Weltraum (Neutral)

[Hyperraum in Richtung Mando-Raum / SY-Condor-Yacht „Seastar“ / Quartier] C-06 „Mira“ und Jake Relis / Dr. Ralena Anne Moore, Samin und Dany in der Sitzecke beim Cockpit / Sana, Naeva und die anderen Kinder im Aufenthaltsraum

Jake musste schmunzeln. Das hatte er in diesem Gespräch schon erstaunlich oft getan – nicht, um jemanden in Sicherheit zu wiegen oder eigene Unsicherheiten zu überspielen, sondern einfach, weil ihm danach gewesen war. Keiner von beiden hatte am Anfang gewusst, was dieses Gespräch bringen würde. Und nun saßen sie hier, einander gar nicht mehr so fremd, jeder um das eine oder andere Geheimnis des anderen reicher und durch das damit verbundene Vertrauen ein Stück näher zusammengerückt.
Er hatte festgestellt, dass er Mira mochte. Man konnte sich gut mit ihr unterhalten, und mit ihrer Meinung hielt sie wirklich nicht hinterm Berg. Bei ihr wusste man, woran man war – zumindest, wenn sie es wollte. Jake mochte das. Überhaupt stand ihr die Selbstsicherheit, die inzwischen wieder durchkam, deutlich besser als die Ratlosigkeit darüber, wohin mit den eigenen Gefühlen.

„Alles gut, Mira. Es ist lange her, und es tut auch ganz gut, das mal wieder rauszulassen. Die Zeiten, in denen ich versucht habe, den Verlust im Glas zu versenken, sind lange vorbei. Danke, dass du zugehört hast.“
Onkel, Dad … sie würde schon sehen. Zumindest Onkel wäre schön. Der Gedanke ließ seinen Mundwinkel noch einmal zucken. Bevor Mira ihn allein im Quartier zurückließ, gab er ihr noch seine Einschätzung mit auf den Weg.

„Du bist schon schwer in Ordnung, Kleines.“

Als die Tür hinter ihr geschlossen war, blieb Jake einen Moment sitzen. Dann streifte sich mithilfe von Zehenspitzen und Fersen die Stiefel ab, um endlich aus dem grauen Overall zu kommen. Seine üblichen Sachen trug er darunter, wenn auch nach der Zeit unter dem zusätzlichen Stoff etwas zerknittert. Er zog den Saum seines Hemdes zurecht und klappte, noch auf Socken, auf der Suche nach einem Spiegel einige der großen Schranktüren auf. Dahinter fanden sich Kleidung und die üblichen Alltagsgegenstände einer oder vielleicht auch zweier Frauen. Auf den Einlegeböden lagen zusammengelegte Shirts und schlichte Tops neben einem kleinen Stapel Hosen. Darüber hingen Jacken, eine Bluse und ein Kleid, das zwischen den praktischen Alltagssachen beinahe ein wenig fehl am Platz wirkte. Ein weicher, etwas ausgeleierter Pullover war mehr zwischen die übrigen Sachen geschoben als ordentlich gefaltet worden. Weiter unten standen ein Paar robuste Stiefel und deutlich leichtere Schuhe. In einem offenen Fach lagen ein zusammengerollter Gürtel, eine Haarbürste und mehrere Haarbänder, von denen sich eines um den Bürstengriff gewickelt hatte.

Jake ließ den Blick kurz über die unterschiedlichen Kleidungsstücke wandern. Moore und Mira konnten sich ohne Zweifel die Klamotten teilen. Ob sie es tatsächlich taten und wem hier was gehörte, ließ sich allerdings kaum erkennen. Neben sorgfältig gefalteten Handtüchern stand eine kleine Tasche mit Pflegeartikeln; davor lag ein einzelner Ohrring, dessen Gegenstück sich offenbar andernorts herumtrieb. Er musste unwillkürlich schmunzeln. Besonders an Bord eines Raumschiffs fanden die kleinen Dinge Wege, verloren zu gehen. Wie oft er schon was gesucht hatte!
Die geschlossenen Schubladen ließ er geschlossen. Er suchte schließlich einen Spiegel und wollte keine Bestandsaufnahme ihres Privatlebens machen. Als er ihn endlich auf der Innenseite einer der Türen entdeckte, hängte er den Overall ordentlich auf einen freien Bügel, schob die benachbarte Jacke ein Stück zur Seite, damit nichts eingeklemmt wurde, und betrachtete sein Spiegelbild.

Das cremefarbene - früher hätte er einfach Besch gesagt, aber das hatte Jules ihm ausgetrieben - Hemd saß locker an seinem Oberkörper. Sein leicht strukturierter Stoff hatte ein paar zusätzliche Falten abbekommen, aber bei Jakes Garderobe fiel das kaum ins Gewicht. Der Kragen stand offen; die Ärmel schob er wieder bis zu den Unterarmen hoch. Darüber trug er seine dunkelbraune, beinahe schwarze Weste mit den großen aufgesetzten Taschen. Er strich sie mit beiden Händen glatt und zupfte sie an den Schultern zurecht.

Die dunkelblaue Hose mit den roten Streifen an den Außenseiten der Beine war ebenfalls etwas verrutscht. Jake rückte den breiten, abgewetzten Ledergürtel zurecht, bis dessen kantige Metallschnalle wieder mittig saß. Anschließend prüfte er mit einem beiläufigen Griff den Sitz des tief hängenden Blasterholsters an seiner rechten Seite und richtete den Lederriemen, der es am Oberschenkel hielt. Stoff, Leder und Metall zeigten deutliche Gebrauchsspuren. Alles war eingetragen, vertraut und dort, wo seine Hände es erwarteten.
Er fuhr sich einmal durch das blonde Haar, was dessen ohnehin eigenwillige Ordnung nur bedingt verbesserte, legte den Kopf leicht schief und testete die bewährten Jake-Relis-Fingerpistolen™ an seinem Spiegelbild. Dazu das passende Grinsen. Saß noch. Altbewährt.

Sein Blick wanderte an sich hinunter zu den Socken. Na gut. Die Stiefel fehlten noch.

Er schlüpfte wieder in die hohen, dunklen Lederstiefel, zog die Hosenbeine darin zurecht und warf einen letzten Blick in den Spiegel. Schon besser. Mit einem zufriedenen Zucken des Mundwinkels schloss er die Schranktür. Dann trat er zu seinem Blaster sicherte diesen im Holster. Dass Mira die ganze Zeit in ihrem gepanzerten Anszug rumgesessen hatte, hinterließ den Eindruck, das es auf Zanbar vielleicht Probleme geben konnte, die nur eine bewaffnete Konfrontation klären würde. Seinen Werkzeugkoffer hob er noch aus dem Weg, und platzierte ihn im schrank bei dem Overall. Ungesicherte Lasten konnten in Problemfällen zu tödlichen Lasten werden. Er strich noch einmal sein Hemd glatt und trat dann wieder auf den Gang. Schaute im Vorbeigehen kurz bei den Kids durch den Schottrahmen, hob grüßend die Hand. Die Kids schienen sich nicht gegenseitig umzubringen, was er schon mal als ein gutes Zeichen auffasste.


Dann fielen ihm Sanas gerötete Augen auf. Also nicht das Rot ihrer Iris, sondern das gleiche Rot, dass er zuvor auch bei Mira gesehen hatte. Tränen. 'Grrrr. Keinen Tränen auf der Seastar!'
Behutsam trat er ein und fand den Weg zu Sana und einem ihm fremden Mädchen (Naeva).

„Hi, Sana wir kennen uns schon. Aber du und ich nicht.“ Dabei deutete er zwischen sich und der Unbekannten hin- und her, bevor er leise meinte, um nicht die Aufmerksamkeit der restlichen Kindermeute zu wecken. „Hey, ich bin Jake. Ich kam nicht umher zu bemerken, dass hier Tränen geflossen sind.“ Er deutete mit einem Zeigefinger in sein Gesicht, schaute zwischen den Beiden her und landete schließlich wieder bei Sana, um zu verdeutlichen, dass ihm das nicht entgangen war. Denn wo weinte man, wenn nicht mit dem Gesicht?

Dann meinte er mit einem aufmunternden Schmunzeln. „Keine Tränen auf Seastar. Nicht wenn ich irgendwie helfen kann.“ Er deutete mit dem Daumen den Gang runter. „Ich habe eben schon welche getrocknet. Alles okay bei euch? Braucht ihr irgendwas?“, fragte er dann besorgt.


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Samin, Dany, Moore; Sana, Naeva und die anderen Kinder im Aufenthaltsraum, Jake und Mira in den Quartieren


Bei der Vorstellung, gemeinsam mit Dany und Sana nach Bakura einige schöne Planeten zu besuchen, musste Samin lächeln. Das klang beinahe nach einem unerreichbaren Traum. Verdammt, wann hatte sie das letzte Mal Urlaub gemacht?

Nie. Sie hatte noch nie Urlaub gemacht.
Und ein richtiges Zuhause? Das letzte, was dem relativ nahekam, war ein kilometerlanger Supersternzerstörer namens Intimidator. Nicht die Art von Zuhause, die sie für Sana in Zukunft vorsah. Die Mandalorianerin stellte sich wohl auch eher eine Art Basis vor, zu der sie zwischen ihren Aufträgen zurückkehren würde. Zumindest interpretierte die Chiss ‚einen Ort, von dem aus sie arbeiten konnte‘ so. Samin sah vor ihrem inneren Auge vielmehr einen sicheren Planeten, am besten Abseits vom Krieg, mit einer Schule für Sana, freundlichen Nachbarn und möglichst wenig Ärger. Ein wenig beneidete sie Dany darum, dass ihre Familie noch immer ein normales Leben auf Shinbone lebte und sie jederzeit zurückkehren konnte, sofern sie es denn wollte. Für Samin gab es diese Möglichkeit nicht. Sowohl ihre gebürtige Heimat - das Chiss-Reich -, als auch die imperiale Staatsangehörigkeit waren von nun an nur noch alte Stationen in ihrem Lebenslauf. Spätestens mit der Desertion hatte sie diese Türen geschlossen. Und selbst wenn nicht, würde sie ihrer Tochter die Familie Nuruodo niemals zumuten wollen.


„Ich würde gerne irgendwo wohnen, wo Sana eine richtige Kindheit haben kann. Oder zumindest den Rest davon.“

Samin griff sich mit einer Hand an das schmale Kinn und sah in Richtung Cockpitdecke. Dass sie ja eigentlich für eine Freundin gefragt hatte, war schon wieder völlig vergessen.

„Wie sieht es auf Zanbar denn aus?“

Die Augen wanderten wieder herab. Zuerst zur Mandalorianerin, dann zur Sephi.

„In das Imperium zurück kann ich jedenfalls nicht. Chandrila und Bespin fallen damit raus. Und die Neue Republik ist nicht weniger eine Verbrechensorganisation als die Black Sun.“

Die Chiss nickte Moore kurz zu.

„Nichts für ungut. Auch wenn Naboo klasse klingt. Ich gehe das Risiko nicht ein, dass diese Jedi-Spinner Sana in die Hand bekommen, wo ich sie gerade weit genug von den Sith weggebracht habe.“

Jene berichtete inzwischen von den verschiedenen Stationen ihres Lebens. Professorin, Sector Rangers, Republikanischer Geheimdienst? Was hatte die Frau eigentlich noch nicht gemacht? Bald kam noch raus, dass sie selbst eine waschechte Jedi war. Spätestens dann musste sich Samin langsam doch noch mal Gedanken machen.

„Ein paar Millionen Credits Sachschaden?“

Samin klang verblüfft. Dabei hatte sie im Dienst des Imperiums sicherlich ebenfalls eine entsprechende Summe an schrottreifen Jägern hinterlassen. Ihr Name ‚Crash‘ kam nicht von ungefähr. Wobei die großen Klappen ihrer Staffelkammeraden und jener, die nicht dabei gewesen waren, natürlich nie die wahren Hintergründe kannten. Einen jeder Defender, den Samin an den Boden brachte, hatte sie an die technische und anatomische Leistungsfähigkeit getrieben, war jedes Mal siegreich davongekommen und hatte am Ende Situationen überlebt, die weniger exzellenten Piloten das Leben gekostet hätte. Jeder Crash war ein Tod, den sie nicht gestorben war.

Die Chiss verträumte fast, wie die Sephie wieder auf Sana zu sprechen kam. Der Name ihrer Tochter riss sie natürlich gleich aus ihren Gedanken. Moore war sehr nachsichtig mit ihr. Ob Sana erwartete, dass Samin auf alles eine passende Antwort hatte, war in ihrem Kopf gar tatsächlich nicht die Frage. Samin verlangte es wirklich von sich selbst. Und sie konnte mit einer weiteren Sache rechthaben. Wenn sie wollte, dass sie ihre Tochter kennenlernte, musste sie ihr auch Gelegenheit dazu geben. Sie nickte, lächelte zurückhaltend und nahm sich vor, genau das bei nächster Gelegenheit zu tun.

Als Moore schließlich eine kleine Box hervorholte und ihnen den Inhalt präsentierte beugte sich Samin neugierig vor. Was bei der Spucke des Imperators, waren Neural-Comlinks? Die flachen Geräte sahen ziemlich unscheinbar aus. Die Worte der Sephi machten sie derweil jedoch direkt skeptisch.


„Was tun die? Werden die implantiert?“

Sie betrachtete die Geräte noch genauer, ohne eines herauszunehmen. Die Dinger wirkten ihr höchst suspekt.

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[ Outer Rim – Koordinatenraster T09 – Black-Widow-Nebula – Gefecht an einer Staubfront – Cockpit von Mynock 9 ]
Zarev Korrik; Auren Hardlight und Tyla Le’el in ihren TIEs, republikanische X-Wings und Piraten-Uglies



Tylas Bestätigung kam durch, während Zarev seine Flugbahn weiter nach außen versetzte. Wenigstens hatte sie die Neuankömmlinge ebenfalls gesehen. Zwischen den Staubschichten schnitten inzwischen grüne und blaue Salven hindurch, und er musste genauer hinsehen, um überhaupt noch unterscheiden zu können, welcher Feuerstoß von wem kam. Ein Ugly geriet unter republikanischen Beschuss; kurz darauf flammte an dessen Antrieb etwas auf.

Offenbar hatten die Piraten ebenso wenig Interesse an den X-Wings wie sie selbst. Zarev hätte diese Gemeinsamkeit unter anderen Umständen vielleicht gewürdigt. Hier draußen machte sie es hauptsächlich schwieriger, eine freie Flugbahn zu finden.

Auf Tylas Meldung, dass sie einen neuen Anflugvektor brauchte, suchte er ihre Maschine zwischen den wechselnden Konturen.


"Acht Sende dir einen neuen Anflugvektor"

Schnell übermittelte Zarev Tyla über mehrere Pings einen neuen Anflugvektor, da tauchten vor ihm die gekreuzten Flächen eines X-Wings auf. Die Silhouette wurde rasch größer. Zarev nahm den Steuergriff fester in die Hand und begann, seinen Anflug seitlich zu versetzen. Ein frontaler Schlagabtausch mit besseren Waffen und einem Schildgenerator auf der anderen Seite war kein Geschäft, bei dem ihm die Bedingungen gefielen.

Tylas nächste Meldung kam gerade recht. Sie wollte nach unten wegziehen und dem herankommenden Ugly den Weg abschneiden.


„Gesehen. Danke, Acht!“

Ihr TIE zog unter ihm durch. Zarev rollte in die entgegengesetzte Richtung und nahm seinen Jäger aus dem direkten Anflug auf den Republikaner. Er wollte Abstand gewinnen, ohne den X-Wing hinter dem eigenen Solarflügel verschwinden zu lassen. Für einen kurzen Augenblick bekam er dessen Flächen noch seitlich zu sehen, dann schob sich wieder Staub dazwischen.

