Klassiker, die ihr empfehlen könnt

garakvsneelix

junger Botschafter
Hallo allerseits,

da es im "Kultfilm"-Thread ja vor allem um Filme geht, die ihr noch nicht gesehen habt, und sich die Diskussion auch dahingehend entwickelt hat, dass immer mal wieder Kultfilme thematisiert werden, die einem nicht gefallen haben, wollte ich mal das "Gegenprogramm" starten und fragen: Welche Klassiker könnt ihr wirklich empfehlen? Welche habt ihr lange verschmäht, bis sie euch dann doch überraschend gepackt haben? Welche könnt ihr immer wieder schauen?

Ich selbst möchte mal mit Zeugin der Anklage beginnen. Warum auch immer, dachte ich lange Zeit, dass Filme mit Marlene Dietrich immer schwer und unzugänglich sein müssen, aber der hier war mir einfach ein Fest. Im Mittelpunkt steht ein Mann, der beschuldigt wird, eine wohlhabende ältere Frau getötet zu haben, von der er möglicherweise erben sollte. Sein Verteidiger übernimmt den Fall und versucht, seine Unschuld zu beweisen - doch das ist gar nicht so leicht, denn sein einziges Alibi besteht in der Aussage seiner Ehefrau, er sei zum Tatzeitpunkt zu Hause gewesen, und genau diese Ehefrau, gespielt von Marlene Dietrich, entpuppt sich aber als durchaus unberechenbar...

Und was soll ich sagen? Auf Letterboxd findet sich eine populäre Kurzrezension, die da wie folgt lautet:

"12 Angry Men is the best courtroom drama outside of the courtroom.
This is probably the best one inside it
."

Abgesehen davon, dass dieser hier nicht ganz so bierernst ist wie Die 12 Geschworenen, würde ich dem absolut zustimmen. Meiner Ansicht nach sollte man sich hier nicht vom Alter des Films abschrecken lassen - zumindest mir haben die vielen Wendungen im Gerichtssaal richtig viel Spaß gemacht und ich vergebe 5 von 5 Sternen.
 
Spontan fällt mir da "Is was Doc?" mit Barbara Streisand und Ryan O'Neal ein. Eine herrliche Screwball Komödie mit absurden Verwechslungsszenarien um vier vertauschte Koffer in einem Hotel.

Inklusive Verfolgungsjagd in den Straßen von San Francisco.

Wenn der Film im TV lief, war der Tag gerettet. :)
 
Die zwölf Geschworenen (1957)
Ich kann den Film Die zwölf Geschworenen (1957) wirklich nur empfehlen. Er ist äußerst packend, obwohl eigentlich die ganze Handlung nur in einem einzigen Raum spielt.

Es geht ja im Grunde nur darum, dass zwölf Männer über Schuld oder Unschuld entscheiden sollen. Klingt erstmal unspektakulär, aber genau daraus entsteht eine unglaubliche Spannung. Nach und nach kommen Zweifel auf, Diskussionen werden hitziger, und man merkt, wie Vorurteile und persönliche Einstellungen eine Rolle spielen.

Henry Fonda ist dabei so eine ruhige, beharrliche Figur, die einfach nicht locker lässt. Das wirkt überhaupt nicht übertrieben oder heroisch, sondern eher sehr menschlich.

Was mich besonders beeindruckt, ist, wie aktuell sich das alles anfühlt. Dieses vorschnelle Urteilen, das Festhalten an der eigenen Meinung, ohne wirklich genau hinzuschauen, das kennt man ja auch heute noch zur Genüge.

Ich schaue mir den Film tatsächlich mindestens einmal im Jahr an, und er funktioniert für mich jedes Mal wieder. Übrigens ist auch die deutsche Variante sehr sehenswert, die steht dem Original in vielem kaum nach.

Klar, der Film ist alt, das sieht man ihm auch an. Aber das stört überhaupt nicht. Im Gegenteil, diese Schlichtheit macht ihn eher noch intensiver. Für mich ist das einer dieser Filme, die man auch Jahrzehnte später noch problemlos anschauen kann.

