Ossus (Adega-System)

//{Outer Rim /-Auril-Sektor /-Adega-System /-Ossus /-Unkartierte Schlucht; Juna und Ferak}​


Bei Junas Hoffnung, Meisterin Kenobi wieder zurückzubekommen, blieb Feraks Blick einen Moment auf ihr liegen. Sie sprach schon wieder davon, ihnen etwas zu schulden. Er mochte dieses Wort nicht, nicht in diesem Zusammenhang.
„Du schuldest uns nichts.“
Mehr machte er daraus nicht, nicht hier und nicht jetzt. Als Juna ihre gegenwärtige Unterkunft anschließend mit ihrem damaligen Abflussrohr verglich und dabei auch noch seine Gesellschaft lobte, hob sich eine seiner Brauen.
„Das ist ein sehr niedriger Maßstab.“
Dann ließ er sie schlafen, es dauerte erstaunlich kurz. Ihre Atmung wurde ruhiger, die Beine zogen sich etwas an den Körper und schließlich lag Juna beinahe vollkommen regungslos neben ihm. So still, dass Ferak irgendwann unwillkürlich auf das leichte Heben und Senken ihres Brustkorbes achtete, nur um sich zu vergewissern, dass sie tatsächlich schlief und nicht irgendeine merkwürdige rattatakische Form der Totenstarre beherrschte.

Sein Blick blieb länger auf ihr liegen, als dafür notwendig gewesen wäre. Im Schlaf sah Juna anders aus. Jünger, fast unschuldig. Die ständige Wachsamkeit war aus ihrem Gesicht verschwunden. Keine prüfenden Blicke, kein angedeutetes Grinsen, hinter dem bereits der nächste Gedanke arbeitete. Nichts von jener Anspannung, die selbst dann nie vollständig verschwand, wenn sie sich sicher fühlte. Einfach nur Ruhe. Für einen Augenblick fiel es schwer, in der Frau vor ihm die ehemalige Attentäterin der Sith zu sehen. Gerade deshalb traf ihn der Gedanke unerwartet. Der Jedi-Padawan wusste inzwischen genug darüber, was hinter diesem friedlichen Gesicht lag. Die Sith, die Dinge, die man ihr beigebracht hatte. Die Dinge, die sie getan hatte. Was man ihrem Körper angetan hatte. Implantate, Schmerzen, verlorene Teile ihres Körpers und der Versuch, aus all dem irgendwann wieder etwas Eigenes zu machen. So viel davon passte überhaupt nicht zu dem Wesen, das gerade zusammengerollt zwischen zwei Felsen schlief.
Etwas zog sich in seiner Brust zusammen. Ein kurzer Stich irgendwo unterhalb des Brustbeins, der sich bis in den Magen zog. Ferak atmete einmal etwas tiefer ein, das half nicht. Er kannte Schmerzen. Muskeln, Knochen, Verbrennungen, Schnitte. Für die meisten davon gab es eine Ursache und gewöhnlich auch etwas, das man dagegen tun konnte. Das hier war anders, und entsprechend wenig gefiel es ihm. Sein Blick blieb trotzdem noch einen Augenblick auf Juna liegen. So friedlich, nach allem. Dann wandte er sich wieder der Schlucht zu. Was auch immer dieses Gefühl war, die Leute dort unten würden kaum darauf warten, bis er es verstanden hatte. Ferak nahm das Makrofernglas wieder zur Hand.

Die nächsten Minuten vergingen ereignislos, doch er beobachtete nicht einfach nur. Neben seiner linken Hand sammelten sich nach und nach einige kleine Steine. Die erste sichtbare Wache verließ ihren Posten am östlichen Rand der Anlage. Der Zabrak warf einen Blick auf sein Chrono. Als dieselbe Gestalt später wieder am Ausgangspunkt auftauchte, schob er einen Stein von links nach rechts. Beim nächsten Durchgang wiederholte er das Spiel. Chrono für die Zeit, Steine für die Wiederholungen. Nach dem dritten Durchgang zeichnete sich ein ungefährer Rhythmus ab. Nicht exakt, aber regelmäßig genug, dass er kein Zufall mehr war. Eine andere Wache bewegte sich zwischen Hangar und einem der überdachten Bereiche. Dafür entstand eine zweite kleine Reihe. Ihre Wege waren kürzer und unregelmäßiger. Eine dritte Gestalt hielt sich meistens nahe des Schluchteingangs auf und verschwand nur gelegentlich für wenige Minuten aus seinem Blickfeld. Ferak zählte, verglich und wartete. Nie waren alle dieselben Wesen gleichzeitig sichtbar. Das sagte ihm vor allem eines: Was er sah, war nicht zwangsläufig alles, was dort war. Nach einer Weile konnte er zumindest ein paar Dinge festhalten. Ein äußerer Rundgang erfolgte in einem groben Rhythmus. Eine der Positionen wurde regelmäßig kontrolliert. Am Hangar gab es deutlich mehr Bewegung, aber kein Muster, das er nach so kurzer Zeit sicher hätte benennen wollen. Es war wenig, aber wenig Wissen war immer noch besser als eine große Menge Vermutungen. Ferak rückte einen weiteren Stein zur Seite, dann hielt er inne. Ein Geräusch lag zwischen den üblichen Tönen der Schlucht. Leise zunächst. Das tiefe Summen eines Repulsors. Sein Blick ging sofort zum Chrono. Zu früh für den Rundgang. Falsche Richtung für eines der Fahrzeuge, die er bisher innerhalb der Anlage gesehen hatte. Der Padawan rückte einen weiteren Stein zur Seite. Dann hielt er inne. Ein Geräusch lag zwischen den üblichen Tönen der Schlucht. Zunächst so leise, dass es beinahe mit dem Wind zwischen den Felsen verschmolz. Das tiefe Summen eines Repulsors, sein Blick ging sofort zum Chrono. Zu früh für den Rundgang. Und es kam aus der falschen Richtung für eines der Fahrzeuge, die er bisher innerhalb der Anlage gesehen hatte. Ferak hob das Makrofernglas. Zwischen den Felsen am westlichen Zugang erschien zunächst nur der matte Schein zweier stark gedimmter Positionsleuchten. Mehr brauchte er nicht. Er legte eine Hand vorsichtig auf Junas Schulter.

„Juna.“
Seine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern. Die Hand blieb auf ihrer Schulter, bis sich bei ihr etwas regte.
„Langsam. Nicht aufsetzen.“
Er deutete mit einem kleinen Nicken zum westlichen Ende der Schlucht.
„Wir bekommen Besuch.“
Dann reichte er ihr das Makrofernglas.
„Das solltest du sehen.“
Während sich das Geräusch näherte, schob sich zwischen den Felsen langsam ein niedriger Frachtspeeder hervor. Keines der Fahrzeuge, die Ferak während der vergangenen Stunden innerhalb der Anlage beobachtet hatte. Auf seiner Ladefläche standen drei Container. Keine der Holzkisten und Transportverpackungen ihrer Ausgrabungsstätte. Diese Behälter bestanden aus dunklem Verbundmaterial, waren an Kanten und Ecken verstärkt und wirkten deutlich industrieller als die Verpackungen der Archäologen. Auf allen drei befand sich dasselbe Zeichen. Ein unterbrochener Kreis, darin drei kurze senkrechte Striche. Der Zabrak kannte die Markierung nicht.
Der Speeder verlangsamte sich am Zugang. Noch bevor er vollständig zum Stillstand gekommen war, löste sich eine der Wachen von ihrem Posten. Eine zweite Gestalt trat wenig später hinzu.Ferak beobachtete aufmerksam. Etwas Kleines und Rechteckiges wechselte zwischen Fahrer und Wache die Hände. Aus ihrer Entfernung ließ sich nicht erkennen, ob es eine Identifikation, eine Karte oder ein Datenmodul war. Dann erschien ein Scanner, nicht für den Fahrer, für die Ladung. Die erste Kiste wurde überprüft, dann die zweite. Bei der dritten dauerte es einige Sekunden länger. Ferak warf einen kurzen Seitenblick zu Juna, sagte aber nichts. Sie brauchte seine Interpretation nicht, während der Vorgang direkt vor ihnen stattfand. Schließlich trat die Wache zurück, der Frachtspeeder durfte passieren. Niemand dort unten wirkte überrascht. Keine Waffen wurden gehoben. Niemand lief hektisch durcheinander. Der Ablauf wirkte vielmehr so, als hätten beide Seiten gewusst, was zu tun war. Routine.
Der Speeder fuhr tiefer in die Anlage hinein und wurde in Richtung des großen Felszugangs gelotst. Dort warteten bereits weitere Gestalten. Eine der drei Kisten wurde unmittelbar von der Ladefläche genommen. Nicht geöffnet, nicht lange untersucht. Sie verschwand direkt durch den Zugang im Fels. Die beiden anderen blieben zunächst auf dem Speeder, während eine weitere Person mit einem Datapad zum Fahrer trat. Ferak ließ einige Augenblicke verstreichen.


