und Anlagen über Jahre hinweg, wenn eine Genehmigung nach der ersten erfolgreichen Phase ohne festgelegte Folgen wieder entzogen werden konnte. Daraus erwuchs jedoch kein Anspruch, sich bereits vor der ersten nachgewiesenen Leistung sämtliche späteren Erträge zu sichern.


Eine langfristige Beteiligung der Fourb-Gruppe ist möglich. Ihr Umfang wird jedoch nicht durch eine einzige umfassende Konzession vorweggenommen“, fuhr die Diplomatin fort.Wir gliedern Erkundung, Erschließung, Infrastrukturaufbau und regulären Betrieb in aufeinanderfolgende Phasen. Erreichen Sie die vereinbarten Investitions-, Ausbildungs- und Betriebsziele, entstehen daraus festgelegte Erweiterungs- oder Verlängerungsrechte. Werden sie verfehlt, greifen Neuverhandlung, Eintrittsrechte der zuständigen Stellen oder Beendigung nach den noch festzulegenden Bedingungen.

Ihr Blick blieb auf Leopold gerichtet, während sich die einzelnen Abschnitte des möglichen Vertrages über die Projektion legten.

Damit erhalten Sie die Planbarkeit, die ein ernsthaftes Engagement benötigt, ohne dass die Liga ihre Handlungsfähigkeit verkauft, bevor Ihr Unternehmen den behaupteten Nutzen erbracht hat. Eigentum, Entschädigung, Weiterbetrieb kritischer Anlagen und die Übergabe von Daten werden für jede Phase vorab geregelt. Die Fourb-Gruppe muss keine bloße Startspritze sein. Sie wird aber auch nicht allein durch die Größe ihres angekündigten Einsatzes zum Eigentümer des Gesamtprogramms.

Die von Leopold gewünschten Subventionen und Unterstützungen ließ sie nicht aus der Darstellung verschwinden, sondern teilte das Feld in finanzielle, steuerliche und infrastrukturelle Leistungen. Daneben erschien der private Eigenanteil, gefolgt von den Bedingungen einer möglichen Rückforderung. Erst diese Gegenüberstellung nahm dem Begriff Unterstützung seine bequeme Unschärfe.

In Ihrer Neuberechnung führen Sie getrennt auf, welche Unterstützung Sie von der Liga und welche Sie vom Imperium erwarten. Benennen Sie, ob es sich um unmittelbare Zuschüsse, Finanzierungshilfen, Garantien, steuerliche Erleichterungen oder die Bereitstellung von Infrastruktur handeln soll. Stellen Sie jeder beantragten Leistung den eigenen Beitrag Ihrer Gruppe und die damit verbundene überprüfbare Gegenleistung gegenüber. Eine Förderung wird an erreichte Ziele gebunden und muss zurückgefordert werden können, wenn die dafür zugesagten Leistungen ausbleiben.

Fast war es beruhigend, wie zuverlässig Konzernvertreter den Staat entdeckten, sobald eine Straße gebaut, ein Risiko getragen oder eine Investition abgesichert werden sollte. Nur dessen Zuständigkeit für die Bedingungen, unter denen dies geschah, erschien ihnen regelmäßig als überraschender Eingriff in die unternehmerische Freiheit. Der Konzernsektor hatte der Galaxis hinreichend vorgeführt, was geschah, wenn man einen Direx-Vorstand für eine Regierung hielt. Am Ende besaßen selbst Recht, Sicherheit und Atemluft eine Kostenstelle, während irgendein Geschäftsbericht den daraus entstandenen Zustand wahrscheinlich noch als effiziente Ordnung auswies.

Kleingeister mit Regierungsfantasien.

Auch beim Sicherheitsmodell gewährte Vesperia Leopold die von ihm gewünschte Reihenfolge, ohne den bereits gesetzten Rahmen noch einmal aufzurollen.


Die genaue Verteilung der Sicherheitskosten kann warten, bis Standorte, Routen und Projektphasen feststehen. Das Grundmodell bleibt Bestandteil Ihrer überarbeiteten Vorlage. Die dazu bereits genannten Zuständigkeiten gelten.

Nach außen blieb nur die ruhige Aufmerksamkeit einer Frau, die Leopolds Frage nach den weiteren Unternehmen nicht im Mindesten überrascht hatte.

Die endgültige Zahl der beteiligten Unternehmen steht nicht fest, Mister Fourb, weil sie sich aus den geprüften Beiträgen und nicht aus einer im Voraus festgelegten Sitzordnung ergeben wird. Iron Mantle wird als verbundenes Programm geführt und nicht als geschlossene Gesamtkonzession an einen einzelnen Betreiber vergeben.

Sie ließ die wirtschaftliche Grundkarte wieder stärker hervortreten. Die bereits bekannten Bereiche blieben miteinander verbunden, ohne dass hinter einem von ihnen der Name eines Unternehmens erschien.

Für die Entscheidung, welchen Teil Ihre Gruppe tragen kann, benötigen Sie noch keine Liste möglicher Mitbewerber. Sie benötigen definierte Schnittstellen, gemeinsame technische Standards und die Gewissheit, dass jeder zugelassene Partner denselben Offenlegungs- und Leistungspflichten unterliegt. Welche Unternehmen diese Bedingungen am Ende erfüllen, entscheidet nicht die Fourb-Gruppe.

Auf Leopolds Prozentangaben ging sie nur insofern ein, als sie neben seiner Marktbehauptung ein Feld für die zugrunde liegende Bewertung öffnete.

Wenn Ihre Einschätzung der übrigen Anbieter Grundlage Ihrer Investitionsentscheidung sein soll, reichen Sie die verwendeten Kriterien und die dazugehörige Marktanalyse ein. Eine Prozentzahl wird nicht dadurch zur belastbaren Erkenntnis, dass man sie mit hinreichender Überzeugung vorträgt.

