Onderon, Dxun (Japrael-System)

Japrael-System | Dxun | Vorplatz des Grabes | Darel


Darel blieb zunächst reglos stehen, während sein Blick aufmerksam zwischen den Cannoks hin und her wanderte, ohne dabei eine hastige Bewegung zu machen oder vorschnell nach seinem Lichtschwert zu greifen, da ihm bereits nach wenigen Augenblicken klar wurde, dass die Tiere ihn längst bemerkt hatten und die Situation sich nun in einer jener unangenehmen Zwischenphasen befand, in denen noch keine offene Eskalation stattgefunden hatte, beide Seiten jedoch bereits verstanden, dass jederzeit Gewalt entstehen konnte.

Die Cannoks fraßen weiter, zumindest oberflächlich betrachtet, doch je länger Darel sie beobachtete, desto deutlicher erkannte er, dass ihre Aufmerksamkeit längst nicht mehr ausschließlich den Kadavern galt. Immer wieder hoben sich schmale Köpfe zwischen den aufgerissenen Körpern der Bomas, begleitet von leisen, knurrenden Lauten und kurzen, ruckartigen Bewegungen, während mehrere Augenpaare gleichzeitig in seine Richtung wanderten, ohne ihn direkt aus den Blick zu verlieren.

Einer der Cannoks zog einen langen Fleischfetzen aus dem geöffneten Brustkorb eines Kadavers und wich dabei einige Schritte zurück, ohne den Blick von Darel abzuwenden, während ein anderes Tier langsam begann, sich seitlich zu bewegen, nicht schnell oder offensichtlich, sondern mit jener vorsichtigen Ruhe eines Raubtieres, das versuchte herauszufinden, wie weit es gehen konnte, bevor die Situation kippte.


Darel registrierte diese sofort. Sie testeten ihn.

Der Gedanke formte sich beinahe augenblicklich in seinem Kopf, nicht panisch oder hektisch, sondern nüchtern, weil ihm bewusst wurde, dass die Tiere längst begriffen hatten, dass sein Meister verschwunden war und nur noch er selbst hier stand.

Und genau dieser Gedanke erzeugte einen kurzen, unangenehmen Widerstand in ihm, da ihm nicht gefiel, wie offensichtlich sich seine Situation verändert hatte, kaum dass die Präsenz seines Meisters verschwunden war. Für einen kurzen Moment erinnerte ihn genau das an vieles, was Sedros ihm bereits versucht hatte beizubringen, denn Stärke bedeutete offenbar nicht nur, im direkten Kampf zu bestehen, sondern ebenso, wie man auf andere wirkte, wie sicher oder unsicher man sich bewegte und ob die Umgebung glaubte, dass man eine Gefahr darstellte oder Beute war.

Gerade deshalb zwang sich Darel bewusst dazu, ruhig zu bleiben. Er verlagerte sein Gewicht kaum merklich, hielt die Schultern aufrecht und kontrollierte seinen Atem, während er versuchte, die unterschwellige Nervosität nicht verschwinden zu lassen, sondern sie unter Kontrolle zu bringen, anstatt sich von ihr treiben zu lassen. Gleichzeitig richtete sich seine Aufmerksamkeit stärker auf die Präsenz der Tiere selbst, weniger auf ihre äußeren Bewegungen als vielmehr auf das Gefühl, das von ihnen ausging, dieses nervöse, hungrige Raubtierverhalten, das ständig zwischen Vorsicht und Angriff schwankte.

Ohne dass es ihm vollständig bewusst wurde, begann sich dabei auch seine eigene Wahrnehmung leicht zu verändern. Die dunkle Seite, die ihn zuvor wie ein kalter Druck umgeben hatte, fühlte sich plötzlich weniger fern an, weniger wie etwas, das lediglich auf ihn einwirkte, sondern eher wie etwas, das sich mit seiner eigenen Anspannung verband und diese verstärkte. Nicht kontrolliert oder gezielt wie bei Sedros, sondern roh, instinktiv und noch ungeordnet.


Gleichzeitig veränderte sich auch das Verhalten der Tiere.