„Der kam von draußen.“
Seine Stimme blieb leise.
„Und er gehört zu keinem der Abläufe, die ich bisher beobachten konnte.“
Sein Blick wanderte zu den drei kleinen Steinreihen vor ihm und anschließend wieder hinunter zum Transport.
„Andere Container als unsere. Alle dasselbe Zeichen.“
Ein kaum sichtbares Zucken ging durch einen seiner Mundwinkel.
„Dein Stummfilm hat gerade eine neue Szene bekommen.“
Dann wurde sein Ausdruck wieder ernster.
„Mal sehen, was sie uns zeigt.“


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Juna lag da. Sie schlief. Nur ein gelegentliches Zucken verriet, dass sie träumte und diese Träume nicht gerade schön waren. Und doch wirkte sie halbwegs friedlich. Sobald Ferak eine Hand auf ihre Schulter legte, erstarrte kurz sogar das Heben und Senken ihres Körpers. Ihre Augen waren aber schlagartig offen gewesen. In diesem Zustand verblieb Juna, bis Ferak geendet hatte. Langsam nickte Juna und richtete sich nur leicht auf, um überhaupt in die Richtung schauen zu können, in die Ferak gedeutet hatte. Sie schaute genau in die Richtung. Sie schaute den Frachtspeeder an.
“Interessant…”
Murmelte Juna.
“Könnte auch eine Lieferung für die persönlichen Vorräte sein…”
Das war zumindest ihr erster Gedanke.
“Moment…”
Langsam konnte Juna die Kisten besser erkennen.
“Nein… das muss etwas anderes sein… siehst du die Verstärkungen?”
Damit reichte sie dem Zabrak das Fernglas und wirkte erschreckend ernst.
“Ich kenne das Symbol nicht… aber scheinbar wissen wir nun recht sicher, dass dies hier nur ein Umschlagplatz ist… Aber für wen?”
Ihr Blick wanderte über das Treiben dort unten.
“Wer könnte an archäologischen Funden interessiert sein und dazu noch die Ressourcen für solch einen Umschlagplatz haben? Außer-”

Sie unterbrach sich und schüttelte mit dem Kopf. Ihr schoss ein Gedanke durch den Kopf, der ihr Angst machte. Das Imperium? Das war nicht möglich, oder? Dann wanderte ihr Blick zu Ferak, nur um dann wieder zu den Kisten zu wandern. Sie hoffte wirklich, dass es jemand anderes war. Es musste jemand anderes sein. Erst Feraks Worte ließen Juna etwas Entspannung zu, während sie sich leicht zurückzog.
“Irgendwie gefällt mir das alles nicht…”
Kam es von ihr. Die Kisten. Das mit der Grabung. Der ganze Aufbau.
“Da muss jemand sehr viele Credits haben, um das bezahlen zu können."
Nachdenklich schaute Juna zu Ferak und dann zum Himmel.
“Und das scheinbar längerfristig… Überleg doch… Alleine die Funde, die wir vor unserem Aufbruch fanden… Selbst da waren sie hinterher… Dann der Angriff auf dem Weg hierher? Hing das auch damit zusammen?”

Wieder schüttelte Juna sachte mit dem Kopf und ihre Hände ballten sich zu fäusten.
“Ich… ich will nicht, dass die ewig weitermachen dürfen… Denn wenn alles zusammen hängt… Dann…”
Weiter kam Juna nicht. Meisterin Kenobi wäre vielleicht wegen dieser Leute in diesem Zustand. Diese Frau, der Juna so viel zu verdanken hatte. Unweigerlich zuckte sie leicht und schaute auf ihre Hände und dann Unterarme. Sie dachte an die Jedi, die seitdem nicht wieder aufgewacht war. Doch sie wollte es Ferak nicht schlimmer machen.
“Es reicht mir, dass ich meinen Arm wegen dieser Leute verlor…”
Man konnte spüren, wie Juna gerade gegen eine gewisse Dunkelheit in ihrem Inneren ankämpfte.
“Ich will nicht werden wie…”
Sie zitterte leicht.
“Ich will nicht so… werden…”
Ihr Blick wanderte zu Ferak und dann wieder zum Himmel.
“Ich will keine Maschine… keine Waffe werden…”
Sprach sie dann endlich mal aus, was ihr seit dem Vorfall immer wieder durch den Kopf geschossen war. Scheinbar hat das Verlieren ihres verbliebenen Arms ein gewisses Trauma wieder hochgeholt. Langsam schloss Juna ihre Augen. Atmete ein paar Mal durch und schaute Ferak entschlossen an.
“Was nun? Diese Lieferung… Dieses Symbol… Wenn wir wissen, zu wem diese Kisten gehören, haben wir eine Spur… aber mir sagt diese Zeichnung auch nichts…”
Damit schaute auch Juna noch einmal zur Schlucht hinunter und mahnte sich selbst zur Geduld.



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Ferak ließ Juna zunächst selbst beobachten. Bei ihrer ersten Vermutung über persönliche Vorräte sagte er nichts. Sie war möglich. Nahrung, Ersatzteile, Verbrauchsmaterial – auch ein verborgener Stützpunkt musste versorgt werden. Dann wies sie auf die Verstärkungen der Container hin. Ferak nahm das Makrofernglas wieder entgegen und stellte die Schärfe nach. Sein Blick wanderte über Kanten, Verschlüsse und die verstärkten Flächen der Behälter.
„Ja.“
Die Antwort kam leise.
„Für gewöhnliche Vorräte wäre das zumindest mehr Schutz, als nötig wäre.“
Er folgte einem der Container, bis er aus ihrem Sichtfeld verschwand. Das unbekannte Zeichen half ihm dabei nicht weiter. Ein unterbrochener Kreis, drei Striche. Er ging mögliche Firmenkennungen, Einheitszeichen und Frachtmarkierungen durch, an die er sich erinnerte. Nichts. Juna kam inzwischen zu derselben Schlussfolgerung, die auch in seinem Kopf Gestalt annahm. Ein Umschlagplatz, wahrscheinlich jedenfalls. Als sie nach demjenigen fragte, der hinter all dem stecken konnte, blieb Feraks Blick weiterhin auf der Anlage. Dann brach sie ihren Satz ab. Außer... Er musste nicht fragen, welches Wort ihr durch den Kopf gegangen war.
„Das Imperium.“
Es war keine Frage, der Zabrak senkte das Makrofernglas ein Stück.
„Möglich.“
Eine kurze Pause.
„Aber wenn das dort unten unmittelbar eine imperiale Operation ist, geben sie sich Mühe, es nicht so aussehen zu lassen.“
Keine erkennbaren Uniformen, keine sichtbaren Hoheitszeichen, keine militärische Ordnung, die sich auf diese Entfernung eindeutig dem Imperium zuordnen ließ. Das bewies wenig. Wer einen geheimen Stützpunkt unterhielt, war vermutlich intelligent genug, keine Banner davorzustellen.
„Dass imperiale Interessen dahinterstehen, dass sie jemanden bezahlen oder nach denselben Dingen suchen, können wir nicht ausschließen.“
Sein Blick ging wieder hinunter.
„Aber dafür haben wir noch keinen Beweis.“
Bei ihrer nächsten Bemerkung nickte er dagegen deutlich.
„Bei den Credits schon eher.“

