Prefsbelt IV

[ Äußerer Rand | Prefsbelt-Sektor | Prefsbelt IV | Blue One | vor dem Gouverneurspalast | Gleiter ] - Aren Vayliuar, Theranos Zesh


Theranos folgte dem Moff mit ruhiger, gleichmäßiger Bewegung aus der Limousine, während sich der Klang der jubelnden Menge noch einmal deutlich erhob. Theranos tat es dem Moff gleich und winkte nun ebenso den Massen zu und lies sich für das ein oder andere Bild ablichten.

Der Aufstieg über die ersten breiten Stufen vollzog sich in einem ruhigen Rhythmus, begleitet von der Präsenz der aufgereihten Einheiten, deren Haltung keinen Zweifel an Disziplin und Kontrolle ließ. Während sich die ersten Plateaus noch offen und zugänglich präsentierten und erst weiter oben die sichtbare Trennung begann, wo Wachen ihre Positionen bezogen hatten und den Übergang in den oberen Bereich klar definierten, ohne dass Worte nötig gewesen wären.

Theranos ließ den Blick für einen Moment über diese Struktur gleiten, nicht prüfend, sondern in jener stillen Selbstverständlichkeit, mit der er diesen Ort inzwischen wahrnahm, während sich in ihm eine ruhige Zufriedenheit zeigte, da sich Ordnung und Wirkung hier in einer Weise verbanden, die sich nicht aufdrängte, sondern aus sich selbst heraus bestand.


„Der öffentliche Bereich endet auf den ersten Ebenen“, sagte er in ruhigem Ton, während sie die nächste Stufe erreichten und sich der Eingang des Palastes unmittelbar vor ihnen öffnete, „darüber hinaus beginnt der gesicherte Abschnitt. Hier können Bürgerinnen und Bürger nur mit Termin oder mit zugelassener Kennung die Wachen passieren.“

Auf die letzten Metern stand noch ein Spalier der Garde des Gouverneurs, die eine Kolonne bildete und mit respektablen Abstand folgte, nachdem Theranos und Aren sie passiert hatten.

Mit dem Überschreiten der Schwelle in den Palast, veränderte sich die Atmosphäre spürbar, der Klang der Außenwelt fiel zurück und wurde durch ein gedämpftes, kontrolliertes Raumgefühl ersetzt, in dem jede Bewegung klar hörbar blieb, ohne laut zu wirken.
Während sich vor ihnen die große
Säulenhalle öffnete, deren Dimensionen sich erst nach wenigen Schritten vollständig erfassen ließen.
Hohe, graublaue Marmorsäulen trugen die Struktur des Raumes, während sich das Licht in klaren Linien über die Flächen legte und sich auf dem polierten Boden spiegelte. Im Zentrum die Verwaltungsbereiche lagen, in denen Beamte ruhig und strukturiert ihrer Arbeit nachgingen, begleitet von geordneten Wartesituationen, Holo-Terminals und den leisen Stimmen jener, die ihre Anliegen vorbrachten.

Theranos verlangsamte seinen Schritt leicht, ohne stehen zu bleiben, und ließ dem Moff Zeit, diesen ersten Eindruck aufzunehmen.


„Das ist das Herz des Palastes“, erklärte er ruhig, „hier laufen sämtliche Anträge, Anfragen und Verfahren sowie Registrierungen und Verwaltungsprozesse zusammen.“

Sein Blick glitt kurz über die zentralen Schalter hinweg, hinter denen die verschiedenen Abteilungen angesiedelt waren, bevor er sich leicht nach links wandte.

„Im linken Flügel befinden sich die zentralen Verwaltungs- und Sicherheitsbereiche“, fuhr er fort, während sie sich ein Stück in diese Richtung bewegten, dort werden Kommunikation, innere Sicherheit und operative Abläufe koordiniert.“

Sie passierten die Ehrenhalle, deren ruhige, fast sakrale Atmosphäre sich deutlich vom restlichen Raum abhob, während die in Stein gearbeiteten Inschriften und Porträts eine stille Präsenz ausstrahlten, die keinen Kommentar benötigte.

„Ein Ort der Erinnerung und Verpflichtung“, sagte er leise, ohne den Schritt zu verlangsamen.

Der Weg führte sie weiter entlang der funktionalen Bereiche, vorbei an abgeschirmten Räumen und Korridoren, in denen sich die Struktur der Verwaltung klar erkennen ließ, bevor Theranos die Richtung änderte und sie zurück in die zentrale Halle und von dort in den rechten Flügel führte.

