Quarzite

[ Quarzite | Baustelle an der Basis des neuen Weltraumaufzugs ] Korporal CA – 439 und eine Gruppe Sturmtruppen, beluganische Bauarbeiter (allesamt NPCs)


CA – 439 bemerkte ein leichtes Rauschen, das seine Helmkopfhörer wiedergaben. Kein statisches Geräusch wie eine Interferenz im Komkanal, sondern eher wie das Prasseln von Regen auf eine harte Oberfläche. Aber hier auf Quarzite hatte es noch nie geregnet, und CA – 439 bezweifelte auch, dass es das jemals tat. Der Korporal nahm seinen Helm ab – obwohl das streng gegen die Vorschrift verstieß, aber sie waren weit weg von Chardaan und auf diesem Felsklumpen konnte man die Regeln durchaus etwas praxisnäher auslegen. Der Helm konnte die Geräusche zwar verstärken, aber manchmal ließen sich Dinge mit dem natürlichen Gehör doch besser einordnen.

Das Rauschen wurde lauter und differenzierter. Es schien von einem der großen Tunnel zu kommen, die in der Kaverne der Weltraumaufzüge mündeten. Eher wie ein Klackern, so vielzählig, dass es zu einem durchgehenden Geprassel verschmolz. Ein paar seiner Leute, die rund um die Baustelle postiert waren, schienen es ebenfalls zu bemerken und sahen sich um. CA – 439 konnte nichts erkennen in dem schummrigen Licht in der Tiefe des Tunnels. Das Geräusch veränderte sich, wurde immer lauter und schien von über ihnen zu kommen! Der Soldat hob den Kopf und sah einen langen Schemen sich zwischen den hausgroßen Kristallen an der Decke schlängeln. Ein gelber Funken löste sich von dem Schemen, fiel wie eine Sternschnuppe herab. Fasziniert starrte CA – 439 auf die Erscheinung, bis einer seiner Männer
„ACHTUNG!“ schrie.
Zu spät. Der Funke explodierte in der Luft zwanzig Meter über der Baustelle in einem Inferno aus Flammen. Der Korporal begann zu rennen, sprintete zwischen Containern voller Baumaterial hindurch, um dem sengenden Regen aus brennendem Öl zu entkommen, der auf Arbeiter, Soldaten, Maschinen und Bauteile herunterzischte. Qualvolle Schreie hallten durch die Kaverne, als ein weiterer Sprengsatz über ihm explodierte und feurigen Tod über sie brachte. Hektisch setzte CA – 439 seinen Helm wieder auf, nur um die Schreie seiner Männer über das Kom zu hören. Dann zerriss es ein Treibstofffass direkt neben ihm und er wurde durch die Luft geschleudert.



[ Quarzite | Blanks Festung | auf den Stufen vor dem Ratsgebäude ] Kanto Garison und Halcyon Rak (NPC)

Der Gouverneur und sein Berater verließen soeben das Ratsgebäude, wo eine Sitzung zum Thema Erzförderung stattgefunden hatte. Bergbauministerin Ratua Sas hatte einen zufriedenstellenden Plan vorgelegt. Nun blieb zu hoffen, dass sich der auch mit ihren Mitteln durchführen ließ und sie von anderen Zwischenfällen verschont blieben.

Aber Halcyon Rak, der neben ihm die Stufen hinunterstieg, die sie in Richtung Gouverneursvilla führten, schnitt nun ein anderes Thema an.


„Wie ich schon angekündigt hatte, ist heute eine Einladung von der Gesellschaft zur Förderung der schönen Künste und imperialer Kultur für dich eingegangen. Sie wird auf Truuine stattfinden, was sich, wie ich finde, sehr gut trifft. Die ideale Gelegenheit, unsere frischen Beziehungen zu diesem System zu pflegen. Außerdem würde ich vorschlagen, Orbitalingenieurin Sassameer mitzunehmen, da wir sie ohnehin an Gouverneur Solaris ausleihen wollen. Der Weg nach Truuine ist schließlich kein Jarensprung.“

Kanto nahm das Datapad von Halcyon entgegen und überflog die Einladung.

„Hm… Gala der kristallenen Klänge. Das klingt durchaus nach einer wunderbaren Abwechslung zu dem hier“, sagte er mit einer beiläufigen Geste auf die sie umgebende, graue Stadt.

„Und Sassameer mitzunehmen ist auch keine schlechte Idee. Sie scheint mir zwar nicht sehr gesprächig zu sein, aber der Flug ist lang und ein wenig Gesellschaft kann da nicht schaden. Ich nehme an, Mellis wird mich begleiten?“

Kanto wusste, dass Halcyon in Abwesenheit des Gouverneurs die wichtigsten Geschäfte übernehmen musste, weshalb er nicht in Frage kam. Und da der Hintergedanke von Kantos Teilnahme an der Gala war, eine geeignete Partie für ihn zu finden, oder ihn zumindest den in Frage kommenden Kreisen dementsprechend zu präsentieren, war ziemlich klar, dass seine Kammerdienerin Mellis Nival als Aufpasserin und Gesellschaftsdame mitkommen musste.
Kanto wusste ehrlich gesagt nicht, wer von beiden ihm lieber wäre. Aber er wurde da ohnehin nicht gefragt. Nur weil er Gouverneur eines ganzen Planeten war, bedeutete das noch lange nicht, dass er dem Regime seiner Mutter entkam.

Ein Anruf ploppte auf dem Datapad auf und riss ihn aus seinen Gedanken. Er kam von Hauptmann Zeerl, dem Kommandanten der Kompanie Sturmtruppen, die Kanto auf Quarzite zur Verfügung stand. Zeerl hatte einen ernsten Gesichtsausdruck und verlor keine Zeit.


„Gouverneur, es gab einen Anschlag auf die Baustelle des Weltraumaufzugs! Sechs meiner Männer wurden getötet, die restlichen zwei sind schwer verletzt. Mehrere Beluganer, darunter einige wertvolle Techniker sind ebenfalls tot.“

Weder Halcyon noch Kanto unterbrachen den Hauptmann.

„Derzeit ist das Gelände noch nicht begehbar, weil überall noch Feuer brennen. Deshalb ist der Schaden am Material noch nicht abschätzbar, aber wahrscheinlich ist vieles unbrauchbar geworden, zumindest das, was brennbar war.“

Kanto war blass geworden vor Wut und, wie er sich eingestehen musste, auch etwas Angst.

„Ich… breche sofort auf“, sagte er.

Zeerl nickte.
„Jawohl, Gouverneur. Ich warte mit meinen Leuten am Bahnhof auf Sie.“

„Weiß man schon etwas über die Täter?“

Zeerl zögerte kurz. „Einer der Soldaten meint, er hätte ein Milodon an der Decke der Kaverne gesehen, kurz bevor die erste Explosion hochging. Aber wir wissen noch nichts genaues.“

Kanto nickte und beendete die Verbindung. Dann warf er Halcyon einen Blick zu. Er wusste, dass sie sich beide dasselbe fragten. Steckten die Kage dahinter?
Während sie die vielen Stufen hinunter zum Bahnhof eilten, fragte Kanto seinen Berater:
„Wissen wir eigentlich schon, wer für die Sabotage an der anderen Baustelle verantwortlich ist? Die von der Untergrundbahn nach Krism Cave?“

Halcyon schüttelte den Kopf. „Nein. Leutnant Sverrik konnte keine Fremdeinwirkung auf den durchgebrannten Datenknoten nachweisen. Aber die Vermutung bleibt bestehen.“

„Ein Milodon legt schon sehr nahe, dass Kage hinter diesem neuen Anschlag stecken.“

„Ja. Oder jemand will, dass wir das glauben.“

Mit diesen Worten bestiegen sie den Wagon, der schon gut zwanzig Sturmtruppen bemannt war und machten sich auf den Weg zum Weltraumaufzug.