Der größere Cannok hatte sich inzwischen vollständig herumgedreht und beobachtete Darel nun beinahe regungslos, während sich seine langen Gliedmaßen tief in den staubigen Boden gruben und die gelblich schimmernden Augen ihn ohne Unterbrechung fixierten. Selbst die übrigen Tiere wirkten vorsichtiger als zuvor. Einer zog sich langsam einige Schritte zurück, ohne den Blickkontakt zu lösen, während ein anderer begann, sich weiter seitlich durch die verstreuten Kadaver zu bewegen, deutlich darauf bedacht, ihn nicht nur frontal unter Druck zu setzen.

Für einige Sekunden geschah nichts.
Während sich beide Parteien anstarrten.

Die Spannung zwischen ihnen wurde beinahe greifbar, während sich selbst die wenigen Geräusche des entfernten Dschungels wieder unwirklich weit entfernt anhörten und nur noch das dumpfe Knurren der Tiere sowie das gelegentliche Reißen von Fleisch zwischen den Boma-Kadavern übrig blieb.


Dann geschah es plötzlich.
Der größere Cannok schnellte ohne jede Vorwarnung nach vorne, so abrupt und schnell, dass selbst Darel für einen kurzen Augenblick überrascht wurde, während beinahe zeitgleich links von ihm eine zweite Bewegung aufblitzte und einer der kleineren Cannoks flach über den Boden auf ihn zuschoss.


Dieses Mal reagierte Darel jedoch sofort.
Die Klinge seines Lichtschwertes riss mit einem scharfen Zischen nach oben, beinahe zeitgleich mit seiner Bewegung zur Seite, während er sich bewusst dazu zwang, nicht einfach zurückzuweichen wie zuvor bei den Bomas, sondern die Distanz kontrolliert zu halten, genau so, wie Sedros es ihm indirekt gezeigt hatte.


Der kleinere Cannok erreichte ihn zuerst.

Darel drehte sich im letzten Moment leicht aus der Angriffslinie heraus, ließ die Kreatur dicht genug herankommen, um ihre Bewegung vollständig lesen zu können, bevor seine Klinge in einer schnellen, kontrollierten Bewegung seitlich nach unten fuhr und das Tier an Schulter und Hals traf.

Der schrille Laut, der darauf folgte, hallte unangenehm zwischen den uralten Mauern wider, während der Cannok hart gegen den Boden prallte, sich mehrere Meter weit über Asche und Staub zog und schließlich reglos liegen blieb.


Doch der größere war bereits unmittelbar hinter ihm.

Darel registrierte die Bewegung nur noch aus dem Augenwinkel, bevor er instinktiv sein Gewicht verlagerte und sich gerade noch rechtzeitig halb herumdrehte, als die Kreatur mit voller Geschwindigkeit auf ihn zuschoss. Der Aufprall blieb dennoch nicht vollständig aus. Die Schulter des Cannoks traf ihn seitlich hart genug, um ihm spürbar die Luft aus der Lunge zu pressen und ihn einige Schritte zurücktaumeln zu lassen, während die langen Klauen nur knapp an seinem Oberkörper vorbeizogen.

Für einen kurzen Moment entstand ein chaotisches, enges Gerangel aus Bewegung, Staub und aggressivem Knurren, in dem kaum Raum blieb, um bewusst nachzudenken, und genau dort bemerkte Darel plötzlich, dass sich etwas verändert hatte.

Die Nervosität war noch immer da. Ebenso das Adrenalin und der Druck dieses Ortes.
Doch darunter lag inzwischen etwas anderes.
Etwas Kaltes und Kontrolliertes.

Die dunkle Seite fühlte sich nicht mehr ausschließlich wie eine bedrückende Präsenz an, die von außen auf ihn einwirkte, sondern beinahe wie etwas, das sich mit seiner Konzentration und seinem Instinkt verband, seine Wahrnehmung schärfte und ihn schneller reagieren ließ, als er es noch wenige Minuten zuvor gekonnt hätte.

Der Cannok setzte erneut an, doch dieses Mal wich Darel nicht zurück.

Er machte stattdessen einen schnellen Schritt nach vorne in die Bewegung hinein, brachte sich bewusst näher an die Seite der Kreatur und zog die Klinge seines Lichtschwertes in einer harten Bewegung quer durch den Körper des Tieres, noch bevor dieses seine Richtung vollständig korrigieren konnte.


Der Schnitt traf tief.

Fast augenblicklich verlor der Cannok die Kontrolle über seine Bewegung, überschlug sich schwer über den Boden und blieb schließlich mehrere Meter entfernt zwischen den verstreuten Kadavern liegen, während für einen kurzen Augenblick wieder Stille einkehrte.


