N'zoth

N'zoth | Werestilhere | Quartiere | Teneb Dask, Darth Sikarius und Major Tx'kali [NPC]
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Schweigend betrachtete der Schüler, wie sein Meister eine Sturmtruppenrüstung mit schwarzer Farbe misshandelte. Der Sprühnebel legte sich in ungleichmäßigen Bahnen über das weiße Plastoid, sammelte sich in Vertiefungen und lief stellenweise wie dünne schwarze Tränen über Brustplatte und Schulterstücke. Von der makellosen Anonymität imperialer Sturmtruppen blieb am Ende wenig übrig; die beiden Rüstungssätze wirkten eher, als hätte man sie aus einem ausgebrannten Garnisonsdepot gezogen und beschlossen, Ruß sei Tarnung genug. Teneb fand das Ergebnis überraschend passend. Weiß war auf N’zoth eine Einladung, Schwarz immerhin ein Versuch, weniger bereitwillig erschossen zu werden.

Er wischte das Visier seines Helmes sorgfältiger frei, als
Sikarius es getan hatte, und begann die Rüstung anzulegen. Das Plastoid saß fremd auf seinem Körper, hart an den Schultern und Gelenken, gleichzeitig beweglicher, als die massiven Platten vermuten ließen. Das Lichtschwert befestigte er so, dass seine Hand den Griff ohne Umwege erreichen konnte; ein Teil davon blieb sichtbar, doch wirkliche Tarnung war mit zwei Sith ohnehin eine optimistische Vorstellung. Als Teneb Dask den Helm probeweise schloss, wurden die Geräusche dumpfer, sein Atem strich hörbar durch die Filter, und kleine Anzeigen erwachten am Rand seines Sichtfeldes. Für einige Augenblicke betrachtete er seine schwarzen Panzerhandschuhe und dachte daran, wie viele Imperiale jeden Tag unter derselben Form verschwanden. Das Imperium machte aus Individuen wiederholbare Silhouetten. Auf Umbara hätte man für denselben Zweck vermutlich mehr Aufwand betrieben. Dennoch gefiel Die Rüstung dem Bleichen mehr, als er erwartet hatte. Das Plastoid lag wie eine feste Grenze zwischen ihm und der Außenwelt, dämpfte Geräusche, Gerüche und selbst die beiläufigen Berührungen des Raumes, bis alles ferner, geordneter und leichter zu ertragen wirkte. Hinter dem Visier wurde die Welt kleiner, gefilterter, beinahe still, und gerade in dieser künstlichen Abgeschlossenheit schien ihm der Ruf der Macht deutlicher entgegenzutreten, als hätte das Schweigen der Sinne Platz für etwas Tieferes geschaffen. Der Druck der Panzerplatten auf seinem Körper, der gleichmäßige Atem im Helm, die gedämpfte Stimme des eigenen Comms lösten in ihrer Summe etwas Tröstendes in ihm aus. Für einen seltenen Moment musste Teneb die Welt nicht an sich heranlassen, um sie wahrzunehmen.

Der wartende Juggernaut besaß keinerlei Anspruch auf Eleganz. Der HAVw A6 stand schwer auf seinen gewaltigen Rädern, ein kantiger Block aus Panzerplatten und Geschützen, gezeichnet von Jahrzehnten improvisierter Reparaturen und Strapatzen des Feldeinsatzes. Beim Einsteigen bemerkte
Teneb, wie Sikarius für einen kaum messbaren Augenblick innehielt, der Kiefer angespannt, die Hand fester am Rahmen der Luke. Teneb rief sich flüchtig dessen Erzählung über den letzten Aufenthalt auf N’zoth, die Yevethaner, die sich zu Tausenden vor gepanzerte Fahrzeuge geworfen hatten, und an die Art, wie sein Meister damals gelacht hatte, während seine Augen etwas völlig anderes erzählten. Er sagte nichts und folgte ihm hinein, schließlich galt es die schlafende Bestie in ihm nicht zu wecken. Retrospektiv musste der Umbaraner feststellen war Sikarius, für seine Verhältnisse, beinahe schon jovial gewesen. Doch ließ er sich davon nicht in Sicherheit wiegen, die kapriziöse Natur des Meisters erlaubte es nicht anders.

Die Luke fiel hinter ihnen zu, der Motor erwachte, und wenig später rollte der Panzer durch N’zoth. Im fensterlosen Innenraum gab es kaum etwas, woran sich Zeit festhalten konnte. Eine einzelne Deckenleuchte flackerte, Motor und Räder ließen den Boden unter ihren Füßen vibrieren, gelegentliche Detonationen drangen als fernes Grollen durch die Panzerung. Teneb saß Sikarius gegenüber, den Helm neben sich, und ließ seine Machtfühler vorsichtig über die Grenzen des Fahrzeugs hinausgleiten. Anfänglich spürte er noch regelmäßig Menschen, Wachposten und kleinere Ansammlungen imperialen Personals; mit fortschreitender Fahrt wurden die Zwischenräume länger und leerer.

Irgendwann brach Sikarius das Schweigen. Giat Nor sei eine andere Sache als Reject Alley. Zivilisten gebe es dort keine, Krieger seien noch am leichtesten zu erkennen, und jede Frau, jedes Kind werde versuchen, ihnen die Kehle aufzuschneiden, sobald sich Gelegenheit dazu bot. Wenn Teneb einen Yevethaner sah, sollte er dafür sorgen, dass dieser ihn gar nicht erst bemerkte; gelang das nicht, galt Schießen vor Fragen.
der Bleiche ließ die Warnung eine Weile zwischen ihnen stehen. Ein Teil davon klang nach jener groben Vereinfachung, zu der Sikarius neigte, wenn eine Welt unbequem viele Grautöne besaß. Doch Teneb erinnerte sich an die Art, wie sein Meister über Giat Nor gesprochen hatte, an diesen kurzen Blick in eine Vergangenheit, die offenbar selbst Sikarius nicht vollständig in Spott ertränken konnte. Gerade deshalb nahm er die Warnung ernst.


„Jawohl, Meister.“ Mehr sagte er nicht, seine Worte waren diesmal frei von Arglist, Argwohn oder anderen unterliegenden Gefühlen. Die Kostprobe des Planeten, gepaart mit den Erfahrungen seines Meisters sorgten dafür, dass er in diesem Punkt ohne wenn und aber sich auf Sikarius Urteil verlassen würde.

Der Satz über die fehlenden Zivilisten blieb trotzdem in ihm hängen. Solche Gewissheiten waren gefährlich bequem. Wer ein ganzes Volk in eine einzige Kategorie schob, brauchte weder Absichten zu prüfen noch Zögern zu rechtfertigen. Teneb hatte früh gelernt, einfachen Wahrheiten zu misstrauen, weil sie meist jemandem dienten. Der andere Teil von Sikarius’ Rat gefiel ihm weitaus besser: Sorge dafür, dass der Gegner dich gar nicht erst sieht.
Das entsprach inzwischen eher der Richtung, in die Teneb dachte.
Das flackernde Licht zeichnete Sikarius immer wieder neu aus der Dunkelheit heraus, und Teneb ertappte sich dabei, seinen Meister häufiger zu beobachten, seit UX-23 vernichtet worden war. Früher hatte stets noch eine dritte Präsenz zwischen ihnen existiert, kontrollierend, nervtötend zuverlässig und stark genug mit höherer Autorität verbunden, um Sikarius gelegentlich Grenzen aufzuzwingen. Nun saßen nur noch Meister und Schüler in einem alten Panzer auf dem Weg in eine Stadt, die den einen bereits einmal verfolgt hatte. Teneb wusste nicht, ob Giat Nor diesmal tatsächlich das Gefährlichste sein würde, was ihn erwartete.

Als der Juggernaut schließlich langsamer wurde, setzte er den Helm wieder auf. Wenig später öffnete sich die Heckluke, fahles Licht drang herein und Giat Nor lag vor ihnen. Die Stadt wirkte wie ein Ort, über den der Krieg bereits mehrfach hinweggegangen war und trotzdem noch nicht genug bekommen hatte. Rauch hing über den Straßenzügen, die breite Fahrbahn war von Kratern, Schlaglöchern und Trümmern übersät, ausgebrannte Fahrzeuge standen an den Häuserfronten, und zwischen ihnen lagen tote Yevethaner. Einer befand sich keine zwanzig Schritte entfernt auf dem Rücken, die natürliche Handgelenksklinge noch ausgefahren, während ein anderer weiter hinten über einer niedrigen Absperrung hing. Durch die Macht spürte
Teneb weitere Präsenzen in den umliegenden Gebäuden und Straßen, manche schwach, manche deutlich wacher, doch keine davon ließ sich sauber genug verorten, um ihm Sicherheit zu geben.

„Hier endet der imperial kontrollierte Bereich“, erklang die verzerrte Stimme des Piloten über den Außenlautsprecher. Der Raumhafen liege einige Klicks weiter die Straße hinunter; der Juggernaut werde umkehren, bevor yevethanische Jäger ihn als lohnendes Ziel entdeckten. Ein knappes „Viel Glück“ folgte, dann setzte sich das schwere Fahrzeug bereits wieder in Bewegung.

Teneb sah ihm nach, bis das Dröhnen zwischen den Gebäuden schwächer wurde und schließlich verschwand. Erst danach wandte er sich der Straße zu. Sie verlief breit und offen durch beschädigte Häuserreihen, bot lange Sichtlinien und genügend Fenster, Dächer und Fahrzeugwracks, um aus jedem Abschnitt eine Schussbahn zu machen. Einige Klicks auf dieser Straße erschienen ihm wie eine Einladung, den Yevethanern die Arbeit abzunehmen. Er ging zu einem der näheren Toten und kniete sich hin. Staub hatte sich auf der blassen Haut gesammelt, dunkles Blut klebte an der Kleidung, die Armklinge ragte noch immer aus dem Handgelenk.
Teneb betrachtete die Lage des Körpers mit beinahe schon morbider Faszination, die der Tod, diese finale Endlichkeit mit sich brachte, um anschließend die Straße und schließlich eine schmale Gasse zwischen zwei beschädigten Gebäuden zu mustern. Dort lag ein zweiter Toter, weiter hinten ein dritter. Ein Anmarschweg konnte auch in die andere Richtung benutzt werden. Teneb erhob sich wieder und deutete mit zwei gepanzerten Fingern in die Gasse.

„Meister. Wenn die Toten von dort gekommen sind, führt uns der Weg vermutlich tiefer hinein, ohne dass wir auf der Hauptstraße jedem Fenster der Stadt Gelegenheit geben, uns kennenzulernen.“


Er ließ die Hand wieder sinken. Mehr brauchte es nicht. Sikarius konnte entscheiden, ob er die Beobachtung aufgriff. Der Umbaraner glaubte inzwischen ein recht gutes Gespür dafür entwickelt zu haben, wann ein Vorschlag hilfreich wirkte und wann er vor anderen nach Korrektur seines Meisters roch. Andererseits konnte man es bei diesem Sith nie so genau sagen.

Ein ferner Einschlag ließ irgendwo gebrochenes Transparistahl aus einem Fensterrahmen regnen, danach legte sich wieder jene angespannte Ruhe über die Straße, die Teneb aus Reject Alley kannte. Seine Hand ruhte am Griff des Lichtschwerts, während seine Machtfühler vorsichtig in die Seitengasse glitten und nach Bewegungen suchten, die Augen noch nicht sehen konnten.
Sikarius hatte ihm geraten, einen Yevethaner zu erschießen, bevor dieser Gelegenheit bekam, dasselbe zu tun. Teneb gedachte, diese Lektion etwas früher beginnen zu lassen: Wenn sie ihren Weg zum Raumhafen geschickt wählten, sollten die Bewohner Giat Nors möglichst lange überhaupt keinen Grund haben zu wissen, worauf sie schießen mussten.

N'zoth | Giat Nor | Seitenstraße | Teneb Dask und Darth Sikarius sowie Yevethaner​
 
[ Kernwelten / Farlax-Sektor / Koornacht-Cluster / N'zoth-System / N'zoth / Giat Nor / Seitenstraße ] Leto und Teneb

Leto ließ Giat Not für einige Sekunden auf sich wirken. Die Toten, die lebenden Auren, die sich in manchen der umliegenden Häuser zusammenkauerten…die schweren Wolken, die über allem lagen wie in verkohltes Leichentuch. Seit er das letzte Mal hier gewesen war, hatte die Stadt sich verändert. Sicher nicht diese Straße speziell – hier stand er zum ersten Mal – eher die Grundstimmung.