Er deutete mit dem Makrofernglas auf die Anlage. Ein verborgener Hangar, Fahrzeuge, Tarnung, Wachpersonal, Kommunikation. Ein Shuttle, das mehrere Stunden verschwinden konnte und zurückkehrte. Lieferungen von außerhalb. Leute, die wussten, wann welche Fracht eintreffen sollte. Vor allem aber: eingespielte Abläufe. So etwas entstand nicht innerhalb weniger Tage.
„Das hier kostet nicht nur viel Geld.“
Sein Blick wanderte über den Felszugang.
„Es kostet seit längerer Zeit viel Geld.“
Er ließ das einige Sekunden wirken.
„Wer dahintersteht, ist hartnäckig. Und entweder selbst sehr solvent oder hat jemanden im Rücken, der es ist.“
Ob die früheren Funde, der Angriff auf dem Weg nach Ossus und das, was Meisterin Kenobi zugestoßen war, tatsächlich Teile derselben Kette waren, wusste er nicht. Es war verlockend, vielleicht zu verlockend.
„Vielleicht hängt alles zusammen.“
Er sah zu Juna.
„Aber wir sollten aus mehreren Fragen nicht dieselbe Antwort machen, nur weil sie gut dazu passt.“

Dann ballten sich ihre Hände. Feraks Aufmerksamkeit löste sich augenblicklich von der Anlage. Er sah das Zittern. Hörte, wie ihre Stimme sich veränderte. Spürte noch deutlicher, was unter den Worten lag. Zorn, Angst, etwas Dunkleres, das sich aus beidem nähren wollte. Als sie von ihrem Arm sprach, von der Angst, zu einer Maschine oder einer Waffe zu werden, antwortete Ferak nicht sofort. Er rückte nur ein Stück näher.
„Juna.“
Er wartete, bis ihr Blick wieder bei ihm war. Dann atmete er langsam aus, ein Atemzug, noch einer. Und mit ihnen öffnete er sich der Macht. Nicht hinaus in die Schlucht, nicht zu den Wachen oder den Wesen zwischen den Felsen, zu ihr. Ferak griff nicht nach ihrem Geist. Er versuchte nicht, ihren Zorn zu unterdrücken oder ihre Angst fortzudrängen. Er war einfach da, ruhig, festm, wie ein Fels in einer Strömung. Seine Präsenz blieb neben ihrer, warm und beständig, ohne Druck und ohne Forderung. Ein stiller Halt, falls sie ihn brauchte, fast wie damals. Nur dass diesmal keine Gegenstände durch einen Raum flogen und er seinen eigenen Körper nicht zwischen sie und ihre entfesselte Macht stellen musste.
„Atme.“
Seine Stimme war dunkel, warm, beruhigend und leise, fast nur ein Flüstern.
„Nicht gegen das, was du fühlst.“
Er gab ihr einen Moment.
„Lass es da sein. Aber lass es nicht entscheiden.“
Seine Präsenz blieb bei ihr.
„Eine Waffe entscheidet nicht, wann sie zuschlägt.“
Eine kurze Pause.
„Du schon.“

Sein Blick wanderte zu ihren Händen und Unterarmen und anschließend wieder in ihr Gesicht.
„Metall macht dich nicht zu einer Maschine.“
Er sagte es nicht wie Trost, für ihn war es schlicht eine Tatsache.
„Man hat dir Dinge genommen. Man hat dir Dinge eingesetzt, die du nicht wolltest. Man hat versucht, aus dir etwas zu machen, das einem Zweck dient.“
Sein Kiefer spannte sich einen Augenblick an.
„Aber sie haben dir nicht genommen, dass du wählen kannst.“
Der Wind strich über die Felsen, die Präsenz des Jedi in der Macht blieb ruhig und beständig neben ihr.
„Du entscheidest, wem du hilfst. Wen du schützt. Wann du kämpfst.“ „Und wann du es nicht tust.“
Eine längere Pause folgte.
„Du hast Angst.“
Keine Frage, keine Wertung.
„Und du bist wütend.“
Er ließ ihr einen weiteren Atemzug.
„Tu nicht so, als wäre beides nicht da.“
Sein Blick blieb ruhig auf ihr.
„Was man verdrängt, verschwindet nicht. Man merkt nur irgendwann nicht mehr, dass es einen führt und von innen an einem frisst.“
Seine Stimme blieb ruhig und tief.
„Aber halte den Zorn auch nicht fest. Füttere ihn nicht.“
Er deutete mit zwei Fingern gegen seine eigene Brust.
„Ein Krieger verliert nicht, weil er Zorn empfindet.“
Dann sank seine Hand wieder.
„Er verliert, wenn er anfängt, ihn zu brauchen und ihn deswegen nährt.“
Für einige Herzschläge sagte er nichts mehr, sein Blick fiel erneut auf ihre Hände, dann zurück in ihr Gesicht.
„Und wenn ich dich ansehe, sehe ich keine Maschine.“
Etwas zog sich erneut unangenehm tief in seiner Brust zusammen, der Zabrakignorierte es.
„Ich sehe Juna, ich sehe dich.“
Schlicht ausgesprochen, beinahe nüchtern. Als müsste das eigentlich reichen, vielleicht tat es das auch.
„Metall kann ersetzen, was dir genommen wurde. Es entscheidet nicht, wer du bist.“
Seine Präsenz in der Macht blieb noch einen Moment bei ihr wie eine ausgestreckte Hand, die nicht verlangte, ergriffen zu werden.
„Du entscheidest.“
Ein Atemzug.
„Nicht für den Rest deines Lebens.“
Ein kaum merkliches Nicken.
„Nur für den nächsten Schritt.“
Dann noch einen, und irgendwann wurde daraus ein Weg.

Der Padawan zog sich mit seiner Wahrnehmung langsam wieder zurück, ohne die Ruhe vollständig fallen zu lassen. Erst als Juna wieder hinunter zur Schlucht blickte und fragte, was sie nun tun sollten, folgte sein Blick ihrem. Das Symbol sagte ihnen beiden nichts. Doch vielleicht war das weniger wichtig, als es zunächst schien. Unter ihnen kam Bewegung in den Transport. Der Mann mit dem Datapad entfernte sich. Auch die verbliebenen Container wurden vom Speeder genommen. Keiner wurde geöffnet, zumindest nicht dort draußen. Ferak beobachtete, bis die Ladefläche leer war und sich der Frachtspeeder schließlich wieder in Bewegung setzte. Langsam schwebte er zurück zum westlichen Zugang. Er folgte ihm mit dem Makrofernglas, bis die gedimmten Positionslichter zwischen den Felsen verschwanden, dann senkte er das Glas.