Weiter unten leuchtete unter Tylas Beschuss ein Schild auf.

War ja klar, selbst diese zusammengewürfelten Bastarde hatten Schilde. Er würde nach dem Einsatz ernsthaft darüber nachdenken müssen, ob man für einen brauchbaren Ausrüstungsstandard zunächst das Sternjägerkorps verlassen und irgendeinem bewaffneten Schrottsammler beitreten musste.

Aurens Warnung vor weiteren Uglies riss ihn aus dem Gedanken.



„Noch mehr?“, entfuhr es ihm im Helm.

Er sah in die gemeldete Richtung und erkannte zusätzliche Triebwerkslichter hinter den bereits bekannten Maschinen. Damit wurde seine ursprüngliche Zählung endgültig wertlos. Die Aussicht, sich durch das Durcheinander hindurch abzusetzen, gefiel ihm dagegen ausgesprochen gut.


„Neun, verstanden. Vor den Piraten kreuzen, dann unten weg.“

Zarev richtete seine Flugbahn entsprechend aus und behielt die Staubkante im Blick, hinter der sie sich sammeln sollten. Er musste sich dazu zwingen, bei dem beabsichtigten Anflug zu bleiben, statt jedem Lichtblitz mit einer neuen Bewegung auszuweichen. Eine zu frühe Kurve würde ihn womöglich genau dort festhalten, wo er überhaupt nicht bleiben wollte.

Zwischen den fremden Jägern leuchteten erneut Waffen auf. Zarev zog die Nase seines TIEs nach unten und rollte aus der bisherigen Fluglage, während über ihm Schüsse durch den Dunst verschwanden. Die Gurte spannten sich über seinen Körper. Er hielt die Bewegung durch, gab wieder Schub und suchte den markierten Bereich.


„Neun bricht nach unten weg!“

Als Hardlights Aufforderung zum Rückzug kam, war er bereits dabei, unter dem Gefecht hindurchzuziehen. Er ließ die Staubfront zwischen sich und den Beschuss kommen und kontrollierte seine Anzeigen. Kein Trefferhinweis. Die Triebwerke reagierten, die Steuerung ebenfalls. Für den Moment genügte ihm das vollkommen.

Auf Aurens Statusabfrage sendete er seine Kennung und näherte sich dessen Position.


„Neun, hinter der Staubkante. Keine Trefferanzeigen, Maschine reagiert normal, wie siehts bei euch und euren TIE´s aus?“

Kurz darauf erkannte er Hardlights TIE durch den Dunst und wenig später auch die zweite vertraute Maschine. Zarev merkte erst jetzt, wie fest er die Zähne zusammengebissen hatte. Er lockerte den Kiefer und schluckte gegen die Trockenheit im Mund an.

Drei Jäger. Das sah bereits erheblich besser aus als die Aussicht, allein durch diesen Nebel zurückzufinden.

Er nahm auf Befehl Leistung heraus und überließ Tyla die Beobachtung des Gefechts. Den übrigen Raum abzusuchen war bei diesen Sensoren eine undankbare Aufgabe, aber wenigstens wusste er wieder, worauf er seine Aufmerksamkeit richten sollte. Er wechselte zwischen den Rückmeldungen und den sichtbaren Lücken im Dunst, wobei er auch die Bereiche oberhalb und unterhalb ihrer bisherigen Flugbahn prüfte.


„Neun übernimmt den übrigen Raum.“

Die etwas geringere Triebwerksleistung ließ das Summen in seiner Kanzel ruhiger werden. Zarev nutzte den Augenblick, um die Temperaturanzeige und die Energieversorgung zu kontrollieren. Alles blieb im Rahmen. Beim anschließenden Blick nach draußen versuchte er zusätzlich, auffällige Wärmekontraste auszumachen, die sich unabhängig von den Gasfeldern bewegten.

Seine Infrarotsicht gab ihm gelegentlich etwas mehr als die gewöhnlichen Konturen. Eine sichere Übersicht bekam er damit trotzdem nicht.



Dann meldete Hardlight den beschädigten X-Wing.
Zarev wandte den Kopf und suchte die angegebene Richtung. Durch eine Lücke bekam er den Republikaner zu sehen, dazu die beiden Piraten, die ihm nachsetzten. Der Antriebsbereich des X-Wings glühte ungleichmäßig. Sie waren gerade erst aus diesem Durcheinander herausgekommen, und an Aurens Tonfall hörte er bereits, dass es dabei nicht bleiben würde.

Die nächsten Befehle bestätigten seinen Verdacht.
Er atmete hörbar aus. Ein Anflug, dann wieder hinaus. Wenigstens hatte Hardlight diesen Teil ausdrücklich dazugesagt.


„Verstanden, Sieben. Ein Anflug.“ Zarev erhöhte die Leistung und suchte die beiden Uglies. „Acht, ich nehme den weiter außen. Ich komme von Steuerbord rein.“

Der TIE beschleunigte, und unter der Anspannung regte sich ein wenig Angriffslust. Dieser Pirat vor ihm war mit dem beschädigten Republikaner beschäftigt. Zarev wollte die Gelegenheit nutzen, bevor sich das änderte.

Er hielt den Anflug zunächst flach, suchte einen freien Schusswinkel und führte die Nase vor die erkennbare Flugbahn des Uglies. Die Zielmarkierung sprang noch immer unzuverlässig über sein Display. Zarev orientierte sich an der sichtbaren Maschine und gab einen kurzen Feuerstoß ab, einer seiner Schüße traf.

Aber beim Versuch, unmittelbar nachzusetzen, antwortete nur eine seiner Kanonen.

Er sah auf die Waffenanzeige. Die Steuerbordkanone war wieder bereit, während der Ladebalken der Backbordkanone auffällig langsam weiterwanderte. Zarev drückte den Auslöser erneut, bekam einen einzelnen Schuss und ließ mit einem scharfen Fluch los.



„Im Hangar ging’s doch noch, du undankbarer Schrotthaufen!“

Sein erster Impuls war, die Feuersteuerung aufzurufen. Dafür hätte er allerdings den Gegner aus den Augen lassen müssen. Er unterdrückte den Griff zum entsprechenden Schalter und korrigierte stattdessen seine Flugbahn.

Ausgerechnet seine Maschine. Die er durchgesehen, nachgezogen und beinahe zärtlicher behandelt hatte als alles andere auf diesem Träger.


„Neun, Backbordlaser lädt verzögert.“

Die Kanone fiel immerhin nicht vollständig aus. Er musste ihr nur mehr Zeit zwischen den Feuerstößen geben, was ihn in diesem Augenblick fast ebenso sehr ärgerte. Ein paar Sekunden zuvor hatte er noch gedacht, endlich eine brauchbare Gelegenheit zu haben.

Zarev wartete, bis beide Bereitschaftsanzeigen wieder aufleuchteten, passte seinen Vorhalt an und drückte den Auslöser bewusst kurz. Dieses Mal feuerten beide Kanonen. Die grünen Blitze jagten dem Ugly entgegen, doch ob sie trafen, konnte er zwischen den wechselnden Konturen nicht sicher erkennen.

Er ließ den Abzug los. Hinterherzuziehen und sich dabei erneut mitten im Gefecht festzubeißen, gehörte nicht zu ihrem Auftrag. Zarev begann, seinen Jäger aus dem Anflug zu nehmen, und suchte gleichzeitig nach Tyla.

Seitlich voraus zuckte grünes Feuer auf. Er bekam Hardlights TIE und den beschädigten X-Wing noch für einen Augenblick gemeinsam ins Blickfeld, dann platzte der republikanische Rumpf hinter dem Cockpit auseinander. Die Aufhellung zeichnete sich grell gegen den Dunst ab, während Trümmer aus der auseinanderbrechenden Maschine hervorschossen.

Zarev zog seine Flugbahn weiter von dem Bereich weg. Für einen Moment fiel die angestaute Anspannung von ihm ab, und ein raues, begeistertes Lachen entwich ihm.


„Boom, HaHa! Das war mal ein Feuerball! Guter Schuss, Sieben!“

Noch während sein Lachen langsam verklang, flackerten seitlich des Gefechts weitere Triebwerkslichter auf. Zwei zusätzliche X-Wings schoben sich durch eine dünnere Nebelschicht, während ihnen aus einer anderen Richtung mehrere ungleichmäßig geformte Jäger entgegenkamen. Zarev erkannte die zusammengewürfelten Aufbauten gerade rechtzeitig, bevor auch dort die ersten Waffen aufleuchteten. Grüne und blaue Salven kreuzten sich zwischen den Staubfeldern, und er passte seine Flugbahn an, um außerhalb dieses neuen Schlagabtauschs zu bleiben.

Augenscheinlich begannen die Republikaner und die der Piraten sich immer mehr anzugreifen, das könnte der Moment sein das Schlachtfeld zu verlassen.
Er warf einen verärgerten Blick auf die noch immer nachladende Backbordkanone und betätigte die Sendetaste.


„Sieben, da kommen noch mehr X-Wings und Uglies dazu. Sollten wir nicht langsam zurück das der Absolution melden?“

Zarev suchte Hardlights Maschine im Dunst und hoffte, dass sein Rottenführer diese Frage als ausreichend deutlichen Vorschlag verstand. Sie hatten eine republikanischen Konvoi gefunden, die Piraten inzwischen ebenfalls und reichlich Gelegenheit gehabt, sich von deren Bewaffnung zu überzeugen. Seiner Ansicht nach durfte man eine Aufklärung damit durchaus als erledigt betrachten.

Er hielt die Nase seines TIEs in Bewegung und prüfte, ob ihm einer der Neuankömmlinge besondere Aufmerksamkeit schenkte. Die durften sich seinetwegen noch stundenlang gegenseitig die Verkleidungen vom Rumpf schießen. Er hätte seine eigene inzwischen ausgesprochen gern wieder über einem imperialen Wartungssteg gesehen. Falls Hardlight jetzt den Rückkurs befahl, würde Zarev ihm jedenfalls mit einer Begeisterung folgen, die mehr als vorbildlicher Gehorsam durchgehen konnte.



[ Outer Rim – Koordinatenraster T09 – Black-Widow-Nebula – am Rand des Gefechts – Cockpit von Mynock 9 ]
Zarev Korrik; Auren Hardlight und Tyla Le’el in ihren TIEs, republikanische X-Wings und Piraten-Uglies
 
[Hyperraum in Richtung Mando-Raum / SY-Condor-Yacht „Seastar“ / Aufenthaltsraum] Sana, Naeva, Jake und die anderen Kinder

Sana hob den Kopf von Naevas Schulter und erwiderte Jakes Gruß. Bei seiner Bemerkung über die Tränen senkte sie den Blick auf die Flasche zwischen ihnen.

„Ich hab gar nicht geweint. Wir haben nur geredet.“

Sie hörte selbst, dass ihre Stimme noch etwas rau klang, und hoffte, dass er sich mit ihrer Antwort zufriedengab.

„Ich bin Naeva“, sagte ihre Freundin. „Und woher kennt ihr euch eigentlich? Und wer bist du überhaupt?“

„Er kennt Samin noch von früher. Irgendwie.“

Viel mehr hätte Sana ihr allerdings auch nicht sagen können. Ihre Mutter hatte ihn im Gang sofort erkannt und nach den beiden Ohrfeigen so lange umarmt, dass Sana neugierig am Schott stehen geblieben war. Wie lange die beiden sich schon kannten und wo Jake vorher gewesen war, wusste sie genauso wenig wie Naeva.

Bei seinem Hinweis auf die Tränen, die er bereits getrocknet hatte, sah Sana zu dem Gang, in den er gedeutet hatte. Ob Mira auch geweint hatte? Vorhin hatte sie sich gewünscht, dass jemand sie beruhigte, bevor noch etwas kaputtging. Jake hatte sich kurz zwischen sie gestellt und war Mira anschließend nachgegangen. Jetzt versuchte Sana sich vorzustellen, wie er mit ihr in dem Quartier gesessen und geredet hatte. Vielleicht hatte Mira ihm erzählt, weshalb sie wegen des Spiels so wütend geworden war.


„Was ist denn mit Mira? Ich hab mich vorhin ganz schön erschrocken und das war echt... scheiße.“

[Hyperraum in Richtung Mando-Raum / SY-Condor-Yacht „Seastar“ / Aufenthaltsraum] Sana, Naeva, Jake und die anderen Kinder
 
[Hyperraum in Richtung Mando-Raum / SY-Condor-Yacht „Seastar“ / Sitzecke beim Cockpit] Moore, Samin und Dany / Mira im Bad eines der Quartiere, Sana, Naeva, Jake Relis und die anderen Kinder im Aufenthaltsraum

„Hi Naeva, freut mich.“ Jake begrüßte sie mit einem freundlichen Lächeln und einem leichten Nicken. Angeblich hatte es keine Tränen gegeben. Ganz überzeugt war er davon zwar nicht, aber er wollte auch niemanden drängen. Zumindest schienen sie inzwischen versiegt zu sein, und so ließ er es fürs Erste dabei bewenden.

„Genau, Samin und ich haben eine ganze Weile zusammen in derselben Staffel gedient, und sie ist mir schnell ans Herz gewachsen. So ziemlich wie eine kleine Schwester.“ Bei diesen Worten wurde sein Lächeln ein wenig weicher. „Klar ist sie nicht meine richtige kleine Schwester, aber manchmal sucht man sich seine Familie auch aus. Das nennt man dann Wahlfamilie. Dazu gehören die Wesen, mit denen man sich gerne umgibt und die mehr sind als bloße Freunde. Die mit einem durch dick und dünn gehen, mit einem lachen und auch mal weinen.“ Dabei neigte er den Kopf sachte in Sanas Richtung.

Einen Augenblick lang ließ er den Blick zwischen den beiden schweifen. „Wesen, mit denen man sich sehr verbunden fühlt und die da sind, wenn man sie braucht. Vor allem dann.“ Er betonte die letzten Worte ein wenig, ohne dabei seine ruhige, freundliche Art abzulegen. „Das macht gute Freunde aus: dass sie auch zu einem stehen, wenn es schwierig wird.“ Ein feines Schmunzeln umspielte seine Lippen, als er von Naeva zu Sana schaute. „Ich glaube, ihr wisst, was ich meine.“

Jake ließ ihnen einen Moment, bevor er weitersprach. Sein Lächeln verblasste etwas, und er strich sich nachdenklich mit den Fingerspitzen über die Bartstoppel am Kinn. „Manchmal hat man ohnehin schon einen schlechten Tag, und dann geht auch noch das Letzte schief, über das man wenigstens ein bisschen Kontrolle zu haben glaubte. Dann weiß man plötzlich nicht mehr, wohin mit seinen Gefühlen. Mira hat in dem Moment leider keinen anderen Weg gesehen, sie zum Ausdruck zu bringen. Aber wir haben geredet.“

Er hielt kurz inne, legte den Kopf leicht schief und verzog den Mund zu einem selbstironischen Lächeln. „Okay, eigentlich habe anfangs nur ich die ganze Zeit geredet.“ Mit einer kleinen Bewegung der Hand räumte er diese Korrektur ein. „Irgendwann haben wir dann beide geredet und uns darüber unterhalten, weshalb sie das mit dem Tisch gemacht hat.“

„Es ging überhaupt nicht um das Spiel. Das hatte ganz andere Gründe. Aber sie hat gedacht, wenigstens das Spiel kontrollieren zu können.“
Er hob die Schultern ein wenig und ließ sie wieder sinken. „Nur ist es eben ein Glücksspiel. Man kann zwar lernen, einzuschätzen, was kommen könnte, aber sicher wissen kann man es nie.“ Für einen Moment suchte er nach den passenden Worten. „Und dann ist das Fass, in das sie all ihre Probleme und Gefühle gestopft hatte, na ja …“ Er zog die Brauen leicht zusammen und öffnete die zuvor locker aneinandergelegten Hände. „Nicht übergelaufen, sondern explodiert.“

„Das fand sie selbst auch gar nicht gut“
, fügte er etwas leiser hinzu. „Aber es hat geholfen, darüber zu reden, Erfahrungen auszutauschen und die Dinge auch mal von einer anderen Seite zu betrachten. Irgendwann haben wir dann einfach geplaudert, und ich glaube, sie kann jetzt besser mit dem umgehen, was sie so belastet hat.“ Sein Gesicht entspannte sich wieder, und ein kleines, zuversichtliches Lächeln kehrte zurück.

