Quarzite

[ Quarzite | Baustelle an der Basis des neuen Weltraumaufzugs ] Korporal CA – 439 und eine Gruppe Sturmtruppen, beluganische Bauarbeiter (allesamt NPCs)


CA – 439 bemerkte ein leichtes Rauschen, das seine Helmkopfhörer wiedergaben. Kein statisches Geräusch wie eine Interferenz im Komkanal, sondern eher wie das Prasseln von Regen auf eine harte Oberfläche. Aber hier auf Quarzite hatte es noch nie geregnet, und CA – 439 bezweifelte auch, dass es das jemals tat. Der Korporal nahm seinen Helm ab – obwohl das streng gegen die Vorschrift verstieß, aber sie waren weit weg von Chardaan und auf diesem Felsklumpen konnte man die Regeln durchaus etwas praxisnäher auslegen. Der Helm konnte die Geräusche zwar verstärken, aber manchmal ließen sich Dinge mit dem natürlichen Gehör doch besser einordnen.

Das Rauschen wurde lauter und differenzierter. Es schien von einem der großen Tunnel zu kommen, die in der Kaverne der Weltraumaufzüge mündeten. Eher wie ein Klackern, so vielzählig, dass es zu einem durchgehenden Geprassel verschmolz. Ein paar seiner Leute, die rund um die Baustelle postiert waren, schienen es ebenfalls zu bemerken und sahen sich um. CA – 439 konnte nichts erkennen in dem schummrigen Licht in der Tiefe des Tunnels. Das Geräusch veränderte sich, wurde immer lauter und schien von über ihnen zu kommen! Der Soldat hob den Kopf und sah einen langen Schemen sich zwischen den hausgroßen Kristallen an der Decke schlängeln. Ein gelber Funken löste sich von dem Schemen, fiel wie eine Sternschnuppe herab. Fasziniert starrte CA – 439 auf die Erscheinung, bis einer seiner Männer
„ACHTUNG!“ schrie.
Zu spät. Der Funke explodierte in der Luft zwanzig Meter über der Baustelle in einem Inferno aus Flammen. Der Korporal begann zu rennen, sprintete zwischen Containern voller Baumaterial hindurch, um dem sengenden Regen aus brennendem Öl zu entkommen, der auf Arbeiter, Soldaten, Maschinen und Bauteile herunterzischte. Qualvolle Schreie hallten durch die Kaverne, als ein weiterer Sprengsatz über ihm explodierte und feurigen Tod über sie brachte. Hektisch setzte CA – 439 seinen Helm wieder auf, nur um die Schreie seiner Männer über das Kom zu hören. Dann zerriss es ein Treibstofffass direkt neben ihm und er wurde durch die Luft geschleudert.



[ Quarzite | Blanks Festung | auf den Stufen vor dem Ratsgebäude ] Kanto Garison und Halcyon Rak (NPC)

Der Gouverneur und sein Berater verließen soeben das Ratsgebäude, wo eine Sitzung zum Thema Erzförderung stattgefunden hatte. Bergbauministerin Ratua Sas hatte einen zufriedenstellenden Plan vorgelegt. Nun blieb zu hoffen, dass sich der auch mit ihren Mitteln durchführen ließ und sie von anderen Zwischenfällen verschont blieben.

Aber Halcyon Rak, der neben ihm die Stufen hinunterstieg, die sie in Richtung Gouverneursvilla führten, schnitt nun ein anderes Thema an.


„Wie ich schon angekündigt hatte, ist heute eine Einladung von der Gesellschaft zur Förderung der schönen Künste und imperialer Kultur für dich eingegangen. Sie wird auf Truuine stattfinden, was sich, wie ich finde, sehr gut trifft. Die ideale Gelegenheit, unsere frischen Beziehungen zu diesem System zu pflegen. Außerdem würde ich vorschlagen, Orbitalingenieurin Sassameer mitzunehmen, da wir sie ohnehin an Gouverneur Solaris ausleihen wollen. Der Weg nach Truuine ist schließlich kein Jarensprung.“

Kanto nahm das Datapad von Halcyon entgegen und überflog die Einladung.

„Hm… Gala der kristallenen Klänge. Das klingt durchaus nach einer wunderbaren Abwechslung zu dem hier“, sagte er mit einer beiläufigen Geste auf die sie umgebende, graue Stadt.

