Mon Calamari (Calamari-System)

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Ylsara Adinara und Senator Hendrey


Aus dem Streit am Nebentisch war eine handfeste Auseinandersetzung geworden. Stühle wurden zurückgeschoben, Stimmen überschlugen sich und zumindest einer der Streithähne schien der Meinung zu sein, dass sich die politische Ansicht besser mit Fäusten vertreten ließ. Ylsara wandte den Kopf gerade, um das alles verfolgen zu können, als Hendrey bereits aufstand und sich vor sie schob. Diese unerwartet heldenhafte Geste überraschte sie dann doch. Tatsächlich war er also ein Mann, der gerne große Worte benutzte und ihnen dann auch noch Taten folgen ließ. Beinahe selbstverständlich hatte er sich nun zwischen sie und das Handgemenge begeben. Viel Zeit, dieses Gebaren zu würdigen, blieb ihr allerdings nicht. Noch bevor Sicherheitskräfte des Lokals und der Senatoren herbeieilten, flog bereits ein Teller. Erstaunlich zielstrebig bahnte er sich eine Flugbahn durch das Deep Current, direkt auf den mannesstarken Beschützer zu, der sich vor Ylsaras Tisch aufgebaut hatte. Aber die Gefahr eines schmutzigen, fliegenden Tellers war dann doch zu viel und brachte den Beschützerinstinkt des Senators an seine Grenzen. Hendrey duckte sich weg. Ylsara blieb viel zu wenig Zeit, dasselbe zu tun.

Der Teller traf sie stumpf an der Stirn, prallte dort ab und zerschellte mit einem hellen Klirren auf dem Boden. Die Togruta taumelte mit geschlossenen Augen und zur Stirn erhobenen Händen ein paar Schritte zurück. Sie benötigte einige Augenblicke, um überhaupt zu begreifen, was gerade geschehen war. Das würde eine große Beule hinterlassen. Zudem schien sich irgendeine Fischpaste, die sich auf dem Teller befunden hatte, nun auf ihrer Nase zu befinden. Ihr fassungsloser Blick fiel dann zunächst auf die Scherben zu ihren Füßen und schließlich zu Hendrey, der bereits auf dem Weg zum Hinterausgang war. Er sah sich nicht einmal um, um zu überprüfen, ob ihr Ausweichmanöver ähnlich erfolgreich wie seiner gewesen war. Es war ein Sicherheitsmann, der sie packte und zackig zwischen den anderen Sicherheitskräften hinter Hendrey an der Wand entlang in Richtung Ausgang beförderte. Irgendwer fummelte ihr mit einem Tuch im Gesicht herum, offenbar um die Reste des Essens zu entfernen, die würdelos auf ihrem Gesicht zurückgeblieben waren.

Als sie das unmittelbare Konfrontationsgebiet hinter sich gelassen hatten, wandte Hendrey sich letztendlich an sie. Darum.

Sie musste zugeben, selbst in dieser Situation hatte er einen Punkt gefunden. Es war schon fast zu passend. Noch vor wenigen Minuten hatten die beiden darüber gesprochen, dass politische Niederlagen wieder akzeptiert werden mussten und Gewalt keine Option sein durfte. Und schon prügelten sich wenige Meter neben ihnen Bürger der Republik wegen eines Krieges, der kaum einen Tag alt war. Auf Druckenwell war dieselbe Entwicklung längst erheblich weiter fortgeschritten und hatte elementarere Gründe. Was aber auch bedeutete, dass dort längst keine Teller mehr flogen, sondern Blasterbolzen.


„Die Galaxis hätte Ihnen kaum eine passendere Antwort liefern können“, stellte Ylsara fest, während sie noch immer ein Auge unter Schmerzen zupresste. Trotz der Situation lag hörbar eine gewisse Belustigung in ihrer Stimme. „Ich hätte aber bevorzug, wenn Sie in diesem Fall tatsächlich standhaft vor mir, statt an meiner Seite gewesen wären. Falls es Sie im Nachhinein interessiert: Der Teller hat mich getroffen.“

Eigentlich hätte sie sich ärgern müssen. Sie tat es aber nicht.

„Ich fand es trotzdem ehrenhaft, wie Sie sich schützend vor mich gestellt haben.“

Nachdem sich die Tür hinter ihnen geschlossen hatte, blieb vom Tumult nur noch gedämpftes Stimmengewirr übrig. Der rückseitige Zugang des Deep Current war schmucklos, kaum repräsentativ. Aber auch das war passend. Gedämpftes blaugrünes Licht fiel hier auf den schmalen Verbindungskorridor, während Ylsara die Gelegenheit nutzte, ihre Kleidung genauer zu betrachten und einen kleinen Fleck mit ihren Fingern zu entfernen. Es hätte schlimmer kommen können.