„Sich ein bisschen Luft zu verschaffen und die Dinge auszusprechen, kann helfen, sich selbst zu sortieren. Man hört sich dabei ja auch selbst zu und merkt manchmal erst dann, was eigentlich los ist.“ Er tippte sich leicht mit einem Finger an die Schläfe. „Da nimmt man manches noch mal ganz anders wahr, als wenn man alles nur mit sich selbst ausmacht.“ Nach einem kurzen, nachdenklichen Nicken ließ er die Hand wieder sinken. „Ich glaube nicht, dass Mira noch mal die Beherrschung verliert. Jetzt duscht sie erst mal, um die ganze Anspannung loszuwerden. Wärme kann da wahre Wunder wirken. Und dann wird sie wieder ganz die Alte sein.“

Dann wandte er sich Sana etwas mehr zu. „Du hast dich übrigens gar nicht schlecht geschlagen.“ Sein Lächeln wurde breiter, und er nickte ihr anerkennend zu. „Ich habe gesehen, wie du die anderen beobachtet hast. Wie du versucht hast, in ihren Gesichtern irgendetwas zu entdecken, das verrät, was für Karten sie haben. Du hast schnell erkannt, dass das oft wichtiger ist als das, was man tatsächlich auf der Hand hat.“ Er hob leicht eine Augenbraue. „Bluffen gehört bei solchen Spielen dazu. Man spielt schließlich nicht nur seine Karten, sondern vor allem seine Mitspieler.“

„Und ich würde behaupten, dass ich ganz gut darin bin, andere einzuschätzen.“
Für einen Moment lag ein verschmitzter Zug um seinen Mund, ehe sein Blick wieder sanfter wurde. „Deshalb dachte ich, dass hier vielleicht Tränen im Spiel gewesen wären. Aber ich kann mich irren. Niemand liegt immer richtig.“ Mit einem kleinen Schulterzucken ließ er die Bemerkung stehen. Sein Blick ruhte nur kurz auf Naeva, bevor er sich wieder beiden zuwandte, ohne auf eine Erklärung zu bestehen.

„Ihr scheint euch auch schon lange zu kennen.“ Jake ließ den Blick zwischen den beiden schweifen. „Ich habe das Ganze gar nicht so richtig mitbekommen. Ihr wart irgendwie auf Bastion in Gefahr, und Samin hat euch vor den Sith gerettet?“ Er legte den Kopf ein wenig schief, seine Gesichtszüge wurden aufmerksameren. „Das war bestimmt unheimlich aufregend. Vielleicht auch ziemlich gruselig.“

Einen Moment lang zog er nachdenklich die Brauen zusammen und überlegte, ob er selbst schon ähnliche Erfahrungen gemacht hatte. Eigentlich nicht. Wenn überhaupt, dann eher das Gegenteil. „Ich habe mal ’nen Jedi gekannt. Tylaar Zaith.“ Er hob einen Finger, hielt kurz inne und nahm mit einem schiefen Grinsen einen zweiten dazu. „Okay, zwei, aber Adrian war noch ’n Padawan. Der zählt nicht wirklich.“ Der spitzbübische Zug um seinen Mund verriet, dass diese Einordnung wohl kaum einer ernsthaften Prüfung standhalten sollte.

„Und Tylaar war schwer in Ordnung. Er hat sich nicht mal beschwert, dass ich mein altes Schiff ohne sein Wissen besichtigt und seinen Wein verkostet hatte.“ Jake zog den Kopf ein wenig zwischen die Schultern, doch das kaum verhohlene Grinsen passte nicht recht zu der angedeuteten Unschuldsmiene. „Okay, im ersten Moment schon, aber das hat keine zwanzig Sekunden gedauert und dann war es ganz das Gegenteil. Wir haben ziemlich schnell gemeinsam über die Flachpfeifen von Inspekteuren am Raumhafen von Coronet gemeckert. Die haben wirklich an jeder winzigen Modifikation am Schiff etwas auszusetzen …“ Er verdrehte die Augen und hob eine Hand, als könnte er die damaligen Beanstandungen selbst heute noch immer einzeln aufzählen.

Dann stockte er. Die erhobene Hand sank wieder herab, und sein Grinsen wurde ein wenig verlegen. „Äh, ich rede ziemlich viel.“ Er fuhr sich kurz mit der Rechten durch den blonden Haarschopf und sah die beiden entschuldigend an. „Wenn ihr irgendwelche Fragen habt, fragt einfach. Ich versuche, sie zu beantworten.“ Mit einer kleinen, einladenden Handbewegung überließ er ihnen das Wort.


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Bei dem Lob für ihre Beobachtungen beim Sabacc musste Sana ein wenig lächeln. Sie hatte tatsächlich versucht, an den Gesichtern zu erkennen, wer gute Karten hatte und wer nur so tat. Jake schien darin schon ziemlich geübt zu sein. Ob er auch bei jemandem etwas erkannte, der genau wusste, worauf er achtete? Vielleicht konnte er ihr das beim nächsten Spiel zeigen. Gerade hörte sie ihm wieder gern zu, da fing er noch einmal mit ihren Tränen an.

„Ich hab doch gesagt, dass ich nicht geweint hab.“

Ihre Antwort fiel leiser aus als zuvor. Wenn er es ihr trotzdem ansah, konnte er es doch einfach dabei belassen. Sie wollte ihm jetzt erst recht nichts von dem erzählen, was sie mit Naeva besprochen hatte.

Während er weiterredete, dachte Sana noch einmal an Mira. Bei seiner Erklärung hatte sie darauf gewartet, was nun mit ihr passieren würde. Für einen solchen Ausbruch hätte es im Heim Schläge gegeben, erst recht, wenn dabei etwas kaputtgegangen wäre. Schon das Schreien hätte gereicht. Dann hatte man sich schnell wieder beruhigen müssen, auch wenn einem überhaupt nicht danach war.

Jake hatte mit Mira geredet und irgendwann hatte sie ihm wohl auch erzählt, was mit ihr los gewesen war. Jetzt duschte sie und würde anschließend wieder zu ihnen kommen. Sana war froh, dass sie ruhiger war, verstand aber noch immer nicht, wie sie wegen des Spiels so ausrasten konnte. Dass sie eigentlich etwas anderes wütend gemacht hatte, änderte wenig daran, wie schnell alles gegangen war. Ob Mira sich schon vorher den ganzen Tag so gefühlt hatte, ohne dass Sana es bemerkt hatte? Sie hatte noch immer das herausgerissene Metall vor Augen.

Als Jake von einem Jedi erzählte, hörte sie wieder genauer hin. Sana sah zu Naeva hinüber, die ebenfalls aufmerksam zuhörte. Erst als er ihnen schließlich Gelegenheit zu Fragen gab, lächelte ihre Freundin ein wenig.


„Kann man überhaupt so schnell denken, wie du redest?“

Sana hatte gleich mehrere Fragen, doch die nach ihrer Mutter fiel ihr zuerst ein. Sie versuchte sich Samin mit den anderen Piloten beim Essen vorzustellen oder nach einem Flug, wenn sie frei hatten. Ob sie dann auch so viel lachte wie vorhin mit Dany? Seit ihrem Gespräch auf der Couch brachte Sana solche Fragen kaum über die Lippen, wenn ihre Mutter vor ihr stand. Jake kannte sie schon lange und saß nun direkt bei ihnen.

„Wie war Samin denn früher? Also, wenn ihr frei hattet.“

Auf der Scrapwing hatte sie gern neben ihrer Mutter gestanden, als die ihr die Werkzeuge gezeigt hatte. Was sie sonst mit ihr machen könnte, wenn Samin nach Bakura wirklich zurückkam, konnte sie sich noch kaum vorstellen. Naeva kam auf seine Frage nach Bastion zurück.

„Sana und ich kennen uns seit Jahren, aus dem Heim. Die anderen waren auch dort. Samin und Sane haben uns da weggebracht.“

Sana dachte an das, was Jake über seine Familie gesagt hatte. Bei einer Familie hatte sie bisher an die Leute gedacht, die ins Heim gekommen waren, um eines der Kinder abzuholen. Sie hatte sich oft ausgemalt, wie es wäre, wenn abends eine Mutter oder ein Vater auf sie wartete und fragte, wie ihr Tag gewesen war. Mit Naeva hatte sie sich abends unterhalten, wenn sie längst hätten schlafen sollen. Ihre Freundin hatte neben ihr gesessen, wenn wieder eines der anderen Kinder gegangen war und Sana sich gefragt hatte, weshalb niemand sie wollte. Auch vorhin war sie zu Naeva gegangen und hatte sich an ihr festgehalten.

Nun stellte sie sich vor, dass Naeva jemandem erklärte, Sana gehöre zu ihrer Familie. Der Gedanke gefiel ihr so sehr, dass sie ihre Hand auf die ihrer Freundin legte. Vorhin hatte Naeva noch wissen wollen, ob sie bei ihnen bleiben würde, wenn Samin zurückkam. Sana hatte sich gewundert, dass sie daran zweifelte. Sie wollte doch weiterhin bei ihr sein und bei den anderen, von denen sie manche fast ebenso lange kannte. Auch wenn eines von ihnen sie ärgerte, wollte sie es weiter bei sich haben.


„Wir waren fast zwei Wochen in einem Container. Bis The Wheel.“

Beim Umladen hatten sie ganz still sein müssen. Sana hatte Stimmen draußen gehört und sich gewünscht, dass endlich jemand die Tür aufmachte. Gleichzeitig hatte sie Angst gehabt, dass die falschen Leute sie hörten.

„Jetzt sollen wir auf Zanbar bleiben“, sagte Naeva. „Weißt du, bei wem wir da wohnen sollen? Ich würd gern mitreden, bevor die alles fertig geplant haben. Zumindest Sana und ich wollen zusammen in ein Zimmer.“

Sana nickte. Darüber hatten sie gesprochen, aber gefragt hatte sie bisher niemand. Erst waren sie in Moores Wohnung untergekommen, dann auf die Seastar gebracht worden und nun ging es nach Zanbar. Jedes Mal hatte sie erst erfahren, wohin es als Nächstes ging, wenn die Erwachsenen es bereits miteinander besprochen hatten.

Sie hätte allerdings auch nicht sagen können, an welchen anderen Ort sie wollte. Die Namen waren ihr fremd und sie wusste nicht, wo sie bleiben konnten, ohne dass jemand sie fand. Naeva sollte bei ihr bleiben und Samin nach Bakura wirklich wiederkommen. Was sie sich sonst für Zanbar wünschte, darüber musste sie noch nachdenken. Dazu wollte sie wenigstens wissen, wer dort auf sie wartete und wie sie leben würden, bevor sie wieder ihre Tasche nehmen und mitgehen musste.


„Und bei diesem Jedi bist du einfach aufs Schiff gegangen?“, fragte Naeva.

Sana musste an das Namensschild an Jakes Overall denken und an die Tür, die gar nicht kaputt gewesen war.


„Er hat versucht, uns zu klauen.“

„Was?“

„Hat Dany gesagt. Samin hat ihn vorhin danach gefragt.“

Naeva blickte wieder zu Jake. Sana wollte ebenfalls hören, was er dazu sagte, aber noch mehr beschäftigte sie, dass er sich überhaupt auf das Schiff dieses Jedi getraut hatte. Er hatte dort sogar dessen Wein getrunken.

Wenn auf Bastion von Jedi die Rede gewesen war, dann als Feinde, vor denen man sich hüten musste. Sana kannte die Bilder von Lichtschwertern und Soldaten, die durch die Luft geschleudert wurden. Schlimmer fand sie die Geschichten darüber, was Jedi im Kopf eines anderen anrichten konnten. Angeblich brachten sie Menschen dazu, ihnen zu gehorchen und schreckliche Dinge zu tun. Manche sollten davon sogar verrückt geworden sein.

Sie wusste nicht, wie man sich dagegen wehren konnte. Wenn jemand sie dazu brachte, etwas zu wollen, würde sie dann überhaupt noch merken, dass es von ihm kam? Jake hatte mit diesem Mann offenbar ganz normal geredet und sogar mit ihm über die Leute am Raumhafen geschimpft. Ihr wäre schon an der Schiffstür unheimlich gewesen. Seit sie wusste, dass sie und Naeva selbst machtempfänglich waren, fragte sie sich auch, ob ein Jedi das bei ihnen sofort bemerken würde.


„Hat der nicht versucht, dich zu irgendwas zu zwingen? Mit der Macht, mein ich.“

[Hyperraum in Richtung Mando-Raum / SY-Condor-Yacht „Seastar“ / Aufenthaltsraum] Sana, Naeva, Jake und die anderen Kinder
 
// Hyperraum Richtung Mando-Raum // SY-Condor-Yacht „Seastar“ // Sitzecke beim Cockpit // Dany, Samin und Moore; Sana und die anderen Kinder im Aufenthaltsraum, Jake und Mira in den Quartieren //

Dany musste angesichts Moores Antwort etwas grinsen. Einige Jahrhunderte vor sich haben. Das klang ziemlich verlockend, wenn man einmal darüber nachdachte. Genügend Zeit, um alles Mögliche auszuprobieren und trotzdem noch ein paar Jahrhunderte übrig zu haben, falls man sich irgendwann etwas anderes überlegen sollte. Und offenbar hatte die Silberhaarige von dieser Möglichkeit bereits ausgiebig Gebrauch gemacht.

Professorin, Sector Rangers, irgendwelche Verwicklungen mit dem republikanischen Geheimdienst und eine Menge angerichteter Sachschäden. Dany hob bei letzterem leicht die Augenbrauen. Ein paar Millionen Credits? Shab...vielleicht sollte sie Moore irgendwann fragen, wie man es eigentlich schaffte, so viel Ärger anzurichten und trotzdem in einer luxuriösen Yacht durch die Galaxis zu reisen. Andererseits hatte sie das Gefühl, dass die Antwort darauf wieder mehrere Stunden in Anspruch nehmen würde.

Vorerst hörte sie jedenfalls zu, als das Gespräch erneut auf die Kinder kam.
Samin machte sich offensichtlich ziemlich viele Gedanken darüber, wie sie sich gegenüber Sana verhalten sollte. Dany konnte ihr da kaum mit Erfahrung weiterhelfen. Sie hatte selbst keine Kinder und bislang auch nicht vorgehabt, welche zu bekommen. Aber irgendwie erschien ihr Moores Ratschlag vernünftig. Ihre eigenen Eltern hatten schließlich auch nicht immer alles richtig gemacht. Das hatte Dany ihnen schon oft genug vorgehalten, meistens dann, wenn sie irgendeine Entscheidung der beiden gerade ganz besonders bescheuert gefunden hatte.

Trotzdem hatte sie nie daran gezweifelt, dass sie es gut mit ihr meinten. Als Moore schließlich nach dem Material ihrer Erbstücke fragte, richtete sich Dany etwas auf.


"Beskar? Gute Frage. Die Sachen sind schon ziemlich alt. Ich hab sie jedenfalls nie auf ihre genaue Zusammensetzung untersuchen lassen."

Sie deutete mit dem Daumen in Richtung des Ganges.

"Kannst sie dir bei Gelegenheit ja mal ansehen. Vielleicht findest du ja mehr darüber heraus als ich."

