Ferak Koltari
Vahrask Kai
//{Outer Rim /-Auril-Sektor /-Adega-System /-Ossus /-Unkartierte Schlucht; Juna und Ferak}
Bei Junas Hoffnung, Meisterin Kenobi wieder zurückzubekommen, blieb Feraks Blick einen Moment auf ihr liegen. Sie sprach schon wieder davon, ihnen etwas zu schulden. Er mochte dieses Wort nicht, nicht in diesem Zusammenhang.
„Du schuldest uns nichts.“
Mehr machte er daraus nicht, nicht hier und nicht jetzt. Als Juna ihre gegenwärtige Unterkunft anschließend mit ihrem damaligen Abflussrohr verglich und dabei auch noch seine Gesellschaft lobte, hob sich eine seiner Brauen.
„Das ist ein sehr niedriger Maßstab.“
Dann ließ er sie schlafen, es dauerte erstaunlich kurz. Ihre Atmung wurde ruhiger, die Beine zogen sich etwas an den Körper und schließlich lag Juna beinahe vollkommen regungslos neben ihm. So still, dass Ferak irgendwann unwillkürlich auf das leichte Heben und Senken ihres Brustkorbes achtete, nur um sich zu vergewissern, dass sie tatsächlich schlief und nicht irgendeine merkwürdige rattatakische Form der Totenstarre beherrschte.
Sein Blick blieb länger auf ihr liegen, als dafür notwendig gewesen wäre. Im Schlaf sah Juna anders aus. Jünger, fast unschuldig. Die ständige Wachsamkeit war aus ihrem Gesicht verschwunden. Keine prüfenden Blicke, kein angedeutetes Grinsen, hinter dem bereits der nächste Gedanke arbeitete. Nichts von jener Anspannung, die selbst dann nie vollständig verschwand, wenn sie sich sicher fühlte. Einfach nur Ruhe. Für einen Augenblick fiel es schwer, in der Frau vor ihm die ehemalige Attentäterin der Sith zu sehen. Gerade deshalb traf ihn der Gedanke unerwartet. Der Jedi-Padawan wusste inzwischen genug darüber, was hinter diesem friedlichen Gesicht lag. Die Sith, die Dinge, die man ihr beigebracht hatte. Die Dinge, die sie getan hatte. Was man ihrem Körper angetan hatte. Implantate, Schmerzen, verlorene Teile ihres Körpers und der Versuch, aus all dem irgendwann wieder etwas Eigenes zu machen. So viel davon passte überhaupt nicht zu dem Wesen, das gerade zusammengerollt zwischen zwei Felsen schlief.
Etwas zog sich in seiner Brust zusammen. Ein kurzer Stich irgendwo unterhalb des Brustbeins, der sich bis in den Magen zog. Ferak atmete einmal etwas tiefer ein, das half nicht. Er kannte Schmerzen. Muskeln, Knochen, Verbrennungen, Schnitte. Für die meisten davon gab es eine Ursache und gewöhnlich auch etwas, das man dagegen tun konnte. Das hier war anders, und entsprechend wenig gefiel es ihm. Sein Blick blieb trotzdem noch einen Augenblick auf Juna liegen. So friedlich, nach allem. Dann wandte er sich wieder der Schlucht zu. Was auch immer dieses Gefühl war, die Leute dort unten würden kaum darauf warten, bis er es verstanden hatte. Ferak nahm das Makrofernglas wieder zur Hand.
