Truuine

[Innerer Rand - Manaan-Sektor - Truuine-System - Truuine - Südpolarkreis - im HQ der Blauen Legion - vor den Gräben von Bunkerhügel T/02] Cpt Aurelian Korff der Blauen Legion und andere Soldaten

Das vorgeschobene Feldhauptquartier der Blauen Legion verdiente seine Bezeichnung vor allem aufgrund seiner Funktion und weniger aufgrund seines äußeren Erscheinungsbildes.
Rund einen Kilometer vor den Gräben des Bunkerhügels T/02 hatten die Soldaten genutzt, was ihnen das Gelände zur Verfügung stellte.

Natürliche Vertiefungen im Eis waren erweitert, Gräben ausgehoben und Unterstände tief in den gefrorenen Boden getrieben worden. Einige davon verschwanden beinahe vollständig unter Eis und Schnee und waren lediglich durch schmale Zugänge, Antennen oder darüber gespannte Planen als solche zu erkennen. Wo die natürliche Deckung nicht ausgereicht hatte, waren zusätzliche Schutzwälle aufgeworfen, Durastahlplatten abgestützt oder einfache Überdachungen errichtet worden.

Captain Aurelian Korff befand sich in einem der größeren Unterstände, der als provisorische Gefechtszentrale diente. Auf mehreren Holoprojektionen liefen Meldungen der eingesetzten Verbände zusammen, während Korff zwischen diesen und seinem Datapad wechselte. Immer wieder gingen neue Informationen von den drei Angriffsteilen ein, wurden abgeglichen und weitergegeben. Dazwischen hielt er regelmäßig Verbindung zu Major Cestus Varro, der sich wesentlich näher am eigentlichen Geschehen befand.

Gerade hatte Korff die Meldung auf seinem Datapad bestätigt das Major Cestus Varro zurück zum HQ war, als ein Lieutenant den niedrigen Zugang des Unterstandes passierte und vor ihm Haltung annahm.
„Captain.“

Korff blickte von der taktischen Darstellung auf.
„Sprechen Sie, Lieutenant.“

„Wir haben soeben Nachricht von der Gletscherwand erhalten. Sturmkommando-Trupp Bravo geführt von Lieutenant Aldor Karvek befindet sich auf dem Weg zu uns. Sie wurden zur Unterstützung unseres Angriffs auf Bunkerhügel T/02 abgestellt.“

Für einen Moment blieb Korffs Blick auf dem Offizier liegen, ehe sich seine Miene merklich aufhellte. Zusätzliche reguläre Infanterie wäre bereits willkommen gewesen. Ein ausgebildeter Sturmkommandotrupp hingegen eröffnete ihnen Möglichkeiten, die ihnen spätestens beim Eindringen in die befestigten Stellungen noch ausgesprochen nützlich werden konnten.
„Ausgezeichnet.“

Korff legte das Datapad auf den improvisierten Kartentisch.
„Geben Sie die Meldung an Major Varro weiter. Ich nehme Lieutenant Karvek und seine Leute persönlich in Empfang.“

„Jawohl, Captain. Das Kanonenboot sollte in wenigen Minuten hier sein.“

Korff nickte knapp, griff nach seinem Mantel und verließ die Gefechtszentrale.

Der Weg zur Landezone führte ihn zwischen den eingegrabenen Stellungen des Feldhauptquartiers hindurch. Soldaten bewegten sich durch schmale Laufgräben, Melder verschwanden in Unterständen und Versorgungspersonal schleppte Kisten mit Munition und Ausrüstung zu den vorderen Sammelpunkten. Selbst hier war der Kampf um T/02 nicht zu überhören. In einiger Entfernung rollte immer wieder dumpfer Gefechtslärm über die eisige Landschaft.

Kaum hatte Korff die Landezone erreicht, zeichnete sich bereits die Silhouette des angekündigten Kanonenbootes am Himmel ab.

Er blieb am Rand des vorgesehenen Landefeldes stehen und beobachtete, wie die Maschine herabsank. Schnee und loses Eis wurden vom Abwind der Triebwerke über den Boden gepeitscht, während Korff seinen Mantel enger an den Körper zog und einige Schritte zurückwich. Schließlich setzte das Kanonenboot auf.

Als die Triebwerke herunterregelten und der aufgewirbelte Schnee langsam wieder zu Boden sank, trat Captain Aurelian Korff vor. Er richtete seine Uniform, nahm eine gerade militärische Haltung ein und verschränkte die Hände hinter dem Rücken.

Dann wartete er darauf, dass sich die Tür des Kanonenbootes öffnete und Lieutenant Aldor Karvek mit Sturmkommando Bravo die Maschine verließ.


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| Truuine | Moraband | Unweit des Praxeum | Bar |
Lilivienne Évarielle d'Oridin, Majordomus Alizée, Kael Reed, Aren Vayliuar, Theranos Zesh, Kal Andrim, Agustin Prada, Abella, Adrianna T'rsop sowie weitere Gäste und Leibwächter in Zivil


Theranos Entschuldigung hatte Lilivienne noch wohlwollend zur Kenntnis genommen. In seiner Stimme lag in der Tat eine Verlegenheit, die sich nicht ignorieren ließ. Die Hoffnung war groß, dass es sich bei diesem Fauxpas des Sektor Adjutanten tatsächlich nur um ein Versehen handelte und keine niedere Absicht dahinterstand. Lily hatte in ihrer bisherigen Laufbahn einfach genügend Männer in den Weg gestellt bekommen, die sich erlaubt haben, sie auf die eine oder andere Weise zu erniedrigen, um solch ein Verhalten als Gouverneurin der wichtigsten Welt des Imperiums durchgehen zu lassen.

Lily beobachtete aus dem Augenwinkel, wie Aren seine Verlobte in Empfang nahm und der restlichen Gruppe vorstellte. In diesem Moment hatte sie sich selbst bereits, Alizée unter den Arm gehakt, in Richtung der Band begeben, sodass eine höfliche Vorstellung ihrerseits ausbleiben musste.

