Weltraum (Imperium)

[ Outer Rim // Eskortträger Absolution // Mannschaftsdeck // Rauchernische ]
Tyla Le’el und Auren Hardlight

Tyla zog an ihrem Glimmer, bis die Spitze glühte. Bei Aurens Erklärung hob sie die Augenbrauen an. Seine Kette? Sie sah kurz zu seinem Kragen. Juncker hatte wirklich Verwendung für alles. Dieser Bastard. „Kennt man“, schnaufte sie, während sie den kalten Rauch langsam durch die Nase blies. Dass es ein Familienstück war, machte die Sache natürlich noch beschissener. Seine Versicherung, dass er fliegen konnte, nahm sie mit einem zögernden Nicken hin. Mehr als fragen konnte sie schlecht. Naja, eigentlich schon. Aber sie war ja nicht seine Mutter.

Bei seiner Aufforderung, das unter ihnen zu lassen, sah sie ihm ins Gesicht.
„Hatte nicht vor, es über den Staffelkanal auszuplaudern.“
Was dachte er denn? Dass sie nichts Besseres zu tun hatte? Er konnte doch froh sein, dass sie sich nur im Inneren über ihn lustig machte. Sie hätte auch die Drama-Schiene fahren und diesen scheiß Einsatz boykottieren können. Zum Beispiel durch noch einen Schlag in seine Rippengegend. Tyla schnipste die Zigarette mit verzogenem Mund grob in Richtung Ascheimer und stieß sich von der Wand ab. „Dann wohl bis gleich.“

Auf Kessel hatte sie sich das Rauchen zwangsläufig abgewöhnt. Und alles, was sie hier in die Finger bekommen hatte, hatte sie für diesen Musikspieler eingetauscht, der nun in ihrer Tasche schlummerte. Mehr als ein paar Züge würde sie also nicht mehr nehmen. Gar keinen Bock auf diesen Suchtscheiß.

Auf dem Weg zu ihrem Quartier wurde ihr bewusst, dass ihre Finger nach Zigarette rochen. Also ging sie erstmal Hände waschen. Danach tauschte sie ihre Dienstklamotte am Spint gegen den Flugoverall. Anschließend nahm sie den Helm auf und betrachtete die Atemschläuche des an der Brust getragenen Lebenserhaltungssystems genauer. Besonders die Stelle, an der beim letzten Mal das Tape geklebt hatte. Schön langsam, einmal rundherum. Sie bog den Schlauch vorsichtig, befestigte ihn am Helm und prüfte die Anschlüsse auf festen Sitz. Zumindest fand sie keine neue Klebestelle. Das war ja schon ein Fortschritt. Zuletzt setzte sie den Helm auf, versiegelte ihn testete, ob sie Sauerstoff bekam.

Alles schien normal. Klar, es roch ein wenig nach altem Plastoid, aber das hatten diese Eimer so an sich. Die Kiffar holte einige Male tief Luft und atmete gepresst wieder aus. Diesmal wurde ihr auch nicht schwindelig. Mehr konnte sie nicht erwarten. Also nahm sie den Helm wieder ab, löste die Schläuche und versteckte ihren Musikspieler noch in einer Flucht am Kopf ihres Spints. Bei ihrem Glück hatte Juncker während ihrer Abwesenheit nichts Besseres zu tun als eine unangekündigte Spintkontrolle. Sie wollte nicht, dass er dasselbe Schicksal erlitt wie Hardlights Kette.

Den Helm unter den Arm geklemmt begab sie sich anschließend zurück zum Hangar, wo sie zwischen den arbeitenden Technikern und Piloten, die sich vorbereiteten, nach den anderen beiden sucht. Hardlight hatte es tatsächlich bis zu seinem Jäger geschafft. Yey. Sie wollte gerade den Mund öffnen, als ein Alarmton durch den Hangar schallte.


„Alle Flugbesatzungen auf Bereitschaftsstation. Hyperraumaustritt in dreißig Standardminuten.“

Die Pilotin sah zurück zum Lift, aus dem gerade Thorne in seiner Fliegermontur schritt. Auch er hatte bereits den Helm unter seinen Arm geklemmt.

„Ihr habt’s gehört, ihr Wompratten! Bereitmachen und aufsitzen!“, schrie er lautstark durch den Hangar.

