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Fondor

Dieses Thema im Forum "Projekt Star Wars Rollenspiel" wurde erstellt von Wonto Sluuk, 21. Juni 2013.

  1. Wonto Sluuk

    Wonto Sluuk Rollenspieler Premium

    Fondor
    __________________________


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    [ Infos zum Planeten: Fondor (engl.) | Fondor (dt.) ]

    [ Zugehörigkeit: Imperium ]​


    Terrestrischer Planet mit normaler Gravitation und gemäßigtem Klima. Tagesdauer: 31 Stunden.

    Landschaft: Wüsten, Brachland, Städte und Industrie

    Bevölkerung: 5 Milliarden (Fondorianer, Menschen und andere)
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 25. November 2013
  2. Asix

    Asix R5-A6

    [Fondor-System | Fondor | Oridin | Hafenviertel | Gassen] R5-A6

    In langsamem Tempo bewegte Asix sich durch die Gassen von Oridin, einer der bedeutendsten Städte Fondors. Er befand sich unweit des Raumhafens, dennch wirkte diese Gegend mit ihrer dichten Bebauung und den etwas heruntergekommenen, niedrigen Häusern, zwischen denen immer wieder hässliche Mietkasernen emporragten, ziemlich abgelegen, so als wäre hier noch nie etwas Bedeutsames passiert oder es hätte zumindest niemand Notiz davon genommen. Um diese Zeit war es ziemlich ruhig auf und über den engen Seitenstraßen. Den wahrscheinlichsten Grund dafür fand er nach einer kurzen Überlegung: Der letzte Schichtwechsel auf den Werften im Orbit lag schon einige Stunden zurück, der nächste stand noch nicht bevor. Da die meisten Bewohner dieser Gegend nach seinen Daten dort oben arbeiteten und demnach längst auf Arbeit oder wieder zuhause waren, herrschte jetzt kaum Verkehr. Unterdessen wurde es immer dunkler und Asix begann, sich unwohl zu fühlen. Der Droide hielt sich nicht gerne bei Dunkelheit in unbekannten Gegenden auf. Sein teils einprogrammierter, teils nachträglich gewachsener Selbsterhaltungstrieb rebellierte dagegen, sich den Gefahren einer schlechten Gegend zu nächtlicher Stunde auszusetzen. Er hielt inne und drehte den kegelstumpfförmigen Kopf einmal um 360 Grad, als er ein lautes, scharrendes Geräusch vernahm, dessen Ursache er nicht zuordnen konnte. Da er nur einen akustischen Sensor besaß, hatte er Probleme mit dem räumlichen Hören und konnte daher auch nicht wissen, wo der Laut verursacht worden war. Mit einem beunruhigten Murmeln setzte er seine ziemlich ziellose Reise fort.

    Er kam an einem Gebäude vorbei, in dessen unterstem Stockwerk - eine halbe Etage unter der Gasse - sich offenbar eine Kneipe befand. Licht brannte dort und gedämpfte Rufe hallten nach draußen. Zwar waren die Gefahren, die einem kleinen, unbewaffneten Droiden in einem solchen Etablissement drohten, nicht viel geringer als die auf der Straße, aber Asix war gesellig und fühlte sich zwischen lebenden Wesen deutlich wohler als alleine hier draußen. Er entschied sich also dazu, dieser Kneipe einen Besuch abzustatten. Die Stufen, die nach unten führten, waren ein Hindernis für ihn, aber kein unüberwindbares. Polternd rollte er hinunter, wobei er allerdings Gefahr lief, dass er stürzte oder dass durch die Erschütterung sich ein Bauteil in seinem Inneren löste - leider hatten seine Konstrukteure auf die Haltbarkeit weniger Wert gelegt als bei anderen, kostspieligeren Baureihen. Zum Glück kam er heil unten an. Die Tür bremste seinen Schwung teilweise, gab dann nach und schwang nach innen auf. Eine Reihe von Gesichtern - die meisten männlich und entweder menschlich oder fondorianisch, also sehr menschenähnlich - wandten sich zu ihm um. Zur Begrüßung stieß der kleine Astromech eine Folge von höheren und tieferen Pfeiftönen aus. Die meisten Kneipengäste verloren sofort das Interesse und wandten sich wieder ihren Gläsern oder Spielkarten zu, als sie erkannten womit sie es zu tun hatten.