Ein Hauch jener Freundlichkeit, die bei Vesperia meist gefährlich nahe an Herablassung lag, berührte ihre Miene und verschwand wieder, bevor daraus ein Lächeln werden konnte. Dann schob sie die Ansicht der Fourb-Gruppe über die weiterhin unvollständige Karte und ließ jene Bereiche des Programms hervortreten, für die das Unternehmen bislang lediglich eine allgemeine Eignung behauptet hatte.

Sie wollten die grundlegenden Dinge zuerst klären. Das haben wir nun getan.

Ihre Hand deutete auf den ausgeschalteten Holoprojektor, den Leopold vor sich auf dem Tisch hatte liegen lassen.

Schalten Sie ihn wieder ein. Markieren Sie, in welchen Bereichen die Fourb-Gruppe die Federführung beansprucht, wo sie als Partner arbeiten kann und welche Leistungen sie anderen Betreibern überlassen würde. Ordnen Sie jedem Anspruch die verantwortliche Gesellschaft, die tatsächlich verfügbare Kapazität und die Form der Konzernhaftung zu.

Die Konsulin lehnte sich nicht wieder zurück. Zum ersten Mal seit Beginn des Termins lag ihr Körpergewicht leicht nach vorne verlagert, während ihr Blick zwischen den beiden Männern und der wartenden Projektion wechselte.

Dann sehen wir, Mister Fourb, ob Ihr Unternehmen unter einer nicht ausschließlichen und an nachprüfbare Leistungen gebundenen Struktur tatsächlich so anpassungsfähig ist, wie Sie behaupten.

[Iridonianische-Liga ++ Glythe-Sektor ++ Iridonia ++ Malidris ++ Botschaftskomplex des Galaktischen Imperiums "Grey Spire"] Vesperia Vendar, Leopold August Fourb von Bühl, Uric Jerricko
 
[Iridonianische-Liga | Glythe-Sektor | Iridonia | Malidris | Botschaftskomplex des Galaktischen Imperiums "Grey Spire"] - Leopold August Fourb von Bühl, Uric Jerricko, Vesperia Vendar

Als die Konsulin nun darauf zu sprechen kam, dass die Fourb-Gruppe von nun an nicht weiter Proben entnehmen oder in Richtung der Clans auf Iridonia tätig werden sollte, nickte Leopold nur. Selbstverständlich würden sie das nicht tun. Dieses erste Vortasten hatte lediglich dem Zweck gedient, um zu überprüfen, ob die Erstellung von Konzepten und die Entsendung von ihm und Jerricko es überhaupt wert war. Ab jetzt würde man sich selbstredend vor weiteren Ausgaben hüten, ohne, dass ein Vertrag aufgesetzt war, der diese weiteren Ausgaben in Zukunft mit Gewinnen rechtfertigen würde. Doch diese unternehmerische Perspektive Lady Vendar aufzuzeigen hatte Leopold mittlerweile aufgegeben.

Gleichzeitig nahm er aber durchaus zufrieden zur Kenntnis, dass die Konsulin der gemeinsamen Kontaktaufnahme zustimmte. Dies sprach zumindest schoneinmal dafür, dass eine gewisse Kooperation doch stattfinden würde und sie hier nicht nur als ausführender Arm eines ach so komplexen und geheimen imperialen Plans saßen. Jerricko schien ähnlicher Meinung zu sein.


,,Sehr gut. Dies wird dem weiteren Kontakt die nötige Amtsgewalt verleihen und diese gleichzeitig mit unserer unternehmerischen Expertise verbinden. Die Genehmigungen, die sie ansprachen, haben wir alle ordnungsgemäß erhalten, die Probeentnahme wurde uns dabei auch von den lokalen Stellen genehmigt."

Jerricko tippte sich, während er dies aussprach, einige Dinge in sein Datapad, wohl, um die entsprechenden Dateien so aufzuarbeiten, dass er sie später gut aufbereiten konnte und der Imperialen Botschaft vor Ort zur Kenntnisnahme weiterreichen konnte.

Als sie schließlich zum dem eigentlichen Kern des Gesprächs kamen, von dem Leopold fast schon gedacht hatte, dass dieser viel zu geheim wäre in den Augen der Konsulin, um ihnen mitgeteilt zu werden, schien die bisher bestehende Spannung im Raum doch etwas abzunehmen. Immerhin wurde es nun doch interessant. Vendar legte zwar nach wie vor den befehlenden Ton eines Supervisors gegenüber irgendwelchen kleinen Grubenarbeitern in ihre Sprache, doch Leopold überhörte dies geflissentlich. In diesem Projekt lagen eine Menge an Credits und auch strategisch besaß all das hier einen besonderen Wert, gerade, wenn man die geographische Nähe zu KP-1 betrachtete. Er selbst war nicht zu 100% im Bilde, aber seine Tätigkeit und Stellung in der Firma in Kombination mit der Tatsache, dass Aren Vayliuar persönlich sich für dieses Projekt eingesetzt hatte, zeigten doch klar auf, dass hier einiges zu gewinnen war. Da würde man über ein paar antiliberale und stark autoritäre Geisteströme der Konsulin - die ja am Ende des Tages auch nicht mehr war als das, eine Untergebene und ein kleines Rad in diesem Prozess - hinwegblicken können.

,,Selbstredend. Sobald alles entsprechend angepasst und überarbeitet wurde mit ihren neuen Daten werden wir wieder auf sie zukommen und den neuen Rahmen besprechen."

Den Punkt, den die Konsulin dann ansprach, hatte Leopold durchaus auf dem Schirm und er begann zu nicken.

,,Das ist uns bewusst und damit haben wir bereits auf einigen anderen Planeten gute Erfahrungen machen können. Eine Frage, die diesbezüglich im Raum steht, müsste aber vielleicht noch geklärt werden. Inwiefern weiß die Führung des Glythe-Sektors über all das Bescheid, beziehungsweise ist in den Prozess eingebunden?"

Er deute auf die Projektionen und Pläne.

