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Tales of the Galaxy - Unsere Kurzgeschichten

Dieses Thema im Forum "Outplay-Diskussionen" wurde erstellt von Aiden Thiuro, 21. Januar 2017.

  1. Aiden Thiuro

    Aiden Thiuro Star-Lord, Alphawolf Mitarbeiter

    Willkommen zu den

    Tales of the Galaxy
    - Unsere Kurzgeschichten -​



    In diesem Thread hat jeder Teilnhemer unseres Rollenspiels die Gelegenheit unser Star Wars mit noch mehr Leben zu füllen, indem entweder ein neuer Blickwinkel auf schon gespielten Geschichten geworfen oder man mit auf eine tiefergehende Reise in die Hintergründe eines Charakters mitgenommen wird.

    Eine Fülle an Möglichkeit steht euch offen!

    Bei der Teilnahme gibt es trotz aller Freiheiten noch zwei, drei Dinge zu beachten:
    1. Die allgemeinen Regel (unter anderem die Netiquette) sind im Bezug auf Gewaltdarstellungen, Pornografie und radikale bzw. extremistische Einstellungen einzuhalten.
    2. Das Erwähnen anderer Charakter, die einem nicht gehören, muss mit den jeweiligen Spielern abgesprochen werden.
    3. Ein maßvoller Umgang beim Darstellen der Charakterentwicklung - insbesondere im Hinblick auf das selbstständige Erlernen von Machttechniken.
    Fragen sowie Anregungen können im entsprechenden Outplay-Thread gestellt werden. Die Geschichten, die im Zusammenhang mit einem bespielten Abenteuer stehen, werden natürlich beim jeweiligen Ereignis im Ereignis-Thread separat erwähnt. Des Weiteren planen wir von Zeit zu Zeit euch die Gelegenheit zu geben in gesonderten Threads zu besonderen Themen eure Geschichten zu schreiben. Im Outplay-Thread könnt ihr selbstredend Vorschläge machen.

    Nun aber viel Spaß beim Schreiben und Lesen der hier veröffentlichten Geschichten.​
     
    Zuletzt bearbeitet: 21. Januar 2017
  2. Aiden Thiuro

    Aiden Thiuro Star-Lord, Alphawolf Mitarbeiter

    Inhaltsverzeichnis
    Unsere Kurzgeschichten
    1. Das Wiedersehen | Ian Dice | Charaktervorgeschichte
    2. Unbesiegbar | Ral A'kazz (Kael Reed) | Charaktervorgeschichte
    3. Schatten der Vergangenheit | Tyris Reth (Scytale Mentel) | Charaktervorgeschichte
    4. Dance with me | Ian Dice | Charaktervorgeschichte
    5. Initiation | Etara (Janus Sturn) | Charaktervorgeschichte
    6. Ohne Titel | Spectre | Charaktervorgeschichte
    7. Familie | Avlan Diaz (Selmak) | Charaktervorgeschichte
    8. Schlittschuhlauf - Der Anfang | Ian Dice | Charaktervorgeschichte
    9. Eine Tasse Kaff | Ian Dice | Charaktervorgeschichte
    10. Ein echter Dice | Ian Dice | Charaktervorgeschichte
    11. Die Entführung | Venis Traja (Aren Vayliuar) | Charaktervorgeschichte
    12. Die Flucht | Ian Dice | Charaktervorgeschichte
    13. Spazierfahrt | Etara (Janus Sturn) | Charaktervorgeschichte
    14. Stunde des Verrats | Scytale Mentel | Charaktervorgeschichte
    15. Prinzessinnen | Eowyn | Charaktervorgeschichte
    16. Geh weg - Teil 1 | Ian Dice | Charaktervorgeschichte
    17. Das Ende | Eowyn | Charaktervorgeschichte
    18. Gespräche | Eowyn | Charaktervorgeschichte
    19. Dr. Kaveri und die gestohlenen Leichen | Leela Kaveri (Etsuko) | Charaktervorgeschichte
    20. Bruch | Eowyn | Charaktervorgeschichte
    21. Geh weg - Teil 2 | Ian Dice | Charaktervorgeschichte
    22. Der schmalste Grat | Arkadi Duval (Janus Sturn) | Charaktervorgeschichte
    23. Dämonen der Wüste | Ral A'kazz (Kael Reed) | Charaktervorgeschichte
    24. Ohne Titel 2 | Spectre | Charaktervorgeschichte
    25. Im Nebel | Eriu (Spectre) | Charaktervorgeschichte
    26. Vergeltung | Arkadi Duval (Janus Sturn) | Charaktervorgeschichte
    27. Die Zunge des Monsters | Ian Dice | Charaktervorgeschichte
    28. Eine alderaanische Spezialität - Teil 1 | Arkon Revan (Mile Toral) | Charakterzwischengeschichte
    29. Eine alderaanische Spezialität - Teil 2 | Arkon Revan (Mile Toral) | Charakterzwischengeschichte
    30. Niemand war menschlicher | Samin (Eron Nook) | Charaktervorgeschichte
    31. Ein Meer aus Erinnerungen | Arkon Revan (Mile Toral) | Charakterzwischengeschichte
    32. Wie du mir, so ich dir | Tenia Lumiran (Ian Dice) | Charaktervorgeschichte
    33. Ein produktives Verhältnis | Etara (Janus Sturn) | Charaktervorgeschichte
    34. Ich hasse Euch | Tenia Lumiran (Ian Dice) | Charaktervorgeschichte
    35. Anfang vom Ende | Moore (Kael Reed) | Charaktervorgeschichte
    36. Zerbrochenes Glas mit 0 Dioptrin | Treeya Reed | Charaktervorgeschichte
    37. Aber Raumschiffe stinken doch | Tenia Lumiran (Ian Dice) | Charaktervorgeschichte
    38. Es wird dunkel - Teil 1 | Tenia Lumiran (Ian Dice) | Charaktervorgeschichte
    39. Es wird dunkel - Teil 2 | Tenia Lumiran (Ian Dice) | Charaktervorgeschichte
    40. Es wird dunkel - Teil 3 | Tenia Lumiran (Ian Dice) | Charaktervorgeschichte
    41. Ranjit Kaveris Bilder - Teil 1 | Leela Kaveri (Etsuko) | Charaktervorgeschichte
    42. Ranjit Kaveris Bilder - Teil 2 | Leela Kaveri (Etsuko) | Charaktervorgeschichte
    43. Es wird dunkel - Teil 4 | Tenia Lumiran (Ian Dice) | Charaktervorgeschichte
    44. Blind und ignorant | Ian Dice | Charaktervorgeschichte
    45. Ranjit Kaveris Bilder - Teil 3 | Leela Kaveri (Etsuko) | Charaktervorgeschichte
    46. Ohne Titel | Eriu (Spectre) | Charaktervorgeschichte
    47. Eine Begegnung in Blau - Teil 1 | Etara (Janus Sturn) und Riuen (Ian Dice) | Charaktervorgeschichte (Etara) und Charaktervorgeschichte (Riuen)
    48. Eine Begegnung in Blau - Teil 2 | Etara (Janus Sturn) und Riuen (Ian Dice) | Charaktervorgeschichte (Etara) und Charaktervorgeschichte (Riuen)
    49. Eine Begegnung in Blau - Teil 3 | Etara (Janus Sturn) und Riuen (Ian Dice) | Charaktervorgeschichte (Etara) und Charaktervorgeschichte (Riuen)
    50. Eine Begegnung in Blau - Teil 4 | Etara (Janus Sturn) und Riuen (Ian Dice) | Charaktervorgeschichte (Etara) und Charaktervorgeschichte (Riuen)
    51. Du wirst uns noch dankbar sein | Riuen (Ian Dice) und Etara (Janus Sturn) | Charaktervorgeschichte (Riuen) und Charaktervorgeschichte (Etara)
    52. Ein Abschied in Blau - Teil 1 | Etara (Janus Sturn) und Riuen (Ian Dice) | Charaktervorgeschichte (Etara) und Charaktervorgeschichte (Riuen)
    53. Ein Abschied in Blau - Teil 2 | Etara (Janus Sturn) und Riuen (Ian Dice) | Charaktervorgeschichte (Etara) und Charaktervorgeschichte (Riuen)
    54. Rebellion | Riuen (Ian Dice) | Charaktervorgeschichte
    55. Auf meine Art | Riuen (Ian Dice) | Charaktervorgeschichte
    56. 50/50 | Riuen (Ian Dice) | Charaktervorgeschichte
    57. Happy End? | Riuen (Ian Dice) | Charaktervorgeschichte
    58. Man sieht sich immer zwei Mal im Leben | Riuen (Ian Dice) | Charaktervorgeschichte
    59. Schlange | Ian Dice | Charaktervorgeschichte
    60. Vom Zwilling zum Einling | Takyma (Ne'im) | Charaktervorgeschichte

    Der Kurzgeschichtenwettbewerb zum 15-jährigen Jubiläum 2016
    1. Wissen ist Macht | Arlen - Sieger in der Publikumswertung
    2. Wenn Sekunden zu Ewigkeiten anschwellen | Ian Dice - Sieger in der Jurorenwertung
    3. Abenteuer-Urlaub | Spectre
    4. Dämmerung der Gerechtigkeit | Jorax Kevora - Sieger in der Publikumswertung
    5. Anfang und Ende | Okin Akil
    6. Glückstag | Eowyn - Sieger in der Publikumswertung
    7. Unerbittlicher Kampf | Scytale Mentel
    Die schaurigen Kurzgeschichten aus dem Halloween-Special 2017
    1. Fleisch | Janus Sturn
    2. Scyfall | Scytale Mentel
    3. Das Lunar-Stellar Unglück Teil 1 | Renvick
    4. Das Lunar-Stellar Unglück Teil 2 | Renvick
    Das Spiegeluniversum - Alternative Geschichten-Special
    1. Ein dunkler Spiegel | Janus Sturn
     
    Zuletzt bearbeitet: 5. Juni 2018
  3. Ian Dice

    Ian Dice against all odds Premium

    Das Wiedersehen
    18 Jahre zuvor, Telos, Tahni, kleiner Laden
    (Ian im Alter von 17 Jahren)

    Ian hatte gerade das letzte Scharnier befestigt, als er hörte, wie jemand den kleinen Laden betrat und da ging er aus der Hocke und stand auf, um zu sehen, welcher Potentielle Kunde gerade den Weg zu ihm gefunden hatte – und er erkannte sie sofort. Da stand sie, mit einer Spieluhr in der Hand, den Blick einmal durch den Laden huschend da und Ian verspürte ein sehr, sehr seltsames Gefühl von Euphorie. Ein Jahr war es her, dass er ihren Tanz gesehen hatte, ein Jahr, in dem er noch oft an sie hatte denken müssen. Tahiri, ihr Name war ihm ebenso in Erinnerung geblieben, wie ihr Tanz.

    ‚Hallo‘, sagte sie schließlich, nachdem sie ihn entdeckt hatte, ‚ich suche jemanden, der mir helfen kann, diese Spieluhr wieder zum Laufen bringen. Draußen auf dem Schild steht: ‚Restaurierungen und Reparaturen aller Art – außer Droiden und Dingen, die nicht in den Laden passen‘.Ich glaube, eine Spieluhr könnte damit im Bereich des Möglichen liegen?‘ Sie erkannte ihn nicht und wenn sie es doch tat, merkte Ian nichts davon, aber eigentlich war es auch kein Wunder. Er war damals fasziniert von ihrem Tanz gewesen und Ian selbst hatte wahrlich nichts zeigen können, was ihn irgendwie auch interessant gemacht hätte. Schon gar nicht so interessant, dass er in jemandes Erinnerung geblieben wäre. „Das ist richtig,“ hörte Ian sich sagen und bemerkte dabei, dass er sie die ganze Zeit anstarrte und beeilte sich schließlich, seinen Blick auf die Spieluhr zu wenden. „Wenn ich sie mir genau ansehen darf, kann ich mehr dazu sagen.“ Tahiri ging die paar Schritte zu ihm herüber, hielt ihre Spieluhr sorgsam bedacht in den Händen. ‚Es wäre wirklich toll, wenn du sie reparieren könntest.‘ Ihre Stimme ließ keinen Zweifel daran aufkommen, dass ihr diese Spieluhr etwas bedeutete und als sie ihm die Uhr vorsichtig reichte, gab auch Ian sich besonders vorsichtig, gerade so, als könne er noch mehr kaputt machen. Eigentlich war es eine einfache, kleine Holzschatulle, die mit einem Schlüssel zugeschlossen werden konnte. Sie sah sehr alt aus, gleichzeitig aber perfekt gepflegt. Ian drehte den Schlüssel herum und öffnete die kleine Truhe, die innen mit einem samtenen Stoff ausgestattet war. Eine Schmuckdose, keine Frage und das Laufwerk war in der rechten Ecke verbaut. Ganz einfach würde es nicht sein, da heran zu kommen, er würde den festgeklebten Stoff lösen müssen, um überhaupt erst Zugriff zu dem kleinen Kasten zu haben, unter dem das Laufwerk saß. Ian besah sich den Stoff im Inneren genau. Wahrscheinlich war einfach nur das Laufwerk kaputt, ein kleines Rad das ausgetauscht werden musste. Doch er würde nicht umhin kommen, sie zu öffnen. Ian drehte an dem kleinen Aufzieher, der an der Unterseite der Dose war, doch nach einem kleinen Geräusch, kehrte wieder Stille ein.

    Wahrscheinlich muss einfach nur die Feder gewechselt werden. Aber dafür muss ich an das Laufwerk heran kommen, das liegt hier runter,“ und damit deutete er in das Innere der Uhr. „Ich werde den Stoff lösen müssen, um daran heran zu kommen, aber es ist machbar das zu tun, ohne dass er dabei beschädigt wird. Na ja…“ Ein gewisses Risiko war gegeben, aber das konnte Ian Tahiri nicht vorenthalten. „Ich kann nicht hundert Prozent garantieren, dass sie genauso aussehen wird, wie jetzt, denn ich muss den Stoff am Ende wieder befestigen und ich weiß nicht genau, welcher Kleber verwendet wurde. Wenn alles schief läuft, könnte es also sein, dass ein neuer Stoff verklebt werden muss. Selbst wenn ich einen finde, der diesem sehr ähnlich ist, es wäre unter Umständen nicht derselbe.“ Nervös fuhr der Dunkelhaarige sich einmal über den Nacken. ‚Meinst du, du bekommst das hin?‘, fragte Tahiri schließlich und suchte Ians Blick, dem er kaum standhalten konnte. Ihre dunkelbraunen Augen musterten ihn genau und Ian wurde warm, als er sich zwang, ihrem Blick zu erwidern. Er nickte, ehe seine Geste noch einmal bekräftigte. „Ja, ja, ich denke, das bekomme ich hin.“ Eine ganze Weile sah sie ihn an, als fände sie die Wahrheit irgendwo in seinen Augen und schlussendlich musste Ian den Blick abwenden. ‚Also gut sagte sie,‘ als Ian doch wieder aufsah und ein Lächeln auf ihrem Gesicht erkannte. ‚Ich hänge wirklich sehr an ihr,‘ und Ian musste nicht einmal hinsehen, um ihr das zu glauben. ‚Natürlich wäre es schön, wenn alles so bleiben könnte, wie es war, aber so lange sie wieder spielt, so lange sie wieder spielt, wäre das vielleicht sogar alles andere Wert.‘ Ihrem Blick folgend, sah Ian auf die Truhe, die er noch immer hielt und wenn ihn ihre Stimme nicht schon überzeugt hätte, ihr Blick tat es. Irgendetwas lag darin. Sie sah die Truhe an, als wäre sie ein sehr, sehr kostbarer Gegenstand. Ian kannte diesen Blick, denn Tahiri war nicht die erste, die etwas zu ihm brachte, das von besonderer Wichtigkeit schien. Aber es wirkte, als hinge ihr Herz an dieser Truhe. ‚Was wird das kosten?‘ und nicht der Geiz klang aus ihrer Stimme, sondern die Befürchtung, wieder gehen zu müssen – ohne laufende Spieluhr. ‚Gar nichts‘, hätte Ian beinahe gesagt, denn es war unmöglich, ja wirklich völlig unmöglich, dass er ihr etwas abnahm, doch in der letzten Sekunde besann er sich eines Besseren. „Ich werde sie reparieren, wenn du noch einmal tanzt, wie damals“ sagte er stattdessen und schenkte ihr ein so schüchternes Lächeln, dass klar sein musste, dass da keine Hintergedanken waren. Für Sekunden sah Tahiri ihn an, abschätzend? Überlegend?, bis Erkenntnis in ihren Augen aufblitzte und sie lachte. Vielleicht erinnerte sie sich genau jetzt daran, dass sie sich schon einmal gesehen hatten? zumindest deutete Ian das so. ‚Ich weiß nicht, aber wenn wir das so machen, kannst du dir die Miete für den Laden sicher nicht leisten.‘ Was für ihn kein Argument war, schließlich würde er auch um die Runden kommen, wenn ihr kein Geld abnahm. „Dann… vielleicht… wir reparieren sie zusammen und zum Ausgleich … bringst du mir das Tanzen bei?“ Ian konnte die Unsicherheit in seiner Stimme so deutlich selbst wahrnehmen, dass er zu allem Überfluss auch noch rot wurde und seinen Blick auf den Boden schweifen ließ. Warum verhielt er sich gerade wie der letzte Mensch? Doch Tahiri lachte erneut und es war kein Auslachen, es war, es war… ein Lachen, dass ihm irgendwie gefiel, das ihm gut tat und als er vorsichtig zu ihr schielte, erneut nervös über seinen Nackend fahrend, sagte sie tatsächlich: ‚Damit kannst du zwar immer noch nicht die Miete bezahlen, aber vermutlich sind wir dann quitt.‘ Sie lachte wieder und Ians unsicheres Lächeln verwandelte sich ein echtes. Sie hatte wirklich zugesagt und ganz im Gegensatz zu ihm, fehlte ihr dabei jede Nervosität, was Ian hoffen ließ, dass sie es ernst meinte. Irgendwie aber, musste er sicher gehen, dass sie die Uhr nicht nehmen und für immer wieder verschwinden würde.

    „Hier gibt es nicht so viele, die so was reparieren können,“ doch Ian bemerkte, dass er viel zu wenig selbstbewusst klang und er hatte keine Ahnung, wie er das ändern sollte. Er hatte andere Männer beobachtet, die sich in seltsame Posen gestellt hatten, doch er selbst wusste nicht einmal, wohin mit den Armen. „Vielleicht ein paar, die das felsenfest und überzeugend behaupten, aber sie sind alle Lügner.“ Wenn er auch noch immer nicht vor Selbstbewusstsein strotzte, wenigstens hatte er sich jetzt ein bisschen in besseres Licht gerückt. Na ja. Ein kleines Bisschen. Seine Stimme klang zu unsicher und zu wenig überzeugt, aber das Lächeln das er anhängte, machte ihn hoffentlich nicht zum Idioten. Tahiri lächelte nur und dieses Lächeln ließ ihn sich besser fühlen. Dann morgen früh?‘, fragte sie und hielt ihm die Hand entgegen und wenigstens hier wusste Ian, wie er zu handeln hatte. „Dann morgen früh“, bestätigte er und gab Tahiri die Hand, die sich seltsam weich und so anders als die seine anfühlte. Dann verließ sie den Laden und ließ einen seltsam beschwingten Ian zurück.

    Am nächsten Morgen erschien sie pünktlich, auf die Sekunde genau, als Ian den Laden öffnete.

    „Ich hab schon alles vorbereitet“, begrüßte er sie, als er ihr die Türe öffnete und deutete zur Werkbank, auf der allerlei Werkzeug lag, dass sie benötigen würden. Ihm fiel auf, dass sie im Vergleich zu gestern irgendwie müder wirkte, aber vielleicht bildete Ian sich das auch nur ein, denn er traute sich kaum, sie wirklich genauer anzusehen.
    ‚Danke, schon jetzt,‘ erklärte sie daraufhin mit einem so entwaffnenden Lächeln, dass Ian schon wieder etwas sehr seltsames spürte, dass er in der Form nicht kannte. So lächelte er einfach zurück, längst nicht so wie sie, aber er lächelte offen und das Lächeln siegelte sich auch in seinen Augen wieder.
    ‚Übrigens war ich gestern ziemlich unhöflich, ich hab mich gar nicht noch mal vorgestellt. Da dein Name an der Türe steht, ist es nur fair, wenn ich meinen auch noch einmal nenne.‘ Dabei hatte er ihren Vornamen nie vergessen. ‚Tahiri Nola'ee‘, streckte sie ihm erneut, wie schon gestern, die Hand entgegen. Tahiri Nola'ee. Ihr Nachname klang so schön und passend zu ihrem Tanz, dass Ian, während er ihn noch einmal geistig wiederholte, vergessen hätte, ihre Hand zu schütteln. „Ian Dice,“ wiederholte er dennoch und wunderte sich einmal mehr darüber, wie eine Hand so weich und zart sein konnte.

    Dann machten sie sich daran, die Spieluhr zu reparieren und obwohl Tahiri zwischendurch anmerkte, dass sie noch nie etwas dergleichen getan hätte, arbeitete sie gut und Ian versuchte so gut es eben ging, sie in die Arbeit einzubeziehen und ihr nicht nur Anweisungen zu geben, die damit zu tun hatten, ihm ein bestimmtes Werkzeug zu reichen. Die Zeit verging, sie lösten den Stoff, entfernten vorsichtig die Spieluhr, wechselten die Feder und verklebten am Ende alles wieder sauber. Bis eben der Moment kam, in dem es darum ging, die Uhr wieder aufzuziehen.

    „Ich denke, sie müsste wieder funktionieren,“ gab sich Ian zwar leise, aber überzeugt, als er die Truhe vorsichtig zu Tahiri schob. ‚Meinst du wirklich?‘ Sie klang dabei besorgt und hoffnungsvoll zugleich und Ian wünschte, er hätte etwas erwidern können, irgendetwas, aber nickte bloß, zu mehr schien er nicht in der Lage. Irgendetwas Seltsames lag in der Luft, er konnte es kaum beschreiben, aber spürte so deutlich, dass das hier etwas so wichtiges für sie war, dass er sich nicht traute laut zu sprechen. Dann zog sie die Uhr auf, vorsichtig, allein die Truhe betrachtend und ihr Blick ruhte dabei zwar auf ihrem Vorgang, aber er schien dennoch weit weg zu sein, irgendwo anders. Und dann, dann erklangen die leisen Töne der Spieluhr und Ian sah, wie Tahiri weinte. Noch nie hatte er eine Frau weinen sehen, noch nie so und es überforderte ihn. Hatte er etwas falsch gemacht? Sollte er etwas tun? Etwas sagen? ‚Danke!‘, hörte er sie sagen, als ihr Blick den seinen suchte, ‚Danke!‘, wiederholte sie, weinte und lächelte gleichermaßen, strich über die Truhe und sah ihn dabei an. Und Ian? Ian hatte noch immer nicht den blassesten Schimmer, wie er reagieren sollte, wischte einmal über die Werkbank, sah zu Tahiri und versuchte zu lächeln, als sie schon wieder Danke sagte. „Ich… äh… gerne“, stotterte er vor sich hin, als Tahiri etwas tat, was ihm noch fremder war.
    Einen Schritt auf ihn zumachend, spürte er nun nicht mehr allein ihre Hand in der Seinen, sondern ihre Arme, ihren ganzen Körper, als sie ihn umarmte.
    ‚Danke, ich, wirklich, danke Ian, du weißt nicht, was du gerade für mich getan hast.‘ Vermutlich wusste er das wirklich nicht, so wenig wie er wusste, wie er sich verhalten sollte und es dauerte bestimmt eine ganze Minute, bis auch Ian endlich seine Arme hob und vorsichtig, beinahe ungelenk um Tahiri legte. Er hatte noch nie jemanden umarmt, er war noch nie umarmt worden. Sicher, gesehen hatte er das oft, irgendwo, aber gefühlt? Nein. Hätte er in jenem Moment ein Wort finden müssen, dass beschrieb, wie es sich anfühlte, wäre es ‚warm‘ gewesen. Was mehr meinte, als die Körperwärme, die so deutlich von Tahiri ausging. Warm. Ja, das beschrieb es, das beschrieb das, was es in ihm auslöste, dass beschrieb, wie sie sich anfühlte. Warm und unweigerlich musste Ian lächeln. Ob sie noch eine weitere Minute so dastanden, oder gar eine Stunde? Ian hatte keine Ahnung, fühlte aber so etwas wie Bedauern, als sie die Umarmung löste.
    ‚Das werde ich dir nie vergessen,‘ sagte sie, als sie die Uhr erneut aufdrehte und sich ihre Tränen unablässig mit der Melodie zu vermischen schienen. ‚Danke, Ian‘ und er hörte dieses Wort, spürte ihre Umarmung und sah ihre Tränen, noch lange, nach dem sie gegangen war.



     
    Zuletzt bearbeitet: 7. Februar 2017
  4. Ral A'kazz

    Ral A'kazz Vom Leben Gezeichneter Mandalorianer

    Unbesiegbar
    34 Jahre zuvor
    (Ral im Alter von 20 Jahren)


    Borosk
    104 Kilometer vom Südpol
    Gebirgskamm
    Flugfeld des Imperialen Geheimdienstes
    Status: Im Bau
    Wetter: Windig mit Schneefall, Schlechte Sicht, -24°C
    Auftrag: Bergung eines Systemspeichers aus den Datenarchiven der Basis für Besk Corporation
    Team Kryt (Ral A’kazz und Nurum Ga’lor), ohne Abzeichen


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    Es war kalt. Verdammt kalt.

    Selbst durch seine Rüstung spürte er die Kälte oder meinte zumindest sie zu spüren, auch wenn ihm sein HUD versicherte seine Körpertemperatur hätte die angenehmen 36°C nicht unterschritten und auch der Klimaanzug wäre in Ordnung, Ral fror. Eventuell hatte das auch etwas mit der Situation zu tun in der sie sich befanden, aber das Adrenalin was in diesem Moment durch seine Adern pulsierte hätte ihn doch eigentlich warm halten sollen oder etwa nicht?

    Sie knieten in einer kleinen Felsnische, gerade breit genug um angenehm nebeneinander in die Knie gehen zu können und sein Teampartner Nurum, ein Mandalorianer Mitte 30 rauchte während der kleinen Pause die sie sich gönnten. Sein Bart war von Eiskristallen übersäht, nicht ungewöhnlich bei dem Ganzen Schnee. Wären dieser und der Wind nicht gewesen hätte man das klettern vielleicht als interessanten Sport beschreiben können, so war es selbst für geübte Kletterer, die sie beide waren, ein wahrer Höllenritt. Würde er die Kante vor der er saß hinunter sehen, würde ihm sein HUD etwa 900 Standardmeter anzeigen, die die Felswand in die Tiefe reichte. Sieben Stunden waren sie bereits unterwegs und nur etwa 20 Meter trennten sie noch von dem Plateau auf dem sich ihr Ziel befand. Wirklich viel wussten sie nicht. Speicherbänke aus einer im Bau befindlichen Basis des Imperialen Geheimdienstes zurückholen. Ein ganz normaler Auftrag für das Mandalorianische Söldnerteam. Aufgrund der Exponierten Lage hatten sie sich auf ein kleines Team geeinigt und gelost, die Wahl war auf Ral und Nurum gefallen, schließlich war jeder von ihnen begierig darauf seine Fähigkeiten mit denen von Sturmtruppen und Sicherheitskräften des Geheimdienstes zu messen.

    Ein Surren durchdrang den Vorhang aus Schnee und kurze Zeit später rauschten drei Imperiale Transporter über ihre Köpfe. Sie hatten wahrscheinlich Baumaterial angeliefert. Immerhin funktionierte der Schild der Basis noch nicht, aber welcher Imperiale rechnete auch mit einem eindringen in eine noch nicht einmal bezogene Geheimbasis. Wie die meisten auf die Ral bisher außerhalb von Mandalore getroffen war, wohnte den Imperialen auch dieser gewisse Hang zum Leichtsinn inne. Sie hielten es schlicht nicht für möglich, dass es jemand unter solchen Bedingungen überhaupt unterhalb ihres Radars in den Überwachungsbereich der Basis schaffte.

    „Hey Träumer, Pause ist rum. Wir müssen weiter!“

    Nurum hatte seinen Helm wieder aufgesetzt. Ral hob die Hand, Daumen und Zeigefinger bildeten einen Kreis, alles ok wir können los. Kommunikation war innerhalb des von der Basis abgedeckten Bereichs zu vermeiden, selbst bei diesem Wetter dürfte die starke Sensorphalanx die fremden Funksignale erfassen können. Ihre Technischen Geräte waren auf ein Minimum herunter gefahren, was den Nervenkitzel noch verstärkte. Nurum schob sich als erster die kleine Kante entlang zu ihrem favorisierten Neueinstieg in die Kletterroute. Ein weiteres Mal drehte er sich zu Ral, der ihm langsam folgte. Nachdem der Junge Mandalorianischer Söldner einen festen Stand erreicht hatte, signalisierte er erneut das alles in Ordnung war und sah dann seinem Partner zu, wie dieser sich mithilfe von Steigäxten, den Krallenbewehrten Handschuhen und den präparierten Stiefeln an die Wand krallte. Für einen Außenstehenden wirkte dieser ganze Vorgang mit Sicherheit ungemein archaisch, doch technisches Gerät sendete verräterische Wärmestrahlung aus, die sie sich hier nicht leisten konnten. Ral wartete noch einen Moment um Nurum an Höhe gewinnen zu lassen bis er sich ebenfalls in die Wand begab. Das Klettern war ein unglaublicher Kraftakt. Eine solche Leistung ohne regelmäßiges Training und unabdingbaren Kampfgeist zu bringen hielt der Jungspund für unmöglich. Das Gihaal lud die Energiereserven schnell wieder auf und die immer wieder eingelegten Pausen halfen bei der Regeneration.

