N'zoth

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Michael von Berchem, Darth Sikarius, Teneb Dask, UX-23


Michael blieb regungslos sitzen, während Darth Sikarius sprach. Zumindest äußerlich. Innerlich allerdings begann seine Geduld langsam zu bröckeln. Nicht nur wegen der Arroganz des Sith – die war erwartbar gewesen. Ebenso die unterschwelligen Beleidigungen, die unhöfliche Art zu sprechen. Was Michael tatsächlich störte, war die offensichtliche Ignoranz gegenüber der Realität dieses Krieges. N’zoth war kein Trainingsgelände des Ordens und Michael war auch kein nervöser Gouverneur, der beim ersten Fauchen eines Sith einknicken würde. Während dort draußen Menschen starben, Nachschub organisiert und Frontlinien sich von Minute zu Minute verschoben. Verlor sich Darth Sikarius in seinen Machtspielchen auf die Michael auch noch eingegangen ist. Michael nahm langsam seine Tasse zur Hand, trank einen kleinen Schluck und stellte es mit kontrollierter Ruhe wieder ab.

„Wisst Ihr, Mylord”, begann er schließlich ruhig, zu ruhig. „Es gibt einen gewaltigen Unterschied zwischen Macht… und Kontrolle.“

Sein Blick ruhte direkt auf Darth Sikarius. Fest und Unnachgiebig.

„Macht besitzt hier beinahe jeder zweite Offizier mit einem eigenenem Kommando. Kontrolle dagegen… besitzen nur die wenigsten.“

Für einige Sekunden herrschte wieder Stille im Raum. Michael stand langsam auf und trat einige Schritte um den Holotisch herum. Seine Hände lagen hinter dem Rücken verschränkt, während sein Blick kurz über die taktischen Markierungen Giat Nors wanderte.

„Ihr sprecht von Symbolen, von Angst und Zerstörung und glaubt offenbar, dass sich dieser Planet allein durch Gewalt brechen lässt.“

Nun wurde seine Stimme merklich kälter und strenger.

„Wenn das tatsächlich funktionieren würde, wäre N’zoth längst befriedet und ich müsste mich jetzt nicht mit euch auseinandersetzen.“

Er blieb schließlich direkt gegenüber der großen Panoramascheibe stehen. Dann drehte er sich langsam wieder um.

„Die Yevethaner kämpfen nicht weiter, weil sie glauben gewinnen zu können, wie sie es anscheinend nicht bemerkt haben, sie kämpfen weiter, weil sie überzeugt sind, dass wir sie vernichten werden, sie auslöschen werden!“

Ein kurzer Moment verstrich.

„Und genau deshalb werde ich sicher nicht blindlings irgendeinen Palast vaporisieren, nur damit irgendjemand sich fünf Minuten mächtig fühlen kann.“

Michael wusste genau, wie gefährlich es war, so mit einem Sith zu sprechen. Aber ebenso wusste er, dass jede Form von Unterwürfigkeit ihn in den Augen solcher Männer sofort schwach wirken ließ.

„Ich führe hier keinen Vernichtungsfeldzug, ich bin hier eine Permanente imperiale Herrschaft zu etablieren.“

Sein Blick verengte sich leicht.

„Das bedeutet Verwaltung. Kontrolle. Infrastruktur. Einschüchterung wenn nötig. Propaganda wenn sinnvoll. Und Gewalt dort, wo sie strategisch erforderlich ist nicht da wo ein wild gewordener Sith Lord es will, dass können sie gerne an der Kriegsfront mit der Republik veranstalten. Da wir ja auch schon beim du sind, darfst DU mich sehr gerne mit einem herr Gouverneur, Herr Viscount oder auch meinetwegen Herr von Berchem ansprechen! Ich bin Politiker, aber mit Sicherheit niemand, der eine potentielle Waffe einfach in die Tonne tritt oder sich einfach durch einen Berg von Fleisch hackt, dass kannst DU ja selber auf einem Planeten machen, wo du der Verwalter bist!”

Die letzten Worte klangen beinahe verächtlich. Dann glitt sein Blick kurz zu dem Schüler von diesem Idioten. Michael vermied es bewusst, den Schüler direkt anzusprechen oder ihn aktiv in die Unterhaltung hineinzuziehen. Sith oder nicht beide waren eigenständige Akteure und Michael war klug genug, sich nicht unnötig zwischen deren interne Konflikte einzumischen, auch wenn der Mann vielleicht irgendwann ein interessanter Verbündeter werden könnte. Stattdessen richtete er seine Aufmerksamkeit wieder vollständig auf Darth Sikarius.

„Falls DU glaubst, ich würde hier draußen einfach irgendein weiterer Bürokrat sein, den man mit ein paar Drohungen oder Machtspielchen beeindrucken kann, dann unterschätzt du mich gewaltig, ich hab mich bei dir anscheinend aber gewaltig verschätzt. Und im Übrigen, hast du etwa im Chaos hinter Csilla gelebt? Wir sind im Krieg mit der Republik, ja ich habe hier Personalmangel, meine Streitkräfte sind nicht mal auf 70 Prozent der ursprünglichen Stärke, Imperiale Truppen sind nur begrenzt einsatzfähig da diese… IM! KRIEG! SIND! Ich hab nicht mal eine verfluchte Putzfrau der ich einen Blaster in die hand drücken könnte, bist du etwa SO oder tust du gerade nur so realitätsfern? Und du Droide falls ich noch ein Wort aus deinem Blechkörper höre mache ich dir ein loch in deinen Blechkörper!”

Michael stand mit seinen Fäusten auf dem Tisch direkt vor den Sith, er war gereizt von diesem sich selbst zu wichtig nehmenden Sith der anscheinend denkt das er auch noch irgendwas intelligentes von sich gegeben hat außer sein idiotisches ‘Draufhauen und dann versuchen Kontrolle zu etablieren’ Gedankengut.

“Und nehmen sie ihre verdreckten Stiefeln von meinen Möbeln, bevor ich den Beistelltisch noch zertrümmer."

Michael musste erst einige tiefe Atemzüge nehmen, bevor er wieder einen annehmbaren Puls hatte. Michael fuhr fort, nachdem er sich wieder etwas gefangen hatte.

„Verwechselt meinen Respekt für euch nicht mit Hörigkeit. Ich bin keiner eurer Diener.“

Sein Blick blieb unbeirrt auf Darth Sikarius ruhen. Bei seinem vorausgehenden Ausbruch wird der Sith vielleicht sein Betragen nochmal überdenken und ihn gemäß seines Imperialen Ranges entsprechend ansprechen, da stand die Chance den Konflikt morgen friedlich zu beenden aber deutlich höher.

„Denn während Sith kommen und gehen… bleibt am Ende trotzdem irgendjemand zurück, der diesen verdammten Planeten tatsächlich regieren muss. Sie werden immerhin wieder an die Front gehen und ich bin hier und muss damit arbeiten was dann noch bleibt. Ich will versuchen die Yevethaner zur Kooperation zu bringen und wenn das gerade nur durch das sichern von Symbolen ist um den Yevethanern zu zeigen das wir als Imperium gewillt sind ihre Kultur zu bewahren indem wir Kunst und Kultur vor einem Inferno bewahren gibt es eine Chance eine erneute Rebellion zu verhindern. Sture Machtpolitik und Unterdrückung hat ja ganz offensichtlich nicht gefruchtet, ebenso wenig wie rohe gewalt, also reiche ich ihnen nach einer gehörigen Lektion die Hand. Die Yevethaner können sich dann immer noch für den Krieg entscheiden und ihre Spezies vernichten.“

Michael wusste zwar, dass die Chancen darauf, dass die Yevethaner ihre Krieger-Kultur aufgeben würden oder zumindest nicht mehr gegen das Imperium arbeiten würden, dennoch schien der Weg, sie einfach so lange zu töten, bis sie aufgeben nicht zu funktionieren.

“Also ich bin hier fertig, wenn ihr nicht noch etwas Weltbewegendes habt, schlage ich vor, den Yevethanern in den Arsch zu treten, um ihnen dann zu zeigen, dass wir auch anders können. Die Idee mit den Maus Droiden ist aber nicht schlecht, ich gebe dass an meinem Militärstab weiter. Einverstanden?”

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Michael von Berchem, Darth Sikarius, Teneb Dask, UX-23
 
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[ Kernwelten / Farlax-Sektor / Koornacht-Cluster / N'zoth-System / Orbit von N'zoth / Werft / Verwaltungsbereich / Büro des Gouverneurs ] Leto, Michael und Teneb, sowie (NPCs) UX-23

Letos unversehrte Augenbraue zuckte, als Herr von und zu Gouverneur seine Strategie änderte. Sein unverwandter Blick ruhte auf dem Mann und auf seinen Lippen lag die unausgesprochene Frage, ob er zu weit gegangen war. Oder, wie weit er noch gehen konnte? Er hatte noch nie mit einem Gouverneur gesprochen. Er wusste natürlich, dass er sich auch normalerweise mit seiner zur Schau gestellten Persönlichkeit keine Freunde machte. An welchem Punkt würde der Kerl einfach seine Garde rufen, um dem Gewicht seines Amtes mit einem bisschen Plasma Nachdruck zu verleihen?

Nicht sofort, wie es schien. Mit halbem Ohr lauschte Leto den leeren Worthülsen, die der alte Sack bedeutungslose Existenz schenkte. Immerhin war sein Ton nun schärfer als zuvor! Unterschied zwischen Macht und Kontrolle; nur die wenigsten hatten die; der Planet ließ sich nicht durch Gewalt brechen… jaja, bla bla. Warum hatte das Glücksbärchi ihn überhaupt nach seiner Meinung gefragt, wenn es am Ende doch wieder alles besser wusste?! Für den Moment schwieg Leto. Stumm wartete er ab, ob das alles nur heiße Luft war, oder sich doch noch eine Konsequenz am Horizont abzeichnete.

Nein, der quatschte einfach weiter... Kontrolle, Infrastruktur, Einschüchterung, er könne das ja an einer republikanischen Front veranstalten und überhaupt hatte er generell ein Problem mit Duzen. Spätestens hier stempelte Leto das Gesabbel als machtlose Allgemeinbeschwerden ab. War sein Mund bisher eine schmale, abwartende Linie gewesen, so umspielte ihn nun wieder ein spöttisches Grinsen. Noch während der Gouverneur erzählte, hob Leto zwei Finger an die Schläfe und salutierte übertrieben.


„Alles klar, Hörr Gouverneur Schreicount vom Bärchen“, sagte er, nun mit einem wirklich breiten Grinsen auf dem grauen Gesicht. Das wars, die Luft war raus. Die Frage war beantwortet und das Resultat Affentheater und Rumgeheule. Und trotzdem ging es weiter!

„Herr Gouverneur, ich bitte vielmals um Verzeihung für sein Betragen! Er wird alles tun…“, begann UX-23. Leto schnippte ihn einfach mit der Macht gegen die nächste Wand. Ein metallisches Klangen hallte durch den nächsten Raum, doch niemand schenkte dem Droiden weitere Beachtung.

Letos ungleiche Augen ruhten nun wieder gespannt auf Bärchen, der jetzt erst zur Höchstform auflief. Leto könne ihn nicht mit seinem Betragen beeindrucken und ob er denn irgendwo im Chiss-Raum die jüngsten Ereignisse verschlafen hatte! Es gab Personalmangel, er HATTE gar keine Putzfrau, der er einen Blaster in die Hand geben konnte. Seine Tirade beendete er dann noch mit einer Drohung gegen UX-23, die Leto ein helles Lachen entlockte.
„Ich würd‘ ja aufpassen, der Blecheimer hält meine Leine…“

Der Aufforderung, die Füße von den Möbeln zu nehmen, kam Leto sogar nach. Mit einem Knall kippte der Sessel wieder mit allen vier Beinen auf den Boden und er stand auf. Mit der Macht fegte er den Beistelltisch aus seiner Bahn und trat auf den Gouverneur zu.

„Ich habe keine Diener.“, antwortete er auf die nächste Beschwerde und hielt dem starren Blick seiner Augen stand. Das war interessant! Trotz des Schwalls bedeutungsloser Worte fand sich in ihm nichts von der Überkompensation, die er aus ihnen herauslas. „Ich habe Leute, deren Ketten ich in der Hand halte. Und Leute, die meine Ketten halten. Was von beidem bist du?“ Er legte den Kopf schief.

Nun jedoch erging Bärchen sich in der nun dritten (?) Tirade, in der er sich darüber beschwerte, dass irgendjemand ja hier noch regieren musste, wenn die Sith erst verschwunden waren. Dem Rest hörte Leto gar nicht mehr zu, stattdessen blieb er – das Scimitar in seiner Scheide in der Hand – einen Moment später unangenehm dicht vor dem älteren Menschen stehen, ihre Nasen so nah, dass sich die Spitzen beinahe berührten.


„Bist du wirklich fertig?“, fragte Leto und grinste breit. „Schon okay. Lass es raus, Alter. Nein, nichts mehr? Na gut. Klingt aber, als hättest du jemanden zum Reden gebraucht. Gern gescheh’n. Aber frag mich halt nicht, wenn du nicht mit der Antwort leben kannst.“ Fast gelangweilt warf Leto einen Blick auf sein Scimitar und hob seinen rechten Arm. „Fangen wir dann jetzt an, oder wie? Wo darf die erste Mission ‚dreckige Xeno-Kultur bewahren‘ stattfinden?“ Unvermittelt sausten Arm und Scimitar wieder hinab. Mit einem weiteren Knall bohrte sich der Sporn der Waffe in die saubere Oberfläche des Schreibtisches.


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Mit seiner Umgebung verschmelzend stand der Sith Schüler im Schatten hinter dem Sessel seines Meisters, die Kapuze tief ins Gesicht gezogen, die Hände in den Ärmeln verborgen und sah zu, wie ein imperialer Gouverneur vor seinen Augen die Maske verlor. Auf Umbara hätte ein solcher Augenblick den Geschmack von Blut gehabt, auch ohne offene Gewalt. Dort war Politik Schauspiel, ein halsbrecherisches Spiegelkabinett, in dem das Messer unter Seide lauerte und schneller den Weg in den Rippenbogen fand, als einem lieb war. Das Spiel der Rootai, aus Andeutung, Blickführung und einstudierter Gelassenheit, die mit tödlicher Höflichkeit zu morden wussten. Wer die Stimme hob, hatte meist schon verloren, denn zwischen einem erstickten Schrei einer Stichwunde und dem Erbosten lag zuweilen nur eine hauchdünne Trennschärfe. Wer seine Gereiztheit zeigte, schenkte dem Gegner eine Handvoll der eigenen Haut. Kontrollverlust war dort kein profaner Ausbruch, vielmehr war es ein Riss im Gesicht, und durch solche Risse griffen andere Hände nach allem, was dahinter verborgen lag. Teneb hatte als Kind an den Rändern solcher Räume gestanden und gelernt, wie Erwachsene lächelten, während sie einander vernichteten. Er hatte gelernt, dass die schärfste Beleidigung manchmal wie Bewunderung klang, dass Schweigen einen Gegner ausbluten lassen konnte und dass ein zu rascher Atemzug mehr verriet als eine ganze Rede.

Michael von Berchem verlor die Kontrolle anders. Der Mann zerfiel nicht. Er wurde lauter und vor allem schärfer, durchaus. Seine Worte bekamen Kanten, sein Respekt verlor jene polierte Oberfläche, die er zuvor wie eine Uniform getragen hatte, und doch wirkte es nicht wie ein Ausgleiten. Auf den Umbaraner wirkte es wie ein absichtlich geöffneter Druckausgleich in einer überhitzten Maschine. Dampf entwich, heiß und gefährlich, aber die Kolben arbeiteten weiter. Seine Wut hatte Gewicht, denn sie kam aus einer Wirklichkeit, die keine theatrale Geste war. Teneb spürte den Zorn des Gouverneurs in der Macht als dunkles, verdichtetes Glimmen, von Müdigkeit durchzogen und von jener harten Kränkung, die entsteht, wenn jemand die eigene Last wie ein Kinderspielzeug behandelt. Macht und Kontrolle. Die Worte blieben im Bleichen wie Widerhaken hängen, während die roten Linien der holografischen Oberfläche über Giat Nor pulsierten. Das Licht der Holoprojektionen zog blutige Schatten über die dunklen Glasflächen des Büros, ließ den Rauch der Zigarette wie fahle Nebelschleier über der Karte treiben und schnitt die Gesichter der Anwesenden in kalte, wechselnde Ebenen. Draußen glitt die Masse eines dolchförmigen Kriegsschiffes an der Panoramascheibe vorbei, ein dunkles Ungetüm aus Durastahl, dessen Triebwerke den Raum für einige Atemzüge in bläuliches Nachlicht tauchten. Die Station vibrierte kaum merklich unter den Schritten einer Kriegsmaschinerie, die zu groß war, um als einzelnes Geräusch wahrgenommen zu werden. Sie war einfach da, wie Schwerkraft, wie Imperium.

Der Gouverneur sprach unbeirrt fort, zog weitere rhetorische Linien als er von Herrschaft, Verwaltung und ihrer Infrastruktur sowie Einschüchterung in Form von Propaganda und Gewalt, wo sie strategisch erforderlich war. Doch er stoppte hier nicht, denn er sprach von Kunst, Kultur, Symbolen, von einer Hand, die man nach einer Lektion reichen konnte, und je länger er sprach, desto deutlicher wurde
Teneb, dass dieser Mann Yevethaner vielleicht verachtete, aber ihre Nützlichkeit noch höher bewertete als seinen Ekel. Er unterschätzte darüber hinaus maßlos die Aufmerksamkeitsspanne seines Meisters. Vielleicht war es die einzige Form, die dem Gouverneur zur Verfügung stand, dem Sith Meister irgendeine Form von Qual und Schmerz zuzufügen, auch wenn der Kapriziöse sich wahrscheinlich in einem Mantel der zur Schau getragenen Langeweile kleiden würde. Doch der Umbaraner erkannte den Wert in den Worten des Gouverneurs. Ein ausgerotteter Feind konnte keinen Tribut zahlen und keine Fabriken bedienen. Ein gebrochener Feind hingegen konnte knien, arbeiten und eines Tages vielleicht glauben, die Hand an seiner Kehle sei Schutz.

Für den Bleichen war neben dem Ausbruch des Imperialen etwas anderes bemerkenswert, denn
Darth Sikarius hörte zu. Zuerst mit jenem starren und trüben, vor allem aber gefährlichen Blick, den Teneb inzwischen als Vorzeichen kannte. Dann öffnete sich einem Ereignishorizont gleich das gelbe Grinsen, das aus dem grauen Gesicht seines Meisters kroch, sobald er einen Raum innerlich für lächerlich erklärte. Der übertriebene Salut, die absichtlich verunstaltete Anrede, das breite Entblößen der verunstalteten Zähne lag zwischen Possenspiel und Drohung, und gerade darin erkannte Teneb wieder dieses widerwärtige Talent seines Meisters, jede Ordnung mit Schmutz zu bewerfen, bis niemand mehr sicher war, ob er provozierte, prüfte oder bereits angriff. UX-23 wollte es nicht drauf ankommen lassen und versuchte, den Schaden zu begrenzen, doch der Droide kam kaum weit. Ein Zucken der Macht, gefolgt von einem hässlich beiläufigen Impuls aus Sikarius’ Richtung und der metallische Körper flog gegen die Wand. Der Einschlag schnitt durch das Büro wie ein zu spät gezogener Blasterschuss. Teneb bewegte sich nicht, fast wäre ihm ein Seufzen entwichen. Nur seine Machtfühler glitten weiter durch den Raum, dünn, kalt, fast unsichtbar, an den Auren entlang, über die Kanten der Möbel, durch die Türspalte hinaus, dorthin, wo Soldaten und Wachpersonal das Geräusch gehört hatten und in jenem ersten, stummen Reflex erstarrten, der noch vor jedem Befehl kam. Hände rückten näher an Waffen, der ein oder andere Atem wurde flacher. Disziplin hielt Körper an Ort und Stelle, während Instinkt längst einen halben Schritt zurückgewichen war. Der Umbaraner war sich nicht sicher, ob er seine Klinge zuerst gegen Yevethaner oder einen der weiß gepanzerten Soldaten des Imperiums führen werden musste.

Teneb sah den Droiden aus dem Augenwinkel am Boden, beschädigt und gedemütigt, während der Sith eine markige Bemerkung machte, dass der Droide noch immer sein Herr war.
UX-23 war kein Freund. Er war Aufseher, Korrektiv und Käfigschloss für beide Sith. Doch in diesem Augenblick lag in seinem metallischen Aufprall dieselbe Wahrheit, die Sikarius überall hinterließ. Selbst seine Ketten wurden von ihm zerkratzt, verbogen, mit Säure übergossen, bis sie ähnlich ahnsehnlich waren wie sein eigener geschundener Leib. Er konnte nichts berühren, ohne es in die eigene Beschädigung hineinzuziehen. Schließlich nahm der Sith Meister die Stiefel von den Möbeln. Der Knall, mit dem der Sessel auf alle vier Beine zurückfiel, klang fast lächerlich endgültig. Der Beistelltisch wurde beiseitegefegt, und Teneb spürte, wie sich die Linien möglicher Gewalt im Raum neu ordneten. Sein Meister stand auf. Das Scimitar lag in seiner Hand, dieses plumpe, hässliche Ding, breit, bösartig, ehrlicher in seiner Grausamkeit als jedes höfische Sith-Artefakt. Wo andere Waffen Eleganz behaupteten, versprach diese nur Zerstörung. Sikarius trat auf den Gouverneur zu, zu nah, viel zu nah, bis zwischen ihren Gesichtern nur noch Atem, Rauch und der dünne Rest imperialer Etikette standen.

Tenebs Finger schlossen sich unter den Ärmeln um sein eigenes Fleisch. Er hätte in die Macht greifen können. Nur ein Faden, ein winziger Zug, bereit, Kal Fraans Schwert aus seiner Halterung zu reißen, falls der Raum in einem einzigen falschen Augenblick explodierte. Er tat es nicht. Er ließ den Impuls in sich stehen wie eine Kerze in einem zugigen Schacht und schützte die Flamme vor sich selbst. Hier ging es nicht um Rettung. Nicht um den Gouverneur, nicht um UX-23, nicht einmal um Sikarius. Hier ging es darum, zu begreifen, welche Art von Macht vor ihm stand und welche Art von Kontrolle er selbst noch nicht besaß. Der Satz seines Meisters über die Hierarchie der Ketten traf Teneb tiefer, als Sikarius beabsichtigt haben mochte. Ketten. Dieses Wort kehrte immer wieder zurück, als hätte die Galaxis selbst keine andere Grammatik. Umbara hatte sie aus Herkunft, Erwartungen und Schweigen geflochten. Zygerria hatte sie poliert, gewogen und verkauft. Der Tempel auf Artek III hatte sie ihm in der Stimme eines Versprechens angeboten. Sikarius wiederum trug sie wie Narben und schwang sie wie Waffen. Der Gouverneur nannte sie Kontrolle, Verwaltung und imperiale Herrschaft. UX-23 nannte sie Protokoll, Befehl, Zuständigkeit. Teneb kannte inzwischen genug Namen für denselben Ring um den Hals.

Der Kodex versprach, dass Sieg die Ketten zerbrach. Doch keiner hatte ihm gesagt, wie viele man unterwegs selbst in die Hand nahm.

Von Berchems Ausbruch veränderte sich in Tenebs Wahrnehmung erneut, während der Mann weitersprach. Auf Umbara hätte Teneb einen solchen Kontrollverlust als Schwäche gelesen, als offene Wunde, als Einladung zum Spott der Rootai und zum langsamen Mord durch Ansehen. Hier aber stand ein Mensch vor einem Sith, in einem imperialen Büro über einem umkämpften Planeten, und seine gereizte Offenheit wirkte weniger wie ein entglittenes Gesicht als wie ein Rammbock gegen eine Tür, die Höflichkeit nicht geöffnet hatte. Vielleicht war das menschliche Politik. Vielleicht aber auch ehrlicher in ihrer Lüge. Der Gouverneur sagte Sikarius ins Gesicht, dass er ihn überschätzt hatte, und Teneb spürte dabei keine bloße Kränkung, sondern den Versuch, eine Grenze in den Boden zu brennen, bevor dieser Raum endgültig Sikarius gehörte.