    »Wem gehört der?« fragte laut eine der wenigen weiblichen Personen in dem niedrigen, schlecht ausgeleuchteten Raum, eine dicke, kahlköpfige Fondorianerin, die auf der anderen Seite der Theke stand und demzufolge entweder die Besitzerin oder eine Mitarbeiterin des unsympathischen Betriebes sein musste. Die anderen, die überwiegend den Anschein von einfachen Arbeitern und Bewohnern dieses Viertels erweckten, antworteten nicht.

    »Ich frag nochmal: Wem gehört der Droide da?« wiederholte die resolute Frau noch lauter. Ein paar zuckten mit den Schultern.

    »Wenn ihn keiner will, nehm' ich ihn«, antwortete ein graubärtiger Mensch und erntete dafür ein lahmes Lachen von zwei oder drei Gästen sowie ein protestierendes Pfeifen von Asix, der es nicht als erstrebenswert erachtete, zum Besitz einer solchen Person zu werden.

    »Kommt dein Besitzer noch?« fragte die Matrone.

    A6 antwortete mit einem Laut, den sie ganz richtig als Verneinung erkannte.


    »Suchst du irgendwas? Oder hast du was auszurichten?«

    Abermals verneinte er, und damit schienen der Wirtin die Ideen auszugehen.

    »Was willst du dann hier?« fragte sie etwas ratlos.

    Pflichtbewusst antwortete der R5-Droide mit einer kurzen Sequenz seiner effizienten Sprache. Binnen drei Sekunden schilderte er, dass er mit einem Schiff im Hafen gelandet war und nun auf eine Gelegenheit zur Weiterreise wartete; an der Kneipe war er nur zufällig vorbeigekommen und wollte hier eine Weile die Zeit totschlagen. Ihm war allerdings sehr bewusst, dass die Fondorianerin ihn vermutlich nicht verstand. Die meisten biologischen Lebewesen beherrschten seine (fälschlicherweise als ›binär‹" bezeichnete) Kommunikationsform nicht. Obwohl der Galactic Basic Standard und ihre anderen Sprachen seiner Erfahrung und Einschätzung nach wesentlich umständlicher und unpraktischer waren und sie viel Zeit und Rechnerleistung sparen könnten, wenn sie sich umstellen würden. Da das aber nicht der Fall war, griff er zu einer ›Sprache‹, welche die meisten Wesen in der zivilisierten Galaxis - biologische allerdings häufiger als mechanische - verstanden und akzeptierten: Geld. Er fuhr seinen Greifarm aus, zog einen Chip über eine kleine Creditsumme aus einem seiner Aufbewahrungsfächer und legte ihn auf den Tresen.

    »Na gut, du kannst bleiben. Aber mach keinen Ärger«, sagte die Glatzköpfige mürrisch und wandte sich ab, um den Bestellungen ihrer Kunden nachzukommen.

    R5-A6 rollte in eine Ecke und verharrte dort eine Weile im Schatten. Die anderen Gäste beachteten ihn kaum, er jedoch beobachtete sie eine Weile. Viele ihrer Verhaltensweisen verstand er nicht: Sie waren in stärkerem Maße als seine von Emotionen sowie lokalen Bräuchen geprägt. Hätte man ihn vor zwei oder drei Jahren gefragt (und hätte es damals schon in seinen Möglichkeiten gelegen, überhaupt richtig über die Frage nachzudenken), so hätte er geurteilt, dass die biologischen Lebewesen den größten Teil ihrer Zeit verschwendeten. Während man Seinesgleichen nach der Konstruktion einfach die passenden Programme aufspielte, was höchstens ein paar Stunden dauerte, nahm ihre Erziehung und Reifung Jahre in Anspruch, wobei die meisten Informationen, die sie dabei absorbierten (und oft sofort wieder vergaßen), zu nichts nütze waren und sie nicht voran brachten. Bis sie schließlich fertig ›programmiert‹ waren, hatten sie meist schon ein Alter erreicht, in dem ihre Arbeitsleistung schon wieder sank. Und manche erreichten diesen Status nie.