„Wenn Sie mir helfen wollen, zu verhindern, dass auf Druckenwell weiterhin genau dasselbe passiert, nur mit Blastern statt Tellern, werde ich Sie beim Wort nehmen. Den Rest finden wir vermutlich noch heraus. Wir sollten das wiederholen. Also das Gespräch. Nächstes Mal in einer weniger tumultgefährdeten Umgebung vielleicht. Dann suchen Sie aber den Ort aus. Wenn ich beim nächsten Mal wieder mit Geschirr beworfen werde, wissen wir zumindest, dass es nicht an meiner Restaurantwahl lag.“

Ein breiteres Lächeln trat auf ihre Züge. Trotz diesem Ende war das Treffen besser verlaufen, als sie erwartet hatte.

| Outer Rim | Calamari-Sektor | Calamari-System | Dac | Coral City | außerhalb des The Deep Current |
Ylsara Adinara und Senator Hendrey
 
Dac / Coral City / außerhalb des The Deep Current / Senator Jon Hendrey, Senatorin Ylsara Adinara

Jon brauchte einen kurzen Moment, um zu begreifen, dass der Teller tatsächlich nicht ihn, sondern Ylsara getroffen hatte. Natürlich. Warum war ihm das nicht aufgefallen? Innerlich verzog er das Gesicht, doch äußerlich hielt er die Fassung, wie er es immer tat.

"Für das Protokoll, Senatorin: Ich war Quarterback. Ich warf Bälle und fing sie nicht"

Ein flüchtiges, entschuldigendes Lächeln huschte über sein Gesicht, ehe es wieder ernster wurde.

"Trotzdem hätte der Teller Sie nicht treffen dürfen. Das tut mir leid."

Sein Blick wanderte zu der Beule an ihrer Stirn.

"Brauchen Sie einen Med-Droiden? Ein Kühlpad? Meine Security hat sicher etwas dabei. Ich würde ungern zulassen, dass unser erstes Treffen Ihnen ausgerechnet deshalb in Erinnerung bleibt."

Einer seiner Sicherheitsleute öffnete bereits ein kleines Notfallset, hielt sich aber dezent im Hintergrund. Jon wartete einen Moment, bis er sicher war, dass sie sich zumindest wieder gefangen hatte. Als die
Senatorin schließlich auf ihre gemeinsame Zusammenarbeit zurückkam, fiel es ihm deutlich leichter, den Faden wiederzufinden. Das war wieder Politik und die verstand er. Zumindest oberflächlich, was meistens genügte.

"Dann nehmen Sie mich beim Wort"

Seine Stimme gewann wieder an Festigkeit.

"Über den Antrag, den Fonds und alles Weitere werden wir sprechen. Ich werde meinen Teil dazu beitragen."

Er nickte überzeugt.

"Verbündete findet man in der Politik selten. Meistens findet man nur gemeinsame Interessen. Ich habe heute den Eindruck gewonnen, dass wir vielleicht beides gefunden haben. Umso besser, denn Demokratie und Freiheit verteidigt man nicht durch höflichen Smalltalk in den Fluren des Senats. Man verteidigt sie durch Bündnisse mit Rückgrat."

Das gefiel ihm. Es klang gut, schon wieder sehr staatsmännisch.

"Und natürlich wiederholen wir dieses Treffen"

Nun kehrte sein charmantes Politiker-Lächeln zurück.

"Allerdings suche das nächste Mal besser ich das Restaurant aus"

Er hielt ihr mit einer höflichen Geste den Weg zum wartenden Gleiter frei.

"Ich würde ungern riskieren, dass unsere strategische Partnerschaft noch an einem zweiten Handgemenge in aller Öffentlichkeit scheitert."

Dac / Coral City / außerhalb des The Deep Current / Senator Jon Hendrey, Senatorin Ylsara Adinara
 
// Outer Rim /\ Calamari-Sektor /\ Calamari-System /\ Orbit um Dac /\ Werftanlagen /\ Captain Reyess Korrill, Werftmitarbeiter und weitere Personen \\​