Tyla lenkte ihren Blick zurück auf ihre beiden Rottenkammeraden.


„Wie weit sind eure TIEs?“

[ Outer Rim // Eskortträger Absolution // Hangar // bei Aurens TIE ]

Tyla Le’el, Auren Hardlight, Zarev Korrik und NSCs
 
[ Outer Rim – Eskortträger Absolution – Hangar – bei Aurens TIE ]
Auren Hardlight, Tyla Le’el und Zarev Korrik


Bei Korriks Schulterklopfen zuckte Auren kurz zusammen. Der Schmerz zog ihm bis unter die Rippen, und für einen Moment musste er die Zähne aufeinanderpressen. Ausgerechnet jetzt, wo der Arkanier die lästige Frage gestellt hatte, ob alles gut sei. Auren hatte nicht erwartet, dass er die Fehler so schnell finden würde. Die Wartung hatte ihn mehrfach mit diesem Scheiß hinausgeschickt und Korrik brauchte bloß seine Werkzeugtasche und etwas Zeit.

"Gute Arbeit, Korrik"

Er hielt ihm die Hand zum Einschlagen hin. Damit konnte er mehr anfangen als mit weiterem Schulterklopfen. Das Lob war ernst gemeint. Wenn der Jäger jetzt tatsächlich geradeaus flog und er beim Schießen noch mit seiner Rotte sprechen konnte, hatte sich das Warten gelohnt. Dass er in der Kugel weiterhin eingehen würde wie in einem überhitzten Dampfbad, war verkraftbar.

Er folgte
Korriks Blick und entdeckte Tyla zwischen den Vorbereitungen an den anderen Maschinen. Gerade als sie zu ihnen trat, schnitt ein Alarmton durch den Hangarlärm.

"Alle Flugbesatzungen auf Bereitschaftsstation. Hyperraumaustritt in dreißig Standardminuten"

Auren hob den Kopf. Um sie herum wurden Werkzeugwagen beiseitegeschoben, Techniker riefen sich etwas über die Stege hinweg zu und ein Pilot eilte mit noch offenen Handschuhen an ihnen vorbei. Aus dem Lift trat Captain Thorne, flankiert von seinen beiden Piloten. Den Helm unter den Arm geklemmt, ließ er den Blick über die Maschinen wandern, während er mit dominanten Schritten den Hangar passierte und laut seinen Befehl brüllte.

"Ihr habt’s gehört, ihr Wompratten! Bereitmachen und aufsitzen!“

Auf Le’els Frage deutete Auren kurz zu Korrik.

"Sollte jetzt geradeaus fliegen"

Er nahm seinen Helm vom Steg und betrachtete einen Moment das schwarze Visier. Endlich ging es los. Noch eine halbe Stunde, dann würde sich zeigen, was hinter dieser bewaffneten Aufklärung tatsächlich steckte. Sein Bauch tat noch immer weh. Junckers Worte waren ebenfalls noch da. Doch beides würde ihn nicht davon abhalten, in diese Maschine zu steigen.

Auren sah seine
beiden Rottenpiloten an und zum ersten Mal an diesem Tag zuckten seine Lippen nach oben.

"Dann wollen wir mal"

Er nickte ihnen ein letztes Mal zu und setzte den Helm auf. Die vertraute Enge schloss sich um seinen Kopf. Er prüfte die Anschlüsse seiner Atemschläuche, bevor er sich der offenen Einstiegsluke zuwandte. Beim Hinuntersteigen musste er kurz innehalten. Mit beiden Händen am Rand abgestützt, ließ er sich vorsichtiger als sonst in den Sitz sinken. Unter dem Helm konnte wenigstens niemand sehen, wie er dabei das Gesicht verzog. Er zog die Beine nach, ordnete die Schläuche und schloss die Gurte. Als er sie festzurrte, fluchte er leise.

Dann lagen seine Hände auf den Kontrollen. Sein Blick wanderte über die Anzeigen. Energieversorgung, Steuerung, Kommunikation. Er begann mit der Vorflugkontrolle und blieb bei der Rückmeldung der Backbord-Manövriereinheit einen Moment länger hängen. Bislang keine Fehlermeldung. Gut, damit ließ sich arbeiten.