    Ja, vor drei Jahren wäre wohl das seine Antwort gewesen. Geringschätzig, obwohl er damals noch gar nicht in der Lage gewesen wäre, jemanden oder etwas gering zu schätzen. Heute hatte der Droide eine andere Meinung dazu. Denn er hatte mittlerweile begriffen, dass es diese Vielzahl von zu verarbeitenden Informationen, die langsame, mühsame Entwicklung waren, die jeden von ihnen zu etwas Besonderem machten, zu einem Individuum. Ein Prozess, der bei ihm noch in vollem Gange war. Insofern war er schon seit Längerem der Ansicht, dass er von den Biologischen viel lernen konnte, auch über sich selbst. Und auch wenn er ihre Aktivitäten nur teilweise verstand, so half ihm doch die stetige Beobachtung und Reflexion, seine eigene Persönlichkeitsentwicklung voranzutreiben.

    Noch dachte Asix beileibe nicht in menschlichen Bahnen. Und das strebte er auch gar nicht an. Denn eigentlich war er sehr zufrieden mit dem, was er war: Ein Astromechdroide der Firma Industrial Automaton. Nunja, es wäre ihm recht gewesen, einer anderen Serie anzugehören: R2, R6 oder R7 im Idealfall, denn diese waren hochwertiger konstruiert als er und neigten weniger zu Störungen. Aber den absurden Traum, Menschen oder anderen organischen Kreaturen ähnlich zu werden, hatte er nicht. Seine Wünsche waren bescheidener. Letztlich ging es um nicht mehr und nicht weniger als seinen Lebensunterhalt. Hier jedoch, in dieser Kneipe und überhaupt im ganzen Viertel, gab es definitiv nichts für ihn zu tun. Im Raumhafen wäre das anders gewesen: Seine Fähigkeit, Sternenschiffe und andere Fahrzeuge zu programmieren und zu reparieren, hätte man dort sicherlich zu schätzen gewusst. Leider aber war man es nicht gewohnt, einen Droiden für seine Tätigkeit zu entlohnen. Dass er sich nicht einmal darauf verlassen konnte, im Gegenzug regelmäßig aufgeladen und gewartet zu werden, hatte er bereits erfahren müssen. Aber dank des Beispiels, das sein letzter Besitzer ihm gegeben hatte, hatten sich ihm andere Wege eröffnet, sein Einkommen sicherzustellen.

    Die letzte Arbeit war die Verfolgung einer Twi'lek gewesen, die aus der Sklaverei eines Hutten entkommen war. Soweit Asix wusste, hatte sie sich nichts zuschulden kommen lassen, hatte nicht gemordet, nichts gestohlen und verfügte nicht einmal über Insiderwissen, das ihrem ehemaligen Herrn gefährlich werden konnte. Allein die Tatsache, dass sie es gewagt hatte zu fliehen, hatte ihn so erbost, dass er ein nicht unbeträchtliches Kopfgeld auf sie ausgesetzt hatte. Tot oder lebendig. Ein sehr fragwürdiger Job, den einige Kopfgeldjäger schon aus Gewissensgründen nicht angenommen hätten. Aber der Droide plagte sich mit solchen Fragen nicht. Eine Aufgabe war so gut wie die andere, und er hätte mangels moralischer Vorstellungen keinerlei Bedenken gehabt, sie zu eliminieren oder (was für sie mutmaßlich schlimmer war) in die Sklaverei zurück zu bringen. Nur leider war sie ihm entwischt. Nach langer Suche hatte er ihre Fährte im Abregado-System verloren. Also keine Prämie, nur Spesen. Zum Glück war er nicht mit seinem eigenen Schiff unterwegs; das ersparte ihm wenigstens die hohen Treibstoffkosten. Der Jäger stand noch immer auf Kinyen. Eigentlich befand sich R5-A6 auf dem Rückweg dorthin, um den N-1 abzuholen. Aber gezwungenermaßen legte er auf Fondor einen Zwischenstop ein. Mindestens einen Tag musste er noch warten, bis ein geeignetes Schiff in die passende Richtung flog - falls es ihm gelang, unbemerkt an Bord zu kommen. Wenn nicht, konnte es auch länger dauern.