    Meter um Meter schleppten sich die beiden in ihren Rüstungen mit dem Gepäck die Wand hinauf, bis schließlich Nurum über ihm verschwand, ein weiterer Vorsprung wahrscheinlich, je näher sie dem Plateau kamen desto mehr schienen es zu werden. Nach einigen weiteren Zügen hatte auch er die kleine Felsnase erreicht und zog sich nach oben. Nurum hatte bereits die letzten vier Meter zum Ziel zurückgelegt und wartete ein Stück weiter oben auf ihn, die KiSteer 1284 im Anschlag. Einen kurzen Anlauf und Klimmzug später hockte Ral wieder neben seinem Gefährten. Diesmal war er es, der das Zeichen gab, umschalten auf Sonar. Dann überprüfte er sein auf Projektil-Munition umgerüstetes EE-3. Für viele waren Projektilwaffen veraltet und unzeitgemäß, wenn man jedoch unentdeckt bleiben wollte und für jegliches Wärmebild unsichtbar, dann waren diese Waffen um einiges geeigneter als Blastergewehre. Sie entfalteten eine viel geringere Mündungsgeschwindigkeit, waren unter Zuhilfenahme von Schallabsorbern um einiges leiser und optisch nicht zu sehen, was eine Rückverfolgung der Flugbahn erschwerte. Sein Vater hatte ihm und seinen Brüdern beigebracht, mit beiden Varianten umzugehen, da eine Flexibilität in der Bewaffnung oft entscheidende Vorteile mit sich brachte.

    Mittlerweile war das professionelle Killer-Duo einige Meter weit vorgerückt und die ersten Mauern und provisorischen Drahtabgrenzungen kamen in Sicht, wenn man das so nennen konnte. Der Sturm wurde stärker und ohne die Sonardaten hätte Ral keine zehn Meter weit sehen können. Regelmäßige Pulse erhellten sein Sichtfeld, zwar etwas verschwommen, da das Wetter auch das Sonar etwas beeinflusste, aber Präzise genug um eine Patrouille von Zwei Sturmtruppen etwa 25 Meter von ihnen entfernt auszumachen. Ein Blick nach rechts und kurze Handzeichenkommunikation mit Nurum.

    Du den Linken, ich den Rechten, warte drei Klicks.

    Sie bewegten sich jetzt langsamer vorwärts, darauf bedacht die Sturmtruppen nicht auf sich aufmerksam zu machen. Auch wenn sie hässliche Rüstungen trugen, sie waren mit hochmoderner Technik ausgestattet. Klick. Ral setzte das Gewehr an und ging in der Hocke weiter, Nurum blieb stehen und legte an. Klick. Stehen bleiben und atmen. Klick. Kael betätigte den Abzug. Nach einer Drei-Schuss Salve ging sein Ziel wie sein Partner zu Boden. Einen Blasterschuss auf das Plastoidgewebe zu verteilen war das eine, die Rüstungen waren dafür aber nicht so widerstandsfähig wenn es um sehr hohe Punktbelastungen ging. Schnell rückten die beiden zu ihren Opfern vor und zerrten sie in eine Schneewehe. Nach Imperialem Standardprotokoll hatten sie jetzt genau 15 Minuten Zeit bis Suchmannschaften ausrücken würden wenn die beiden nicht antworteten. Ein knappes Zeitfenster aber definitiv machbar.

    Jetzt galt es zwei Dinge zu tun. Nurum würde als Scharfschütze mithilfe des Sonars die Gegend überblicken und sich auf eine erhöhte Position begeben. Sie mussten eine Art Ablenkung für ihre Exfiltration vorbereiten, die Daten holen und dann verschwinden. Wenn nichts unvorhergesehenes passierte, sollte der Rest ein Kinderspiel werden…

    Die beiden trennten sich und einige Schritte in die Weiße Wand und Ral war allein. Alleine zu arbeiten, zumindest bei dieser Art von Handwerk war Ral zuwider. In diesen Momenten vermisste er Miira in seinem Rücken, er hatte wirklich mehr Glück mit seiner Gefährtin als er sich selbst zugestehen wollte. Das nicht sie sondern Nurum hier sicherte während er sich auf feindlichem Terrain bewegte führte selbst nach fast 4 Jahren noch zu Unwohlsein. Dabei war es nicht das fehlende Vertrauen in seinen Kampfpartner sondern mehr das höher wertige in seine Frau.

    Der Zaun um das Flugfeld kam in Sicht. Durch den Bauzustand hatte man die Anlage noch nicht komplett abgesichert. Er musste diesem nicht lange folgen bis er das Ende erreichte und das Flugfeld betrat. Ral umfasste die Waffe fester, zwischen ihm und den Treibstoffcontainern standen etwa zwei Dutzend Imperiale in kleinen Gruppen bei den Jägern, einige patrouillierten zwischen einzelnen Fixpunkten und der geringste Teil arbeitete. Ruhig bleiben. In der Hocke langsam einen Fuß vor den anderen setzend bewegte er sich durch die Menge. Immer die Wache schiebenden Soldaten beobachtend arbeitete er sich wie in Zeitlupe vorwärts.

    Achte auf deine Atmung, entspanne jeden einzelnen Muskel, sie beachten ihre Umwelt nicht, sie sind unvorbereitet. Du bist ein Mandalorianer, du bist unbesiegbar.

    Urplötzlich kam ein weiterer Patrouillentrupp um eine Ecke der Baracken und Bauruinen die er nicht hatte einsehen können und kam in seine Richtung. Aus reinem Reflex ließ er sich flach auf den Boden gleiten und bemühte sich weiterhin ruhig zu atmen und nicht direkt einen Rückzug anzutreten…

    Was sollten sie ihm schon anhaben. Mandalorianer wie er einer war, waren schließlich Helden. Helden starben nicht. Helden waren unbesiegbar.


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    Aufzeichnung der Imperialen Archive zu Vorfall 314
    Projekt eingestellt
    Status: -Classified-

    Zusammenfassung:
    Aufgrund eines Treibstofflecks kam es während des Baus von Experimentalflugfeld 314-Alpha zu einer Kettenreaktion von Explosionen, die insgesamt 66 Mitglieder des Imperialen Staatsapparates das Leben kosteten.
    Der Verlust an Flugdaten und Imperialen Interna, die aufgrund des Aufbaus noch nicht vollständig gesichert werden konnten, ist bedauerlich. Das Projekt wurde eingestellt.

    Vollständiger Sicherheitsbericht:
    -Classified-
     
    Zuletzt bearbeitet: 8. Februar 2017
  5. Tyris Reth

    Tyris Reth Geschäftsmann

    Schatten der Vergangenheit

    16 Jahre zuvor auf Naboo
    ____________________________________

    ,,Aufstehen ihr zwei!“
    weckte Tyris Mutter ihn und seinen älteren Bruder.

    Mühsam quälte sich der 19jährige sich aus dem fast zu kleinem Bett. Stang, murmelte er verschlafen. Konnten sie ihn nicht einmal schlafen lassen? Zur Schule musste er eh nicht mehr, schließlich hatte er sie vor kurzem mit mehr oder weniger ausreichenden Zensuren abgeschlossen. Und seine Arbeit als Mechaniker in einer Speederwerktstatt würde erst nächsten Monat beginnen. Also: Wozu der Stress?

    Sich die Augen reibend, blickte der junge Mann hinaus. Wie immer befand sich der Garten der Minlanas in einwandfreiem Zustand, was man seinem Vater verdankte, der praktisch für die Natur lebte. Sein Bruder teilte diese Leidenschaft, allerdings mehr im Bereich der Landwirtschaft. So war es auch nicht verwunderlich, dass dieser einen Teil der Grünflächen für seine Weizenzüchtungen bekam.

    Gähnend streckte sich Tyris, besuchte dann die Nasszelle, wusch sich und während er eine Jeans und einen grauen Kapuzenpullover anzog, betrachtete er seinen sportlichen Körper. Ein wenig stolz war er schon darauf, hatte sich doch das intensive Training ausgezahlt. Und in der örtlichen Badeanstalt gab es einige anerkennenden Blicke des anderen Geschlechts. Ein weiterer Rufer seiner Mutter ließ ihn sich langsam in Richtung Küche bewegen. Dort wartete bereits eine freundlich lächelnde Janina auf ihn.

    Noch ein wenig verschlafen, gluckste er zu ihr. ,,Morgen Janina.“

    Sie stellte ihm eine Schüssel Galactica-Müsli hin und erwiderte schmunzelnd ,,Selber morgen, du Frauenheld.“ Ein Grinsen konnte auch Tyris sich nicht verkneifen und musste mit Freude an die letzte Nacht denken, in der er sich nicht nur ein wenig mit der Nachbarstochter vergnügt hatte. Zu beidem Glück waren ihre Eltern nicht dagewesen, sonst hätte es ziemlich Ärger gegeben.

    Das plötzliche Schnippen an seinen Hinterkopf weckte ihn aus seinem Tagtraum und rasch erkannte Tyris den Täter. Sein drei Jahre älterer Bruder Jason. Lachend begann der jüngere seine Racheaktion und schubste seinen Bruder spielerisch weg. Jason erwiderte und kurz darauf waren sie komplett in ihrer Rauferei abgedriftet, dass erst mehrere Schläge Janinas mit einem großen Kochlöffel die beiden zur Besinnung. ,,Wie oft habe ich euch gesagt, NICHT in meiner Küche! Kloppt euch woanders, aber nicht hier!“

    Bevor die Haushälterin erneut zuschlagen konnte, verschwanden Tyris und Jason lachend, so schnell sie ihre Beine trugen, aus der Küche und kurze Zeit später fanden sie sich erneut raufend im Vorgarten wieder. So ganz nebenbei zerstörten sie die Perunien, die ihr Vater erst vor kurzem gepflanzt und ihnen verboten hatte, sie auch nur anzusehen.

    Schallendes Lachen ließ die beiden aufhören, sich noch mehr zu verdrecken. Den Schmutz abklopfend standen die beiden auf und fanden alsbald die Quelle des Tones. Wenige Meter vor ihnen stand Elena Moreau, die 21jährige Nachbarstochter. ,,Ihr beiden seht ja richtig adrett aus!“

    Sofort bemerkte Tyris den Blick seines Bruders. Schon seit Jahren war dieser in die Blondine verliebt. Dieser meinte grinsend ,,Das stimmt schon. Du aber auch nicht“ und schubste das Mädchen freundschaftlich und schwupps (!) lag auch Elena im nassen Boden. Diese rächte sich und bastelte eine Matschkugel, die sich Momente später fliegend in Richtung Jason wiederfand, dieser duckte sich jedoch rechtzeitig und so traf die geballte Ladung Bakterien, Äste, Wurzeln, Sand und Erde das Gesicht von Tyris. Mit einem ziemlich komischen Geräusch, das man ehestens als Furz beschreiben konnte, landete der Ball und verteilte sich in Sekundenbruchteilen in seinem Gesicht. Fast gleichzeitig prusteten die drei los. Ein Lachflash breitete sich unter dem Trio aus und erst als der Vater von Tyris und Jason wütend mit einem Gartenschlauch auf sie losging, befreiten sie sich aus dem Bann des Lachens. Elena wurde noch von Jason überredet ins Holokino zu gehen. Der 19jährige wusste von Jasons Liebe und lehnte freundlich, aber entschieden, das Angebot mitzukommen ab.

    Da war sowieso noch etwas zu tun in Theed. Seit einem halben Jahr etwa hatte Tyris nämlich einen kleinen Drogenring. Der Gewinn war zwar nicht groß, aber für den Anfang ausreichend.

    * * *

    Später am Abend:

    Eigentlich musste der junge Mann nur eine kleine Lieferung quer durch die Hauptstadt des Planeten chauffieren. Mittlerweile war es ziemlich dunkel geworden und prasselnder Regen hatte eingesetzt. Als er so durch die Gasse lief, umgeben von Kälte und Dunkelheit, und dem Päckchen in seinem Rucksack, befiel ihm ein beklemmendes Gefühl. So als würde er beobachtet. Hatte die Polizei Verdacht geschöpft? Hatte einer seiner Kumpels etwa gepfiffen? Oder war er einfach nur paranoid?

    All das trat in den Hintergrund, als vor ihm dunkel gekleidete Gestalten den Weg versperrten. Tyris spürte wie die Angst sich ihn ihm ausbreitete. Sein Gehirn schrie! LAUF LAUF! Doch wie passend, versagten ihm die Beine. Als der 19jährige sich umdrehte, sah er nur noch eine Person vor ihm stehen und aus den Augenwinkeln wie etwas auf seinen Kopf zuflog. Einzig allein Schmerz und Dunkelheit empfingen ihn...
     
  6. Ian Dice

    Ian Dice against all odds Premium

    Dance with me
    18 Jahre zuvor, Tahni
    (Ian im Alter von 17 Jahren)

    Gerade als Ian den Laden schloss, hörte er, wie sich jemand näherte und drehte sich herum, konnte ein schreckhaftes Zusammenzucken gerade noch unterdrücken. Er hasste es, wenn plötzlich jemand hinter ihm auftauchte, denn jede Erinnerung die damit verbunden war, war gleichzeitig mit Schmerz verbunden. Doch hinter ihm tauchte nicht etwa einer seiner Brüder oder sein Erzeuger auf, sondern Tahiri. Tahiri, mit der er gar nicht mehr gerechnet hatte.
    ‚Du hast doch nicht geglaubt, dass ich meinen Teil der Abmachung nicht einhalten würde?‘, lächelte sie, als sie wohl den Unglauben in Ians Augen wahrgenommen haben musste. Entschuldigend zuckte er mit den Schultern. „Na ja,“ sagte er dann, lächelte schief. „Vielleicht hast du die Melodie so oft gehört, dass du an nichts anderes denken konntest? Das wäre eine Theorie gewesen.“ Die, die ihm am wenigsten ausgemacht hätte. Ihr Lächeln veränderte sich, was Ian deutlich erkannte, wurde wissender. Du liegst damit gar nicht so falsch, aber gerade deswegen hätte ich die Abmachung nicht vergessen. Wollen wir los? Ian sah an sich herunter, an seiner Kleidung die verriet, dass er bis eben gearbeitet hatte, an die Farbflecken, die gerade erst getrocknet waren. Im Gegensatz zu ihr musste er fürchterlich aussehen. Ich weiß nicht…“, sein Blick verharrte dabei auf seinen Schuhen und auch diese glänzten viel eher vor Schmutz und Staub. ‚Mir macht das nichts aus, aber wenn du willst, gehen wir vorher bei dir vorbei und du ziehst dich um. Beim Tanzen geht es nicht darum, schöne Kleider zu tragen.‘ Vielleicht ging es darum nicht, aber wenn irgendjemand sie sah, sie, wie sie so schön aussah, mit ordentlicher Kleidung und ihn, wie er eher wie ein Bauerntölpel wirken musste… Nein. Wir treffen uns einfach in 30 Minuten vor der Tanzschule Lapazaa?‘ Ob sie seine Gedanken gehört hatte? Ich werde pünktlich sein!“ Und kaum das Ian die nächste Ecke erreicht hatte, in der Tahiri ihn nicht mehr sehen konnte, nahm er die Beine in die Hand und rannte.
    28 Minuten später – und er hatte es nur pünktlich geschafft, weil er auf dem Rückweg per Anhalter gefahren war – stand er vor besagtem Ort, Tahiri davor wartend.

    Da bist du ja schon‘, begrüßte sie ihn mit einem kurzen, musternden Blick, der trotz allem nicht abschätzend wirkte und am Ende sogar in ein Lächeln überging. Sie schloss die Türe auf und machte eine Geste, die ihm den Eintritt erlaubte.
    „Ist das deine Schule?“, kam Ian gar nicht umhin zu fragen, als er eintrat und den Raum betrachtete, der eindeutig zu viele Spiegel besaß. ‚Nein,‘ erklärte sie mit einem Lachen, ‚aber ab und an darf ich die Räume nutzen.Dann bist du Tanzlehrerin oder so?“ Während Ian diese Frage stellte, hatte sie schon die Musik eingeschaltet.Nein, ich bin Tänzerin, aber manchmal unterrichte ich auch.‘ Sie war Tänzerin? Das erklärte einiges…
    „Ich hab noch nie getanzt“, warnte Ian Tahiri besser vor, als sie sie sich neben ihn gesellte und ihm damit furchtbares Herzklopfen bereitete, weil er fürchterlich aufgeregt war. ‚Das bekommen wir hin, schließlich hab ich auch noch nie dabei geholfen, eine Spieluhr zu reparieren,‘ Selbst wenn das stimmte, war das überhaupt nicht zu vergleichen, aber Ian widersprach ihr besser nicht.
    ‚Wir fangen mit einem relativ einfachen Standardtanz an, dem Walzer. Dafür musst du dir ein Quadrat auf dem Boden vorstellen. Diese Ecken musst du einfach ablaufen. Der linke Fuß einen Schritt nach vorne,‘ was sie vormachte, dann einen zur Seite und den anderen Fuß folgen lassen, um den Schritt zu schließen. Das Gleiche dann rückwärts.‘ Ja, das sah natürlich unheimlich einfach aus und obwohl Ian sich konzentrierte, obwohl er Tahiri genau beobachte, wenn das der einfachste Tanz war, dann würde er diesen niemals auch nur im Ansatz lernen. Gerade er, der er doch nicht einmal wusste, wohin mit seinen Händen, sollte nun mit seinen Füßen in einem Quadrat auf dem Boden laufen? Sie wies ihn nicht ein einziges Mal zurecht und das, obwohl er sich sicher anstellte wie ein Kleinkind, das gerade laufen lernte. Ihre Geduld schien unerschöpflich und sie zeigte Ian wieder und wieder, wie er gehen musste, berührte ihn hier und da um ihm zu helfen und dann endlich: Ich würde sagen, du kannst es!‘ Ians Lächeln wurde so groß, dass seine Grübchen hervor traten. Na ja, erklang dann nahezu beschämt. ‚Nicht Na ja, das sieht gut aus! Jetzt versuchen wir es zu zweit.‘ Natürlich hatte Ian gewusst, dass Walzer ein Paartanz war, aber das hieß längst nicht, dass er sich darauf wirklich eingestellt hatte und… Da nahm sie auch schon seine eine Hand und führte seine andere auf ihren Rücken, was seinen Blick riesig werden ließ. Das… Ian wusste gar nicht, was er davon halten sollte, denn bevor er irgendetwas begriff, schlich sich die Angst ein, dass auch ihre Hand auf seinem Rücken landen würde und sie dabei die Narben unter dem Stoff wahrnehmen konnte. Sämtliche Farbe musste aus seinem Gesicht gewichen sein, denn als Tahiri ihn ansprach, klang Sorge in ihrer Stimme. ‚Alles in Ordnung?‘ Doch er konnte kaum antworten. Du musst dir keine Sorgen machen, es ist wirklich einfach und wenn es, was ich nicht glaube, gar nicht klappt, machen wir wieder die Rohübung. Aber das war doch gar nicht sein Problem. Seine Hand auf ihrem Rücken war es und viel mehr die Angst, dass ihre folgen würde. Doch ihre Hand lag viel mehr auf seinem Schulterblatt, dennoch zuckte Ian zusammen, doch Tahiri sagte nichts Böses dazu, sah ihn nicht einmal seltsam an. Es ist in Ordnung‘, lächelte sie bloß und klang dabei so ruhig und sanft, dass Ians Farbe im Gesicht, langsam wieder zurückkehrte und er vorsichtig nickte. „Tut mir leid,“ sagte er leise, hörte die Scham in seiner Stimme doch erneut reagierte Tahiri nicht ungehalten oder forsch, nein, sie lächelte und in diesem Lächeln lag etwas so … liebevolles, dass Ian es vorsichtig erwidern musste. Und dann tanzten sie und warum auch immer es funktionierte, es funktionierte! Nicht ein eniziges Mal trat er ihr dabei auf die Füße und urplötzlich kam Ian sich gar nicht mehr vor, wie jemand, dessen Arme und Beine viel zu lang für seinen Körper waren. Es funktionierte und es fühlte sich gut an, nein, es fühlte sich wunderbar an. Die Musik, die Bewegungen, ihre Anwesenheit. Sie sagte kein Wort und was Tahiri und Ian in jenem Moment miteinander austauschten, fand allein durch ihre Bewegungen statt und durch das, was sie sich durch ihre Blicke mitteilten. Wenn Ian sonst nie wusste, was er zu sagen hatte, schien es das erste Mal zu sein, als bedürfte es keiner Worte. Sie sprachen miteinander ohne zu reden und Ian fühlte sich wie in einem seiner Märchen, ja, wie in einem seiner Märchen, in dem es am Ende nichts Schlechtes gab.

    Sie tanzen über eine Stunde, lächelten, lachten hier und da leise, bis sie den Tanz schließlich beendeten. Das war … wirklich schön, ich meine… danke.‚Du bist ein guter Tänzer, der Dank liegt ganz auf meiner Seite‘, sagte sie und da lächelten sie beide, zeitgleich und Ian wurde warm. Würdest du mit mir Essen gehen?“ Die Frage überraschte ihn beinahe selbst, denn sie kam so schnell und beinahe frei von Unsicherheit. Diesmal konnte er nicht zulassen, dass sie einfach wieder ging und sie sich wieder aus den Augen verloren. ‚Gerne‘, sagte sie und als sie beide erkannten, dass in diesem Gerne Erleichterung mitschwang, lachten sie.

    Besonders viel von Außen gab das Lokal nicht her, dass wusste Ian, aber es war das beste auf ganz Telos, auch wenn die Gestalten, die sich hier herum trieben eher unheimlich wirkten. Außerdem passte es irgendwie zu ihm und er mochte die meisten Wesen, die hier her kamen – trotz oder gerade wegen ihrer Ausstrahlung. Tahiri sah sich nicht ängstlich um, machte nicht den Eindruck, als wolle sie unbedingt wieder weg.
    ‚Bist du öfter hier?‘, fragte sie stattdessen neugierig, so als ahne sie schon, dass ihn etwas mit diesem Ort verband.
    „Sehr oft, denn ich kann nicht kochen und habe so etwas wie einen stillschweigenden Vertrag mit dem Koch abgeschlossen. Wenn ihm etwas kaputt geht, kommt er zu mir, wenn es Ärger mit Wesen anderer Spezies gibt, kommt er zu mir und dafür komme ich und bekomme mein Essen.“
    ‚Ärger mit anderen Spezies?
    Na ja, ich kann ein paar Sprachen und deswegen hab ich ihm die Speisekarte übersetzt und wenn es notwendig ist, einen Streit zu schlichten, erreicht er mich eben auch und ich versuche zu vermitteln.“ Sie lehnte sich im Stuhl zurück und sah ihn an.Dann reparierst du nicht nur Gegenstände, sondern kittest auch irgendwie Beziehungen?‘ Ian hob die Schultern. „Na ja, ich würde das so nicht nennen, aber wenn du es so ausdrücken willst…“ Wieder erklang ihr Lachen und wieder war es so weit davon entfernt, ihn zu verletzen. Ich hab das Gefühl, dass du viel zu bescheiden bist. Wie viele Sprachen sprichst du?‘ Bei ihren Worten wanderte sein Blick kurz auf seinen Teller, ehe er ihn wieder hob. „8. Na ja, das heißt, ich verstehe 8, aber ich spreche nur 5." Tahiri ließ ihre Gabel sinken und sah ihn an, als hätte er von einer Sagengestalt erzählt – die er als Wahrhaftigkeit abgestempelt hatte. Nur 5? Ich kann gerade mal 3 und ich verstehe gerade mal 3.‘ Nein, das stimmte nicht. Wenn Tanz eine Sprache ist, sprichst und verstehst du 4 und das kommt den 5 sehr nahe, finde ich.“ Tahiri sah in eine Sekunde lang, ehe sie lachte. ‚Du bist nicht nur bescheiden,‘ erklärte sie dann, ‚nein, irgendwie bist du auch ganz anders und das mag ich.‘ Hieß das, dass sie ihn mochte? Ian versteckte sein Lächeln, indem er sich beeilte, etwas zu essen. Kannst du etwas auf einer anderen Sprache sagen?‘, bat sie ihn dann. Ian überlegte nur eine Sekunde, ehe er sagte: Ke u rata haholo. Das ist Lasat.“Und heißt?‘ Sie sah ihn erwartunsgvoll an, aber Ian hatte das doch absichtlich in einer Sprache gesagt, von der er glaubte, dass sie Tahiri nicht verstehen würde. „Es war nur die Rede davon, etwas auf einer anderen Sprache zu sagen,“ wich Ian ihr aus, aber diesmal gab Tahiri sich nicht damit zufrieden.Soll ich einen Dolmetscherdroiden danach fragen?‘Nein! Es heißt…“ Warum hatte er nicht etwas völlig belangloses gesagt? So etwas wie ‚Das Essen schmeckt gut?‘ Sicher, er konnte sie belügen und sie würde es niemals bemerken, da war Ian sich sicher, aber… Er seufzte leise, starrte auf seinen Teller, spürte, wie sein Gesicht warm wurde und da flüsterte er:Es heißt,… dass ich dich mag.“ Und damit hatte er ein Wort unterschlagen, denn eigentlich hieß es, er mochte sie sie sehr. Auf Basic ausgesprochen klang es furchtbar und Ian traute sich nicht, von seinem Teller aufzusehen, aber da hörte er sie das Gleiche sagen. ‚Keh uh rahta haholo‘. Auch sie sagte es leise, aber nicht so flüsternd wie er und als sich ihre Blicke dabei doch begegneten, war da einfach nur ein Lächeln und weil keiner von beiden wirklich mit dem Gesagten umgehen zu können schien, aßen sie weitere, lächelten kurz und wandten sich anderen Themen zu.

    Später saßen sie beide im Gras und sahen auf den kleinen See, den Ian nicht gekannt hatte, doch Tahiri hatte den Spaziergang vorgeschlagen und ihn dorthin geführt.

    „Ich hab das Reisen gemocht und auch wenn ich nur ein Jahr dafür hatte, war es sehr schön. Ich habe viele neue Dinge kennen gelernt und ich hätte nie gedacht, dass es so viele Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede gibt. Reisen ist wunderbar, fremde Planeten… Andere Spezies. Es macht Spaß, sie zu beobachten und man kann unheimlich viel lernen, nicht nur die Sprache, sondern einfach alles.“
    ‚Das klingt toll, ich habe Telos nie verlassen und ich glaube, was mich daran hindert es zu tun ist, dass ich das Fliegen überhaupt nicht mag. Nicht einmal in einem Landgleiter. Ich brauche festen Boden unter den Füßen, sonst verfalle ich in Angst und Panik.
    Ian nickte, denn auch wenn er keine Flugangst hatte, kannte er sich mit Angst und Panik dennoch aus. „Weißt du, was ich tue, wenn ich Angst habe oder hatte? Ich erzähle mir leise ein Märchen, das hilft wirklich gut, denn es bringt einen in dem Moment an einen ganz anderen Ort.“ Ian sah ihren Blick trotz der Dämmerung, denn der Mond spendete ihnen genug Licht.Du erzählst dir selbst Märchen?‘ Ian strich sich über den Nacken, als er auf das Gras vor sich sah und auch dort mit der Hand darüber strich. Wahrscheinlich hielt sie ihn für ein halbes Kind oder für einen Verlierer. Zumindest... zumindest er hätte sich wohl dafür gehalten. Doch er wollte ehrlich sein und wenn er das war, dann glaubte er, dass sie verstehen würde. Ohne zu urteilen, ohne ihn auszulachen. Ohne ihn nieder zu machen und etwas in ihm zu sehen, das verachtenswert war. Ja, ich erzähle mir Märchen, nicht mehr so wie früher, weil ich heute viel weniger Angst habe, aber wenn doch, dann erzähle ich mir Märchen.“ Sie lächelte und der Mond spiegelte sich in ihren Augen wieder. Würdest du mir ein Märchen erzählen?‘, fragte sie dann und dieses Lächeln… „Ich weiß nicht…“ Wieder sah sie ihn an, oder besser, immer noch und die Bitte und die Hoffnung in ihrem Blick, konnte Ian kaum ignorieren, als er sich leise räusperte und ein Märchen zu erzählen begann, während sie sich im Gras zurück lehnte und liegend in den Sternenhimmel sah.