Die nächsten Minuten vergingen ereignislos, doch er beobachtete nicht einfach nur. Neben seiner linken Hand sammelten sich nach und nach einige kleine Steine. Die erste sichtbare Wache verließ ihren Posten am östlichen Rand der Anlage. Der Zabrak warf einen Blick auf sein Chrono. Als dieselbe Gestalt später wieder am Ausgangspunkt auftauchte, schob er einen Stein von links nach rechts. Beim nächsten Durchgang wiederholte er das Spiel. Chrono für die Zeit, Steine für die Wiederholungen. Nach dem dritten Durchgang zeichnete sich ein ungefährer Rhythmus ab. Nicht exakt, aber regelmäßig genug, dass er kein Zufall mehr war. Eine andere Wache bewegte sich zwischen Hangar und einem der überdachten Bereiche. Dafür entstand eine zweite kleine Reihe. Ihre Wege waren kürzer und unregelmäßiger. Eine dritte Gestalt hielt sich meistens nahe des Schluchteingangs auf und verschwand nur gelegentlich für wenige Minuten aus seinem Blickfeld. Ferak zählte, verglich und wartete. Nie waren alle dieselben Wesen gleichzeitig sichtbar. Das sagte ihm vor allem eines: Was er sah, war nicht zwangsläufig alles, was dort war. Nach einer Weile konnte er zumindest ein paar Dinge festhalten. Ein äußerer Rundgang erfolgte in einem groben Rhythmus. Eine der Positionen wurde regelmäßig kontrolliert. Am Hangar gab es deutlich mehr Bewegung, aber kein Muster, das er nach so kurzer Zeit sicher hätte benennen wollen. Es war wenig, aber wenig Wissen war immer noch besser als eine große Menge Vermutungen. Ferak rückte einen weiteren Stein zur Seite, dann hielt er inne. Ein Geräusch lag zwischen den üblichen Tönen der Schlucht. Leise zunächst. Das tiefe Summen eines Repulsors. Sein Blick ging sofort zum Chrono. Zu früh für den Rundgang. Falsche Richtung für eines der Fahrzeuge, die er bisher innerhalb der Anlage gesehen hatte. Der Padawan rückte einen weiteren Stein zur Seite. Dann hielt er inne. Ein Geräusch lag zwischen den üblichen Tönen der Schlucht. Zunächst so leise, dass es beinahe mit dem Wind zwischen den Felsen verschmolz. Das tiefe Summen eines Repulsors, sein Blick ging sofort zum Chrono. Zu früh für den Rundgang. Und es kam aus der falschen Richtung für eines der Fahrzeuge, die er bisher innerhalb der Anlage gesehen hatte. Ferak hob das Makrofernglas. Zwischen den Felsen am westlichen Zugang erschien zunächst nur der matte Schein zweier stark gedimmter Positionsleuchten. Mehr brauchte er nicht. Er legte eine Hand vorsichtig auf Junas Schulter.
„Juna.“
Seine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern. Die Hand blieb auf ihrer Schulter, bis sich bei ihr etwas regte.
„Langsam. Nicht aufsetzen.“
Er deutete mit einem kleinen Nicken zum westlichen Ende der Schlucht.
„Wir bekommen Besuch.“
Dann reichte er ihr das Makrofernglas.
„Das solltest du sehen.“
Während sich das Geräusch näherte, schob sich zwischen den Felsen langsam ein niedriger Frachtspeeder hervor. Keines der Fahrzeuge, die Ferak während der vergangenen Stunden innerhalb der Anlage beobachtet hatte. Auf seiner Ladefläche standen drei Container. Keine der Holzkisten und Transportverpackungen ihrer Ausgrabungsstätte. Diese Behälter bestanden aus dunklem Verbundmaterial, waren an Kanten und Ecken verstärkt und wirkten deutlich industrieller als die Verpackungen der Archäologen. Auf allen drei befand sich dasselbe Zeichen. Ein unterbrochener Kreis, darin drei kurze senkrechte Striche. Der Zabrak kannte die Markierung nicht.
Der Speeder verlangsamte sich am Zugang. Noch bevor er vollständig zum Stillstand gekommen war, löste sich eine der Wachen von ihrem Posten. Eine zweite Gestalt trat wenig später hinzu.Ferak beobachtete aufmerksam. Etwas Kleines und Rechteckiges wechselte zwischen Fahrer und Wache die Hände. Aus ihrer Entfernung ließ sich nicht erkennen, ob es eine Identifikation, eine Karte oder ein Datenmodul war. Dann erschien ein Scanner, nicht für den Fahrer, für die Ladung. Die erste Kiste wurde überprüft, dann die zweite. Bei der dritten dauerte es einige Sekunden länger. Ferak warf einen kurzen Seitenblick zu Juna, sagte aber nichts. Sie brauchte seine Interpretation nicht, während der Vorgang direkt vor ihnen stattfand. Schließlich trat die Wache zurück, der Frachtspeeder durfte passieren. Niemand dort unten wirkte überrascht. Keine Waffen wurden gehoben. Niemand lief hektisch durcheinander. Der Ablauf wirkte vielmehr so, als hätten beide Seiten gewusst, was zu tun war. Routine.
Der Speeder fuhr tiefer in die Anlage hinein und wurde in Richtung des großen Felszugangs gelotst. Dort warteten bereits weitere Gestalten. Eine der drei Kisten wurde unmittelbar von der Ladefläche genommen. Nicht geöffnet, nicht lange untersucht. Sie verschwand direkt durch den Zugang im Fels. Die beiden anderen blieben zunächst auf dem Speeder, während eine weitere Person mit einem Datapad zum Fahrer trat. Ferak ließ einige Augenblicke verstreichen.
„Der kam von draußen.“
Seine Stimme blieb leise.
„Und er gehört zu keinem der Abläufe, die ich bisher beobachten konnte.“
Sein Blick wanderte zu den drei kleinen Steinreihen vor ihm und anschließend wieder hinunter zum Transport.
„Andere Container als unsere. Alle dasselbe Zeichen.“
Ein kaum sichtbares Zucken ging durch einen seiner Mundwinkel.
„Dein Stummfilm hat gerade eine neue Szene bekommen.“
Dann wurde sein Ausdruck wieder ernster.
„Mal sehen, was sie uns zeigt.“
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