Weltraum (Neue Republik)

[Mittlerer Rand | Hyperraum | irgendwo auf dem südlichen Corellian Run | Hospitalfregatte 'Mild Hope' | Untersuchungsraum Aurek-8] Sergeant Owain Bleddyn & Flottenarzt (NPC)

„Die Brandwunden sehen gut aus.“
Der Flottenarzt warf Owain ein schiefes Grinsen unter seinem ergrauenden Schnäuzer zu. „Zumindest so gut, wie Brandwunden nun mal aussehen. Ich habe eindeutig zu viele davon in meiner Karriere gesehen. Sehr unschöne Verletzung, wenn ich mir die eher unwissenschaftliche Einschätzung erlauben darf. Aber hier sehe ich klare Fortschritte im Heilungsprozess.“ Der Arzt kratzte sich vorsichtig am Kinn und winkte dann dem Medi-Droiden den Scan zu beginnen. „Wollen wir doch einmal schauen, ob ihre Nervenbahnen im beeinträchtigten Bein sich ähnlich gut erholen. Schöner Tag heute für eine Untersuchung, oder?“ Owain gähnte herzhaft und ließ sich langsam auf der nicht allzu unbequemen Liege im Untersuchungsraum nieder. Der ältere Mann vor ihm war nicht unfreundlich, aber unangenehm redselig. Natürlich war Owain dankbar für die gute medizinische Behandlung, die man als Soldat im Dienst der Republik bekam (und auch verdiente, schließlich riskierte man sein Leben für sie). Gleichzeitig wurde ihm der stete, inhaltsleere Wortschwall aus dem Mund des Mediziners etwas zu viel. Der Mann ließ sich eindeutig zu viel Zeit, wie Owain mit einem hektischen Blick auf die digitale Uhr an der Wand des Raums feststellte. Nicht nur, dass die Untersuchung jetzt schon gute zwanzig Minuten ging, nein, sie hatte begonnen jetzt sogar in seine ärztlich zugestandene Zeit abseits der Krankenstation einzuschneiden. Er wollte sich zumindest ein wenig frisch machen, bevor er sich um 11 mit der hübschen Zabrak aus der Messe traf. Mit einem leisen Surren trat der Medi-Droide näher und untersuchte mit einem piependen Handscanner Bleddyns entblößtes Bein. Ein schräges Pfeifen ließ Owains Blick wieder zurück zum Arzt wandern. War er jetzt wirklich auch noch am Pfeifen? „Noch irgendwelche Nachwirkungen, hmm?“ fragte der Flottenarzt, obwohl er die Frage bereits zuvor beantwortet hatte.

Mit leicht gerunzelter Stirn musterte der Marine sein Gegenüber, der begonnen hatte, an seinem Computerpanel seine Untersuchungsergebnisse einzutippen – und dabei wieder verdammt nochmal pfiff. Der Arzt war wohl Anfang 50, hochgewachsen und sein Haupthaar mehrheitlich silbern ergraut. Über den Lippen trug er einen buschigen Schnurrbart. Sein Dienstanzug war zu großen Teilen von einem weißen Kittel bedeckt, indem diverse medizinische Alltagsgegenstände hervorlugten. Dann blieb Owains Auge an den zahlreichen Bandschnallen auf seiner Uniform hängen, als sich der Arzt ein wenig zurücklehnte und der Kittel beiseitefiel. Drei Redbirds für Verwundungen, sowie eine Schnalle in weiß und blau mit einem Stern. Das Medaillon von Mon Calamari? Daneben prankte ein Band in blau mit goldenem Zentrum, einem goldenen Adler auf silbernen Kreuz und roten Rändern: das corellianische Kreuz. „Nicht übel für eine Laborratte, was?“ brummte der Arzt amüsiert, ohne sich auch nur von seinem Bildschirm abzuwenden. „Ich habe meine Karriere nicht nur auf diesem Schiff verbracht. Begonnen hat sie auf Bastion, als Sohn einer imperiumstreuen Unternehmerfamilie und im imperialen Militär.“ Für einen kurzen Moment stockte Owain der Atem. Ein derart hochdekorierter Offizier und Arzt und noch dazu ein Überläufer? „Kaum zu glauben, Sir,“ antwortete der Marine mit echter Hochachtung. Vielleicht steckte hinter dem Arzt doch mehr, als er gedacht hatte. „Vielleicht sollten Sie Ihre Memoiren veröffentlichen, Sir.“ Der Arzt lachte kurz auf, ein Geräusch, das klang wie ein Kath-Hund, der sich verschluckt hatte. „Und was genau würde mir das bringen, Marine?“ fragte er, immer noch amüsiert. „Wenn ich die Geschichte aufschreibe, nehme ich mir ja selbst den Anreiz, Jungspunden wie Ihnen mit ein paar bunten Stoffstreifen an der Brust zu imponieren. Ganz zu schweigen davon, dass ich meine heroische Geschichte dann nicht mehr nach Belieben ausschmücken kann, weil sie dann festgeschrieben ist.“ Mit einem weiteren ebenso kurzen, wie schnaubenden Lachen, drehte er sich kurz zu Owain um und unterbrach ihn, als er gerade eine Frage stellen wollte. „Jetzt bitte Ihre Symptome, junger Mann.“

Mit einem halb belustigten, halb irritierten Stirnrunzeln stellte Owain fest, dass er dem Mann Unrecht getan hatte. Er spürte eine intensive Neugier auf die Details dieser schier unglaublichen Geschichte. Der Flottenarzt war der erste Überläufer im republikanischen Militär, den er getroffen hatte, aber in den Messen der Unteroffizier und Mannschaften zerriss man sich immer wieder einmal die Mäuler über sie. Aus unbestätigen Gerüchten wurden die aufregendsten Märchen zusammengesponnen, aus denen die Erzähler je nach Präferenz die unterschiedlichsten moralischen Leitlinien ableiteten. ‚Vertraue nie einem Imperialen,‘ war wohl die gängigste Variante. Die wenigsten Soldaten trafen je einen echten Überläufer, weshalb die Neugier – wie auch in Owains Fall – groß war. „Gelegentliche, plötzlich auftretende Nervenschmerzen, manchmal gefolgt von kurzen Krämpfen in den Muskeln des Oberschenkels,“ wiederholte Owain, was er zuvor bereits berichtet hatte. Es konnte doch nicht zu schwer sein der Tratschtante mehr Details zu entlocken, dachte er bei sich. „Kann nicht einfach gewesen sein, als imperialer Soldat in den republikanischen Streitkräften zu dienen, Sir.“ Der Medi-Droide hatte seinen Scan abgeschlossen und mischte sich ungeniert und zielorientiert ins Gespräch ein. „Der Femoralnerv im Bein ist immer noch überreizt und geschädigt, aber der Heilungsprozess geht gut voran, Sir. Ich empfehle weitere Bacta-Injektionen.“ Der Mediziner nickte und tippte, jetzt überraschend wortkarg, an seinem medizinischen Bericht weiter. Bleddyn räusperte sich, verwundert wie sich ihre Rollen getauscht hatten. Wie hatte es der alte Mann geschafft, ihn derart einzuwickeln, dass es jetzt er selbst war, der Interesse an dem Gespräch hatte?

„Das Militär hat die Angewohnheit eigenartige Geschichten mit überraschenden Wendungen zu schreiben, Sergeant,“ antwortete der Offizier trocken. „Wie Sie wohl bald selbst herausfinden werden.“ Mit einem leisen Murren setzte sich Owain wieder aufrecht auf. Spielte der Kerl jetzt mit ihm, nachdem er festgestellt hatte, dass er ihn am Haken hatte? Was würde er denn bald herausfinden? „Könnten Sie etwas spezifischer sein, Sir?“ fragte er höflich. Der Arzt stand auf und hatte ein ebenso mysteriöses, wie trauriges Lächeln im Gesicht und gab sich nun wortkarger denn je. „Nein, tatsächlich nicht, Sergeant. Ich habe schon zu viel gesagt.“ Owain wusste nicht, ob er lachen oder weinen sollte. Der verdammte Quacksalber hatte eindeutig zu viel Spaß daran, jetzt den wissenden, aber wortkargen alten Mann zu spielen. Aber er hatte ein As im Ärmel. Genau genommen nicht er, aber sein Kumpel Sergeant Sokar und er würde verdammt sein, wenn der Arzt der erste Veteran wäre, der diese Sorte von As nicht mochte. „Ich kenne jemanden, der eine schöne Flasche Mon Cala-Korallenbrandy auftreiben konnte, Sir. Eine echte Köstlichkeit!“ Der Arzt legte den Kopf schief und grinste ihn unter dem buschigen Schnurrbart breit an. „Sergeant,“ begann er amüsiert und in einem Ton gespielten Schocks. „Wollen Sie mich etwa bestechen?“ Owain entgegnete das Grinsen und kratzte sich an seinem etwas stoppeligen Kinn. „Das würde mir selbstverständlich nie einfallen, Sir. Bestechung wäre es, wenn Sie die ganze Flasche bekämen, ohne dass ich dafür etwas bekäme, Sir. Ich schlage stattdessen einen Tauschhandel vor.“ Der Marine nickte mit einem verschlagenen Funkeln in den Augen. „Sie könnten es als Verkostung sehen, bei der wir Ihre interessante Dienstgeschichte gegen einen Schluck Brandy tauschen, Sir.“ Der Arzt schwieg für einen Moment, weiter grinsend und brach den in schallendes Gelächter aus. Sein droidischer Assistent starrte ihn mit leerem Blick an, als erwarte er einen Befehl oder vermutete, der Arzt sei nun selber ein Fall fürs Lazarett.

„Nun, Sergeant Bleddyn, die Vorschriften verbieten mir offiziell den Konsum von größeren Mengen Alkohol, solange ich Dienst auf dem Schiff tue,“ begann der alte Mediziner in strengen Ton, auch wenn seine Augenbrauen amüsiert hochgezogen waren. „Aber da Sie lediglich von einer Verkostung sprechen …“ Owain nickte verstehend und setzte sein bestes Unschuldsgesicht auf. „Selbstverständlich, Sir,“ bestätigte er mit der rechten Hand auf dem Herz. „Natürlich erwarten wir, dass Sie den Brandy nach dem Verkosten ausspucken, wie man das bei Verkostungen nun mal macht. Wir würden uns nie verzeihen, wenn Sie betrunken Ihren Dienst tun, Sir.“ Der Mediziner riss die Augen weit auf, schwieg für einen Atemzug, brach dann aber in herzhaftes Gelächter aus, wobei er sich kräftig auf seine Schenkel schlug. „Einverstanden, Sergeant. Wir werden in drei Tagen einen Zwischenstopp machen, bei dem Sie und der Großteil Ihrer Kompanie das Schiff verlassen werden – unter der Voraussetzung, dass Sie dann fähig zu leichtem Dienst sind, wovon ich ausgehe. So viel kann ich Ihnen zumindest schon einmal sagen. Ich werde dann ein paar Tage Freigang haben und wir eine Gelegenheit für eine Verkostung Ihres feinen Brandys.“ Der Arzt wischte sich eine Lachträne aus dem Auge und schlug in die von Owain dargebotene Hand ein. „Wer weiß, vielleicht erinnere ich mich dann tatsächlich auch besser an die Details meiner Heldentaten.“ Owain nickte. „Das wäre von Vorteil, Sir.“ Gleichwohl interessierte ihn fast ebenso sehr, wieso die Kompanie so früh das Schiff verlassen würde. Ursprünglich war ihr Ziel Utapau gewesen. Lag es am Kriegsausbruch, dass es nun für sie andere Pläne gab? Vielleicht würde er seinen Zugführer, Lt. Kohé, oder Staff Sergeant Karan löchern müssen. Immerhin würde er eventuell bei der ‚Verkostung‘ auch etwas mehr Details über ihre zukünftigen Befehle erfahren.

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| Kernwelten | Hyperraum | Corellian-Run | geenterte CR-70 Korvette | Frachtraum | Ferak Koltari mit Sahra, Piraten und verängstigte Crew, Juna​

Juna wirkte wie etwas, das direkt aus einem Alptraum gekrochen war. Blut lief noch an ihrem neuen mechanischen Arm herab, die frischen Verbindungen zwischen Metall und Fleisch wirkten roh und unvollständig. Doch Feraks Blick blieb nicht an dem Verstörenden hängen. Das Erste, was er wahrnahm, war etwas anderes. Sie war hier. Lebendig.
Als ihre Arme sich um ihn legten, erwiderte der Zabrak die Umarmung ohne Zögern. Seine kräftigen Arme schlossen sich ruhig um die Rattataki, fest genug, dass sie die Ehrlichkeit darin spüren konnte. Für einen kurzen Moment fiel die Spannung von ihm ab. Kein Krieger. Kein Padawan. Einfach nur Ferak. Seine Hand glitt ihr kurz über den Rücken, langsam, beruhigend.


„Ich auch“, sagte er leise.

Die tiefe Stimme klang noch immer rau vom Kampf, aber bei ihr lag ein Hauch Wärme darin. Etwas Belegtes. Ehrliches. Dann löste sich die Umarmung wieder, und Juna war bereits beim Cyborg, kommentierte dessen Umbauten mit einer Mischung aus Spott und echter technischer Neugier. Eine Augenbraue des Zabraks hob sich leicht. Sein Blick glitt ebenfalls zu dem bewusstlosen Piratenanführer hinüber. Zu viel Metall. Zu viele Narben. Und noch immer dieses Echo in der Macht. Für einen Augenblick dachte er wieder an die Vision im Kampf. An das Bild seiner selbst. Härter. Kälter. Vollständig dem Trommeln hingegeben. Dann war es fort.
Juna kniete sich bereits neben Sahra und untersuchte sie mit erstaunlich ruhigen Bewegungen, trotz der Schmerzen, die sichtbar durch ihren eigenen Körper jagten. Ferak beobachtete schweigend, wie konzentriert sie arbeitete. Es war seltsam beruhigend, sie so zu sehen. Die Rattataki erklärte das Meisterin Kenobi stabil sei. Feraks Blick senkte sich kurz auf seine Meisterin. Und auf Junas Frage hin erklärte er:


„Der Cyborg hat einen Pfeil auf sie abgefeuert, irgendein Betäubungszeug. Hat sie sofort ausgeschaltet.“

Als Juna ihn ansah und fragte, ob es ihm gut gehe, schwieg er einen Herzschlag zu lange. Nicht, weil er überlegen musste. Sondern weil die Antwort komplizierter war, als sie klang. Dann nickte er leicht.

„Ja, mir geht es gut.“

Und diesmal meinte er es. Die Trommeln in seinem inneren waren noch da. Tief in ihm. Aber sie rissen nicht mehr an ihm. Er hatte ihren Schlag wieder aufgenommen, ihn zurück in Einklang mit seinem eigenen Herzschlag gezwungen. Nicht Ruhe. Aber Kontrolle.

Ferak wandte sich schließlich dem Offizier der Korvette zu. Der Mann organisierte bereits seine Crew. Gefangene wurden gefesselt, Verletzte versorgt, Waffen eingesammelt. Ordnung kehrte langsam zurück. Der Zabrak trat zu ihm.

„Die Gefangenen bleiben unter Eurer Aufsicht“, sagte er ruhig. „Achtet vor allem auf den Cyborg. Wenn er aufwacht, wird er Probleme machen.“
Der Offizier nickte ernst. Feraks Blick wanderte noch einmal prüfend durch den Frachtraum.
„Wir bringen meine Meisterin zurück auf unser Schiff“, fuhr er fort. „Danach setzen wir unseren Kurs fort. Wir haben eine Mission.“
„Sobald Eure Systeme wieder laufen, meldet den Angriff der Republik. Und die Piratenroute.“

„Das werden wir“,
antwortete der Offizier knapp. Ferak nickte stumm.

Dann kehrte er zu Sahra zurück und kniete sich neben sie. Vorsichtig schob er einen Arm unter ihre Schultern, den anderen unter ihre Beine. Trotz seiner Größe und Kraft lag etwas überraschend Sanftes in der Bewegung, beinahe behutsam. Als hätte er Angst, sie könnte zerbrechen, wenn er nicht aufpasste. Er hob sie an, ruhig und sicher. Sein Blick traf kurz Junas. Kein Lächeln. Das lag ihm nicht. Aber die Erleichterung darüber, dass sie beide noch bei ihm waren, war deutlich genug in seinen Augen zu lesen und tief unter allem anderen spürbar.