    Wahrscheinlich war es weit über Mitternacht hinaus, als Ian Tahiri nach Hause brachte, bis vor die Türe.
    Sehen wir uns morgen wieder?‘, kam sie ihm zuvor zu fragen. „Ja, unbedingt“ und wo er nun wusste, wo sie wohnte, gab es kein Entkommen mehr. ‚Dann bis morgen also?‘Bis morgen also!“ Als sie ihn diesmal umarmte, wusste Ian sofort wohin mit seinen Armen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 8. Februar 2017
  7. Etara

    Etara Scarface gone blue

    Initiation

    9 Jahre zuvor (Etara im Alter von 17 Jahren)

    Nar Shaddaa

    Die Lichter der grelle Leuchtreklame, die unzählige Waren und Dienstleistungen legaler, illegaler und halblegaler Art anpriesen, schufen in Verbindung mit dem prasselnden Regen ein faszinierendes Schauspiel, ein Meer aus Farben, verschwommen und doch klar. Etara liebte diesen Anblick, die junge Chiss ertappte sich manchmal dabei, wie sie einfach in den Nachthimmel starrte und versuchte die zahlreichen Eindrücke einzuordnen und nach Werbung zu suchen, die sie noch nicht kannte. Man konnte dem berühmt-berüchtigten Schmugglermond Nar Shaddaa einiges nachsagen, aber langweilig war es dort nie, und auch das war in Etaras Augen ein enormes Plus. Ja, das war ihre Heimat, schmutzig, kriminell, oberflächlich und gefährlich, und anders wollte sie es auch gar nicht haben. Hier pulsierte das Leben, hier war etwas los. Etara lächelte versonnen, zwang sich dann aber, weiterzugehen. Heute hatte sie keine Zeit für Sightseeing oder die zahlreichen Vergnügen, die man mit genügend Credits bekommen hatte, auch wenn die Versuchung groß war, eines der neuen Restaurants zu probieren, in denen man das Essen von den schönsten Kellnerinnen im Umkreis der zwölf Sektoren serviert bekam. So behauptete es jedenfalls die Reklame, die die Kriminelle gerade passierte, und sie grinste leicht. Vielleicht später. Für sie, die auf dem Schmugglermond geboren war, war es ein leichtes, die verschiedenen Sprachen zu entziffern, die man hörte und sah. Basisc, Bocce, die Händlersprache, und natürlich Huttisch, die raue, gutturale Sprache der Spezies, die diesen Mond und Nal Hutta kontrollierte. Und das waren nur die drei häufigsten Sprachen, angesichts der vielen Touristen, Geschäftsleute, Schiffsbesatzungen, Verbrecher und Arbeiter hörte man ein wahres Kauderwelsch und bekam Spezies zu Gesicht, die man wohl an kaum einem anderen Ort entdecken konnte. Erst gestern war sie einem Lebewesen mit zwei Köpfen begegnet, wie verrückt war das denn? Mit zielstrebigen Schritten eilte Etara durch die Nacht und die dunkel gekleidete Chiss, die einen Regenmantel übergeworfen hatte, vermied instinktiv die Ecken, die man zu dieser Zeit besser meiden sollte. Noch befand sie sich im „respektablen“ Teil von Nar Shaddaa, an dem zumindest ein gewisses Maß an Ordnung herrschte, aber dunkle Seitengassen und schlecht beleuchtete Straßen vermied man trotzdem, es sei denn, man wollte unbedingt ausgeraubt werden oder war zum ersten Mal hier. Die roten Augen der Chiss sahen sich suchend um und schließlich erreichte sie ihr Ziel. Dieser Bereich des Schmugglermonds war Gang-Territorium, in dem heftig um die Vorherrschaft gekämpft wurde. Die „Rancors“, die „Bad Bloods“, die „Lucky Knives“, das waren nur einige der mächtigsten von ihnen. Illegale Straßenrennen, Drogenhandel, Prostitution, Schutzgelderpressung, die Gangs waren fleißig, das musste man ihnen lassen. Und wer zu ihnen gehörte, war ein gemachter Mann und genoss auf der Straße Respekt. Heute war es Etaras Stunde, dazuzugehören. Seit geraumer Zeit hatte sie einige kleinere Jobs für die „Lucky Knives“ erledigt, Dinge wie Kurierdienste, Einschüchterung und Raub, und sich dabei so gut geschlagen, dass man ihr einen Platz angeboten hatte. Aber bevor sie ein richtiges Mitglied werden konnte, stand eine Aufnahmeprüfung an. Etara ging weiter, an leeren Häusern und verfallenen Fabriken entlang, bis sie vor einer alten Droidenfabrik zum Halt kam, an deren Tür das Abzeichen der Gang, zwei gekreuzte Messer, prangten. Zwei Gangmitglieder hielten Wache, ein kleiner, quirliger Rodianer, den alle nur „Twitch“ nannten, und ein großer, muskelbepackter Rattataki, der auf den klangvollen Namen Miko hörte. Die beiden nickten ihr zur Begrüßung knapp zu.

    „Hey, Blaue. Du bist pünktlich.“

    Meinte Miko mit seiner tiefen Stimme und Etara grinste kokett zurück.


    „Klar, wenn der Boss einlädt, lässt man ihn nicht warten. Nehm an, du musst mich filzen, was? Nimm dir ruhig Zeit.“


    Der Spruch sorgte für allgemeine Heiterkeit und Miko tastete Etara gründlich nach Waffen ab, eine Prozedur, die sie beide nicht als schlimm empfanden. Als er fertig war, öffnete der Rattataki die Tür und klopfte ihr kurz auf die Schulter.


    „Viel Glück da drin.“

    Etara nickte und trat ein, die Tür schloss sich hinter ihr. Die verfallene Fabrik war nur schwach beleuchtet, von einem großen Thron aus Droidenteilen einmal abgesehen, auf dem der Anführer der „Lucky Knives“ saß, ein bulliger, von Narben übersäter Mensch, den alle nur „Boss“ nannten. Einige Gangmitglieder standen im Kreis um die Mitte des Raumes versammelt. Etara trat vor und auf ein Zeichen des Anführers begannen die Kriminellen, mit ihren Energiepiken rhythmisch auf den Boden zu stoßen, und sobald Etara in der Mitte stand, hörten sie damit auf.


    „Willkommen, Etara. Du hast den „Lucky Knives“ gute Dienste erwiesen und ein Vollmitglied hat sich für dich verbürgt. Nicht wahr, Tessia?“

    Auf dieses Stichwort verließ eine Twi´lek mit gelber Haut den Kreis und nickte feierlich, sie zwinkerte Etara verschwörerisch zu. Eine kurze Pause, dann hob der Boss die Hand.


    „Also gut. Es wird Zeit, dich zu beweisen, Etara. Mit Blut hinein, mit Blut heraus. Du wirst gegen Tessia kämpfen. Keine tödliche Gewalt, keine Waffen, aber haltet euch ansonsten nicht zurück. Beginnt!“

    Die beiden Frauen nahmen Aufstellung und, gemäß der Etikette, verbeugten sie sich, doch Etara wusste, dass man in einem Straßenkampf nicht nach Regeln kämpfte, und noch während Tessia den Kopf senkte stürmte sie los und trat der Twi´lek kräftig in den Unterleib, was die Zuschauer überrascht aufschreien ließ, aber als Etara kurz zum Boss sah, grinste der wohlwollend. Das war die Bestätigung. Tessia erholte sich schnell von dem Schock und schlug zu, sie erwischte Etara an der Schulter und drängte sie zurück, ein Hagel von Schlägen folgte, denen die Chiss behände auswich, sie war schnell und wendig, aber ihre Gegnerin auch, die Twi´lek war bestrebt, es ihr heimzuzahlen, und einer ihrer Schläge traf Etara am Bauch und ein weiterer im Gesicht so dass sie wütend aufschrie. Der Chiss wurde es eindeutig zu bunt, sie stürzte nach vorne, trat nach Tessias Bein und brachte sie zum Einknicken, dann packte sie sie an Schultern und warf sie in einer drehenden Bewegung zu Boden. Hart schlug die Twi´lek auf dem Rücken auf und Etara stellte ihren Fuß auf ihren Oberkörper, wischte das Blut aus ihrem Gesicht und reckte triumphierend die Faust in die Höhe. Einen Moment herrschte Stille und alle starrten gebannt auf den Boss, und als dieser schließlich stolz nickte, wurde geklatscht und die Energiepiken auf den Boden gestoßen. Etara grinste voller Energie, half Tessia auf die Füße und drückte ihr einen Kuss auf die Lippen, was für allgemeines Gejohle sorgte. Die Twi´lek hielt kurz inne, verpasste ihr dann eine Ohrfeige und zog sie an sich, um sie erneut zu küssen, bevor sie beide lachten. Der Boss forderte mit einem Handzeichen Ruhe und erhob sich.

    „Willkommen, Etara. Von nun an bist du eine von uns. Und damit niemand das vergisst...das Zeichen.“

    Die Chiss ging zum Thron, sie wusste, was nun kam. Feierlich schritt der Boss auf sie zu und sie knöpfte ihre Jacke auf, als er ein Gerät herausholte und es an ihren Bauch drückte. Schmerz brannte auf ihrer Haut, aber sie biss die Zähne zusammen, und als er das Gerät wieder wegnahm, prangten dort zwei gekreuzte Messer. Sie hatte es geschafft.
     
  8. Spectre

    Spectre Pateessa + BS-Pate

    Nar Shaddaa - vor 14 Jahren



    Klatschend traf der Handrücken ihre Wange und Tränen versuchten in ihre Augen zu schießen. Aber sie biss die Zähne genauso zusammen wie bei den 3 Schlägen davor. Vorsichtig, fast zärtlich begutachtete der hagere Mensch zufrieden sein Werk im Gesicht der jungen Chiss. Nummer 4 war in herausragender Verfassung trotz ihres sehr jungen Alters. Laut den Akten der Einrichtung müsste sie jetzt 8 Jahre alt sein. 3 Jahre davon hatte sie hier auf dem kleinen unscheinbaren Mond im Nirgendwo verbracht, traininert und gelernt, Tag für Tag und Stunde um Stunde. Sie hatte ein Talent für Computer und Schusswaffen, eine optimale Attentäterin. Aber hatte sie das Zeug dazu?

    Major Amek hatte Zweifel, deshalb sollte das Subjekt getestet werden. Eine einfache Aufgabe, es war nur ein Mord. Schnell, sauber, spurlos.

    Das Opfer, ein kleiner imperialer Beamter namens Derrek Bidang, hatte Informationen an das Huttenkartell gegeben. Brisante Informationen über eine geplante Zusammenarbeit mit einem anderen Hutten und jetzt wollte dieser eine Scheibe vom Kuchen. Das war für die Operation zu viel Aufsehen und Bidang hatte keinen Wert im Gesamtbild. Sein besonderer Geschmack für exotische junge Mädchen würde ihm heute zum Verhängnis werden, aber davon wusste Nummer 4 natürlich nichts. Das musste sie nicht wissen wenn sie loyal genug war. Sie würde heute Abend als eine potentielle Sklavin und Gespielin zur Auswahl stehen. Chiss waren selten als Sklaven. Bidang würde einfach nicht widerstehen können.


    …..


    Nummer 4 stand in einer Reihe mit einer Twilek, einem Menschenmädchen und einer Falleen. Alle nicht älter als vielleicht 10. Die wenige Kleidung die sie trugen war nicht mehr als ein paar Fetzen, die mehr Preis gaben als verhüllten. Der schleimige Hutte lachte dröhnend auf seiner Schwebeplattform, während er dem Beamten seine Geschenke anbot. Das Geschäft hatte sich gelohnt. Bidang leckte sich aufgeregt über die Lippen und strich sich durch das fettige braune Haar, dass streng nach hinten gekämmt war. Der dicke Beamte dachte nach und drehte sich zu dem Hutten.

    „Die Blaue und die Grüne.“

    Die große Schnecke winkte lediglich ab und wandte sich wieder an seinen Betraterstab. Einer der Wachen, ein Nicto, schob das menschliche Mädchen zur Seite und führte sie ab, während Bidang die Arme um die Falleen und Nummer 4, die Chiss, legte. Sein Blick sagte deutlich was er mit den Mädchen vor hatte und der Blick, der die Falleen der jungen Chiss zuwarf war voller Angst. Nummer 4 kämpfte gegen die Scham und die Entwürdigung. Der Captain hatte ihr gesagt, dass alles nur die Schuld dieses Menschen war, dieses schleimigen Beamten, der sie alle dazu zwang das hier zu tun. Und warum sollte der Captain sie anlügen. Er hatte sich sogar für die Schläge entschuldigt, aber ein Sklavenmädchen ohne Makel war zu auffällig in den Kreisen in der sie sich jetzt bewegen musste.

    Ein Protokolldroide, eine ältere Baureihe, öffnete ihnen nach ein paar Metern durch die Gänge des Palastes eine Tür in ein geräumiges Schlafzimmer. Bidang schubste die Mädchen in das Zimmer und ordnete an, die nächsten 2 Stunden nicht gestört zu werden. Bestätigend nickte der Droide und schloss die Tür hinter dem Imperialen.

    Der Mensch kam zuerst auf Nummer 4 zu. Grob packte er sie am Arm und warf sie aufs Bett während die Falleen ängstlich zurückwich, froh eine Schonfrist bekommen zu haben. Er öffnete die Uniform und stockte. Erwas stimmt ganz und gar nicht, denn die kleine zarte Chiss vor ihm hatte keine Angst. Hasserfüllt funkelte sie ihn an.

    „Wenn Du glaubst ich bin so einfach zu haben, dann probiers nur.“

    zischte die Chiss ihn an und zog eine dünne Klinge aus der Sohle ihrer Sandale.

    Der Beamte machte einen Schritt zurück, aber das Mädchen war schneller. Wie ein Raubtier sprang sie auf und vom Bett ab.

    Immer wieder stach sie zu, wieder und wieder. Bereits vor Minuten hatte der Körper des Menschen aufgehört zu zucken. Langsam kam sie wieder zu sich und hörte den Schrei des anderen Mädchens.

    Die Tür wurde aufgerissen, mehrere Uniformierte in den Farben der Huttsec, der Sicherheitsfirma der Hutten die pro forma das Gesetz auf Nar Shaddaa vertraten, stürmten in das Zimmer. Natürlich waren es imperiale Agenten, allen voran ihr Captain.


    ….


    „Diese unprofessionelle Art schiebe ich auf Ihr Alter Nummer 4. Aber das bekommen wir schon wieder hin."


    Der Captain sah zu der Falleen, die zusammengesunken in der Ecke saß.

    „Ich sagte keine Zeugen. Es darf niemals Zeugen geben. Sie haben 5 Minuten Nummer 4.“


    Damit drehte sich der IGD-Offizier um und schloss die Tür hinter sich. Die Chiss blickte kalt von der Leiche des Beamten zu der jungen Falleen. Das Messer hatte der Captain mitgenommen…


    Sie war nie gut darin gewesen und die Lehrstunden im Töten ohne Waffen waren nie ihre Stärke gewesen. Sicherlich hätte es auch andere Möglichkeiten gegeben diese Aktion des IGD zu verheimlichen. Aber das interessierte den Captain des IGD nicht sonderlich. Es war ein Test. Es gab nicht viele, die einfach ein Kind umbringen konnten, weil es zur falschen Zeit am falschen Ort war. War der Mord an dem Beamten noch von Hass und Scham angestachelt worden, so musst Nummer 4 jetzt kaltblütig töten. Nach exakt 5 Minuten öffnete sich die Tür und die Chis trat heraus. Etwas hatte sich in ihrem Blick verändert und das ließ ihn frösteln.
     
    Zuletzt bearbeitet: 20. Februar 2017
  9. Avlan Diaz

    Avlan Diaz Söldner, Skrupellos, Böse?

    Familie

    Byss - 14 Jahre zuvor

    "Er wird dir dass nicht einfach so verzeihen, dass weist du genau", sagte sie ihm. Ja, dass würde er wirklich nicht. Sein Vater hatte genau vorgeplant welchen Weg seine Söhne gehen sollten, welche Posten sie einnehmen und welchen Einfluss sie für ihren Vater schüren würden. Die Heirat in wohlhabende Aristokraten- oder Industriellenfamilien, der Aufbau eines starken Bündnisses mit den Lokalen Eliten auf Byss oder gar die Einflussnahme auf den Gouverneur waren alles nur Grandiose Beispiele für die Wahnvorstellungen seines Vaters. Dieser Versprach sich von seinem sicheren Posten in der Systemflotte und seinen Kontakten zur Verwaltung einige Vorteile für seine Familie, welche seine Söhne besser manifestieren sollten. Der älteste Sohn von Armand Diaz wollte schon zu Schulzeiten, der strengen Erziehung zum trotz, nicht für seine vorbestimmte Laufbahn als Offizier der Imperialen Flotte pauken und machte schon einmal alle Zukunftspläne zunichte. Als er sich dann im allgemeinen weigerte zur Flotte zu gehen und sich wenigstens mühsam hochzuarbeiten, wurde der Älteste vor ungeahnte Probleme gestellt.

    "Es ist mein Leben Mutter, nicht seins. Wieso kann er nicht verstehen dass ich nicht dass Rädchen in seinem Spiel sein will, dass lediglich ihm weiterhilft? Wo war er die letzten Jahre für uns beide, Sevlan und mich? Und jetzt soll ich seinem Willen folgen? Ich werde zum Heer gehen ob er will oder nicht!", sprudelte es aus ihm heraus. In normalen Familien, die in geregelten Verhältnissen lebte wäre die Entscheidung des Sohnes wohl ohne große Folgen geblieben, doch in Avlans Familie, war es etwas ganz anderes. Sein Vater lebte in alten Wertvorstellungen und war anders erzogen worden als der Durchschnittsbürger. Uralte Regeln und Sitten wurden von den Diaz' gepflegt wie andere nicht einmal ihre wertvollsten Besitztümer beschützten.

    "Avlan, ich bitte dich, wo ist denn der Unterschied ob du zum Heer gehst oder zur Flotte, es ist die gleiche Armee! Tu mir bitte den gefallen und schreib dich dort ein wo es deinen Vater glücklich macht!". Avlan runzelte die Stirn. Er wusste dass sein Vater ein sehr hitzköpfiger Mensch war und man ihn schnell zur Weißglut bringen konnte wenn Dinge nicht so liefen wie er sie haben wollte, aber Avlan war nun achtzehn Jahre alt und ein Erwachsener Mann - in seinen Augen. Er wollte seinem Vater all die Strenge irgendwie heimzahlen und ihn dafür bestrafen was er ihm angetan hatte, ihm und seinem kleinen Bruder. Er würde als erster seinen eigenen Weg beschreiten und den Vater enttäuschen, so wie er es sich die ganze Zeit ausgemalt hatte:"Nein. Ich werde seine Regel brechen und es ein für allemal beenden. Seine Visionen sind mir genauso egal wie die Heirat mit diesem fetten Schwein vom Adel. Er ist doch verrückt geworden mir vorzuschreiben wen ich zu lieben habe und welchem Beruf ich nachgehen soll! Entweder er akzeptiert meine Entscheidung, oder ich verschwinde von hier und komme nie wieder! So lange bis er nicht eingesteht dass er die Fehler gemacht hat, mein ganzes Leben lang! Dann soll er sein Leben eben ohne einen seiner Söhne verbringen, und seiner gottverdammten Karriere nachgehen!", plötzlich ertönte eine Stimme von der Seite:"Dann geh. Geh, und kehre nicht mehr zurück, wenn es dich glücklich macht", gab Armand kalt und gefühllos von sich, welcher seine muskulösen Arme hinter seinem Rücken verschränkte und Haltung annahm. Die Stahlblauen Augen trafen Avlan tief ins Herz:"Meinst du dass ernst? Willst du wirklich dass ich gehe, Vater?", noch immer blieb dass Gesicht seines Vaters regungslos. Auf einmal verengten sich die Augen zu schlitzen. Er biss die Zähne zusammen:"Wenn du nicht zur Flotte gehst bist du in diesem Haus nicht mehr willkommen". Avlan trat gegen die Kommode vor ihm und hob den Finger:"Ich hasse dich, ich habe dich schon immer gehasst du gefühlsloser....", er hielt inne. Noch immer hallte der Respekt nach, den er seinen Vater schuldete, obwohl er ihm am liebsten einiges ins Gesicht gesagt hätte:"Ich bin fertig mit dir. Ich gehe noch heute Abend. Diesmal... für immer". Ein letztes Mal salutierte der junge Mann noch vor seinem 'Vater' wie gewohnt, und verließ dann dass Wohnzimmer.

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    Zart drückte er ihre Hände, und sah ihr dabei liebevoll in die Augen. Ihre leicht gebräunte Haut, ihre zu drei Zöpfen geflochtenen Kastanienfarbenen Haare, zwei jeweils links und rechts vom Gesicht, der dritte am Hinterkopf, und ihre Augen, zwei unbeschreiblich hübsche Kristalle farben wie die Seen Alderaans. Ein lächeln, klarer als der Mond am Nachthimmel, und ein Mund sinnlicher als jede Freude die die Galaxis zu bieten hatte. Dass siebzehnjährige Mädchen war dass ein und alles in
    Avlan's Leben gewesen, ihr hatte er heimlich seine Zukunft gewidmet und alles in seiner Macht stehende getan um seine Ausbildung zum Soldaten auf Byss zu beschreiten, dort wo er ihr näher sein konnte als an jedem anderen Ort des Universums. Es interessierte ihn nicht dass ihn sein Vater so kaltherzig hatte verstoßen können, und dass er jetzt ein obdachloser achtzehnjähriger war, vollkommen allein auf sich gestellt. Doch würde er alles geben um der Frau an seiner Seite alles erdenkliche zu ermöglichen und ein besserer Ehemann zu sein als sein alter Herr - und ein besserer Vater.

    "Wie geht es ihr?", fragte Avlan mit einem lieblichen lächeln nach. Sie fuhr mit ihrer Hand an seinem Gesicht entlang, und grinste:"Du musst dich nicht um sie sorgen, es geht ihr gut. In ein paar Wochen wirst du sie bereits hören können, mein Schatz". Langsam kam er ihr näher, auf der offenen Gleiterplattform welcher von der Sonne in ein einen gelb-rötlichen Sonnenuntergang gehüllt wurde:"Du weist dass ich alles für euch beide tun werde, alles.", behutsam strich er an ihrem noch dünnen Bauch vorbei, ging in die Hocke und küsste sie dort. Dass bauchfreie Top ermöglichte es ihm seiner Tochter wenigstens indirekt nahe zukommen:"Mein Mädchen wird genauso stark wie ihr Vater. Und genauso hübsch wie ihre Mutter", der junge Mann erhob sich wieder und lächelte überglücklich. Dann legte er seine Arme um sie und wollte ihre Lippen mit den seinen Berühren, doch blickte sie verlegen zur Seite:"Was ist mein Schatz? Bist du nicht auch froh über unser Glück? Ich kann verstehen dass du dir um unsere Zukunft sorgen machst, doch werde ich genug Geld auftreiben um uns eine Woh...", sie legte ihren Zeigefinger auf seinen Mund, und ging einen Schritt zurück. Deprimiert blickte sie zu Boden, ihre blauen Augen waren nicht mehr so strahlend wie zuvor:"Avlan... ich.... muss dir etwas sagen". Ihre Augen wurden glasig, als ob sie etwas schlimmes bedrücken würde. Eine einzelne Träne lief ihr die Wangen runter.
    "Dass mit uns... kann nichts werden. Ich wollte es dir eigentlich schon... früher sagen aber.... die Gefühle die du für mich empfindest sind stärker als die meinen....". Schockiert starrte der junge achtzehnjährige seine Freundin an:"Was... was meinst du? Wie....", es war als lief ihm ein eiskalter Schauer über den Rücken. Noch nie hatte er solche Angst verspürt wie in diesem Moment:"Du verlangst von mir meine Familie zu verlassen Avlan, damit wir beide durchbrennen und ein unsicheres Leben irgendwo hier weit weg von zuhause führen. Ich... kann nicht einfach so gehen. Ich denke es wäre dass beste wenn wir uns... eine Auszeit nehmen".

    Ihre Worte trafen
    Avlan in die Magengegend, in die Lugen, in seinen ganzen Körper. Er hatte dass Gefühl als würde er ersticken:"Aber... ich habe meine eigene Familie heute verlassen, ich habe meinen Vater vor den Kopf gestoßen! Ich habe kein zuhause, keine Familie, nichts!", warf er ihr schockiert zu:"Wie kannst du.... wir haben doch ein... Kind...", er war einfach fassungslos und wusste nicht was er mit sich anstellen sollte. Er schwitzte am ganzen Körper:"Avlan ich... ich denke dass unser Kind besser in meiner Familie aufwachsen würde. Meine Eltern sind sowieso nicht für eine Partnerschaft zwischen uns also.... ", sie kam ihm näher und schaute ihm tief in seine den Tränen nahen Augen, sein Körper zitterte wie unter Strom. Dann legte sie ihm eine Hand auf die Schulter:"Es ist aus mit uns Avlan. Endgültig. Es tut mir leid". Es war so als würde der junge Mann etwas sagen wollen, doch blieb er nur verbittert stehen. Langsam entfernte sie sich von ihm, zahlreiche Tränen liefen ihr die Wangen herunter:"Es ist für mich ebenfalls nicht leicht Avlan!", schrie sie ihn mit feuchter Stimme an:"Vergiss mich einfach, vergiss deine Tochter!", nun fing sie an ohne Unterbrechung zu weinen und sah ihren ehemaligen Partner nur fassungslos an. Noch immer stand er da vollkommen regungslos vor sich hin, hielt die Handflächen offen nach oben und starrte auf den Boden:"Meine Eltern erlauben doch auch keine Verbindung zwischen uns verstehst du dass denn nicht Avlan, sag doch etwas!", schluchzend wartete sie auf eine Antwort. Nach mehreren Minuten des fassungslosen Anblickes Avlan's, legte die Frau ihre Hände ins Gesicht und wollte gerade gehen, als sie mit ihrem Rücken zu ihm stehen blieb. Sie wischte sich die Tränen aus dem Gesicht, und blickte zur Seite ohne ihn wirklich zu sehen. Dennoch wusste sie dass er ihr hinterher sah:"Leb wohl... Avlan". Dann lief sie fort, die Treppen der Plattform hinunter. Verbittert drehte sich Avlan herum und fasste sich am Geländer. Die Blauen Augen starrten in die Ferne, der untergegangenen Sonne entgegen. Einsam, lief eine einzelne Träne seine Wange hinunter.
     
  10. Ian Dice

    Ian Dice against all odds Premium

    Schlittschuhlauf – der Anfang
    18 Jahre zuvor, Telos, Tahni, See
    (Ian im Alter von 17 Jahren)



    Schlittschuhlaufen. Bei allen Dingen, die sich Tahiri aussuchen hätte können, wäre wahrscheinlich nur Schwimmen schlimmer gewesen. Schlittschuhlaufen. Ian hatte noch nie auf solchen Schuhen gestanden und wahrscheinlich würde er sich hoffnungslos blamieren und selbst wenn sie ihn noch nie ausgelacht hatte, zumindest nie boshaft, wollte Ian nicht wie ein ungelenkes Bantha vor ihr wirken. Genau das aber, sah er vor sich: Wie er ein ums andere Mal fallen und sich nur blamieren konnte. Egal wie sehr er es mochte, ihr Lachen zu hören, egal, was sie damit auslöste, hätte sie sich nicht etwas suchen können, in dem er zumindest so etwas wie … nicht glänzen, aber erfolgreich sein konnte? Ihm lag es ja fern, vor ihr anzugeben, aber der Gedanke, etwas mit ihr zu tun, bei dem sie ihm zumindest einen kleinen Blick zuwerfen konnte, der ein bisschen … Anerkennung oder sogar Bewunderung enthielt? Er wollte doch angeben, er wollte doch angeben! War das nicht ein Beweis dafür? Besser, Ian machte sich darüber keine Gedanken, am Ende stellte er sich noch schlimmer an, im Versuch so zu tun, als könne er Schlittschuh laufen. Und wenn er sich so anstellte, wie beim ersten Tanzversuch? Zuerst seufzte Ian, doch schlussendlich musste er lächeln, denn wenn sie lange genug liefen, konnte dann vielleicht doch etwas dabei heraus kommen, wenn sich Tanzen und Schlittschuhlaufen wirklich eins zu eins vergleichen ließen? Zumindest hoffte Ian das stark und da klopfte es auch schon an seine Türe und zeitgleich klopfte auch sein Herz.

    „Da bin ich“, strahlte Tahiri ihm entgegen und so gerne Ian auch nur Augen für sie gehabt hatte, fiel sein Blick doch zuerst auf die Schlittschuhe, die sie trug, vor allem sah Ian die dürren Kufen und fragte sich, wie er darauf je die Balance halten sollte und wurde bleich.
    ‚Du gibst doch nicht schon auf, bevor wir es versucht haben?‘, fragte sie, mit einem neckischen Unterton, als sie ihn, dank der zwei Paar Schlittschuhe, die sie trug, eher ungelenk umarmte.
    Quatsch“, stritt Ian selbstverständlich ab. „Als wären Schlittschuhe auch nur im Ansatz irgendwie beängstigend.“ Und als wäre Aufgeben überhaupt eine Option. Ihr beide Paare abnehmen wollend, hielt Tahiri das ihre fest. ‚Ich bin gerade stark genug, sie zu tragen‘, lächelte sie, als Ian das Paar, dass sie für ihn mitgebracht hatte, vorsichtig über seiner Schulter hängte. „Hab ich fast vermutet,“ grinste er zurück, auch wenn er sich im Stillen für einen Idioten hielt und geglaubt hatte, dass er mit dieser Geste vielleicht etwas hätte bewirken konnte. Etwas. Beinahe wäre Ian rot geworden, doch er konnte es gerade rechtzeitig verhindern und hätte es notfalls darauf schieben können, dass sie gerade sein winziges Zimmer verließen und in die Kälte traten. Irgendwann musste er ihr noch einmal sagen, dass er sie mochte. Irgendwie. Aber damals war es denkbar einfach, diese Worte auf einer anderen Sprache zu äußern. Nur, nur, wusste Ian nicht, wie er so etwas noch einmal sagen sollte. Und auch nicht, was er sich erhoffte. Na ja, na ja, wenn er ehrlich war, wusste er sehr wohl, was er sich dabei erhoffte, aber der Gedanke war viel zu absurd und schließlich wurde Ian doch rot, aber Tahiri bemerkte es nicht.

