Weltraum (Imperium)

>>> kommend von Cona

[ Weltraum - auf der Route von Cona nach Truuine - Velcrest Odyssee ] Lucien Velcrest

Die Velcrest Odyssee befand sich bereits seit mehreren Stunden im Hyperraum, als Lucien es sich in einem der kleineren Aufenthaltsbereiche des Schiffes bequem gemacht hatte. Vor ihm stand eine halb geleerte Tasse Caf, neben ihm lag sein Datenpad und durch die breiten Sichtfenster zogen jene bläulich weißen Lichtbahnen, die inzwischen beinahe das Einzige waren, das ihn noch daran erinnerte, dass zwischen ihm und Truuine mehrere Lichtjahre lagen.

Die Reise verlief erfreulich ereignislos.
Nach Cona empfand Lucien das beinahe als willkommene Abwechslung.

Er hatte ursprünglich vorgehabt, die verbleibende Flugzeit damit zu verbringen, sich noch einmal genauer mit den Unterlagen zur bevorstehenden Gala zu beschäftigen, war allerdings bereits nach wenigen Minuten bei seinen privaten Nachrichten hängen geblieben. Offenbar hatte sich seine inzwischen doch etwas längere Abwesenheit von Arkania herumgesprochen, denn neben den üblichen Nachrichten seiner Familie und einiger geschäftlicher Kontakte fanden sich darunter auch mehrere Mitteilungen von Personen, deren Interesse an seinem gegenwärtigen Aufenthaltsort deutlich persönlicher formuliert war.

Ein alter Bekannter aus Aurentis erkundigte sich danach, wann Lucien endlich wieder einmal für einen vernünftigen Abend zur Verfügung stünde, während zwei junge Damen aus seinem erweiterten gesellschaftlichen Umfeld unabhängig voneinander bemerkenswert ähnliche Sorge darüber äußerten, dass man ihn inzwischen viel zu lange nicht mehr gesehen habe.

Lucien las die zweite Nachricht ein weiteres Mal und musste schmunzeln.
Wie rührend.

Natürlich bildete er sich nicht ein, dass sämtliche dieser Personen ausschließlich wegen seines außergewöhnlichen Charakters, seines Humors oder der tiefen emotionalen Bereicherung seiner Gesellschaft nach ihm verlangten. Zumindest eine der beiden Damen hatte während ihres letzten gemeinsamen Abends ausgesprochen viel Gefallen daran gefunden, dass Lucien sie zunächst in eines der besseren Restaurants Aurentis' und anschließend für mehrere Tage in die Villa der Familie eingeladen hatte. Die andere besaß eine auffallende Vorliebe für Veranstaltungen, bei denen der Name Velcrest am Eingang gewöhnlich mehr Türen öffnete als eine Einladung.

Lucien störte das allerdings herzlich wenig.

Das gesellschaftliche Leben funktionierte schließlich selten ausschließlich aus selbstloser Zuneigung. Er bot angenehme Gesellschaft, interessante Abende, gute Getränke, schöne Orte und gelegentlich die Möglichkeit, Dinge zu erleben, die sich andere in seinem Alter schlicht nicht leisten konnten.
Und dafür bekam er seinerseits Gesellschaft, Aufmerksamkeit und gelegentlich andere ausgesprochen angenehme Dinge zurück.
Geben und Nehmen.
Solange beide Seiten wussten, worauf sie sich einließen, sah Lucien darin kein Problem.

Er beantwortete einige der Nachrichten, wobei er eine Rückkehr nach Arkania vorerst bewusst offenließ, und wechselte anschließend zu den dienstlichen Dateien auf seinem Datenpad. Dort wartete noch immer jener Bericht, den er nach seinem Gespräch mit der conischen Verwaltung nach Truuine übermittelt hatte.

Lucien öffnete ihn mehr aus Langeweile als aus tatsächlicher Notwendigkeit.
Nach einigen Minuten bemerkte er allerdings, dass er die Stirn gerunzelt hatte.

Nicht weil ihm ein Fehler aufgefallen wäre. Im Gegenteil. Der Bericht war gut.

Die beiden möglichen Modelle für eine zukünftige Versorgung Conas waren sauber voneinander getrennt, die benötigten Daten waren angefordert worden und selbst die ersten Fragen bezüglich Transportkapazitäten, Aufbereitung, Mineralisierung und möglicher langfristiger Liefermengen hatte er festgehalten. Natürlich mussten andere Personen daraus nun tatsächliche Berechnungen und Angebote erstellen, doch genau dafür gab es schließlich Fachleute.

Lucien lehnte sich etwas zurück und betrachtete das Dokument.

„Siehst du, Vater.“, murmelte er mit einem kleinen selbstzufriedenen Lächeln. „Ich kann sogar vernünftig sein....wenn ich will.“

Für einen Moment fragte er sich tatsächlich, was sein Vater zu seiner ersten Mission gesagt hätte.
Die Vorstellung gefiel ihm weniger, als er erwartet hatte.
Wahrscheinlich hätte er zunächst gefragt, weshalb Lucien überhaupt Glücksspiel betrieben hatte, danach weshalb er sich hatte betrinken lassen, anschließend weshalb er einen einflussreichen Mann betrogen und beleidigt hatte und spätestens bei der Entführung wäre vermutlich endgültig Schluss mit jeglicher Anerkennung gewesen.

Dass am Ende trotzdem ein erfolgreicher Termin, ein möglicher Handelsvertrag und zusätzlich ein neuer Kontakt herausgekommen waren, wäre vermutlich irgendwo zwischen all den Vorwürfen untergegangen.

Lucien verzog leicht den Mund.
Dabei war ihm die Meinung seines Vaters vollkommen egal.
Zumindest meistens. Vielleicht nicht vollkommen.

Er liebte seinen Vater schließlich trotz allem auf seine eigene Art, was die Angelegenheit gelegentlich erheblich lästiger machte. Ein kleiner Teil von ihm hätte durchaus gerne erlebt, dass dieser den Bericht las und wenigstens einmal zugab, dass sein Sohn vielleicht doch zu mehr fähig war, als Geld auszugeben und gesellschaftliche Veranstaltungen heimzusuchen und er vielleicht für doch ein wenig Stolz empfand.
Lucien schnaubte leise.

„Ach, soll er doch bleiben, wo die Mynocks nisten.“, murmelte er schließlich und schloss den Bericht. „Er hat mich schließlich weggeschickt.“
Das Datenpad meldete beinahe im selben Moment eine neue private Nachricht.
Lucien öffnete sie und musste bereits beim Absender lächeln.


Nalia.

Die Nachricht war kurz, enthielt allerdings genau jene Mischung aus Dankbarkeit und spielerischem Tadel, die er inzwischen mit ihr verband. Das kleine Schmuckstück, das Lucien ihr vor seiner Abreise hatte zukommen lassen, war offenbar angekommen.

Während seines letzten Tages mit Torzh hatte er bei einem Händler eine feingliedrige Halskette entdeckt, deren warmer Goldton seiner Meinung nach ausgesprochen gut zu Nalias aquamarinblauer Haut und jenem dunkelroten Kleid passen würde, in dem er sie kennengelernt hatte. Da er keine Gelegenheit mehr gehabt hatte, sie ihr persönlich zu geben, hatte er das Stück mit einer kurzen Nachricht im Obsidian Veil hinterlegen lassen.

Offenbar war die Überraschung gelungen.

Nalia bedankte sich überschwänglich, erklärte ihm allerdings zugleich, dass ein teures Geschenk keineswegs bedeute, dass er sich beim nächsten Besuch wieder sämtliche Regeln ihres Salons zurechtbiegen dürfe. Darunter folgte eine wesentlich persönlichere Ergänzung.
Sollte er irgendwann wieder nach Cona kommen und es wagen, den Planeten zu verlassen, ohne sich bei ihr zu melden, würde sie das ausgesprochen persönlich nehmen.

Und diesmal müsse er sie auch nicht erst aus dem Obsidian Veil mitnehmen.
Ihre Wohnung sei schließlich in der nähe des Lokales.

Lucien las den letzten Satz zweimal.
Dann erschien langsam ein breites Grinsen auf seinem Gesicht.
„Ich wusste doch, dass sie mir nicht wiederstehen kann.“, stellte er zufrieden fest und begann unmittelbar eine Antwort zu verfassen.
Nachdem auch das erledigt war, erinnerte er sich endlich daran, womit er seine Zeit ursprünglich hatte verbringen wollen.

Die Gala.

Lucien wechselte zu den Veranstaltungsunterlagen und ließ sich das Programm der bevorstehenden Gala der Kristallenen Klänge anzeigen. Bereits auf seinem ursprünglichen Weg von Arkania nach Truuine hatte er von der Veranstaltung gelesen und beschlossen, sie unter keinen Umständen zu verpassen. Dass seine Rückkehr nun ausgerechnet auf den Tag der Eröffnung fiel, war daher beinahe perfektes Timing.
Genau genommen war das sogar einer der Gründe gewesen, weshalb ihn die ursprüngliche Aussicht auf zwei Wochen Wartezeit bei der conischen Verwaltung derart aufgeregt hatte.

Zwei Wochen. Er hätte die gesamte Gala verpasst.


Nun sollte die Velcrest Odyssee dagegen am Vormittag Truuine erreichen, womit ihm ausreichend Zeit blieb, sich umzuziehen und anschließend zum Veranstaltungsort aufzubrechen. Und diesmal würde er sich nicht mit Verwaltungsbeamten, Wasserpreisen oder Transportkapazitäten beschäftigen müssen.
Stattdessen erwarteten ihn Kunst, Musik, Architektur, ausgezeichnete Getränke und mit ziemlicher Sicherheit eine bemerkenswerte Anzahl ausgesprochen interessanter Gäste.
Darunter hoffentlich einige ebenso interessante Damen.
Lucien grinste und scrollte weiter.

„Das klingt schon wesentlich mehr nach einer Gelegenenheit, die meinen Fähigkeiten entspricht.“, bemerkte er amüsiert.

Tatsächlich dauerte es allerdings nicht lange, bis ihn einige der Aussteller auch jenseits ihrer möglichen weiblichen Begleitung interessierten.

Eine kleine Manufaktur von Corellia präsentierte beispielsweise handgefertigte Swoop-Bikes unter dem Namen Veyronis Motive, wobei jedes Fahrzeug ausschließlich auf Bestellung gefertigt und individuell an seinen Besitzer angepasst wurde. Die abgebildeten Modelle verbanden lange, elegante Linien mit ungewöhnlich tief liegenden Antriebseinheiten und wirkten eher wie Kunstobjekte als gewöhnliche Fortbewegungsmittel.

Lucien blieb mehrere Sekunden an einem der Bilder hängen. Er brauchte kein neues Swoop-Bike.
Das war vollkommen klar. Leider sah das abgebildete Modell ausgesprochen gut aus.
„Das ist gefährlich.“, stellte er leise grinsend fest und setzte die Manufaktur dennoch auf seine persönliche Merkliste.

Nur wenige Einträge später entdeckte er einen Namen aus Arkania, den er tatsächlich kannte. Maison Orvellan, ein traditionsreicher Herrenausstatter aus Adascopolis, unterhielt auf der Gala einen eigenen kleinen Präsentationsbereich für Maßkleidung, Stoffe und zeremonielle Herrenmode.

Lucien hob überrascht die Augenbrauen.
Von Orvellan besaß er selbst einen Anzug. Genau genommen einen seiner Lieblinge in einem hellen Salbeigrün.
Damit war auch dieser Stand vorgemerkt.

Daneben fanden sich Instrumentenbauer, Juweliere, Kristallkünstler, Innenarchitekten, Bildhauer und mehrere Architekturbüros, deren Arbeiten Lucien länger betrachtete, als er ursprünglich erwartet hatte. Besonders neugierig war er allerdings auf jene Klangkunst, der die Gala ihren Namen verdankte. Mehrere Künstler arbeiteten mit Kristallen, Resonanzkörpern und kontrollierten Schwingungen, um ganze Räume mit Klängen zu füllen, die sich abhängig von Position und Bewegung der Besucher veränderten.

Das wollte er unbedingt sehen.
Je länger Lucien durch die Unterlagen ging, desto mehr begann allerdings auch sein finanziell weniger vernünftiger Teil mitzulesen.
Sein Geld war schließlich noch lange nicht versiegt und immerhin hatte er ja auf Cona dem guten Trozh einiges auch an Credits abgenommen.

Vielleicht fand sich auch etwas für seine gegenwärtigen Räume im Praxeum. Einige der präsentierten Möbel und Kunstobjekte würden dort zweifellos besser aussehen als Teile jener langweiligenEinrichtung, die man ihm bislang zur Verfügung gestellt hatte.


Wobei...
Lucien hielt beim Scrollen inne.
Warum eigentlich dauerhaft im Praxeum wohnen?

Für den Anfang war seine Unterkunft vollkommen ausreichend, doch wenn Ridley tatsächlich vorhatte, ihn länger auf Truuine zu beschäftigen, konnte man irgendwann durchaus über etwas Eigenes sprechen. Eine Wohnung in Moraband wäre das Mindeste. Noch besser wäre eine kleinere Villa außerhalb der dicht bebauten Bereiche oder im besten Viertel der Stadt, vorzugsweise mit ausreichend Garten, einer vernünftigen Aussicht. Oder vielleicht irgendwo dort, wo das Klima ein wenig Wärmer war.

Immerhin war er Vicomte von Aurentis.
Man konnte von einem Mann seines Standes schließlich kaum erwarten, auf unbestimmte Zeit wie irgendein gewöhnlicher Verwaltungsangestellter in bereitgestellten Räumen zu wohnen.

Lucien hielt kurz inne.
Vielleicht war genau diese Denkweise einer der Gründe, weshalb sein Vater ihn fortgeschickt hatte.

Er dachte einige Sekunden darüber nach. Dann zuckte er mit den Schultern.
Das machte den Gedanken an eine Villa nicht schlechter.

Er würde Ridley bei Gelegenheit darauf ansprechen. Vielleicht allerdings nicht unmittelbar nach seiner Rückkehr.
Zuerst würde er seinem Schwager den erfolgreichen Abschluss seiner ersten Mission präsentieren, anschließend möglichst beiläufig erwähnen, wie schnell er trotz anfänglicher Schwierigkeiten einen Zugang zur conischen Verwaltung gefunden hatte, und sich erst danach wieder den angenehmeren Dingen widmen.

Mit etwas Glück würde Ridley angesichts des Ergebnisses sogar bereit sein, über die weniger offiziellen Einzelheiten seines Aufenthaltes hinwegzusehen.

Immerhin hatte Lucien seinen Auftrag erledigt.
Dass er zwischendurch einen Spielsalon besucht, eine attraktive Twi'lek kennengelernt, einen örtlichen Geschäftsmann beim Sabacc betrogen und sich von dessen Leuten hatte entführen lassen, waren streng genommen lediglich Begleitumstände und musste sein Schwager ja nicht erfahren.
Vollkommen nebensächliche Begleitumstände.

Lucien nahm sein Glas, stellte jedoch erst beim Ansetzen fest, dass es bereits leer war.
„Ja....die Mission lief ausgezeichnet.“, erklärte er überzeugt.

Niemand war im Raum, um ihm zu widersprechen. Das gefiel ihm ausgesprochen gut.
Er legte das Datenpad schließlich neben sich, verschränkte die Hände hinter dem Kopf und sah hinaus auf die langen Lichtbahnen des Hyperraums.

Cona lag hinter ihm.
Truuine wartete auf ihn.

Sein erster diplomatischer Auftrag war erledigt, seine erste Gala stand unmittelbar bevor und irgendwo zwischen Kunst, Musik, Adel, imperialen Würdenträgern, Geschäftsleuten und vermutlich einer vollkommen unverantwortlichen Menge Alkohol würde sich mit Sicherheit etwas finden, das seine Aufmerksamkeit verdiente.

Lucien lächelte zufrieden.
Vielleicht war dieses unfreiwillige Exil auf Truuine am Ende doch nicht ganz so furchtbar, wie er seinem Vater gegenüber jemals zugeben würde.


[ Weltraum - auf der Route von Cona nach Truuine - Velcrest Odyssee ] Lucien Velcrest

>>> weiter auf Truuine
 
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| Mittlerer Rand – Fedje-System – an Bord der Quiet Wager | Craton Minara |​

Die Sterne wurden wieder zu Punkten. Fedje erschien vor der Cockpitscheibe und mit ihm das vertraute kurze Durcheinander aus Navigationsdaten, Positionsbestimmung und dem leisen Arbeiten des Navcomputers, der bereits begann, den nächsten Sprung nach Garqi vorzubereiten. Craton saß zurückgelehnt im Pilotensitz. Ketaris lag hinter ihm, ebenso die Grenze. Die Borrowed Luck existierte vorerst nicht mehr. Seit dem letzten Zwischenstopp antwortete der Explorer wieder auf eine andere Kennung. Quiet Wager. Die dritte Identität, dritter Name für dasselbe Schiff. Der ehemalige Schmuggler betrachtete die Anzeigen, keine ungewöhnlichen Kontakte, keine Anfragen, keine Warnungen. Seine Finger glitten bereits über die Navigation, als hinter ihm etwas klickte, leise, mechanisch. Craton erstarrte, as Geräusch kam ihm bekannt vor, nur hatte er nichts eingeschaltet. Langsam drehte er den Kopf, der Holoprojektor im Aufenthaltsbereich erwachte. Blasses Licht flackerte über den Boden. Der Mirialaner stand auf. Eine Hand wanderte beinahe beiläufig in Richtung eines Blasters.

Zwischen Cockpit und Kabine entstand eine Gestalt, unkenntlich. Keine klaren Gesichtszüge, keine erkennbare Kleidung. Nur eine dunkle humanoide Silhouette, deren Konturen im blassen Flimmern des Hologramms immer wieder zerfielen. Dann sprach sie.

