Ossus (Adega-System)

//{Outer Rim /-Auril-Sektor /-Adega-System /-Ossus /-Unkartierte Schlucht; Juna und Ferak}​


Bei Junas Hoffnung, Meisterin Kenobi wieder zurückzubekommen, blieb Feraks Blick einen Moment auf ihr liegen. Sie sprach schon wieder davon, ihnen etwas zu schulden. Er mochte dieses Wort nicht, nicht in diesem Zusammenhang.
„Du schuldest uns nichts.“
Mehr machte er daraus nicht, nicht hier und nicht jetzt. Als Juna ihre gegenwärtige Unterkunft anschließend mit ihrem damaligen Abflussrohr verglich und dabei auch noch seine Gesellschaft lobte, hob sich eine seiner Brauen.
„Das ist ein sehr niedriger Maßstab.“
Dann ließ er sie schlafen, es dauerte erstaunlich kurz. Ihre Atmung wurde ruhiger, die Beine zogen sich etwas an den Körper und schließlich lag Juna beinahe vollkommen regungslos neben ihm. So still, dass Ferak irgendwann unwillkürlich auf das leichte Heben und Senken ihres Brustkorbes achtete, nur um sich zu vergewissern, dass sie tatsächlich schlief und nicht irgendeine merkwürdige rattatakische Form der Totenstarre beherrschte.

Sein Blick blieb länger auf ihr liegen, als dafür notwendig gewesen wäre. Im Schlaf sah Juna anders aus. Jünger, fast unschuldig. Die ständige Wachsamkeit war aus ihrem Gesicht verschwunden. Keine prüfenden Blicke, kein angedeutetes Grinsen, hinter dem bereits der nächste Gedanke arbeitete. Nichts von jener Anspannung, die selbst dann nie vollständig verschwand, wenn sie sich sicher fühlte. Einfach nur Ruhe. Für einen Augenblick fiel es schwer, in der Frau vor ihm die ehemalige Attentäterin der Sith zu sehen. Gerade deshalb traf ihn der Gedanke unerwartet. Der Jedi-Padawan wusste inzwischen genug darüber, was hinter diesem friedlichen Gesicht lag. Die Sith, die Dinge, die man ihr beigebracht hatte. Die Dinge, die sie getan hatte. Was man ihrem Körper angetan hatte. Implantate, Schmerzen, verlorene Teile ihres Körpers und der Versuch, aus all dem irgendwann wieder etwas Eigenes zu machen. So viel davon passte überhaupt nicht zu dem Wesen, das gerade zusammengerollt zwischen zwei Felsen schlief.
Etwas zog sich in seiner Brust zusammen. Ein kurzer Stich irgendwo unterhalb des Brustbeins, der sich bis in den Magen zog. Ferak atmete einmal etwas tiefer ein, das half nicht. Er kannte Schmerzen. Muskeln, Knochen, Verbrennungen, Schnitte. Für die meisten davon gab es eine Ursache und gewöhnlich auch etwas, das man dagegen tun konnte. Das hier war anders, und entsprechend wenig gefiel es ihm. Sein Blick blieb trotzdem noch einen Augenblick auf Juna liegen. So friedlich, nach allem. Dann wandte er sich wieder der Schlucht zu. Was auch immer dieses Gefühl war, die Leute dort unten würden kaum darauf warten, bis er es verstanden hatte. Ferak nahm das Makrofernglas wieder zur Hand.