Der uniformierte Kael hatte derweil wie selbstverständlich am Flügel platzgenommen und verschwendete wenig Zeit. Kaum ließ er seine Finger über die ersten Töne tänzeln, entlockten sie Lily bereits ein Schmunzeln. Vara Selaris Vael. Wie oft hatte sie dieses Stück bereits gehört? Jedenfalls oft genug, um den Refrain textsicher mitsummen zu können. Sie tat es zunächst kaum hörbar, nur für sich selbst, während sie gemeinsam mit Alizée einen Platz suchte, von dem aus sie den Lieutenant und die kleine Musikergruppe noch besser beobachten konnte. Die vertraute Melodie gewann unter den Händen und Stimmen eine Lebendigkeit, die Lily bei zahlreichen offiziellen Aufführungen, denen sie im Laufe der Jahre beigewohnt hatte, nicht immer erlebt hatte. Kael spielte mit einer Sicherheit, die über das hinausging, was sie von einem gelegentlichen Zeitvertreib erwartet hätte. Als er dann auch noch zu singen begann, wurde ihr Grinsen breiter. Der Mann steckte wirklich voller Überraschungen. Lily bemerkte, wie Alizée neben ihr den Kopf leicht im Takt bewegte, während sie immer wieder verstohlene Blicke hinüber zu den anderen warf, in deren Mitte sich weiterhin der Kuati Andrim befand. Sie ignorierte es. Denn für einige Minuten waren die politischen Gespräche, die unvermeidlich aufgesetzten Vorstellungen und selbst die morgige Gala vergessen. Sie konnte sich einfach von der Musik treiben lassen, ohne dabei bereits überlegen zu müssen, welche gesellschaftliche Bedeutung der nächste Satz ihres Gegenübers haben mochte.

Kael hatte die letzten Töne noch nicht erklingen lassen, da brandete bereits allgemeiner Applaus auf, in dem die Gouverneurin von Bastion und ihre Majordomus natürlich großzügig einstimmten. Beinahe hätte durch die allgemeinen Lobesbekundungen den Pau’aner übersehen, der sich ihnen, bewaffnet mit Gebäck und Getränk, näherte. Aber auch nur beinahe. In Wahrheit fiel der riesige, graue Nichtmensch natürlich auf. Das tiefzerfurchte Gesicht, der haarlose Kopf und die schwarzen Augen taten ihr Übriges. Der Gouverneur, der als T’rsop oder etwas ähnlich Unaussprechbares vorgestellt wurde, schlenderte seelenruhig an den Frauen vorbei, ehe er anhielt und das Wort eröffnete. Das war es dann wohl mit der Ablenkung von den gesellschaftlichen Gepflogenheiten.


„In der Tat. Eine Darbietung passend zum Anlass“, erwiderte Lily freundlich, aber etwas erschrocken von den scharfen, spitzen Zähnen ihres Gegenübers. Sie hatte noch nie ein Pau’anisches Exemplar aus dieser Nähe gesehen. Zwar versuchte sie, sich ihre Ungewohntheit im Umgang mit dieser Spezies nicht anmerken zu lassen, aber sie war sich fast sicher, dass dies nur beholfen gelang.

„Hoffentlich nur ein Vorgeschmack auf das, was uns die Ausstellung am morgigen Tag bieten wird.“

Das Gespräch zu suchen würde diese Unvertrautheit sicher aus der Welt schaffen. Schließlich waren sie gerade dazu hier: Um die imperiale Kultur in allen Teilen der Galaxie zu verbreiten. Und die Galaxie bestand nun einmal nicht nur aus Menschen oder gleichgestellten Humanoiden.

„Wenn ich richtig informiert bin, hat Ihre Art ein besonders sensibles Gehör? Solch ein Lob aus Ihrem Mund sollte daher weit mehr gelten, als die amateurhafte Meinung die zwei einfache, menschliche Frauen aufzubringen vermögen.“

Bescheidenheit. Ja, Bescheidenheit war der richtige Ansatz. Schließlich wollte sie den fremdartigen Gouverneur keinesfalls das Gefühl vermitteln, dass die Pau’aner in irgendeiner Weise minderwertiger waren. Lilys gutgemeinte Versuche, mit diesem Geschöpf ein Gespräch auf Augenhöhe zu führen, hielten T’rsop … oder wie verflucht nochmal sein Name war … nicht davon, den Chiss-Lieutenant, der sich gerade vom Klavier wegbegeben hatte, in das Gespräch mit einzubinden.

„Das virtuose Talent hört auf den Namen Kael Reed. Lieutenant, das ist Gouverneur … T’rsop.“

Fast peinlich, wenn der Name jetzt nicht der richtige war. Aber sie war sich ziemlich sicher. Zumindest hatte sie die entscheidenden Laute in der Reihenfolge ausgesprochen, die sie für richtig hielt. Und solange ihr Gegenüber keine Korrektur anbrachte, würde sie eisern an dieser Version seines Namens festhalten. Darüber hinaus war es eines, den Namen der Gouverneurin von Bastion zu verniedlichen. Bei komplizierteren Lautfolgen von Nichtmenschen setzte man natürlich andere Maßstäbe an. Lily schenkte dem Pau’aner ein freundliches Lächeln und wandte sich anschließend wieder Kael zu.

„Eine Ausgesprochen schöne Überraschung, Lieutenant.“

Sie ließ ihren Blick kurz zu dem Flügel zurückwandern.