Damals waren die Yevethaner triumphal gewesen, ein siegreiches Volk auf dem aufsteigenden Ast. Heute war es das Gegenteil. Der letzte Widerstand, nachdem ihnen die Galaxis gezeigt hatte, wie dumm es doch gewesen war anzunehmen, sie hätten trotz ihrer Stärke echte Macht.

Leto konnte die Lektion nur zu gut nachvollziehen.

Die Worte seines Schülers, lenkten Letos Aufmerksamkeit wieder auf das hier und jetzt. Seine Stimme war gedämpft von seinem Helm und von dessen Vokoder noch zusätzlich mechanisiert. Er klang ja beinahe wie ein echter Sturmtruppler!

Die Daumen in seinen Gürtel gehakt, trat Leto näher an die Leichen. Den Toten folgen…kein dummer Gedanke.


„Vermutlich. Die Gassen würden auch gute Deckung bieten…“, brummte er und sah von der Abzweigung erst hinauf zu den Hausdächern und dann über die Schulter, wo er einen Gulli ausgemacht hatte. Wie die Yevethaner sich wohl auf ihre imperialen Angreifer vorbereitet hatten? „Ja. Geh’n wir in die Richtung…aber nicht ebenerdig. Komm, schwing deinen Arsch, Topnep.“

Aus dem Stand ging Leto leicht in die Knie beförderte sich mit einem machtverstärkten Sprung auf das nächste Hausdach, zwei Stockwerke über ihm.

Das Klima Giat Nors war normalerweise heiß und unnachgiebig, was sich auch im Design der Hausdächer um sie herum widerspiegelte. Giebel und Ziegelsteine suchte man hier vergebens. Die Dächer waren flach, hell getüncht gegen die Sonne, die man hier grade so vergeblich suchte.

Kurz ließ Leto den Blick über die Skyline wandern. In der Gasse hätten sie Deckung, konnten jedoch auch leicht von umliegenden Häusern aus gesehen werden. Hier oben würden sie für die lokalen Yevethaner unsichtbar sein, doch von den hoch aufragenden Gebäuden im Stadtzentrum würde es vielleicht möglich sein sie auszumachen. Verdammt, jetzt hoben sie schwarzen Rüstungen ja doch wieder gegen den hellen Untergrund ab!

Scheiß drauf, nichts zu machen! Erfahrung im Schleichen hatte er ja.

Die beiden Sith machten sich auf den Weg. Leto ging geduckt und versuchte in Deckung zu bleiben, wann immer möglich. Seine Aufmerksamkeit lag dabei vor allem auf der Skyline. Sniper fürchtete er nicht, doch wollte er auch den Schwarm nicht aufschrecken, falls sie sich zu früh als keine normalen Imperialen zu erkennen gaben.

Immer wieder hallten dumpfe Explosionen durch die Stadt. TIE-Fighter heulten über den Himmel, oft im Gefecht mit Jägern des gleichen Typs, der sie über Reject Alley abgeschossen hatte. Was auch immer das Imperium für eine Strategie fuhr, eine wirkliche Front schien es nicht zu geben. Von überall und nirgendwo ertönten Blasterfeuer, Schreie und Lärm, der sich nicht immer sofort zuordnen ließ. Leto verstand, warum ihr Taxi sich so schnell aus dem Staub gemacht hatte.

Und je weiter sie vordrangen, desto schlimmer schien es zu werden.

Mehr aus Reflex als bewusster Entscheidung riss Leto Teneb zu Boden, als ein weiterer Dogfight direkt über ihren Köpfen eskalierte. Die imperialen TIE-Fighter gewann und ein yevethantischer Jäger stürzte in ein paar Straßen weiter, das augenblicklich in Flammen aufging.

Für ein paar Sekunden blieb er liegen, dann sah er sich um. Trotz der Explosion und des Brandes waren keine Yevethaner auf die Straße herausgekommen. Ein leichter Regen hatte eingesetzt.

Vielleicht hoffte man, dass das Feuer wieder von allein ausgehen würde.

An ihrer Stelle nichts, worauf er sich verlassen hätte. Ein weiteres Mal sah er sich um, erspähte jedoch nichts weiter als ein rot blinkendes Licht am Himmel. Er konnte nicht ausmachen, worum es sich handelte, oder wie weit es weg war. Unwichtig also, vermutlich.


„Komm weiter, wir haben noch gut Fußweg“, schnappte er in Richtung seines Schülers, stemmte sich mit den Armen hoch und schwang sich wieder auf die Beine. Ein weiterer Sprung beförderte ihn auf die andere Seite der Gasse, an der sie sich bis jetzt entlanggearbeitet hatten, bevor er sich nach der nächsten Station auf ihrem Weg umsah.

Ein plötzlicher Impuls seines Machtsinnes ließ ihn innehalten. Sein Eindruck des flackernden Lebens im Haus zu seinen Füßen hatte sich verändert. Von einer Sekunde zur anderen war erst eine Aura von angsterfüllter Wachsamkeit, zu eiserner Entschlossenheit umgeschwungen.

Und dann die anderen auch.

Einen Herzschlag zu lange überlegte er, ob er abwarten oder vorwärts fliehen sollte, da schwang eine Klappe auf dem Dach auf und das scharfkantige Gesicht eines Yevethaners schob sich hinaus.


„Thetan nitakka, ko nakaza!“, fauchte die Gestalt und schwang sich schwerfällig auf die Fläche. Erst auf den zweiten Blick bemerkte Leto, dass es sich bei dem Mann um einen älteren Vertreter seiner Spezies handeln musste. Er war gebeugt und seine Armklingen schoben sich langsamer aus dem Fleisch, als Leto das bisher bei Vertretern der Art gesehen hatte.

Trotz des offensichtlichen Kampfeswillen griff der Alte nicht sofort an, sondern wartete, während weitere Yevethaner aus dem Loch stiegen. Eine weibliche Yevethanerin, ein sich windendes Bündel um die Brust geschnallt, zwei weitere Greise, ein offensichtlich halbwüchsiges Alien und zwei Gestalten, die Leto kaum bis zur Hüfte reichten.


„Huh“, machte Leto und schaute dem Schauspiel einfach nur zu, während er langsam sein Scimitar aus der Scheide zog. Dann schalt er sich einen Narren. Er wusste was hier gespielt wurde, warum war er überrascht?

„Euer scheiß Ernst?“, fragte er, doch da hatte sich die Gruppe schon wie ein Körper in Bewegung gesetzt.

„Thetan nitakka, ko nakaza!“, schrien sie und schafften es im flackernden Licht des Feuers sogar ein wenig einschüchternd auszusehen.

[ Kernwelten / Farlax-Sektor / Koornacht-Cluster / N'zoth-System / N'zoth / Giat Nor / Hausdach / Etwa 1,5 Klicks vom Raumhafen entfernt ] Leto und Teneb, sowie (NPCs) yevethanische Familie
 
N'zoth | Giat Nor | Seitenstraße | Teneb Dask und Darth Sikarius sowie Yevethaner
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Vom Moment an, da sie den Juggernaut hinter sich gelassen hatten, war Giat Nor für Teneb Dask zu einer Abfolge aus Sprüngen, geduckten Wegen über flache Dächer und kurzen, angespannten Pausen geworden, in denen sie lauschten, fühlten und weiterzogen, sobald der nächste Abschnitt frei schien. Der leichte Regen legte einen feuchten Film auf die schwarz besprühte Rüstung, während über ihnen immer wieder TIEs und yevethanische Jäger durch den grauen Himmel schnitten und die Stadt unter ihren Gefechten erbebte. Ein abgestürzter D-Typ hatte einige Straßen weiter Feuer in die Fassaden getragen, Blasterfeuer flackerte aus wechselnden Richtungen, ohne dass Teneb eine klare Front erkennen konnte, und genau diese Unübersichtlichkeit machte jeden Schritt tiefer in die Stadt gefährlicher. Als Sikarius ihn im Reflex vor einem über ihnen eskalierenden Luftkampf zu Boden gerissen hatte, war dem Bleichen für einen kurzen Moment wieder bewusst geworden, wie dünn die Grenze zwischen Kontrolle und Zufall hier draußen war. Danach hatten sie ihren Weg fortgesetzt, Haus für Haus, Dach für Dach, bis sein Machtsinn schließlich die Veränderung in den Auren unter ihnen bemerkte und aus angespannter Wachsamkeit jene eiserne Entschlossenheit wurde, die wenige Herzschläge später Gestalt annahm.

Der erste Eindruck, der
Teneb traf, war beinahe absurder als bedrohlich. Aus der geöffneten Dachluke stieg keine geschlossene Gruppe bewaffneter Krieger, wie er sie seit Reject Alley mit den Yevethanern verband, sondern eine kleine, verstörende Gemeinschaft aus Alter, Gebrechlichkeit und Jugend, zusammengehalten durch denselben Ausdruck eiserner Entschlossenheit. Der Greis an der Spitze bewegte sich schwerfällig, seine natürlichen Armklingen schoben sich langsamer aus dem Fleisch als bei den Kämpfern, denen Teneb bisher begegnet war, und hinter ihm folgten weitere alte Gestalten, eine Frau mit einem eng an die Brust gebundenen Bündel, ein Halbwüchsiger und zwei Kinder, deren Körper neben den Erwachsenen beinahe zerbrechlich wirkten. Trotzdem lag in keiner ihrer Auren jene hilflose Panik, die der Umbaraner erwartet hätte. Angst war da, sogar reichlich, doch sie hatte sich verhärtet, verdichtet und in etwas verwandelt, das sich durch seinen Machtsinn wie gespannter Draht zog. Selbst die Kleinsten standen dort, als gehöre dieser Augenblick längst zu einem Ablauf, den sie kannten.

Sikarius’ Worte aus dem Inneren des Juggernauts kehrten mit unangenehmer Klarheit zurück. Es gibt keine Zivilisten hier. Teneb hatte den Satz als gefährlich bequem empfunden, als eine jener groben Wahrheiten, mit denen sein Meister die Welt gern auf eine Größe zusammenschlug, die unter sein Scimitar passte. Jetzt sah er die Frau, wie ihre Armklinge aus dem Handgelenk glitt, sah den Halbwüchsigen nach einer kurzen Schusswaffe greifen und bemerkte bei einem der Kinder einen kleinen metallischen Gegenstand zwischen den Fingern. Der Satz wurde dadurch kein bisschen angenehmer. Ein Greis blieb ein Greis, auch wenn er eine Klinge zog. Ein Kind blieb ein Kind, auch wenn es eine Granate trug. Der Gedanke änderte nichts daran, dass beides tödlich sein konnte. Teneb spürte seinen Herzschlag hinter dem Brustpanzer deutlicher werden. Das gleichmäßige Atmen in seinem Helm, das vor wenigen Stunden noch beinahe tröstlich gewirkt hatte, bekam einen anderen Rhythmus, während das Visier den Dachabschnitt vor ihm in einen engen, geordneten Rahmen zwang. Gerade diese künstliche Distanz half ihm jetzt. Der Rauch über Giat Nor, das ferne Donnern der Luftkämpfe, das Feuer einige Straßen weiter und die Stimmen der Yevethaner drangen gedämpft zu ihm durch, als läge eine dünne Wand zwischen seinem Körper und der Wirklichkeit. Unter dieser Wand wurde die Macht lauter. Sie zeichnete jede Präsenz um ihn herum mit einer Klarheit nach, die seine Augen nicht leisten konnten, und Teneb konzentrierte sich darauf, als die Gruppe sich gleichzeitig in Bewegung setzte und etwas in ihrer Sprache riefen, dass für ihn nur unverständliches Geschwätz war.