Die nächsten Minuten vergingen ereignislos, doch er beobachtete nicht einfach nur. Neben seiner linken Hand sammelten sich nach und nach einige kleine Steine. Die erste sichtbare Wache verließ ihren Posten am östlichen Rand der Anlage. Der Zabrak warf einen Blick auf sein Chrono. Als dieselbe Gestalt später wieder am Ausgangspunkt auftauchte, schob er einen Stein von links nach rechts. Beim nächsten Durchgang wiederholte er das Spiel. Chrono für die Zeit, Steine für die Wiederholungen. Nach dem dritten Durchgang zeichnete sich ein ungefährer Rhythmus ab. Nicht exakt, aber regelmäßig genug, dass er kein Zufall mehr war. Eine andere Wache bewegte sich zwischen Hangar und einem der überdachten Bereiche. Dafür entstand eine zweite kleine Reihe. Ihre Wege waren kürzer und unregelmäßiger. Eine dritte Gestalt hielt sich meistens nahe des Schluchteingangs auf und verschwand nur gelegentlich für wenige Minuten aus seinem Blickfeld. Ferak zählte, verglich und wartete. Nie waren alle dieselben Wesen gleichzeitig sichtbar. Das sagte ihm vor allem eines: Was er sah, war nicht zwangsläufig alles, was dort war. Nach einer Weile konnte er zumindest ein paar Dinge festhalten. Ein äußerer Rundgang erfolgte in einem groben Rhythmus. Eine der Positionen wurde regelmäßig kontrolliert. Am Hangar gab es deutlich mehr Bewegung, aber kein Muster, das er nach so kurzer Zeit sicher hätte benennen wollen. Es war wenig, aber wenig Wissen war immer noch besser als eine große Menge Vermutungen. Ferak rückte einen weiteren Stein zur Seite, dann hielt er inne. Ein Geräusch lag zwischen den üblichen Tönen der Schlucht. Leise zunächst. Das tiefe Summen eines Repulsors. Sein Blick ging sofort zum Chrono. Zu früh für den Rundgang. Falsche Richtung für eines der Fahrzeuge, die er bisher innerhalb der Anlage gesehen hatte. Der Padawan rückte einen weiteren Stein zur Seite. Dann hielt er inne. Ein Geräusch lag zwischen den üblichen Tönen der Schlucht. Zunächst so leise, dass es beinahe mit dem Wind zwischen den Felsen verschmolz. Das tiefe Summen eines Repulsors, sein Blick ging sofort zum Chrono. Zu früh für den Rundgang. Und es kam aus der falschen Richtung für eines der Fahrzeuge, die er bisher innerhalb der Anlage gesehen hatte. Ferak hob das Makrofernglas. Zwischen den Felsen am westlichen Zugang erschien zunächst nur der matte Schein zweier stark gedimmter Positionsleuchten. Mehr brauchte er nicht. Er legte eine Hand vorsichtig auf Junas Schulter.

„Juna.“
Seine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern. Die Hand blieb auf ihrer Schulter, bis sich bei ihr etwas regte.
„Langsam. Nicht aufsetzen.“
Er deutete mit einem kleinen Nicken zum westlichen Ende der Schlucht.
„Wir bekommen Besuch.“
Dann reichte er ihr das Makrofernglas.
„Das solltest du sehen.“
Während sich das Geräusch näherte, schob sich zwischen den Felsen langsam ein niedriger Frachtspeeder hervor. Keines der Fahrzeuge, die Ferak während der vergangenen Stunden innerhalb der Anlage beobachtet hatte. Auf seiner Ladefläche standen drei Container. Keine der Holzkisten und Transportverpackungen ihrer Ausgrabungsstätte. Diese Behälter bestanden aus dunklem Verbundmaterial, waren an Kanten und Ecken verstärkt und wirkten deutlich industrieller als die Verpackungen der Archäologen. Auf allen drei befand sich dasselbe Zeichen. Ein unterbrochener Kreis, darin drei kurze senkrechte Striche. Der Zabrak kannte die Markierung nicht.
Der Speeder verlangsamte sich am Zugang. Noch bevor er vollständig zum Stillstand gekommen war, löste sich eine der Wachen von ihrem Posten. Eine zweite Gestalt trat wenig später hinzu.Ferak beobachtete aufmerksam. Etwas Kleines und Rechteckiges wechselte zwischen Fahrer und Wache die Hände. Aus ihrer Entfernung ließ sich nicht erkennen, ob es eine Identifikation, eine Karte oder ein Datenmodul war. Dann erschien ein Scanner, nicht für den Fahrer, für die Ladung. Die erste Kiste wurde überprüft, dann die zweite. Bei der dritten dauerte es einige Sekunden länger. Ferak warf einen kurzen Seitenblick zu Juna, sagte aber nichts. Sie brauchte seine Interpretation nicht, während der Vorgang direkt vor ihnen stattfand. Schließlich trat die Wache zurück, der Frachtspeeder durfte passieren. Niemand dort unten wirkte überrascht. Keine Waffen wurden gehoben. Niemand lief hektisch durcheinander. Der Ablauf wirkte vielmehr so, als hätten beide Seiten gewusst, was zu tun war. Routine.
Der Speeder fuhr tiefer in die Anlage hinein und wurde in Richtung des großen Felszugangs gelotst. Dort warteten bereits weitere Gestalten. Eine der drei Kisten wurde unmittelbar von der Ladefläche genommen. Nicht geöffnet, nicht lange untersucht. Sie verschwand direkt durch den Zugang im Fels. Die beiden anderen blieben zunächst auf dem Speeder, während eine weitere Person mit einem Datapad zum Fahrer trat. Ferak ließ einige Augenblicke verstreichen.