    ‚Du wirst sehen, es ist sehr einfach, genau wie normales Laufen auch,‘ erzählte sie gut gelaunt und Ian sah sie von der Seite aus an, kaum in der Lage, sich überhaupt auf das zu konzentrieren, was sie da sagte. Er konnte ihr nicht noch einmal sagen, wie sehr er sie mochte. Selbst wenn sie es noch einmal erwidern würde, sie würden einander anlächeln und mehr nicht. Wenn er gar nicht erst mehr erwartete, war er doch auf der viel sichereren Seite und wahrscheinlich, nein bestimmt, war da ohnehin jemand, den sie nie explizit erwähnt hatte. Sie hatte eine Menge Freunde, das wusste Ian und sie hatte eine ganze Reihe männlicher Freunde, das wusste Ian noch sicherer. Deswegen war es besser, er stellte sich nicht vor, dass sie je mehr austauschen konnten, als ein Lächeln. Dabei spürte er noch immer, wie sich ihre Hand anfühlte, wie zart und klein sie war, wie warm. Aber es gab beinahe nie Gelegenheit dazu, ihr die Hand zu reichen, denn sie begrüßten sich nicht mit einem Händedruck und es kam, vor allem jetzt im Winter, nicht täglich vor, dass sie im Gras hockten und er der erste war, der aufstand, um ihr die Hand zu geben. Sie war älter als er, nur zwei Jahre, aber sie war älter und allein das, welche Frau mochte jüngere Männer und überhaupt, welche Frau würde ihn mögen? Und dann ausgerechnet Tahiri. Außerdem hatte er doch gar keine Ahnung! Sie war schön und zart und er war… unbeholfen und ‚…Ian?‘

    „Was hast du gesagt?“ fragte er peinlich berührt, als er erkannte, dass sie inzwischen angekommen waren. Tahiri lachte. ‚Eigentlich hab ich mehr gefragt, ob du nicht die Schuhe wechseln willst, aber offensichtlich bist du gedanklich gerade wo anders. Du musst dir keine Sorgen machen, du schaffst das!‘ Als wären das seine Gedanken oder Ängste gewesen. Er aber setzte ein Lächeln auf, so selbstsicher, wie nur möglich. „Ich musste vorher den See genau inspizieren,“ behauptete er dann und ließ seinen Blick absichtlich ein paar Sekunden über die gefrorene Wasseroberfläche gleiten. „Also, ich würde sagen, wir fangen an?“ Tahiri lachte schon wieder, als sie auf seine Schuhe deutete. ‚Vielleicht wechselst du trotzdem vorher die Schuhe‘? Vielleicht sollte er sich entweder einen Bart wachsen lassen oder sich schminken, damit er nicht zu offensichtlich rot wurde. Letzteres hätte ihn vielleicht genau zu dem Idioten gemacht, als den er sich empfand. Ihm fiel kein kluger Kommentar ein, der nicht irgendwie deutlich gemacht hätte, dass er sich wirklich ein wenig davor fürchtete, aufs Eis zu gehen und sich fürchterlich zu blamieren. So also ging Ian schlicht am Rand des Sees in die Hocke und wechselte die Schuhe, als Tahiri längst schon auf dem Eis stand. „Das wird ein Kinderspiel sein“, murmelte er vor sich hin, als er vorsichtig auf das Eis ging und selbst dabei schon Schwierigkeiten mit der Balance hatte. „Bleib wo du bist!“, rief er Tahiri zu, denn sie bewegte sich schon auf ihn zu, um ihm zu helfen, aber das konnte Ian kaum zulassen, schließlich musste er doch beweisen, dass die Sache ganz, ganz einfach war.

    „Ich kann das!,“ behauptete er also und versuchte einen Fuß vor den anderen zu setzen, diese seltsame Gleitbewegung hinzubekommen und er fiel dabei nicht. „Siehst du!“ Ian schwankte gefährlich, ging automatisch in die Hocke, stützte sich mit den Händen ab, eher er gefallen wäre. Diese Kufen waren viel zu hoch! Schon so wusste Ian, dass er nicht unbedingt zu den Kleinsten zählte, aber diese Schuhe machten ihn noch größer. ‚Ich sehe es‘, sagte Tahiri mit einem Lachen in der Stimme, ‚und ich werde mich hüten, dir auch nur einen einzigen Tipp zu geben.‘ „Das will ich auch hoffen,“ beeilte Ian sich zu sagen, der liebend gerne gehört hätte, wie er das hier richtig anstellen sollte. Und als er versuchte, aufzustehen, landete er sehr schnell und unsanft doch auf seinem Hintern. „Das Eis bricht jedenfalls nicht..“, kommentierte er also und im dritten Versuch gelang es ihm, wieder zum Stehen zu kommen, doch nun schwankte er noch unsicherer und der Versuch, zu ihr zu gelangen, scheiterte. ‚Du musst ein bisschen in die Knie gehen Ian, damit du leichter laufen kannst,‘ erklärte sie doch und klang dabei nicht etwa belehrend. ‚Schau‘, meinte sie dann und ging ein wenig mehr in die Knie, machte eine kleine Wippbewegung um deutlich zu machen, dass sie nicht so stocksteif dastand, wie er. „Aber wenn ich das mache, falle ich viel eher…“ ‚Wenn du das nicht machst, sind deine Beine steif und du fällst gerade deswegen. Die Beine hüftbreit und ein V auf dem Boden bilden.‘ Einfacher als Tanzen. Natürlich. Ian versuchte das, was Tahiri ihm da vormachte und erkläret, nachzuahmen, aber er ging zu tief in die Hocke und fiel erneut. „Sich von einem Viereck auf den Boden, auf ein V umzugewöhnen, ist irgendwie nicht so einfach.“ Doch Ian stand erneut auf, lief, zwei drei Schritte und geriet wieder ins Schwanken, als Tahiri neben ihm zum Bremsen kam und ihn fest hielt. ‚Ein bisschen in die Knie, nicht als wolltest du dich setzen, sondern ein bisschen abfedern.‘ Ian lachte, leise. „Weißt du, vielleicht ist es einfacher für dich, weil du tanzen kannst und nicht so komisch groß bist.“ ‚Du kannst auch Tanzen und deine Größe hat nichts damit zu tun, ob du ein bisschen federn kannst. Setzen kannst du dich doch auch, ohne dabei umzufallen.‘In der Regel ist der Boden dann aber nicht glatt und ich hab keine komischen, mageren, hohe Absätze unter den Füßen!“ Sie lachte, als sie ihm zugestand: ‚Das ist ein Argument.‘ „Okay, ich versuch das jetzt noch mal.“ Und da ließ auch Ian Tahiri los und lief ein paar Schritte, ehe er erneut ins Wanken kam und mit überkreuzten Beinen wieder fiel, diesmal lachend. „Ich weiß wirklich nicht warum, aber das geht nicht, das ist, als wären diese Beine nicht mir!“ Sie waren einfach zu lang und mit diesen Dingern darunter, noch länger. Lang und schlaksig, das war das Problem! Der Versuch aufzustehen scheiterte diesmal sofort. „Das liegt bestimmt an diesen Kufen, die sind viel zu lang, Schuhe sind auch den Füßen angepasst und nicht noch länger.“ Tahiri lachte bloß, als sie sich der Vorstellung hingab, die Kufen wären nur so breit wie der Absatz eines Stöckelschuhs. ‚Wenn du dir helfen lassen würdest, wäre es vielleicht einfacher,‘ kommentierte sie dann, ‚aber es liegt bestimmt an den Kufen, nur daran.‘ „Natürlich! Sieh her, ich stehe auf,“ und kaum, dass Ian das tatsächlich schwankend gelang, kippten seine Knie nach Innen und der Versuch, sie wieder nach außen zu drücken, endete damit, dass er erneut fiel.

    ‚Jetzt gib mir schon deine Hand, am Ende bin ich Schuld, dass du Millionen blauer Flecken hast‘ und was blieb ihm anderes übrig, als nach ihrer Hand zu greifen. ‚Jetzt vorsichtig, erst den rechten Fuß, gut so! Dann das Gewicht verlagern, Ian, du musst...‘ er wollte sie los lassen, aber da fiel sie schon mit ihm und landete ebenfalls auf dem Eis, direkt neben sie und da lachten sie beide. „Tut mir leid, jetzt bin ich hoffentlich nicht Schuld, an deinen blauen Flecken.“ Ich werde sie dir verzeihen, gerade so, aber auch wirklich nur gerade so,‘ lachte sie leise und sah so schön dabei aus und ihre Hand in der seinen, fühlte sich so gut an, dass er sie gar nicht loslassen wollte. Ihre Hand in der seinen? Ians Augen weiteten sich kurz erkennend und zeitgleich wanderten ihre Blicke auf ihre Hände, die sich noch immer hielten. Tahiri hatte ihn nicht losgelassen, dabei bestand doch überhaupt kein Grund dazu, jetzt, wo sie doch beide auf dem Eis hockten. Ian spürte sein klopfendes Herz, als sein Blick zwei Sekunden länger auf ihren Händen verweilte, bis er langsam seinen Blick hob, zu Tahiri, sah, dass auch sie seinen Blick suchte. Sie war so schön, ihre braunen Augen in denen dieses leuchtende Lachen war, ihr Lächeln, dass so echt und so einnehmend war, ihre Haare die von der Wintersonne zum Glänzen gebracht wurden – er hatte nie, nie jemanden wie sie gesehen. Nie auch nur im Ansatz so etwas gefühlt und wenn, wenn da doch nur eine winzige, kleine, minimale Chance bestand, wenn er nicht sich sah, sondern jemand anderen, wenn er einfach jemand anderer war, jemand mit Selbstsicherheit, jemand, der nicht nur wusste, was er wollte, sondern jemand, der sich auch traute genau das zu sage, jemand der nicht Ian hieß. Wenn er nur ein bisschen war, wie einer dieser Helden. Nein, wie jemand aus einem seiner Märchen…Er näherte er sein Gesicht dem ihren, langsam und vergaß für Sekunden, dass er nur Ian war, nur der echte Ian, nicht der, der er viel lieber sein wollte und als er ihre Lippen mit den seinen berührte, als er gerade genug Mut aufgebracht hatte, als sein Herz ihn bestimmt gleich umbringen musste, da es viel zu schnell klopfte, noch bevor er sich überhaupt richtig küssen konnte, zog er sich zurück, denn er erkannte, wer er war. Eben einfach nur Ian, der nichtsnutzige, dumme Ian, der doch ohnehin überhaupt nichts richtig konnte.

    „Es…es tut mir leid,“ stotterte er, und sah sofort auf den Boden. Wie hatte er das tun können, wie hatte er das tun können?! Damit machte er doch nur alles kaputt, alles kaputt! Sie war doch viel älter als er, viel schöner, sie hatte diesen Charakter, der so schön war, wie sie, sie war Tahiri Nola’ee und er, er war … einfach nur Ian, irgendein komischer Dice und da sah er auch schon, wie sie die Hand hob und obwohl Ian sich zwang, nicht zusammen zu zucken, obwohl er es verhindern wollte, tat er genau das, denn diese Geste war ihm in Fleisch und Blut übergegangen, diese Ohrfeige, er hatte sie verdient. Ian wusste nicht einmal, ob sie fest gewesen war, oder nicht, denn er spürte kaum etwas anderes, als sein Herz, wagte noch immer nicht, seinen Blick zu heben, denn er fürchtete sich vor der Wut in ihren Augen, vor dem Ende ihrer Freundschaft. Doch als er doch etwas spürte, wieder wahrnahm, benötigte der junge Mann drei, nein vier Sekunden, ehe er begriff, ehe er Tahiri doch ansah, sie aber kaum sehen konnte, weil sie ihm so nahe war. Sie, sie küsste ihn! Da war ihre Hand, noch immer auf seiner Wange – nicht zum Schlag erhoben, sondern sanft und da waren ihre Lippen auf den seinen und da musste auch Ian die Augen schließen und ihren Kuss – diesen wundervollen Kuss – erwidern. All das überwältigte ihn. Die Wärme ihrer Hand, das Gefühl ihres Kusses, das, was sein Herz gerade in ihm veranstaltete, die Gänsehaut, die gekommen war, das Gefühl, alles, was sich da so seltsam schnell in ihm ausbreitete, es fühlte sich so fremd, so surreal und doch so wunderbar und echt an. Ian wusste nicht, wie lange sie einfach da saßen und sich küssten, er hatte jeden Bezug zur Zeit verloren, als er auch seine Hand hob und ihr über den Hals und über die Wange strich, sich in dem Kuss verlor. Dann öffnen sie beide die Augen, lösten sich nur ein winziges bisschen voneinander, sahen sich an und lächelten. Ian fühlte noch immer Tahiris Hand in der seinen und er spürte, wie seine Augen seltsam glitzerten, vor Glück, vor Freude, vor diesem wunderbaren Moment und vielleicht erkannte Tahiri das? Die Besonderheit der Situation, das unbeschreibliche Gefühl und da näherte sie ihr Gesicht, dass ohnehin kaum von seinem entfernt war erneut und küsste ihn wieder und da wusste Ian, da wusste er so sicher wie nichts, dass das hier kein Traum sein konnte, kein Traum war.

    Langsam lösten sie sich voneinander und obwohl das doch eigentlich alles deutlich sein musste, er, er musste sie fragen. „
    Bedeutet das… ich meine, heißt das…, dass wir zwei… zusammen sind?“ Ungeschickter konnte er es kaum ausdrücken, aber wie fragte man nach etwas , das eigentlich ein Traum sein musste ein wundervoller Wachtraum, aber doch die Realität war ? Doch Tahiri nickte und sie lächelte, nun ebenfalls mit Tränen in den Augen, als er die Initiative ergriff, nun sie küsste und Ian schlussendlich, als der Kuss ein Ende fand, in seine Arme zog. Und Ian wusste, dass hier war der glücklichste Tag seines bisherigen Lebens.
     
    Zuletzt bearbeitet: 13. Mai 2017
  11. Ian Dice

    Ian Dice against all odds Premium

    Eine Tasse Kaff
    (16 Jahre zuvor, Ian mit 20)

    Der Tag war anstrengend gewesen und das, von Anfang an. Vielleicht hatten die Sterne nicht gut gestanden, wenn man an solchen Firlefanz glauben wollte, oder Ian war allgemein mit dem falschen Fuß aufgestanden. Fest stand, dass er froh war, endlich nach Hause zu kommen. Die Kunden, die er heute hatte bedienen müssen, waren anstrengend gewesen und Ian hatte nur mit Mühe freundlich bleiben können. Er mochte es nicht sonderlich, wenn er Aufträge annehmen musste, die außerhalb seiner kleinen Werkstatt stattfanden. Auch wenn er seine nötigsten Werkzeuge mitbrachte - eine andere Werkstatt war nun einmal anders. Die ganze Situation war es, vor allem, wenn man sich ständig über die Schulter blicken und kritisieren lassen musste. Dennoch, der Auftrag war, was die Credits betraf, lohnend gewesen und deshalb hatte Ian ihn auch angenommen. Seine Laune war nicht die beste, als er zu Hause ankam, die Tatsache, dass Tahiri nicht zu Hause sein würde, vermochte daran noch weniger zu ändern. Sie hatte ihm gesagt, dass sie irgendwelche Sondertanzstunden gab und das es länger dauern konnte. Länger dauern würde. Manchmal glaubte er, dass sie zu viele davon gab, aber Tahiri ließ sich nicht beirren und jedes Mal, wenn er seine Sorge darüber mit ihr teilte, fand sie doch ein Argument, dass für ihre Extrastunden sprach. Es war müßig mit ihr darüber zu sprechen, denn Ian wollte sie nicht bevormunden und ihr den Spaß an dem, was ihr so viel bedeutete, nicht nehmen. Dennoch war da auch ein Teil in ihm, der ihr deutlicher sagen wollte, dass es besser wäre, wenn sie mehr auf sich achtete. Dass es besser war, wenn sie weniger Extrastunden gab. Und ein nicht kleiner Teil von ihm, hätte ihr gerne verboten zu viel zu arbeiten.

    Als Ian die Tür öffnete, erwartete ihn pures Chaos. Da lagen Kleidungsstücke, da war ein ganzer Stapel ungespülten Geschirrs – es lag überall etwas herum. Hätte Tahiri nicht aufräumen können? Ihr eigenes Chaos, verstand sich. Sie hatte frei gehabt, den ganzen Tag und scheinbar hatte sie ihn allein dafür genutzt, ihre Wohnung in einen Müllschacht zu verwandeln. Wie hatte so viel Geschirr entstehen können, für eine einzige Person? Ians Ärger wuchs und warum auch immer – die Tatsache, dass sie ausgerechnet an dem Tag, an dem sie frei hatte, Tanzstunden geben musste, ärgerte ihn noch mehr. Sie hatte gewusst, dass er den ganzen Tag arbeitete und hätte sie nicht wenigstens am Abend, wenn er kam, hier sein können? Ihre Stunden hätte sie auch am Vormittag geben können. Aber nein, stattdessen hatte sie gehaust wie eine wilde Horde Jawas, die auf der Suche nach Schrott alles verunstaltet hatten. Er sollte waren bis sie kam und ihr das Aufräumen überlassen. Nur hätte das bedeutet, dass er dieses Chaos hätte ertragen müssen, mindestens bis morgen Abend und das – nein. Also räumte er auf, beseitigte ihr schmutziges Geschirr und beschloss, noch etwas für sich zu tun. Vielleicht verschwand seine schlechte Laune, wenn er in seiner eigenen Werkstatt noch etwas machte. Ohnehin, sein Werkzeug musste dorthin zurück und wenn er den Schreibtisch sah, den er mühevoll restauriert hatte, besserte das seine Laune sicher im Handumdrehen. Es war ein alter Tisch aus Holz, aber der Zahn der Zeit hatte ihm zugesetzt, außerdem die falsche Lagerung. Es hatte gedauert, bis er alles abgeschliffen, die richtige Farbmischung gefunden und alles wieder hergerichtet hatte. Vor allem war es schwierig gewesen, weil der Tisch aus unterschiedlichen Hölzern bestand und viele geschnitzte Verzierungen hatte. Eigentlich sah der Tisch eher so aus, als wäre er einem uralten Film entsprungen. Vielleicht war er das auch?

    Ihm fiel die Tasse nicht gleich auf, denn das erste, was Ian tat, war sein Werkzeug zurück zu sortieren. Erst, als er das getan hatte und einen Blick auf den Tisch warf, erkannte er die Tasse. Die er sicher nicht dorthin gestellt hatte. Ganz sicher nicht. „
    Das ist nicht ihr ernst,“ kam es, als er die paar Schritte zum Tisch hinüber ging und die Tasse hoch hob, nur um den kreisrunden Fleck zu sehen, denn sie hinterlassen hatte. „Das ist nicht ihr ENRST,“ wiederholte Ian nun deutlich lauter, als er erfolglos versuchte, den Kaff-Kreis, der sich in das Holz gebrannt hatte, zu entfernen.
    ‚Was ist nicht wessen Ernst?‘, hörte er eine Stimme sagen, die nur zu Tahiri gehören konnte. Zu der Tahiri, die ihn nicht nur im Chaos zurückgelassen hatte, sondern die jede Stunde, die er in diesen Tisch investiert, zunichte gemacht hatte. Sie lächelte und lief auf ihn zu, aber Ian lächelte nicht zurück, im Gegenteil. „Das hier ist nicht dein Ernst,“ meinte er, hob die Tasse hoch, nur mühsam beherrscht, und deutete auf den Ring auf dem Tisch. Das sie früher zurück gekommen war, als erwartet? Spielte mit einem mal keine Rolle mehr. „Hast du eine Ahnung, wie viele STUNDEN ich dafür gebraucht habe, diesen Tisch wieder herzurichten?“ Seine Begrüßung war alles andere als freundlich, ganz anders als sonst und Tahiri sagte kein Wort und Ian erkannte nicht, dass ihr Lächeln verschwunden und sie ein Stück zurückgegangen war. „Ich weiß nicht, was so schwer daran zu verstehen ist, dass du deinen Mist nicht überall herum stehen lässt. Das hier ist MEINE WERKSTATT Tahiri. MEINE! Und wenn du dich schon hier aufhalten musst, dann verhalt dich gefälligst so darin, als wärst du ein verdammter Gast, der meine Arbeit WERTSCHÄTZT! Dein verfluchtes Chaos war so schon überall, aber HIER HAT ES NICHTS ZU SUCHEN.“ Er hob ein weiteres Mal die Tasse, „Das hier, stellt man nicht auf einen Tisch, ohne einen verfluchten UNTERSETZER. DAS STELLT MAN GAR NICHT AUF SACHEN, DIE EINEM NICHT GEHÖREN!“, schrie er schlussendlich, als er ausholte und die Tasse mit Wucht an die Wand warf, was Tahiri dazu brachte, zusammen zu zucken. Ian selbst aber brachte es nicht dazu, sich wieder abzureagieren. ‚Es- ‘, begann sie, doch Ian schnitt Tahiri das Wort ab, noch ehe sie wirklich sprechen konnte. „Es ist mir egal, ob dir das Leid tut. Davon wird dein verfluchter Kaff-Fleck auch nicht wieder weg gehen. Bleib einfach hier draußen Tahiri. Du kannst überall Chaos verbreiten. ÜBERALL, aber beim Diagona, NICHT HIER. HAST DU DAS VERSTANDEN?“ und da gab er dem Tisch einen gehörigen Tritt, der vermutlich genauso wenig klug war, wie das Abstellen der Tasse darauf. Dann wandte Ian sich ab, bückte sich, um die Scherben vom Boden aufzulesen und Tahiri tat es ihm gleich, doch auch das stimmte ihn nicht milde. Sie sollte verschwinden, war das nicht deutlich genug gewesen, eben? Er erkannte nicht, dass er sie mit seinen Worten getroffen hatte, sie mit seinem ganzen Verhalten noch immer traf. „Geh einfach, verbreite irgendwo Chaos. Im Gegensatz zu dir, kann ich meines selbst weg räumen, also GEH.“ Seine Stimme war noch immer laut und das, obwohl sie sich auf einer Höhe, in direkter Nähe gegenüber waren. In Ians Blick lag nichts weiter als Wut, genau wie in seiner Stimme und erst da ließ Tahiri die Scherbe los, nach der sie gegriffen hatte und für Sekunden sahen sie und Ian sich entgegen, doch der junge Mann war noch immer unfähig, sein eigenes Verhalten richtig einzuschätzen und so erkannte er noch immer nicht, dass er zu viel gesagt und zu viel getan hatte. Blind für Tahiri und ihr Empfinden, war da einfach nur sein eigenes und die Wut die Ian empfand, nahm den ganzen Raum ein.

    Tahiri ging und ließ Ian mit einem für ihn undefinierbaren Blick zurück. Die Scherben wütend in den Mülleimer werfend, setzte er sich vor den Tisch, auf dem der Fleck prangte. Er würde noch einmal daran arbeiten müssen, dass würde ihn Stunden kosten, so viel stand fest. Stunden.

    Bist du nicht hier her gegangen, um etwas zu arbeiten, damit du dich ablenken kannst?

    Er war wirklich in die Werkstatt gegangen um Ablenkung zu finden. Aber Ablenkung bedeutete nicht, dass er eine Arbeit, die er schon erledigt und für die er Stunden gebraucht hatte, noch einmal von vorne beginnen musste, nur weil jemand unachtsam damit umging! Überhaupt, er hatte Tahiri schon oft darum
    gebeten, dass sie nichts auf seinen Schränken abstellte. War es denn zu viel verlangt, dass sie das endlich begriff? War es seine Aufgabe, ihr ständig alles hinterher zu räumen?

    Nein, das ist es nicht!

    Er akzeptierte, dass sie ihre Tanzstunden bis spät in die Nacht gab und ihn alleine ließ und dann konnte er von ihr erwarten, dass sie wenigstens ihren Kram weg räumte. Vor allem, wenn sie ohnehin den ganzen Tag nichts zu tun gehabt hatte. Das war das mindeste. Oh ja, das war das Mindeste! Wenn sie keine Rücksicht auf ihn nahm, würde er auch keine Rücksicht auf sie nehmen, so einfach war das. Deswegen würde er heute auch ganz sicher nicht bei ihr schlafen. So trat Ian entschlossen aus der Werkstatt um ins Schlafzimmer zu gehen und dort seine Sachen zu holen. Heute würde er auf der Couch schlafen, damit Tahiri endlich begriff, dass er all das ernst meinte und er nicht bereit war, ihre … Sperenzchen weiter mitzumachen.

    Sie stand in der Küche und trank etwas und hätte Ian eine Sekunde darauf verschwendet, sie genauer anzusehen, hätte er vielleicht erkannt, dass sie geweint hatte. Doch Ian strafte sie mit Missachtung, als er an ihr vorbei lief, ins Schlafzimmer ging und seine Sachen holte. Als er abermals an ihr vorbei lief, war sie diejenige, die die Stille, die er ihnen auferlegt hatte, durchbrach.
    Ian?‘, kam es fragend, doch Ian hatte beschlossen, sich nicht erweichen zu lassen, nein, er war wütend auf sie. Völlig berechtigt wütend. „Was?“, kam die barsche Gegenfrage, die auch so deutlich machte, dass Ian noch immer nicht bereit -oder fähig?- war, ein normales Gespräch zu führen. Eine Tatsache, die auch Tahiri erkannte, die nichts mehr erwiderte, sondern sich von der Theke löste und ins Schlafzimmer verschwand. Obwohl es vielleicht logisch gewesen wäre, sie hätte anders agiert: Sie schloss die Türe so leise, dass kein Laut zu hören war. Ein deutlicher Unterschied zu Ians Ausbruch, der dafür sorgte, dass er kurz zur Tür sehen musste. Hatte er vielleicht überreagiert? Obwohl das Nein noch immer deutlich in seinem Hinterkopf hallte, gesellte sich da doch eine sehr viel leisere Stimme dazu, die das Nein in Frage stellte. Aber sie hatte seine Arbeit zunichte gemacht! War das Grund genug, sich so zu verhalten? Ian drapierte die Bettsachen auf der Couch, legte sich danach hin und sah zur Decke. Und noch einmal kam die Frage zurück, ob er denn nicht extra in die Werkstatt gegangen war um sich mit Arbeit abzulenken und… Oh nein, er würde das nicht entschuldigen! Fest entschlossen, seinen Fehler – welchen Fehler überhaupt?- nicht einzusehen, drehte Ian sich auf die Seite.Sie hatte in der Werkstatt nichts zu suchen. Ganz einfach.

    Es war die furchtbarste Nacht die Ian je gehabt hatte, seit er mit Tahiri zusammen war. An Schlaf war nicht zu denken gewesen und als er hörte, wie sich die Türe leise öffnete, setzte er sich schnell auf. „Tahiri?“ Und seine Stimme klang wie die ihre, als sie gestern seinen Namen fragend genannt hatte. Umgekehrte Rollen, doch von ihr kam kein barsches ‚Was‘, dass andeutete, dass jegliche Konversation im Vorhinein scheitern wurde. Allerdings kam auch keine Einladung, dass er weiter sprechen sollte. Das erste was Ian auffiel war, dass sie verletzt aussah, aber das machte es nicht einfacher, jetzt Worte zu finden. Aber sie sah ihn an und Ian wusste, dass es an ihm war, etwas zu sagen. Doch sein Blick wanderte auf den Boden und aus den Augenwinkeln erkannte er, wie Tahiri kurz das Gesicht verzog. Sie ging auf ihn zu und irgendwie hoffte Ian darauf, dass sie diejenige sein würde, die das Eis brach. Dass sie etwas sagte, was die Sache einfacher machte – aber sie tat ihm diesen Gefallen nicht. Zumindest nicht direkt, als sie wortlos seine Bettsachen nahm und zurück ins Schlafzimmer brachte. War das eine kleine Geste der Versöhnung? Ian hatte keine Ahnung, als er ihr noch immer wortlos folgte. Sollte er ihr sagen, dass es ihm Leid tat? Sich entschuldigen?
    Tahiri…“, kam es ein zweites Mal, weniger fragend, als unsicher und jetzt erkannte er eine Veränderung in ihrem Gesicht und war sich beinahe sicher, etwas auszumachen, dass nach … Wut aussah?
    Ian,‘ erwiderte sie schließlich und sah ihm mit festem Blick entgegen, ‚Ich weiß, dass ich gestern einen Fehler gemacht habe und auch wenn du es gestern nicht hören wolltest: Es tut mir leid. Aber um ehrlich zu sein,‘ und jetzt funkelte das Verletze in ihren Augen wieder durch, ‚bin ich wütend auf dich. Wobei ich nicht sicher bin, ob eher wütend, oder eher verletzt.‘ Ian nickte einmal kurz und wollte etwas sagen, aber Tahiri war noch nicht fertig. ‚Ich erwarte nicht von dir, dass du dich entschuldigst oder etwas in dieser Art, ich erwarte nicht einmal, dass du derjenige bist, der dieses Gespräch hier startet, aber eine Sache Ian, erwarte ich doch‘, und er hatte sie selten mit dieser Festigkeit oder Strenge in der Stimme sprechen hören. ‚Nämlich die, dass wir nicht so miteinander umgehen. Ich habe einen Fehler gemacht und du warst wütend. Das ist dein Recht. Aber alles was danach folgte, war unangebracht, Ian.‘ Ich weiß“, gab er leise zu und da blitzte kurz etwas in ihren Augen auf, das weniger nach Verständnis, als nach erneutem Aufwallen von ärger aussah. ‚Weißt du, wir haben schon mehrfach darüber gesprochen und ein ‚Ich weiß‘ hilft in dieser Sache nicht weiter.‘ Ihre Stimme wurde weniger streng, minimal, aber jetzt war Ians Wahrnehmung eine andere als gestern, als sie fortfuhr. ‚Vielleicht ist es nicht richtig, diese Forderung zu stellen, vielleicht noch weniger, wo ich mein Ordnungsproblem nicht in den Griff bekomme, aber Ian, so geht es nicht weiter.‘ Sie musste nicht weiter sprechen, denn er verstand, was sie sagen wollte, auch so. Sie hatten schon mehrfach darüber gesprochen. Darüber, dass er diese … Ausbrüche hatte. „Tahiri, ich- “. Doch diesmal war sie diejenige, die ihn unterbrach. ‚Was Ian? ‚Es tut dir leid?‘ ‚Ich versuche, dass zu ändern?‘ ‚Ich war wütend und konnte nicht klar sehen?‘‘ Sie schüttelte den Kopf und sah nun viel eher wieder traurig aus. ‚Das weiß ich alles Ian und ich liebe dich und auch wenn hier kein Aber folgen sollte: Ich kann das so nicht mehr.‘ Hatte sie das jemals so deutlich formuliert? ‚Ich will kein ‚Ich versuche es‘ mehr, verstehst du? Ich will, dass du es änderst, Ian. Und du musst das eine nicht mit dem anderen vergleichen. Wenn ich Chaos hinterlasse, ist das ärgerlich, dass weiß ich, aber es ist etwas anderes. Du… hast mich gestern erschreckt und dein Verhalten macht mir manchmal Angst. Und das akzeptiere ich nicht länger.‘ Das war deutlich, so deutlich wie die Erkenntnis, dass es ihr nicht leicht fiel, dass zu sagen und obwohl sie ihn bis eben die ganze Zeit angesehen hatte, war es nun ihr Blick, der kurz zur Seite glitt. Sicher nicht, um sich zu sammeln, sondern um verbergen zu können, dass ihre Augen zu glänzen begonnen hatten.