„Das Zeichen sagt mir nichts, eine Spur aber nicht die wichtigste.“
Sein Blick ging zu der Stelle, an der die Container verschwunden waren.
„Aber wir wissen jetzt mehr als vorher.“
Er deutete auf den Hangar.
„Sie bekommen Fracht von außerhalb. Sie haben feste Abläufe. Das Shuttle geht irgendwohin und kommt zurück. Und die Container wurden draußen nicht geöffnet.“
Eine seiner Brauen hob sich leicht.
„Damit ist unsere Idee mit den Kisten zumindest nicht schlechter geworden.“
Was im Inneren des Felsens mit einer Lieferung geschah, wussten sie noch immer nicht. Es konnte weitere Kontrollen geben. Vielleicht wurden sämtliche Container dort geöffnet. Aber bisher hatte nichts gezeigt, dass ihr Plan grundsätzlich unmöglich war. Ferak sah auf sein Chrono und anschließend auf die kleinen Steinreihen neben sich. Sie hatten ein Shuttle beobachtet, einen fremden Transport, Wachwege, Zeitabstände. Eine unbekannte Kennzeichnung, für eine Nacht war das genug.
„Wir haben genug gesehen.“
Er begann, die kleinen Steine mit der Hand wieder auseinanderzuschieben, bis von seinen improvisierten Aufzeichnungen nichts Auffälliges mehr übrig war.
„Wir gehen zurück zur Ausgrabung.“
Ein kurzer Blick zu Juna.
„Wir schlafen ein paar Stunden.“
Dann zum Hangar.
„Danach überlegen wir uns, wie wir unsere Kiste glaubwürdig genug machen, dass sie sie für uns mitnehmen.“
Ein Mundwinkel hob sich kaum merklich.
„Und irgendwo dazwischen finden wir heraus, was der Jedi-Rat nach mehreren Tagen endlich für so wichtig hielt, dass er uns eine verschlüsselte Nachricht schickt.“
Er verstaute das Makrofernglas und zog den Mantel wieder enger an den Körper. Dann sah er noch einmal hinunter in die Schlucht, beim nächsten Mal würden sie hoffentlich nicht nur von oben zusehen.


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Immerhin schien sie ein paar richtige Gedanken zu haben. Credits… Noch während Juna sich beruhigte, überlegte sie schon, ob es nicht eine Alternative gab. Vielleicht ja die Black Sun… Aber was wollte sie von Jedi Ausgrabungen, das Meiste müsste für diese Leute blanker Plunder sein. Als würde man auf einem antik Flohmarkt herum rennen und erzählt bekommen, dass Tantchens altes Geschirr ja ein kostbares Kunstwerk sei… Dennoch blieb da die Angst. Die Wut. Der Hass auf das Imperium. Ja, da war sogar das Bedürfnis auf Rache! Und gerade in dem Moment, wo sie sich drohte in diesen Gedanken zu verlieren, da war er wieder. Ferak. Seine Stimme. Sie schaute ihn schon beim ersten Wort an. Dann wanderte ihr Blick wieder zum Himmel.
“Ich kann dem irgendwie nicht entkommen…”
Flüsterte sie.
“Ich kann diesem Wesen nicht komplett entkommen…”
Juna schaute bedrückt zu dem Zabrak, war aber deutlich ruhiger.
“Dieser Mann… der mich hierzu machte… Ich…”
Sie musste ihre Gedanken kurz ordnen, ehe sie sich traute es auch auszusprechen.
“Ich nutze bis heute seine Aufzeichnungen. Studiere, was er vorhatte und getan hat. Nicht weil ich es kopieren will… Ich… habe das Gefühl… dass ich so sehr viel lerne…”
Juna schüttelte abermals leicht den Kopf.
“Ich passe es an… Gerade durch Suse und die Mittel an Bord der Star Explorer… kann ich Simulationen laufen lassen, bevor ich auch nur eine grobe Skizze anfertige.”
Langsam wanderte ihr Blick zu Ferak.
“Dieser Mann hatte einen kranken Geist. Zerfressen von Hass und Wahn… Aber ein paar Dinge wirken auf mich… nutzbar… Klingt das komisch?”
Man merkte, dass Juna diesen Gedanken schon länger hatte.
“Oder werde ich doch wie er?”
Langsam wanderte Junas Blick wieder zum Himmel. Feraks Worte… Sie kann wählen? Ja, oder? Es war doch ihre Wahl… Seit Juna von Bastion geflohen war… hatte sie immer wieder gewählt… Das war etwas anderes.
“Nein… ich bin Doctor… Ich werde helfen… ich werde heilen… ich werde helfen, diese Galaxie zumindest ein wenig besser zu machen…”
Juna glaubte kurz einen leichten Windstoß zu spüren.
“...was ich dafür brauche… ist ein guter Freund… jemanden, der mich ausbildet und mir dabei hilft, zu erlernen, wie ich das machen kann…”
Eine Lächeln, dass nicht in der Lage ist, ihren inneren Schmerz völlig zu kaschieren, legte sich auf ihre Lippen.
“Und einen guten Freund habe ich schon… vielleicht niemanden, der mich ausbildet, aber eine Person, die mir beim Lernen hilft.”
Juna dachte auch noch etwas über die restlichen Worte Feraks nach und nickte dann entschlossen.
“Wir werden herausfinden was hier los ist. Ich werde irgendwann lernen, anderen Lebewesen zu helfen… Und irgendwann… werde ich mir vielleicht auch selbst vergeben können…”
Juna lächelte ein wenig stärker.
“Aber bis dahin… haben wir eine Mission…”

Dass Ferak die Macht benutzt hatte, hatte Juna nicht bemerkt. Viel zu tief war sie in ihrem Schmerz versunken gewesen. Ferak beobachtete die Schlucht weiter. Seine Worte quittierte Juna mit einem Nicken. In der Tat wussten sie nun grob, was nun ablief und was da nun war. Feraks Worte und die Bemerkung, dass sie zurückgehen würden, ließen Juna noch einmal kurz herunter schauen. Bezüglich der Kiste nickte sie auch.
“Wir müssen aber sicher gehen, dass wenn unsere Theorie mit dem Verräter nicht ausgeschlossen werden kann, niemand davon erfährt, dem wir nicht absolut vertrauen… Sonst lassen die unsere Kiste einfach stehen…”
Junas Blick wanderte auch noch einmal in Richtung Hangar und dann zu Ferak zurück.
“Ich denke nach dem Schlafen solltest du die Zeit haben, mal nach zu schauen, was der Rat verlangt…”
Damit stand auch Juna langsam auf und fing an gebeugt los zu gehen. Kurz hielt sie noch einmal inne und schaute zu Ferak.
“Tut gut… wieder draußen zu sein…”
Flüsterte die Rattataki leise und würde dann mit dem Zabrak mit gehen.




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Ferak unterbrach sie nicht. Auch nicht, als Juna von den Aufzeichnungen jenes Mannes sprach, der sie zu dem gemacht hatte, dem sie bis heute zu entkommen versuchte. Sein Blick blieb ruhig auf ihr liegen, während sie erklärte, dass sie dessen Arbeit noch immer studierte, Simulationen damit aufbaute und versuchte, brauchbare Erkenntnisse von dem zu trennen, was aus Hass und Wahn entstanden war. Erst als sie fragte, ob genau das bedeutete, dass sie vielleicht doch wie dieser Mann wurde, antwortete er.
„Nein.“
Die Antwort kam ohne Zögern, dann hob er leicht eine Hand.
„Aber das bedeutet nicht, dass du unvorsichtig damit umgehen solltest.“
Ein kurzer Blick ging hinunter in die Schlucht, ehe er wieder zu ihr sah.
„Eine richtige Erkenntnis wird nicht falsch, nur weil ihr Urheber ein Monster war.“
Der Padawan machte eine kurze Pause.
„Wenn seine Berechnung stimmt, stimmt sie. Wenn eine Konstruktion funktioniert, funktioniert sie. Du musst nicht so tun, als hätte er nichts gewusst, nur weil du verabscheust, was er damit getan hat.“
Sein Ausdruck wurde etwas ernster.
„Die Gefahr liegt woanders.“
Ferak deutete mit zwei Fingern gegen seine Schläfe.
„Wenn du lange genug in den Gedanken eines anderen suchst, gewöhnst du dich irgendwann daran, durch seine Augen zu sehen.“
Er ließ ihr einen Moment.
„Also frag dich jedes Mal zwei Dinge: Warum funktioniert es? Und warum will ich es benutzen?“
Sein Blick blieb fest auf ihr.
„Wenn deine Antwort irgendwann dieselbe ist wie seine, dann solltest du anfangen, dir Sorgen zu machen.“