Die restlichen Cannoks reagierten sofort.

Das hektische Knurren verstummte beinahe augenblicklich, während sich die Tiere sichtbar zurückzogen und ihre aggressive Körpersprache zunehmend vorsichtiger wurde, bis schließlich eines nach dem anderen zwischen den dunklen Pflanzenresten und dem Unterholz verschwand.

Noch einige Sekunden lang konnte Darel einzelne Bewegungen zwischen den Schatten erkennen, bevor endgültig Ruhe einkehrte und nur noch die reglosen Körper der Bomas und Cannoks auf dem Vorplatz zurückblieben.

Darel blieb zunächst stehen, das Lichtschwert weiterhin aktiviert in seiner Hand, während sein Blick langsam über die Umgebung glitt und er bewusst prüfte, ob weitere Bewegungen folgten oder ob sich erneut etwas näherte.


Erst nachdem mehrere Augenblicke vergangen waren, deaktivierte er die Klinge mit einem leisen Zischen.

Sein Atem ging deutlich schwerer als zuvor, kontrolliert, aber tief genug, dass ihm bewusst wurde, wie angespannt sein Körper während des Kampfes gewesen war, während sich gleichzeitig ein anderer Gedanke langsam in seinem Bewusstsein festsetzte.

Die dunkle Seite hatte sich während dieses Kampfes anders angefühlt als noch zuvor.
Nicht bloß wie ein bedrückender Druck von außen, sondern beinahe wie etwas, das ihn getragen, fokussiert und gleichzeitig verändert hatte.

Und genau dieser Gedanke ließ Darel für einen Moment still werden, nicht weil er ihn erschreckte, sondern weil ihm langsam bewusst wurde, dass er während dieses Kampfes begonnen hatte, anders zu reagieren als noch zu Beginn ihres Aufenthaltes auf Dxun.


Japrael-System | Dxun | Vorplatz des Grabes | Darel
 
Japrael-System | Dxun | Halle in den Tiefen des Grabes | Sedros

Das Unterfangen, die Dunkelwurz-Essenz zu ernten, stellte sich als alles andere als leicht heraus. Sicher, Sedros hatte das Ritual durchgeführt und die Prüfung bestanden. Doch die freigesetzte Dunkelwurz-Essenz begann praktisch sofort zu verfallen. Der reinblütige Sith deaktivierte sein Lichtschwert und hängte es sich wieder an den Gürtel. Seine Kleidung war von den Dornen des Dunkelwurz komplett zerrissen worden und dazu gehörten auch die Trageriemen seines Rucksacks. Wo war also der Aufbewahrungsbehälter, den er mitgebracht hatte? Wertvolle Minuten rannen Sedros durch die Finger, bis er ihn endlich im Zwielicht finden konnte.

Erste Versuche, die Essenz mit einer behandschuhten Hand in den Behälter zu schaufeln, funktionierten zwar grundsätzlich, doch sie waren alles andere als effizient. Kurz überlegte er, wie er es besser machen konnte, und schlug sich dann selbst ertappt gegen die Stirn. Die Macht war sein Werkzeug, also sollte er sie auch entsprechend einsetzen. Der reinblütige Sith setzte sich also im Schneidersitz auf den Steinboden und stellte den Aufbewahrungsbehälter offen vor sich auf. Dann legte er sich die Hände locker auf die Knie, schloss die Augen und atmete tief durch. Telekinese war nie
Sedros’ große Stärke gewesen, doch hier und jetzt zögerte er nicht, seine Machtfühler auszustrecken, um die Dunkelwurz-Essenz mit der Macht aufzufangen und in den Behälter zu leiten.

Nach etwa zehn Minuten stand
Sedros der Schweiß auf der Stirn. Physische Erschöpfungserscheinungen waren niemals ein gutes Zeichen bei der Anwendung von Machttechniken, zeugten sie doch davon, dass der Machtnutzer über seine Grenzen hinausging. Der reinblütige Sith ließ jedoch nicht ab von der vor ihm liegenden Aufgabe, denn Zeit war essentiell. Zwanzig Minuten später versiegelte sich der Aufbewahrungsbehälter bis zum Rand gefüllt. Viel mehr hätte Sedros ohnehin nicht ausrichten können. Zum einen hätte er nicht mehr lange weitermachen können. Außerdem hatten sich so langsam auch die letzten Reste der Dunkelwurz-Essenz verflüchtigt, der der reinblütige Sith nicht bereits sicher verstaut hatte.