„Wir gehen“, sagte er schließlich leise. Und diesmal klang es nicht wie ein Einsatzbefehl. Sondern wie der Wunsch, sie beide zurück an Bord der StarExplorer zu bringen, zurück nach Hause.


| Kernwelten | Hyperraum | Corellian-Run | geenterte CR-70 Korvette | Frachtraum | Ferak Koltari mit Sahra, Piraten und verängstigte Crew, Juna​
 
[Mittlerer Rand | Hyperraum | zwischen New Cov und Naboo | Kleeque-Truppentransporter Dorn-46 | Sanitäre Anlagen] Sergeant Owain Bleddyn

Mit einem leidenden Grunzen wischte sich Owain Bleddyn ein letztes Mal über den Mund, ignorierte den hämmernden Kopfschmerz in seinem Kopf und trat aus der Toilettenkabine in die spartanischen sanitären Anlagen des Kleeque-Klasse Truppentransporters, oder besser gesagt dem Passagiermodul, in dem er sich aufhielt. Der Marine wusste noch nicht, wie er den gestrigen Abend einschätzen sollte. Die ‚Verkostung‘ des Brandy war wie geplant abgelaufen. Der Flottenarzt, der ihn behandelt hatte - Lieutenant Soren Kalanta, wie er sich später vorgestellt hatte – war angesichts des köstlichen Schnaps durchaus gesprächig gewesen und hatte ihm und Sokar gegenüber ausgeplaudert, wohin ihre Kompanie verlegt wurde. Noch dazu war der Doktor ein exzellenter Geschichtenerzähler gewesen und die Abenteuer des hochdekorierten Überläufers und Kriegsveteranen waren spannend und mitreißend gewesen, auch wenn Owain vermutete, dass Kalanta einiges ausgeschmückt hatte. Gleichzeitig hatte er noch an diesem Morgen die genaueren Details im Rahmen eines Einsatzbriefings bekommen, war also so oder so direkt danach über die Details informiert worden. Danach hatten sie auf dieses weit weniger bequeme Transportschiff gewechselt. Viel schlimmer wog jedoch, dass Owain zwar wieder als eingeschränkt dienstfähig galt, aber der Doktor wohl Recht behalten hatte, als er ihn gewarnt hatte, dass die Medikamentierung der letzten Tage sich eher schlecht mit Alkohol vertrug. „Es wird Sie nicht umbringen, Bleddyn, aber Sie werden sich fühlen, als hätte sie ein Ronto vor den Kopf getreten.“ Er hörte die leicht verwaschene Stimme des Docs zwischen zwei tiefen Schlucken aus seinem Brandy-Glas noch süffisant in seinen Ohren nachklingen. Bei der Macht, er hasste es, wenn Ärzte Recht hatten.

Bleddyn wusch sich die bleichen, immer noch etwas zittrigen Hände und musterte seine Aufmachung im Spiegel aus dunkel umrandeten, verkaterten Augen heraus. Er hasste die reguläre Uniform der Marines. Wenn man ihn fragte – und die Designer der Uniform hatten dies leider nicht getan – dann sahen die Fetzen aus, als handele es sich bei den Marines um hellblau gekleidete Matrosen auf einem verdammten Frachter oder eine drittklassige Miliz auf einem Agrarplaneten im Outer Rim. Owain runzelte die Stirn und streckte sich. Natürlich bedeutete ‚leichter Dienst‘ nicht zwangsläufig Herumrennen im schweren Kampfanzug und mit der Körperpanzerung der schweren Marine-Infantrie. Aber er wollte sich gar nicht zu sehr beschweren, schließlich konnte er so noch für ein paar Tage zumindest die unbequemsten Aufgaben ablehnen und Lieutenants Kohés speziellem ‚Krafttraining für Marines unter Transitbedingungen‘ entkommen. So inspizierte und wartete er die Waffen der Kompanie anstatt in den engen, vollgestopften und noch dazu stickigen Frachträumen dieser Schaluppe Liegestütze zu machen. Ein müder Marine mit Augenringen aber einem dünnen Grinsen im Gesicht starrte ihm aus dem Spiegel entgegen. Den Kater würde er auch noch wegstecken. Wichtiger war ohnehin, dass er Kohé selbst noch für ein Weilchen aus dem Weg ging. Der Nikto war kein allzu übler Vorgesetzter, aber Owain legte keinen Wert darauf in selbstgerechten Ton erklärt zu bekommen, dass auch gelegentlicher Alkoholmissbrauch keinen Platz bei der republikanischen Marineinfanterie hatte. Der Marine schniefte, zwinkerte sich selbst noch einmal im Spiegel zu und verließ bedächtigen Schrittes die Toilette.

Owain hatte keine Eile zurück in die provisorische Waffenkammer der Forn-Kompanie zu kommen, wo es galt die T-21 Repetierblaster des schweren Zuges zu warten. Keine allzu schwere oder langwierige Aufgabe. So beschloss er noch einen Umweg durch die Laderäume zu machen. Der Truppentransporter hatte neben den Überresten seiner Kompanie und weiteren Soldaten vor allem unterschiedlichste, militärische Güter geladen. Einer der Laderäume war geradezu vollgestopft mit Fertigbauteilen für Feldbasen und Pionierdroiden, während in diesem hier auf Schwebepaletten zwei T-47 Airspeeder und vier V-Flügler mit Spanngurten festgezurrt waren. Owain ließ seine Augen über die schwer bewaffneten Vehikel wandern und fragte sich, wie sich ein Gefecht ‚von oben‘, aus einem Cockpit heraus, wohl anfühlte. War es ein ähnlicher Rausch aus Panik, Adrenalin und brennender Wut, wie ein Infanteriegefecht im Schützenloch? Aus dem Augenwinkel heraus sah Bleddyn wie ein Offizier im Range eines Lieutenants skeptisch zu ihm herübersah. Zeit den Rückzug anzutreten. Owain senkte mit einem halben Grinsen im Gesicht vermeintlich ehrerbietig den Kopf und salutierte locker, bevor schnelleren Schrittes als zuvor das Sichtfeld des Lieutenants verließ. Es würde spannend werden, die Gleiter im Einsatz zu sehen. Gleichzeitig fragte er sich, ob die Piraten, gegen die man sie anscheinend - überstürzt? - ins Feld warf, nicht vielleicht doch gefährlicher waren, als sie in ihrem Briefing dargestellt worden waren. Wieso sonst zusätzlich zu den bereits vorhandenen Infanteristen eine halbe Staffel Airspeeder und noch dazu eine angeschlagene Kompanie schwerer Marineinfanterie in die Waagschale werfen?

Captain Javal hatte sich im Briefing vergleichsweise kurzgefasst. Die Forn-Kompanie, das bedeutete aktuell noch knapp über 80 von normalerweise 144 Marines, war auf dem Weg nach Chommell Minor, wo es galt Piraten von einem ehemaligen Übungsplatz der alten Republik zu vertreiben, weil die Streitkräfte den Standort als neue Basis brauchten. So weit, so gut. Nur waren dort bereits eine Kompanie aus leichter Infanterie, Kundschaftern und Pionieren. Es mussten schon ausgesprochen hartnäckige Freibeuter sein, wenn eine Kompanie Infanterie sie nicht vertreiben konnten. Wie um seinen Gedankengang zu untermalen, zwickte seine verheilende Wunde an seinem Bein, gefolgt von einen fast elektrischen Ziehen seinen Nerv entlang. Owain fluchte leise. Immerhin hatten die Krämpfe aufgehört und er konnte problemlos laufen. Er hatte keinen Zweifel, dass er in ein paar Tagen wieder problemlos die Körperpanzerung der schweren Infanterie anlegen können würde. Im Endeffekt würde er wohl einfach mehr Details zu ihrem neuen Feind abwarten müssen, dachte er, während er zwischen einer Reihe an Ausrüstungskisten in seinen kleinen Werkstattbereich eintrat, wo die T-21 auf ihn warteten. Aber was hatte Captain Javal bloß damit gemeint, als sie meinte, die Marines sollten „da unten bloß auf ihre Stiefel aufpassen“? Wenn die raubeinige Offizierin hämisch grinste, bedeutete es seiner Erfahrung nach meist schlechte Neuigkeiten für ihre Marines.

[Mittlerer Rand | Hyperraum | zwischen New Cov und Naboo | Kleeque-Truppentransporter Dorn-46 | provisorische Waffenkammer Forn-Kompanie] Sergeant Owain Bleddyn​
 
(von Bastion)​

Hyperraum – unterwegs von Bastion nach Ciutric – Von-Kath-Nerf-Express – Bailee und Brianna

Für Geschwindigkeit war der Viehtransport nicht gerade gebaut, er war sogar langsamer als die TARDIS. Wie Bailee bemerkte, nahmen sie die ‚romantische Route‘ nach Ciutric IV über Sernpidal. Brianna konnte nur mit den Achseln zucken, weil ihr weder die eine noch die andere Welt wirklich was sagte, aber ihre nautolanische Padawan zeigte ihr den Verlauf der Sternstraßen auf ihrem kleinen Holoprojektor. Den Großteil der Reise würden sie im neutralen Raum verbringen, und das war doch gut, oder? Wobei die Echani sich schwerlich vorstellen konnte, dass sie große Probleme bekommen würden. Sane hatte keinen Zwischenstopp auf Sernpidal erwähnt und überhaupt waren die von Kath, so wie er es erzählt hatte, eine einflussreiche proimperiale Adelsfamilie und es war logisch anzunehmen, dass deren Frachter kaum unangekündigte Kontrollen zu fürchten hatten. So gut kannte sie das Imperium.

Nachdem sie auf dem Hinweg bereits eine längere Diskussion über Risiken und Nebenwirkungen von Machtstasis geführt hatten, verzichtete Brianna dieses Mal darauf. Sie mussten sich ja nicht sonderlich verstecken. Das hatte aber den Nachteil, dass sie Vorräte brauchten, oder zumindest Wasser, wenn sie beide damit leben konnten, sich ausschließlich von Ackbars Algencrackern zu ernähren. Viel Wasser, angesichts des Salzgehalts, und das musste irgendwo her kommen. Es dauerte nicht lange, bis Brianna anfing, das Schiff zu erkunden und feststellte, dass die Crew zwar aus einer größeren Anzahl Droiden, aber nur aus drei richtigen Personen bestand, alles Menschen. Drei Leute brauchten natürlich vergleichsweise wenig Proviant. In Anbetracht von Briannas ständigem Appetit war sicher zu sagen, dass sie den Großteil der Vorräte mopsen müssten, also bedienten sie sich bei den Nerfs. Auf Heu verzichtete sie dankend, aber sie fand große Kanister, die sie mit Wasser füllen konnte und zugleich prima improvisierte Hanteln abgaben. Als sie mit der Riesenmenge an Trinkwasser ankam, hatte Bailee sie gefragt, ob sie vorhätte, ein Bad zu nehmen.

Stattdessen setzten sie zur Überbrückung der Langeweile das Jedi-Training der Padawan fort. In der relativen Sicherheit des neutralen Raums schlich sich Brianna wieder davon und suchte sich einen Raum, in dem sie Sport treiben konnte, ohne dass jemand sie bemerkte. Entweder das oder sie würde so hippelig und ungenießbar werden, dass Bailee wünschte, sie hätten doch die Trance angewendet. Von ihrem iKom hielt die Echani sich fern. Sie war immer noch bedient vom letzten Mal und wollte gar nicht wissen, wie viele neue Nachrichten und Kommentare sie seitdem schon wieder erhalten hatte. Nach Sernpidal legten sie sich beide nochmals auf's Ohr bis kurz vor der Landung auf Ciutric IV, wo sie sich mucksmäuschenstill verhielten, bis die tierische Ladung von Bord getrieben worden war. Anschließend stahlen sie sich ebenfalls von Bord. Die ‚Prince Livian‘ mit ihrem Droidenpiloten trieb bereits im Daplona-Fluss und wartete auf sie, aber Brianna bestand darauf, in der gleichnamigen Hauptstadt eine vernünftige Mahlzeit einzunehmen und sich mit Vorräten einzudecken, vor allem einer großen Menge an frischem Obst. Sie hatten vor, die sichere Route um das Imperium außenrum zu nehmen und das würde auch an Bord der flinken ‚Prince‘ einige Tage dauern.

Erst als sie am Flussufer angekommen waren, stellte Brianna fest, dass sie versäumt hatten, eine wasserdichte Transportbox zu organisieren. Da sie sich auch nicht die Blöße einer möglicherweise missglückten Levitation geben wollte (und sie plötzlich Fruchtmus statt Früchten hätten), war es etwas herausfordernd, sowohl die Vorräte als auch ihre Klamotten trocken an Bord des im Fluss schwimmenden MC-18 zu bekommen. Dass sie beide hervorragende Schwimmerinnen waren, half natürlich, verzögerte aber ihren Abflug noch weiter. Auf den Geschmack gekommen, schwammen sie noch eine Weile länger im Fluss und trotz zweier Duschen hatte sie erst jetzt das Gefühl, den Kanalisationsgeruch wirklich los und wirklich sauber zu sein.

Den Droiden stellten sie ab. Bailee ließ es sich nicht nehmen, das hochmoderne Schiffchen selbst zu steuern. Währenddessen beschäftigte Brianna sich damit, Vin hinter sich zu lassen und wieder sie selbst zu werden. Die Schminke war unproblematisch zu entfernen, aber die schwarze Tönung wusch sich nicht so leicht aus. Nicht so leicht wie die Silberhaarige es gerne gehabt hätte jedenfalls. Ihr Haar blieb eher grau anstatt silbern schimmernd und es war immer noch ungewohnt wellig anstatt glatt. Das würde sich ja geben, aber mit dem Grauton würde sie wohl noch eine Weile leben müssen, sah sie ein. Bei ihrer Menge an Haar war das Waschen eine ziemliche Prozedur, die frau nicht ständig auf sich nahm.

Probleme gab es beim Abflug keine. Der Flug verlief erwartungsgemäß ziemlich ereignislos, aber um einiges komfortabler als auf dem Nerf-Frachter. Sie hatten Betten, einen Aufenthalts- und Trainingsraum und Brianna hatte Sportgeräte an Bord. Lebensmittel wären ohnehin an Bord gewesen, aber besser vorsorgen als hungern war die Devise.

Schließlich war es soweit. Auch Brianna ließ es sich nicht nehmen, in's Cockpit zu kommen und auf dem Kopilotinnensitz Platz zu nehmen, als sie in den Normalraum des Coruscant-Systems zurückfielen. Es dauerte nicht lange, bis sie die Veränderungen bemerkten: es war viel mehr Verkehr als Brianna es noch kannte. Die Sternenflotte war immer noch im System, aber die Kontrollen gab es nicht mehr. Sie konnten direkt durchfliegen bis zum Jedi-Tempel, wo sie schließlich unbeschadet aufsetzten. Endlich, sie hatten es geschafft!


Coruscant – Jedi-Tempel – Landeplattform der ‚Prince‘ – Bailee und Brianna

(weiter auf Coruscant)​
 
| Kernwelten | Hyperraum | Corellian-Run | geenterte CR-70 Korvette | Frachtraum | Ferak Koltari mit Sahra, Piraten und verängstigte Crew, Juna​

Der Rückweg zur StarExplorer[ verlief schweigend. Ferak trug seine Meisterin durch die Korridore der Korvette, durch die notdürftig gesicherte Luftschleuse und schließlich zurück auf das vertraute Deck ihres Schiffes. Sahra war leicht in seinen Armen. Beinahe erschreckend leicht. Der Zabrak achtete auf jeden Schritt, jede Schwelle, jede Bewegung. Erst als sich die innere Schleuse hinter ihnen geschlossen hatte und die vertraute Luft der StarExplorer seine Lungen füllte, erlaubte er sich, etwas tiefer durchzuatmen. Auf der Krankenstation legte er Meisterin Kenobi vorsichtig auf der Behandlungsliege ab. Wieder lag etwas beinahe Widersprüchliches in seinen Bewegungen. Die großen Hände des Kriegers, geschaffen, um Waffen zu führen und Knochen zu brechen, behandelten die kleine Menschenfrau mit einer Sanftheit, als wäre sie etwas unendlich Zerbrechliches. Einen Moment blieb seine Hand auf ihrer Schulter liegen. Dann trat er zurück. Juna war bereits da.

Ferak beobachtete nur kurz, wie die Rattataki sich an die Arbeit machte. Sie war selbst verletzt. Ihr neuer Arm war kaum mehr als eine improvisierte Lösung, Blut klebte noch an den Verbindungsstellen zwischen Fleisch und Maschine. Und trotzdem richtete sich ihre Aufmerksamkeit auf Sahra. Ein vertrautes Gefühl regte sich in ihm. Verantwortung, Vertrauen, Vielleicht auch Stolz? Er nickte Juna knapp zu und wandte sich ab. Jemand musste das Schiff fliegen.

Wenig später saß der Zabrak wieder im Pilotensitz. Die Anzeigen der StarExplorer warfen bläuliches Licht über sein Gesicht, während seine Hände die Steuerung bedienten. Die beschädigte Korvette entfernte sich langsam von ihnen. Feraks Blick blieb noch einen Moment auf ihrer Signatur liegen, dann rief er die unterbrochene Route auf. Ossus. Die Koordinaten standen noch immer im Navigationscomputer. Das schlechte Gefühl ebenfalls. Er atmete tief durch. Ein. Aus. Die Trommeln in seinem Inneren hatten wieder ihren Rhythmus gefunden. Langsam. Schwer. Im Einklang mit seinem Herzen. Die Sterne vor der Sichtscheibe streckten sich zu langen Linien. Dann verschwand die StarExplorer im Hyperraum.

Später fand er Juna wieder bei der Krankenstation. Sahras Zustand hatte sich nicht merklich verändert. Ihr Atem ging ruhig, ihre Präsenz in der Macht war gedämpft, aber beständig. Die Rattataki hingegen kämpfte mit ihrem eigenen Problem. Werkzeug, Bauteile und Diagnosegeräte lagen um sie verteilt, während sie sich mit ihrem notdürftig angesetzten Arm beschäftigte. Ferak blieb einen Moment im Schott stehen und beobachtete sie. Sie zwang die Mechanik. Er erkannte es an den Bewegungen. Kleine Korrekturen wurden zu größeren. Ungeduld schlich sich zwischen die Handgriffe. Der Zabrak trat näher.