    Mitternacht war lange vorbei, als er ein Signal empfing. Natürlich empfing er ständig eine ganze Menge von Signalen, dieses jedoch war für ihn bestimmt; ein Kommunikationsversuch von einem seiner Kontaktleute. Er hatte nicht viele davon, doch der, welcher ihn nun zu erreichen versuchte, war einer der nützlichsten.

    Asix sah sich im Raum um, ob er beobachtet wurde. Das war offenbar nicht der Fall: Man nahm von ihm nicht mehr Notiz als von einem Einrichtungsgegenstand. Also wagte er es, den Anruf entgegenzunehmen. Dabei fragte er sich, wieso man seine Breitbandantenne nicht unmittelbar mit dem Droidengehirn gekoppelt hatte: Es wäre so leicht gewesen, ihn so zu konstruieren, dass er die empfangenen Sendungen ›geistig‹ entschlüsselte und auf demselben Weg die Antwort formulierte. Stattdessen musste er den umständlichen Weg vom Empfänger über den Holoprojektor und die optischen und akustischen Sensoren gehen, um sich mit Borosh Vaaz zu verständigen. Er gab die Nachricht frei und vor ihm schwebte das kleine, schimmernde Abbild des Krevaaki dicht über den Kunststoffpaneelen des Kneipenbodens.


    »Ah Asix. Endlich. Du bist schwer zu erreichen«, begann Vaaz auf Basic das Gespräch. »Du hältst dich derzeit also auf Fondor auf?«

    Der R5-Astromech pfiff bestätigend. Auch der Krevaaki verstand seine Sprache nicht wirklich, aber meistens gelang es Asix doch, sich ihm verständlich zu machen.

    »Wie läuft es mit dem aktuellen Job? Hast du die Schlampe?« fragte er weiter. Als der Droide mit einem bedauernden Quietschen antwortete, fuhr er fort: »Bedauerlich. Kommt aber auch bei den Besten vor.«

    Diese Bemerkung sollte wohl trösten, bewirkte bei dem Astromech aber nichts dergleichen. Er wusste, dass er seine Fähigkeiten sinnvoll eingesetzt und die zur Verfügung stehenden Daten in bestmöglicher Weise ausgewertet hatte. Das Scheitern störte ihn nicht auf einer emotionalen Ebene, nur war es schade um die Credits, die Tossa der Hutte ausgesetzt hatte.

    »Ich habe aber schon etwas Neues für dich«, ließ Vaas ihn wissen. »Scheint um eine gezielte Ausschaltung zu gehen, und zwar ganz in deiner Nähe - deshalb dachte ich zuerst an dich. Bist du interessiert?«

    Das bejate R5-A6 mit einem erregten Trällern. Er brauchte das Geld und freute sich über die unerwartete Verdienstmöglichkeit. Ob der Auftrag ihm die Option ließ, das Zielobjekt ›tot oder lebendig‹ zu ergreifen, oder ob der Auftraggeber diese Entscheidung wie in diesem Fall schon vorweg nahm, spielte für ihn keine große Rolle.