Er griff zuerst nach dem Alten an der Spitze. Die Macht spannte sich zwischen ihnen, verdichtete sich unter
Tenebs Willen und traf den Yevethaner mit einem harten Stoß gegen den Brustkorb. Der gebrechliche Körper wurde zurückgerissen und schlug gegen eine niedrige Dachkante, während die übrigen Angreifer auseinandergingen. Genau diese Auflösung wollte Teneb verhindern. Eine einzelne Front ließ sich lesen, mehrere verstreute Gegner zwangen ihn, gleichzeitig auf zu viele Winkel zu achten. Seine linke Hand riss einen Träger aus der Wand, was zu einer Schutt- und Staubentwicklung führte und ihre Sicht behinderte. Der Wind griff danach, zerrte an den Schwaden und drückte sie zwischen Dachaufbauten und Lüftungsschächte, doch genug blieb zurück, um Sichtlinien zu zerreißen und Körper in undeutliche Schatten zu verwandeln. Die Reaktion kam sofort. Schritte scharrten über den Untergrund, mehrere Stimmen schrien denselben yevethanischen Satz, irgendwo prallte ein Körper gegen Metall. Teneb bewegte sich seitwärts, geduckt und dicht an einem niedrigen Aufbau entlang, während seine Machtwahrnehmung an die Stelle seiner Augen trat. Dort links eine harte, alte Präsenz. Weiter hinten zwei kleine, dicht beieinander. Die Frau am Dachzugang. Sikarius wenige Schritte entfernt, schwer und dunkel wie ein Brandherd hinter einer Wand. Der Sith Schüler spürte den nächsten Angriff, bevor er ihn sah, und hob den gepanzerten Arm gerade rechtzeitig, als eine Armklinge durch den Rauch schnitt. Metall kreischte über Plastoid, hinterließ eine tiefe Furche im Unterarmschutz und glitt ab. Für einen flüchtigen Moment empfand Teneb beinahe Dankbarkeit für die sperrige Rüstung, bevor seine andere Hand bereits das Lichtschwert zog.

Blaues Licht zerschnitt den Rauch und färbte die umliegenden Schwaden für einen Herzschlag in kalte Farbe. Der Greis vor ihm erstarrte.
Teneb sah, wie sich dessen Gesicht veränderte, wie Hass und Kampfeswille von etwas Älterem erfasst wurden, das tiefer saß als der gegenwärtige Krieg. Die Augen des Yevethaners wanderten über die Klinge, und aus seinem Mund kam ein Laut, der Teneb kein vollständiges Wort erschloss, dessen Bedeutung jedoch kaum misszuverstehen war. Kal Fraans Waffe besaß hier eine Geschichte, die selbst jene kannten, die kaum noch gehen konnten. Der Greis stürzte sich trotzdem wieder auf ihn. Teneb wich zur Seite, führte die blaue Klinge tief und trennte die natürliche Armwaffe am Handgelenk ab. Der Geruch verbrannten Fleisches mischte sich unter Rauch und nassen Staub, doch selbst der Verlust der Klinge brachte den Alten kaum zur Ruhe. Er taumelte, fing sich und setzte bereits zum nächsten Schritt an, bis Teneb ihn mit einem zweiten Machtstoß aus unmittelbarer Nähe zurückschleuderte.

Ein Blasterschuss zerriss die grauen Schwaden rechts von ihm und schlug Funken aus einer Dachkante.
Teneb drehte sich herum und erkannte den Halbwüchsigen, der eine kurze, abgenutzte Waffe auf ihn richtete. Der Lauf hob sich erneut, doch Teneb griff mit der Macht danach, riss ihn aus der Schusslinie und zog so hart, dass der junge Yevethaner mehrere Schritte nach vorn stolperte. Für einen kurzen Augenblick entstand zwischen ihnen ein beinahe groteskes Tauziehen, bis der Umbaraner den Griff verstärkte und das Gewehr aus den Händen seines Gegners riss. Es flog durch den Rauch, Teneb fing es mit der gepanzerten Hand auf und richtete den Lauf fast automatisch zurück auf den Gestürzten. Der Finger lag am Abzug. Hinter dem schmalen Visier des Helms sah er den anderen auf dem Dach liegen und begriff, wie wenig Kraft diese Entscheidung kosten würde.

Er schoss nicht. Das Gewehr flog über den Dachrand und verschwand zwischen den Gebäuden. Der Halbwüchsige beantwortete die Gnade auf yevethanische Weise. Er kam mit einer Geschwindigkeit wieder hoch, die
Teneb bei dem Sturz kaum erwartet hatte, zog eine kurze Klinge und warf sich erneut auf ihn. Teneb parierte den Angriff mit dem gepanzerten Unterarm, fasste das Handgelenk und nutzte den Schwung des anderen, um ihn über die Hüfte auf das Dach zu werfen. Die Klinge schlitterte davon. Als der Yevethaner sich trotzdem wieder aufzurichten versuchte und nach seinem Bein griff, griff Teneb zu seinem Erschrecken instinktiv in die Macht hinaus und zog den Jungen mit einem kräftigen Ruck auf ihn zu, direkt in die gleißende Plasmaklinge seines Lichtschwerts. Die Augen des jungen Yevethaners waren weit aufgerissen, während er mit seinen blutigen Lippen seinen Lebensatem und erneut diesen einen Satz aushauchte, den der Umbaraner nicht verstand. Die Augen des Jünglings verloren ihren Glanz, wurden stumpf. Statt die Klinge rauszuziehen oder kurz zu de- und erneut zu reaktivieren, zog er sie schnalzend zur Seite und der Geruch von verbranntem Fleisch mischte sich noch penetranter in das olfaktorische Potpourri dieser Szenerie.
Die Macht warnte ihn erneut, diesmal schärfer. Wo war Sikarius, wieso hatte der Umbaraner das Gefühl, er müsse hier gegen Greise, Kinder und Mütter kämpfen? Für eine Sezierung dieses Gedanken blieb keine Zeit, wenn er verhindern wollte, das selbiges mit ihm getan werden würde.
Teneb fuhr herum und sah die Frau aus dem Rauch treten. Das Bündel an ihrer Brust bewegte sich, und erst jetzt hörte er darunter ein dünnes, kehliges Wimmern. Ein Säugling, begriff er, oder zumindest etwas, das bei den Yevethanern derselben Lebensphase entsprach. Die Frau kam trotzdem weiter auf ihn zu, ihre Aura ein unauflösbarer Knoten aus Angst, Hass und einer Entschlossenheit, die sich fast körperlich anfühlte. Eine Hand hielt sie hinter dem Rücken. Teneb konzentrierte sich darauf, sah Metall zwischen ihren Fingern hervorblitzen und griff mit der Macht zu, noch bevor sie den Arm vollständig nach vorn bringen konnte. Der Sprengsatz riss aus ihrer Hand und schwebte einen Augenblick zwischen ihnen. Die Yevethanerin stieß einen schrillen Laut aus, ihre Armklinge zuckte nach vorn und strich so dicht am Hals seines Helmes vorbei, dass Teneb den Luftzug spürte. Er wich zurück, fing ihr Handgelenk, stieß sie mit der Schulter gegen einen Dachaufbau und bekam im nächsten Moment ihre Stirn gegen das Visier. Weißes Licht blitzte durch seine Sicht, mehrere Anzeigen flackerten, und sein Gleichgewicht brach kurz ein. Die Frau setzte sofort nach. Teneb hob instinktiv die Hand und schloss den Machtgriff um ihren Hals. Sie blieb mitten in der Bewegung hängen. Ihre Füße lösten sich wenige Fingerbreit vom Boden, und für einige Sekunden sah Teneb nur ihre Augen durch den dünner werdenden Rauch. Der Hass darin war fast makellos. Gleichzeitig wand sich das kleine Wesen an ihrer Brust und begann lauter zu schreien. Teneb spürte, wie wenig Anstrengung es kosten würde, seinen Griff zu verengen. Ein einfacher Gedanke, ein wenig Druck, und die Gefahr wäre beseitigt. Sikarius hatte ihm oft genug gezeigt, wie schnell Widerstand endete, wenn man den richtigen Punkt traf. Teneb schleuderte sie gegen die Wand des Aufbaus. Der Hinterkopf traf Metall, ihr Körper sackte zu Boden, und das Kind begann nun endgültig zu schreien.

Der Laut blieb in Tenebs Helm hängen. Für einen Augenblick stand er reglos da, das blaue Lichtschwert in einer Hand, den erbeuteten Sprengsatz mit der Macht neben sich haltend, während Rauch und leichter Regen sich über dem Dach vermischten. Die Tropfen zeichneten dunkle Punkte auf das schwarze Plastoid. Er hatte erwartet, dass
Sikarius’ Warnung irgendwann bestätigt werden würde. Er hatte nicht erwartet, dass die Bestätigung sich derart falsch anfühlte. Möglicherweise war genau das der Unterschied zwischen Wissen und Erleben. Ein Kind mit einer Waffe war immer noch ein Kind. Eine Mutter mit einem Sprengsatz war immer noch eine Mutter. Beides konnte ihn töten. Alle drei Wahrheiten passten gleichzeitig in dieselbe Welt, und Teneb verspürte keinen Drang mehr, sie sauber voneinander zu trennen.
Der Rauch begann sich zu lichten. Einer der alten Yevethaner schleppte sich an der Dachkante entlang, ein anderer lag reglos zwischen den Schwaden. Die beiden kleinsten Auren hatten sich dicht an den Dachzugang zurückgezogen, doch sie flohen nicht. Unter ihnen veränderte sich die Macht. Mehrere Präsenzen gerieten in Bewegung, kamen zusammen, beschleunigten und drängten in Richtung Treppenhaus. Das metallische Scheppern aus der Tiefe bestätigte, was Teneb bereits fühlte: Diese Begegnung würde sich in wenigen Augenblicken vergrößern.

Er deaktivierte das Lichtschwert und ließ den yevethanischen Sprengsatz in seine gepanzerte Hand sinken, dessen Gewicht plötzlich bemerkenswert real wirkte. Töten war hier kein Problem, das sich irgendwann erschöpfte. Für jeden Gegner, den sie auf diesem Dach niederschlugen, konnten aus irgendeinem Keller, einer Wohnung oder einem Schacht drei weitere kommen, und jeder Herzschlag, den sie an diesem Ort verloren, erhöhte die Wahrscheinlichkeit, dass die Nachricht von zwei schwarz gepanzerten Fremden mit Lichtschwert und Scimitar ihren eigentlichen Weg überholte.


„Meister“, sagte Teneb durch den Vokoder und warf einen Blick zur Dachluke, aus deren Tiefe bereits weitere Schritte drangen. „Wo die herkamen, folgen weitere. Wenn wir bleiben, haben wir gleich die ganze Nachbarschaft hier.“

Er ließ seinen Blick über die umliegenden Dächer weiter in Richtung des Raumhafens gleiten. Dort lag ihr Ziel, mehrere Häuserblöcke entfernt, verborgen hinter Rauch, Brandstellen und einer Stadt, deren Bewohner selbst in Alter, Jugend und offenkundiger Unterlegenheit bereit waren, sich gegen Eindringlinge zu werfen. Der Bleiche verstand nun besser, was Sikarius im Juggernaut gemeint hatte, doch die Erkenntnis brachte ihm keine Klarheit. Giat Nor hatte aus seinen Bewohnern eine einzige Verteidigung gemacht, ohne ihnen deshalb ihre einzelnen Gesichter zu nehmen. Vielleicht lag genau darin die Gefahr, die über Klingen und Blaster hinausging: Wer lange genug durch eine solche Stadt ging, konnte irgendwann anfangen, in jedem Körper nur noch ein Ziel zu sehen.

Teneb hielt den erbeuteten Sprengsatz noch einen Augenblick in der gepanzerten Hand und spürte, wie der Gewissenskonflikt in ihm einen neuen, hässlicheren Ausweg fand. Wenn er oben blieb, musste er weiter entscheiden, wen er verschonte, wen er niederstreckte und ob ein Kind mit einer Klinge für ihn bereits denselben Wert besaß wie ein Krieger. Unter ihnen dagegen sammelten sich Auren, die längst wussten, dass Feinde auf dem Dach standen, und mit jedem Herzschlag zahlreicher wurden. Die Dachluke lag offen wie der Hals eines Schachtes, eng eingefasst von Wänden und Treppenhaus, ein Ort, an dem sich eine Detonation kaum frei entladen konnte. Der Druck würde im Inneren gefangen bleiben, von Mauer zu Mauer schlagen, Splitter und Feuer durch den Raum treiben und aus einem kleinen Sprengsatz etwas machen, das weit verheerender war als auf offener Fläche.
Teneb wusste das. Gerade deshalb ließ er den Daumen über den Zünder gleiten. Für einen kurzen Moment hob er den Blick zu Sikarius, suchte hinter dessen Haltung keine ausdrückliche Zustimmung, eher jene winzige Regung, die genügte, um aus einem Gedanken einen gemeinsamen Plan zu machen.