Mit diesem Übergang veränderte sich die Atmosphäre erneut, weicher, offener, durchzogen von Licht, Kunst und bewusst gesetzter Eleganz, während sich vor ihnen die Galerie des Imperiums erstreckte, deren gewölbte Struktur und die eingelassenen Darstellungen eine andere Form von Präsenz vermittelten, eine, die weniger funktional war und stärker auf Wirkung und Darstellung ausgerichtet.


„Der repräsentative Bereich“, erklärte Theranos ruhig, als sie die Galerie durchquerten, begleitet von leiser Musik und dem gedämpften Licht, das sich entlang der Wände zog, „Empfänge, kulturelle Veranstaltungen und offizielle Anlässe finden hier statt.“

Sie erreichten den großen Salon, dessen offene Gestaltung den Blick in mehrere Richtungen zuließ, während die Einrichtung aus dunklen Materialien, hellen Flächen und gezielten Akzenten bestand, die sich zu einem ruhigen, eleganten Gesamtbild verbanden.

Theranos ließ den Blick kurz durch den Raum gleiten, bevor er sich wieder dem Moff zuwandte.
„Der zentrale Aufenthaltsbereich für Gäste“, sagte er, „von hier aus erschließen sich die weiteren Räume.“

Er führte ihn weiter, vorbei an der Bibliothek, deren zweistöckige Struktur sich in die Höhe zog und deren ruhige Ordnung sich deutlich von der lebendigeren Atmosphäre des Salons unterschied, bevor sich schließlich der großen Fest und Ballsaal vor ihnen öffnete, dessen Dimensionen und Gestaltung sofort die Aufmerksamkeit auf sich zogen.

„Hier wird der angekündigte Ball stattfinden“, sagte er mit offensichtlicher vorfreude. "Sehen sie selbst"


Als Theranos mit dem Moff an die Schwelle des Festsaals trat, öffnete sich vor ihnen nicht einfach nur ein großer Raum, sondern eine jener Hallen, die so entschieden auf Wirkung gebaut waren, dass selbst Stille in ihnen Gewicht bekam. Der Saal lag in voller Länge vor ihnen, gewaltig, symmetrisch und von einer Größe, die sich nicht in Schritten, sondern eher im langsamen Nachvollziehen der Blickachse erfassen ließ, da sich die Reihen der blauen Säulen mit ihren goldenen Kapitellen in strenger Ordnung nach hinten zogen, Arkade um Arkade, Galerie um Galerie, bis sich alles im hellen, beinahe überirdisch wirkenden Licht am fernen Ende verlor.

Über ihnen spannten sich hohe Gewölbe, reich verziert, aber mit jener gebändigten Eleganz, die nicht protzig wirkte, sondern kultiviert, fast feierlich, als hätte man den Prunk selbst in Vorschrift gebracht. Zwischen den Ornamenten liefen warme Goldtöne über cremefarbene Flächen, während entlang der Mittelachse mehrere große Kronleuchter hingen, deren Licht sich weich im polierten Steinboden brach und dem ganzen Raum einen stillen, bernsteinfarbenen Glanz verlieh. Gerade diese Beleuchtung gab dem Saal etwas Erhabenes; sie machte ihn nicht heller, sondern tiefer, ließ die Höhe der Decke, die Breite der Flächen und die Länge der Perspektive umso deutlicher hervortreten.

Wo bei einem Ball später hunderte Gäste tanzen, flanieren und sich in Gruppen verteilen würden, lag nun vor allem Raum, weiter, offener Raum, sauber und glänzend, mit genügend freier Fläche, dass jeder Schritt beinahe zu laut erschien. Nur vereinzelt waren Arbeiter zu sehen, klein gegen das Maß der Halle, beinahe verloren zwischen Säulen und Licht, während sie an Draperien, Blumenarrangements oder den letzten Vorbereitungen für den Abend arbeiteten. Gerade diese wenigen Gestalten machten die Dimension des Saales noch sichtbarer, weil sie ihn nicht füllten, sondern nur andeuteten, wie viel größer er war als der Mensch.

Zu beiden Seiten liefen die Galerien entlang der Wände empor, elegant in die Architektur eingebunden, nicht als bloße Zuschauerränge, sondern wie zusätzliche Ebenen eines Raumes, der gleichermaßen an Oper, Palast und Zeremonienhalle erinnerte. Alles daran sprach von Repräsentation, aber nicht von lauter Selbstgefälligkeit; vielmehr von Ordnung, von kultivierter Macht, von einem Herrschaftsanspruch, der Schönheit nicht als Luxus verstand, sondern als sichtbaren Ausdruck geistiger und politischer Disziplin.