    »Das freut mich. Aber ich fürchte, bevor ich dir die Informationen geben kann, muss ich auf einen kleinen Obolus bestehen. - Nur die Ruhe, ja? Ich muss auch an mich selbst denken. Das ist jetzt schon das zweite Mal, dass ich dir gute Tips gebe und dann nichts für mich dabei herausspringt, weil du die Spur verlierst oder dir jemand die Zielperson vor der Nase wegschnappt. Also ändern wir unsere Vereinbarung und du bezahlst mir ein Drittel meines Anteils im Voraus. Das ist fair, da kannst du sagen was du willst.«

    Tatsächlich konnte selbst eine heftige, misstönende Schimpftirade des R5-Droiden den Informanten nicht umstimmen. So blieb A6 nichts anderes übrig, als schließlich in die geänderten, weniger vorteilhaften Bedingungen einzuwilligen. Die Verbindung brach ab und er verließ misslaunig die Kneipe. Während des mühsamen Weges die Stufen hinauf (Körper nach hinten kippen, mittleren Fuß auf der nächsten Stufe ausfahren, den Körper hochstemmen, die seitlichen Beine nachziehen, Fuß wieder einfahren und das Ganze von vorne... ein langwieriger Prozess!) trötete er die ganze Zeit über mürrisch vor sich hin.

    Von einem öffentlichen Computer im Terminal des Raumhafens aus überwies er den geforderten Betrag an Borosh Vaas. Es war keine große Summe, aber doch ein nicht unbeträchtlicher Teil dessen, was Asix noch besaß. Wenn der neue Auftrag nicht lohnend war, musste er damit rechnen, bald finanzielle Probleme zu bekommen und sich seine nächste Ladung Schmieröl mit Diebstählen oder anderen riskanten Geschäften verdienen zu müssen. Doch die Informationen, die der Krevaaki ihm kurze Zeit später überspielte, waren recht vielversprechend. Es handelte sich um eine grobe Beschreibung des Auftrags. Wie Vaas gesagt hatte, sollten mehrere Personen möglichst unauffällig und ohne Verbindung zum Auftraggeber eliminiert werden. Wer die Ziele waren, stand allerdings noch nicht darin; das musste man bei einer Kontaktperson erfragen, die auf Thyferra anzutreffen war.

    Die wenigen vorhandenen Daten legten nahe, dass die Zielpersonen sich wahrscheinlich ebenfalls auf Thyferra oder in der Nähe aufhielten. Asix gefiel die Vorstellung, zur Abwechslung einem Ziel nachzujagen, das nicht durch die halbe Galaxis floh. Er errechnete, dass ein solcher Auftrag eine höhere Erfolgswahrscheinlichkeit bei geringerem Aufwand mit sich brachte als sein letzter. Ohne zu zögern änderte er seine Pläne. Erneut stöpselte er seinen Anschlussstecker in den Computer ein und rief die Flugpläne aller interstellar reisenden Schiffe für die nächsten Tage auf. Sein neues Ziel war Thyferra. Und das lag glücklicherweise nicht nur in der Nähe, sondern auch auf dem Weg nach Kinyen, wo sein Jäger wartete. Besser konnte er es eigentlich nicht treffen.


    [Fondor-System | Fondor | Oridin | Raumhafen | Terminal] R5-A6
     
  3. Asix

    Asix R5-A6

    [Fondor-System | Fondor | Oridin | Raumhafen | Terminal] R5-A6

    Durch seine Entscheidung, einen Zwischenstop auf Thyferra einzulegen, wurde Asix' Aufenthalt auf Fondor nicht weiter verlängert. Dasselbe Schiff, das er für seine Weiterreise Richtung Kinyen ins ›Auge‹ gefasst hatte (ein alter und ziemlich langsamer interstellarer Frachter) flog auch diese Welt an. Er musste an diesem Teil seiner Pläne also keine Änderungen vornehmen, sondern das Schiff nur früher verlassen, wenn er den neuen Auftrag annehmen wollte. Kurz überlegte er auch, ob er nicht zuerst das Kinyen-System anfliegen und dann mit seinem eigenen Jäger nach Thyferra fliegen sollte, um dort flexibler zu sein. Aber schon eine oberflächliche Recherche ergab, dass der Raum über diesem bedeutenden Planeten wahrscheinlich zu gründlich kontrolliert wurde. Der Droide wollte nicht riskieren, in eine Kontrolle zu geraten und durch das Fehlen eines lebenden Piloten Aufmerksamkeit zu erregen. Die Reise mit dem Frachter war sicherlich unauffälliger.