Die nächste Frage ließ sie kurz nachdenklich werden. Der Weg der Ramikade? Sicher, ihre Familie hatte eine kriegerische Vergangenheit und Dany war durchaus stolz darauf. Aber das bedeutete doch nicht, dass sie unbedingt in irgendeinem Krieg kämpfen musste. Ihre Eltern waren schließlich nicht ohne Grund nach Shinbone ausgewandert.

"Ramikade? Eher nicht. Ich hab nichts dagegen, mich mit anderen anzulegen, wenn es sein muss. Aber für irgendeinen Warlord in den Krieg ziehen? Weiß nicht. Meine Eltern wollten mit genau solchen Geschichten eigentlich nichts mehr zu tun haben."

Sie zuckte leicht mit den Schultern.

"Ich bin gern Kopfgeldjägerin. Ist schließlich das, was ich mir selbst ausgesucht habe. Ich würde nur gerne irgendwann so gut darin sein, dass ich mir meine Aufträge wirklich aussuchen kann. Und wenn ich nicht mehr arbeiten müsste ..."

Dany überlegte einen Augenblick. Die Vorstellung, irgendwann einfach überhaupt nichts mehr tun zu müssen, war zwar reizvoll, aber wahrscheinlich würde sie sich nach ein paar Wochen zu Tode langweilen. Sie mochte es schließlich durchaus, unterwegs zu sein, neue Orte kennenzulernen und sich gelegentlich mit irgendwelchen Schwierigkeiten herumzuschlagen. Nur eben nicht ständig und nicht unbedingt für ein paar lächerliche Credits.

"Keine Ahnung. Vielleicht einfach weniger arbeiten. Ein ordentliches Schiff, eine eigene Bleibe und genug Credits, dass ich nicht jeden beschissenen Auftrag annehmen muss. Klingt für mich eigentlich schon ziemlich gut."

Sie grinste etwas. Besondere Ansprüche hatte sie damit wohl nicht. Jedenfalls keine, die auch nur annähernd an den Lebensstil ihrer Auftraggeberin heranreichten. Als Samin schließlich erklärte, dass sie für Sana vor allem einen sicheren Ort suchte, nickte Dany verständnisvoll. Die Chiss wollte ihrer Tochter offenbar etwas ermöglichen, das bisher nicht funktioniert hatte. Eine gewöhnliche Kindheit, mit Schule, Freunden und einem Zuhause, in dem man nicht ständig befürchten musste, von irgendwelchen Soldaten oder Sith aufgespürt zu werden.

Dany dachte kurz an Shinbone. Dort hatte es zwar ebenfalls Gefahren gegeben, aber zumindest hatte sie selbst nie das Gefühl gehabt, ohne jede Sicherheit aufzuwachsen. Schulen, medizinische Versorgung und all die anderen Dinge des täglichen Lebens waren selbstverständlich gewesen. Dass gelegentlich Piraten aufgetaucht waren, hatte daran grundsätzlich wenig geändert. Trotzdem würde sie der Chiss wohl kaum empfehlen, mit einem Kopfgeld von vier Millionen Credits ausgerechnet in diese Ecke zu ziehen. Und Zanbar?


"Wie es auf Zanbar aussieht, kann ich dir leider auch nicht sagen. Ich war schließlich noch nie dort. Aber wir können uns ja ansehen, ob es überhaupt infrage kommt. Wenn man seine Ruhe haben will, muss ein Planet voller bewaffneter Mandalorianer vielleicht nicht unbedingt die schlechteste Wahl sein."

Sie grinste leicht.

"Andererseits wahrscheinlich auch nicht die beste, wenn die sich gegenseitig wieder die Köpfe einschlagen"

Dany hatte schließlich nicht vergessen, weshalb ihre Eltern ihre ursprüngliche Heimat verlassen hatten. So stolz sie auf ihre Herkunft war, musste sie sich doch eingestehen, dass die Geschichte ihres Volkes nicht gerade von Stabilität und Frieden geprägt war.

Moores anschließende Erzählung über die verschiedenen Orte, an denen sie sich bereits wohlgefühlt hatte, ließ sie dagegen wieder aufhorchen. Naboo, Chandrila, Bespin. Dany kannte diese Welten hauptsächlich aus dem Holonet und hatte sich bislang nie besonders viele Gedanken darüber gemacht, dort einmal einen längeren Aufenthalt zu verbringen. Dabei klang es durchaus verlockend, einen ganzen Abend auf einer Terrasse zu verbringen, ohne sich ständig Gedanken über den nächsten Auftrag machen zu müssen.

Noch mehr beschäftigte sie allerdings Moores Bemerkung über Heimat. Ein Ort wurde erst durch die Menschen, mit denen man dort lebte, und die gemeinsamen Erinnerungen zu einem richtigen Zuhause. Dany musste unwillkürlich an ihre Dawn Chaser denken. Der alte Frachter war zwei Jahre lang ihr Zuhause gewesen. Ein ziemlich heruntergekommenes zwar, aber trotzdem. Sie hatte dort gegessen, geschlafen, ihre Ausrüstung verstaut und sich nach ihren Aufträgen zurückgezogen. Eigentlich hatte sie das Schiff sogar ziemlich gemocht, obwohl sie ständig darüber geflucht hatte.

Nur war sie dort eben meistens allein gewesen. Vielleicht hatte Moore recht. Vielleicht war es am Ende tatsächlich weniger entscheidend, wo man sich niederließ, als vielmehr, mit wem man sein Leben verbrachte.

Dany ließ den Blick kurz zu
Samin wandern. Vor wenigen Tagen hatte sie noch keine Ahnung gehabt, dass diese Frau überhaupt existierte. Jetzt planten sie bereits gemeinsame Flugstunden und Schießtraining.

Schon ziemlich verrückt. Als Moore ihnen schließlich ihre Hilfe bei der Suche nach einer Bleibe anbot, nickte Dany dankbar.


"Danke. Vielleicht komme ich tatsächlich darauf zurück. Du hast vermutlich schon mehr schöne Planeten besucht, als ich überhaupt kenne."

Die Aussicht auf ein gemeinsames Training mit den A'kazz klang dagegen nach einer ganz anderen Art von Vergnügen. Dany war gespannt darauf, wie diese Mandalorianer eigentlich kämpften. Sie kannte bisher hauptsächlich das, was ihr Vater ihr beigebracht hatte und ihre eigenen Erfahrungen als Kopfgeldjägerin. Mit ausgebildeten mandalorianischen Kriegern hatte sie noch nie besonders viel zu tun gehabt.

Das konnte interessant werden. Vielleicht sogar ziemlich schmerzhaft.

Dann holte Moore allerdings eine kleine Box hervor und präsentierte ihnen zwei merkwürdige technische Geräte. Dany beugte sich etwas vor und betrachtete die flachen Module neugierig. Neural-Comlinks? Das klang erst einmal nach irgendeiner weiteren Erfindung der Wissenschaftlerin. Und nach allem, was sie inzwischen über Moore wusste, bedeutete das wahrscheinlich, dass diese Dinger wesentlich mehr konnten als ein gewöhnliches Funkgerät.

Samins Frage nach möglichen Implantaten ließ Dany allerdings ebenfalls etwas skeptischer werden. Sie war schließlich durchaus bereit, neue Technik auszuprobieren. Aber irgendetwas in ihrem Schädel hineinzuschrauben gehörte nicht unbedingt zu den Dingen, die sie freiwillig auf ihre Liste setzen würde.

Die Mandalorianerin betrachtete die beiden Module noch einmal eingehend.


"Und was genau machen die Dinger? Kann man damit sprechen, ohne den Mund aufzumachen, oder wie?"

Das wäre für einen Einbruch in eine imperiale Forschungseinrichtung natürlich ziemlich praktisch. Besonders wenn man sich unbemerkt verständigen musste. Andererseits hatte Dany inzwischen auch erfahren, dass Moore und Mira sogar Gefühle und Gedanken miteinander austauschen konnten. Und bei dem Gedanken, dass plötzlich jemand in ihrem eigenen Kopf herumstöbern könnte, hörte der Spaß für sie dann doch ziemlich schnell auf.

Sie sah Moore mit einer Mischung aus Neugier und Misstrauen an.


"Aber du kannst damit nicht einfach meine Gedanken lesen, oder? Weil, shab, das wäre schon ein bisschen unheimlich."

// Hyperraum Richtung Mando-Raum // SY-Condor-Yacht „Seastar“ // Sitzecke beim Cockpit // Dany, Samin und Moore; Sana und die anderen Kinder im Aufenthaltsraum, Jake und Mira in den Quartieren //
 
[Hyperraum in Richtung Mando-Raum / SY-Condor-Yacht „Seastar“ / Sitzecke beim Cockpit] Moore, Samin und Dany / Mira im Bad eines der Quartiere / Sana, Naeva, Jake Relis und die anderen Kinder im Aufenthaltsraum

Samins ungläubige Nachfrage entlockte Moore ein ausgesprochen zufriedenes Lächeln. Die damaligen Schätzungen hatte sie noch irgendwo gespeichert, zusammen mit einigen weniger freundlichen Beurteilungen ihrer Person, die sie gelegentlich durchaus mit Vergnügen las.

„Ja. Ich war wohl etwas ... nachdrücklich, als es darum ging, die Zusammenarbeit zu beenden.“

Sie ließ die offene Box etwas sinken und wandte sich Dany zu.

„Das mit den Aufträgen kann ich gut verstehen. Ich hänge auch an meiner Arbeit, werde aber reichlich ungehalten, wenn jemand meint, er müsste mir vorschreiben, womit ich mich beschäftigen soll. Es ist angenehm, sich das aussuchen zu können. Und wegen deiner Erbstücke, da würde ich tatsächlich die Schmiede auf Zanbar fragen. Das ist eine der Schmiedewelten der Mandalorianer, mit Beskar und alten Rüstungen kennt man sich dort erheblich besser aus als ich. Zeigen darfst du sie mir natürlich trotzdem gern. Mich interessiert vor allem, was in den Systemen steckt. Die Mandalorianer, die ich kenne, lassen allerdings niemanden an die tieferen Systeme ihrer Rüstungen. Dazu sind ihre Netze so gründlich vom öffentlichen Holonet getrennt, dass selbst ich von außen nicht hineinkomme.“

Bei den letzten Worten schwang ein wenig Bedauern mit. Zanbar hatte sie zum Glück auch aus anderen Gründen gern besucht. Sie erinnerte sich an den Blick von einer der Hochflächen, an die feuchten grünen Niederungen weit unter ihr und die belebten Straßen Watchpoints, durch die sie anschließend gegangen war.

„Ich glaube, es wird euch dort gefallen. Überall diese weiten Sumpfdschungel und dazwischen die aufragenden Plateaus, auf manchen davon ganze Ansiedlungen. Einige sind wirklich hübsch und Watchpoint ist eine moderne Metropole. Ihr könnt dort durch Wohnviertel gehen, einkaufen, euch irgendwo zum Essen hinsetzen ... Manche Leute würden sich wundern, wenn sie sähen, wie die Mandalorianer leben. Es ist das eine Mandalore oder Concord Dawn zu besuchen, Welten die von Jahrtausenden Krieg gezeichnet wurden, in den anderen Teilen der Uvete sieht das anders aus...“

Moore sah wieder zu Samin. Die Chiss würde sich selbst ein Bild davon machen müssen, wo ihre Tochter bleiben sollte, doch die Sephi freute sich beinahe schon darauf, ihr Zanbar zu zeigen.

„Wenn die Kinder erst einmal irgendwo sicher sind, dann auf Zanbar. Davon bin ich überzeugt. Und wenn wir ankommen, nehmt euch die Zeit, aus dem Fenster zu sehen. Schon im Orbit bekommt man ein recht eindrückliches Gefühl dafür, wie klein diese Yacht eigentlich ist. Ähnliches Schauspiel wie auf dem Rad...“

Sie erinnerte sich an die gewaltigen dunklen Flanken über dem Grün des Mondes und daran, wie lange sie damals am Fenster geblieben war. Die Fragen nach ihren Comlinks brachten sie allerdings wieder zum Lachen. Sie stellte die Box auf dem Sitzpolster ab und nahm eines der Module heraus, dessen gewölbte Unterseite sie den beiden Frauen zuwandte.

„Die bleiben außen, Samin. Ich muss euch dafür nichts implantieren.“

Mit der freien Hand hob sie das Haar im Nacken an und zeigte ihnen die Stelle unmittelbar unter dem Schädelansatz.

„Hier legt ihr es an. Das Gerät liegt auf der Haut und feine Nadeln stellen den Kontakt zum Nervensystem her. Unter den Haaren fällt es kaum auf. Und ja, Dany, damit könnt ihr sprechen, ohne den Mund aufzumachen. Untereinander und mit mir. Ihr müsst daran denken, jemandem etwas mitzuteilen. Die Schnittstelle erkennt diese Absicht und überträgt, was ihr sagen möchtet.“

Moore ließ das Haar wieder fallen. Bei der Frage nach fremden Gedanken hielt sie einen Moment inne, erinnerte sich an ihre eigene Hand, die einem fremden Willen gehorcht hatte, während sie selbst nur zusehen konnte. Sie sah Dany wieder an.

„Gedankenlesen ist damit nicht möglich, Dany. Ihr teilt mit, was ihr jemandem sagen möchtet. Alles andere bleibt bei euch. Und ich habe bei der Entwicklung ausdrücklich dafür gesorgt, dass damit niemand fremde Gedanken kontrollieren kann.“ Sie ließ das Modul auf ihrer offenen Handfläche liegen. „Und das wirklich Hübsche ist, dass ich euch Informationen direkt einspielen kann. Ton oder kleine Datenpakete. Einen Lageplan etwa, den die Software als HUD vor euren Augen darstellt. Ich kann euch darauf zeigen, wo es weitergeht, während ihr euch bewegt und die Hände frei habt. Auf Bakura muss ich euch dann nicht erst umständlich beschreiben, welche Tür ich meine, ich kann sie euch einfach zeigen.“

Den Lageplan hatte sie gedanklich bereits aufgerufen und musste sich ein wenig zurückhalten, ihnen gleich noch die möglichen Wege durch die Anlage zu erklären. Erst einmal sollten die beiden selbst ausprobieren können, wie sich so eine Verbindung anfühlte.

„Das braucht zu Beginn ein bisschen Übung. Ihr müsst euch beim Senden verständlich machen und bei eingehenden Informationen unterscheiden lernen, was ihr selbst wahrnehmt und was euch die Schnittstelle liefert. Daran gewöhnt sich das Gehirn recht gut. Die Software beruht auf meinem aktuellen HNAI und ist sicher und gut erprobt. Mit den Routinen arbeiten Mira und ich schließlich jeden Tag.“

Moore legte das Modul neben das zweite zurück und nahm die Box wieder auf. Sie hielt sie den beiden Frauen offen hin.