„Und Sassameer mitzunehmen ist auch keine schlechte Idee. Sie scheint mir zwar nicht sehr gesprächig zu sein, aber der Flug ist lang und ein wenig Gesellschaft kann da nicht schaden. Ich nehme an, Mellis wird mich begleiten?“

Kanto wusste, dass Halcyon in Abwesenheit des Gouverneurs die wichtigsten Geschäfte übernehmen musste, weshalb er nicht in Frage kam. Und da der Hintergedanke von Kantos Teilnahme an der Gala war, eine geeignete Partie für ihn zu finden, oder ihn zumindest den in Frage kommenden Kreisen dementsprechend zu präsentieren, war ziemlich klar, dass seine Kammerdienerin Mellis Nival als Aufpasserin und Gesellschaftsdame mitkommen musste.
Kanto wusste ehrlich gesagt nicht, wer von beiden ihm lieber wäre. Aber er wurde da ohnehin nicht gefragt. Nur weil er Gouverneur eines ganzen Planeten war, bedeutete das noch lange nicht, dass er dem Regime seiner Mutter entkam.

Ein Anruf ploppte auf dem Datapad auf und riss ihn aus seinen Gedanken. Er kam von Hauptmann Zeerl, dem Kommandanten der Kompanie Sturmtruppen, die Kanto auf Quarzite zur Verfügung stand. Zeerl hatte einen ernsten Gesichtsausdruck und verlor keine Zeit.


„Gouverneur, es gab einen Anschlag auf die Baustelle des Weltraumaufzugs! Sechs meiner Männer wurden getötet, die restlichen zwei sind schwer verletzt. Mehrere Beluganer, darunter einige wertvolle Techniker sind ebenfalls tot.“

Weder Halcyon noch Kanto unterbrachen den Hauptmann.

„Derzeit ist das Gelände noch nicht begehbar, weil überall noch Feuer brennen. Deshalb ist der Schaden am Material noch nicht abschätzbar, aber wahrscheinlich ist vieles unbrauchbar geworden, zumindest das, was brennbar war.“

Kanto war blass geworden vor Wut und, wie er sich eingestehen musste, auch etwas Angst.

„Ich… breche sofort auf“, sagte er.

Zeerl nickte.
„Jawohl, Gouverneur. Ich warte mit meinen Leuten am Bahnhof auf Sie.“

„Weiß man schon etwas über die Täter?“

Zeerl zögerte kurz. „Einer der Soldaten meint, er hätte ein Milodon an der Decke der Kaverne gesehen, kurz bevor die erste Explosion hochging. Aber wir wissen noch nichts genaues.“

Kanto nickte und beendete die Verbindung. Dann warf er Halcyon einen Blick zu. Er wusste, dass sie sich beide dasselbe fragten. Steckten die Kage dahinter?
Während sie die vielen Stufen hinunter zum Bahnhof eilten, fragte Kanto seinen Berater:
„Wissen wir eigentlich schon, wer für die Sabotage an der anderen Baustelle verantwortlich ist? Die von der Untergrundbahn nach Krism Cave?“

Halcyon schüttelte den Kopf. „Nein. Leutnant Sverrik konnte keine Fremdeinwirkung auf den durchgebrannten Datenknoten nachweisen. Aber die Vermutung bleibt bestehen.“

„Ein Milodon legt schon sehr nahe, dass Kage hinter diesem neuen Anschlag stecken.“

„Ja. Oder jemand will, dass wir das glauben.“

Mit diesen Worten bestiegen sie den Wagon, der schon gut zwanzig Sturmtruppen bemannt war und machten sich auf den Weg zum Weltraumaufzug.


[ Quarzite | Blanks Festung | auf den Stufen vor dem Ratsgebäude ] Kanto Garison und Halcyon Rak (NPC)
 
Quarzite || Velrinax Distrikt || Bauabschnitt Dorn || Calix Maro, allein

Die Tage nach der Verfolgungsjagd verliefen in jener eigenartigen Stille, die nicht Frieden bedeutete, sondern ein Atemholen zwischen zwei Bewegungen eines unsichtbaren Gegners. Quarzite arbeitete weiter, als wäre nichts geschehen. Förderzüge ratterten durch die Adern des Planeten, Arbeiterkolonnen schoben sich durch die kristallinen Schluchten der Bauzonen, und über allem lag das stetige Summen der Maschinen, das wie ein zweiter Herzschlag durch den Fels vibrierte. Doch für Calix Maro war jeder dieser Tage eine Übung in Geduld. Wer im Schatten arbeitete, wusste, dass die wichtigste Tätigkeit oft darin bestand, nichts zu tun, während man beobachtet wurde.