Jetzt hielt ihn also nichts mehr hier.
Sedros war sich durchaus der andauernden Gefahren hier unten bewusst, so wenig er sie doch tatsächlich verstand. Also erhob er sich nach getaner Arbeit direkt auf doch recht wacklige Beine, schulterte den Aufbewahrungsbehälter und ging die Treppe hinauf, die aus diesem Saal führte. Erst als er am oberen Treppenabsatz angekommen war, schaute der reinblütige Sith noch einmal hinab in den Saal. Von hier oben waren die unzähligen Gebeine kaum noch zu erkennen. Er hatte kaum an der Oberfläche dessen gekratzt, was diesen Ort ausmachte und könnte wahrscheinlich ein Jahrzehnt hier verbringen und doch nicht alles ergründen, was hier verborgen war.

Nun aber war nicht der rechte Moment, sich mit derlei zu beschäftigen. Stattdessen setzte sich
Sedros wieder zur Meditation hin und legte den Aufbewahrungsbehälter sicher in seinem Schoß ab. Er war ganz und gar ausgelaugt und durfte sich so geschwächt nicht vor seinem Schüler zeigen. Also begann er eine Meditationsübung, um seinen Körper Ruhe in einer Heiltrance zu gewähren, während sein Geist die Machtfühler ausstreckte, um einen genaueren Eindruck von diesem Ort zu erhalten und über das erlebte zu sinnieren. Recht schnell nahm Sedros hierbei wieder die Präsenz seiner vermeintlichen Ehefrau wahr, wenngleich sie nicht so stark wurde, dass er noch einmal mit ihr direkt kommunizieren konnte.

Japrael-System | Dxun | Halle in den Tiefen des Grabes | Sedros
 
Japrael-System | Dxun | Halle in den Tiefen des Grabes | Sedros
Die Heiltrance erfüllte ihren Zweck, wenngleich es Sedros nicht gelang, sie allzu lange aufrechtzuerhalten. Dafür war der Druck der dunklen Seite der Macht an diesem Ort einfach zu stark für den reinblütigen Sith und auch wenn diese ihm unbekannte Präsenz, die ihn eingefangen und fast umgebracht hatte nun weitaus schwächer auf ihn einwirkte, so musste er doch ständig wachsam bleiben, nicht ein zweites mal in die Falle zu tappen. Als Sedros schließlich die Augen öffnete, hatte er daher nicht wirklich mehr darüber herausgefunden, was genau hier unten denn nun lauerte.

Klar war einzig, dass der reinblütige Sith langfristig diesem Ort nicht gewachsen war. Ein letztes Mal blickte er also runter in die Halle. Von dem Dunkelwurz war weiter nichts zu sehen, stattdessen bot sich
Sedros das chaotische Bild eines längst vergessenen Schlachtfeldes, von dem einzig die Gebeine der Kämpfer übrig geblieben waren. Doch dieser Ort würde heute seine Geheimnisse für sich behalten. Statt sich wieder vorzuwagen, wandte der reinblütige Sith der Halle den Rücken zu und begann den Aufstieg zurück zum Eingang des Grabes.

Auf dem Weg nach oben riss
Sedros sich die in Dutzende Teile zerrissene Robe von den Schultern. Dadurch war er jetzt zwar halb nackt, aber das war immer noch besser als in würdelosen Lumpen herumzulaufen. Selbst die Hose war schwer verschlissen und eines der Hosenbeine sogar knapp unter dem Knie komplett abgerissen. Aber wenigstens seine Stiefel waren noch in Ordnung. Das erlaubte dem reinblütigen Sith, mit erhobenem Haupt voranzuschreiten, als wäre er in feinsten Zwirn gekleidet und der unangefochtene Souverän dieses Sektors. Und tatsächlich fühlte er sich auch so, als könnte er Bäume ausreißen, nachdem immer klarer wurde, dass er die gestellte Aufgabe nicht nur mit Bravur erfüllt hatte, sondern auch relativ unbeschadet davon gekommen war.