Mehr verlangte er von ihr nicht. Nicht, dass sie Wissen wegwarf. Nur, dass sie sich erinnerte, dass Wissen und Absicht zwei verschiedene Dinge waren. Dann erklärte Juna selbst, was sie sein wollte. Doctor, Helfen, Heilen. Etwas in der Galaxie zurücklassen, das besser war als das, was sie vorgefunden hatte. Ferak betrachtete sie einen Moment und nickte langsam.
„Das klingt nach einer besseren Antwort als jede, die ich dir hätte geben können.“
Ein Mundwinkel hob sich kaum merklich.
„Heilen wirst du allerdings nicht von mir lernen können.“
Seine Braue wanderte leicht nach oben.
„Ich bin ziemlich gut darin, meinem Körper zu erklären, dass seine Meinung über Schmerzen im Augenblick nicht gefragt ist.“
Eine erneute kurze Pause.
„Das ist nicht dasselbe.“

Meisterin Kenobi war... ist die Heilerin. Sie verstand es, die Macht zu benutzen, um etwas Verletztes zu bewahren und wieder zusammenzufügen. Ihre Verbindung zur Lebendigen Macht hatte immer etwas anderes besessen als seine. Feraks eigene Begabung war härter. Crucitorn bedeutete für ihn nahezu vollkommene Beherrschung des eigenen Körpers. Schmerz wahrzunehmen, ohne ihm zu erlauben, Atem, Muskeln oder Entscheidung zu kontrollieren. Malacia richtete dieselbe Vorstellung von Kontrolle nach außen. Einen Körper aus dem Gleichgewicht bringen, Bewegungen nehmen, einen Gegner lähmen, ohne ihn dafür erschlagen zu müssen. Tutaminis wiederum bedeutete, einem Angriff der Macht nicht mit einem stärkeren Angriff antworten zu müssen. Ihn aufzunehmen. Ihm die Wirkung zu nehmen. Dazu kamen die einfacheren Dinge. Telekinese, Kraft, Geschwindigkeit. Den eigenen Körper mit der Macht weiter zu treiben, als er vernünftigerweise gehen sollte. Heilen gehörte nicht dazu.
„Meisterin Kenobi kann dir Dinge zeigen, die ich nicht kann.“
Seine Stimme wurde bei ihrem Namen unwillkürlich etwas leiser.
„Wenn du lernen willst zu heilen, solltest du von ihr lernen.“
Dann sah er wieder zu Juna.
„Von mir kannst du andere Dinge lernen.“
Er schwieg einen Moment. Vielleicht gerade deshalb, weil das Folgende bei ihm selbst lange gedauert hatte.
„Vor allem Kontrolle.“
Ein trockener Zug ging durch seinen Mundwinkel.
„Bei einer meiner ersten Übungen sollte ich eine kleine Nadel schweben lassen.“
Eine seiner Brauen hob sich.
„Ich habe sie in die Decke geschossen.“
Nicht weil ihm die Kraft gefehlt hatte, das Gegenteil war das Problem gewesen. Die Macht war für den Zabrak selten etwas, das er mühsam hervorlocken musste. Sie kam bereitwillig, manchmal schneller und stärker, als es ihm lieb war. Seine eigentliche Lektion war immer gewesen, ihr Grenzen zu setzen. Nicht alles zu nehmen, was erreichbar war. Nicht alles freizulassen, nur weil er es konnte.
„Stärke ist nicht, wie viel Macht du entfesseln kannst.“
Sein Blick blieb ruhig auf Juna.
„Stärke ist, genau so viel davon zu benutzen, wie nötig ist.“
Eine kurze Pause.
„Crucitorn. Deinen Körper zu beherrschen, wenn Schmerz versucht, es für dich zu tun. Malacia. Jemanden aufzuhalten, ohne ihn zerstören zu müssen. Tutaminis. Einen Angriff anzunehmen, ohne ihm mit einem eigenen begegnen zu müssen.“
Sein Blick glitt für einen Augenblick zu seiner eigenen Hand.
„Ich musste lange lernen, dass mehr nicht automatisch besser ist.“
Eine kurze Stille folgte. Als würde er überlegen, wie viel er davon wirklich aussprechen wollte.
„Manchmal macht mir nicht Angst, dass die Macht mir nicht reicht.“
Sein Blick blieb auf ihr.
„Manchmal macht mir Angst, dass sie es tut.“
Mehr erklärte er nicht, er musste es auch nicht. Die Rattataki war klug genug, den Rest selbst zu ahnen.
„Wenn ich dir also etwas beibringen kann, dann vielleicht das.“
Eine weiter kleine Pause.
„Wie man stark ist, ohne sich von der eigenen Stärke beherrschen zu lassen.“

Dann sprach sie von einem guten Freund. Jemandem, der ihr half zu lernen. Der Blick des Zabraks blieb einen Moment länger auf ihr liegen, als notwendig gewesen wäre. Wieder dieses merkwürdige Gefühl hinter dem Brustbein. Nicht schmerzhaft, diesmal eher warm. Das machte es nicht verständlicher, er räusperte sich leise.
„Dann hast du zumindest schon einen Teil von dem, was du brauchst.“
Sein Blick wanderte für einen Augenblick zur Seite und anschließend wieder zu ihr.
„Un ich kann dir zeigen, was ich weiß.“
Eine kleine Pause indem er tief Luft holte und ruhig mit dem tiefen Barriton weitersprach.
„Und bei dem Rest lernen wir eben beide.“
Das auszusprechen fühlte sich seltsam an, nicht falsch. Nur größer, als der Satz eigentlich klang. Als Juna schließlich davon sprach, sich irgendwann vielleicht selbst vergeben zu können, schwieg er wieder für einige Herzschläge.
„Irgendwann ist weit weg.“
Ein langsames Nicken.
„Du musst dir heute nicht für dein ganzes Leben vergeben.“
Er sah sie ruhig an.
„Triff heute Entscheidungen, für die du dir morgen etwas weniger vergeben musst.“
Ein kaum wahrnehmbarer Zug ging durch seinen Mundwinkel.
„Dann machst du das morgen wieder.“
Ein Schritt, dann der nächste. Irgendwann wurde daraus ein Weg. Und offenbar war jetzt wieder die Mission an der Reihe. Das konnte Ferak wesentlich leichter einordnen. Bei Junas Einwand zum möglichen Verräter nickte er sofort.
„Ja.“
Sein Blick ging ein letztes Mal zum verborgenen Hangar.
„Von der Kiste erfährt nur, wer davon erfahren muss.“
Eine kurze Pause.
„Nicht wer vielleicht hilfreich sein könnte. Nicht wer normalerweise eingeweiht wäre. Nur wer notwendig ist.“