„Wenn ihr mögt, setzt sie euch an. Ich kann euch zeigen, wie ihr euch gegenseitig erreicht.“

[Hyperraum in Richtung Mando-Raum / SY-Condor-Yacht „Seastar“ / Sitzecke beim Cockpit] Moore, Samin und Dany / Mira im Bad eines der Quartiere / Sana, Naeva, Jake Relis und die anderen Kinder im Aufenthaltsraum
 
[Hyperraum in Richtung Mando-Raum / SY-Condor-Yacht „Seastar“ / Sitzecke beim Cockpit] Moore, Samin und Dany / Mira im Bad eines der Quartiere, Sana, Naeva, Jake Relis und die anderen Kinder im Aufenthaltsraum

„Schon gut, schon gut“, versuchte er Sana zu beschwichtigen und hob mit einem leicht verlegenen Lächeln beide Hände. „Ich meinte ja, dass ich mich vielleicht irren könnte. Also … inzwischen ja ziemlich eindeutig. Sorry.“

Er ließ die Hände wieder sinken und wurde etwas nachdenklicher, schaute von Naeva zu Sana. „Samin hat immer gerne gelacht, aber das ließ mit der Zeit nach. Sie kann sich sehr in Dinge verbeißen und fokussiert sich dann nur noch darauf. Irgendwann war das der Wettstreit mit Aiden, wer der bessere Pilot sei, was ihren Anspruch an sich selbst, immer die Beste sein zu müssen, noch verschärft hat. Nach außen hat sie oft eine Arroganz ausgestrahlt, aber das ist nur Selbstschutz. Für ihre Freunde würde sie alles riskieren.“ Sein Mundwinkel zuckte kurz, bevor er vielsagend eine Augenbraue hob. „Wenn sie sich ungerecht behandelt fühlt, frag nicht nach Regen. Und wenn ihr was besonders wichtig ist und sie nicht weiß, wie sie es angehen soll, verheddert sie sich. Und meint sie müsste alleine zurecht kommen, obwohl sie nur um Hilfe bitten müsste. Aber das ist ihr auch schon immer schwer gefallen. Ich finde sie hat auch einen feinen Sinn für Humor, zumindest lacht sie gerne mit, aber auch über mich. Was okay ist, bei ihr ist es nicht bösartig, sondern sie kann mich nehmen wie ich bin und das ist was, das manche Leute nicht können.“


„Sie ist ohne Zweifel eine der besten Kampfpilotinnen, die ich je gesehen habe, aber sie fliegt meiner Meinung nach zu sehr nach Handbuch. Also nach gelerntem Wissen, nicht genug nach Gefühl.“ Er neigte den Kopf leicht zur Seite und schürzte nachdenklich die Lippen. „Aber ich habe sie auch fast zwei Jahre nicht mehr gesehen. Vielleicht hat sie noch mehr dazugelernt. Als Schützin ist sie im Raumjäger deutlich besser als ich.“ Er stockte und blickte von einer Teenagerin zur anderen. Ein selbstironisches Schmunzeln huschte über sein Gesicht. „Aber das war nicht die Frage. Ich schweife ab.“

Sein Blick kehrte zu Sana zurück und wurde ein wenig weicher. „Ich glaube, du tust ihr gut. Sie wirkt nicht mehr ganz so verbissen, ein wenig weicher um die Augen, aber auch schnell besorgt. So, als hätte sie Angst, dich zu verlieren. Und packt dich dabei total in Watte ein, als wärst du zerbrechlich?“ Er zuckte leicht mit den Schultern. „Zumindest ist das mein Eindruck.“

„Ich habe auch schon einige Schauergeschichten über Sith gehört. Sollen ziemlich unangenehme Gesellen sein, aber ich musste mich noch nie mit einem davon auseinandersetzen.“
Er verzog bei der Vorstellung leicht das Gesicht. „Ist vielleicht auch besser so. Die sollen keinen Sinn für Humor haben.“

Für einen Moment schwieg er und sah die beiden mit ernster Miene an. „Das war bestimmt keine schöne Zeit“, sagte er etwas leiser. „Aber ihr habt es überstanden.“

„Über Zanbar weiß ich leider gar nichts. Ich war da noch nie.“
Jake strich sich nachdenklich über das Kinn. „Moore wird es wissen. Vielleicht macht ihr eine Liste für euch alle, wer mit wem zusammenbleiben möchte. Dann kann man bestimmt mit ihr reden. Ich glaube aber nicht, dass man euch auseinanderreißen wird. Meiner Einschätzung nach wird Moore eher schauen, dass ihr alle zusammenbleiben könnt. Vielleicht nicht alle in einem Haus, aber bestimmt am gleichen Ort.“ Er ließ den Blick zwischen den beiden hin und her wandern. „Ihr habt einiges durchgemacht, und darauf wird sie bestimmt Rücksicht nehmen. Aber sie darauf anzusprechen, kann definitiv nicht schaden.“ Zumindest schätzte er die Sephi so ein. Sie hatte ihn nicht aus einer Luftschleuse befördert, obwohl sie Gründe dafür gehabt hätte. Und Mira waren die Kids wichtig, Samin sowieso und Dany vielleicht auch. Letztere konnte er immer noch kaum einschätzen. Zugegeben, sie hatten auch noch gar nicht so viele Worte miteinander gewechselt.

„Ja, zu dem Zeitpunkt wusste ich nicht, dass die Zero - mein erstes Schiff - im Besitz eines Jedi-Ritters war.“ Bei der Erinnerung kehrte das Schmunzeln auf sein Gesicht zurück. „Zugegeben, Tylaar sah auf den ersten Blick auch nicht aus wie ein Kuttenträger. Adrian hingegen schon.“

„Nein, ich habe versucht, die Seastar zu klauen, nicht euch“
, stellte Jake selbstbewusst klar. Dabei hob er einen Finger, als wäre ihm diese Unterscheidung ausgesprochen wichtig.

„Keine Ahnung. Wenn, dann hat es nicht funktioniert, weil wir danach noch in eine Kneipe in Coronet gegangen sind. Und dazu muss man mich definitiv nicht zwingen.“ Er zwinkerte den Mädchen belustigt mit dem linken Auge zu. „Er hat auf mich ganz normal gewirkt. Nur Adrian war irgendwie seltsam, aber er war auch ein Junge an der Schwelle zum Mannwerden. Die meinen immer, sie müssten sich irgendwie beweisen.“ Jake hielt kurz inne und rieb sich mit einem etwas schiefen Lächeln den Nacken. „Ich war in dem Alter vermutlich auch so.“

„Na ja, auf jeden Fall haben wir Adrian sein erstes Bier ausgegeben. Tylaar hat versucht, eine Frau anzuquatschen, aber nachdem ich ihn an sein Zölibat erinnert hatte, verlief sich das im Sand.“
Bei diesen Worten konnte er sich ein leises Lachen nicht verkneifen. „Wir haben noch ’ne ganze Weile getrunken, waren dann noch in einer Karaokebar und sind danach in Kontakt geblieben. Er meinte auch, dass ich mich melden sollte, wenn ich die Zero bräuchte oder was Interessantes für sie finden würde.“

„Die letzte Nachricht, die ich von ihm bekommen habe, ist inzwischen fünf Jahre alt. Da stand so was wie: ‚Hey Mann, wo ist die Zero?‘“
Jake zuckte betont unschuldig mit den Achseln, während es verdächtig um seine Mundwinkel arbeitete. „Ein paar Tage später habe ich sie ihm dann wieder da abgestellt, wo ich sie herhatte. Ich hab sie mir nur ausgeliehen.“ Erschüttelte sachte den Kopf. Eine kleine, beinahe empörten Geste, ehe sein Ausdruck etwas ernster wurde. „Ich bin vielleicht ein Dieb, aber ich stehle nicht von Freunden.“


„Kann ich euch noch was fragen?“ Jake sah die beiden mit offenem Interesse an und neigte den Kopf ein wenig zur Seite. „Wenn ihr es euch aussuchen könntet, wie sollte es eurer Meinung nach für euch alle weitergehen?“

Dann wanderte sein Blick zu Sana, und seine Stimme wurde etwas weicher. „Es ist bestimmt seltsam, nach so langer Zeit deine Mom wiederzusehen. Wie ich Samin kenne, weiß sie gar nicht, wo und wie sie anfangen soll, weil sie sich viel zu sehr hineinsteigert und sich und alles, was sie tut, hinterfragt. Stimmt’s? Dann weiß sie nicht vor und zurück.“ Er hob die Augenbrauen leicht und suchte ihren Blick, ohne auf einer Antwort zu bestehen. Um seine Mundwinkel lag ein kleines, nachsichtiges Lächeln. Oh, Samin. Es gab halt einfach keine Handbücher für den Umgang mit dem eigenen Kind. Also, genau genommen gab es die schon, vermutlich sogar viel zu viele. Aber für diese Situation würde es wohl keines geben.


[Hyperraum in Richtung Mando-Raum / SY-Condor-Yacht „Seastar“ / Sitzecke beim Cockpit] Moore, Samin und Dany / Mira im Bad eines der Quartiere, Sana, Naeva, Jake Relis und die anderen Kinder im Aufenthaltsraum
 
[Hyperraum in Richtung Mando-Raum / SY-Condor-Yacht „Seastar“ / Aufenthaltsraum] Sana, Naeva, Jake und die anderen Kinder

Sana nickte, ganz zufrieden damit, dass Jake nun endlich nachgab.

„Schon gut.“

Dass Samin gern lachte, konnte sie sich vorstellen, nachdem sie sie vorhin mit Dany erlebt hatte. Auch bei der Umarmung im Gang war ihre Mutter ganz anders gewesen als auf der Couch in Moores Wohnung. Mit ihm und den anderen hatte ihre Mutter gelacht, war geflogen und hatte sich mit diesem Aiden darum gestritten, wer der Beste war. Sana versuchte sich vorzustellen, wann das alles gewesen war und wie alt sie selbst damals gewesen sein musste. Je länger Jake erzählte, desto mehr ärgerte sie sich darüber, wie schön das klang.

Samin hatte auf der Couch gesagt, dass sie damals zu jung gewesen war und unter dem Druck von Sanas Großmutter gestanden hatte. Bei einer anderen Familie hätte Sana ein besseres Leben bekommen sollen. Sie hatte versucht, das zu verstehen. Während ihre Mutter danach mit Jake und den anderen all diese Dinge erlebt hatte, war sie aber immer noch im Heim gewesen. Samin hatte nicht einmal nachgeschaut, ob es die andere Familie überhaupt gab. Dabei hatte Sana doch selbst nach ihr gefragt. Nun hätte sie am liebsten Naeva etwas davon gesagt, aber Jake saß ja direkt vor ihnen.

Dass sie Samin guttun sollte, begriff sie noch weniger. Warum denn jetzt? Sie war doch vorher auch schon da gewesen. Vielleicht hätte ihre Mutter sich damals ebenfalls über sie gefreut, wenn sie einmal gekommen wäre. Nun sollte Samin Angst um sie haben, obwohl Sana mit Naeva und den anderen auch ohne ihre Mutter zurechtgekommen war. Jetzt wurde wieder darüber gesprochen, wo sie bleiben sollte, während Samin nach Bakura flog.


„Sie hat mich auch nicht gefragt, ob ich nach Zanbar will.“

Sie sprach leise. Zurück ins Heim wollte sie auf keinen Fall, aber dort hatte man ihr auch immer gesagt, was als Nächstes anstand. Von Zanbar hatte sie erfahren, als Moore den Plan bereits mit den anderen besprach und Samin schließlich zustimmte. Sie hatte kaum Zeit gehabt, darüber nachzudenken, was sie selbst davon hielt. Sie sah zu Naeva, die ihren Blick erwiderte. Zu Jakes Vorschlag mit der Liste fiel Sana noch nichts ein. Sie wollten zusammenbleiben, aber sie konnte sich nicht vorstellen, wie sie auf Zanbar wohnen würden.

Dass Jake nur die Seastar hatte stehlen wollen, machte die Sache für sie auch nicht viel besser. Sie selbst waren schließlich noch an Bord gewesen. Sana behielt den Einwand für sich und fand ihn zunehmend verrückt, als er weiter erzählte. Er war auf das Schiff eines Jedi gegangen, hatte mit ihm getrunken und sich später einfach dessen Schiff genommen. Dass der Mann ganz normal gewirkt hatte, sagte doch überhaupt nichts. Wenn er etwas mit Jakes Gedanken gemacht hatte, wusste der vielleicht gar nicht mehr, wie er vorher gewesen war. Vielleicht redete er deshalb so viel und hielt das inzwischen selbst für normal. Sana musterte sein Gesicht, als könnte sie ihm etwas davon ansehen. Sie wusste nicht einmal, woran man so etwas erkennen sollte.


„Aber wenn er das gemacht hätte, würdest du das überhaupt merken?“

„Hast du denn gesehen, was die mit der Macht gemacht haben? Oder habt ihr darüber geredet?“, fragte Naeva. Sie klang eher neugierig als besorgt, während Sana sich noch vorstellte, wie es wäre, erst auf dem Schiff zu erfahren, dass man einem Jedi gegenüberstand. Als Jake sie wieder nach ihrer Mutter fragte, senkte sie den Blick.

„Ich kenn sie ja gar nicht richtig. Also, ich weiß jetzt, dass sie meine Mutter ist. Aber vorher wusste ich das nicht. Und jetzt ...“

Vorhin hätte sie Samin gern hier bei sich gehabt, hatte sogar überlegt, sie zu holen. Naeva rückte etwas näher und Sana war froh, dass sie neben ihr saß. Auf die Frage, was sie selbst auf Zanbar machen wollte, fiel ihr ebenfalls zunächst wenig ein.

„Ich weiß nicht, was ich machen will.“

Sie überlegte noch einen Moment, bevor sie kleinlaut ergänzte:

„Ich lern gern Sachen. Eigentlich egal, was.“

„Ich würd gern was mit Sport machen. Oder mit Tanzen“, sagte Naeva. „Darin bin ich gut.“

Sana nickte. Sie hatte ihrer Freundin oft genug beim Tanzen zugesehen und wusste, wie gern sie sich bewegte.

„Ich hab auch mal überlegt, zum imperialen Militär zu gehen.“

„Du?“

Sana versuchte sich vorzustellen, wie Naeva in Uniform und mit einem Blaster am Gürtel neben anderen Soldaten in einem Hangar stand.

„Ja. Ich hab gedacht, dass ich die Ausbildung schaffen könnte.“

Naeva wandte sich wieder Jake zu.

„Meinst du, Moore weiß, ob man auf Zanbar was mit Sport oder Tanzen machen kann? Oder wen man dort danach fragen müsste?“

Moore schien sich mit noch mehr auszukennen, als Sana bisher gedacht hatte. Selbst Jake glaubte, dass sie ihnen erklären konnte, wie es auf Zanbar weiterging.

[Hyperraum in Richtung Mando-Raum / SY-Condor-Yacht „Seastar“ / Aufenthaltsraum] Sana, Naeva, Jake und die anderen Kinder
 
[ Outer Rim // Koordinatenraster T09 // Black-Widow-Nebula // am Rand des Gefechts // Mynocks ]
Tyla Le'el, Auren Hardlight und Zarev Korrik in ihren TIEs | republikanische X-Wings und Piraten-Uglies


Tyla hatte ihren Ugly in der Leere des Raumes zurückgelassen und sich hinter die Staubfront verzogen, als Hardlight den Befehl gegeben hatte. Das würde sie sich nicht zwei Mal sagen lassen. Sollte der Bastard sich jemand anderen zum Spielen suchen. Als sie zu den anderen beiden TIEs aufschloss, nahm sie Schub zurück und kontrollierte abermals die Temperaturanzeige. Sie befand sich im orangenen Bereich, sank aber langsam. Immerhin.

„Beruhig dich, wir sind da. Triebwerke sind heißer als 'n paar Twi'lek-Titten, aber sonst alles okay.“

Die ersten beiden Worte sagte sie mehr zu sich selbst als zu Auren. Das Herz schlug ihr immer noch bis zum Hals. Die Pilotin glich ihren Kurs an Aurens weiten Bogen an und übernahm wie gewünscht die Beobachtung des Gefechts. Aber was gab es da zu beobachten? Viel Staub und zwischendrin immer wieder diese Idioten, die aufeinander schossen. Tyla gönnte ihnen großherzig das Vergnügen miteinander. Alles, was sie wollte, war zum Träger zurückzukehren, aus dieser harten Sitzschale herauszukommen und einen Schluck Wasser zu trinken. Vielleicht noch einen Refrain von X’tina, nur zum Runterkommen. Vorausgesetzt, Juncker hatte ihr inzwischen nicht den Spind auseinandergenommen.