    Tahiri, es tut mir wirklich leid,“ aber das hatte sie nicht bezweifelt und als er einen Schritt auf sie zumachte, ging sie einen Schritt zurück und hob abwehrend die Hand. ‚Ian, das reicht gerade nicht aus.‘ Aber was wollte sie hören? Was sollte er sagen? „Ich weiß, dass es unangemessen war… Ich… Ich werde es ändern, ich meine…“Kannst du dich bitte verhalten, wie ein erwachsener Mann?‘ Ein wenig hilflos sah Ian sie an, denn er wusste, dass sie Recht hatte, aber das hier war nicht einfach. Nicht für sie, aber auch nicht für ihn. Was sie erwartete? Darum ging es nicht. Zumindest nicht ganz. Sie wollte, dass er mehr gab, als leere Versprechungen. „Wenn es so einfach wäre, das zu ändern, hätte ich das schon gestern getan. Aber das ist es nicht, Tahiri. Ich… ich meine, vielleicht fällt es dir einfach über manches zu sprechen, über so etwas hier, aber mir nicht und das hat nichts damit zu tun, ob ich erwachsen bin oder nicht. Es ist einfach … anders. Ich… ich kann nicht in Worte fassen, wofür ich gar keine Worte habe und ich kann nicht sicher etwas versprechen, wenn ich diese Sicherheit gar nicht fühle. Ich weiß, dass es unangemessen war, Tahiri, und ich meine es erst, wenn ich sage, dass es mir Leid tut und ich weiß, dass du lange Verständnis dafür gehabt hast. Ich… hab immer nur gesagt, dass ich es versuche, nicht weil ich es mir einfach machen wollte, oder weil es mir nicht ernst ist, aber Tahiri… das ist… Das ist nicht, als würde ich einfach nur einen Schal aufhängen müssen. Das ist viel schwerer.“ So genau – oder ungenau?- hatte auch er sich noch nicht ausgedrückt. „Manchmal ist das, als würde ein Schalter umgelegt werden, auf den ich keinen Zugriff habe und meistens, merke ich das erst am Ende, aber nicht vorher und wenn das passiert, dann… Für dich mag das wie eine Ausrede klingen, aber das ist es nicht, wenn das passiert, dann kann ich nicht mehr anders handeln, Tahiri. Es ist, als würde… als wäre irgendetwas in mir, dass die Kontrolle übernimmt.“ Wie sollte er denn etwas erklären, was er selbst nicht begriff und was wie eine scheinheilige Ausrede klang? ‚Hat das etwas mit deiner Vergangenheit zu tun?‘ Die Frage kam leise, beinahe geflüstert und sie kam sanft, was sofort dafür sorgte, dass Ian den Blick abwenden musste. Sie wusste nichts aus seiner Kindheit, nichts und das war auch etwas, an dem Ian nichts ändern konnte. Sprechen darüber? Es funktionierte nicht, denn jedes Mal wenn er vielleicht ein passendes Wort dazu gefunden hätte, irgendeines, war es gleich wieder verschwunden. „Nein,“ sagte er und bemerkte nicht, dass er unbewusst nickte. Aber er spürte deutlich, dass sie etwas getroffen hatte und Tahiri schien es auch zu bemerken, denn wo sie eben noch einen Schritt zurück gemacht hatte, machte sie nun einen auf Ian zu und zog in ihre Arme. Ein paar Sekunden verstrichen, in denen Ian nichts tun konnte, doch Tahiri ließ nicht los, im Gegenteil, sie intensivierte, ihre Umarmung noch. Und erst da legte auch Ian seine Arme um sie. „Ich werde dich nie wieder anschreien, dass verspreche ich, aber vielleicht kannst du mir helfen und mir kleine Anzeichen geben, bevor das passiert. Das andere… ich, ich würde niemals etwas direkt nach dir werfen, aber Tahiri, dass… ich ganz ruhig bleibe und… das kann ich nicht versprechen. Nur, dass ich mich anstrengen werde und das ich das alles nicht gegen dich richte.“ Sie war es, die sich langsam wieder von ihm löste um ihm in die Augen sehen zu können. ‚Das erste reicht mir, Ian,‘ meinte sie dann und da umarmte er sie.
     
    Zuletzt bearbeitet: 13. Mai 2017
  12. Ian Dice

    Ian Dice against all odds Premium

    Ein echter Dice
    (Ian mit 12, 24 Jahre zuvor)


    Er hatte eine gehörige Abreibung in der Schule bekommen und jetzt versuchte Ian die Spuren davon zu verwischen. Schon bestimmt hundert Mal hatte er sich Wasser ins Gesicht geschöpft, aber nur das Nasenbluten hatte aufgehört. Die Rötung ging einfach nicht weg, schwoll stattdessen sogar an. Das war nicht gut! Sie musste weg gehen, denn wenn das sein Vater sah! Doch auch die anderen Versuche, ein nasses Tuch darauf zu legen, das Wasser abwechselnd warm und kalt zu stellen, gaben ihm keine heilende Wirkung und so tupfte der Junge sein Gesicht vorsichtig trocken und verließ die Schultoilette, darauf bedacht, einmal in den Gang zu sehen. Aber da war niemand mehr und so atmete er erleichtert auf, als er den Schulflur betrat. Vielleicht konnte er sagen, dass er gefallen war. Wenn ihm Dad das glaubte, würde er keinen Ärger bekommen, wenn er das nur glaubte, dann wäre diese Abreibung in der Schule die einzige. Bitte, sie musste die einzige bleiben!

    Ian zuckte fürchterlich zusammen, machte sich stocksteif, als er eine Hand auf seiner Schulter spürte und er schickte ein Stoßgebet in den Himmel, dass das nicht schon wieder irgendeiner der Jungs war. Doch als er die Stimme erkannte, hätte er beinahe erleichtert aufgeatmet. Aber auch nur beinahe. Mister Hoover, es war nur Mister Hoover, der High Galactic unterrichtete und Ian mochte diesen Mann, zumindest ein bisschen, denn anders als die meisten anderen Lehrer, schrie Mister Hoover ihn nicht an. „Junge“, hörte er die rau, tiefe Stimme des Lehrers, „ist alles in Ordnung bei dir?“ Ian nickte nur und versuchte dem Mann, der inzwischen seine Schulter los gelassen hatte, ein Lächeln zu schenken, was schwierig war. Denn ansehen konnte er ihn nicht, da war doch diese Schwellung und wenn da eine Schwellung war, war doch gar nicht alles in Ordnung, also hatte er eben gelogen und Lügen… „Was ist da passiert?“, unterbrach der Mann Ians kindliche Überlegung. Sollte er ihm die Wahrheit sagen? Aber wenn jemand erfuhr, dass er gepetzt hatte und wenn Mister Hoover vielleicht auch auf der Seite der Jungs stand, so wie doch alle auf deren Seite standen… Ich…“ Er konnte nicht lügen. Er konnte nicht lügen, aber die Wahrheit sagen, dass durfte er doch auch nicht! „..hab ein bisschen Ärger gehabt, ist aber nicht so schlimm. Ist alles gut,“ beeilte er sich also zu sagen und wenn man den letzten Satz nicht so ganz eng nahm, dann stimmte das. Ärger hatte er schließlich gehabt und jetzt war der Ärger ja auch vorüber und damit auch alles gut. Aber Mister Hoover ließ nicht locker. „Ian, du kannst mit mir reden,“ und der Junge spürte deutlich, wie er versuchte, Ians Blick zu gewinnen, aber Ian konnte ihn nicht ansehen, zumindest nicht in die Augen.Danke, aber ich muss nach Hause,“ und sein Blick wanderte an Mister Hoovers Augen vorbei, zur Nasenspitze. „Ich werde dir meine Nummer geben und wenn du es dir anders überlegst, kannst du dich jederzeit bei mir melden Ian, hörst du?“ Der Mann streckte ihm ein Stück Filmsi entgegen und jetzt sah Ian ihm doch ganz kurz, für ein paar Sekunden in die Augen, dann auf das Filmsi. Konnte er vielleicht wirklich mit ihm reden? Ihm einfach eine Nachricht schreiben, würde… würde Mister Hoover ihm vielleicht helfen? Vielleicht würde er ihn nicht im Stich lassen und vielleicht konnte er mit Dad sprechen und mit seinen Brüdern und mit den Jungs in er Klasse und… Er schüttelte den Kopf. Er konnte dieses Filmsi nicht nehmen, nein, er durfte nicht! Das würde auch niemals etwas ändern. Mit seinem Dad reden. Seinen Brüdern. Und den Jungs. Das… er war am Ende auch auf ihrer Seite, denn wenn er so viel Ärger mit so vielen hatten, wenn sie doch alle immer das gleiche sagten und das gleiche taten, dann mussten sie richtig liegen. Und nur deswegen war Mister Hoover jetzt so nett, damit er am Ende auch gemein sein konnte und ihm weh tun würde, weil das immer so war! „Falls du es dir anders überlegst, nur für den Fall. Du weißt, wo du mich sonst auch findest,“ und er hielt noch immer das Filmsi vor Ians Nase, der nickte, es aber nicht begriff. „Danke, Mister Hoover,“ sagte Ian stattdessen, verabschiedete sich dann und beeilte sich, nach Hause zu kommen. Er sah den besorgten Blick nicht, der sich in seinen Rücken bohrte und hätte er ihn gesehen, Ian hätte ihn doch nur ganz falsch verstanden.

    Zu Hause hatte er Glück. Noch war niemand da, außer Mama und sie würdigte ihn keines Blickes, also sah sie auch die Rötung nicht, die, wie Ian erkannte, nachdem er auch zu Hause ins Bad gegangen war, jetzt gar nicht mehr so rot, sondern komisch blau war. Vorsichtig wollte er mit seinem Finger darüber streichen, aber so weit kam Ian gar nicht, denn als nur die Fingerkuppe die Haut berührte, zuckte Ian zusammen, so weh tat es. Das Blau hatte sich weit ausgebreitet und war irgendwie gewachsen, unters Auge, um das Auge herum, sogar bis zur Seite der Nase und jetzt, wo er die Haut berührt hatte, schien alles weh zu tun, was diese Farbe hatte. Aber Ian hatte schon nicht geweint, als das passiert war und jetzt würde er auch nicht tun, ganz bestimmt nicht, nein! Sie waren zu dritt gewesen und zwei Stück hatten ihn fest gehalten, vielleicht hätte das sonst anders ausgesehen?
    Hätte es nicht…
    Sie hätten ihn auch dann besiegt, wenn sie nur zu zweit gewesen wären. Ja, wahrscheinlich sogar, wenn es auch nur einer gewesen wäre. Weil sie einfach stärker waren und weil… weil sie einfach viel stärker waren. Ian ballte seine Hand zur Faust und spannte seinen Arm an, aber das fühlte sich lächerlich an. Das war lächerlich. Vielleicht konnte etwas schreiben, aber jemanden schlagen? Schreiben half ihm hier aber nicht weiter, denn wenn er den Jungs etwas schrieb, würde das alles nur schlimmer machen und überhaupt. Was hätte er schreiben können? Lasst mich in Ruhe? Lasst mich bitte in Ruhe? Geht weg? Ihr seid alle blöd, ich hasse euch? Jaaaaaaaaaha. Genau. Und dann hätten sie ihn ganz bestimmt in Ruhe gelassen. Oder, er schrieb ihnen gleich ein Märchen und dann waren sie gleich noch viel netter zu ihm. Er sah Mister Hoovers Filmsi vor sich und die lange Nummer, Ziffer für Ziffer, die er sich gemerkt hatte. Sollte er… wäre es… Ian sah erneut in den Spiegel und diesmal drückte er auf die Schwellung, so fest wie er nur konnte, was ihm doch die Tränen in die Augen trieb und da verschwand die Nummer seines Lehrers vor seinen Augen und auch der Gedanke daran, sich bei ihm zu melden. Stattdessen zog der Schmerz durch sein halbes Gesicht und machte damit nur noch viel, viel deutlicher, was das alles bedeuten würde. So was ging nicht weg. Wenn man daran etwas machte, wurde es schlimmer. Und es zog weiter und weiter, auch dahin, wo man eigentlich gar nichts sah. Genau wie der Schmerz jetzt.

    IAN!‘ Als der Junge die Stimme seines Dads hörte, zuckte er erneut zusammen und schloss die Augen. Jetzt würde es ganz bestimmt so weiter gehen, wie in der Schule. Wenn er das sah, würde es sicher so weiter gehen. Mit dem Ärmel tupfte Ian sich die Tränen weg, diesmal ganz vorsichtig, damit nicht gleich wieder welche kamen. Dann verließ er das Bad und ging zu seinem Dad, der schon fast vor der Türe stand, als Ian hinaus trat. ‚Hier hat ein Mister Hoover angerufen. Kennst du den?‘ Er sah nicht wirklich wütend aus und er roch nicht so furchtbar nach Schnaps, wie gestern, aber Ian wusste, dass das ganz wenig zu heißen hatte. Manchmal veränderte Dad sich von einer Sekunde auf die andere. Eben noch fast nett und mit einem Lächeln, dann hob er schon die Hand oder noch schlimmeres. „Das ist ein Lehrer, er unterr…“ Ich weiß sehr genau, wer das ist. Warum meldet er sich hier?‘ Da war etwas Bedrohliches in seiner Stimme und Ian spürte, wie er Angst bekam. Mister Hoover hatte doch bestimmt gesagt, was er wollte und wenn Dad schon alles wusste, aber trotzdem frage… Was wollte diese Missgeburt von uns?‘ Jetzt war das Drohende noch schlimmer und es waren nur noch zwei Schritte, die Vater und Sohn voneinander trennten. Zurück ins Bad, er wäre so gerne zurück ins Bad gegangen, hätte die schützende Türe zwischen sich und ihm gewusst und dann hätte Dad sich vielleicht wieder beruhigt. Nur ein bisschen rückwärtsgehen, die Tür zu machen und dann wäre er weg von ihm. „Ich weiß nicht,“ sagte Ian leise, eingeschüchtert, obwohl er das ganz fest hatte sagen wollen. Aber das funktionierte meistens nicht. Nur in Märchen. Aber das hier … war keines. ‚Soll ich dir helfen, deinen dummen Kopf zu benutzen?‘ Dads Hand wanderte zu seinem Gürtel, direkt zur Schnalle und Ian bekam Panik, schüttelte sofort und heftig den Kopf. „Nein, er hat angerufen, weil ich hab seine Nummer nicht gewollt, es hat Ärger in der Schule gegeben und dann ist er zu mir gekommen und hat gefragt, ob alles gut und ist ich hab gesagt, das alles gut ist und dass ich nicht mit ihm reden muss und er wollte, dass ich zu ihm komme, wenn ich vielleicht doch anders überlege, aber ich hab ihm nichts gesagt!“ Ian war zurückgegangen, spürte die Türe in seinem Rücken, sah dieses Lächeln, vor dem er noch viel schlimmere Angst hatte. ‚Was hättest du denn sagen können?‘ „Von dem Ärger,“ überschlug sich Ians Stimme beinahe „In der Schule, ich hab davon nichts gesagt.“ Diese Antwort bewirkte etwas in Jerome Dice Gesicht. Das Lächeln verschwand und wenn da vielleicht bis eben den Verdacht gewesen war, dass sein Sohn etwas anderes, als den Ärger in der Schule gemeint haben könnte, war dieser Verdacht verschwunden. ‚Deswegen ruft der hier an?‘ Jerome lachte und Ian atmete ganz leise aus, aber mit einer Erleichterung, die er gar nicht beschreiben konnte. Stattdessen nickte er. ‚Ist davon das hässliche Gesicht?‘ Ian nickte erneut und Jerome lachte wieder. ‚Sehen die anderen wenigstens genauso aus?‘ Klang da so etwas wie Stolz in Dads Stimme mit? War das… würde er vielleicht froh über Ian sein, wenn er jetzt die Faust nach oben reckte und ‚Ja‘ behaupten würde? Ian zwang sich zu einem Nicken, zwang sich, seine Mundwinkel in die Höhe schießen zu lassen und wurde von der Hoffnung genährt, vielleicht etwas gefunden zu haben, womit er Dad stolz machen konnte. Und dann war es Dad der nickte, und er holte mit der Hand aus – aber ballte keine Faust – sondern schlug ihm einmal auf die Schulter. ‚Gut. Dann soll die Missgeburt noch mal anrufen und wir sagen ihr, dass alles perfekt ist. Vielleicht wird ja doch noch ein richtiger Dice aus dir.‘ und da ließ Jerome Dice von Ian ab. Er… er ließ ihn wirklich in Ruhe und er hatte ihn … gelobt, oder? Ian wusste nicht, was er tun sollte. Sich freuen? Nur erleichtert sein? Beides! Aber… keines von beidem funktionierte. Stattdessen kam da ein ganz anderes Gefühl, dass ihn seltsam bedrückte und ihn ganz schwermütig fühlen ließ. Und als Ian noch einmal mal das Bad betrat, sich vor den Spiegel stellte und die Faust ballte und den ganzen Arm anspannte, wurde das Gefühl nur schlimmer. Er würde niemals ein richtiger Dice sein. Niemals.
     
    Zuletzt bearbeitet: 14. Mai 2017
  13. Venris Traja

    Venris Traja Junger Jünger

    Die Entführung
    ~Venris mit 22

    Der Nachmittag schien ganz normal. Das Wetter war schlecht und dichte, rot glühende Wolken schoben sich vor die Sonne, wie immer. Ein heißer, stechender Wind fuhr einem um die Knöchel, wie immer. Die Dorfbewohner gingen ihren Arbeiten nach, wie immer. Doch irgendetwas lag in der Luft. Venris wusste nicht was, er vermochte es nicht richtig einzuordnen. Er stand am Rande eines Feldes, in einiger Entfernung zu seinem Dorf und beobachtete, wie Erntedroiden den Mais abernteten und seine Landsleute ihnen unter die Armee griffen. Venris selbst hielt immer noch eine Sense in der Hand und Schweiß lief ihm über den Körper. Seine Schicht war gerade beendet. Er war zwar Adelig und auch der Dorfvorsteher, aber trotzdem war er sich nicht zu Schade, auch mal mit auf dem Feld zu arbeiten. Hier draußen war eh so wenig los, dass man als Dorfvorsteher wenig zu tun hatte. Ab und an musste er einem ,,Gericht" vorsitzen, das dieser Bezeichnung kaum gerecht wurde, oder aber er musste sich um die Sicherung des Dorfes gegen die immer wieder kehrenden Sandstürme kümmern. Alles in allem war der Job des Dorfvorstehers eine ruhige und gemütliche Aufgabe. Trotzdem hatte Venris das Gefühl, das das heute nicht so sein würde.

    Er ließ von diesen Gedanken und warf sich die Tunika über, die bis eben noch über der Sense gehangen hatte. Dann machte er sich auf den Weg zu dem Transporter, der sie zurück bringen sollte. Die Zabrak, die ebenfalls in seiner Schicht gearbeitet hatten, warteten bereits. Sie standen etwas abseits und beobachteten die Wolken, oder hatten es sich auf der Ladefläche des Transporters gemütlich gemacht und waren in Gespräche vertieft. Als sie Venris bemerkten, sammelten sich alle auf der Ladefläche und Venris setzte sich zu ihnen. Sie nickten ihm höflichst zu und machten ihm Platz. Hier wurde Venris sich doch mal seinem Status bewusst. Er legte zwar keinen besonderen Wert auf diesen und auch seine Kameraden hielten ihn ehr für einen Freund als für einen Vorgesetzten, aber ab und an schimmerte doch durch, das Venris nicht von hier kam, dass Venris Sohn des mächtigen Großras Kaleth Traja war.

    Venris hatte jetzt keine Lust, ihnen wieder zu erklären, dass er ein ganz normaler Zabrak war, nichts anderes, noch nicht, zumindest. Es war das typische Vorbereitungs-Ritual eines Zabraks, der ein wichtiges Amt erben sollte, dass er irgendwohin geschickt wurde, um das Leben der normalen, Bäuerlichen Bevölkerung kennen zu lernen. So war es zumindest auf Kitonia. Sein Vater hatte ihn hier her geschickt, in das Dorf, in dem angeblich seine Urgroßmutter geboren worden war.

    Er griff in eine Kühlbox und zog ein Sandwich heraus. Der Transporter setzte sich in Bewegung und glitt an den Feldern vorbei, hin zu dem Dorf, das bereits am Horizont zu erkennen war, über die hügeligen, sandigen Feldstraßen. Venris genoss das Sandwich und blickte ebenfalls den Wolken entgegen, so wie viele andere auch. Blitze zuckten durch diese. Es sah nach einem Gewitter aus, nichts unübliches. Wenn sie in seinem Dorf ankamen, würde er schauen, ob er die restlichen Zabrak ebenfalls vom Feld zurückrief. Irgendetwas war dort in den Wolken, etwas, von dem Venris seltsames Gefühl ausging.

    Die Fahrt mit dem Transporter näherte sich bald schon dem Ende. Sie passierten die ersten, halb-unterirdischen Gebäude und fuhren an älteren Zabrak vorbei, die sich unterhielten.. Der eigentliche Dorfeingang würde erst in einem guten Kilometer, wahrscheinlich etwas weniger kommen. Doch das Dorf war im Wachstum und einige, die die Ruhe suchten, hatten sich bereits hier draußen Häuser gebaut und zur Ruhe gesetzt. Dann kam auch schon der Eingang in Sicht, der von einem Schild, auf dem der Name des Dorfes ,, Kijotu" prangte, markiert wurde. Als sie durch diesen hindurch fuhren, Richtung Dorfplatz, wurden sie bereits von dem Lärm empfangen, die Dörfer im Wachstum ebenso machen. Sie fuhren an spielenden Kindern und an Frauen, die den Haushalt machten vorbei. Einige Kinder, die den Transporter sahen, rannten ihm lachend hinter her. Grüße wurden zwischen den Dorfbewohner, die vor ihren Türen standen, und den Dorfbewohner, die auf der Ladefläche des immer langsamer werdenden Transporter saßen ausgetauscht. Hier kannte jeder noch jeden.

    Sie näherten sich dem Dorfkern. Einige Zabrak erwarteten sie bereits. So war es immer. Die Leute warteten, um ihre Lieben, die von erfolgreicher Arbeit zurückkehrten, zu Begrüßen. Andere wartetet darauf, die Ausbeute des heutigen Tages zu begutachten und sicher im Gemeindehaus, das sämtliche wichtigen Funktionen, auch die des Maisbunkers einnahm., zu verstauen. Das Haus war quasie eine Allzweckhalle. Das, was man sehen konnte, wirkte nicht besonders beindruckend, aber es bildete ja auch nur die Spitze vom Eisberg. Unter der Erde befand sich ein riesiges Netz aus Bunkern, Speichern und ganz normalen Wohnbereichen, alles gut vor Gewittern geschützt. Über der Erde lag eigentlich nur der Sendeturm, der oberhalb angebracht werden musste, da unterhalb der Erde dieses alte Teil kaum Empfang hatte.

    Venris blickte nochmals in den Himmel. Die Wolken hatten sich näher geschoben und auch die Blitze wirkten immer bedrohlicher. Er verabschiedete sich um zum Sendeturm zu gehen. Die restlichen Leute auf den Feldern sollten mit den Notfall-Transportern zurückkehren. Er hatte ein mulmiges Gefühl bei diesem Gewitter.

    Den Rest des Abends half er beim Abladen der Ernte. Im Umfeld des Dorfes lagen so viele Felder, dass fast jeden Tag geerntet werden musste. Da bald auch noch die restlichen Feldarbeiter kamen, zog sich das Abladen immer weiter hin.

    Als Venris gerade wieder an die Oberfläche trat, um den letzten Rest der Ernte zu verstauen. Verstärkte sich das üble Gefühl ungemein. Er bekam Kopfschmerzen, ja schon mehr als das. Urplötzlich geschah es. Die Wolken brachen auf, Transporter strömten aus ihnen heraus, auf ihrem Bug zeichnete sich unheilvoll das Logo des Imperiums ab. Kurz war er wie versteinert, die Blicke der anderen richteten sich ebenfalls in den Himmel, in der Ferne konnte man Angstschreie hören. Dann brach das Gewitter los. Aus den Geschützen der Transporter schossen grüne Laserstrahlen und rissen eine Schneise der Vernichtung in das Dorf. Sie rauschten über Venris Kopf zurück in den Himmel.

    ,,Sie kehren zurück."


    ,murmelte er unheilvoll. Dann riss er sich zusammen.

    ,,In die Bunker, schnell! Alle die Kämpfen können zu mir!"


    ,brüllte er den Befehl in die Menge, die dadurch aus ihrer Starre gerissen wurde. Die Männer kamen zu ihm, alle anderen flüchteten in das Stadthaus. Dann rannte Venris zum Funkturm und gab so den Befehl an die restlichen Dorfbewohner weiter. Er griff nach dem Mikrofon und probierte verzweifelt, seinen Vater zu erreichen, doch sie mussten die Verbindung blockiert haben. Sie waren auf sich alleine gestellt. Venris griff nach einer Kiste, die Laserwaffen enthielt. Sie waren allesamt alt und teilweise bereits kaputt, aber ihnen blieb nichts anderes. Er und sein Dorf brauchten eigentlich keine richtigen Waffen. Wilde Tiere kamen in diesem Landstrich kaum vor und wenn, dann halfen auch eine Sense oder ähnliches und auch ansonsten reichte so etwas vollkommen aus, hier aber ganz bestimmt nicht. Er rannte mit der Kiste auf den Platzt, auf dem sich eine Gruppe von Männern versammelt hatte. Zügig verteilte er die Waffen. Sämtliche Geräusche waren verstummt, das Dorf war still. Für sich selbst wählte er einen Handblaster und seinen Sense. Dann ging es wieder los.

    Die Transporter schoss den Wolke, ließen sich aber dann in der Stadt nieder. Venris zückte seine Waffen. Die Männer teilten sich rasch auf. Venris Gruppe bestand aus 4 anderen. Dann rannten sie durch die Gassen. Sie hatten keine Chance, das war von Anfang an klar, sie wollten nur so viele wie möglich mit in den Tod reißen. Sie Imperialen Soldaten schossen wild in die Gruppe, Männer starben um Venris herum, doch urplötzlich befand er sich in einer Art Rausch. Er merkte die Welt um sich herum gar nicht mehr, sondern stürtzte sich blindlings auf die Soldaten. Mit der Sense in der Hand trennte er Gliedmaßen und Köpfe ab, fuhr wie eine Furie durch die Menge der Soldaten.

    Er wusste nicht wie viele Soldaten er auf den Gewissen hatte, als dieser Rausch endete. Irgendwie war er auf den Boden gekommen. Ein Soldat drückte seine Waffe an seine Hinterkopf. Einige andere umringten ihn ebenfalls mit Waffen. Von dem Rest seiner Truppe war keiner zu sehen, sie mussten Tod sein. In der Ferne hörte er wieder Schreie. Waren diese Imperialen Hunde bereits in die Bunker vorgedrungen? Was wollten sie überhaupt? Venris wusste keine Antwort. Diese hätte ihn aber auch nicht weiter gebracht. Der Soldat würde ihn jetzt erschießen. Venris ergab sich seinem Schicksal.

    ,,Jetzt stirbst du, du Bastard."


    ,hörte er eine hasserfüllte Stimme hinter sich, die von dem Soldat stammen musste.

    Doch eh er abdrücken konnte, spürte er plötzlich eine dunkle, böse Präsens und eine kalte, tiefe Stimmer murmelte gut verständlich.

    ,,Nein, wird er nicht. Die Macht ist stark in ihm. Er wird zum Sith."
     
  14. Ian Dice

    Ian Dice against all odds Premium

    Die Flucht
    Ian mit 15


    Ian zuckte bei dem Versuch, sich ein neues Oberteil anzuziehen, heftig zusammen und obwohl er vermeiden wollte, dass ihm die Tränen in die Augen schossen, konnte er genau das kaum verhindern. Sein Rücken fühlte sich furchtbar an und, er wusste es genau, sah furchtbar aus. Er hatte nicht so fest geschlagen. Nicht wie sonst. Und nicht so oft. Aber er hatte es getan und obwohl Ian versuchte, etwas zu empfinden, was gegen seinen Dad ging, wenigstens Wut, wenigstens irgendetwas, funktionierte es nicht und dennoch wusste er, er musste weg. Musste, musste, musste weg. Wenn er noch einen Tag länger blieb, nein, eigentlich nur eine einzige Stunde, würde ihn der Mut verlassen. Der Mut, die passende Gelegenheit und auch sonst alles. Seinen Rucksack hatte er längst gepackt. Eine Flasche Wasser, 5 Energieriegel, ein paar Kleidungsstücke, ein altes Datapad und ein ganzes Dutzend Bücherchips - Ians Heiligtum. Die meisten hatte er gut genug verstecken können, aber viele waren seinen Brüdern zum Opfer gefallen. Eigentlich… eigentlich war das die perfekte Gelegenheit, es ihnen heimzuzahlen. Genau jetzt! Denn keiner war zu Hause. Dad war zurück in die Kneipe gegangen, Mum war nicht da und seine Brüder auch nicht. Er würde es ihnen zeigen. Heute. Allen. Und dann würde er gehen und er würde sie nie wieder sehen. Keinen von ihnen. Mit neuer Entschlossenheit ließ Ian das Kleidungsstück, dass er nur unter Schmerzen hatte anziehen können los, blickte einmal grimmig auf seinen Rucksack ehe er das Zimmer verließ und das, seines jüngsten Bruders betrat. James Zimmer war ein einziges Chaos. Überall lagen Dinge herum, eigentlich gab es keine freie Ecke und es stank fürchterlich nach alten, verschwitzten Kleidungsstücken. Aber eine Ecke war aufgeräumt, wie immer. Der Schrank, der das enthielt, was James wichtig war. Trophäen vom Sport. Auszeichnungen davon und Bilder seiner Freunde, seiner aktuellen Freundin und der Familie und genau diesen Schrank starrte Ian an, als er nach einem Schuh griff, der in dem Chaos lag. Ein Wurf in den Schrank, nur hart genug und wenigstens ein Teil der Sammlung würde kaputt gehen. Keine Holos mehr, die ihm entgegen starrten, keine grinsenden Gesichter mehr, die ihn selbst nie so angesehen hatten. Ein einziger Wurf, der nicht einmal die Hälfte dessen kaputt machen würde, was James kaputt gemacht hatte. Ian verzog das Gesicht, holte aus und zielte auf das Bild in der Mitte, dass sie alle zusammen zeigte. Die ganze Familie, ohne ihn. Eines dieser blöden Gartenfeste, dass Dad jedes Jahr feierte um zu zeigen, wie gepflegt und schön alles da draußen war. Dad. Garten. Was für eine Lüge! Der Garten war gut zu erkennen, im Hintergrund, aber trotzdem gut sichtbar in seiner ganzen blöden Perfektion, die Ian so sehr hasste. Die Blumen, die Wiese… Und wie oft hatte er auf dieser Wiese gelegen, zusammengekrümmt im hinteren Teil des Gartens. Iouna und sie alle waren da gewesen, hatten ihn gesehen, hatten Steinchen nach ihm geworfen. Unkraut. Sie hatten ihn behandelt, wie das verhasste Unkraut, dass zwischen den Blumen wuchs und das keiner haben wollte und dabei wusste das Unkraut sicher nicht mal, dass es Unkraut war. Warum war er überhaupt so etwas wie Unkraut? Unkraut, das immer wieder kam… Das man einfach nicht weg bekam. Das man immer wieder ausriss, auf das man Mittel gab, aber am Ende kam es immer wieder zurück. War er nicht irgendwie genau das? Ein unliebsames Ding, was irgendwie da war, obwohl man es nicht wollte, gegen das man jeden Tag etwas tat, aber das doch immer wieder zurück kam?