Erst als
Sedros durch das Eingangsportal ins Freie trat und vom Sonnenlicht getroffen wurde, trübte sich seine Stimmung für einen Moment. Der reinblütige Sith kniff die Augen zusammen und schirmte sie mit der freien Hand ab. Zum Glück dauerte es nicht lange, bis er hier oben im Tageslicht wieder sehen konnte. Sedros schaute sich ganz ruhig hier oben um. Es gab kein Zeichen von Leben rund um den Tempel. Nicht einmal Darel konnte der reinblütige Sith hier finden. Die Machtpräsenz seines Schülers war dafür in einiger Ferne zu spüren. Er hatte sich offenbar auf den Vorplatz zurückgezogen. Der reinblütige Sith wusste nicht, warum. Und es interessierte ihn auch nicht wirklich. Er hatte erledigt, weswegen sie nach Dxun gekommen waren, also würden sie nun abreisen. Mit dem Aufbewahrungsbehälter in der linken Hand begann er so, die Statuenallee hinabzugehen und sandte einen telepathischen Impuls voraus, um sich Darel anzukündigen. ‘Wir sind hier fertig, mein Schüler. Mache dich für die Abreise bereit.’

Als Sedros auf den Vorplatz trat, blieb er einen Moment stehen, um die Szenerie vor sich genau in Augenschein zu nehmen. Darel schien unverletzt zu sein. Zu den zuvor erlegten Bomas hatte sich eine Reihe von Cannoks gesellt, die alle für Lichtschwerter typische Wunden aufwiesen und so von einem zweiten Gefecht zeugten, das sein Schüler für sich entschieden zu haben schien. Darel hatte sich also in seinem ersten Gefecht ohne seine Aufsicht bewiesen. Sicher, es war nur gegen instinktgetriebene Tiere gewesen. Das schmälerte aber nicht die Tatsache, dass Darel einen ersten, wichtigen Schritt hin zur Eigenständigkeit gemacht hatte und Sedros erkannte diese Erkenntnis mit einem einzigen, anerkennenden Nicken an.

Seine eigene Halbnacktheit kommentierte er jedoch genauso wenig wie die schiere Unzahl an Schnittwunden, die auf seinem ganzen Körper verteilt waren oder das getrocknete Blut auf der Haut, dass ihn aktuell noch roter erscheinen ließ, als es die Haut des reinblütigen Sith ohnehin schon tat.
“Komm, mein Schüler. Dieser Ort hat für heute seinen Zweck für uns erfüllt. Ich kehre jetzt als nächstes zum Sithtempel auf Bastion zurück.” Und damit setzte Sedros seinen Weg zurück zur Obsidian Gauntlet fort. Er setzte einfach voraus, dass Darel ihm folgte und weder seine Stimme noch sein fester Schritt ließen Zweifel daran, dass er im Zweifel auch ohne seinen Schüler Dxun verlassen würde.

Japrael-System | Dxun | Vorplatz des Grabes | Sedros und Darel
 
Japrael-System | Dxun | Vorplatz des Grabes | Darel


Darel blieb noch eine ganze Weile in der Nähe des Portals, nachdem die letzten Cannoks zwischen den Schatten des Dschungels verschwunden waren und erneut jene eigentümliche Ruhe über die Anlage zurückkehrte, die diesen Ort von allem anderen auf Dxun unterschied. Die Droiden zogen weiterhin ihre Bahnen über dem Vorplatz und meldeten keine Auffälligkeiten, sodass ihm vorerst nichts anderes übrig blieb, als zu warten und die Zeit so zu nutzen, wie sein Meister es ihm aufgetragen hatte.

Nachdem er sich davon überzeugt hatte, dass die unmittelbare Umgebung sicher war, schnitt er zuerst ein paar Zähne aus dem Maul eines der Cannoks danach wiederholte er das Prozedere bei einem der Bomas. Vielleicht konnte er damit ja später etwas anfangen...und wenn nicht hatte er nun ein paar Erinnerungsstück von Duxun bei sich.
Danach kehrte er schließlich zu dem Steinblock nahe des Eingangs zurück, von dem aus er sowohl die Allee als auch das Portal im Blick behalten konnte. Dort setzte er sich erneut und ließ den Blick über die uralten Mauern wandern, die trotz ihres Alters noch immer eine gewisse Erhabenheit ausstrahlten. Selbst jetzt fiel es ihm schwer zu entscheiden, ob dieser Ort beeindruckend oder abstoßend wirkte. Wahrscheinlich war er beides zugleich.