,,Es geht mir bei der Nachfrage vor allem darum, inwieweit wir mit der Kooperation örtlicher Stellen rechnen können und wie stark man mit dieser planen kann. Denken die örtlichen Behörden es handelt sich hier um kleinere, vom Imperium initiierte Infrastrukturprojekte oder ist ihnen in Ansätzen das Ausmaß der Planung bewusst. Je nachdem kann man ja offensiver auf diese Stellen zugehen ... oder man müsste sich halt etwas mehr zurückhalten und eher vorsichtig taktieren. Das wäre ja für die Planung durchaus auch von Interesse."

Als sie schließlich auf die Einbindung lokaler Arbeitskräfte zu sprechen kamen, konnte Leopold sogar ein wenig die Konsulin verstehen. Belastbare Zahlen und konkrete Aussagen waren hier definitiv essenziell, sonst hatte man am Ende ein paar schöne Förderprogramme mit klangvollen Namen, deren Tätigkeitsbereich aber aufhörte, nachdem man ein paar hübsche Werbeplakate mit örtlichen "Führungskräften" erstellt hatte. Jerricko war dieser Punkt durchaus auch bewusst und er ergriff das Wort, hatte er doch zumindest schon etwas mehr Erfahrung im Umgang mit Zabraks.


,,Ganz leicht konkret zu beziffern ist das natürlich nicht. Es wird von der Eignung der Zabraks abhängen und ihren Fähigkeiten ... und auch ihrem Willen, sich aktiv miteinzubringen. Am Anfang wird gerade die tatsächliche Arbeitsschicht wohl vor allem aus Zabraks bestehen. Aber selbstverständlich werden wir auch hier bereits Führungsposition, insbesondere die im direkten Kontakt mit der Zabrak-Arbeiterschaft, hier vor Ort ausschreiben. Gerade diese werden wir im Zuge von Fortbildungen und Betriebsinternen Ausbildungen so weiterschulen, dass sie bereits innerhalb der ersten ein bis zwei Jahre höher im Management aufsteigen können. Dieses höhere Management kann, ein Interesse an Zusammenarbeit natürlich immer vorausgesetzt, auch gerne bereits früh durch Mitglieder der Oberschicht der Clans ausgeübt werden, um so zum einen die Akzeptanz vor Ort zu stärken, zum anderen aber auch von den lokalen Kenntnissen zu profitieren. Zulieferer aus dem iridoniansichen Raum werden dabei essenziell sein, um so das Kapital vor Ort zu steigern, welches man in der Folge weiter für den infrastrukturellen Ausbau nutzen kann. Ein großflächiger Abzug des von außerhalb eingeführten Personals ist derzeit noch nicht zwingend vorgesehen, da wir, gerade wenn man sich diese neue Datengrundlage anschaut, von einer stetigen Erweiterung und Vergrößerung ausgehen und die Erfahrungen zeigen, dass oft der Personalstrom nicht mithalten kann, wenn man gleichzeitig erfahrene Kräfte abzieht."

Leopold nickte zustimmend. Und am Ende des Tages war es durchaus auch im Interesse der Fourb-Gruppe und auch des Imperiums, gewisse Schaltstellen von außerhalb besetzt zu haben. Er vertrat nicht die rassistische Ideologie des Imperiums, aber man musste doch darauf achten, dass sich hier nicht zu stark eine Eigendynamik entwickelte, die früher oder später einen neuen Eisernen Bund entstehen ließe, bei steigendem Selbstbewusstsein.

Als die Konsulin schließlich auf Leopolds Gedankengang einer langfristigen Bindung zu sprechen kam, nickte er durchaus zustimmend. Das, was die Konsulin sagte war nachvollziehbar ... und noch viel wichtiger gut erfüllbar. Er besaß genug Selbstbewusstsein in sich und das Unternehmen um zusichern zu können, dass sie die Erfolge, die sie versprachen und verhandelten, auch liefern würden.

,,Das klingt durchaus nachvollziehbar. Solange diese festgelegten Erweiterungs- und Verlängerungsrechte gut und klar in den Verträgen verankert sind, ist dieses Vorgehen völlig mit uns d'accord und definitiv sinnvoll."

Es ergab für keine der Seiten einen Sinn, wenn man sich an einen Partner band, der nicht passte oder weiter in ein Projekt investierte, das nicht funktionierte. Aber davon ging Aren nicht aus. Die kleinen Spitzen, die die Konsulin immer wieder gegen Unternehmen einbrachte, überhörte Leopold mittlerweile geflissentlich. Fast ging er von einem frühkindlichen Trauma aus, was das Vertrauen dieser Dame in den notwendigen Liberalismus so zerschmettert hatte.

,,Diese Neuberechnung werden Sie von uns erhalten, sobald die entsprechenden Daten alle gesichtet und in die neu Konzeptionen mit einbezogen wurden. Dass die Förderung an erreichte Ziele geknüpft wird ist dabei ja selbstverständlich. Eine entsprechende Aufstellung werden Sie innerhalb kürzester Zeit erhalten, auf dessen Grundlage sich dann weitersprechen lässt, diese Thematik betreffend."

Auch der Hinweis auf die Sicherheitsbemühungen war für Leopold für den Moment zufriedenstellend und wurde von ihm mit einem Nicken quittiert.
Dann kam sie schließlich auf einen der interessantesten Teile der Diskussion zu sprechen, die Mitbewerber und mit wie vielen sie an diesem Projekt arbeiten würden. Für einen Moment konnte Leopold ein kurzes schmunzeln nicht verhindern, als Lady Vendar erneut ihnen erklärte, was die Fourb-Gruppe brauchte und was nicht. Sie waren mittlerweile lang genug im Geschäft, um dies selbst sehen zu können. Und auch der Hinweis, dass Prozentzahlen nicht zu Fakten nur durch Überzeugung wurden, nötigte ihm den Hauch eines Schmunzelns ab. Die gute Frau, die wahrscheinlich noch nie Kontakt mit wirklichen Bergbaufirmen hatte außerhalb ihrer Akten, zweifelte hier seine Fachkenntnisse an. Nun gut, sollte sie das gerne tun. Am Ende biss diese Einstellung ihr in den Hintern, wenn sie bemerkte, dass manchmal Menschen, die jahrzehntelang in einem Feld unterwegs waren tatsächlich bedeutend mehr Ahnung vom Markt hatten, als Personen, die mit dem klangvollen Titel eines Konsuls aus schmucken Büros Akten wälzten. Leopold ging auf all das kaum ein.

