Ich habe drei Anläufe gebraucht, um die Folge zu sehen. In der Woche hatte ich zweimal kurz vor Mitternacht versucht, die Episode anzuschauen, habe aber beide Male relativ schnell wieder ausgemacht, weil ich einfach zu müde war. Was fast schon ironisch ist, denn diese Episode entwickelt eine solche Sogwirkung, dass man eigentlich permanent das Gefühl hat, irgendetwas Wichtiges zu verpassen, sobald man nur kurz unaufmerksam wird.
Die Folge funktioniert vor allem deshalb so gut, weil sie die emotionale Spannung zwischen den Charakteren konsequent weiterführt. Fast jede Szene lebt davon, dass niemand dem anderen wirklich vertraut und trotzdem alle gezwungen sind, zusammenzuarbeiten.
Visuell gehört die Folge wahrscheinlich zum Besten, was Star Wars im Animationsbereich bisher gemacht hat. Janix wirkt wie eine sterbende Welt unter imperialer Besatzung. Die Suchscheinwerfer gleiten durch den Nebel, Kanonenboote kreisen über den Straßenschluchten und überall liegt dieses bedrückende Gefühl permanenter Überwachung in der Luft. Besonders beeindruckend ist dabei die Beleuchtung. Viele Szenen spielen fast komplett im Dunkeln und trotzdem erkennt man jede Bewegung, jede Mimik und jede kleine Reaktion der Figuren. Teilweise sehen einzelne Einstellungen fast wie echte Filmaufnahmen aus.
Die Inquisitoren profitieren enorm von dieser Inszenierung. Sie tauchen nicht wie klassische Bösewichte auf, sondern eher wie Geister. Wenn sie durch die dunklen Gänge auftauchen, entsteht sofort eine unangenehme Spannung. Gerade Marock wirkt mittlerweile fast nicht mehr menschlich. Dieser kurze Moment, in dem er wie ein Tier die Umgebung abschnüffelt, wirkt seltsam verstörend.
Dann kommt der große Kampfteil der Episode und auch der funktioniert erstaunlich gut, weil er nie leer wirkt. Mauls Angriff auf die imperialen Truppen ist pures Spektakel, aber eben nicht nur das. Man merkt die ganze Zeit, dass er Devin etwas zeigen will. Er kämpft nicht einfach nur effizient. Er inszeniert sich. Wie er das Lichtschwert hinter sich über den Boden zieht, wie er den AT-DP zerlegt, wie kontrolliert und präzise jede Bewegung wirkt, das hat fast etwas Theatralisches. Gleichzeitig bleibt er trotzdem gefährlich und brutal.
Die Serie versteht generell sehr gut, wie unterschiedlich Machtanwender kämpfen. Eeko-Dio-Daki wirkt völlig anders als Maul. Devon wiederum steht irgendwo dazwischen. Dadurch bekommen die Kämpfe einen eigenen Rhythmus und fühlen sich nie repetitiv an.
Besonders stark ist die Sequenz am Säuresee. Das liegt nicht nur an der Spannung, sondern auch daran, wie viele kleine emotionale Momente darin versteckt sind. Lawsons Gespräch mit seinem Sohn. Devons innere Unsicherheit. Die permanente Angst, dass jemand geopfert werden muss. Selbst kleine Nebenfiguren bekommen hier noch Gewicht.
Spybots Tod trifft überraschend hart. Eigentlich ist er nur ein aggressiver kleiner Droidencomicrelief gewesen und trotzdem funktioniert sein Ende emotional. Die Serie hat es geschafft, ihn über mehrere Folgen hinweg wie ein echtes Mitglied dieser Gruppe wirken zu lassen. Dass selbst Maul sichtbar reagiert, sagt viel über dessen Entwicklung aus. Nicht im Sinne einer plötzlichen Läuterung. Maul bleibt Maul. Aber die Folge zeigt immer wieder, dass selbst er Bindungen eingeht, auch wenn er sie niemals offen zugeben würde.
Und dann kommt Vader.
Der Auftritt funktioniert deshalb so gut, weil die Serie ihn nicht groß ankündigt. Erst der Nebel. Dann das Atmen. Danach diese schwarze Silhouette. Mehr braucht es nicht. In diesem Moment verändert sich sofort die gesamte Stimmung der Folge. Plötzlich wirkt selbst Maul kleiner. Vader muss nichts erklären. Seine bloße Anwesenheit reicht aus, um klarzumachen, dass jetzt eine ganz andere Liga betreten wird.