„Der kam von draußen.“
Seine Stimme blieb leise.
„Und er gehört zu keinem der Abläufe, die ich bisher beobachten konnte.“
Sein Blick wanderte zu den drei kleinen Steinreihen vor ihm und anschließend wieder hinunter zum Transport.
„Andere Container als unsere. Alle dasselbe Zeichen.“
Ein kaum sichtbares Zucken ging durch einen seiner Mundwinkel.
„Dein Stummfilm hat gerade eine neue Szene bekommen.“
Dann wurde sein Ausdruck wieder ernster.
„Mal sehen, was sie uns zeigt.“


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Juna lag da. Sie schlief. Nur ein gelegentliches Zucken verriet, dass sie träumte und diese Träume nicht gerade schön waren. Und doch wirkte sie halbwegs friedlich. Sobald Ferak eine Hand auf ihre Schulter legte, erstarrte kurz sogar das Heben und Senken ihres Körpers. Ihre Augen waren aber schlagartig offen gewesen. In diesem Zustand verblieb Juna, bis Ferak geendet hatte. Langsam nickte Juna und richtete sich nur leicht auf, um überhaupt in die Richtung schauen zu können, in die Ferak gedeutet hatte. Sie schaute genau in die Richtung. Sie schaute den Frachtspeeder an.
“Interessant…”
Murmelte Juna.
“Könnte auch eine Lieferung für die persönlichen Vorräte sein…”
Das war zumindest ihr erster Gedanke.
“Moment…”
Langsam konnte Juna die Kisten besser erkennen.
“Nein… das muss etwas anderes sein… siehst du die Verstärkungen?”
Damit reichte sie dem Zabrak das Fernglas und wirkte erschreckend ernst.
“Ich kenne das Symbol nicht… aber scheinbar wissen wir nun recht sicher, dass dies hier nur ein Umschlagplatz ist… Aber für wen?”
Ihr Blick wanderte über das Treiben dort unten.
“Wer könnte an archäologischen Funden interessiert sein und dazu noch die Ressourcen für solch einen Umschlagplatz haben? Außer-”

Sie unterbrach sich und schüttelte mit dem Kopf. Ihr schoss ein Gedanke durch den Kopf, der ihr Angst machte. Das Imperium? Das war nicht möglich, oder? Dann wanderte ihr Blick zu Ferak, nur um dann wieder zu den Kisten zu wandern. Sie hoffte wirklich, dass es jemand anderes war. Es musste jemand anderes sein. Erst Feraks Worte ließen Juna etwas Entspannung zu, während sie sich leicht zurückzog.
“Irgendwie gefällt mir das alles nicht…”
Kam es von ihr. Die Kisten. Das mit der Grabung. Der ganze Aufbau.
“Da muss jemand sehr viele Credits haben, um das bezahlen zu können."
Nachdenklich schaute Juna zu Ferak und dann zum Himmel.
“Und das scheinbar längerfristig… Überleg doch… Alleine die Funde, die wir vor unserem Aufbruch fanden… Selbst da waren sie hinterher… Dann der Angriff auf dem Weg hierher? Hing das auch damit zusammen?”