„Eure Schritte wurden gezählt.“
Craton blieb im Durchgang stehen.
„Eure Entscheidungen wurden gewogen.“
Eine kurze Pause.
„Ihr wurdet für ausreichend befunden.“
Der Mirialaner blinzelte. Langsam wanderte eine Augenbraue nach oben.
„Ausreichend?“
Die Gestalt schwieg. Craton breitete eine Hand aus.
„Achtzehn Sturmtruppen, ein Jedi, den es nie gegeben hat, eine Scheune und eine halbe verdammte Theateraufführung—“
„Nicht, weil Ihr achtzehn Soldaten getötet habt.“

Craton verstummte, sein Mund blieb noch einen Moment geöffnet. Die Projektion hatte weder auf seinen Einwand reagiert noch den Rhythmus verändert. Der Mirialaner sah sie an, dann langsam zum Projektor, wieder zur Gestalt.
„Oh.“
Eine kurze Pause.
„Ihr seid gar nicht da.“
Das schien ihm augenblicklich noch weniger zu gefallen.
„Töten können viele. Ein Extinktor hätte dasselbe Feld mit genügend Gewalt geleert. Das war nicht die Prüfung.“
Cratons Augen wurden schmaler. Prüfung? Da war es, das Wort, das bisher niemand benutzt hatte.
„Ihr habt beobachtet. Ihr habt improvisiert. Ihr habt verstanden, was notwendig war, ohne dass man es Euch erklären musste. Ihr habt Eure Gewohnheiten abgelegt, als sie der Aufgabe im Wege standen. Ihr habt eine Identität angenommen, die nicht die Eure war. Und als sie ihren Zweck erfüllt hatte, habt Ihr sie sterben lassen.“
Der Mirialaner sagte diesmal nichts. Sein Blick wanderte für einen Moment ins Leere. Roben, die blaue Klinge, die Scheune, der tote Jedi, Darth Angelus, Assassinen. Langsam verschränkte Craton die Arme vor der Brust.
„Ihr kennt inzwischen die Bezeichnung.“
Ein kaum sichtbares Zucken ging durch Cratons Mundwinkel.
„Das dachte ich mir.“
„Wenn Ihr verstehen wollt, was dahinterliegt, wird Euch eine Gelegenheit gegeben werden. Nehmt sie an, und Ihr werdet ernaut geprüft. Lehnt sie ab, und diese Verbindung endet.“

Craton neigte leicht den Kopf.
„Sehr großzügig.“
Keine Reaktion, natürlich nicht, die Aufnahme lief weiter.
„Bis dahin reist Ihr weiter, beobachtet, passt Euch an. Und vergesst nicht, dass auch Ihr beobachtet werdet.“

Die Gestalt flackerte, dann verschwand sie, der Projektor erlosch. Stille breitete sich in dem kleinen Explorer aus. Craton blieb noch einige Sekunden im Durchgang stehen.
„Nein.“
Er löste die Arme voneinander.
„Nein, nein, nein.“
Der Mirialaner ging zum Projektor, kniete sich davor und öffnete die Wartungsabdeckung. Nichts, serienmäßig. Er schloss sie wieder, sein Blick wanderte durch das Schiff. Dann Richtung Cockpit, die Kommunikationsanlage. Die Nachricht musste irgendwoher gekommen sein. Und ganz sicher hatte niemand eben zufällig einen verschlüsselten Holoruf durchgestellt, ohne dass die Quiet Wager auch nur eine eingehende Verbindung angezeigt hatte. Craton stand wieder auf.
„Dobra.“
Das Grinsen kehrte zurück, nicht fröhlich, interessiert. Er zog Werkzeug aus einem Fach. Die nächsten Minuten verbrachte der ehemalige Schmuggler halb unter der Kommunikationskonsole. Eine Verkleidung kam ab, ann eine zweite, Kabel, Relais, Signalverstärker, nichts. Er prüfte die Diagnose, keine zusätzliche Einheit, keine fremde Adresse, kein dauerhaft aktiver Sender. Craton runzelte die Stirn. Dann fiel ihm eine Leitungsführung auf, die etwas zu ordentlich aussah. Er löste zwei Kontakte und zog ein schmales Modul aus dem Schatten zwischen dem regulären HoloNet-Transceiver und dessen Energieversorgung. Klein, schwarz, keine Kennzeichnung, keine Seriennummer. Eine eigene winzige Puffereinheit. Craton hielt es zwischen zwei Fingern hoch. Sein Gesicht wurde langsam ausdruckslos.
„Da bist du ja.“

Er drehte das Modul, professionell eingebaut, kaum eigener Energieverbrauch. In die vorhandene Kommunikation eingeschleift. Nicht dafür gedacht, ständig zu senden. Nur darauf zu warten, dass jemand wusste, wann und wie man es wecken musste. Der Mirialaner sah einige Sekunden darauf.
Dann zur Kommunikationsanlage, er hätte es herausreißen können, zerbrechen, aus der Luftschleuse werfen. Stattdessen schob Craton das Modul langsam wieder an seinen Platz. Die Abdeckung blieb zunächst offen, as Grinsen kehrte zurück.

„Dobra.“
Er klopfte mit einem Finger gegen das kleine schwarze Gehäuse.
„Ihr wollt zusehen?“
Die Abdeckung schloss sich.
„Dann sehen wir mal, wer zuerst herausfindet, wie der andere das macht.“

Der Mirialaner setzte sich wieder in den Pilotensitz, Garqi wartete. Der Navcomputer meldete den nächsten Sprungvektor als bereit. Craton legte die Hand auf den Hyperraumhebel. Sein Blick blieb noch einen Moment auf der Kommunikationskonsole liegen.
„Ausreichend.“
Er schnaubte.
„Sleemos.“
Dann sprang die Quiet Wager weiter.
| Mittlerer Rand – Hyperraum – an Bord der Quiet Wager | Craton Minara |​
 
[ Outer Rim – Eskortträger Absolution – Mannschaftsdeck – Nasszelle ]
Auren Hardlight

Auren zog die letzte Spur und richtete sich langsam über dem Waschbecken auf. Für einen Moment blieb er mit gesenktem Kopf stehen, die Hände auf dem fleckigen Rand abgestützt. Aus dem Wasserhahn tropfte es. Hinter der Wand schlug irgendetwas in unregelmäßigen Abständen gegen eine Leitung, und die Luft roch nach abgestandenem Wasser, Desinfektionsmittel und dem Abfluss, um den sich offenbar seit seiner Ankunft niemand gekümmert hatte. Er schluckte, strich sich unter der Nase entlang und sah in den Spiegel. Ein brauner Fleck auf dem Glas lag genau über seiner Stirn. Auren verschob den Kopf ein Stück. Besser wurde der Anblick dadurch aber auch nicht.


Seit ein paar Wochen war er jetzt hier. Lange genug, um zu wissen, welche Nasszelle sich von innen verriegeln ließ und bei welcher man besser darauf verzichtete, irgendetwas auf dem Boden abzustellen. Vor allem aber wusste er inzwischen, bei wem er Stoff bekam und welche seiner mitgebrachten Wertsachen dafür den Besitzer wechseln mussten. Anfangs hatte er noch geglaubt, mit Credits auszukommen. Dann hatte jemand sein Chronometer bemerkt. Das lag inzwischen vermutlich in irgendeinem fremden Spind, während Auren noch immer darüber nachdachte, wie wenig er dafür bekommen hatte. Allein das Armband war mehr wert gewesen als der ganze beschissene Vorrat. Beim nächsten Mal würde er sich nicht so über den Tisch ziehen lassen.

Das Spice begann die Müdigkeit zurückzudrängen. Er atmete tiefer ein, rollte die Schultern und zog den Reißverschluss seines schwarzen Overalls bis zum Kragen hoch. Das Zittern in seinen Fingern war noch da. Er schloss die Hand darum, bis es weniger auffiel. In einer halben Stunde sollte er im Bereitschaftsraum sitzen. Anschließend würde ihm vermutlich wieder jemand erklären, weshalb ausgerechnet zwölf schrottreife TIEs für irgendeine Aufgabe am Arsch der Galaxis vollkommen ausreichend waren.

Seine Maschine hatte beim letzten Prüflauf wieder eine Störung in der Schubregelung angezeigt. Bei der anschließenden Kontrolle war sie verschwunden gewesen. Das leichte Ziehen nach Backbord offenbar nicht, aber das konnte er laut Wartung ausgleichen. Dazu kamen die Kühlung, die das Cockpit schon nach kurzer Zeit unangenehm aufheizte, und ein Funkgerät, das ausgerechnet beim Abfeuern der Laser gelegentlich aussetzte. Auren hatte den Wartungsbericht zweimal gelesen. Unter diesen ganzen beschissenen Mängeln stand tatsächlich einsatzfähig. Er musste also nur gegensteuern, schwitzen und hoffen, dass ihm niemand etwas Wichtiges mitzuteilen hatte, während er schoss.

Er presste die Zunge gegen die Innenseite seiner Wange und sah sich weiter an. Im Simulator hätte er über so etwas gelacht. Eine Störung war dort eine Aufgabe gewesen, die jemand für ihn vorbereitet hatte. Man reagierte, brachte die Maschine zurück und bekam hinterher gesagt, wie gut man gewesen war. Hier unterschrieb jemand einen Wartungsbericht, und anschließend musste er selbst hinein.

Aus einer der Kabinen knarrte ein Scharnier.

Auren drehte sofort den Kopf. Er hatte bei seinem Eintreten nachgesehen, aber das bedeutete auf diesem Schiff offenbar gar nichts. Einige Sekunden lang hörte er nur das Tropfen des Wasserhahns. Dann schwang die unbesetzte Kabinentür ein Stück weiter auf. Er stieß die Luft durch die Nase aus und steckte das kleine Behältnis ein.

Am Waschbecken neben ihm lag ein aufgeweichtes Stück Reinigungstuch. Er betrachtete es kurz, nahm stattdessen sein eigenes aus der Tasche und beseitigte die Rückstände auf der schmalen Ablage. Danach brachte er seine Haare mit feuchten Fingern in Ordnung. Zumindest das würde er sich nicht auch noch abgewöhnen. Es liefen hier bereits genug Leute herum, die aussahen, als hätte man sie aus irgendeinem Gefängnisfrachter geschüttelt.

Sein Comlink vibrierte. Auren zog es hervor, schneller als er gewollt hatte.

Nur eine Erinnerung an die Einsatzbesprechung.

Er starrte auf die Nachricht, bis das Display dunkler wurde. Von zu Hause kam weiterhin nichts. Warum auch? Sein Vater hatte ihm schriftlich mitgeteilt, dass die Familie keinerlei Unterstützung mehr leisten und jeden weiteren Versuch unterbinden würde, sich auf ihren Namen oder ihre Beziehungen zu berufen. Nicht einmal angerufen hatte das Arschloch. Für den Rauswurf aus der eigenen Familie hatte eine Nachricht offenbar ausgereicht. Wahrscheinlich lief der Betrieb hervorragend. Die Gäste spielten, die Getränke wurden serviert und beim gemeinsamen Abendessen konnte man inzwischen so tun, als hätte es ihn nie gegeben.

Auren steckte das Gerät weg und entriegelte die Tür. Vor ihm erstreckte sich der schmale Gang mit seinen abgewetzten Deckplatten. Er blieb noch einen Moment im Eingang stehen, bis das leichte Schwindelgefühl nachließ, dann machte er sich auf den Weg zum Bereitschaftsraum.

Zu spät kommen würde er nicht. Die Genugtuung konnten sie sich heute woanders holen.

[ Outer Rim – Eskortträger Absolution – Mannschaftsdeck – auf dem Weg zum Bereitschaftsraum ]
Auren Hardlight
 
[ Outer Rim – Eskortträger Absolution – Hangar ] Zarev Korrik


Zarev zog das Reinigungstuch über die Seitenverkleidung seines TIE und betrachtete den grauen Streifen, der darauf zurückblieb. Viel besser sah der Jäger dadurch nicht aus. Unter einer neueren Lackschicht zeichneten sich ältere Kennungen ab, und eine ausgebesserte Stelle am Rumpf hatte einen etwas anderen Farbton als der Rest. Immerhin saß die Verkleidung fest. Das hatte er geprüft, bevor er überhaupt daran gedacht hatte, sie sauber zu machen.

Er steckte das Tuch in die Tasche seines Overalls und ging langsam um die Maschine herum. An einer Wartungsklappe blieb er stehen, fuhr mit den Fingern an ihrem Rand entlang und warf einen Blick auf die Verschlüsse. Seit seiner Ankunft hatte sich hier jemand zu schaffen gemacht. Zarev hoffte, dass der Betreffende wenigstens wusste, an welchem Ende man einen Hydrospanner hielt.

„Mal sehen, ob die Scheißmechaniker beim Reparieren noch mehr kaputt gemacht haben.“

Er öffnete die Klappe und prüfte, was er von außen erreichen konnte. Die Leitungen saßen an ihrem Platz. Eine Schelle war frisch ersetzt worden, daneben klebte noch ein Rest alter Markierungsfarbe. Zarev folgte mit dem Finger dem Verlauf einer Leitung, beugte sich tiefer hinein und bemerkte erst nach einer Weile, dass er lächelte. Für ein paar Minuten vergaß er den Grund, aus dem er auf diesem Träger gelandet war. Eine Maschine, die man verstehen konnte, war ihm ohnehin lieber als die meisten Leute an Bord.

Schließlich schloss er die Klappe und trat zurück. Sein Blick wanderte über die Gebrauchsspuren, die verschiedenen Lackschichten und die Flügel, die jemand offenbar mit beträchtlicher Geduld zusammengehalten hatte.

„Ach, was für ein wunderschön hässlicher Haufen Durastahl du bist.“ Er schnaubte leise. „Bei einem Jawa hieße das Teil hier Ersatzteillager."

Zarev wischte sich mit dem Handrücken über die Stirn. Der Schweiß verschwand, dafür blieb vermutlich ein dunkler Schmierstreifen zurück. Als er die Hand senkte, fiel sein Blick auf die Uhr. Die Einsatzbesprechung.


„Oh, verdammt.“


Er verstaute das Tuch, warf seinem TIE noch einen letzten Blick zu und machte sich auf den Weg zum Quartier. Dort zog er den ölverschmierten Overall aus, wusch sich Gesicht und Hände und schlüpfte in einen sauberen schwarzen Fliegeroverall. Ganz sauber wurden seine Finger in der kurzen Zeit nicht. Er hielt sie prüfend ins Licht, entschied, dass niemand bei einer Einsatzbesprechung seine Fingernägel kontrollieren würde, und eilte wieder auf den Gang.

Auf dem Weg zum Bereitschaftsraum wurde er etwas langsamer. Zu spät würde er nicht kommen. Keuchend zur ersten Besprechung seiner neuen Rotte zu erscheinen, wollte er Auren Hardlight trotzdem nicht als erste Gesprächsgrundlage anbieten. Zarev strich sich die weißen Haare aus der Stirn, ertastete dabei einen verbliebenen Schmierfleck am Haaransatz und ließ die Hand sinken.

Den würde er jetzt eben als Andenken an eine gewissenhafte Vorflugkontrolle tragen. Egal dachte er bei sich legte seine so Haare das es eigentlich niemand bemerken sollte und legte die letzten Meter zum Besprechungsraum zurück.



[ Outer Rim – Eskortträger Absolution – Mannschaftsdeck – vor dem Besprechungssraum ] Zarev Korrik
 
[ Outer Rim // Eskortträger Absolution // Mannschaftsdeck // auf dem Weg zum Bereitschaftsraum ]
Tyla Le’el

Tyla hatte den Refrain gerade zum dritten Mal zurückgesetzt, als sie um die Ecke bog. Der Poodoo ging hart. X’tina Agul’ra hatte mal verstanden, wie man verhinderte, dass die Leute ihren Kram einfach nebenbei hörten. Tyla war jedenfalls bereit, ihr dafür die entsprechende Aufmerksamkeit zu schenken. Der kleine, abgerockte
Musikspieler verschwand wieder in der Tasche ihres schwarzen Overalls, während sie sich auf die Unterlippe biss, die Fäuste mit angewinkelten Armen vor die Brust nahm und mit den Schultern im Takt wippte. Die Ohrhörer saßen fest und die taktisch kluge Entscheidung, ihre Haare in Cornrows legen zu lassen, hielten sie ihr aus dem Gesicht. Bis zur anstehenden Einsatzbesprechung blieb noch genug Zeit für noch einen Refrain. Vielleicht auch für ein viertes Mal, wenn sie sich nicht unnötig beeilte. Die Kiffar befand sich definitiv in ihrer Stoopa-Girl-Era, und X.A., wie sie echte Kenner nannten, lieferte. Endlich jemand auf diesem Schrotthaufen von Schiff, von dem man das behaupten konnte. Dass die Frau gar nicht hier war, machte ihren Vorsprung etwas unfair, aber Tyla würde ihr das nicht übelnehmen.

Für die Musik hatte sie sich dabei durch mehr Gefälligkeiten arbeiten müssen, als für die paar verdammten Songs angemessen gewesen wäre. Klar gab es Holo-Net-Zugriff auf der Absolution. Nur eben nicht für jedermann. Und erst gar nicht für sie. Zumindest nicht einfach so. Nein, dafür musste man jemanden kennen. Oder jemanden kennen, der jemanden kannte. Und dann musste derjenige auch noch einen Gefallen offen haben. Am Ende hatte dann plötzlich ein Dritter etwas für einen getan und wusste gar nichts davon. Nach einem Monat auf dem Träger wusste die Zwangspilotin wenigstens, bei wem sich welche Nachfrage lohnte. Das sparte Zeit, unnötiges Lächeln und Bezirzen von Leuten, die ihre unbeschränkten Zugänge für eine Persönlichkeit hielten. Aber endlich hatte sie X.A. in der Tasche und konnte hören, was sie wollte. Auf Kessel war sowas noch gar nicht drin gewesen. Allein einen Musikspieler im Besitz zu haben war schon ziemlich luxuriös. Und dann hatte sie sogar einen der Modelle, wo sie vor- und zurückspulen konnte. Krass.

Mit einem kurzen Blick auf das Bordchrono nahm sie die nächste Abzweigung und strich ihren verknitterten Overall am Oberschenkel glatt. Sie war sauber. Überhaupt war sie angezogen. Und unterwegs. Mehr Diensttauglichkeit konnte man von ihr nun wirklich nicht erwarten. Niemand erwartete von ihr, dass sie auch noch mit Begeisterung auf dem Gesicht zur Besprechung marschierte, nur weil irgendwo ihr Captain saß und sich für ihren Tagesablauf zuständig fühlte. Sie würde pünktlich auftauchen, ja. Ja! Beim letzten Mal gab es drei Tage Latrinendienst. Und … ne, man! Der Gestank war es wirklich nicht wert.

Ihre Schritte folgten weiter dem Beat
von Princess in a Battle, während ihr Blick durch den Gang wanderte. Die Absolution hatte es innerhalb eines Monats geschafft, dass sie manche Rostflecken gar nicht mehr so bemerkte. Dafür andere aus gehörigem Abstand. Dort an die Wand zu fassen war in etwa so gesund, wie die Lippen eines Hutten zu küssen. Und das letzte Mal, als sie das versucht hatte, musste sie Nar Shaddaa verlassen. Was sie letztendlich in die Hände irgendeiner Kowakianischen ISB-Echsenaffe getrieben hatte.