[ Quarzite | Blanks Festung | auf den Stufen vor dem Ratsgebäude ] Kanto Garison und Halcyon Rak (NPC)
 
Quarzite || Velrinax Distrikt || Bauabschnitt Dorn || Calix Maro, allein

Die Tage nach der Verfolgungsjagd verliefen in jener eigenartigen Stille, die nicht Frieden bedeutete, sondern ein Atemholen zwischen zwei Bewegungen eines unsichtbaren Gegners. Quarzite arbeitete weiter, als wäre nichts geschehen. Förderzüge ratterten durch die Adern des Planeten, Arbeiterkolonnen schoben sich durch die kristallinen Schluchten der Bauzonen, und über allem lag das stetige Summen der Maschinen, das wie ein zweiter Herzschlag durch den Fels vibrierte. Doch für Calix Maro war jeder dieser Tage eine Übung in Geduld. Wer im Schatten arbeitete, wusste, dass die wichtigste Tätigkeit oft darin bestand, nichts zu tun, während man beobachtet wurde.

Am fünften Tag verließ er seine Unterkunft noch vor dem Schichtwechsel der unteren Förderringe. Der Weg führte ihn nicht durch die großen Tunnel, sondern durch jene vergessenen Wartungsgänge, die in den Bauplänen längst als stillgelegt markiert waren. Hier war Quarzite rauer, unmittelbarer. Die Kristalladern standen blank im Fels, schimmerten in kaltem Violett und warfen das Licht der Wartungslampen in tausend gebrochene Reflexe zurück. Zwischen den Schienen eines alten Materialtransportsystems blieb Calix schließlich stehen. Auf den ersten Blick gab es hier nichts von Bedeutung, nur ein unscheinbares Wartungspult, dessen Gehäuse von Jahrzehnten aus Staub, Öl und mineralischem Abrieb stumpf geworden war.
Er öffnete die Klappe nicht sofort. Stattdessen ließ er den Blick durch den Tunnel schweifen, lauschte in die Stille zwischen den entfernten Geräuschen der Förderwerke. Tote Briefkästen waren Beziehungen zwischen Geduld und Vertrauen in einer Welt ohne definitiver Wahrheit. Erst als er sicher war, dass ihn nur der Fels beobachtete, löste er die kleine Schraube an der Unterkante des Gehäuses und zog den falschen Kontaktstift heraus. Darin verbarg sich ein hauchdünner Datenstreifen, kaum breiter als eine Fingerspitze. Die Botschaft selbst war nutzlos ohne ihren Schlüssel.

Der zweite Briefkasten lag mehrere Ebenen tiefer, dort, wo alte Wohnquartiere der ersten Minenarbeiter zu labyrinthartigen Lagerhallen umfunktioniert worden waren. Zwischen den Säulen eines halb eingestürzten Marktplatzes ragte eine Statue aus grauem Stein empor. Ein früher Förderingenieur, dessen Name längst vergessen war. In der linken Hand der Figur steckte ein metallener Vermessungsnagel. Calix zog ihn mit einer beiläufigen Bewegung heraus. In seinem Inneren lag das Entschlüsselungsmodul.
Er zog sich anschließend in einen verlassenen Beobachtungsraum zurück, hoch über einer stillgelegten Baustelle. Von hier aus konnte er die weiten Gerüste überblicken, die wie ein gefrorenes Meer aus Stahl und Kristall in der Dunkelheit standen. Erst hier setzte er das Modul in sein Entschlüsselungsgerät ein und ließ die Daten laufen.

Der Angriff hatte sich gestern in einer der neuen Baukavernen im südlichen Fördersektor ereignet. Augenzeugenberichte sprachen von einem Milodon, der aus den kristallinen Deckenkavernen hervorgebrochen war. Milodons? Diese massive, gepanzerte Bestien, wie sie sein Volk seit Generationen als Reittiere und Kriegsmaschinen nutzten waren für einen direkten Angriff benutzt worden? Die Gedanken des Agenten rasten, er vermutete eventuell eine Beteiligung der Kage Krieger. Zunächst war nur von Explosionen berichtet worden, doch ein Augenzeugenprotokoll war der Nachricht beigefügt. Es handelte sich um eine fragmentarische Aussage eines imperialen Soldaten, der den ersten Alarm ausgelöst hatte.
Calix ließ den Blick einen Moment länger auf diesen Satz ruhen. Ein Milodon an der Decke. Die Vorstellung war im ersten Moment absurd genug, um wahr zu sein. Die massigen Kreaturen der Kage waren zwar gewaltig, aber ihre kräftigen Klauen und der niedrige Schwerpunkt erlaubten ihnen, sich an den rauen Kristalloberflächen Quarzites erstaunlich sicher zu bewegen. Doch dass eines dieser Tiere tatsächlich über einer Baustelle gehangen hatte, unsichtbar im Halbdunkel der Kavernendecke, während darunter Arbeiter und Maschinen ihren Routinen folgten, deutete auf Planung hin und auf jemanden, der sowohl die Tiere als auch die Geografie des Planeten verstand. Die Explosionen waren erst danach erfolgt.
Vielleicht hatte das Tier Sprengladungen getragen. Vielleicht war es selbst nur Ablenkung gewesen, eine lebende Schattenbewegung über den Köpfen der Arbeiter, während jemand anderes die Zünder setzte. In beiden Fällen war die Botschaft dieselbe. Der Angriff, so war sich der Agent der Neuen Republik sicher, war nicht improvisiert gewesen. Agent Maro lehnte sich im Schatten des Beobachtungsraumes zurück und ließ die Daten langsam über das Display laufen. Ein einzelnes Milodon reichte aus, um Panik zu erzeugen, um Gerüste zum Einsturz zu bringen oder Arbeiter auseinanderzutreiben. Sabotage war selten nur Sabotage. Sie war ein Gespräch zwischen Gegnern, die sich nie trafen. Die eigentliche Zerstörung war begrenzt gewesen. Doch das Feuer, das danach in den Materiallagern aufstieg, hatte die Nacht über den Baustellen rot gefärbt und den Arbeitern eine Botschaft hinterlassen, die deutlicher war als jeder Funkspruch. Er ließ den Gedanken einen Moment wirken. Wenn tatsächlich Kage-Reiter hinter dem Angriff standen, dann bedeutete das entweder eine Radikalisierung lokaler Gruppen oder jemand versuchte sehr gezielt, diesen Eindruck zu erzeugen.

Der zweite Teil der Nachricht wog schwerer als alles andere. Er war kürzer formuliert, beinahe nüchtern, doch genau darin lag seine Bedeutung.
Calix sollte eine neue Identität annehmen, als etwas weit Sichtbareres und damit gefährlicheres. Als Beauftragter für Kage-Angelegenheiten in der Besatzungsregierung des Galaktischen Imperiums. Ein politischer Vermittler zwischen den lokalen Interessen der Kage und der imperialen Verwaltung. Ein Mann, dessen offizieller Auftrag darin bestehen würde, die Auswirkungen imperialer Infrastrukturprojekte auf die kageischen Bezirke zu bewerten, bei Förderlinien, Transporttrassen und Tunnelbauprojekten beratend mitzuwirken und zugleich als Ansprechpartner für jene zu dienen, deren Territorien von diesen Maßnahmen berührt wurden. In den nüchternen Formulierungen des Einsatzbefehls klang es nach Verwaltungsarbeit. Doch Agent Maro wusste es besser. Wer zwischen zwei Machtzentren stand, war nie nur Berater. Er war Druckventil, Übersetzer, manchmal auch Sündenbock.
Offiziell würde er dem imperialen Gouverneur
Garison von Quarzite zugeteilt sein, ein ziviler Spezialist für lokale Angelegenheiten, jemand, der kulturelle Spannungen entschärfte, Beschwerden aus den Bezirken der Kage kanalisierte und bei politischen Entscheidungen jene Perspektive einbrachte, die den Offizieren des Imperiums meist fremd blieb. Ein Mann, der dem Gouverneur half, Wogen zu glätten, Konflikte moderierte und die Sprache beider Seiten sprach, ohne sich offen auf eine Seite zu schlagen. Eine elegante Konstruktion, wie der Kage zugeben musste. Das Imperium konnte behaupten, die lokalen Strukturen ernst zu nehmen, während es gleichzeitig seine Projekte vorantrieb. Die Kage wiederum bekamen einen Ansprechpartner, der zumindest vorgab, ihre Interessen zu verstehen. Und irgendwo zwischen diesen beiden Ebenen würde Calix stehen.