„Soll ich helfen?“
Juna lehnte dankend ab und verwies auf Suse. Sie und der Droide würden das schon schaffen. Feraks Blick glitt zu der kleinen Maschine. Seine Miene verriet deutlich, was er von Droiden hielt. Er brummte. Dann sah er wieder zu Juna.
„Nicht schneller.“
Seine Augen wanderten zum Arm.
„Ruhiger.“

Mehr sagte er nicht. Juna würde verstehen. Vielleicht jetzt. Vielleicht später. Der Zabrak zog sich zu seiner Meisterin zurück. Er nahm auf dem Boden neben der Behandlungsliege Platz, kreuzte die Beine und legte die Hände locker auf seine Knie. Sein Blick ruhte einen Moment auf Sahras Gesicht. So oft hatte sie neben ihm gesessen. Gewartet. Ihn in die Macht geführt. Jetzt war sie still. Ferak schloss die Augen. Er suchte nicht nach Antworten. Nicht nach Heilung. Das war nie seine Stärke gewesen. Wo Sahra Leben in der Macht wie einen verletzten Fluss erkennen und wieder in sein Bett zurückführen konnte, fand Ferak nur Strömungen. Widerstände. Felsen. Also tat er, was er konnte. Er blieb. Seine Präsenz ruhte in der Macht wie ein gewaltiger Stein inmitten einer Strömung. Fest. Unbeweglich. Ein Anker neben der gedämpften Präsenz seiner Meisterin. Atemzug um Atemzug. Herzschlag um Herzschlag. Er trug die Stille. Als er die Augen wieder öffnete, wusste er nicht, wie viel Zeit vergangen war.

Sein Magen wusste es offenbar besser. Ferak erhob sich. Wenig später erfüllte der Geruch angebratenen Nerffleisches, von Wurzeln und milden Gewürzen die Kombüse der StarExplorer. Kochen war ebenfalls eine Form der Meditation. Schneiden. Warten. Hitze kontrollieren. Nicht alles wurde besser, wenn man es zwang. Manche Dinge brauchten Zeit


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Zuletzt bearbeitet:
[Weltraum, Neue Republik, kurz vor Couruscant] - mit Tari Haako und NSCs

Tari war in Halbschlaf versunken, während die zivile öffentliche Raumverkehr-Fähre weiter durch den Hyperraum tuckerte.
Die Reise zum Jedi-Tempel verlief nicht ganz wie geplant. Sein Schmuggler hatte ihn auf halbem Weg auf einem ihm unbekannten Mond rausgeworfen, da das Geld aufgebraucht gewesen wäre.
Tari war sich sicher, dass dies gelogen war und alleine der Gewinnmaximierung dieses Dreckskerls diente.
Dort war er dann einige Tage am Boden gewesen. Das schlechte Gewissen, seinen besten Freund und seinen eigenen Vater in einem Punkt doch angelogen zu haben, meldete sich lautstark zu Wort. Und versuchte, ihm einzuflüstern, dass dies nun die gerechte Strafe für seine eigene Unehrlichkeit sei. Seine Laune wurde nicht dadurch gebessert, dass er nun neues Geld auftreiben musste - und er nicht wusste, wo er sich da am besten hinwenden sollte.

Es war für ihn also eine Fügung der Macht, als er beim Suchen nach etwas Essbarem auf dem Markt einen Kampfring gefunden hatte, in dem Männer mit dicken Handschuhen aufeinander einschlugen. Das wurde 'Boxen' genannt - davon hatte
Tari schonmal etwas gehört. Aber abfällig, da bei dieser Sportart nur Faustschläge erlaubt waren und somit nicht das ganze kämpferische Potential eines Individuums entfesselt werden könnte. Er fand es daher auch nicht so ansprechend. Aber Sportkämpfen hatte er gelernt - und er war verdammt gut darin. Es kostete ihn einiges an Beherrschung, nicht aus Gewohnheit und Muskelgedächtnis heraus zu treten oder Griffe zu nutzen. Und daher fing er sich auch einige harte Schwinger ein, als er gegen einen Hühnen von Menschen boxte. Seine Lippe wurde ihm aufgeschlagen und er bekam einen Treffer an sein linkes Auge, sodass dieses noch die nächsten Tage zugeschwollen war. (Bacta gab es für solch eine geringe Verletzung auf diesem Mond nicht kostenlos - weshalb der junge Neimoidianer darauf verzichtete.) Aber seine Reflexe halfen ihm, dass er den schlimmsten Schwingern ausweichen oder diese blocken konnte. Und dann gab es wieder den Moment, in dem sich der Gegner wie in Zeitlupe zu bewegen schien. Inzwischen war sich Tari sicher, dass dies nicht alleine sein Adrenalin gewesen war, sondern irgendwie das Wirken der Macht. Einen Schlag gegen die Schläfe sowie einen Kinnhaken später, fiel sein Gegner k.o. zu Boden. Der Kampf war härter, als er gedacht hatte.
Glücklicher Weise war die Menge so von ihm begeistert, dass er Geld zugeworfen bekam - zusammen mit der Gage der beiden Kämpfe, die er boxte, konnte er sich dann einen Langstreckenflug in dem billigsten Abteil eines öffentlichen Transporters leisten.

Das bedeutete natürlich, dass er sich auf engstem Raum den Platz mit vielen anderen - teils zwielichtigen, teils einfach armen - Personen teilen musste. Dass die Luftkühlung schlecht war und dass das Essen an Bord für sie ekeliger aber wenigstens geschmackloser Brei war. Aber all das war er ja in der Suburbia in ähnlicher Form auch schon gewöhnt gewesen.
So hielt er sich bedeckt, vermied Augenkontakt und wartete darauf, endlich auf Couruscant anzukommen. Wie das dort wohl war. Er wusste natürlich, dass der gesamte Planet eine Giga-City war - aber vorstellen konnte er es sich nicht so recht. Und wie würde der Jedi-Tempel wohl sein? Ein Ort der Gerechtigkeit und Weisheit? Und wie würde ein solcher Ort überhaupt aussehen - lauter ruhige Wesen, die alles teilten und sich für das Gute in der Galaxis einsetzten? Und wäre seine Ausbildung zum Jedi vergleichbar mit seinem harten Training in der Suburbia Tarko-ses?


"He, lasst das!", wurde er von dem Schreien einer Twi'lek aus seinen Fragen und Tagträumen gerissen. er brauchte einen Moment, bevor er die Lage erfasste. Die Twi'-lek-Frau wurde von zwei Rodianern in einer Ecke bedrängt. Natürlich ignorierten das die meisten anderen Gäste - oder schauten gar interessant zu. Keiner wollte Ärger auf sich lenken - die meisten hatten damit wohl schon schlechte Erfahrungen gemacht.
Auch
Tari raunte eine innere Stimme zu, dass er ruhig bleiben sollte. Sicher ankommen sei wichtiger als sich unnütz in Gefahr zu begeben. Leicht schüttelte er seinen Kopf, erschrocken über diese Stimme, die er so schon lange nicht mehr gehört hatte. Was würde er für ein Jedi - für ein Kämpfer der Gerechtigkeit - werden, wenn er schon hier den Kopf einzog.
Er wartete noch einige Augenblicke, ob die Rodianer vielleicht den Spaß verlieren würden; aber diese drehten noch mehr auf.

Also stand
Tari nun auf und drängte auf die Rodianer zu. "Hört auf damit und setzt euch wieder hin. Wir wollen doch alle nur, dass die Reise endlich ans Ziel kommt", sprach er die beiden laut mit dem typischen Akzent seiner Spezies an. Die Rodianer blickten sich um - erstarrten kurz ob der ungewöhnlichen Größe und Muskulösität eines Neimoidianers - bevor sie wieder selbstbewusst wurden.
"Junge, setz du dich wieder. Dann wirst du in Ruhe und gesund dein Ziel erreichen", sagte der eine in gebrochenem Basic zu ihm. Der andere zischte nur bedrohlich und wandt sich wieder seinem Opfer zu.
"Freunde, das war die letzte Warnung. Wenn ihr die Frau noch einmal anfasst, werde ich Konsequenzen ziehen", erwiderte der Neimoidianer mit aufsteigendem Zorn.
Provokativ griffen beide Rodianer nach der Twi'lek. Und
Tari schritt zur Tat. Bevor die beiden Rodianer reagieren konnten, war er bei ihnen und stieß den einen so heftig, dass dieser einige Schritte weit in die nächsten Passagiere geschleudert wurde. Den anderen stieß er ebenfalls zu Boden.

"Bist wohl 'n ganz taffer, was?", fragte der sich aufrappelnde dunkelgrünhäutige Rodianer. "Aber nicht so taff wie ich!"
Bei diesen Worten zog er ein Vibromesser. Die anderen Passagiere schnappten nach Luft und drängten sich eng an eng an die Wände, um so viel Platz wie möglich zwischen sich und dem sich anbahnenden Kampf zu bringen - was nicht viel war.
Und schon sprang der Rodianer auf den Neimoidianer Klinge voran zu.
Tari hatte das geahnt - es war auch nicht sein erster Messerkampf. Er wich aus - achtete aber darauf, nicht näher an die Passagiere heranzuspringen, sondern in der kleinen freien Fläche zu bleiben. Er wollte keine Unbeteiligten gefährden.
Er merkte, dass sein Gegner von der Angst und Überraschung seiner Opfer profitierte, aber kein wirklicher Kämpfer war. Einen weiteren Ausfallschritt später schlug
Tari dem Neimoidianer mit voller Kraft unter die Achsel, sodass dieser sein Messer verlor, setzte mit einem Knie in den Magen und einem Schlag gegen die Schläfe nach und bezwang so den ersten Gegner.
Sein Instinkt - und vielleicht die Macht - warnten ihn vor und er wirbelte schneller als es ein normaler Humanoid können sollte, herum und trat dem zweiten Neimoidianer das Messer aus der Hand.
Einen aggressiven und herausfordernden Blick später und dieser verzog sich ängstlich in die Menge.

Die Twi'lek wollte sich gerade bei ihm bedanken, als die Bordsicherheit ankam und die Beteiligten an diesem Kampf einsammelte und in die - ebenfalls zu enge Bordzelle warf.
Tari eingeschlossen. Da niemand ernsthaft zu Schaden gekommen war, würden sie von Anklagen und Prozessen absehen; allerdings müssten die Insassen, auch ihrer eigenen Sicherheit wegen den Rest des Flugs in der Zelle verbringen.
Das war
Tari recht, ob er nun hier oder dort eingepfercht war, spielte keine große Rolle. Allerdings gestattete er sich seiner Argwohn vor Rache der beiden Rodianer wegen keine Ruhephase mehr, bis sie Couruscant erreichten und die Fähre verließen.

[Couruscant, Raumhafen] - mit Tari Haako und NSCs
 
| Hyperraum – Route Muunilinst – Borosk – Garqi – Fedje – an Bord der Quiet Fortune | Craton Minara |​

Nach einigen Stunden begann selbst der Hyperraum langweilig zu werden. Muunilinst war hinter ihm verschwunden. Borosk ebenfalls. Garqi lag inzwischen einige Sprünge zurück und irgendwo vor ihm warteten Fedje, Ketaris und schließlich die Grenze. Die einzelnen Etappen verschwammen langsam miteinander. Springen, Kurs prüfen, Systeme kontrollieren, warten. Für einen Piloten war ein guter Hyperraumantrieb ein Segen. Für einen Piloten, der tatsächlich gern flog, war er manchmal erschreckend unspektakulär. Die Quiet Fortune kümmerte sich nicht darum. Das gleichmäßige tiefe Summen des Hyperantriebs lief durch Deck und Wände des kleinen Explorers. Ab und an knackte Metall irgendwo hinter einer Verkleidung, wenn Temperatur und Belastung sich änderten. Ansonsten arbeitete das Schiff genau so, wie es sollte. Craton hatte irgendwann aufgehört, die Anzeigen anzustarren. Stattdessen saß er im schmalen Aufenthaltsbereich auf dem Boden. Vor ihm schwebten fünf Messer.

Zwei seiner schmaleren Klingen drehten sich langsam um die eigene Achse, eine weitere stand beinahe regungslos senkrecht in der Luft. Das schwerere Vibromesser zog einen weiteren Kreis über seiner linken Schulter, während die letzte Klinge hinter seinem Rücken schwebte, außerhalb seines Blickfeldes. Die Augen hatte er geschlossen. Es war keine Meditation, wie man sie vermutlich irgendeinem Jüngling im Tempel der Jedi beigebracht hätte, zumindest nahm er das an. Craton hatte nie einen Jedi gefragt. Ruhe interessierte ihn ohnehin nur bedingt. Gefühle verschwinden zu lassen erschien ihm ungefähr so sinnvoll, wie einen Reaktor abzuschalten, weil einem dessen Geräusch auf die Nerven ging. Das Problem war nicht die Energie, das Problem war, wer sie kontrollierte. Er ließ den Ärger zu, die Erinnerung an Salire, an Zoey, an Ketten, an Wasser. An die Stimme, die einmal in seinem eigenen Kopf gelebt und geglaubt hatte, sie könne ihm sagen, wer er zu sein hatte. Die Messer begannen sich schneller zu drehen. Dann dachte er an die Kiste an Bord, an das Lichtschwert, an die seltsamen Kleidungsstücke, an die Botschaft. Eine der Klingen geriet aus ihrer Bahn. Cratons Mundwinkel zuckte.

„Darth Fierfek Angelus.“
Die Klinge stabilisierte sich wieder, vielleicht war genau das der Unterschied. Früher hätten diese Dinge an ihm gezogen, jetzt zog er an ihnen. Angst war noch immer Angst. Wut blieb Wut. Neugier konnte genauso gefährlich sein wie Gier, und bei den Sonnen wusste Craton inzwischen, dass er von beidem mehr besaß, als vernünftig gewesen wäre. Aber sie bestimmten nicht mehr die Richtung, er tat es. Die Messer beschleunigten erneut. Eine Klinge überquerte die andere. Das Vibromesser sank tiefer, änderte seinen Winkel und glitt knapp an seinem Ohr vorbei. Die beiden kleineren Messer kreuzten sich vor seiner Brust, trennten sich wieder und liefen anschließend gegeneinander um ihn herum. Dopa Maskey streckte sich weiter in die Macht aus, nicht nur zu den Klingen, zum Schiff. Er spürte das Vibrieren des Antriebs durch den Boden, lange bevor seine Ohren es bewusst wahrnahmen. Das leise Zittern einer Leitung in der Wand, das Arbeiten der Pumpen, ie Masse der Messer, den eigenen Atem. Dann ein kaum merkliches Zucken, seine Augen öffneten sich. Einen Augenblick später ertönte aus dem Cockpit der Navigationsalarm. Fast gleichzeitig fielen vier Messer in seine ausgestreckten Hände und auf seinen Schoß, das fünfte schlug mit der Spitze in die Wandverkleidung. Craton sah es an. Dann die kleine Kerbe im Metall.

„Fierfek.“
Er zog die Klinge aus der Wand.
„Vier von fünf.“
Kurze Pause.
„Dobra.“
Dann betrachtete er die beschädigte Verkleidung.
Wenige Minuten später saß er wieder im Cockpit. Er öffnete ein verborgenes Menü im Transpondercomputer. S-4O hatte wirklich an beinahe alles gedacht. Drei Profile erschienen. Craton betrachtete sie einen Moment. Sein Finger wanderte über die Auswahl. QUIET FORTUNE verschwand, an ihre Stelle trat: die BORROWED LUCK. Eine andere zivile Registrierung, andere Besitzerhistorie, andere Versicherungsdaten, andere Kommunikationskennung. Alles langweilig genug, um bei einer oberflächlichen Überprüfung nicht sofort zu schreien, dass jemand sehr viel Arbeit darin investiert hatte, langweilig zu wirken. Craton lehnte sich zurück.

„Borrowed Luck.“
Er probierte den Namen aus, als wäre er ein Getränk, dessen Etikett ihm nicht ganz gefiel. Die Quiet Fortune existierte für den Moment nicht mehr. Die flimmernden Bahnen des Hyperraumes zogen sich zusammen und wurden zu Sternen. Ketaris erschien zunächst nur als heller Punkt zwischen ihnen, während der Navigationscomputer bereits begann, die letzten Kursdaten der Etappe auszuwerten. Hier änderte sich das Spiel. Craton ließ die BORROWED LUCK aus dem normalen Verkehrskorridor treiben und reduzierte die Leistung der Sublichttriebwerke. Die Sensoren zeigten zivile Frachter, einige größere Transporter und in größerer Entfernung die Signaturen der Schiffe, die den Verkehr entlang der Grenze überwachten.
Ein paar Minuten später begann die Borrowed Luck ihren Anflug auf den Grenzkorridor. Die erste Abfrage kam erwartungsgemäß.