Die deutsche Variante:

 
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Da fallen mir viele ein.
Anfangen würde ich mal mit Django 1(Franco Nero) . Neben der Dollar-Trilogie in meinen Auger DER Klassiker der Italo-Western.
Oder auch Ben Hur mit Charlton Heston.
Göttliche Filme sind auch die Reihe um Don Camillo.
Und nicht zu vergessen " Es geschah am hellichten Tag"
 
Das Fenster zum Hof
Ich würde Das Fenster zum Hof jederzeit empfehlen. Ich liebe ihn.​

Im Grunde passiert gar nicht so viel. Ein Fotograf sitzt mit gebrochenem Bein in seiner Wohnung fest und beobachtet aus dem Fenster seine Nachbarn. Mehr ist es erstmal nicht. Und trotzdem wird das Ganze nach und nach richtig spannend.

Was ich daran so stark finde, ist dieses Gefühl, selbst mit dazusitzen und zu beobachten. Man merkt irgendwann, dass man genauso neugierig ist wie die Hauptfigur, obwohl es eigentlich schon fast unangenehm wird. Das macht den Reiz des Films aus.

James Stewart spielt das sehr zurückhaltend, was gut passt. Und Grace Kelly ist sowieso eine tolle Präsenz, ohne dass es kitschig wird.

Ich finde, der Film funktioniert auch heute noch erstaunlich gut. Natürlich ist er alt, das sieht man auch, aber die Spannung trägt ihn komplett. Gerade weil alles so konzentriert ist, wirkt das Ganze viel intensiver als vieles, was man heute sieht.

Für mich ist das so ein Film, den man einfach mal gesehen haben sollte, und wahrscheinlich bleibt er einem dann auch im Kopf.
 
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Leoparden küsst man nicht
Die Handlung ist eigentlich nebensächlich. Ein etwas verklemmter Wissenschaftler trifft auf eine ziemlich unberechenbare Frau, und ab da geht alles den Bach runter. Dazu kommt noch ein Leopard, und spätestens dann ist endgültig Chaos angesagt.

Was den Film so gut macht, ist dieses Tempo. Kaum hat man sich auf eine Situation eingestellt, passiert schon wieder irgendetwas völlig Absurdes. Und trotzdem wirkt das nie anstrengend, sondern eher so, als würde sich das Ganze immer weiter hochschaukeln.

Cary Grant ist dabei großartig, wie er immer mehr die Nerven verliert. Und Katharine Hepburn spielt das mit so einer selbstverständlichen Energie, dass man gar nicht anders kann, als mitzugehen.

Man merkt natürlich, dass der Film aus einer ganz anderen Zeit kommt, auch vom Humor her. Aber wenn man sich darauf einlässt, funktioniert das erstaunlich gut.

Es ist die Screwball-Komödie schlechthin.
 
Arsen und Spitzenhäubchen
Die Geschichte ist ziemlich schräg. Ein Mann besucht seine Tanten und stellt fest, dass in diesem scheinbar harmlosen Haushalt Dinge passieren, mit denen man nun wirklich nicht rechnet. Mehr muss man dazu eigentlich gar nicht sagen.

Was den Film für mich so unterhaltsam macht, ist dieser eigenartige Mix aus schwarzem Humor und totaler Überdrehtheit. Das ist stellenweise so absurd, dass man sich nur noch denken kann, das kann jetzt nicht wirklich passieren, und genau das passiert dann doch.

Cary Grant ist dabei völlig aufgedreht. Man hat manchmal das Gefühl, er steht kurz davor, komplett durchzudrehen, und genau das macht es so witzig.

Natürlich merkt man auch hier, dass der Film alt ist, auch vom Spiel her. Aber irgendwie passt das perfekt. Es fühlt sich eher wie ein bewusst überzeichnetes Theaterstück an, und das funktioniert erstaunlich gut.
 
Leichen pflastern seinen Weg
Was sofort auffällt, ist diese ungewöhnliche, fast schon bedrückende Atmosphäre. Statt staubiger Prärie gibt es Schnee, Kälte und eine ziemlich trostlose Welt, in der eigentlich niemand wirklich gut ist. Das macht den Film irgendwie realistischer, aber auch unangenehmer.

Klaus Kinski ist hier wirklich schwer auszuhalten, im besten Sinne. Seine Figur ist eiskalt und skrupellos, und man merkt schnell, dass man es hier nicht mit einem klassischen Bösewicht zu tun hat, der irgendwann seine gerechte Strafe bekommt. Und Jean-Louis Trintignant als stummer Revolverheld, das hätte auch schiefgehen können, funktioniert aber. Gerade weil er nichts sagt, wirkt alles noch auswegloser.