Er ließ die Worte der Nachricht lange auf sich wirken, während das matte Licht des Terminals über sein Gesicht glitt.
Es war eine Rolle, die Nähe erforderte. Nähe zu jenen, die er schützen wollte und Nähe zu jenen, die er eigentlich bekämpfte. Eine Position im direkten Einflussbereich des Gouverneurs bedeutete Gespräche hinter verschlossenen Türen, Einblicke in Entscheidungen, vielleicht sogar ein gewisses Maß an Vertrauen. Doch Vertrauen war in seinem Beruf ein zweischneidiges Werkzeug. Je glaubwürdiger er wurde, desto gefährlicher wurde seine Lage. Ein Spion im Schatten konnte verschwinden, wenn es nötig war. Ein Berater im Blickfeld der Macht hingegen war ständig sichtbar. Jeder Blick, jede Geste, jede Formulierung konnte analysiert werden.
Calix lehnte sich langsam zurück und ließ den Blick über die dunklen Kristalladern der Wand gleiten. Für einen Moment dachte er an die Ironie dieser Aufgabe. Sein Leben lang hatte er gelernt, im Verborgenen zu operieren, Spuren zu verwischen, Bewegungen so klein zu halten, dass niemand sie bemerkte.
Nun sollte er das Gegenteil tun, er sollte sichtbar werden und gerade darin lag der eigentliche Kern des Auftrags. Denn wer dem Gouverneur von Quarzite regelmäßig gegenübersaß, wer an Besprechungen teilnahm und Entscheidungen kommentierte, der bekam Einblicke, die kein Datenschnitt und kein abgefangener Funkspruch liefern konnte. Macht sprach anders, wenn sie glaubte, unter sich zu sein.
Calix wusste, dass diese Nähe nicht ohne Risiko war. Mit jedem Gespräch würde er ein Stück tiefer in ein Netz aus Erwartungen, Loyalitäten und politischen Manövern geraten, das nicht ihm gehörte.
Er verstand beide Seiten. Er kannte die Sturheit der Kage, ihre langen Erinnerungen und ihre empfindliche Vorstellung von Würde. Und er kannte die Logik des Imperiums ihrer kalten Effizienz, überzeugt davon, dass Ordnung wichtiger war als Zustimmung. Ein Vermittler zwischen diesen Welten zu sein bedeutete nicht nur, ihre Sprachen zu sprechen. Es bedeutete auch, ihre Denkweisen zu durchschauen.

Calix schloss schließlich das Terminal und ließ die Dunkelheit des Raumes wieder über die Anzeige gleiten.

Für einen Moment blieb er reglos sitzen. Dann nickte er kaum merklich. Diesmal würde er nicht aus dem Schatten handeln. Diesmal würde er direkt neben seinem Feind stehen und ihm helfen, den Planeten zu regieren.


Quarzite || Velrinax Distrikt || Bauabschnitt Dorn || Verlassener Beobachtungsraum || Calix Maro, allein
 
[ Quarzite | Blanks Festung | Gouverneursvilla ] Kanto Garison und Mellis Nival (NPC)


Kanto drehte sich vor dem Spiegel und besah sich in der imperialen Galauniform, während seine langjährige Kammerdienern Melli Nival einen weiteren Anzug bereitlegte, den er als nächsten probieren würde. Sie sollten heute entscheiden, was er zu der Gala auf Truuine tragen würde. Aber er war nicht bei der Sache. Der Anschlag auf die Baustelle des neuen Weltraumaufzugs bereitete ihm Sorgen. Natürlich würde sich die Fertigstellung verzögern, aber nicht erheblich. Aber der Vorfall ließ sich nicht so einfach unter den Teppich kehren. Selbstverständlich hatte Kanto ohne großen Verzug Moff Thaler von dem Anschlag berichtet, denn wenn der Moff es vorher über seine eigenen Quellen selbst erfuhr, würde dies das Vertrauen in Kanto stark beschädigen. Und die Antwort, die er erhalten hatte, ließ darauf schließen, dass Thaler erstens nicht erfreut war und zweitens weitere Schritte überlegte, wie er die Situation auf Quarzite stärker selbst in die Hand nehmen konnte.

Und eine direkte Einmischung des Moffs würde kein Gouverneur freudig begrüßen. Das war in etwa so, als würde dich die eigene Mutter in der Imperialen Akademie besuchen, um deine Hemden zu Bügeln und mit den Dozenten über die Projektarbeiten zu verhandeln.

Kanto seufzte. Die Galauniform war zwar elegant, aber etwas langweilig. Und natürlich gab es hier auf diesem Kristallklumpen keinen ordentlichen Schneider. Notfalls würde er einen Tag früher abreisen müssen und einen Zwischenstopp auf Kuat einlegen, um sich entsprechend einzukleiden. Wenn es um die Repräsentation der Familie ging, würde seine Mutter solche Extravaganzen sicher billigen.


Er probierte soeben den vierten Anzug an, der auch nicht gerade aufregend war, als sein Kom mit einem sanften Ton den Eingang einer Holo-Nachricht anzeigte. Ein kurzer Blick auf den Absender ließ den unangenehmen Knoten in seiner Magengegend auf Melonen-Größe anwachsen. Moff Eston Thaler.

Er drehte sich zu Mellis herum.


„Lassen wir es gut sein für heute. Ich denke, das ein oder andere Brauchbare ist dabei und das Tagesgeschäft kann nicht länger warten.“

Damit zog er den Anzug wieder aus und ließ sich in seine übliche Uniform kleiden. Mellis strafte ihn mit einem kritischen Blick, sagte aber nichts, als er den Raum verließ und in sein Büro eilte, um die Nachricht abzurufen. Es handelte sich um eine kurze Holo-Aufzeichnung von Moff Thaler selbst, was der Angelegenheit mehr Gewicht verlieh, als Kanto lieb war.

Das Hologramm des Moffs zeigte sein Portrait von der Brust aufwärts. Seine Miene war streng und im Gegensatz zu ihrer Begegnung auf Sagar wurde sie nicht durch den milden Blick von Thalers Augen abgeschwächt, denn entweder gingen diese Feinheiten in der Übertragung verloren, oder der Blick war nun ebenso hart, wie der Rest des Gesichts. Kanto lief ein unangenehmer Schauer über den Rücken, als Thaler zu sprechen begann.


„Gouverneur Garison,

ich möchte mich kurz halten und unser beider Zeit nicht unnötig beanspruchen. Die Neuigkeiten von Quarzite sind bedauerlich und gemeinsam mit dem Bericht, den mein Berater Hugon Baas bei mir abgeliefert hat, bin ich zu der Ansicht gekommen, dass Sie dem Problem dieser aufrührerischen Kage alleine nicht ganz gewachsen scheinen.

Aus diesem Grund werde ich Ihnen einen kulturellen Attaché zuteilen, der die schwierigen Beziehungen zu den Kage einfangen und glätten kann. Dieser Nachricht liegt die Akte eines Diplomaten bei, der mir von der KOMENOR empfohlen wurde. Allein die Tatsache, dass er Einheimischer und Kage ist, sollte für ihn in dieser Position sprechen. Seine hervorragende Biografie tut das Übrige.

Mit dieser Nachricht wird Ihnen Korin Vesh als Attaché zugeteilt. Er wird sich innerhalb der nächsten Tage bei Ihnen melden, sobald er seinen aktuellen Lehrgang absolviert hat. Ich gehe davon aus, dass Sie das Potenzial dieses Mannes voll und ganz nutzen werden, um die Angelegenheiten auf Quarzite wieder in geregelte Bahne zu leiten.