Auren schloss die restlichen Prüfungen ab und meldete seine Maschine startbereit. Über ihm senkte sich die Einstiegsluke. Mit dem Einrasten der Verriegelung wurde der Hangarlärm dumpfer, bis hauptsächlich das Summen der Systeme und sein eigener Atem übrig blieben. Er prüfte noch einmal die Anzeige seiner Lebenserhaltung und legte die Hände auf die Steuerung.

Dann wartete er. Die Minuten zogen sich. Über Funk kamen Bereitschaftsmeldungen und Rückfragen der Flugkontrolle. Auren verlagerte sich im Sitz. Der Gurt drückte auf die Stelle, an der Juncker ihn getroffen hatte. Er versuchte eine andere Haltung, stellte fest, dass sie schlechter war und ließ es bleiben. Auf der Temperaturanzeige stieg der Wert langsam an - natürlich, was auch sonst? Er sah zum Hangarausgang und anschließend wieder auf das Chrono. Noch zwölf Minuten. Er hätte schwören können, dass dort vor fünf Minuten dreizehn gestanden hatte. Jetzt, wo er festgeschnallt in dieser Kugel saß, wollte er endlich hinaus. Jede weitere Minute gab ihm bloß Gelegenheit, darüber nachzudenken, welche der überprüften Anzeigen ihn wohl als Erste belügen würde.

Auren bewegte die Finger in seinen Handschuhen und ging den Auftrag noch einmal durch. Aufklären, Kontakte melden, zusammenbleiben. Gelegenheit zum Schießen würde sich schon ergeben. Die letzten Minuten verbrachte er damit, zwischen dem Chrono und den Betriebsanzeigen hin und her zu sehen. Als die Durchsage zum bevorstehenden Hyperraumaustritt kam, richtete er sich unwillkürlich etwas auf. Ein tiefes Vibrieren lief durch die Aufhängung in seinen Sitz. Dann änderte sich das Geräusch des Trägers, und hinter dem Hangarfeld lag wieder der schwarze Raum.


Thornes Stimme knackte im Funk.

"Mynocks, ausschwärmen. Erste Rotte voraus. Zweite, dritte und vierte folgen in Reihenfolge. Delta halten!"

Die Maschinen der Führungsrotte lösten sich aus ihren Positionen. Auren sah ihnen nach, bis sie hinter dem Hangarfeld verschwanden. Danach setzte sich die zweite Rotte in Bewegung. Seine Finger schlossen sich fester um die Kontrollen.

"Dritte Rotte, wir gehen raus"

Die Freigabe leuchtete auf. Auren löste seinen Jäger aus der Halterung und gab vorsichtig Schub. Für einen Moment wartete er auf das vertraute Ziehen nach Backbord. Es blieb aus. Die Maschine folgte seiner Eingabe, ohne dass er gegenhalten musste. Na also - verdammt guter Job,
Korrik!

Er erhöhte die Leistung. Das martialische Brüllen der Zwillingsionentriebwerke erfüllte den Hangar, während er den TIE auf den Ausgang ausrichtete. Links und rechts schlossen die beiden
Maschinen seiner Rotte auf. Auren hielt den Kurs, führte sie durch das Hangarfeld und hinaus in die Dunkelheit. Hinter ihnen folgte die vierte Rotte.

Vor seiner Cockpitscheibe lag endlich freier Raum.


[ Outer Rim – Zwischen T09 und T10 – außerhalb der Absolution – Cockpit von Mynock 7 ]
Auren Hardlight; Tyla Le’el und Zarev Korrik in ihren TIEs
 
[ Outer Rim – Eskortträger Absolution – Hangar – bei Aurens TIE ]
Zarev Korrik, Auren Hardlight und Tyla Le’el



Zarev bemerkte das kurze Zusammenzucken und nahm die Hand von Aurens Rücken. Für einen Augenblick verlor sein Grinsen an Breite. So fest hatte er ja nun wirklich nicht zugelangt. Sein Blick blieb an Hardlights angespanntem Kiefer hängen, doch bevor er noch einmal nachfragen konnte, hielt der Rottenführer ihm bereits die Hand hin und bedanke sich bei ihm.

Zarev schlug ein, und das Grinsen kehrte zurück. Ausgerechnet von Hardlight ein ordentliches Lob zu bekommen, hatte etwas für sich.