    Ebenso wie Fondor, war auch Thyferra eine überaus wichtige Welt für das Imperium. Allerdings aus anderen Gründen. Während sich an Asix' derzeitigem Aufenthaltsort eine der größten Produktions- und Reparaturanlagen für Kriegsschiffe befand, ein Eckpfeiler der imperialen Rüstungsbestrebungen, produzierte sein neues Reiseziel den größten Teil des galaktischen Bestandes an Bacta. Diese Substanz an sich war für den Astromechdroiden wenig interessant, da es auf ihn keine Wirkung hatte, deshalb schenkte er diesem Umstand weniger Aufmerksamkeit, als viele organische Wesen es getan hätten. Er interessierte sich nur insoweit dafür, wie es Einfluss auf seine Arbeit hatte. Da das kostbare Medikament in der gesamten Galaxis nachgefragt wurde, war Thyferra nicht uninteressant für Diebe und Schmuggler. Zudem war es strategisch überaus relevant. Obwohl der Planet nur relativ dünn besiedelt und der größte Teil seiner Oberfläche mit wilder Vegetation überwuchert war, musste der Astromech mit einer beachtlichen imperialen Präsenz rechnen. Es war angebracht, alle Aktivitäten gründlich zu verbergen.

    Dies galt auch schon für den Hinflug. R5-A6 hatte nicht vor, für seine Passage zu bezahlen. Man hätte ihm vermutlich auch kein Ticket verkauft, denn Droiden wurden allgemein nicht als eigenständige Wesen anerkannt und man schloss keine Geschäfte mit ihnen ab. Aber dank seines unauffälligen Erscheinungsbildes gab es auch andere Möglichkeiten. Die Wartezeit bis zum Abflug des Frachters nutzte er, um diesen möglichst genau in Augenschein zu nehmen. Zu diesem Zweck drückte er sich an dem Landefeld herum, auf dem das massige Raumfahrzeug sich niedergelassen hatte. Verstecken musste er sich nicht: Solange er immer geschäftig umherfuhr und so tat als hätte er eine klare Aufgabe, der er einfrig nachkam, nahm niemand Notiz von ihm. Er nahm positiv zur Kenntnis, dass im Lauf der Stunden mehrere Astromechs das Frachtschiff verließen oder wieder an Bord gingen. Mindestens fünf verschiedene Droiden dieser Baureihen mussten Teil der Bordausrüstung sein.

    Asix sah keine anderen R5-Modelle. Aber seiner Erfahrung nach machte das kaum einen Unterschied. Ob es sich bei der nützlichen, ansonsten aber bedeutungslosen Maschine, die gerade an ihnen vorbeigerollt war, um einen Droiden der Serie R2, R4 oder R6 handelte, bemerkten die meisten Organischen überhaupt nicht. R5-A6 hatte keine äußerlichen Modifikationen, er war nicht in auffällig schlechtem oder gutem Zustand und auch seine Farbgebung - überwiegend weiß mit blauen und grünen Details - war keineswegs so ungewöhnlich für einen Astromechdroiden, dass jemand Anstoß daran nehmen konnte. Bei einem Sternenschiff dieser Größe gab es aller Wahrscheinlichkeit nach nur eine Handvoll Leute, die alle Droiden genau genug kannten, um sie zu unterscheiden und eine Abweichung zu bemerken.