Ihr Blick blieb derweil an einem der X-Wings hängen, der zwischen mehreren Piraten hindurchzukommen versuchte. Einer der Uglies zerbarst unter seinen Beschuss. Die anderen blieben dran und behackten ihn mit Lasertreffern. Tyla ahnte schon, was jetzt kommen würde. Hardlight war einfach zu hitzköpfig. Er wollte unbedingt wieder rein und sich seinen Teil des Ruhmes abholen. Als sein TIE beschleunigte und auch Zarev hinterherjagte, zögerte sie kurz. Das war genau die Art von Draufgängertum, die sie verabscheute. Typen wie Auren waren es, die über Adumar einer nach dem anderen in einen Feuerball aufgegangen waren. Der Gedanke daran trieb ihr die Schweißperlen auf die Stirn. Ihre Finger zitterten am Steuerhorn.

Scheiße. Sie konnte die beiden aber auch nicht alleine lassen. Also riss sie sich zusammen, bestätigte den Befehl mit einem Klicken des Coms und beschleunigte ihre Maschine. Na gut. Ein einziger Anflug.

Als sie erkannte, welchen Ugly Zarev in die Zielerfassung nahm, flog sie dem anderen hinterher und richtete ihren TIE proaktiv auf einen Punkt aus, der innerhalb seiner Flugbahn lag. Sie würde ihn nicht ewig durch das Staubgeflecht verfolgen. Nur verhindern, dass er sich umdrehte und Hardlight bei seinem verdammten Abschuss störte. Als sie nahe genug war, drückte sie den Abzug. Die erste Salve ging hinter ihrem Gegner vorbei. Mit einem gefühlvollen Druck auf eine Pedale richtete sie ihren Jäger entlang seiner Horizontalachse aus und schoss erneut. Diesmal traf sie ihn. Ein Teil der hinteren Verkleidung schmolz glühend zu Weltraumasche, während der Pirat hektisch ausbrach. Viel zu hektisch. Er trieb direkt auf ihr nun folgendes Sperrfeuer zu und brach als Reaktion seitlich aus, was ihn weit von Hardlights kleinem Duell entfernte. Mehr Gefallen brauchte er nicht. Zarevs Kommentaren entnahm sie, dass er den X-Wing erwischt hatte. Gratulation. Er hatte einen ohnehin schon geschlagenen Gegner vernichtet.


„Jetzt weg“, drängte Tyla. Die Nervosität war ihrer Stimme leicht rauszuhören. „Kommt schon.“

Ihr Bitten verstummte jedoch sogleich, als ihr der Arkanier weitere Kontakte meldete. So eine gequirlte Scheiße.

„Was macht deine Laserkanone, Neun? Geh raus, wenn’s nicht reicht. Wir tauschen die Positionen.“

Sie schoss noch einmal auf den Ugly vor ihr, bevor sie ihre Verfolgung abbrach. Ein Treffer erwischte tatsächlich die Cockpitkanzel und durchschlug sie. Während sie abdrehte, erkannte sie noch, dass seine Geschwindigkeit abnahm und die Triebwerke langsam erkalteten.

„Ich glaub ich hab‘ den hier erwischt!“

Die Kiffar rollte ihren TIE über Steuerbord um wieder zu den anderen beiden aufzuschließen. Gerade rechtzeitig, als vor ihnen weitere Jäger aus den Gasfeldern auftauchten. Zarevs Frage nach der Rückkehr zur Absolution hatte ihre volle Unterstützung.

„Die sind miteinander beschäftigt, Hardlight. Du hattest deinen verdammten Kill! Können wir jetzt weg?“

[ Outer Rim // Koordinatenraster T09 // Black-Widow-Nebula // am Rand des Gefechts // Mynocks ]
Tyla Le'el, Auren Hardlight und Zarev Korrik in ihren TIEs | republikanische X-Wings und Piraten-Uglies
 
| Hyperraum in Richtung Mando-Raum | Seastar | Sitzecke beim Cockpit |
Samin, Dany, Moore; Sana, Naeva und die anderen Kinder im Aufenthaltsraum, Jake und Mira in den Quartieren


Sie hatte sich Zanbar tatsächlich anders vorgestellt. Zumindest nicht wie einen Ort, an dem man tatsächlich langfristig leben wollte. Irgendwie hatte sie immer Festung voll bis an die Zähne bewaffneter Mandalorianer in ihren Rüstungen vor Augen, die auf den nächsten Kreuzzug warteten. Weshalb sie auch dieselben Gedanken mit Dany geteilt hatte. Doch offenbar hatte sie da aber wieder einmal ihre Vorurteile mitgebracht. Mit zivilisierten Siedlungen hatte sie jedenfalls nicht gerechnet.

„Hoffen wir, dass die Lage dort stabil ist. Ich habe nicht vor, meine Tochter in einem Kriegsgebiet abzusetzen.“

Wobei es in Zukunft schwer werden würde, eine Gegend in der Galaxis zu finden, in der kein Krieg herrschte.

Dann erklärte die Wissenschaftlerin ihnen, was es mit den Neural-Comlinks auf sich hatte. Dass es sich nicht um Implantate handelte, erleichterte Samins Gedanken zunächst. Allerdings hielt das nur so lange an, bis Moore von feinen Nadeln sprach, die den Kontakt zu ihrem Nervensystem herstellen sollten.


„Nadeln?“

Die Chiss beugte sich etwas vor und betrachtete die Geräte genauer. Eine direkte Verbindung zu ihrem Nervensystem? Die Vorstellung gefiel ihr überhaupt nicht. Sie mochte ihren Körper genau so, wie er war, ohne Kybernetik. Insbesondere ihr Nervensystem. Das hatte bis hier her ausgesprochen gut funktioniert, ohne dass ihr irgendeine Technik eingepflanzt wurde.

„Nein“, schloss sie.

Dany sprach mit der Frage nach dem Gedankenlesen so ziemlich das aus, was sie selbst befürchtete. Dass Moore ihnen versicherte, dies sei unmöglich, beruhigte sie aber nur bedingt. Immerhin hatte dieselbe Frau ihnen gerade erst erklärt, dass sie mit ihrer Tochter Gedanken und Gefühle austauschen konnte. Samin konnte unmöglich kontrollieren, was diese kleinen Geräte tatsächlich mit ihrem Körper und Geist anzustellen vermochte.


„Und wie kann ich sichergehen, dass du nicht doch irgendwas mit unseren Gedanken anstellen kannst?“, fragte sie schließlich und hob entschuldigend die Hände.

„Verstehe mich nicht falsch. Aber du hast uns gerade erst erklärt, dass du mit deinem Kopf einen Computer bedienen kannst. Muss das Ding unbedingt direkt mit meinem Nervensystem interagieren? Was ist aus den guten alten Datenbrillen geworden, wenn du uns direkt Bilder zusenden möchtest? Ich weiß, die sind etwas auffälliger als ein kleines Gerät im Nacken. Aber auch wesentlich weniger risikoreich für uns.“

Samin schüttelte energisch den Kopf. Das war ihr ausgesprochen suspekt, selbst wenn sie Moore inzwischen mehr vertraute. Natürlich sah sie die Vorteile, die ein solches System mit sich bringen konnte. Allerdings nicht um jeden Preis.

„Den Lageplan kannst du mir auch auf einem Datenpad zeigen. Gib mir einen Tag und ich kenne jeden Weg aus und ins Gebäude.“

Ihre Arme überkreuzten sich vor der Brust und betrachtete die offene Box weiter, ohne Anstalten zu machen, eines der Geräte herauszunehmen. Vielleicht war sie altmodisch. Vielleicht sogar etwas paranoid. Aber nach allem, was sie in den vergangenen Wochen erlebt hatte, erschien ihr das Mindestmaß an gesundem Misstrauen durchaus angebracht. Erst recht, wenn es um eine Technologie ging, deren Funktionsweise sie nicht einmal ansatzweise verstand. Und ausgerechnet die Tatsache, dass Moore und Mira diese Schnittstellen täglich benutzten, beruhigte sie so gar nicht. Die beiden wiesen schließlich alles andere als normale Verhaltensweisen auf. Allein die Vorstellung, während eines Gefechts plötzlich Dinge zu sehen oder zu hören, die nicht auf ihren eigenen, hervorragend funktionierenden Sinnen, basierten, behagte ihr nicht. Gar nicht. Noch weniger, dass diese Informationen unmittelbar in ihrer Wahrnehmung auftauchen sollten und sie erst lernen müsste, das zu kontrollieren. Wenn jemand anderes bestimmte, was sie wahrnahm, gab sie letztendlich doch die Kontrolle über ihr Leben ab.

Inzwischen hatte Samins Körper eine ziemlich deutlich eine ablehnende Haltung eingenommen. Mit verzogenem Mund sah sie kurz zu Dany hinüber. Die Mandalorianerin schien zumindest auch nicht initial von dem Gedanken begeistert, dass jemand Zugriff auf ihre Gedanken bekommen konnte. Auch wenn Moore das ja verneinte. Samin fragte sich, ob sie selbst bei solchen Dingen grundsätzlich empfindlicher war als andere. Andererseits hatte sie die Kontrolle über ihr Leben in den letzten Jahren an das Imperium abgegeben. Allein das, was die KOMENOR aus ihr gemacht hatte, widersprach so ziemlich allem in ihr. Und die hatten nicht einmal eine Nervenverbindung gebraucht, um ihr Leben zu kontrollieren.


„Nein. Tut mir leid. Ich möchte das nicht.“

Abermals schüttelte sie energisch den Kopf. Die Entscheidung war unumstößlich. Es gab Grenzen, die sie nicht überschritt.

„Ich finde deine Technik beeindruckend. Aber ich möchte selbst entscheiden können, was ich sehe, höre und denke. Wenn du eine Datenbrille oder irgendeine andere Lösung hast, bin ich gerne dabei. Ansonsten wird es auch das herkömmliche Comlink tun. Das hat bisher ja auch funktioniert.“

| Hyperraum in Richtung Mando-Raum | Seastar | Sitzecke beim Cockpit |
Samin, Dany, Moore; Sana, Naeva und die anderen Kinder im Aufenthaltsraum, Jake und Mira in den Quartieren
 
// Hyperraum Richtung Mando-Raum // SY-Condor-Yacht „Seastar“ // Sitzecke beim Cockpit // Dany, Samin und Moore; Sana, Naeva, Jake und die anderen Kinder im Aufenthaltsraum, Mira in den Quartieren //

Dany nickte, als Moore ihr empfahl, die Familienerbstücke auf Zanbar von einem mandalorianischen Schmied untersuchen zu lassen. Das klang vernünftig. Wenn sich irgendjemand mit den alten Rüstungen ihres Volkes auskannte, dann vermutlich die Leute dort. Und vielleicht konnte sie bei dieser Gelegenheit auch gleich herausfinden, was sich an ihrer restlichen Ausrüstung verbessern ließ. Dass die Silberhaarige selbst offenbar nicht in die tieferen Systeme mandalorianischer Rüstungen eindringen konnte, überraschte sie allerdings ein wenig. Auch wenn es der Kopfgeldjägerin mehr um das Material ging. Ein mandalorianisches HUD-System oder dergleichen besaß sie schließlich nicht, sondern nur ihr eigenes zusammengebasteltes Interface.

Umso interessanter klang ihre Beschreibung von Zanbar. Ausgedehnte Sumpfdschungel, gewaltige Plateaus und dazwischen sogar eine moderne Metropole? Dany hatte sich die Heimat ihrer Vorfahren bislang selbst etwas anders vorgestellt. Weniger Einkaufsstraßen und Restaurants, dafür mehr Festungen und bis an die Zähne bewaffnete Krieger. Offenbar war auch sie vor gewissen Klischees nicht gefeit. Ein leichtes Grinsen erschien auf ihrem Gesicht.


"Na, das klingt doch schon mal ziemlich gut. Vielleicht gefällt es mir dort tatsächlich. Und auf die Schmieden bin ich sowieso gespannt.."

Und jeden Credit umdrehen würde sie dort auch nicht müssen. Dany freute sich beinahe wie ein kleines Kind darauf, einige ihrer Credits in den Schmieden zu lassen und gehörig upzugraden. Als Moore anschließend die kleinen Neural-Comlinks genauer erklärte, beugte sich Dany interessiert vor. Keine Implantate also - immerhin. Die Geräte wurden lediglich im Nacken angebracht und sollten es ihnen ermöglichen, miteinander zu sprechen, ohne auch nur den Mund aufzumachen. Dazu noch Lagepläne und andere Informationen direkt vor den Augen.

Shab, das klang tatsächlich ziemlich praktisch. Gerade für den Einbruch auf Bakura konnte eine solche Technik entscheidend sein. Wenn Moore ihnen jederzeit zeigen konnte, wohin sie mussten, ohne dass jemand auf ein Datapad schauen oder über ein gewöhnliches Comlink sprechen musste, würde das die ganze Sache erheblich erleichtern. Und Gedankenlesen sollte angeblich auch nicht möglich sein.

Allerdings hatte die Geschichte einen Haken. Feine Nadeln, die eine direkte Verbindung zum Nervensystem herstellten? Dany verzog unwillkürlich das Gesicht. An ihrem Körper herumzustechen, gehörte nicht gerade zu ihren Lieblingsbeschäftigungen. Schon gar nicht in unmittelbarer Nähe ihres Schädels.
Samins Reaktion fiel entsprechend deutlich aus. Die Chiss wollte von den Geräten nichts wissen. Dany sah kurz zu ihr hinüber und konnte ihre Bedenken durchaus nachvollziehen. Immerhin hatten sie gerade erst erfahren, zu welchen technischen Wundern Moore imstande war. Ob sie sich deshalb gleich mit ihrem eigenen Nervensystem verbinden lassen mussten, stand auf einem anderen Blatt.

Die Mandalorianerin kratzte sich nachdenklich am Hinterkopf, ungefähr dort, wo eines der Module sitzen sollte.


"Also...praktisch klingt das natürlich schon, muss ich zugeben"

Sie deutete auf die geöffnete Box.

"Aber die Sache mit den Nadeln gefällt mir auch nicht besonders. Und ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung, was diese Dinger da oben mit meinem Kopf anstellen."

Sie warf Samin einen kurzen Seitenblick zu, ehe sie sich wieder Moore zuwandte. Ganz so entschieden wie die Chiss wollte sie das Angebot allerdings noch nicht ausschlagen. Dafür waren die möglichen Vorteile zu groß.

"Kannst du uns vielleicht noch ein bisschen Zeit geben, darüber nachzudenken? Ich sage ja nicht grundsätzlich nein. Aber ich würde schon gerne wissen, worauf ich mich da einlasse, bevor ich mir so ein Ding an den Nacken setze."

Ein etwas entschuldigendes Lächeln huschte über ihr Gesicht.

// Hyperraum Richtung Mando-Raum // SY-Condor-Yacht „Seastar“ // Sitzecke beim Cockpit // Dany, Samin und Moore //
 
[Hyperraum in Richtung Mando-Raum / SY-Condor-Yacht „Seastar“ / Sitzecke beim Cockpit] Moore, Samin und Dany / Mira im Bad eines der Quartiere / Sana, Naeva, Jake Relis und die anderen Kinder im Aufenthaltsraum

Moore hörte den beiden Frauen zu und ließ die offene Box ein wenig sinken. Für sie gehörten technische Verbindungen längst zur eigenen Wahrnehmung. Ein Gerät erst in die Hand zu nehmen, um ihm eine Anweisung zu geben, war für sie häufig nur noch ein unnötiger Umweg. Was diese Module mit ihrem Nervensystem anstellten, konnten die beiden allerdings kaum beurteilen. Bei aller Freude an ihren kleinen Geräten konnte sie ihnen diese Vorsicht schwerlich verdenken, hatte sie den Zugang zum eigenen Kopf doch selbst schon verteidigen müssen.