„Zivilschiff Borrowed Luck, reduzieren Sie Geschwindigkeit auf Null-Komma-Acht Standard und übertragen Sie Registrierung, Besatzungsmanifest, letzte Anlaufstelle und beabsichtigte Route.“
Craton schob einen Datenblock in die Übertragung und aktivierte den Kommunikationskanal.
„Grenzkontrolle, Borrowed Luck. Registrierung kommt jetzt. Eine Person Besatzung, keine Passagiere, privater Vermessungsflug. Ketaris nach Agamar, anschließend Aldhani und Ithor.“
Eine Pause, eine etwas länger Pause. Craton verzog den Mund, das war selten gut.
„Borrowed Luck, bestätigen Sie Schiffstyp Incom Explorer.“
„Bestätigt.“
„Ihre Antriebssignatur entspricht nicht der Werkskonfiguration.“
Craton blinzelte. Dann blickte er demonstrativ über die Anzeigen, obwohl der andere Mann das noch gar nicht sehen konnte.
„Das hoffe ich doch sehr. Sonst hätte mich der verdammte Umbau eine beeindruckende Menge Credits für überhaupt nichts gekostet.“
Wieder Schweigen.
„Übermitteln Sie die Modifikationsnachweise.“
„Sehr gerne, pateesa. Hyperantrieb, Navcomputer, Sublichttriebwerke, Sensoren, Kommunikationsanlage, Waffenhalterungen, strukturelle Änderungen, sekundäre Stromverteilung und irgendwo müsste noch ein Zertifikat über die Sanitärpumpe sein. Wollt Ihr alles oder nur das, was tatsächlich fliegt?“
„Alles.“
Craton seufzte.
„Natürlich.“
Er schickte den Datenblock. Ein Fortschrittsbalken wanderte über den Bildschirm, Vierundvierzig Dateien. Craton grinste. Wenn man einen Beamten schon nicht bestechen konnte, konnte man ihn wenigstens unter Papier begraben. Die Antwort dauerte dieses Mal fast zwei Minuten.
„Borrowed Luck, Ihre Registrierung weist eine zivile Sensoranlage der Klasse Vier aus. Ihre aktuelle Emission liegt oberhalb dieses Bereichs.“
„Nachgerüstetes Verstärkermodul.“
„Nicht separat aufgeführt.“
„Seite dreiundzwanzig.“
„Dort ist die Energieverteilung aufgeführt.“
„Anhang C.“
„Anhang C betrifft die Sensorbank?“
„Genau.“
Stille.
„Bleiben Sie auf Position.“
Craton schloss die Augen.
„Bei den schwarzen Knochen des toten Imperators…“
Ein Warnsymbol erschien auf dem Sensor. Eine kleine Zollkorvette hatte ihren Kurs geändert und näherte sich, natürlich. Craton ließ den Kopf gegen die Kopfstütze sinken.
„MaLorda, wenn das euer Plan war, mich von irgendeinem übermotivierten Schreibtischsleemo verhaften zu lassen, werde ich euch heimsuchen.“

Die Korvette kam näher, Achthundert Meter, Sechshundert, Vierhundert. Dann erschien eine Holoverbindung auf dem Kommunikationsdisplay. Der Mann darin war vielleicht Ende vierzig. Graue Uniform. Müde Augen. Eine Tasse Caf stand irgendwo außerhalb des Bildes, denn Craton sah, wie der Beamte immer wieder danach griff. Der Mann sah aus, als hätte er bereits zu viele Frachter überprüft und zu wenig davon gefunden, was seinen Vorgesetzten glücklich machte. Interessant. Craton setzte sein freundlichstes Gesicht auf.
„Sie sind der Pilot der Borrowed Luck?“
„Der einzige. Das macht Besatzungsbesprechungen angenehm kurz.“
„Ihre Dokumentation ist ungewöhnlich umfangreich.“
„Ihr habt danach gefragt.“
Der Beamte sah ihn an. Craton lächelte.
„Ich kann auch weniger schicken.“
„Das ist nicht der Punkt.“
„Das sagen Beamte meistens kurz bevor sie mir erklären, was der Punkt ist.“
Der Mann rieb sich über die Stirn.
„Ihr Schiff wurde mehrfach modifiziert, die aktuelle Besitzerhistorie ist kurz und Sie wollen mit einem Scoutschiff ausgerechnet über Agamar nach Ithor.“
„Richtig.“
„Warum?“
Craton hob beide Hände ein wenig.
„Weil das Schiff schnell ist, die Sensoren gut sind und jemand bereit ist, mich dafür zu bezahlen, Dinge anzusehen, die andere Leute langweilig finden.“
„Welche Dinge?“
„Atmosphärische Daten, Bodenreflexionen, Agrarflächen, Handelsrouten, Sensorrauschen. Alles sehr aufregend.“
Er beugte sich ein wenig zum Holoprojektor.
„Wenn Ihr möchtet, schicke ich Euch den Auftrag. Er ist siebenundachtzig Seiten lang.“

Der Mann starrte ihn an. Dann wanderte sein Blick irgendwo außerhalb des Bildes. Wahrscheinlich zu einem zweiten Monitor. Craton spürte, wie sich etwas in ihm regte. Nicht der Ärger, etwas anderes, die Macht. Er ließ sie vorsichtig nach außen gleiten. Nicht wie eine Faust, nicht einmal wie eine Hand. Eher wie Finger, die über eine schlecht verschlossene Tür strichen. Die Korvette war nah genug. Die Menschen darin wurden zu schwachen Eindrücken am Rand seiner Wahrnehmung. Mehrere Geister, Routine, Konzentration und Müdigkeit. Einer davon war stärker, er Beamte. Dopa Maskey berührte seinen Geist. Nur leicht, der Mann war müde, genervt und er wollte Feierabend. Er wusste bereits, dass die meisten Unstimmigkeiten bei alten Zivilschiffen von irgendwelchen nachgerüsteten Komponenten kamen. Er hatte einen Frachter in der Warteschlange, dessen Papiere tatsächlich problematisch aussahen. Und dieser grüne Idiot auf dem Bildschirm würde ihm vermutlich weitere siebenundachtzig Seiten schicken, wenn er ihn ließ. Dopa Maskey musste nichts davon erfinden. Nur etwas lauter machen, ein Gedanke bekam Gewicht, Routineumbau. Dann ein zweiter, Papiere ausreichend. Ein dritter, Zeitverschwendung. Craton sprach weiter, noch bevor der Mann sich darüber klar werden konnte, warum sich diese Gedanken plötzlich so vernünftig anfühlten.
„Schaut, pateesa. Die Modifikationen sind registriert. Die Energieabweichung ist erklärt. Ihr habt meinen Flugplan, meinen Transponder und mehr technische Dokumentation, als ein vernünftiger Mensch freiwillig lesen sollte.“
Der Blick des Beamten blieb kurz an ihm hängen. Dopa Maskey drückte nicht, er hielt den Finger wo er war. Ein Schloss brach man nur auf, wenn man es nicht auch einfach öffnen konnte.
„Es gibt keinen Grund, mich hier festzuhalten.“
Für einen Moment passierte nichts, dann sah der Mann wieder auf seinen Monitor. Seine Stirn glättete sich ein wenig.
„Die Umbauten sind registriert.“
Cratons Mundwinkel zuckte.
„Ja.“
Der Beamte scrollte weiter.
„Und die Sensorabweichung ist im Anhang erklärt.“
„Anhang C.“
„Richtig.“
Noch ein kurzer Blick, dann ein Seufzen.
„Borrowed Luck, Sie sind für den Grenzübertritt freigegeben. Halten Sie den ausgewiesenen Korridor bis zum Sprungpunkt. Nächster angemeldeter Zielpunkt Agamar.“
Craton lächelte breit.
„Dobra. Wusste doch, wir würden Freunde.“
„Halten Sie sich einfach an den Flugplan.“
„Natürlich.“
Der Beamte wollte die Verbindung bereits trennen, hielt dann aber noch einmal inne.
„Und versuchen Sie, beim nächsten Mal weniger Huttisch in offiziellen Funkverkehr einzubauen.“
Craton hob eine Braue.
„Ich habe Basic gesprochen.“
„Nicht durchgehend.“
Kurze Pause.
„Habt Ihr mich verstanden?“
„Größtenteils.“
Craton breitete die Hände aus.
„Dann sehe ich das Problem nicht.“
Die Verbindung brach ab. Einige Sekunden lang starrte Craton auf das leere Holofeld. Dann begann er zu lachen.
„Chuba nobata wanna problema, pateesa.“ („Du willst wirklich kein Problem daraus machen, Freund.“)

Auf Nar Shaddaa hätte ihn jeder verstanden. Die Zollkorvette drehte ab. Vor der Borrowed Luck öffnete sich der freigegebene Korridor. Craton schob die Leistung langsam hoch und beobachtete, wie der Abstand zum Grenzposten anwuchs. Erst als die Sensoren keine aktive Zielerfassung und keine zusätzliche Abfrage mehr zeigten, erlaubte er sich, tiefer in den Sitz zu sinken. Die Macht hinterließ noch immer dieses eigentümliche Gefühl in seinem Kopf. Der Geist des Beamten war nur ein leichter Widerstand gewesen. Nichts wie damals bei dem Rodianer in den Katakomben. Kein Brechen, kein Reißen. Nur ein kleiner schubser in eine Richtung, in die der Mann ohnehin bereits gehen wollte, eleganter. Dopa Maskey gefiel das. Craton war sich noch nicht sicher, ob ihm gefiel, dass es ihm gefiel. Er betrachtete die Flugfreigabe auf dem Display.
Dann begann er, die nächsten Koordinaten einzugeben. Agamar, von dort Aldhani, danach Ithor. Und irgendwann dahinter wartete Agriworld-2079. Der Navigationscomputer bestätigte den Kurs. Craton legte die Hand auf den Hyperraumantrieb und warf einen letzten Blick auf die Kennung im unteren Rand des Displays. BORROWED LUCK. Er grinste.

„Mee jewz ku, pateesa.“ („Auf Wiedersehen, Freund.“)
Die Sterne vor dem Cockpit wurden zu Linien, die Grenze verschwand hinter ihm. Und dort, wo die Quiet Fortune aus imperialem Raum gekommen war, flog nun die Borrowed Luck weiter nach Agamar.

| Hyperraum – Ketaris nach Agamar – an Bord der Borrowed Luck, modifiziertes Incom „Explorer“ Scout Ship | Craton Minara |​
 
||Planet "GPR 7645-KE-743" ▫ Grasebene ▫ bei riesigemZeltlager || ▫ Azgeth ▫ etwas entfernt Miron ▫ Shee’ra & Ureinwohner

Der zugige Luftstrom, der sich einen Weg durch die Ritzen ihres Zeltes bahnte, ließ die Haare der gefallenen Sith leicht umher wehen. Die leichte Kühle, die der Wind auf ihre Haut übertrug erinnerte sie daran das es bereits Herbst war. Zumindest entsprach es dem was sie als Herbst definierte, bezogen auf diesen Planeten der offiziell noch keinen Namen trug, sondern nur eine Bezeichnung im Format der Galaktischen Planetendatenbank. Wer verlieh den Planeten eigentlich einen Namen? Die ersten Siedler? Etwas das sie wohl erst in Erfahrung bringen konnte, wenn sie in die moderne Zivilisation zurück kehrte.

Karyn hatte mittlerweile aufgehört die Zeit bzw. die Tage genauer im Auge zu behalten, notfalls konnte sie ihr Chrono wieder aktivieren. Doch sie hatte sich nach einer Woche bereits entschieden, die Energiezelle zu entfernen und solange aufzubewahren, bis sie für die Rückreise erst wieder benötigt wurde. Es hatte lediglich eine Woche gedauert, der obersten Schamanin, wie sich ihre Gesprächspartnerin bezeichnete, ihre gesamte Geschichte zu erzählen. Nach ihrer Ankunft auf Naboo hatte sie eine ruhige Phase erlebt, aber auch eine, die ihr aufzeigte, wie wenig Sith mit dem normalen Leben in der Arbeitswelt zu tun hatten. Es mochte andere Sith mit besserer, höherer Schuldbildung geben, oder sogar einige, die schon einmal einen Beruf ausgeübt hatten, doch sie als Straßenmädchen, hatte nichts dergleichen vorweisen können.

Dies und andere Probleme der modernen Zivilisation der Ureinwohnerin namens Shee’ra begreiflich zu machen, hatte einiges an Erklärung vorausgesetzt. Der Ex-Sith war es erst kurz vor Ablauf ihres Visums gelungen als Kellnerin und Aushilfe der Geschäftsführerin eines kleinen Cafes eine Anstellung zu finden. Diese Zeit war wirklich entspannend gewesen und hatte ihr Zuversicht gegeben. Nur dummerweise hatte das Universum ihr in die Suppe gespuckt und ihr eine betrunkene, unerzogene Jugendgruppe in das Etablissement gespült. Dort war sie fast alleine gewesen, und als aus dieser Gruppe einige durch Alkohol aufgeheiterte Jungs angefangen hatten sie zu belästigen, und aufgrund ihres Zustandes ihre Grenzen nicht gespürt hatten, war es zum Ausbruch gekommen. Immerhin hatte sie es geschafft niemanden zu töten, doch sie hatte sofort flüchten müssen, da sie gar nicht erst das Risiko hatte eingehen wollen, dass die Sicherheit ihre Identität herausfand.

Vermutlich war es ihrem schnellen Handeln zu verdanken, dass sie den Planeten unbehelligt hatte verlassen können um einen Zwischenstopp auf Haruun Kal einzulegen. Sie hatte während der Suche nach einer Passage bereits Überlegungen angestellt, die sich aus der ausgearteten Situation ergaben. Sie durfte einfach in keine Situation kommen, in der sie in Lebensgefahr geriet, oder anderweitig in einen Zustand des kompletten Kontrollverlustes gelangen konnte. Es blieb nur ein einziger logischer Schluss. Sie musste sich von der Gesellschaft entfernen. Eine verlassene Ortschaft oder die freie Natur. Um dies zu bewerkstelligen hatte Haruun Kal die passenden Voraussetzungen erfüllt. Es hatte dort Wildniswanderungen und ausgeweitete Campingtouren gegeben. So hatte sie angefangen zu lernen, was es brauchte völlig abgekapselt zu leben. Nach einer Woche Gruppenausflug hatte sie angefangen am Rand der Stadt im Grünen zu wohnen, und sich nach und nach sämtliche Ausrüstung zusammengestellt um sich irgendwann völlig von der Moderne zu verabschieden.


Das war ihre Planung gewesen, aber wie sagte man so schön? Kein Plan überlebt die Begegnung mit dem Feind. Auch hier war es so gewesen. Es hätte ihr klar sein müssen. Es war nur folgelogisch. Auch wenn sie jegliche Verbindungen abgebrochen hatte, und nur gewagt hatte Alaine auf ihre Nachricht zu antworten, kurz bevor sie von Coruscant losflogen, dazu auch noch das Com zerstörend, damit man sie ja nicht finden konnte. Vielleicht war es wirklich ein Glücksfall gewesen, das sie an diesem Ort gearbeitet hatten und das sie die Anonymität des Stadtplaneten für ihren Wandel verwendeten. Andererseits hätte esviele Unbeteiligte in Gefahr bringen können.

Der Punkt war, nach all der Zeit hatte sie sich in Sicherheit gewähnt, gedacht es würde nichts mehr folgen, keine Konsequenzen auf die Hochverräterin warten. Sie hatte sich geirrt. Ein Sith hatte sie ausfindig gemacht, und nach wenigen Worten, die man als Nachricht ihres alten Meisters – des heutigen Imperators – interpretieren konnte, hatte sich der Sith auf sie gestürzt um seinen Auftrag auszuführen. Immerhin war es praktisch gewesen, das dieses Treffen am Rand der Stadt stattfand. So wurden keine Unschuldigen involviert und mit etwas Glück würde auch niemand etwas davon erfahren. Hoffentlich.

Der Kampf war alles andere als einfach gewesen. Vor allem hatte er ihr ganz neue Kampferfahrungen beschehrt. Durch die lange Abstinenz davon ständig, sich täglich in Machtkräften zu üben oder anderweitig zu trainieren, fühlte es sich ein wenig fremd an, die Macht wieder in solch einem Maße zu bündeln. Doch andererseits fühlte sich die Macht reiner, viel intensiver an. Leider half das nicht gegen die starken Machtangriffe, die ihr Gegner zu bieten hatte. Seine Machtblitze waren wirklich mächtig, ohne ihre Lichtschwerter hätte sie keine Chance gehabt, diese mit der eigenen reinen Machtfähigkeit abzuwehren. Einen gewissen Schutz konnte sie aufbauen, aber diesen hätte er schnell überwunden. Aber Karyn hatte gelernt, und diesmal verklärten ihr Zorn und Zerstörungswut nicht das klare Denken.

Ihre Stärke war das Lichtschwert, und ihre diversen Niederlagen hatten fast immer damit zu tun gehabt, das sie diesen Trumpf nicht intensiv nutzte. Also hatte sie alle Bemühungen daraufgesetzt, den Sith mit ihren Waffen unter Druck zu setzen, sodass er nicht die Zeit hatte sie vollzublitzen. Der Kampf hatte getobt, war hin- und hergeschwankt, denn ihr Gegner hatte natürlich alles daran gesetzt, ihren Vorteil auszukontern, indem er sich ihr entzog. Früher hätte Karyn schnell die Geduld verloren, doch diesmal hatte sie sich besser unter Kontrolle. Sie war dabei geblieben, ihre größte Stärke konsequent einzusetzen. Schließlich hatte es sich bezahlt gemacht, und nach den ersten ernsthaften Wunden, hatte sich das Blatt zu ihren Gunsten gedreht. Mit dem letzten bewusst herbeigeführten Tod eines Gegenübers auf ihrer Reise hatte sie den Sith-Lord mit einem enthauptenden Hieb erschlagen. Nach sofortiger Bactabehandlung der eigenen Wunden, hatte sie sich eine kurze Regenerationsphase gegönnt, bevor sie anschließend die Leiche stundenlang tiefer in die Wildnis geschleppt und dort so gut es ging vergraben hatte. Bis zu ihrer Abreise, die erst stattfinden konte, wenn sie endlich alles zusammen gekauft hatte, war niemandem etwas von dem Kampf oder einer Leiche tief im Wald aufgefallen. Wieder einmal war die Macht mit ihr gewesen.