Am fünften Tag verließ er seine Unterkunft noch vor dem Schichtwechsel der unteren Förderringe. Der Weg führte ihn nicht durch die großen Tunnel, sondern durch jene vergessenen Wartungsgänge, die in den Bauplänen längst als stillgelegt markiert waren. Hier war Quarzite rauer, unmittelbarer. Die Kristalladern standen blank im Fels, schimmerten in kaltem Violett und warfen das Licht der Wartungslampen in tausend gebrochene Reflexe zurück. Zwischen den Schienen eines alten Materialtransportsystems blieb Calix schließlich stehen. Auf den ersten Blick gab es hier nichts von Bedeutung, nur ein unscheinbares Wartungspult, dessen Gehäuse von Jahrzehnten aus Staub, Öl und mineralischem Abrieb stumpf geworden war.
Er öffnete die Klappe nicht sofort. Stattdessen ließ er den Blick durch den Tunnel schweifen, lauschte in die Stille zwischen den entfernten Geräuschen der Förderwerke. Tote Briefkästen waren Beziehungen zwischen Geduld und Vertrauen in einer Welt ohne definitiver Wahrheit. Erst als er sicher war, dass ihn nur der Fels beobachtete, löste er die kleine Schraube an der Unterkante des Gehäuses und zog den falschen Kontaktstift heraus. Darin verbarg sich ein hauchdünner Datenstreifen, kaum breiter als eine Fingerspitze. Die Botschaft selbst war nutzlos ohne ihren Schlüssel.

Der zweite Briefkasten lag mehrere Ebenen tiefer, dort, wo alte Wohnquartiere der ersten Minenarbeiter zu labyrinthartigen Lagerhallen umfunktioniert worden waren. Zwischen den Säulen eines halb eingestürzten Marktplatzes ragte eine Statue aus grauem Stein empor. Ein früher Förderingenieur, dessen Name längst vergessen war. In der linken Hand der Figur steckte ein metallener Vermessungsnagel. Calix zog ihn mit einer beiläufigen Bewegung heraus. In seinem Inneren lag das Entschlüsselungsmodul.
Er zog sich anschließend in einen verlassenen Beobachtungsraum zurück, hoch über einer stillgelegten Baustelle. Von hier aus konnte er die weiten Gerüste überblicken, die wie ein gefrorenes Meer aus Stahl und Kristall in der Dunkelheit standen. Erst hier setzte er das Modul in sein Entschlüsselungsgerät ein und ließ die Daten laufen.