    Allerdings konnte es passieren, dass man sie zählte. Die größte Gefahr einer Entdeckung bestand dann, wenn mehr Droiden an Bord gingen, als von Bord gegangen waren. Diese Zahl galt es zu korrigieren. Schon dreien war Asix gefolgt, auf der Suche nach einer Möglichkeit, ihre Rückkehr auf den Frachter zu verhindern; er hatte jedoch keine gefunden. Erst beim vierten, einem gelb und schwarz gemusterten A4-Modell, bot sich ihm eine Gelegenheit. Der Droide hatte offenbar eine Besorgung zu erledigen und entfernte sich dazu weiter vom Schiff. Ohne zu bemerken, dass A6 in einigem Abstand hinter ihm her fuhr, bewegte er sich zu einer Reihe von kleineren Wartungshangars. Er steuerte aber nicht eines der Tore, sondern die schmale Lücke zwischen einem Hangar und dem daneben befindlichen Terminalgebäude an, höchstens anderthalb Meter war sie breit. Asix fragte sich, welche Aufgabe den Gelbschwarzen wohl dorthin führen könnte, und da er keine Antwort darauf fand, beschloss er, vorsichtig vorzugehen. An der Ecke des schmalen Durchgangs angekommen, lugte er vorsichtig hinein. Es war ziemlich dunkel, doch mit Hilfe seines Infrarotsensors konnte er deutlich die Silhouette des A4 sowie die eines Humanoiden erkennen. Eine kurze Unterredung aus menschlichen Worten und Droidentönen konnte er nur teilweise verstehen. Dann beobachtete er, wie der Astromech eine Klappe an seinem hohen, kegelförmigen Kopfteil öffnete und der Mensch hinein griff, um etwas herauszunehmen. Asix verstand, dass er gerade Zeuge einer geheimen, vermutlich illegalen Übergabe wurde. Offenbar hatte er es entweder mit einem anderen Droiden zu tun, der ebenso wie er zu eigenem Handeln in der Lage war und sich jenseits der Gesetze betätigte, oder - was wahrscheinlicher war - sein Besitzer instrumentalisierte ihn für Schmuggel oder einen ähnlichen Nebenerwerb. R5-A6 nahm keinen Anstoß daran, erkannte aber durchaus die Ironie darin. Nachdem der Humanoide hatte was er wollte, wandte er sich rasch ab und verschwand am anderen Ende der schmalen Passage um die Ecke, während der Droide umkehrte und seinen Weg zurück fuhr. Asix stellte sich ihm in den Weg.

    Die verständliche Reaktion der A4-Einheit bestand in dem Versuch, dem entgegenkommenden Droiden auszuweichen. Doch zweimal vereitelte A6 dieses Bemühen. Nun stieß der Schwarzgelbe ein ungeduldiges Zwitschern aus, mit dem er ihn aufforderte, den Weg freizumachen. Zuerst gab Asix scheinbar nach und wich aus, doch gerade als der A4 an ihm vorbei wollte, rempelte er diesen heftig von der Seite an und drückte ihn so gegen die Wand des Terminalgebäudes. Er war eingeklemmt und konnte nicht weiter und, was das Wichtigste war, er konnte den Angreifer nur schlecht mit seinen Werkzeugarmen erreichen. Das kam ihm bisher jedoch auch gar nicht in den Sinn: Offenbar war der fremde Astromech sich gar nicht im Klaren darüber, dass es sich um einen böswilligen Angriff handelte. So beschränkte sich seine Gegenwehr auf ein Rütteln seines tonnenförmigen Körpers und ein erbostes Aufkreischen. Arfive-Asix verlor keine Zeit und gab seinem Opfer überhaupt nicht die Gelegenheit, die Situation noch einmal zu überdenken. Er fuhr sein tödlichstes Werkzeug aus, eine kleine Kreissäge an einem beweglichen Arm. Das rotierende Sägeblatt war hart und scharf genug, um die Außenhülle des A4 zu durchschneiden. Nun erkannte dieser zwar was ihm blühte und fuhr seinerseits sämtliche Werkzeuge aus, um sich zu verteidigen, doch es war zu spät. Der Angreifer hatte sein rechtes Bein zur Hälfte durchtrennt und dabei Hydraulik-, Daten- und Energieleitungen gekappt. Der Schwarzgelbe verlor die Kontrolle über seine Gliedmaße, und als Asix zurückwich um ihn aus der Umklammerung zu lösen, stürzte er auf die Seite. Am Boden liegend war er ziemlich wehrlos und konnte nicht verhindern, dass dieser die Waffe erneut einsetzte. Der zweite Schnitt drang direkt in den kegelförmigen Kopf und fraß sich tief in das elektronische Innenleben, bis er das Droidengehirn erreichte. Die schrillen Pfiffe verstummten und der A4 stellte alle Aktivitäten ein. Er war irreparabel kaputt.