Daraufhin war es nun noch nötig gewesen, einen Flug zu einem Planeten zu bekommen, der genau die bereits zuvor eruierten Eigenschaften erfüllte. Was gar nicht mal soooo einfach gewesen war. Da Haruun Kal nicht unbedingt der größte Umschlagplatz der Galaxis war, hatte die von ihren Ängsten Getriebene einen Umweg über Sullust genommen. Sie vergaß bei ihrer Erzählung nicht den kleinen Zank an Bord des Linienkreuzers mit den Trandoshanern zu erwähnen. Wie souverän sie die Situation ohne Gewalt gelöst hatte, ohne klein bei geben zu müssen gegenüber dem Unrecht das man ihr antun wollte. Nach wenigen Wochen des Aufenthalts in den Raumhafenspelunken hatte sie letztendlich genau das richtige Schiff, bzw. den richtigen Piloten gefunden. Ein Versorgungsflug zu einer Kolonie auf einem frisch besiedelten Planeten. Dorthin hatte der Pilot Vorräte und Gerätschaften geliefert, während Karyn dort für 2 Tage untergekommen war, bevor sie sich aufgemacht hatte, ihre Selbstfindungsreise in die komplette Isolation zu starten.

An diesem Punkt bekamen sowohl Miron als auch die Schamanin endlich die Antwort wie sie genau "hier"aufgetaucht war, bzw. wo "hier" war. Für die Eingeborenen war es bestimmt eine kolossale Enthüllung, das es eine Gruppe von Fremden gab, und das diese Gruppe mit der Zeit immer größer werden würde. Doch noch war diese Siedlung weit entfernt. Noch. Die beiden Menschen versuchten so gut es ging beruhigend auf die Schamanin einzuwirken, doch so ganz konnten sie ihr die Sorgen nicht nehmen. Bisher wusste einfach niemand von den Einheimischen. Es gab Regeln und Institutionen die versuchten Kulturen zu schützen und zu bewahren. Es war möglich, wenn auch nicht völlig sicher, das sie, sobald sie zurückkehrten, dafür sorgten, das weitere Besiedlungsversuche gestoppt und der Planet speziell gekennzeichnet wurde. Aber, bezüglich der nicht einhaltbaren Garantie, gab es einfach genug gewissenlose, gierige und schlicht egoistische Individuen und Gruppierungen, die sich darum nicht scherten. Der einzig weitere positive Aspekt war die Abgelegenheit dieser Weltkugel, und die aufwendigen Navigationsreisen dorthin. Die Rentabilität würde am Ende entscheiden.

Aber dies war nur ein Nebenpunkt der sich aus ihrer langen Geschichte ergab. Schließlich folgten die letzten Abschnitte ihrer Reise, als sie ihren "magischen" Moment erlebte. Den einen wichtigen Meilenstein, der ihr endlich erlaubt hatte, zu trauern, und endlich loszulassen. Ihren Zorn über den Tod ihres kleinen Bruders. An dem Tag hatte sie das erste Mal die Trauer vollends zugelassen und sich ihr nicht verwehrt. Der Schmerz war überwältigend gewesen, aber auch eine pure Befreiung. Der Rest ihrer Reise hatte daraus bestanden einfach zu laufen, immer voran, in der Hoffnung herauszufinden, wie ihre Zukunft aussehen sollte. Eine tropische Krankheit überwindend, sowie tausende Meilen, war sie schließlich in den Wald eingedrungen in welchem sie auf die Einheimischen Jäger gestoßen war. Der Rest der Geschichte war allen bekannt.

Welch eine Geschichte, welch ein Leben. Beide hatten danach eine ganze Weile geschwiegen. Nach diesem Seelenstriptease, der fast eine Woche lang angehalten hatte, war Karyn mehr als erpicht darauf das die Fremden ihr nun irgendwas im Gegenzug anbieten konnten, irgendetwas kam, das diesen Aufwand wert war.

Shee’ra hatte sich für die Erzählung und die Offenheit bedankt, sie allerdings mit lediglich der Information das sie darüber meditieren würde, alleingelassen. Nicht gerade was sich Karyn vorgestellt hatte, doch was sollte sie tun? Es waren tatsächlich Unmengen von Informationen gewesen, die man verarbeiten musste. Voller Ungeduld hatte Karyn den Abend sowie die Nacht sowie den folgenden Morgen verbracht.
Schließlich waren die beiden zurückgekehrt mit den üblichen Wachen – scheinbar gab es an diesem Umstand keine Änderung – was sie seltsam fand, denn sie hätte die beiden doch längst angreifen können. Nun gut, sie hatte sich daran gewöhnt sie zu ignorieren.

Gespannt hatte die Ex-Sith darauf gewartet was die fremde Machtnutzerin sagen würde.


<<Im Angesicht der wahren Mutter wird nicht leichtfertig das Leben anderer beendet. Wenn es bei uns Konflikte gibt, werden einige wieder in die Umarmung der Mutter zurückgeben, doch nur mit bedacht, nur wenn es ums Überleben der Sippe geht. Da Du ebenfalls eine Verbindung zu ihr hast, auch wenn Du es völlig anders nennst – diese Maahkt – dann wandelst Du weit weg von den Pfaden die sie uns vorgibt. Miron sagte, er wüsste nicht allzu viel darüber, aber das was er weiß ist, das die Schwesternschaft der Du angehörtest, das Wirken der Mutter nur für Verderbliches verwendet und um Tod und Leid zu bringen. Sofern ich Dich richtig verstanden habe, hast Du es selbst auch so beschrieben. Um Dir möglicherweise den richtigen Pfad aufzuzeigen, muss ich wissen, wie deine Lehren funktionieren. Was ist diese Mahkt für Dich, wie verwendest Du sie? Erläutere das bitte für mich.>>

Es wäre gelogen, wenn Karyn nach diesen Worten keine Enttäuschung verspürte. Nach all den vielen Worten, nach all dem was sie bereits Preis gegeben hatte, war es noch immer nicht genug? Es lag immer noch an ihr sich zu erklären? So langsam hatte sie genug. Dieser Austausch war bis zu diesem Moment völlig einseitig. Bisher hatte sie nichts bekommen.

Seufzend kämpfte sich die Gemarterte eine Erwiderung ab.


"Um ehrlich zu sein, hatte ich gehofft das ihr mir nun sagt wie ihr mir helfen könnt."

Sie machte ein erwartendes Gesicht, wobei sie leicht den Kopf schief legte. Doch die Schamanin schien sie zu ignorieren. Für einen Moment schlüpfte der Impuls in ihren Verstand einfach aufzustehen und zu gehen. Aber vielleicht, vielleicht würde sie das bekommen, was sie verlangte, wenn sie diese Erklärung nun auch noch lieferte. Seufzend richtete sich Karyn auf und versuchte die bestmögliche Sitzposition zufinden.

"Na schön. Das was ihr die "große Mutter"nennt, heißt bei den Jedi und bei den Sith die Macht. Sie ..." und so führte sie ihre Betrachtungen und ihre Wissen bezüglich der Macht vor. Die helle Seite, die dunkle Seite, lebendige Macht, verbindende Macht und alles was so dazugehörte. Die Schamanin hörte äußerst gespannt zu.

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|| Planet "GPR 7645-KE-743" ▫ Grasebene ▫ bei riesigem Zeltlager || ▫ Azgeth ▫ Miron ▫ Shee’ra & Ureinwohner

Warum? Warum? Warum er? Warum sie? Es war absurd. Es war grotesk. Es war ein böser Witz des Universums. Wie astronomisch waren die Zahlen? Wieviele Engel und Schicksalsspinnerinnen hatten an all dem hier mitgewirkt? Er hatte den Absturz aus dem Weltraum, bzw. durch die Atmosphäre mit beschädigtem Schleudersitz und beschädigtem Fallschirm überlegt. Irgendwie. Ein Wunder! Eigentlich hätte es nicht sein können oder dürfen. Doch es war ihm gelungen. Und intelligente Wesen hatten ihn gefunden und gesund gepflegt. Intelligente Wesen, die allerdings noch rückständig waren und wenig Technik oder Medizin besaßen. Doch das war alles egal gewesen, seinen Tod hatte das Schicksal nicht vorgesehen. Noch nicht. Er hatte also überlebt und er hatte eine Gemeinschaft gefunden die ein fremdes Alien – nichts anderes war er für die Einheimischen – nicht getötet hatte noch ihn sterben ließ. So war er also wieder zu Kräften gekommen und hatte ein neues, seltsames Leben begonnen.

Fernab aller Zivilisation, fernab seiner geliebten Amy. Es war klar, er würde hier für immer leben. Auch hatte sein Existenz für andere Stämme dieses Volkes keinen so elementaren Verstoß gegen ihr Weltbild bedeutet, dass man ihn beseitigte. Der Fremde von den Sternen, ein Wesen mit Wissen über unbegreifliche Dinge, die wie Zauberei anmuten. Mit dieser Rolle hatte er leben können, er konnte auch damit leben, das er ein einfaches, primitives Leben führen würde, Teil das Stammes und doch so fremd, das er kein echter Teil davon werden konnte. Alleine Fortpflanzungs - mäßig gesehen. Wobei … dies war wissenschaftlich noch nicht bewiesen, aber unwahrscheinlich. Unabhängig davon ob irgendeine der Frauen überhaupt mit ihm leben wollen würde – als Partner. Dieses Schicksal war seines, dies schien unbestreitbar.

Doch dann waren noch ein paar Variablen mehr ins Chaos geworfen worden und eine noch unmöglichere Situation war eingetroffen. Ein Mensch, eine Frau auf Reisen war auf diesen Stamm gestoßen, an diesem Ort, genau zu der Zeit als der auch er sich an diesem Ort aufhielt. So was konnte sich doch wirklich niemand ausmalen, nicht mal ausdenken. Und doch zwirbelten die Schicksalsspinnerinnen weiter an ihren Spindeln, als wäre nichts. So war sein Schicksal erneut komplett neu definiert worden. Er konnte zurückkehren! Es gab einen Weg in sein altes Leben zurück. Nichts war mehr besiegelt. Sein Pfad wieder offen.

Nur um dann innerhalb weniger Tage wieder in Schutt und Rauch zuverschwinden. Sein "rettender Engel" entpuppte sich als Sith. Ehemalige Sith … angeblich. Wieso nur? Warum spielte man so mit ihm? Erst Hoffnung geben um sie dann zu zertreten. Diese Weib, dieses Monster, nichts anderes war sie, war hier aufgetaucht weil sie ihren "Pfad" finden musste.
Und dabei brauchte sie Hilfe. Hilfe? Wenn es nach ihm ging, sollten sie das Biest sofort verjagen, wenn nicht sogar sofort töten. Und nicht ihr Hilfe anbieten. Sie war eine Sith! Verflucht noch mal. Alles an ihrer Geschichte bestätigte das was er über diese dunklen Krieger wusste. Sie waren das Böse, sie mordeten und brachten nur Dunkelheit. Er hätte jedem imperialen Soldaten mit der Zeit verzeihen können. Man tat was man in einer Schlacht eben zu tun hatte um zu überleben und zu siegen. Doch bei dieser Karyn, Azgeth, Ilumina, oder wie auch immer sie sich nannte, war es etwas anderes. Sie tötete Unschuldige, Zivilisten ohne Not, ohne Grund.

Er hatte noch verstanden warum sie ihren Sklavenbesitzer getötet hatte. Es gab Dinge, da war so etwas gerechtfertigt. Auch das sie als ungebildetes Mädchen auf der Straße gelebt und kriminell geworden war, konnte er irgendwie noch akzeptieren, auch wenn sie zwischenzeitlich andere Möglichkeiten gehabt hätte. Doch als sie den Sith beigetreten war, hatte sie den Boden des Akzeptablen verlassen. Und zwar zur Gänze. Sie hatte darin gebadet gegen feindliche Soldaten und Jedi zu kämpfen, hatte kein Erbarmen gehabt, sowohl mit ihren Feinden als auch mit sich selbst. Selbstmörderisch hatte sie sich in die Kämpfe geworfen. Das Ausbleiben ihres Todes auf diesen Irrsinn hatte dafür gesorgt, das sie stark und mächtig geworden war.

Und dann hatte es sie nach Corellia geführt. Ohne es zu wissen, waren sie nur einige Hundert Kilometer, maximal vielleicht tausend voneinander entfernt gewesen ohne es zu wissen. Bei den absurden Zufällen die bereits im Spiel waren, bewertete er diesen auch nicht mehr als besonders. Das Imperium hatte gewonnen, die Sith hatten die Jedi besiegt und verjagt. Azgeth hatte ihre sogenannte Rache endlich bekommen. Die "böse" Republik, die als Ganzes angeblich für den Tod ihres Bruders verantwortlich war, hatte ihre Abreibung bekommen. Sie hätte dort aufhören können, aber nein. Selbst als sie erkannt hatte, das sie selbst zu etwas geworden war, das für den Tod Unbeteiligter verantwortlich war, so wie einst bei ihrem Bruder, hatte sie nicht verstanden. In einem Moment das Wahnsinns hatte sie über ein Dutzend Zivilisten abgeschlachtet.

Miron hatte immer fassungsloser die folgenden Stationen ihres Lebens verfolgt und übersetzt. Sie war Stück für Stück immer verrückter und wahnsinniger geworden. Die schlimmste Art von Monster, die man sich überhaupt vorstellen konnte. Der Archetyp des Bösen, Kreaturen die man einfach nur aus der Galaxis tilgen musste. Nichts anderes verdienten solche "Dinger". Nachdem die Sith dann auch noch die letzte Prüfung zum vollwertigen Sith gemeistert hatte, wurde ihr klar, dass sie erneut zur Sklavin geworden war, doch diesmal freiwillig. Aus purer Machtgier - ohne darüber nachzudenken was es sie kostete. So wie es aussah, hatte sie danach alle Karten aus ihrem Navcom gelöscht. Die Machtnutzerin war komplett paranoid und Größenwahnsinnig geworden. Darth Ilumina, die Wissende, die der Welt verkünden musste, das es nur Schmerz und Leid als ultimative Wahrheit gibt. So absurd es war, er hätte an dem Punkt beinahe gelacht. Wie weit bitte konnte man abdriften?

Dann hatte sie noch verschiedene Dinge getan, einige Missionen oder Ränkeschmiede mitgespielt. Dabei immer wieder getötet und Unschuldige oder Zivilisten ermordet. Wie konnte die oberste Schamanin überhaupt erwägen, diesem Tier zu helfen?

Jedenfalls war sie schließlich auf eine Mission aufgebrochen um jemanden auszuschalten der sich selbst als Prophet gesehen hatte. So wie es sich anhörte schlicht ein politischer Idealist der sich auf theatralische Weise etwas zu wichtig nahm. Für die Irre war aber allein der Umstand ausreichend das er sich selbst Prophet nannte, das sie sich mit zwei Sternzerstörern auf den Weg machte den Kerl zu erledigen. Gut, man hatte wohl den Regierungssitz angegriffen und beinahe den Gouverneur entführt, aber dann gleich sowas aufzufahren? Aber das war eben das Imperium. Auflehnung musste sofort brutal niedergemetzelt werden.

Jedenfalls war sie dorthin geflogen, hatte die Widerstandsgruppe ausfindig gemacht, war – so wie es sich anhörte - von einer Mit-Sith hintergangen worden, die das Kommando an sich gerissen hatte. Alynn Kratas. Der Name sagte Miron natürlich aufgrund der Berühmtheit ihres Bruders etwas. Wenigstens hatte diese Kratas erkannt, das Karyn komplett gaga war und einfach selbst gehandelt. So oder so wurde das Nest der Aufrührer vernichtet und zur Jagd auf die noch Fliehenden angesetzt. Karyn war aufgrund ihrer Schnelligkeit als Sith hinterher geeilt und hatte den Propheten, der mittlerweile Jedi – Unterstützung erhalten hatte, gestellt. Azgeth hätte mithilfe ihrer Begleiter möglicherweise sämtliche Anwesenden auslöschen können, doch so wie es schien, war auch eine mächtige Jedi-Rätin zu Hilfe geeilt. Der Name ChesaraSyonette sagte ihm nichts, aber er war froh, das die Jedi genug Kampfkraft aufgefahren hatten.

Karyn hatte die Frau bekämpft aber nicht klein bekommen. Offenbar war während dieses Kampfes irgendetwas Ungewöhnliches passiert. Nachdem die Verrückte es scheinbar nicht geschafft hatte, die Jedi zu vernichten, egal wie sehr sie sich anstrengte, schien sie sich plötzlich zu ergeben. Es war etwas schwer das genau nachvollziehen, das es Karyn wohl selbst nicht so recht konnte. Jedenfalls war hier die Erzählung schwammig geblieben. Scheinbar hatte es die Jedi irgendwie geschafft ihre durchgeknallte Feindin zu überreden sich von der dunklen Seite nicht weiterhin unterwerfen zu lassen. Die bestmögliche Erklärung die Miron sich machen konnte war wohl das Azgeth einfach zu erschöpft gewesen war sich dagegen zu wehren. Und das ihre Zukunft wohl ins Nichts steuerte. Azgeth hatte sich tatsächlich gegen ihre imperialen Begleiter gewandt und gegen sie gekämpft. Sie war zu einer kristallklaren Hochverräterin geworden und war mit der Rätin und anderen geflohen. Wirklich erstaunlich.

Sie hatte es geschafft auf einem Privatschiff nach Coruscant zu entkommen. Dort hatte sie mit dieser ChesaraSyonette daran gearbeitet sich von der dunklen Seite zu lösen. Was dort genau geschah war ihm komplett zu esoterisch und zu sehr im Bereich tiefgehender Psychologie und Machtkenntnissen. Nichts, womit er etwas anfangen konnte. Vielleicht etwas für die Schamanin, für die er schlicht brav übersetzte. Scheinbar war Azgeth durch die Hölle gegangen. Schuld, Wahn, Trauer, Verzweiflung hatten beinahe ihren Verstand zerrissen und die Überreste ausgespuckt. Sowie es sich anhörte hatte sie die Rätin mehrere Male angegriffen. Der NR-Pilot konnte sich nicht vorstellen warum jemand so etwas auf sich nahm und dann sogar wiederkehrte. Aber vielleicht war es das was "Helden" taten. Selbst den verdorbensten Feind nicht aufgeben und alles tun um diesen zum Guten zu führen, egal wie unwahrscheinlich es aussieht. Anders konnte er es nicht einordnen.