Gute alte Zeit. Die vor einem Monat.

Tyla zog ihre Hand zurück in die Tasche und sah nach vorn, wo sie in diesem Moment Auren Hardlight entdeckte. Noch immer mit Kopfhörern auf den Lauschern warf sie ihm ein begrüßendes Heben der Augenbrauen zu. Es war erstaunlich, dass die stylische Frisur dieses Kerls die Strafversetzung und Degradierung überlebt hatte. Die Erscheinung war kurz vor Tyla auf die Absolution gekommen. Das musste man erstmal schaffen, wenn man aus gutem Hause war. Als sie neben ihm war, zog sie einen der Ohrhörer heraus und verlangsamte ihre Schritte.


„Na, Hardlight. Hast du schon gehört, wo es hingeht, oder sehen wir heute nur auf Verdacht so gut aus?“

Sich selbst hatte sie selbstverständlich mitgemeint. Nach einem Monat an Bord konnte sie ihn ansprechen, ohne erst einen dienstlichen Grund vorzugeben. Rottenführer hin oder her, sie saßen alle in denselben alten, schildlosen TIEs. Seiner hatte auch keinen bequemeren Sitz.

Vor dem Bereitschaftsraum stand Zarev. Tyla verzog bei einem Blick auf die Ölspur an seiner weißen Stirn das Gesicht.


„Jo, das letzte mal als ich so viel Öl auf einem Körper gesehen habe, war’s auf einer Twi’lek im TIE-TIE-Twister auf Malastare, Zarev. Ehrlich man, was ist das mit dir und Öl?“

Wenn er da schon bei war, hätte er wenigstens auch mal an ihrer Maschine Hand anlegen können.

An der Tür zum Briefing angekommen, verstaute sie ihren Musikspieler in den Taschen und lehnte sich mit einer Schulter and die danebenliegende Wand. Tyla verschränkte die Arme locker und wartete, ob einer der beiden noch einen schlauen Gedanken loswerden wollte, bevor sie durch diese Tür traten. Der Cap bekam ihre Aufmerksamkeit schon noch früh genug.


[ Outer Rim // Eskortträger Absolution // Mannschaftsdeck // vor dem Bereitschaftsraum ]
Tyla Le’el, Auren Hardlight und Zarev Korrik
 
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[ Outer Rim – Eskortträger Absolution – Mannschaftsdeck – auf dem Weg zum Bereitschaftsraum ]
Auren Hardlight und Tyla Le’el


Auren strich sich noch einmal unter der Nase entlang, als Tyla Le’el neben ihm auftauchte. Ihre Begrüßung quittierte er mit einem knappen Nicken. Aus dem herausgenommenen Ohrhörer drang der blecherne Klang ihrer Musik. Offenbar war ihre Laune ausgezeichnet. Er betrachtete die Kiffar von der Seite und fragte sich, ob sie überhaupt noch begriff, wo sie hier waren. Hatte die Frau gar kein Ehrgefühl? Sie wippte durch die Gänge, hörte Musik und machte Witze, als wäre das hier irgendeine lustige Vergnügungsreise. Man hätte fast meinen können, sie wollte bleiben. Aber nur fast.

Schließlich war sie eine Desserteurin. Als solche hatte man sie ihnen vorgestellt. Mehrfach abgehauen, wieder eingefangen und schließlich auf Kessel gelandet. Dass man ihr im selben Atemzug beträchtliches fliegerisches Talent attestiert hatte, machte die Sache für Auren nur ärgerlicher. Offenbar konnte sie etwas. Sie schien bloß keinen besonderen Anlass zu sehen, damit ihren Namen reinzuwaschen. In der Interceptorstaffel hätte die sexy junge Tochter einer tapanischen Adelsfamilie mit ihm anfangen sollen. Sie hatten sich bereits kennengelernt und Auren sich durchaus auf die gemeinsamen Einsätze gefreut. Jetzt flog sie vermutlich längst einen Interceptor, während er mit einer ehemaligen
Kesselinsassin durch diesen versifften Gang lief.

"Hoffentlich auf einen Einsatz. Ich habe keine Lust mehr, auf diesem versifften Schiff festzusitzen."

Er ging neben der etwas größeren Frau weiter und schob die Hände in die Taschen seines Overalls. Ein Einsatz würde wenigstens Gelegenheit bieten, etwas vorzuweisen. Ein paar Abschüsse, ein brauchbarer Bericht, irgendetwas, das auf dem Schreibtisch eines Vorgesetzten landete, der noch wusste, was man mit einem außergewöhnlich talentierten Piloten anfangen konnte. In seiner Vorstellung blieb die Absolution ein Zwischenstopp. Ein paar Wochen hier, bis sich die Aufregung gelegt hatte. Dann würde man ihn wieder dorthin versetzen, wo er hingehörte. Seine Ausbildung war schließlich teuer gewesen. Die war nicht plötzlich wertlos, weil ein gekränkter Moff seine junge Tochter nicht unter Kontrolle hatte.

Vor dem Bereitschaftsraum wartete
Zarev Korrik. Auf den ersten Blick ging der Arkanier beinahe als Mensch durch, bis man die weißen Augen und seine Hände bemerkte. Noch so eine Promenadenmischung, mit der Auren sich nun eine Rotte teilen durfte. Immerhin war der Kerl findig. Er hatte längst vorgehabt, ihn wegen der Schubregelung und des ständigen Dralls nach Backbord anzusprechen. Vielleicht bekam Korrik wenigstens heraus, weshalb die Maschine das tat, statt ihm bloß zu erklären, dass er dagegenlenken sollte, wie es die Mechaniker taten.

Vorerst blieb sein Blick jedoch an dem Schmierfleck hängen.
Tylas Bemerkung über die eingeölten Twi’lek ließ er unkommentiert. Er blieb vor Zarev stehen und deutete mit zwei Fingern auf die eigene Stirn.

"Dein Ernst? Der Captain wird bei der Besprechung dabei sein. Der Commander wahrscheinlich auch. Wisch dir den Scheiß aus dem Gesicht."

Sein Blick wanderte zu Tyla, die ihren Musikspieler gerade verstaute.

"Und du verstau das Teil gut, bevor sie es dir schneller wieder abnehmen, als du es aufgetrieben hast"

Er hatte wenig Lust, wegen seiner beiden Rottenpiloten aufzufallen, bevor die Besprechung überhaupt begonnen hatte. Wenn Korrik ölverschmiert an seiner Maschine herumkriechen und Le’el sich den Rest ihres Verstandes aus den Ohren spielen wollte, konnten sie das später tun. Jetzt musste er mit ihnen da hinein. Auch wenn sie alle gleichrangig waren, musste jemand das Kommando übernehmen. Und das konnte nur er sein. Auren zog den Kragen seines Overalls zurecht und sah zur Tür. Mehr und mehr Gesindel der Staffel gesellte sich zu ihnen, ehe schließlich schwere Schritte aus der anderen Richtung des Ganges ertönten.

Dann tauchte
Commander Hunter am Ende des Ganges auf. Der großgewachsene, breitgepumpte Kommandant der Absolution nahm schon für sich genug Platz ein; Captain Thorne und die Soldaten der Schiffssicherheit machten den Durchgang endgültig eng. Auch deren Kommandant, Captain Juncker, war dabei. Auren erkannte seine fiese Fresse zwischen den schwarzen Uniformen und nahm die Hände aus den Taschen.

Außer
Thorne würdigte keiner von ihnen die wartenden Piloten eines Blickes. Der Captain hingegen ließ seinen Blick langsam über die Gesichter wandern. Um Auren herum verstummten die Gespräche. Die meisten sahen auf den Boden, einer beschäftigte sich plötzlich mit dem Verschluss seines Ärmels.

Auren hielt den Kopf oben. Sein Herz schlug unangenehm schnell, und er hätte nicht sagen können, wie viel davon noch am Spice lag und wieviel an der Tatsache, dass
Thorne seinen Vorgänger angeblich dienstunreif geprügelt hatte ein paar Tage bevor Auren auf die Absolution kam. Trotzdem würde er jetzt nicht anfangen, wie ein verängstigter Kath-Hund auf seine Stiefel zu gucken. Aus dem Augenwinkel bemerkte er, dass auch die anderen beiden den Blick nicht senkten. Wenigstens das.

Sie traten in den Raum ein. Die drei Piloten nahmen vorne am Rand Platz. Nach und nach strömten die anderen Staffeln mitsamt Piloten dazu.


[ Outer Rim – Eskortträger Absolution – Mannschaftsdeck – Bereitschaftsraum ]
Auren Hardlight, Tyla Le’el und Zarev Korrik, Commander Hunter, Captain Thorne und viele andere
 
[ Outer Rim – Eskortträger Absolution – Mannschaftsdeck – vor dem Bereitschaftsraum ] Zarev Korrik,


Zarev wartete vor dem Bereitschaftsraum, als Auren Hardlight und Tyla Le’el um die Ecke kamen. Tyla wippte noch immer leicht im Takt ihrer Musik. Er sah ihr einen Moment zu und musste grinsen. Das gelbe Mal in ihrem Gesicht und diese beinahe ansteckende Unbeschwertheit erinnerten ihn an jemanden aus seiner alten Siedlung. Nur hatte Tyla offenbar beschlossen, für zwei Leute lebhaft zu sein.

Na Toll,...Gelblippchen ist am Grooven und Mister Grummel sieht aus, als hätte ihm ein Ewok das Frühstück geklaut.

Als sie näher kamen, legte er zwei Finger an die Schläfe und deutete damit einen lockeren Gruß zu ihnen leicht lächlelnd hinüber. Dann zog Tyla einen Ohrhörer heraus, sah ihn an und erzählte von einer eingeölten Twi’lek auf Malastare.


„Glaub mir, die Twi’lek wäre mir auch lieber gewesen als dieses Öl des TIE´s.“ Zarevs Lächeln verrutschte.

So schlimm konnte der Fleck unmöglich sein. Er hatte sich vor dem Quartierspiegel doch noch angesehen. Allerdings hatte er dort auch eilig die Haare aus der Stirn gestrichen. Bevor er etwas erwidern konnte, blieb Auren vor ihm stehen, deutete mit zwei Fingern auf die eigene Stirn und wies ihn ziemlich unverblümt an, sich den Dreck aus dem Gesicht zu wischen. Der Captain werde bei der Besprechung sein, womöglich auch der Commander.

Zarev sah ihn einen Augenblick lang an. Dass Hardlight recht hatte, machte den Tonfall nicht angenehmer. Er zog eine Augenbraue leicht hoch und blickte ihm trotzig in die Augen.


“Das kannst du auch ohne diesen großkotzigen Ton sagen, Hardlight. Ein einfacher Hinweis wie von Le’el hätte es auch getan”.

Dann zog er ein sauberes Tuch aus der Tasche seines Overalls und tupfte sich damit über den Haaransatz. Nebenbei bekam auch Tyla eine Warnung wegen ihres Musikspielers ab.

Mit der anderen Hand strich er vorsichtig über die Stelle an seiner Stirn. Diesmal blieb nichts auf der Stirn oder an seinen Fingern zurück. Zarev steckte das Tuch wieder ein und nickte knapp, als hätte er damit eine besonders lästige Beanstandung behoben.


„Siehst du, Hardlight. Ist weg.“ Er hob eine helle Augenbraue.
„Ein Fleck Öl, und du tust so, als hätte ich dem Commander einen Jawa ins Quartier gesetzt.“

Dann blickte er zu Tyla „Ich hab meinen TIE übrigens nicht nur geputzt. Ich hab ihn mir genau angesehen.“

Zarev verschränkte die Arme vor der Brust.
„An ein paar Stellen saß so viel Dreck und Rost, dass man darunter nicht mal erkennen konnte, ob die Verkleidung schon wieder Ärger macht. Das hab ich weggemacht. Die ganze Kiste schrubben würde ich mir im Leben nicht antun.“

Sein Blick ging von Tyla zu Auren.
„Ihr solltet eure Maschinen auch mal selbst prüfen. Den Vollidioten von der Wartung trau ich keinen Meter über den Weg.“

Der Gedanke gefiel ihm schon länger nicht, und hier im Gang klang er ausgesprochen plausibel.
„Mich würd’s nicht mal wundern, wenn die unsere TIEs absichtlich schlampig warten. Stürzt einer von uns ab, haben sie ein Problem weniger an der Backe.“

Er verzog den Mund.
„Bei Maschinen ohne Schilde, in solchen Zuständen nach soviel Dienstzeit, ist das schließlich eine ziemlich einfache und endgültige Art, Arbeitszeit zu sparen.“

Zarev ließ die Arme sinken und nickte erst in Richtung von Tyla, dann auf Auren.
„Wenn ihr euch eure TIEs mal genauer ansehen wollt, helf ich euch. Fragt mich einfach, ich renn euch aber deswegen nicht hinterher.“


Er sah zur Tür des Bereitschaftsraums. Noch konnten sie sich einen Augenblick Zeit lassen. Zarev lehnte sich an die Wand, prüfte vorsichtshalber deren Oberfläche mit einem Blick und fügte trocken hinzu.
„Meinen eigenen Schrotthaufen hab ich schließlich schon.“


Weitere Piloten fanden sich langsam vor dem Raum ein. Zarev bemerkte, wie die Gespräche um ihn herum nach und nach lauter wurden, bis schwere Schritte aus der anderen Richtung des Ganges sie unterbrachen. Er stieß sich von der Wand ab und stellte sich stramm hin.

Commander Hunter kam auf sie zu, begleitet von Captain Thorne und mehreren Männern der Schiffssicherheit. Ein weiterer Offizier in schwarzer Uniform ging bei ihnen.

Die Gespräche verstummten. Einige senkten den Blick. Zarev hielt den Kopf oben und blickte einfach gerade aus. Jetzt war er doch froh, den Schmierfleck entfernt zu haben. Das würde er den anderen allerdings nicht sagen, zumindest nicht sofort.

Als die Gruppe den Bereitschaftsraum betrat, folgte Zarev Auren und Tyla hinein. Die drei nahmen vorne am Rand Platz. Zarev ließ den Blick einmal durch den Raum gehen und wartete, während die Piloten der übrigen Staffeln dazu kamen.



[ Outer Rim – Eskortträger Absolution – Mannschaftsdeck – Bereitschaftsraum ]
Auren Hardlight, Tyla Le’el und Zarev Korrik, Commander Hunter, Captain Thorne und viele andere
 
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[ Outer Rim // Eskortträger Absolution // Mannschaftsdeck // Bereitschaftsraum ]
Tyla Le’el, Auren Hardlight, Zarev Korrik und NPCS (Commander Hunter, Captain Thorne, Captain Juncker uvm)

Tyla folgte den anderen beiden, die sich wie die größten Streber irgendwo vorne am Rand auf die Stühle setzten. Als sie sich niederließ, stellte sie sofort fest, dass ihrer bei jeder Bewegung unter ihrem Hintern knackte. Großartig. Selbst die Möbel waren aus der Zeit der Alten Republik. Sie rückte ihren Körper darauf trotzdem und unter gehöriger Lautstärke etwas bequemer. Der Musikspieler war verstaut, die Ohrhörer ebenfalls. Hardlight konnte entspannen. Wobei seine Warnung gar nicht so bescheuert war. Sie hatte sich das Teil gerade erst organisiert und gar keinen Bock, demnächst irgendeinem Penner dabei zuzusehen, wie er mit ihrem Gerät durch die Gänge spazierte. Beschlagnahmt für die Sicherheit. Wäre nicht das erste Mal gewesen. Sie war Deserteurin. Wie zum haarigen Noghriarsch sollte ihr ein Musikspieler dabei helfen? Die Sicherheit musste auf der Absolution erstaunlich oft mit Dingen versorgt werden, die eigentlich anderen Leuten gehörten.

Tyla nahm die Hand von der Tasche, bevor das noch die Aufmerksamkeit von jemandem erhaschte. Stattdessen beugte sie sich ein Stück zu Zarev.


„Auf dein Angebot komm‘ ich zurück. Hilf mir mal, ein Blick drauf zu werfen.“

Lieber so, als dass sie im All merkte, dass irgendwas fehlte. Damit war das aber auch geklärt. Der Öljunge hatte seine Hilfe angeboten. Warum sollte sie sowas ausschlagen?

Vor ihnen beschäftigte sich Captain Thorne inzwischen mit einer Projektionsanlage, die aufgrund seines antiken Status wahrscheinlich wieder verdammt wertvoll war, während Commander Hunter neben dem Pult stehen blieb und bedrohlich auf die Anwesenden runterblickte. Er sah von Pilot zu Pilot. Tyla hatte gerade ein verschmitztes Lächeln aufgesetzt, weil ihr aufgefallen war, dass der Mann erstaunlich viel Luft verbrauchte, als sie der Blick traf. Schnell wandelte sie das Lächeln in eine neutralere Mimik, hielt dem Blick aber stand. Juncker stellte sich unterdessen seitlich an die Wand, seine Jungs verteilten sich bei den Zugängen. Für eine Einsatzbesprechung gab es damit eine bemerkenswerte Menge Leute, deren Aufgabe gar nicht darin bestand, am Einsatz teilzunehmen. Zumindest nicht unmittelbar. Natürlich war am Ende irgendwie jeder auf diesem Kahn beteiligt. Aber diejenigen, die auf der Absolution blieben, hatten immerhin einen Schild.

Die Kiffar überkreuzte die Beine und wartete, bis das Gemurmel im Raum erstarb. Das geschah nicht etwa von selbst, sondern weil Thorn plötzlich mit der Faust auf das Pult schlug.


„Die Gespräche sind beendet. Aufmerksamkeit nach vorn.“

Tyla hatte beidem schon voreilige Gehorsam geleistet. Jemand sollte ihr einen Orden anhängen.
Über dem Projektor erschien eine Raumkarte mit mehreren Systemmarkierungen, Verbindungslinien und einem hervorgehobenen Zielgebiet. Die Strafpilotin folgte der markantesten Linie mit den Augen, bis Hunter das Wort ergriff.