Was mich beim ersten Sehen komplett überrascht hat, war das Ende. Ohne ins Detail zu gehen, so etwas erwartet man in einem Western eigentlich nicht. Der Film zieht das, was er erzählt, konsequent bis zum Schluss durch und genau das macht ihn so besonders.

Auch die Musik von Morricone bleibt hängen. Sehr ruhig, fast schon traurig und passt perfekt zu dieser kalten, hoffnungslosen Stimmung.

 
Hausboot mit Cary Grant und Sophia Loren liebe ich auch. Eine lustige Liebeskomödie, die aus heutiger Sicht sicher für Viele antiquiert wirkt.
Die Rolle der "Haushälterin" (die in Wirklichkeit gar keine ist) spielt die Loren so grandios, dass zu jedem Zeitpunkt klar ist, wer die Hosen an hat.
Überhaupt haben beide Darsteller ein unglaubliches Charisma auf der Leinwand, das trägt einfach den ganzen Film.
 
Was für mich ein absoluter Klassiker des SF Genre ist ist der Film Flucht ins 23.Jahrhundert(Logans Run) mit Michael York.
Wann immer der im TV lief saß der kleine Hammer vor der Kiste.

Nach Kriegen, Umweltzerstörung und Überbevölkerung scheint man es im 23. Jahrhundert endlich geschafft zu haben: Die Menschen leben in einer Wohlstandsgesellschaft und führen ein sorgenfreies Leben in Städten unter der Erde. Einen Wermutstropfen gibt es natürlich auch hier - kein Bewohner darf älter als 30 Jahre alt werden. Einer will sich jedoch dem System entziehen und plant die Flucht.
 
Wenn ihr alle mehrmals dürft, dann mache ich auch mal weiter :D

Einer meiner absoluten All-Time-Favourites ist ja auch Vom Winde verweht. Ich mag es einfach, wenn Kino groß gedacht wird und es episch wird, wenn der Soundtrack ballert und die Figuren überlebensgroß gezeichnet sind. Und in dieser Hinsicht muss sich dieser bald schon 90 Jahre alte vierstündige Streifen meiner Ansicht nach auch nicht vor aktuelle(re)n Epen verstecken. Der gute Sam betont ja in den oberen Kommentaren immer wieder, dass man den von ihm genannten Filmen ihr Alter durchaus anmerken würde - und in dieser Hinsicht muss ich sagen: Natürlich gibt es inhaltlich so ein paar Dinge, die man heute anders thematisieren würde, aber was das Filmische angeht, die Filmtechnik, fühlt sich dieser Streifen mit Vivien Leigh und Clark Gable in den Hauptrollen für mich einfach nicht so an, als sei er bereits von 1939.
 
Uhrwerk Orange (Clockwork Orange)

Stanley Kubricks Verfilmung aus dem Jahr 1971 basiert auf dem kompromißlosen gleichnamigen Roman von Anthony Burgess. Alex, ein intelligenter aber von grundauf verdorbener Jugendlicher terrorisiert mit seiner Gang in einem England in nicht allzu ferner Zukunft seine Mitmenschen. Schlägereien, Einbrüche, Raub und Vergewaltigung gehören zum Alltag von Alex und seinen "Droogs". Als er eines Tages erwischt wird, unterzieht er sich um dem Knast zu entgehen einer neuartigen "Therapie", die aus notorischen Delinquenten gesetzestreue Bürger machen soll. Zu spät erkennt er, worauf er sich eingelassen hat....

Buch und Film sind absoluter Kult, zumal Kubrick den Grundton der Vorlage perfekt einfängt. Die sowohl im Buch als auch im Film aufgeworfenen Fragen über Moral, freien Willen und Gewalt sind heute noch immer so aktuell, wie damals. Der Film ist auch heute noch ziemlich harter Tobak, aber gesehen sollte man ihn auf jeden Fall einmal haben.

C.
 