Das war riskant und nützlich zugleich.
Teneb sah in diesem Mann nun deutlicher einen möglichen Gegner, vielleicht eines Tages einen möglichen Hebel. Von Berchem war kein furchtloser Mann, denn Furchtlosigkeit war meist nur Dummheit mit gerader Haltung. Er fürchtete Konsequenzen, Personalverluste, Rebellion, imperiale Unordnung, womöglich auch die unberechenbare Laune eines Sith vor seinem Schreibtisch. Aber seine Furcht hatte einen Platz zugewiesen bekommen. Sie durfte ihn warnen. Sie durfte ihn nicht führen. Das unterschied ihn von vielen, die Teneb bisher kennengelernt hatte. Sikarius dagegen ließ sich von fast allem führen, solange es nur wie Trotz schmeckte, doch war es zu einfach, ihn dafür zu verachten. Zu einfach und zu gefährlich. Denn unter dem Spott, unter der widerwärtigen Grobheit und den kindischen Verunstaltungen fremder Titel lag bei ihm manchmal ein Instinkt, der schneller zur Kehle einer Sache fand als jeder Bericht.
Dann fuhr das Scimitar hinab. Der Sporn der Waffe bohrte sich mit einem schweren, hässlichen Knall in die saubere Oberfläche des Schreibtisches. Das Geräusch fraß das Summen der Projektoren für einen Atemzug vollständig auf. Teneb spürte, wie die Auren außerhalb des Raumes erneut aufflackerten. Über dem Tisch flackerte N’zoth weiter, rot markiert, geduldig verwundet, als kümmere sich der Planet nicht darum, welche Männer über seinem Abbild ihre Egos und Strategien kreuzten.
Teneb begann zu verstehen, dass N’zoth kein Ort werden würde, an dem nur Yevethaner ihre Ketten zu spüren bekamen. Dieser Krieg würde jedem zeigen, wer zog, wer hielt, wer zerrte und wer lange genug stillstand, um eines Tages im richtigen Moment loszulassen. Unter der Kapuze senkte sich Tenebs Blick auf den Sporn im Schreibtisch. Sikarius hatte seine Antwort gegeben. Jetzt blieb abzuwarten, ob der Gouverneur genug Kontrolle besaß, um sie nicht als Kränkung zu behandeln, sondern als das, was sie im Kern war, nämlich eine Zusage, auf Sikarius’ Art mit dem Töten zu beginnen.

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Letos Robe flatterte im Wind, während das LAAT/i auf ihr Ziel zuflog. Das Schiff dröhnte, doch wurde sein tiefes Brummen beinahe durch das Heulen der TIE-Eskorte übertönt, deren einzige beiden Mitglieder zu seiner Rechten und Linken, leicht versetzt nach hinten, mitflogen. Der Jäger auf Letos Seite flog so dicht, dass er das schwarzbehelmte Gesicht deutlich durch das runde Sichtfenster erkennen konnte.

Die felsige Landschaft fernab Giat Nors zog braun und trostlos an ihnen vorbei. Es war sichtbar, warum die Städte der Ausgestoßenen, in denen das Imperium sich häuslich niedergelassen hatte, hier errichtet worden waren.

Leto hatte dem Vortrag des Droiden nur mit halbem Ohr zugehört, doch drei Punkte waren erfolgreich hängengeblieben: A) Das Imperium arbeitete seit geraumer Zeit daran, einen Ort namens Werstilhere in eine befestigte Operationsbasis zu verwandeln, B) deren Anflugrouten seit mehreren Tagen von versprengten Yevethanerpiloten zugesetzt wurde und C), weswegen sie sich Werstilhere nun im Tiefflug durch bereits erobertes Territorium näherten.

An sich war ihm der gesamte Blödsinn egal. Beim Fliegen konnte er eh nicht helfen. Warum also sich über die dummen Details ihrer Reise Gedanken machen? Naja, okay, es war schon ein bisschen witzig, dass die einzige größere Yevethanersiedlung, die sich offiziell ergeben hatte, ‚
Reject Alley‘ hieß.

Leto warf seinem Schüler einen Blick über die Schulter zu und grinste. Anders als er, hatte der bleiche Xeno sich hingesetzt und angeschnallt wie ein braver kleiner Junge, anstatt den Flug aus den geöffneten Seitentüren des LAAT/i mitzuverfolgen. Wurde dem eigentlich nie langweilig?

So entgingen ihm doch so hochspannende Details wie Fels! Sand! Braune Erde! Wie konnte er sich das nur entgehen lassen?! Leto seufzte, zog die Nase hoch und rotzte das so freigewordene, organische Material in einem gräulichen Klumpen hinaus, wo es einen Moment später zielsicher auf dem Sichtfenster des TIE-Fighters landete.

Er grinste und richtete seinen Blick wieder nach vorn, wo dann doch noch etwas seine Aufmerksamkeit auf sich zog!

In der zerklüfteten Landschaft hatte sich eine breite Schlucht aufgetan, die beinahe gänzlich von etwas gefüllt wurde, das wie eine Ansiedlung aussah. Dicke, schwarze Rauchschwaden stiegen an mehreren Stellen zwischen den Gebäuden auf und zeugten davon, dass es in Reject Alley um den Frieden wohl doch noch nicht so gut bestellt war, wie angegeben.

Grade wollte sich Leto ein bisschen damit unterhalten sich gedanklich über die gedrungenen, primitiven Gebäude lustig zu machen, als der TIE-Jäger in seinem Blickfeld plötzlich abdrehte. Leto runzelte die Stirn.


„Was zur Hölle?“, murmelte er und sah sich suchend um. Nur um beide TIEs im nächsten Moment in einiger Entfernung wiederzusehen, wo sie sich eng mit einem dritten Flugobjekt umkreisten, das ihm bislang entgangen sein musste. Rotes und grünes Blasterfeuer zischte durch die Luft.

Dann, plötzlich, explodierte erst der eine TIE, dann der andere. Und nun flog der dritte Jäger mit einem Mal auf sie zu.
Die Maschine war grob dreieckig geformt, mit einem insektenhaften Cockpit und mehreren Finnen, die deutlich aus dem vertikalen Aufbau herausstachen.

Leto hatte kaum Zeit, das alles zu registrieren, bevor die Macht seinen Augen zustimmte und ‚Gefahr!‘ brüllte. Erneut flackerte Blasterfeuer auf, doch da hatte Leto sich schon abgestoßen und in den dröhnenden Flugwind hinauskatapultiert. Im Fallen drehte er sich und sah grade noch, wie rote Blasterschüsse genau durch die Stelle fetzten, an der er grade noch gestanden hatte. Etwas am Antrieb des LAAT/i explodierte und plötzlich befand sich das Schiff auf einem ebenso jähem, wenn auch flacheren, Abstiegskurs wie er selbst.


„FUCK!“, brüllte er, doch seine Worte wurden vom tosenden Wind fortgerissen.


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Die wohltemperierten Räumlichkeiten des Galaktischen Imperiums konnten die soziale Kälte, die zwischen dem Sith Duo und dem imperialen Gouverneut in der Luft lag, nicht auffangen. Auch wenn sie nur wenige Meter von der allumfassenden Dunkelheit und Kälte des endlosen Raums trennte, war die Schwärze der Differenzen zwischen dem Meister und seinem Gegenüber alles verschlingend. Es bedurfte keiner weiteren Worte, sie hätten eh nur eine weitere verbale Turbolasersalve aus dem losen Mundwerk seines Meisters zur Folge gehabt. Wenn Teneb Dask eines in den weiten des Holowebs gelernt hatte, dann das es zwecklos war den Rancor weiter mit solcherlei Aufmerksamkeit zu füttern. Der Weg aus dem Büro des Gouverneurs zurück zum Hangar führte das Meister-Schüler Gespann durch dieselben Korridore wie zuvor, und doch lag nun etwas anderes in ihnen, eine gespannte Nachwirkung, als hätte der Knall des Scimitars im Schreibtisch sich nicht im Holz erschöpft, sondern wäre durch den Boden, die Wände und die Leitungen der Anlage weitergekrochen. Die imperiale Basis nahm solche Geräusche nicht einfach hin. Sie verwahrte sie. Sie trug sie durch Kommlinsen, Wachposten, Kameras und die kurzen, kaum merklichen Pausen in fremden Gesprächen, wenn eine Gruppe Sturmtruppen hinter einer Kreuzung verstummte und so tat, als habe sie nie hingehört.
Teneb ging einige Schritte hinter Sikarius, die Kapuze tief im Gesicht, die Arme in den Ärmeln verborgen, und ließ die Machtfühler dünn und kalt an den Rändern seiner Wahrnehmung entlanggleiten. Die Anlage war kein lebender Tempel wie auf Artek III, kein fauliger Schlund aus Stein, Regen und alten Stimmen. Sie hatte keine Geister, keine züngelnden Versuchungen in der Dunkelheit, keine hungrigen Mauern. Doch sie besaß ihren eigenen Puls. Datenleitungen summten hinter Wandpaneelen. Lüftungsschächte atmeten trockene, gefilterte Luft aus. Turbolifte öffneten und schlossen sich mit gehorsamem Zischen. Stiefelsohlen schlugen in ordentlichen Rhythmen auf blanke Böden. Das Galaktische Imperium sprach viele Sprachen doch kannte sie eine vereinende Erzählung in Form von Gleichschritt, Hierarchien sowie blindem Gehorsam der schlafwandelnden Eopies, die den Befehlen ihrer Hirten folgten.

Die weiß gepanzerten Soldaten, deren Helme entfernt an die blanke Fratze eines Schädels erinnerte, machten Platz. In ihren Auren lagen Müdigkeit, Neugier, Anspannung und dieser eigentümliche metallische Geschmack militärischer Disziplin, der selbst dort noch vorhanden war, wo ein Körper am liebsten einen halben Schritt zurückweichen wollte. Einige sahen
Sikarius an, wie man eine geladene Waffe auf einem Tisch ansah. Andere sahen betont nicht hin, denn sie wussten wohl, dass Sith sich Rechte herausnahmen, die außerhalb einer Gerichtbarkeit operierten. Auch das war eine Lektion, die der Umbaraner hier verinnerlichte. Sith besaßen tatsächlich Autorität im Galaktischen Imperium. Der Umgang war ein ganz anderer, als es auf Artek III gewesen war, wo sie wie eine wiederkehrende Metastase behandelt wurden, die so sehr geliebt wurde wie Tragödie das Waisenhaus. Wieder andere ließen den Blick an Teneb hängen, nur für einen Augenblick, an der blassen Haut unter der Kapuze, an der schlanken Gestalt, an der Waffe, die er bei sich trug und deren Bedeutung ihnen vielleicht noch niemand erklärt hatte. Kal Fraans Klinge lag an seiner Seite wie ein verschwiegenes zweites Herz. Im Gegensatz zu den Wesen auf Artek III bekam selbst er hier von diesen Männern ein Modikum an Respekt gezollt, sobald der Blick auf den zylindrischen Gegenstand an seinem Gürtel fiel. Teneb spürte sie, obwohl sie stumm blieb. Ein totes Symbol, von fremder Hand gebaut, durch Blut und Niederlage aus seinem ursprünglichen Zusammenhang gerissen, nun an einem Umbaraner unter Sith-Roben verborgen. Der Gouverneur hatte recht gehabt, auch wenn der Sith Schüler es ihm nie so deutlich gesagt hätte: Dinge besaßen Macht, sobald Wesen bereit waren, in ihnen mehr zu sehen als Metall, Stein oder Licht. Ein Palast, ein Schwert, ein Titel, ein Name.
Sikarius ging voran, als müsse jeder Korridor ihm verzeihen, dass er überhaupt existierte. Die Robe bewegte sich schwer um seine Gestalt, das Scimitar hing bei ihm, und Teneb konnte die Nachwirkungen des Gesprächs an seinem Meister lesen wie Hitze über verbranntem Boden. Spott, Gereiztheit, ein Rest Vergnügen an der Reibung, vielleicht auch jene dumpfe, tiefere Unruhe, die N’zoth in ihm auslöste, seit der Name des Planeten wieder in den Raum getreten war. Von Berchem hatte die Kontrolle verloren, auf eine Weise, die Teneb noch immer beschäftigte. Auf Umbara hätte ein solcher Ausbruch einen Mann entblößt, hätte ihn den Rootai preisgegeben, den feinen Spielen aus Miene, Pause und höflichem Gift. Dort verlor man kein Gesicht, indem man schrie; dort verlor man es, indem man zu früh atmete, zu offen begehrte, zu hastig widersprach. Hier jedoch hatte der Gouverneur mit seiner Wut keinen Sturz vollzogen. Er hatte eine Grenze in den Boden geschlagen, grob, menschlich, beinahe hässlich, und gerade dadurch etwas behauptet, das in dieser imperialen Umgebung womöglich mehr Gewicht hatte als jede umbaranische Eleganz. Es war keine schöne Lektion aber Teneb merkte sich auch hässliche Lektionen.
UX-23 schwebte wieder in ihrer Nähe, beschädigt und still, der gesprungene rote Photorezeptor wie ein kleiner Fehler in der Ordnung des Moments. Der Droide sprach nicht. Das Flackern seines Photorezeptors, das hatte er mittlerweile gelernt, hieß er rief Informationen ab. Vielleicht protokollierte er. Vielleicht formulierte er bereits jenen Bericht, in dem Sikarius’ Verhalten und von Berchems Reaktion in eine Form gebracht werden würden, die Darth Baobhan irgendwann mit kühler Missbilligung lesen konnte. Teneb betrachtete den Droiden nicht lange, denn zu viel Aufmerksamkeit war manchmal eine Art Bekenntnis.

Als sich die Schleusen zum Hangar öffneten, wartete das unendliche Grauen des unerbittlich kalten Weltraums auf sie. Gespickt mit den dreieckigen Terrordesigns des Galaktischen Imperiums, bahnte sich das LAAT/i im Schutze dieser Konstruktionen der Vernichtung seinen Weg in Richtung des Planeten. Als sie schließlich die Stratosphäre des Planeten durchbrachen, schlug ihnen der Krieg entgegen. Hier war die Luft nicht mehr glatt und verwaltet. Sie roch nach heißem Metall, Treibstoff, Kühlmittel und jener dunklen, öligen Schwere die solchen Orten eigen war. Repulsoren dröhnten in den Bodenplatten, während ein Munitionswagen an ihnen vorbeirollte, begleitet von zwei Technikern, deren Gesichter unter Schmutzstreifen und Helmvisieren zu müde wirkten, um sich noch über Sith zu wundern. In einer benachbarten Bucht kreischte ein Schneidbrenner, blauweiß und grell, während irgendwo weiter hinten eine Stimme Zahlen und Freigabecodes durchgab. Über allem hing das Hallen der Hangardecke, das jedes Geräusch vergrößerte und ihm den Geschmack von Befehl verlieh.

Ein imperiales Transportschiff, dass erstaunlich viele Rundungen für die sonst so zackige Bildsprache des Galaktischen Imperiums hatte, wartete bereits. Er hörte wie zwei Techniker neben dem Schiff die Bezeichnung dieser Gattung fallen ließen. LAAT/i.
Teneb hatte die Bezeichnung aus Holodramen über galaktische Kriege gehört, ehe er die Maschine bewusst musterte. Ein Transporter, gebaut, um Männer und Gewalt in eine Zielzone zu tragen und dort auszuspucken, bevor der Himmel sie fressen konnte. Das Schiff besaß nichts von der düsteren Geschlossenheit der Fury, nichts von einem Zufluchtsort. Seine offenen Seitentüren wirkten wie Wunden, aus denen Wind, Lärm und Tod zugleich hereinfinden durften. Die Innenflächen waren verkratzt, stellenweise neu verschweißt, an den Griffen abgegriffen, auf dem Boden dunkel gescheuert von Stiefeln, Ausrüstungskisten und vielleicht älterem Blut, das unter Reinigungsmitteln nur seine Farbe verloren hatte. Sikarius nahm diesen Anblick an wie eine Einladung während sein Schüler ihn wie ein Risiko annahm. Seinem Meister folgend stieg der Umbaraner ohne zu zögern ein, suchte sich einen Platz, zog den Gurt fest und ließ die Schnalle mit einem harten Klicken einrasten. Der Riemen drückte gegen Robe und Brust, und für einen Augenblick spürte er wieder den Schmerz der letzten Tage in Körperstellen, die noch nicht ganz vergessen hatten, was Artek III mit ihnen gemacht hatte. Sikarius blieb bei der offenen Seitentür stehen, als sei Sicherung etwas für Leute mit einem übertriebenen Vertrauen in die Zukunft. Teneb sah es und sagte nichts. Sein Meister brauchte den Wind, die Höhe, die offene Gefahr vermutlich so, wie andere Männer einen Becher Wasser brauchten. Vielleicht musste er sich selbst immer wieder beweisen, dass kein Abgrund ihn besitzen durfte.

Die Triebwerke schwollen an und der Hangar begann zu zittern. Stimmen wurden von Maschinen verschlungen, Leuchten sprangen auf Grün, irgendwo schlug eine Faust zweimal gegen eine Außenplatte, und dann hob das LAAT/i ab. Die Basis sank unter ihnen zurück, erst als Struktur aus Landebuchten, Geschützen, Antennen und gepanzerten Wegen, dann als kantiger Fremdkörper in der öden Landschaft N’zoths. Zwei TIE-Jäger nahmen an ihren Flanken Position ein, kreischende Schatten mit runden Sichtfenstern und solarpanelartigen Flügeln, so dicht, dass Teneb beim Blick zur Seite die Silhouette eines Piloten hinter transparenter Panzerung erahnen konnte. Das Heulen ihrer Ionentriebwerke schnitt durch das tiefere Brummen des Transporters und machte jeden Gedanken rauer. Der Flug führte sie hinaus über Land, das aussah, als habe der Planet selbst jede weichere Form längst abgestoßen. Felsadern zogen sich durch braune Ebenen. Staub hing in langen Schleiern über Senken. Zerklüftete Hänge warfen Schatten wie aufgerissene Narben. Es gab kaum Grün, kaum etwas, das den Blick hielt, außer der beständigen Wiederholung von Stein, trockenem Boden und scharfen Kanten. Teneb saß angeschnallt im Bauch des LAAT/i und sah durch die offene Seite hinaus, so gut es seine Position erlaubte, während der Wind in den Innenraum schlug und an seiner Kapuze zerrte.
Seine noch zu trainierenden Machtsinne spürten die Veränderung deutlich. Die Macht war hier anders als auf Artek III. Dort hatte sie in Ruinen geflüstert, sich mit Regen, Moos und Knochen vermischt, hatte durch Tempelrisse geatmet und alte Gier in die Dunkelheit gemalt. Über N’zoth war sie spröder, härter, wie Staub zwischen den Zähnen. Unter ihnen lagen Leben und Angst nicht verborgen, eher verteilt wie Glut unter Asche. Kleine, verstreute Siedlungen und Posten, Fahrzeuge, vereinzelte Patrouillen sowie Reste von Widerstand.
Teneb ließ seine Wahrnehmung nicht zu weit schweifen. Ein fliegender Transporter, Lärm, Geschwindigkeit, fremde Auren, offener Himmel; all das verzerrte die Fäden. Zu gierig zu tasten bedeutete, sich in Eindrücken zu verfangen, die man in einem Notfall nicht rechtzeitig loswurde.

Sikarius drehte sich irgendwann zu ihm um und grinste. Teneb sah das Grinsen, sah die offene Seitentür, sah die Robe seines Meisters im Wind flattern und begriff ohne Worte, was der Blick sagen sollte. Braver kleiner Schüler. Angeschnallt und sitzend. Vorsichtig. Wieder dieser stumme Spott, diese Lust daran, jeden Hauch von Selbsterhaltung als Schwäche zu behandeln, solange er nicht aus Sikarius selbst kam. Teneb erwiderte nichts, wollte ihm keine Genugtuung schenken. Die Gurte um seinen Körper waren keine Schande. Wer überleben wollte, musste nicht jedem Abgrund beweisen, dass er keine Angst vor ihm hatte. Außerdem war der Abgrund geduldig.
Unter ihnen öffnete sich schließlich eine breite Schlucht, so unvermittelt, als habe eine gewaltige Klinge den Boden gespalten und jemand habe später Häuser in die Wunde gestellt. Reject Alley. Der Name war
Teneb bereits aus den Missionsdaten begegnet, und in ihm lag jene beleidigende Direktheit, die oft dort entstand, wo Sieger oder Verwalter einem Ort einen Sinn aufzwingen wollten. Eine Siedlung der Ausgestoßenen, offiziell befriedet, inoffiziell rauchend. Gedrungene Gebäude drängten sich zwischen Felswände, kantig, zweckmäßig, stellenweise notdürftig erweitert, als hätten ihre Bewohner nie mit Raum rechnen dürfen. Schwarze Rauchschwaden stiegen an mehreren Punkten auf und zogen in langen Fahnen durch die Schlucht, vom Wind zerfasert, wieder gesammelt, erneut zerrissen.
Tenebs Blick verengte sich unter der Kapuze. Etwas stimmte nicht. Zunächst war es kein Bild, kein Geräusch, keine klar erkennbare Bewegung. Nur eine Spannung in der Macht, ein plötzliches Zusammenziehen jener feinen Fäden, die er an die Umgebung gelegt hatte. Dann drehte einer der TIE-Jäger ab. Nicht wie bei einer geplanten Kurskorrektur. Zu scharf. Zu schnell. Der zweite folgte. Ihre Schreie veränderten sich, wurden steiler, aggressiver, und im nächsten Augenblick sah Teneb sie in einiger Entfernung um ein drittes Flugobjekt kreisen, das sich aus Himmel, Felsfarbe und Bewegung gelöst hatte wie ein Raubinsekt aus Tarnung.
Rotes und grünes Feuer zerschnitt die Luft. Der erste TIE explodierte.
Das Licht war grell, kurz und hässlich schön, eine aufplatzende Blume aus Plasma, Metall und ionisiertem Gas. Einen Herzschlag später zerbarst der zweite. Trümmer zogen brennende Linien durch den Himmel. Der Transporter vibrierte härter. Im Innenraum rief jemand etwas, doch der Wind und das Dröhnen der Triebwerke rissen die Worte auseinander, bevor sie Bedeutung erreichten. Tenebs Hände griffen unter den Ärmeln nach den Gurten.
Die fremde Maschine kam auf sie zu. Grob dreieckig, mit insektenhaftem Cockpit, finnenbewehrt, hässlich und zielstrebig, kein eleganter Jäger imperialer Doktrin, eher eine Waffe, die sich mit kalter Sturheit an ein Ziel heftete.
Teneb spürte die Gefahr im selben Augenblick, in dem die Macht sie ihm in den Schädel schlug. Ein kurzer, brutaler Druck hinter den Augen, als würde eine unsichtbare Hand seinen Kopf nach vorn reißen.
Sikarius sprang. Für einen absurden Augenblick sah Teneb seinen Meister im offenen Flugwind, eine graue, flatternde Gestalt, die sich aus dem Transporter stieß, als habe er den Sturz persönlich beleidigen wollen. Dann kamen die Blasterschüsse.
Rotglühende Salven rissen durch die Stelle, an der sein Sith Meister eben noch gestanden hatte, fraßen sich durch Luft, Metall und Struktur. Der LAAT/i bekam den Treffer wie ein Tier, dem man seitlich einen Speer in die Rippen jagte. Irgendetwas im Antriebsbereich explodierte. Der Transporter ruckte zur Seite, kippte, fing sich halb, verlor wieder an Höhe. Ein Alarm begann zu kreischen, die sein Schreien übertönten. Gelbe und rote Anzeigen flackerten. Der Geruch von verbranntem Isoliermaterial und heißem Kühlmittel schlug durch den Innenraum.