Je länger Darel dort saß, desto häufiger musste er an die Gespräche denken, die sie auf dem Weg hierher geführt hatten. Vor allem die Statuen beschäftigten ihn noch immer. Anfangs hatte er in ihnen lediglich Monumente ehemaliger Sith gesehen, doch inzwischen erschien ihm die Sache deutlich komplizierter. Offensichtlich hatten die dargestellten Personen einst über genügend Einfluss, Macht oder Ruhm verfügt, um solche Bauwerke errichten zu lassen, und dennoch wusste heute kaum noch jemand, wer sie überhaupt gewesen waren.

Gerade dieser Gedanke ließ ihn nicht los.

Wenn selbst jene Sith, die einst bedeutend genug gewesen waren, um Jahrtausende später noch als gewaltige Steinfiguren am Eingang eines Grabes zu stehen, irgendwann in Vergessenheit geraten konnten, dann musste hinter Sedros' Frage mehr stecken als eine einfache Lektion über Macht oder Ehrgeiz.

Vielleicht hatte sein Meister genau darauf hinausgewollt.
Macht allein schien nicht auszureichen.

Sie konnte Reiche erschaffen, Kriege gewinnen oder Menschen dazu bringen, Monumente zu errichten, doch all das schützte offenbar nicht davor, irgendwann nur noch eine namenlose Statue zu sein, deren Geschichte niemand mehr kannte.
Darel hatte darauf noch keine Antwort gefunden, doch zum ersten Mal verstand er zumindest die Frage.

Während seine Gedanken weiterwanderten, musste er unweigerlich an sich selbst denken. Bisher hatte er erstaunlich wenig darüber nachgedacht, wohin ihn dieser Weg eigentlich führen sollte. Natürlich wollte er stärker werden und natürlich wollte er die Macht beherrschen, doch diese Ziele beschrieben lediglich den Weg und nicht das eigentliche Ziel am Ende davon.

Vielleicht war genau das etwas, das er erst noch herausfinden musste.
Sein Blick wanderte erneut zu den Statuen am Ende der Allee, bevor er schließlich die Augen schloss und versuchte, sich auf seine Wahrnehmung zu konzentrieren. Die Präsenz der dunklen Seite war noch immer überall spürbar, doch inzwischen wirkte sie nicht mehr ganz so fremd wie zu Beginn ihres Aufenthalts auf Dxun. Sie war noch immer unangenehm, noch immer schwer und bedrückend, doch gleichzeitig begann er langsam zu verstehen, weshalb sein Meister immer wieder davon sprach, dass man lernen musste, mit ihr umzugehen, anstatt vor ihr zurückzuweichen.

Wie viel Zeit tatsächlich verging, konnte Darel später nicht mehr sagen.
Er bemerkte irgendwann, dass sich etwas verändert hatte, bis es Ihm klar wurde.


Die vertraute Präsenz seines Meisters war plötzlich wieder spürbar.

Wenige Augenblicke später erreichte ihn auch der telepathische Impuls.
Darel öffnete die Augen sofort und erhob sich von seinem Platz. Während er seinen Rucksack aufnahm und den Blick die Allee hinabwandern ließ, erschien wenig später die Gestalt seines Meisters zwischen den Statuen.

Zunächst glaubte er, sich zu täuschen.
Mit jedem Schritt, den Sedros näher kam, wurde jedoch deutlicher, dass dessen Aufenthalt im Inneren der Anlage offenbar deutlich ereignisreicher verlaufen war, als seine Nachricht vermuten ließ. Die Robe des reinblütigen Sith war nahezu vollständig zerstört, zahlreiche Schnittwunden zeichneten sich auf seiner Haut ab und selbst aus einiger Entfernung waren getrocknete Blutspuren zu erkennen.

Trotzdem bewegte sich Sedros mit derselben Selbstverständlichkeit wie zuvor.
Weder seine Haltung noch sein Auftreten vermittelten den Eindruck eines Mannes, der gerade einem gefährlichen Kampf oder einer tödlichen Prüfung entkommen war. Vielmehr wirkte er, als hätte er lediglich einen gewöhnlichen Spaziergang hinter sich gebracht.
Darel betrachtete die offensichtlichen Verletzungen deshalb nur kurz, bevor er die Beobachtung für sich behielt. Inzwischen hatte er gelernt, dass sein Meister Informationen nicht deshalb preisgab, weil man danach fragte, sondern dann, wenn er selbst entschied, dass sie relevant waren.