Reyess Korrill betrachtete die Trident of Ruisto schon eine ganze Weile, bevor jemand neben ihm den Mut fand, die Stille zu unterbrechen. Der Sternenkreuzer lag zwischen den gewaltigen Armen der orbitalen Werft über Dac. Zwölfhundert Meter Mon-Calamari-Schiffbau, alt genug, dass Teile seiner Hülle bereits mehrfach ersetzt worden waren. Die jüngste Überholung hatte neue Sensorfelder, erneuerte Schildsysteme und zahlreiche Eingriffe tief im Inneren des Schiffes mit sich gebracht. Trotzdem war sie unverkennbar eine MC80a, kein neues Schiff, ein überholtes. Reyess' goldene Augen wanderten langsam über die Außenhaut. Unterschiedliche Farbtöne verrieten ersetzte Panzerplatten und jüngere Reparaturen zwischen deutlich älteren Sektionen. Neben ihm hielt ein Lieutenant der Werftverwaltung ein Datapad vor der Brust. Er wartete und wartete, schließlich räusperte er sich.
"Captain Korrill?"
Reyess reagierte zunächst nicht. Sein Blick blieb an einer Sektion der Außenhülle hängen.
"Sektion sieben."
"Sir?"
"Die Verkleidung."
Der Lieutenant folgte seinem Blick.
"Was ist damit?"
"Sie ist neu."
"Ja, Sir. Während der Modernisierung wurde—"
"Warum?"
Der Lieutenant verstummte und begann auf seinem Datapad zu suchen. Reyess wartete. Nach einigen Sekunden fand der Mann die entsprechende Meldung.
"Korrosion an drei strukturellen Verbindungspunkten. Die gesamte Platte wurde ausgetauscht."
Reyess betrachtete die betreffende Sektion noch einen Augenblick. Dann nickte er und setzte sich in Bewegung.

Die offizielle Übergabe dauerte sieben Minuten. Davon waren fünf überflüssig. Ein Rear Admiral, zwei Vertreter der Werft und ein ziviler Beamter des Beschaffungsamtes erklärten ihm, dass die Trident of Ruisto nach ihrer Modernisierung wieder vollständig einsatzbereit sei. Reyess unterschrieb die Übergabepapiere. Der zivile Beamte sprach von einem bedeutenden Schritt zur Sicherung republikanischer Interessen. Der Mon Calamari unterschrieb auch das. Als jemand vorschlug, zur Übergabe noch ein offizielles Holo anzufertigen, war der neue Captain der Trident bereits auf dem Weg zum Maschinenraum.

Der Hauptreaktor einer MC80a hatte einen anderen Klang als der einer MC40. Tiefer, schwerer. Die Vibration war selbst durch das Deck zu spüren. Reyess blieb auf einem der Laufstege stehen und legte für einen Augenblick die Hand an das Geländer. Unter ihm bewegten sich Techniker zwischen geöffneten Wartungssektionen. Servicedroiden verschwanden zwischen Leitungen und Aggregaten. Irgendwo schlug Metall gegen Metall. Das war ihm erheblich lieber als der Empfangsraum. Ein junger Techniker lag bis zu den Schultern in einer geöffneten Wartungsöffnung.

"Nein... nein... Hydrospanner."
Eine Hand erschien neben der Öffnung und tastete blind über den Boden. Reyess sah auf die dort verteilten Werkzeuge, nahm den passenden Hydrospanner und legte ihn in die ausgestreckte Hand.
"Danke."
Einige Sekunden später schob sich der Techniker rückwärts aus der Öffnung. Sein Blick wanderte zuerst zum Werkzeug. Dann zu Reyess, weiter zu dessen Rangabzeichen.
"Captain."
Reyess deutete auf die geöffnete Sektion.
"Kühlmittelverteiler?"
"Ja, Sir."
"Primär oder Sekundär?"
"Sekundär."
"Dann zuerst den Bypass schließen."
Der Techniker blickte zurück in die Öffnung.
"Der Wartungsplan setzt den erst danach."
"Der Wartungsplan setzt ein trockenes System voraus."
Reyess deutete mit einer seiner breiten, vernarbten Hände auf die Leitung.
"Das hier ist nicht trocken."
Der Techniker beugte sich wieder hinein, eine kurze Pause, dann leises Fluchen. Reyess ging bereits weiter.
"Bypass zuerst!"
Zumindest einer lernte schnell.

Auf der Brücke war es ruhiger. Die letzten Diagnosen liefen über die Stationen. Navigation, Sensorik und Feuerleitung meldeten nacheinander Bereitschaft. Reyess nahm nicht sofort Platz. Er ging einmal um den Kommandositz herum, legte eine Hand auf dessen Lehne und sah über die Brücke hinweg auf Dac, das blau unter ihnen lag. Dann erst setzte er sich.
Vor ihm erwachte das zentrale Statusdisplay. Die Trident of Ruisto erschien als einzelnes Symbol zwischen den Werftanlagen. Ein Brückenoffizier trat an den Kommandobereich.