,,Wir sind gespannt, wer sich mit uns in den Ring wirft. Sie werden eine Liste mit möglichen Kriterien erhalten, die wir bei unseren Partnern von Interesse halten."

Und dann ging es nochmals ans eigemachte. Jetzt wollten sie konkret werden. Mit einem Lächeln tat Leopold wie ihm geheißen und öffnete erneut die Darstellung.

,,Unser primäres Fachgebiet liegt klar im Bergbau. Hier hat der Glythe-Sektor viel zu bieten und wir haben Expertise, die Manpower und das Kapital um dies zu nutzen. Ich denke, dass eine federführende Rolle hier für die Fourb-Gruppe nur von Vorteil sein kann, bevor es zu Kompetenzstreitigkeiten unter den beteiligten Unternehmen kommt. Wir sind seit mittlerweile über 200 Jahren in diesem Feld tätig und können auf eine Erfahrung zurückblicken und Menschen ins Feld schicken, die diese Erfahrung vor Ort implementieren, wie nur wenige andere Unternehmen."

Die Daten, die nun sein Holoprojektor ausspuckte unterstrichen diese Behauptungen und Leopold wies auf einzelne Zahlen aus Geschäftsberichten hin, die zeigten, wie schnell sie in dieser Sparte Gewinne nach dem Aufbau von ersten Strukturen hatten einfahren können. Auch unterstrich dies klar, dass der Fokus des Unternehmens klar auf diesem Gebiet lag.

,,Mit Fourb-Transporting und Forub-Colonies können wir zudem gut die Infrastrukturprojekte und Erkundungen begleiten und mit nach vorne tragen. Hier sehe ich eine gute Möglichkeit mit anderen zusammenzuarbeiten. Der tatsächliche Aufbau der Infrastruktur ist nicht unser Fachgebiet. Straßen bauen, Energieversorgung herstellen und so weiter ist nicht unser Geschäftsfeld. Aber mit Fourb-Mining können wir die Rohstoffe zum Aufbau dieser liefern, mit Fourb-Transporting Logistikzentren beisteuern und eine Flotte mitbringen, die diese gebauten Straßen auch benutzt und sie so ihrem Zweck zuführt. Colonies und auch unsere Holding eignen sich hier zudem wohl gut um Kontakte herzustellen."

Es leuchtete nun eine Anzahl von anderen Firmennahmen mit einigen Kennzahlen auf.

,,Wir arbeiten mit einigen Firmen im Kolonieprojekt zusammen, die darin eine ungemeine Expertise besitzen und verfügen auch abgesehen von diesem Projekt zu engen Verbindungen in die übrigen Geschäftsfelder, mussten wir doch bei anderen Projekten oft darauf zurückgreifen. Es ist nur ein Angebot, aber diese Kontakte teilen wir gerne mit der Botschaft, falls Interesse besteht, Unternehmen hinzuzuziehen, die auf ihrem Feld bewandert sind und mit denen wir bereits eingespielt sind. Diese bespielen die Geschäftsfelder, die wir nicht bespielen und in der Folge kann die Nutzung dieser deutlich konfliktfreier ablaufen."

Er blickte zu der Konulin herüber und wandte seinen Blick von den Daten.

,,Ich kann eine gewisse Vorsicht durchaus verstehen, dass man sich hier nicht ein Netzwerk ins eigene Haus holen möchte, dass zu eng zusammenhängt. Wirtschaftlich bringt ein solch eingespieltes Team aber durchaus Vorteile mit sich und Sorgen ihrerseits ließen sich durch entsprechende Verträge annullieren. Aber es bleibt ein Angebot, die Kontakte zu nutzen, die wir mit dem Colonies Projekt und weiteren Verbindungen miteinbringen können."


[Iridonianische-Liga | Glythe-Sektor | Iridonia | Malidris | Botschaftskomplex des Galaktischen Imperiums "Grey Spire"] - Leopold August Fourb von Bühl, Uric Jerricko, Vesperia Vendar
 
[Iridonianische-Liga ++ Glythe-Sektor ++ Iridonia ++ Malidris ++ Botschaftskomplex des Galaktischen Imperiums "Grey Spire"] Vesperia Vendar, Leopold August Fourb von Bühl, Uric Jerricko

Das Lächeln, mit dem Leopold seinen Holoprojektor erneut aktivierte, veranlasste Vesperia zu keiner sichtbaren Reaktion. Es mochte Zuversicht ausdrücken, gesellschaftliche Routine sein oder zu jenen kleinen Gesten gehören, mit denen Menschen sich selbst versicherten, eine Situation weiterhin unter Kontrolle zu haben. Keine dieser Möglichkeiten war wichtig genug, um über sie zu spekulieren. Entscheidend war allein, dass der Projektor wieder arbeitete und die beiden Männer inzwischen nicht länger nur über die Bedeutung ihrer Unternehmensgruppe sprachen, sondern bereit waren, deren möglichen Beitrag in einzelne Zuständigkeiten zu zerlegen.

Auch Jerrickos Versicherungen hinsichtlich der eingeholten Genehmigungen bedurften keiner weiteren Erörterung. Sein Datapad erfasste die entsprechenden Vermerke und die angekündigten Nachweise würden nach ihrer Übermittlung geprüft werden. Bis dahin blieben sie Behauptungen mit dazugehörigen Dokumenten, danach würden sie entweder Bestand haben oder ergänzt werden müssen. Der dafür vorgesehene Verfahrensweg war bereits festgelegt und Vesperia verspürte keinerlei Bedürfnis, denselben Punkt ein weiteres Mal durch den Raum zu tragen.