Heil der Imperatrix,

Thaler Ende.“

Die Nachricht erlosch mit dem Imperialen Wappen am Ende. Kanto ließ sich etwas erstaunt in den Sessel zurücksinken. Die Nachricht war wesentlich weniger schlimm, als er erwartet hätte. Natürlich bekam er damit wahrscheinlich einen direkten Spitzel des Moffs zu Seite gestellt, aber gutes Personal war hier von Anfang an Mangelware gewesen. Er ging den Lebenslauf des Attachés durch. Wenn dieser Korin Vesh so gut war, wie sein Lebenslauf, dann wäre er sicher sehr nützlich. Einmal mehr musste Kanto anerkennen, dass er es mit Moff Thaler sehr gut erwischt hatte. Der Mann war umgänglich und lösungsorientiert.

Also gut. Zeit weiterzuarbeiten. Er rief die neuesten Bohranalysen in der Bannista-Mine auf. Heute Nachmittag wollte er die Wieder-In-Betriebnahme zweier alter Abbaustollen dort besichtigen, die für die Quadanium-Produktion für Prefsbelt IV benötigt wurden. Und er würde dort nicht unvorbereitet erscheinen.


[ Quarzite | Blanks Festung | Gouverneursvilla ] Kanto Garison
 
Quarzite || Velrinax Distrikt || Bauabschnitt Dorn || Geheimer Unterschlupf || Calix Maro, allein

Die Vorbereitung auf seine neue Identität als Korin Vesh begann laut Einsatzbefehl sofort. Die folgenden Tage verbrachte er in den stillen Räumen des Untergrunds, begleitet von verschlüsselten Datenpaketen, simulierten Gesprächen und den nüchternen Dossiers der kageischen Minister. Die Räume, in denen diese Arbeit stattfand, waren funktional und absichtlich unauffällig: Schmale Kammern zwischen alten Förderstollen, deren Wände von rohem Kristall durchzogen waren und das matte Licht der Terminals in unruhigen Reflexionen brachen. Hier unten gab es keine Fenster, keine Hinweise auf Tageszeiten. Das leise Summen der Geräte, das gelegentliche Knacken von Kühlleitungen förderte das Gefühl, dass jede Minute, die er hier verbrachte, ein weiterer Schritt weg von seiner bisherigen Rolle war.

Er begann mit der politischen Struktur, in die er eintreten sollte. Wie so vieles auf Quarzite war auch die Verwaltung des Planeten überschaubar organisiert, beinahe kompakt in ihrer Architektur. Das oberste Entscheidungsgremium bildete der Rat der Elf. An seiner Spitze stand der imperiale Gouverneur
Garison, formal unterstützt von einer Vize-Gouverneurin, deren Rolle in den aktuellen Protokollen kaum noch auftauchte und deren Abwesenheit in den jüngeren Verwaltungsakten fast beiläufig wirkte. Darunter saßen neun weitere Minister und Berater, deren Aufgabenbereiche sich über die wesentlichen Sektoren der planetaren Verwaltung erstreckten. Drei von ihnen waren Kage, Vertreter jener lokalen Machtstruktur, die das Imperium zwar kontrollieren wollte, ohne sie jedoch vollständig zu verdrängen. Die übrigen Posten waren mit imperialen Funktionären oder loyalen lokalen Administratoren besetzt. Für Calix bedeutete das, dass er sich nicht nur mit einzelnen Persönlichkeiten vertraut machen musste, sondern mit einem gesamten Geflecht aus Interessen, Loyalitäten und stillen Rivalitäten.
Er studierte ihre politischen Gewohnheiten mit der Geduld eines Jägers. Er sah sich stundenlange Aufzeichnungen von Ratsdebatten an, analysierte Pausen in ihren Reden, kleine Veränderungen im Tonfall, das flüchtige Heben einer Augenbraue, wenn ein Thema zur Sprache kam, das ihre Interessen berührte. Aus solchen Details setzte sich das eigentliche Bild zusammen. Einer der Minister sprach selten, aber wenn er es tat, war die Entscheidung bereits gefallen. Ein anderer redete gern und viel, nutzte Worte wie eine Waffe, um Zeit zu gewinnen oder den Raum zu füllen, während er das Verhalten seiner Gegenüber studierte. Der dritte war vorsichtiger, beinahe misstrauisch, ein Mann, der lieber mit Blicken verhandelte als mit Sätzen.

Agent Maro lernte ihre Rivalitäten, die alten Fehden zwischen ihren Bezirken, die kleinen Eitelkeiten, die in offiziellen Protokollen nie erwähnt wurden, aber in den Randnotizen der Geheimdienstberichte des NRGD umso deutlicher hervorstachen. Er prägte sich die Namen der Förderbezirke ein, deren Interessen sie vertraten, und die Bauprojekte, die sie misstrauisch betrachteten, weil sie fürchteten, dass imperiale Infrastruktur ihre Kontrolle über bestimmte Ressourcen schwächen könnte. Bald konnte er aus dem Gedächtnis sagen, welche Transportlinien durch welche Kavernen führten, welche Baustellen auf Widerstand stießen und welche nur aus Pflichtgefühl geduldet wurden. Für die Imperiale Verwaltung war dies ein infrastrukturelles Problem. Für die Kage war es eine Frage von Würde, Einfluss und territorialem Gleichgewicht.
Parallel dazu arbeitete er sich durch die sozialen Strukturen jenseits des offiziellen Rates. Besonders unter den Beluganern existierte eine ausgeprägte Gildenstruktur, die in der Praxis oft mehr Einfluss ausübte als manche ministerielle Entscheidung. Die bekannteste dieser Organisationen war die Technologiegilde, eine lose, aber effektive Gemeinschaft aus Ingenieuren, Technikern und Analysten, die einen großen Teil der praktischen Entwicklungsarbeit übernahm, die der zuständige Wissenschaftsminister nur noch formal verantwortete. Der Name ihres früheren Leiters tauchte immer wieder in den Dossiers auf:
Rahuga Bal. Ein Mann, der wegen angeblicher Spionage gegen den Gouverneur öffentlich exekutiert worden war. Die offiziellen Akten stellten den Fall als klare Sicherheitsmaßnahme dar. Doch die ergänzenden Notizen der republikanischen Analysten erzählten eine andere Geschichte. Bal war höchstwahrscheinlich unschuldig gewesen, das Opfer eines politischen Manövers, das auf die damals noch aktive Vize-Gouverneurin zurückgeführt wurde. Für Calix spielte die Wahrheit hinter diesem Ereignis weniger eine moralische Rolle als eine strukturelle. Die Exekution hatte ein Machtvakuum hinterlassen. Ein solches Vakuum blieb auf einem Planeten wie Quarzite selten lange leer. Doch Wissen allein reichte nicht. Parallel dazu arbeitete er an der Figur, die er werden musste.

Die Legende, die ihm zugeschrieben worden war, wuchs Schicht für Schicht. Ein ziviler Berater für kageische Angelegenheiten, ein Vermittler zwischen lokalen Interessen und imperialer Verwaltung, jemand, der die Sprache der Kage sprach, ohne offen gegen das Imperium zu stehen. Die Datenbanken wurden entsprechend angepasst, alte Handelsregister ergänzt, berufliche Stationen konstruiert, Kontakte zu lokalen Unternehmen simuliert. Jeder Eintrag war ein weiterer Faden in dem Netz, das seine neue Identität tragen musste.