„Vara Selaris Vael habe ich selten in solch einer Umgebung gehört.“

Alizée, die sich bislang mit einem höflichen Lächeln zurückgehalten hatte und von der Anwesenheit der großen, grauen Kreatur ganz offensichtlich etwas abgeschreckter war als Lilivienne, nickte zustimmend. Um auch dem Pau’aner die angemessene Aufmerksamkeit nicht abzuerkennen, wandte sie sich derweil wieder an ihn. „Sind Sie auch ein Mitglied der Gesellschaft, Gouverneur, oder nehmen Sie als … externer Gast teil?“

| Truuine | Moraband | Unweit des Praxeum | Bar |
Lilivienne Évarielle d'Oridin, Majordomus Alizée, Kael Reed, Aren Vayliuar, Theranos Zesh, Kal Andrim, Agustin Prada, Abella, Adrianna T'rsop sowie weitere Gäste und Leibwächter in Zivil
 
[Truuine - Moraband - Unweit des Praxeums - Bar]
Agustin,
Abella, Aren, Theranos, Lilivienne, Alizée, Kael, Kal, T'rsop, Lady Adriana Figg und weitere Anwesende

Noch bevor Agustin Gelegenheit fand, sich eingehender mit Aren über die jüngsten Entwicklungen in ihren jeweiligen Sektoren auszutauschen, trat schließlich auch jener bislang unbekannte junge Mann an ihn und Abella heran, den der Bastioner zuvor lediglich als Teil der inzwischen bemerkenswert angewachsenen Gesellschaft wahrgenommen hatte. Dieser stellte sich als Kal Andrim vor und deutete dabei eine Verbeugung an, deren Ausführung Agustin zumindest eine erste Vermutung über dessen Herkunft erlaubte. Ein Kuati, schloss er beinahe augenblicklich, während er den Mann nun etwas genauer musterte. Vor allem dessen Alter überraschte ihn. Andrim wirkte ausgesprochen jung für jemanden, der sich mit einer derartigen Selbstverständlichkeit zwischen Moffs, Gouverneuren und anderen hochrangigen Persönlichkeiten bewegte und dabei keineswegs den Eindruck vermittelte, zufällig in diese Gesellschaft geraten zu sein.

Der Name selbst sagte Agustin dagegen zunächst erstaunlich wenig. Ein Umstand, der ihm einmal mehr vor Augen führte, dass auch seine umfangreichen politischen und wirtschaftlichen Netzwerke gewisse blinde Flecken aufwiesen. Im imperialen Norden hätte er bei einem vergleichbaren Namen vermutlich binnen kürzester Zeit gewusst, welcher Familie der Betreffende entstammte, welche Unternehmen mit dieser verbunden waren und mit welchen Beamten oder Militärs sie regelmäßig Geschäfte machte. Die gesellschaftlichen Netzwerke des Tiefkerns waren jedoch eine andere Welt. Dort gab es Familien und Namen, deren Bedeutung in den entsprechenden Kreisen offenbar als derart selbstverständlich galt, dass niemand die Notwendigkeit verspürte, sie einem Mann zu erklären, der den größten Teil seiner Karriere damit verbracht hatte, weit entfernt vom noch politischen Zentrum des Imperiums seine eigene Machtbasis aufzubauen.


"Mister Andrim, sehr erfreut"

Zumindest Andrim selbst machte einen angenehmen ersten Eindruck. Nachdem er auch Abella begrüßt hatte, lobte er ihr Outfit auf eine ausgesprochen diplomatische Art, indem er ihr nahelegte, ihren Schneider gut festzuhalten, bevor andere Damen auf die Idee kämen, diesen abzuwerben. Agustin registrierte dabei durchaus, wie sorgfältig das Kompliment formuliert worden war. Keine plumpe Bewunderung seiner Begleiterin und erst recht kein gesellschaftlicher Fehltritt, sondern eine wohlüberlegte Form der Anerkennung, mit der sich selbst der notorisch aufmerksame Bastioner kaum auf den Schlips getreten fühlen konnte.

Agustin erwiderte die Worte lediglich mit einem kühlen, aber respektvollen Nicken in Richtung des
jungen Mannes. Abella hingegen zeigte sich sichtbar geschmeichelt und bedankte sich mit einem warmen Lächeln und jener natürlichen Eleganz, mit der sie derartige Situationen seit vielen Jahren wesentlich souveräner meisterte als die meisten Angehörigen der imperialen High Society, die ihre gesellschaftliche Stellung bereits mit der Geburt geerbt hatten.

Bevor sich daraus ein längeres Gespräch entwickeln konnte, erklangen schließlich die ersten Töne des Flügels. Die Gespräche um sie herum wurden merklich leiser und auch Agustins Aufmerksamkeit wanderte zu
Kael Reed, der sich mittlerweile bei der kleinen Barcombo niedergelassen hatte und nun tatsächlich zu spielen begann. Kal entfernte sich wenig später ebenfalls etwas von ihnen und orientierte sich wieder in Richtung des Chiss und der Gruppe um den Governor, während Agustin gemeinsam mit Abella, Adriana und Aren zunächst zurückblieb.

Der Bastioner hatte nie von sich behauptet, ein besonderer Connaisseur musikalischer Künste zu sein. Natürlich wusste auch er eine gelungene Darbietung zu würdigen, doch hatte er weder das nötige Fachwissen noch jemals sonderlich viel Interesse daran entwickelt, anschließend über technische Feinheiten, Stilrichtungen oder die tiefere Bedeutung einer Komposition zu philosophieren. Umso aufschlussreicher war für ihn die Reaktion seiner Begleiterin. Abellas Aufmerksamkeit ruhte inzwischen beinahe vollständig auf
Reed und ihrem Gesicht war anzusehen, dass dessen Darbietung durchaus ihren Geschmack traf. Eine Frau, die seit Jahren zwischen Künstlern, Designern und den kulturellen Kreisen des Imperiums verkehrte, stellte in dieser Angelegenheit vermutlich ein wesentlich zuverlässigeres Urteil dar als er selbst.

Dass
Reed schließlich auch noch zu singen begann, überraschte Agustin dann allerdings doch. Nicht einmal die Imperatorin hätte ihn selbst dazu gebracht, tatsächlich zu singen, erst recht nicht hier. Mit leicht angehobener Augenbraue beobachtete er den Chiss während der restlichen Darbietung und musste sich eingestehen, dass hinter dessen Entscheidung, den Platz an ihrer mittlerweile beinahe absurden Gesprächsrunde gegen den Flügel einzutauschen, deutlich mehr steckte als bloße spontane Unterhaltung. Als das Stück schließlich endete, beteiligte sich Agustin entsprechend mit ehrlicher Anerkennung am Applaus. Sein Blick wanderte kurz zu Abella, deren Gefallen an dem Auftritt noch immer kaum zu übersehen war.