Als Sedros schließlich den Vorplatz erreichte und sein Blick kurz über die erlegten Cannoks glitt, bemerkte Darel das knappe Nicken sofort. Es war keine große Geste und für Außenstehende vermutlich kaum der Rede wert, doch nach allem, was er bisher über seinen Meister gelernt hatte, genügte dieses kleine Zeichen vollkommen, um die Bedeutung dahinter zu verstehen.

Darel nahm den Rucksack auf die Schulter und schloss sich seinem Meister an.
„Willkommen zurück, Meister“, sagte er ruhig, während sie gemeinsam den Weg zur Obsidian Gauntlet einschlugen. Sein Blick glitt noch einmal kurz über die beschädigte Kleidung und die zahlreichen Wunden. Darel war bereits gespannt was sein Meister erlebt hatte und folgte Ihm zurück auf das Schiff.


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Der Rückweg zur Obsidian Gauntlet stellte sich als erheblich einfach heraus als noch der Hinweg zur Sithanlage. Der Zuvor frei geschlagene Weg war noch nicht wieder zugewachsen und auch die Fauna hielt sich von den beiden Sith fern. Ihnen haftete zwar der unverwechselbare Geruch von Blut an, doch Sedros sorgte sehr bewusst dafür, dass Darel und ihm selbst eine Aura von Tod und Vernichtung anhaftete, die jedes Tier dazu veranlasste, den beiden aus dem Weg zu gehen.

Erst als sie die Rampe hinauf gingen, ließ
Sedros ab von der Macht. “Bereite den Start vor und bringe uns auf den Weg zurück nach Bastion. Sobald wir im Hyperraum sind, treffen wir uns im Aufenthaltsraum.” Unterdessen begab sich der reinblütige Sith in sein Quartier, wo er sowohl den Codex Xal'tharon als auch die Dunkelwurz-Essenz sicher verstaute, bevor der reinblütige Sith in die Nasszelle trat, um sich gründlich zu reinigen. Die Überreste seiner zerschlissenen Kleidung landete anschließend im Verwerter. Zum Glück hatte er mehr als genug Wechselkleidung an Bord, sodass Sedros sich anschließend angemessen gekleidet in die Kombüse begeben konnte, um eine einfache Mahlzeit für sich zu erhitzen und eine zweite Portion in den Erhitzer zu stellen.

Sedros dachte gar nicht daran, auf Darel zu warten. Stattdessen machte er sich direkt über die Mahlzeit her. Der Geschmack war ziemlich fade, wie es für Fertigmahlzeiten üblich war. Aber der reinblütige Sith aß auch nicht für den Genuss, sondern um seinen Hunger zu stillen. Ihr Abenteuer auf Dxun hatte Sedros einige Kraft gekostet, die er so schnell wie möglich regenerieren musste. Als sein Schüler endlich im Aufenthaltsraum auftauchte, deutete der reinblütige Sith lediglich mit seiner Gabel in die Kombüse. “Im Erhitzer ist deine Portion. Stärke dich und dann gehe dich in deinem Quartier erfrischen. Anschließend werden wir über das Erlebte meditieren. Du wirst sehen, dass die dunkle Seite der Macht auf Dxun ihre Spuren in dir hinterlassen hat. Nicht alles davon ist nützlich.”

Damit war der Worte für den Moment genüge getan und Sedros ignorierte seinen Schüler erst einmal. Nachdem der reinblütige Sith seine Mahlzeit beendet hatte, begann er auf der Couchgarnitur des Aufenthaltsraums eine leichte Meditation. Sobald sie zurück im Tempel waren, würde er vielleicht nicht viel Gelegenheit dafür bekommen. Daher wollte Sedros jetzt jede Gelegenheit nutzen, um neue Kraft zu schöpfen. Erst als Darel erfrischt wieder im Aufenthaltsraum erschien, öffnete er seine Augen wieder und deutete auf die freien Sitzplätze neben sich. “Setze dich. Das war auf Dxun dein erster richtiger Kampf. Zwar nur gegen Raubtiere, aber du hast dich gut geschlagen. Gehe in dich und lass das Erlebte noch einmal vor deinem inneren Auge aufleben.”