    Unkraut wurde irgendwann resistent. Aber blödes Unkraut war es egal, ob man es bekämpfte. Ihm selbst aber, ihm war das nicht egal und Ian fühlte sich auch nicht resistent gegen die Angriffe seiner Familie. Er war kein blödes Unkraut, er war Ian! Und da schleuderte der Junge den Schuh, so fest er konnte in die Mitte des Regals, traf das Holo und die gläserne Regalreihe ging, genau wie das Holo zu Bruch. Eigentlich sollte das reichen, aber das tat es nicht. Eigentlich sollte er gehen, aber er konnte nicht! Stattdessen lief Ian auf das Regal zu, griff nach dem nächsten Bild und warf es in das Regal, fegte eine Reihe darüber alles aus der Reihe und dann ballte Ian seine Hand zur Faust, sah an seinem schmächtigen Arm hinunter, der kaum einen Bizeps zeigte. Die winzige Wölbung war so unauffällig, als wäre sie überhaupt nicht da und da spannte Ian den Arm fester an, aber das Resultat blieb das gleiche. Der Muskel trat nicht weiter hervor, da war noch immer nichts. Aber Wut. So viel Wut und wenn diese Wut ein Muskel war, dann war er groß und stark. Größer und stärker als die Muskeln seiner Brüder. Größer und stärker als der elende Gürtel, mit dem Dad immer zuschlug. Größer und stärker als alles! Ian holte erneut aus, mit der geballten Faust, hieb auf das Regal ein und seine Wut wuchs bei jedem Schlag, sperrte den Schmerz aus, machte ihn stärker und wilder und wenn Ian bis eben nicht hatte weinen können, zumindest nicht richtig, dann kam jetzt alles zusammen. Wut, und Stärke. Ian nahm jede der Trophäen, jede einzelne und warf sie, so lange, bis sie kaputt gingen. Genau wie das Regal selbst, wie die Bilder, wie alles was in dem Regal war. Er drückte dagegen, schlug dagegen, bis er umfiel und sich mit dem Chaos am Boden vermischte und noch immer war es nicht genug, noch immer fühlte Ian sich nicht erleichtert. Auch nicht, als er gegen die Sachen am Boden trat. Wie in einem Rausch hieb und schlug er auf jedes Objekt ein, ging hinüber zum Kleiderschrank, zog alles hinaus, lief zum Schreibtisch, griff nach allem, warf alles, was er in die Hände bekam zu Boden und trampelte darauf herum, ohne auch nur eine einzige Sekunde inne zu halten. Für jeden Schlag. Für jede Beleidigung. Für… alles! Ian ließ alles heraus, indem er zerstörte, so lange, bis ihm die Luft ausging und er sich schwer atmend, auf die Knie sinken lassen musste, mitten ins Chaos, erst dann sah er sich um und war nicht länger in der Lage dazu, seinen Tränen Einhalt zu gebieten. Sie hatten es verdient. Oder? Warum war da ein ‚Oder?‘ Warum kam da ein schlechtes Gewissen? Eine Bestätigung all ihrer Beleidigungen. Ian wollte sie nicht mehr hören, wollte sie nicht bestätigt wissen. Er war kein Unkraut. Niemand war das… nicht einmal sie. Er musste raus aus diesem Zimmer, heraus aus diesem Chaos, heraus aus dem, was er gerade getan hatte. Weg. Einfach nur weg und da rannte er zurück in das Zimmer, in dem die gepackte Tasche stand, griff nach ihr und rannte aus dem Haus. Rannte, bis ihm die Lungen brannten durch den Garten, über die Straße, bis zum Raumhafen. Nur die Lichter erhellten das Dunkle des Abends, schienen ihn zu beobachten, sonst ging Ian unter in der Leere, die sich aufgetan zu haben schien. Erst als er den Raumhafen erreicht hatte, der anders, als die Stadt selbst, nie ganz zu schlafen schien, lehnte er sich gegen eine Wand, nur um in dem Augenblick, da sein Rücken die Wand berührte, zusammen zu zucken. Also nahm er die Arme, stützte sich ab und sog schwer den Atem ein. Nur konnte er nicht lange warten. Denn wenn er eben festgestellt hatte, dass er weg musste, dann war diese Feststellung noch immer so fest in seinem Kopf und seinem Herzen verankert, dass Ian sich auch jetzt keine Pause erlauben durfte. Er musste weg, weg, nicht nur von seiner Familie, sondern von allem. Weg von Telos, weg von diesem Raumhafen. Ein Antwort auf das Wohin hatte der Junge nicht, aber wie sollte er auch wissen, wohin er sollte, wenn er sich nie irgendwo zugehörig gefühlt hatte? Wenn er doch ohnehin nirgends hin passte, musste er sich die Frage danach doch auch gar nicht stellen. Weg war wichtig. Weg war das einzige, an das er denken konnte, an das er wollte, denn weg weckte Sehnsucht und Sehnsucht war beinahe wie ein Märchen. Tröstend, also rappelte Ian sich erneut auf und suchte nach einer Landebucht, nach einem Raumschiff, dass möglichst abseits von all den anderen stand. Er würde eines finden, sich darauf verstecken und weg würde eine neue Bedeutung bekommen. Bloß Zugang würde er sich verschaffen müssen, aber das war bestimmt nicht so schwer und tatsächlich dauerte es nicht lange, bis Ian einen alten Frachter ausmachte, der beladen wurde. Schnell und mitten in der Nacht. Da schien jemand genau wie er, ebenfalls nur weg zu wollen und diese Gemeinsamkeit war sicher ein Zeichen. Ein paar Minuten des Beobachtens reichten aus, um herauszufinden, wie viel Zeit ihm blieb, sich an Bord zu schmuggeln, ohne dass ihn jemand entdecken würde und kurz, nachdem der Duros das Raumschiff mit der vorletzten Kiste betrat, folgte Ian ihm schnell und leise, kauerte sich in einen Winkel, wartete ab und versteckte sich am Ende im Laderaum hinter der Fracht, die der Nichtmensch gerade eingeladen hatte.

    Ians Herz schlug heftig gegen seine Brust und ein bisschen fürchtete er sich davor, dass genau dieses Geräusch ihn verraten würde, denn als die letzte Kiste verstaut wurde, legte sich eine unheimliche Stille über den Raum und mit ihr absolute Dunkelheit. Das hatte Ian nicht bedacht. Ein kleiner, dunkler Raum, eine geschlossene Tür und diese Stille, wenn man von den normalen Geräuschen, die auf einem Schiff herrschten absah. Ian krallte sich an dem Gedanken fest, dass sie bald irgendwo landen würden. Weg. Weg war doch das Stichwort, aber es vermochte nicht die aufkommende Panik zu verdrängen. Weg schob die Angst nicht aus dem Weg. Ian zog die Knie an seinen Oberkörper, schauekelte vor und zurück. Das hier ist ein Frachtraum. Hier droht keine Gefahr. Hier sperrt dich niemand ein. Sobald das Schiff landet, wird der Duros ausladen. Das kann nicht lange dauern. Du kannst hier außerdem raus. Hier ist es nicht so eng. Alles wird gut. Stell dir einfach vor…
    Irgendwann schaukelte Ian nicht mehr vor und zurück, sondern kippte zur Seite, als der Schlaf den Sieg über ihn und seine Angst gewann.


    „Nabuk kah eh rahn?“, drang eine Stimme an Ians Ohr, die ihn sofort in die Höhe fahren ließ. Panisch tastete er neben sich, bis er etwas zu greifen bekam, das ihm vielleicht helfen konnte, da kam die Frage schon ein zweites Mal und Ian starrte, seinen Kragen in den Händen des Duros wissend, in dessen Augen. „Tu mir nichts!“, hörte er seine eigene, angstverzerrte Stimme, als er den Gegenstand fest umklammerte und da lachte der Duros.
    „Was sonst? Du stopfen mir den Mund mit dem da?“ Zeitgleich wanderten der Blick des Duros, der Ian los ließ und Ians Blick selbst auf das, was er in seiner Hand hielt und als Ian es erkannte, ließ er es sofort los. Irgendein vertrocknetes, totes Tier. Der Duros lachte erneut, ehe er meinte:
    „Du nichts hier haben zu suchen.“„Ich kann helfen. Ich kann das alles vom Schiff tragen und ich verschwinde direkt danach.“ Kurz starrten beide einander abschätzend an, der eine mit Angst, der andere mit Misstrauen. „Du auf der Flucht?“ Ian nickte, ehe er sagte: „Genau wie du.“ Schließlich hatte der Duros sich beeilt die Sachen an Bord zu laden… Der Duros lachte.
    „Du recht. Du bleiben bis wir landen und helfen ausräumen. Du stellen keine Fragen, ich stelle keine Fragen und zu Dank, ich erschießen dich nicht, obwohl du auf mein Schiff geschmuggelt. Verstanden?“Verstanden!“ Und Ian streckte dem Duros seine Hand entgegen, der diese kurz musterte, dann lachte und sie ergriff. „Nun kommen mit. Du hier nichts zu suchen hast. Ich zeigen dir Ort, wo du dich aufhalten kannst. Aber du nicht auf faule Haut liegen. Wo du da bist, du helfen. Komm.“ Der Duros packte Ian an der Schulter, um diesem beim Aufstehen zu helfen, oder besser, ihn gleich dazu zu zwingen, was diesen unwillkürlich zusammen zucken ließ. „Du verletzt?“ Doch Ian schüttelte den Kopf, der Duros aber ignorierte diese Geste, inspizierte Ian genauer. „Du verletzt, zeigen!“ Ian schüttelte erneut den Kopf, als er mit einem heftigen „Nein“ konterte. „Ich bin nicht verletzt. Ich bleibe, bis wir landen, helfe beim Ausräumen, ich stelle keine Fragen und du auch nicht,“ erinnerte er ihn an die Vereinbarung und überlegte, ob und mit welcher Drohung er enden sollte. „Zum Dank stopfe ich keines dieser Viecher in dein Maul, wenn du schläfst,“ deute Ian noch einmal auf das vertrocknete Tier und wischte sich die Hand, mit der er es zuvor berührt hatte, an der Hose ab, sah dem Duros dann so ernst wie möglich entgegen. Hatte der den Bogen überspannt? Der Duros aber lachte. „Verstanden, aber komm,“ und da folgte Ian dem Nichtmensch.
     
    Zuletzt bearbeitet: 27. August 2017
  15. Etara

    Etara Scarface gone blue

    Spazierfahrt

    (8 Jahre zuvor, Etara im Alter von 18 Jahren)

    Nar Shaddaa


    Man konnte über die Gangs des Schmugglermonds sagen, was man wollte – nun, eigentlich konnte man das nicht, wenn man seine eigene Gesundheit schätze – aber sie wussten, wie sie ihre Mitglieder bei Laune halten konnten. Im Hauptquartier der „Lucky Knives“ gab es so ziemlich alles, was Etaras Herz begehrte, und einem verdientem Mitglied wie ihr wurde auch nichts verweigert. Die junge Chiss hatte es sich auf einem großen Sofa bequem gemacht und ihre in Stiefel gepackten Füße auf dem Tisch davor geparkt, genüsslich streckte sich die Blauhäutige und gähnte herzhaft, wobei ihr fast die Flasche corellianischer Brandy, die sie nahezu vollständig geleert hatte, aus der Hand fiel. Geschickt fing sie die Flasche im letzten Moment auf und zufrieden stellte sie fest, dass ihre Reflexe noch immer funktionierten. Das machte wohl die Gewohnheit, dachte sich Etara trocken, betrachtete die Flüssigkeit in dem Glas und nahm einen weiteren Schluck, bevor sie die Flasche sanft auf den Boden stellte und ihre roten Augen halb schloss. Es war ein wenig verwunderlich, dass die Blauhäutige es schaffte, so zu dösen, ein entspanntes Lächeln auf den Lippen, denn in dem Raum dröhnte laute, rhytmische Musik, die irgendjemand als „huttische Partyklänge“ bezeichnet hatte. Es klang in Etaras Ohren wirklich ein wenig so, als würden fette Schnecken tanzen, aber sie war in der Hinsicht recht unempfindlich und außerdem nicht kleinlich, denn sie war nicht allein in dem Raum. Etwa ein halbes Dutzend Mitglieder der „Lucky Knives“ hielten sich in verschiedenen Stadien der Berauschung entweder noch auf den Beinen oder hatten auf einer Sitzmöglichkeit oder dem Fußboden Zuflucht gesucht. Die Stimmung war gut, sehr gut sogar, Gelächter, Geprahle und Jubelrufe gaben sich die Klinke in die Hand. Sie hatten auch allen Grund zum Feiern, denn vor zwei Standardtagen war ihnen ein schwerer Schlag gegen die rivalisierenden „Bad Bloods“ gelungen, mit einem Trick hatten sie drei Mitglieder dieser elenden Bande in eine Seitengasse gelockt und mit Blasterfeuer so eingedeckt, dass kaum etwas von ihnen übrig geblieben war. Etara hatte die Ehre gehabt, den ersten Schuss abzugeben, und damit einen Nikto direkt ins Jenseits befördert. Mittlerweile hatte sie in richtiges Händchen für Blasterpistolen entwickelt und sie trainierte hart, damit es auch so blieb. Man musste sich eben anstrengen, wenn man oben bleiben wollte, und wer exzessiv arbeitete, durfte auch exzessiv feiern. Die heute Party war für Etara fast ein wenig zu viel des Guten gewesen, sie hatte sich von diesem verrückten Chev Timson überreden lassen, eine neue Variante Gewürze auszuprobieren und die hatten eingeschlagen wie ein Sternzerstörer, der einen Asteroiden rammte. Oder umgekehrt, Etaras Gehirn funktionierte noch immer nicht ganz ordnungsgemäß. Was hatte sie eigentlich danach gemacht? Ah, da war dieser Sullustaner gewesen, der ihr schöne Augen gemacht hatte, wie hieß er noch gleich? Sein Name wollte ihr gerade partout nicht einfallen, aber war ja auch egal, er war zwar nett, aber diese Spezies war nun mal gar nicht ihr Fall. Dann doch lieber Twi´lek oder Menschen oder...

    „Hey, aufwachen, Blaue! Die Party hat doch grad erst angefangen!“

    Die Worte erreichten ihre Ohren unangenehm laut und sie spürte, wie jemand gegen ihre Beine klopfte, widerwillig öffnete Etara die Augen und blinzelte, es war alles verschwommen und es dauerte ein bisschen, bis sich ihr Blick klärte und sie erkannte, wer sie ansprach. Es war Twitch, der quirlige kleine Rodianer blühte unter diesen Umständen regelrecht auf.


    „Hmmmmmmmmmm....“


    Beklagte sich Etara, unfähig und unwillig, Worte zu artikulieren, was den Nichtmenschen lauthals lachen ließ und er winkte, worauf Miko, ein großgewachsener, kräftiger Rattataki, und Jila zu ihm traten. Miko war ein alter Hase, schon ewig dabei, Jila hingegen ein Frischling und man merkte der braunhaarigen Menschin an, dass ihr das alles hier noch etwas fremd war. Twitch ließ es sich nicht nehmen, auf Etaras Kosten zu spaßen.


    „Schaut sie euch an, liegt da ein umgefallener Hutte. Müssen wir dich raus tragen, Etara? Da brauchen wir aber Verstärkung...“

    So etwas konnte die Chiss nicht auf sich sitzen lassen, sie richtete sich energisch auf und...fiel prompt zurück in ihre Ursprungsposition, was erst recht für schallendes Gelächter sorgte, sogar die etwas schüchterne Jila prustete los. Herrlich, jetzt machten sich schon die Frischlinge über sie lustig, dachte sich Etara und unternahm einen weiteren Versuch, der zum Glück erfolgreich war. Als sie saß, drehte sich erst recht alles vor ihr und die Kriminelle hielt sich Kopf.


    „Urgh....wenn ich...wenn ich das nächste Mal in Versuchung gerate, was von Timson zu nehmen, erschießt mich vorher, ja? Fühlt sich an, als wäre ein Sternzerstörer auf meinem Kopf gelandet.“


    Die Worte auszusprechen war gar nicht so einfach, aber es klappte und Miko und Twitch nickten feierlich und ernst und mit einem Gesichtsausdruck, der förmlich schrie, dass sie nicht einmal im Ansatz daran dachten, das zu tun. Etara funkelte die beiden an, bevor sie lachen musste.


    „Ja, ja, schon gut. Wir wissen eh alle, dass ihr mich nicht davon abhalten könntet, selbst wenn ihr es wolltet.“


    Jetzt war das Gelächter universell und mit einem Seufzen lehnte sich Etara gegen die Rückenlehne und Jila setzte sich neben sie, die Menschin reichte ihr ein Glas Wasser, an dem sie vorhin genippt hatte.


    „Hier, das hilft bestimmt.“

    Jila lächelte freundlich und Etara nickte dankbar und trank einen kräftigen Schluck, geräuschvoll stellte sie das Glas wieder ab und grinste Jila freundlich von der Seite an.


    „Wenigstens einer, der sich um mich Sorgen macht.“


    Meinte die Blauhäutige trocken, worauf Miko und Twitch gespielt empört protestieren, bis Etara die Hände hob.


    „Okay, ich glaube euch, dass ihr mich liebt als wäre ich eure Schwester. Schon klar.“


    Besänftigt zogen die beiden von dannen und ließen Jila und Etara allein auf dem Sofa zurück, die Menschin schwieg schüchtern und blickte woanders hin. Das war ziemlich süß und Etara wollte gerade etwas sagen, da wurde die Tür aufgerissen und Dloko stolperte außer Atem hinein, der Zabrak wäre fast über eine Flasche geflogen.


    „Ihr werdet nicht glauben, was ich gesehen habe! Die „Bad Bloods“ haben Speeder geparkt, nur drei Straßen weiter und bloß zwei Wachen. Wunderschön, wunderschön!“

    Damit hatte er die Aufmerksamkeit aller und Etara stand auf.


    „Was, die Wachen oder die Speeder?“


    Fragte sie trocken und Gelächter brach aus, aber sie erkannte die Gelegenheit, mit einem Mal war sie hellwach und marschierte zu Dloko.


    „Kannst du mir zeigen, wo genau?“


    Der von Speedern besessene Zabrak nickte eifrig und Etara grinste selbstsicher.


    Miko, Twitch, Frischling...na, wie wär´s? Wollen wir unseren Rivalen so richtig ans Bein pinkeln? Wir wissen doch alle, wie sehr die „Bad Bloods“ ihre Speeder lieben.“


    Zustimmendes Gegröle war die Antwort und rasch versammelte sich die Gruppe und Dloko führte sie hinaus. Die kühle Nachtluft half enorm dabei, den Kopf frei zu bekommen, und Etaras Verstand und Konzentration waren wieder da, geduckt schlichen sich die Kriminellen heran und versteckten sich hinter einem Müllcontainer. Da standen die beiden Speeder, und tatsächlich nur zwei Wachen, die beiden Weequays wirkten wenig konzentriert und tratschen miteinander.


    „Bist du sicher, dass es nur zwei Wachen sind? So dumm sind doch nicht mal die...“

    Meldete sich Miko skeptisch zu Wort, worauf Dloko energisch nickte.


    „Ich hab die ganze Umgebung geprüft. Die „Bad Bloods“ sind personell ziemlich ausgedünnt und die denken glaube ich immer noch, dass wir in dem alten Hauptqurtier hocken, nicht hier. Waren ja sehr diskret beim Umzug.“

    Nachdenklich strich sich Etara übers Kinn. Konnte eine Falle sein, aber dafür waren ihre Rivalen ehrlich gesagt nicht clever genug, sie bevorzugten die direkte Konfrontation.


    „Also schön. Frischling, du bleibst hier. Twitch, Dloko, pass auf unseren Rücken auf. Miko, du übernimmst die rechte Wache, ich den links. Okay? Und los!“


    Konzentriert griff Etara nach ihrem Messer und schlich dann geduckt los, während Miko das selbe tat. Nahezu simultan erreichten sie die Wachen, packten sie und stachen zu, mit blutenden Hälsen sackten die beiden Weequays zusammen. Rasch wischte Etara das Messer an deren Kleidung ab, dann pfiff sie und betrachtete neugierig und anerkennend die Speeder.


    „Die sind wirklich schick...“


    Murmelte sie und die anderen, die auf ihr Signal hin aus dem Versteck gekommen war, bewunderten unter fachmännischen Kommentaren Aussehen und Technik der Fahrzeuge.


    „Gut, wir fahren...“


    Setzte Etara an, da hörte eine Art Summen, das lauter und lauter wurde und zwei Speeder bogen um die Ecke, vollbesetzt mit grimmigen Gestalten, die sie ohne großes Nachdenken als „äußerst unfreundlich“ einstufte und sie erst verwundert, dann zornig anstarrten, Anweisungen und Beleidigungen wurden geschrien und Blaster gezückt. Offenbar hatten diese „Bad Bloods“ ihre Kumpel auflesen wollen. Wunderbar, wirklich wunderbar.


    „Oh, verdammt! Los, in die Speeder! Fahrt, fahrt!“


    Brüllte die Chiss und stieß Jila, die wie festgefroren da stand, in den Speeder, dann sprang die Blauhäutige hinein, aktivierte das Triebwerk und riss das Steuer herum, als sie Gas gab. Kreischend drehte sich der Speeder und sie hatte das Manöver kaum vollendet, da drückte Etara aufs Tempo und das Fahrzeug schoss los. Miko, Twitch und Dloko hatten geistesgegenwärtig ähnlich reagiert, ihr Speeder folgte in kurzem Abstand und flog dann neben dem von Etara.


    „So eine verfluchte..“

    Schrie Miko über den Fahrtlärm, er kam aber nicht dazu, den Fluch zu vollenden, ein Blasterschuss raste nur knapp an ihm vorbei. Etara warf einen Blick in den Rückspiegel und was sie sah, gab ihr allen Grund, das Gaspedal bis zum Anschlag durchzutreten. Die beiden Speeder der „Bad Bloods“ folgten ihnen und holten rasch auf, weitere Schüsse fielen und Etara zwang den Speeder in eine scharfe Kurve, so dass Jila ihr wortwörtlich auf den Schoß fiel. Unter anderen Umständen sicher angenehm, jetzt aber nur schlecht.


    „Anschnallen! Das wird unangenehm...“


    Wies Etara die Menschin an, die die sich hastig den Sicherheitsgurt umlegte, sie war kreidebleich. In einem wahnwitzigen Tempo rasten die Speeder durch die leeren Gassen und als Etara ein wenig zu langsam reagierte, überfuhr sie eine bedauernswerte Mülltonne, deren Inhalt durch die Luft flog und sich amüsanterweise über ihre Verfolger ergoss, die ob dieses stinkenden Regens allerdings nur umso heftiger fluchten und schossen. Twitch und Dloko feuerten zurück und so entbrannte ein veritables Feuergefecht, bei dem der Großteil der Schüsse mitten im nirgendwo landete und Löcher in Hauswände brannte. Nur knapp über dem Boden flogen die Speeder weiter und Etara stieß einen deftigen Fluch aus, als ein Blasterschuss das Heck traf. Sie flogen über eine lange, gerade Schnellstraße, was das Zielen erleichterte.


    „Nimm das Steuer! Einfach weiter gerade aus!“


    Rief die Blauhäutige an Jila gewandt, die sie perplex anstarrte und Etara musste ihre Hände förmlich ans Lenkmodul drücken und ihren Fuß Richtung Gaspedal bugsieren, bevor sie den Gurt löste, zum Heck kletterte und ihre Blasterpistole zog. Die Chiss kniff die Augen zusammen, zielte, schoss...und verfehlte ihr Ziel um Meter, als Jila in einer plötzlichen Lenkbewegung einem automatischen Transporter auswich, der das Pech hatte, zu dieser späten Stunde noch unterwegs zu sein. Etara fiel fast vom Speeder und klammerte sich mit aller Kraft fest. Das unverhoffte Manöver hatte jedoch einen großen Vorteil, einer der verfolgenden Speeder sah den Transporter zu spät. Der Fahrer versuchte noch, auszuweichen, aber es war zu spät, mit einem gewaltigen Knall stießen die Fahrzeuge zusammen und ein Feuerball verschlang sie. Rauch und Trümmer füllten die Umgebung.


    „Wuhuuuuuu!“


    Jubelte Etara, aber die Freude war verfrüht, der zweite Speeder war um Haaresbreite entkommen und holte nun rasch auf.


    „Halt drauf, halt drauf!“

    Brüllte Twitch über den Lärm und Etara nahm sich den Rat zu Herzen und schoss zusammen mit den anderen Gangmitliedern. Ein Hagel aus Blasterfeuer war die Antwort, aber sie hatten die Verfolger dezimiert, einer fiel mit einem lauten Schrei vom Speeder und knallte auf die Straße. Immer weiter so, dachte sich die Chiss und sie feuerten erneut, diesmal konzentriert auf den Fahrer. In dem Chaos war es unmöglich zu sagen, wer den entscheidenden Schuss abgab, der ihn schließlich erwischte, aber das war auch egal. Das Resultat des Treffers war spektakulär, ohne Fahrer brach der Speeder nach rechts aus, prallte die in die Straßenbegrenzung und überschlug sich mehrfach.


    „Das war knapp...“


    Murmelte Etara erleichtert und sie kletterte zurück und ließ sich in den Sitz fallen. Nun weitaus ruhiger und sicherer flogen sie die erbeuteten Speeder zum Parkplatz eines nahe gelegenen Verstecks und landeten. Miko, Twitch und Dloko kletterten hinaus und klopften sich gegenseitig auf die Schulter, Etara und Jila blieben erst mal sitzen. Das Herz der Chiss schlug wie verrückt und sie hatte ein Rauschen im Ohr, ihr ganzer Körper war von Adrenalin durchpumpt und auf 180. Jila ging es ähnlich, die Menschin grinste über beide Ohren und war ganz aufgekratzt.


    „Hast..hast du das gesehen? Hast du gesehen, wie der Transporter...oh, oh verdammt, ich dachte, wir gehen drauf, ich dachte es wirklich. Macht...macht ihr das jeden Tag?“

    Etara lachte und schüttelte den Kopf, während sie Jila von der Seite anlächelte.


    „Nein...nein, zum Glück nicht jeden Tag.“


    Die Menschin neben ihr kicherte und schüttelte fassungslos den Kopf.


    „Das...das war das Verrückteste, was ich je in einem Speeder erlebt habe...“

    Murmelte Jila. Etara warf einen verstohlenen Blick zu den anderen, die bereits in Richtung Eingang unterwegs waren, um die frohe Botschaft zu übermitteln, und sie grinste kokett, strich sich eine Strähne ihres langes schwarzen Haares aus dem Kopf und rückte näher an Jila heran, galant legte sie ihren Arm um ihren Nacken und funkelte sie aus ihren roten Augen an.


    „Hm...ich glaube, da geht noch mehr.“


    Und so, während die anderen ihren Triumph mitteilten, stellte sich schlussendlich heraus, dass die wilde Verfolgungsjagd doch nicht das Verrückteste war, das Jila je in einem Speeder erlebt hatte.
     
  16. Scytale Mentel

    Scytale Mentel Senatsmitglied

    Stunde des Verrats

    (Vor etwa 9 Jahren, Scytale mit 18 Jahren)
    (überarbeitet am 08.04.2018, Logik- und Sprachliche Fehler ausgebessert)
    ----

    Kaum war der Tag zu Ende, da war Scytale aus seiner Kadettenuniform in Zivilkleidung geschlüpft. Der angehende Offizier wusch sich noch schnell sein Gesicht, um die Müdigkeit zu vertreiben, da klopfte es schon an der Tür. Aufmerksam lauschte er. Drei kurze und ein langer Klopfer, das hatte er zusammen mit Jatal als Erkennungszeichen vereinbart.

    Das Imperium befand sich noch im Krieg mit der Neuen Republik und Scytale hatte sich, kaum hatte er die 18 Standardjahre erreicht, beim Militär in der Teilstreitkraft Flotte eingeschrieben. Schon der Vater seines Vaters war Kommandeur eines Schiffes. Nicht verwunderlich also, dass es ihn ebenfalls in die geöffneten Arme der Imperialen Militärmaschinerie trieb und aus ihm einen loyalen, der Neuen Ordnung treuen, Offizier machte. Okay, zugegebenermaßen war noch kein vollwertiger Offizier. Die Abschlusszeremonie sollte in schon bald in einigen Tagen erfolgen.

    Wie auch immer, es war das Signal Jatals. Dieser war sehr beliebt auf der Akademie und seine Familie nicht minder einflussreich. Tatsächlich herrschte zwischen den zwei werdenden Offizieren ein freundschaftliches Band, da Scytale sich wirklich für den Vor- und nicht wie alle anderen, dem Nachnamen interessierte. Das wiederum honorierte der Jüngling mit großem Vertrauen, was sich heute das erste Mal auszahlen würde – Jatal würde ihn zu einem besonderen Treffen mitnehmen, wo nur die wenigsten von wussten und noch weniger dabei sein durften. Scytale freute sich zwar darauf, verspürte aber Nervösität. Zuviel war unklar.