Mit Druck und Kraft wurde der Umbaraner gegen den Gurt gerissen. Schmerz schoss über sein Schlüsselbein, durch Brust und Bauch, dorthin, wo der Riemen ihn hielt, während die Welt um ihn aus Winkeln, Metall und Lärm zerbrach. Sein Kopf schlug gegen die Seitenwand. Weißes Licht platzte hinter seinen Augen auf. Er hörte
Sikarius’ Schrei irgendwo draußen, zumindest bildete er es sich ein, fortgerissen vom Wind, ein einziges vulgäres Wort, das in der Höhe zerriss. Dann war da nur noch der Sturz.
Der Pilot kämpfte mit der Maschine.
Teneb konnte es fühlen, mehr als sehen. Panik in einem Körper, der noch funktionierte, Hände an Kontrollen, Fußpedale, Schalter, Routinen, die gegen den Tod arbeiteten. Der LAAT/i taumelte über die Schlucht hinweg oder in sie hinein. Der Schüler verlor die Orientierung. Felswände schossen durch sein Sichtfeld. Rauch. Himmel. Boden. Himmel wieder. Ein Soldat, dessen Anonymität durch den Helm bewahrt wurde, wurde aus dem gegenüberliegenden Sitz gerissen, weil ein Gurt gerissen oder nie richtig geschlossen gewesen war. Der Körper schlug gegen die Innenstrebe, verschwand halb aus Tenebs Blick. Ausrüstungskisten brachen los und verwandelten sich in schwere, kantige Geschosse. Eine davon traf einen Helm mit einem Geräusch, das Teneb trotz allem hörte.

Er wollte die Macht greifen, um einen Teil der Trümmer abzulenken, sich selbst zu verankern, irgendetwas Festes in diesem fallenden Durcheinander zu finden. Doch die Macht war kein Haltegriff, den man mit panischem Willen aus der Wand zog. Sie antwortete, aber verzerrt, zerschnitten von Schmerz, Geschwindigkeit, Lärm und dem instinktiven Tier in ihm, das nur noch überleben wollte.
Teneb presste die Zähne aufeinander, schmeckte Blut und zwang den Atem durch die Nase. Machtmut. Kontrolle. Der Körper wollte schreien, doch er verbot es ihm einem strengen Zuchtmeister gleich.
Die nächste Salve traf sie nicht direkt, oder vielleicht war sie bereits vorüber. Der Jäger zog vorbei, ein Schatten aus Kanten und Feuer. Der LAAT/i sank nun schneller, schräg, von schwarzem Rauch verfolgt. Durch die offene Seite sah Teneb für einen Moment die Gebäude von Reject Alley unter ihnen, zu nah, zu schnell, Felsvorsprünge, Leitungen, Dächer, eine breite Fläche aus Staub und Geröll am Rand der Schlucht.

Dann schlugen sie auf. Der erste Aufprall war kein einzelner Schlag, viel mehr eine Kette aus Schlägen, jeder schlimmer als der vorige. Metall kreischte, folgend wurde eine Seitenwand aufgerissen. Der Boden sprang ihm mit Wucht entgegen und der Gurt schnitt in seinen Körper, als wolle er ihn halbieren. Etwas traf sein Bein, dann seine Schulter, dann den Kopf. Die Welt wurde weiß, schwarz, rot, wieder weiß. Der Transporter schlitterte, überschlug sich vielleicht,
Teneb wusste es nicht mehr. Er wusste nur, dass alles Gewicht verlor, wiederkehrte, ihn zermalmte, ihn losließ, ihn erneut packte. Die Macht flackerte um ihn wie eine Laterne im Sturm.
Dann riss Stille ein. Eine verletzte Stille, voll von fernen Schreien, knackendem Metall, zischenden Leitungen, knisterndem Feuer und dem hohen, dünnen Pfeifen in seinen Ohren. Doch nach dem Brüllen des Sturzes wirkte sie beinahe leer.
Teneb wusste nicht, wie lange er fort gewesen war.
Als er erwachte, hing er schräg in seinem Sitz, halb von den Gurten gehalten, halb gegen eine verbogene Strebe gedrückt. Der Innenraum des LAAT/i war zu einem verzerrten Bauch aus Rauch, Schatten und gebrochenem Durastahl geworden. Eine der offenen Seitentüren existierte nicht mehr. Dort klaffte ein gezackter Riss, durch den fahles Licht, Staub und der Geruch verbrannter Erde hereinströmten. Irgendwo tropfte Flüssigkeit auf heißes Metall und verdampfte mit leisem Zischen. Ein Feuer brannte in kurzen, gierigen Atemzügen an einer Konsole, orange und blau, gespeist von etwas, das besser nicht lange brennen sollte.

Sein erster bewusster Gedanke war kein Wort, nur Schmerz. Er lag überall. In der Brust, wo der Gurt ihn gehalten hatte. An der Schläfe, wo warmes Blut unter die Kapuze lief. Im linken Bein, dumpf und schwer, als habe jemand einen Stein in den Knochen gelegt. In den Rippen, die bei jedem Atemzug protestierten. Teneb öffnete die Augen weiter und bereute es sofort, als Licht, Rauch und Bewegung in seine Wahrnehmung stachen. Er blinzelte, atmete flach, zwang die Übelkeit hinunter und lauschte. Ein Mann stöhnte, ein anderer war still auf eine Weise, die keine Ruhe war.
Teneb bewegte zwei Finger. Gut. Dann probierte er die Hand zu bewegen. Auch gut. Schließlich den ganzen Arm. Nichts fehlte. Das war ein Anfang. Die Schnalle des Gurtes klemmte. Er tastete danach, fand sie, drückte, zog, fluchte stumm, weil seine Stimme im Hals hängen blieb. Beim zweiten Versuch löste sie sich. Sein Körper fiel einen halben Schritt, nicht weit, doch weit genug, um ihm einen schwarzen Rand ins Sichtfeld zu treiben. Er schlug mit Schulter und Knie gegen den schiefen Boden des Wracks und blieb einen Atemzug lang liegen, die Stirn auf kaltem, rußverschmiertem Metall.

Durch den Riss in der Hülle sah er N’zoths Himmel, staubig und blass, und darüber eine dünne Rauchspur, die sich langsam verzog. Fels ragte nahe auf. Zu nahe. Sie waren am Rand der Schlucht oder in einem flacheren Ausläufer davon niedergegangen, vielleicht auf einer Geröllfläche oberhalb der gedrungenen Gebäude von Reject Alley. Schwarzer Rauch stieg vom Wrack auf und mischte sich mit den weiter entfernten Fahnen aus der Siedlung. Der Transporter lag schief, halb in Staub gegraben, die Nase zertrümmert, ein Flügel oder Ausleger abgerissen, der hinter ihnen wie ein gebrochener Knochen aus dem Geröll ragte. Der Droide? Er sah ihn zumindest nicht.
Sikarius war nicht im Wrack.
Teneb wusste es, bevor er nach ihm suchte. Die Pestilenz seiner Aura verdarb nicht die Atmosphäre um ihn herum. Sein Meister war gefallen, irgendwo draußen, getrennt von ihnen, vielleicht lebendig, vielleicht im Staub zerschlagen, vielleicht bereits wieder auf den Beinen und wütend genug, um dem Boden selbst die Schuld zu geben. Tenebs erster Impuls war weder Sorge noch Erleichterung. Beide Optionen hatten ihre... Vorzüge. Es war eher eine kalte, scharfe Leere, in der tausend Möglichkeiten Platz fanden.

Dann spürte er Bewegung. Auren. Mehrere. Gedämpft durch Schmerz und Rauch, aber näherkommend. Einige schwach, vielleicht Überlebende. Andere klarer, härter, zielgerichteter. Teneb blieb auf einem Knie, die Hand auf dem Boden, die andere langsam zur Waffe tastend. Kal Fraans Lichtschwert war noch da. Der Griff fand seine Finger, kühl, vertraut und fremd zugleich. Die Yevethaner hatten Wind gesät, dachte er durch den Schmerz hindurch, während irgendwo im Wrack eine Leitung platzte und Funken über den Boden sprangen. Nun würde jeder sehen, wer den Sturm überlebte.


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Mit zusammengebissenen Zähen verfolgte Leto wie der Feindjäger sich nicht damit zufrieden gab das LAAT/i abgeschossen zu haben. Nein, die Drecksmühle setzte zu einem zweiten Angriff an. Im Fallen versuchte Leto Kraft seiner Gedanken nach dem Jäger zu greifen, doch das Ding im vollen Flug zu erwischen überstieg selbst seine Fähigkeiten. Machtlos musste er also zusehen wie das Transportschiff einen weiteren Treffer einsteckte und noch steiler zu sinken begann.

Ein drittes Mal setzte das dreieckige Mistding zum Angriff an, doch diesmal kündigte das charakteristische Heulen von TIEs Verstärkung an. Der Jäger drehte ab, doch mehr sah Leto nicht, da er in diesem Moment außer Sichtweite fiel.

Hart schlug sein Torso auf einer Dachkante auf, doch seine Beine fielen weiter. Der Krieger überschlug sich und knallte dann mit einem dumpfen Geräusch auf den harten Boden.

Natürlich war ihm gelungen den Sturz mit der Macht abzufedern, dennoch trieb er ihm sämtliche Luft aus seinen Lungen und füllte die Luft mit Staub. Stöhnend wälzte er sich auf den Rücken, blieb liegen.

Erst dann rappelte er sich auf und sah sich um.

Gelandet war er in einer Seitengasse von Reject Alley. Um sich herum spürte er vielerlei Auren, doch schien niemand besonders große Lust darauf zu haben nachzuforschen, was genau da eben auf ihrem Haus gelandet war. Am Himmel sah er die dunkle Rauchspur, die das LAAT/i hinterlassen hatte, doch nicht was mit ihm passiert war. Oder mit seinem Schüler.


„Ihr beschissenen Pisser“, murmelte Leto und nahm sein Scimitar zur Hand. Dann machte er einen machtverstärkten Satz und katapultierte sich auf das Dach, das ihn grade so unsanft abgewiesen hatte.

Von hier sah er immer noch nichts. Die Häuser in dieser Gegend hatten keine einheitliche Größe und stiegen zu den Seitenwänden der Schlucht, sowie in Richtung des Shuttles an. Immerhin sah er nun den Ursprung der Rauchwolke klarer, wo das Ding runtergegangen war. Erneut sprang er, landete auf dem nächsten Haus. In kurzen Sätzen arbeitete er sich voran, immer wieder seinen Geist nach dem Schüler ausstreckend.

Er hatte nicht gespürt, dass der Junge gestorben wäre, dennoch konnte er ihn unter den tausenden Auren der Stadt nicht ausmachen. Verdammt noch eins. Und noch immer war er viel zu weit von dem Einschlagsort entfernt!

Kurz entschlossen hangelte Leto sich an einem Metallaufbau empor. Die weiten Streben des Mastes hatte früher einmal irgendeinem zivilen Zweck gedient, waren seither jedoch von irgendetwas getroffen worden, das das obere Drittel schlicht geschmolzen hatte.

Behände arbeitete er sich in die Höhe und war schließlich weit genug, dass er einen Blick auf die Absturzstelle erhaschen konnte. Das LAAT/i schien weitgehend intakt zu sein – die Passagierkabine zumindest. Dicker, schwarzer Qualm stieg in den Himmel, doch konnte er keine Flammen erkennen.

Grade wollte Leto schon wieder hinabsteigen, als er Bewegungen auf dem freien Feld um das Wrack herum wahrnahm. Er hatte kein Fernglas, doch konnte er die skeletthaften Formen der Yevethaner drei Klicks gegen den Wind riechen. Offenbar wollte man beenden, was man angefangen hatte.


„F*ck“, fluchte Leto. Auch wenn er sich beeilte, würde er ein paar Minuten brauchen, um zur Absturzstelle zu gelangen. „F*CK!“, rief er einen Moment später, als er einer Eingebung folgend sein Scimitar schwang und damit einen Blasterbolzen davon abhielt ihm selbst die Rübe wegzufetzen. Den beschissenen Schützen sah er auf dem nächsten Dach, wie er grade erneut sein Gewehr auf Leto richtete.

„Du willst es also wissen? Na, dann komm her!“, fauchte Leto und warf sich, Schwert erhoben, von seinem Turm.


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Mitleid und Erbarmen waren zwei Freudenmädchen, die ihren Preis zwar mit Verzögerung verlangten, dafür jedoch einen umso höheren Preis einforderten. Häte er doch nur den Überlebenden schnell von ihrem Leid erlöst um seine eigene Position nicht mit weiterer Aufmerksamkeit durch die Fremden zu segnen. Ein Überlebender stöhne erneut hörbar auf. Nichts wie weg hier, wollte er doch mit den herannahenden Auren keine Bekanntschaft schließen. Er kroch durch den zerbrochenen Bauch des LAAT/i, grau und schwarz, von kleinen orangefarbenen Zungen durchstochen, wo Feuer an Isolierung, Stoff und ausgelaufenem Kühlmittel fraß. Das Wrack lag schräg, die Nase zerquetscht, eine Seite aufgerissen, der Boden zu einer geneigten Fläche geworden, über die lose Ausrüstung, Hülsen, Splitter und Blut in trägen Bahnen gerutscht waren. Irgendwo zischte eine beschädigte Leitung mit dem dünnen, bösen Geräusch eines Tieres, dem man den Hals geöffnet hatte. Ein Helm lag vor Teneb Dask, das Visier geborsten, innen beschlagen von einem Atem, der aufgehört hatte. Daneben eine Hand, noch im schwarzen Handschuh, die nach einem Haltegriff griff, den es an dieser Stelle gar nicht mehr gab.

Der Laut kam von weiter vorn, aus dem Bereich der zertrümmerten Pilotenkabine oder aus dem, was der Aufprall davon übriggelassen hatte. Ein Mensch, vermutlich. Lebendig genug, um Schmerz zu haben. Tot genug, um bald ruhiger zu werden.
Teneb hob den Kopf und sah durch den gezackten Riss in der Hülle hinaus. N’zoth lag draußen in fahlem Staub, braun, hart, erbarmungslos wach. Fels ragte nah auf, aufgerissen und scharfkantig, als habe der Absturz sie an den Rand einer Wunde geschleudert, die der Planet längst in sich getragen hatte. Weiter unterhalb lag Reject Alley in der Schlucht, gedrungen, rauchend, schmutzig ineinander verkeilt, eine Siedlung aus Scham, Zwang und dem Überleben jener, die irgendwo ausgestoßen worden waren.

Teneb sah sie zwischen den Gebäuden, in dünnen Säulen, die sich am Wind rieben. Gefechte, doch blieb keine Zeit seine Position näher zu bestimmen. Die Auren näherten sich vom Fels her, sechs, vielleicht sieben, schwer sauber zu zählen durch Schmerz, Rauch und den Nachhall des Aufpralls. Keine Sturmtruppen, keine disziplinierten Flammen hinter Plastoid, keine Angst, die gelernt hatte, unter Befehl Haltung anzunehmen. Diese Präsenzen waren härter, heller an den Rändern, scharf von Hass durchzogen und in sich auf eine Weise geschlossen, die Teneb sofort unangenehm berührte. Da war kein Zweifel, kein Zögern, kaum Neugier. Nur Jagd, Reinheit und Blut. Yevethaner.
Sein Griff um das Lichtschwert wurde fester. Für einen kurzen, dummen Augenblick wollte der Schmerz ihn zu etwas Einfachem verführen. Aufstehen. Klinge zünden. Töten, was durch den Rauch kam. Der Pfad, den auch
Darth Sikarius gehen würde. Den Körper mit Zorn füllen, bis er vergäße, dass Rippen, Bein und Schädel protestierten. Doch dieser Gedanke starb, sobald Teneb die Bewegungen draußen hörte. Mehrere Schritte auf Geröll. Ein raues, kehlendes Rufen. Das Klacken von Waffen. Und darunter ein anderer Laut, feuchter, leiser, organischer... das Ausfahren von Klingen aus lebendem Fleisch.
Teneb löste langsam die Finger vom Lichtschwert. Er ließ die Macht in sich sinken, tiefer, weg vom lodernden Rand des Schmerzes, hinab in jenen kalten Schacht, in dem Körperkontrolle ein dünner Faden über einem Abgrund war. SeinAtem wurde flacher, das Zittern in der Hand hörte almählich auf. Er zog die Kapuze noch tiefer, verschmierte Blut und Ruß über die helle Haut seines Gesichts und ließ sich seitlich zwischen zwei verbogene Sitzreihen sinken, dorthin, wo ein toter Sturmtruppler halb aus seinem Gurt hing. Mit einer kleinen Bewegung der Macht zog
Teneb dessen Körper schwerer gegen sich, genug, dass weiße Panzerung, Rauch und Schatten ihn brachen und verdeckten. Der tote Mann roch nach Blut, Plastik, verbranntem Stoff und geplatztem Darm.

Der Umbaraner sah den ersten Yevethaner nur in Ausschnitten, als würde der Rauch sich weigern, das Wesen auf einmal freizugeben. Zu lange Gliedmaßen, blasse, harte Haut, Sehnen wie gespannte Drähte unter Fleisch, ein Schädel, der im Gegenlicht des Feuers fast aus jedem lebenden Zusammenhang herausgeschnitten wirkte. Die Augen lagen tief, dunkel und ruhig in diesem Gesicht, ohne den geringsten Versuch, in den Körpern vor sich etwas anderes zu erkennen als Abfall, der noch warm war. Er bewegte sich gebückt durch den Riss, langsam genug, um nicht gehetzt zu wirken, sicher genug, um keinen Zweifel daran zu lassen, dass Wracks, Rauch und ineinander verdrehte Leichen für ihn kein Schrecken waren. Eher vertrautes Gelände. Ein Ort, an dem man fand, was noch zuckte, und entschied, wie lange es weiterzucken durfte. In einer Hand hielt er einen Blaster. Aus dem anderen Handgelenk ragten die natürlichen Klingen, gekrümmt, feucht glänzend im Feuerlicht, als hätte sein eigener Körper längst beschlossen, wozu er geschaffen war. Zwei weitere folgten ihm lautloser, als ihre Gestalten hätten sein dürfen. Einer blieb draußen im staubigen Licht stehen. Einer lachte kehlig, als er die Toten sah, kurz und trocken, wie jemand, der in einer geöffneten Grube nach brauchbaren Resten sucht.

Ein imperialer Soldat in der Nähe der offenen Seite bewegte sich, wohl noch lebend. Der Sith Schüler hatte ihn zuvor kaum wahrgenommen, eingeklemmt zwischen einer gebrochenen Strebe und einer umgestürzten Kiste, der Helm verloren, das Gesicht grau vor Staub. Der Soldat hob eine Hand, vielleicht um den Blaster zu suchen, vielleicht um zu zeigen, dass er noch atmete. Der nächststehende Yevethaner trat ihm auf den Unterarm. Knochen brachen mit einem knappen, trockenen Geräusch. Der Schrei, der folgte, war hoch und viel zu menschlich. Die Yevethaner beugten sich über den Mann, Einer sprach Basic mit hartem, fremdem Akzent, jedes Wort wie ausgespuckter Splitter.


„Ungeziefer.“ Das Wort war beinahe liebevoll in seiner Verachtung.

Sie fragten nach der Besatzung und nach der Route. Der Soldat antwortete nicht schnell genug oder wusste zu wenig. Eine Handgelenksklinge fuhr über sein Gesicht, langsam genug, dass der Schrei Zeit bekam, Form anzunehmen. Blut lief über seine Wange, tropfte auf den Boden des Wracks, mischte sich mit Kühlmittel und Staub. Der Yevethaner, der ihn hielt, lachte leise. Ein anderer stieß die Klinge unter die Kante seiner Brustpanzerung und hebelte, als öffne er eine beschädigte Wartungsklappe. Der Soldat bettelte schließlich. Das machte es schlimmer. Sie ließen ihn leben, damit sein Schmerz länger Geräusch blieb.
Der Soldat schrie erneut, als sein Peiniger die Klinge tiefer führte. Der Schrei füllte das Wrack. Er deckte Tenebs erste echte Bewegung.
Mit zwei Fingern zog er den Blaster des toten Sturmtrupplers aus dessen Halfter. Nicht zu sich. Das wäre sichtbar gewesen. Er ließ ihn nur ein paar Zentimeter über den Boden gleiten, unter zerbrochene Panzerplatten, durch Ruß und Glassplitter, bis er nahe bei der Pfütze lag. Dann ließ er den Lauf langsam drehen, Stück um Stück, während die Yevethaner hinter der Kanzel den Piloten fanden.

Der Pilot lebte noch. Teneb sah ihn nicht, aber hörte das feuchte, erstickte Geräusch, als jemand den deformierten Rahmen beiseite riss und den Mann aus seinem Sitz zerrte. Das Stöhnen wurde zu einem keuchenden Laut, dann zu Worten. Der Pilot versuchte zu melden, zu warnen, irgendetwas. Ein Yevethaner schlug ihn. Ein anderer sagte wieder „Vermin“, diesmal mit einer Freude, die Tenebs Magen enger werden ließ. Die Waffe lag nun richtig. Teneb schloss die Augen halb, ein dünner Druck in der Macht legte sich um den Abzug. Er wartete, bis zwei Yevethaner nahe genug standen. Wartete, bis der dritte sich beugte. Wartete, bis das Feuer an der Konsole stärker wurde und der Rauch einen dunkleren Vorhang zog. Wartete, bis der gefangene Soldat einen letzten, langen Schrei ausstieß, weil sein Peiniger wohl etwas gefunden hatte, das er für nützlich hielt. Dann drückte Teneb ab und das komprimierte Tibanna-Gas fuhr nicht auf einen Körper zu, traf nur die Pfütze.
Für einen Herzschlag geschah fast nichts. Nur ein weißes Aufleuchten, ein zischender Atem, als würde das Wrack erschrocken Luft holen. Dann entzündete sich das ausgelaufene Gemisch. Flammen sprangen flach über den Boden, fraßen sich unter Verkleidungen und Sitzstreben entlang, erreichten die beschädigte Leitung, die seit
Tenebs Erwachen gezischt hatte. Die Explosion war klein im Vergleich zum Absturz, aber in dem engen Bauch des Wracks wurde sie zu einer Faust. Feuer, Splitter und Druck schlugen zwei Yevethaner von den Beinen. Einer prallte gegen eine verbogene Strebe, der Kopf in einem Winkel verdreht, der selbst seiner Spezies kaum guttat. Der andere schrie, als Flammen über seine Beine und den Unterleib liefen. Der dritte reagierte schneller, als Teneb gehofft hatte. Er sprang seitwärts, rollte über die Schulter, kam mit ausgefahrener Klinge hoch und schoss blind in die Rauchwand. Ein roter Bolzen fraß sich durch den toten Sturmtruppler über Teneb und riss dessen Panzerung auf. Hitze strich an Tenebs Wange vorbei. Der nächste Schuss hätte ihn getroffen. Der Umbaraner ließ den Toten los und warf ihn mit einem groben Stoß der Macht nach vorn. Der Körper krachte gegen den Yevethaner, brachte ihn nur einen halben Schritt aus dem Gleichgewicht, mehr brauchte Teneb auch nicht. Er kroch seitlich unter den Sitzresten hervor, zog dabei Kal Fraans Lichtschwert, aktivierte die Klinge erst im letzten Moment. Blaues Licht brach durch Rauch und Feuer, grell, kalt, fast falsch in diesem Bauch aus Ruß und sterbenden Männern. Kein großer Schwung. Kein Duell. Nur ein kurzer, aufsteigender Schnitt gegen das Bein des Yevethaners, dort, wo Bewegung endete, wenn man Sehnen und Gelenk verbrannte.