„Die Eingreifgruppe befindet sich auf dem Weg zum Black-Widow-Nebula. In den vergangenen Wochen wurden wiederholt Transporte und Einrichtungen in den imperialen Systemen rund um Kessel angegriffen. Die Angreifer ziehen sich nach den Überfällen zurück. Die vorliegenden Meldungen weisen auf Aktivitäten im Bereich dieses Nebels hin. Wir vermuten dort einen Rückzugs- und Sammelpunkt für diese Piraten. Unser Auftrag wird sein, die Aktivitäten aufzuklären, die Verantwortlichen der imperialen Gerechtigkeit zuzuführen und weitere Überfälle zu unterbinden.“

Bei Kessel blieb Tylas Blick für einen längeren Moment an der Karte hängen. Ach, schön mal wieder zuhause zu sein. Da konnte man ja fast im Strahl kotzen. Transporte und Einrichtungen gehörten also geschützt. Bei dem, was das Imperium auf diesem Drecksbrocken für schützenswert hielt, hätte sie so einige Ergänzungen gehabt, nur gehörten die nicht in diesen Raum. Und ganz bestimmt nicht vor Juncker. Sie wollte ihren Musikspieler wirklich, wirklich behalten.

Hunter erläuterte weiter, dass die Gruppe zunächst einen vorgesehenen Bereitschaftsraum außerhalb des Nebels anlaufen und von dort aus die gemeldeten Anflugvektoren aufklären würde. Eine bestätigte Piratenbasis gab es ebenso wenig wie eine verlässliche Angabe über die Zahl und Art der Schiffe.


„Yey. Großartig“, flüsterte Tyla und lehnte sich zurück, nur um sich mehrere böse Blicke der Führungsriege einzufangen. Verdammt, die konnten aber auch alle böse gucken. Thorne war der erste, der den Blick löste, vor die Projektion trat und die Darstellung wechselte.

„Für die Mynocks ist zunächst bewaffnete Aufklärung vorgesehen. Rotte zwei, drei und vier überprüfen die zugewiesenen Suchabschnitte. Die erste Rotte sichert den Nahbereich der Absolution und die Rückwege.“

Es folgte eine Auflistung der Suchabschnitte der übrigen Staffeln sowie der Bereitschaft.

„Die endgültigen Startfolgen erhalten Sie nach dem Austritt aus dem Hyperraum. Bis dahin bleiben Sie abrufbereit.“

Tyla sah auf die beiden markierten Suchbereiche für die Mynocks und prägte sie sich ein. Zum Abschluss übernahm Juncker noch die Belehrung über aufgezeichnete Funkgespräche, unerlaubte Kontakte und die Folgen einer Befehlsverweigerung. Spaßverderber. Natürlich bekam auch der Mann seinen Auftritt. Sonst wäre er ja umsonst hier. Sie hörte sich sein Geschwafel darüber an, dass dies ein militärischer Einsatz und keine Gelegenheit zur Regelung persönlicher Angelegenheiten sei, ohne eine Miene zu verziehen. Mit der letzten Regelung Staffelinterner Konflikte hatte sie kaum etwas zu tun gehabt. Was konnte sie dafür, wenn zwei Idioten ihre Solarflügel nicht bei sich halten konnten? Dafür saßen sie ja auch nun in der Brigg. Als Thorne schließlich die Vorflugkontrollen anordnete und die Besprechung beendete, stand sie auf und richtete sich an Zarev.

„Dann nehme ich deine Hilfe lieber vor dem Start.“

Sie verzog das Gesicht.

„Wenn ich schon nach Piraten suchen soll, dann muss ich nicht auch noch nach lockeren Teilen im Cockpit Ausschau halten.“

Danach sah sie zu Auren.

„Und du bekommst deinen Einsatz. Ein toller Tag für Jedermann.“

Ihre gute Laune war noch nicht vollständig weg. Nur brauchte sie vor dem nächsten Refrain erst einmal einen Jäger, der etwas stabiler war als dieser Stuhl.


[ Outer Rim // Eskortträger Absolution // Mannschaftsdeck // vor dem Bereitschaftsraum ]
Tyla Le’el, Auren Hardlight, Zarev Korrik und NPCS (Commander Hunter, Captain Thorne, Captain Juncker uvm)
 
| Mittlerer Rand – Hyperraum – Fedje → Garqi – an Bord der Quiet Wager | Craton Minara |​


Das blaue Flimmern des Hyperraums zog lautlos an den Cockpitscheiben vorbei. Fedje lag hinter ihm, Garqi vor ihm. Und irgendwo hinter einer geschlossenen Abdeckung der Kommunikationsanlage saß ein kleines schwarzes Stück Technik, das dort definitiv nicht hingehörte. Cratons Blick wanderte zum wiederholten Mal dorthin. Die Abdeckung blieb geschlossen. Das Modul hatte sich seit der Nachricht nicht wieder gerührt. Seine improvisierte Überwachung meldete weder einen weiteren Datenburst noch irgendeine erkennbare Aktivität. Nichts, schweigen. Was den Mirialaner inzwischen beinahe mehr störte als die Nachricht selbst.
„Gezählt.“
Seine Finger trommelten gegen die Armlehne.
„Gewogen.“
Eine kleine Pause.
„Ausreichend.“
Sein Mund verzog sich.
„Sleemos.“

Achtzehn Sturmtruppen, eine erfundene Identität, ein nicht existierender Jedi, eine brennende Scheune. Und irgendwo hatte jemand zugesehen und anschließend entschieden, dass das alles gerade eben ausreichend gewesen war. Craton konnte noch immer nicht entscheiden, ob ihn das mehr beleidigte oder interessierte. Vermutlich beides, das war das eigentliche Problem. Er hätte das Modul entfernen können, hatte er nicht. Stattdessen saß es wieder an seinem Platz und durfte tun, wofür auch immer seine Erbauer es vorgesehen hatten. Nur dass der ehemalige Schmuggler jetzt wusste, wo es war, das veränderte die Sache. Beobachtung funktionierte schließlich in beide Richtungen, wenn man geduldig genug war. Craton lehnte den Kopf gegen die Kopfstütze und betrachtete das blaue Licht vor sich.
„Na schön.“
Sein Blick glitt noch einmal zur Kommunikationskonsole.
„Ihr wollt sehen, was ich mache.“
Das Grinsen kehrte langsam zurück.
„Dann schaut gut hin.“

Die nächsten Sprünge verliefen erfreulich ereignislos. Garqi, Borosk, Orinda. Sterne wurden zu Linien, Linien wieder zu Sternen. Der Navcomputer berechnete neue Vektoren, die Quiet Wager hinterließ ihre Kennung an genau den Stellen, an denen sie sie hinterlassen sollte, und der Weg, den das kleine Scoutschiff nahm, begann zunehmend wie das auszusehen, was später einmal jemand in einem Protokoll lesen sollte. Eine Reise aus imperialem Raum, in Richtung Front. Langweilig genug, dass niemand genauer hinsah. Craton nutzte die Stunden dazwischen. Schlafen hatte er längst getan, eduscht ebenfalls. Also blieb irgendwann nur noch die Frage, wie man aussah, wenn man offiziell dort auftauchte, wo man inoffiziell bereits gewesen war. Vor dem letzten längeren Sprung legte der Mirialaner seine Ausrüstung auf der schmalen Koje aus. Die leichte Rüstung zuerst, schwarzes und anthrazitfarbenes Gewebe, Armoreweave, der segmentierte Brustschutz aus Plastoid darüber. Armschienen, leichte Panzerung an den Beinen. Nichts davon machte ihn zum laufenden Bunker, das war auch nicht der Sinn. Wenn er einen Treffer vermeiden konnte, war das immer noch besser als herauszufinden, wie gut die Panzerung ihn vertrug. Der asymmetrische Mantel kam zuletzt über eine Schulter. Dunkler Stoff außen, dunkelrotes Futter darunter. Gerade genug, um nicht mehr nach Schmuggler auszusehen. Nicht genug, um zu vergessen, dass darunter immer noch einer steckte. Dann die Waffen, der A-180 glitt in sein Holster. Craton zog ihn einmal wieder heraus, sauberer Weg. Nichts blieb am Mantel hängen, wieder zurück ins Holster. Skorpion, kam auf die andere Seite, der Griff des alten Lichtschwertes saß vertraut am Gürtel. Nicht elegant, nicht neu. Nicht seines, weil jemand es für ihn angefertigt hatte, seines, weil jemand anderes es nicht mehr brauchte. Das hatte einen gewissen Charme. Dann die Messer, zwei sichtbar, der Rest nicht. Eine Klinge an der Innenseite des Unterarms, eine weiter hinten am Gürtel. Eine dort, wo seine linke Hand sie erreichen konnte, ohne den Blaster loslassen zu müssen. Und inzwischen dachte der Mirialaner nicht mehr nur daran, ob seine Hände sie erreichen konnten. Eine Klinge musste nicht in seiner Hand liegen, um nützlich zu sein. Craton trat einen Schritt zurück und betrachtete sich im Spiegel. Blaster, Lichtschwert, Messer. Mehrere Antworten auf mehrere verschiedene Probleme. Dann fiel sein Blick auf den Helm, der lag noch immer auf der Koje. Der Mirialaner betrachtete ihn, lange, sehr lange.

„Nein.“
Er wandte sich ab, zwei Schritte, dann blieb er stehen. Aktives Kriegsgebiet, Sternenzerstörer, Jäger, Dekompression, explodierende Dinge. Der Mirialaner schloss für einen Augenblick die Augen.
„Fierfek.“
Er nahm den Helm wieder auf, hakte ihn versuchsweise an den Gürtel. Zu weit links störte er den Blaster, u weit rechts Skorpion. Hinten schlug er ihm beim Gehen gegen den Oberschenkel. Craton sah sein Spiegelbild an.
„Natürlich.“
Er versetzte die Halterung noch einmal, besser, nicht gut, aber besser. Zur Not würde er das verdammte Ding eben unter den Arm nehmen. Der Helm war schließlich keine Reliquie, nur etwas, das verhindern sollte, dass einem im falschen Moment die Luft ausging.

Ord Mantell erschien und verschwand wieder. Dann blieb nur noch ein letzter Sprung, Agriworld-2079. Craton saß wieder im Pilotensitz, vollständig ausgerüstet. Der Helm hing noch immer hinten am Gürtel und nervte ihn bereits, obwohl er sich kaum bewegt hatte. Sein Blick ging kurz zur Kommunikationsanlage, das schwarze Modul blieb still. Keine Glückwünsche, keine weitere Bewertung, kein verdammtes ausreichend. Der Navcomputer meldete Bereitschaft. Craton legte die Hand auf den Hyperraumhebel.

„Na dann.“
Er zog, die Sterne wurden zu Linien.


| Mittlerer Rand – M'shinni-Sektor – Agriworld-2079 – Rand des imperialen Flottenverbandes | Dopa Maskey |​
 
[ Outer Rim – Eskortträger Absolution – Mannschaftsdeck – Bereitschaftsraum ]
Auren Hardlight, Tyla Le’el, Zarev Korrik, Commander Hunter, Captain Thorne, Captain Juncker und weitere Anwesende


Auren lehnte sich etwas zurück und betrachtete die Karte über dem Projektor. Kessel lag ziemlich in der Nähe und der Einsatz stand somit mehr oder weniger unmittelbar bevor. Zum ersten Mal an diesem Tag lächelte er leicht. Ein paar Abschüsse dort draußen und ein guter Bericht von Thorne konnten einiges verändern. Man würde sehen, dass er hier verschwendet wurde. Dass er in eine vernünftige Staffel gehörte, in eine Maschine, die seinem Können entsprach. Und diesmal würde er dafür weder seine scheiß Familie noch deren Kontakte brauchen. Sein Vater konnte sich seine Beziehungen sonst wohin stecken.

Bewaffnete Aufklärung. Auren folgte den markierten Suchabschnitten mit den Augen und prägte sich den ihrer Rotte ein. Der Begriff konnte vieles bedeuten. Vielleicht fanden sie überhaupt nichts. Vielleicht gerieten sie an ein paar zusammengeschusterte Jäger, deren Piloten bislang nur unbewaffnete Frachter eingeschüchtert hatten. Oder im Nebel wartete etwas, das selbst ein Commander Hunter lieber vorher gekannt hätte. Verlässliche Angaben gab es jedenfalls nicht. Er würde wachsam bleiben müssen. Sich abschießen zu lassen, bevor jemand seine Leistung würdigen konnte, kam nicht infrage.


Junckers Belehrung hörte er sich schweigend an. Bei den Ausführungen über persönliche Angelegenheiten presste er kurz die Lippen aufeinander. Als hätte man ihnen hier sonst besonders viel zu bieten. Schließlich beendete Thorne die Besprechung, und Auren erhob sich vergleichsweise schwungvoll zwischen den knarrenden Stühlen. Tylas Bemerkung quittierte er diesmal mit einem schmalen Lächeln.

"Und ob das ein guter Tag ist. Wenn wir uns gut schlagen, könnte das unser letzter Einsatz in dieser Staffel sein."

Er sagte es mit einer Selbstverständlichkeit, die keinen Zweifel daran ließ, dass er diese Möglichkeit ernst nahm und kaum eine andere Option in Betracht zog. Natürlich würde man sie nicht direkt nach der Landung versetzen. Berichte mussten geschrieben und Entscheidungen getroffen werden. Aber irgendwo musste es ja anfangen. Vor dem Bereitschaftsraum wandte er sich Zarev zu. Dessen Bemerkung über seinen großkotzigen Ton hatte natürlich nicht vergessen. Der Arkanier hatte kaum den Dreck aus dem Gesicht gewischt und sich schon bemüßigt gefühlt, ihm Umgangsformen beizubringen. Aber er schluckte den Drang herunter, dem anderen Piloten die passende Retourkutsche zu präsentieren.

"Dem schließe ich mich an. Meine Schubregelung meldet immer wieder eine Störung, und die Maschine zieht nach Backbord. Die Wartung hält Gegensteuern für eine ausreichende Lösung."

Zumindest war dies das schwerwiegendste Problem, mit dem Auren zu kämpfen hatte. Er verzog den Mund beim Gedanken an das Wartungspersonal und blickte zwischen seinen beiden Piloten hin und her.

"Wenn unsere Maschinen besser laufen als die vom Rest, können wir uns da draußen auch positiv hervortun"

Er sprach schon wieder von ihnen, dachte dabei aber vor allem an sich, auch wenn er natürlich versuchte, die beiden auf das einzustimmen, was vor ihnen lag. Die beiden sollten ihre Maschinen auf Linie halten, ihm den Rücken freihalten und der Rotte eine ordentliche Leistung ermöglichen. Ob sie danach ebenfalls versetzt wurden oder noch jahrelang auf diesem Schrotthaufen festsaßen, war ihm ziemlich gleichgültig. Auf dem Versetzungsbefehl musste sein Name stehen. Für ihre eigenen konnten sie dann selbst sorgen.

[ Outer Rim – Eskortträger Absolution – Mannschaftsdeck – vor dem Bereitschaftsraum ]
Auren Hardlight, Tyla Le’el und Zarev Korrik
 
[ Outer Rim – Eskortträger Absolution – Mannschaftsdeck – Bereitschaftsraum ]
Zarev Korrik, Auren Hardlight, Tyla Le’el und weitere Anwesende


Als Tyla sich zu ihm beugte, neigte Zarev den Kopf ein wenig nach rechts und sah sie seitlich an. Bei ihren Worten hob sich ein Mundwinkel.

„Machen wir“, antwortete er so leise, dass es gerade bis zu ihr reichen sollte.

Ein kurzes Nicken folgte, dann richtete er seine Aufmerksamkeit wieder nach vorn. Tyla rückte auf ihrem knarrenden Stuhl herum. Zarev blieb vorsichtshalber ruhig sitzen. Wenn die Sitzgelegenheit unter ihm zusammenbrach, wollte er wenigstens behaupten können, sie ordnungsgemäß benutzt zu haben.

Der Schlag auf das Pult beendete das Gemurmel im Raum. Über der Projektionsanlage erschien eine Karte, und Zarev folgte den markierten Verbindungslinien mit den Augen. Piraten in der Umgebung von Kessel, ein vermuteter Rückzugsort im Black-Widow-Nebula und erstaunlich wenig Gewissheit darüber, was dort tatsächlich auf sie wartete. Er prägte sich den Suchabschnitt ihrer Rotte ein und betrachtete anschließend die vorgesehenen Rückwege zur Absolution.

Mit seinem Jäger hätte er sich wohl besser etwas früher beschäftigen sollen. Was solls, jetzt blieb ihm immerhin noch die Zeit bis zum Start. Ein paar erfolgreiche Einsätze, brauchbare Berichte und etwas weniger Ärger mit den Vorgesetzten konnten ihn vielleicht wieder in eine reguläre Einheit bringen. Fliegen konnte er schließlich. Daran hatte seine Degradierung nichts geändert.

Was er danach machen würde, wusste er noch nicht. Vielleicht blieb er im Cockpit. Vielleicht fand sich auch eine Möglichkeit, ganz zur Technik zu wechseln. Dort hätte er wenigstens häufiger Maschinen vor sich, deren Probleme sich mit Werkzeug lösen ließen. Bevor er sich darüber ernsthaft Gedanken machte, musste er allerdings erst von diesem Träger herunterkommen, ohne dabei durch eine Hangaröffnung ins Vakuum zu verschwinden.

Junckers Ausführungen über Funkaufzeichnungen, unerlaubte Kontakte und Befehlsverweigerung hörte er schweigend an. Eine Gelegenheit, seine Akte noch umfangreicher zu machen, brauchte er wirklich nicht.


Als die Besprechung beendet war, erhob er sich und trat mit den anderen beiden wieder auf den Gang. Tyla nahm sein Angebot erneut auf. Bei ihrer Bemerkung über lose Teile im Cockpit nickte er.


„Sehen wir uns gleich an. Wenn da draußen etwas was herumfliegt, sollte es wenigstens nicht aus deinem eigenen Jäger kommen.“

Aurens Antwort auf ihre Bemerkung über den bevorstehenden Einsatz ließ ihn den Kopf drehen. Zarev betrachtete ihn einen Moment, dann erschien wieder das schiefe Grinsen.

„Unser letzter Einsatz hier? Bei den Kisten würde ich das vorsichtiger formulieren, Hardlight.“ sagte Zarev mit leicht belustigtem Unternton.

Grundsätzlich war der Gedanke gar nicht schlecht. Natürlich wollte auch Zarev beweisen, dass er mehr wert war als ein dauerhafter Platz in dieser Staffel. Ob ein einziger Einsatz dafür ausreichen würde, bezweifelte er allerdings. Das Imperium hatte ihn wegen gestohlener Ersatzteile hierhergeschickt. Ein paar abgeschossene Piraten machten die verschwundenen Baugruppen vermutlich nicht wieder vollständig.

Als Auren die Störung seiner Schubregelung und den Drall nach Backbord beschrieb, wurde Zarevs Ausdruck aufmerksamer. Er zog ein kleines, an den Kanten abgewetztes Datapad aus der Tasche seines Overalls und öffnete seine Notizen. Mit dem Daumen trug er Aurens Beschwerden unter dessen Namen ein.


