Onderon, Dxun (Japrael-System)

Japrael-System | Dxun | Vorplatz des Grabes | Darel


Darel blieb zunächst reglos stehen, während sein Blick aufmerksam zwischen den Cannoks hin und her wanderte, ohne dabei eine hastige Bewegung zu machen oder vorschnell nach seinem Lichtschwert zu greifen, da ihm bereits nach wenigen Augenblicken klar wurde, dass die Tiere ihn längst bemerkt hatten und die Situation sich nun in einer jener unangenehmen Zwischenphasen befand, in denen noch keine offene Eskalation stattgefunden hatte, beide Seiten jedoch bereits verstanden, dass jederzeit Gewalt entstehen konnte.

Die Cannoks fraßen weiter, zumindest oberflächlich betrachtet, doch je länger Darel sie beobachtete, desto deutlicher erkannte er, dass ihre Aufmerksamkeit längst nicht mehr ausschließlich den Kadavern galt. Immer wieder hoben sich schmale Köpfe zwischen den aufgerissenen Körpern der Bomas, begleitet von leisen, knurrenden Lauten und kurzen, ruckartigen Bewegungen, während mehrere Augenpaare gleichzeitig in seine Richtung wanderten, ohne ihn direkt aus den Blick zu verlieren.

Einer der Cannoks zog einen langen Fleischfetzen aus dem geöffneten Brustkorb eines Kadavers und wich dabei einige Schritte zurück, ohne den Blick von Darel abzuwenden, während ein anderes Tier langsam begann, sich seitlich zu bewegen, nicht schnell oder offensichtlich, sondern mit jener vorsichtigen Ruhe eines Raubtieres, das versuchte herauszufinden, wie weit es gehen konnte, bevor die Situation kippte.


Darel registrierte diese sofort. Sie testeten ihn.

Der Gedanke formte sich beinahe augenblicklich in seinem Kopf, nicht panisch oder hektisch, sondern nüchtern, weil ihm bewusst wurde, dass die Tiere längst begriffen hatten, dass sein Meister verschwunden war und nur noch er selbst hier stand.

Und genau dieser Gedanke erzeugte einen kurzen, unangenehmen Widerstand in ihm, da ihm nicht gefiel, wie offensichtlich sich seine Situation verändert hatte, kaum dass die Präsenz seines Meisters verschwunden war. Für einen kurzen Moment erinnerte ihn genau das an vieles, was Sedros ihm bereits versucht hatte beizubringen, denn Stärke bedeutete offenbar nicht nur, im direkten Kampf zu bestehen, sondern ebenso, wie man auf andere wirkte, wie sicher oder unsicher man sich bewegte und ob die Umgebung glaubte, dass man eine Gefahr darstellte oder Beute war.

Gerade deshalb zwang sich Darel bewusst dazu, ruhig zu bleiben. Er verlagerte sein Gewicht kaum merklich, hielt die Schultern aufrecht und kontrollierte seinen Atem, während er versuchte, die unterschwellige Nervosität nicht verschwinden zu lassen, sondern sie unter Kontrolle zu bringen, anstatt sich von ihr treiben zu lassen. Gleichzeitig richtete sich seine Aufmerksamkeit stärker auf die Präsenz der Tiere selbst, weniger auf ihre äußeren Bewegungen als vielmehr auf das Gefühl, das von ihnen ausging, dieses nervöse, hungrige Raubtierverhalten, das ständig zwischen Vorsicht und Angriff schwankte.

Ohne dass es ihm vollständig bewusst wurde, begann sich dabei auch seine eigene Wahrnehmung leicht zu verändern. Die dunkle Seite, die ihn zuvor wie ein kalter Druck umgeben hatte, fühlte sich plötzlich weniger fern an, weniger wie etwas, das lediglich auf ihn einwirkte, sondern eher wie etwas, das sich mit seiner eigenen Anspannung verband und diese verstärkte. Nicht kontrolliert oder gezielt wie bei Sedros, sondern roh, instinktiv und noch ungeordnet.


Gleichzeitig veränderte sich auch das Verhalten der Tiere.

Der größere Cannok hatte sich inzwischen vollständig herumgedreht und beobachtete Darel nun beinahe regungslos, während sich seine langen Gliedmaßen tief in den staubigen Boden gruben und die gelblich schimmernden Augen ihn ohne Unterbrechung fixierten. Selbst die übrigen Tiere wirkten vorsichtiger als zuvor. Einer zog sich langsam einige Schritte zurück, ohne den Blickkontakt zu lösen, während ein anderer begann, sich weiter seitlich durch die verstreuten Kadaver zu bewegen, deutlich darauf bedacht, ihn nicht nur frontal unter Druck zu setzen.

Für einige Sekunden geschah nichts.
Während sich beide Parteien anstarrten.

