Tales of the Galaxy - Unsere Kurzgeschichten

Das Piratennest Teil V
Dur Tovi mit 29 Jahren

"Haltet uns diese Bomber vom Leib!", schrie ihr Schiffskommandant. Ein kurzer Blick auf die - momentan unzuverlässigen - Sensoren und auch noch schnellerer Blick aus den Sichtfenstern der Brücke ihrer 'Securitas IV' verrieten Tovi, dass es wirklich nicht gut aussah.
Zuerst schien alles wie am Schnürchen zu laufen. Der ACC hatte mit ihrer Unterstützung viele Feinde aus dem Weg geräumt oder vertrieben. Und sie waren bis kurz vor die Golan-II-Kampfstation vorgedrungen. Diese musste auch einige Schläge durch die Imperialen Schiffe einstecken. Und wurde sogar etwas beschädigt. Gleiches galt aber auch für einen ihrer Kreuzer. Doch dann kam, wegen des Weltraumnebels zu spät registriert, eine wahre Wolke von gefährlichen Rihkxyrk-Jagdbombern aus dem dem Schlachtfeld abgewandten Hangar des Piratennestes herausgeflogen. Deren Laser und kurz darauf auch Raketen hämmerten auf die Schilde der Imperialen ein - und durchbrachen sie auch stellenweise. Und ausgerechnet der ACC, von dem sich die Krew der 'Securitas IV' Deckung und Schutz erhofft hatte, war nun in arger Bedrängnis.


Tovi sah einen Weg, wie sie sich wieder einigermaßen in Deckung bringen konnten - wenn sie nicht direkt von einer Rakete oder den schweren Lasern der Kampfstation getroffen werden würden. "Sir, wir könnten mit einem Blitz-Wendemanöver uns etwas hinter den Sternenzerstörer bringen und hätten dadurch Deckung. Und dann könnten wir dennoch weiter Sternenjäger abschießen, da diese ja stets in Bewegung bleiben müssen", teilte er seinem Lieutenant Commander mit.
Dieser entgegnete barsch:
"Ja, machen Sie das!" Tovi reagierte sofort und setzte mit seinen Unteroffizieren ihren TPC in Bewegung. Und während das Schiff seinen Flug begann, fuhr der Lieutenant Commander fort: "Und, Tovi, wir sind im Kampf - Ihre Aufgabe ist es, das Schiff funktionstüchtig zu halten und aus den Schusslinien zu ziehen - Sie müssen da nicht alles mit mir abklären."

Der Lieutenant nickte konzentriert, während er schon Kurskorrekturen vornahm, um feindlichen Jägern und Schüssen auszuweichen. Das gelang nicht ganz. Ein Paar Laserbolzen hämmerten auf die Schilde ein und ließen das Schiff etwas ruckeln.
"Backbord-Schilde bei 40% - Heckschilde bei 27%!", vernahm Tovi den panischen Schrei von der Schildkontrolle. Er biss die Zähne zusammen. Noch ein-zwei Treffer und ihre Partialschilde würden ausfallen. Und ab dann könnte jeder direkte Treffer sie kampfunfähig machen oder gar zerfetzen. Wut stieg in dem Endzwanziger auf. Er würde nicht sterben. Das hatte er seiner Schwester versprochen. Und wenn doch, dann sicher nicht bei einer Standard-Säuberungsaktion gegen Piraten. Natürlich wusste er, dass der Erfolg ihres Wendemanövers sicher nicht von seiner Willenskraft abhing - aber er hatte doch den Eindruck, dass sie half. Sie vollendeten ihre Wende und waren tatsächlich seitlich hinter den Acclamator gekommen, welcher dieses Gefecht wohl nicht überstehen würde. Tovi war sich nicht sicher, ob er es richtig gesehen hatte, aber wenn er sich nicht täuschte, wurden schon die ersten Rettungskapseln des Schiffs vor ihnen abgeschossen.
"Hoffentlich lässt der Abschaum wenigstens die Rettungskapseln in Ruhe", dachte der Lieutenant bei sich. Sie hatten ihre Lage etwas stabilisiert und feuerten tatsächlich weiter aus allen Rohren. Hin und wieder hörte
Tovi einen unterdrückten Jubellaut, wenn feindliche Jäger getroffen und hoffentlich auch zerstört wurden. Oder aber wütendes Stöhnen, wenn das anvisierte Ziel entkam.
Solange der kleine Sternenzerstörer vor ihnen noch nicht ganz zerstört war, bot er ihnen gute Deckung. Aber dann kam unvermittelt der Befehl:
"Das bringt nichts. Wir werden diese Jäger zu ihrem Nest zurücktreiben. Gefechtsgeschwindigkeit und höchste Konzentration - wir greifen an!"
Tovi traute seinen Ohren nicht. Bei so vielen Gegnern anzugreifen, war Wahnsinn. Aber Insubordination war insbesondere in einem Kampf keine Lösung, davon war er überzeugt. Und so setzte er die 'Securitas IV' wieder in Bewegung. Seine Sensoren zeigten ihm an, dass die anderen Begleitschiffe ebenfalls zum Angriff starteten. Wenn dieser koordinierte Gegenschlag gelang, hätten sie sich wertvolle Zeit erkauft - denn bald mussten die Victory-Sternenzerstörer ja ankommen. Und dann würde dem Sieg nichts mehr im Wege stehen.
Tovi war verbissen darauf, diesen Sieg und das Ende des hiesigen Piratennests mitzuerleben.

Fortsetzung folgt...
 