N'zoth | Giat Nor | Hausdach, 1,5 Klicks vom Raumhafen entfernt | Teneb Dask und Darth Sikarius sowie Yevethaner​
 
[ Kernwelten / Farlax-Sektor / Koornacht-Cluster / N'zoth-System / N'zoth / Giat Nor / Hausdach / Etwa 1,5 Klicks vom Raumhafen entfernt ] Leto und Teneb, sowie (NPCs) yevethanische Familie

Die Yevethaner waren keine Gegner für Leto. Nicht diese Handvoll und nicht dieser Restbestand. Rasch hatte er sich entschieden, dass sie aber doch auf eine ganz bestimmte Art und Weise nützlich sein konnten.

Wenn er sich ein kleines bisschen aus dem Kampf heraushielt, zumindest.

Während Teneb den Angriff der Xenos voll abbekam, blieb Leto zurück. Tötete beiläufig einen Alten und die beiden Kinder, die die bescheuerte Idee gehabt hatten, ihn direkt anzugehen. Das Hauen und Stechen davon ab überließ er seinem Schüler. Seine Worte im Taxipanzer mochte Teneb gehört, aber vielleiht nicht verstanden haben. Unter Garantie verstand er sie jetzt.

Nur das blaue Leuchten von Kal Fraans Lichtschwert machte ihm Sorgen. War das von der Skyline aus sichtbar gewesen? Vermutlich nur, wenn man dort drauf geachtet hatte. Sicherlich besser, wenn sie nicht allzu lange hier verweilten.

Teneb schien ein ähnlicher Gedanke gekommen zu sein. Auch wenn seine Sorge wohl eher Verstärkung aus der Luke galt, als Scharfschützenfeuer.


„Worauf wartest du dann?“, fragte Leto und nickte in Richtung der yevethanischen Granate die Teneb wie bestellt und nicht abgeholt über die Öffnung hielt. Währenddessen schwang er sein Scimitar, um es vom größten Blut zu befreien und wandte sich zum Gehen.

Er sprang und hörte einen Herzschlag später die dumpfe Detonation des Sprengsatzes. Dann Schreie – da waren wohl wirklich noch ein paar Scherzkekse zu ihnen auf dem Weg gewesen.

Was auch immer die Yevethaner sich davon versprachen ihnen Kinder, Mütter und Greise auf den Weg zu hetzen, es würde ihnen nicht helfen. Hatte schon beim letzten Mal nicht. Sie hatten versucht einen Panzer mit nichts als ihren Leibern aufzuhalten und am Ende des Tages hatte er trotzdem Kal Fraan seinen dreckigen Xenohals durchgeschnitten.

Was war denn der Plan hier genau? Ein guter konnte es nicht sein.

Nach dem Scharmützel gewichtete Leto Geschwindigkeit über Heimlichkeit. Der Raumhafen war nicht mehr fern und er wollte schnell aus dem Gebiet raus, in dem Teneb mit dem Lichtschwert herumgefuchtelt hatte.

Hier schienen nun auch die Kämpfe stärker zu werden. Sicher, den ganzen Weg über waren Kampfgeräusche aus allen Richtungen gedrungen, hier jedoch schienen die Gefechte am schlimmsten zu sein. Das Dröhnen großer Maschinen, die Schreie angreifender Krieger und der helle Regen von Blasterfeuer erfüllten die Luft und wirkten im stärker werdenden Regen seltsam unwirklich.

Das Wasser hatte begonnen in dicken Tropfen auf die Stadt herabzufallen. Jeder einzelne schien schwarze Flecken auf den hellen Dächern zu hinterlassen. Wohl dem Ruß geschuldet, den die Gefechte aufgewirbelt hatten und der nun irgendwann wieder herunterkommen musste.

Eines der Hochhäuser in der Ferne hatte Feuer gefangen und tauchte die ganze Szenerie in den orangeroten Schein einer brennenden Fackel. Glücklicherweise filterte der Sturmtruppenhelm sowohl den Rauch als auch den Gestank der sterbenden Stadt.


„Da vorne ist es“, brummte Leto und hielt schließlich am Rande des letzten Daches vor dem Raumhafen inne. Ein halber Klick Weg lag noch vor ihnen, doch gab es ab hier keine Häuser mehr auf denen sie Deckung suchen konnten. Der Platz mochte früher einmal prächtig gewesen sein, mit weiten Zugangsstraßen und besonders dem Prachtboulevard, das in Richtung des Gouverneurspalastes führte.

Was sich hier seit seinem letzten Besuch entwickelt hatte, glich jedoch mehr einer Mondlandschaft. Ausgebrannte Fahrzeuge, Leichen und Krater verunzierten die hellen Steine, so weit das Auge reichte.

Ungefähr auf der Hälfte der freien Fläche, hatten die Yevethaner sich eingegraben. Stacheldraht, Barrikaden und Gräben zogen sich in einer Linie von einer Seite zur anderen, aus denen immer wieder Xenoköpfe auftauchten und auf einen von hier aus unsichtbaren Feind feuerten.

Wobei nein, nicht bei allen Kämpfenden handelte es sich um Yevethaner. Bei näherem Hinschauen erkannte Leto die
Droiden, die auch schon Verwendung gefunden hatten, als der Krieg noch gut gelaufen war. Nun schienen die dürren Gestalten jedoch noch einen größeren Anteil der kämpfenden Masse auszumachen. Aus der Ferne waren Xeno und Droide einfach etwas schwer auseinanderzuhalten – die Xenokörper wiesen eine ähnliche Statur und Hautfarbe auf wie die Maschinen.

„Wie würdest du dieses Hindernis überwinden, Schüler?“, fragte Leto an Teneb gewandt. Er selbst hatte noch keine gute Antwort, aber es schadete nicht den Geist des Jungen ein bisschen zu fordern.

Bevor Teneb jedoch antworten konnte, zog das leise Wummern eines Repulsorantriebs Letos Aufmerksamkeit auf sich. Verwirrt legte er den Kopf schief und verfolgte, wie das rote Auge eines
ID9 Seekerdroiden zielstrebig auf ihn zuhielt. „UX-23?“, fragte er und rief sich in Erinnerung, wie der das blöde Ding erst gestern zusammengeknüllt und zurückgelassen hatte.

Es war die Macht, die ihn rettete.

Leto spürte das verräterische Ziehen in seinem Hinterkopf, während der Droide immer näherkam. Die unverkennbare Signatur von Gefahr. Seinem Instinkt folgend, stieß er im letzten Moment seine Hand vor und wirbelte die Maschine mit einem Machtstoß von sich weg.

Der Droide verging in einem so heftigen Feuerball, dass Leto fast umgeworfen wurde.
„WAS ZUM F*CK!“, fluchte er und duckte sich hinter die Brüstung des Daches, als ein paar Scherzkekse an der Verteidigungsstellung meinten das Feuer auf sie eröffnen zu müssen!


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N'zoth | Giat Nor | Hausdach, 1,5 Klicks vom Raumhafen entfernt | Teneb Dask und Darth Sikarius sowie Yevethaner​

Die dumpfe Detonation des yevethanischen Sprengsatzes war ihnen noch mehrere Dächer lang gefolgt, erst als körperlich spürbares Grollen unter den Sohlen, später nur noch als eine weitere Erinnerung zwischen all den Geräuschen, die Giat Nor verschlangen. Teneb Dask hatte nicht zurückgeblickt. Er hatte den Augenblick, in dem die Granate in der Dachluke verschwunden war, ebenso wenig vergessen wie die Schreie, die kurz darauf aus dem Inneren des Hauses gedrungen waren, doch die Stadt ließ ihm kaum Zeit, daraus etwas zu formen. Je weiter sie in Richtung Raumhafen vordrangen, desto weniger ähnelte der Krieg den einzelnen Gewalttaten, die er bislang gekannt hatte. Auf Bracca hatte Gewalt Gesichter besessen, auf Kijimi Namen, auf Artek III meist sogar die Stimme seines Meisters. Hier war sie zu einem Zustand geworden. TIE-Jäger rissen mit kreischenden Triebwerken über die Dächer, irgendwo brachen Fassaden unter Einschlägen zusammen, Blasterfeuer flackerte aus Straßenzügen, in denen Teneb weder Angreifer noch Verteidiger erkennen konnte, und zwischen alldem lagen Körper in Hauseingängen, auf Balkonen oder halb unter den Trümmern von Fahrzeugen, als hätte die Stadt begonnen, ihre Toten dort liegen zu lassen, wo sie gefallen waren. Der Regen wurde dichter und wusch Ruß aus der Luft, bis schwarze Schlieren über die hellen Dächer liefen und sich an den Kanten sammelten. Für den Bleichen war all das noch neu genug, dass sein Blick immer wieder an Einzelheiten hängen blieb, die Sikarius längst mit der Gleichgültigkeit eines Mannes übersah, der zu viele davon gesehen hatt. Weder die Hand, die unter einer eingestürzten Mauer hervorlugte, noch die ausgebrannten Speeder mit noch geschlossenen Türen lockten ihm eine Reaktion ab, auch die Blutspur, die im Regen langsam heller wurde, erzeugte nicht mal einen hämischen Spruch. Er hatte getötet, war beinahe getötet worden und hatte gelernt, den Schmerz anderer zu benutzen, doch Krieg war etwas anderes. Krieg war Gewalt, die niemandem mehr gehörte und trotzdem überall war.

Die Sturmtruppenrüstung half ihm dabei, Abstand zu halten. Das Visier reduzierte die Welt auf einen engeren Ausschnitt, Filter nahmen dem Rauch einen Teil seines Gestanks, die Panzerplatten fingen Regen und kleine Splitter ab, und sein eigener Atem blieb als gleichmäßiges Rauschen im Helm bestehen, selbst wenn draußen ein weiterer Einschlag die Dächer erbeben ließ. Hinter dieser künstlichen Barriere konnte
Teneb sich auf die Macht konzentrieren, auf das Flackern von Leben hinter Wänden, auf Auren, die sich näherten oder zurückzogen, auf Sikarius vor ihm, dessen Präsenz sich durch das Chaos so deutlich abhob wie ein dunkler Riss in hellem Stoff. Trotzdem konnte die Macht ihm die Maschinen nicht zeigen, die über ihnen kämpften, keine Minen, keine Blastergeschosse, keinen einstürzenden Durabeton. Mehr als einmal erinnerte ihn Giat Nor daran, dass Voraussicht Grenzen besaß, wenn der Tod aus Metall bestand und von irgendwoher kam, wo kein lebender Geist ihn verriet.

Als sie schließlich den letzten zusammenhängenden Häuserblock vor dem Raumhafen erreichten, war aus dem entfernten Donnern des Krieges ein fast durchgehendes Dröhnen geworden.
Teneb trat neben Sikarius an die Dachkante und sah über eine Fläche, die früher vermutlich einmal den Anspruch erhoben hatte, repräsentativ zu sein. Breite Zufahrtsstraßen liefen auf den Raumhafen zu, Reste monumentaler Pflasterung zeichneten noch immer gerade Linien durch das Gelände, und irgendwo dahinter musste der Boulevard zum Gouverneurspalast beginnen. Der Krieg hatte aus all dem eine zerfurchte Ebene gemacht. Krater fraßen sich ineinander, ausgebrannte Fahrzeuge lagen wie schwarze Knochen zwischen Trümmern, und Regen sammelte sich in Einschlaglöchern, deren Wasser von Asche und Blut dunkel gefärbt war. Etwa auf halber Strecke hatten die Yevethaner ihre Verteidigung aufgebaut. Gräben, Stacheldraht und hastig verstärkte Barrikaden bildeten eine Linie quer über die offene Fläche, durchzogen von Laufwegen und Feuerstellungen, aus denen in unregelmäßigen Abständen rote Blasterbolzen in Richtung eines Feindes schossen, den Teneb aus ihrer Position nicht sehen konnte.

Er brauchte einige Augenblicke, um zu erkennen, dass sich zwischen den yevethanischen Körpern zahlreiche Maschinen bewegten. Die dürren ID9-Suchdroiden schwebten oder liefen zwischen den Stellungen, ihre schmalen Glieder und hellen Gehäuse verschmolzen aus der Entfernung beinahe mit den hochgewachsenen Verteidigern. Nur ihre roten Photorezeptoren verrieten sie zuverlässig, kleine künstliche Augen, die reglos über das Schlachtfeld glitten. Teneb betrachtete die Stellung lange genug, um ihre Logik zu verstehen. Ein direkter Weg zum Raumhafen führte sie über mehrere hundert Meter freie Fläche, unter Feuer aus vorbereiteten Positionen, durch Stacheldraht und schließlich in Gräben, deren Verteidiger jeden Meter kannten. Selbst mit der Macht wäre das möglich gewesen. Möglich war jedoch ein dürftiger Maßstab für einen Plan.