Das Wesen ging auf ein Knie. Es schrie nicht vor Schmeru, fauchte vor Wut und nutzte seine Handgelenksklinge.
Teneb war zu langsam. Die Spitze ritzte seine Schulter, glitt über Stoff, Haut und Fleisch, flach, aber heiß genug, dass der Schmerz wie ein weißer Faden durch seinen Arm schoss. Er stolperte zurück, stieß gegen eine Sitzstrebe, bekam kaum Luft. Der Yevethaner war auf einem Bein noch gefährlich. Mehr als gefährlich. Seine Augen fanden Tenebs Gesicht unter der Kapuze, fanden die bleiche Haut, die Klinge, das Symbol in seiner Hand. Für den ersten Moment lag kein Erkennen darin. Dann veränderte sich etwas. Hass. Ein anderer, tieferer Hass. Der Yevethaner stieß ein Wort aus, hart, fremd, vielleicht ein Name, vielleicht eine Beleidigung. Draußen rief der Yevethaner, der Wache hielt. Weitere Schritte auf Geröll. Zu viele. Teneb ließ die Klinge erlöschen und suchte in deiner Dunkelheit Schutz.

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Der Yevethaner schrie, als Leto auf ihn zuschoss.

Nicht aus Angst oder Schock. Das hässliche Aliengesicht war zu einer fanatischen Fratze verzerrt, wie Leto sie schon an so vielen seiner Art gesehen hatte. Es war, als wäre er nie fortgewesen.

Das Ding hatte grade genug Zeit, sein Blastergewehr fallenzulassen und die Armklingen auszufahren, dann war Leto auch schon bei ihm. Mit der Macht riss er kurzerhand die nach ihm stechenden Arme beiseite und versenkte den Sporn seines Scimitars mit aller Gewalt in der Brust der Kreatur.

Ein weiterer Schrei entrang sich dem Mund des Xenos, der jedoch rasch in ein ersticktes Gurgeln absackte, als seine Glieder unkontrolliert zu zucken begannen. Das Hirn verletzt, ging er zu Boden. Mit gelblichem Schaum vor dem Mund starb er nur Sekunden später.

Leto spuckte aus.
„Sag’s deinen Freunden. Papa ist zurück.“

Dann musste es auch schon weitergehen. Leto hatte gesehen, wo sein Schüler ungefähr sein musste. Gut. Zu denken, dass er noch im Wrack war, war mehr hoffen als wissen.

Aktuell war er wahrscheinlich noch am Leben, aber wie lange? Er konnte sich nicht daran erinnern, ob er dem Jungen je gesteckt hatte, dass man bei Yevethanern auf die Brust zielen musste. Sicher, Sinnesorgane und Atemwege lagen im Kopf und ein Treffer dort war mittelfristig nicht gesund. Kurzfristig konnte ein schlecht gelaunter Xeno selbst mit sauberem Loch in der Stirn noch gefährlich werden.

Leto hätte es dem Dieb ja jetzt schnell telepathisch gesteckt, doch spürte er ihn noch immer nicht über das schrille Aurensummen der Stadt hinweg. Für den Moment würde er also alleine klarkommen müssen.

Während Leto so schnell er konnte über die Dächer von Reject Alley spurtete und sprang, kündigte sich über ihm heulend die imperiale Antwort an. Im Rennen schaute er hoch und sah gleich mehrere Staffeln TIEs, schwarz gegen den blauen Himmel, über die Stadt hinwegrauschen. Er kannte sich nicht aus, doch er glaubte die schwereren, breiteren Formen ohne Kugelcockpit als Bomber identifizieren zu können.

Und tatsächlich.

Für einen Moment hielt er inne, als irgendwo hinter ihm eine Explosion ertönte. Er wandte sich um und sah grade noch, wie zwei weitere Bomber leuchtende Kugeln auf die Stadt unter ihnen abwarfen. Erst blitzte es, dann rollte der Donner über ihn hinweg. Glühende Feuerbälle blühten auf und neue Rauchschwaden reckten sich in den Himmel.

Den Yevethanern mochte es gelungen sein, ein Transportschiff samt Eskorte abzuschießen, doch würde sie der Preis teuer zu stehen kommen. Leto würde sich mit Freuden an der Vergeltungsaktion beteiligen, doch erst mal musste er jetzt seinen Schüler vor einem Armklingeneinlauf retten.

Inzwischen konnte er den Jungen auch endlich spüren. Jetzt war es nicht mehr weit.


Die haben ihr Hirn in der Brust! Ziel auf die Brust!, schickte er ihm gedanklich und hoffte, dass ihn die ganze Sache keine ernsthaften Verletzungen gekostet hatte. Es würde ja wirklich nervig sein, einen verletzten Schüler durch die Hölle N’zoths schleifen zu müssen!

Mit einem letzten, machtverstärkten Sprung ließ Leto endlich das letzte Haus hinter sich. Vor ihm lag der zerschmetterte Transporter im Dreck, eine weitere Quelle beißenden Rauches. Er spürte den Dieb nun direkt vor sich, irgendwo in dem Schiff. Genau wie die Auren einiger Yevethaner.


„Hey, ihr Pisser!“, rief Leto, während er auf dem flachen Grund zum Spurt ansetzte. „Macht euer letztes Gebet!“


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Die Dunkelheit war sein Verbündeter aber kein Schild. Sie hielt keine Blasterbolzen auf, bog keine Klingen beiseite, schloss keine Wunden und gab einem gebrochenen Körper keine Kraft zurück. Doch die Dunkelheit konnte einen Herzschlag kaufen, manchmal zwei, und in einem Wrack voller Rauch, Feuer, geknickter Streben und sterbender Geräusche war ein Herzschlag mehr als genug, wenn man ihn nicht verschwendete.
Er lag halb geduckt zwischen den zertrümmerten Sitzreihen, die Schulter warm von dem oberflächlichen Schnitt, die Seite brennend von einer Prellung, die Rippen beleidigt vom Gurt und vom Aufprall, doch nichts in ihm war gebrochen, nichts taub, nichts verloren. Der Körper war wütend und der Körper beschwerte sich fast mehr als sein Meister. Doch in einem Punkt unterschieden sie sich grundlegend voneinander, denn sein Körper gehorchte.
Teneb Dask ließ ihn klagen und gab ihm keine Stimme. Seine Finger schlossen sich um den Griff des Lichtschwerts, dessen Klinge er eben gelöscht hatte, und für einen Moment war nur das rote Flackern kleiner Feuer da, der graue Qualm, das Hecheln des verwundeten Yevethaners und das näherrückende Knirschen von Schritten draußen auf Geröll.
Der Yevethaner vor ihm hatte das Verschwinden des blauen Lichts nicht mit Erleichterung aufgenommen.
Teneb konnte ihn im Dämmer des Wracks kaum sehen, nur eine gebückte Silhouette, eine Hand am Boden, das verletzte Bein ungelenk zur Seite, die andere Hand mit ausgefahrener Klinge leicht erhoben. Doch in der Macht war er klarer als im Rauch. Ein zusammengezogener Hass, hart, wach, hässlich lebendig. Das Wesen war verletzt und dadurch nicht schwächer geworden, nur enger. Konzentrierter. Wie eine Falle, die bereits zugeschnappt hatte und trotzdem noch Zähne zeigte.
Tenebs erster Schnitt hatte sein Bein getroffen, weil Beine Bewegung bedeuteten und Bewegung den Tod zu ihm gebracht hätte.

Falsch war es nicht gewesen, nur unzureichend. Dann traf ihn die Stimme seines Meisters aus dem Äther.
Sikarius fuhr in seine Wahrnehmung wie ein rostiger Haken durch dünnes Fleisch, grob und heiß, bar jeder Rücksicht auf Form oder Feinheit, für die der Sith sowieso nicht bekannt war.

[Die haben ihr Hirn in der Brust! Ziel auf die Brust!]

Der Umbaraner zuckte nicht, doch irgendwo hinter seinen Augen spannte sich etwas an. Er hasste, dass diese Stimme Erleichterung mit sich brachte. Hasste, dass ein Teil von ihm sofort ruhiger wurde, weil Sikarius lebte, näherkam und wieder einmal widerlich nützlich war. Der Meister war nicht fort. Der Meister war nicht tot und im Staub zerschlagen. Sein Meister war auf dem Weg, vermutlich wütend, vermutlich blutdurstig, vermutlich nur deshalb besorgt, weil ein beschädigter Schüler mehr Mühe machte als ein ganzer. „Mittel zum Zweck“ rief er sich in Erinnerung, was zu diesem Zeitpunkt keine Einbahnstraße mehr war.
Teneb atmete einmal flach aus. Der verwundete Yevethaner riss den Kopf leicht zur Seite. Auch er hatte etwas gespürt. Vielleicht nicht die Worte, vielleicht nur die winzige Veränderung in Tenebs Körper, den leisen Moment, in dem ein Gegner aus Unwissen eine neue Form von Wissen machte. Draußen antwortete jemand in der rauen Sprache der Yevethaner. Weitere Schatten bewegten sich am Riss der Hülle. Einer kletterte bereits hinein, Blaster zuerst, Klingen danach. Ein anderer blieb dahinter, silhouettenhaft im staubigen Licht, während irgendwo über ihnen das insektenhafte Kreischen eines Jägers durch den Himmel schnitt.

Dann kam Sikarius’ Stimme von draußen.


„Hey, ihr Pisser! Macht euer letztes Gebet!“


Sie war roh, laut, vulgär und zerriss die angespannte Vorsicht der Yevethaner wie ein Steinwurf eine Wasserfläche. Alle Auren reagierten. Teneb spürte keinen Rückzug oder gar Erschrecken, keine panische Frage nach Verstärkung. Da war nur ein jäher Umschlag von Jagd zu Gegenjagd. Der Geruch des Fremden, irgendwas musste in ihnen gezündet haben. Der Yevethaner am Riss wandte den Kopf. Der Verwundete vor Teneb fauchte und bewegte sich trotz seines Beins, als wolle er sich zwischen Licht und Schatten hindurch auf ihn werfen, bevor die größere Bedrohung draußen eintraf.
Teneb nutzte beides. Mit der linken Hand griff er in die Macht und zog an dem Blaster, den einer der Toten fallen gelassen hatte. Er ließ die Waffe unter einer zerbrochenen Sitzstrebe herumrutschen, langsam, hässlich kratzend, damit das Geräusch von rechts kam, während sein eigener Körper nach links glitt. Der neu hereinkletternde Yevethaner reagierte sofort, schnell genug, um gefährlich zu bleiben, und feuerte zweimal in die falsche Dunkelheit. Rote Bolzen rissen durch Rauch und Stoff, trafen eine tote Konsole, ließen Funken auffliegen. Der Verwundete sprang.
Für einen Herzschlag sah Teneb ihn vollständig. Blasse Haut, weit aufgerissener Mund, Klingenarm vorgestreckt, ein Körper, der trotz verbranntem Bein noch immer wie ein Messer nach vorne fand. Kein Mensch hätte aus dieser Haltung so viel Kraft geholt. Kein gewöhnlicher Soldat hätte nach diesem Treffer noch so angegriffen. Die Yevethaner waren keine bloßen Fanatiker mit Armklingen. Sie waren eine Spezies, deren Grausamkeit durch Körperbau, Kultur und Gewissheit hindurchging, bis selbst ihre Verletzungen nur eine andere Art wurden, näherzukommen.

Der Sith Schüler ließ sich fallen, sodass die Klinge über ihn hinweg fuhr und schnitt eine schwarze Spur durch seine Kapuze, nahe genug, dass Hitze und Luftzug seine Kopfhaut streiften. Gleichzeitig entzündete er die blaue Klinge des Lichtschwerts wieder. Das blaue Licht sprang unterhalb des Angriffs auf, kurz, brutal, fast verborgen von Rauch und Körpern. Er stieß nach vorn, so wie
Sikarius es ihm gesagt hatte, in die Brust. Der Widerstand war geringer, als der Hass des Wesens es versprach. Die Plasmaklinge fraß sich durch Panzerung und Fleisch. Der Yevethaner erstarrte nicht sofort. Seine Augen wurden größer, doch darin lag kein Begreifen, wie Teneb es von Menschen kannte. Eher ein wütendes Scheitern des Körpers, der noch töten wollte, während der Ort, an dem seine Befehle geboren wurden, bereits kochte. Die Handgelenksklinge zuckte weiter nach unten. Teneb riss den Kopf zur Seite. Die Spitze streifte an seiner Wange vorbei und zog nur einen dünnen, heißen Strich, kaum mehr als eine Unverschämtheit aus Fleisch. Dann brach das Gewicht über ihm zusammen. Er zog die Klinge heraus, rollte unter dem fallenden Körper weg und löschte sie wieder, bevor der volle blaue Schein den restlichen Raum verraten konnte. Der tote Yevethaner schlug schwer auf den Boden, und für einen Augenblick war das Geräusch so endgültig, dass selbst der Qualm stiller wirkte.

Der andere im Riss hatte gesehen, was gefallen war. Er feuerte nicht sofort. Klüger. Wieder einer, der nicht dumm genug war, um
Teneb die Arbeit leicht zu machen. Der Blasterlauf suchte den Bereich ab, in dem der blaue Lichtblitz gewesen war, während draußen Sikarius näherkam, ein Sturm aus Wut und schlechtem Benehmen, der die übrigen Gegner an sich zog. Teneb spürte ihren Hass von draußen wie Klingen, die sich alle in dieselbe Richtung drehten.

Teneb griff nach einem losen Helm. Ein kleiner Impuls der Macht ließ ihn auf der anderen Seite des Innenraums gegen die Wand schlagen. Der Yevethaner feuerte sofort, aber nur einmal, kontrolliert. Der Bolzen zerschmolz den Helm und warf glühende Splitter über den Boden. Der Umbaraner hatte in derselben Bewegung bereits den zuvor verschobenen Blaster ausgerichtet. Die Waffe lag halb unter einer Panzerplatte, unsichtbar hinter Rauch und totem Fleisch und war nur einen Griff in die Macht entfernt. Der Schuss traf den Eindringling in die Schulter. Der Körper wurde zur Seite gerissen, verschwand halb aus der Öffnung, fing sich sofort wieder. Der Yevethaner fauchte, und der Laut war so voller Hass, dass Teneb für einen Moment das Gefühl hatte, das Wrack selbst habe Zähne bekommen. Dann war Sikarius draußen bei ihnen
.
Ein grobes Aufreißen der Macht, als würde jemand mit beiden Händen in eine Wunde greifen und sie vergrößern. Dann Schreie. Einer yevethanisch, hart und abgehackt. Ein anderer kurz, erstickt. Metall auf Fleisch. Ein dumpfer Schlag gegen Außenhülle. Der Krieger im Riss wich instinktiv zurück, und genau darin lag Tenebs Gelegenheit. Er spürte, wie die Dunkelheit seines Meisters in zweifacher Form auf ihn zuraste. Zum einen in der Perversion des Lebens, die seine Existenz darstellte. Gleichzeitig spürte er, wie die Auren gleich Kerzen in einem Raum nach und nach erloschen.

Er zog an der beschädigten Seitenverkleidung über ihm. Beim ersten Mal hatte er sie nicht vollständig gelöst. Nun gab das Kabelbündel endgültig nach. Das Metall stöhnte, ein tiefer, reißender Laut, und die Platte stürzte schräg herab. Der Yevethaner bemerkte es, wollte zurückspringen, doch draußen drängte die Gewalt seines Meisters den Raum in die andere Richtung. Einen Augenblick lang hatte der Gegner zwei Gefahren und nur einen Körper. Dieses Zögern genügte dem Umbaraner. Die Platte traf ihn an Rücken und Nacken, drückte ihn gegen den gezackten Rand der Hülle, und sein Schrei brach in der Mitte ab. Teneb ließ das Metall nicht einfach fallen. Er hielt den Druck mit der Macht, nur kurz, nur fest genug, bis das Zucken unter der Platte schwächer wurde. Dann löste er den Griff, weil Anstrengung Verschwendung war, wenn die Schwerkraft bereits wusste, was zu tun war.
Draußen krachte etwas gegen die Erde.
Teneb atmete durch den Mund, schmeckte Ruß und verbranntes Tibanna, und zwang sich, nicht zu hastig aufzustehen. Ein Sith, der überlebt hatte, durfte den nächsten Tod nicht beleidigen, indem er annahm, er sei allein. Er tastete mit den Machtfühlern hinaus, vorsichtig durch den Riss, vorbei an Feuer, Staub, scharfem Metall und Sikarius’ säureheller Präsenz. Mehrere yevethanische Auren. Zwei schwanden bereits. Eine flackerte wild. Eine bewegte sich schnell, vielleicht auf Sikarius zu, vielleicht von ihm weg. Eine weitere blieb weiter hinten, klüger, suchend.

Teneb lächelte dünn, ohne Freude. Sie waren gefährlich. Gut. Gefährliche Gegner machten bessere Lehrer als tote Narren. Er nahm den Blaster eines gefallenen Yevethaners an sich. Die Form lag fremd in seiner Hand, kantiger als imperialer Standard, unangenehm ausbalanciert, als sei sie für eine andere Bewegung gebaut. Das Lichtschwert blieb in seiner Rechten, deaktiviert, der Griff kühl trotz der Hitze im Wrack.
Der gefallene Yevethaner erregte nochmal seine Aufmerksamkeit, sodass sich der Sith Schüler zu einem der gefallenen Krieger herabbückte und mit zwei Fingern nach einem Stück Stoff, einem Riemen, irgendeinem Zeichen an dessen Ausrüstung, das vielleicht Rang, Gruppe oder Zugehörigkeit bedeutete, griff. Er wusste nicht genug über ihre Sprache und Zeichen, noch nicht. Also nahm er, was sich nehmen ließ. Ein Fragment und ein Werkzeug für später.

Dann erst schob er sich zum gezackten Riss der Hülle. Staub schlug ihm entgegen. Hitze. Der Geruch von verbrannter Erde, aufgerissenem Metall und frischem Blut. Draußen bewegte sich Sikarius zwischen den verbliebenen Feinden wie etwas, das der Absturz nur gereizt hatte. Teneb sah die graue Gestalt, das Scimitar, die flatternde Robe, die rohe Gewalt, die sein Meister in jede Bewegung goss. Für einen Moment hätte man glauben können, Sikarius sei der Sturm, den Teneb zuvor beschworen hatte. Der Umbaraner trat aus dem Wrack, mit Ruß im Gesicht, Blut an der Wange und der toten Königswaffe an seiner Seite. Er hob den fremden Blaster, suchte durch Rauch und Staub nach der nächsten Brust und ließ die Machtfühler vor sich hergleiten wie kalte Finger über einen Opferaltar.
Die Yevethaner hatten Wind gesät und Sikarius' Blutsturm geerntet.

„Die Brust also.“ Teneb wischte sich Ruß von der Wange. „Das erklärt, warum sie so schlecht auf Argumente mit dem Kopf reagiert haben.“

Zwischen ihnen fielen keine Worte der Erleichterung. Dafür war zwischen Darth Sikarius und Teneb zu viel Schmerz aufgestapelt worden, zu viel Demütigung, Blut und Zwang. Jene hässliche Form von Lehre, die nur dort entstehen konnte, wo Rettung wie Besitz klang und Fürsorge sich in Beleidigungen einem Mummenschanz gleich verkleidete. Also blieb ihnen nur diese schartige Sprache aus Spott, Dreck und halb ausgespuckten Bemerkungen. Vielleicht war genau das, in dem verkrüppelten Verhältnis zwischen Meister und Schüler, bereits das Nächste, was sie einer Zuneigung zumuten konnten.

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Letos Schrei zog die Yevethaner um das Wrack zu sich wie Motten zum Licht. Kaum hatte er sie mit seinen Worten herausgefordert, da wandten sie sich auch schon zu ihm um. Armklingen ausgefahren, Blaster erhoben.

Noch im Rennen feuerte Leto einen Machtstoß über die trockene Ebene, der ihren Staub aufwirbelte. Die ersten Blasterschüsse flogen schon, doch er hatte in der gleichen flüssigen Bewegung einen Satz zur Seite gemacht und musste nur einen potentiellen Glückstreffer mit der flachen Seite seines Scimitars abwehren.

Hier auf N’zoth brauchte er nicht einmal Illusionen, um seinen Gegnern die Sicht zu rauben. Der Drecksplanet hasste auch seine eigene Brut genug, dass er einem Machtnutzer nur zu gerne unter die Arme griff sie auszumerzen.

Dann hatte Leto die erste Distanz überbrückt. Der Yevethaner, der wie ein Geist vor ihm aus der Wolke auftauchte, hatte grade noch die Chance seinen dreckigen, kleinen Freunden eine Warnung zuzurufen, da traf Letos Scimitarklinge auch schon auf seinen dürren Hals. Blut spritzte, als der Xeno blind nach seinem Mörder stach, doch der war bereits weitergezogen.

Den nächsten Gegner spürte er nur wenige Meter entfernt. Dem nach ihm stechenden Arm wich er mühelos aus, hieb ihn am Ellenbogen ab und pfefferte seinen Besitzer rücklings mit der Macht gegen das Shuttle. Formvollendet fing er den noch fliegenden Armstumpf mit der freien Hand. Warf ihn. Erwischte den Xeno mit seiner eigenen, noch ausgefahrenen Armklinge in der Brust. Sein Schmerzensschrei erstarb so schnell er begonnen hatte.

Der Staub hatte sich so weit gelichtet, dass die überlebenden Yevethaner plötzlich wieder ein Ziel hatten. Frische Blasterbolzen flogen, doch sie waren ebenso ineffektiv wie ihre Vorgänger. Leto sprang, duckte sich, blendete – und einer nach dem anderen fielen seine Gegner unter seiner Klinge. Er hatte sie auf dem falschen Fuß erwischt, konnte sie isolieren und einen nach dem anderen niedermachen, wie es ihm gefiel.

An sich war es kein Kampf mehr, auch wenn die Yevethaner das nicht so sahen. Sie waren mutig, das musste man ihnen lassen. Aber das änderte nichts an ihrem Schicksal.

Leto lachte laut auf, als er einem weiteren Xeno von unten den Sporn durch die Rippen trieb, die knochige Gestalt durch den Schwung seines Schlages über seinen Kopf hievte und dessen hässliches Gesicht auf der anderen Seite unangespitzt in den Boden rammte.

Ähnlich amüsierte er sich mit dem Rest, bis der Dieb schließlich aus dem Shuttle trat.

Er sah echt scheiße aus, doch für jemanden der grade einen Shuttleabsturz überlebt hatte eigentlich ganz gut. Immerhin konnte er noch Witze reißen. Leto spie einen Klumpen Dreck aus. Er hatte den Fehler gemacht seine Lippen in der Staubwolke nicht geschlossen zu halten.


„Du hast überlebt“, sagte er trocken, was jedoch nur teilweise den knirschenden Überresten zwischen seinen Zähnen geschuldet war. „Bist ja doch nicht so blöd wie du aussiehst.“

Beiläufig trat Leto mit dem Stiefel eine Armklinge entzwei, während er auf seinen Schüler zutrat.

„Wo ist der Droide?“, fragte er ihn knapp und als die Antwort unzufriedenstellend ausfiel, betrat er das Shuttle.

Wo war das blöde Ding? Zerstört konnte UX-23 nicht worden sein. Das hätte er gemerkt, nicht? Der Droide hatte selbst gesagt, dass wenn er kaputt ging, auch Leto sterben würde. Dennoch würde es echt ein Problem sein, falls die dumme Rostkugel irgendwo über der Stadt abgestürzt war. Wie fand man so ein Ding, wenn‘s abhandengekommen war? Nein, es war deutlich besser, wenn UX-23 hier war. Irgendwo zwischen rauchenden Trümmern würde er schon-

Grade hatte Leto ein verbogenes Paneel aus seinem Weg getreten, als er ihn sah.

UX-23 – oder besser, das, was von ihm übrig war – lag halb eingeklemmt unter einem zusammengeknüllten Flügelfragment. Ein Turbolaserschuss schien ihn getroffen zu haben. Vielleicht genau jener, der Leto verfehlt hatte. Der Droide sah ein bisschen aus wie ein angebissener Apfel. Die Bissränder glühten noch. Das zentrale, rote Lämpchen war erloschen, die Manipulationsarme zerrissen und verbogen. War die Maschine schon immer so klein gewesen?

Herzschläge verstrichen, als Leto einfach nur dastand und auf die zerschmetterte Kette hinabstarrte. Schall und Rauch.