    Es verursachte Asix nicht die geringsten Gewissensbisse, dass er einen Artgenossen ›ermordet‹ hatte. Erstens hatte er generell kaum moralische Grundsätze, zweitens teilte er die Ansicht der organischen Wesen, dass ein Droide ohne eigene Persönlichkeit nichts weiter als ein Werkzeug war. Es war für die Erreichung seiner Ziele notwendig gewesen, diese A4-Einheit auszuschalten; nun konnte er problemlos deren Platz einnehmen. In der schmalen Passage würde man ihre Überreste seinen Berechnungen nach wahrscheinlich nicht vor dem Start des Frachters finden, sofern man nicht absichtlich danach suchte.

    Ohne sich weiter um das Droidenwrack zu kümmern, fuhr der Kopfgeldjäger zum Landeplatz des Frachters zurück. Er entdeckte keinen Hinweis darauf, dass jemand den zerstörten A4 vermisste. Als der Zeitpunkt des Starts näherrückte, steuerte der Kopfgeldjäger in aller Ruhe und Selbstverständlichkeit auf die Frachtrampe zu. Obwohl er dabei mehrere Personen passierte, die vermutlich zur Besatzung des Schiffes gehörten, hielt niemand ihn auf, als er an Bord ging. Ganz wie er es vorhergesehen hatte.

    Asix suchte sich zuerst einen Computerzugang, um herauszufinden, wo die Droiden während des Fluges aufbewahrt wurden. Anhand des Lageplans fuhr er zu einer Kammer, in welcher bereits eine ganze Reihe von Modellen - insgesamt fünf Astromechs der Typen R3, 4 und 6, eine DUM-Einheit und zwei Energiedroiden - auf Anweisungen warteten. Im Gegensatz zu den Organischen nahmen die Droiden sehr wohl zur Kenntnis, dass er ein Fremder war. Doch seine Erklärung, dass die R4-Einheit wegen einer irreparablen Beschädigung zurückgelassen werden musste und er als Ersatz an Bord genommen worden war, akzeptierten sie und zeigten dabei keine emotionale Reaktion. Offenbar waren ihre Speicher in der Vergangenheit regelmäßig gelöscht worden und ihre Kreativitätsdämpfer funktionierten einwandfrei. Abgesehen von der äußerlichen Ähnlichkeit hatten sie also nichts mit R5-A6 gemeinsam.

    Er stellte sich in eine der Nischen. Während ein GNK bereitwillig seine Energiezellen auflud, stöpselte er seinen Datenverbindungsarm in die vorgesehene Buchse ein. So konnte er auch Befehle empfangen, die von der Brücke oder einer anderen Station an die Droiden geschickt wurden. Um seine Tarnung aufrecht zu erhalten, wollte er die normalen Arbeiten eines Astromech erledigen; wahrscheinlich bemerkten die biologischen Besatzungsmitglieder auf diese Weise gar nicht, dass einer fehlte. Zwei Tage musste er die von ihm selbst geschaffene Lücke ausfüllen, dann sollten sie planmäßig Thyferra erreichen.


    [Fondor-System | Fondor | Oridin | Raumhafen | Frachter ›Five Moons‹ | Droidenkammer] R5-A6
     
    Zuletzt bearbeitet: 26. Juni 2013

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