N'zoth

N'zoth | Werestilhere | Quartiere | Teneb Dask, Darth Sikarius und Major Tx'kali [NPC]
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Schweigend betrachtete der Schüler, wie sein Meister eine Sturmtruppenrüstung mit schwarzer Farbe misshandelte. Der Sprühnebel legte sich in ungleichmäßigen Bahnen über das weiße Plastoid, sammelte sich in Vertiefungen und lief stellenweise wie dünne schwarze Tränen über Brustplatte und Schulterstücke. Von der makellosen Anonymität imperialer Sturmtruppen blieb am Ende wenig übrig; die beiden Rüstungssätze wirkten eher, als hätte man sie aus einem ausgebrannten Garnisonsdepot gezogen und beschlossen, Ruß sei Tarnung genug. Teneb fand das Ergebnis überraschend passend. Weiß war auf N’zoth eine Einladung, Schwarz immerhin ein Versuch, weniger bereitwillig erschossen zu werden.

Er wischte das Visier seines Helmes sorgfältiger frei, als
Sikarius es getan hatte, und begann die Rüstung anzulegen. Das Plastoid saß fremd auf seinem Körper, hart an den Schultern und Gelenken, gleichzeitig beweglicher, als die massiven Platten vermuten ließen. Das Lichtschwert befestigte er so, dass seine Hand den Griff ohne Umwege erreichen konnte; ein Teil davon blieb sichtbar, doch wirkliche Tarnung war mit zwei Sith ohnehin eine optimistische Vorstellung. Als Teneb Dask den Helm probeweise schloss, wurden die Geräusche dumpfer, sein Atem strich hörbar durch die Filter, und kleine Anzeigen erwachten am Rand seines Sichtfeldes. Für einige Augenblicke betrachtete er seine schwarzen Panzerhandschuhe und dachte daran, wie viele Imperiale jeden Tag unter derselben Form verschwanden. Das Imperium machte aus Individuen wiederholbare Silhouetten. Auf Umbara hätte man für denselben Zweck vermutlich mehr Aufwand betrieben. Dennoch gefiel Die Rüstung dem Bleichen mehr, als er erwartet hatte. Das Plastoid lag wie eine feste Grenze zwischen ihm und der Außenwelt, dämpfte Geräusche, Gerüche und selbst die beiläufigen Berührungen des Raumes, bis alles ferner, geordneter und leichter zu ertragen wirkte. Hinter dem Visier wurde die Welt kleiner, gefilterter, beinahe still, und gerade in dieser künstlichen Abgeschlossenheit schien ihm der Ruf der Macht deutlicher entgegenzutreten, als hätte das Schweigen der Sinne Platz für etwas Tieferes geschaffen. Der Druck der Panzerplatten auf seinem Körper, der gleichmäßige Atem im Helm, die gedämpfte Stimme des eigenen Comms lösten in ihrer Summe etwas Tröstendes in ihm aus. Für einen seltenen Moment musste Teneb die Welt nicht an sich heranlassen, um sie wahrzunehmen.

Der wartende Juggernaut besaß keinerlei Anspruch auf Eleganz. Der HAVw A6 stand schwer auf seinen gewaltigen Rädern, ein kantiger Block aus Panzerplatten und Geschützen, gezeichnet von Jahrzehnten improvisierter Reparaturen und Strapatzen des Feldeinsatzes. Beim Einsteigen bemerkte
Teneb, wie Sikarius für einen kaum messbaren Augenblick innehielt, der Kiefer angespannt, die Hand fester am Rahmen der Luke. Teneb rief sich flüchtig dessen Erzählung über den letzten Aufenthalt auf N’zoth, die Yevethaner, die sich zu Tausenden vor gepanzerte Fahrzeuge geworfen hatten, und an die Art, wie sein Meister damals gelacht hatte, während seine Augen etwas völlig anderes erzählten. Er sagte nichts und folgte ihm hinein, schließlich galt es die schlafende Bestie in ihm nicht zu wecken. Retrospektiv musste der Umbaraner feststellen war Sikarius, für seine Verhältnisse, beinahe schon jovial gewesen. Doch ließ er sich davon nicht in Sicherheit wiegen, die kapriziöse Natur des Meisters erlaubte es nicht anders.