„Gern geschehen, man muss mich nur höflich fragen….und nicht unnötig kaputt machen, was ich mühselig repariere.“, sagte er, bevor er Aurens Hand wieder losließ.

Aber irgendetwas stimmte nicht, ganz mit Hardlight, aber dieser schien wenig Interesse daran zu haben, es mitten im Hangar auszubreiten. Zarev konnte ihm schlecht die Verkleidung abschrauben und nachsehen. Falls der Kerl reden wollte, wusste er immerhin, wo er ihn fand.

Als Tyla zu ihnen trat, wollte er sie gerade etwas fragen, doch die Durchsage kam ihm zuvor. Dreißig Standardminuten bis zum Hyperraumaustritt. Zarev blickte zur nächsten Zeitanzeige und dann zu seiner Werkzeugtasche. Damit war die Gelegenheit für weitere Arbeiten wohl so oder so erledigt. Captain Thornes Gebrüll machte das auch für diejenigen deutlich, deren Gehör in den letzten Dienstjahren unter den Ionentriebwerken gelitten hatte.


„Meiner ist bereit. Deiner hat seinen festen Kontaktblock, und Hardlights Flugrechner weiß wieder, was seine Backborddüse macht“, sagte er zu Tyla. „Die Kühlung bleibt bei beiden auf der Liste fürs erste.“

Er hob seine Tasche an und zog den Trageriemen über die Schulter.

„Und dein Helm? Hat diesmal jemand einen richtigen Schlauch eingebaut,, oder muss ich noch irgendwo ein Stück Tape runterreißen?“

Während er auf ihre Antwort wartete, schob er sein kleines Datapad in die Overalltasche. Zwei Maschinen überprüft, seinen eigenen Jäger durchgesehen und einen Fehler gefunden, an dem die Wartung offenbar mehrfach vorbeigeschaut hatte. Für einen Tag auf diesem Haufen war das eine erstaunlich brauchbare Bilanz. Er fühlte sich angenehm wach, und selbst der bevorstehende Start verdarb ihm die Laune vorerst kaum.

„Ich hole schnell meine Flugsachen. Bis gleich beim Start.“

Zarev machte sich schnell auf den Weg aus dem Hangar, dabei blieb einer der Riemen seiner Tasche an einer vorstehenden Kante eines abgestellten Transportwagens hängen. Zarev wurde mitten im Schritt zurückgehalten und drehte sich mit einem verärgerten Laut um.

„Ja, klar…dich hab ich natürlich noch gebraucht.“

Er löste den Riemen, prüfte kurz die Naht und ging weiter. Hoffentlich hatte das keiner gesehen, dem später ein besonders geistreicher Spruch dazu einfiel.


In seinem Spind schloss er das Werkzeug weg und tauschte den Arbeitsanzug gegen seinen Flugoverall. Am Unterarm entdeckte er einen frischen Schmierstreifen, den er mit einem Tuch beseitigte, bevor er die Handschuhe überzog. Anschließend nahm er sich Zeit für die Anschlüsse seines Lebenserhaltungssystems. Tylas Bericht über den geflickten Schlauch war ihm dabei noch gut genug in Erinnerung. Er prüfte die Verbindungen, setzte den Helm auf und atmete einige Male ruhig durch.

Alles saß. Alles dicht. Zumindest musste er für den nächsten Start nicht auch noch seine Atemluft mit einem imperialen Wartungsbericht diskutieren.

Wenig später kletterte Zarev über den Steg zu seinem TIE. Er strich mit der behandschuhten Hand über den Rand der Einstiegsluke und ließ sich in die Cockpitkugel hinunter. Die vertraute Enge empfing ihn zusammen mit dem Geruch nach altem Plastoid und den ganzen Bauteilen. Er ordnete die Atemschläuche, legte die Gurte an und zog sie fest.

Dann begann er seine Vorflugkontrolle. Energieversorgung, Steuerung, Lebenserhaltung und Kommunikation liefen ohne Beanstandung hoch. Er betätigte die Schalter bewusst und achtete auf ihre Rückmeldungen. Die kleine Abdeckung, die zuvor geklappert hatte, blieb ruhig, und auch der gereinigte Verschluss hielt ordentlich.

Zarev lächelte hinter dem Visier. Das waren Kleinigkeiten, aber es waren seine Kleinigkeiten. Er wusste, was er angefasst hatte und weshalb. Nach dem Schließen der Luke wurde der Hangarlärm dumpfer.