Die Spannung zwischen ihnen wurde beinahe greifbar, während sich selbst die wenigen Geräusche des entfernten Dschungels wieder unwirklich weit entfernt anhörten und nur noch das dumpfe Knurren der Tiere sowie das gelegentliche Reißen von Fleisch zwischen den Boma-Kadavern übrig blieb.


Dann geschah es plötzlich.
Der größere Cannok schnellte ohne jede Vorwarnung nach vorne, so abrupt und schnell, dass selbst Darel für einen kurzen Augenblick überrascht wurde, während beinahe zeitgleich links von ihm eine zweite Bewegung aufblitzte und einer der kleineren Cannoks flach über den Boden auf ihn zuschoss.


Dieses Mal reagierte Darel jedoch sofort.
Die Klinge seines Lichtschwertes riss mit einem scharfen Zischen nach oben, beinahe zeitgleich mit seiner Bewegung zur Seite, während er sich bewusst dazu zwang, nicht einfach zurückzuweichen wie zuvor bei den Bomas, sondern die Distanz kontrolliert zu halten, genau so, wie Sedros es ihm indirekt gezeigt hatte.


Der kleinere Cannok erreichte ihn zuerst.

Darel drehte sich im letzten Moment leicht aus der Angriffslinie heraus, ließ die Kreatur dicht genug herankommen, um ihre Bewegung vollständig lesen zu können, bevor seine Klinge in einer schnellen, kontrollierten Bewegung seitlich nach unten fuhr und das Tier an Schulter und Hals traf.

Der schrille Laut, der darauf folgte, hallte unangenehm zwischen den uralten Mauern wider, während der Cannok hart gegen den Boden prallte, sich mehrere Meter weit über Asche und Staub zog und schließlich reglos liegen blieb.


Doch der größere war bereits unmittelbar hinter ihm.

Darel registrierte die Bewegung nur noch aus dem Augenwinkel, bevor er instinktiv sein Gewicht verlagerte und sich gerade noch rechtzeitig halb herumdrehte, als die Kreatur mit voller Geschwindigkeit auf ihn zuschoss. Der Aufprall blieb dennoch nicht vollständig aus. Die Schulter des Cannoks traf ihn seitlich hart genug, um ihm spürbar die Luft aus der Lunge zu pressen und ihn einige Schritte zurücktaumeln zu lassen, während die langen Klauen nur knapp an seinem Oberkörper vorbeizogen.

Für einen kurzen Moment entstand ein chaotisches, enges Gerangel aus Bewegung, Staub und aggressivem Knurren, in dem kaum Raum blieb, um bewusst nachzudenken, und genau dort bemerkte Darel plötzlich, dass sich etwas verändert hatte.

Die Nervosität war noch immer da. Ebenso das Adrenalin und der Druck dieses Ortes.
Doch darunter lag inzwischen etwas anderes.
Etwas Kaltes und Kontrolliertes.

Die dunkle Seite fühlte sich nicht mehr ausschließlich wie eine bedrückende Präsenz an, die von außen auf ihn einwirkte, sondern beinahe wie etwas, das sich mit seiner Konzentration und seinem Instinkt verband, seine Wahrnehmung schärfte und ihn schneller reagieren ließ, als er es noch wenige Minuten zuvor gekonnt hätte.

Der Cannok setzte erneut an, doch dieses Mal wich Darel nicht zurück.

Er machte stattdessen einen schnellen Schritt nach vorne in die Bewegung hinein, brachte sich bewusst näher an die Seite der Kreatur und zog die Klinge seines Lichtschwertes in einer harten Bewegung quer durch den Körper des Tieres, noch bevor dieses seine Richtung vollständig korrigieren konnte.


Der Schnitt traf tief.

Fast augenblicklich verlor der Cannok die Kontrolle über seine Bewegung, überschlug sich schwer über den Boden und blieb schließlich mehrere Meter entfernt zwischen den verstreuten Kadavern liegen, während für einen kurzen Augenblick wieder Stille einkehrte.


Die restlichen Cannoks reagierten sofort.

Das hektische Knurren verstummte beinahe augenblicklich, während sich die Tiere sichtbar zurückzogen und ihre aggressive Körpersprache zunehmend vorsichtiger wurde, bis schließlich eines nach dem anderen zwischen den dunklen Pflanzenresten und dem Unterholz verschwand.

Noch einige Sekunden lang konnte Darel einzelne Bewegungen zwischen den Schatten erkennen, bevor endgültig Ruhe einkehrte und nur noch die reglosen Körper der Bomas und Cannoks auf dem Vorplatz zurückblieben.

Darel blieb zunächst stehen, das Lichtschwert weiterhin aktiviert in seiner Hand, während sein Blick langsam über die Umgebung glitt und er bewusst prüfte, ob weitere Bewegungen folgten oder ob sich erneut etwas näherte.


Erst nachdem mehrere Augenblicke vergangen waren, deaktivierte er die Klinge mit einem leisen Zischen.