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Langsam ließ der Umbaraner das Lichtschwert wieder an seinen Gürtel sinken, während das letzte Echo ihres seltsamen Wiedersehens zwischen den zerbrochenen Wänden des Transporters verging. Der Spott hatte seinen Zweck erfüllt. Sikarius lebte. Er selbst lebte. Mehr musste zwischen ihnen vorerst nicht ausgesprochen werden. Sein Meister musterte ihn nur kurz, gründlich genug, um vermutlich festzustellen, dass der Shuttleabsturz keinen nutzlosen Krüppel aus seinem Schüler gemacht hatte, dann kam bereits die nächste Frage. Wo war der Droide?
Tenebs Blick wanderte durch den aufgerissenen Bauch des LAAT/i. Zwischen den verkohlten Sitzreihen, verbogenen Streben und jenen Körpern, die der Aufprall in Haltungen gezwungen hatte, für die lebende Gelenke nie vorgesehen gewesen waren, konnte er keinen roten Photorezeptor erkennen. Während des Absturzes hatte UX-23 irgendwo hinter oder über ihm geschwebt. Danach war alles nur noch Lärm gewesen: Metall, das sich auf Metall schob, Feuer, der jähe Wechsel von Gewichtslosigkeit und brutaler Schwerkraft, der eigene Schädel gegen Durastahl. Irgendwann musste der Droide aus seinem Sichtfeld verschwunden sein. Teneb zuckte mit den Achseln.

„Ich habe ihn nach dem Einschlag nicht mehr gesehen, Meister.“

Mehr gab es dazu nicht zu sagen, die fragile Aufmerksamkeitsspanne von
Sikarius war bereits gerissen und dieser wieder unterwegs.
Teneb folgte ihm langsamer, wobei er den fremden Blaster noch in einer Hand hielt und mit der anderen über eine verbogene Strebe hinwegstieg. Sein Körper erinnerte ihn bei jedem größeren Schritt an die letzten Minuten. Die Schulter brannte dort, wo die Armklinge Stoff und Haut geöffnet hatte, die Wange pochte entlang des dünnen Schnittes, und unter den Rippen saß eine Prellung, die jeden tieferen Atemzug mit dumpfer Missbilligung quittierte. Ärgernisse. Oberflächliche Rechnungen des Fleisches. Nichts davon hinderte ihn daran, sich zu bewegen, und damit verloren sie vorerst jede weitere Bedeutung.

Das Innere des Transporters war inzwischen noch dunkler geworden. Der Rauch hatte sich unter der teilweise eingedrückten Decke gesammelt und hing dort in schweren Schichten, durch die das Feuer nur als schmutziges orangefarbenes Glimmen drang. Wo sich eben noch Yevethaner durch die Trümmer bewegt hatten, lagen nun ihre Körper zwischen denen der Imperialen. Der Tod hatte die Frontlinien auf wenige Meter zusammengeschoben und anschließend jede Uniform, jede Feindschaft und jeden Rang unter derselben Schicht aus Asche begraben. Ein ausgestreckter menschlicher Arm lag über einem blassen yevethanischen Bein. Eine zerbrochene Sturmtruppenrüstung spiegelte das matte Feuer neben einer ausgefahrenen Handgelenksklinge. Blut verschiedener Farben hatte sich in den Rillen des Bodens gesammelt und dort zu dunklen, beinahe schwarzen Schlieren vermischt.

Sikarius trat ein verbogenes Paneel aus seinem Weg, bevor er stehenblieb. Teneb bemerkte es zunächst nur daran, dass der breite Rücken seines Meisters plötzlich unbeweglich vor ihm war. Kein Fluch. Kein verächtliches Schnauben. Keine dieser kleinen Bewegungen, mit denen Sikarius selbst Ruhe in etwas Aggressives verwandelte. Einfach Stillstand.


Teneb folgte seinem Blick. Unter einem zusammengeknüllten Fragment der Tragfläche lag UX-23. Zumindest das, was der Aufprall und der Treffer von ihm übriggelassen hatten. Der Droide wirkte kleiner als zuvor. Er hatte immer etwas Aufdringliches besessen, wenn er durch Räume schwebte, ein mechanisches Auge, das seine Anwesenheit dadurch vergrößerte, dass es jedes Fehlverhalten bemerkte und jede Dummheit kommentierte. Jetzt war diese Präsenz zusammengedrückt auf einen verstümmelten Metallkörper zwischen Ruß und glühenden Trümmerkanten. Ein großer Teil der Außenhülle war fortgeschmolzen. An einer Seite hatte die Hitze eine tiefe, halbkreisförmige Kerbe aus dem Chassis gefressen, deren Ränder noch matt orange glommen und den Eindruck hinterließen, irgendein gewaltiges Tier habe in die Maschine gebissen und anschließend das Interesse verloren. Manipulatorarme lagen verdreht unter ihm, einer vollständig abgerissen, Kabelstränge ragten wie aufgerissene Sehnen aus den Bruchstellen.

Das rote Auge war dunkel. Er hatte diesen Lichtpunkt misstraut. Manchmal. Oft genug. UX-23 hatte ihn beobachtet, bewertet, korrigiert, hatte
Sikarius’ Befehle ergänzt und dessen Wahnsinn in Protokolle, Lektionen und halbwegs verwertbare Anweisungen übersetzt. Sein Blick war über Artek III hinweg zu einer Konstante geworden. Rot in Regen und Dunkelheit. Rot über dem Prachtgarten. Rot in der Fury. Rot irgendwo im Hintergrund, wenn Sikarius gerade wieder beschloss, eine pädagogische Methode müsse zwingend Schmerzen beinhalten. Andererseits war dieser rot glühende Photorezeptor das einzige gewesen, was ihm einen dünnen Firnis seines Verstandes bewahrt hatte. Dieser Droide war es gewesen, der in diesem toxischen Dreieck für ihn ein Simulacrum eines Verbündeten gewesen war, eine Stimme der Empathie soweit dies im Kontext binärer Lebewesen und der Sith einen Sinn ergab. Die Hassliebe, die er zu diesem mechanischen Wesen empfand, wühlte ihn auf. Das lebendige, urteilende Rot war gewichen. Jetzt war dort nur schwarzes Glas.
Teneb trat einen Schritt näher. Sein erster Gedanke war überraschend nüchtern. Er betrachtete Winkel, Schmelzspuren, die Lage des Wrackteils und die Beschädigungen des Droidenkörpers. Vielleicht aus alter Gewohnheit, vielleicht weil Maschinen einfacher waren als das, was er gerade in der Macht wahrnahm. Der Treffer musste gewaltig gewesen sein. Ein Teil der Panzerung hatte sich regelrecht nach innen gefaltet, andere Stellen waren glatt fortgebrannt. Teneb wusste genug über Elektronik und Systeme, um zu erkennen, dass man hier keine lose Energiezelle austauschte und anschließend auf einen Neustart hoffte. Ob Prozessor, Speicher oder irgendeine geschützte Kernkomponente tiefer im Chassis überlebt hatten, ließ sich unter diesen Umständen kaum feststellen. Dafür hätte er Werkzeug gebraucht. Zeit. Eine Werkbank. Vielleicht jemanden, der diese Baureihe besser kannte. Parameter die hier, irgendwo auf der steinigen Hölle von N'Zoth ihm nicht zur Verfügung standen.

Doch sein Blick blieb kaum beim Droiden, wanderte zu
Sikarius. Der Meister sagte nichts. Teneb kannte sein Schweigen inzwischen in einigen Varianten. Es gab das gespannte Schweigen vor Gewalt, wenn Sikarius einen Menschen ansah und in Gedanken bereits verschiedene Arten durchging, ihn zu öffnen. Es gab das beleidigte Schweigen, wenn sein Stolz getroffen worden war. Das benommene Schweigen des Alkohols. Das seltenere, gefährlichere Schweigen, wenn irgendeine Erinnerung durch die Risse seiner Persönlichkeit nach oben kroch und für einige Herzschläge Besitz von ihm nahm. Dieses hier passte zu keinem davon. Teneb ließ seine Machtfühler nur vorsichtig ausgreifen.
Er berührte die Aura seines Meisters am äußersten Rand, so zurückhaltend, wie man mit den Fingerspitzen prüfte, ob eine Klinge noch heiß war.
Sikarius’ Präsenz war da, vertraut in ihrer Zerrissenheit, ihrer Aggression, ihrem dunklen Drängen, doch etwas darin hatte sich zusammengezogen. Für den Bleichen war es unmöglich, dem Gefühl einen eindeutigen Namen zu geben. Schock vielleicht. Unglaube. Furcht. Vielleicht gar Verlust? Vielleicht auch nur die plötzliche Erkenntnis, dass eine Konstante verschwunden war, die so lange genervt hatte, bis man vergessen hatte, dass selbst Ärger Gewohnheit werden konnte. Teneb zog seine Wahrnehmung wieder zurück. Er hatte kein Recht auf diesen Moment.
Doch dann ereilte den Umbaraner die Epiphanie, ein seltsamer Gedanke, und gerade deshalb blieb er hängen.
UX-23 hatte Sikarius kontrolliert. Das war immer offensichtlich gewesen. Der Droide war Wächter, Aufpasser, Korrektiv und eine sichtbare Erinnerung daran, dass selbst Darth Sikarius irgendwo unter einer fremden Hand stand. Darth Baobhan vielleicht. Andere Sith über ihr. Regeln, Befehle, Sicherungen, deren genaue Natur Teneb noch immer nur teilweise verstand. Sikarius hatte selbst darüber gesprochen. Der Blecheimer hält meine Leine.

Nun lag die Leine zerfetzt vor seinen Füßen. Nach allem, was Teneb über seinen Meister gelernt hatte, hätte darin Triumph liegen müssen. Freiheit. Das Wort kam beinahe von selbst. Durch den Sieg zerbrachen die Ketten, doch Sikarius sah nicht aus wie ein Mann, dem gerade eine Kette vom Hals gefallen war. Teneb betrachtete ihn aus dem Schatten der Kapuze und spürte, wie sich etwas Unangenehmes in seinem eigenen Verständnis des Kodex verschob. Vielleicht konnte eine Kette so lange getragen werden, dass ihr Gewicht Teil des eigenen Gleichgewichts wurde. Vielleicht hinterließ ihre plötzliche Abwesenheit keine Leichtigkeit. Vielleicht schwankte man zuerst, weil etwas fehlte, gegen das man sein ganzes Leben gedrückt hatte.
Teneb kniete sich neben UX-23. Mit zwei Fingern berührte er vorsichtig eine unversehrte Stelle des Chassis. Das Metall war heiß. Er zog die Hand wieder zurück und betrachtete die beschädigten Sektionen. Kein Summen. Kein Klicken interner Relais. Kein schwacher Versuch eines Servos, sich zu bewegen. Selbst das feine elektrische Feld, das Maschinen mit aktiven Systemen umgab und das Teneb über Jahre zwischen Datapads, Terminals und aufgebrochenen Sicherheitssystemen unbewusst kennengelernt hatte, schien verschwunden.

„UX?“ hauchte er eine redundante Frage in das Nichts der Chassis.

Das Wort klang seltsam im zerstörten Transporter. Keine Antwort, Der Umbaraner hatte keine erwartet. Stattdessen blickte der Bleiche auf das dunkle Photorezeptorauge.
Wie oft hatte er gewünscht, dass dieses Ding endlich einmal die Klappe hielt? Der Gedanke schmeckte jetzt schaler als erwartet. Teneb erhob sich wieder.
Draußen detonierte etwas in Reject Alley. Der Blitz drang für einen Augenblick durch die offenen Wunden des LAAT/i, orangeweiß, und wenige Sekunden später rollte der dumpfe Donner durch die Schlucht. Staub rieselte von der eingedrückten Decke. Irgendwo über ihnen heulten Triebwerke. Der Krieg erinnerte sie daran, dass er keine Rücksicht auf persönliche Offenbarungen nahm.

Der Bleiche sah wieder zu seinem Meister. Er hätte einen Spruch reißen können. Normalerweise wäre das vielleicht sogar richtig gewesen. Irgendeine trockene Bemerkung über den Zustand des Droiden, über seine unverwüstliche Neigung zur Kritik, über eine Reparatur, die ihn hoffentlich endlich etwas höflicher machte. Das war inzwischen ihre Sprache geworden. Spott dort, wo andere Erleichterung sagten. Beleidigungen an Stellen, an denen normale Menschen vielleicht Sorge gezeigt hätten. Dieses Mal ließ
Teneb sie stecken. Sikarius’ Schweigen war zu selten, um es mit Worten zu beschmutzen.
Sollte
UX-23 tatsächlich fort sein, hatte Sikarius eine seiner sichtbarsten Ketten verloren. Teneb wusste noch nicht, ob das gut war. Ein Mann wie sein Meister hatte unter Kontrolle schon ganze Räume vergiftet. Ohne denjenigen, der gelegentlich an der Leine zog, konnte aus Säure etwas werden, das keinen Behälter mehr besaß. Der Gedanke ließ Tenebs Blick für einen Moment über das Scimitar, die graue Robe und den unbewegten Rücken seines Meisters gleiten.

Vielleicht dachte
Sikarius dasselbe. Vielleicht fürchtete er etwas völlig anderes. Teneb konnte Gedanken noch immer nicht riechen, und manchmal war das ein Segen. Er wandte den Blick wieder auf UX-23, auf das tote rote Auge und die halb verbrannte Hülle, während im Hintergrund das laute Motorengeräusch eines herannahenden LAAT/i immer lauter wurde, begleitet vom sägenden Kreischen einiger TIE Maschinen. Der Kodex versprach Freiheit am Ende des Sieges. Er hatte nie versprochen, dass Freiheit sich gut anfühlte.

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Leto wusste nicht, wie lange er einfach nur dagestanden hatte, sein Kopf leer wie das runde Loch in dem Chassis des Droiden.

Es waren Motorengeräusche, die ihn aus seiner Starre rissen.

Kurz sah Leto zum Eingang, dann zurück zu der Maschine, die, seit er wieder denken konnte, seinen Weg gelenkt hatte. Mit Lügen. Kurz entschlossen streckte er die Hand aus und griff mit der Macht nach dem kleinen Ding. Für einen Moment schien nichts zu passieren, dann begann der zerschmetterte Körper erst zu knirschen und sich dann zusammenzuziehen. Binnen Sekunden implodierte die Maschine, bis sie nur noch eine kleine zusammengeknüllte Kugel von der Größe einer Kinderfaust war.


„So viel dazu“, knurrte Leto, seine Stimme kaum mehr als ein heiseres Flüstern. Mit einem einzelnen klaren Scheppern fiel der verdichtete Ball zu Boden und Leto wandte sich zum Gehen. Seinen Schüler ließ er einfach links liegen. Die bleiche Vogelscheuche hatte ohnehin nichts beizutragen.

Draußen befand sich ein frisches LAAT/i bereits im Landeanflug. Dicker schwarzer Qualm stieg von Reject Alley auf – noch mehr als vorher.


„Ist alles in Ordnung bei Ihnen, Si-“, begann irgendein Sturmtruppler an Bord, nachdem das Schiff gelandet war, doch Leto stieß ihn einfach achtlos mit der Macht zur Seite. Wortlos trat er in das Schiff und nahm seine vorherige Position ein, als sei das alte Shuttle nicht vor einer halben Stunde abgeschossen worden.

Und doch hatte sich so viel geändert. Die Ketten, die ihn an diese Mission und an den Dieb banden, blieben zerschmettert hinter ihm zurück. Wenn er wollte, konnte er einfach gehen. F*ck Darth Baobhan und f*ck Gouverneur Schieß-mich-tot. Bärchen oder so. Leto war hergekommen, nicht weil er gewollt hatte. Nicht weil N’zoth so ein schön beschissenes Stückchen Galaxis war, dass es unbedingt hier sein wollte. Er konnte abhauen, sich einen frischen Winkel finden und dort verkriechen, bis er alt und grau war.

Wie beim letzten Mal.

Von N’zoth nach Korriban, dann Artek III und dort… Nein. Das war eine dumme Idee. Ketten warteten auch auf ihn, wenn er versuchte sie zu vermeiden. Was, wenn er blieb? Der Sieg zersprengte die Ketten, vielleicht verhinderte er auch, dass ihm neue angelegt werden würden? Er war hier und hatte nun schon einmal Yevethanerblut gekostet. Die kleinen Pisser eben waren schon ziemlich luschig gewesen. Das war keine ganze Stadt, die sich ihm todesmutig in den Weg gestellt hatte, das waren ein paar einzelne Idioten gewesen, die nicht wussten, wann mal Schluss ist.

Mit diesen und ähnlichen Gedanken brachte Leto den Rest des Fluges nach Werstilhere zu. Einmal angekommen hörte er mit halbem Ohr der Anweisung zu, dass direkt am nächsten Morgen die erste Mission nach Giat Nor stattfinden sollte, dann machte er sich auf den Weg zu den ihnen zugewiesenen Quartieren.

Werstilhere machte den Eindruck einer hastig errichteten Festung. Hohe Mauern, viel Betrieb. Der eine Ort auf N’zoth den das Imperium voll und ganz kontrollierte – und Yevethaner waren nicht zu sehen. Wenn es nach Leto ging hätte es so bleiben können, doch Bärchen hatte ja Ambitionen auch Orte mit Yevethanern unter seine Fuchtel zu bringen. Wie gut das funktionierte, hatte man ja in Reject Alley gesehen.

Mal schauen, wie die Xenos in der Hauptstadt drauf waren.


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Werstilhere sah aus wie ein Ort, der in zu kurzer Zeit lernen musste, Festung zu sein. Schon während das LAAT/i zwischen den hohen Mauern und hastig aufgerichteten Geschützstellungen niederging, erkannte Teneb Dask die Spuren einer Verteidigung aus Notwendigkeit entstanden war, hastig und nicht in der üblichen imperialen Penibilität. Durastahlplatten lagen auf älterem yevethanischem Mauerwerk, frisch gezogene Energieleitungen verschwanden in provisorischen Schächten, Generatoren standen unter wettergegerbten Abdeckungen auf freien Flächen, und an mehreren Stellen waren schwere Blasterstellungen so dicht zwischen Gebäude und Fels gezwängt worden, dass ihre Bedienmannschaften kaum mehr Platz besaßen als die Geschütze selbst. Scheinwerfer tasteten über Mauerkronen und Landeflächen, obwohl der Tag noch genug Licht bot, und überall bewegten sich Soldaten mit jener gereizten Geschwindigkeit, die verriet, dass jeder Weg durch einen zweiten, unsichtbaren Zeitplan bestimmt wurde. Nichts an diesem Ort wirkte endgültig. Warum auch, entweder sie würden die Yevethaner bezwingen und die Stellungen würden besser gebauten Verteidigungsanlagen weichen oder sie würden fallen und dann war es eh nicht mehr ihr Problem.

Die Landekufen berührten den Boden mit einem tiefen metallischen Stoß.
Teneb löste seinen Gurt, erhob sich und spürte dabei die Prellungen des Absturzes wie stumpfe Finger unter der Haut. Die Schulter brannte noch dort, wo die yevethanische Klinge ihn gestreift hatte, und an seiner Wange spannte ein dünner Schnitt, inzwischen halb getrocknet unter einer Kruste aus Blut und Staub. Ärgernisse. Der Körper erinnerte ihn an die letzten Stunden, ohne ihm etwas zu verweigern. Er konnte gehen. Er konnte kämpfen. Er konnte denken. Damit war genug gesagt.
Sikarius trat aus dem Transporter, als wäre der vorherige Abschuss lediglich eine schlechte Unterbrechung gewesen, und ignorierte die Fragen eines Sturmtrupplers mit derselben Selbstverständlichkeit, mit der er dieses Opfer seiner Kapriziosität wegschleuderte. Teneb folgte einige Schritte dahinter und beobachtete seinen Meister aus dem Schatten der Kapuze. Etwas fehlte. Es war erstaunlich, wie deutlich diese Abwesenheit, ja gar Leere werden konnte. Kein leises Repulsorsummen neben ihnen. Kein roter Photorezeptor, der durch Räume glitt und gleichzeitig Sikarius, Teneb und jeden verfügbaren Ausgang im Blick zu behalten schien. Keine metallische Stimme, die aus einer Beleidigung eine brauchbare Anweisung machte oder aus Sikarius’ pädagogischem Sadismus wenigstens im Nachhinein eine Lektion destillierte. UX-23 war fort und der Umbaraner war sich nicht sicher ob das nicht die eigenartige Art und Weise seines Meisters war jenen zu betrauern, den er so gehasst hat. Vielleicht war es genau das, ihm fehlte eine Reibungsfigur. Teneb konnte ihm vielleicht verbal paroli bieten, doch auch nicht langfristig. Andere Kreaturen nahm der Sith sowieso nicht ernst. Doch die binäre Lebensform? Irgendwas an ihm hatte den Sith gereizt. Vielleicht war es aber auch genau das: UX-23 hatte Sikarius einen goldenen Käfig geboten seine Kapriziösität auszuleben und hatte dafür wenig Konsequenzen tragen müssen. Jetzt? Jetzt war er auf sich allein gestellt und musste dazu noch Teneb durch die Ausbildung bringen, außer ihm würde auch ein solcher "Unfall" wie UX-23 wiederfahren. Dieser Gedanke besorgte den Bleichen zunehmend. Teneb sah Sikarius’ Rücken an und dachte an die kleine, verdichtete Kugel aus Metall, die im Wrack zurückgeblieben war. Mehr war von einer jahrelangen Kette am Ende übrig gewesen. Eine Kinderfaust aus zerquetschtem Durastahl. So viel dazu.

Werstilhere war enger, als es vom Anflug gewirkt hatte. Die Mauern hielten Feinde draußen und Geräusche drinnen. Befehle prallten von Beton und Durastahl zurück, Repulsormotoren warfen ihr Brummen zwischen den Häuserzeilen hin und her, irgendwo klapperten Kettenzüge über eine improvisierte Ladeplattform. Sturmtruppen standen an Kreuzungen oder bewegten sich in kleinen Gruppen zwischen Unterkünften, Depots und Befehlsstellen. Viele Rüstungen trugen Kratzer, ausgebesserte Brandspuren und unterschiedliche Weißtöne, weil Ersatzteile offenbar aus verschiedenen Lieferungen stammten. Auf einem freien Platz wartete eine Reihe Verwundeter vor einer medizinischen Station, einige noch in halber Rüstung, andere auf Tragen, zwei mit improvisierten Verbänden über Gesichtern, die Teneb nicht näher ansehen wollte.

Die Soldaten beobachteten Sikarius. Wieder diese kurzen, heimlichen Blicke. Ein Sith war offenbar selbst unter Imperialen kein gewöhnlicher Anblick. Teneb beobachtete zurück, nutzte dafür jedoch nicht seine Augen, sondern seine Machtfühler. Er ließ seine Wahrnehmung vorsichtig über die Menschen in seiner Nähe gleiten, kaum tiefer als die Oberfläche. Müdigkeit war überall. Gereiztheit. Angst, aufgerieben durch Routine, bis sie einen anderen Geschmack angenommen hatte. Einige Männer fürchteten einen yevethanischen Angriff. Andere fürchteten offenbar ihre eigenen Vorgesetzten mehr. Ein Offizier, der an ihnen vorbeiging, trug eine Aura wie zu fest gespannte Drähte, während er gleichzeitig ein Datapad an die Brust gepresst hielt und so tat, als habe er die beiden Sith gar nicht gesehen.
Teneb begann zu verstehen, warum das Imperium funktionierte. Die meisten Ketten waren unsichtbar, zum Teil selbst auferlegt, verziehrt und zur Schau gestellt, als sei es etwas, worauf man stolz sein konnte.
Sikarius erhielt am Rand eines größeren Kommandogebäudes die knappe Information, dass der erste Einsatz am nächsten Morgen stattfinden sollte. Giat Nor. Weitere Details würden folgen. Sein Meister hörte kaum hin, brummte etwas und ging weiter in Richtung ihrer zugewiesenen Quartiere.
Der Gang zu den Unterkünften führte durch einen älteren Teil der Siedlung. Hier lag yevethanisches Mauerwerk unter imperialen Leitungen frei. Dunkler Stein, schmale Fensteröffnungen, fremdartige Reliefs, deren Oberflächen stellenweise abgeschlagen worden waren, entweder durch Kampf oder mit Absicht. Darüber liefen frisch installierte Kabelstränge in grauen Halterungen, sauber nummeriert und mit imperialen Warnsymbolen versehen. Ein fremder Körper, dachte Teneb, in den man neue Nerven eingezogen hatte.
Vielleicht war das von Berchems Idee von Herrschaft.
Die Quartiere selbst waren karg. Zwei kleine Räume, ein schmaler Sanitärbereich, eingelassene Schränke, graue Wände, Betten mit militärisch sauber gefalteten Decken. Keine Dekoration. Keine Geschichte. Nichts, was einen Menschen länger halten sollte, als der Befehl es verlangte.