"Zumindest kann ich jetzt behaupten, dass meine erste Kunstgala bereits vor ihrem eigentlichen Beginn einen gewissen künstlerischen Tiefgang hatte.“

Das schmale Schmunzeln auf seinem Gesicht verriet, dass er sich dabei keineswegs so ernst nahm, wie seine Worte zunächst vermuten ließen. Die Gelegenheit, mit Aren etwas ungestörter zu sprechen, nutzte Agustin schließlich auch, um auf jene Neuigkeit zurückzukommen, die sein Freund ihm kurz zuvor offenbart hatte. Die mögliche Eingliederung des Gradilis-Sektors mitsamt dessen Kolonien im Unbekannten Raum in den Prefsbelt-Sektor war alles andere als eine nebensächliche administrative Neuordnung. Für Aren bedeutete sie einen erheblichen territorialen und politischen Machtzuwachs und für ihre gemeinsame Position im imperialen Norden eine weitere Verschiebung jener Kräfteverhältnisse, die sie bereits seit Jahren zu ihren Gunsten zu verändern versuchten. Agustin hörte sich die Ausführungen seines Freundes entsprechend aufmerksam an und fuhr sich anschließend nachdenklich über das Kinn.

"Das verändert einiges.“

Seine Stimme war etwas leiser geworden und für einen Augenblick trat jener analytische Ausdruck auf sein Gesicht, den Aren aus unzähligen gemeinsamen politischen und partnerschaftlichen Gesprächen kennen dürfte.

"Und wenn es tatsächlich so umgesetzt wird, fast ausschließlich zu unseren Gunsten. Dein Einflussbereich wächst damit beträchtlich und der gesamte Norden gewinnt weiter an politischem Gewicht. Über die Details sollten wir allerdings wirklich noch einmal in Ruhe sprechen."

Ein kurzer Blick wanderte über die Bar und die dort versammelte Gesellschaft. Lauschende Ohren wären hier jedenfalls keine große Überraschung gewesen. Agustin hob sein Glas und nahm einen ruhigen Schluck. Aren hatte vollkommen recht damit, die großen strategischen Fragen für einige Stunden beiseitezuschieben. Es gab genügend Gelegenheit, sich in den kommenden Tagen ausführlich darüber auszutauschen, und vermutlich würden sie ohnehin schnell genug wieder im politischen Tagesgeschäft versinken.

Ganz entziehen ließ sich die Politik allerdings selbst an diesem Abend nicht. Agustin hatte den kleinen gesellschaftlichen Zwischenfall zwischen
Sector Adjutant Zesh und Gouverneurin d'Oridin zunächst lediglich aus einiger Entfernung verfolgt. Zesh hatte sich offenkundig in der Anrede vertan und seinen Fehler anschließend ebenso offensichtlich erkannt und sich angesichts seines Standes regelrecht schon unterwürfig gezeigt, um ja die Wogen zu glätten. Für Agustin wäre die Angelegenheit damit eigentlich erledigt gewesen. Entsprechend weniger gefiel ihm die Selbstverständlichkeit, mit der die Gouverneurin Bastions einen höherrangigen Verwalter - noch dazu aus dem Dunstkreis Arens - vor versammelter Gesellschaft behandelt hatte. Zesh stand innerhalb der administrativen Hierarchie über einem planetaren Governor und vertrat darüber hinaus unmittelbar die Verwaltung Arens. Dass d'Oridin anschließend offenbar auch noch gegenüber einem der neuen Governors aus dem Prefsbelt-Sektor mit zoologisch anmutenden Kommentaren auffiel, die Agustin weder für sonderlich geistreich noch für ansatzweise angemessen hielt, machte die Sache für ihn nicht besser.

Der Bastioner beobachtete sie für einige Augenblicke schweigend. Diese besondere Form aristokratischer Selbstgewissheit war ihm seit jeher zuwider gewesen. Auf Dubrillion hatte er zu viele Angehörige alter Familien kennengelernt, die ihre Namen wie eine Amtsvollmacht vor sich hertrugen und jahrzehntelang davon profitiert hatten, dass Herkunft, Vermögen und die richtigen Verbindungen mehr Gewicht besaßen als tatsächliche Leistung. Es waren genau jene Kreise gewesen, die sich seinen Reformen widersetzt, wirtschaftliche Strukturen untereinander aufgeteilt und jeden Versuch einer härteren staatlichen Kontrolle als Angriff auf ihre angestammten Rechte betrachtet hatten. Agustin hatte viele von ihnen entmachtet, einige enteignet und andere aus den entscheidenden Positionen gedrängt. Vergessen hatte er sie deshalb noch lange nicht.

Schon der ausschweifende cygnische Name wirkte auf ihn beinahe wie ein Sinnbild all dessen, was im Imperium trotz aller Beschwörungen von Ordnung und Leistung noch immer schieflief. Zu viel Pathos um nichts - das cygnische Sternenimperium war schließlich weder ein Teil des Imperiums, noch unzweifelhaft loyal, wie es etwa beim Kooperationssektor der Fall war - zu viel Herkunft, zu viel selbstverständlich vorausgesetzte Bedeutung. Auf seiner Heimatwelt hätte genauso gut ein Frank Clanton regieren können. Ein Gouverneur de Fressco. Intelligente Leute mit jahrzehntelanger Erfahrung. Doch stattdessen grassierte offenbar noch der selbe Nepotismus, wie vor Jahrzehnten schon. Entweder das, ohne die
gute Frau hatte zu viele Drinks intus und war nicht mehr im Besitz ihrer vollständigen geistigen Kapazitäten. Was wiederum zusätzliche Fragen aufgeworfen hätte.

Agustin nahm noch einen Schluck Whiskey und wandte sich anschließend scheinbar beiläufig
Aren zu. Seine Stimme hob er dabei nur geringfügig an.

"Lilivienne Évarielle d'Oridin

Wiederholte er den vollständigen Namen beinahe nachdenklich und ließ ihn einen Augenblick wirken. Ein kaltes Lächeln erschien auf seinen Zügen.