Stattdessen ließ sie Leopold ausreden, während auf der Projektion nacheinander Fourb-Mining, Fourb-Transporting, Fourb-Colonies und schließlich jene Unternehmen erschienen, mit denen die Gruppe bereits auf KP-1 oder bei anderen Vorhaben zusammengearbeitet hatte. Sie zog die einzelnen Namen auseinander und ordnete sie drei voneinander getrennten Ebenen zu. Fourb-Mining rückte in das Zentrum der wirtschaftlichen Wertschöpfungskette, Fourb-Transporting erhielt eine mögliche Verbindung zu den noch unbestimmten Logistikknoten und die übrigen Gesellschaften verblieben gemeinsam mit den vorgeschlagenen Partnerunternehmen am äußeren Rand der Darstellung. Oberhalb all dessen blieb die strategische Leitung von Iron Mantle als geschlossene Ebene bestehen, deren Zugriffsmöglichkeiten nicht mit der Unternehmensansicht verbunden waren.

Dass Leopold und Jerricko die Grenzen ihrer einzelnen Gesellschaften nun offen benannten, machte aus ihrer Darstellung erstmals ein Arbeitsmodell, das sich prüfen ließ. Für den Augenblick genügte das.


„Zunächst zu Ihrer Frage nach der Einbindung der iridonianischen Führung, Mister Fourb.“

Vesperia ließ die übergeordnete Programmebene sichtbar, ohne sie für die Geräte ihrer Gäste zu öffnen.

„Der Große Rat ist über Iron Mantle nicht lediglich informiert. Es war der Rat der Liga, der die Initiative gegenüber Seiner Exzellenz Baron Dalmard vorgetragen und um die Unterstützung des Imperiums ersucht hat. Der Botschafter hat diese Unterstützung zugesagt und zugleich deutlich gemacht, dass sich das Imperium einer verantwortungsvoll vorbereiteten Wiederbewaffnung der Iridonianischen Liga nicht verwehren wird.“

Keine dieser Aussagen war falsch. Der Große Rat hatte Iron Mantle tatsächlich an Baron Dalmard herangetragen. Wie sorgfältig dieser Weg zuvor durch imperiale Stellen vorbereitet worden war, gehörte jedoch zu einer anderen Ebene der Wahrheit und zu keiner, auf die Leopold oder Jerricko Anspruch besaßen.

Die ersten Gedanken waren nicht als ausgearbeiteter imperialer Befehl in den Rat gelangt. Sie hatten sich in wirtschaftlichen Bestandsaufnahmen gefunden, in beiläufig angebotenen Berechnungen, in den Fragen sorgfältig ausgewählter Berater und in der wiederholt aufgezeigten Lücke zwischen dem Anspruch der Liga und ihren tatsächlichen Möglichkeiten. Jede Antwort hatte in dieselbe Richtung gewiesen, bis Mitglieder des Rates die einzelnen Teile selbst zusammengefügt und Baron Dalmard schließlich einen Plan unterbreitet hatten, den sie mit gutem Recht für den eigenen hielten.

Der Botschafter hatte ihnen diese Genugtuung gelassen. Er hatte ihre Initiative gelobt, seine Unterstützung in Aussicht gestellt und die Möglichkeit einer Wiederbewaffnung gerade weit genug geöffnet, um aus einer wirtschaftlichen Neuordnung ein iridonianisches Anliegen zu machen. Es war eine erheblich elegantere Form imperialer Führung als ein offen ausgesprochener Befehl und gerade deshalb von größerem Wert. Wer einen vorgezeichneten Weg für die eigene Entscheidung hielt, verteidigte ihn später mit weit mehr Eifer.

Diese Entstehungsgeschichte gehörte zu keinem Aktenbestand, der gegenüber Fourb offenzulegen war. Auf Vesperias Gesicht spiegelte sich davon nichts.


„Die zuständigen Stellen der Liga werden in dem Umfang eingebunden, den ihre jeweilige Aufgabe erfordert“, fuhr sie fort. „Der Große Rat und die obere Verwaltung kennen die grundsätzliche wirtschaftliche und sicherheitspolitische Zielrichtung. Örtliche Behörden, regionale Räte und die betroffenen Clans erhalten dagegen jene Informationen, die sie für Genehmigungen, Eigentumsfragen, Arbeitskräfte, Infrastruktur und den Betrieb innerhalb ihres Zuständigkeitsbereiches benötigen.“

Ihr Blick wanderte kurz zwischen den beiden Männern entlang.

„Ob und in welcher Form eine örtliche Stelle angesprochen wird, legt die gemeinsame Delegation für jeden Standort vorab fest. Ihre Fachleute erläutern das Vorhaben. Das Konsulat und die Vertreter der Liga bestimmen Mandat, Informationsumfang und politischen Rahmen.“

Damit war zugleich ausgeschlossen, dass Fourb seine Verbindungen zu einzelnen Clans irgendwann als eigene Einflussbasis behandelte. Vesperia hatte nichts dagegen, wenn Jerricko örtliche Gesprächspartner kannte, ihre wirtschaftlichen Interessen verstand und wusste, welche Form der Ansprache Erfolg versprach. Genau deshalb sollte er an den Gesprächen teilnehmen. Aus dieser Nützlichkeit entstand jedoch keine eigenständige diplomatische Rolle.

Bei Jerrickos Ausführungen über die spätere Personalstruktur erschienen mehrere bereits vorhandene Prüffelder neben der Projektion. Das von ihm beschriebene Modell war brauchbarer als ein bloßes Versprechen, möglichst viele Zabrak zu beschäftigen, blieb aber an den entscheidenden Stellen noch immer bequem unbestimmt. Eine Wirtschaft gewann nicht allein dadurch an Kraft, dass ihre Bevölkerung die körperliche Arbeit innerhalb fremd geführter Betriebe übernahm. Wenn technische Entscheidungen, Einkauf, Finanzierung, Betriebsleitung und die Kontrolle der Lieferketten dauerhaft außerhalb der Liga verblieben, entstanden auf Iridonia Arbeitsplätze, aber kaum jene Fähigkeiten, aus denen später eine eigenständig tragfähige industrielle Basis erwachsen konnte.