Der Angriff hatte sich gestern in einer der neuen Baukavernen im südlichen Fördersektor ereignet. Augenzeugenberichte sprachen von einem Milodon, der aus den kristallinen Deckenkavernen hervorgebrochen war. Milodons? Diese massive, gepanzerte Bestien, wie sie sein Volk seit Generationen als Reittiere und Kriegsmaschinen nutzten waren für einen direkten Angriff benutzt worden? Die Gedanken des Agenten rasten, er vermutete eventuell eine Beteiligung der Kage Krieger. Zunächst war nur von Explosionen berichtet worden, doch ein Augenzeugenprotokoll war der Nachricht beigefügt. Es handelte sich um eine fragmentarische Aussage eines imperialen Soldaten, der den ersten Alarm ausgelöst hatte.
Calix ließ den Blick einen Moment länger auf diesen Satz ruhen. Ein Milodon an der Decke. Die Vorstellung war im ersten Moment absurd genug, um wahr zu sein. Die massigen Kreaturen der Kage waren zwar gewaltig, aber ihre kräftigen Klauen und der niedrige Schwerpunkt erlaubten ihnen, sich an den rauen Kristalloberflächen Quarzites erstaunlich sicher zu bewegen. Doch dass eines dieser Tiere tatsächlich über einer Baustelle gehangen hatte, unsichtbar im Halbdunkel der Kavernendecke, während darunter Arbeiter und Maschinen ihren Routinen folgten, deutete auf Planung hin und auf jemanden, der sowohl die Tiere als auch die Geografie des Planeten verstand. Die Explosionen waren erst danach erfolgt.
Vielleicht hatte das Tier Sprengladungen getragen. Vielleicht war es selbst nur Ablenkung gewesen, eine lebende Schattenbewegung über den Köpfen der Arbeiter, während jemand anderes die Zünder setzte. In beiden Fällen war die Botschaft dieselbe. Der Angriff, so war sich der Agent der Neuen Republik sicher, war nicht improvisiert gewesen. Agent Maro lehnte sich im Schatten des Beobachtungsraumes zurück und ließ die Daten langsam über das Display laufen. Ein einzelnes Milodon reichte aus, um Panik zu erzeugen, um Gerüste zum Einsturz zu bringen oder Arbeiter auseinanderzutreiben. Sabotage war selten nur Sabotage. Sie war ein Gespräch zwischen Gegnern, die sich nie trafen. Die eigentliche Zerstörung war begrenzt gewesen. Doch das Feuer, das danach in den Materiallagern aufstieg, hatte die Nacht über den Baustellen rot gefärbt und den Arbeitern eine Botschaft hinterlassen, die deutlicher war als jeder Funkspruch. Er ließ den Gedanken einen Moment wirken. Wenn tatsächlich Kage-Reiter hinter dem Angriff standen, dann bedeutete das entweder eine Radikalisierung lokaler Gruppen oder jemand versuchte sehr gezielt, diesen Eindruck zu erzeugen.

Der zweite Teil der Nachricht wog schwerer als alles andere. Er war kürzer formuliert, beinahe nüchtern, doch genau darin lag seine Bedeutung.
Calix sollte eine neue Identität annehmen, als etwas weit Sichtbareres und damit gefährlicheres. Als Beauftragter für Kage-Angelegenheiten in der Besatzungsregierung des Galaktischen Imperiums. Ein politischer Vermittler zwischen den lokalen Interessen der Kage und der imperialen Verwaltung. Ein Mann, dessen offizieller Auftrag darin bestehen würde, die Auswirkungen imperialer Infrastrukturprojekte auf die kageischen Bezirke zu bewerten, bei Förderlinien, Transporttrassen und Tunnelbauprojekten beratend mitzuwirken und zugleich als Ansprechpartner für jene zu dienen, deren Territorien von diesen Maßnahmen berührt wurden. In den nüchternen Formulierungen des Einsatzbefehls klang es nach Verwaltungsarbeit. Doch Agent Maro wusste es besser. Wer zwischen zwei Machtzentren stand, war nie nur Berater. Er war Druckventil, Übersetzer, manchmal auch Sündenbock.
Offiziell würde er dem imperialen Gouverneur
Garison von Quarzite zugeteilt sein, ein ziviler Spezialist für lokale Angelegenheiten, jemand, der kulturelle Spannungen entschärfte, Beschwerden aus den Bezirken der Kage kanalisierte und bei politischen Entscheidungen jene Perspektive einbrachte, die den Offizieren des Imperiums meist fremd blieb. Ein Mann, der dem Gouverneur half, Wogen zu glätten, Konflikte moderierte und die Sprache beider Seiten sprach, ohne sich offen auf eine Seite zu schlagen. Eine elegante Konstruktion, wie der Kage zugeben musste. Das Imperium konnte behaupten, die lokalen Strukturen ernst zu nehmen, während es gleichzeitig seine Projekte vorantrieb. Die Kage wiederum bekamen einen Ansprechpartner, der zumindest vorgab, ihre Interessen zu verstehen. Und irgendwo zwischen diesen beiden Ebenen würde Calix stehen.