"Man muss ihr lassen, Aren, dass sie ihrem Namen durchaus gerecht wird. Einen deiner Sector Adjutanten öffentlich zurechtzuweisen scheint offenbar noch nicht genug gewesen zu sein - inzwischen ist wohl auch einer deiner neuen Gouverneure zur Zielscheibe geworden.“

Agustin blickte zu seinem alten Freund und hob sein Glas ein wenig. Die Worte waren deutlich genug gewesen. Ein Teil von ihm verspürte beinahe schon Vorfreude bei dem Gedanken, wie Aren reagieren würde, sollte sich die frisch ernannte Gouverneurin noch einen weiteren Ausrutscher dieser Art gegenüber einem seiner Verwalter erlauben.

[Truuine - Moraband - Unweit des Praxeums - Bar]
Agustin,
Abella, Aren, Theranos, Lilivienne, Alizée, Kael, Kal, T'rsop, Lady Adriana Figg und weitere Anwesende
 
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Lilivienne Évarielle d'Oridin, Majordomus Alizée, Kael Reed, Aren Vayliuar, Agustin Prada, Kal Andrim, T´rsop und Theranos Zesh, (NPC´s Majordomus Alizée, Lady Adriana Figg, Abella Sorovkin sowie weitere Gäste und Leibwächter in Zivil


Theranos hatte gerade beschlossen, die Angelegenheit mit Lilivienne zumindest für den Augenblick ruhen zu lassen, als sich T’rsop neben ihm etwas vorbeugte. Schon die verschwörerische Bewegung ließ ihn misstrauisch werden. Was anschließend derart leise über die Lippen des Pau’aners kam, dass Theranos tatsächlich beinahe von dessen Lippen ablesen musste, sorgte dafür, dass er ihn einige Sekunden vollkommen fassungslos ansah.

Diese Lily scheint etwas verklemmt zu sein.

Theranos presste die Lippen aufeinander.
Nach der Verlegenheit der vergangenen Minuten hätte er eigentlich überhaupt keinen Grund gehabt, irgendetwas daran lustig zu finden. Trotzdem zuckte bereits ein Mundwinkel, und schließlich entwich ihm ein kurzes, kaum unterdrücktes Lachen, das er schnell zu einem kleinen Husten umwandelte.
Natürlich. Genau das war T’rsops Reaktion auf die Situation. Während Theranos innerlich bereits sämtliche Regeln gesellschaftlicher Etikette durchgegangen war, die er innerhalb weniger Sekunden verletzt haben könnte, kam sein Freund zu dem wesentlich einfacheren Schluss, dass die Gouverneurin eben ein wenig verklemmt war.

Theranos schüttelte den Kopf und beugte sich seinerseits etwas zu ihm und sprach leise, dass es niemand anderes hören konnte.
„T’rsop, hör auf.“
Die Worte waren leise und trotz der Ermahnung deutlich amüsiert.
„So etwas kannst du hier doch bitte nicht äußern. Ich weiß, dass dir Smalltalk und gesellschaftliche Umschreibungen zuwider sind, aber versuche zumindest, nicht jeden Gedanken unmittelbar auszusprechen.“

Sein Blick glitt kurz zu Lilivienne hinüber, die mit dem Rücken zu ihnen stand, bevor er wieder den Pau’aner betrachtete.

„Ich kenne und schätze dich sehr, mein guter. Mir ist deshalb vollkommen gleich, wie direkt du dich ausdrückst, weil ich weiß, wie du es meinst.“ Ein kleines Schmunzeln erschien wieder auf seinem Gesicht. „Die meisten Personen hier hatten allerdings leider noch nicht das Privileg, dich und...deine Art kennenzulernen. Gib ihnen wenigstens ein wenig Zeit, bevor du damit beginnst, ihre charakterlichen Eigenheiten zu katalogisieren und offen in die Welt zu tragen.“

Theranos klopfte seinem Freund kurz freundschaftlich gegen den Oberarm.
„Und danke.“

So wenig hilfreich T’rsops Einschätzung diplomatisch betrachtet gewesen sein mochte, hatte sie doch genau das bewirkt, was Theranos gerade gebraucht hatte. Die unangenehme Anspannung war weitgehend verschwunden und mit etwas Abstand erschien selbst sein Fauxpas bereits weniger katastrophal, als er sich im ersten Augenblick angefühlt hatte.

Theranos lauschte ebenso aufmerksam wie zuvor, beobachtete jedoch nach dem Verklingen des letzten Akkords mit zunehmendem Interesse, wie T’rsop sein Dessert nahm, sich einen weiteren Drink besorgte und zielstrebig in Richtung der kleinen Gruppe marschierte, bei der mittlerweile auch Lilivienne und Alizée standen.

Theranos' Augenbrauen wanderten langsam nach oben.

Oh nein…..T´rsop

Nach dem, was T’rsop ihm gerade über die Gouverneurin ins Ohr geflüstert hatte, konnte Theranos nur hoffen, dass sein Freund zumindest die geistige Trennung zwischen persönlicher Einschätzung und ausgesprochenem Wort weiterhin erfolgreich aufrechterhielt.
Er beobachtete, wie der Pau’aner sich selbstverständlich zu den beiden Frauen gesellte und sie auf die wunderbare Musik ansprach.


Theranos nahm einen Schluck und atmete danach aus.
Immerhin war das vollkommen harmlos gewesen.

Dann kam Kael hinzu und T’rsop drückte dem Chiss kurzerhand einen Drink in die Hand, obwohl er nach eigener Aussage noch nicht einmal wusste, wer dieser überhaupt war.

Theranos musste erneut schmunzeln.
Vielleicht sollte er das beobachten. Andererseits konnte er T’rsop schlecht den gesamten Abend wie ein Gouverneurspraktikant beaufsichtigen. Der Pau’aner war mittlerweile Gouverneur, leitete inzwischen einen Planeten und war alt genug, um selbst zu entscheiden, wann er diplomatische Beziehungen zu Bastion nachhaltig beschädigen wollte.

Außerdem hatte Theranos nach seinem eigenen Auftritt kaum das Recht, sich heute zum Hüter gesellschaftlicher Umgangsformen aufzuschwingen.
Sein Blick wanderte deshalb durch den Raum am Gespräch zwischen Aren udn Agustin vorbei zurück zum Tresen und blieb an Kal hängen, der den zuvor gereichten Wein mittlerweile halbvoll abgestellt hatte. Offenbar hatte Theranos mit seiner Auswahl den Geschmack des Kuati nicht unbedingt getroffen. Kal bestellte stattdessen einen Whiskey aus dem obersten Regal.