    Er öffnete die Tür und stand einem dümmlich grinsenden jungen Mann gegenüber. Wahrscheinlich hatte er mal irgendwas besondersIntelligentes geplant. Als dieser Scytales leicht genervtes Gesicht sah, hob er beschwichtigend die Hände. ,,Hey Scy, keine Sorge. Das Speederrennen ist in ein paar Tagen, ein paar Stunden vor unserem Abschluss. Entspann dich und komm mit."

    Leise seufzend folgte er seinem Kumpel zum Zaun der Akademie, hinaus in die Walachei. Die Dunkelheit wurde lediglich nur vom Mond durchbrochen. Langsam aber sicher entfernten sich die beiden von den Lichtern der Zivilisation und begaben sich immer tiefer in den Sumpf aus Natur und Nichts.
    Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichten sie eine kleine, schwach erleuchtete Hütte, die kaum in der Umgebung auffiel auf den ersten, vielleicht sogar auf den zweiten Blick. Plötzlich wurden sie von mehreren schwarzgekleideten Gestalten umzingelt, die allesamt Messer oder andere scharfe nicht identifizierbare Gegenstände in der Hand hielten.

    Der Kleinste von ihnen verlangte nach der Losung. Jatal trat vor und sprach:,,Möge das Imperium lange genug bestehen!",,Akzeptiert. Ihr könnt nun eintreten." Erwiderte der Zwerg und die Gestalten verschwanden wieder im Dunkeln der Nacht.

    Ein mulmiges Gefühl beschlich Scytale. Wozu diese ,,stummen" Waffen? Und aus welchem Grund diese abgelegene Ecke und wieso zum Teufel brauchte man eine Losung? Was wurde hier nur gespielt? Weiter konnte der junge Fast-Offizier nicht denken, da Jatal ihn in die Hütte schob, wo sie dann über eine Treppe in eine Art Grotte stiegen, die hell erleuchtet war. Ein großer runder Tisch stand in der Mitte, umgeben von einem guten Dutzend Stühlen und Hockern. Sie setzten sich zu den anderen.

    Zuallererst wurde etwas altes Brot und abgestandenesWasser an die Runde ausgeteilt. Dann stand ein recht alter Mann auf und hob an zu einer Rede.

    ,,Brüder und Schwestern, ich wünschte wir würden uns unter weniger unguten Sternen treffen, doch leider spielt uns das Glück heute nicht in die Hände."

    Der Graubärtige hob seinen Becher.

    ,,Bevor ich weiteres erkläre, erhebe ich mein Glas auf diejenigen, die im Namen der Gerechtigkeit in diesem Krieg kämpfen."

    Alle folgten seinem Beispiel, und sogar Scytale tat es. Er war viel zu neugierig, was geschehen würde.

    ,,Jeder von uns hat ein Ziel, welches uns im Geiste verbindet. Und wir sind nicht die einzigen! Das Imperium ist ein Übel, lediglich Frieden mit der Neuen Republik kann uns allen den erhofften Segen eines Wirtschafts- und Forschungsaufschwung bringen."

    Bitte waaaaaas?!

    ,,Krieg ist keine Lösung!"

    Zustimmendes Genicke und Gemurmel im ganzen Raum. Der junge Offizier wünschte sich wieder zurück in die Akademie – wo war er hier bitte schön nur hereingeraten? Wurde er verrückt? War dass alles nur ein Traum? Hier wurde ganz offensichtlich die Doktrin des Imperators angezweifelt! Aber was sollte er tun? Panik stieg ihn ihm hoch und auf einmal wurde er von dem Redner direkt angesprochen. Sämtliches Blut wich aus Scytales Gesicht. Scheiße, Scheiße, Scheiße! Würde er ihn wegschleifen und töten lassen?

    ,,Mein Sohn..."

    tönte es ihm mit dunkler sonorer Stimme entgegen.

    ,,Bist du bereit gegen das Böse zu kämpfen?"

    Innerlich atmete der angehende Kommandeur auf. Und seine Antwort darauf, war simpel und voller Überzeugung, auch wenn in diesem Falle das Imperium gemeint war.

    ,,Das bin ich Sir!"

    Das Böse war aus Scytales Sicht dieser Haufen abartiger Feiglinge! Und Jatal gehörte dazu! Innerlich kochte er vor Wut. Einerseits weil er diesen Menschen auf freundschaftliche Weise mochte, aber andererseits weil diese Freundschaft ihn ALLES kosten konnte. Seine Karriere in der Flotte die noch nicht einmal richtig begonnen hatte. Äußerlich blieb er ruhig, doch in ihm loderte ein solcher Hass, der in diesen Momemt sogar Durastahl hätte durchätzen können.

    Der junge Offizier war so sehr darauf fixiert, was in seinem Innersten vorging, dass er nicht bemerkte wie sich das Treffen des Abschaums auflöste. Aus den Augenwinkel sah er, wie Jatal Juran, dieses miese Stück Scheiße auf zwei Beinen, noch ein paar Worte mit einigen der Feiglingen sprach und dann glücklich lächelnd zu ihm kam. Zusammen gingen sie nach draußen, wo sie stillschweigend wieder zur Akademie zurückkehrten.

    Die nächste Zeit ging Scytale dem jungen Juran aus dem Wege und malte sich tausend Möglichkeiten aus, was passieren würde, wenn jemand vom Treffen und seiner Anwesenheit Wind bekäme. Er kam zu der Erkenntnis, dass jedes dieser unzähligen Szenarien mit seinem Tod enden würde. Oh nein... noch hatte er nicht vor den Löffel abzugeben und so reifte ein Plan in seinen unlesbaren Gedanken...
    ----

    Nicht einmal eine ganze Woche später, wenige Stunden vor der Verleihung des Offizierpatents fanden sich Jatal und Scytale auf einer Rennstrecke wieder.

    Der Imperiale stand unten an der Startlinie, neben dem Speeder seines ehemaligen Freundes, der ihn mit besorgtem Gesicht ansprach. ,,Hey Scy, zwischen uns ist doch alles okay, ja? Seit der Sache warst du so... abweisend. Du wirst doch niemanden etwas sagen?"


    ,,Nein, keine Sorge Jatal. Schließlich sind wir doch Freunde, stimmts?" Log Scytale mit einem schwachen Lächeln

    Die Miene des Speederfahrers hellte sich auf. Der Spross einer einflussreichen Familie setzte seine lederne Maske auf, die sein Gesicht während des Wettkampfes vor Staub und kleinen Steinen schützen sollte. Der Juran liebte schon immer das Risiko. Bevor die Speederfahrers sich ein erbittertes Gefecht um den ersten Platz liefern konnte, wurden alle Nicht-Fahrer wie Scytale von der Startlinie verjagt. Auf einer der gut gefüllten Tribünen nahm der Jungoffizier Platz, schnappte sich sein Makrofernglas und kümmerte sich nicht weiter um die Zuschauer um ihn herum, sondern beobachtete durch die Vergrößerung die Renner.

    3... 2... 1... START!

    Sie düsten los und schon bald ergab sich eine Rangfolge. Ganz vorne auf Platz 1 befand sich Jatal, hinter ihm jedoch klebte jemand anders. Um ehrlich zu sein, hatte Scytale sich nicht die Mühe gemacht, die Teilnehmerliste anzusehen. Sein Fokus lag ganz allein auf Jatal und einer kleinen Box in seiner linken Hand. Vorsichtig öffnete er den Deckel und schon kam ein kleiner, schlichter Schalter zum Vorschein.

    Und während er Jatal beobachtete, wie dieser knapp den ersten Platz hielt, legte er den Schalter um.

    Es machte kaum vernehmbar ein klickendes Geräusch, urplötzlich ging Jatals Speeder in Flammen auf und explodierte in einem grauenhaft anzusehenden Feuerball, der nicht nur den Juran sondern auch den Hintermann erfasste

    Innerhalb dieser Sekunde, in der der Speeder explodierte und Jatals Körper brutal vernichtet wurde, die Zuschauer laut schrien und in Panik gerieten, da blickte der Mörder wie in Zeitlupe durch das Fernglas und beobachtete die Flammen, aber wusste dabei einwandfrei, das niemand, absolut niemand seine Karriere zerstören würde, selbst wenn er dafür jemanden töten musste. Da war er sich sicher!

    Anschließend brach der gerade 18 Jahre alt gewordene Scytale Mentel zusammen und kotzte sich das letzte Stück Seele aus seinem Leib...
     
    Zuletzt bearbeitet: 8. April 2018
  17. Eowyn

    Eowyn Kleines Molekül in einem großen Universum Premium

    Prinzessinnen
    25 Jahre vorher (Eowyn im Alter von neun Jahren)


    „MIRI!!! Warte doch… nicht so schnell…!“
    Eowyn drehte sich im Rennen nach hinten um und grinste. Mellah hatte wie immer keine Chance, mit ihr mitzuhalten. „Mach du doch einfach schneller!“, rief sie nach hinten und ließ sich wenige Meter später dann auf die Blumenwiese fallen. Sie strich sich auf dem Rücken liegend die verschwitzten Locken aus der Stirn und genoss den schnellen Atem, ihr Herzklopfen und das weiche Gras unter sich, zumindest die paar Momente, bis ihre beste Freundin sich neben sie plumpsen ließ. Dann war die Ruhe nämlich, wie immer, vorbei. „Du weißt… dass ich nicht… so schnell bin…“, keuchte die braunhaarige Mellah neben ihr und sah sie vorwurfsvoll an. „Und du weißt, dass ich schneller bin“, antwortete Eowyn grinsend, den eigentlichen Sinn der Aussage bewusst ignorierend. Hey, Mellah konnte so viel besser als sie… sie konnte Musik machen, richtig schön! Da war es nur fair, wenn auch sie, Eowyn, in etwas besser war. Oder etwa nicht? Doch. Ganz sicher. „Du weißt, dass ich das üben muss!“, antwortete sie dann etwas ernster. „Eine Jedi muss laufen können, so schnell wie der Wind!“ Mellah schüttelte den Kopf. Ihr Atem hatte sich langsam etwas beruhigt, und sie konnte Eowyn antworten. „Du und dein Jedikram. Ich glaub immer noch, dass das nicht klappt. Aber wenn du meinst, meinetwegen…“ Sie zuckte mit den Schultern.
    „Ja, ich meine.“ Eowyn stützte sich in Rückenlage auf ihre Unterarme und nickte ernsthaft. Sie war sich sicher. So sicher… Das alles musste doch etwas bedeuten, oder nicht? Die Erwachsenen lachten nur, wenn sie davon redete, deshalb wusste nur Mellah, dass sie immer noch felsenfest davon überzeugt war. Aber sie würde sich nicht davon abbringen lassen. Auch, wenn sie erst neun Jahre alt war. Sie musste einfach clever sein… cleverer als alle Großen. Sie wusste, dass das ihre Bestimmung war. Woher sollte es denn jemand anderes wissen außer ihr selbst?
    „Okay“, sagte Mellah nur gleichmütig. Ihre Freundin hatte schon längst aufgegeben, mit ihr darüber zu diskutieren – und ein kleines bisschen glaubte sie, so meinte Eowyn, ohnehin daran. So ein ganz kleines bisschen. „Aber bis dahin bist du noch hier auf Tirahnn, und mir ist langweilig. Lass uns was spielen… Prinzessinnen?“ Mellahs Augen strahlten plötzlich, und Eowyn lächelte. Wieso überraschte der Vorschlag sie nicht? Ihre beste Freundin spielte in den letzten Wochen nur Prinzessinnen, aber für Eowyn war das okay. Warum auch nicht? „Okay, aber nur mit Kronen. Echte Prinzessinnen haben Kronen!“„Klar. Mach du sie, Miri, du kannst das viel besser als ich…“ Eowyn hob eine Augenbraue. „Quatsch. Du bist nur zu faul. Aber es ist okay, mir macht das Spaß…“


    Sie stand auf, ohne sich die Grashalme von der Kleidung zu klopfen, und lief die Wiese nach geeigneten Blumen ab. Blumen, die nicht zu groß waren, aber die Stiele mussten lang sein… zur kurz, und sie konnte sie nicht miteinander verknoten. Sie pflückte alle möglichen Farben ab und trug sie zurück zu Mellah, die inzwischen auf dem Rücken lag und die Blätter an den Ästen über ihr beobachtete. Schweigsam begann sie, die Blumen aneinander zu knoten. Die Arbeit tat gut, sie war beruhigend und gleichmäßig. Außerdem schuf man so etwas… auch wenn es ihr um die Blumen natürlich ein bisschen Leid tat. Aber hier auf der Wiese waren so viele. Es würden neue wachsen, und auch morgen und übermorgen wären noch weitaus mehr als genug vorhanden, um viele, viele Blumenkronen zu knoten.

    „Ich werde das hier vermissen…“, sagte sie leise vor sich hin, nicht einmal sicher, ob sie mit sich selbst oder mit Mellah sprach. „Hmmmmmmm?“, kam es von rechts, wo ihre Freundin die Augen mittlerweile geschlossen hatte. Eowyn schwieg einen Moment, dann redete sie weiter. „Das hier. Blumen. Bäume. Wiesen… Weißt du, so etwas gibt es doch nicht auf Corussant. Die Stadt ist bestimmt auch aufregend. Aber so viele Bäume wie es hier gibt… das werde ich vermissen…“ Jetzt war es Mellah, die sich auf die Unterarme stützte und sie nachdenklich ansah. „So gar nicht? Ich hab gehört, da soll es auch Parks geben. Mit Bäumen und so. Ich meine… wie soll man ohne was Grünes leben? Das geht doch gar nicht… Mama sagt, wir brauchen Bäume zum Atmen.“
    Eowyn knotete eine besonders widerspenstige Blume fest und antwortete dann.
    „Das stimmt. Ich hab auch keine Ahnung wie es funktioniert… Aber Corussant hat wohl kaum Bäume.“ Mellah schüttelte energisch den Kopf und rollte mit den Augen. „CorusCant, Miri, CorusCant! Wann lernst du das endlich?“ Eowyn winkte ab. „Ist doch egal… Jedenfalls… es gibt da keine Bäume… So gut wie gar nicht. Aber vielleicht gehören welche zum Tempel… das konnte ich noch nicht herausfinden. Schon schade. Ich mag es so, hier durch die Bäume zu rennen…“ Einen Moment schaute Eowyn sich um, als ob sie den Anblick der Bäume für immer abspeichern könnte, dann wandte sie sich der zweiten Blumenkrone zu. „Mir tuts auch Leid für meine Kinder mal. Ich meine… stell dir mal vor, so was hier GAR NICHT zu kennen! Das ist doch… gemein. Und deshalb…“ Eowyn blickte sich um, um sicher zu gehen, dass sie wirklich alleine waren. „…deshalb nenne ich meine erste Tochter Lilly. Und die zweite Daisy. Ich weiß, dass das komische Namen sind… aber sie erinnern mich an Blumen, weißt du? Auch wenn es keine Namen von Tirahnn sind. Aber das macht nichts. Sie werden ja eh nicht hier aufwachsen.“ Eowyn zuckte mit den Schultern. „Und so haben sie die Natur wenigstens in ihren Namen… Aber nicht verraten!“ Ernsthaft blickte sie Mellah in die Augen. „Das ist mein Geheimnis. Und jetzt unseres. Das darf keiner wissen… sonst nimmt mir jemand die Namen noch weg! Das wäre echt blöd.“ Mellah hob die rechte Hand. „Großes Tirahnner-Ehrenwort, ich versprechs! Ich verrat dir auch meine Lieblingsnamen… Wenns ein Mädchen wird, dann nenne ich sie Amat. Und einen Jungen Hasufel…“ Eowyn starrte Mellah einen Moment an. Hasufel… so hieß das kleine Haustier von den Nachbarn drei Häuser weiter. So nannte man doch kein kleines Baby… Aber sie konnte an sich halten und lachte nicht los. Mellah wäre sonst echt sauer geworden… „Amat klingt echt schön… ich verrats auch keinem, okay?“ Mellah nickte zufrieden, und ein paar Augenblicke arbeitete Eowyn in Stille an ihrer Krone weiter. „Was machst du, wenn es ein Junge wird?“ Neugierig blickte Mellah sie an, und Eowyn sah auf. „Ein Junge?“ Verwundert überlegte Eowyn einen Augenblick. „Darüber hab ich noch nie nachgedacht. Ich glaube… ich krieg einfach keinen Jungen. Jungs sind eh… naja. Manchmal komisch, findest du nicht auch? Ne… nene. Ich kann wahrscheinlich eh nur Mädchen kriegen. Ich wünsch mir nur Mädchen.“ Mellah schüttelte skeptisch den Kopf. „Du weißt, dass das so nicht funktioniert, Miri? Das ist doch Blödsinn…“„Gar nicht Blödsinn!“ Mellah hatte doch nur keine Ahnung. „Ich krieg das hin. Du wirst schon sehen! Was will ich mit Jungs… die sind anstrengend. Lieb, aber anstrengend. Ne.“ Sie schüttelte den Kopf. Sie wollte keine Jungs, also würde sie auch keine kriegen. Das war einfach.
    Sie knotete die letzte Blume in ihren eigenen Kranz, setzte ihn sich auf und grinste. Mellah sah sie noch immer völlig skeptisch an.
    „Guck nicht so. Du wirst sehen. Und außerdem krieg ich noch keine Babys, ich bin noch nicht mal zehn… und du auch nicht. Bis dahin geht das bestimmt. Hier, nimm deine Krone…“ Übermütig warf sie ihrer Freundin die Blumen zu, welche sie sich dann in ihre Haare drückte. Eowyn stand auf und reichte Mellah ihre rechte Hand. „Darf ich bitten, Fräulein von und zu Tahefel?“ Geziert nahm Mellah die ihr gereichte Hand, und ließ sich nach oben ziehen. „Sehr wohl, Fräulein von und zu El’mireth. Zu unserem Schloss?“„Klar.“ Eowyn nickte. Die Steinhöhle weiter hinten im Wald war ein hervorragendes Schloss. Sie hatten sogar ein paar Decken für ihre Betten dort deponiert. „Aber wir brauchen auch noch Prinzen!“ Mellah beschwerte sich immer über diese Tatsache. Als ob man nicht hervorragend auch ohne Prinz eine Prinzessin sein konnte! Eowyn zuckte mit den Schultern. Dummerweise durfte sie nicht voraus rennen, denn Prinzessinnen rannten nicht. „Dann müssen wir das nächste Mal halt doch einen von den Jungs mitnehmen. Welchen hättest du gerne? Tharen ist doch eigentlich ganz nett… oder Hefat.“ Aber eigentlich brauchte sie keinen Prinzen. Prinzen waren Jungs. Das hieß, dass sie komisch waren… Und Mellah sah das wohl ähnlich. Sie winkte ab, während sie vornehm über einen umgekippten Baumstamm stolzierte. Das musste man ihr lassen… das konnte sie wirklich gut! „Vergiss es. Es geht auch ohne Prinzen. Wir stellen uns einfach welche vor… Das geht genauso gut.“ Sie drehte sich zu Eowyn um und lächelte. „Weißt du… so lange ich dich hab, da brauche ich keinen. An Prinzessinnenfreundinnen kommt eh kein Prinz heran.“
     
  18. Ian Dice

    Ian Dice against all odds Premium

    Geh weg
    (Ian mit 22)

    Als Ian das erste Mal mit dem Stahlschwamm über seinen Rücken fuhr, glaubte er, dass der Schmerz ihm die Sinne rauben würde. Der Wasserstrahl, der auf die offene Wunde traf, verschlimmerte den Schmerz, aber es spielte keine Rolle. Keine Rolle. Diese Narben mussten verschwinden, sie waren schon so lange an seinem Rücken, er hasste sie, er hasste sie! Wieder und wieder schabte der junge Mann mit dem Schwamm über seinen Rücken und der Schmerz, was war er im Vergleich zu dem Schmerz, der erst zu diesen Narben geführt hatte? Nichts. Gar nichts! Ians Bewegungen wurden größer, gröber und das Wasser, das aus dem Duschkopf kam, verband sich mit Ians Tränen, die nun unablässig liefen. Sein Rücken brannte wie Feuer, aber wenn er nur oft genug über die Narben ging, würden sie verschwinden und dann wäre da nicht mehr diese riesige unebene Fläche, für dir er sich schämte, die niemand sehen durfte, die er so verabscheute, die er jedes Mal, wenn er sich duschte aussparte, um die kleinen, vielen Erhebungen nicht zu spüren. Ian begann zu zittern, als er nicht länger allein die Stellen traf, die Narben besaßen, sondern auch jene, die er mit dem Schwamm aufriss. Der Schmerz wurde schlimmer, trotz des kalten Wassers, doch Ian konnte sich nicht zurückhalten, wie auch, wenn er aufhörte, er würde sie nicht alle treffen, die ganzen Narben, wenn er stoppte, sie würden nicht verschwinden und… am Rande seines Bewusstseins nahm er ein leises Klopfen an der Türe wahr, aber das konnte nicht sein, denn er war alleine, Tahiri war nicht da und sie würde erst am Abend kommen, spät am Abend, nicht schon jetzt, so früh. Das bildete er sich ein, wegen des Schmerzes, der wuchs und mit dem wachsenden Schmerz wurden Ians Bewegungen heftiger. Das war kein Klopfen gewesen, sondern das Blut, das in seinen Ohren rauschte und da hörte er außerdem sich selbst, wie er weinte, wie er leise stöhnte…
    Ian?‘ Da war wieder das Klopfen und jetzt war da eine Stimme, die nicht hier her gehörte. ‚Ian?‘ Tahiris Stimme klang besorgt und laut, obwohl die Türe sie dämpfte, doch Ian ignorierte sie, sich einredend, dass sie gar nicht da war. Ohnehin, was der junge Mann wahrnahm, was er hauptsächlich spürte, waren die Verletzungen. Das Wasser, der Schmerz. ‚IAN!‘
    Jetzt erst hörte er sie wirklich
    „Geh weg!“, wollte er laut rufen, sackte gegen die Duschwand und bekam nicht mehr, als ein leises Flüstern über die Lippen und doch wiederholte er die beiden Worte immer und immer wieder, denn wie gut passten sie zu dem, was er wollte; dem Veschwinden seiner Narben.

    Die Holztür knackte leise, als es Tahiri gelungen war, sie mit minimaler Gewaltanwendung zu öffnen. Als sie Ian erblickte, das ganze Blut auf dem Boden, schlug sie die Hand vor den Mund und erstickte so einen leisen Schrei. Eine Sekunde lang war sie zur Unfähigkeit verdammt, ehe sie ihre Sprache wieder fand. ‚
    Hör auf damit!.‘ Eine halbe Bitte, ein halber Befehl, den sie eindringlich wiederholte, noch im selben Moment, da sie zum Schrank hastete und ein großes, weißes Handtuch hervorholte. ‚IAN, HÖR AUF‘ Jetzt war ihre Stimme laut und dennoch beinahe ein Flehen. Ian selbst fiel der Schwamm aus der Hand und nur einen Augenaufschlag später, sackte er auf die Knie, wimmerte nur noch leise „Geh weg“, und das immer wieder. Tahiri trat zu ihm, warnte ihn leise vor. ‚Ich komme jetzt zu dir,‘ ignorierte sein Mantra und weinte inzwischen selbst. Vorsichtig kam sie zu ihm unter die Dusche, stellte das Wasser ab, kniete sich und drückte, so vorsichtig sie konnte, das Handtuch auf seinen Rücken und zuckte beinahe zeitgleich mit Ian zusammen. „Geh weg…“ Doch Tahiri ging nicht. ‚Nein, ich gehe nicht‘, kam es so sicher, wie sie in diesem Moment sprechen konnte. Sie blieb so lange, bis Ian nicht mehr weinte, erst lange danach, stand sie auf, holte Verbandssachen und eine antiseptische Creme, warnte Ian noch einmal vor, ehe sie seinen Rücken eincremte und diesen dabei so auch zum ersten Mal wirklich direkt sah und berührte, ohne das ein Stück Stoff darüber war. Am liebsten hätte sie ihn direkt mit Fragen gelöchert oder mehr noch, ihn einfach an sich gedrückt. Doch Ian wirkte beinahe apathisch, teilnahmslos und es kostete sie Kraft und Mühe, ihn vom Bad zum Schlafzimmer, ins Bett zu führen. Als er auf dem Bauch zum Liegen kam, legte sie sich vorsichtig neben ihn, wich keinen Zentimeter zur Seite, obwohl sie nicht müde war, schließlich war es noch immer Vormittag. Sie ignorierte ihr Kom, das eine ganze Zeit lang schier ununterbrochen Geräusche von sich gab, ehe es verstummte. Ian war längst eingeschlafen, als sie noch immer hellwach neben ihm lag.

     
  19. Eowyn

    Eowyn Kleines Molekül in einem großen Universum Premium

    Das Ende
    Eowyn mit 13 Jahren

    "...und vergiss nicht, etwas zu essen und nicht zu spät ins Bett zu gehen. Um zehn Uhr ist Schicht, verstanden, junge Dame?"
    Eowyn rollte mit den Augen. Wirklich, jedes Mal das gleiche. Als ob sie vergessen würde, etwas zu essen... pf. "Ist gut, Mama", seufzte sie. "Ich esse, ich gehe schlafen, ich fackle das Haus nicht ab, ich sitze einfach nur da und denke über meine Sünden nach, okay?" Ihr Grinsen zeigte deutlich, wie ernst sie vor allem die letzten beiden Punkte meinte. Aber mal ehrlich, solche Aussagen konnte man auch nicht ernst nehmen!
    Frea seufzte, und ein Lächeln zeigte sich auf ihrem warmen Gesicht, das ihre Grübchen zum Vorschein brachte.
    "Schon gut, ich habs kapiert. Das hab ich wohl verdient." Sie zog ihre Tochter an sich und gab ihr einen Kuss auf den Kopf, dann wandte sie sich zum Gehen, nur, um sich dann noch einmal umzudrehen. "Ach so, und lass..." - "...bloß niemanden ins Haus", ergänzte Eowyn die altbekannte Leier, wieder mit den Augen rollend. "Mama! Ich bin kein Baby mehr! Los jetzt, Papa wartet schon!" Mit einer Handbewegung scheuchte Eowyn ihre Mutter in Richtung Eingangstür, als draußen eine Hupe ertönte.
    Frea hingegen machte keine Anstalten, sich zu bewegen, sondern hob tadelnd den Zeigefinger.
    "Vorsicht, Eowyn, du wirst mit jedem Tag frecher." Ihr amüsiertes Grinsen zeigte jedoch, wie wenig ernst sie ihre Aussage meinte. "Ich gelobe, mich zu bessern", meinte Eowyn wenig reumütig und grinste zurück. "Und jetzt los, Mama, sonst kommt ihr noch zu spät und du hast dich ganz umsonst in dieses tolle Kleid geworfen." - "Schmeichlerin. Wir haben noch genug Zeit. Also gut, pass auf dich auf." Frea drehte sich um, nahm den Türöffner vom Haken und ging zur Tür hinaus. Bevor diese jedoch im Schloss landete, steckte sie noch einmal den Kopf hinein. "Ich hab dich lieb!" - "Ich dich auch. Viel Spaß!"

    Die Tür landete endlich im Schloss, und Eowyn blieb stehen und lauschte. Es wäre nicht das erste Mal, wenn einer der beiden noch einmal zurückkam, weil irgendwas vergessen worden war... Diesmal aber hörte sie das sanfte Geräusch des startenden Gleiters, und sie trat ans Fenster, um die Abfahrt ihrer Eltern in der Dämmerung zu verfolgen. Ein paar Minuten später war es sicher - sie waren weg, jetzt konnte sie machen, was sie wollte.
    Sie grinste und machte sich an der Musikanlage zu schaffen, um diese laut aufzudrehen. Nicht
    zu laut - sonst beschwerten sich irgendwann die Nachbarn, aber doch lauter als sonst. Dann ging sie in die Küche, um sich einen Instantpudding zu machen. Vergiss nicht, etwas zu essen... pah! Das war doch das genialste daran, wenn man alleine daheim war. Essen, was auch immer man wollte... Ihre Mutter hatte schließlich nicht gesagt, was sie essen sollte. Selbst schuld.
    Schräg singend und hüpfend machte sie sich ans Werk und verspeiste eben jenes nur wenig später auf die gleiche Art und Weise. Nur das Singen musste unterbrochen werden, so lange etwas im Mund war, wurde dann aber einfach durch schiefes Brummen ersetzt. Was gab es herrlicheres, als am Abend allein daheim zu sein? Tun und lassen, was immer sie wollte! Oft war es noch nicht vorgekommen, dass ihre Eltern das durchzogen, aber seit ihrem dreizehnten Geburtstag durfte sie auch alleine daheimbleiben. Ohne blöden Babysitter. Zugegeben... wenn es dunkel war, die Musikanlage aus und die Stille sich im Haus ausbreitete, da war es durchaus manchmal etwas... gruselig. Aber um nichts in der Welt würde sie das ihren Eltern verraten. Dann würden sie sie ja nie wieder alleine lassen!
    Sie atmete mittlerweile schwer, aber mit dem, was andere vielleicht "tanzen" nannten aufzuhören, kam gar nicht in Frage. Ihre Hüpfbewegungen wurden allenfalls etwas langsamer, bis sie urplötzlich zum stehen kam. Starr stand Eowyn im Raum. Ihr war kalt, ihr Magen drehte sich, und es fühlte sich so an, als wäre ihr Herz, obgleich gerade eben noch kräftig schlagend, für ein paar Momente ausgesetzt. Die Zeit schien still zu stehen, und das Zimmer schwankte um sie herum, sie konnte nichts mehr hören. Es war fast so, als könnte sie die Rotation des Planeten erspüren... Dann aber war alles vorbei, und Eowyn hörte nur das Klirren der Puddingschüssel, die auf dem Fußboden zerbrach, doch es interessierte sie nicht. Ihr war schlecht. Die Musik spielte weiter, als wäre nichts gewesen, aber das war nicht wahr. Eowyn wusste es genau. Es
    war etwas gewesen, nur was... was, das wusste sie nicht. Keuchend kniete sie sich auf den Fußboden, versuchte immerhin, den Scherben ein wenig auszuweichen, was ihr aber nur teilweise gelang. Ihr rechter Zeigefinger schnitt sich an einer Scherbe, doch dieser Schmerz kam nicht an das heran, was sie in ihrem Innersten fühlte. Sie fühlte sich... leer. Als wäre etwas, das ein Teil von ihr gewesen war, aus ihr herausgerissen worden, als wäre es fort, für immer. Etwas fehlte. Etwas war weg... Ein furchtbares Gefühl. Tränen liefen ihr Gesicht herunter, doch Eowyn hatte keinen blassen Schimmer, wann sie begonnen hatten - und vor allem, weshalb. Es musste dieses seltsame, fürchterliche Gefühl sein... Dieses Gefühl, das aus ihrem Innersten kam und keine Anstalten machte, schwächer zu werden. Sie war so... allein. Und so hilflos.