Wieder schüttelte Juna sachte mit dem Kopf und ihre Hände ballten sich zu fäusten.
“Ich… ich will nicht, dass die ewig weitermachen dürfen… Denn wenn alles zusammen hängt… Dann…”
Weiter kam Juna nicht. Meisterin Kenobi wäre vielleicht wegen dieser Leute in diesem Zustand. Diese Frau, der Juna so viel zu verdanken hatte. Unweigerlich zuckte sie leicht und schaute auf ihre Hände und dann Unterarme. Sie dachte an die Jedi, die seitdem nicht wieder aufgewacht war. Doch sie wollte es Ferak nicht schlimmer machen.
“Es reicht mir, dass ich meinen Arm wegen dieser Leute verlor…”
Man konnte spüren, wie Juna gerade gegen eine gewisse Dunkelheit in ihrem Inneren ankämpfte.
“Ich will nicht werden wie…”
Sie zitterte leicht.
“Ich will nicht so… werden…”
Ihr Blick wanderte zu Ferak und dann wieder zum Himmel.
“Ich will keine Maschine… keine Waffe werden…”
Sprach sie dann endlich mal aus, was ihr seit dem Vorfall immer wieder durch den Kopf geschossen war. Scheinbar hat das Verlieren ihres verbliebenen Arms ein gewisses Trauma wieder hochgeholt. Langsam schloss Juna ihre Augen. Atmete ein paar Mal durch und schaute Ferak entschlossen an.
“Was nun? Diese Lieferung… Dieses Symbol… Wenn wir wissen, zu wem diese Kisten gehören, haben wir eine Spur… aber mir sagt diese Zeichnung auch nichts…”
Damit schaute auch Juna noch einmal zur Schlucht hinunter und mahnte sich selbst zur Geduld.



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Ferak ließ Juna zunächst selbst beobachten. Bei ihrer ersten Vermutung über persönliche Vorräte sagte er nichts. Sie war möglich. Nahrung, Ersatzteile, Verbrauchsmaterial – auch ein verborgener Stützpunkt musste versorgt werden. Dann wies sie auf die Verstärkungen der Container hin. Ferak nahm das Makrofernglas wieder entgegen und stellte die Schärfe nach. Sein Blick wanderte über Kanten, Verschlüsse und die verstärkten Flächen der Behälter.
„Ja.“
Die Antwort kam leise.
„Für gewöhnliche Vorräte wäre das zumindest mehr Schutz, als nötig wäre.“
Er folgte einem der Container, bis er aus ihrem Sichtfeld verschwand. Das unbekannte Zeichen half ihm dabei nicht weiter. Ein unterbrochener Kreis, drei Striche. Er ging mögliche Firmenkennungen, Einheitszeichen und Frachtmarkierungen durch, an die er sich erinnerte. Nichts. Juna kam inzwischen zu derselben Schlussfolgerung, die auch in seinem Kopf Gestalt annahm. Ein Umschlagplatz, wahrscheinlich jedenfalls. Als sie nach demjenigen fragte, der hinter all dem stecken konnte, blieb Feraks Blick weiterhin auf der Anlage. Dann brach sie ihren Satz ab. Außer... Er musste nicht fragen, welches Wort ihr durch den Kopf gegangen war.
„Das Imperium.“
Es war keine Frage, der Zabrak senkte das Makrofernglas ein Stück.
„Möglich.“
Eine kurze Pause.
„Aber wenn das dort unten unmittelbar eine imperiale Operation ist, geben sie sich Mühe, es nicht so aussehen zu lassen.“
Keine erkennbaren Uniformen, keine sichtbaren Hoheitszeichen, keine militärische Ordnung, die sich auf diese Entfernung eindeutig dem Imperium zuordnen ließ. Das bewies wenig. Wer einen geheimen Stützpunkt unterhielt, war vermutlich intelligent genug, keine Banner davorzustellen.
„Dass imperiale Interessen dahinterstehen, dass sie jemanden bezahlen oder nach denselben Dingen suchen, können wir nicht ausschließen.“
Sein Blick ging wieder hinunter.
„Aber dafür haben wir noch keinen Beweis.“
Bei ihrer nächsten Bemerkung nickte er dagegen deutlich.
„Bei den Credits schon eher.“

Er deutete mit dem Makrofernglas auf die Anlage. Ein verborgener Hangar, Fahrzeuge, Tarnung, Wachpersonal, Kommunikation. Ein Shuttle, das mehrere Stunden verschwinden konnte und zurückkehrte. Lieferungen von außerhalb. Leute, die wussten, wann welche Fracht eintreffen sollte. Vor allem aber: eingespielte Abläufe. So etwas entstand nicht innerhalb weniger Tage.
„Das hier kostet nicht nur viel Geld.“
Sein Blick wanderte über den Felszugang.
„Es kostet seit längerer Zeit viel Geld.“
Er ließ das einige Sekunden wirken.
„Wer dahintersteht, ist hartnäckig. Und entweder selbst sehr solvent oder hat jemanden im Rücken, der es ist.“
Ob die früheren Funde, der Angriff auf dem Weg nach Ossus und das, was Meisterin Kenobi zugestoßen war, tatsächlich Teile derselben Kette waren, wusste er nicht. Es war verlockend, vielleicht zu verlockend.
„Vielleicht hängt alles zusammen.“
Er sah zu Juna.
„Aber wir sollten aus mehreren Fragen nicht dieselbe Antwort machen, nur weil sie gut dazu passt.“