Die Luke fiel hinter ihnen zu, der Motor erwachte, und wenig später rollte der Panzer durch N’zoth. Im fensterlosen Innenraum gab es kaum etwas, woran sich Zeit festhalten konnte. Eine einzelne Deckenleuchte flackerte, Motor und Räder ließen den Boden unter ihren Füßen vibrieren, gelegentliche Detonationen drangen als fernes Grollen durch die Panzerung. Teneb saß Sikarius gegenüber, den Helm neben sich, und ließ seine Machtfühler vorsichtig über die Grenzen des Fahrzeugs hinausgleiten. Anfänglich spürte er noch regelmäßig Menschen, Wachposten und kleinere Ansammlungen imperialen Personals; mit fortschreitender Fahrt wurden die Zwischenräume länger und leerer.

Irgendwann brach Sikarius das Schweigen. Giat Nor sei eine andere Sache als Reject Alley. Zivilisten gebe es dort keine, Krieger seien noch am leichtesten zu erkennen, und jede Frau, jedes Kind werde versuchen, ihnen die Kehle aufzuschneiden, sobald sich Gelegenheit dazu bot. Wenn Teneb einen Yevethaner sah, sollte er dafür sorgen, dass dieser ihn gar nicht erst bemerkte; gelang das nicht, galt Schießen vor Fragen.
der Bleiche ließ die Warnung eine Weile zwischen ihnen stehen. Ein Teil davon klang nach jener groben Vereinfachung, zu der Sikarius neigte, wenn eine Welt unbequem viele Grautöne besaß. Doch Teneb erinnerte sich an die Art, wie sein Meister über Giat Nor gesprochen hatte, an diesen kurzen Blick in eine Vergangenheit, die offenbar selbst Sikarius nicht vollständig in Spott ertränken konnte. Gerade deshalb nahm er die Warnung ernst.


„Jawohl, Meister.“ Mehr sagte er nicht, seine Worte waren diesmal frei von Arglist, Argwohn oder anderen unterliegenden Gefühlen. Die Kostprobe des Planeten, gepaart mit den Erfahrungen seines Meisters sorgten dafür, dass er in diesem Punkt ohne wenn und aber sich auf Sikarius Urteil verlassen würde.

Der Satz über die fehlenden Zivilisten blieb trotzdem in ihm hängen. Solche Gewissheiten waren gefährlich bequem. Wer ein ganzes Volk in eine einzige Kategorie schob, brauchte weder Absichten zu prüfen noch Zögern zu rechtfertigen. Teneb hatte früh gelernt, einfachen Wahrheiten zu misstrauen, weil sie meist jemandem dienten. Der andere Teil von Sikarius’ Rat gefiel ihm weitaus besser: Sorge dafür, dass der Gegner dich gar nicht erst sieht.
Das entsprach inzwischen eher der Richtung, in die Teneb dachte.
Das flackernde Licht zeichnete Sikarius immer wieder neu aus der Dunkelheit heraus, und Teneb ertappte sich dabei, seinen Meister häufiger zu beobachten, seit UX-23 vernichtet worden war. Früher hatte stets noch eine dritte Präsenz zwischen ihnen existiert, kontrollierend, nervtötend zuverlässig und stark genug mit höherer Autorität verbunden, um Sikarius gelegentlich Grenzen aufzuzwingen. Nun saßen nur noch Meister und Schüler in einem alten Panzer auf dem Weg in eine Stadt, die den einen bereits einmal verfolgt hatte. Teneb wusste nicht, ob Giat Nor diesmal tatsächlich das Gefährlichste sein würde, was ihn erwartete.