"Captain. Die Werft meldet sämtliche Systeme innerhalb der vorgeschriebenen Parameter."
Reyess’ Blick blieb auf den Anzeigen.
"Vorgeschrieben."
"Sir?"
"Das ist nicht dasselbe wie einsatzbereit."
Er öffnete einen Kanal zum Maschinenraum.
"Maschinenraum.“
"Maschinenraum hört."
“Reaktorleistung."
"Dreiundsechzig Prozent. Stabil."
"Schildgeneratoren?"
"Alle sechs online. Reserveschilde getestet und verfügbar."
"Antrieb?"
"Bereit."
Reyess schwieg, noch fehlte etwas. Auf der Brücke war nur das gedämpfte Summen der Konsolen zu hören. Dann meldete sich die Kommunikation.
"Captain, Werftkontrolle bestätigt Freigabe. Sämtliche Halteklammern gelöst. Auslaufkorridor ist frei."
Etwas änderte sich, nicht seine Stimme, nicht seine Haltung. Doch aus der bisherigen Ruhe wurde Bewegung.
"Navigation, Auslaufkurs übernehmen."
"Aye, Captain."
"Maschinenraum, Manövrierleistung."
"Manövrierleistung bestätigt."
"Kommunikation, Werftkontrolle danken. Danach Verbindung schließen."
"Verstanden."

Reyess ließ den Blick über seine neue Brücke wandern. Von diesem Moment an war die Trident of Ruisto seine Verantwortung. Das Schiff, die Besatzung, die sechs Staffeln in ihren Hangars und alles, was mit ihnen hinausfliegen würde. Sein Blick blieb beim Steuermann hängen.
"Steuermann."
Der junge Lieutenant drehte sich zu ihm.
"Sir?"
Reyess blickte durch die Transparistahlscheibe auf Dac und die gewaltigen Strukturen der Werft, dann zurück auf seine Anzeigen.
"Bringen Sie uns raus."
Langsam löste sich die Trident of Ruisto aus den Armen der Werft. Kein neues Schiff, kein modernes Schiff. Ein Arbeitspferd, das für einen weiteren Krieg überholt worden war. Reyess Korrill konnte damit arbeiten.


// Werftanlagen Dac /\ MC80a „Trident of Ruisto“ /\ Auslaufen aus der Werft /\ Captain Reyess Korrill und Brückenbesatzung \\​
 
// Outer Rim /\ Calamari-Sektor /\ Calamari-System /\ Orbit um Dac /\ Sammelpunkt der Eingreifgruppe /\ MC80a „Trident of Ruisto“ /\ Captain Reyess Korrill, Commander Selya Vorr, Brückenbesatzung \\​


Die Werftanlagen lagen bereits weit hinter ihnen, als die beiden Kontakte auf dem taktischen Display erschienen. Reyess Korrill hatte die erste Stunde außerhalb des Docks damit verbracht, sich Berichte geben zu lassen, die niemand für notwendig gehalten hatte, solange die Trident of Ruisto noch fest in den Haltearmen der Werft gelegen hatte. Antriebsleistung unter realer Last. Temperaturentwicklung der Schildgeneratoren. Reaktionszeiten der Steuerdüsen. Verbrauchswerte des Hauptreaktors. Nichts davon war ungewöhnlich gewesen, das war beruhigend. Commander Selya Vorr stand neben dem Kommandositz und betrachtete das taktische Display. Zwei Markierungen bewegten sich aus unterschiedlichen Richtungen auf den vereinbarten Sammelpunkt zu.
"Wavecrest auf Steuerbord voraus. Javelin kommt achtern auf."
Reyess hob den Blick. Die erste Silhouette war deutlich größer. Dreihundertfünfzig Meter Mon-Calamari-Schiffbau, schlank und organisch geformt, wie es sich für eine MC30 gehörte. Die Wavecrest glitt in einigen Kilometern Entfernung langsam in Position. Das zweite Schiff war kaum mehr als ein Bruchteil ihrer Größe, die Javelin. Hundertzwanzig Meter Corellianischer Pragmatismus, auf denen irgendjemand beschlossen hatte, für Panzerung weniger und für Waffen mehr Platz einzuplanen. Reyess betrachtete die beiden Kontakte einen Moment.
"Kommunikation. Verbindung zu beiden Kommandanten."
"Aye, Captain."
Zwei Holofelder erwachten vor dem Kommandobereich. Links erschien ein junger Mon Calamari in republikanischer Uniform. Lieutenant Commander Kel Marr, dreißig Standardjahre alt und seit kurzem Kommandant der Wavecrest.
Rechts baute sich das bläuliche Abbild eines Twi'lek auf. Lieutenant Vesh Taro, neunundzwanzig, Kommandant der Javelin. Keinen von beiden kannte Reyess persönlich, das würde sich ändern müssen.