Dann ballten sich ihre Hände. Feraks Aufmerksamkeit löste sich augenblicklich von der Anlage. Er sah das Zittern. Hörte, wie ihre Stimme sich veränderte. Spürte noch deutlicher, was unter den Worten lag. Zorn, Angst, etwas Dunkleres, das sich aus beidem nähren wollte. Als sie von ihrem Arm sprach, von der Angst, zu einer Maschine oder einer Waffe zu werden, antwortete Ferak nicht sofort. Er rückte nur ein Stück näher.
„Juna.“
Er wartete, bis ihr Blick wieder bei ihm war. Dann atmete er langsam aus, ein Atemzug, noch einer. Und mit ihnen öffnete er sich der Macht. Nicht hinaus in die Schlucht, nicht zu den Wachen oder den Wesen zwischen den Felsen, zu ihr. Ferak griff nicht nach ihrem Geist. Er versuchte nicht, ihren Zorn zu unterdrücken oder ihre Angst fortzudrängen. Er war einfach da, ruhig, festm, wie ein Fels in einer Strömung. Seine Präsenz blieb neben ihrer, warm und beständig, ohne Druck und ohne Forderung. Ein stiller Halt, falls sie ihn brauchte, fast wie damals. Nur dass diesmal keine Gegenstände durch einen Raum flogen und er seinen eigenen Körper nicht zwischen sie und ihre entfesselte Macht stellen musste.
„Atme.“
Seine Stimme war dunkel, warm, beruhigend und leise, fast nur ein Flüstern.
„Nicht gegen das, was du fühlst.“
Er gab ihr einen Moment.
„Lass es da sein. Aber lass es nicht entscheiden.“
Seine Präsenz blieb bei ihr.
„Eine Waffe entscheidet nicht, wann sie zuschlägt.“
Eine kurze Pause.
„Du schon.“

Sein Blick wanderte zu ihren Händen und Unterarmen und anschließend wieder in ihr Gesicht.
„Metall macht dich nicht zu einer Maschine.“
Er sagte es nicht wie Trost, für ihn war es schlicht eine Tatsache.
„Man hat dir Dinge genommen. Man hat dir Dinge eingesetzt, die du nicht wolltest. Man hat versucht, aus dir etwas zu machen, das einem Zweck dient.“
Sein Kiefer spannte sich einen Augenblick an.
„Aber sie haben dir nicht genommen, dass du wählen kannst.“
Der Wind strich über die Felsen, die Präsenz des Jedi in der Macht blieb ruhig und beständig neben ihr.
„Du entscheidest, wem du hilfst. Wen du schützt. Wann du kämpfst.“ „Und wann du es nicht tust.“
Eine längere Pause folgte.
„Du hast Angst.“
Keine Frage, keine Wertung.
„Und du bist wütend.“
Er ließ ihr einen weiteren Atemzug.
„Tu nicht so, als wäre beides nicht da.“
Sein Blick blieb ruhig auf ihr.
„Was man verdrängt, verschwindet nicht. Man merkt nur irgendwann nicht mehr, dass es einen führt und von innen an einem frisst.“
Seine Stimme blieb ruhig und tief.
„Aber halte den Zorn auch nicht fest. Füttere ihn nicht.“
Er deutete mit zwei Fingern gegen seine eigene Brust.
„Ein Krieger verliert nicht, weil er Zorn empfindet.“
Dann sank seine Hand wieder.
„Er verliert, wenn er anfängt, ihn zu brauchen und ihn deswegen nährt.“
Für einige Herzschläge sagte er nichts mehr, sein Blick fiel erneut auf ihre Hände, dann zurück in ihr Gesicht.
„Und wenn ich dich ansehe, sehe ich keine Maschine.“
Etwas zog sich erneut unangenehm tief in seiner Brust zusammen, der Zabrakignorierte es.
„Ich sehe Juna, ich sehe dich.“
Schlicht ausgesprochen, beinahe nüchtern. Als müsste das eigentlich reichen, vielleicht tat es das auch.
„Metall kann ersetzen, was dir genommen wurde. Es entscheidet nicht, wer du bist.“
Seine Präsenz in der Macht blieb noch einen Moment bei ihr wie eine ausgestreckte Hand, die nicht verlangte, ergriffen zu werden.
„Du entscheidest.“
Ein Atemzug.
„Nicht für den Rest deines Lebens.“
Ein kaum merkliches Nicken.
„Nur für den nächsten Schritt.“
Dann noch einen, und irgendwann wurde daraus ein Weg.