Als der Juggernaut schließlich langsamer wurde, setzte er den Helm wieder auf. Wenig später öffnete sich die Heckluke, fahles Licht drang herein und Giat Nor lag vor ihnen. Die Stadt wirkte wie ein Ort, über den der Krieg bereits mehrfach hinweggegangen war und trotzdem noch nicht genug bekommen hatte. Rauch hing über den Straßenzügen, die breite Fahrbahn war von Kratern, Schlaglöchern und Trümmern übersät, ausgebrannte Fahrzeuge standen an den Häuserfronten, und zwischen ihnen lagen tote Yevethaner. Einer befand sich keine zwanzig Schritte entfernt auf dem Rücken, die natürliche Handgelenksklinge noch ausgefahren, während ein anderer weiter hinten über einer niedrigen Absperrung hing. Durch die Macht spürte
Teneb weitere Präsenzen in den umliegenden Gebäuden und Straßen, manche schwach, manche deutlich wacher, doch keine davon ließ sich sauber genug verorten, um ihm Sicherheit zu geben.

„Hier endet der imperial kontrollierte Bereich“, erklang die verzerrte Stimme des Piloten über den Außenlautsprecher. Der Raumhafen liege einige Klicks weiter die Straße hinunter; der Juggernaut werde umkehren, bevor yevethanische Jäger ihn als lohnendes Ziel entdeckten. Ein knappes „Viel Glück“ folgte, dann setzte sich das schwere Fahrzeug bereits wieder in Bewegung.

Teneb sah ihm nach, bis das Dröhnen zwischen den Gebäuden schwächer wurde und schließlich verschwand. Erst danach wandte er sich der Straße zu. Sie verlief breit und offen durch beschädigte Häuserreihen, bot lange Sichtlinien und genügend Fenster, Dächer und Fahrzeugwracks, um aus jedem Abschnitt eine Schussbahn zu machen. Einige Klicks auf dieser Straße erschienen ihm wie eine Einladung, den Yevethanern die Arbeit abzunehmen. Er ging zu einem der näheren Toten und kniete sich hin. Staub hatte sich auf der blassen Haut gesammelt, dunkles Blut klebte an der Kleidung, die Armklinge ragte noch immer aus dem Handgelenk.
Teneb betrachtete die Lage des Körpers mit beinahe schon morbider Faszination, die der Tod, diese finale Endlichkeit mit sich brachte, um anschließend die Straße und schließlich eine schmale Gasse zwischen zwei beschädigten Gebäuden zu mustern. Dort lag ein zweiter Toter, weiter hinten ein dritter. Ein Anmarschweg konnte auch in die andere Richtung benutzt werden. Teneb erhob sich wieder und deutete mit zwei gepanzerten Fingern in die Gasse.

„Meister. Wenn die Toten von dort gekommen sind, führt uns der Weg vermutlich tiefer hinein, ohne dass wir auf der Hauptstraße jedem Fenster der Stadt Gelegenheit geben, uns kennenzulernen.“


Er ließ die Hand wieder sinken. Mehr brauchte es nicht. Sikarius konnte entscheiden, ob er die Beobachtung aufgriff. Der Umbaraner glaubte inzwischen ein recht gutes Gespür dafür entwickelt zu haben, wann ein Vorschlag hilfreich wirkte und wann er vor anderen nach Korrektur seines Meisters roch. Andererseits konnte man es bei diesem Sith nie so genau sagen.

Ein ferner Einschlag ließ irgendwo gebrochenes Transparistahl aus einem Fensterrahmen regnen, danach legte sich wieder jene angespannte Ruhe über die Straße, die Teneb aus Reject Alley kannte. Seine Hand ruhte am Griff des Lichtschwerts, während seine Machtfühler vorsichtig in die Seitengasse glitten und nach Bewegungen suchten, die Augen noch nicht sehen konnten.
Sikarius hatte ihm geraten, einen Yevethaner zu erschießen, bevor dieser Gelegenheit bekam, dasselbe zu tun. Teneb gedachte, diese Lektion etwas früher beginnen zu lassen: Wenn sie ihren Weg zum Raumhafen geschickt wählten, sollten die Bewohner Giat Nors möglichst lange überhaupt keinen Grund haben zu wissen, worauf sie schießen mussten.

N'zoth | Giat Nor | Seitenstraße | Teneb Dask und Darth Sikarius sowie Yevethaner​
 
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