„Mynock Neun, startbereit.“

Nach dem Schließen der Luke wurde der Hangarlärm dumpfer. Er schaltete in den Rottenfunk. Zarev saß zwischen dem Summen seiner Systeme und dem eigenen Atem, während über Funk die übrigen Bereitschaftsmeldungen eintrafen. Er bewegte die Finger in den Handschuhen und betrachtete die Anzeigen.

Jetzt würde sich zeigen, ob die Arbeit auch unter Belastung hielt. Besonders bei Hardlights Maschine. Ein sauberer Prüflauf war schön, aber draußen würde niemand das Wartungsprogramm höflich um den nächsten Stellwinkel bitten. Trotzdem hatte er die Verbindung mehrfach genau geprüft und ordentlich befestigt. Mehr ließ sich daran im Moment nicht tun.

Seine gute Laune bekam einen kleinen Dämpfer, als er an die unbekannten Schiffe im Nebel dachte. Bewaffnete Aufklärung ohne verlässliche Angaben. Natürlich schickte man dafür die Mynocks. Er stellte sich unwillkürlich vor, wie schnell aus einer Suchbewegung ein Ausweichmanöver werden konnte, und kontrollierte noch einmal den Sitz seiner Gurte.

Als die Absolution den Hyperraum verließ, lief ein tiefes Vibrieren durch die Aufhängung. Zarev sah zum Hangarausgang, hinter dem wieder freier Raum lag, und richtete seine Aufmerksamkeit auf den nächsten Befehl.



[ Outer Rim – Im Hangar der Absolution – Cockpit seines TIE/ln “Mynock 9” ] Zarev Korrik; Auren Hardlight und Tyla Le’el in ihren TIEs
 
[Dubrillion - Dubrillions Norden - Villa "Casa Negro" - Militärischer Teil des Anwesens - Bereitschaftshalle - Captain Lucius Black, 1st Lt. Damar, 2nd Lt. Cass, Soldaten der Sierra-Kompanie]
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Aus achtzehn Minuten wurden zwölf, zwölf wurden zu sieben und sieben schließlich zu null. Die Sierra-Kompanie war bereit. Lucius hatte in seinem Leben genügend militärische Meldungen gelesen, um zu wissen, dass dieser Satz meist eine Vereinfachung war. Vollständig bereit war vermutlich nie irgendeine Einheit jemals. Von den höchsten Eliten des Imperiums natürlich abgesehen. Aber in der regulären Armee, bei Reservekräften und frischen Rekruten ging in der Routine das ein oder andere immer unter. Irgendein Fahrzeug hatte immer eine Warnleuchte, die vor drei Tagen noch nicht geleuchtet hatte. Irgendein Soldat bemerkte im ungünstigsten Augenblick, dass ein Verschluss klemmte, weil er seinen Blaster nicht gründlich genug gereinigt hatte. Irgendein Unteroffizier suchte eine Kiste, die laut Datapad dort stand, wo sie ganz offensichtlich nicht stand, weil sie ein anderer schon längst weggeräumt hatte ohne es zu vermerken. Bereitschaft bedeutete nicht Perfektion, Bereitschaft bedeutete lediglich, dass man mit den vorhandenen Fehlern leben konnte.

Cass trat zu Lucius und dieser blickte beiläufig auf das Datapad in der Hand seines Versorgungsoffiziers. Dieses war wahrscheinlich mittlerweile wärmer als sein Körper, so lange und so oft war es heute schon im Einsatz


„Kompanie marschbereit, Sir.“ erklärte der Offizier mit einer selbstbewussten Ruhe in der Stimme. Lucius sah knapp an ihm vorbei. Die Halle war ruhig geworden. Die Männer standen bei ihren Fahrzeugen und ihrer Ausrüstung. Niemand hatte eine Formation befohlen und trotzdem blickten nahezu alle in seine Richtung. Die Gerüchte hatten ihre Arbeit getan.