Falsches Spiel mit Roger Rabbit (1988)

Zeichentrick meets Realfilm. Komödie, Buddy-Movie, Detective-Story. Der Streifen ist seiner Zeit sehr weit voraus gewesen und trotz seiner 38 Jahre auf dem Buckel ziemlich gut gealtert. Alan Silvestri liefert einen bombastischen Score und Christopher Lloyd und Bob Hoskins spielen ihre Rollen mit viel Hingabe. Ein cleveres Drehbuch, eine souveräne Regie und eine total irre Idee nach der anderen. Ein Feuerwerk der Klischees und bis heute hat praktisch niemand etwas ähnlich Bahnbrechendes abgeliefert. 4 Oscars hat der Film seinerzeit eingefahren.
 
Abgesehen davon, dass dieser hier nicht ganz so bierernst ist wie Die 12 Geschworenen, würde ich dem absolut zustimmen. Meiner Ansicht nach sollte man sich hier nicht vom Alter des Films abschrecken lassen
Man sollte sich meiner Meinung nach nie vom Alter eines Films abschrecken lassen, da man dann wirklich was verpasst.

Ich schmeiss mal Wer die Nachtigall stört in die Runde. Ein wirklich schöner, berührender Film mit Gregory Peck. Der Film basiert auf einem Roman von Harper Lee.
 
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Da gäbe es mehrere, aber spontan würde ich „Der Gefangene von Alcatraz (1962)“ mit Burt Lancaster nennen.

„Ein als Mörder Verurteilter findet einen aus dem Nest gefallenen Jungvogel im Gefängnisbereich und zieht ihn groß. Nach und nach eignet er sich Wissen an und wird zu einer absoluten Koryphäe, zu dem sogar Vogelzüchter aus Nah und Fern anreisen.“

Einfach ein sehr schöner Film. Der Wandel eines Mannes, der dazu noch seine Berufung und Bestimmung findet.
 
Konzentriere mich auf ältere Klassiker (also vor 1970):

- Im Westen nichts Neues (einer der besten Antikriegsfilme überhaupt)
- Unter der Piratenflagge (der Errol Flyn Klassiker schlechthin und Beginn des klassischen Abenteuerkinos)
- Vom Winde verweht (der wohl erste Fall von Big Bigger Kino)
- Quo Vadis (hat zu Recht die ganze Monumentalfilm Welle losgetreten)
- Die 10 Gebote (nicht alle Effekte sind gut gealtert, aber immer noch eeepic)
- Ben Hur (ähnlich Vom Winde verweht heute noch überwältigend)
- Cleopatra (das massive Budget sieht man ihm an, hat zu Unrecht das Monumentalfilm Genre beerdigt)
- El Cid (Charton Heston kann nicht nur Bibel Epen - die Optik war das Vorbild für viele Ridley Scott Klassiker)
- Die 12 Geschworenen (hier schon zu Recht genannt)
- Zeugin der Anklage (dito)
- Wer die Nachtigal stört (einfach nur herzerwärmend)
- Ist das Leben nicht schön? (Zu Recht einer der ganz grossen Weihnachtsklassiker)
- Sunset Boulevard (tolle Mischung aus Satire und Thriller)
- Psycho (Hitchcocks größtes Meisterwerk)
- Der unsichtbare Dritte (Vorbild für die James Bond Filme)
- Zwei glorreiche Halunken (der Höhepunkt der Dollar Trilogie)
- Die Reifeprüfung (der Beginn von New Hollywood)
 
Die Spur des Falken
Humphrey Bogart spielt den Privatdetektiv Sam Spade mit einer coolen Mischung aus Zynismus und Scharfsinn. Und gerade weil die Figur nicht eindeutig gut oder böse ist, bleibt sie spannend. Auch Mary Astor als Brigid O’Shaughnessy passt perfekt ins Bild. Man weiß die ganze Zeit nicht, woran man bei ihr ist.

Die Handlung dreht sich um die Suche nach einer wertvollen Statue, dem Malteser Falken. Im Kern ist das aber eher ein Vorwand für ein Spiel aus Lügen, Gier und gegenseitigem Misstrauen. Besonders stark sind die Dialoge. Sie sind oft scharf, manchmal doppeldeutig und mindestens genauso wichtig wie das eigentliche Geschehen.

Klar, man merkt im Jahr 2026 dem Film sein Alter an, vor allem beim Tempo. Aber das gehört irgendwie dazu. Wenn man sich darauf einlässt, bekommt man eine richtig dichte und clever aufgebaute Geschichte.
 
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