„Gegensteuerproblem“, wiederholte er leise und verzog den Mund.
Er ergänzte eine kurze Erinnerung an den Wartungsbericht. Solche Dinge schrieb er sich lieber auf. Zwischen zwei Maschinen, einem fehlenden Werkzeug und irgendeinem Idioten, der ihn von der Seite anredete, war schnell etwas vergessen.


„Kann sein, dass die Regelung falsche Werte bekommt und deswegen gegensteuert. Oder der Schub wird ungleichmäßig umgesetzt. Ich will erst die Fehlermeldungen sehen, bevor ich dir irgendeinen Blödsinn erzähle.“ Er blickte vom Display auf. „Überleg dir schon mal, ob sie ständig zieht oder vor allem beim Beschleunigen. Das hilft beim Eingrenzen.“

Auch Tylas Namen setzte er auf die Liste. Bei ihr stand zunächst nur eine allgemeine Kontrolle. Vielleicht war tatsächlich nichts weiter nötig, als nach lockeren Befestigungen und offensichtlichen Auffälligkeiten zu sehen. Das würde er lieber zuerst erledigen, bevor er sich in Aurens wiederkehrender Störung festbiss.

„Ich schau zuerst mit Le’el durch ihre Maschine. Danach nehmen wir uns deine sofort vor. Wenn eure TIEs so sauberer wie möglich laufen, hab ich da draußen schließlich auch was davon.“

Er steckte das Datapad wieder ein. Eine Rotte, die wegen ihrer eigenen Maschinen auseinanderfiel, konnte ihm schlecht den Rücken freihalten. Zarev hatte keine Lust, zwischen Piratenjägern festzustellen, dass einer seiner beiden Kameraden gerade mit einer ausgefallenen Steuerung beschäftigt war.

Bei ihren Maschinen würden sich vermutlich ohnehin einige brauchbare Provisorien finden lassen. Wenn eine Lösung zuverlässig funktionierte, konnte sie bis zur nächsten vernünftigen Instandsetzung bleiben. Und wenn sie gelegentlich geprüft oder nachgestellt werden musste, wussten die beiden künftig, wen sie fragen konnten. Verlässliche technische Hilfe machte einen an Bord wertvoll. Er würde ihnen dafür keinen zusätzlichen Fehler einbauen; er wollte schließlich neben ihnen fliegen und heil zurückkommen.


„Treffen wir uns im Hangar. Ich hol mein Werkzeug und zieh mich um. Den sauberen Overall ruinier ich mir heute nicht auch noch.“

Zarev verabschiedete sich mit einem kurzen Heben der Hand und machte sich auf den Weg zu seinem Quartier. Dort zog er den Dienstoverall aus und griff wieder nach dem verschmutzten, den er vor der Besprechung abgelegt hatte. Der war für die nächsten Stunden genau richtig. Er öffnete das verschlossene Fach mit seinem privaten Werkzeug und prüfte den Inhalt, bevor er die Tasche herausnahm. Auf diesem Schiff gewöhnte man sich besser an, nachzuzählen.

Handschuhe, Leuchte, Prüfgerät und die Werkzeuge, die er für eine erste Kontrolle brauchen würde. Er ging die Auswahl noch einmal durch, nahm das kleine Datapad dazu und verschloss das Fach wieder.

Auf dem Weg zum Hangar beschäftigte ihn bereits Aurens Beschreibung. Wiederkehrende Meldung, Drall nach Backbord, Gegensteuern als angebliche Lösung. Er wollte wissen, was die Wartung tatsächlich geprüft hatte. Vielleicht fand sich im Bericht sogar etwas Nützliches zwischen den üblichen Bemerkungen darüber, dass die Maschine einsatzfähig sei.

Als er den Hangar betrat, sah er über die abgestellten TIEs hinweg und suchte nach den Maschinen seiner Rotte. Seine Schritte wurden etwas schneller. Jetzt hatte er wenigstens eine Aufgabe, auf die er sich freute. Er würde mal außen an den TIEs alle abchecken bis die anderen zwei da waren. Er wollte sich nicht einfach so an den Jägern der anderen zwei zu schaffen machen.



[ Outer Rim – Eskortträger Absolution – Hangar ]
Zarev Korrik
 
[ Outer Rim // Eskortträger Absolution // Mannschaftsdeck // vor dem Bereitschaftsraum ]
Tyla Le’el, Auren Hardlight, Zarev Korrik und NPCS (Commander Hunter, Captain Thorne, Captain Juncker uvm)

Tyla sah Auren einen Moment lang an. Ein Einsatz, ein paar Piraten weniger und dann war man hier raus? Jo. Hätte ihr das mal jemand früher gesagt. Dann hätte sie sich sogar Mühe gegeben. Dass er es tatsächlich ernst zu meinen schien, machte die Sache allerdings weniger lustig. Die Kiffar schob ihre Hände in die Taschen und verlagerte ihr Gewicht auf das andere Bein. Lebte er in einer Traumwelt? Und selbst wenn, dann galt das vielleicht für ihn. Ihr würde man in diesem Leben keinen Sitz mehr anvertrauen, hinter dem ein Hyperraumantrieb festgeschraubt war. Und mit diesen Aussichten war sie schon froh, wenn sie nach einem Einsatz in den Hangar zurückkehrte. Also beließ sie Aurens Aussage zunächst unkommentiert, nahm sich jedoch vor, sein weiteres Verhalten zu beobachten. Ein motivierter Rottenführer würde sie am leben erhalten. Ein übermotivierter bedeutete vielleicht einen Tod ohne Leiche, die ihre Eltern beerdigen konnten.

Vor ihrem inneren Auge tauchte die glatte Marmorwand von Ord Mantell auf, auf der man die Namen der Gefallenen des Siebenhundertachzigsten eingraviert hatte. Siebenundsechzig Namen. Aus dem Geschwader hatten nur eine Hand voll Piloten überlebt. Irgendwann waren sie alle dran. Das Einzige, was man tun konnte, war vor dieser Wahrheit davonzurennen, auf die eine oder andere Weise. Zarevs Bemerkung traf es ziemlich auf den Punkt. Der nächste Einsatz konnte tatsächlich der letzte sein.

Ihre Gedanken waren während die beiden anderen Piloten über die technischen Probleme ihrer Jäger schwadronierten weiterhin abgedriftet. Erst als der Öljunge ihren Namen erwähnte, kehrte sie ins Hier und Jetzt zurück. Sie nickte bei seiner angekündigten Reihenfolge und hob schon Abschied kurz zwei Finger.


„Ich versuch‘ solange auch nichts kaputtzumachen.“

Als der Arkanier sich auf den Weg machte, zog Tyla die andere Hand auch wieder aus der Tasche und sah zu Auren.

„Ich geh‘ schon runter.“

Sie machte einen Schritt, drehte sich dann aber doch noch einmal zu ihm um.

„Hör mal. Ich halt‘ euch da draußen den Rücken frei. Aber mach‘ keine unüberlegte ... Bei … Heldenscheiße bin ich raus.“

Selbstmord war einfach nicht ihr Ding. Die Kiffar schob sich die Hörer zurück in die Ohren, ließ eine Augenbraue tanzen und begab sich in Richtung Hangar.
Bei ihrem eigenen Jäger hatte sie keine Störung wie die anderen beiden zu melden. Was natürlich weder bedeutete, dass keine vorhanden war, noch dass sie sich deshalb auf irgendeine Unterschrift eines Wartungstechnikers verlassen musste. Einsatzfähig war in dieser Einheit ohnehin ein erstaunlich dehnbarer Begriff.

Im Hangar war es lauter, heller und voller Leute, die tatsächlich arbeiteten. Tyla blieb am Eingang kurz stehen, ließ ihren Blick über die aufgehängten und abgestellten Maschinen wandern und suchte nach ihrem zugewiesenen TIE. Und da war er ja auch. Ihr ganz persönlicher Beitrag zum imperialen Weltraumschrott. Es war keine Schönheit. Insgesamt hatte sie aber auch schon schlechtere Maschinen gesehen. Ob das jetzt beruhigend war, durfte jeder für sich entscheiden. Zwischen den Arbeitsbereichen der Techniker hielt sie sich aus dem Weg. Über eine Leiter musste sie auf einen der Stege hochklettern. Am Boden waren die offensichtlich wartungsbedürftigen Jäger abgestellt, während sich in der Steg-Aufhängung jene befanden, die laut Wartungsbericht einwandfrei waren.

Oben angelangt nahm sie ein Datenpad aus einer der seitlichen Register und rief sich den Bericht ihres Jägers auf. Er begann mit einer Beanstandung der Steuerbord-Triebwerksregelung. Bei schnellen Belastungswechseln war die Reaktion verzögert. War das neu? Tyla zog eine Augenbraue hoch und scrollte zur durchgeführten Maßnahme. Kontakte gereinigt. Anschließender Prüflauf unter gleichmäßiger Last ohne Auffälligkeiten.

Jo!

Ein Beschleunigungsproblem war natürlich kein Problem, wenn man im Testlauf nicht beschleunigte. Sie las die Zeilen noch einmal. Darunter stand die Empfehlung, bis zur nächsten Instandsetzung abrupte Lastwechsel zu vermeiden.

Abrupte Manöver vermeiden? In einem Raumüberlegenheitsjäger. Ne. Klar.


„Dürfen die Piraten wohl nicht so hektisch fliegen“, stammelte sie vor sich hin, während sie zum nächsten Eintrag scrollte. Cockpitverglasung: Feine Rissbildung am äußeren Rand. Seit der letzten Kontrolle aber nicht weitergewachsen. Na der Imperatorin sei Dank. Der Austausch wurde zurückgestellt, da die Dichtigkeitsprüfung bestanden wurde. Ein Vermerk gab zudem an, dass der Lagerbestand auf null war. Hervorragend. Tyla nahm unterdessen ihre Ohrhörer raus und beugte sich näher an die markierte Stelle auf dem Datenpad, vergrößerte sie und sah anschließend zu ihrem Jäger runter. Vom Platz auf dem Steg konnte sie die Transparistahlverglasung ihrer Cockpitkugel nicht vernünftig erkennen. Musste sie wohl gleich von innen checken. Ganz wohl würde sie sich jedoch nicht dabei fühlen, sich damit zufriedengeben, dass irgendeiner einen Kreis auf ein Bild gemalt und anschließend beschlossen hatte, der Kreis war klein genug.

Der nächste Punkt: Die Kühlung arbeitete bei längerer Belastung eingeschränkt, eine Temperaturwarnung hatte sich beim letzten Prüflauf zurücksetzen lassen. Hä? War das nicht normal? Tyla verzog den Mund und scrollte weiter. Am Ende der Auflistung stand eine Freigabe mit Datum, Dienstkennung und Unterschrift. Darunter, sauber hervorgehoben: FLUGBEREIT.

Na. Danke. Klar, man.

Irgendwie bekam man diese Kisten immer aus dem Hangar. Ob sie anschließend wieder zurückkehrte, war dann offenbar ihr Zuständigkeitsbereich. Sie schaltete die Musik von X.A. aus und zog schließlich auch den zweiten Hörer raus. Für den Moment war ihr der Refrain vergangen. Ohne die Musik hörte sich das Arbeiten im Hangar noch geschäftiger an.

Unten auf dem Hangarboden erkannte sie auch bereits Zarev.


„Ey! Öljunge!“, schrie sie herunter.

„Gibt doch was, wo du mal deine weißen Glubscher raufwerfen kannst.“

Mit einem lässigen Wink deutete sie ihm, hoch zu kommen, soweit er Zeit dafür fand. Besser schnell. Wo kein Öl lag, konnte er ja rennen.

[ Outer Rim // Eskortträger Absolution // Hangar // auf einem Steg ]
Tyla Le’el, Zarev Korrik und NPCS
 
[ Outer Rim – Eskortträger Absolution – Mannschaftsdeck – vor dem Bereitschaftsraum ]
Auren Hardlight und Tyla Le’el


Auren sah Tyla einen Moment lang an. Bei Heldenscheiße war sie also raus. Natürlich, was auch sonst? Sobald es gefährlich wurde, wollte sie selbst entscheiden, welche Befehle ihr noch zusagten. Er presste die Zunge gegen die Innenseite seiner Wange und verkniff sich eine Antwort. Für einen Streit war jetzt ein denkbar schlechter Zeitpunkt. In Kürze würde er darauf angewiesen sein, dass sie hinter ihm blieb und nicht wieder das Weite suchte. Sie war eine Fahnenflüchtige. Eigentlich hätte man jemanden wie sie an die Wand stellen müssen. Der Gedanke kam ihm leicht, obwohl er sie sogar irgendwie mochte. Sie hatte wenigstens noch etwas Leben in sich, im Gegensatz zu den abgestumpften Gestalten, mit denen sie hier die Gänge teilten. Aber wo war ihre verdammte Selbstachtung? Niemand hatte sie gezwungen, Pilotin zu werden. Sie hatte sich dafür entschieden, die Ausbildung bestanden und war offenbar auch noch gut gewesen. Ziemlich gut, wenn man den Einschätzungen glauben durfte. Warum war sie dann weggerannt? Um hier zu landen und zu katzbuckeln, wo ihre Überlebenschancen mit jedem weiteren Einsatz weiter sinken würden?

Er nickte lediglich in Richtung Hangar.


"Wir sehen uns dann unten"

Während die beiden gingen, blieb er noch einen Augenblick stehen. Dann schlug er den Weg zu seinem Quartier ein. Er wollte seine Ausrüstung holen und nochmal den Wartungsbericht aufrufen, damit Korrik etwas Brauchbares vor sich hatte. Vielleicht konnte der Arkanier tatsächlich etwas ausrichten. Es wäre angenehm gewesen, sich wenigstens auf die Richtung verlassen zu können, in die seine Maschine flog.

An der nächsten Abzweigung trat ihm ein Soldat der Schiffssicherheit in den Weg. Auren verlangsamte seine Schritte. Ein zweiter stand an der gegenüberliegenden Wand, und als er sich umdrehte, sah er
Captain Juncker hinter sich näher kommen. Der Mann hatte die Hände auf dem Rücken verschränkt. Auren richtete sich unwillkürlich etwas gerader auf.

"Captain?"

Juncker
blieb vor ihm stehen und hielt eine kleine Ampulle zwischen Daumen und Zeigefinger hoch. Am Glas hafteten helle Rückstände.

"Aus einer der Nasszellen"

Auren betrachtete das Behältnis eine Spur zu lange. Er zwang seinen Blick zurück in Junckers Gesicht. In seiner Tasche steckte sein eigener Vorrat. Ob die Ampulle von ihm war, konnte er auf Anhieb nicht einmal sagen. In diesem Moment schien das allerdings auch niemanden besonders zu interessieren.

"Und was habe ich damit zu tun?"

Er hatte die Frage ruhig stellen wollen. Sie klang beinahe gelangweilt, und für einen kurzen Augenblick war er mit sich zufrieden.

Junckers Faust traf ihn in den Bauch. Die Luft entwich ihm mit einem hässlichen Laut. Auren klappte nach vorn, griff ins Leere und bekam erst beim zweiten Versuch den Ärmel des Soldaten neben sich zu fassen. Der Mann schüttelte seine Hand ab und stieß ihn zurück gegen die Wand. Auren öffnete den Mund, aber der nächste Atemzug wollte nicht kommen. Unter seinem Brustbein zog sich alles schmerzhaft zusammen.


"Halten Sie mich nicht für dumm, Hardlight. Sie sind der einzige Pilot hier, der wegen seines Drogenkonsums strafversetzt wurde."

Juncker stand noch immer dicht vor ihm. Die Ampulle war in einer seiner Taschen verschwunden.

"Ein Einsatz, ein paar abgeschossene Piraten, und dann geht es zurück in eine anständige Einheit. Glauben Sie das?"

Auren hob den Kopf. Dass der Mann aussprach, was er sich eben noch so mühelos ausgemalt hatte, traf ihn beinahe ebenso unangenehm wie der Schlag. Er versuchte, sich aufzurichten. Sein Bauch ließ es nicht zu.

"Sie können sich noch so sehr anstrengen. Der kommende Einsatz ändert gar nichts, solange Sie ein degenerierter Junkie bleiben. Ein Muttersöhnchen, das sich seinen Vorgesetzten und seinen Einsätzen nur im Drogenrausch stellen kann."

Auren starrte ihn an. Hitze stieg ihm ins Gesicht, während er endlich einen flachen, pfeifenden Atemzug zustande brachte. Fick dich, Juncker. Die Worte lagen ihm so deutlich auf der Zunge, dass er bereits die Lippen bewegte.

"F…"

Juncker neigte den Kopf. Auren biss die Zähne zusammen. Neben ihm verlagerte einer der Soldaten sein Gewicht. Er sah den Schlag schon kommen, sah sich mit blutigem Gesicht in einer Arrestzelle sitzen, während ein anderer für den kommenden Einsatz seinen Jäger übernahm. Er schluckte den Rest herunter. Das machte es nicht besser. Jetzt hatte dieser Bastard auch noch gesehen, wie er zurückwich.

Seine Knie gaben nach. Mit einer Schulter gegen die Wand gepresst rutschte er hinunter, bis er auf den Deckplatten saß. Eine Hand hielt er vor den Bauch, die andere stützte er neben sich auf. Er konnte die Stiefel der drei Männer sehen und zwang sich, wieder aufzublicken. Einer der Soldaten beugte sich zu ihm herunter. Sein Blick fiel auf die schmale goldene Kette, die Auren beim Zusammensacken aus dem Kragen gerutscht war. Er beugte sich herunter, hakte zwei Finger darunter und riss daran. Auren zuckte nach vorn. Das Edelmetall schnitt ihm kurz in den Nacken, dann gab der Verschluss nach. Juncker streckte seine Hand aus, ehe die Kette in seiner Tasche verschwand. Auren öffnete den Mund, doch sein Blick blieb an Juncker hängen. Der strich lediglich seinen Uniformärmel glatt.


"Beim nächsten Fund landen Sie in der Arrestzelle. Haben wir uns verstanden?"

Auren blieb an die Wand gelehnt sitzen, eine Hand am schmerzenden Bauch. Mit der anderen tastete er nach der brennenden Stelle an seinem Hals. Er sagte nichts und brachte ein knappes Nicken zustande. Juncker ließ ihn noch einen Moment sitzen, dann wandte er sich endgültig ab. Die Soldaten folgten ihm. Keiner von ihnen schien es eilig zu haben. Auren blieb an die Wand gelehnt auf dem Boden zurück. Er wartete, bis die Schritte verklungen waren, und zog vorsichtig Luft durch die Nase. Sein Bauch schmerzte bei jedem Atemzug. Noch schlimmer war aber, dass er den Mund gehalten hatte.