Der Padawan zog sich mit seiner Wahrnehmung langsam wieder zurück, ohne die Ruhe vollständig fallen zu lassen. Erst als Juna wieder hinunter zur Schlucht blickte und fragte, was sie nun tun sollten, folgte sein Blick ihrem. Das Symbol sagte ihnen beiden nichts. Doch vielleicht war das weniger wichtig, als es zunächst schien. Unter ihnen kam Bewegung in den Transport. Der Mann mit dem Datapad entfernte sich. Auch die verbliebenen Container wurden vom Speeder genommen. Keiner wurde geöffnet, zumindest nicht dort draußen. Ferak beobachtete, bis die Ladefläche leer war und sich der Frachtspeeder schließlich wieder in Bewegung setzte. Langsam schwebte er zurück zum westlichen Zugang. Er folgte ihm mit dem Makrofernglas, bis die gedimmten Positionslichter zwischen den Felsen verschwanden, dann senkte er das Glas.

„Das Zeichen sagt mir nichts, eine Spur aber nicht die wichtigste.“
Sein Blick ging zu der Stelle, an der die Container verschwunden waren.
„Aber wir wissen jetzt mehr als vorher.“
Er deutete auf den Hangar.
„Sie bekommen Fracht von außerhalb. Sie haben feste Abläufe. Das Shuttle geht irgendwohin und kommt zurück. Und die Container wurden draußen nicht geöffnet.“
Eine seiner Brauen hob sich leicht.
„Damit ist unsere Idee mit den Kisten zumindest nicht schlechter geworden.“
Was im Inneren des Felsens mit einer Lieferung geschah, wussten sie noch immer nicht. Es konnte weitere Kontrollen geben. Vielleicht wurden sämtliche Container dort geöffnet. Aber bisher hatte nichts gezeigt, dass ihr Plan grundsätzlich unmöglich war. Ferak sah auf sein Chrono und anschließend auf die kleinen Steinreihen neben sich. Sie hatten ein Shuttle beobachtet, einen fremden Transport, Wachwege, Zeitabstände. Eine unbekannte Kennzeichnung, für eine Nacht war das genug.
„Wir haben genug gesehen.“
Er begann, die kleinen Steine mit der Hand wieder auseinanderzuschieben, bis von seinen improvisierten Aufzeichnungen nichts Auffälliges mehr übrig war.
„Wir gehen zurück zur Ausgrabung.“
Ein kurzer Blick zu Juna.
„Wir schlafen ein paar Stunden.“
Dann zum Hangar.
„Danach überlegen wir uns, wie wir unsere Kiste glaubwürdig genug machen, dass sie sie für uns mitnehmen.“
Ein Mundwinkel hob sich kaum merklich.
„Und irgendwo dazwischen finden wir heraus, was der Jedi-Rat nach mehreren Tagen endlich für so wichtig hielt, dass er uns eine verschlüsselte Nachricht schickt.“
Er verstaute das Makrofernglas und zog den Mantel wieder enger an den Körper. Dann sah er noch einmal hinunter in die Schlucht, beim nächsten Mal würden sie hoffentlich nicht nur von oben zusehen.