„Ich werde sehen was ich tun kann. Fachlich gibt es wenig Auswahl zwischen dem was ich hier habe und wo ich vielleicht dran kommen kann... Wir werden sehen.“ Sie nahm noch eines der Module aus der Box und stellte diese neben sich ab, bevor sie die gewölbte Kontaktfläche an die Innenseite ihres Unterarms legte. Das Gerät blieb auf der Haut haften, als sie den Arm drehte, um es den beiden Frauen zu zeigen. „Die Nadeln sind mikroskopisch klein und funktionieren ähnlich wie die Füße eines Geckos. Das fühlt sich einfach an, als würde man etwas aufkleben.“ Beim Ablösen spürte sie lediglich einen leichten Zug an der Haut, dann legte sie das Modul zu dem zweiten zurück, klappte das Kästchen zu und steckte es wieder ein.

„Ich brauche euch auf Bakura mit eurem Verstand und euren Fähigkeiten. Mit willenlosen Sklaven könnte ich herzlich wenig anfangen. Euch eine Falle zu stellen bringt mir ebenso wenig, aber dafür habt ihr eben nur mein Wort. Eine Datenbrille bekomme ich genauso zum Funktionieren wie euer Comlink oder irgendein anderes Gerät, das ihr mir hinhaltet. Auf Bakura fallen solche Hilfsmittel nur erheblich schneller auf. Die meisten Geräte sind mir für einen verdeckten Einsatz schlicht nicht sicher genug. Dass du dir die Wege merken kannst, bezweifle ich nicht, Samin. Ich möchte nur, dass wir auch wissen, was uns bleibt, wenn wir einen davon nicht mehr nehmen können. Eine improvisierte Lösung kann uns hineinbringen und sich beim Rückzug trotzdem rächen. Auf Zanbar gehen wir den Ablauf gemeinsam in Ruhe durch und sehen uns an, welche Zugänge für uns infrage kommen und machen einen ersten Ablaufplan in dem sich alle Wiederfinden.“ Bei der Frage nach der Sicherheit ihres Reiseziels kehrte ein verschmitztes Lächeln auf ihr Gesicht zurück. „Zanbar dürfte wahrscheinlich einer der sichersten Orte innerhalb der mandalorianischen Welten sein. Der Mond liegt abseits von Mandalore und Concord Dawn und ist für Außenstehende strategisch kaum von Interesse. So hat man es mir jedenfalls erklärt. Wenn wir ankommen, werdet ihr verstehen, warum ich die Kinder dort gut aufgehoben finde.“

Über ihr HNAI rief sie die Navigationsdaten der Seastar ab und prüfte die berechnete Restflugzeit. „Es sind ohnehin nur noch gut drei Stunden bis zum Rückfall.“

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[Hyperraum in Richtung Mando-Raum / SY-Condor-Yacht „Seastar“ / Sitzecke beim Cockpit] Moore, Samin und Dany / Mira im Bad eines der Quartiere, Sana, Naeva, Jake Relis und die anderen Kinder im Aufenthaltsraum

Jake zog die Brauen ein wenig zusammen und nickte langsam. „Das ist das Ding: Solange man noch nicht volljährig ist, wird man leider oft nicht gefragt. Oft bekommt man einfach gesagt, was man tun soll, und es wird erwartet, dass man das dann auch macht. Mein Dad hat mir auch oft sagen wollen, was ich machen soll. Und so sehr ich ihm auch widersprochen habe, weiß ich heute, dass er geglaubt hat, diese Dinge wären das Beste für mich.“ Er verzog leicht den Mund. „Aber ohne je mit mir darüber geredet zu haben. Und in meiner Sturheit habe ich dann auch Dinge abgelehnt, nur weil sie aus seinem Mund kamen, die vielleicht gar nicht schlecht gewesen wären.“

Einen Moment lang sah er nachdenklich vor sich hin, bevor er den Blick wieder hob. „Klar hatte ich damals noch nicht so viele Erfahrungen gemacht wie heute, aber ich glaube, es wäre besser gewesen, wenn wir miteinander geredet hätten, statt nur aneinander vorbei.“ Sein Ausdruck wurde etwas weicher. „Vielleicht können du und deine Mom es besser machen. Ich meine, du kommst in ein Alter, in dem du Entscheidungen triffst und die Grundlagen dafür legst, wer du mal sein willst und was du mal machen möchtest. Und darüber solltet ihr schon miteinander reden.“ Er ließ den Blick zwischen den beiden wandern und deutete mit einer offenen Hand auf sie. „Also, das trifft auf euch beide zu. Holt euch gerne einen Rat von anderen, die vielleicht auch in dem Feld Erfahrung haben, die euch interessieren, aber lasst euch niemals die Entscheidung nehmen. Die muss von euch selbst kommen,
sonst werdet ihr da nicht glücklich.“

„Keine Ahnung“
, gab Jake ehrlich zu und hob leicht die Schultern. „Ich weiß nur, dass er in meiner Anwesenheit nie seinen Leuchtprügel gezogen hat. Er hat Humor und kann über sich selbst lachen. Und meiner Erfahrung nach sind Leute, die über sich selbst lachen können, keine schlechten Wesen. Das ist durchaus eine Qualität.“ Bei diesen Worten zuckte ein kleines Lächeln um seine Mundwinkel.

„Aber ich habe in der Republik und im Imperium gelebt oder gearbeitet. Und Schauergeschichten über Jedi habe ich nur im Imperium gehört, über Sith auf beiden Seiten.“ Er hob kurz die Brauen und ließ die Feststellung einen Augenblick im Raum stehen, bevor er ergänzte. "Generell sollte man nicht alles glauben, was im Holonet kommt."

„Tylaar hat mal von seiner Meisterin erzählt. Tionne oder so.“
Jake legte den Kopf leicht schräg und runzelte die Stirn, während er in seinen Erinnerungen kramte. „Eine Jedi-Heilerin, die wohl sehr erfahren im Umgang mit der Macht war und weit mehr konnte als nur heilen. Irgendwas mit Visionen oder Vorwarnungen. Aber das ist auch schon eine ganze Weile her. Und selbst gesehen habe ich davon nicht wirklich was. Von Sith-Heilern habe ich noch nie was gehört …“

Er hielt inne und hob einen Finger. „Wobei … aber da weiß ich wirklich nicht, wie viel dran ist. Es soll in der imperialen Flotte eine Sith geben, die außerdem Admiralin ist. Und die soll auch schon Soldaten geheilt haben.“ Seine Hand sank wieder, und er verzog zweifelnd den Mund. „Aber das ist noch mehr Hörensagen. Tylaar hat wenigstens aus erster Hand erzählt. Keine Ahnung, vielleicht liegt die Wahrheit auch einfach irgendwo dazwischen. Vielleicht sind nicht alle Sith fies und nicht alle Jedi die Guten, als die die Republik sie gerne darstellt.“ Er rieb sich nachdenklich über das Kinn. „Meistens findet sich die Wahrheit ja irgendwo zwischen zwei unterschiedlichen Aussagen. Zumindest lohnt es sich, genauer hinzuschauen, wenn man den Quellen nicht absolut vertraut.“

Er sah Sana mit einem Schmunzeln an. „Ich lerne auch gerne neue Sachen. Vor allem sehe ich auch gerne neue Sachen. Vielleicht bin ich deshalb so viel herumgekommen.“ Bei dem Gedanken wurde sein Lächeln breiter, und er lehnte sich ein wenig vor. „Im Großen und Ganzen kann ich es empfehlen. Lern fliegen, erkunde die Galaxie. Es gibt immer was Neues zu sehen, und es wird nicht langweilig. Wenn du dabei die richtigen Leute an deiner Seite hast, kann es ein ganz fantastisches Leben sein.“ Sein Blick ruhte einen Moment auf ihr. „Und es gibt dir die Möglichkeit, hinter die Fassade der jeweiligen Propaganda zu schauen.“

Naeva wollte vielleicht zum Militär, für ihn durchaus ein schwieriges Thema. „
Die Ausbildung schaffen könntest du bestimmt, aber ich weiß nicht, ob ich eine Ausbildung beim Militär empfehlen kann.“ Jake atmete gut hörbar einmal tief durch. „Immer wird einem gesagt, was man machen soll, wann man es machen soll und auch wie. Wenn man es nicht tut, wird viel geschrien.“ Er verzog das Gesicht, als könnte er die entsprechenden Stimmen noch immer hören. „Ich bin heilfroh, nicht mehr beim Militär zu sein. Ich fliege wirklich für mein Leben gerne, aber ich suche mir auch gerne aus, was ich wann mache und wie. Und vor allem bin ich froh, nicht mehr auf jemanden schießen zu müssen.“

Das Lächeln war aus seinem Gesicht verschwunden. Er senkte kurz den Blick auf seine Hände, bevor er weitersprach. „Und jedes Mal, wenn man sich in so einen Raumjäger setzt, nimmt man das in Kauf. Ich bin auch nur so lange bei den Wolves geblieben, also der Staffel, in der ich mit Samin gedient habe, weil ich einige meiner Staffelkameraden sehr ins Herz geschlossen hatte. Ich wollte nicht, dass ihnen was passiert, wenn ich es vielleicht verhindern konnte.“ Seine Finger schlossen sich für einen Moment locker. „Aber irgendwann ging auch das nicht mehr. Und meine Karriere bei den Wolves beruhte ohnehin nicht auf Freiwilligkeit.“

Jake schwieg kurz, dann öffnete er die Hände wieder und richtete sich etwas auf. „Aber vielleicht ist das auch besser ein Thema für ein anderes Mal.“ Ein schmales Lächeln kehrte zurück, auch wenn sein Blick noch einen Moment nachdenklich blieb.

„Moore scheint mir nicht unbedingt jemand zu sein, die Dinge gerne dem Zufall überlässt.“ Er hob leicht eine Augenbraue. Auch wenn sie Chancen erkennen und nutzen konnte, vermutete Jake, dass die Sephi gerne die Kontrolle über Situationen behielt. „Sie wird sich was dabei gedacht haben. Und ich bin mir ziemlich sicher: Sollte Moore selbst niemanden kennen, dann kennt sie ganz bestimmt jemanden, der weiß, wo man das herausfinden kann.“ Er nickte einmal, nun wieder mit einem kleinen, zuversichtlichen Schmunzeln. „Ja, das traue ich ihr durchaus zu.“

Einen guten Einfall hatte Jake für Naeva und Sana auf jeden Fall noch. "Ich weiß leider selbst nicht, wie der Plan auf Zanbar für uns aussieht, aber wenn sich die Zeit ergibt, kann ich euch vielleicht zeigen, wie man die ähhh... sagen wir mal Restriktionen eines Holonetempfängers umgeht. Dann könnt ihr euch anhöhren, was die Neue Republik und das Imperium jeweils über sich selbst und die andere Seite sagen, dann könntet ihr zumindest anfangen euch dazu Meinungen zu bilden, die nicht nur auf einer Seite basieren. Wäre das was für euch?"


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Sana war froh, dass Jake fand, sie sollte selbst mitentscheiden dürfen. Sie wollte ja mit Samin reden, nur wusste sie oft gar nicht, wie sie anfangen sollte. Ihre Mutter kannte sich ja anscheinend mit all diesen Dingen aus, während Sana nicht einmal wusste, was sie auf Zanbar erwarten würde. Wenn Samin sie auch Mal vernünftig gefragt hätte, wäre ihr vielleicht leichter eine Antwort eingefallen. „Sie kann mich doch auch fragen.“ Es tat ein bisschen weh, wie selbstverständlich Jake davon erzählte, dass sein Vater sich in seine Pläne eingemischt hatte. Bestimmt hatte er sich damals darüber geärgert. Jetzt konnte er sogar sagen, dass manches davon gut für ihn gewesen wäre. Sana hätte gern gewusst, wie es war, mit Samin aufzuwachsen und sich mit ihr über solche Dinge zu streiten.

Über den Jedi allerdings wusste Jake selbst nicht besonders viel. Dass der Mann über sich lachen konnte, beruhigte Sana eigentlich garnicht. Vielleicht war der Jedi zu Jake einfach freundlich gewesen und hatte ihm gar nicht gezeigt, was er mit seiner Macht anstellte. Jake wusste nicht einmal, ob der Mann seine Gedanken verändert hatte! Dass in der Republik anders über Jedi geredet wurde, wunderte Sana auch nicht besonders. Dort lebten sie schließlich. Natürlich würde man dort nicht sagen, dass sie gefährlich waren. Vielleicht erzählten sie den Leuten sogar, dass all die anderen Geschichten erfunden waren. Dann würde sich niemand mehr vorsehen. Wahrscheinlich hatten sie einfach allen ihre Gehirne verdreht! Woher sollte man das schon wissen, das bekam man ja nicht mit!

Bei den Vorwarnungen die er erwähnte lief ihr ein Schauer über den Rücken. Sie erinnerte sich an das Zischen auf dem Schiff und daran, wie sich ihr Bauch zusammengezogen hatte. Sie hatte den Jungen das Ding abgenommen und hinausgetreten, ohne überhaupt erklären zu können, was daran gefährlich war. Sie hatte nur gewusst, dass es weg von den anderen musste. War so etwas mit einer Vorwarnung gemeint? Woher diese Gewissheit gekommen war, war ihr jetzt noch suspekter als vorher. Vielleicht war dieses Machtdings ja auch gefährlich und ansteckend.


„Weißt du, wie die jemanden heilen?“, fragte Naeva. „Brauchen die dafür gar keine Medikamente?“

Sana dachte noch an den Ball, während Jake ihnen vorschlug, fliegen zu lernen und die Galaxis zu erkunden. Das hätte sie tatsächlich gern gekonnt. Schon die Arbeit mit Samin an der Scrapwing hatte ihr irgendwie gefallen. Sie stellte sich vor, selbst im Cockpit zu sitzen und auf einen Planeten zuzufliegen, auf dem sie noch nie gewesen war. In ihren Holoromanen kamen die Helden an so viele verschiedene Orte, dass sie beim Lesen manchmal gern mitgereist wäre. Nun war sie selbst unterwegs und wusste nicht einmal richtig, was sie am Ziel erwartete. Bei all den Welten hätte sie gar nicht gewusst, wohin sie zuerst wollte. Man musste doch vorher herausfinden, ob man dort einfach landen konnte und ob man dort überhaupt sein wollte.

„Fliegen würd ich gern lernen. Aber woher weiß man denn, wo man zuerst hinfliegen soll?“

Als Jake vom Schießen sprach, verging ihr die Freude ein wenig. Sie hatte sich vorgestellt, wie man ein Schiff steuerte und damit irgendwo ankam. Jake war mit Samin in einer Jagdstaffel gewesen. Ihre Mutter hatte ihr bereits gesagt, dass sie Menschen getötet hatte. Nun hörte sie von Jake, wie froh er war, das nicht mehr tun zu müssen. Was auch gut so war... die Sache mit dem Töten behagte ihr noch immer nicht, vor allem weil niemand ihr so richtig hatte sagen können WARUM man sowas eigentlich machte...

„Ich wollte vor allem aus dem Heim raus und eine richtige Ausbildung machen“, sagte Naeva. „Da hätte ich mit Leuten trainieren können, die mir helfen, besser zu werden.“

Das konnte Sana verstehen. Sie hatte oft genug erlebt, wie lange Naeva etwas übte, bis sie damit zufrieden war.

„Vielleicht wär ich irgendwann sogar mal bekannt geworden“, fügte Naeva hinzu. „Ich hab gedacht, dass man da auch zusammengehört, wenn man immer miteinander trainiert und sich auf die anderen verlassen muss. Vielleicht wär das irgendwann so was wie eine Familie gewesen.“

Vorhin hatte Sana sich noch ausgemalt, wie Naeva sie jemandem als ihre Familie vorstellte. Nun war sie neugierig, wie ihre Freundin sich das bei den Soldaten gedacht hatte.