Scheinbar war Azgeth für Wochen und Monate mit diesem Kampf beschäftigt gewesen, hatte aber dabei auch wieder Leute umgebracht, scheinbar mit einem Grund, dennoch hatte sie weitere Leichen auf ihrem Pfad zurückgelassen. Am Ende hatte sie den Kampf gewonnen und den Hass in ihr besiegt. Mit einer gewissen Stabilität. Sie war frei, doch was nun? Sie hatte wohl gearbeitet, nichts Großartiges, aber doch ehrliche Arbeit. Doch mit der Zeit hatte sich herausgestellt das die Zivilisation immer wieder Reibungspunkte hervorbrachte, an denen die Kontrolle der Ex-Sith über ihre Gefühle und ihr Wut getestet wurde. Offensichtlich hatte sie die Kontrolle noch lange nicht erlangt. Sie hatte sich schließlich mit Ringkämpfen Geld für eine Passage ergattert, war dann auf einem Privatschiff nach Naboo geflogen, auf dem Flug Exodus Wingston begegnend, sowie eine gefälschte ID vom Piloten bekommend. Auf einer privaten Passage flog man einfach mal zufällig mit einem anderen ehemaligen Sith Lord zusammen. Nun, nach all den Unmöglichkeiten, war auch dies nur "normal".

Auf Naboo hatte sie versucht in einer weniger aufregenden und chaotischen Stadt zu leben. Es war ihr wohl einigermaßen geglückt, bis sie wieder einen der Reibungspunkte erlebte und auch hier aufgezeigt wurde, das ihre Wut immer noch nicht unter Kontrolle war. Sie hatte schnell das Weite gesucht, war zu einem Planeten weitergeflogen wo sie Vorbereitungen für das Nachfolgende getroffen hatte. Ihre Logik war stichhaltig. Und diese Logik war der Grund warum Azgeth nun hier war, im Nichts – auf ein Eingeborenen – Volk samt menschlichen Besucher stoßend. Um sicher zu sein, musste sie sich komplett abschotten bis sie sich unter Kontrolle hatte. Und ja, einen kaum besiedelten Planeten anzufliegen, wo man für sich allein sein konnte war eine Möglichkeit. Und demzufolge hatte sie sich hierher fliegen lassen und war von einer kleinen Siedlung aus aufgebrochen. Und unterwegs hatte scheinbar einen wichtigen Meilenstein zu ihrem Frieden gefunden. Erst Jahre später war es ihr gelungen den Tod ihres Bruders wahrhaft anzunehmen und zu verarbeiten. An dem Punkt konnte Miron innerlich nur stumpf traurig seufzen. All das Leid, all die Dunkelheit weil sie das nicht auf die Reihe bekommen hatte? Das konnte doch einfach nicht wahr sein!

Er wusste nicht was er davon halten sollte. Für ihn veränderte das alles nur wenig. Sie hatte die Macht, sie war immer noch nicht unter Kontrolle wie sie schon festgestellt hatten. Ihre kurze Lunte, ihre teils herrischen Reaktionen. Anderseits hatte sie tatsächlich niemanden getötet oder ernsthaft verletzt. Etwas das sie einst ohne auch nur drüber nachzudenken getan hätte. Und wenn sie wirklich so viel geopfert und soviel gelitten hatte …
Nein. Es gab keine Rechtfertigung, es gab keine Vergebung für die monströsen Taten die auf ihr Konto gingen. Egal, wie "selbstlos" sie noch handelte, egal wie viel "Gutes" sie vielleicht noch leistete. Es würde nie genug sein. Wie sollte er solch einer Frau vertrauen? Wie konnte er sich wirklich ihr anschließen um zurück zu reisen, sollte er das überhaupt dürfen? Warum musste gerade sie diejenige sein, die hier aufkreuzte? Aber anderseits war die Prämisse ihrer Reise eine die eben genau das begünstigte.

Sollten sie der kaputten Frau helfen? Es war wirklich schwer nicht dem Impuls nachzugeben die anderen zu bitten, sie wegzuschicken oder zu töten. Seltsamerweise war er erleichtert, dass die Entscheidung momentan nicht bei ihm lag.

Nachdem sie die komplette Story der gefallenen und gemarterten Sith gehört hatten und das Duo, begleitet von den zwei Wächtern ins Lager zurückgekehrt war, durfte Miron erst einmal eine Pause einlegen, allerdings kündigte Shee'ra bereits an, das sie ihn noch einmal benötigen könnte.

Der Mensch verneigte sich und zog sich zu seinem Zelt zurück. In der ihm zur Verfügung stehenden Zeit ruhte er sich so ausgiebig aus, wie es ihm möglich war. Übersetzen war in dem Sinne nicht schwierig, aber es kostete viel Konzentration und ermüdete dennoch wenn man diese Beschäftigung viele Stunden tätigte.

Nebenbei noch etwas essend, ließ der Gestrandete seine Gedanken schweifen und döste vor sich hin. Nachdem sein Körper wieder ein wenig aufgetankt hatte, verließ er seine Behausung und gesellte sich zu den anderen Shi'rai. Sie würfelten und erzählten Geschichten, so wie üblich. Einfach, simpel, aber trotzdem spaßig.

Allerdings war dieser Kurzweil ein schnelles Ende beschienen, denn ihn erreichte die Nachricht, sich bei der obersten Schamanin zu melden. Zügig kam er der Aufforderung nach und saß wenige Zeit später vor der Hochgestellten Frau.


<<Kal'nar, wir beide haben nun einige Zeit mit der fremden Besucherin verbracht, und ihre Geschichte gehört. Und dabei auch in Erfahrung gebracht, dass sie jemand Besonderes ist. Die Gabe die mir und den anderen Heilerinnen gegeben ist, befindet sich auch in ihr. Doch scheinbar hat sie zur großen Mutter ein vollkommen anderen Zugang als wir es kennen. Diese Mahkt, was weißt Du darüber, kannst Du mir etwas darüber sagen?

Zudem habe ich deinen Ausbruch während der Gespräche nicht vergessen, sowie deinen immer wieder aufkommenden Aufruhr gespürt. Was denkst Du über sie? Was war der Grund für deine Aufgewühltheit? >>


Das waren wieder einmal mehrere Fragen, und nicht einfach zu beantworten, doch inzwischen war er es gewohnt, das die Anführer darauf keinen Deut gaben. Der ehemalige Pilot nahm sich soviel Zeit zum Nachdenken wie er für vertretbar hielt, bevor er ihr die schuldige Antwort lieferte.

"Ich denke ich fange mit meinen Gefühlen an. Dort wo ich herkomme tobt ein Krieg von dem ich bereits berichtete. Zu allererst, gehört Karyn zur gegenüberliegenden Seite, zum Imperium, die für mich der Feind ist. Das alleine wäre schon unangenehm, was es aber wirklich schlimm macht, ist das sie zu diesem Orden gehörte die sich "Sith" nennen. Diese, wie auch die Jedi, die auf Seiten der Republik, meiner Seite kämpfen, haben diese besonderen Fähigkeiten, deren Quelle man die "Macht" nennt.

Während die einen es für Gutes benutzen, für Schutz und Heilung, benutzen es die anderen nur für ihre eigenen, bösartigen Ziele. Dort draußen sind Sith überall gefürchtet. Sie sind das Böse, der Alptraum der Tod bringt. Auch der Anführer des Imperiums ist so ein Sith. Und wie ihre Geschichte bewiesen hat, gehörte auch sie zu jenen, die in großem Maßstab Unschuldige und Wehrlose getötet und ermordet haben. Wenn ein Kämpfer gegen eine Kämpfer antritt, ist das eines, aber Unbeteiligte, die niemandem etwas getan haben abzuschlachten ist etwas anderes.

Normalerweise werden Leute die anderen ihr Leben nehmen ins Gefängnis gesteckt oder im wiederholten Falle oder bei besonderer Grausamkeit werden diese exekutiert. Jedenfalls ist die Zielsetzung der Anführer, das diese Individuen das nicht wieder tun können. Bei Sith geht das nicht so einfach, sie sind nicht leicht zu fangen, es ist quasi unmöglich.

Und ihrer Erzählung nach war sie eine von den ganz schlimmen Sith. Nicht wenige werden verrückt, wahre Psychopathen vor denen man nur wegrennen kann. Mein erster Impuls wäre sie entweder zu töten oder mindestens wegzuschicken. Ihre Taten verdienen keine Hilfe, sie hat zu viel Schuld auf sich geladen. Wiedergutmachung, Gnade oder Vergebung sind für eine so brutale, gewissenlose Mörderin nicht drin. Alles in mir lehnt sie ab.

Aaalllerdings, sollte sie wirklich die Wahrheit erzählt haben, hat sie etwas getan, das nicht allzu oft vorkommt. Sie hat diesen bösen Teil von ihr bekämpft und fast besiegt. Sie hat bisher niemanden von uns ernsthaft verletzt oder angegriffen. Und sie hat als sie mit der Jedi mitging, das Imperium verraten. Soldaten und Sith, die sich vom Imperium lossagen und nicht mehr loyal sind, werden im Normalfall für diesen Verrat hingerichtet.

Also hat sie viel riskiert als sie den Sith den Rücken gekehrt hat. Was sie getan und erreicht hat, hört sich beeindruckend an, doch ich weiß nicht. Sie scheint immer noch keine völlige Kontrolle über sich zu haben. Und wie bereits gesagt: Wer für so viel Leid und Tod verantwortlich ist, es ist schwierig das einfach zu akzeptieren und zu vergessen.

Was die Macht angeht, eigentlich niemand, der nicht im Jedi- oder Sithorden ist, kennt sich damit groß aus. Ich weiß, das sie Dinge, bwz. Gegenstände alleine mit der Kraft ihres Geistes bewegen können. Man hört davon, das sie Gedanken lesen oder den Geist beeinflussen können. Sith können auch Blitze auf ihre Gegner werfen, richtige Blitze, so wie in einem starken Gewitter, nur viel kleiner natürlich."


Eine ausführliche Entgegnung, viel mehr fiel ihm dazu nicht ein.

"Das ist alles was ich zu diesen Dingen sagen kann. Ach, und ich bin mir völlig bewusst, ich entscheide hier nichts. Nicht das ihr denkt ich möchte mir etwas anmaßen."

Er hoffte das er damit nicht etwas erwähnt hatte, das sie vielleicht gar nicht so empfunden hatte. Scheinbar schon, denn die Schamanin sah sehr direkt, sehr ernst in seine Augen.

<<Das will ich hoffen. Du wurdest bereits verwarnt. Ich wiederhole mich nur sehr ungern.>> Für einen Moment glaubte er zuckende Mundwinkel zusehen, doch sicher war er sich nicht.

<<Ich danke Dir für deine Einschätzung. Da wir hier nichts von diesem Krieg wissen, spüren wir auch nicht die Ablehnung, die sich in deinem Herzen befindet. Vieles verstehe ich auch nicht völlig, da eure Welt so fremd ist. Aber … ich kann nur auf mein Wissen, auf das Hören das die große Mutter mir mitteilt. Und die weiß nichts von vielfach tötenden „Zizz“. Doch wenn es sich irgendwie um die gleiche Kraft in ihr als auch in uns handelt, dann kann ich sie vielleicht auf den richtigen Weg führen. Nun, ich werde darüber nachdenken müssen. Du kannst Dich entfernen, morgen werden wir erneut zu ihr gehen.>>

Eine weitere Verbeugung und Miron hatte schnell das Zelt verlassen. Ziemlich belastend, wenn von einem erwartet wurde, viel zu sagen, alles mögliche einzuschätzen und dabei aber keine Aussage zu treffen, die irgendwie einen Höherrangigen erzürnen konnte. Nun, auch diesmal kam er lebend davon, was er gleich mal nutzte um sich mehr oder weniger sofort in sein Zelt zu begeben um umgehend das Traumreich zu besuchen. Praktischerweise konnte er ziemlich schnell die Umgebungsgeräusche des Lagers ausblenden und in den Schlaf hinabgleiten. Er war wohl erschöpfter gewesen, als er angenommen hatte.

Ein weiterer Mondumlauf wurde ruhend verbracht, bevor der nächste Morgen mit Meilenstiefeln eintraf. Eine schnelle, frühmorgendliche Wäsche sollte Müdigkeit und Geruch beseitigen. Nicht allzu viel Zeit später konnte er bereits die sich nähernde Schamanin ausmachen. Er wartete gar nicht erst bis sie ihn erreichte, sondern ging ihr direkt entgegen, um sich ihr auf dem kurzen Marsch zum Lager der ehemaligen Sith anzuschließen.

Diese wartete bereits auf sie. Man nahm Platz in dem für den Austausch aufgebauten Zelt. Wenig überraschend erwartete Karyn nun eine Antwort der Schamanin, doch so lief es scheinbar nicht ab. Zwar sprach Shee'ra die andere Machtbegabte an, doch nur um ihr zu erklären, das man bei diesem Volk wenig tötete, und jeder Kampf wohlüberlegt war. Und deswegen war alles was Azgeth verkörperte etwas völlig Fremdes, und auch die Art und Weise wie sie die Macht nutzte. Das hatte Miron ihr bereits erzählt, doch nun wollte es die oberste Heilerin noch genauer wissen. Sie wollte noch weitere Details, in ganzer Tiefe wissen, was die Ex-Sith unter der Macht verstand, und wie sie die Gabe einsetzte.

Davon war das massenmordende Weib alles andere als begeistert. Sie ließ vernehmen, das sie nun eigentlich mehr erwartete, doch die Frau neben dem Piloten reagierte daraufhin gar nicht. Mal wieder so eine Art geheimes Kräftemessen, bzw. ringen darum, wer hier wem irgendetwas schuldig war. Erstaunlicherweise gewann die eingeborene Machtnutzerin jede dieser Konfrontationen, denn Azgeth gab nach und begann zu erklären.

Miron fluchte innerlich. Er verstand nichts von diesem transzendentem Kram, in den er sich schlicht nicht hineinversetzen konnte. Das Einzige was er daraus ziehen konnte, war, dass er nun ein wenig mehr von derTheorie hörte, und unter anderen Nichtmachtnutzern von nun an mit weitreicherem Wissen punkten konnte, als andere es besaßen. Supi.


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So erzählte die geplagte Machtnutzerin von den Mysterien der Macht, von den Dingen die sie im Orden gelernt und beigebracht bekommen hatte. Der Sith – Kodex. Die Lehren und daraus folgenden Auslegungen und Handlungen. Die Aversion gegenüber diesen Beschreibungen war ihren beiden Gesprächspartnern ins Gesicht geschrieben. Mit der Distanz, die sie mittlerweile gewonnen hatte, hörten sich diese Dinge zum heutigen Zeitpunkt wirklich ziemlich … komisch an. Um es mal milde auszudrücken. Doch wer voller Hass und Rache war, wer alles andere ausblendete um Mittel und Wege zu erlangen um den eigenen Rachewunsch auszuleben, den kümmerten die Kosten nicht. Als Karyn ihre Ausführungen beendet hatte, gab es eine weitere der längeren Schweigephasen. Was bedeutete das? Hatte sie mit diesen Worten dafür gesorgt, das man ihr doch nicht mehr half? Glücklicherweise ergriff die „Schamanin“ nach einiger Zeit wieder das Wort.

<<Das was ihr berichtet klingt wie eine entsetzlicher Missbrauch dessen was die große Mutter ist. Ein unglaubliches Sakrileg. Ihr hättet doch spüren müssen, wie entstellt all das ist, was ihr tut. Aber ich muss gestehen, ihr zeigt mir auf, das wir auch nicht alles wissen, denn ich hätte nie gedacht, dass solch eine Verdrehung ihrer Gaben überhaupt möglich ist. Das sich Fähigkeiten entwickeln lassen, die, wie es aussieht, das genaue Gegenteil von ihr sind. Die dunkle Seite klingt wie eine verdorbene Schwester. Allerdings kann es so etwa nicht geben. Es ist unnatürlich. Und ich denke das euer Wahnsinn und die Qualen die es euch einbrachte nur richtig sind. Ihr werdet dafür bestraft ihr Wirken derartig korrumpiert zu haben. Die Schicksalsstränge wurden manipuliert, damit ihr hierher gelangt, und wieder in den Schoß der Mutter zurückkehrt. Der Ruf erschallte und ihr seid ihm gefolgt.>>

Bitte was? Hatte sie gerade richtig gehört? Die Schlussfolgerungen der Einheimischen waren nichts womit die Reisende auch nur ansatzweise gerechnet hätte. Aber andererseits was erwartete sie? Dies war eine Kultur ohne erwähnenswerte Technik und deren Verständnis der Macht musste zwangsläufig rudimentärer, oder genauer gesagt urtümlich sein. Und die Interpretation, die von der Nichtmenschin kam, war nicht zwingend widerlegbar. Sie war schlüssig und zutreffend, auf gewisse Weise. Doch was war mit all den anderen Sith? Die, die nicht verrückt wurden? Müssten sie nicht alle auf dem Pfad der Bestrafung sein? Welche Strafe sollte das sein? Das ihre Haut grau und schrumpelig wurde, wenn sie zu lange mit der dunklen Seite lebten?