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Immerhin schien sie ein paar richtige Gedanken zu haben. Credits… Noch während Juna sich beruhigte, überlegte sie schon, ob es nicht eine Alternative gab. Vielleicht ja die Black Sun… Aber was wollte sie von Jedi Ausgrabungen, das Meiste müsste für diese Leute blanker Plunder sein. Als würde man auf einem antik Flohmarkt herum rennen und erzählt bekommen, dass Tantchens altes Geschirr ja ein kostbares Kunstwerk sei… Dennoch blieb da die Angst. Die Wut. Der Hass auf das Imperium. Ja, da war sogar das Bedürfnis auf Rache! Und gerade in dem Moment, wo sie sich drohte in diesen Gedanken zu verlieren, da war er wieder. Ferak. Seine Stimme. Sie schaute ihn schon beim ersten Wort an. Dann wanderte ihr Blick wieder zum Himmel.
“Ich kann dem irgendwie nicht entkommen…”
Flüsterte sie.
“Ich kann diesem Wesen nicht komplett entkommen…”
Juna schaute bedrückt zu dem Zabrak, war aber deutlich ruhiger.
“Dieser Mann… der mich hierzu machte… Ich…”
Sie musste ihre Gedanken kurz ordnen, ehe sie sich traute es auch auszusprechen.
“Ich nutze bis heute seine Aufzeichnungen. Studiere, was er vorhatte und getan hat. Nicht weil ich es kopieren will… Ich… habe das Gefühl… dass ich so sehr viel lerne…”
Juna schüttelte abermals leicht den Kopf.
“Ich passe es an… Gerade durch Suse und die Mittel an Bord der Star Explorer… kann ich Simulationen laufen lassen, bevor ich auch nur eine grobe Skizze anfertige.”
Langsam wanderte ihr Blick zu Ferak.
“Dieser Mann hatte einen kranken Geist. Zerfressen von Hass und Wahn… Aber ein paar Dinge wirken auf mich… nutzbar… Klingt das komisch?”
Man merkte, dass Juna diesen Gedanken schon länger hatte.
“Oder werde ich doch wie er?”
Langsam wanderte Junas Blick wieder zum Himmel. Feraks Worte… Sie kann wählen? Ja, oder? Es war doch ihre Wahl… Seit Juna von Bastion geflohen war… hatte sie immer wieder gewählt… Das war etwas anderes.
“Nein… ich bin Doctor… Ich werde helfen… ich werde heilen… ich werde helfen, diese Galaxie zumindest ein wenig besser zu machen…”
Juna glaubte kurz einen leichten Windstoß zu spüren.
“...was ich dafür brauche… ist ein guter Freund… jemanden, der mich ausbildet und mir dabei hilft, zu erlernen, wie ich das machen kann…”
Eine Lächeln, dass nicht in der Lage ist, ihren inneren Schmerz völlig zu kaschieren, legte sich auf ihre Lippen.
“Und einen guten Freund habe ich schon… vielleicht niemanden, der mich ausbildet, aber eine Person, die mir beim Lernen hilft.”
Juna dachte auch noch etwas über die restlichen Worte Feraks nach und nickte dann entschlossen.
“Wir werden herausfinden was hier los ist. Ich werde irgendwann lernen, anderen Lebewesen zu helfen… Und irgendwann… werde ich mir vielleicht auch selbst vergeben können…”
Juna lächelte ein wenig stärker.
“Aber bis dahin… haben wir eine Mission…”

Dass Ferak die Macht benutzt hatte, hatte Juna nicht bemerkt. Viel zu tief war sie in ihrem Schmerz versunken gewesen. Ferak beobachtete die Schlucht weiter. Seine Worte quittierte Juna mit einem Nicken. In der Tat wussten sie nun grob, was nun ablief und was da nun war. Feraks Worte und die Bemerkung, dass sie zurückgehen würden, ließen Juna noch einmal kurz herunter schauen. Bezüglich der Kiste nickte sie auch.
“Wir müssen aber sicher gehen, dass wenn unsere Theorie mit dem Verräter nicht ausgeschlossen werden kann, niemand davon erfährt, dem wir nicht absolut vertrauen… Sonst lassen die unsere Kiste einfach stehen…”
Junas Blick wanderte auch noch einmal in Richtung Hangar und dann zu Ferak zurück.
“Ich denke nach dem Schlafen solltest du die Zeit haben, mal nach zu schauen, was der Rat verlangt…”
Damit stand auch Juna langsam auf und fing an gebeugt los zu gehen. Kurz hielt sie noch einmal inne und schaute zu Ferak.
“Tut gut… wieder draußen zu sein…”
Flüsterte die Rattataki leise und würde dann mit dem Zabrak mit gehen.




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