„Ein pauschaler Abzug Ihres auswärtigen Personals ist nicht erforderlich“, stellte Vesperia klar. „Ein wachsendes Vorhaben kann in absoluten Zahlen mehr von außerhalb entsandte Fachkräfte beschäftigen und gleichzeitig den Anteil iridonianischer Verantwortung ausbauen. Maßgeblich ist, welche Funktionen weiterhin nur durch auswärtiges Personal ausgeübt werden können und ob diese Abhängigkeit mit jeder Projektphase geringer wird.“

Sie veränderte die Darstellung so, dass nicht länger bloße Beschäftigtenzahlen, sondern technische, kaufmännische und betriebliche Funktionen voneinander getrennt erschienen.

„Ihre überarbeitete Vorlage weist deshalb für jede dieser Funktionsgruppen aus, welche Qualifikationen bereits innerhalb der Liga vorhanden sind, welche durch betriebliche Ausbildung geschaffen werden und an welchen Stellen vorerst externe Spezialisten benötigt werden. Ergänzen Sie die von Ihnen vorgesehenen Ausbildungswege, die verantwortlichen Ausbilder und jene Kriterien, anhand derer ein Beschäftigter in technische oder betriebliche Leitungsverantwortung aufsteigen kann. Die dazugehörigen Ausgangsdaten reichen Sie gemeinsam mit Ihrer Personalplanung ein.“

Die leeren Felder blieben bewusst bestehen. Fourb behauptete, die Arbeitsabläufe, Personalströme und Qualifikationsanforderungen der eigenen Branche besser als jede Behörde zu kennen. Dann durfte die Gruppe diese Kenntnis nun in einer Form vorlegen, die sich prüfen ließ, statt Vesperia dazu zu verleiten, mit frei gesetzten Größen über eine Belegschaft zu verhandeln, deren endgültiger Umfang nicht einmal das Unternehmen selbst beziffern konnte.

„Die Angehörigen einflussreicher Clans können dabei eine wichtige Rolle als örtliche Ansprechpartner, Vermittler und Träger gesellschaftlicher Akzeptanz übernehmen. Eine operative Leitungsfunktion erhalten sie jedoch nicht aufgrund ihrer Abstammung.“

Auf Empress Teta hätte kaum jemand die Bedeutung eines großen Namens bestreiten können und Vesperia am allerwenigsten. Sie wusste allerdings auch, dass Herkunft lediglich den Zugang zu einer Aufgabe erleichterte. Sie erledigte sie nicht. Wer aus einem bedeutenden Haus stammte und zugleich über die erforderlichen Fähigkeiten verfügte, mochte schneller Vertrauen schaffen als jeder Außenstehende. Wer nur den ersten Teil dieser Gleichung erfüllte, blieb eine kostspielige Dekoration.

„Erfüllt ein Angehöriger der Clanoberschicht dieselben fachlichen Voraussetzungen wie jeder andere Bewerber, spricht nichts gegen seine Berufung. Sollen dagegen lediglich politische Verbindungen gepflegt werden, wird dafür eine beratende oder vermittelnde Funktion geschaffen und keine Betriebsleitung vergeben. Örtliche Akzeptanz wird bei der Besetzung berücksichtigt, ersetzt jedoch keine fachliche Eignung.“

Mit diesen Worten rückte sie Fourb-Mining aus der allgemeinen Unternehmensübersicht heraus. Neben dem Namen der Gesellschaft erschien keine Bestätigung, sondern ein neuer Statusvermerk.

Vorläufige Eignungsprüfung: Technische Federführung für Rohstofferschließung und Aufbereitung.


„Ihre Unternehmensgeschichte, die eingereichten Leistungsdaten und Mister Jerrickos bisherige Untersuchungen rechtfertigen es, Fourb-Mining als möglichen technischen Federführer eines ersten Rohstoffprojektes zu prüfen“, erklärte sie. „Wir können Ihre Gesellschaft daher bei der Ausarbeitung eines abgegrenzten Teilprojektes zunächst als verantwortlichen Betreiber für Erkundung, Erschließung, Förderung und Aufbereitung behandeln. Diese Einordnung begründet weder eine ausschließliche Stellung noch Leitungsrechte innerhalb des Gesamtprogramms.“

Die Kennzeichnung verband sich ausschließlich mit der wirtschaftlichen Ebene der Projektion. Kein Zugriffsweg führte von ihr in die darüberliegende strategische Planung.

„Die strategische Verwendung der gewonnenen Ressourcen und sämtliche sicherheitspolitischen oder außenpolitischen Folgeplanungen verbleiben vollständig bei den zuständigen Stellen der Liga und der imperialen Mission. Ihre Gesellschaft erhält ausschließlich jene technischen Anforderungen, die sie für ihre Aufgabe benötigt. Weitergehende Einsicht oder Mitwirkung ist damit nicht verbunden.“

Für diese Abgrenzung musste Vesperia keine weitere Entscheidung Baron Dalmards abwarten. Wirtschaftspolitik und wirtschaftliche Entwicklung gehörten zu ihrem Ressort und innerhalb des von ihm gesetzten Kurses hatte der Botschafter ihr nahezu vollständige Handlungsfreiheit eingeräumt. Sie konnte Fourb einen Platz innerhalb der industriellen Planung öffnen, solange sie darauf achtete, dass daraus weder politische Mitsprache noch ein Anspruch auf die Kontrolle des Gesamtprogramms entstand.

Gerade Letzteres würde sie nicht zulassen.

Loyal waren diese Männer in ihren Augen nicht. Ihr bisheriges Verhalten hatte hinreichend gezeigt, dass sie Verfahren erst dann als verbindlich akzeptierten, wenn sich keine Aussicht mehr bot, sie durch gesellschaftliche Stellung, unternehmerische Selbstbeschreibung oder den Verweis auf entfernte Amtsträger zu verschieben. Sie betrachteten staatliche Ordnung als nützlich, solange sie Zugänge schuf, Risiken übernahm und ihre Investitionen schützte. Sobald dieselbe Ordnung Grenzen setzte, erschien ihnen deren Zuständigkeit als etwas, das zumindest versuchsweise zur Verhandlung gestellt werden konnte.