Das Piratennest Teil VI
Dur Tovi mit 29 Jahren

Die Imperialen warfen ihre restlichen Jäger und Begleitschiffe alle gegen die Masse an Gegnern. Später war sich
Tovi sicher, dass das kein normales Piratennest war, sondern ein herausragender Stützpunkt. Wie gerne würde er da die Fäden weiterverfolgen, um vielleicht sogar ein ganzes Syndikat zu zerschlagen...
Aber während des Kampfeinsatzes hatte der Lieutenant keine Zeit, darüber nachzudenken. Oder über irgendetwas anderes. Seine volle Konzentration und all sein durch die Adern rasendes Adrenalin musste er nutzen, um die 'Securitas IV' in und dann durch das Kampfgetümmel zu manövrieren. Er beschloss dabei, die Sensoren weitestgehend zu ignorieren und tatsächlich auf Sicht zu fliegen. Denn nun waren die Sensoren wegen der Masse an Schiffen zusätzlich zu den Interferenzen durch den verdammten Weltraumnebel komplett überlastet und zeigten eh mehr Falsches als die Realität an.

Unterdessen eröffneten beide Fronten ohne Gnade das Feuer. Raumjäger schossen aufeinander zu und erledigten sich gegenseitig alle Paar Augenblicke. Protonentorpedos und Raketen flogen in alle Richtungen, wurden oft mit Lasern abgefangen - trafen aber auch oft ihr Ziel. Inzwischen war der ACC 'Stärke' von der vereinten Feuerkraft der Golan-II-Station sowie der Raumbasis der Piraten zerfetzt worden und brach langsam und immer weitere Explosionen mit sich ziehend auseinander.
Und in all diesem Chaos flog der kleine TPC 'Securitas IV'.
Tovis Finger fanden keine Ruhe und sausten wieder und wieder über die Tastatur und das Lenkmodul, während sein Kopf zwischen Anzeige, Rechner und Aussichtsfenster hin- und herschnellte. Zum wiederholten Male musste er den Sekunden vorher noch als sicher berechneten Kurs anpassen, weil Jäger die Strecke kreuzten oder Bruchstücke zerstörter Schiffe dorthin geschleudert wurden. Lautes Fluchen durchbrach die angespannte Stille, als das ganze Schiff durchgerüttelt wurde. Denn Tovi riss es gerade noch im letzten Moment herum, um zwei gegnerischen Bombern auszuweichen. Was die 'Securitas IV' allerdings direkt in einen Laserbolzen der Golan-II-Station lenkte.
"Pass doch auf, sonst verrecken wir alle, Idiot!", schrie ihn der Lieutenant-Commander an. Zeitgleich folgte von der Sensorstation die Meldung: "Wir haben die Steuerbord-Schilde verloren."
"Das Mechaniker-Korp soll sich sofort darum kümmern, vielleicht ist noch etwas zu retten"
, befahl der Schiffskommandant sofort.

"Wir kommen jetzt gleich in die höchste Gefahrenzone", meldete Tovi pflichtbewusst und mit unterdrückten Gefühlen. Er durfte sich jetzt nicht durch Scham und verletzten Stolz behindern lassen - sondern mehr als alles ihm zur Verfügung Stehende in die Navigation ihres Schiffes geben. Und kaum hatte er das gesagt, waren sie auch schon im dichtesten Kampfgetümmel direkt vor der Golan-II-Station und dem dahinterliegenden Piratennest angelangt. Sie hatten einige ihrer Begleitschiffe und etliche ihrer Jäger eingebüßt. Aber auch die Piraten haben diesen Überraschungs- (oder war es gar ein Verzweiflungsvorstoß?) nicht ohne Verluste überstanden. Der Lieutenant hatte das Gefühl, dass nun die Schlacht in die finale Phase überging. Und es war keine gute Ausgangslage für sie, dass sie gerade jetzt einen Teil ihrer Schilde verloren hatten.
Und so warfen beide Seiten erneut und noch vehementer alles gegeneinander, was zur Verfügung stand: Begleitschiffe, Jäger, Laser, Raketen, Protonentorpedos und Kreuzer.
Auch die 'Securitas IV' feuerte weiter aus allen Rohren. Und verbuchte bestätigten Abschuss um bestätigten Abschuss. Sollten sie diese Schlacht überstehen, könnten sich die Kanoniere - die eh schon eine gute Bilanz aufwiesen - sicher über Orden, Beförderungen und vielleicht sogar Versetzungen auf schlagfähigere Schiffe freuen.
Und wieder musste
Tovi das Schiff hart rumreißen, um aus dem Kreuzfeuer zwischen zwei Begleitschiffen zu entkommen. Dabei krachte allerdings ein generischer Bomber, der seinen Kurs nicht mehr korrigieren konnte, gegen die 'Securitas I'. Glücklicherweise gegen die Seite, die noch verhältnismäßig starke Schilde hatte, sodass größerer Schaden vermieden werden konnte.

Allerdings wurde das Schiff dadurch stark erschüttert. Und ihr Lieutenant-Commander, der gerade vorgebeugt vor dem Taktik-Display stand, wurde mit dem Kopf voraus gegen selbiges geschleudert, stürzte mit Platzwunde zu Boden... und blieb liegen. Kurz herrschte Verwirrung auf dem Schiff. Und dann stand
Tovi mit trockener Kehle und wie in Trance auf. Er war der stellvertretende Schiffskommandant und musste nun die Führung und Verantwortung übernehmen.
"Dur, du schaffst das. Mach schon", riss ihn die Stimme seiner Kameradin aus dem Trance. Er biss die Kiefer aufeinander, verschränkte seine Arme hinter dem Rücken und trat auf die Position des Schiffskommandanten.

Fortsetzung folgt...
 
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