Sikarius stellte genau die Frage, die Teneb sich selbst bereits gestellt hatte. Wie würde er dieses Hindernis überwinden? Teneb legte den Kopf leicht schief und ließ den Blick von den Gräben zu den verstreuten Wracks und Kratern wandern. Die Befestigung war darauf ausgelegt, einen Angriff über die offene Fläche zu zerlegen, bevor er die Linie erreichte. Jeder Krater zwischen ihnen konnte Deckung bieten, ebenso der ausgebrannte Transporter einige hundert Meter weiter, doch die Abstände dazwischen blieben groß genug, dass jeder Vorstoß Aufmerksamkeit erzwingen würde. Eine Ablenkung konnte helfen. Rauch ebenso. Vielleicht ließ sich irgendwo eine Seite der Linie umgehen, wobei sie dabei riskieren würden, den Raumhafen weiter zu umrunden und noch tiefer in yevethanisch kontrolliertes Gebiet einzudringen. Teneb begann gerade, die Möglichkeiten gegeneinander abzuwägen, als ein leises, regelmäßiges Wummern durch das Geräusch des Regens schnitt.

Das rote Auge kam aus dem grauen Himmel. Der Umbaraner registrierte es zunächst kaum bewusst. Einer der Suchdroiden hatte die Stellung verlassen und bewegte sich mit der unaufgeregten Zielstrebigkeit einer Maschine auf ihr Dach zu. Kein Zögern, keine Aura, keine Veränderung in der Macht, die seine Absicht verriet. Nur ein rotes Licht, das größer wurde. Teneb sah, wie Sikarius den Kopf leicht schieflegte, hörte dessen ungläubiges „UX-23?“ durch den Regen und spürte beinahe im selben Augenblick die jähe Veränderung in der Präsenz seines Meisters.


Sikarius schleuderte den Droiden von sich und die Explosion verwandelte für einen Herzschlag die Welt in Feuer. Der Bleiche wurde vom Druck gegen die Dachfläche gedrückt, die Schulter traf hart auf nasses Mauerwerk und sein Helm schlug mit einem dumpfen Knall auf. Brennende Metallstücke pfiffen über ihn hinweg, eines klapperte gegen seine Rückenplatte, ein anderes schlug Funken aus der Brüstung. Die Filter seines Helmes kompensierten den plötzlichen Rauch, während sein Sichtfeld für einen Moment von Warnanzeigen und Nachbildern überlagert wurde. Noch bevor er sich vollständig orientieren konnte, schlugen die ersten Blasterbolzen in den Dachrand. Heller Stein zerplatzte neben seinem Kopf, Splitter prasselten gegen Visier und Schulterplatte, und Teneb zog sich instinktiv tiefer hinter die Brüstung zurück.

„Dank Ferrik.“


Das Wort ging beinahe im Feuer unter. Er tastete kurz über Brust und Bauch, mehr Reflex als Sorge. Alles saß. Keine Risse im Plastoid, kein Schmerz, der über eine Prellung hinausging. Gut genug. Dann wandte er sich dem brennenden Rest des Droiden zu. Ein halb geschmolzenes Fragment war wenige Meter entfernt auf dem Dach liegen geblieben. Regen traf darauf und verdampfte zischend. Teneb betrachtete das Stück durch sein Visier, während weitere Blasterbolzen über die Brüstung fuhren, und der Gedanke kam mit jener plötzlichen Klarheit, die inzwischen häufiger auftrat, wenn die erste Überraschung überwunden war.
Der Droide war gekommen, um zu sterben. Ein selbstbeweglicher Sprengsatz.
Teneb ließ seine Machtfühler erneut über den Platz gleiten. Die Yevethaner erschienen ihm deutlich, angespannt in ihren Gräben, einzelne Gruppen hinter Barrikaden, weitere Präsenzen tiefer im Raumhafen. Die Droiden dagegen hinterließen nichts. Für die Macht waren sie Löcher zwischen den Lebenden, tote Winkel, die erst dann Bedeutung bekamen, wenn Auge oder Ohr sie erfassten. Genau darin lag ihre Gefahr. Und vielleicht ihr Nutzen. Der Sith Schüler hob sich gerade weit genug, um über die Brüstung sehen zu können. Ein Bolzen zwang ihn sofort wieder tiefer, doch der kurze Blick genügte. Der Graben zog sich wie eine Narbe durch den Platz, schützte die Yevethaner vor Feuer aus der Richtung der imperialen Linien und bot ihnen zugleich einen gedeckten Verkehrsweg quer durch die Stellung. Was von außen ein Hindernis war, konnte im Inneren Schutz bieten. Sie mussten die Befestigung nicht vernichten. Sie mussten lediglich hinein. Sein Blick fiel erneut auf das glühende Fragment des zerstörten ID9. Dann auf die weiteren roten Augen, die sich zwischen den Gräben bewegten. Teneb spürte, wie sich ein Gedanke zusammensetzte.

Als er wieder die Aufmkersamkeit seines Meisters hatte, deutete er mit einer gepanzerten Hand über die Brüstung, hielt sie jedoch tief genug, um keinem Schützen ein leichtes Ziel zu geben.


„Wenn wir in die Linie kommen, geben ihre eigenen Wände uns Deckung. Wir brauchen nur eine Stelle, an der niemand mehr aufpasst, dass wir hineinkommen.“

Sein Blick wanderte zu einem weiteren Suchdroiden, der sich hinter der Stellung langsam über eine Barrikade hob. Das rote Auge tastete die offene Fläche ab. Teneb beobachtete ihn. Sikarius hatte den ersten mit einem Machtstoß von sich gerissen. Die Explosion war mächtig genug gewesen, selbst auf dem offenen Dach den Druck in Tenebs Brust spüren zu lassen. In einem Graben würde dieselbe Detonation enger geführt, von Wänden reflektiert und auf Wesen konzentriert, die kaum Platz zum Ausweichen besaßen. Etwas Dunkles regte sich in ihm, kein Vergnügen, eher die kalte Befriedigung eines Gedankens, der plötzlich mehrere Probleme zugleich löste.

„Wir locken einen der Droiden zu uns, greifen ihn mit der Macht und lenken ihn zurück in den Graben. Wenn er dort explodiert, reißt er uns eine Lücke in die Stellung.“

Er blickte zu Sikarius, und hinter dem schwarzen Visier war kaum zu erkennen, wie aufmerksam er die Reaktion seines Meisters beobachtete. Es lag noch immer etwas Schülerhaftes in diesem kurzen Blick, der Wunsch zu wissen, ob er eine brauchbare Lösung gefunden hatte, doch daneben war inzwischen etwas Eigenes gewachsen. Teneb wartete weniger auf Zustimmung als früher. Die Macht hatte ihm auf Artek III beigebracht, Dinge zu bewegen. N’zoth begann ihm beizubringen, dass es weit wirkungsvoller sein konnte, sie nur im richtigen Augenblick um wenige Meter von ihrem vorgesehenen Weg abzubringen.

Fast wie gerufen veränderte der Suchdroide seine Flugbahn. Das rote Auge drehte sich zu ihnen. Teneb blieb hinter der Deckung und verfolgte das Wummern seines Repulsors. Die Maschine löste sich aus der Nähe des Grabens, gewann etwas Höhe und begann auf ihr Gebäude zuzuhalten. Vielleicht hatte sie Sikarius’ Explosion registriert. Vielleicht das Feuer der eigenen Verteidiger. Vielleicht besaß sie längst ihre Zielsignaturen. Welcher Mechanismus dahintersteckte, interessierte Teneb in diesem Moment kaum.
Er löste eine Rauchgranate vom Gürtel und legte sie neben sich auf die feuchte Dachfläche.

„Wenn ich ihn drehe, laufen wir.“

Dieses Mal blickte er Sikarius nur kurz an, dann erhob er sich. Sofort konzentrierte sich Feuer auf seine Position. Rote Blitze schnitten durch den Regen, schlugen Splitter aus der Brüstung und rissen kleine Dampfwolken aus dem nassen Stein. Teneb stand dennoch einen Augenblick offen genug, damit der ID9 ihn erfasste. Das rote Auge hielt inne, der Repulsor änderte seinen Ton, und die Maschine beschleunigte.

Teneb wartete. Der Impuls, sich wieder in Deckung zu werfen, wurde mit jedem Meter stärker. Die Macht blieb still. Der Droide besaß keine Angst, keine Wut, keine mörderische Absicht, an der Teneb sich festhalten konnte. Nur Geschwindigkeit. Als die Maschine nah genug war, streckte Teneb die Hand aus. Sein erster Griff in der Macht traf sie hart und ungeschickt. Der ID9 kippte aus seinem Kurs, fing sich beinahe sofort wieder und schoss gefährlich dicht an der Dachkante vorbei. Der Umbaraner spürte, wie seine Konzentration gegen den Schwung der Maschine arbeitete, und erinnerte sich an unzählige Übungen mit Sikarius, bei denen Kraft immer die erste und selten die beste Antwort gewesen war.
Er ließ den Droiden fliegen. Die Macht griff nur noch seitlich. Ein kleiner Druck, dann noch einer und die Flugbahn begann sich zu krümmen.

Teneb führte den ID9 in einem weiten Bogen über den Platz zurück, immer schneller, weil er die vorhandene Bewegung benutzte, anstatt sie zu brechen. Der rote Photorezeptor verschwand aus seiner Sicht, tauchte wieder auf und jagte nun auf die yevethanische Stellung zu. Erst spät bemerkten die Verteidiger, was geschah. Einige begannen auf ihre eigene Maschine zu feuern. Andere duckten sich.

Teneb löste seinen Griff und der Droide fiel in den Graben. Die Explosion hob Erde, Metall und Körper in den Regen, für wenige Sekunden verschwand ein ganzer Abschnitt der Linie hinter einer dunklen Wolke. Stacheldraht wurde aus seinen Verankerungen gerissen, ein Teil der Barrikade kippte nach hinten, und das konzentrierte Feuer aus diesem Bereich brach ab. Die Druckwelle rollte selbst bis zum Gebäude und ließ Wasser auf dem Dach erzittern. Der Bleiche griff nach der Rauchgranate und warf sie weit auf die freie Fläche. Grauer Rauch begann sich über die nassen Steine zu legen, vom Regen niedrig gehalten, aber dicht genug, um die Sichtlinie zur Bresche weiter zu verschlechtern. Zwischen Explosion, Rauch und dem allgemeinen Chaos des Schlachtfeldes entstand für wenige Herzschläge genau das, was Teneb gesucht hatte: kein sicherer Weg, keine vollständige Deckung, lediglich ein Fehler im System der Verteidiger.

Mehr brauchte er nicht. Er blickte zu
Sikarius und spürte, wie sich unter der Anspannung ein beinahe nüchterner Stolz regte. Vor wenigen Monaten hätte er versucht, den Droiden einfach von sich wegzuschleudern und gehofft, dass Gewalt das Problem löste. Jetzt hatte er die Waffe des Gegners genommen, ihre Richtung verändert und die Stellung selbst gezwungen, eine Öffnung für ihn zu schaffen. Dann sammelte er die Macht in seinen Beinen, sprang vom Dach hinab und verschwand im Rauch, während hinter ihm der Krieg um Giat Nor weiterbrüllte, als hätte die Stadt ihre eigene Zerstörung längst in den Rhythmus ihres Atems aufgenommen.

N'zoth | Giat Nor | Hausdach bei Plaza, 0,5 Klicks vom Raumhafen entfernt | Teneb Dask und Darth Sikarius sowie Yevethaner​
 
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Mit einem stummen Nicken hörte Leto seinem Schüler zu. Erst ein schlauer Machteinsatz und dann mit dem Kopf durch die Wand. Das war eine offensivere Methode als er selbst gewählt hätte, aber er war bereit es zu probieren. Wenn es schieflief, hatte er mehr Perspektive heil aus der Sache herauszukommen als Teneb.

Als er den versichernden Blick seines Schülers auf sich spürte, nickte er erneut und zuckte mit den Schultern.


„Klingt machbar. Mal schauen, ob der stumpfe Frontalangriff zieht. Wird in jedem Fall wohl lehrreich für dich“ Unter seinem Helm schmunzelte er, dann wurde er wieder ernst und richtete seine Aufmerksamkeit vollends auf die kommende Aufgabe. Selbst wenn es klappte, würde es hässlich werden.