[ Outer Rim – Eskortträger Absolution – Mannschaftsdeck – Seitengang ]
Auren Hardlight
 
[ Outer Rim – Eskortträger Absolution – Hangar ] Zarev Korrik und Tyla Le’el


Zarev hatte gerade die Werkzeugtasche auf seiner Schulter zurechtgerückt, als Tylas Stimme von einem der Stege herunterhallte. Er blieb stehen und blickte hinauf. Da war Sie ja und offenbar inzwischen mit etwas beschäftigt, das interessanter war als ihr Musikspieler.

„Ich hab einen Namen, Gelblippchen!“, rief er zurück. „Und wenn du weiter Öljunge rufst, dann hilfst du mit. Dann bist du ganz schnell das Ölmädchen.“

Er grinste zu ihr hinauf und machte sich auf den Weg zur Leiter, nachdem er die ersten Sporßen der Leiter erklommen hatte rief er nach oben. „Auf die weißen Glubscher bist du doch nur neidisch.“

Bevor er weiter nach oben stieg, sah er noch einmal über die Arbeitsbereiche und zum Hangareingang. Von Hardlight war nocht nichts zu entdecken. Dabei hatte der vorhin noch so viel Begeisterung für den bevorstehenden Einsatz übrig gehabt.

Oben angekommen stellte Zarev seine Tasche neben dem Zugang zu Tylas Jäger ab.
„Hast du Hardlight irgendwo gesehen?“

Dann beugte er sich neben ihr über das Display des Wartungsdatapads."Na ja, der findet uns schon. Also was haben wir denn hier?" Mit jeder weiteren Zeile wurde sein Gesicht etwas weniger belustigt. Die Triebwerksregelung war bei gleichmäßiger Last geprüft worden, nachdem sie bei schnellen Belastungswechseln Probleme gemacht hatte. Eine Empfehlung, abrupte Lastwechsel zu vermeiden, setzte dem Ganzen die Krone auf.

„Vielleicht schreiben wir den Piraten vorher, dass sie bitte gleichmäßig fliegen sollen“, murmelte er belustigt.

Auch die zurückgestellte Verglasung und die Kühlung merkte er sich. Das waren Dinge, die er bei seiner Prüfung berücksichtigen würde. Einen Ersatz für eine Cockpitscheibe hatte er allerdings ebenso wenig in seiner Tasche wie die Möglichkeit, hier vor dem Start eine vollständige Instandsetzung vorzunehmen.

Er zog sein kleines persönliches Datapad hervor, ergänzte die Einträge unter Tylas Namen dann winkte er leicht mit dem Datapad
"Immer alles genau protokollieren dann kann man nichts vergessen" danach verstaute es wieder. Anschließend öffnete er die Werkzeugtasche.

„Ich geh erst mal durch, was wir hier erreichen und prüfen können. Dann wissen wir wenigstens, ob dir beim ersten Manöver die Konsole auf den Schoß fällt.“ sagte Zarev mit einem belustigten schnauben.

Zarev stieg durch die obere Luke ins Cockpit und stellte seine Tasche so ab, dass sie ihm nicht im Weg lag. Das Innere war eng genug, ohne zusätzlich über sein eigenes Werkzeug zu stolpern. Er prüfte den Sitz, die Befestigungen der Gurte, die erreichbaren Verkleidungen sowie jeden Schrauben der unter Einsatz relavent sein könnte. Mit leichtem Druck suchte er nach lockeren Abdeckungen, kontrollierte Verschlüsse und leuchtete in die schmalen Zwischenräume neben der Konsole. Eine lose herumliegende Schraube fand er glücklicherweise ebenso wenig wie ein Werkzeug, das irgendein Mechaniker dort vergessen hatte.


Danach arbeitete er sich durch die normalen Funktionsprüfungen. Die Anzeigen reagierten, die Bedienelemente ließen sich alle betätigen, und bei der Leistungsauswahl erschien keine dauerhafte Fehlermeldung. Auch die Energieumleitung wurde vom System bestätigt. Die Auffälligkeit der Triebwerksregelung aus dem Bericht zeigte sich bei diesem einfachen Durchlauf nicht.

Zarev machte sich dazu eine kurze Notiz. Ein bestandener Funktionstest war angenehm. Er verriet ihm trotzdem noch nicht, wie sich die Maschine unter den Bedingungen verhalten würde, bei denen zuvor eine Störung aufgetreten war.

Beim erneuten Betätigen des Leistungswahlschalters, der immer kurz bedient werden musste bevor man die Leistung des Antriebsveränderte hielt er inne.


Er bewegte ihn noch einmal, diesmal ganz langsamer. Die Schaltstellung wurde korrekt angezeigt, doch unter seinen Fingern fühlte sich etwas zu nachgiebig an. Er legte die andere Hand an die umgebende Konsole und wiederholte die Bewegung erneut.


„Na, was haben wir denn da?“
Seine Stimme war leiser geworden. Er beugte sich dichter an die Konsole, ganz auf den Widerstand unter seinen Fingerspitzen konzentriert. Der Schalter ließ sich bedienen. Trotzdem gab dahinter etwas nach, das eigentlich fest komplett sitzen sollte.

Zarev schaltete die betreffende Baugruppe des Cockpits für die Prüfung mit ein paar Handgriffen stromlos, holte das passenden Werkzeug aus seiner Tasche und löste vorsichtig die Abdeckung. Die Befestigungen legte er geordnet ab in der Reihenfolge wie er sie abnahm. Erst dann leuchtete er hinter die Konsole und betätigte den Schalter erneut.

Der Kontaktblock dahinter bewegte sich ein kleines Stück mit."
Aha!" stieß er laut genug aus damit Tyla es hören könnte.

Er schnaubte durch die Nase.
„Natürlich. Außen alles schön ordentlich, und dahinter wackelt der Kram.“

Mit dem Licht auf der Befestigung prüfte er die Halterung. Zwei der drei Halteschrauben hatte sich gelockert. Die übrige Aufnahme wirkte bei seiner Kontrolle unbeschädigt; der Block saß lediglich nicht mehr sauber fest. Zarev zeigte mit der Spitze seines Werkzeugs auf die betreffende Stelle, damit Tyla von der Luke aus sehen konnte, woran er arbeitete.

„Der Kontaktblock hinter deinem Leistungswahlschalter hat Spiel. Noch schaltet er, aber jedes Mal, wenn du den schaltete bewegst, bewegt sich der Block mit.“

Er führte es noch einmal vor. Die Bewegung war klein, und nur gerade deutlich genug, wenn man wusste, wohin man schauen musste.

„Wenn sich das weiter löst, kann kann es sein das du den Schalter bedienst und dann die Leistung der Triebwerke anpassen willst, außen auf voller Triebwerksleistung stehen, während der Kontakt dahinter nicht ganz schließt. Dann verlangst du mehr Leistung und bekommst sie womöglich gerade nicht, wenn du sie brauchst......ich hoffe ich habs verständlich erklärt“

Zarev setzte das Werkzeug an und zog die Befestigung behutsam nach. Anschließend prüfte er den Sitz des Blocks, die übrigen Befestigungen und die Steckverbindungen. Als er den Schalter wieder bewegte, blieb die Baugruppe an ihrem Platz.

Ein kleines, zufriedenes Lächeln erschien auf seinem Gesicht. Solche Fehler mochte er: etwas Unscheinbares, das sich unter den Händen bemerkbar machte und anschließend tatsächlich beheben ließ. Er kontrollierte die Befestigung ein zweites Mal, bevor er die Abdeckung wieder schloss.


„Da. Das fühlt sich schon eher nach einem intaktem Schalter an."

Nach dem Wiederanschließen ließ er die Leistungsumschaltung mehrfach durch das Wartungsprüfprogramm laufen, auch mit den vorgesehenen simulierten Lastwechseln. Er verglich die angewählten Stellungen mit den Rückmeldungen. Die Umschaltungen wurden bestätigt, der Kontaktblock blieb fest, und eine neue Fehlermeldung erschien dabei nicht.

Nach mehreren Minuten trug Zarev den Fund und die nachgezogene Befestigung in seine Notizen ein. Danach räumte er die Werkzeuge zusammen und blickte zur Luke hinauf.


„Den lockeren Kontaktblock haben wir. Die Einträge zur Triebwerksregelung, Kühlung und Scheibe bleiben trotzdem auf der Liste. Dafür reicht dieser Durchlauf nicht. Kann auch sein das Sogar die Triebwerkregelung was mit dem Schalter vorhin zutun gehabt hat, das will ich dir aber nicht versprechen.“

Er rückte etwas zur Seite und deutete auf den Leistungswahlschalter.


„Probier nacher. Der sitzt jetzt deutlich sauberer und arretiert nun schön.“

Von draußen drangen Schritte und das metallische Klappern der Arbeiten an den anderen Jägern herein. Zarev lauschte kurz, konnte darin aber niemanden Bestimmtes erkennen. Hardlight war also immer noch nicht da. Vorerst blieb seine Aufmerksamkeit bei Tylas Cockpit und der Frage, ob sich noch irgendwo etwas bewegte, das fest sein sollte.

Nach noch ein paar weiteren kontrollblicken, ein paar weiteren nachgezogenen Schrauben und geprüften Dichtungen, kletterte Zarev wieder aus dem TIE.


„So...mehr kann ich, jetzt gerade für dich nicht tun. Will selber noch meinen TIE und den von Hardlight noch testen, wenn dieser mal auftauchen würde. “


[ Outer Rim – Eskortträger Absolution – Hangar – bei Tylas TIE ] Zarev Korrik und Tyla Le’el
 
[ Outer Rim // Eskortträger Absolution // Hangar // auf einem Steg ]
Tyla Le’el, Zarev Korrik und NPCS

Tyla hatte bei ‚Gelblippchen‘ zunächst empört zwischen halb geschlossenen Lippen ausgepustet und den Mund verzogen, allerdings nicht lange genug, um ihr Grinsen zu verbergen. Der Öljunge wehrte sich. Gut so. Bei seiner Drohung, sie ebenfalls mit Öl zu versorgen, sah sie demonstrativ an ihrem Overall herunter.

„Seh‘ ich aus wie ne‘ Twi’lek?“

Sie schüttelte mit dem Kopf, um ihm zu zeigen, dass da keine Lekku herumwackelten. Die Sache mit den weißen Augen ließ sie ihm vorerst. Auf die war sie ungefähr so neidisch wie auf seine dreckigen Finger. Aber Zarev hatte sein Werkzeug mitgebracht und war ihretwegen die Leiter hochgestiegen. Da konnte sie schon mal großzügiger sein. Seine Frage nach Hardlight beantworte sie mit einem Schulterzucken.

„Eben war er noch mit mir oben auf dem Mannschaftsdeck. Aber ich bin allein runter.“

Mehr wusste sie nicht. Wenn ihr Rottenführer noch was Dringendes zu erledigen hatte, würde er hoffentlich noch daran denken, dass sein Schrottjäger sich nicht von alleine flog.

Während Zarev sich mit seinen pupillenlosen Augen durch den Wartungsbericht las, hielt sie das Datenpad so, dass er vernünftig draufsehen konnte. Seine Bemerkung über die Piraten kommentierte sie erneut mit einem kurzen Schnauben.


„Jo, genau meine Worte.“

Vielleicht sollte Captain Thorne solche Sonderwünsche vorher noch abfragen. Bitte langsam fliegen, bitte keine plötzlichen Richtungswechsel und bitte nicht auf die Scheibe schießen, davon gab es gerade keine mehr. Tyla beobachtete den anderen Piloten, während er seine eigenen Notizen ergänzte.

„Immer schön alles protokollieren“, sagte sie sarkastisch.

Der Arkanier führte offenbar eine Privatverwaltung für imperialen Pfusch. Aber solange es zu was führte, sollte er doch ruhig. Sie hätte allerdings gerne gewusst, warum die Techniker der Absolution nicht dieselbe Sorgfalt aufbrachten, bevor sie ihre Namen unter irgendwelche Wartungsberichte setzten.

Sie blieb derweil an der offenen Einstiegsluke am Kopf der Kanzel und beobachtete, was sich von oben erkennen ließ, während Zarev im Inneren arbeitete. Am Anfang sah soweit eigentlich alles ganz gut aus. Die Anzeigen reagierten auf seine Eingaben, die Steuer- und Bedienelemente ließen sich bewegen und es fiel ihm tatsächlich gar nichts auf seinen Schoß. Das war besser als erhofft. Als er am Beschleunigungshebel – offiziell Leistungswahlschalter – herumfummelte, beugte sie sich weiter vor und legte eine Hand an die Kante des Einstiegs. Sie beobachtete, wie er eine Abdeckung löste und schließlich einen beweglichen Kontaktblock entdeckte. Zumindest nach eigener Aussage. Von hier oben sah sie gar nichts.


„Äh. Ah, ja.“

So ein kleines Teil war verantwortlich dafür, dass sie in einem Kampf auf Leben und Tod keine Leistung erhielt? Geniale Konstruktion. Sowas fiel einem im Gefecht ja auch nur dann auf, wenn man die Leistung brauchte. In dem Augenblick. Da konnte man schlecht irgendwelche Abdeckungen entfernen und Schrauben nachziehen.

„Gut, dass du hingesehen hast.“

Sie schnaubte erneut.

„Welcher Koochoo hat den Wartungsbericht unterschrieben?“

Dem Bastard würde sie gerne nochmal einen Besuch abstatten. Wollte der, dass sie draufging? Während sie sich ärgerte, ließ sie Zarev die Befestigung nachziehen und sah auch beim anschließenden Prüfprogramm zu. Dass er ihr danach erklärte, die Maschine war nicht wirklich in Topzustand, machte seine Arbeit eher glaubwürdiger. Der Kontaktblock war nun fest, die anderen Punkte blieben offen. Da konnte er auch nichts machen. Jedenfalls konnte sie mehr damit anfangen, als mit einem beruhigenden Schulterklopfen. Als er wieder herausstieg, trat sie zurück, um ihm Platz zu machen und nahm das Wartungsdatenpad vom Steg auf.

„Danke, Korrik. Echt, man.“

Das meinte sie ausnahmsweise mal ernsthaft.

„Ich seh‘ mal nach ihm. Muss so oder so aufs Mannschaftsdeck und mich umziehen. Ich check‘ auch lieber nochmal meine Helmschläuche. Letztes Mal hatte jemand meinen einfach nur mit einem Reparatur-Tape geflickt. Mir wurde schon schwindelig.“

Also klemmte sie das Datenpad zurück in die Halterung und machte sich an den Abstieg. Auf halber Höhe hielt sie kurz inne und sah noch einmal zu ihrem Jäger hoch. Zwei lockere Schrauben. Mehr hatte offenbar nicht gefehlt, damit sie da draußen den Hebel nach vorne schob, ohne das was geschah. Das hätte ihr Tod sein können. Zwei verdammte Schrauben. Sie schluckte, sah dann wieder nach unten und schloss die Finger etwas fester um die nächste Sprosse. Nicht, dass da auch noch eine Schweißnaht locker war oder so.

Auf dem Weg aus dem Hangar zog sie wieder den Musikspieler aus der Tasche, ließ den Daumen einen Moment auf der Taste liegen und steckte ihn dann doch wieder weg. Diese Scheiße hatte sogar ihre Lust auf X.A. versaut. Danke, Vendar. Dabei war ihr Jäger jetzt vermutlich zuverlässiger als noch vor einer halben Stunde. Nur hatte sie vor einer halben Stunde nicht gewusst, wie unzuverlässig er vorher gewesen war. Tyla schob sich an missmutig an einem abgestellten Transportwagen vorbei und nahm den Lift zurück zum Mannschaftsdeck. Hardlight steckte wahrscheinlich in seiner Unterkunft und trieb wer weiß was. Haare richten? Kragen richten? Irgendwas richten? Der Mann bekam es ja selbst auf diesem Kahn hin, sich selbst zu motivieren, immer irgendwas zu richten. Sie selbst war schon froh, wenn ihr Flugoverall nach der letzten Reinigung nicht immer noch dreckig war. Mit Wasser wurde auf der Absolution offenbar ebenso gespart wie mit Ersatzteilen.

In einem der Seitengänge entdeckte sie ihn allerdings schon, bevor sie die Unterkünfte erreichte. Er lag auf dem Boden. Schlief der Sack? Tyla verlangsamte ihre Schritte und zog die Augenbrauen zusammen. Eben hatte er noch davon gesprochen, wie er sich mit diesem Einsatz aus der Strafeinheit rausarbeiten wollte, und jetzt saß er hier herum? Ihr lag schon ein passender Spruch auf der Zunge, blieb aber stecken, als sie näherkam und sah, dass er sich die Rippen hielt.


„Na toll“, stöhnte sie.

Sie blickte den Gang hinunter, dann zurück in die Richtung, aus der sie gekommen war. Was auch immer hier passiert war, sie hatte es verpasst. Großartig. Dafür hatte sie genau den Teil erwischt, bei dem man sich überlegen durfte, ob man jemanden holen musste. Für nur etwas weniger als eine Minute stand sie einfach da und ging ihre Optionen durch. Wenn Auren das Gefecht verpasste, hatte sie keinen Rottenführer. Kurz war da die Hoffnung, dass Thorn dann einfach die ganze Rotte drinnen behalten würde, aber das war natürlich naiver Poodoo. Sie würden trotzdem raus müssen. Und dafür brauchten sie Hardlight.

Also seufzte sie laut, machte die letzten Schritte und ging vor ihm in die Hocke, die Unterarme auf den Oberschenkeln abgestützt. Besonders beeilen brauchte sie sich nicht. Er war gut davongekommen. Selbst in den Gassen von Malastare hatte sie außerdem Leute gesehen, die weit schlimmer zugerichtet waren. Zumal seine Augen wach waren.


„Komm hoch, Hardlight.“

Tyla streckte ihm eine Hand entgegen, hielt sie aber zunächst nur zwischen ihnen. Einfach an ihm herumzerren würde sie sicher nicht, solange sie nicht wusste, was genau los war.

„Wen hat du jetzt schon wieder angepisst? Sag mir nicht, dass du auch noch Hunters Tochter gebumst hast.“

Damit hatte sich zumindest die Sache mit der hübschen Frisur für ihn wohl auch erstmal erledigt.