Er ließ die Worte der Nachricht lange auf sich wirken, während das matte Licht des Terminals über sein Gesicht glitt.
Es war eine Rolle, die Nähe erforderte. Nähe zu jenen, die er schützen wollte und Nähe zu jenen, die er eigentlich bekämpfte. Eine Position im direkten Einflussbereich des Gouverneurs bedeutete Gespräche hinter verschlossenen Türen, Einblicke in Entscheidungen, vielleicht sogar ein gewisses Maß an Vertrauen. Doch Vertrauen war in seinem Beruf ein zweischneidiges Werkzeug. Je glaubwürdiger er wurde, desto gefährlicher wurde seine Lage. Ein Spion im Schatten konnte verschwinden, wenn es nötig war. Ein Berater im Blickfeld der Macht hingegen war ständig sichtbar. Jeder Blick, jede Geste, jede Formulierung konnte analysiert werden.
Calix lehnte sich langsam zurück und ließ den Blick über die dunklen Kristalladern der Wand gleiten. Für einen Moment dachte er an die Ironie dieser Aufgabe. Sein Leben lang hatte er gelernt, im Verborgenen zu operieren, Spuren zu verwischen, Bewegungen so klein zu halten, dass niemand sie bemerkte.
Nun sollte er das Gegenteil tun, er sollte sichtbar werden und gerade darin lag der eigentliche Kern des Auftrags. Denn wer dem Gouverneur von Quarzite regelmäßig gegenübersaß, wer an Besprechungen teilnahm und Entscheidungen kommentierte, der bekam Einblicke, die kein Datenschnitt und kein abgefangener Funkspruch liefern konnte. Macht sprach anders, wenn sie glaubte, unter sich zu sein.
Calix wusste, dass diese Nähe nicht ohne Risiko war. Mit jedem Gespräch würde er ein Stück tiefer in ein Netz aus Erwartungen, Loyalitäten und politischen Manövern geraten, das nicht ihm gehörte.
Er verstand beide Seiten. Er kannte die Sturheit der Kage, ihre langen Erinnerungen und ihre empfindliche Vorstellung von Würde. Und er kannte die Logik des Imperiums ihrer kalten Effizienz, überzeugt davon, dass Ordnung wichtiger war als Zustimmung. Ein Vermittler zwischen diesen Welten zu sein bedeutete nicht nur, ihre Sprachen zu sprechen. Es bedeutete auch, ihre Denkweisen zu durchschauen.

Calix schloss schließlich das Terminal und ließ die Dunkelheit des Raumes wieder über die Anzeige gleiten.

Für einen Moment blieb er reglos sitzen. Dann nickte er kaum merklich. Diesmal würde er nicht aus dem Schatten handeln. Diesmal würde er direkt neben seinem Feind stehen und ihm helfen, den Planeten zu regieren.


Quarzite || Velrinax Distrikt || Bauabschnitt Dorn || Verlassener Beobachtungsraum || Calix Maro, allein
 
[ Quarzite | Blanks Festung | Gouverneursvilla ] Kanto Garison und Mellis Nival (NPC)


Kanto drehte sich vor dem Spiegel und besah sich in der imperialen Galauniform, während seine langjährige Kammerdienern Melli Nival einen weiteren Anzug bereitlegte, den er als nächsten probieren würde. Sie sollten heute entscheiden, was er zu der Gala auf Truuine tragen würde. Aber er war nicht bei der Sache. Der Anschlag auf die Baustelle des neuen Weltraumaufzugs bereitete ihm Sorgen. Natürlich würde sich die Fertigstellung verzögern, aber nicht erheblich. Aber der Vorfall ließ sich nicht so einfach unter den Teppich kehren. Selbstverständlich hatte Kanto ohne großen Verzug Moff Thaler von dem Anschlag berichtet, denn wenn der Moff es vorher über seine eigenen Quellen selbst erfuhr, würde dies das Vertrauen in Kanto stark beschädigen. Und die Antwort, die er erhalten hatte, ließ darauf schließen, dass Thaler erstens nicht erfreut war und zweitens weitere Schritte überlegte, wie er die Situation auf Quarzite stärker selbst in die Hand nehmen konnte.

Und eine direkte Einmischung des Moffs würde kein Gouverneur freudig begrüßen. Das war in etwa so, als würde dich die eigene Mutter in der Imperialen Akademie besuchen, um deine Hemden zu Bügeln und mit den Dozenten über die Projektarbeiten zu verhandeln.

Kanto seufzte. Die Galauniform war zwar elegant, aber etwas langweilig. Und natürlich gab es hier auf diesem Kristallklumpen keinen ordentlichen Schneider. Notfalls würde er einen Tag früher abreisen müssen und einen Zwischenstopp auf Kuat einlegen, um sich entsprechend einzukleiden. Wenn es um die Repräsentation der Familie ging, würde seine Mutter solche Extravaganzen sicher billigen.