Für den Moment ließ er seinen Schüler machen. Nicht ungeschickt schnappte der sich eine weitere der fliegenden Bomben und steuerte sie in den Graben. Die resultierende Explosion war heftig und Leto spürte gleich ein halbes Dutzend Yevethaner ihr Leben aushauchen.

Der Junge arbeitete ja wirklich gut an seinem Bodycount heute.

Teneb warf eine Rauchgranate und los ging es. Die beiden Sith sprangen von ihrem Haus und spurteten machtverschnellert über den Platz. Bevor der Feind auch nur genug Zeit hatte sie zu bemerken, hatten sie die offene Fläche durchquert und waren bei der yevethanischen Linie angekommen.

Die Bombe hatte ganze Arbeit geleistet und ein fast schon luxuriöses Loch für sie gerissen. Auf beiden Seiten des Grabens spürte Leto wütende Präsenzen, die nach dem Ursprung der Störung suchten und so aktivierte er im Rennen die beiden Thermaldetonatoren, die sein Schüler ihm am Morgen noch verschafft hatte. Blind schleuderte er sie zu beiden Seiten und einen Moment später hallten weitere Schreie über das Schlachtfeld.

Auf der anderen Seite der Verteidigungslinie warf Teneb eine weitere Rauchgranate und weiter ging es mit dem Spurt. Leto dachte schon sie würden einfach so damit davonkommen, da stellten sich ein weiteres Mal seine Nackenhaare auf.

Zum zweiten Mal an diesem Tag griff er sich seinen Schüler beim Gürtel und riss ihn zu Boden, diesmal jedoch mit einem halsbrecherischen Machtsprung rückwärts, mitten im Lauf. Das funktionierte irgendwie. Grade so. Die Druckwelle des explodierenden Droiden erfasste sie noch im Flug und machte mehr ihres Fortschrittes zunichte, als Leto geplant hatte.


„F*CK!“, würgte er, nachdem er sich zwei Mal überschlagen hatte und schließlich liegen geblieben war. Irgendetwas hatte er sich geprellt, doch blieb ihm keine Zeit nachzusehen, da ein weiteres Mal sein Machtsinn Alarm schlug. Ein weiterer Sprung, eine weitere Explosion. Spritzende Erde im Nebel, Steinsplitter, Leichenteile. Was war denn mit den beschissenen Droiden falsch, dass man sie nicht spürte?!

Ja, okay, sie lebten nicht, aber das war doch kein verschissener Grund?!

Drei Explosionen hatten jeden Rauch weit genug verwirbelt, dass er wieder etwas erkennen konnte. Tenebs Silhouette sah er einige Meter entfernt von ihm liegen und am Himmel flogen gleich mehrere rote Lämpchen auf sie zu. Hinter ihnen richteten die ersten Yevethaner ihre volle Aufmerksamkeit auf die Geschehnisse…und zu allem Überfluss hatten sie grademal die Hälfte des Weges bis zum Schutz des Raumhafens hinter sich gebracht.

War Leto grade noch mit extremer Zuversicht an die Sache herangegangen, schlug sein Herz plötzlich bis zum Hals.
„F*ck-Scheiße-H*ren-Bastard-Dank-Farrik!“, fluchte er und griff mit der Macht nach einem der UX-23-Abklatsche und kegelte ihn in seine Freunde. Eine rotgoldene Explosion blühte am Himmel auf, doch erste Blasterschüsse hatten begonnen in ihre Richtung zu sausen.

„Komm, f*ck, wir müssen hier weg!“, fauchte er in Tenebs Richtung und packte ihn erneut beim Gürtel, als dieser nicht sofort auf den Beinen war. Sie begannen zu laufen, doch nun musste Leto auch noch immer besser gezielte Bolzen abwehren. Der Schüler aktivierte Kal Fraans Lichtschwert, um selbst tätig zu werden – und spätestens jetzt hatten sie ein Problem.

Ein yevethanischer Schrei aus vielen Kehlen erhob sich hinter ihnen und die nächsten Droiden begannen auf sie herabzuregnen.

Verdammte Scheiße, hier waren sie ja wie auf dem Präsentierteller! Vielleicht 150 Meter trennten sie vom Gebäude, doch hätte es genauso gut auf der anderen Seite des verschissenen Planeten sein können!


„DAS WAR JA EIN TOLLER PLAN!“, schnauzte Leto Teneb an, packte ihn mit beiden Armen um den Oberkörper und katapultierte sie in einem äußerst fantasievollen Winkel aus dem Explosionsradius des nächsten Droiden.

Platschend landeten sie in einem einige Meter entfernt liegenden Krater. Undefinierte Flüssigkeit hatte sich an seinem Boden gesammelt, erdfarben und zähflüssig. Binnen Sekunden waren die ehemals schwarzen Rüstungen rostrot. „F***CK!“, brüllte Leto dem nächsten Droiden entgegen und verfluchte sich dafür, keinen Blaster mitgenommen zu haben.

Hektisch blickte er sich um und sah, das, was auch immer den Krater gerissen hatte, auch einen nahegelegenen Kanal freigelegt hatte.
„DA REIN!“, fauchte er Teneb an, nahm einen Stein vom Boden und schleuderte ihn mit aller Kraft nach der Maschine. Die Explosion warf ihn zu Boden, doch war er dann immerhin bereits in der richtigen Stellung, um seinem Schüler hinterher ins Loch zu fliehen…


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N'zoth | Giat Nor | Hausdach bei Plaza, 0,5 Klicks vom Raumhafen entfernt | Teneb Dask und Darth Sikarius sowie Yevethaner​

Seit sie den letzten Häuserblock verlassen hatten, war aus dem Weg zum Raumhafen ein einziger, zerrissener Vorstoß durch Feuer und Regen geworden. Der Umbaraner hatte kaum noch unterscheiden können, welche Explosion von ihnen, den Yevethanern oder den kämpfenden Jägern über ihnen stammte; jede Druckwelle schien nur die nächste anzukündigen, jeder neue Krater weitere Tote freizulegen. Für jemanden, der Gewalt bislang meist aus nächster Nähe, beinahe persönlich erlebt hatte, war diese Form des Krieges etwas anderes. Zu groß, zu laut und zu gleichgültig gegenüber dem einzelnen Körper. Zum ersten Mal begriff der Bleiche wirklich, wie wenig die Macht bedeutete, wenn der Tod als Metall, Splitter und Feuer aus dem Himmel fiel. Teneb Dask wusste später nicht mehr genau, welche der Explosionen ihm den Boden unter den Füßen weggerissen hatte. Irgendwann zwischen dem zerrissenen Graben und der halben Strecke zum Raumhafen hatte der Angriff aufgehört, aus einzelnen Ereignissen zu bestehen. Es gab keinen sauberen Ablauf mehr, keinen Gegner, dessen Bewegung er lesen und auf dessen Absicht er reagieren konnte. Die Welt bestand aus Druckwellen, die durch seine Brustplatte gingen, aus schwarzem Rauch, der vom Regen auseinandergerissen wurde, aus roten Bolzen, die über den hellen Platz schnitten, und aus den kleinen roten Augen der Droiden, die in der Macht überhaupt nicht existierten und trotzdem mit jedem Augenblick tödlicher wurden. Einmal hatte Sikarius ihn am Gürtel gepackt und aus einem Explosionsradius gerissen, ein anderes Mal hatte Teneb erst im Flug verstanden, weshalb sein Meister ihn überhaupt zu Boden gezerrt hatte. Dazwischen hatte er die Klinge aktiviert und Blasterfeuer abgefangen, so gut es ihm im Lauf möglich gewesen war, doch das blaue Licht in seiner Hand fühlte sich plötzlich weniger wie eine Waffe an als wie ein Signalfeuer, das einer halben Stadt verriet, wo sie suchen musste.

Der Krieg hatte bis dahin immer noch etwas Beschauliches aus der Entfernung gehabt. Rauch über Dächern. Einschläge hinter Häuserreihen. Tote, an denen man vorbeiging. Selbst der Kampf auf dem Dach hatte Gesichter gehabt und damit eine Form, die
Teneb verstand. Hier draußen gab es keine Form mehr. Ein Suchdroide verging über ihnen und regnete in glühenden Fragmenten herab, während irgendwo hinter Teneb ein Yevethaner schrie, die abrupt abbrach. Erde spritzte über die Fläche, vermischt mit Splittern und Dingen, die er im ersten Moment für Stofffetzen hielt, bis einer davon gegen seine Schulterplatte schlug und langsam daran hinabrutschte. Ein Stück Fleisch. Vielleicht groß genug für eine Hand, möglicherweise kleiner. Der Sith Schüler blickte nur einen Herzschlag darauf, doch dieser Herzschlag reichte. Der Regen zeichnete rötliche Bahnen durch den Staub auf seiner Rüstung, während Sikarius neben ihm fluchte und erneut einen der Droiden aus der Flugbahn riss. Sikarius hatte beide Arme um ihn geschlungen und sie aus einer weiteren Explosion gerissen, Teneb landete hart genug im rostfarbenen Schlamm, dass ihm die Luft aus den Lungen gepresst wurde. Flüssigkeit spritzte über Visier und Brustplatte. Sein Rücken traf den Boden, der Helm schlug gegen etwas Hartes, und für einige Sekunden hörte er nur ein tiefes Dröhnen, das irgendwo zwischen seinem Schädel und der Welt existierte. Über dem Kraterrand zogen rote Blasterbolzen durch den Regen. Ein Suchdroide kam herab, sein Photorezeptor wie ein glühender Punkt im grauen Himmel, während Sikarius ihm etwas entgegenwarf und brüllte.

Teneb wollte aufstehen, doch sein Körper tat es nicht. Der Gedanke kam klar genug. Beine unter den Körper, Hand auf den Boden, hoch, laufen. Er kannte die Bewegung. Er hatte sie hundertfach ausgeführt. Trotzdem blieb er auf einem Knie im Schlamm hängen, und plötzlich bemerkte er seinen Atem. Zu schnell. Viel zu schnell. Der Helm machte jeden Zug lauter. Das Einatmen rauschte durch die Filter, endete zu früh, wurde sofort von einem zweiten Atemzug verfolgt, dann einem dritten.
Teneb versuchte tiefer einzuatmen und hatte für einen schrecklichen Augenblick das Gefühl, dass überhaupt keine Luft mehr kam. Die Brustplatte lag plötzlich zu eng an. Der Kragen schnürte ihm den Hals ab. Das Visier, das ihm Stunden zuvor noch Schutz geboten hatte, rückte näher an sein Gesicht, als würde der Helm mit jedem Atemzug kleiner.

Er hob die Hände an die Verriegelungen. Ein Instinkt verlangte, das Ding herunterzureißen. Frische Luft. Raum. Erlösung? Irgendetwas, das nicht nach seinem eigenen Atem klang. Seine Finger fanden die Verschlüsse und verharrten dort. Draußen lag Rauch. Vielleicht Kampfstoff. Staub. Splitter. Er konnte den Helm nicht abnehmen, der Gedanke verschlimmerte alles.
Teneb hörte sein Herz jetzt lauter als die Blaster. Es hämmerte gegen die Rippen, so schnell, dass die einzelnen Schläge ineinanderliefen. Das Sichtfeld verengte sich. Am Rand des Visiers wurde der Krater dunkel, dann Sikarius, dann selbst der Himmel. Für einige Sekunden blieb nur ein kleiner Ausschnitt übrig. Schlammiges Wasser vor seinen Knien, in dem der Regen winzige Krater schlug. Eine Hand lag darin. Der Umbaraner starrte sie mit einem leeren Blick an. Sie ragte aus der eingestürzten Seitenwand, blass und langfingrig, die Nägel dunkel verfärbt, das Handgelenk irgendwo unter Geröll verschwunden. Yevethanisch. Vermutlich. Die Finger bewegten sich nicht. Regenwasser lief darüber und sammelte sich zwischen den Knöcheln. Ein Mittelfinger des Universums.

Ketten. Überall Ketten, egal ob um seinen Hals, Hände, Fußgelenke. Für einen Augenblick verschmolzen alle Eindrücke und Teneb wusste nicht mehr, welcher davon der Gegenwart gehörte. Sein Blick blieb auf der Hand im Wasser hängen, während sein Körper mit aller Überzeugung darauf bestand, dass er sterben würde. Es war vollkommen irrational. Das machte es kein bisschen schwächer.