Einige konnten diesem Prozess widerstehen. Das sie alle in einem Spiel um Macht steckten? Niemals sicher, immer auf der Hut, das einem keiner die Trümpfe stahl um diese für sich zu nutzen. Nun, es war müßig darüber zu spekulieren, denn der Rest des Ordens war nicht hier. Nur sie war hier und heute anwesend. War sie einem Ruf gefolgt? Eigentlich nicht. Ihr Hiersein fußte auf klar kognitiv vollzogenen Entscheidungen. Die auf dem Weg erlebten Zwischenfälle hatten den Entschluss hervorgebracht sich von jeglicher Zivilisation zu trennen. Und dann hatte sie den nächstbesten Flug eines Piloten genommen der zu so einem Planeten flog. Einem Planeten auf dem nun dieses Eingeborenen Volk existierte, das ein fremdes Verständnis der Macht hatte, und das zu einem Zeitpunkt, an dem sich unter ihnen ein weiterer Mensch befand der übersetzen konnte …
Ja, okay es war KEIN Zufall. Aber es war auch kein Ruf gewesen, eher war sie den Wegsteinen gefolgt, die man ihr hingelegt hatte.

"So kann man es wohl formulieren. Wobei ich nicht das Gefühl hatte einem Ruf zu folgen, als vielmehr haben alle meine Entscheidungen dafür gesorgt, das ich den von der Macht für mich vorgesehenem Weg folgte. An diesen Ort. Und wenn ihr wirklich Recht habt, wenn ich zurückkehren soll zur „großen Mutter“ ist das wohl das was getan werden muss. Was also bedeutet das? Was werdet ihr tun? Soll ich eure Lehren übernehmen, oder was ist es was ihr sagen wollt?"

<<Vielleicht. Die große Mutter ist unser Glaube, sie bringt alles Leben hervor, sie wacht über jeden von uns, wir verlassen ihren Schoss für eine Weile und kehren dann zu ihm zurück. Sie kennt das Herz eines Jeden. Wenn wir jemanden heilen, sorgen wir dafür, das er ihr Flüstern wieder vernehmen kann. Zum ernähren töten wir nur das was wir wirklich brauchen, ansonsten leben wir in Einklang mit ihrer Schöpfung. Die, wie wir wissen noch viel größer und unerschöpflicher ist, als wir jemals angenommen haben. Und das es da draußen andere gibt, weitaus mehr, als das es leuchtende Punkte in der Nacht gibt. Ich hoffe sie werden noch lange fern bleiben, doch wie ihr berichtet, wird das möglicherweise bald nicht mehr so sein.

Wenn dein Wunsch deinen Weg zu finden, wahrhaftig ist, musst Du damit aufhören das Wirken und das Sein der großen Mutter zu missbrauchen. Lasse Dich führen, zwinge ihr nicht deinen Willen auf. Du hast erlebt wohin es führt. Wenn es darum geht wie wir anfangen, würde ich sagen, Du zeigst mir alles was Du sonst noch mit der "Mahkt" anstellen kannst, und ich zeige Dir was wir mit ihr vermögen. Und ich sage Dir, was Du nicht mehr tun solltest. Irgendwann wirst Du selbst wissen, was richtig und was falsch ist in ihrem Angesicht. Sie vermag es, das ich dich wahrnehmen kann ohne Augen oder Ohren, und Du kannst dies sicherlich auch, doch was ich noch nie erlebt habe ist das jemand meine Sinne diesbezüglich schließen kann. Deine Verbindung war lange für mich verborgen, bis Du es mir scheinbar gestattet hast. Wie funktioniert das?>>


Hm, war es das was sie sich vorgestellt hatte? Ja und nein. Vermutlich war es mit der Situation vergleichbar, die sie mit Chesara erlebt hatte. Sie würden zusammen erkunden müssen, was genau zu tun war. Bevor dies begann, erläuterte die nichtmenschliche Frau, was sie unter der Macht – ihrer "großen Mutter" - verstand. Das Bild das sie zeichnete, war recht einfach verständlich und in sich geschlossen. Es umschloss elementare Machtgebiete, aber keine fortschrittlichen oder extrem individualisierten Machtanwendungen.

Und ihre Idee oder ihr Vorschlag war es, sie zurückzuführen, zu den einfachen Dingen, der natürlichen Form der Macht. Für Karyn klang das ähnlich zu dem was man von Jedi zu hören bekam. Doch andererseits war es eben der signifikante Unterschied zur dunklen Macht, die befahl und nicht auf Eingebungen hörte die den eigenen Zielen zuwiderliefen.

Als erste konkrete Maßnahme schlug Shee’ra vor ihr zu zeigen wie man sich in der Macht verbarg. Sie sollte sich wieder verschleiern? Hatte sie nicht eben gesagt, sie sollte sich von dunklen, egoistischen Machtfertigkeiten fern halten? Wobei diese nicht wirklich böse oder etwas in der Richtung war.

"Okay." , antwortete sie schlicht. Irgendwie mussten sie ja anfangen.

"Wir nennen es "Verschleierung" und wir nutzen es damit uns Jedi oder andere Sith nicht sofort spüren, und wir die Möglichkeit haben, unbemerkt zu bleiben.“

Um dies vorzuführen, nahm Azgeth einen tiefen Atemzug und konzentrierte sich auf die Energien, die sich um sie herum befanden und durch sie hindurch strömten. Das Ziel war, die Energien so durch die eigene Aura zu lenken, das sie möglichst wenig verwirbelte und so keinen Unterschied zu den Machtströmungen der Umgebung darstellte. Um dies zu realisieren, griff sich die Ex-Sith einen Machtfaden nach dem anderen und lenkte ihn durch die eigene Präsenz hindurch.

Diese Fähigkeit war eine die sie verlässlich beherrschte, ohne besonders stark in ihr zu sein. Für jemanden, der nicht gewohnt war, dass Präsenzen überhaupt verschwinden konnten, würde es aber reichen und verlässlich demonstrieren. Nach ein paar Sekunden, hatte die Reisende so gut wie alle Fäden umgelenkt und der wechselnde Gesichtsausdruck ihres Gegenübers offenbarte die erfolgreiche Verschleierung der eigenen Aura.

<<Erstaunlich.>> , war alles was die Schamanin zu diesem Zeitpunkt zu sagen hatte. Es hatte etwas Niedliches, jemanden zu beobachten der von den eigenen Fähigkeiten so beeindruckt war. Doch dies behielt sie für sich. Ein leichtes Grinsen stahl sich auf die Gesichtszüge der Suchenden. Ein Austausch in der Macht. Es war eine gute Grundlage, und zu vermutender Weise auch ein Weg der sie zu ihren Antworten und Erkenntnissen führen konnte.

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Der Begriff "super" war absolut richtig gewählt, denn so wie es aussah, würde die nächste Zeit daraus bestehen, das die beiden machtbegabten Frauen, sich genau auf diesem Gebiet austauschten. Jetzt musste er nicht nur übersetzen, sondern diesen mystischen Quatsch jeder der anderen begreiflich machen, obwohl er es selbst nicht verstand. Doch wie er merkte, musste er vom Volumen her, nicht mehr ganz so viel sprechen. Das war immerhin etwas. Das erste womit sie sich beschäftigten war die Technik, die Karyn angewandt hatte um ihre Machtgabe vor der Heilerin zu verstecken. Wenig originell hieß sie "Verschleierung". Diese führte sie dann auch gleich vor, was seiner Begleiterin ein leichtes Keuchen entlockte das ihre Verblüffung offenbarte.

Was nun folgte war ein langwieriges hin und her der Erklärungen und Fragen, denn Shee’ra wollte sich ebenfalls an der Technik versuchen. Würde das Ganze zur einer gegenseitigen Ausbildung ausarten? Hoffentlich kam es nicht so. Leider war diese Hoffnung nur von kurzer Dauer. Vielleicht war es keine komplette umfängliche Ausbildung, aber der Austausch über die verschiedenen Kräfte und dazu gehörende Übungen, nahmen die nächste Zeit ein. Wobei er zugeben musste, das Karyn viel mehr Fähigkeiten zu bieten hatte als die Eingeborene, und das obwohl sie die dunklen Kräfte sogar weg ließ. Nachdem sie die "Verschleierung" hinter sich gebracht hatten, eine Fähigkeit, die so funktionierte, dass die eigene Aura von der Umgebung nicht unterscheidbar war, wandten sie sich dem Spüren innerhalb der Macht zu.

Dort herrschte in etwa gleich viel Wissen, wobei die Schamanin dies viel ausführlicher beschrieb und anwendete. Danach kam die bekannteste und berühmteste Kraft an die Reihe. Telekinese. Die Fähigkeit Dinge allein mit den Gedanken, gelenkt durch die Macht, zu bewegen. Man konnte sie sogar in kleinere Bereiche aufteilen. Levitation, Machtstoß und Machtgriff. Diesen Teil beherrschte Karyn wirklich phänomenal. Die Schamanin besaß diese Fähigkeit überhaupt nicht. Sie versuchten sich mehr als einen Tag daran es ihr beizubringen. Am Ende des zweiten gelang es ihr einen Stein für kurze Zeit schweben zulassen. Miron fragte sich in dem Moment ob es gut war, wenn sie derart in das Wissen und die Entwicklung dieser Wesen eingriffen, doch er hatte wenig Einfluss darauf und würde sich kaum dazwischen stellen.

Die folgende Kraft war wieder weniger prominent, bzw. ließ sich für ihn nicht beobachten. Sie versuchten gegenseitig die Gedanken und Empfindungen des anderen zu lesen. Und nachdem sie dies absolviert hatten, bemühte sich Karyn darum der anderen beizubringen, wie sie solche "Leseversuche" abwehren konnte. Um dies zu trainieren, lasen und wehrten sie sich gedanklich gegenseitig. Danach ging es weiter mit dem Thema Meditation und einer daraus sich entwickelnden Machtfertigkeit, die sich "Tiefschlaftrance" nannte. An dieser war die Schamanin überraschenderweise besonders interessiert. Die Demonstration der Ex-Sith war beeindruckend. Als Miron ihren Atem und ihren Puls prüfte, konnte er fast nichts wahrnehmen. Eine selbst induzierte Form von Stase. Krass.

Als nächstes demonstrierte die einstige Massenmörderin wie man auch ohne Augen, alleine durch Machtreflexe und Machtsinne, quasi jedem Angriff ausweichen konnte. Sie stellte sich der obersten Heilerin, den beiden Wächtern als auch ihm selbst. Sie reagierte so lächerlich schnell das er sich fragte, ob sie nicht Sensoren gekoppelt mit bionischen Reflexboostern oder ähnliches in ihrem Körper verbaut hatte, aber dies war mitnichten der Fall. Diese Fähigkeit weiterzugeben gestaltete sich schwierig, da niemand die Schamanin angreifen durfte. Karyn und er würde es gar nicht erst wagen, und die Wachen mussten erst lange überredet werden, bevor sie es ganz langsam und vorsichtig wagten die Fäuste gegen die Frau einzusetzen. Der Erfolg war überschaubar.

Aufgrund eines ziemlich wilden und herrischem Gewitter legten sie eine zweitägige Pause ein. Zudem hatte die oberste Schamanin ihre anderen Verpflichtungen vernachlässigt, weshalb sie die Zeit nutzte so gut es ging, aufgeschobene Entscheidungen zu fällen. Miron, sowie die anderen Shi'rai verstärkten die Befestigungen der kleineren, leichteren Zelte und verharrten stoisch das Wüten der Winde und der Wolken. Nachdem der Sturm abgeklungen war, stand das Wasser an einigen Stellen zweihände - hoch. Überall war jetzt Matsch und Schlamm, aber so war es nun einmal. Immerhin hatte er das Glück das er nicht an der Beseitigung mitwirken musste, denn seine Dolmetscherdienste wurden weiterhin gebraucht.

Seufzend nahm er die bereits auf sie wartende Gestalt Karyn's wahr, nachdem sie das kurze Stück über den Kamm zurückgelegt hatten. Also ging es weiter mit dem Üben und Austauschen von Machtkräften. Um eine komplexere Variante der telepatischen Fertigkeitengruppe anzugehen, wandte sich die Geläuterte dem sogenannten "Gedankentrick" zu. Es war die andere Fähigkeit die man den Jedi zusagte, und entsprechend natürlich auch den Sith. Die Kunst war es die Gedanken so weit zu manipulieren oder zu täuschen, das man entweder einen bestimmten Gedanken verfolgte, der eigentlich nicht von einem selbst kam. Oder man stimmte einer Argumentation zu, der man ohne die Beeinflussung als unsinnig abgelehnt hätte. Auch konnte man gefälschte Sinneseindrücke herbeiführen, wie ein eingebildetes Geräusch oder etwas zu sehen, was gar nicht da war, wenn man nochmal genauer hinsah.

Obwohl er nicht besonders begeistert war, demonstrierte sie zwei dieser Tricks an seinem Verstand. Einmal dachte er, die Wachen hätten den Zelteingang bewegt, das andere Mal hörte er eine tierisches Brüllen, das sonst niemand wahrnahm. Dies versuchte Karyn an die Schmanin weiterzugeben. Dies abzuwehren, war übrigens auf die gleiche Weise möglich, wie das abwehren von Gedankenlesen, wie sie es bereits geübt hatten. Darauf folgte die Fähigkeit, Energie zu absorbieren. Laut Erzählungen der ehemaligen Sith, konnten einige besonders mächtige Leute, Blasterschüsse oder sogar eine Lichtschwerklinge für kurze Zeit absorbieren, aber sie war darin wohl nur mittelmäßig. Dennoch reichte es für mehr als 1 Minute ihre Hand direkt in eine Fackelflamme zu halten, um danach nichts weiter als eine ganz leichte Rötung in der Handfläche übrig zu behalten. Heiliger Mist.

Diesen Umstand nahm die Schamanin zum Anlass ihre Heilfähigkeiten zu demonstrieren. Während sie die Hand der einstigen Sith hielt, sprach und sang sie zur großen Mutter. Nach einigen Minuten ließ sie die Hand los, und Karyn sah diese prüfend an, sie bewegte sie ausführlich bis sich ein erstaunter Ausdruck auf ihrem Gesicht zeigte. Dieses Mal war es die andere die mit einem schlichten:
"Beeindruckend." , reagierte. Miron war sich nicht ganz sicher ob diese leichte Rötung nicht auch so von alleine weggegangen wäre, doch er steckte nicht im fremden Körper und konnte es somit nicht wirklich feststellen. Normalerweise wäre die Hand der einstigen Killerin nur noch schwarze Schlacke gewesen. Oder realistischer: sie hätte die Hand irgendwann weggezogen.

Ja, und dann waren sie scheinbar am Ende angekommen. Karyn hatte noch andere Kräfte, aber diese gehörten zur dunklen Seite. Ja, sowohl einen Machtsturm sowie Machtblitze wollte niemand von ihnen vorgezeigt bekommen. Zudem ließ sie vernehmen, das sie unter den Sith eher eine Kriegerin gewesen war, und eher unterdurchschnittlich viele Kräfte beherrschte. Der Lichtschwerkampf war laut ihrer Aussage ihre große Stärke. Auch das wollten sie nicht sehen wenn es darum ging, dass sie ihre schädlichen Fähigkeiten nicht mehr verwendete. Allerdings konnten sie Shee'ra nun endlich erklären was es mit dem göttlichen Speer auf sich hatte, von dem die Jäger beim ersten Aufeinandertreffen mit Karyn berichtet hatten.

Bevor die Ex-Imperiale ihr Lichtschwert nach Verlangen der Eingeborenen hervorholte, erklärten ihr beide, das es sich um moderne Technik aus der Welt handelte aus der sie stammten. Sie sollte keine Angst haben, aber dennoch Respekt vor der Waffe haben. Daraufhin zündete Karyn ihre Waffe und eine lilane Klinge sprang aus dem Griff und in die Existenz. Das Erstaunen der Heilerin war mehr als prominent, staunend begutachtete sie die summende Klinge. Diese Waffe konnte ohne Kraftanstrengung durch einen ganzen Menschen schneiden, sie schnitt durch Rüstung und Fleisch gleichermaßen, mit dieser Klinge musste man nicht auf Schwachstellen zielen, man musste einfach nur den Gegner damit erwischen. Miron kam nicht umhin zuzugeben, das die Klingenfarbe hübsch war und die gesamte Waffe etwas Elegantes hatte. Dennoch war er froh wenn diese Klinge sich ihm niemals mit boshafter Absicht näherte.


|| Planet "GPR 7645-KE-743" ▫ Grasebene ▫ bei riesigem Zeltlager || ▫ Azgeth ▫ Miron ▫ Shee’ra & etwas entfernt Ureinwohner
 
||Planet "GPR 7645-KE-743" ▫ Grasebene ▫ bei riesigem Zeltlager || ▫ Azgeth ▫ Miron ▫ Shee’ra & etwas entfernt Ureinwohner

Ok, sie hätte mit vielem gerechnet, aber nicht das sich dieser Austausch zu einer Art Kurzausbildung, oder zumindest einer Modenschau der jeweiligen Machtfähigkeiten entwickeln würde. Die Ex-Sith zeigte ihnen, was es mit dem verschleiern der eigenen Aura auf sich hatte, was die Nichtmenschen-Frau auch gleich versuchen wollte. Nun ja, es ging nicht einfach so auf Anhieb, aber zumindest gab sie ihre Erklärungen ab. Weitere Fähigkeiten die sie demonstrierte und genauer erläuterte waren das Lesen von Gedanken sowie die Abwehr eben dieser Anwendung. Ersteres beherrschte die Naturmachtnutzerin bereits, nur das Abwehren musste sie noch lernen. Sie übten bei sich gegenseitig, was eine seltsame Erfahrung war, denn sie konnte die Sprache der Frau nicht sprechen, und ihre Gedanken waren nicht die eines Menschen, dennoch konnte sie die Eindrücke recht gut einordnen.