Calix übte Gespräche, zunächst allein, später mit den Programmen der Simulationseinheit. Die Stimmen seiner zukünftigen Gesprächspartner erklangen aus den Lautsprechern, künstlich rekonstruiert aus archivierten Aufzeichnungen. Sie stellten Fragen, äußerten Zweifel, provozierten. Manchmal unterbrach er die Simulation selbst, ließ die Szene erneut beginnen, nur um eine andere Formulierung zu testen, eine andere Pause zwischen zwei Sätzen. Ein überzeugender Agent musste nicht nur wissen, was er sagen wollte. Er musste wissen, wann er schwieg.
Auch seine äußere Erscheinung wurde angepasst, subtil, aber bewusst. Kleidung, die weder zu wohlhabend noch zu bescheiden wirkte, Bescheidenheit unterstützt von Geradlinigkeit. Werkzeuge und Datenpads, die zu einem politischen Berater passten, nicht zu einem Mann, der mit Blaster und Elektroschwert aufgewachsen war. Selbst seine Körperhaltung änderte sich mit der Zeit. Weniger Spannung in den Schultern, weniger Wachsamkeit im Blick. Ein Mann, der verhandelte, durfte nicht aussehen wie jemand, der jederzeit bereit war zu kämpfen. Während dieser Tage dachte Calix oft darüber nach, wie dünn die Linie zwischen Wahrheit und Rolle eigentlich war. Ein Teil der Legende war nicht erfunden. Er kannte die Kage, kannte ihre Geschichte, ihre Eigenheiten, ihre Sturheit. In manchen Momenten fragte er sich, ob genau diese Nähe der Grund war, weshalb man ihn für diese Aufgabe ausgewählt hatte. Nicht nur, weil er sie verstand. Sondern weil er wusste, wie man ihnen gegenübertrat, ohne ihre Würde zu verletzen.

Am Ende der Vorbereitung war die Figur Korin Vesh vollständig. Ein Mann, der überzeugend genug war, um Vertrauen zu gewinnen, und doch unauffällig genug, um keine Fragen zu provozieren. Einer, der zwischen zwei Welten stand, ohne sichtbar zu einer von ihnen zu gehören. Als Calix schließlich die letzte Simulation beendete und das Terminal dunkel wurde, blieb er noch einen Moment im Halbdunkel sitzen. In der Spiegelung des schwarzen Displays sah er sein eigenes Gesicht und fragte sich, ob er gerade eine Rolle gelernt hatte oder ob er nur eine Version seiner selbst freigelegt hatte, die immer schon existiert hatte.


Quarzite || Velrinax Distrikt || Bauabschnitt Dorn || Geheimer Unterschlupf || Calix Maro, allein
 
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[ Quarzite | Blanks Festung | Ratsgebäude ] Kanto Garison, Halcyon Rak (NPC)


Gemeinsam erklommen der Gouverneur und sein engster Berater die Stufen zum Ratsgebäude in Blanks Festung. Das Gebäude und die Gouverneursvilla lagen auf der gleichen Seite des tiefen Spalts, der die Stadt in zwei Hälften teilte, aber trotzdem an entgegenliegenden Wänden der riesigen Kaverne. Während die Villa quasi in die alte Festungsmauer integriert war, die die Stadt vom vorgelagerten Bereich der Kaverne abtrennte, war das größere Ratsgebäude an einer der felsigen, natürlichen Wände der Höhle errichtet. Deshalb mussten sie zuerst lange Treppen von der Villa aus hinab in die tieferen Viertel steigen, nur um dann auf der anderen Seite wieder viele Stufen nach oben zu klettern. Da der Alltag als Gouverneur aber darüber hinaus wenig körperliche Betätigung verlangte, störten Kanto die vielen Treppen der Stadt nicht. Außerdem nutzten Halcyon und er die Zeit meistens für Gespräche.

Sie beide waren der Meinung, dass die Intervention Moff Thalers, einen Attaché für Kage-Angelegenheiten einzusetzen, durchaus eine gute Idee war. Natürlich war es nicht erfreulich, wenn man einen Mitarbeiter des Moffs vor die Nase gesetzt bekam, aber grundsätzlich hatten sie ja nichts zu verbergen. Und so eine Person konnte tatsächlich eine große Hilfe sein, um die Reibungsverluste mit den Kage bei den verschiedenen Projekten zu minimieren.
Entscheidend würde sein, wie sich dieser Korin Vesh hier einfügen konnte und ob er zu Kantos Arbeitsweise passte. Und das würde sich schon sehr bald zeigen, denn sie würden sich im Ratsgebäude mit Vesh treffen.

In dem Gebäude, das ein Musterbeispiel des Baustils war, den Kanto für sich selbst als ‚
Beluganischen Brutalismus‘ bezeichnete, befand sich ein großer Ratssaal für öffentliche Sitzungen, aber auch ein paar kleinere Besprechungsräume. Sie hatten den kleinsten von diesen für das erste Treffen mit dem neuen Berater gewählt, um keine übermäßige Aufmerksamkeit zu erzeugen. Allein die Anwesenheit eines Kage in Blanks Festung war schon kein gewohnter Anblick.

Halcyon und Kanto ließen sich in dem schlicht möblierten Raum nieder, während das Servicepersonal eine kleine Auswahl an Häppchen und Getränken hereinbrachte, das meiste davon, zu Kantos Missfallen, aus lokaler Produktion. Während sie auf Korin Vesh warteten, besprachen sie den Fortschritt am Bau der Untergrundbahn nach Krism Cave, der Hauptstadt der Kage. Leutnant Sverrik vom Geheimdienst hatte nun endlich die Untersuchungsergebnisse zu dem Vorfall an der Bahn-Baustelle geliefert. Aber der Bericht war leider nicht sehr erhellend: Die Ergebnisse deuteten auf einen Defekt des Rechenknotens ohne Fremdeinwirkung hin. Aufgrund der derzeitigen Spannungslage schloss Sverrik eine Sabotage jedoch weiterhin nicht aus. Es ließ sich allerdings nicht abschließend klären und es blieb bei Vermutungen. Das war nicht zufriedenstellend. Aber Sverrik hatte bislang gute Arbeit geleistet und außerdem hatte Kanto niemand besseren zur Verfügung.

Der Bau der Bahn schritt mittlerweile wieder voran, trotzdem hatte der Zwischenfall sie viel Zeit gekostet. Und genau hier würde in Zukunft Korin Vesh ins Spiel kommen. Wenn er es schaffte, dergleichen künftig auf ein erträgliches Maß zu reduzieren, konnte er sich nicht nur seinen Dank, sondern auch den des Moffs verdienen. Kanto war niemand, der Erfolge nicht belohnte.

Nun, man würde sehen, welchen ersten Eindruck Vesh machte…



[ Quarzite | Blanks Festung | Ratsgebäude ] Kanto Garison, Halcyon Rak (NPC)
 
Quarzite || Blanks Festung || Ratsgebäude || Sicherheitsbereich am Eingang || Calix Maro und Imperiale

Die Stufen zum Ratsgebäude lagen vor ihm wie eine Prüfung aus Stein und Routine, jede einzelne gleichförmig, jede einzelne ein Schritt tiefer hinein in eine Rolle, die nicht ihm gehörte und doch von ihm vollkommen beherrscht werden musste. Korin Vesh, alias Calix Maro hielt seinen Gang bewusst gleichmäßig, weder zu hastig noch zu gemessen, während die violett schimmernden Kristalladern in den Wänden das Licht der imperialen Leuchten brachen und in unruhigen Reflexionen zurückwarfen. Die Architektur wirkte dabei wie ein Widerspruch in sich, roh und gewaltig, als habe man die natürliche Kaverne gezähmt, ohne sie je wirklich zu verstehen. Genau in dieser Spannung lag die Wahrheit dieses Ortes.
Am Zugang zum Ratsgebäude erwartete ihn die erste Kontrolle. Zwei Sicherheitskräfte, makellos uniformiert, traten ihm entgegen, ihre Bewegungen präzise und ohne jede Hast. Ihre Blicke waren nicht feindselig, sondern prüfend, so wie man ein Dokument prüfte, dessen Echtheit man anzweifelte, ohne es offen auszusprechen. Calix ließ die Situation geschehen. Er zog das Identifikationsmodul aus seiner Manteltasche, reichte es mit einer Selbstverständlichkeit dar, die keine Erklärung erforderte. Der Scanner summte leise, ein kaltes, unpersönliches Geräusch, das sich in die Stille der Halle schnitt. Ein kurzer Moment. Ein Wimpernschlag, in dem sich entschied, ob Korin Vesh existierte oder nicht. Die Anzeige wechselte auf Grün und der Kage war noch nie so froh gewesen diese Farbe zu sehen. Die Sicherheitskräfte traten einen halben Schritt zurück. Ein knappes Nicken, das mehr Anerkennung als Höflichkeit war. Calix erwiderte die Geste nicht, er ging weiter wie eine Person, deren Waffe der Aktenkoffer in seiner Hand war und Zeit eine Ressource, die er nicht mit Nettigkeiten verschwendete. Er spürte das Gewicht dieser kleinen Bestätigung in sich nachhallen. Die Identität hielt. Er wusste aber, dass nicht die Dokumente die eigentliche Prüfung waren, sondern das, was danach kam. Die Dinge, die sich nicht scannen ließen.