"Lieutenant Commander Marr meldet die Wavecrest einsatzbereit. Willkommen im Verband, Captain."
"Javelin bereit und auf Position."
Taro brauchte für dieselbe Aussage erheblich weniger Worte. Reyess nickte beiden knapp zu.
"Meine Herren. Ab diesem Zeitpunkt operieren wir als Eingreifgruppe. Standardformation für den Marsch. Wavecrest übernimmt Backbord, Javelin Steuerbord achtern."
Marr reagierte sofort.
"Verstanden."
"Aye, Captain."
Reyess ließ den Blick zwischen den beiden Hologrammen wandern.
"Unsere Befehle sollten inzwischen auch bei Ihnen eingegangen sein."
"Lantillies."
"Beitrittsfeierlichkeiten absichern."
Taro klang, als hätte er gehofft, hinter diesem Satz würde noch etwas interessanteres folgen. Reyess bemerkte es, er kommentierte es nicht.

"Lantillies und Contruum treten der Republik bei. Ein republikanischer Verband sichert das System bereits. Wir verstärken ihn und werden anschließend in die laufenden Operationen Richtung Taanab eingebunden. Bis dahin gilt: Präsenz zeigen, den Orbitalraum sichern und dafür sorgen, dass der politische Teil des Tages ohne militärische Überraschungen auskommt."
Eine kurze Pause.
"Und wenn jemand eine Überraschung versucht?"
Reyess’ goldene Augen lagen einen Moment auf dem Hologramm des Twi'lek.
"Dann wird es unser Teil des Tages."
Ein kaum sichtbares Grinsen huschte über Taros Gesicht. Kel Marr zeigte keines. Reyess konnte mit beiden Reaktionen arbeiten.
"Weitere Einzelheiten nach dem Sprung. Halten Sie Ihre Schiffe innerhalb des Verbandes. Korrill Ende."

Die Hologramme verschwanden. Selya schwieg einige Sekunden.
"Der Lieutenant auf der Javelin wird Ihnen Freude bereiten."
Reyess sah noch immer auf das taktische Display.
"Woran machen Sie das fest?"
"Er sah enttäuscht aus, als Sie sagten, wir sollen den Frieden sichern."
Reyess’ Barteln bewegten sich kaum merklich.
"Dann bekommt er Gelegenheit, Disziplin zu lernen."
"Natürlich."
Sie kannte diesen Ton lange genug, um nicht hinzuzufügen, dass vermutlich beide Seiten etwas lernen würden.

Wenig später lagen alle drei Schiffe in sauberer Formation. Die Trident of Ruisto im Zentrum. Die Wavecrest versetzt an Backbord. Die wesentlich kleinere Javelin auf Steuerbord achtern. Auf der Navigationsdarstellung zog sich die Route wie eine dünne Linie über mehrere Sektoren: von Mon Calamari über Munto Codru und Pakuuni, weiter über Florn und Toola bis nach Quermia. Dort stieß der Kurs auf die große Hyperraumroute und führte über Lianna, Columex, Centares und Orleon weiter nach Lantillies. Knapp drei Standardtage Reisezeit. Genug Zeit, um die neuen Systeme der Trident weiter zu beobachten.
"Navigation. Sprungvektor bestätigen."
"Vektor bestätigt. Erste Etappe programmiert."
"Wavecrest und Javelin?"
"Beide melden Synchronisierung."
Reyess lehnte sich leicht zurück. Das taktische Bild war vollständig, drei Schiffe, drei Kommandanten, ein Auftrag. Mehr brauchte er im Augenblick nicht.
"Sprung auf mein Kommando."
Die letzten Werte liefen über die Anzeigen. Reyess wartete, dann nickte er.
"Jetzt."
Vor den Sichtfenstern verlängerten sich die Sterne. Die Wavecrest verschwand einen Augenblick vor ihnen im Hyperraum, die Javelin unmittelbar danach. Dann wurde auch die Trident of Ruisto vom blauen Wirbel erfasst. Hinter ihnen blieb Dac zurück, vor ihnen lag Lantillies. Und, wenn die strategischen Planer der Republik recht behielten, erheblich mehr als nur eine Beitrittsfeier.


// Hyperraum /\ Kurs Lantillies /\ MC80a „Trident of Ruisto“ mit MC30 „Wavecrest“ und DP20 „Javelin“ /\ Captain Reyess Korrill, Commander Selya Vorr und Besatzungen \\​
 
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