[ Outer Rim // Eskortträger Absolution // Mannschaftsdeck // Seitengang ]
Tyla Le’el und Auren Hardlight
 
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[ Outer Rim – Eskortträger Absolution – Mannschaftsdeck – Seitengang ]
Auren Hardlight und Tyla Le’el


Zwei Minuten später saß Auren immer noch auf dem Boden. Er hatte ein Bein angewinkelt und die Hand gegen die schmerzende Stelle unter seinen Rippen gepresst, als am Ende des Ganges Tyla Le’el auftauchte. Oh, fuck. Sie kam mit diesem beiläufigen Schritt näher, als wäre heute alles wie immer. Er hoffte einen lächerlich kurzen Moment lang, sie würde einfach vorbeigehen. Dann sah sie ihn.

Auren spannte den Kiefer an. Ausgerechnet sie. Eben hatte er ihr noch erklärt, wie sie sich zu benehmen hatte, und jetzt durfte sie ihn hier vom Boden aufsammeln. Er wollte aufstehen, bevor sie bei ihm war. Wenigstens stehen. Doch schon als er sich von der Wand löste, zog der Schmerz durch seinen Oberkörper und zwang ihn zurück.

Die Wut machte es schwer, ruhig zu atmen. Auf
Juncker, auf dessen beiden Handlanger, auf sich selbst. Er hatte sich schlagen lassen, genickt und den Mund gehalten. Und jetzt hockte Le’el vor ihm und betrachtete das Ergebnis. Er suchte in ihrem Gesicht nach einem Grinsen, nach irgendeinem Anzeichen dafür, dass sie diesen Anblick genoss. Ihr Spruch über Hunters Tochter genügte, um ihm die Hitze bis in die Ohren zu treiben.

Ihre angebotene Hand ließ er zunächst unbeachtet. Er stützte sich an der Wand ab, zog einen Fuß unter sich und versuchte es noch einmal. Ein stechender Schmerz unter den Rippen ließ ihn scharf die Luft einziehen. Scheiße. Er hielt inne, starrte einen Moment auf ihre Hand und griff schließlich danach. Mit ihrer Hilfe kam er hoch. Seine Finger umschlossen ihre dabei fester, als ihm lieb war.

Er schüttelte den Kopf.


"Nein, Juncker"

Kaum hatte er ihren Blick aufgefangen, ging ihm auf, wie das klang.

"Nein, nicht seine scheiß Tochter! Eher f**** ich ein Nest Feuerwespen"

Auf wackeligen Beinen blieb er an der Wand stehen. Er ließ ihre Hand los und strich über seinen Overall, als wäre der Staub daran gerade sein größtes Problem. Die Fragen, weshalb Juncker ihn abgefangen hatte und was dabei gesagt worden war, wollte er gar nicht erst aufkommen lassen.

"Gib mir kurz einen Moment, dann gehen wir zu Korrik"

Er wartete, bis er wieder halbwegs gerade stehen konnte, und setzte sich langsam in Bewegung. Nach den ersten Schritten nahm er die Hand vom Bauch. Es tat ohne sie weh, aber wenigstens sah es dann weniger scheiße aus.

Ein paar Gänge weiter erreichten sie eine der an diesem Schiff zahlreichen Nischen, in denen offiziell geraucht werden durfte. Unter dem vergilbten Lüftungsgitter hing ein überfüllter Aschenbehälter an der Wand. Auren blieb stehen und lehnte sich vorsichtig daneben. Den Weg hätte er normalerweise in der Hälfte der Zeit geschafft.

Aus der Innentasche zog er seine halb leere, zerknüllte Schachtel. Er fummelte zwei Zigaretten heraus, klemmte sich eine zwischen die Lippen und hielt
Tyla die andere hin. Sein Blick verriet, dass er keinen Widerspruch duldete.

"Dein Jäger … seid ihr weitergekommen?"

[ Outer Rim – Eskortträger Absolution – Mannschaftsdeck – Rauchernische ]
Auren Hardlight und Tyla Le’el
 
[ Outer Rim – Eskortträger Absolution – Hangar – bei Tylas TIE ] Zarev Korrik und Tyla Le’el


Zarev zog sich aus der Einstiegsluke und stellte die Werkzeugtasche neben seinen Füßen auf dem Steg ab. Bei Tylas ernst gemeintem Dank hob er kurz den Blick zu ihr, während er die Handschuhe auszog. Das hörte man hier offenbar auch noch. Für einen Augenblick wurde sein Grinsen etwas weniger frech, ehe er die Handschuhe zusammenlegte und in der Tasche verstaute.

„Schon gut, Le’el. Wenn du mir da draußen den Rücken freihalten sollst, wäre es angenehm, wenn dein Jäger dabei mitmacht“, sagte er.

Dass sie seinen Fund ernst nahm, gefiel ihm. Er hatte schließlich keine Lust, sich erst durch eine Diskussion zu arbeiten, bevor jemand begriff, weshalb ein lockerer Kontaktblock keine besonders gute Gesellschaft im Cockpit war. Ihr Hinweis auf die geflickten Helmschläuche ließ ihn allerdings wieder die Stirn runzeln.


„Dann prüf die lieber wirklich noch mal. Wenn du wieder Tape findest, bring den Helm mit. Ich will sehen, was die da zusammengeklebt haben.“

Er sah ihr etwas nach, als sie sich an den Abstieg machte. “Süß ist sie schon irgendwie”. Große Klappe, und immerhin genug Anstand, sich zu bedanken, immerhin etwas, auf das viele hier garnicht kommen würden. Zarev musste schmunzeln und schüttelte leicht den Kopf. Beim nächsten „Öljunge“ würde er ihr trotzdem irgendeine dreckige Arbeit überlassen, die ihm einfiel. Vielleicht beschwerte sie sich dann etwas weniger über seine Finger.

Danach lließ den Blick anschließend über die anderen Stege wandern


Von Hardlight war weiterhin nichts zu sehen. Erst davon reden, wie sie sich mit einem Einsatz aus dieser Staffel herausarbeiten würden, und dann selbst nicht auftauchen. Vielleicht bügelte Mister Grummel noch seinen Kragen oder machte seine achso tolle Frisur. Zarev griff nach der Werkzeugtasche und machte sich auf den Weg zu seinem eigenen TIE. Hinterherlaufen würde er ihm jedenfalls nicht; seine Hilfe hatte er angeboten und das musste reichen. Solange er noch fehlte, konnte Zarev die Zeit wenigstens sinnvoll nutzen.

Er schloss seine Tasche, nahm sie wieder auf und machte sich auf den Weg zu seinem eigenen TIE. Schon beim Näherkommen betrachtete er die Cockpitkugel, deren ausgebesserte Verkleidungen unter der Hangarbeleuchtung noch etwas unterschiedlicher aussahen als zuvor. Schön würde die Maschine wohl nie wieder werden. Zarev war inzwischen allerdings bereit, ihr eine gewisse persönliche Ausstrahlung zuzugestehen, wie einem alten Werkstattdroiden, der bei jeder Bewegung klapperte und trotzdem wusste, wo sämtliche Werkzeuge lagen.

Von den zugänglichen Laufwegen aus prüfte er zunächst wie so oft die Außenhülle. Er folgte den Übergängen zwischen den Verkleidungen, kontrollierte Wartungsklappen und sah sich die erreichbaren Verbindungen zu den Flügelstreben an. Wo sich eine Befestigung prüfen ließ, nahm er sich die Zeit dafür. Seine Finger blieben an einer Stelle hängen, die er bei der letzten Kontrolle bereits nachgezogen hatte. Sie saß noch immer fest.

Das war zumindest eine erfreuliche Abwechslung.


Er betrachtete die erreichbaren Flächen der Solarflügel, suchte nach neuen Beschädigungen und prüfte die sichtbaren Leitungen sowie die Übergänge zur Cockpitkugel. An den Triebwerksöffnungen fiel ihm nichts Neues auf. Die Gebrauchsspuren kannte er mittlerweile so gut, dass er bei einigen davon vermutlich hätte sagen können, ob sie schon vor seiner Zuteilung vorhanden gewesen waren. Eine besonders hässliche Ausbesserung hatte er längst für einen festen Bestandteil der Maschine erklärt.


„Dich krieg ich auch noch hübscher“, murmelte er, während er an einer Verkleidung entlangleuchtete und diese dann einmal kurz tätschelte. „Irgendwann vielleicht. Wenn uns vorher keiner abschießt.“

Er notierte eine Stelle, die er nach dem Einsatz noch einmal genauer ansehen wollte, und stieg anschließend durch die obere Luke ins Cockpit. Dort begann er mit den Dingen, die bei einem normalen Prüflauf gern übergangen wurden. Er kontrollierte wie auch bei Tyla vorher Sitz und Gurte, die Befestigungen der Konsolen, die Halterungen seiner Ausrüstung und die erreichbaren Verschlüsse. Unter dem Sitz und entlang der seitlichen Verkleidungen leuchtete er nach möglichen losen Gegenständen, bevor er die Werkzeugtasche sicher abstellte.

An der Halterung eines seitlichen Abdeckblechs bemerkte er ein leises Klappern. Er drückte dagegen, ließ los und hörte es erneut. Die Befestigung hielt, doch die kleine Zwischenlage, die das Blech ruhig halten sollte, war verrutscht. Im Gefecht würde das kaum jemanden interessieren. Zarev konnte sich allerdings bereits vorstellen, wie es ihm bei jeder Kursänderung neben dem Ohr herumklapperte.

Er löste die Abdeckung, setzte die Zwischenlage wieder richtig ein und befestigte das Blech erneut. Nach einem zweiten Druck blieb es ruhig. Zufrieden strich er einmal darüber und wandte sich der Ausrüstungshalterung neben dem Sitz zu.

Deren Verschluss hakte beim Öffnen. Das hatte ihn schon zuvor geärgert, und nun blieb er tatsächlich einen Moment daran hängen, obwohl die anstehende Kontrolle wichtiger war. Er prüfte die Führung, entfernte ein kleines Stück Schmutz und richtete die leicht verschobene Halterung aus. Beim nächsten Versuch öffnete und schloss sie sauber.

Ein fast unbewusstes Lächeln erschien auf seinem Gesicht. Solche Kleinigkeiten waren schnell erledigt, wenn man sich überhaupt einmal darum kümmerte. Sein Vater hätte ihn vermutlich daran erinnert, erst die wichtigen Arbeiten abzuschließen und danach an allem herumzuspielen, was ihn persönlich störte. Zarev hätte genickt und den Verschluss trotzdem noch ein zweites Mal ausprobiert.


Er legte das Werkzeug zurück und begann mit den Funktionsprüfungen. Schalter und Sicherungen saßen fest, die Anzeigen reagierten auf seine Eingaben, und die erreichbaren Steckverbindungen zeigten bei der Kontrolle kein Spiel. Den Leistungswahlschalter betätigte er nach der Arbeit an Tylas Jäger besonders aufmerksam. Er ließ ihn mehrfach durch seine Stellungen gehen und verglich die Rückmeldungen, ehe er die übrigen Bedienelemente prüfte.

Auch die Steuerung, die Kommunikation und die Anzeigen für Energieversorgung und Kühlung nahm er in seinen Prüfdurchlauf auf. Er rief die gespeicherten Meldungen auf, verglich sie mit seinen eigenen Notizen und ließ die vorgesehenen Wartungstests durchlaufen. Dabei achtete er ebenso auf ungewöhnliche Geräusche wie auf die Ergebnisse am Display. Ein Jäger konnte ihm schließlich auch ohne Fehlermeldung verraten, dass etwas nicht sauber saß.

Seine Maschine zeigte bei den verfügbaren Prüfungen keine neue Auffälligkeit. Das beruhigte ihn mehr als die Unterschrift unter einem Wartungsbericht. Er kannte ihre Eigenheiten, hatte ihre erreichbaren Befestigungen immer wieder kontrolliert und kleine Beanstandungen meist selbst beseitigt, bevor sie überhaupt jemanden in der Wartung interessierten. Ohne diese ständige Aufmerksamkeit und Wartung, wäre sein TIE vermutlich längst genauso vernachlässigt gewesen wie die übrigen Kisten der Staffel.


Zarev lehnte sich kurz im Sitz zurück und betrachtete das Cockpit. Es war eng, gebraucht und an einigen Stellen deutlich älter als das Bauteil daneben. Trotzdem fühlte er sich darin inzwischen einigermaßen zu Hause.


„So. Du hältst zusammen, ich fliege. Das ist eine ziemlich einfache Abmachung“, sagte er leise.

Er ergänzte die letzten Einträge auf seinem Datapad, beendete die Prüfprogramme und vergewisserte sich, dass sämtliche Abdeckungen geschlossen waren. Danach sammelte er sein Werkzeug ein. Den Hydrospanner und Prüfgeräte verschwanden an ihren vorgesehenen Plätzen, und erst als alles wieder vollständig war, schloss er die Tasche.

Draußen sah er erneut zum Hangareingang. Noch immer keine Spur von den beiden, das war dann doch ungewöhnlich. Zarev zog eine Augenbraue hoch, griff nach seiner Tasche und ging zum Jäger ihres Rottenführers.

Hardlights Maschine machte von außen zunächst denselben Eindruck wie fast jeder TIE hier. Viel Dienstzeit, mehrere Reparaturen und eine gewisse Gleichgültigkeit gegenüber einheitlichen Lackierungen. Zarev stellte seine Tasche ab und rief auf seinem Datapad die Notizen zur Schubregelung und zum Drall nach Backbord auf. Ohne Hardlights genauere Beschreibung würde er vorerst nichts auseinandernehmen. Die Außenhülle konnte er sich aber bereits ansehen.

Er begann an den erreichbaren Verkleidungen, prüfte die Wartungsklappen und betrachtete die sichtbaren Übergänge an Streben und Leitungen. Dabei hielt er nach Beschädigungen, schlecht sitzenden Abdeckungen und allem Ausschau, was ihm einen ersten Hinweis geben könnte. Zwischendurch blickte er über den Steg zum Eingang.

Die beiden müssten eigentlich bald auftauchen. Bis dahin hatte der Schrotthaufen seine ungeteilte Aufmerksamkeit.



[ Outer Rim – Eskortträger Absolution – Hangar – bei Aurens TIE ] Zarev Korrik
 
[ Outer Rim // Eskortträger Absolution // Mannschaftsdeck // Seitengang ]
Tyla Le’el und Auren Hardlight

Tyla spürte, wie Auren beim Aufstehen die Finger ihrer Hand zusammendrückten. Na, die funktionierte ja noch prächtig. Seine überschnelle Klarstellung wegen Junckers Tochter hatte ihr dann doch ein schelmiges Grinsen entlockt.

„Hätt' mich auch gewundert. Hast du das Holo auf seinem Schreibtisch gesehen? Seine Tochter ist hässliger als ein Hutte. Da würde ich die Hose genau so zu lassen wie bei Feuerwespen.“

Juncker also. Das erklärte wenigstens, weshalb niemand mehr hier war und sich für seinen Zustand interessierte. Wenn der Captain der Schiffssicherheit jemanden auf den Boden beförderte, dann war der Fall damit erstmal abgeschlossen. Tyla hatte ihren Rottenführer losgelassen, sobald er wieder an der Wand stand und sich in Bewegung setzte. Sie passte ihr Tempo seinem noch etwas humpelnden Schritt an.

In der Rauchernische nahm sie den angebotenen Glimmer mit dankbarem Kopfnicken an und betrachtete seinen Blick. Böse gucken konnte er auch wieder. Schön. Sie lehnte sich neben ihm an die Wand, mit etwas Abstand zum überfüllten Aschebehälter.


„Der Öljunge hat hinter meinem Schubhebel zwei lockere Schrauben gefunden“, fasste sie die Ergebnisse zusammen. „Hat er festgezogen und geprüft. Jetzt geh‘ ich vielleicht nicht mehr drauf, sobald ich beschleunigen muss.“

Korrik für ihr Überleben heute weit mehr geleistet als der Koochoo, der diesen Wartungsbericht unterschrieben hatte. Die Zigarette drehte sich zwischen ihren Fingern, während sie mit der anderen Hand in ihren Taschen nach einem Feuerzeug suchte. Musikspieler, Ohrhörer und anderer Kram, den man so dabeihaben musste. Natürlich kein Feuerzeug.

„Hast du Feuer?“ Die Zigarette steckte sie sich zwischen die Lippen und hielt ihm dann die freie Hand hin. Ihr Blick glitt dabei zu seinem Bauch. Eben hatte er dort noch eine Hand draufgepresst. Jetzt ließ er es bleiben, aber besser sah er dadurch auch nicht aus.

„Hat Juncker wenigstens gesagt, was er wollte?“

Wahrscheinlich schon. Sie kannte solche Gelegenheiten. Diese Typen verzichteten dann eher selten auf die Gelegenheit, einem zusätzlich noch das Ohr abzulabern. Nur wusste sie eben nicht, womit Hardlight diesmal aufgefallen war, wenn es nicht um irgendjemandes Tochter ging. Solange er es ihr nicht erzählte, konnte sie sich das Spekulieren auch sparen. Unnötige Verschwendung von Hirnschmalz.

Sie schob den Fuß etwas vor, während sie sich mit dem Rücken anlehnte.


„Meinst du, du bist flugtauglich?“

Sie sah ihn an und ließ ihm einen Moment, statt gleich weiterzureden. Sie würde ihm den Rücken freihalten, wie Kammeraden es nun mal taten. Dafür musste er aber wenigstens fliegen können.

„Ich muss gleich noch meinen Flugoverall holen und die Helmschläuche prüfen. Korrik wartet unten. Kann sein, dass er schon an deinem Jäger rumschraubt. Also gönn dir die Zigarette.“

Sie blieb an der Wand stehen.

„Muss ich dich danach nach unten bringen, oder schaffst du es, ohne dass dich jemand verprügelt?“

Ein zweites Mal sammelte sie ihn nicht vom Boden auf.
[ Outer Rim // Eskortträger Absolution // Mannschaftsdeck // Rauchernische ]
Tyla Le’el und Auren Hardlight
 
[ Outer Rim – Eskortträger Absolution – Mannschaftsdeck – Rauchernische ]
Auren Hardlight und Tyla Le’el


Auren kramte das silberne Feuerzeug aus seiner Innentasche, klappte es auf und hielt ihr die Flamme hin. Anschließend zündete er seine eigene Zigarette an und lehnte sich neben ihr wieder an die Wand. Langsam wurde es besser. Solange er sich nicht zu schnell bewegte oder besonders tief einatmete, ließ sich der Schmerz ertragen. Er zog vorsichtig an der Zigarette und hörte zu, was Korrik an ihrem Jäger gefunden hatte. Zwei lockere Schrauben. Dafür brauchte es auf diesem drecks Schiff offenbar einen strafversetzten Piloten mit eigenem Werkzeug.