Er probierte soeben den vierten Anzug an, der auch nicht gerade aufregend war, als sein Kom mit einem sanften Ton den Eingang einer Holo-Nachricht anzeigte. Ein kurzer Blick auf den Absender ließ den unangenehmen Knoten in seiner Magengegend auf Melonen-Größe anwachsen. Moff Eston Thaler.

Er drehte sich zu Mellis herum.


„Lassen wir es gut sein für heute. Ich denke, das ein oder andere Brauchbare ist dabei und das Tagesgeschäft kann nicht länger warten.“

Damit zog er den Anzug wieder aus und ließ sich in seine übliche Uniform kleiden. Mellis strafte ihn mit einem kritischen Blick, sagte aber nichts, als er den Raum verließ und in sein Büro eilte, um die Nachricht abzurufen. Es handelte sich um eine kurze Holo-Aufzeichnung von Moff Thaler selbst, was der Angelegenheit mehr Gewicht verlieh, als Kanto lieb war.

Das Hologramm des Moffs zeigte sein Portrait von der Brust aufwärts. Seine Miene war streng und im Gegensatz zu ihrer Begegnung auf Sagar wurde sie nicht durch den milden Blick von Thalers Augen abgeschwächt, denn entweder gingen diese Feinheiten in der Übertragung verloren, oder der Blick war nun ebenso hart, wie der Rest des Gesichts. Kanto lief ein unangenehmer Schauer über den Rücken, als Thaler zu sprechen begann.


„Gouverneur Garison,

ich möchte mich kurz halten und unser beider Zeit nicht unnötig beanspruchen. Die Neuigkeiten von Quarzite sind bedauerlich und gemeinsam mit dem Bericht, den mein Berater Hugon Baas bei mir abgeliefert hat, bin ich zu der Ansicht gekommen, dass Sie dem Problem dieser aufrührerischen Kage alleine nicht ganz gewachsen scheinen.

Aus diesem Grund werde ich Ihnen einen kulturellen Attaché zuteilen, der die schwierigen Beziehungen zu den Kage einfangen und glätten kann. Dieser Nachricht liegt die Akte eines Diplomaten bei, der mir von der KOMENOR empfohlen wurde. Allein die Tatsache, dass er Einheimischer und Kage ist, sollte für ihn in dieser Position sprechen. Seine hervorragende Biografie tut das Übrige.

Mit dieser Nachricht wird Ihnen Korin Vesh als Attaché zugeteilt. Er wird sich innerhalb der nächsten Tage bei Ihnen melden, sobald er seinen aktuellen Lehrgang absolviert hat. Ich gehe davon aus, dass Sie das Potenzial dieses Mannes voll und ganz nutzen werden, um die Angelegenheiten auf Quarzite wieder in geregelte Bahne zu leiten.


Heil der Imperatrix,

Thaler Ende.“

Die Nachricht erlosch mit dem Imperialen Wappen am Ende. Kanto ließ sich etwas erstaunt in den Sessel zurücksinken. Die Nachricht war wesentlich weniger schlimm, als er erwartet hätte. Natürlich bekam er damit wahrscheinlich einen direkten Spitzel des Moffs zu Seite gestellt, aber gutes Personal war hier von Anfang an Mangelware gewesen. Er ging den Lebenslauf des Attachés durch. Wenn dieser Korin Vesh so gut war, wie sein Lebenslauf, dann wäre er sicher sehr nützlich. Einmal mehr musste Kanto anerkennen, dass er es mit Moff Thaler sehr gut erwischt hatte. Der Mann war umgänglich und lösungsorientiert.

Also gut. Zeit weiterzuarbeiten. Er rief die neuesten Bohranalysen in der Bannista-Mine auf. Heute Nachmittag wollte er die Wieder-In-Betriebnahme zweier alter Abbaustollen dort besichtigen, die für die Quadanium-Produktion für Prefsbelt IV benötigt wurden. Und er würde dort nicht unvorbereitet erscheinen.


[ Quarzite | Blanks Festung | Gouverneursvilla ] Kanto Garison
 
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