„Wie viel Sport habt ihr in der Ausbildung gemacht?“, fragte Naeva weiter. „Gab's da feste Zeiten, die ihr schaffen musstet?“

Jake war gar nicht freiwillig bei den Wolves gewesen. Er war damals doch bestimmt schon erwachsen. Wie konnte jemand anderes bestimmen, dass er trotzdem dort dienen musste?

„Ich dachte, wenn man erwachsen ist, darf man selber entscheiden was man macht.“

Sie sagte es leiser als ihre Frage zum Fliegen. Jake wollte lieber ein anderes Mal darüber reden, aber Sana hätte gern gewusst, wer ihn dazu hatte zwingen können. Als er ihnen schließlich anbot, Sender aus der Neuen Republik einzustellen, verstand sie nicht, wozu das gut sein sollte.

„Wieso will man die denn freiwillig einstellen? Die erzählen doch sowieso bloß komisches Zeug... Sogar gefährliches Zeug!“

Dass die Republik sich selbst gut fand, war doch klar. Sana wusste auch, das es komische Geschichten über das Imperium in den weniger wichtigen Ecken der Galaxis gab wie eben dieser Republik. Wenn irgendwo Aufständische Waffen gegen Leute richteten, musste das Militär etwas dagegen unternehmen. Auf diesen Planeten lebten schließlich auch Leute, die nur zur Arbeit oder zum Einkaufen wollten und nichts dafür konnten, dass andere mit Waffen herumliefen. Hinterher hieß es dann, das Imperium würde die Bevölkerung unterdrücken, obwohl die Soldaten dafür sorgen sollten, dass die Leute wieder auf die Straße gehen konnten.

Bestimmt gab es dabei auch Soldaten, die etwas falsch machten, dass hatte ja quasi Samin eben auch bestätigt. Aber deshalb stimmte doch nicht gleich alles, was die von diesen komischen Sendern behaupteten. Samin war Soldatin gewesen und Sana hatte gerade erst gehört, dass Jake bei seinen Kameraden geblieben war, weil er nicht wollte, dass ihnen etwas passierte. Das waren doch nicht alles Leute, die grundlos auf andere schossen.

Wie die Republik das in ihren Sendungen erzählte, wusste sie nicht genau. Dass sie die Leute gegen das Imperium aufbringen wollte, hatte Sana aber oft genug gehört. Wenn man ihnen ständig sagte, dass die Soldaten ihre Feinde waren und sie sich gegen ihre Regierung wehren mussten, gab es doch nur noch mehr Streit. Dass man diese Sender nicht einfach empfangen konnte, hatte bestimmt einen Grund, auch wenn Jake darüber redete, als wäre es eine gute Sache, die Sperren zu umgehen. Jake kannte sich in der Galaxis viel besser aus als sie. Gerade deshalb wunderte es sie, dass er ihnen ausgerechnet solche Sender zeigen wollte, sie hatte gedacht er hätte Verstand... gut das lag vielleicht an dem Jedi das er jetzt nicht mehr ganz in Ordnung war im Kopf. Da konnte er dann ja auch nichts für.


„Ich würd trotzdem gern mal reinhören“, sagte ihre Freundin. „Wie kommt man denn an die Sender? Muss man dafür was am Empfänger umbauen?“

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Samin, Dany, Moore; Sana, Naeva, Jake und die anderen Kinder im Aufenthaltsraum; Mira in den Quartieren


Die Sephi schien Samins Bedenken ernst zu nehmen und verzichtete anscheinend darauf, sie weiter von ihren Neural-Comlinks überzeugen zu wollen. Die Chiss war dankbar dafür. Sie hatte Moore auch nicht beleidigen wollen und war sich auch ziemlich sicher, dass sie nur Gutes im Sinn hatte. Es war einfach eine … grundsätzliche Frage. Dass die Nadeln mikroskopisch klein waren änderte daran nichts. Dabei konnte sie sich für moderne Technik durchaus begeistern. Am liebsten hätte sie aber, dass sie deren Funktionsweise verstand und selbst darüber entscheiden konnte, wann und wie sie diese einsetzte. Aber eine direkte Verbindung zu ihrem Nervensystem gehörte nicht dazu. Wenn Moore eine Alternative fand, umso besser. Falls nicht, würde es halt der herkömmliche Comlink werden. Das war auch nicht ganz so auffällig, wie Moore befürchtete. In einer imperialen Basis hatte ständig jemand ein Datenpad im Arm oder ein Comlink am Ohr.

„Ich weiß das zu schätzen“, versicherte sie der Wissenschaftlerin nichtsdestotrotz und lächelte ihr zu. „Und was die Einsatzplanung angeht, bin ich ganz bei dir. Je mehr wir von vornherein wissen und planen, desto weniger müssen wir improvisieren. Immer mit dem Wissen im Hinterkopf, dass kein Plan den ersten Feindkontakt überlebt.“

Ein Zwinkern begleitete diese alte Taktiker-Weisheit.

Die Aussicht, in solch kurzer Zeit bereits auf Zanbar anzukommen, überraschte sie. Sie hatte gar nicht bemerkt, wie die Zeit verflogen war. Allerdings hatten sie da zunächst das Spiel und dann ihre Gespräche gehabt. Miras dramatischer Auftritt hatte zudem für eine gewisse Kurzweiligkeit gesorgt. Insgesamt musste sie sich eingestehen, dass sie in dieser kurzen Zeit mehr über die beiden Frauen erfahren hatte als über manche ihrer ehemaligen Staffelkameraden in mehreren Jahren. Sie hatte Sakura ihre Freundin genannt. Dabei wusste sie nicht einmal, wie sie aufgewachsen war. Die Realisation war ein seltsames Gefühl. Fast, als hätte sie all die Zeit gar keine echten Freunde gekannt.


„Dann werfe ich mal lieber einen Blick auf die Nav-Daten.“

Sie nickte den beiden Frauen zu und bog um die Ecke ins Cockpit. Da bemerkte sie leise Stimmen über den Flur. Sie schienen aus Richtung des Aufenthaltsraumes zu kommen. Jakes Sprechorgan erkannte sie sofort. Der Weltraumdraufgänger schien offenbar gerade dabei zu sein, die Kinder mit irgendeiner seiner verrückten Geschichten zu unterhalten. Was er mit den Kindern genau besprach, konnte Samin nicht verstehen. Aber immerhin schienen sie miteinander auszukommen. Das freute sie. Jake war zwar ein unaufhaltbarer Schwätzer, aber er konnte mit Leuten umgehen. Und offenbar auch mit einer Bande Heranwachsender.

Lächelnd ließ sie sich auf dem Pilotensitz nieder. Natürlich hatte sie gute Laune, sobald sie ein Cockpit betrat. Die Seastar befand sich derweil weiterhin auf dem berechneten Hyperraumkurs. Sämtliche Anzeigen waren unauffällig, die Systeme arbeiteten alle innerhalb ihrer vorgesehenen Parameter und die Restflugzeit entsprach ziemlich genau Moores Angaben. Sie überprüfte den Nav-Computer und die Sprungberechnungen auf Fehlermeldungen, kontrollierte die letzten Einträge im Log des Autopiloten und ließ sich anschließend die Daten des Eintrittskorridors im Zielsystem anzeigen. Alles war in bester Ordnung. Es gab nichts zu tun.

Also lehnte sie sich zurück und betrachtete das blaue Schimmern außerhalb der Sichtfenster. Der Hyperraum hatte schon immer eine große Faszination in ihr ausgelöst. Wie sich die erste Hyperraumzivilisation wohl gefühlt haben musste, als sie diese Ebene entdeckte und zu nutzen lernte? Mit Sicherheit hatten sie jedenfalls nicht so ein ausgezeichnetes Schiff und einen derart bequemen Pilotensitz! Außerdem gab es hier niemanden, der ihr irgendwelche Vorschriften machte. In einem Cockpit war sie am Ende des Tages ihr eigener Herr. Hatten die ersten Hyperraumfahrer damals das gleiche gefühlt? Es war dieses ausfüllende Gefühl des Pilotendaseins. Alles, was sie sich in den vergangenen Jahren gewünscht hatte. Das Cockpit war ihres. Nicht einmal Jake würde sie auf diesen Stuhl lassen, selbst wenn sie ihn wie einen Bruder liebte. Nicht etwa, weil er schlecht fliegen konnte. Er war ein guter Pilot. Ein herausragender sogar. Aber Samin war besser. Und wenn sie an Bord eines Schiffes war, war der Pilotensitz ihrer – per Naturgesetz.

In diesem Moment hörte sie wieder Stimmen aus dem Gang. Dieses Mal glaubte sie Sana zu erkennen. Unwillkürlich wandte Samin den Kopf in Richtung Tür und lauschte einen Moment. Noch immer konnte sie nicht verstehen, über was gesprochen wurde, aber das war auch nicht wichtig. Ihre Tochter saß dort hinten mit Jake zusammen, während sie selbst hier im Cockpit hockte, unnötigerweise ein vollkommen funktionstüchtiges Schiff überprüfte und sich dabei gut fühlte.

Tat sie das?

Sie sah wieder auf das Instrumentenbrett.

Nein.

Es war etwas völlig anderes. Es war nicht dasselbe Gefühl, das die Fliegerei früher in ihr ausgelöst hatte. Es erfüllte sie nicht, es vervollständigte sie nicht. Da war ein großer Flecken in ihrem Herzen, den es inzwischen nicht mehr berührte. Ein Schiff wie die Seastar zu fliegen … war toll. Aber nicht mehr dasselbe, dass es noch vor ein paar Monaten gewesen wäre.

Was tat sie hier eigentlich?

Samin hatte sich in ihrem Leben nie sonderlich viele Gedanken darüber gemacht, wo sie hingehörte. Ihre Antwort war immer klar gewesen. Schon seit ihrer Jugend. Ein Cockpit. Akademie, Staffel, Elite-Pilotin. Der Weg war ihr vorgegeben. Sie hatte ihre gesamte Existenz auf dieses Ziel ausgerichtet, war die beste Pilotin geworden, die sie hätte werden können. Sie war eine der höchst dekorierten Pilotinnen des Imperiums geworden, stellvertretende Staffelführerin der berühmtesten Staffel der Galaxis, und sie hatte sich einen Namen gemacht, den mehr Leute kannten, als es Zahlen für gab. Wenn jemand von Samin sprach, dann sprach er von der Elite-Pilotin. Von Crash. Von der Chiss-Frau, die einen Jäger besser beherrschte als jeder andere … Aiden mal ausgenommen.

Aber da gab es jemanden, für den sie etwas vollkommen anderes war.

Sie war eine Mutter.

Dreizehn Jahre lang hatte sie nicht gewusst, wie sich das anfühlte. Auch wenn sie sich nicht sicher war, dieser Aufgabe wirklich gewachsen zu sein, saß Sana dort hinten. Mit Jake. Nicht mit ihr. Wer wusste schon, wie viele Stunden sie noch miteinander verbringen konnten, bevor sie sich auf Zanbar erneut voneinander trennen mussten. Vielleicht für Tage. Wochen? Vielleicht sogar für immer, wenn Bakura schiefging.

Und sie saß hier und überprüfte verfluchte Navigationsdaten!

Erneut betrachtete sie die Anzeigen vor sich. Dann schaltete sie das Display ab, erhob sich und verließ das Cockpit. Sie war bereits auf halbem Weg zum Aufenthaltsraum, als sie darüber nachdachte, dass Jake später den Anflug auf Zanbar übernehmen könnte. Der Gedanke wäre ihr zuvor noch völlig absurd vorgekommen. Jetzt erschien er ihr plötzlich so vernünftig und logisch wie nichts anderes. Er konnte fliegen. Die Seastar war ein gutes Schiff. Und Samin hatte etwas viel Besseres zu tun.

Als sie den Aufenthaltsraum erreichte, blieb sie zunächst im Türrahmen stehen. Sana saß bei Naeva und Jake, der offenbar noch immer mitten in einer seiner Reden war. Samin schmunzelte ihnen zurückhaltend entgegen. Sie betrachtete das leicht bläuliche Gesicht ihrer wunderschönen Tochter einen Moment und versuchte sich vorzustellen, wie es gewesen wäre, wenn sie die vergangenen dreizehn Jahre gemeinsam verbracht hätten. Vermutlich hätte Sana inzwischen längst gelernt, dass ihre Mutter im Grunde auch nur eine Idiotin war, die nicht immer wusste, was sie tat. Wahrscheinlich hätten sie sich oft gestritten, aber noch mehr miteinander gelacht. All diese Dinge, die völlig gewöhnlich sein sollten.


„Ist hier noch ein Platz frei?“

Sie konnte die verlorene Zeit nicht zurückdrehen. Aber sie konnte damit anfangen, die verbleibende mit ihrer Tochter zu verbringen. Das verfluchte Cockpit konnte warten.

| Hyperraum in Richtung Mando-Raum | Seastar | Aufenthaltsraum |
Samin, Sana, Naeva, Jake und die anderen Kinder; Dany und Moore in der Sitzecke beim Cockpit; Mira in den Quartieren
 
// Hyperraum Richtung Mando-Raum // SY-Condor-Yacht „Seastar“ // Sitzecke beim Cockpit // Dany, Moore; Samin, Sana, Naeva, Jake und die anderen Kinder im Aufenthaltsraum, Mira in den Quartieren //

Dany beobachtete interessiert, wie Moore eines der kleinen Module an ihrem Unterarm befestigte und anschließend wieder ablöste. Mikroskopisch kleine Nadeln also. Das klang tatsächlich schon etwas weniger unangenehm als die Vorstellung, sich irgendwelche Metallstifte in den Nacken stechen zu lassen. Trotzdem blieb ein gewisses Unbehagen.

Dass die Wissenschaftlerin ihre Bedenken offenbar ernst nahm, rechnete Dany ihr allerdings hoch an.


“Danke. Ich überleg’s mir auf jeden Fall noch mal. Die Vorteile sind ja nicht von der Hand zu weisen.”

Sie lächelte leicht. Spätestens bei der gemeinsamen Einsatzplanung auf Zanbar würde man sich ohnehin noch ausführlicher mit der Technik beschäftigen können. Und bis dahin blieben ihnen offenbar nur noch drei Stunden. Shab, so langsam wurde es tatsächlich ernst. Zum ersten Mal würde sie eine Welt ihrer Vorfahren betreten. Dany freute sich darauf, auch wenn sie sich noch immer nicht ganz vorstellen konnte, was sie dort erwartete.

Als
Samin sich schließlich verabschiedete und zunächst ins Cockpit verschwand, blieb Dany in der Sitzecke zurück. Wenig später bemerkte sie, dass die Chiss weiter in Richtung Aufenthaltsraum ging. Vermutlich wollte sie noch etwas Zeit mit ihrer Tochter verbringen. Verständlich. Dany blieb vorerst sitzen und wandte sich wieder Moore zu. Vielleicht gab es noch etwas, das die Silberhaarige lieber unter vier Augen besprechen wollte. Falls nicht, würde sie sich wohl ebenfalls eine ruhige Ecke suchen und sich vor der Ankunft noch etwas ausruhen.

Und vielleicht wurde es tatsächlich einmal Zeit, eine Nachricht nach Shinbone zu schicken. Ihre Mutter hatte schließlich schon länger nichts mehr von ihr gehört. Dany hatte in den letzten Tagen zwar reichlich zu erzählen bekommen, allerdings war sie sich noch nicht ganz sicher, wie viel davon sie zu Hause tatsächlich preisgeben wollte. Dass ihr Schiff inzwischen in tausend Einzelteilen irgendwo auf The Wheel lag, musste sie jedenfalls nicht unbedingt gleich als Erstes erwähnen.

Dany lehnte sich etwas zurück und sah Moore erwartungsvoll an.


// Hyperraum Richtung Mando-Raum // SY-Condor-Yacht „Seastar“ // Sitzecke beim Cockpit // Dany und Moore //
 
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