Sikarius verschwand in seinem Bereich, beachtete ihn keines weiteren Blickes, sodass der Bleiche einen Moment vor der eigenen Tür stehenblieb.
Teneb legte eine Hand an den Türrahmen seines eigenen Quartiers und spürte, wie sich etwas Unangenehmes in seinem Bauch zusammenzog.

Freiheit. Teneb trat in sein Quartier, schloss die Tür und blieb einige Atemzüge stehen und lauschte. Durch die Wand drang kein Geräusch von
Sikarius. Kein Fluchen, kein Möbelstück, das aus irgendeinem Grund die Schwerkraft wechseln musste. Teneb ließ die Macht nur vorsichtig an die Grenze des Nachbarraums gleiten und zog sie sofort wieder zurück, sobald er die vertraute, unruhige Präsenz seines Meisters berührte.
Er war da, nah und wach.
Teneb atmete langsam aus. Was immer Sikarius gerade tat, Teneb wollte nicht dabei ertappt werden, wie er in dessen Aura herumstocherte. Er legte Kal Fraans Lichtschwert auf die schmale Ablage neben dem Bett und öffnete seinen Mantel. Der Schnitt an der Schulter sah schlimmer aus, als er war. Blut hatte den Stoff verklebt, doch die Klinge war nur oberflächlich eingedrungen. Er reinigte die Wunde mit Wasser und einem kleinen medizinischen Set aus der Wandnische, biss einmal die Zähne zusammen, als das Desinfektionsmittel in den Schnitt lief, und legte einen schmalen Verband an. Danach die Wange. Die Rippen ließ er in Ruhe. Prellungen waren mit Verbänden kaum zu beeindrucken. Währenddessen dachte er an UX-23. Auf Artek III hatte es Grenzen gegeben, selbst wenn Teneb sie meist erst bemerkte, wenn er dagegenstieß. UX-23 hatte eingegriffen, sich eingemischt, wenn Sikarius zu weit ging oder seine Ausbildung in eine Richtung trieb, die aus Sicht höherer Stellen offenbar keinen Sinn mehr ergab. Jetzt gab es diese Grenze nicht mehr. Teneb betrachtete sich im kleinen Spiegel über dem Waschbecken. Blasse Haut und waren das Anflüge von dunklen Adern, die er da erkannte? Er brauchte wohl Schlaf. Gerötete Augen. Ruß in den Poren. Die Kapuze hatte eine neue Schnittspur. Unter dem Stoff wirkte er schmaler, als er sich fühlte. Er dachte an Sikarius, wie er den Droiden zusammengepresst hatte und das binnen Sekunden, bis kaum mehr als eine Kugel übrig war.

Teneb wandte den Blick vom Spiegel ab. Er hatte keine Angst vor seinem Meister. Nein. Jeder der bluten konnte, konnte besiegt werden, redete er sich ein. Die Lüge war so schlecht, dass sie ihn beinahe zum Lächeln brachte. Natürlich hatte er Angst vor Sikarius. Zudem hasste er ihn. Wer keine Angst vor diesem Mann hatte, war entweder stärker als er oder zu dumm, um lange zu leben. Teneb wollte keines von beidem vortäuschen.
Die eigentliche Frage war, was er mit dieser Angst tat. Er setzte sich auf die Bettkante, zog die Stiefel fester und blickte zur Tür. Früher hätte UX-23 ihm gesagt, was als Nächstes kam, jetzt musste
Teneb entscheiden. Vielleicht genau darin lag die erste Prüfung.
Er erhob sich. Das Lichtschwert kehrte an seinen Gürtel zurück. Darüber zog er die Robe. Die Kapuze ließ er zunächst unten. Er brauchte keine zusätzliche Aufmerksamkeit. Als er die Tür öffnete, blieb er erneut einen Moment stehen.Sikarius’ Tür war geschlossen. Der Bleiche ging zurück in Richtung des zentralen Bereichs der Festung und orientierte sich an den Beschilderungen, die er zuvor gesehen hatte. Logistik. Sanität. Operationsplanung. Kommunikation. Hangars. Er prägte sich die Wege ein. Er zählte Kreuzungen, bemerkte Treppenhäuser, sah, welche Türen durch Codeschlösser geschützt waren, welche Bereiche Wachposten besaßen und wo Versorgungsgänge hinter unscheinbaren Paneelen verschwanden. Ein alter Instinkt aus Umbara begleitete ihn. Dort hatte er als Junge gelernt, Räume zu lesen, weil Räume entschieden, wer ihn bemerkte. Auf Kijimi hatte er gelernt, Systeme zu lesen, weil Systeme manchmal Türen öffneten, wenn Menschen es nicht taten.
Werstilhere wurde langsam zu einem Muster.

Der erste Soldat, der ihn anhielt, war ein junger Unteroffizier vor einem Zugang zu einem kleineren Operationsraum.


„Dieser Bereich ist für Einsatzpersonal reserviert.“


Teneb blieb stehen. und sah den Mann stumm an. Der Unteroffizier bemerkte das Lichtschwert. Seine Haltung änderte sich kaum, aber seine Aura tat es. Teneb hätte sagen können, dass er Darth Sikarius’ Schüler war. Das wäre wahr gewesen. Er hätte sagen können, dass er morgen nach Giat Nor geschickt wurde. Auch wahr. Er hätte um Zugang bitten können. Das gefiel ihm weniger.

„Darth Sikarius möchte die aktuellen Einsatzdaten zu Giat Nor“, sagte Teneb ruhig.

Keine Lüge. Sikarius würde diese Informationen brauchen. Wahrscheinlich. Ob er diese wirklich "möchte", stand auf einem anderen Filmsiplast. Der Unteroffizier blickte kurz zur Seite.

„Hat der Lord dafür eine Freigabe vom Stab?“

Da war sie. Die Tür. Teneb wusste noch nicht, welcher Schlüssel passte, also drückte er nicht. Er legte nur zwei Finger auf den Griff von
Kal Fraans Lichtschwert, beiläufig, als müsse er kontrollieren, ob die Waffe noch dort war.

„Ich kann ihn fragen. Wie war euer Name nochmal?“

Mehr sagte er nicht. Der Unteroffizier sah auf die Waffe. Dann auf Teneb. Dann auf den Gang hinter ihm. Ein sehr kurzer innerer Kampf spielte sich in seiner Aura ab. Teneb ließ ihn gewinnen.

„Einen Moment.“

Der Mann verschwand im Raum. Teneb blieb draußen und spürte, wie sich etwas Kaltes und Angenehmes in seiner Brust ausbreitete. Er hatte nicht gedroht. Er hatte nicht gelogen. Er hatte dem Mann lediglich die Möglichkeit gegeben, sich vorzustellen, wie die Alternative aussah. Vielleicht war List genau das, andere dazu zu bringen, den gefährlichsten Teil der Lüge selbst zu erfinden.

Der Unteroffizier kehrte mit einem Datapad zurück.


„Nur die vorbereitenden Einsatzdaten. Die endgültige Operationsplanung wird morgen freigegeben.“


Teneb nahm das Gerät wie einen Preis entgegen.


„Das genügt vorerst.“

Er ging weiter. Erst zwei Korridore später erlaubte er sich ein kleines Lächeln. Der Name Sikarius war ein Schlüssel. Interessant. Wenig überraschend, aber dass es so gut klappte, hätte er nicht gedacht. Er setzte sich in einer abgelegenen Ecke des Versorgungskomplexes auf eine leere Transportkiste und öffnete die Daten.

Giat Nor. Karten erschienen, mitsamt der Straßen ,darauf eingezeichnet bekannte imperiale Vorstoßachsen. Mehrere rote Zonen, in denen mit schwerem Widerstand gerechnet wurde sowie yevethanische Kontrollpunkte und vermutete Scharfschützenpositionen. Unterirdische Versorgungswege, deren Verlauf nur teilweise bestätigt war. Teneb las langsam und suchte nicht nach dem direkten Weg.
Sikarius würde den direkten Weg finden. Er suchte nach den Stellen daneben, die er nutzen konnte. Gebäude mit mehreren Zugängen. Engstellen. Versorgungstunnel. Dächer, die miteinander verbunden waren. Stellen, an denen eine Gruppe den Kontakt zur Hauptstraße verlieren konnte. Bereiche, die auf den Karten mit Fragezeichen markiert waren. Die Informationen waren knapp, unvollständig, teilweise mit Warnhinweisen versehen. Ungewöhnliche Anatomie. Nervenzentrum im Brustbereich. Natürliche Handgelenksklingen. Hohe Schmerzresistenz. Aggressives Verhalten gegenüber Nichtyevethanern.

Doch er brauchte noch etwas um sein Überleben zu sichern. Die Macht war ein noch sehr volatiler Untertan für den Bleichen und auch wenn Sikarius darauf vielleicht herabblicken würde, würde ihm seine Gunst tot nichts bringen. Er brauchte Ausrüstung und machte sich daher auf den Weg zur Rüstkammer. Der Quartiermeister saß hinter einem breiten Ausgabetresen, dessen stumpfe Oberfläche von Kerben, Brandspuren und jahrzehntelangem Gebrauch gezeichnet war, während sich hinter ihm nummerierte Kisten, versiegelte Waffenbehälter und graue Metallschränke bis unter die Decke stapelten. Der Mann selbst wirkte müde und beäugte ihn argwöhnisch, das Lichtschwert an seinem Gürtel noch argwöhnischer.

„Was brauchen Sie?“ kamen seine Worte schnalzend, während er seinen adrett gepflegten Oberlippenbart glatt strich.

Teneb ließ den Blick kurz über die Regale wandern.


„Vier Rauchgranaten. Zwei Thermaldetonatoren.“

Bei den Detonatoren hob der Mann eine Augenbraue. „Die werden protokolliert.“

„Dann protokolliert sie.“

Mehr sagte Teneb nicht, stattdessen tat er etwas, dass er sonst nur bei seinem Meister gesehen hatte. Er nutzte seine Aura, setzte sie wie Kettenhunde frei. Unbehagen breitete sich in seinen Gegenüber aus, das war spürbar, doch würde es ausreichen? Er hätte Sikarius’ Namen benutzen können, doch er wollte wissen, wie weit er ohne ihn kam. Der Quartiermeister musterte ihn einen Moment, seufzte schließlich und verschwand zwischen den Regalen. Als er zurückkehrte, lagen vier dunkelgraue Rauchgranaten auf dem Tresen und daneben zwei Thermaldetonatoren in einer gepolsterten Kassette. Teneb nahm einen der Sprengsätze in die Hand und spürte das überraschend kompakte Gewicht darin.
Vier für ihn. Zwei für
Sikarius. Vielleicht war es ein Geschenk oder doch Tribut. Vielleicht nur ein kleines Faustpfand gegen die schlechte Laune eines Meisters, dessen letzte sichtbare Kette als zusammengepresste Metallkugel in einem Wrack zurückgeblieben war. Teneb hatte UX-23s erloschenes Auge noch deutlich vor sich und wusste sehr genau, wie wenig Mühe Sikarius gebraucht hatte, um aus dem Rest des Droiden kaum mehr als eine Kinderfaust aus Durastahl zu machen. Explosionen hingegen mochte sein Meister. Das war berechenbarer. Teneb bestätigte die Ausgabe, verstaute die Rauchgranaten unter der Robe und ließ die beiden Thermaldetonatoren zuletzt verschwinden. Auf dem Rückweg musste er beinahe über die Aufteilung lächeln. Er selbst bevorzugte Rauch, Umwege und falsche Spuren. Sikarius bekam etwas, das beim Denken weniger Geduld verlangte.

Als er schließlich zu den Quartieren zurückkehrte, war Werstilhere dunkler geworden. Die Scheinwerfer entlang der Mauern waren jetzt heller als der Himmel. In der Ferne rollte Artillerie wie Wetter über den Horizont. Manchmal sah man einen schwachen roten Lichtblitz über den Felsen, einige Sekunden später kam der Donner. Vor
Sikarius’ Tür blieb Teneb stehen. Seine Hand schwebte einen Moment in der Nähe des Paneels.
Er könnte klopfen. Er könnte berichten, wo er gewesen war und er könnte erklären, welche Daten er beschafft hatte. Der alte Instinkt sagte ihm, Rechenschaft abzulegen, bevor jemand sie verlangte.
Er zog die Hand zurück. Wenn
Sikarius wissen wollte, wo er gewesen war, konnte er fragen. Teneb ging in sein eigenes Quartier.
Er legte das Datapad auf den Tisch, daneben die beiden Rauchgranaten, den medizinischen Satz und die Atemmaske. Eine kleine Sammlung. Lächerlich, verglichen mit der Gewalt, die draußen auf ihn wartete. Doch er betrachtete sie lange. Er hatte niemanden um Erlaubnis gefragt.
Sikarius hatte ihn nicht gerufen, keine Tür war aufgeflogen. Keine graue Hand hatte ihn am Hals gegen die Wand gedrückt. Die Welt war nicht untergegangen.
Teneb setzte sich auf das Bett. Er wusste, dass er vorsichtig sein musste. Sikarius hatte UX-23 verloren. Vielleicht bedeutete das Freiheit für den Meister oder es bedeutete lediglich, dass nun niemand mehr zwischen Impuls und Konsequenz stand. Teneb wollte nicht herausfinden, wie weit diese neue Freiheit reichte, indem er selbst zum ersten Gegenstand wurde, an dem Sikarius sie ausprobierte.

Er musste langsamer sein. Klug. Eine Leine durfte man nicht zerreißen, wenn die Hand am anderen Ende stärker war, man ließ sie länger werden.
Bis derjenige, der sie hielt, irgendwann vergaß, wie kurz sie einmal gewesen war.
Teneb legte sich zurück, ohne die Stiefel auszuziehen.
Durch die Wand konnte er
Sikarius nicht hören. Gerade das hielt ihn wach. Zum ersten Mal seit Artek III gab es keinen Wächter oder Vermittler. Teneb schloss die Augen. Der Gedanke hätte sich nach Freiheit anfühlen sollen, stattdessen lauschte er noch lange auf jedes Geräusch hinter der Wand. Ein Sith musste lernen, welche Ketten er lockerte undnd ebenso, welchen gefährlichen Tieren man gelegentlich Fleisch hinwarf, damit sie sich daran erinnerten, in eine andere Richtung zu beißen.

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Am nächsten Morgen wurde Leto von einem eindringlichen Klopfen seiner Quartiertür geweckt. Sein erster Gedanke galt irgendeinem idiotischen Yevethanermanöver, sein zweiter Gedanke identifizierte, dass die machtverdammten Xenos wohl nicht klopfen würden.

Mit einem für die frühe Stunde äußerst dreckigen Fluch rappelte Leto sich von seiner harten Lagerstatt auf und warf die Sithrobe über, die er gestern vorm Duschen in die Ecke geknüllt hatte. Mit der flachen Hand rieb er sich den Schlaf aus den Augen und öffnete schließlich die Eingangstür, an die noch immer vehement geklopft wurde.

Der milchgesichtige imperiale Offizier stolperte zurück, als er sich von einer Sekunde auf die andere mit Leto konfrontiert sah, der sich mit Absicht zu nah hinter die sich seitlich öffnende Tür gestellt hatte.

Das Jüngelchen konnte grade einmal der Minderjährigkeit entwachsen sein. Das Oberlippenunkraut unter seiner Nase wurde von mehr Glauben als Haaren zusammengehalten und die knallrote Ruine eines Pickels vereinigte seine dunklen Augenbrauen zu einem unheiligen Ganzen. Eine Reihe halb verheilter Wundmale betonten seinen sonst scharf geschnitten Kiefer auf wahrlich unvorteilhafte Weise.

Die runden Augen des Soldaten wurden noch eine Spur größer, als Leto mit einer Hand hinter sich griff, sein Scimitar mit der Macht zu sich rief und weiter auf den zurückstolpernden Bubi zuschritt.


„L-L-Lord Sikarius! T-Tut mir leid für die Störung. M-Major Tx-Tx’kali…“, stammelte das Jüngelchen und gab einen erbärmlichen kleinen Schrei von sich, als er merkte, dass er seinen physischen Spielraum ausgereizt hatte. Dass er sich nicht einpisste war alles, während er mit dem Rücken langsam an der Wand hinunterrutschte.

„L-L-Lord S-S-Sikarius”, äffte Leto den Burschen nach, als dessen Hintern endlich den Boden erreicht hatte und seine Pickelfresse nun, bettelnd wie ein Hündchen, zu ihm hochstarrte. „Hast du mich nur geweckt, um mich anzustammeln?! Kriegt man dafür Geld in dieser verschissenen Basis, oder was?“

„N-Nein, L-Lord S-“

Weiter kam er nicht, denn Letos ohnehin homöopathischer Geduldspool hatte sich erschöpft. Mit beiläufiger Gewalt fischte seine freie Hand nach unten, packte den Soldaten am Kragen und hob ihn mühelos an. Mit einem dumpfen Schlag prallte dessen Rücken gegen die Wand, sein Gesicht ein paar Zentimeter höher als das seines Gegenübers, die Zehenspitzen nur grade so eben den Boden berührend.

Letos Gesicht näherte sich dem des Jungen so nah an, dass ihre Wangen sich streiften. Dann flüsterte er:
„Wenn du mich noch einmal anstammelst hack ich dir von hinten durch die Rippen, ziehe deine Lungen raus und mache aus dir ein hübsches kleines Vögelchen. Klar?“

„JA, LORD SIKARIUS!“, rief das Kerlchen plötzlich klar und deutlich, während ein Schweißtropfen in seinen ‚Schnurrbart‘ lief und abtropfte. „Major Tx’kali wünscht Euch umgehend zu sprechen! Es geht um Euren ersten Auftrag!“

„Geht doch“, grummelte Leto und ließ von dem Wicht ab, der sich, der Hand an seinem Kragen beraubt, ein weiteres Mal an seinen Hosenboden setzte. Leto rollte die Augen und wollte dem Soldaten ein weiteres Mal Beine machen, als sein Blick auf den Dieb fiel, der die ganze Szene stumm verfolgt haben musste.

„Was zum F*ck tust DU noch hier?!“, fragte er und trat stattdessen auf die bleiche Vogelscheuche zu. „Bist du bescheuert? Die quatschende Blechdose ist tot. Ketten waren einmal und ich geb‘ nen dampfenden Haufen Scheiße drauf, ob du hier bist oder nicht. Als wäre es mir nen müden Furz wert dich zurückzuholen, wenn du dich verpisst.“ Ungläubig tippte Leto dem Dieb gegen die Schläfe. „Hast du dir im LAAT/i den Kopf angehauen, oder was? Hier, wenn du keinen Selbsterhaltungstrieb hast, Junge, dann eben von mir. Ver-piss-dich. Geh zurück nach Nkllon, oder wo auch immer du herkommst. Und du!“

Leto fuhr zu dem pickligen Jüngelchen herum. „Hab‘ ich dir gesagt du sollst dumm in der Gegend herumstehen?! Bring mich zu deinem Major Wer-gibt-nen-F*ick. Wird’s bald?!“


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Für einige Herzschläge lag er reglos auf dem schmalen Feldbett und wusste nur, dass irgendwo jenseits der Wand ein Mann Angst hatte. Die Worte selbst drangen zunächst gedämpft durch Durastahl und Beton, verschluckt vom tiefen Brummen der Festung, doch das Stottern brauchte keine Verständlichkeit. Angst besaß ihren eigenen Rhythmus. Zu kurze Atemzüge, hastig hervorgepresste Silben, Pausen an Stellen, an denen ein Mund plötzlich trocken wurde. Teneb kannte diese Sprache besser, als ihm lieb war. Dann hörte er Sikarius. Damit war jede weitere Frage beantwortet.
Teneb Dask setzte sich auf, rieb mit zwei Fingern den Schlaf aus den Augen und bemerkte beiläufig, dass sein Körper den vergangenen Tag bereits in dumpfe Erinnerungen verwandelt hatte. Die Rippen meldeten sich beim tieferen Atemzug, die Schulter spannte unter dem Verband, und der dünne Schnitt an seiner Wange war zu einer trockenen Linie geworden. Nichts, das ihn ernsthaft behinderte. Einige kleine Rechnungen des Fleisches, die irgendwann von selbst verjährten.

Vor der Tür wurde etwas gegen eine Wand geschlagen. Der Bleiche zog die Robe über, befestigte Kal Fraans Lichtschwert am Gürtel und trat hinaus, gerade rechtzeitig, um einen jungen imperialen Soldaten einige Zentimeter über dem Boden an der Wand hängen zu sehen. Der Sith Meister hielt ihn am Kragen, das Scimitar war bei ihm, natürlich, und sein Gesicht befand sich so nahe an dem des Jungen, dass
Teneb zunächst nur die zusammengepressten Konturen beider Profile erkannte. Der Soldat war jung, erschreckend jung eigentlich, mit jenem kümmerlichen Versuch eines Schnurrbartes, der vermutlich mehr Hoffnung als Haar enthielt, und einer Haut, deren Unreinheiten selbst im kalten Licht des Korridors auffielen. Schweiß lief ihm über Stirn und Schläfen. Seine Zehenspitzen suchten Halt auf dem Boden, fanden ihn kaum.

Der Umbaraner blieb in seiner Tür stehen und sagte nichts, beobachtete still. Nicht sein Zirkus, nicht seine kowakianischen Affeneidechsen.

Sikarius erklärte dem Soldaten gerade mit bemerkenswerter Genauigkeit, was er mit dessen Rippen, Lungen und Leichnam anzustellen gedachte, sollte der Junge noch einmal stammeln. Danach sprach dieser plötzlich so deutlich, dass Teneb beinahe beeindruckt gewesen wäre, er war aber mindestens überrascht.

Schließlich fiel der Blick des ruhelosen Sith auf seinen Schüler.
Sikarius kam auf ihn zu, und mit jedem Wort, das folgte, schien der Korridor ein wenig enger zu werden. Es war ihm gleichgültig, ob Teneb hier war. Er würde ihn nicht zurückholen. Irgendwohin, ihm sei es ja egal. Sein Meister tippte ihm sogar gegen die Schläfe, beinahe spöttisch fürsorglich, als müsse überprüft werden, ob der Absturz aus seinem Schüler endgültig einen Idioten gemacht hatte, doch war es eine Fürsorge mit Zähnen, bohrte sich sein Finger doch mit Elan in die bleiche Schläfe des Umbaraners.