Das machte eine Zusammenarbeit nicht unmöglich. Es bestimmte lediglich ihre Form. Ein Staat musste den privaten Eigennutz seiner Vertragspartner nicht mit Loyalität verwechseln, wenn er ihn durch eindeutige Zuständigkeiten, überprüfbare Leistungen und wirksame Folgen in eine nützliche Richtung lenken konnte. Fourb mochte Erz erschließen, Anlagen führen und an jeder erfolgreich verarbeiteten Tonne verdienen. Daraus erwuchs dem Konzern kein Anteil an jener staatlichen Gewalt, die über die strategische Verwendung dieser Rohstoffe entschied.

Einblicke in konkrete Schiffbauprogramme, Wiederbewaffnungspläne oder die langfristig vorgesehene Ausdehnung in Richtung Utegetu würden weder Leopold noch Jerricko erhalten. Für die Erfüllung ihrer möglichen Aufgabe mussten sie wissen, welche Rohstoffe in welcher Beschaffenheit benötigt wurden und wann entsprechende Kapazitäten verfügbar sein sollten. Weshalb diese Prioritäten bestanden und wie sie sich in die weitere imperiale Planung einfügten, ging sie nichts an.

Sie waren ein Werkzeug. Kein Partner der Realpolitik.

Vesperia ließ die bisherigen Gewinnkurven der Fourb-Gruppe ausblenden und öffnete stattdessen die noch weitgehend leere Strecke zwischen Förderung und möglichem Export.


„In Ihrem Vorschlag fehlt bislang der wirtschaftlich wichtigste Abschnitt“, sagte sie. „Sie haben erläutert, wie Fourb-Mining Rohstoffe erschließen, wie Fourb-Transporting sie bewegen und wie Ihre bestehenden Kontakte den Aufbau ergänzen können. Noch nicht dargestellt haben Sie, welcher Teil der daraus entstehenden Wertschöpfung innerhalb der Liga verbleibt.“

Zwischen den möglichen Abbaugebieten und den Transportwegen erschienen Felder für Trennung, Raffination, industrielle Vorprodukte, Weiterverarbeitung, Energiebedarf und örtliche Zulieferung.

„Das Ziel besteht nicht darin, den Gylthe-Sektor möglichst schnell zu einem umfangreichen Exportgebiet für unverarbeitete Rohstoffe zu machen. Zunächst müssen wirtschaftliche Kraft und industrielle Möglichkeiten innerhalb der Liga entstehen. Eine steigende Ausfuhrmenge allein schafft noch keine leistungsfähige Volkswirtschaft, wenn die anspruchsvolleren Verarbeitungsschritte, die Fachkenntnis und ein wesentlicher Teil der Gewinne weiterhin außerhalb ihrer Grenzen liegen.“

Ihre Stimme blieb ruhig, doch in der Selbstverständlichkeit ihrer Ausführung lag mehr Herablassung, als jede offen vorgetragene Belehrung hätte vermitteln können. Fourb mochte Bergwerke anhand ihrer Förderkosten, Kapitallaufzeiten und Gewinnerwartungen bewerten. Vesperia betrachtete dieselben Anlagen als Teil eines staatlichen Wirtschaftsraumes, in dem jede Entscheidung zugleich Auswirkungen auf Ausbildung, Zulieferer, Steuereinnahmen, Infrastruktur, Versorgungssicherheit und politische Stabilität besaß.

Die Felder der Aufbereitungsstufen verbanden sich mit den geplanten iridonianischen Industriezentren, ohne deren spätere Verwendung weiter aufzuschlüsseln.


„Deshalb muss Ihr erster Projektvorschlag neben der Förderung geeignete Kapazitäten zur Aufbereitung und Weiterverarbeitung innerhalb der Liga vorsehen. Sie legen dar, welche Verarbeitungsschritte am gewählten Standort oder innerhalb des Gylthe-Sektors aufgebaut werden können, welchen Bedarf an Energie und Infrastruktur sie verursachen, welche örtlichen Unternehmen einbezogen werden und welche Erzeugnisse zunächst dem Bedarf der Liga zur Verfügung stehen. Export bleibt möglich. Er darf jedoch nicht dazu führen, dass der Ausbau einer eigenen industriellen Basis dauerhaft hinter dem Abtransport der Rohstoffe zurückbleibt.“

Die dazu erforderlichen Mengen, Ausbeuten, Kosten und Errichtungszeiten würde Vesperia nicht durch scheinbar präzise Annahmen ersetzen. Die geologischen Ausgangsdaten kamen von Jerricko, die betrieblichen Erfahrungswerte von Fourb und die überprüften wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen von ihrem Stab. Erst wenn diese Ebenen zusammengeführt waren, ergab sich eine Zahl, die mehr darstellte als eine überzeugend formatierte Behauptung.

„Sie reichen zu jeder vorgeschlagenen Aufbereitungsstufe die zugrunde gelegten technischen Daten, den erwarteten Kapitalbedarf, die benötigten Zulieferungen und die betriebliche Vorlaufzeit ein. Mein Stab ergänzt nach der Prüfung die freigegebenen Vergleichsdaten und Bedarfsprognosen der Liga. Auf dieser Grundlage entscheiden wir, welche Ausfuhrrechte mit dem Aufbau welcher örtlichen Kapazitäten verbunden werden.“

Anschließend wandte sie sich den vorgeschlagenen Partnerunternehmen zu. Die Namen blieben am Rand der Projektion und für jedes von ihnen wurde eine eigene, noch ungeöffnete Prüfakte angelegt. Auf ihrem persönlichen Display versah Vesperia jeden Eintrag zusätzlich mit einer für die gemeinsame Projektion unsichtbaren Prüfkennung. Die Namen würden damit nicht nur einer wirtschaftlichen und rechtlichen Kontrolle unterzogen, sondern zugleich an jene Stellen weitergereicht, die weniger an den vorgeführten Erfolgskennzahlen als an Beteiligungsstrukturen, politischen Beziehungen und möglichen Sicherheitsrisiken interessiert waren.