Während er die Hallen des Ratsgebäudes durchquerte, stellte sich ein Gefühl ein, das ihn selbst überraschte. Eine stille, fast beunruhigende Selbstverständlichkeit. Er bewegte sich hier nicht wie ein Eindringling, sondern wie jemand, der schon immer Teil dieses unterdrückenden Systems gewesen war. Die kalten Linien der Architektur, die gedämpften Stimmen der Beamten, das leise Summen der Terminals . Sie waren der Atemzug der Tyrannei und dennoch wirkte all das in der Banalität vertraut. „Vielleicht“, dachte er, während sein Blick über die glatt polierten Oberflächen glitt, „ist das der gefährlichste Teil.“ Sein Auftrag war klar. Vermitteln und beobachten, dem Gouverneur helfen um Vertrauen zu gewinnen. Seine Augen würden Dinge sehen, die dem NRGD verborgen geblieben wären. Ein Mann zwischen den Fronten, der weder Partei ergreifen durfte noch neutral bleiben konnte. Er sollte Wogen glätten, wo andere, er selbst in den vergangenen Jahren, sie erst erzeugten. Doch unter dieser offiziellen Aufgabe lag die eigentliche Wahrheit. Er war hier, um Muster zu erkennen. Abweichungen und Risse im System. Wer sprach zu viel, wer zu wenig und wer konnte gedreht werden. Wer schwieg, wenn er hätte reden sollen und konnte zu einem wichtigen Störfaktor in dieser Maschinerie werden.

Als er schließlich den Besprechungsraum erreichte, hielt er einen Moment inne. Er ließ die Sekunden verstreichen, bevor er eintrat. Ein Mann, der sich seiner Rolle bewusst war, musste nicht eilen.

Die Tür glitt lautlos zur Seite und eröffnete einen Blick in die Herzkammer des Jochs, dass sich so eng um den Hals seiner Heimat geschlungen hatte. Sein Blick fiel zuerst auf den Gouverneur.
Kanto Garison wirkte genau so, wie die Berichte ihn beschrieben hatten und die holografischen Darstellungen angezeigt hatten, und doch war da mehr als bloße Übereinstimmung mit einem Dossier und virtuellen Frequenten. Seine Haltung war aufrecht, fast demonstrativ kontrolliert, seine Kleidung makellos, jedes Detail darauf ausgelegt, ein Bild von Stil und Überlegenheit zu vermitteln. Die Art, wie er saß, die ruhige Platzierung seiner Hände, selbst die minimale Neigung seines Kopfes waren Ausdruck einer Inszenierung, die ihn als Symbol des Regimes brandmarkten, dass er hier auf diesem Planeten vertrat. Eine sorgfältig gepflegte Fassade, die Selbstsicherheit nicht nur darstellen, sondern erzwingen wollte. Bruchlinien waren in dieser feinen Darstellung nur mit Mühe zu erkennen. Es war nichts Offensichtliches, war subtiler: Eine kaum merkliche Spannung in den Schultern, die nicht ganz zur entspannten Pose passte. Ein Blick, der einen Herzschlag zu lange verweilte, wenn ein Gedanke ihn störte. Garison war ein Mann, der Kontrolle nicht nur schätzte, sondern brauchte. Und genau darin lag seine Schwäche. Sein Blick glitt kurz zu der Person, die laut Dossier Halcyon Rak sein musste, dann zurück zum Gouverneur, und für einen Moment ließ er die Rolle vollständig in sich greifen. Korin Vesh trat vor, ruhig, gefasst, ohne jede Spur von Hast. Jeder Schritt war gesetzt, jede Bewegung kontrolliert, als sei sie Teil eines Protokolls, das er nicht erst gelernt, sondern verinnerlicht hatte. Er blieb in angemessener Distanz stehen, ließ einen kaum wahrnehmbaren Moment verstreichen, bevor er den Kopf leicht senkte. Nicht tief genug, um Unterordnung zu signalisieren, aber deutlich genug, um die Hierarchie anzuerkennen, die diesen Raum bestimmte.

„Gouverneur Garison,“ begann er, seine Stimme ruhig und klar, getragen von jener sachlichen Höflichkeit, die weder anbiedernd noch distanziert wirkte. „Mein Name ist Korin Vesh. Es ist mir eine Ehre, Ihrer Einladung zu folgen.“

Er hob den Blick wieder, ließ ihn kurz, aber bewusst auf dem Gouverneur ruhen, bevor er fortfuhr.

„Ich wurde im Auftrag von Moff Thaler zu Ihnen entsandt, um die Koordination zwischen den kageischen Bezirken und den laufenden Infrastrukturmaßnahmen Ihrer Verwaltung zu unterstützen. Mein Schwerpunkt liegt auf der Bewertung lokaler Auswirkungen sowie der frühzeitigen Identifikation potenzieller Spannungsfelder, bevor diese operative Abläufe beeinträchtigen.“

Ein kaum merkliches Innehalten folgte, nicht aus Unsicherheit, sondern um Raum für die Worte zu lassen. Calix wusste, dass die erste Begegnung weniger von dem lebte, was gesagt wurde, als davon, wie es gesagt wurde.

„Ich bin mit den aktuellen Entwicklungen rund um die Verbindung nach Krism Cave vertraut,“ setzte er schließlich hinzu, „und habe mir erlaubt, bereits einige erste Einschätzungen zu den jüngsten Zwischenfällen vorzubereiten. Sofern es in Ihrem Interesse ist, würde ich diese gern im Rahmen unserer Zusammenarbeit einbringen.“

Er ließ die Hände ruhig vor sich, keine überflüssige Bewegung, kein Zeichen von Nervosität. Seine Finger fischten aus seiner Innentasche einen Datenträger, der entsprechende Aufzeichnungen beinhaltete und reichte einer Frau, die bereits auf ihn zukam. Vielleicht eine Art Kammerdienerin? Der Agent des NRGD wusste zumindest darüber nicht Bescheid, was sein Interesse weckte.

„Ich danke Ihnen für Ihr Vertrauen.“

Die Worte waren formal, beinahe schlicht, doch gerade darin lag ihre Wirkung und waren der Auftakt für einen Tanz, der viel beinhaltete, außer wirkliches Vertrauen und Loyalität.

Quarzite || Blanks Festung || Ratsgebäude || Calix Maro, Kanto Garison und Halcyon Rak [NPC]
 
[ Quarzite | Blanks Festung | Ratsgebäude ] Kanto Garison, Korin Vesh, Halcyon Rak (NPC), Sekretärin Sinta (NPC)


Die Tür glitt lautlos zur Seite und es trat ein Mann in schlichtem, schwarzem Anzug und Aktenkoffer ein. Kanto stutzte kurz, denn erst dachte er, es handle sich um einen Menschen. Aber die blassrosa Haut und vor allem die bernsteinfarbenen Augen verrieten den Mann. Es musste sich tatsächlich um Korin Vesh handeln.