Theranos' Mundwinkel hoben sich. Eine ausgesprochen vernünftige Forderung.
Er ließ T’rsop deshalb vorerst seinem gesellschaftlichen Schicksal entgegenziehen und trat selbst einige Schritte zum Tresen. Neben Kal nahm er auf einem der frei gewordenen Plätze Platz und stellte sein Glas vor sich ab.

Der Barkeeper hatte dem Captain gerade seinen Whiskey gereicht, als Theranos mit zwei Fingern leicht auf die Theke deutete.
„Für mich bitte ebenfalls einen Whiskey.“
Er sah kurz zu Kal und anschließend wieder zum Barkeeper.
„Den gleichen. Ich glaube, den brauche ich jetzt.“

Ein leises, beinahe selbstironisches Lachen begleitete die letzten Worte. Theranos lehnte sich etwas zurück und warf aus dem Augenwinkel noch einmal einen Blick in Richtung Lilivienne, T’rsop und Kael.

Dann schüttelte er kaum merklich den Kopf.
„Und machen Sie ihn ruhig großzügig.“

Dann blickte er zu Kal und nickte nur kurz und kaum merklich in Richtung der Gouverneurin mit einem selbst ironischem lächeln.
"Deswegen nehme ich stehts abstand Personen ab einem Gewissem Rang und Namen zu duzen wenn es mir Angeboten wird auch wenn es gutaussehende Damen sind."
Theranos seufzte amüsiert.



Während Theranos weiter auf seinen Whiskey wartete, ließ er den Blick noch einen Moment über die Gesellschaft schweifen. Aren und Agustin waren weiterhin miteinander beschäftigt, während sich T’rsop inzwischen erfolgreich – oder zumindest bislang ohne erkennbare diplomatische Schäden – unter die kleine Gruppe bei den Musikern gemischt hatte.

Vielleicht war die Gelegenheit damit endlich gekommen.
Theranos wandte sich wieder Kal zu und stützte einen Unterarm locker auf die Theke.

„Nun, Captain. Jetzt haben wir offenbar doch noch ein wenig Zeit für ein Gespräch.“

Ein leichtes Lächeln begleitete die Worte. Immerhin war genau das ursprünglich einer der Gründe gewesen, weshalb Theranos Kal überhaupt für diesen Abend zu einem gemeinsamen Getränk eingeladen hatte. Dass sich daraus innerhalb kürzester Zeit eine Zusammenkunft entwickelte, bei der man beinahe eine halbe Sektorverwaltung hätte beschließen können, war kaum vorherzusehen gewesen.

„Abgesehen davon, dass ich Sie bei dieser Gelegenheit Moff Vayliuar noch etwas näherbringen wollte – was Ihrer weiteren Laufbahn sicherlich nicht schaden kann –, hatte ich tatsächlich noch einen anderen Hintergedanken.“
Theranos drehte sich etwas weiter zu Kal.

„Ich wollte Sie fragen, ob Sie sich vorstellen könnten, vorübergehend einen Ausbilderposten anzunehmen.“
Bevor die Formulierung einen falschen Eindruck hinterlassen konnte, hob Theranos leicht eine Hand.

„Natürlich ausdrücklich nur so lange, bis Sie ein neues Kommando erhalten. Ich weiß, dass Sie wieder in eine aktive Fliegereinheit wollen, und ich werde gewiss nicht versuchen, Ihnen einen Schreibtisch schmackhaft zu machen, während Sie auf ein Cockpit warten. Alles andere wäre ohnehin eine Verschwendung Ihres Talents als Pilot.“
Gerade in diesem Punkt hatte Theranos wenig Anlass, Kal irgendwelche Schmeicheleien aufzutischen. Er hatte selbst gesehen, was der Kuati leisten konnte.
Ein schwaches Schmunzeln huschte über Theranos' Gesicht.

„Sie erinnern sich vermutlich noch an die Piloten der Blauen Legion an der Zollstation.“
Seine Gedanken wanderten unweigerlich zurück zu jener Zollstation über Prefsbelt IV, an der Kal gemeinsam mit Piloten der Blauen Legion gekämpft hatte. Der Unterschied war damals kaum zu übersehen gewesen. An Mut hatte es den Männern und Frauen der Legion gewiss nicht gemangelt. Ebenso wenig an Loyalität oder der Bereitschaft, sich in einen Kampf zu werfen. Doch zwischen Entschlossenheit und professioneller Ausbildung lagen mitunter ganze Welten.
Kal hatte das aus nächster Nähe erlebt.

„Ich fürchte, Sie haben damals einen ziemlich unverfälschten Eindruck davon bekommen, weshalb ich Sie ursprünglich gerne auf Prefsbelt IV gehalten hätte. Die Legion hat inzwischen einiges geleistet, aber gerade ihre fliegenden Verbände haben noch einen beträchtlichen Ausbildungsbedarf. Viele ihrer Piloten haben Erfahrung gesammelt, indem sie schlicht lange genug überlebt haben, um aus ihren Fehlern zu lernen.“

Theranos hatte bereits damals mit dem Gedanken gespielt, Kal stärker in deren Ausbildung einzubinden. Ein Pilot mit dessen akademischer Ausbildung und tatsächlicher Kampferfahrung hätte den jungen Verbänden Fähigkeiten vermitteln können, die sich weder aus einem Handbuch noch aus einigen hastig absolvierten Flugstunden gewinnen ließen.

Nur hatte sich seitdem einiges verändert.

„Ursprünglich wollte ich Sie deshalb bitten, die Pilotenausbildung der Blauen Legion für eine Weile zu unterstützen. Doch seit meiner Ernennung zum Sector Adjutanten liegt diese Entscheidung allerdings nicht mehr bei mir.“

In diesem Punkt war Theranos ungewöhnlich konsequent. Prefsbelt IV´s Adminstration oblag nun T’rsop. Er konnte seinem Nachfolger Ratschläge geben und ihm selbstverständlich jede Unterstützung anbieten, die dieser wünschte. Er würde jedoch kaum wenige Tage nach der Amtsübergabe damit beginnen, sich weiterhin wie der eigentliche Gouverneur des Planeten aufzuführen.