„DA REIN!“

Sikarius' Stimme brach durch den Lärm und der Bleiche zuckte zusammen. Der Finger seines Meisters zeigte auf eine dunkle Öffnung in der Kraterwand, wo die Explosion einen alten Kanal freigelegt hatte. Beton war nach innen gebrochen, verbogene Leitungen ragten aus dem Erdreich, und aus dem Loch sickerte schmutziges Wasser in den Krater. Teneb sah die Öffnung und dann wieder die Hand. Sein Atem stolperte. "Beweg dich." Nichts. Er biss so fest die Zähne zusammen, dass der Kiefer schmerzte. "Beweg dich." Der nächste ID9 kam tiefer. Sikarius schleuderte den Stein. Die Explosion verwandelte das Wasser im Krater für einen Augenblick in eine Welle aus Schlamm, die gegen Tenebs Oberschenkel schlug. Gleichzeitig traf ihn etwas anderes, leiser und vertrauter als jeder Knall. Die Macht. Allgegenwärtiger Druck, der bereits da gewesen war, bevor sein Körper beschlossen hatte, in Panik zu geraten.
Teneb klammerte sich daran. Er hatte Körperbeherrschung gelernt. Schmerz auszuhalten und Erschöpfung zurückzudrängen, den eigenen Puls zu spüren. Ein Atemzug. Er zwang ihn tiefer. Der nächste wollte wieder zu schnell kommen. Teneb hielt ihn zurück, bis die Lunge protestierte, und ließ die Luft langsam durch die Filter entweichen. Ein zweiter. Seine Hand löste sich von der Helmverriegelung. Er drückte die gepanzerten Finger in den Schlamm, spürte den Widerstand darunter, das raue Geröll, die Kälte des Wassers, die Vibration eines weiteren Einschlags.
Der erste Schritt fühlte sich an, als müsste er einen fremden Körper bewegen, doch der zweite gelang leichter. Er stolperte durch die zähe Flüssigkeit zur freigelegten Kanalöffnung, duckte sich unter einer herausgebrochenen Betonplatte und ließ sich in die Dunkelheit dahinter fallen. Seine Schulter schrammte über raues Mauerwerk, die Stiefel fanden einen schrägen Untergrund, und er rutschte mehrere Meter durch Schlamm und Regenwasser, bevor er gegen die gegenüberliegende Wand prallte.

Draußen detonierte etwas. Die Öffnung hinter ihm leuchtete orange auf. Dann wurde es dunkel. Teneb blieb auf allen Vieren im Kanal stehen und atmete. Langsamer diesmal. Er hörte Sikarius wenige Augenblicke später hinter sich hineinkommen, begleitet von Geröll, Schlamm und vermutlich einer weiteren Sammlung von Flüchen, doch der Umbaraner drehte sich zunächst nicht um. Er brauchte einige Sekunden, in denen niemand sein Gesicht sehen konnte, auch wenn der Helm es ohnehin verbarg. Seine Hände zitterten noch. Nur leicht, kaum sichtbar unter den schwarzen Handschuhen, aber genug, dass Teneb sie zu Fäusten schloss.

Er hasste das. Nicht die Angst, denn Angst kannte er. Angst war sinnvoll. Sie sagte ihm, dass eine Klinge zu nah kam, dass
Sikarius schlechte Laune hatte, dass ein Raum einen zweiten Ausgang brauchte. Dies hier hatte ihm überhaupt nichts gesagt. Sein Körper hatte einfach beschlossen, die Kontrolle zu übernehmen, gerade in dem Augenblick, in dem Kontrolle alles gewesen war, was ihn am Leben hielt.
Das war schlimmer.
Teneb richtete sich langsam auf. Der Kanal war größer, als er von außen gewirkt hatte. Vermutlich ein alter Entwässerungs- oder Versorgungstunnel, breit genug, dass zwei Personen nebeneinander gehen konnten, obwohl eingestürzte Abschnitte und Leitungen den Weg stellenweise verengten. Wasser stand ihm knapp über den Stiefeln und bewegte sich träge in Richtung der Stadt. Der Geruch drang selbst durch die Filter, eine Mischung aus altem Abwasser, nassem Beton, Metall und etwas Süßlichem, das Teneb keinem Ursprung zuordnen wollte. Weiter vorn verlor sich der Tunnel in völliger Dunkelheit.
Er hob eine Hand an die Wand. Fester Beton, kühl und beständig. Über ihnen tobte der Krieg weiter, gedämpft durch mehrere Meter Erde und Stein. Explosionen waren hier unten nur noch tiefe Erschütterungen, die Staub aus Rissen rieseln ließen. Das Blasterfeuer war verschwunden. Die Droiden ebenfalls.
Teneb merkte, wie sein Atem sich weiter beruhigte. Die Enge, die ihn im Helm beinahe erstickt hatte, fühlte sich im Tunnel merkwürdigerweise besser an. Hier war sie greifbar. Wände links und rechts, Boden unter den Füßen, eine Richtung vor ihm und eine hinter ihm. Keine dreihundert Meter offene Fläche. Kein Himmel voller roter Augen. Keine Geschosse aus Winkeln, die sein Machtsinn nicht erfassen konnte. Er zog das Lichtschwert, aktivierte es jedoch noch nicht und lauschte in die Dunkelheit.

Die Macht breitete sich aus. Dort, Weit entfernt waren mehrere schwache Präsenzen.
Teneb drehte schließlich den Kopf zu Sikarius.
Der erste Impuls war, sich zu entschuldigen, doch verwarf er ihn. Der zweite war, Sikarius für seinen Kommentar über den tollen Plan etwas an den Kopf zu werfen auch den verwarf er aus einem puren Selbsterhaltungstrieb. Sein Meister hatte recht gehabt. Der Plan war beinahe katastrophal geendet und dafür konnte es keine Ausrede geben.
Er schmeckte Bitterkeit, obwohl der Helm seinen Mund von allem außerhalb abschirmte. Er hatte die Droiden als Werkzeug erkannt und geglaubt, damit ihre Natur verstanden zu haben. Ein Suchdroide ließ sich umlenken. Fünf davon machten aus derselben Idee eine ganz andere Rechnung. Er hatte an den ersten Durchbruch gedacht, an die Bresche und die Gräben, jedoch kaum daran, wie die Verteidiger reagieren würden, sobald sie begriffen, was geschah. Ein guter Trick funktionierte einmal. Danach war er Information für den Gegner. Diese Lektion würde er behalten.

„Der Kanal“, brachte Teneb schließlich heiser und mit rauer Stimme hervor. Seine Stimme war trotz des Vokoders kratziger als gewollt. Er räusperte sich und versuchte es erneut. „Wenn er Richtung Raumhafen entwässert, können wir wenigstens einen Teil der restlichen Strecke unterirdisch zurücklegen.“

Er ging einige Schritte tiefer hinein und betrachtete die Wände. Leitungsmarkierungen, gespickt mit alten Wartungssymbolen. An mehreren Stellen waren Rohre nachträglich hinzugefügt worden, einige imperialer Herkunft, andere älter. Wasser floss aus mehreren kleineren Seitenöffnungen in den Hauptkanal.


„Der Platz fällt in Richtung Raumhafen ab“, fuhr er fort. „Das Wasser läuft denselben Weg. Selbst wenn dieser Tunnel uns nicht direkt hineinbringt, sollte er uns näher an die Gebäude bringen.“

Teneb blickte zurück zur Öffnung. Regenwasser floss in dünnen Rinnsalen über den gebrochenen Beton hinein. Dahinter blitzte wieder rotes Licht über den Krater, gefolgt von einer Explosion, die Staub von der Decke rieseln ließ.
Er wandte sich davon ab. Für heute hatte er genug Himmel gesehen. Nach einigen Schritten bemerkte er etwas an der Wand. Ein altes Gitter war aus seiner Verankerung gerissen worden, und dahinter führte ein schmalerer Versorgungsgang seitlich weg. Schleifspuren zeichneten sich im Schlamm ab. Frisch genug, dass das Wasser sie noch nicht vollständig verwischt hatte.

Der Sith Schüler
ging in die Hocke. Mehrere Spuren,Schuhe oder Stiefel. Zumindest keine erdgebundenen Droiden. Er legte zwei Finger an eine Vertiefung, ohne den Schlamm wirklich berühren zu müssen, und ließ den Blick entlang des dunklen Nebenganges wandern. Vielleicht benutzten die Yevethaner dieses System selbst. Der Gedanke brachte das vertraute kalte Ziehen zurück.

„Wir sind nicht die Ersten hier unten.“

Er erhob sich und legte die Hand um den Griff des Lichtschwertes. Noch immer aktivierte er es nicht. Licht würde sie ebenso verraten wie oben auf den Dächern. Stattdessen ließ er die Macht vorausgehen. Das Zittern in seinen Fingern war verschwunden, doch irgendwo tief in seiner Brust blieb etwas zurück, ein enger Knoten, der sich noch nicht lösen wollte. Teneb ignorierte ihn nicht. Das wäre ein Fehler gewesen. Er nahm ihn wahr, so wie er eine Wunde wahrgenommen hätte, deren Blutung fürs Erste gestillt war. Vor ihm lag ein dunkler Tunnel unter Giat Nor, hinter ihm ein Schlachtfeld, das beinahe alles aus seinem Kopf geblasen hatte, was er über Kontrolle zu wissen glaubte.

N'zoth | Giat Nor | Am Raumhafen | Kanalisation | Teneb Dask und Darth Sikarius sowie Yevethaner​
 
[ N’zoth | Giat Nor | Droidenfabrik | Dr. Gunas Werkstatt ]
Dr. Guna und Versuch Drei


Dr. Guna hatte den Schlauch gerade ein zweites Mal aus der Körperöffnung gezogen, als Versuch Drei seinen verbliebenen Arm danach ausstreckte. Sie hielt mitten in der Bewegung inne und beobachtete interessiert, wie seine lange Unterarmklinge über den Boden schabte. Der Yevethaner kam nicht weit. Seine sechs Beine waren auf einer Wartungsplattform festgemacht und sein Z-6-Rotationsblaster von der Energiezufuhr getrennt. Sicher war sicher. Trotzdem versuchte er, seinen verbliebenen Oberkörper der Flüssigkeit entgegen zu neigen, die aus dem gelösten Anschluss auf den Betonboten tropfte. Die in kybernetischen Optiken verborgenen Augen der Sullustanerin weiteten sich. Die so aktivierte Vergrößerung ließ sie erkennen, wie sich die Finger seiner natürlichen Hand langsam öffneten und wieder schlossen. Ausgerechnet für eine undichte Kühlleitung entwickelte er also Eigeninitiative.

„Du hast einen vollkommen ausreichenden Flüssigkeitskreislauf. Wir haben das gemessen. Zweimal sogar, weil du beim ersten Mal das Thermometer gegessen hast.“

Die Sith-Kriegerin gluckste, während sie den Schlauch abklemmte und die Reaktion auf ihrem Datenpad notierte. Feuchtigkeitssuche trotz gedecktem Versorgungsbedarf. Darunter stand bereits: Bevorzugt enge, dunkle Aufenthaltsorte. Und wiederrum darunter, inzwischen sogar fettgedruckt: VERMEIDET DIREKTE SONNENEINSTRAHLUNG. Zirkelmeister Schetaltnen hätte spätestens hier erneut behauptet, sie vermische Disziplinen, deren Zusammenwirken sie nicht ausreichend verstünde. Dabei hatte Guna nie etwas anderes behauptet. Wie sollte man auch, wenn sich niemand dieser Versuche annahm, weil die verfeindeten Zirkelmeister strikt Technomantie, organische Alchemie und Sith-Hexerei voneinander trennten? Gerade deshalb stellte sie diese Versuche an. Sein Verbot hatte ihre Arbeit für einen gewissen Zeitraum erheblich erschwert, bis sie in seinem genauen Wortlaut eine Lücke entdeckt hatte. Keine weiteren Experimente dieser Art mehr auf zivilisierten Welten. Also machte sie andere Experimente. Auf unzivilisierten Welten. Dass N’zoth ein solcher Ort war, stellte sich spätestens heraus, als sie nach ihrer Ankunft beobachtete, wie ein Einheimischer einen Gefangenen mit seiner Handgelenksklinge den Bauchraum öffnete.