„Ihre bestehenden Geschäftsbeziehungen können den Aufbau beschleunigen. Reichen Sie die Unternehmen mit ihren Leistungsnachweisen, Eigentumsverhältnissen, bisherigen gemeinsamen Projekten und den vorgesehenen Aufgaben ein. Jede Gesellschaft wird unabhängig geprüft und nach denselben Voraussetzungen zugelassen wie die Fourb-Gruppe.“

Ob aus dem eingespielten Netzwerk tatsächlich betriebliche Effizienz oder eine unerwünschte Abhängigkeit entstand, würde nicht Leopold beurteilen.

„Dass mehrere Unternehmen bereits miteinander gearbeitet haben, kann an den Schnittstellen von Vorteil sein. Es ist für sich genommen jedoch keine Qualifikation. Verträge können Verantwortlichkeiten verteilen, Offenlegung erzwingen und Folgen eines Pflichtverstoßes regeln. Sie beseitigen nicht die strukturelle Abhängigkeit, die entsteht, wenn Förderung, Transport, Energieversorgung und Anlagenbau von einem geschlossenen Unternehmensnetz kontrolliert werden.“

Sie ordnete Fourb-Transporting den möglichen Logistikaufgaben zu, ließ die Verbindung jedoch bewusst unterbrochen.

„Fourb-Transporting kann sich um den Betrieb einzelner Transportketten und Logistikzentren bewerben. Gemeinsame Knotenpunkte müssen anderen zugelassenen Betreibern zu festgelegten Bedingungen offenstehen und dürfen weder beim Warenverkehr noch bei den betrieblichen Daten zu einem ausschließlichen Zugang Ihrer Gruppe führen. Fourb-Colonies und Ihre Holding können Kontakte und administrative Erfahrung beisteuern. Eine politische Vertretungsrolle gegenüber den Clans oder Behörden der Liga entsteht daraus nicht.“

Dass Leopold den Bau von Straßen und Energieanlagen ausdrücklich nicht als eigenes Fachgebiet beanspruchte, sprach zumindest gegen den Versuch, jede sichtbare Aufgabe unter dem Namen Fourb zu vereinnahmen. Vesperia beließ die entsprechenden Felder deshalb bei externen Betreibern und versah Leopolds Vorschläge mit dem schlichten Status eines Bewerberpools. Nicht mehr. Aber auch nicht weniger.

Ein Punkt blieb dennoch offen.


„Ihre Darstellung benennt beteiligte Gesellschaften, beantwortet aber noch nicht abschließend, wer unser tatsächlicher Vertragspartner sein soll.“

Die Konzernübersicht rückte erneut in den Mittelpunkt.

„Soll Fourb-Mining den Vertrag selbst schließen oder beabsichtigen Sie die Gründung einer gesonderten Projektgesellschaft? Wer stellt deren Kapital bereit, wer besitzt die notwendige Abschlussvollmacht und welche Gesellschaft übernimmt die Haftung, wenn eine Tochtergesellschaft ihre Verpflichtungen nicht erfüllen kann? Eine Konzernbezeichnung ersetzt keine rechtlich verantwortliche Gegenpartei. Legen Sie deshalb mit Ihrem Vorschlag die vorgesehene Vertragsstruktur, die Vollmachten und die Form der Absicherung durch die Gruppe vor.“

Erst danach glitt die Unternehmensdarstellung vollständig an den Rand. An ihre Stelle trat die Karte des Gylthe-Sektors. Die bereits übermittelten Untersuchungsgebiete waren sichtbar, doch keines von ihnen trug eine Empfehlung des Konsulats. Fördergebiete, Energieverbindungen, bestehende Verkehrswege und mögliche industrielle Standorte lagen als voneinander getrennte Ebenen darüber. Anders als bei den vorangegangenen Fragen gab Vesperia diesmal keine Rangfolge vor.

„Sie haben nun dargelegt, in welchen Bereichen Ihre Gruppe tätig werden möchte und welche Aufgaben Sie anderen Unternehmen überlassen würden. Der nächste Schritt ist kein weiterer allgemeiner Leistungsnachweis.“

Ihr Blick ruhte zunächst auf Leopold und wechselte anschließend zu Jerricko, dessen örtliche Erkenntnisse für die folgende Antwort mindestens ebenso wichtig sein würden wie die Konzernplanung seines Begleiters.

„Benennen Sie einen konkreten Ausgangspunkt innerhalb des Gylthe-Sektors. Welches System, welche Welt und welches der von Ihnen geprüften Gebiete halten Sie für ein erstes gemeinsames Teilprojekt für geeignet? Begründen Sie Ihre Auswahl anhand der eingereichten Daten und legen Sie dar, welches zusammenhängende Paket Ihre Gruppe dort übernehmen will, von der abschließenden Erkundung über Förderung und örtliche Aufbereitung bis zur Anbindung an die Logistik.“

Mit jeder Frage öffnete sich ein weiterer leerer Abschnitt neben der Karte.

„Ich möchte wissen, welche Anlagen Sie innerhalb der Liga errichten, welche örtlichen Zulieferer und Arbeitskräfte Sie einbinden, welche Gesellschaft Kapital und Betriebsrisiko übernimmt und welche konkrete Unterstützung Sie im Gegenzug von der Liga oder dem Imperium erwarten. Sollten Sie mehrere geeignete Gebiete sehen, ordnen Sie diese nach Ihrer eigenen Priorität und benennen die Gründe für diese Reihenfolge.“

Vesperia nahm die Hand von der Steuerung. Zum ersten Mal enthielt die Projektion keine von ihr vorbereitete Antwort, sondern ausschließlich die Felder, die Leopold und Jerricko selbst füllen mussten. Ihre Abneigung gegen die beiden Männer war nicht verschwunden und ihre Einschätzung ihrer Loyalität hatte sich nicht verbessert. Beides war für das weitere Gespräch inzwischen unerheblich. Wenn Fourb innerhalb der gesetzten Grenzen einen belastbaren Beitrag leisten konnte, würde Vesperia diesen Beitrag nutzen. Wenn nicht, hatten die Männer wenigstens die Gelegenheit erhalten, ihr Scheitern mit den eigenen Daten zu dokumentieren.

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