Der reinblütige Sith gab Darel die Gelegenheit, seine Meditation zu beginnen, bevor er weiter sprach. “Emotionen sind dein Verbündeter. Du wirst erkennen, dass du dich deiner Angst nicht schämen musst. Angst bedeutet lediglich, dass dein Körper instinktiv verstärkt nach Gefahren Ausschau hält. Lange Perioden der Angst können jedoch erschöpfend sein, das gilt genauso für Emotionen wie Wut und Zorn.” Sedros ließ seinem Schüler einen Moment Zeit, das Gesagte zu verarbeiten. “Die dunkle Seite der Macht vermag alle Gefühle zu vertiefen. Selbst aus einem kleinen Funken kann so mit wenig Aufwand deinerseits eine große Flamme werden. - Dieses Gefühl kann genauso berauschend wie überwältigend sein. Und es kann nicht zuletzt deine Kampfkraft enorm erhöhen. Es kann dir aber genauso zum Verhängnis werden, wenn der Rausch dich im falschen Moment überwältigt. Insbesondere in einem Machtnexus der dunklen Seite wie Dxun.”

“Wichtig ist also, dass du lernst, tiefe Emotionen zuzulassen und gleichzeitig die Kontrolle zu bewahren. Denn ohne Kontrolle bist du nichts als ein sehr gefährliches Tier.”
Die letzten Worte ließen keinen Zweifel daran, welche Verachtung Sedros für einen Mangel an Selbstkontrolle empfand. “Nicht wenige Sith lassen sich jedoch früher oder später von ihren Emotionen beherrschen. Der Rauschzustand wird ihnen zur Sucht. Du bist solchen Personen in den Hallen des Tempels vielleicht schon begegnet. Dir aber wird das nicht passieren.” Der Ton des reinblütigen Sith machte deutlich, dass er ein Versagen Darels nicht dulden würde. Konsequenzen für ein Versagen auszuformulieren, hielt Sedros dabei offenbar schlicht nicht für notwendig.

“Du wirst mir jetzt sagen wollen, dass es ein Widerspruch ist, sich Emotionen hingeben zu wollen und gleichzeitig die Kontrolle zu behalten. Und damit hast du nicht Unrecht.” Die Mundwinkel des reinblütigen Sith zuckten unwillkürlich. Dieses Dilemma war wahrlich eine andauernde Herausforderung, der sich Sedros auch selbst jeden Tag aufs Neue stellen musste. “Für den Anfang erwarte ich zwei Dinge von dir. Lerne, deinen Instinkten zu vertrauen, statt sie wie bisher zu unterdrücken, um ständig die bedingungslose Kontrolle zu behalten. Damit stehst du dir bisher nur selbst im Weg und hinderst dich selbst daran, zu wachsen. - Sobald du das geschafft hast, werden wir an deinem Verständnis dafür arbeiten, wann instinktives Handeln und wann Kontrolle angebracht ist.”

Natürlich war das alles andere als eine einfache oder simple Sache. Genau darum hatte Sedros auch noch eine zweite, erheblich konkretere Aufgabe für Darel parat. “Zunächst einmal möchte ich, dass du über das auf Dxun erlebte meditierst. Erforsche deine Erinnerungen und mache dir bewusst, welche Emotionen dieser Ort und das Erlebte in dir ausgelöst haben. Und dann werde dir klar darüber, was davon aus dir selbst kam und was davon die Macht dir vermittelt hat.” Damit erhob sich der reinblütige Sith, bevor er zum Abschied noch eine Weisheit mit seinem Schüler teilte. “Je mehr du dein Studium vertiefst, umso mehr wirst du erkennen, dass du der Macht nicht nur deinen Willen aufzwingen kannst. Sie beeinflusst ebenso dein Handeln. Und gerade die dunkle Seite der Macht vermag sehr subtil, dir Dinge einzuflößen.”

Anschließend begab sich Sedros in sein Quartier. Bei der Selbstreflexion konnte er Darel ohnehin nicht helfen. Später würden sie über seine Erkenntnisse noch ausgiebig diskutieren können, doch für den Moment zog der reinblütige Sith es vor, seinem Schüler die ruhige Atmosphäre zu gönnen, die er zum Wachsen benötigte. Nach kurzer Erfrischung setzte sich der reinblütige Sith auf ein Meditationskissen in seinem Quartier und versetzte sich in eine Heiltrance, um seinem Körper mehr der dringend benötigten Ruhe zu gewähren.

Hyperraum nahe Dxun | auf dem Weg nach Bastion | Sedros' Quartier an Bord der Obsidian Gauntlet | Sedros und Darel

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