Sein Atem ging deutlich schwerer als zuvor, kontrolliert, aber tief genug, dass ihm bewusst wurde, wie angespannt sein Körper während des Kampfes gewesen war, während sich gleichzeitig ein anderer Gedanke langsam in seinem Bewusstsein festsetzte.

Die dunkle Seite hatte sich während dieses Kampfes anders angefühlt als noch zuvor.
Nicht bloß wie ein bedrückender Druck von außen, sondern beinahe wie etwas, das ihn getragen, fokussiert und gleichzeitig verändert hatte.

Und genau dieser Gedanke ließ Darel für einen Moment still werden, nicht weil er ihn erschreckte, sondern weil ihm langsam bewusst wurde, dass er während dieses Kampfes begonnen hatte, anders zu reagieren als noch zu Beginn ihres Aufenthaltes auf Dxun.


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Japrael-System | Dxun | Halle in den Tiefen des Grabes | Sedros

Das Unterfangen, die Dunkelwurz-Essenz zu ernten, stellte sich als alles andere als leicht heraus. Sicher, Sedros hatte das Ritual durchgeführt und die Prüfung bestanden. Doch die freigesetzte Dunkelwurz-Essenz begann praktisch sofort zu verfallen. Der reinblütige Sith deaktivierte sein Lichtschwert und hängte es sich wieder an den Gürtel. Seine Kleidung war von den Dornen des Dunkelwurz komplett zerrissen worden und dazu gehörten auch die Trageriemen seines Rucksacks. Wo war also der Aufbewahrungsbehälter, den er mitgebracht hatte? Wertvolle Minuten rannen Sedros durch die Finger, bis er ihn endlich im Zwielicht finden konnte.

Erste Versuche, die Essenz mit einer behandschuhten Hand in den Behälter zu schaufeln, funktionierten zwar grundsätzlich, doch sie waren alles andere als effizient. Kurz überlegte er, wie er es besser machen konnte, und schlug sich dann selbst ertappt gegen die Stirn. Die Macht war sein Werkzeug, also sollte er sie auch entsprechend einsetzen. Der reinblütige Sith setzte sich also im Schneidersitz auf den Steinboden und stellte den Aufbewahrungsbehälter offen vor sich auf. Dann legte er sich die Hände locker auf die Knie, schloss die Augen und atmete tief durch. Telekinese war nie
Sedros’ große Stärke gewesen, doch hier und jetzt zögerte er nicht, seine Machtfühler auszustrecken, um die Dunkelwurz-Essenz mit der Macht aufzufangen und in den Behälter zu leiten.

Nach etwa zehn Minuten stand
Sedros der Schweiß auf der Stirn. Physische Erschöpfungserscheinungen waren niemals ein gutes Zeichen bei der Anwendung von Machttechniken, zeugten sie doch davon, dass der Machtnutzer über seine Grenzen hinausging. Der reinblütige Sith ließ jedoch nicht ab von der vor ihm liegenden Aufgabe, denn Zeit war essentiell. Zwanzig Minuten später versiegelte sich der Aufbewahrungsbehälter bis zum Rand gefüllt. Viel mehr hätte Sedros ohnehin nicht ausrichten können. Zum einen hätte er nicht mehr lange weitermachen können. Außerdem hatten sich so langsam auch die letzten Reste der Dunkelwurz-Essenz verflüchtigt, der der reinblütige Sith nicht bereits sicher verstaut hatte.

Jetzt hielt ihn also nichts mehr hier.
Sedros war sich durchaus der andauernden Gefahren hier unten bewusst, so wenig er sie doch tatsächlich verstand. Also erhob er sich nach getaner Arbeit direkt auf doch recht wacklige Beine, schulterte den Aufbewahrungsbehälter und ging die Treppe hinauf, die aus diesem Saal führte. Erst als er am oberen Treppenabsatz angekommen war, schaute der reinblütige Sith noch einmal hinab in den Saal. Von hier oben waren die unzähligen Gebeine kaum noch zu erkennen. Er hatte kaum an der Oberfläche dessen gekratzt, was diesen Ort ausmachte und könnte wahrscheinlich ein Jahrzehnt hier verbringen und doch nicht alles ergründen, was hier verborgen war.

Nun aber war nicht der rechte Moment, sich mit derlei zu beschäftigen. Stattdessen setzte sich
Sedros wieder zur Meditation hin und legte den Aufbewahrungsbehälter sicher in seinem Schoß ab. Er war ganz und gar ausgelaugt und durfte sich so geschwächt nicht vor seinem Schüler zeigen. Also begann er eine Meditationsübung, um seinen Körper Ruhe in einer Heiltrance zu gewähren, während sein Geist die Machtfühler ausstreckte, um einen genaueren Eindruck von diesem Ort zu erhalten und über das erlebte zu sinnieren. Recht schnell nahm Sedros hierbei wieder die Präsenz seiner vermeintlichen Ehefrau wahr, wenngleich sie nicht so stark wurde, dass er noch einmal mit ihr direkt kommunizieren konnte.

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