Sollte tatsächlich jemand in der Ausgrabungsstätte Informationen weitergeben, durften sie ihm keine Gelegenheit bieten, ihren Plan zu verraten. Meister Rell würde zumindest einen Teil davon wissen müssen. Wer darüber hinaus eingeweiht wurde, konnten sie entscheiden, wenn aus der Idee tatsächlich ein Plan geworden war. Auf Junas Bemerkung zur Nachricht des Rates folgte ein zustimmendes Brummen.
„Nach dem Schlafen.“
Das klang endgültig. Der Rat hatte mehrere Tage gebraucht. Ein paar Stunden mehr würde seine Nachricht überleben. Juna richtete sich schließlich auf und begann bereits, sich gebeugt vom Beobachtungspunkt zurückzuziehen. Ferak beseitigte noch die letzten kleinen Steinreihen, strich mit der Hand durch den feinen Staub und vergewisserte sich, dass sie nichts Auffälliges zurückließen. Dann hörte er ihre leisen Worte Ferak hielt einen Moment inne. Er sah sie an. Nach ihrer Kabine, nach Meisterin Kenobi. Nach allem, was in den letzten Tagen geschehen war, verstand er vermutlich, dass sie damit mehr meinte als nur frische Luft.
„Dann vergiss das beim nächsten Mal nicht.“
Er ließ ihr einen Augenblick, ehe er sich ebenfalls vom Felsrand zurückzog.
„Manchmal merkt man erst, wie eng ein Raum geworden ist, wenn man wieder draußen steht.“

Sie bewegten sich zunächst zu Fuß zurück. Nicht über dieselbe Linie, die sie auf dem Hinweg genommen hatten. Der Jedi führte sie tiefer durch eine Senke, anschließend hinter einem langgezogenen Felskamm entlang und hielt sich so lange unterhalb der sichtbaren Höhen, bis genügend Gestein zwischen ihnen und der verborgenen Anlage lag. Erst dort änderten sie die Richtung zu den Speedern.
Der Rückweg verlief ereignislos. Trotzdem ließ Ferak die Aufmerksamkeit nicht vollständig sinken. Mehr als einmal wanderte sein Blick zum Himmel oder über die Felskämme, und gelegentlich streckte er seine Wahrnehmung vorsichtig in die Umgebung aus. Der Probot am alten Mast hatte ihm gründlich die Vorstellung genommen, dass eine leere Landschaft zwangsläufig bedeutete, dass niemand sie beobachtete. Als schließlich die ersten äußeren Lichter der Ausgrabungsstätte zwischen den Felsen auftauchten, löste sich ein Teil der Spannung aus seinen Schultern. Sie waren zurück. Und niemand schien ihnen gefolgt zu sein. Aven Rell bekam zunächst nur die kurze Version. Die Spur hatte zu einer verborgenen Anlage geführt, ein Hangar, bewaffnetes Personal, regelmäßige Abläufe. Ein Shuttle und zusätzliche Lieferungen von außerhalb. Kein Angriff, keine Gefangenen, keine eindeutige Identifikation des Betreibers. Die Einzelheiten konnten warten, vor allem die Idee mit den präparierten Kisten.Ferak warf dabei einen kurzen Blick zu Juna. Sollte sich ihr Verdacht auf einen Informanten innerhalb der Ausgrabung bestätigen, war jedes zusätzliche Paar Ohren eines zu viel. Also blieb es vorerst bei dem, was Aven Rell wissen musste.

Danach tat Ferak etwas, das ihm inzwischen beinahe vernünftiger vorkam als noch vor wenigen Tagen. Er schlief, nicht lange, einige Stunden genügten. Als er wieder erwachte, fühlte sich sein Körper noch immer schwer an, aber seine Gedanken waren wenigstens wieder dort, wo sie hingehörten. Er wusch sich den Staub aus Gesicht und Nacken, trank Wasser und brauchte einige Sekunden, bis ihm einfiel, was noch auf ihn wartete. Die Nachricht des Rates. Ferak fand Aven Rell schließlich nahe des provisorischen Kommunikationsbereichs. Der Jedi-Meister hatte Wort gehalten und die verschlüsselte Übertragung unangetastet gelassen. Der Zabrak setzte sich vor das Terminal und bestätigte seine Identität. Die Entschlüsselung dauerte nur wenige Sekunden, ann erschien die Nachricht.


"Padawan Koltari.
Eure Meldung von Ossus wurde bestätigt. Medizinische Unterstützung wurde zugewiesen. Aufgrund der gegenwärtigen Kampfhandlungen ist mit Verzögerungen zu rechnen. Weitere Sicherheitskräfte werden geprüft. Meldet Euch über gesicherten Kanal mit einem aktuellen Lagebericht."


Ferak las die Nachricht ein zweites Mal. Medizinische Unterstützung. Sein Blick blieb einen Augenblick länger auf diesen beiden Worten liegen. Zu spät für seinen Geschmack, aber unterwegs. Das war mehr, als sie noch am Vortag gewusst hatten. Weitere Sicherheitskräfte wurden geprüft, das bedeutete alles und nichts. Ferak lehnte sich etwas zurück und rieb sich mit zwei Fingern über den Nasenrücken. Dann öffnete er den Rückkanal. Keine langen Erklärungen, nur das, was der Rat wissen musste.

Jedi-Rat, aktuelle Lage Ossus:
Meisterin Kenobi ist weiterhin nicht ansprechbar. Ihr Zustand ist nach der Behandlung stabil, eine genaue Bestimmung des verwendeten Wirkstoffs war mit den vorhandenen Mitteln bislang nicht möglich. Medizinische Unterstützung bleibt dringend erforderlich.
Die Ausgrabungsstätte wurde während meiner Abwesenheit von einer bewaffneten Gruppe angegriffen. Die zuvor veranlassten Sicherungsmaßnahmen haben größere Verluste verhindert, mehrere Artefaktbehälter wurden jedoch entwendet.
Ein an der Fracht angebrachter Peilsender ermöglichte die Verfolgung eines Teils des Transportweges. Gemeinsam mit Juna Choway habe ich die letzte bekannte Position aufgeklärt.
Dort befindet sich eine verborgene, offenbar längerfristig betriebene Anlage mit Hangar, bewaffnetem Personal, Fahrzeugen und eingespielten Transportabläufen. Ein Shuttle verließ die Anlage für mehrere Stunden und kehrte anschließend zurück. Zusätzlich wurde Fracht von außerhalb angeliefert.
Eine direkte imperiale Beteiligung kann derzeit weder bestätigt noch ausgeschlossen werden. Sichtbare imperiale Kennzeichnungen oder eindeutig imperiales Personal wurden nicht festgestellt.
Es besteht weiterhin der Verdacht, dass Informationen über Funde oder Abläufe der Ausgrabung nach außen gelangen. Beweise für einen internen Informanten liegen derzeit nicht vor.
Wir haben auf einen Zugriff auf die Anlage verzichtet, um unsere Entdeckung nicht offenzulegen und die weitere Transportkette beobachten zu können.
Ein bei einem getrennten Zwischenfall eingesetzter Probot wurde geborgen. Speicher- und Kommunikationssysteme werden untersucht.
Ich empfehle zusätzliche Sicherungskräfte für die Ausgrabungsstätte und werde bis zu weiterer Weisung die Herkunft und den Bestimmungsort der entwendeten Funde weiter verfolgen.

Padawan Ferak Koltari

Ossus


Ferak las auch diese Nachricht noch einmal. Keine Vermutungen als Tatsachen, keine großen Versprechen. Nur das, was sie wussten. Sein Finger blieb einen Moment über der Bestätigung, dann sendete er. Die Übertragung verschwand über den gesicherten Kanal. Damit lag zumindest dieser Teil nicht mehr allein auf ihren Schultern. Ferak blieb noch einige Sekunden vor dem Terminal sitzen. Medizinische Unterstützung war unterwegs. Wann genau, wusste niemand. Vielleicht morgen, vielleicht später. Der Krieg hatte seine eigene Vorstellung davon, was dringend bedeutete. Schließlich erhob er sich.

Jetzt blieb nur noch herauszufinden, wie man eine archäologische Kiste so präparierte, dass eine Gruppe professioneller Diebe sie freiwillig mitnahm. Und wie man dabei zwei Jedi-Anwärter mit verpackte, ohne dass jemand vorher nachsah, was eigentlich darin lag. Und Juna zu berichten was der Rat ihnen mitgeteilt hatte. Der Zabrak verzog leicht den Mund. Im Vergleich zu den letzten Tagen klang das beinahe nach einem überschaubaren Problem.