Kanto war etwas verwundert, als er den Mann musterte, der nun ruhigen Schrittes vortrat und sich mit angemessenem Respekt vorstellte. Er war so anders als alles, was der Gouverneur bisher von den Kage gesehen hatte. Diese waren entweder in vornehme, aber offensichtlich traditionelle Gewänder gekleidet gewesen, oder hatten die ebenfalls traditionelle Kriegerkleidung der Kage getragen. Beides war mit den verspielten Mustern und ausgefallenen Schnitten meilenweit entfernt von der sachlichen Eleganz, die ein schwarzer Anzug ausstrahlte, wie ihn dieser Mann trug. Und auch das Auftreten war hier ganz im imperialen Sinn: Keine seltsamen Gesten oder Verhaltensweisen, die auf irgendwelche sozialen Traditionen dieser rückständigen Spezies hindeuteten und Kanto mit ihrer übertriebenen Würde und Stolz langweilten. Nein, Korin Vesh schien die Kunst der nüchternen Effizienz zu beherrschen, auf die der imperiale Verwaltungsapparat so großen Wert legte. Das war erfreulich.

Und deshalb erwies Kanto ihm auch die Höflichkeit, sich zur Begrüßung ebenfalls kurz zu erheben.


„Es freut mich, dass Sie so schnell zur Verfügung stehen, und möchte Sie hiermit in der Verwaltung von Quarzite willkommen heißen. Ein Mann von Ihren Qualitäten hat uns gefehlt und ich erwarte, dass Sie unsere immer noch sehr begrenzten Mittel erweitern werden.“

Der Kage stieg auch zügig ins Thema ein und erwähnte interessanterweise die Untergrundbahn, über die Halcyon und Kanto Minuten zuvor gesprochen hatten.

„Ja, diese Bahntrasse ist eines unserer problematischeren Projekte, aber nicht das einzige. Ich möchte, dass Sie sich darüber hinaus mit der Baustelle des neuen Weltraumaufzugs befassen – auch hier gab es einen kürzlichen Akt der Sabotage, wie Sie sicher mitbekommen haben. Und dann wären da noch die sogenannten östlichen Minen, die ja traditionell von den Kage betrieben werden. Die Förderzahlen dort könnten durch den Einsatz von heutigen Technikstandards deutlich erhöht werden, aber Minenaufseher und Arbeiter weigern sich bisher aus… Glaubensgründen?, diese einzuführen. In diesem Punkt erwarte ich mir keine schnellen Fortschritte.“

Sinta, Kantos beluganische Sekretärin nahm einen Datenträger von Korin Vesh entgegen, um ihn in den Holoprojektor zu stecken, wartete aber noch auf ein Zeichen des Gouverneurs. Kanto sah kurz seine Notizen durch, nickte ihr aber dann zu.

„Also gut, dann zeigen Sie mal, was sie über diese ‚Zwischenfälle‘ denken. Ah, und bevor ich es vergesse: Bitte bedienen Sie sich an dem spärlichen Angebot, als Einheimischer dürften Sie mit der Auswahl vertraut sein.“

Er wies mit einer Hand auf das winzige Buffet, das aus Quarzite-typischen Dingen wie Pilzgebäck und Flechtensaft bestand.

Mit leicht verschwörerischem Unterton fügte er hinzu:
„Ich kann Sinta auch bitten, einen Schluck Corellianischen Whiskey für uns zu bringen, falls Ihnen danach ist.“

Es konnte nicht schaden, eine vertraulichere Atmosphäre aufzubauen. Kanto wollte, dass sich der Mitarbeiter des Moffs hier wohl und wertgeschätzt fühlte. Außerdem konnte es auch sein, dass er insgeheim die Interessen seines Volkes über die des Imperiums stellte. Das war schwer herauszufinden und schwer zu verhindern, aber umso wichtiger war es, zu versuchen, ihn mehr auf Kantos Seite zu ziehen.

Sinta steckte den Datenchip in den Projektor, der den Inhalt zwischen sie projizierte.



[ Quarzite | Blanks Festung | Ratsgebäude ] Kanto Garison, Korin Vesh, Halcyon Rak (NPC), Sekretärin Sinta (NPC)
 
Quarzite || Blanks Festung || Ratsgebäude || Calix Maro und Kanto Garison, Sekräterin Sinta sowie Halcyon Rak [NPC]

Das Licht des Holoprojektors lag wie eine kalte Schicht über dem abgedunkelten Raum, sodass die Gesichter in einem unnatürlichen blauen Schimmer getaucht wurden, der jede Bewegung schärfer erscheinen ließ, als sie war. Es zog Konturen nach, wo vorher nur Schatten gewesen waren, und ließ die Gesichter der Anwesenden für einen flüchtigen Moment entblößt wirken, als hätten sie nichts mehr, hinter dem sie sich verbergen konnten. Calix, in seiner Rolle als Korin Vesh aufgehend, nahm diesen Effekt wahr, ohne ihn zu suchen. Er trat mit geruhsamer Selbstverständlichkeit näher, die sich nicht erklären musste. Der Boden unter seinen Schritten war glatt, fast zu glatt, als habe man die Unregelmäßigkeit des Gesteins mit Gewalt gezähmt, doch die Wände verrieten die Wahrheit des Ortes. Die violetten Kristalladern zogen sich hinter den Transparistahlwänden wie eingefrorene Strömungen durch das Gestein, brachen das Licht in scharfkantigen Reflexionen und gaben dem Raum etwas Unruhiges, das sich nicht vollständig kontrollieren ließ.
Er spürte den Blick des Gouverneurs auf sich ruhen, noch bevor er ihn erwiderte. Gouverneur
Garison hatte sich erhoben, doch es war keine Bewegung gewesen, die aus dem Moment geboren wurde. Sie wirkte vorbereitet, beinahe einstudiert, als gehöre sie zu einem Repertoire an sozialen Werkzeugen, das er bei Bedarf abrief. Haltung, Kleidung, Stimme, alles an diesem Mann war darauf ausgerichtet, Wirkung zu erzeugen und Autorität auszustrahlen. Selbst seine Ruhe hatte etwas Konstruiertes, als wäre sie weniger ein Zustand als vielmehr eine Entscheidung, die er jederzeit revidieren konnte, um mit einem Wink das zerstörerische Potenzial des Galaktischen Imperiums auf ihn loszulassen.

Calix begegnete diesem Blick, ohne ihn festzuhalten. Gerade lange genug, um Präsenz zu zeigen, aber nicht lange genug, um sich messen zu lassen. Hier ging es nicht darum in irgendeiner Form Dominanz zu etablieren, sondern sich als wertvolles Werkzeug zu offenbaren, dass genauso nützlich war wie ein Stilo, der besonders gut in der Hand lag und vor allen anderen Schreibgerätschaften bevorzugt wurde.
Der Hinweis auf den corellianischen Whiskey kam beiläufig, fast nebensächlich, verbunden mit einem subtilen Gewicht, das Bände sprechen konnte, sofern man diese Feinheiten des sozialen Lauerns wahrnahm. Ein leiser Versuch, die Temperatur des Raumes zu verändern, eine Verschiebung von Gespräch zu Vertraulichkeit, ohne sie benennen zu müssen. Der Kage zögerte einen Moment, als müsse er den Gedanken, so wie die bernsteinfarbene Flüssigkeit in seinem Mundraum, kreisen lassen, bevor er sich zu einer Antwort durchringen konnte. Er nahm sie auf, ließ sie kurz stehen, während sich seine Aufmerksamkeit scheinbar der Projektion zuwandte, in Wahrheit jedoch beim imperialen Gouverneur blieb. Solche Angebote waren selten spontan. Sie dienten einem Zweck, auch wenn sie wie eine Geste wirkten. Er hob schließlich den Blick und bemühte das reservierte aber freundliche Lächeln eines Mannes der mehr sozialen Kontakt zu Zahlen als zu Wesen aus Fleisch und Blut besaß.


„Ich weiß Ihre Einladung zu schätzen, Gouverneur“, sagte der Agent des NRGD in seiner Rolle, ruhig, ohne jede Betonung, die mehr verraten hätte als nötig und warf dennoch einen einstudierten Blick zu den Häppchen, die Maß und Verzicht simulieren und zeigen sollte, dass er seinem Instinkt zuzulangen standhielt. „Ich werde gern darauf im Anschluss zurückkommen.“

Ein kaum merklicher Moment verging.