Theranos senkte seine Stimme ein wenig. Nicht verschwörerisch, doch deutlich genug, um aus dem Gespräch etwas zu machen, das zunächst zwischen ihnen bleiben sollte.

„Dafür steht etwas anderes bevor. Etwas Größeres.“
Für einen Moment ließ er die Worte stehen.

„Ich arbeite derzeit an einem Konzept, das in gewisser Weise auf demselben Konzept aufbaut wie die Blaue Legion. Allerdings nicht mehr auf planetarer Ebene.“
Sein Blick ruhte nun aufmerksam auf Kal.

„Ich möchte etwas Vergleichbares auf sektoraler Ebene schaffen.“
Noch befand sich vieles des WSB´s in Planung. Strukturen mussten definiert, Zuständigkeiten geklärt und vor allem Aren überzeugt beziehungsweise in die konkrete Ausgestaltung eingebunden werden. Theranos hatte wenig Interesse daran, voreilig große Namen für Organisationen zu verkünden, deren Fundament noch nicht einmal vollständig gelegt war. Die grundsätzliche Richtung stand für ihn jedoch fest.

Der Prefsbelt-Sektor brauchte unterstützende Kräfte, die nicht ausschließlich auf einzelne Welten zugeschnitten waren oder vom Militär abhängig waren. Eine Struktur, die dort eingesetzt werden konnte, wo wirtschaftliche Interessen, Handelswege, sowie Kolonien wie KP-1 und neue Projekte Schutz benötigten wenn reguläre imperiale Verbände entweder nicht verfügbar waren oder für die jeweilige Aufgabe schlicht nicht passten. Vor allem war nun Krieg und es auch darum das wichtige Militär so gut wie möglich zu entlasten damit sich diese um diese vermaledeite Republik kümmern konnte.

Und wenn Theranos eine solche Organisation aufbauen wollte, hatte er keinerlei Interesse daran, dieselben Ausbildungsfehler zu wiederholen, die er bei der Blauen Legion selbst erlebt hatte.

„Und genau dort würde ich Sie gerne um Unterstützung bitten.“

Seine Stimme blieb ruhig und sachlich.
„Wenn wir fliegende kleine Abteile aufstellen, möchte ich den besten Ausbilder haben, den es gibt. Der sein Handwerk liebt und lebt nicht jemanden, der nur ausbildet, weil er es soll oder muss.“

Ein schmales Lächeln erschien auf Theranos' Gesicht.
„Sie haben selbst Kampfeinsätze geflogen und Sie wissen inzwischen aus eigener Anschauung, was geschieht, wenn motivierte Piloten zu früh für einsatzbereit erklärt werden.“

Endlich stellte der Barkeeper den bestellten Whiskey vor Theranos ab. Er nahm das Glas entgegen, ließ es jedoch zunächst unangetastet zwischen seinen Fingern ruhen.
„Ich suche keinen Mann, der ihnen einige Wochen lang das Fliegen beibringt. Ich suche jemanden, der dabei hilft, aus ihnen Piloten zu machen, denen man später tatsächlich einen Auftrag anvertrauen kann, aber das in kurzer Zeit. Die Methoden würde ich hier gänzlich Ihnen überlassen, Captain."

Theranos hob sein Glas ein kleines Stück und sah Kal dabei mit einem beinahe entschuldigenden Schmunzeln an.
„Und das alles nur so lange, bis das Imperium Ihnen endlich das Kommando gibt, auf das Sie warten und das Sie verdient haben. Danach werde ich Sie selbstverständlich nicht an einen Ausbildungsposten ketten, den Sie nicht möchten.“

Nun nahm er den ersten Schluck.
Nach den vergangenen Minuten war der Whiskey tatsächlich keine schlechte Entscheidung gewesen. Dann wandte Theranos den blick wieder zu Kal.

“Also Captain, was denken Sie? Wäre das eine denkbare vorübergehende Aufgabe für Sie?”
Theranos hob das Whiskyglas, um mit Kal andrim anzustoßen.


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[Innerer Rand / Manaan-Sektor / Truuine / Moraband / Bar am Praxeum] Kael Reed, Lilivienne Évarielle d'Oridin, Alizée Marre, Gouverneur T'rsop, Barcombo (NSC) und übrige Gäste

Kael ließ den letzten Akkord noch einen Augenblick unter seinen Fingern stehen, bis auch dessen Nachhall langsam zwischen den übrigen Geräuschen der Bar verschwand und nahm die Hände schließlich von den Tasten, während seine Gedanken noch irgendwo bei einem der Übergänge aus der zweiten Hälfte des Stückes hingen. Der Bassist hatte die Folge anders aufgenommen als er sie ursprünglich angesetzt hatte, woraufhin Gitarre und Schlagzeug beinahe gleichzeitig nachgezogen waren und sich für einige Takte eine Variante ergeben hatte, die vermutlich keiner von ihnen bei einer zweiten Aufführung exakt hätte wiederholen können. Gerade deshalb beschäftigte sie ihn noch, bis die Sängerin neben ihm mit einem amüsierten Kommentar daran erinnerte, dass man ihm tatsächlich nur ein Stück zugestanden hatte und damit ein kurzes Geplänkel in Gang setzte, bei dem auch die übrigen Musiker seine vorherige Ankündigung einer qualitativen Aufwertung nicht völlig unkommentiert lassen wollten.

Kael nahm die Bemerkungen mit dem noch immer auf seinen Zügen liegenden Lächeln hin und gab ebenso bereitwillig zurück, wobei sich ziemlich schnell herausstellte, dass einige der Stellen, die während des Spiels ausgesprochen abgestimmt gewirkt hatten, tatsächlich nicht viel mehr gewesen waren als ein rechtzeitiges Erkennen dessen, was irgendeiner von ihnen gerade vorhatte. Ein kurzer Austausch über zwei der Übergänge folgte noch, die Sängerin warf ihm seine vergleichsweise lange Pause vom regelmäßigen Spielen vor und einer ihrer Kollegen bestand darauf, dass die Combo auch ohne militärische Unterstützung bereits vor seiner Ankunft einen halbwegs brauchbaren Abend zustande gebracht hatte, bevor Kael ihnen schließlich ehrlich für das Stück dankte, den Sitz ein Stück zurückschob und sich erhob.