    Unwillig schüttelte sie den Kopf. Das war lächerlich. Es ging ihr gut, sie hatte nur zu viel getanzt. Und vielleicht war der Pudding schlecht. Wahrscheinlich stand er schon ewig im Schrank... Dann war es so falsch nicht, dass sie ihn nicht weiteressen konnte. Auch wenn ihre Mutter ihr sicher eine Standpauke halten würde, was die zerbrochene Schale anging.
    Seufzend erhob Eowyn sich und ignorierte ihre noch immer zitternden Beine. Mit einer Schaufel räumte sie die Scherben zusammen und wischte dann den Boden. Ihr Finger hatte aufgehört zu bluten, dennoch machte sie vorsorglich ein Pflaster darum. Schlussendlich stand sie im Wohnzimmer, während die Anlage noch immer vor sich hinplärrte. Noch immer fühlte sich alles...
    falsch an. Vielleicht war sie krank. Vielleicht war das Tanzen zu viel gewesen... Mit einer energischen Bewegung stellte Eowyn die Anlage aus. Die Lautstärke passte nicht zu dem, was sie fühlte. Die Stille tat es viel eher. Es war, als hätte eine Traurigkeit sie erfasst... aber nun machte die Stille es beinahe noch schlimmer. Am besten...
    Kopfschüttelnd betrat Eowyn die Treppe. Dieser Abend war irgendwie gelaufen. Sie würde sich ins Bett legen, eine Dokumentation über die Jedi gucken oder etwas lesen. Und möglichst schnell vergessen, was da eben passiert war. Und sobald ihre Eltern daheim waren, würde sie darüber lachen und sich fragen, was für seltsame Gefühle sie hatte. Oder war das etwa die Pubertät, von der alle immer sprachen? Ihr Vater sagte zwar, sie würde schon mittendrin stecken, aber auch Halet konnte sich mal irren... Auch wenn er das nicht glaubte.
    Fünf Minuten später waren ihre Zähne geputzt, sie selbst im Schlafanzug und unter der Decke, mit einem neuen Buch und der Fernbedienung in der Hand, und die Dokumentation, die sie sich extra hatte aufnehmen lassen, lenkte sie langsam aber sicher von dem seltsamen Gefühl in ihrer Magengrube ab.

    Sie musste eingeschlafen sein. Und ihre Mutter hatte den Schlüssel vergessen.... typisch. Anderes konnte es Eowyn sich nicht erklären, als die Türglocke sie irgendwann weckte und das Holobild nur noch schwach standby zeigte. Draußen war es stockdunkel, und schläfrig fuhr ihre Hand zum Licht. Zehn Uhr... Eigentlich noch zu früh für ihre Eltern, aber vielleicht war das Theaterstück furchtbar gewesen. Seufzend stand Eowyn auf und tapste im Dunkeln die Treppe herunter, als ihr aus heiterem Himmel einfiel, wie sie gesehen hatte, dass ihre Mutter nach dem Türöffner gegriffen hatte. Stocksteif stand Eowyn auf der Treppe, plötzlich hellwach. Das waren nicht ihre Eltern... das wäre ein zu großer Zufall.
    Mittlerweile hatte die Türklingel zwei weitere Male geklingelt, und unsicher und ein wenig ängstlich stand Eowyn vor der Sprechanlage. Niemanden hineinlassen, das war klar. Ihr konnte hier drin nichts passieren, und vielleicht hatte sich ja nur jemand im Haus geirrt? Sie raffte all ihren Mut zusammen und drückte auf den Knopf.
    "Ha... Hallo?!" Ihre Stimme war piepsiger als sonst, aber das störte sie gerade nicht.
    Sie hörte ein paar Schritte, und dann meldete sich eine Männerstimme, die sie noch nie vorher gehört hatte.
    "Eowyn? Eowyn El'mireth? Commander Rafal hier. Ich bin vom Sicherheitsdienst. Dein Vater schickt mich. Vielleicht... kannst du mich hineinlassen, dann können wir drinnen reden?" Mit großen Augen starrte Eowyn die Sprechanlage an. Es gab auch eine Kamera, aber die funktionierte nur, wenn es hell war, das brachte gerade nichts. "Lass niemanden ins Haus"... die ewigen Ermahnungen ihrer Eltern lagen ihr im Ohr. Sie durfte niemanden hineinlassen, auf keinen Fall. Wenn der Mann nun ein Betrüger war... da war nur die Tür zwischen ihr und ihm. "Ich... ich darf niemanden hineinlassen", sagte sie mit zittriger Stimme. Was, wenn das dem Mann egal war? Was, wenn er kein Commander vom Sicherheitsdienst war? Sie hörte kurzes Atmen, dann redete der Commander wieder. "Ich verstehe." Seine Stimme war weich... und nett. Eigentlich klang er wirklich sehr nett. Aber das war bestimmt nur das, was er wollte, oder? "Ich sollte dir das eigentlich nicht so sagen, aber... nun gut. Eowyn, dein Vater hatte einen Unfall. Er liegt im Krankenhaus und wird so schnell nicht wiederkommen. Er hat mich darum gebeten, dass ich mich um dich kümmere, bis seine Operation vorbei ist. Verstehst du das?"
    Jetzt zitterte nicht nur Eowyns Stimme. Sie stützte sich an der Wand ab, um nicht umzufallen. Ihr Vater war im Krankenhaus? War das wahr? Seine Operation, das klang nicht gut, war er schlimm verletzt? Aber... "Das kann gar nicht sein!" Triumphierend rief Eowyn die Worte hinaus. "Selbst wenn mein Papa im Krankenhaus wäre, meine Mama hätte mich angerufen. Sie sind ein Lügner. Aber ich lass Sie nicht rein. Im Gegenteil... ich rufe den Sicherheitsdienst!" Ja, das war doch eigentlich das klügste. Wieso war sie nicht gleich darauf gekommen? Die Angst war für einen winzigen Augenblick vorbei, Eowyn hatte jetzt Sicherheit. Der Mann draußen war ein Betrüger, so einfach war das. "Warte, Eowyn." Sie hörte einen Moment Atmen und wusste überhaupt nicht, wieso sie tat, was dieser angebliche Commander von ihr wollte. Vielleicht, weil er so ernst klang? "Ich..." Der Mann seufzte. "Verflucht noch eins", hörte sie ihn murmeln, bevor er weitersprach. "Deine Mutter... sie wird nicht anrufen. Sie kann nicht, verstehst du? Sie war im gleichen Fahrzeug. Sie ist..." - "Was, auch verletzt? Na klar, das musste ja jetzt kommen!" Eowyn schmiss ihm diese Worte höhnisch entgegen. Zu viel Angst hatte sie, dass sie Recht haben könnte... dass da doch etwas dran war an seiner Geschichte. "Verflixt." Dieser Commander fluchte wirklich viel. Wieder ein Zeichen dafür, dass er sicher nicht echt war. Commander fluchten nicht. Genauso wenig wie Jedi, das sagte ihre Mutter immer, wenn sie zu viel fluchte. "Warum eigentlich ich... Eowyn, deine Mutter... deine Mutter ist... Sie ist tot, verstehst du? Sie kann dich nicht anrufen, weil sie..." - "Das ist NICHT WAHR!" Eowyn starrte auf den Lautsprecher und den dunklen Bildschirm, den sie da angeschrieen hatte. Dieser Mann wollte ihr Angst machen - er wollte, dass sie die Tür öffnete, mit allen Mitteln. Voller Wucht hieb sie auf den Knopf, der die Sprachverbindung unterbrach und sackte an der Wand zusammen. Im Wohnzimmer war es noch immer dunkel, aber sie wagte nicht, sich zu bewegen, um Licht zu machen. Der Betrüger draußen würde wissen, wo sie war... und wenn es kein Betrüger war? Wenn er Recht hatte?
    Das Gefühl von vorhin kehrte zurück, diese Leere, diese Traurigkeit, doch Eowyn verdrängte sie mir allem, was sie hatte. Nein. Zufall. Reiner Zufall. Man konnte so etwas ohnehin nicht spüren, das war lächerlich. Völlig lächerlich... Warum saß sie dann hier und zitterte, die Beine von ihren Armen umschlossen, und bat einfach nur, dass alles aufhörte? Warum stieß sie nicht zur Seite, was dieser Mann da draußen gesagt hatte? Es war nicht wahr. Es war einfach nicht wahr. Es war... nur ein Test. Ja genau, nur ein Test, ihre Eltern wollten wissen, ob sie auch ja niemanden ins Haus ließ... richtig. Das war es. Nichts anderes konnte es sein... aber weshalb hatte sie dann noch solche Angst? Weshalb konnte sie nicht aufstehen, grinsend ihre bestimmt richtige These in die Sprechanlage rufen und darauf warten, dass ihre Mutter...

    "Eowyn!" Die Stimme war leise, gedämpft, kaum verständlich, aber unterstützt vom Klopfen an der Tür. Weiblich... Aber definitiv nicht ihre Mutter. Diese hier klang viel dunkler... und das lag nicht an der geschlossenen Tür. "Eowyn, Schätzchen, mach auf. Ich bins!" Eowyn brauchte ein paar Momente, doch dann erkannte sie sie. Mellahs Mutter... Vorsichtig und langsam stand Eowyn auf, darauf bedacht, immer zu testen, ob ihre Beine noch funktionierten. Leehana Tahefel würde sie nicht anlügen. "Leehana?" Ihre Stimme war mittlerweile piepsig wie die eines Vogels. "Ja, ich bins. Eowyn, mach auf, in Ordnung?" Ihre Eltern hatten gesagt, sie durfte niemanden hineinlassen... aber Leehana gehörte da nicht dazu. Oder? Selbst wenn... Eowyn konnte nicht mehr. Dieser seltsame Abend, dann dieser seltsame Commander, widersprüchliche Nachrichten - sie war zwar kein Baby mehr, aber... Leehana würde sie nicht anlügen. Nein.
    Vorsichtig öffnete Eowyn die Tür und blickte in zwei Gesichter. Leehana war eines davon, der andere trug tatsächlich eine Uniform des Sicherheitsdienstes und blickte sie ernst und traurig an - und im Hintergrund blinkte die Lichtanlage seines Speeders. Aber wenn dieser Mann wirklich vom Sicherheitsdienst war... Mit großen Augen starrte Eowyn zur Mutter ihrer besten Freundin. Das hier war nur ein Scherz. Eine Lüge. Ein Test. Das hier war nicht wahr. Es war nicht wahr. Einfach nicht wahr. Es durfte nicht wahr sein. Ihre Mama... ihre geliebte Mama...

    "Hat er Recht?" Die Worte kamen wie ein Krächzen aus Eowyns Kehle, und Leehana antwortete ihr nicht sofort. Doch ihr Blick war genug, ihr Blick, ihr Blick voller Mitleid, Trauer und Schmerz brannte sich ein in Eowyns Gedächtnis, und das war der Moment, in dem sie das Bewusstsein verlor.
     
    Zuletzt bearbeitet: 8. August 2017
  20. Eowyn

    Eowyn Kleines Molekül in einem großen Universum Premium

    Gespräche
    Eowyn mit 15 Jahren


    Eowyn musste lachen. Ein bescheuerter Witz… aber er war lustig. Irgendwie. Leod erzählte immer solchen Blödsinn. Dinge, die eigentlich überhaupt nicht lustig waren, aber wenn er seine Grimassen zog und womöglich noch die Stimmen nachahmte… sie lachte noch immer, als die anderen langsam verstummten und sich warnende Blicke zuwarfen, ihre Zigaretten unauffällig auf den Boden fallen ließen. Zu spät bemerkte sie, dass da etwas im Busch war, und zuckte dann mit den Schultern. Wenn es ohnehin zu spät war… Sie nahm einen weiteren Zug und musste noch immer grinsen, als der Aufsichtslehrer den kleinen Kreis betrat. Der Witz war vielleicht doch nicht so bescheuert gewesen…
    Der Lehrer warf einen ernsten Blick in die Runde, bevor er sich zu ihr wandte.
    „Eowyn, Zigarette aus. Du weißt genau, dass das Rauchen auf dem Schulgelände verboten ist. Letzte Warnung.“ Eowyn verdrehte die Augen. Blabla… Prinzipienreiter. „Wir stehen im hintersten Eck des Geländes… kein einziger sieht uns hier. Diese Regel macht überhaupt keinen Sinn… ich würde mehr Ärger verursachen, wenn ich draußen direkt vor dem Zaun rauchen würde und alle Kleinen durch den Rauch laufen würden! Aber wenn das lieber gewünscht ist…?“ Sie zuckte mit den Schultern und sah erst jetzt, wie Tharen entsetzt mit dem Kopf schüttelte und Mellah sie mit großen Augen anstarrte. Oh. Da war sie wohl wieder zu weit gegangen…? Aber es war wahr! Hier hinten störten sie niemanden, aber draußen vor dem Tor? Undenkbar! Diese Regel machte wirklich so gar keinen Sinn. Und ob sie nun hier rauchten oder erst drei Stunden später daheim… Bloß sah der Lehrer das wohl anders.

    Er sah sie noch einige Momente schweigend an, und langsam wurde Eowyn unruhig. Was? Und nun?
    „Mir reichts“, hörte sie ihn schließlich in ruhigerem Tonfall sagen, als sie von Herrn Gahláf gedacht hätte. Oh. Das hieß meistens nichts Gutes… „Ich plage mich nicht mehr mit dir herum. Soll sich Frau Lossarnach um dich kümmern.“ Eine kopfnickende Bewegung wies zum Hauptgebäude, wo sich das Zimmer der Rektorin befand, und Eowyn bekam nun doch ein wenig weiche Knie. War das etwa sein ernst? Zur Rektorin, nur, weil er keine Lust hatte, mit ihr zu diskutieren? Nur weil sie womöglich Recht hatte damit, dass diese Regel Blödsinn war? Entgeistert starrte Eowyn ihn an, aber er blickte ebenso ruhig zurück wie vorhin auch. „Sprache verschlagen? Du bist doch sonst nicht auf den Mund gefallen.“ Er schüttelte den Kopf. „Jetzt. Nicht in zwei Stunden.“ Seine Hand wies ihr den Weg, und Eowyn brauchte einen Moment, bevor sie beschloss, sich nicht einschüchtern zu lassen. Wenigstens nicht vor ihren Freunden.
    Sie nahm einen letzten Zug von ihrer Zigarette, warf sie dann demonstrativ auf den Boden, trat sie aus und ging hoch erhobenen Kopfes an ihrem Lehrer vorbei. Innerlich jedoch fühlte sie sich ganz und gar nicht so, wie sie sich gab. Vor ihrer Rektorin hatte sie durchaus Respekt – und es hieß nie etwas Gutes, wenn man ins Rektorenbüro gerufen wurde… bisher hatte sie das eigentlich immer vermieden. Anscheinend hatte sie aber gerade irgendeine Grenze überschritten. Und dabei war diese Regel
    wirklich total absurd! Vielleicht konnte Frau Lossarnach das aber auch verstehen. Die Rektorin war eigentlich ziemlich intelligent… wenn sie ihr erklären konnte, was da eben passiert war… Vielleicht kam sie dann mit einer kleinen Strafarbeit davon? Verdammt, hatte Leod auch ausgerechnet jetzt diesen blöden Witz erzählen müssen!

    Die Pause war schon beendet, bis Eowyn endlich ins Zimmer der Rektorin gerufen wurde. Still war es geworden, im ganzen Schulhaus, und sie fragte sich, ob ihr Politiklehrer wohl informiert war darüber, dass sie später kommen würde… Aber sicher hatte Mellah mit ihm gesprochen.
    Eowyn versuchte, ihre zerschnittenen Hosen etwas ordentlicher wirken zu lassen, gab dann jedoch schulterzuckend auf. Das würde nun vermutlich auch nichts mehr ändern…

    Die blonde Rektorin saß hinter dem Schreibtisch, als Eowyn mit klopfendem Herzen eintrat, und warf ihr lediglich einen kühlen Blick zu, während sie auf den Stuhl vor ihr wies. Eowyn setzte sich, wagte es aber nicht, sich an die bequeme Lehne anzulehnen und saß stocksteif da, traute sich auch nicht, irgendetwas zu sagen. All ihr vorlautes Verhalten war verschwunden, als Frau Lossarnach nach dem Datapad vor ihr griff, es aktivierte und ein paar Sekunden darin las. Dann sah die Rektorin wieder auf.
    „Eowyn, wir haben ein Problem.“
    Ach. Wirklich? Zwar hätte Eowyn gedacht, dass eher sie hier das Problem hätte, aber nun ja… dieser Gedanke war allerdings so schnell verschwunden, wie er gekommen war. Wenn Rektorinnen das Wort „Problem“ in den Mund nahmen, dann war das meist kein gutes Zeichen, und man sollte die Klappe halten.

    „Wir haben hier alle lange Zeit die Augen zugedrückt. Zwei Jahre lang haben wir zugesehen und uns gesagt, dass sich alles geben wird und du diese Zeit benötigst. Wir haben gehofft, du würdest von selbst erkennen, wo dieser Weg dich hinführt, aber ganz offensichtlich ist das nicht der Fall.“ Ernst sah die Rektorin Eowyn über ihren Schreibtisch hinweg an, bevor sie nach dem Datapad griff. „Deine Leistungen haben abgenommen. Du bist noch immer im mittleren Bereich – aber alle deine Lehrer berichten mir, dass du wesentlich mehr könntest, wenn du nur wolltest. Dein Verhalten im Unterricht lässt zu wünschen übrig, du arbeitest nicht mit, du bist oft aufmüpfig und voller Widerworte. Der Sportunterricht…“ Frau Lossarnach hob die Augenbrauen. „Am Sportunterricht scheinst du nur teilzunehmen, wenn es dir genehm ist. Du scheinst wirklich extreme Probleme mit den weiblichen Funktionen deines Körpers zu haben, nicht wahr?“ Spöttisch sah die Rektorin Eowyn an, welche leicht rot wurde. Es war nun einmal die beste Ausrede… und kein Lehrer konnte je nachprüfen, ob es wahr war.
    „Und das ist nur die Spitze. Rauchen auf dem Schulgelände kommt wohl nun auch noch hinzu.“ Die blonde Frau legte das Datapad zur Seide, verschränkte die Finger miteinander und lehnte sich auf dem Schreibtisch nach vorne, so dass ihre Unterarme auf der Tischplatte lagen. „Wir alle wissen, was du erlebt hast, Eowyn, und jeder hier versteht, dass dies nicht einfach zu verarbeiten ist. Aber Zigaretten und Alkohol sind keine…“„Ich trinke nicht!“ Das erste Mal, seit sie das Büro der Rektorin betreten hatte, machte Eowyn in einer heftigen Reaktion den Mund auf, und das, noch bevor sie darüber nachdenken konnte. „Ich… ich trinke nicht“, sagte sie dann leiser und ruhiger, starrte auf die Tischplatte.
    „Das ist schön zu hören.“ Frau Lossarnach schien ihr ihren heftigen Ausbruch wenigstens nicht übelzunehmen. „Aber was bezweckst du mit dem Rest? Ich meine… du bist intelligent, Eowyn. Viele von uns kannten deine Mutter als Kollegin gut. Meinst du nicht…“ Jetzt klang die Rektorin etwas zögerlicher, etwas freundlicher als vorhin. „Meinst du nicht, sie wäre stolz auf dich, wenn du versuchen würdest, möglichst viel aus deinem Leben zu machen?“

    Eowyn schwieg verstockt. Das war nicht fair… Ihre Mutter war tot, wie sollte sie auf irgendetwas stolz sein, was Eowyn tat? Genau das war eben nicht mehr möglich, und ihr Vater… ihren Vater interessierte es doch ohnehin nicht mehr. Also was sollte das alles?

    „Was willst du mit deinem Leben anfangen, Eowyn?“, fragte ihre Rektorin nach. „Willst du so weitermachen? Nur tun, was du musst, Widerworte geben und deine Gesundheit mit Zigaretten torpedieren?“ Eowyn schüttelte den Kopf, sah dann die Rektorin an und überlegte kurz. Aber was sollte es… sollte sie sich eben todlachen. „Eine Jedi“, sagte sie dann ruhig, irgendwie auch gespannt auf die Reaktion ihres Gegenübers. „Ich werde eine Jedi werden. Mit 19 bin ich weg von hier.“
    Es war schon ein wenig mit Triumph verbunden, dass die Rektorin Überraschung auf ihrem Gesicht zeigte und sich in ihrem Stuhl zurücklehnte. Immerhin… sie lachte nicht, sie schien nur für ein paar Augenblicke nachzudenken. „Ich verstehe. Das heißt… nicht ganz…“ Unruhig tippte Frau Lossarnach mit dem Finger auf ihrer Armlehne herum. „Meinst du, die Jedi freuen sich über eine aufmüpfige Schulschwänzerin, eine die mit Zigaretten ihren Körper malträtiert und jemanden, der nicht alles gibt, was er geben kann? Sogar jemanden, der den Sportunterricht verachtet? Ich bin mir nicht sicher, ob sie so jemanden mit offenen Armen empfangen werden… immer vorausgesetzt, du besitzt eine gewisse Machtsensitivität, natürlich.“

    Eowyn starrte die Rektorin an. Sie wehrte sich gegen ihre Aussage. Was interessierte die Jedi schon, was sie in der Schule trieb? Aber gleichzeitig regte sich ein kleines schlechtes Gewissen ihr. Die blonde Frau vor ihr hatte gar nicht Unrecht… Das Rauchen, momentan machte es keinen Unterschied… aber später? Irgendwie… sie hatte noch nie einen rauchenden Jedi gesehen, auf keinem der Bilder und Holos, die sie so zwanghaft sammelte. Und es machte ja auch Sinn… nicht umsonst trainierte sie seit Jahren Kampfsport. Um ihren Körper fit zu bekommen… Aber machten ein paar Zigaretten wirklich einen solchen Unterschied? Sicher nicht…
    Ihre Rektorin hatte wieder nach dem Datapad gegriffen und sah es stirnrunzelnd durch.
    „Ich verstehe außerdem nicht… Eowyn, was hast du gegen den Sportunterricht? Ich habe mich scheinbar richtig erinnert. Du scheinst in deiner Freizeit viel Sport zu treiben, ebenso bestätigen mir alle Sportlehrer, dass du hervorragende Leistungen bringst. Warum, sag mir, warum wehrst du dich so dagegen?“ Frau Lossaranach schien wirklich irritiert zu sein, und Eowyn zuckte mit den Schultern. Sie hatte nach ihrer ehrlichen Meinung gefragt, dann konnte sie die auch bekommen. Machte jetzt auch keinen Unterschied mehr. „Dieser Unterricht macht keinen Sinn. Und keinen Spaß, und ist Zeitverschwendung. Sehen Sie… ich kann das doch alles. Aber wenn wir uns mit irgendwelchen Mannschaftssportarten beschäftigen, die anderen, sie sind so… so schlecht. Und überhaupt, wofür braucht man so etwas? Ob man einen Ball jetzt mit dem Ellbogen, dem Fuß oder dem Knie spielt, das ist doch völlig… bescheuert? Es ist langweilig, es ist öde, und man könnte so viel Wichtigeres in dieser Zeit tun. Und was macht ein solches blödes Spiel überhaupt für einen Sinn?“ Verständnislos blickte Eowyn in die Augen vor sich.

    Die Rektorin nickte.
    „Langsam verstehe ich tatsächlich.“ Sie erhob sich, ging ein paar Schritte und sah aus dem Fenster. Eowyn sah ihr hinterher, runzelte die Stirn. Und nun? Schön, dass sie verstand, sie selbst hatte immer noch keine Ahnung, wo dieses Gespräch eigentlich hinführte. Anstatt, dass sie über das Ereignis heute auf dem Schulhof sprachen, sprachen sie über den Sportunterricht… ah ja. „Der Sinn dieser Dinge ist, etwas zu lernen, das du, so wie es mir deine Lehrer berichten, bisher kaum bis gar nicht besitzt. Daher würde ich dir empfehlen, so viel wie möglich am Sportunterricht teilzunehmen, um genau das zu lernen – denn glaube mir, wenn du wirklich eines Tages eine Jedi bist,“ Frau Lossarnach drehte sich zu Eowyn um und lehnte sich mit dem Rücken ans Fenster, „dann wirst du diese Fähigkeit dringend benötigen. Und auch sonst wird sie dir sicher nicht schaden. Gemeinschaftssinn, Eowyn. Das ist es, was man bei diesen Dingen lernt. Mit anderen zusammenarbeiten, ihre Stärken kennen, ihre Schwächen ausgleichen. Gemeinsam ein Ziel erreichen, das man nicht erreichen könnte, wenn man alleine ist. Du hingegen scheinst immer alleine zu arbeiten. Ob nun beim Lernen oder bei den Hausaufgaben, ja, selbst bei den Gemeinschaftsaufgaben arbeitest du alleine. Du wirst diesen Gemeinschaftssinn lernen müssen, Eowyn, sonst wirst du es früher oder später bereuen. Auch ein Jedi arbeitet nicht alleine. Sie arbeiten in Teams, oder mit ihren Padawanen. Ich bin kein Experte in dieser Hinsicht, aber das weiß selbst ich. Ich empfehle dir also dringend“, und jetzt sah die Rektorin Eowyn so durchdringend in die Augen, dass sie sogar ein wenig zurückzuckte, „dass du ab sofort am Sportunterricht teilnimmst. Wenn schon nicht für dich, dann für dein Ziel.

    Aber das was heute geschehen ist“
    , fuhr die Rektorin fort, „das kann ich in Anbetracht der Fülle an Beschwerden über dich nicht mehr ignorieren. Es tut mir Leid, Eowyn, aber ich denke, vielleicht tut es dir auch gut, ein wenig darüber nachzudenken, was ich dir heute gesagt habe. Du bist ab sofort für die nächsten zwei Tage vom Unterricht suspendiert.“
    Eowyn sog hart die Luft ein, sprang schockiert von ihrem Stuhl auf. „Das können Sie nicht machen! Diese Regel ist absurd, sie ist…“ „…lächerlich?“ Frau Lossarnach unterbrach sie scharf mit hochgezogenen Augenbrauen. Eowyn schwieg betreten - genau das hatte sie sagen wollen. „Vorsicht, Eowyn. Nicht alle Regeln, die du nicht einhalten willst, sind gleich absurd oder lächerlich. Sie haben ihren Sinn, auch wenn du ihn noch nicht erkennen magst. Wir als öffentliche Einrichtung sind dazu verpflichtet, unsere Schüler gesundheitlich nicht zu gefährden, aber was du getan hast, hat eindeutig dagegen verstoßen. Und nicht nur das, auch hast du dich zum wiederholten Male gegenüber einer Lehrperson aufmüpfig und widerspenstig verhalten. Mit uns kann man durchaus reden, Eowyn, wir sind nicht dein Feind – aber dafür musst du uns respektvoll behandeln, so wie auch du behandelt werden möchtest. Vielleicht eine weitere Sache, über die du nachdenken kannst.“

    Stocksteif stand Eowyn da. Suspendiert…! Das… das konnte nicht… Sie hatte immer mal wieder Blödsinn gebaut, aber das…?
    „Eowyn.“ Frau Lossarnachs Stimme klang plötzlich weniger hart als gerade eben noch. „Ich glaube, dass viel in dir steckt. Du hast vielleicht einen Schritt in eine falsche Richtung getan – lass dich nicht davon abschrecken, diesen einen Schritt zurückzugehen und einen neuen Weg zu wählen. Wir alle machen Fehler. Wichtig ist, dass du etwas daraus lernst, verstehst du?“ Eowyn nickte wie vor den Kopf geschlagen. Suspendiert! Etwas daraus lernen… „Komm, hol deine Sachen, und wir sehen uns in drei Tagen wieder.“ Die Rektorin legte Eowyn die Hand auf die Schulter und führte die benommene Schülerin in Richtung Tür. „Und in drei Tagen fängst du vielleicht an einem anderen Punkt an wie vorher. Ich glaube, dass du das hinbekommst.“
    Eowyn nickte stumm. Suspendiert. Was war da schiefgelaufen? Sie, suspendiert? Ihre Mutter… ihre Mutter wäre so enttäuscht… Das durfte nicht wahr sein. Das war so falsch... So durfte es nicht sein. „Ich geb mir Mühe“, flüsterte sie und trat aus der Tür, bevor sie sich noch einmal umdrehte. „Ich geb mir wirklich Mühe. Ich versprech’s.“ Die Rektorin lächelte und nickte, bevor die Tür ins Schloss fiel. Und Eowyn zog als allererstes ihre verbliebene Packung Zigaretten aus ihrer zerschlissenen Hosentasche und legte sie der Sekretärin auf den Schreibtisch. „Rauchen Sie sie, verschenken Sie sie, schmeißen Sie sie weg… worauf auch immer Sie Lust haben. Ich brauch sie nicht mehr.“ Ruhig verließ sie das Vorzimmer. Sie hatte über einiges nachzudenken…
     
    Zuletzt bearbeitet: 18. August 2017

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