Ob es beim Lernen einer Sprache theoretisch half wenn man dabei die ganze Zeit den Geist des anderen las? Bestimmt würde es einem so schneller gelingen, da einem die Intention des Gegenübers sofort vorlag. Wie dem auch sein mochte, sie widmeten sich anschließend einem neuen Bereich. Einem den Azgeth so gut wie keinen zweiten beherrschte. Telekinese. Die Schamanin wusste von diesem Teil der Macht absolut gar nichts, und war von solch einer vielfältigen und präsenten Kraft fasziniert. Jedoch war das unterrichten dieser Disziplin ein ganz anderer Aspekt als das eigene beherrschen. Sie verbrachten fast 2 Tage bevor sich die ersten zaghaften Erfolge einstellten. Als nächstes führte die ehemalige Schülerin des heutigen Imperators die Technik "Tiefschlaftrance" vor. Die für Sith einzige Möglichkeit so etwas wie Heilung mithilfe der Macht zu erhalten.

Es sei denn natürlich man konnte in so dunkle Bereiche hinabsteigen, das man Gegnern Lebensenergie absaugen konnte, oder ähnliches. Aber dies konnte sie zum einen nicht, zum anderen würdesie es auch nicht offenbaren. An dieser Machtanwendung schien ihre temporäre Schülerin sehr interessiert zu sein. Also ließ sie die beiden auch an diesem Wirken der Macht teilhaben, indem sie sich für gut 6 Minuten in einen übernatürlich ruhigen Schlaf begab. Für Anfänger konnte es gefährlich werden, wenn niemand da war um den Schlaf zu überwachen, doch sie war keine Anfängerin mehr, und notfalls hatte sie ja Leute hier im Zelt die sie wecken konnten, sollte etwas schiefgehen. Doch dies war nicht der Fall und nach dem vermutlich vorgesehen Zeitraum öffnete sie ihre Augen wieder. Ihr Geist brauchte einige Zeit um wieder vollends da zu sein, wobei ihr dennoch das Staunen ihrer beiden Gegenüber nicht entging.

Um die nächste Fähigkeit zu illustrieren, nahm die Kriegerin ein Stück Stoff um sich die Augen zu verbinden. Sie wollte demonstrieren, wie man ohne Augen und nur mit Hilfe der Macht Angriffe erspüren und ihnen ausweichen konnte, schlicht auf die Sinne vertrauend die sich in die Macht erstreckten. Miron versuchte es, die anderen Machtsensitive, dann die Wachen, jedem wich sie geschickt aus und tanzte die ganze Zeit aus deren Attacken heraus. Wobei es bei den beiden Wachen wirklich nicht einfach war, sie mussten erfahrene und fähige Kämpfer sein. Die Bemühungen Shee’ra in diese Technik einzuweisen, stellte sich als ziemlich schwierig heraus. Sie konnte den Gegenüber ausmachen, auch seine Intention spüren, war aber viel zu langsam um Attacken zu entgehen. Früherkennung brachte vermutlich wenig, wenn man untrainiert und langsam war.

Weitere Lerneinheiten mussten leider ausgesetzt werden, dann eine dunkle Gewitterwolke –oder eher eine Wolkenwand – näherte sich rasant der Anhäufung von intelligenten Lebewesen, die hier kampierte. Allem Anschein nach konnte diese Gewitterfront eine ganze Weile über sie hinweg tosen. Bei der Frage was sie so lange machen sollte, schlug die Schamanin vor, sie solle noch ein wenig an der Tiefschlaftrance feilen. Warum wusste die ehemalige Dunkelseitenutzerin nicht, aber es war kein schlechter Vorschlag. So würde die Zeit schneller vorüber gehen. Entsprechend kurz gestaltete sich der Zeitraum den Karyn mit Warten verbringen musste, denn die meiste Zeit verstrich in der Umarmung des energiesparenden Schlafes.

Als das Duo, bzw. das Quartett zurückkehrte, waren zwei Tage vergangen. Ohne weitere Umschweife fuhren sie mit den Übungen und dem allgemeinen Austausch fort. Als nächstes tauchten sie wieder ein in die Welt der mentalen Machtanwendungen. Der Gedankentrick. Sie demonstrierte es bei Miron und auch bei der Schamanin selbst, bis die Initiative wieder wechselte und die Schamanin ihr Glück versuchte. Im Anschluss folgte die Darbietung der Energieabsorptionstechnik. Veranschaulicht an einer brennenden Fackel deren Feuerhitze sie für etwas mehr als eine Minute ertrug, bevor der Kraftaufwand zu groß wurde und noch Schäden entstanden. Von dieser Zurschaustellung waren die beiden wieder in größerem Maß beeindruckt. Bis auf eine leichte Hautrötung und einem Schweißfilm war sonst an der Hand nicht viel zu erkennen. Dennoch nahm die Schamanin dies als Gelegenheit ihrerseits auch eine Machtfertigkeit anzuwenden. Nach einigem Gebrabbel und Gesang,verschwand schleichend das leichte Jucken das sie in der Handinnenfläche gefühlt hatte. Und zeitgleich hatte sich auch die gerötete Stelle wieder mehr der Farbe der umliegenden Haut angepasst. Das war also Machtheilung.


„Beeindruckend.“

Schön das jetzt zumindest auch wenigstens EINE Kraft mal gezeigt wurde, die sie selbst nicht schon beherrschte. Allerdings glaubte sie nicht, das sie Machtheilung so schnell lernen konnte.
Tja, und so wie es aussah, waren sie damit am Ende angelangt. Machtblitze oder einen Machtsturm sollte und wollte sie hier nicht vorführen. Shee’ra hatte Recht, die dunklen Kräfte die sie beherrschte, sollten der Vergangenheit angehören. Auf diese sollte sie nie wieder zugreifen. Es war noch nicht mal gesagt, das sie es selbst überhaupt noch wollte. Die Blitze ließen sich nur manifestieren, wenn sie sich Zorn, Wut oder Schmerz hingab. In ihrer jetzigen, viel ausgeglicheneren Geistesverfassung, war das gar nicht mehr möglich.

Aber eines war noch möglich, oder sollte zumindest aufgezeigt werden. Nämlich das Sith Lichtschwerter besaßen. Sie würde damit nicht kämpfen, aber es ihr demonstrieren, damit sie vollends darüber informiert war, womit sie unter Umständen kämpfte. Zudem hatte sie die Waffe vor anderen dieses Volkes schon aktiviert. Als erstes war sicherzustellen, dass sie sich davor nicht fürchtete, also beschrieb Karyn was die Waffe konnte, aber zu diesem Zeitpunkt keine Gefahr darstellte, wenn man der Klinge nicht zu nahe kam. Die Eingeborene war erpicht darauf diese seltsame "Zauberwaffe" zu sehen, woraufhin sich die Ex-Sith nicht zweimal bitten ließ und das Lichtschwert umgehend zündete. Mit dem üblichen knallenden "Wusch" - Geräusch sprang die violette Klinge in die Existenz um dann in ein stetes Brummen über zu gehen. Die Einheimischen hatten mit Sicherheit nichts, was dieser Klinge entgegenstehen konnte. Karyn fragte sich, wie viele Kämpfer sie wohl würde ausschalten können.

Solcherlei Gedanken waren jedoch müßig, sie würde hier überhaupt niemanden angreifen, wenn es keinen Grund gab. Den Rest des Tages nutzten sie um noch einmal verschiedene Techniken durchzugehen. Der folgende Sonnenlauf hatte wiederum Neues zu bieten. Da Karyn die ganze Zeit davon gesprochen hatte, sie würde Hilfe brauchen ihren Weg zu finden, erkundigte sich die Schamanin nun genau danach und warum es ihr nicht gelang diese Frage für sich zu beantworten. Oder genauer gesagt wollte sie wissen was daran so schwer war, das man daraus eine Mission machte die über ein Jahr dauerte. Wie bitte? Hatte die Frau nicht zugehört? Was sollte sie denn noch erzählen und erklären? Also so langsam …

Nun, also was war eigentlich das Problem? Mitnichten war sie auf dieser Reise allein für diese Frage. Vielmehr befand sie sich immer noch an einem ganz anderen Punkt der Reise. Wie sie schon dargebracht hatte, wanderte sie, weil sie die Sicherheit der Abgeschiedenheit brauchte um andere nicht in Gefahr zu bringen. In Situationen in denen sie die Beherrschung verlor. Doch wenn sie darüber nachdachte überschnitten sich ihre beiden Zielsetzungen. Zum einen die Emotionskontrolle und gleichzeitig die Sinnsuche.

Ihre Ungeduld die sie zwischendurch fühlte und schnell zu Gereiztheit führte. Wobei Gereiztheit im Spektrum der Gefühle und der Manifestationen ihrer negativen Empfindungen im niederen Bereich anzusiedeln war. Wie weit war sie eigentlich bisher gekommen?

Um dem auf den Grund zu gehen, musste sie Stück für Stück zurückgehen. Der Kampf gegen den von vermutlich Alli gesandten Attentäter. Sie hatte ihn töten müssen. Und hatte dabei keine dunklen Kräfte im klassischen Sinne verwendet. Dann war der Flug nach Sullust. Die einzige Situation, bei der kein Ausbruch irgendeiner Art passiert war. In der Situation hatte sie den Effekt von Überraschung benutzt, sowie die Unterstützung Umstehender – in dem Fall Umsitzernder. In Nachhinein betrachtet, hätte es möglicherweise nicht so erfolgreich funktioniert, wenn nicht sämtlich Passagiere in der Nähe geklatscht und gepfiffen hätten. Doch so war den Trandoshaner – Machos klar geworden, sie hatte sämtliche Sympathien und Unterstützung auf ihrer Seite.

Dann war da Naboo gewesen. Dort hatte sie erschreckend schnell die Beherrschung verloren, und war auch stärker dem Hass verfallen, als sie es sich wünschte. Den Großteil der Gruppe hatte die mit dem starken Machtstoß zum Glück schnell vertreiben können. Nur das Großmaul das sie bedroht hatte und meinte er würde sich mit ihr "vergnügen" wie es ihm passte, hatte sie geschnappt und ihrem ganzen Hass ausgesetzt. Sie hatte ihn maximal eingeschüchtert, in dem sie ihm zu verstehen gegeben hatte, das er zu allen Göttern der Schöpfung beten durfte, dass sie ihn verschonte.

Damals war der Impuls da gewesen, den kleinen, arroganten Wurm zu vernichten. Und wenn ihre Erinnerung nicht durch die Zeit verzerrt worden war, hatte sie in diesem Moment mehr Kampf aufgewandt dem Gefühl NICHT nachzugeben als ihm nachzugeben.

Dann ihr Ausraster auf Coruscant während ihrer Arbeitsschicht in der Werkstatt. Die ständigen, nicht enden wollenden Witze und dummen Kommentare über Frauen hatten bei ihr die Hutschnur platzen lassen. Damals hatte sie allerdings ein gesundes Ventil gefunden in dem sie Türen geschmettert und herumgebrüllt hatte. Dies hatte zwar zur Entlassung geführt, was jedoch besser war, als ein Blutbad angerichtet zu haben.

Weiter zurück. Ihre Kämpfe in der Arena. Keine Toter, wobei sie bei einem Gegner einen unnötig blutigen Kampf erlaubt hatte und es sich beim anderen unbeabsichtigter Weise lebensgefährlicher entwickelt hatte als gewollt. Dann die blöde Bikergang und dessen Alpha-Trottel. Dann jedoch kam eine der Begegnungen die nicht so gut verlaufen war um es komplett zu verharmlosen. Eine kleine Gruppe von Kriminellen hatte sie im Untergrund von Coruscant ausrauben wollen. Und sie hatten Blaster gehabt, die nicht auf Betäubung gestellt worden waren. Hier hatte sich die ehemalige Sith nicht zurückgehalten und alle getötet.

Sie erinnerte sich noch gut daran, das dies das erste Mal gewesen war, bei dem sie im Anschluss ein schlechtes Gewissen bekommen hatte und die Toten bedauerte.

Dann die Obdachlosen. Shit. Sie hatte sie abgeschlachtet, einfach so … wobei: nicht einfach so. Immerhin hatten sie Karyn - die von ihren zuvor durchlebten Höllenträumen voller Dunkelheit, Verzweiflung und Wahnsinn noch benebelt gewesen war - an die Behörden ausliefern wollen. Paranoia, geschärfte Sinne, sowie das Lesen von Intentionen durch die Macht, hatten die Männer verraten.

Wobei. Halt. Den Letzten hatte sie verschont. Wie großzügig. Aber es stimmte, jetzt wo sie nochmal genauer in ihrem Gedächtnis kramte, hatte sie dem, der sich zuerst um sie gekümmert hatte, mit Wasser, Schlafzeug und Essen, das Leben gelassen. Dann die Attacke auf Chesara die sie irgendwie umgelenkt hatte, obwohl sie sich im Nachhinein nicht mehr an den bewussten Gedanken erinnern konnte, was bedeutete er war unbewusst erfolgt.

Und davor … Ord Biniir. Ab dem Moment an dem sie mit Chesara mitgereist war, hatte sich bereits einiges geändert. Sie hatte niemanden aus eigenem Antrieb und ohne Grund angegriffen und getötet. Die Obdachlosen – nun sie waren eine Ausnahme – aber es war nicht völlig ohne Grund gewesen, zudem war das zu einem sehr ungünstigen Moment geschehen, einem als sie noch voll mit dem inneren Kampf gegen die dunkle Seite vereinnahmt worden war. Auf diesen gingen die Angriffe auf Chesara und die Obdachlosen.

Wie war es also gekommen das sie sich dermaßen verloren hatte bei dem Ereignis auf Naboo? Es war letztendlich nicht wirklich kompliziert oder ein großes Mysterium. Ein uralter Instinkt, ein tief in ihr verankerter Reflex war ausgelöst worden. In dem Moment als Karyn ernsthaft in Erwähnung ziehen musste, das eventuell jemand sie tatsächlich vergewaltigen wollte und eventuell auch konnte – zu dem Zeitpunkt hatte sie quasi alleine gegen fast zwei Dutzend Jugendliche gestanden – hatte dieser Reflex sofort angeschlagen.

Als geborene Sklavin hatte sie als Teenagerin ihrem Meister mehrere Dutzend Male "zu Diensten sein" müssen, bevor sie damals von Todeswut ergriffen worden war und beschlossen hatte, das Schwein zu töten, egal was es kostete. Diese Mordlust war quasi wie auf Knopfdruck wieder aktiviert worden. Vor allem hatte sie nachdem sie ihre Mutter verloren und Corellia erreicht hatten, sich geschworen nie wieder so schwach zu sein. Zu schwach um so etwas zu verhindern. Und eine weitere stark verdrängte Erinnerung zupfte am verhüllenden Schleier. Dieser Reflex war schon einmal ausgelöst worden, damals auf Nar Shaddaa als ein Neuer in der Straßengang mit ihr angebandelt hatte. Zuerst hatte sie ihn nett gefunden, und man hatte sich einander angenähert.

Doch dann hatte er den Fehler begangen zu schnell Sex zu wollen und hatte ihre Einsprüche und Abwehraktionen zu wenig beachtet. Daraufhin hatte sie ihn bewusstlos geschlagen und in die Tiefen geschleppt wo sie ihn stundenlang gequält und gefoltert hatte, bevor sie sein Leben beendete. Die Erinnerungen daran waren schwammig, wie löchrige, zusammenhanglose Fetzen, die nur unter Protest den Weg zurück ans Tageslicht fanden. Miron hatte nicht ganz Unrecht. Sie war schon ein Monster gewesen bevor sie zu den Sith gegangen war. Es war fraglich ob solche Taten entschuldbar waren mit: ich hatte eine schlimme Kindheit, oder: ich litt an einem Trauma. Darüber mochten Mächte der Unendlichkeit urteilen, wichtig war das sie auf Naboo am Ende den Kill - Impuls erfolgreich bekämpft und den idiotischen Jugendlichen eingeschüchtert weggejagt hatte.

Wenn man diesen Teil ihrer Reise bedachte, hatte sie schon viel erreicht. Auch wenn Karyn zwischenzeitlich noch Tote verantwortete, hatte Chesara bereits zu diesem Zeitpunkt eine Menge Menschenleben gerettet. Wenn man sich also die Frage stellte ob es all das Wert gewesen war – diese konnte man mit einem dicken, großen Ja beantworten. Wenn man über den zweiten Teil ihrer Reise, den nachdem die Frau eigentlich gefragt hatte, nachdachte, musste man nicht lange wühlen. Ja, es ging ihr darum, welche Aufgabe wohl noch auf sie warten konnte. Wie sollte es für sie weitergehen?

Hier ging es nicht darum welcher Beruf für sie der Richtige war. Sie hatte in der Werkstatt gearbeitet, was ok gewesen war, denn es zahlte die Rechnungen. Und genauso war es mit ihrem Job als Kellnerin gewesen. Nichts davon war in dem Sinne erfüllend gewesen, doch darum war es der Getriebenen auch nicht gegangen. Klar, mit der Zeit hätte sie sich vermutlich was anderes gesucht. Mehr ihren Fähigkeiten entsprechend und auch lukrativer. Doch darum ging es nicht. Die Jobs waren nicht das Problem, sondern die Kunst ihre Unruhe unter Kontrolle zu bekommen und ihre Wut nicht immer so explodieren zu lassen.

Es stand zu befürchten, das dies hier zu einer Art Therapie verkommen könnte. Dafür gab es eigentlich Ärzte, dazu musste man nicht ans Ende der Galaxis flüchten. Doch vorerst sollte sie sich bemühen all diese Gedanken an den Mann zu bringen, bzw. an die Frau.


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