„Lieutenant Damar?“

„Sir.“

„Kommunikationssperre vollständig?“

„Vollständig, Sir.“

„Lieutenant Cass?“

„Alle Fahrzeuge und Versorgungseinheiten bereit, Sir.“

Lucius nickte und er ging einige Schritte nach vorn. Seine Stiefel hallten durch die Halle, denn das schwere Schuhwerk drückte entschlossen auf das Gitter der Brüstung. Doch kurz danach, binnen Sekunden lag jene besondere Stille über der Halle, die nur dort entstand, wo viele Menschen gleichzeitig darauf warteten, dass ein einzelner sprach. Lucius ließ seinen Blick über seine Männer wandern: Einhundertvierzig waren noch hier, vier bereits unterwegs. Aber der Rest würde mit Eifer und Entschlossenheit folgen. Lucius Blick wanderte durch die Reihen und er erkannte vor sich den Stolz des Imperiums. Das war kein Propagandalüge, sondern entsprach der vollkommenen Wahrheit. Er sah Private Garner in der Nähe eines Transporters stehen. Der junge Mann erwiderte seinen Blick nur kurz und wich ihm dann zügig wieder aus. Offenbar dachte er noch immer nach. Sehr gut.


„Meine Herren.“ Seine Stimme war nicht laut. Sie musste es nicht sein. „Ihre Bereitschaftsübung ist beendet.“

Keine Erwiderung, kein Wort, kein einziger Laut. Aber Lucius sah, wie sich einige Gesichter veränderten. Die Blicke der Soldaten wechselten zwischen Erleichterung und Anspannung. Keiner wusste was folgte, denn der aufmerksame imperiale Soldat verstand gut, dass hier gerade zum Ende einer Bereitschaftsübung noch viel zu viel Bereitschaft vorherrschte.

„Von diesem Augenblick an befinden Sie sich in einem realen militärischen Einsatz des Imperialen Oberkommandos.“

Die Worte brauchten einen Augenblick, um durch die Halle zu wandern. Einige Männer richteten sich noch gerader auf. Andere blickten zu ihren Kameraden. Auf Anspannung und Erleichterung folgte ein kurzer Moment von Gewissheit.

„Das Einsatzgebiet und der genaue Auftrag werden Ihnen erst nach Verlassen des Dubrillion-Systems mitgeteilt.“

Das würde den Gerüchten wenig helfen, aber es würde verhindern, dass eines davon den Planeten vor ihnen verließ.

„Bis dahin gilt vollständige Kommunikationssperre. Niemand spricht mit Freunden, Ehefrauen, Geliebten oder irgendeinem Wesen, das Ihnen zufällig besonders vertrauenswürdig erscheint. Die örtlichen Bars und Kantinen sind für Sie alle bis auf Weiteres Sperrzone.“

Kurze Pause.

„Sollte jemand von Ihnen mehrere dieser Kategorien gleichzeitig bedienen, interessiert mich das ebenfalls nicht.“

Kurzes und leises Gemurmel in den Reihen und irgendwo am Rand der Halle unterdrückte jemand ein Lachen. Lucius ließ es zu, denn die Männer würden noch früh genug im Ernst der Situation verweilen.

„Sie haben fünfzehn Minuten.“ Nun wanderte sein Blick zu Damar. „Dann bewegen wir uns.“

„Ja, Sir.“ Lucius drehte sich um und hinter ihm erwachte die Halle erneut. Diesmal schneller.



3 Stunden später​



[Weltraum - Dubrillion-System - Imperialer Truppentransporter - Kommandosektion - Captain Lucius Black, 1st Lt. Damar, 2nd Lt. McKing]
​
Cirrus. Der Name erschien in blauen Lettern über dem Holotisch. Damar schaute konzentriert, Cass hatte zweimal geblinzelt und Gumbart hatte überhaupt nicht reagiert. In den Mannschaftsbereichen des Transporters waren die Gespräche für einige Sekunden vollkommen verstummt, nachdem die versiegelten Einsatzinformationen freigegeben worden waren: Cirrus. Ein neutrales Herzogtum am Rande des imperialen Raums. Kein Rebellenstützpunkt der sogenannten Neuen Republik, kein Piratennest und auch kein imperialer Planet, auf dem irgendein unfähiger Gouverneur Unterstützung angefordert hatte. Neutral, bisher.