Dann kam die fatalen Worte. Verpiss dich. Teneb sagte noch immer nichts. Etwas in ihm war sehr ruhig geworden. Nicht jene Ruhe, die Machtmut ihm beigebracht hatte, wenn Zorn die Kontrolle über Muskeln, Atem und Gedanken verlangte. Diese Ruhe lag tiefer. Sie war kalt und beinahe leer, wie ein Raum, dessen Tür man nach Jahren öffnete und in dem plötzlich kein Wächter mehr saß.
Sikarius hatte es mit Flüchen, Beleidigungen und jenem angeborenen Talent ausgesprochen, selbst Freiheit wie einen Tritt vor die Tür klingen zu lassen. Doch unter all dem Dreck lag genau diese Bedeutung. Teneb konnte gehen. Er könnte aus Werstilhere verschwinden. Ein Transporter oder an Bord eines imperialen Versorgungskonvois. Vielleicht gar ein gestohlenes Shuttle, wenn sich eine bessere Gelegenheit ergab. Von N’zoth hinaus, irgendwohin, wo Darth Baobhan seines Meisters Problem bleiben würde und Sikarius ihm nicht morgens erklärte, welche neue Form von Schmerz heute pädagogischen Wert besaß. Kijimi vielleicht? Der Gedanke starb fast im selben Augenblick. Zurück wohin? In das Mausoleum? Zurück in irgendeine dunkle Kammer, irgendeinen Winkel der Galaxis, in dem er darauf warten konnte, dass jemand anderes entschied, was aus ihm wurde?
Umbara kam gar nicht erst infrage. Haus Dask war eine Kette, deren Glieder er selbst im Schlaf noch kannte. Räume, in denen er gelernt hatte, kleiner zu werden, damit andere größer erschienen. Er konnte dort vielleicht wieder existieren. Aber existieren war inzwischen ein verdächtig bescheidenes Ziel geworden. Die Macht hatte dieses Problem geschaffen, denn seit er wusste, dass sie da war, ließ sie sich nicht wieder vergessen.

Endlich rang sich sein Körper zu einer ehrlichen Emotion durch. Wut. "Du elender Bastard, Ausgeburt einer flüchtigen Erektion, getrieben von Selbstzweifeln." Die Wut kochte weiter hoch. Durch Leidenschaft erlangte er Stärke. Durch Stärke Macht. Durch Macht Sieg. Der Sieg zerbrach die Ketten. Teneb hatte diesen letzten Satz unzählige Male in Gedanken gewendet. Im Tempel hatte er ihn gegen etwas benutzt, das Anspruch auf seinen Geist erhoben hatte. Auf Artek III gegen den Jungen, der er früher gewesen war. Nun lag eine Kette tatsächlich am Boden. Und plötzlich bemerkte er die Frage, die der Kodex verschwieg. Was tat man danach? Fortlaufen? War Freiheit wirklich nur möglichst große Entfernung zu demjenigen, der gestern noch die Leine gehalten hatte? Vielleicht. Vielleicht bestand Freiheit auch darin, zum ersten Mal selbst zu entscheiden, ob man ging.
Tenebs Blick folgte Sikarius, der sich bereits wieder dem jungen Soldaten zugewandt hatte und ihm mit derselben Geduld Beine machte, mit der andere Leute lästige Insekten aus einem Raum scheuchten.

„Nein“ entgegnete Teneb auf das eloquente „verpiss Dich“ seines Meisters. „Ich werde bleiben und meine Ausbildung beenden. Auf Artek III sagtet ihr, wenn ich lerne die Macht zu benutzen, werde ich mehr werden, als ich es mir „in meinem mickrigen Leben“ jemals zu erträumen könne...“

Seine Hand wanderte in eine der inneren Tasche seiner Robe. Heraus beförderte er zwei Thermaldetonatoren, die er seinem Meister wie einen Tribut entgegenstreckte, den Kopf ererbietend gesenkt.

„...und ich kann mir viel erträumen.“

Die beiden Kugeln mit genug Zerstörungspotenzial um den Umbaraner, Sergeant Milchbart und ein gutes Stück der Basis zu vernichten lag nur einen Griff von seinem Meister entfernt. Aufstieg oder Fall, es lag, beinahe, nicht mehr in seiner Hand.

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Leto erwartete keine Antwort von der bleichen Vogelscheuche. Warum auch. Wäre ja nichts neues, dass der Junge mal wieder seine beste Imitierung eines Boxsacks hinlegte und auf seine besten Beleidigungen einfach mal nichts zu sagen hatte. Entweder er würde den guten Rat annehmen und sich verziehen, oder er würde Leto nachgelaufen kommen, wie ein angefüttertes Straßenhündchen.

Umso überraschter war Leto jedoch, die Stimme seines Schülers hinter sich zu hören. Noch dazu beginnend mit dem Wörtchen ‚Nein.‘ Eine Augenbraue hochgezogen, wandte er sich wieder zu ihm um. Er würde bleiben, sagte der Schüler. Zitierte etwas, das Leto ihm wohl mal gesagt und seither wieder vergessen hatte.

Verdutzt sah Leto auf die beiden Thermaldetonatoren hinab, die der Dieb ihm doch tatsächlich mit gesenktem Kopf wie zum Tribut anbot. Dann hob er langsam die freie Hand, nahm die Waffen entgegen, fuhr herum und mimte eine Wurfgeste auf Kollege Milchzahn. Der schrie auf. Leto lachte.


„Na gut“, sagte er, wieder dem Schüler einen Blick zuwerfend. „Eier scheinst du ja zu haben. Hätte gedacht nach gestern seist du schon auf halbem Weg nach Bastion. Dir im Tempel nen richtigen Meister suchen. Tja. Sind wohl beide nicht sonderlich helle auf N’zoth zu wetten.“

Er zuckte die Schultern und richtete seinen Blick wieder auf den Soldaten, der zusammenzuckte.
„Ja, Sir, ich bringe Euch sofort hin! Bitte folgt mir!“, schrie er fast, in vorauseilendem Gehorsam.

Zufrieden nickte Leto.

Das Büro des Majors war einige Minuten Laufweg von den Quartieren entfernt in einem anderen Gebäude. Schon so früh am Morgen – die Schatten waren lang und der Himmel rot – war schon mächtig Betrieb und Yevethaner schienen einen Anlass geliefert zu haben auch schon die ersten Schüsse für den Tag abzufeuern. Das war nicht verwunderlich, aber ein Indiz wie der Feldzug wohl laufen würde.

Überraschender war dann jedoch das sich Major schimpfende Alien, dass Private Pedobremse ihnen als Tx’kali vorstellte.

Das Ding war ganz offensichtlich ein Twi’lek, doch hatte es wenig gemein mit den schlanken, ästhetisch angenehmen Tänzerinnen, die so gerne im Holonet ausgestellt wurden. Seine Haut war weiß, fast durchscheinend, was seine überlangen Lekku eher wie dicke Maden, als Teile eines intelligenten Körpers wirken ließ. Sicher, der Schüler war auch bleich wie die Wand, doch vollbrachte seine Haut dabei das Kunststück nicht aktiv ekelig auszusehen.

Der Kopf des Majors war seltsam gewölbt, mit blasspinken Augen und spitzen Zähen. Das alles steckte in einer imperialen Uniform, was die Proportionen eines menschlichen Offiziers noch zusätzlich parodierte.


„Lord Sikarius, Schüler Teneb Dask. Willkommen auf N’zoth“, begann das Teiggesicht, doch Letos Aufmerksamkeit war wieder zu seinem Schüler gewandert.

„Teneb? Hieß so nicht der Wirt in Törcsván?“, fragte er den Jungen. Natürlich hatte er den Namen schon gehört. Es war kaum möglich Monate auf engstem Raum zu wohnen, ohne im Vorbeigehen Dinge aufzuschnappen. Zurück in Major Tx’kalis Richtung sagte er mit einem Schulterzucken: „Jaja, richtiges Ferienlager. Echt hübsch. Was will denn Gov. Bärchen nun, dass wir für ihn tun?“

Tx’kalis Blick ruhte für einige Momente auf Leto. Er spürte, wie es hinter den pinken Augen ratterte, während der Twi’lek-Offizier überlegte, wie er am besten mit den Sith umgehen sollte. Schließlich schlich sich ein leises Lächeln auf die wurmartigen Lippen des Majors.

„Brutkammer, meine Herren.“ Sie Stimme des Xenos klang rau, fast wie ein ungeöltes Türscharnier mit Lungenkrebs. „Ich hoffe Sie haben kein Problem mit Blut? Ihre erste Mission wird es sein eine der verbleibenden großen Brutkammern zu infiltrieren und zu vernichten. Es gibt momentan noch drei Kammern, von denen wir wissen, aber die befinden sich zu tief im Boden, um sie mit Bomben auszuschalten. Hier kommen Sie ins Spiel.“

[ Kernwelten / Farlax-Sektor / Koornacht-Cluster / N'zoth-System / N'zoth / Werstilhere / Kommandobunker ] Leto und Teneb, sowie (NPCs) Major Tx'kali
 
Kernwelten | Farlax-Sektor | Koornacht-Cluster | N'zoth-System | N'zoth | Werestilhere | Quartiere | Teneb Dask, Sergeant Milchbart [NPC] und Darth Sikarius
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Es vergingen einige Augenblicke, die sich zu einer Ewigkeit ausdehnten, bevor etwas Unerwartetes eintrat. Teneb Dask wusste inzwischen, dass Anerkennung aus dem Mund seines Meisters selten die Form annahm, in der vernünftige Wesen sie einander gewährten. Bei Sikarius musste man sie aus Beleidigungen schälen wie Fleisch aus einem zu hart gekochten Panzer, und selbst dann blieb meist genug Gift daran haften, um sich zu fragen, ob man gerade gelobt oder lediglich auf eine neue Art verhöhnt worden war. Doch da war sowas wie... Anerkennung? Er gestand ihm zumindest, glücklicherweise ohne vorherige Observation, dass er wohl Testikel besaß. Mehr noch, er registrierte mit einer stillen, beinahe ärgerlichen Erleichterung, dass Sikarius die beiden Thermaldetonatoren entgegennahm. Für einen Herzschlag hatte der Bleiche tatsächlich damit gerechnet, sein Meister könne die Gabe missverstehen, sie ihm vor die Füße werfen oder einen davon probeweise scharfmachen, nur um zu sehen, wie schnell sein Schüler laufen konnte. Sikarius lachte. Natürlich. Vielleicht war es genau richtig gewesen, ihm Sprengstoff mitzubringen, zum Terror des milchbärtigen Schenkelbesenträgers.
Der Gedanke, sich auf halbem Weg nach Bastion zu befinden, blieb länger hängen. Ein richtiger Meister, hatte
Sikarius gesagt. Er hatte das Wort beiläufig ausgespuckt, in jener sorglosen Art, mit der er gelegentlich Dinge berührte, die Teneb weit tiefer trafen, als ihm lieb war. Bastion. Der Orden und das Herz des Galaktischen Imperiums. Männer und Frauen, die womöglich wussten, wie man Ausbildung betrieb, ohne Schüler in Sümpfe zu werfen, ihnen Sklaven zum Töten hinzustellen oder ihre Knochen mit pädagogischem Eifer gegen Stein zu schlagen. Vielleicht gab es solche Meister. Vielleicht erzählte sich der ganze Orden dieselbe Lüge nur mit saubereren Roben und einer Gravitas, für die noch später Zeit wäre. Die Galaxis da draußen war hart und unnachgiebig, Sikarius war das Amalgam dieser Grausamkeit und sie würde ihn, ob es ihm gefiel oder nicht, am Besten auf die hässliche Fratze der galaktischen Gesellschaft vorbereiten und die Grausamkeit der natürlichen Ordnung verkörpern.
Teneb betrachtete seinen Meister einen Moment lang, den Thermaldetonator in dessen Hand, das Scimitar, das ungekämmte Grau seiner Erscheinung, die Aura eines Mannes, dessen Fesseln gestern im Bauch eines abgestürzten Transporters erloschen waren. Er hätte nach Bastion gehen können. Sikarius wusste das jetzt.

Der junge Soldat fand unterdessen auf wundersame Weise die Fähigkeit wieder, ganze Sätze zu bilden, und setzte sich so hastig in Bewegung, dass der Umbaraner kurz den Eindruck bekam, er wolle Major Tx’kali lieber durch die gesamte Festung tragen, als noch einmal Ursache irgendeiner Verzögerung zu sein. Der Bleiche folgte gemeinsam mit seinem Meister hinaus in den frühen Morgen von Werstilhere.
Am Horizont lag ein dunkles Rot über den zerrissenen Konturen der Landschaft, tiefer und schmutziger als das künstliche Zwielicht seiner Heimat. Die Sonne war noch niedrig genug, um die Mauern der Festung lange Schatten werfen zu lassen, schmale schwarze Gräben zwischen Durastahl, Fels und hastig errichteten Barrikaden. Staub hing in der Luft und fing das Morgenlicht, sodass selbst entfernte Gebäude aussahen, als stünden sie hinter einer dünnen Schicht getrockneten Blutes.
Eigentlich hatte Teneb den Eindruck, dass die Festung niemals vollständig schlief. Soldaten bewegten sich mit Cafbechern und Blastern über die Wege, Techniker lagen halb unter geöffneten Fahrzeugen, Repulsorschlitten schleppten Kisten zwischen Depots und Landeflächen, und von den Mauern her hallten erste Rufe der Wachmannschaften. Irgendwo im Osten knatterte Blasterfeuer, weit genug entfernt, um keinen Alarm auszulösen, nah genug, dass niemand den Kopf danach drehte. Wenige Augenblicke später antwortete ein schwereres Geschütz mit drei dumpfen Schlägen, deren Echo über die Felsen lief.
Sie durchquerten einen Hof, in dem zwei beschädigte Speeder auf Reparatur warteten. Einer war an der Front fast vollständig schwarz verbrannt. Neben ihm saß ein Sturmtruppler auf einer Munitionskiste und hielt seinen Helm zwischen den Knien, während ein Sanitäter einen Verband um seine Hand erneuerte. Der Mann schaute auf, als die beiden Sith vorbeigingen. Sein Blick wanderte erst über Sikarius, dann zu Teneb und blieb für einen Augenblick an dem Lichtschwert an seinem Gürtel hängen. Immer häufiger bemerkte er solche Blicke.
Die Waffe zog Aufmerksamkeit an, obwohl kaum jemand hier wissen dürfte, wem sie einst gehört hatte. Vielleicht war es schlicht ein Lichtschwert. Vielleicht genügte das bereits. In dieser Festung trugen Tausende Blaster; eine Klinge aus Licht machte ihren Besitzer sofort zu etwas anderem, ganz gleich, ob er dieses Andere bereits verdient hatte.
Teneb ließ eine Hand beiläufig über den Saum seiner Robe gleiten und verdeckte den Griff etwas stärker. Gelegenheiten musste man erkennen. Man musste sie jedoch nicht jeder Person auf dem Weg schenken.

Das Büro des Majors lag in einem anderen Gebäude, dessen Außenwände nachträglich mit Panzerplatten verstärkt worden waren. Zwei Sturmtruppler bewachten den Eingang, weitere standen im Inneren an einem Kartenraum, während Offiziere zwischen Projektoren, Kommunikationsterminals und Datentischen arbeiteten. Der Ort roch nach heißer Elektronik, Caf, Stoffuniformen und der von Klimaanlagen produzierten trockenen Luft. Major
Tx’kali wartete bereits. Der Sith Schüler hatte im Imperium bislang mehr Menschen gesehen als Angehörige anderer Spezies in Uniform, weshalb die Erscheinung des Twi’lek seine Aufmerksamkeit zunächst stärker band, als er wollte. Die Haut des Majors war nahezu weiß, so blass und dünn wirkend, dass die darunterliegenden Gefäße stellenweise als schwache Schatten durchschimmerten. Seine Lekku fielen schwer hinter den Schultern hinab, ungewöhnlich lang und von derselben farblosen Erscheinung, während die Augen in einem blassen Rosa aus dem Gesicht hervorstachen. Dazu kamen spitze Zähne, die beim Sprechen immer wieder hinter den Lippen sichtbar wurden und dem ohnehin fremdartigen Gesicht eine Spur von Raubtier verliehen.
Dann wurde der Sith Schüler überrascht, denn er hörte etwas, dass er seit längerer Zeit nicht mehr vernommen hatte. Der Major sagte seinen Namen. Sikarius drehte sofort den Kopf. Die Äußerung seines Meisters quittierte er zunächst mit Stille. Monate auf Artek III. Monate aus Blut, Regen, Machtübungen, Schlägen, Tempelruinen, beinahe tödlichen Lektionen und täglichem Zusammenleben, und dies war der Augenblick, in dem sein Meister scheinbar erstmals darüber nachdachte, wie sein Schüler eigentlich hieß. Teneb betrachtete den kybernetisch modifizierten Sith einen Herzschlag lang.


„Wenn Ihr Euch seinen Namen so gut gemerkt habt wie meinen, Meister“, erwiderte er trocken, „ist alles möglich.“

Mehr erlaubte er sich nicht und sprach es leise genug, dass Sikarius es hören könnte. Das schmale Zucken an seinem Mundwinkel verschwand bereits wieder, als Tx’kali zum eigentlichen Grund ihres Besuches kam. Brutkammer. Das Wort veränderte den Raum, vielleicht auch nur für Teneb. Es war erstaunlich, wie wenige Silben nötig waren, um aus abstrakten roten Punkten auf einer Holokarte etwas Greifbares zu machen. Während des Gesprächs mit Gouverneur von Berchem hatte Teneb von Brutkammern gehört. Strategische Ziele. Hoffnung vernichten. Nachwuchs auslöschen. Damals hatten die Worte zwischen Palast, Kommunikation, Kommandostruktur und Logistik gelegen, sauber eingebettet in das Vokabular eines Feldzuges. Er betrachtete Tx’kali, während dessen raue Stimme erklärte, dass drei große Anlagen bekannt waren und ihre Lage im Untergrund einen konventionellen Bombenangriff erschwerte. Die Schlussfolgerung war ebenso einfach wie hässlich: Was der Himmel nicht erreichen konnte, musste jemand zu Fuß betreten.

Sein Blick sank für einen Moment zum Holotisch. Brut. Das Wort trug etwas Tierisches, obwohl
Teneb inzwischen wusste, dass die Yevethaner keine gedankenlosen Bestien waren. Er hatte ihre Augen aus nächster Nähe gesehen, ihre Disziplin, ihre Fähigkeit zur Jagd, die bewusste Grausamkeit gegenüber den Überlebenden des Absturzes. Sie hassten mit Überzeugung. Sie kämpften mit einer Art kulturell gewordener Wut, die Tod kaum als Abschreckung verstand. Trotzdem bedeutete Brutkammer Nachwuchs. Etwas in Teneb zog sich zusammen. Kein Mitleid, sagte er sich. Das Wort erschien ihm erneut zu bequem. Möglicherweise war es lediglich die Erkenntnis, dass dieser Auftrag eine andere Schwelle besaß als alles, was er bisher getan hatte. Peska hatte versucht, ihn zu töten. Die Yevethaner im Wrack hatten imperiale Verwundete gefoltert und ihn angegriffen. Selbst die Bewohner Törcsváns waren in seinen Gedanken immer Wesen gewesen, die zurückschlagen, fliehen oder hassen konnten.

Eine Brutkammer war etwas anderes. Sikarius würde damit vermutlich weniger Schwierigkeiten haben. Teneb warf ihm einen kurzen Seitenblick zu. An dessen Gürtel oder in dessen Taschen befanden sich jetzt zwei Thermaldetonatoren. Ausgerechnet heute. Hatte
Teneb mit seinem Geschenk einen gewissen kosmischen Humor provoziert?

Der Gedanke hätte beinahe für ein Lächeln gereicht, doch er begann zu denken. Das war inzwischen sein bevorzugter Reflex geworden, sobald die erste Welle aus Ekel, Angst oder Zorn abgeklungen war. Sikarius mochte in solche Situationen reinstolpern und ein Blutbad anrichten, doch diesen Luxus konnte sich der Umbaraner nicht leisten. Er musste vorsichtig vorgehen, schließlich stellten sie sich Fanatikern.

Drei Kammern also, die tief unter der Erde liegen mussten. So tief, dass selbst die Bomben der TIE-Bomber sie nicht erreichen konnten und ein Orbitalbombardement hatte
von Berchem bereits ausgeschlossen. Doch wenn die Anlage so tie unter der Erde lag, mussten sie versorgt werden.
Luft, Wasser, Energie, Nahrung, auch der Abfall. Alles musste seinen Weg in und aus der Anlage finden. Wesen konnten sich tief unter Stein vergraben, doch selbst die tiefste Höhle blieb mit der Oberfläche verbunden, wenn darin Leben erhalten werden sollte. Irgendwo mussten Leitungen verlaufen. Schächte. Wartungszugänge. Vielleicht alte Versorgungstunnel, die auf imperialen Karten kaum Bedeutung besaßen, weil sie für Truppenbewegungen zu eng waren.

Teneb sah wieder zum Major. Ihre gemeinsame Stärke bestand gerade darin, unterschiedliche Antworten auf dieselbe Frage zu besitzen. Teneb ließ seine Machtfühler vorsichtig über den Raum streichen.
Tx’kali wirkte angespannt, aber gesammelt. Hinter einer Wand bewegten sich mehrere weitere Auren. Techniker vielleicht, Offiziere, Ordonnanzen. Sikarius daneben war das vertraute dunkle Flimmern aus Ungeduld und kaum gezügelter Lust auf Gewalt. Die Freiheit der vergangenen Nacht hatte nichts daran geändert, dass Sikarius ihn mit einer Handbewegung durch eine Wand schicken konnte, wenn er einen Satz im falschen Augenblick als Herausforderung verstand. Er wartete, bis Tx’kali seine Erklärung beendet hatte und eine kleine Pause entstand. Wartete einen weiteren Herzschlag, um Sikarius Gelegenheit zu geben, zuerst zu reagieren. Erst als sein Meister keine unmittelbare Antwort gab, hob der Umbaraner den Blick.

„Wie wird die Kammer versorgt?“

Tx’kalis pinke Augen wanderten zu ihm. Teneb trat einen halben Schritt näher an den Holotisch.

„Wenn sie tief genug liegt, dass Eure Bomber sie nicht erreichen, muss trotzdem etwas hinein und hinaus.“ Seine Stimme blieb ruhig. „Sei es die Versorgung mit Sauerstoff, Trinkwasser, Energie und Nahrung“

Er ließ den Blick über die bläuliche Projektion gleiten.

„Ich möchte die Versorgungsschächte sehen. Wartungswege, alte Kanalisation oder Energieleitungen. Alles, was jemand beim Planen eines Angriffs für zu klein gehalten hat, um Soldaten hindurchzuschicken.“

Seine Finger strichen langsam über den Rand des Holotisches. Teneb sah kurz zu Sikarius. Der Meister würde seine Gewalt bekommen. Davon hatte Teneb wenig Zweifel. Wenn Sikarius durch die Brutkammer ging, würden Thermaldetonatoren, Scimitar und Macht vermutlich genug Spuren hinterlassen, damit selbst Gouverneur von Berchem später etwas zu verwalten hatte. Sein Blick fiel wieder auf die noch unvollständigen Informationen vor ihnen.

„Und ich möchte zudem wissen, welche Sicherungen die Kammer besitzt, falls sie angegriffen wird“, fügte er hinzu.

Vielleicht war das der Unterschied zwischen ihm und Sikarius, den der Bleiche langsam zu erkennen begann. Sein Meister sah einen Widerstand und wollte wissen, wie viel Gewalt nötig war, um ihn zu zerschlagen. Teneb begann sich zu fragen, ob man Widerstand dazu bringen konnte, sich selbst an die falsche Stelle zu bewegen.
Noch war er darin Anfänger, das war ihm schmerzlich bewusst.
Tx’kali betrachtete Teneb einen Moment lang, und zum ersten Mal lag in den blasspinken Augen des Twi’lek etwas, das entfernt an Anerkennung erinnerte. Dann glitt eine seiner Hände über die Projektion und ließ mehrere Ebenen des Hologramms verschwinden, bis unter den Straßenzügen Giat Nors ein unvollständiges Geflecht aus Leitungen, Schächten und alten Versorgungstunneln sichtbar wurde.


„Genau dort liegt unser Problem“, knarrte er. „Die Kammer hängt an einem eigenen Versorgungssystem. Luft wird über mehrere vertikale Schächte angesaugt, Wasser und Energie kommen aus dem alten Untergrundnetz der Stadt. Einen Teil davon kennen wir. Einen Teil haben die Yevethaner nach der Rückeroberung umgebaut, versiegelt oder absichtlich falsch kartiert.“

Einige Linien färbten sich gelb, andere endeten abrupt im Nichts.