**//{Outer Rim /-Auril-Sektor /-Adega-System /-Ossus /-Ausgrabungsstätte; Ferak, Juna, Aven Rell}**​
 
//{Outer Rim /-Auril-Sektor /-Adege-System /-Ossus /-Unkartierte Schlucht; Juna und Ferak}


Das Gespräch mit Ferak hatte gut getan. Auch die eigenen Sorgen einfach mal anzusprechen. Es erzeugte einen gewissen Optimismus in Juna, der ihr neuen Schwung verlieh. Aber auf der anderen Seite hatte sie nun ein paar Gedanken, denen sie folgen könnte. Als Ferak allerdings ansprach, dass Juna bei ihm nicht lernen würde zu heilen, lächelte Juna ruhig.
“Ich denke, damit kann ich helfen… Ich mache Fortschritte und kann wenigstens noch aus Büchern lernen… Zumindest so lange Meisterin Kenobi… nun ja… unpässlich ist…”
Juna schaute bei den letzten Worten noch einmal zum Himmel und dachte an die Jedi, die Geschichte war einfach anstrengend. Am Ende müssten sie Hilfe anfordern. Juna war inzwischen schlicht mit ihrem eingeschränkten Wissen am Ende angelangt. Stabil halten? Ja, das schaffte Juna. Aber mehr war einfach nicht drin. So war die Rattataki bereit für den Weg zurück, aber auch dabei ein wenig in Gedanken versunken.

“Ich werde irgendwann wieder kämpfen müssen… vielleicht auch töten. Egal wie sehr ich es vermeiden möchte… aber solange das Imperium in seiner aktuellen Form existiert… Wird man immer wieder kämpfen. Denn die Alternative wäre, dass Unschuldige leiden würden.”
Kam es ruhig. Ferak würde es ihr bestimmt noch beibringen. Am Ende hatte Juna nur gelernt zu töten… aber zu kämpfen, um etwas zu beschützen? Nein. Sich bloß zu verteidigen? Auch nicht. Das war ja nie ihre Aufgabe gewesen. Deswegen hatte die Rattataki in ihrem… ja… früheren Leben bei den Sith… eine Spur von Leichen hinterlassen wo auch immer sie gewesen war. Irgendwie fand Ferak genau die richtigen Worte. Ein Umstand, der Juna Zuversicht vermittelte. Das war viel mehr wert als nur Mitgefühl. Allerdings bei dem Punkt Macht schaute Juna den Zabrak nachdenklich an.
“Es gibt Wesen, die mit großer Macht hantieren. Doch folgt nicht aus dieser Macht auch eine gewaltige Herausforderung?”
Ihr Blick wanderte wieder kurz zur Basis.
“Wir alle werden Momente absoluter Macht erleben. Am Ende entscheidet, wer wir wirklich sind in diesen Momenten und wie wir dann handeln.”
Juna zuckte mit ihren Schultern.
“Zumindest ist das meine Überlegung dazu.”

So bewegte sich das ungleiche Duo zu Fuß zurück zu den Speedern. Wobei Ferak sehr viel Wert darauf legte einen anderen, vor allem indirekteren Weg zu nehmen. Dennoch benötigten sie nicht ewig, um die Speeder zu erreichen. Der Weg verlief ohne spezielle Vorkommnisse.
Irgendwann konnte Juna die Lichter der Ausgrabungsstätte in der Ferne erkennen. Erst bei diesem Anblick bemerkte die Frau, dass eine gewisse Anspannung von ihren Schultern fiel. Ferak erstattete bei diesem Aven Bericht. Juna selbst dachte währenddessen weiter nach. Ihr Blick war etwas angespannter als sie wollte. Am Ende war die Lage recht schwierig. Den Kurzen Blick Feraks zu Juna nahm diese wahr und nickte nur knapp.

Nicht lange später legte sich Juna hin und schlief eine Runde. Da sie allerdings noch lange am Grübeln gewesen war, war die Rattataki erst etwas nach Ferak eingeschlafen und allgemein schlief sie auch etwas länger als der Zabrak.
Am nächsten Morgen schaute Juna noch einmal kurz nach Suse und Meisterin Kenobi. Leider hatte sich ihr Zustand nicht verändert. Es war bedauerlich. Nachdem sie noch ein wenig ihre Prothesen überprüft und neu justiert hatte um ein paar Probleme zu beheben, tauchte Juna wenig später wieder bei der Ausgrabungsstätte auf. Ihr Blick wanderte über das Lager und auch über ein paar Kisten mit Fundstücken. Nachdenklich legte sie ihren Kopf zur Seite und schüttelte dann mit dem Kopf. Ihr war der Gedanke gekommen, einfach die Leute hier zu beobachten. Aber das wäre nicht nur zu auffällig, sondern dann könnten sie gleich jedem von ihrem Verdacht erzählen. Während sie nachdachte, schaute sich Juna das Lager genauer an und wanderte ein wenig in der Ausgrabungsstätte umher, bis sie Ferak sah und direkt auf den Zabrak zu ging.
“Guten Morgen! Konntest du etwas schlafen?”
Fragte Juna und lächelte dem Zabrak zu.




//{Outer Rim /-Auril-Sektor /-Adege-System /-Ossus /-Ausgrabungsstätte; Juna und Ferak, Aven}
 
//{Outer Rim /-Auril-Sektor /-Adega-System /-Ossus /-Ausgrabungsstätte; Ferak, Juna }\\​


Ferak saß über einem Datapad, als er die vertraute Stimme hörte. Vor ihm lag eine grobe Skizze der verborgenen Anlage. Keine besonders schöne Zeichnung, aber ausreichend, um die Position des Hangars, die beiden Schluchtzugänge, die beobachteten Wachposten und die Wege der Fahrzeuge festzuhalten. Daneben hatte er die ungefähren Zeiten ihrer Beobachtungen notiert. Einige regelmäßige Intervalle, andere mit Fragezeichen versehen. Bei Junas Begrüßung hob er den Kopf. Sie wirkte zumindest etwas erholter als in der vergangenen Nacht. Auf ihre Frage folgte zunächst nur ein knappes Nicken.
„Ausreichend.“
Ein kurzer Blick auf sein Chrono.
„Mehr als in den letzten Nächten.“
Das schien ihm als Zustandsbericht zu genügen. Allerdings hob sich ein Mundwinkel kaum merklich.
„Und du? Wieder halbwegs einsatzfähig?“
Er ließ ihr einen Moment für eine Antwort, bevor er das Datapad beiseitelegte. Inzwischen waren die Vorgänge der letzten Nacht nicht mehr das Einzige, was seine Gedanken beschäftigte.