Lucius stand direkt vor dem Holotisch, die Arme auf die Kante jenes Einsatzobjektes gestützt.
McKing befand sich rechts von ihm. Eine kleine Kommunikationskonsole war an sein Datapad gekoppelt. Auf dem Tisch erschien keine Liveübertragung. Dauerhafte Kommunikation mit seinen Männern auf Cirrus wäre töricht gewesen. Jede Funkverbindung konnte entdeckt werden, wenn jemand lange genug danach suchte. Deshalb meldeten sich McKings Männer in kurzen Fenstern. Sekunden-, maximal minutenlange Übertragungen. Verschlüsselte Textpakete oder gelegentlich vereinzelte Bilder. Gerade genug, um Informationen zu übermitteln. Nicht genug, um eine Spur zu hinterlassen, die ein gelangweilter Geheimdienstanalyst interessant finden konnte.


„Nächstes Fenster in vier Minuten“, sagte McKing.

„Welche Gruppe?“

„Zwei.“

Lucius betrachtete die Karte. Die erste Gruppe war vor einigen Stunden auf Cirrus angekommen. Die zweite inzwischen ebenfalls. Die anderen befanden sich in unterschiedlichen Etappen ihrer Reise. Noch bewegte sich alles. Das gefiel allen Offizieren. Eine statische Operation war eine tote Operation, eine unbewegliche Mission war verletzlich. Ein Signal erschien und McKing richtete sich auf.

„Jetzt.“

Eine Reihe kurzer Datenpakete traf ein. Zuerst Text, dann ein Bild, dann Audio. Lucius trat näher, die Anspannung machte sich nun auch im Körper des Captain bemerktbar. Das Bild zeigte hellen Stein, eine breite Prachtstraße und mehrere moderne Gleiter. Dort waren Wesen unterwegs, überwiegend Menschen, eine Kutsche fuhr quer über eine kleine Kreuzung. Lucius hob eine Augenbraue.

„Tatsächlich.“

„Sir?“

„Pferde und Kutschen.“

Damar trat ebenfalls näher. „Sie zweifelten daran?“

„Ich zweifle grundsätzlich an allem, was in touristischen Broschüren steht.“

Das nächste Bild erschien: Palace Square. Noch aus einiger Entfernung war die breite Paradestraße erkennbar. Die Sonne stand tief und färbte die Fassaden der Hauptstadt beinahe so golden wie die berühmten goldenen Meere des Planeten. Heller Stein, hohe Fenster, Balustraden, Säulen, Statuen und Banner. Dazwischen moderne Glasfassaden, unauffällig in die ältere Architektur eingefügt. Ciran wirkte nicht rückständig, Ciran wirkte reich und alt-ehrwürdig. Eine weitaus gefährlichere Kombination.

Dann erklang die Stimme eines Aufklärers. Leise, fast beiläufig.
„...Kontrollpunkt nicht in Bestandsunterlagen. Südlicher Zugang Palace Square. Sechs Sicherheitskräfte. Zwei stationäre Scanner. Fahrzeugkontrolle selektiv. Wir versuchen südlich auszuweichen...“ Ein statisches Rauschen. Dann erklang erneut die Stimme. „...Negativ. Straße gesperrt...“

Lucius' Blick verengte sich. McKing beugte sich näher an die Konsole. „Das war nicht geplant.“

Die Verbindung blieb noch einen Moment bestehen, nur wenige Sekunden. Im Hintergrund hörte man Verkehr und Stimmen, beiläufige und unverständliche GEspräche von Passanten, Touristen und zwischendrin das Schnaufen von Pferden .Dann etwas anderes.

„...Halt! Dokumente...“

McKing sah Lucius an, doch Lucius sagte nichts. Die Aufklärer wurden kontrolliert, aber die Mission war dadurch noch nicht gefährdet. Aber sie konnte es in den nächsten dreißig Sekunden werden. Die Stimme des Aufklärers veränderte sich im Vergleich zur letzten Meldung. Sie klang nun nicht mehr militärisch sondern klar verärgert.

„...Schon wieder? Ich bin seit zwanzig Minuten in dieser Stadt und das ist die zweite Kontrolle....“

Eine fremde Stimme antwortete.

„...Dokumente, bitte...“

Kurze Pause.

„...Hier....“

Kurze Pause. Lucius hörte Papier oder Kunststoff rascheln, dann das leise elektronische Summen eines Scanners. McKing stand vollkommen still, Damar ebenfalls. Das Ergebnis dauerte fünf Sekunden. Fünf unangenehm lange Sekunden. Die Anspannung der Offiziere und des Kompanieführer füllte den Raum.