„Für den Augenblick ziehe ich es vor, unsere Aufmerksamkeit auf die vorliegenden Zusammenhänge zu konzentrieren.“

Die Worte waren schlicht, doch sie ließen keinen Zweifel daran, dass er den Rahmen des Gesprächs selbst setzte. Er wandte sich daraufhin der Projektion zu, deren virtuelle Oberfläche verschiedene Informationen und Raster mit vergrößerten Fragmenten bestimmter Bereiche der angesprochenen Problemstellen beinhaltete. Die Daten schwebten zwischen ihnen, Fragmente eines Geschehens, das sich nicht bereitwillig ordnen ließ. Linien, die ins Leere liefen. Zeitpunkte, die nicht zueinander passen wollten. Auf den ersten Blick wirkte alles unzusammenhängend, wie lose Splitter, die man noch nicht zu einem Bild gefügt hatte. Agent Onyx blieb stehen, die Hände ruhig, den Blick auf das Hologramm gerichtet, und doch war es nicht das Sichtbare, das ihn beschäftigte. Er ließ die Informationen wirken, ließ sie in seinem Kopf gegeneinander verschieben, bis sich erste Spannungen zeigten. Er trat einen halben Schritt näher, als würde er die Distanz zwischen sich und den Daten verringern, obwohl sich an der Projektion nichts änderte.

„Die Vorfälle greifen nicht willkürlich ein“, sagte er schließlich, mehr Feststellung als Erklärung. Seine Stimme fügte sich in das leise Summen des Projektors ein, als gehöre sie dorthin. „Sie setzen dort an, wo Abläufe voneinander abhängig sind und eine Störung eben jener zu einer Zersetzung von Prozessen führt.“

Er ließ den Blick durch die Darstellung wandern, verharrte an einem Punkt, dann an einem zweiten.

„Die Wirkung ist nicht sofort sichtbar, stattdessen entfaltet diese sich verzögert, um eine gewisse Distanz zwischen Täter und Tatort zu ermöglichen.“

Ein kurzer Moment der Stille. Er wandte den Kopf leicht, ohne sich vollständig vom Hologramm zu lösen. Was er hier beschrieb war unter anderem sein Werk. Den Moment seinem größten Feind diese Herangehensweise unter die Nase reiben zu können war ein gefährliches Lustspiel, befand er sich doch hier in der Höhle des Rancors. Beinahe beiläufig streifte er sich über den grau melierten Anzug.

„Die Angriffspunkte sind daher nicht willkürlich gewählt und scheinen nicht auf eine spontane Auslösung von aufgestauter Unzufriedenheit zu sein.“

Calix schwieg danach. Die Erkenntnis lag im Raum, unausgesprochen vollständig. Hier von Unzufriedenheit und Dissens zu sprechen führte dem Galaktischen Imperium eine Wahrheit vor Augen, die sie gerne im Keim erstickten: Sie waren nicht willkommen und förderten weder Ordnung noch Sicherheit. Sie waren der Tumor in einer Galaxis, die händeringend nach einem Heilmittel suchten. Der Gedanke glitt durch ihn hindurch, kühl und scharf, ohne sein Gesicht zu erreichen. Er ließ den Blick weiterhin auf der Projektion ruhen, als würden ihn nur Linien, Knotenpunkte und Versorgungsachsen beschäftigen, während er in Wahrheit die Temperatur des Raumes las. Solche Wahrheiten durfte man nicht aussprechen, jedenfalls nicht hier, nicht vor einem Gouverneur, dessen Macht auf dem Glauben beruhte, Besatzung und Stabilität seien austauschbare Begriffe. Und doch war es manchmal nützlich, die Konturen einer Wahrheit so weit sichtbar zu machen, dass andere sie erahnten, ohne sich sicher zu sein, ob sie sie tatsächlich gehört hatten.

„Wer auch immer hinter diesen Eingriffen steht,“ fuhr er schließlich fort, nun wieder mit jener ruhigen Sachlichkeit, die seine Worte wie Verwaltungslogik erscheinen ließ, „versteht die Schwachstellen Ihrer Projekte bemerkenswert genau. Das setzt Ortskenntnis voraus, Geduld und die Fähigkeit, zwischen symbolischem Schaden und operativer Wirkung zu unterscheiden.“

Seine Finger ruhten lose am Rand des Tisches, doch die leichte Spannung in ihnen verriet, dass jeder weitere Satz abgewogen war, bevor er den Raum betrat.

„Es geht nicht bloß darum, Material zu vernichten oder Abläufe für ein paar Tage zu stören. Die eigentliche Wirkung liegt tiefer. Jeder dieser Vorfälle zwingt Ihre Verwaltung dazu, zusätzliche Kräfte zu binden, Vertrauen neu zu verteilen, Prioritäten zu verschieben. Mit jedem Zwischenfall entsteht der Eindruck, dass Ihre Projekte nicht an der Größe der Aufgabe, sondern an der Unsicherheit des Bodens scheitern, auf dem sie errichtet werden.“


Das Hologramm warf kalte Lichtkanten über sein Gesicht, ließ die bernsteinfarbenen Augen kurz aufleuchten und machte seine Züge für einen Augenblick härter, als sie ohnehin schon waren. Er spürte Garisons Aufmerksamkeit wie einen zweiten Schatten im Raum und wusste, dass der Gouverneur jedes Wort nicht nur auf seinen Inhalt, sondern auch auf seine mögliche Implikation hin abklopfte. Genau darin lag die eigentliche Arbeit solcher Gespräche. Man sprach über Bauprojekte und Förderzahlen, über Streckenführung und technische Standards, und darunter verhandelte man Macht, Furcht und die Frage, wer hier eigentlich wen duldete.

„Wenn Sie mich nach einer ersten Einschätzung fragen,“ sagte der incognito agierende Kage und hob nun den Blick, gerade weit genug, um den Gouverneur direkt anzusprechen, „dann würde ich davon ausgehen, dass wir es mit Gegnern zu tun haben, die weder kopflos noch besonders zahlreich sind. Das macht sie gefährlicher, als es offene Unruhen je wären. Kage oder Gruppen, die lernen, passen sich an. Sie prüfen Reaktionen. Sie messen aus, wie viel Druck ein System verträgt, bevor es nervös wird.“ Ein flüchtiger Atemzug verstrich. „Und Nerven, Gouverneur, sind in solchen Lagen oft verwundbarer als Beton oder Stahl.“

Er ließ diese Bemerkung nicht weiter ausufern, sondern senkte den Blick wieder auf die Projektion, als gelte seine Aufmerksamkeit allein den Daten. In Wahrheit hörte er auf das, was nicht gesagt wurde, auf die Pause, auf das mögliche Verhärten einer Miene, auf jenes winzige Stocken, das verriet, an welcher Stelle ein Gedanke sein Ziel fand.


„Wenn Sie wünschen,“ setzte er danach in demselben ruhigen Ton hinzu, „werde ich mit einer Priorisierung der neuralgischen Punkte beginnen oder haben Sie andere Wünsche?“

Die Frage stand ruhig im Raum, doch sie war mehr als ein Angebot an Garison. Der Kage ließ sie wirken, ohne sie weiter zu stützen, während sein Blick scheinbar beiläufig über die Projektion glitt. In Wahrheit lag seine Aufmerksamkeit nun ganz beim Gouverneur. Nicht bei dessen Worten, sondern bei dem, was ihnen vorausging und was ihnen folgte. Ein Heben der Augenbraue, ein kaum merkliches Anspannen der Finger, ein Atemzug, der einen Moment zu lang innehielt. Es waren diese kleinen Verschiebungen, in denen sich entschied, ob er als Werkzeug gesehen wurde oder als jemand, den man zu führen versuchte. Und genau an dieser Grenze begann seine eigentliche Arbeit.

Quarzite || Blanks Festung || Ratsgebäude || Calix Maro und Kanto Garison, Sekräterin Sinta sowie Halcyon Rak [NPC]
 
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