Seine Hand strich beim Vorbeigehen noch einmal über die Kante des Flügels, dann ließ er die kleine Bühne hinter sich und bewegte sich wieder in Richtung der Bar, mit einem Teil seiner Aufmerksamkeit noch immer näher an Basslinie und Tastatur als an den Gesprächen im Raum. Lilivienne und Alizée bemerkte er dadurch erst wieder richtig, als er sich ihnen bereits bis auf wenige Schritte genähert hatte, während der hochgewachsene Pau'aner bei ihnen allein aufgrund seiner Erscheinung etwas länger seinen Blick hielt. Kael konnte sich zumindest nicht daran erinnern bisher einem Vertreter der Spezies persönlich begegnet zu sein und bekam auch kaum Gelegenheit diesen Umstand weiter zu verfolgen, denn der Fremde kam ihm mit jeder gesellschaftlich vernünftigen Reihenfolge zuvor und drückte ihm kurzerhand ein Glas in die Hand.

Kael nahm es beinahe automatisch entgegen, ließ den Blick kurz über den dunklen Bernsteinton laufen und hatte es bereits an die Nase geführt, bevor er bewusst darüber nachdachte was ihm da eigentlich gerade überreicht worden war. Holz, Gewürze und eine merkliche Süße lagen im Duft, beim ersten kleinen Schluck folgte die vertraute Wärme eines Rums, der im Abgang kräftiger wurde ohne sich deshalb ausschließlich über Alkohol definieren zu müssen.

Er ließ das Glas wieder etwas sinken und wandte seine Aufmerksamkeit nun vollständig T'rsop zu, der offensichtlich noch immer nicht wusste wer vor ihm stand und das auch nicht für notwendig hielt, bevor er Kaels musikalische Fähigkeiten in ausgesprochen deutlichen Worten lobte.


Danke.

Das leichte Lächeln auf Kaels Gesicht wurde ein wenig breiter, während er das Glas zwischen ihnen anhob.

Und für den Rum ebenfalls. Eine ausgesprochen brauchbare Wahl.

Lilivienne übernahm anschließend freundlicherweise den Teil der Begegnung, den T'rsop übersprungen hatte und stellte die beiden Männer einander vor. Kael reichte dem Gouverneur daraufhin die freie Hand, ohne dass der nachgelieferte Titel an der bislang angenehm unkomplizierten Begegnung etwas änderte.

Kael reicht vollkommen. Freut mich.

Liliviennes anschließende Bemerkung über seine Darbietung führte seine Aufmerksamkeit noch einmal für einen Moment zurück zum Flügel. Dass sie Vara Selaris Vael erkannt hatte überraschte ihn nicht, dafür war der Klassiker in entsprechenden Kreisen viel zu verbreitet und offensichtlich kannte sie ihn gut genug, um gerade die deutlich lockerere Interpretation in der Bar von jenen Fassungen zu unterscheiden, die man auf offiziellen Empfängen und ähnlichen Veranstaltungen üblicherweise zu hören bekam.

Auf Empfängen wird die Bastioner Fassung manchmal so sauber gespielt, dass sie etwas von ihrer Bewegung verliert.Kael deutete mit einer kleinen Bewegung des Glases zurück zur Combo.Hier mussten wir nach ein paar Takten eigentlich nur noch herausfinden wer gerade wem folgt.

Die Musiker hinter ihm waren bereits wieder mit ihren Instrumenten und dem weiteren Programm beschäftigt, wobei Kael ihnen noch einen kurzen Blick zuwarf.

Die haben mich ziemlich problemlos aufgenommen. Für ein erstes gemeinsames Stück kann man sich kaum mehr wünschen.

Als Lilivienne anschließend auf das ungewöhnlich empfindliche Gehör ihres neuen Gesprächspartners zu sprechen kam, wanderte Kaels Blick wieder zu T'rsop. Von Pau'anern wusste er nicht wesentlich mehr als das, was man in einer brauchbaren Allgemeinbildung irgendwann über die bekannteren Spezies der Galaxis lernte und das praktische Gegenstück dazu stand nun unmittelbar vor ihm, noch dazu nachdem derselbe Mann gerade eine musikalische Darbietung offenbar auf eine Weise wahrgenommen hatte, die sich von Kaels eigener unterschied.

Ist der Unterschied tatsächlich so deutlich?

Sein Blick blieb offen interessiert auf dem Pau'aner liegen.

Ich glaube ich bin bisher noch keinem Angehörigen Ihrer Spezies persönlich begegnet.

Alizée brachte das Gespräch wenig später ohnehin wieder in Richtung der eigentlichen Veranstaltung, als sie T'rsop nach seiner Verbindung zur Gesellschaft und danach fragte, ob er Mitglied oder wie ein Teil der übrigen Anwesenden lediglich Gast der bevorstehenden Gala war. Kael nahm währenddessen einen weiteren kleinen Schluck des Rums und hörte zu, wobei ihm die Entwicklung des Abends mittlerweile beinahe folgerichtig erschien. Er hatte eine Bar aufgesucht um den Verpflichtungen der nächsten Stunden noch ein wenig aus dem Weg zu gehen und selbst nachdem sich die große Runde inzwischen langsam wieder auseinanderzog, stand er mit Menschen zusammen, die auf die eine oder andere Weise genau zu jenem gesellschaftlichen Umfeld gehörten, das sich auf Truuine gerade wegen derselben Veranstaltung sammelte.

Wenigstens war die kleinere Runde erheblich angenehmer als jede Gästeliste, die seine Mutter ihm hätte zusammenstellen können.

Als sich eine passende Lücke ergab, griff Kael Alizées Thema deshalb auf und ließ seinen Blick zwischen den drei anderen wandern.


Was erwarten Sie eigentlich von der Gala?Er ließ das Glas wieder etwas sinken.Zhirios Aufführung ist der offensichtliche Teil, aber ich nehme an, dass nicht jeder von uns aus demselben Grund nach Truuine gekommen ist.

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