„Der Rat hat sich gemeldet.“
Sein Ausdruck wurde ernster.
„Medizinische Unterstützung wurde zugewiesen. Wegen der Kampfhandlungen kann es allerdings dauern, bis jemand hier eintrifft. Einen Zeitpunkt haben sie nicht genannt.“
Er verschränkte die Arme vor der Brust.
„Weitere Sicherheitskräfte werden geprüft.“
Ein leises Schnauben.
„Was immer das heißen mag.“
Der Zabrak hatte in seinem bisherigen Leben genug mit militärischen Befehlsketten zu tun gehabt, um zu wissen, dass zwischen der Prüfung einer Maßnahme und ihrer tatsächlichen Durchführung beträchtliche Zeit liegen konnte. Aber die wichtigste Nachricht war eine andere, Hilfe für Meisterin Kenobi war unterwegs, zumindest war sie zugewiesen worden. Das allein ließ ihn noch nicht erleichtert aufatmen, doch die Aussicht, dass bald jemand mit den notwendigen Kenntnissen eintreffen könnte, war besser als alles, was sie bisher gehabt hatten.
„Ich habe bereits geantwortet. Der Rat kennt jetzt den Angriff, die gestohlenen Funde, den Peilsender und die Anlage, die wir entdeckt haben. Auch den Verdacht, dass Informationen aus der Ausgrabung nach außen gelangen könnten.“
Er deutete auf die Skizze vor sich.
„Das Imperium habe ich ebenfalls erwähnt. Als Möglichkeit, nicht als Tatsache.“

Dann schob er das Datapad so zurecht, dass Juna es einsehen konnte. Neben der Skizze waren mehrere kurze Notizen angeordnet. Der westliche Schluchtzugang, von dem aus der Frachtspeeder gekommen war. Der große Felszugang mit dem Hangar. Die Positionen der Wachen, soweit sie erkennbar gewesen waren. Die beobachteten Rundgänge und das unbekannte Zeichen auf den Frachtcontainern. Ein unterbrochener Kreis mit drei senkrechten Strichen.
„Was uns zu unserem anderen Problem bringt.“
Er tippte mit einem Finger auf den Felszugang.
„Wir wissen, dass sie Fracht annehmen, kontrollieren und weitertransportieren. Aber nicht, was mit den Behältern passiert, sobald sie hinter diesem Tor verschwinden.“
Sein Finger wanderte zur Markierung des Frachtspeeders.
„Die Wachen haben die Container von außen gescannt. Niemand hat sie dort geöffnet. Das bedeutet allerdings nicht, dass im Hangar keine zweite Kontrolle stattfindet.“
Er lehnte sich etwas zurück.
„Bevor wir also ernsthaft darüber nachdenken, uns in zwei Kisten verpacken zu lassen, sollten wir ein paar Fragen beantworten.“
Sein Blick blieb auf Juna.
„Erstens: Warum stehlen sie bestimmte Funde und lassen andere liegen?“
Er erinnerte sich an die Informationen, die er von Dekk erhalten hatte. Die Aufträge waren nicht willkürlich gewesen. Die Diebe hatten genaue Fundnummern genannt bekommen. Jemand wusste, wonach gesucht werden musste.
„Die Leute, die Dekk seine Aufträge gegeben haben, kannten bestimmte Fundnummern. Wenn wir herausfinden, was diese Gegenstände verbindet, können wir vielleicht vorhersagen, was sie als Nächstes wollen.“
Er ließ einen Augenblick verstreichen.
„Oder wir geben ihnen einen Grund, etwas Bestimmtes haben zu wollen.“
Das war der schwierigere Teil. Eine Kiste, die aus Sicht der Diebe keinen Wert besaß, würden sie vermutlich stehen lassen. Ein erfundener Fund, der allzu offensichtlich nach einer Falle aussah, würde das Gegenteil von dem bewirken, was sie erreichen wollten. Dazu kam der mögliche Informant.
Ferak tippte auf eine der Fundnummern, die er sich als Beispiel notiert hatte.

„Zweitens: Wer weiß, was hier ausgegraben wird, bevor es offiziell erfasst wird?“
Sein Blick wanderte kurz über das Lager, in dem Archäologen zwischen Geräten, Kisten und den provisorischen Unterkünften ihrem Tagesgeschäft nachgingen.
„Du hattest recht. Wir dürfen den Plan nicht im ganzen Lager verbreiten. Und wenn jemand Informationen weitergibt, hilft es uns wenig, nur den Verräter selbst nicht einzuweihen, solange dessen Bekannte alles wissen.“
Er sah wieder zu ihr.
„Deshalb bleiben die Einzelheiten vorerst zwischen uns. Wenn wir etwas vorbereiten, entscheiden wir, wen wir dafür wirklich brauchen.“
Anschließend betrachtete er ihre mechanischen Hände für einen kurzen Moment, bevor er wieder das Datapad zu ihr drehte.
„Drittens: die Technik.“
Ein leichter Zug ging durch seinen Mundwinkel.
„Da bist du mir voraus.“
Er deutete auf die eingezeichnete Zugangskontrolle.
„Ich weiß nicht, was die Scanner dort unten erkennen können. Masse, Wärme, Lebenszeichen, bestimmte Materialien. Und ich weiß nicht, ob wir diese Kontrollen umgehen könnten, ohne dass es auffällt.“
Eine kurze Pause.
„Du und Suse versteht davon mehr als ich. Vielleicht könnt ihr herausfinden, welche Möglichkeiten wir haben. Und ob eine Kiste, in der wir atmen und uns notfalls bewegen können, überhaupt überzeugend genug wäre.“
Sein Gesicht wurde wieder ernster.
„Es wäre ziemlich ärgerlich, wenn unser Plan damit endet, dass jemand den Deckel öffnet und uns fragt, warum zwei Jedi als Ausgrabungsstücke deklariert wurden.“

Der trockene Unterton verschwand, als sein Blick erneut über die Skizze wanderte. Sie hatten immerhin noch andere Möglichkeiten. Eine präparierte Kiste mit einem besseren Sender. Eine veränderte Frachtkennung. Vielleicht einen Weg, die Transporte zu verfolgen, ohne unmittelbar darin zu sitzen. Aber ein Teil von ihm wollte selbst hinein. Nicht aus bloßer Abenteuerlust. Wenn sie herausfanden, wohin die gestohlenen Funde tatsächlich gebracht wurden, wären sie der Antwort auf die Frage nach dem Auftraggeber einen großen Schritt näher. Nur durfte dieser Wunsch nicht darüber entscheiden, welches Risiko vernünftig war.
„Außerdem möchte ich, dass wir das Symbol überprüfen.“
Er zeigte auf den unterbrochenen Kreis.
„Vielleicht ist es eine Frachtkennung. Vielleicht ein Unternehmen. Vielleicht nur eine interne Markierung.“
Dann schob er das Datapad wieder etwas zu sich.
„Wir haben noch die neuen Daten von Dekk. Und Garen sollte sich inzwischen mit dem Probot beschäftigen können. Vielleicht finden wir dort eine Verbindung.“
Er hatte nicht vor, sich auf einen einzigen Hinweis zu verlassen. Aber wenn dieselben Kennungen, Transporte oder Auftraggeber in unterschiedlichen Datenquellen auftauchten, konnten sie vielleicht aus ihren Vermutungen etwas Belastbareres machen. Für einen Moment betrachtete Ferak die Zeichnung, dann sah er zu Juna.
„Wir haben also drei Dinge zu klären: welche Fracht sie wollen, wie wir sie dazu bringen, unsere mitzunehmen, und wie wir dabei unentdeckt bleiben.“
Eine seiner Brauen hob sich leicht.
„Wobei ich zugeben muss, dass ich beim letzten Punkt eher dazu neige, Probleme mit einem Lichtschwert zu lösen.“

Er ließ das Datapad zwischen ihnen liegen und verschränkte wieder die Arme. Diesmal wollte er nicht einfach einen Plan verkünden und erwarten, dass sie ihm folgte. Juna hatte in der vergangenen Nacht mehr als einmal bewiesen, dass ihre Erfahrungen Fähigkeiten mit sich brachten, die ihm fehlten. Gerade was das unbemerkte Eindringen in gesicherte Bereiche betraf. Und wenn er ehrlich war, gefiel ihm der Gedanke, nicht sämtliche Antworten selbst finden zu müssen.
„Also, Juna.“
Er deutete auf die eingezeichnete Zugangskontrolle.
„Du hast früher Ziele erreicht, die andere für unerreichbar hielten. Wenn du an meiner Stelle wärst und unbedingt hinter dieses Tor müsstest, ohne dass jemand von dir erfährt …“
Er ließ die Frage einen Moment im Raum stehen.
„Wie würdest du es anstellen?“


//{Outer Rim /-Auril-Sektor /-Adega-System /-Ossus /-Ausgrabungsstätte; Ferak, Juna}\\
 
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