Bei ihrer Frage nach Juncker zögerte er. Was sollte er ihr sagen? Dass ihr Rottenführer sich vor der Einsatzbesprechung Spice durch die Nase gezogen hatte und dass das auch vor Kampfeinsätzen der Fall sein konnte? Er wusste selbst, dass es seine Leistung nicht beeinträchtigte. Er kannte das Zeug und konnte damit umgehen. Ja, es sogar zum eigenen Vorteil nutzen.
Le’el würde wahrscheinlich trotzdem panisch werden und ihm erklären wollen, weshalb sie so nicht mit ihm fliegen konnte. Sie war nun wirklich nicht die femininste Person, die ihm je begegnet war, aber bei solchen Dingen traute er Frauen grundsätzlich eine Menge unnötiger Aufregung zu.

Er ließ etwas Asche in den überfüllten Behälter fallen.


"Meine Kette. Aber scheiß auf die. War ein Familienstück."

Damit hatte er ihr immerhin nichts Falsches erzählt. Juncker hatte die Kette genommen. Was der Bastard vorher gesagt hatte, ging sie nichts an. Auren zog erneut an der Zigarette und betrachtete die Glut. Er würde diesem Arschloch bestimmt nicht hinterherlaufen und um ein Schmuckstück bitten, das ihn ohnehin nur an Leute erinnerte, die nichts mehr mit ihm zu tun haben wollten.

Ihre Frage nach seiner Flugtauglichkeit quittierte er mit einem knappen Nicken. Dass sie überhaupt fragen musste, ärgerte ihn. Noch mehr ärgerte ihn, dass er ihr dafür kaum einen Vorwurf machen konnte. Sie hatte ihn schließlich gerade erst vom Boden aufgelesen. Er hasste es, dass sie jetzt wusste, wie sehr er dabei ihre helfende Hand gebraucht hatte.


"Ich fliege definitiv. Und in den Hangar schaffe ich es auch."

Er wandte den Kopf zu ihr.

"Und das hier bleibt unter uns"

Als sie sich auf den Weg machte, sah er ihr kurz hinterher. Dann blieb er noch eine Weile unter dem summenden Lüftungsgitter stehen und rauchte zu Ende. Bei jedem Geräusch aus dem Gang hob er den Blick. Noch einmal würde ihn hier niemand auf dem Boden finden.

Er drückte die Zigarette aus und stieß sich vorsichtig von der Wand ab.

Auf dem Weg zu seinem Quartier musste er zunächst noch langsam gehen. Er holte seine Ausrüstung, rief den Wartungsbericht auf seinem Datapad auf und machte sich anschließend auf den Weg zum Hangar. Mit der Zeit gelang es ihm besser, die schmerzende Stelle beim Gehen zu schonen, ohne sich dabei sichtbar zusammenzukrümmen. Er hielt die Schultern gerade und nahm kleinere Schritte. Bis er den Hangar erreichte, sah es hoffentlich nur noch so aus, als hätte er es nicht besonders eilig.

Den
weißhaarigen Arkanier entdeckte er bereits aus der Ferne an seinem Jäger. Korrik hatte seine Werkzeugtasche abgestellt und beschäftigte sich mit einer der zugänglichen Verkleidungen.

"Hey“

Auren trat zu ihm und blieb stehen, ehe ihn eine unbedachte Bewegung verraten konnte. Sein Blick wanderte über die ausgebesserte Cockpitkugel und zurück zu Korrik. Von dem, was hinter den Verkleidungen lag, verstand er selbst gerade genug für seine Ausbildung und die üblichen Kontrollen. Sobald tatsächlich etwas auseinandergenommen werden musste, überließ er das lieber jemandem, der wusste, was er tat. Umso besser, dass ausgerechnet seine Rotte den Arkanier abbekommen hatte.

"Le’el hat gesagt, du hast bei ihr etwas gefunden“

Er entsperrte das Datapad und hielt ihm den Wartungsbericht hin.

"Das Ziehen nach Backbord. Hast du eine Idee, wie wir das in den Griff bekommen? Ich kann auch so fliegen, muss halt ständig gegensteuern"

Das klang wenigstens nach einer lästigen Eigenheit der Maschine und nicht danach, dass er hier jemanden um Hilfe bitten musste. Auren sah auf den Bericht und deutete auf die entsprechenden Einträge. Darunter stand noch immer die Freigabe. Einsatzfähig. Irgendein Mechaniker hatte seinen Namen daruntergesetzt und war anschließend vermutlich zufrieden in die Pause gegangen.

"Die Kühlung funktioniert auch nicht richtig und beim Abfeuern der Laser setzt gelegentlich der Funk aus. Aber das Ziehen hat erst mal Priorität. Ich hätte gern, dass der Bock dahin fliegt, wo ich ihn hinsteuere."

Er senkte das Datapad etwas und sah Korrik an.

"Bekommen wir das in den Griff?"

[ Outer Rim – Eskortträger Absolution – Hangar – bei Aurens TIE ]
Auren Hardlight und Zarev Korrik
 
[ Outer Rim – Eskortträger Absolution – Hangar – bei Aurens TIE ] Zarev Korrik und Auren Hardlight


Zarev hatte eine Hand an die Kante einer Wartungsklappe gelegt und prüfte gerade deren Verschluss, als Hardlights Begrüßung ihn aufblicken ließ. Na endlich. Er nahm die Hand von der Verkleidung und richtete sich auf, wobei ihm auffiel, wie bedächtig der andere Pilot neben ihm stehen blieb.


„Da bist du ja. Ich dachte schon, du bügelst noch deinen Kragen“, sagte er mit einem schiefen Grinsen.

Hardlight wirkte steifer als vorhin. Die Schultern hielt er ordentlich gerade, aber seine Bewegungen passten nicht ganz dazu. Zarev sah ihn einen Augenblick genauer an, bevor sein Blick auf das angebotene Datapad fiel. Vielleicht war der Kerl einfach angespannt. Vor einer bewaffneten Aufklärung mit diesen Maschinen gab es dafür schließlich ausreichend Gründe.


„Bei Le’el war die Befestigung hinter dem Leistungswahlschalter locker. Hat noch funktioniert, hätte sich aber weiter lösen können. Ist jetzt wieder fest.“

Er nahm das Datapad entgegen und las die Einträge, während Auren seine Beschwerden aufzählte. Backborddrall, wiederkehrende Störung der Schubregelung, eingeschränkte Kühlung und gelegentliche Funkaussetzer beim Feuern. Darunter die Freigabe. Zarev scrollte zurück zur durchgeführten Wartungsmaßnahme und stieß einen kurzen, wenig begeisterten Laut aus.

„Der Bock soll dahin fliegen, wo du hinsteuerst? Anspruchsvoll, Hardlight. Hast du das bei der Wartung ausdrücklich dazugesagt?“

Er hob den Blick und grinste, doch seine Aufmerksamkeit lag längst bei der Schubregelung. Zumindest die äußeren Verkleidungen, die er bisher angesehen hatte, hatten ihm keinen brauchbaren Hinweis geliefert. Der Bericht half etwas weiter, auch wenn die Bemerkung zum Gegensteuern kaum als Reparatur durchging.

„Wir sehen uns das an. Wenn eine Verbindung oder die Einstellung der Regelung oder etwas anderes Ärger macht, lässt sich vielleicht gleich was machen. Wenn eine Baugruppe hinüber ist, brauch ich dafür ein Ersatzteil.“

Sein Blick ging noch einmal über die Cockpitkugel. Irgendwo würde sich an Bord schon ein passendes Teil auftreiben lassen. Die interessantere Frage war, wer es hatte und was derjenige dafür verlangte. Das konnte er später herausfinden, falls es tatsächlich nötig wurde. Für den Moment hatte er weder Lust, seine eigenen Vorräte zu plündern, noch Hardlight bereits eine vollständige Instandsetzung zu versprechen.



„Ich schau mir das einfach an. Ständig gegensteuern ist jedenfalls keine Lösung, die ich neben mir in der Rotte besonders gern sehe.“

Er gab Auren das Datapad zurück, öffnete seine Werkzeugtasche und zog das Prüfgerät heraus. Bevor er sich wieder der Maschine zuwandte, sah er Auren noch einmal genauer an.

„Alles gut mit dir? Bist du umgeknickt oder so?“

Die Frage blieb zwischen ihnen stehen, während Zarev sein Gerät an die Wartungsschnittstelle anschloss. Er rief die gespeicherten Meldungen auf und suchte nach den Einträgen zur Schubregelung. Eine Beanstandung der Backbord-Manövriereinheit tauchte wiederholt auf, aber anscheinend war bei späteren Kontrollen trotz mehrfachen Tests, der Fehler nicht nachvollziehbar gewesen.

Danach hängte er sich über dem TIE Jäger an eine der Wartungs Schlingen mit einem dünnen Durastahlseil ein, sollte er an der Außenhülle etwas testen wollen, prüfte die Sicherungen und kletterte auf den TIE Jäger.

Er kletterte in den TIE und verband im Cockpit sein Datapad mit der Wartungsschnittstelle. Damit konnte er die Stellmechanismen aus unmittelbarer Nähe einzeln ansteuern und ihre Rückmeldungen prüfen

Zunächst betrachtete er den erreichbaren Stellmechanismus der betreffenden Einheit. Eine schwergängige Vektorsteuerung hätte zumindest erklärt, weshalb der Jäger bei Kursänderungen nicht sauber reagierte. Er leuchtete die Aufnahme aus, prüfte auf sichtbare Beschädigungen und ließ den Mechanismus im Wartungsprogramm langsam durch einen kleinen Stellbereich laufen. Nichts klemmte. Die Bewegung war gleichmäßig, und auch an der Befestigung fand er keine Auffälligkeit.


„Die bewegt sich sauber“,
murmelte er. „Also schon mal kein Grund, gleich die ganze Einheit rauszureißen.“

Als Nächstes verglich er die hinterlegten Einstellungen der Steuerung. Vielleicht hatte jemand nach einer Reparatur die Regelung nicht ordentlich abgeglichen oder eine alte Korrektur stehen lassen. Zarev ging die Werte durch, verglich sie mit den vorgesehenen Einstellungen und ließ einen weiteren Prüfdurchlauf starten. Auch dort fand sich keine Abweichung, die das Verhalten vernünftig erklärte.

Er rieb sich mit einem Finger über die Unterlippe und blickte zwischen der Manövriereinheit und seinem Display hin und her. Die Düse bewegte sich. Der Rechner beschwerte sich trotzdem.


„Na los, du kleiner Scheißhaufen. Irgendwo musst du mir doch sagen, was dich stört.“

Diesmal ließ er sich neben dem Steuerbefehl auch die Positionsrückmeldung anzeigen. Der TIE blieb fest in seiner Wartungsaufhängung, während das Programm kleine Stellbewegungen anforderte. Zarev kletterte immer wieder abwechselnd um den TIE herum und beobachtete den Mechanismus, sah zurück auf das Prüfgerät und hielt inne.

Die Einheit hatte die angeforderte Stellung erreicht. Aber auf dem Display fehlte die Bestätigung.

Er wiederholte den Ablauf mit einer etwas anderen Stellung. Nun kam die Rückmeldung an. Bei der nächsten Bewegung verschwand sie wieder, obwohl der Stellmechanismus sichtbar arbeitete. Dann wiederholte er den Ablauf noch zwei mal, um sicherzugehen.

Langsam erschien ein zufriedenes Grinsen auf seinem Gesicht.


„Ach, da bist du, haha."



Er kletterte vom TIE und hielt Auren das Display so hin, dass die beiden Anzeigen zu erkennen waren, und deutete anschließend auf die Manövriereinheit.

„Die Düse macht, was sie soll. Dein Flugrechner bekommt nur nicht zuverlässig mit, dass sie es gemacht hat…Da sieh her.“

Zarev ließ den Test noch einmal laufen. Wieder bewegte sich die Einheit, während die Stellungsbestätigung ausblieb.

„Der Rechner glaubt, auf Backbord fehlt ihm ein Steuerimpuls, und lässt den Rest nachhelfen und gibt mehr Leistung. Backbord arbeitet aber längst mit. Dann bekommst du mehr Bewegung, als du bestellt hast.“ Er schnaubte leise.

Mit dem nächsten Stellwechsel kehrte die Rückmeldung zurück. Zarevs Blick folgte dem Kabelstrang, der sich dabei geringfügig bewegte. Jetzt wusste er wenigstens, wo er suchen musste.

Er beendete das Prüfprogramm, schaltete die betreffende Baugruppe stromlos und öffnete den Wartungszugang, der sicher schon länger nicht mehr geöffnet wurde, überall waren teilweise ÖL oder andere schmier Substanzen zu sehen.


“Bah..wie sieht das denn aus….der Wartungsschacht wird alles, aber nicht gewartet…verdammter Banthadreck…” Zarev nahm kurz seinen aus dem Overall ragenden Fetzen und wischte einmal kurz vorsichtig über die Kabel und Verbinder.

Die Leitung des Stellungsgebers führte zu einem Steckverbinder, dessen Kabelbefestigung ihm schon beim ersten vorsichtigen Prüfen nicht gefiel. Der Strang hatte weit mehr Bewegungsfreiheit, als er dort haben sollte.

Zarev löste den Verbinder und leuchtete hinein. Einer der Kontaktstifte saß gegenüber den übrigen zurückgedrückt. Bei einer Bewegung des Kabels wich er noch ein kleines Stück aus.


„Da…. da sitzt ein Kontakt nicht mehr richtig in seiner Aufnahme, und die Zugentlastung hält den Kabelstrang auch nicht ordentlich fest.“

Er holte ein feines Werkzeug aus seiner Tasche und machte sich an die Verbindung. Den Kontakt setzte er wieder sauber ein, prüfte dessen Halt und richtete die Kabelbefestigung neu aus. Danach verriegelte er den Steckverbinder und kontrollierte mit einem vorsichtigen Zug, ob diesmal alles an seinem Platz blieb.

Seine Bewegungen wurden dabei ruhiger. Das Grinsen verlor sich, während er sich dicht über die Arbeit beugte und den Sitz der Verbindung noch einmal prüfte. Für diesen Teil brauchte er weder Aurens Hoffnung auf eine Versetzung noch Aussicht auf Credits. Es genügte vollkommen, dass der verdammte Fehler jetzt vor ihm lag und er diesen beheben konnte.

Nach dem Wiederanschließen glich er den Stellungsgeber ab und startete denselben Test erneut. Steuerbefehl, Bewegung, Bestätigung. Auch beim Zurückfahren blieb die Rückmeldung erhalten. Zarev ließ mehrere kleine Richtungswechsel folgen und beobachtete dabei besonders die Stelle, an der sich der Kabelstrang zuvor bewegt hatte.



Diesmal verschwand nichts.


“Ha Ha” Ein erfreutes Lachen entwich ihm, und seine Schultern wippten kurz mit. Für einen Moment sah er aus wie früher in der Werkstatt, wenn ein störrisches Gerät endlich wieder tat, was es sollte

„So gefällt mir das schon besser“, sagte er und richtete sich etwas auf. „Keine zusätzliche Kompensation mehr. Der verdammte Rechner weiß jetzt endlich, wo seine eigene Düse steht.“

Bei dem anschließenden Prüflauf fiel ihm auf, dass auch die unnötigen Leistungsspitzen der Steuerung verschwunden waren. Er rief die Daten zum Funk auf und verglich sie mit den früheren Meldungen. Die Aussetzer passten zu den Momenten, in denen die Regelung nachgearbeitet hatte und zugleich die Laser Energie verlangten.

„Das könnte auch deinen Funk erklären. Die Steuerung hat ständig zusätzliche Leistung fürs Gegenregeln gezogen. Wenn dann noch die Waffen dazu kamen, hat sich offenbar die Funkversorgung verschluckt. "

“Ich kann Sachen reparieren"
Zarev zuckte mit der Schulter. “Ein Boardtechniker bin dann trotzdem nicht das ich alle Stränge auswendig kenne….so oder so diese zwei Probleme sind mal erledigt”

Er ließ die wechselnde Steuerlast erneut prüfen und nahm den simulierten Waffenbetrieb hinzu. Die Verbindung blieb im Test bestehen. Zarev wiederholte den Ablauf, bevor er das Ergebnis auf seinem eigenen Datapad festhielt.

„Hier drinnen bleibt der Funk jetzt mal stabil. Im Flug behalten wir ihn trotzdem im Auge, auf jeden Fall sollte er besser laufen als vorhin.“


Anschließend sah er sich die Meldungen zur Kühlung an. Dort ließ sich mit dem behobenen Rückmeldefehler offenbar nichts erklären. Für eine gründliche Prüfung müsste er tiefer an die betreffende Baugruppe heran, und selbst dann war noch lange nicht gesagt, dass sich der Fehler mit dem vorhandenen Material beseitigen ließ.

„Die Kühlung ist eine andere Baustelle. Dafür müsste ich viel mehr auseinandernehmen, und ein passendes Ersatzteil hab ich gerade auch nicht in der Tasche.“ Er sah Auren an. "Die Temperaturwarnung bleibt wichtig. Wenigstens verheizt die Steuerung jetzt nicht mehr unnötig Leistung beim Gegenregeln. Das sollte die Kühlung zumindest etwas entlasten, wie viel sehen wir erst unter längerer Belastung.”

Zarev schloss den Wartungszugang, prüfte den Verschluss und sammelte sein Werkzeug ein. Als das letzte Gerät wieder in seiner Tasche lag, klopfte er einmal gegen die ausgebesserte Verkleidung.

„Aber dein Bock sollte jetzt wenigstens aufhören, ungefragt nach Backbord abzuhauen. Merk dir die Verbindung, die wir gemacht haben. Die seh ich mir nach dem Einsatz noch mal an.“

Er warf Auren einen Seitenblick zu, und das freche Grinsen kehrte zurück.

„Und falls du irgendwann wieder in einer anständigen Staffel landest, kannst du erzählen, dass hier ein strafversetzter Hehler deinem Flugrechner das Denken beigebracht hat.“

Zarev war nun eindeutig gut drauf, er hatte zumindest einen wichtigen Fehler behoben und einen anderen augenscheinlich behoben oder zumindest eingegrenzt.


“Na was sagst du, haha?" sagte Zarev motiviert und klopfte Auren freudig auf den Rücken und hoffte auf den Dank seines Rottenführers.


[ Outer Rim – Eskortträger Absolution – Hangar – bei Aurens TIE ]
Zarev Korrik und Auren Hardlight
 
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