„...Taren Vol?...“

„...Ja...“

Lucius erkannte den Namen, es war der angebliche Industrieelektriker.

„Geschäftlich auf Cirrus?“

„Nein. Ich sammle leidenschaftlich gern Energieverteiler.“

Damar sah Lucius an, dieser hob langsam eine Augenbraue. McKing schloss für einen Moment die Augen und atmete tief ein.

Die cirresische Stimme wurde kälter.
„...Grund Ihres Aufenthalts?...“

„...Wartung für Halver & Co. im Südbezirk. Drei Tage, wenn eure Anlagen genauso zuverlässig sind wie eure Kontrollen....“

Stille. Dann irgendwo im Hintergrund ein unterdrücktes Lachen, aber nicht von McKings Leuten, sondern von einem der cirresischen Sicherheitsbeamten.

„..Bitte einmal die Tasche öffnen...“

Lucius blickte zu McKing. „Werkzeug?“ der Offizier konnte vor Anspannung nciht sprechen, nur ein kurzes Nicken bestätigte Lucius' Frage.

Die Tasche wurde geöffnet, man konnte es am Reißverschluss deutlich hören, dann klapperte Metall.

„...Was ist das hier?...“

„...X-86-Leitungsprüfer...“

„...Sah gefährlich aus....“

„...Dann würde ich Ihnen empfehlen, niemals einen Energieverteiler zu reparieren....“

Damar schnaubte leise. Lucius sagte nichts, aber er begann Taren Vol zu mögen. Wahrscheinlich war das ein Fehler, denn Menschen, die man mochte, machten soetwas komplizierter. Ein weiterer Scan, dann eine kurze Pause. „...Weiter....“ Es folgten Schritte und Verkehrslärm. Erst nach ungefähr zwanzig Sekunden meldete sich die Stimme wieder. „...Wir sind durch...“

McKing atmete nun hörbar aus, der Offizier hatte mittlerweile eine Gesichtsfarbe als wäre dies der erste Atemzug seit der Kontrolle gewesen.

„Lieutenant., Ihr Mann besitzt Humor.“

„Das war nicht Teil seiner Legende.“

„Dann müssen wir seinen Lebenslauf anpassen.“

Die Übertragung hätte enden können, doch tat sie aber nicht.

„...Noch etwas....“ Lucius sah auf. „...Beim Kontrollpunkt. Westseite. Zufahrt hinter der Mauer...“

Ein Bildpaket traf ein: Unscharf und zum Teil unkenntlich, aufgenommen im Vorbeigehen. Doch wichtige Details waren erkenntbar: Ein Tor zwischen zwei hellen Mauern. Nicht besonders groß, keine repräsentativen Wachen. Ein Lieferfahrzeug fuhr gerade hindurch. Überwachungstechnik war auf dem verschwommenen Bild nicht erkenntbar.

„Nicht in den Plänen.“ McKing blickte zu Lucius und dann wieder auf das Bilde ehe er es vergrößerte so gut es ging.

„...Wahrscheinlich Versorgungszugang. Kein öffentlicher oder repräsentativer Verkehr. Zwei Fahrzeuge in acht Minuten....“

Lucius trat näher. Da war sie: Die Tür für Gumbart.

„Standort markieren.“

„Bereits getan.“

Das Signal brach ab, keine Verabschiedung, keine Bestätigung. Nur Stille. Lucius sah weiterhin auf das Standbild. Eine kleine Zufahrt also. Heller Stein und ein überwindbares Tor. Komplett unbedeutend für jeden Touristen aber interessant für einen Soldaten. Für seine Soldaten.

„Deshalb schicken wir Menschen voraus.“ McKing nickte.

„Die Straße war gestern nicht gesperrt.“

„Warum heute?“

„Unbekannt.“ Lucius sah auf die Uhr.

„Finden Sie es heraus.“

„Ja, Sir.“ Der Captain wandte sich ab. Jetzt gab es kein zurück.


[Weltraum - Dubrillion-System - Imperialer Truppentransporter - auf dem Weg nach Cirrus - Kommandosektion - Captain Lucius Black, 1st Lt. Damar, 2nd Lt. McKing]​
 
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