„Die Hauptzugänge sind befestigt und werden bewacht. Die Wartungsschächte sind enger, teilweise gerade groß genug für ein einzelnes Wesen, und wir wissen nicht, welche davon vermint oder überwacht werden. Außerdem haben die Yevethaner in den unteren Ebenen automatische Schotts eingebaut. Wird Alarm ausgelöst, können ganze Sektionen abgeriegelt werden.“ Seine spitzen Zähne wurden kurz sichtbar. „Das Gute daran ist: Was sie gegen Eindringlinge abschließen können, können wir ihnen vielleicht auch über dem Kopf zuschlagen.“

Er markierte schließlich drei Punkte tief unterhalb der eigentlichen Kammer.

„Hier verlaufen Belüftung, Energie und ein alter Abwasserkanal dicht genug beieinander, dass ich dort nach einem alternativen Einstieg suchen würde. Wenn Sie unbemerkt hineinwollen, dann dort. Wenn es schiefgeht, bleibt Ihnen immer noch der Haupteingang.“

Tx’kalis Blick wanderte kurz zu Sikarius.

„Ich vermute allerdings, dass Lord Sikarius diesen Teil des Plans ohnehin bevorzugen würde.“

Dann deutete er wieder auf die gelben Linien.

„Feuerlöschung, Evakuierungswege und interne Sicherungen können wir Ihnen nur teilweise geben. Die Kammer ist für uns ein schwarzes Loch. Was wir wissen, stammt von alten imperialen Bauplänen, Aufklärungssonden und zwei Trupps, von denen keiner vollständig zurückgekehrt ist.“

Seine Stimme wurde noch eine Spur rauer.

„Gehen Sie also davon aus, dass die Yevethaner dort unten mehr über das Gelände wissen als Sie. Deutlich mehr.“

Teneb ließ den Blick über die gelben Linien wandern und prägte sich jede Stelle ein, an der die Karte ins Ungewisse ausfranste. Genau dort lag die Wahrheit meist verborgen. Zwei Trupps waren hinabgestiegen, keiner vollständig zurückgekehrt, und plötzlich fühlten sich die engen Wartungsschächte weniger wie ein Umweg als wie der Schlund eines Tieres an, das seine Beute längst kannte. Ein Teil von ihm spürte Furcht, kalt und sauber, doch er ließ sie gewähren. Heimvorteil bedeutete schließlich nur, dass die Yevethaner glaubten zu wissen, woher der Tod kommen würde. Der Bleiche hatte nicht vor, ihnen diese Gewissheit zu lassen.

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„Wenn du deine Ausbildung abgeschlossen hast, kannst du dir einen Namen wählen, der es wert ist, sich ihn zu merken, Tenbob“, raunte Leto in Richtung seines Schülers und zuckte mit den Schultern. Das waren ja mal wieder Ansprüche, die der Junge stellte. Vor allem jetzt, wo es wichtigere Themen gab. Wie eben ihren ersten Auftrag. Leto richtete seine Aufmerksamkeit auf den Xeno-Offizier.

Nach einigen Momenten war der Auftrag war klar. Sie sollten irgendwo hingehen und yevethanischen Nachwuchs abmurksen. So weit, so klar. Eine von den Brutkammern hatten sie auch damals in Kal Fraans Regierungspalast dem Erdboden gleichgemacht.

Für Leto war das Treffen an dieser Stelle eigentlich abgeschlossen. Wenn Tx’kali noch wichtige Infos loszuwerden hatte, würde er das sicher tun, ansonsten konnten sie auch schon los. Klang wie ein gutes Tagwerk, bis zum Abendessen würden sie schon wieder zurück sein. Der Schüler, Teneb, musste das natürlich mal wieder verkomplizieren.

Gelangweilt spielte Leto am Griff seines Scimitars, während der Dieb gefühlt alles Unwichtige wissen wollte. Gas, Wasser, Scheiße, wie kam man unter der Erde da dran? Bla, bla, bla. Wollte der hier auf N’zoth Klempner werden, oder was? Wenn alle tot waren, dann war das doch eh irrelevant!

Tx’kali schien anderer Meinung zu sein und ließ sich doch tatsächlich auf die Diskussion ein!

Er erklärte, dass es ein eigenes Versorgungssystem gab und weniger bewachte Lüftungsschächte. Hier horchte Leto auf. Enge Schächte waren ganz nach seinem Geschmack und wenn sie so schneller am Ziel waren…


„Hast du ne Ahnung, Chefchen“, kommentierte Leto den fast-schon-Vorwurf, dass er den direkten Angriff bevorzugen würde. „Wenn du mich für jetzt für blutgeil hältst, dann hättest du mich früher erleben sollen.“

Der Rest klang aber schlüssig. Begrenzte Karten, ein Feind der sich dort unten besser auskannte als sie. Das klang wie ein dreckiger, gefährlicher Kampf. Ganz wie in alten Zeiten auf Taris. Immerhin gab es hier keine Zombies. Oder leider? Wenn er sich richtig erinnerte, hatte er damals die Seuche zu seinem eigenen Vorteil eingesetzt…

„Sag mal, Chefchen, wie siehts eigentlich mit Gas aus?“, fragte Leto unvermittelt. „In sich geschlossenes System, enge Tunnel… Da einmal in den Verteiler scheißen und dann hat sich’s ausgebrütet.“

Erneut wanderten die rosa Äuglein zu Leto. Der Twi’lek rieb sich das bleiche Kinn, fast so etwas wie Anerkennung auf seinem Gesicht.

„Wir haben kein Gas. Es wurde angefragt, aber eine Zuteilung gab es bisher nicht-“


„Boah, wat habt ihr denn hier eigentlich?!“, spuckte Leto dazwischen.

„…gab es bisher nicht, aber wenn Sie sich davon Erfolg versprechen: Die Yevethaner haben am Raumhafen ganze Warenhäuser voll davon. Ekliges Zeug, wurde wohl viel auf Polneye eingesetzt. Reagiert gerne mit Wasser und wird dann zu Säure. Sollte eigentlich gegen in Blut eingeweichte Eier effektiv sein.“


„Und warum benutzt ihr das nicht?“

„Das Gebiet ist yevethanisch kontrolliert. Wir wissen davon, damit wir nicht zufällig Bomben draufwerfen.“


„Hm“, machte Leto und warf nun doch einen eingehenderen Blick auf die Karte. Dann grinste er. „Scheint nur ein kleiner Umweg von diesem Einstiegspunkt da entfernt zu sein.“ Er zeigte vage auf das Hologramm. „Klingt doch wie ein Plan. Geben wir denen ein bisschen ihre eigene Medizin zu schmecken. Die Lüftungszentrale wird auch sicher weniger bewacht sein als die Kammer und einmal in den Schächten führen ja alle Hyperraumrouten nach Coruscant… Wir werden Schutzkleidung brauchen.“

„Ich denke ich kann Ihnen ein Paar grundlegende ABC-Schutzanzüge zur Verfügung stellen…“, begann Tx’kali, doch Leto unterbrach ihn mal wieder:


„Arschlecken. Ich hab‘ da draußen Sturmtruppen gesehen. Wir nehmen zwei Anzüge von denen, danke schön.“

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Während Major Tx’kali und Sikarius weiter über Wege, Schächte und Möglichkeiten sprachen, stand der Umbaraner still am Rand des Holotisches und hatte das unangenehme Gefühl, dass sich der Einsatz vor ihnen mit jedem weiteren Detail von einer abstrakten Aufgabe in etwas verwandelte, das sehr bald von holografischen Darstellungen in greifbare Gewalt münden würde. Teneb Dask hatte geglaubt, das Gespräch würde nun seinem Ende entgegenlaufen. Major Tx’kali hatte ihnen den Weg in die Tiefe gezeigt, die Lücken der imperialen Aufklärung benannt und deutlich genug gemacht, dass alles Weitere dort unten kaum noch mit Karten, Berichten oder sauber gezogenen Linien zu lösen sein würde. Für einen Moment schien damit alles gesagt. Vor ihnen lag eine Brutkammer, über ihnen Giat Nor, dazwischen ein Gewirr aus Schächten, Versorgungssystemen und yevethanischem Gebiet, in dem bereits zwei imperiale Trupps mehr Männer verloren hatten, als sie zurückgebracht hatten. Sikarius sah das offenbar anders.

„Sag mal, Chefchen, wie siehts eigentlich mit Gas aus?“

Der Bleiche hob unter seiner Kapuze leicht den Blick. Die Frage kam so unvermittelt, dass er zunächst glaubte, sein Meister habe schlicht nach dem erstbesten Mittel gesucht, das genug Tod versprach, um die vorangegangene Unterhaltung endlich interessant zu machen. Doch schon der folgende Satz verriet, dass hinter der vulgären Verpackung tatsächlich ein Gedanke steckte. Geschlossenes System und enge Tunnel brauchten nur einen Stoff im Verteiler, der danach selbst die Luft zum Feind machte. Teneb schwieg. Er konnte beinahe fühlen, wie sich die Idee durch den Raum bewegte.
Tx’kali rieb sich über das blasse Kinn, die langen Lekku lagen schwer über seinen Schultern, und in seinen rosafarbenen Augen erschien jener kurze, nach innen gerichtete Ausdruck, den Teneb inzwischen bei Offizieren erkannte, wenn sie eine ungewöhnliche Idee gedanklich gegen Karten, Materiallisten und Einsatzberichte hielten. Dann kam die Antwort.
Der Schüler sah aus dem Augenwinkel, wie Sikarius darauf reagierte, und musste den Impuls unterdrücken, die Augen zu schließen. Es gab vermutlich ganze Sternensysteme, deren Verwaltung weniger beleidigt auf logistische Engpässe reagierte als sein Meister. Doch der Major sprach unbeirrt weiter. Die Yevethaner lagerten beim Raumhaufen also selbst das Mittel, mit dem Sikarius ihre Brutkammer vergiften wollte. Ein Kampfstoff, den sie offenbar bereits gegen andere eingesetzt hatten und der in Verbindung mit Wasser eine Wirkung entwickelte, die Tx’kali mit einer Nüchternheit beschrieb, hinter der Teneb lieber keine eigenen Erfahrungen vermutete.
Für einige Herzschläge sagte niemand etwas, während der Umbaraner die Projektion betrachtete. Der Raumhafen lag tatsächlich nur wenig abseits der vorgesehenen Route. Kein Umweg, der ihre Operation grundlegend veränderte. Eine Abweichung. Ein Griff nach einer Waffe, die der Gegner selbst bereitgelegt hatte, bevor man weiter in dessen Untergrund kroch.
Sikarius erkannte dasselbe, er sah es an seinem Grinsen. Es war jenes Grinsen, bei dem sich meist kurz darauf für irgendein anderes Wesen die Lebensqualität erheblich verschlechterte. Teneb ließ seine Finger unter den weiten Ärmeln der Robe langsam ineinandergreifen. Ein Teil von ihm fand die Idee gut. Das bereitete ihm mehr Unbehagen, als er erwartet hatte, denn es war ein Plan, der nach seinem Meister roch. Glich er sich seinem Meister an, synchronisierten sich ihre Naturelle? Der Gedanke bereitete ihm ein flaues Gefühl im Magen. Noch vor wenigen Tagen hätte er wahrscheinlich angenommen, dass seine Abneigung aus der Grausamkeit des Vorhabens erwuchs. Gift durch eine Lüftung leiten, tief unter der Erde, an einen Ort, an dem der Nachwuchs einer ganzen Spezies heranwuchs. Man musste kein Jedi sein, um zu begreifen, welche Schwelle damit überschritten wurde.
Doch die letzten Monate hatten seine Maßstäbe verschoben. Er hatte Menschen manipuliert, einen Sklaven gekauft, Peska schließlich getötet und dessen Schädel noch bearbeitet, als der Kampf längst entschieden gewesen war. Er hatte in Reject Alley einem sterbenden Imperialen einen Schrei abgerungen, damit Yevethaner auf die falsche Stelle feuerten. Artek III hatte ihn gelehrt, wie schmal die Entfernung zwischen notwendiger Grausamkeit und jener Grausamkeit war, die man irgendwann nur noch ausübte, weil sie leicht geworden war.
Teneb wusste inzwischen, dass diese Grenze existierte, er wusste nur nicht immer, auf welcher Seite er gerade stand. Sein Blick ruhte weiterhin auf den holografischen Linien. Was ihn an Sikarius’ Vorschlag fesselte, war deshalb weniger das Sterben am Ende, es war der Weg dorthin.

Die Yevethaner hatten den Raumhafen unter Kontrolle. Sie bewachten einen Stoff, den sie selbst als Waffe kannten. Sie hielten die Brutkammer tief genug unter der Erde verborgen, dass imperiale Bomber sie nicht erreichen konnten. Ihre gesamte Verteidigung lebte von einem Gefühl der Sicherheit, das aus Tiefe, Gelände und Kenntnis der eigenen Infrastruktur erwuchs. Sikarius wollte genau diese Infrastruktur gegen sie wenden.
Teneb musste widerwillig eingestehen, dass ihm das gefiel. Vielleicht war rohe Gewalt nie Sikarius’ einziges Talent gewesen. Vielleicht hatte der Mann nur eine so ausgeprägte Vorliebe dafür, dass alles andere unter Schichten aus Blut, Alkohol und schlechten Manieren verschwand. Auf Nkllon, Artek III und nun hier hatte Teneb immer wieder Augenblicke erlebt, in denen sein Meister einen hässlichen Instinkt für Schwachstellen zeigte. Selten elegant, noch seltener sauber und oft eingebettet in irgendeine Bemerkung, die jedes halbwegs zivilisierte Wesen am Tisch bereuen ließ, Ohren zu besitzen, dennoch schienen sie vorhanden zu sein.
Er schwieg und würde sich dem Gutdünken seines Meisters fügen, ja gar fügen müssen. Ein Meister, dessen Schüler ihm während einer Einsatzbesprechung öffentlich in den Rücken fiel, verlor Gesicht und dann würde er sein Gesicht verlieren. Teneb kannte dieses Spiel aus einer feineren Welt. Auf Umbara hätte man dafür keine erhobene Stimme gebraucht. Ein falsch gesetzter Einwand, ein Blick zur falschen Person, ein Satz, der erkennen ließ, dass zwischen zwei Verbündeten keine Einigkeit bestand, konnte genügen. Rootai lebte von solchen Öffnungen. Von den winzigen Brüchen einer Fassade, die andere bemerkten und später mit den Fingern auseinanderzogen.
Sikarius mochte für diese Art von Politik ungefähr so viel Feingefühl besitzen wie ein Rancor für Porzellan, doch das Prinzip blieb dasselbe. Also stand der Bleiche still neben Sikarius und ließ dessen Plan zu dem Plan werden, den sie beide nach außen vertraten.

Dann verlangte Sikarius Schutzkleidung, die der Major in Form von grundlegende ABC-Schutzanzügen anbot. Sikarius erklärte dem Angebot in der ihm eigenen diplomatischen Sprache seine Ablehnung. Sturmtruppenrüstung. Teneb ließ den Blick einen Augenblick über seinen Meister gleiten. Breite Schultern, kleiner als es der Umbaraner wr. Die graue, vernarbte Gestalt. Der Gedanke an Sikarius in sauberem weißen Plastoid besaß etwas derart Absurdes, dass Teneb für einen Moment Gefahr lief, sein Schweigen zu verlieren. Er tat es nicht. Major Tx’kali blinzelte lediglich einmal, langsam, als müsse er irgendeinen inneren Satz hinunterschlucken, dessen Aussprache seiner Karriere vermutlich geschadet hätte. Dann legte er beide Hände auf den Rand des Holotisches und nickte.


„Sie erhalten zwei vollständige Rüstungssätze aus dem Bestand der Sturmtruppen, inklusive versiegelter Helme und Atemversorgung“, sagte er mit seiner rauen, schleifenden Stimme. „Ich lasse zusätzlich geeignete Transportbehälter für den Kampfstoff bereitstellen. Wenn Sie schon in ein yevethanisch kontrolliertes Lagerhaus einbrechen, wäre es bedauerlich, wenn Ihr Plan daran scheitert, dass Ihnen das Zeug unterwegs durch die Handschuhe frisst.“

Seine pinkfarbenen Augen wanderten erst zu Sikarius und dann kurz zu Teneb.

„Die aktuellen Aufklärungsdaten zum Raumhafen werden Ihnen ebenfalls übermittelt. Mehr Unterstützung kann ich Ihnen dort nicht geben, ohne die Yevethaner auf die Operation aufmerksam zu machen.“

Tx’kali deaktivierte mit einer Bewegung mehrere Ebenen des Hologramms. Die gelben und roten Linien verschwanden eine nach der anderen, bis nur die grobe Projektion Giat Nors über dem Tisch schwebte.

„Damit wäre von meiner Seite alles gesagt.“

Er richtete sich ein wenig gerader auf.

„Ich wünsche Ihnen beiden viel Erfolg. Holen Sie den Kampfstoff, finden Sie einen Zugang zur Brutkammer und sorgen Sie dafür, dass wir diesen Punkt anschließend von der Einsatzkarte streichen können.“ Für einen kurzen Moment wurden seine spitzen Zähne sichtbar. „Und versuchen Sie, einen größeren Teil der Stadt stehen zu lassen. Der Gouverneur hängt an solchen Dingen. Möge die Macht Ihnen dienlich sein.“

Teneb senkte den Kopf kaum merklich, damit war es entschieden. Er verspürte keine Vorfreude, denn dafür war das, was vor ihnen lag, zu real.
Ein yevethanisch kontrollierter Raumhafen, ein Lager voller chemischer Waffen, enge Versorgungsschächte und am Ende eine Brutkammer, deren Bewohner vermutlich keinen einzigen Augenblick ihres Lebens verstanden hatten, warum zwei Fremde gekommen waren, um ihnen die Luft zu vergiften. Der Gedanke blieb. Teneb versuchte nicht, ihn zu vertreiben. Vielleicht wäre es leichter gewesen, wenn er sich einredete, dass es nur Yevethaner waren. Dieselben Wesen, die Verwundete in Wracks langsam aufgeschnitten hatten. Dieselbe Spezies, deren Krieger bereit waren, Körper zu Bergen aus Fleisch aufzuschichten, solange irgendein höheres Ziel dahinterstand.

Doch eine Brutkammer bestand nicht aus den Kriegern von Reject Alley, sie waren unschuldige Würmchen. Würmchen die irgendwann heranwachsen würden und ihre Sporne in die ungepanzerten Hälse von Sturmtruppen rammen würden. Das wusste er und
Sikarius wusste es vermutlich ebenfalls. Vielleicht war es ihm nur gleichgültig. Teneb konnte sich diesen Luxus noch nicht leisten. Er spürte die Frage wie einen kleinen kalten Gegenstand irgendwo hinter dem Brustbein: Was würde von ihm übrigbleiben, wenn er jedes Mal, wenn eine Tat unbequem wurde, einfach einen Grund fand, weshalb die Opfer sie verdient hatten? Sith kannten Mitleid. Natürlich taten sie das. Man musste etwas kennen, bevor man sich entschied, es zu ignorieren. Darin lag eine viel härtere Form von Freiheit als in der bloßen Abwesenheit von Skrupeln.
Er würde am Raumhafen kämpfen, falls es nötig war. Er würde den Kampfstoff tragen. Er würde durch die Schächte steigen und lernen, was aus ihm wurde, wenn der Plan sein Ziel erreichte. Danach konnte er sich immer noch darüber belügen, was es mit ihm gemacht hatte. Für den Augenblick genügte es, dass niemand außer ihm wusste, dass die Frage überhaupt existierte.


Kernwelten | Farlax-Sektor | Koornacht-Cluster | N'zoth-System | N'zoth | Werestilhere | Quartiere | Teneb Dask, Darth Sikarius und Major Tx'kali [NPC]​
 
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[ Kernwelten / Farlax-Sektor / Koornacht-Cluster / N'zoth-System / N'zoth / Werstilhere / Kommandobunker ] Leto und Teneb, sowie (NPCs) Major Tx'kali

Damit war alles gesagt.

Das Meeting ging zwar noch ein paar Minten, doch nichts, was noch aufkam war noch groß von Bedeutung. Schließlich machten sich auf den Weg.

Wie versprochen hatte man auf Hof Sturmtruppenrüstungen für sie bereitgestellt, die Leto mit ein paar Sprühdosen schwarzer Farbe erst einmal ein bisschen unauffälliger gestaltete. So recht verstand er nicht, warum imperiale Soldaten derart auffällig in Weiß rumliefen. Aber er hatte da wenig Lust drauf.

Also sprühte er großzügig und lies auch die Helme nicht aus, deren Visoren er nach getaner Arbeit mit einem Tuch grob sauberwischte. Das machte es zwar nur ein bisschen besser, aber wer brauchte schon Augen? Sie hatten die Macht und im Zweifel war das eben eine Trainingsübung für Teneb.

Dass er den Namen jetzt wusste… Schon irgendwie peinlich.

Danach ging es auch schon weiter. Nachdem sie sich in Schale – wortwörtlich – geworfen hatten, geleitete irgendein Offizier Schlag-Mich-Tot sie zu einem
gepanzerten Fahrzeug, das Leto auf älter als das Imperium schätzte. Der Lack war matt, zerkratzt und blätterte auf eine Weise ab, die schamlos gleich drei tieferliegende Schichten enthüllte, die nicht viel besser aussahen.

Unwillkürlich fühlte Leto sich an einen ganz ähnlichen Panzer erinnert, mit dem er hier auf N’zoth vom Raumhafen zum Regierungspalast gefahren war und der ihm die Opferbereitschaft des yevethanischen Volkes nur zu deutlich vor Augen geführt hatte. Na, mal schauen, wie es dieses Mal werden würde.

Er biss die Zähne zusammen und stieg ein.

Hinter ihnen schloss sich die Einstiegsluke des Panzers und das Ding fuhr los. Die Sith waren die einzigen Personen, die mit eingestiegen waren.

Eine ganze Weile lang fuhren sie, ohne dass in dem abgeschlossenen Innenraum heraus zu sehen war, wohin. Von den Deckenfunzeln funktionierte nur eine und auch die hüllte die beiden Sith flackernd immer wieder in Schwärze.


„Da draußen musst du hart sein“, brach Leto irgendwann das Schweigen. „Wir fahren nach Giat Nor, nicht Reject Alley. Es gibt keine Zivilisten hier. Die Krieger sind noch am einfachsten als Gefahr auszumachen, aber lass dich nicht verarschen. Jede Frau, jedes verdammte Kind wird versuchen dir die Eier abzuschneiden, wenn sie die Chance bekommen. Wenn du einen Yevethaner siehst, schau, dass er dich nicht sieht. Wenn doch, schieß erst und stell dann Fragen. Klar?“

Es war das Einzige, was zu sagen war.

Leto konnte nicht sagen, wie lang sie gefahren waren. Sein Com existierte irgendwo unter dem Sturmtruppenpanzer und er hatte keine Lust sich auszuziehen, nur um auf sein Chrono zu schauen. Irgendwann jedoch verlangsamte sich die Fahrt des Panzers und er blieb stehen. Wohl auf einen Knopfdruck des Piloten öffnete sich die Tür und die Sith erhoben sich.

Draußen bot sich ihnen ein deutlich anderer Ausblick als noch in Werstilhere. Der Pilot hatte sie mitten nach Giat Nor hineingefahren. Der Himmel war stahlgrau, gefärbt von den Zahlreichen Rauchsäulen sie überall um sie herum aufstiegen. Die Straße, auf der sie standen, war pockennarbig, übersäht mit Kratern und Schlaglöchern, hier und da gespickt mit einem toten Yevethaner.


„Hier endet der imperial kontrollierte Bereich“, ertönte die Stimme des Piloten aus einem Lautsprecher am Panzer. „Ich drehe um, bevor die noch ein paar D-Typen rausschicken, um mir die Hölle heiß zu machen. Der Raumhafen ist ein paar Klicks weiter die Straße runter. Viel Glück.“

[ Kernwelten / Farlax-Sektor / Koornacht-Cluster / N'zoth-System / N'zoth / Giat Nor / Seitenstraße ] Leto und Teneb
 
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