Die Yevethaner und ihre Fabrik, wo sie sich derzeit aufhielt, hatten sich später als ausgesprochen brauchbare Unterkunft erwiesen. Ihre Gastgeber erhielten von ihr verbesserte Droidenkonstruktionen, während sie großzügigen Zugriff auf Fertigungsanlagen, Ersatzteile und yevethanische Körper bekam. Überwiegend Gefallene, gelegentlich stark Verwundete, deren Verwendung niemanden mehr interessierte. Über den Nachschub musste sie sich inzwischen kaum noch beklagen. Vor ihrer Werkstatttür befand sich ein gekühlter Container. Es wäre eine ausgesprochen angenehme Zusammenarbeit für sie gewesen, wenn die Yevethaner nicht ständig nachgefragt hätten, wann ihre Sonder-Entwicklungen endlich Eindringlinge umbringen konnten. Dabei konnten sie es schon längst. Die Kontrolle war nur noch der springende Punkt.

Mechu-Deru. Die höchste Schöpfungsform eines Technomanten. Das war es, was sie wollte. Das war es, was ihr eine Ernennung zur Sith-Exekutorin und zum Vollmitglied des Zirkels noch fehlte. Dann würde niemand mehr ihre lausigen Lichtschwertkünste, oder die für andere als selbstverständlich geltenden Machtfertigkeiten als Ausrede heranziehen, sie nicht befördern zu können. Doch für ein Mechu-Deru-Vitae benötigte sie einen Körper, der sich nicht gleich beim ersten unbeaufsichtigten Ausgang unter einer tropfenden Treppe versteckte.

Sie stellte den letzten verbliebenen im Schatten liegenden Platz neben der Plattform mit einer Arbeitsleuchte zu und schaltete die darüber montierten Strahler ein. Versuch Drei zog sofort den Kopf zurück. Seine Beine spannten sich gegen die Halterungen, während die organische Hand vor das entstellte Gesicht wanderte. Die Doktorin beute sich über das Bedienpult und reduzierte die Lichtstärke leicht, bis die Bewegung aufhörte. Dann erhöhte sie sie langsam wieder. Aus den großen Optiken an ihren Augen kam ein leises Surren, als sie zwischen dem Verhalten des Yevethaners und den angezeigten Messwerten wechselte. Die Maschine meldete keine Überlastung. Der Körper zeigte ebenfalls keine neuen Schädigungen. Er mochte es einfach nicht. Das war weiterhin eine erstaunlich eigensinnige Haltung für jemanden, dessen wesentlichen Körperteile eigentlich in einem Behälter aufbewahrt wurden.


„Du musst nicht in das Licht schauen. Niemand verlangt, dass du hineinstarrst. Du sollst nur gelegentlich unter einer Sonne laufen können.“

Beim nächsten Versuch löste sie die Verankerung der vorderen Beine und ließ ihn einen einzelnen Schritt machen. Sofort zog er sich zur Seite, weg vom Strahler und hin zur abgeschalteten Kühlleitung. Guna schnalzte enttäuscht mit der Zunge. Sie legte ihre Hand auf das breite Verbindungsstück unterhalb seines Brustkorbs, schloss die Augen und suchte in der Macht nach jener Verbindung, die sie zwischen Fleisch und Maschine erschaffen hatte. Das war ihre wahre Begabung. Sie spürte, wo ihre Arbeit unvollständig war, wo der technische Körper Bewegungen ausführte und die spärlichen Reste des eigenen Hirns andere Absichten entwickelten. Behutsam verstärkte sie den Drang, sich vorwärts zu bewegen. Die Beine gehorchten. Der Kopf blieb abgewandt.

Drei Durchgänge später hatte sie erreicht, dass er die beleuchtete Fläche überquerte, ohne sich mit seinem Blasterarm das Gesicht zu verdecken. Ohne ihr Zutun gelang es zwei Mal hintereinander, beim dritten Versuch bleib er stehen. Dr. Guna hielt das Ergebnis trotzdem fest und versah es nach kurzem Überlegen mit einem kleinen Häkchen. Die vorangegangene Austrocknung seiner bevorzugten Ecke in der Werkstatt hatte immerhin zuverlässig verhindert, dass er immer wieder dorthin zurückkehren wollte. Vielleicht fehlte ihm weniger die Fähigkeit als ein vernünftiger Anlass, sich im Licht zu bewegen. Sie würde ihn nicht für alle zukünftigen Aufgaben an die Hand nehmen können. Die Yevethaner wollten ihn nutzen. Schon aus praktischen Gründen würde einer von ihnen früher oder später über etwaige Einschränkungen stolpern.

Es war Zeit für einen weiteren, selbstständigen Test. Der Wartungszugang hinter dem Versuchsbereich bot sich dafür hervorragend an. Die Sith hatte das Gitter entfernen lassen. Dahinter verlief ein Kanal, der die Fabrik mit dem Kanalisationsnetz verband. Der letzte Versuch war in einem Desaster geendet. Dieses Mal würde es besser werden. Sie verband seinen Blaster wieder mit der Energieversorgung, schließlich sollte Versuch Drei nicht wehrlos bleiben. Anschließend löste sie die verbliebenen Beinhalterungen. Die Chimäre aus Droide und Yevethaner stand einen Augenblick schwankend auf seinen sechs Beinen, ehe er sich dem dunklen Zugang zuwandte. Guna folgte ihm und tippte mit einem ihrer Werkzeugfinger auf seinen Rücken.


„Du gehst da rein und suchst selbstständig einen Ausgang zur Oberfläche. Nicht irgendeine gemütliche, nasse Nische. Einen Ausgang. Verstanden? Danach kommst du zurück und wir sehen uns an, was du gelernt hast.“

Mit einem Tastendruck aktivierte sie die Holo-Aufzeichnungseinheit, die seitlich an seinem Kopf angebracht war.

Versuch Drei setzte sich in Bewegung. Zunächst zögernd, dann mit einer Entschlossenheit, die seiner Schöpferin besser gefiel. Guna blieb am Zugang stehen und sah ihm nach, bis er zwischen den Leitungen verschwunden war. Seine Schritte wurden leiser. Irgendwo plätscherte Wasser und sie hob warnend einen Finger, obwohl er sie gar nicht mehr sehen konnte. Vielleicht war die feuchte Umgebung für diesen Versuch eine unnötige Versuchung. Andererseits musste er es ja irgendwann lernen. Sie vermerkte die Versuchszeit auf ihrem Datenpad, schaltete auf den Live-Feed seines Aufzeichnungsgerätes um und zog sich einen Hocker heran. Dieses Mal hatte sie wenigstens daran gedacht, ihm den Weg nach draußen ausdrücklich aufzutragen. Vielleicht würde er ja auch Versuch Zwei irgendwo finden können.



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Dr. Guna
 
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[ Kernwelten / Farlax-Sektor / Koornacht-Cluster / N'zoth-System / N'zoth / Giat Nor / Am Raumhafen / Kanalisation ] Leto und Teneb

Es war friedlich finster unter Giat Nor. Ein wenig Licht des trüben Tages fiel noch durch den gesprengten Eingang. Ein bisschen Zwielicht wurde von den wenigen intakten Funzeln gespendet, die hier und dort an den Wänden flackerten. Das war schon besser als alles, was sie bis grade mitgemacht hatten. Auch wenn Letos Blick immer wieder zum Loch über ihnen wanderte, um sicherzugehen, dass keiner der Droiden versuchte ihnen nachzukriechen.

„Gerngesehenen, übrigens“, machte Leto seinen angestauten Gefühlen der letzten zwei Minuten Todesangst Luft. „Schau dich an. Wach und auf den Beinen. Beschwer dich nochmal, dass ich dich zu hart rannehme! Artek war Abenteuerurlaub im Vergleich mit dem hier…hat dich aber gut genug vorbereitet, dass du jetzt nicht einfach heulend in der Ecke hockst.“

Unter seinem Helm grinste er. „Darf ich vorstellen, das ist Krieg. Krieg, das ist Penneb. Ihr werdet euch noch näher kennenlernen, bis wir auf N’zoth feddich sind. Aber, ich glaube, genau was es braucht um die Klinge, die ich geschmiedet habe zu temmern – oder wie man das nennt. Wenn wir hier fertig sind, hab ich denke ich einen süßen kleinen Minikrieger an der Hand. War ne gute Idee von mir nach N’zoth zu kommen, eh?!“

Gutmütig und vielleicht ein wenig zu hart boxte Leto Teneb gegen die Schulter.

Sein Schüler war deutlich mehr auf die Mission fokussiert. In keiner besonders dummen Beobachtung identifizierte er die Fließrichtung des Wassers als mit ihrem Ziel übereinstimmend und schloss, dass sie möglicherweise einen guten Teil der Strecke unterirdisch zurücklegen konnten.

Leto nickte.


„Seh‘ ich auch so“, gab er zurück. „Hättste mich gefragt, ich hätte die Kanalisation von vornherein vorgeschlagen. Ich mein, war eindrucksvoll. Sehr, äh, Extinktor. Aber vielleicht auch ein bisschen lebensmüde. So gesamtheitlich betrachtet. Merk dir: Explosionen sind eine der Sachen, mit denen man Sith relativ gut totkriegt. Auch Schrapnell. Oder sie im Raumschiff abschießen, aber das ist eine Unterkategorie von Explosion…“

Unterdessen hatte Teneb ein herausgerissenes Gitter unter die Lupe genommen. Seinen Kommentar quittierte Leto nur mit einem belustigten Schnauben. „Natürlich nich. Wären die Yevs nicht hier unten, wäre das Imperium hier unten und die Yevs hätten ein dickes Problem. Okay, ich mein, haben sie auch so. Aber schlimmer. Ich würde also mit mehr armklingenschwingenden Scherzkeksen rechnen…und vermutlich Droiden. Und da sehe ich das eigentliche Problem.“ Er zuckte mit den Schultern. „Naja. Mit dem Problem befassen wir uns, wenn’s passiert. Geh vor.“

Im Gänsemarsch machten die beiden Sith sich auf den Weg. Von hier aus war der Raumhafen nicht weit und in Luftlinie wäre es sicher ein Weg von lediglich ein paar Minuten gewesen. Selbst mit dem zusätzlichen Weg durch den Raumhafen und zu dem Lagerhaus, zu dem sie wollten.

Die Kanalisation wollte da aber nicht so recht mitspielen.

Die grobe Richtung stimmte, doch waren es verwinkelte Tunnel. Schräg und alles, aber nicht Luftlinie. An Licht gab es nach ein paar Minuten nur noch, was sie dabeihatten – und das setzten sie sparsam ein. Wenigstens erlaubten ihre HUDs es ihnen ihren groben Richtungssinn beizubehalten, der Rest übernahm der Machtsinn.


„Warte mal kurz“, sagte Leto nach einer ganzen Weile Marsch in der Finsternis, einer Eingebung folgend. „Gib mir Licht.“

Kal Fraans Lichtschwert flammte blau auf und Leto winkte seinen Schüler zu der Stelle, an der er stehengeblieben war. Hier, an der Wand verlief dieselbe Reihe von Wandleuchten, die ihnen beim Einstieg noch Licht geboten, hatte. Hier jedoch schien es, als hätte jemand – oder etwas – eine nach der anderen die Birnen zerschlagen. Und nicht nur das, an der Stelle, an der Leto stehengeblieben war, war das Kabel aus der Wand gerissen worden. Dicke Striemen verunzierten die Wand, wo es angebracht gewesen war. Zu beiden Seiten der Stelle hingen zerfetzte Kabelenden hinab.

„Interessant“, brummte Leto und bedeutete Teneb sein Schwert etwas tiefer zu halten. Das blaue Licht offenbarte einen dunklen Fleck an der Wand auf Höhe des Bodens, der sich bis zum Kanal fortsetzte und…ahja.

Der Körper des Yevethaners war derart zerfleischt worden, dass er nur noch durch seine Ausgemergeltheit und die Armklingen als solcher identifiziert werden konnte. Neben ihm im Wasser lag eine zerschlagene Taschenlampe. Der Leichnam war frisch, keine zwei Tage alt, schätzte Leto.
„Huh. Und ich dachte wir wären die einzigen hier unten, die Yevethaner hassen – und deren M.O. Aufschlitzen ist...“


[ Kernwelten / Farlax-Sektor / Koornacht-Cluster / N'zoth-System / N'zoth / Giat Nor / Am Raumhafen / Kanalisation ] Leto und Teneb, sowie (NPCs) who knows
 
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