Menschenleer hätte der Saal beinahe etwas Sakrales gehabt. Selbst jetzt, mit den letzten Vorbereitungen und dem leisen Arbeiten am Rande, wirkte er nicht wie ein gewöhnlicher Festort, sondern wie ein Raum, der Erinnerung schaffen sollte. Ein Saal, in dem Empfänge nicht nur stattfanden, sondern inszeniert wurden; in dem ein Gouverneur nicht einfach Gäste bewirtete, sondern seinem Planeten, seinem Stil und seinem Verständnis von imperialer Würde eine Form gab, die man nicht so schnell wieder vergaß.

Theranos blickte lächelnd zu Moff Vayliuar.
"Prächtig nicht war?" sagte er bevor er ihn zurück, zur zentrale Achse des Gebäudes führte.

Dort angekommen nahm Theranos seinen Codzylinder der ihnen den Zugang zum Lift zu den oberen Ebenen ermöglichte.

Die Fahrt nach oben verlief ruhig, nahezu lautlos, bis sich die Türen schließlich öffneten und den Zugang zu dem obersten Bereich freigaben.

Der Hauptflur, der sich vor ihnen erstreckte, war deutlich ruhiger gestaltet, das Licht gedämpfter und die Materialien wärmer. Entlang der Wände befanden sich vielerlei Kunstwerke und Büsten, die dem Raum eine fast meditative Qualität verliehen, während sich die Wege von hier aus in mehrere Richtungen verzweigten.


„Dies ist der private Bereich des Palastes“, sagte Theranos ruhig, während er den Gang entlangging, „Gouverneursresidenz und Gästebereich.“

Er führte den Moff in den westlichen Bereich, wo sich die Gästesuiten befanden, die in jeder Hinsicht einen hohen Anspruch an Qualität, Optik und Komfort erkennen ließen, während sich die Räume klar strukturierten und dennoch fließend ineinander übergingen.

Schließlich blieb Theranos vor einer großen Tür stehen, die das Wappen des Prefsbelt Sektors zierte, und öffnete diese.



"So werter Moff, dies wird Ihre Residenz sein solange sie bei uns weilen."
Theranos führte dann dem Moff durch die Suite, die weniger an ein Gästequartier erinnerte als an eine eigenständige Residenz innerhalb des Palastes, getragen von jener Mischung aus imperialer Klarheit und bewusst gesetzter Eleganz, die sich durch jeden Bereich zog.

Der erste Eindruck wurde von einem weitläufigen Empfangsraum bestimmt, dessen hohe Decke von dezenten, goldenen Linien durchzogen war, während großflächige Wandpaneele in tiefem Blau und warmen Elfenbeintönen miteinander spielten und halbtransparente Vorhänge aus feiner Gewebefaser das Licht weich filterten, sodass der Raum in einem ruhigen, gleichmäßigen Glanz lag, der weder blendete noch abdunkelte, sondern eine angenehme Balance hielt.

Daran anschließend öffnete sich ein großzügiger Loungebereich, in dem mehrere tief gehaltene Sitzgruppen um niedrige Marmortische angeordnet waren, deren Oberflächen das einfallende Licht in feinen Reflexen aufnahmen, während sich an einer Seite eine Bar aus dunklem Duraglas anschloss, deren klare Linien durch eingelassene Lichtstreifen betont wurden und die mit wenigen, sorgfältig ausgewählten Elementen eine zurückhaltende Form von Luxus vermittelte. Ein eingelassener Holo-Kamin an der gegenüberliegenden Wand erzeugte ein ruhige, und angenehme fließende Lichtbewegungen, die dem Raum eine zusätzliche Tiefe verliehen.

Seitlich davon öffnete sich ein Arbeitsbereich, der sich bewusst klarer und strukturierter präsentierte, ohne dabei an Eleganz zu verlieren, während ein langer Schreibtisch aus poliertem, dunklem Stein sich bis zur Fensterfront erstreckte und dort in eine breite Ablage überging, die den Blick nach draußen freigab. Mehrere Holoprojektoren und Kommunikationsstationen waren in die Oberfläche integriert worden um eine unmittelbare Verbindung zu den verschiedenen Ebenen der Verwaltung ermöglichten wenn gewünscht.

Eine kleinere Bibliothek schloss sich daran an, deren Regale in die Wände eingelassen waren und sowohl klassische Werke als auch aktuelle Datenarchive bereithielten, während ein separater, etwas abgeschirmter Raum als Tee- und Gesprächszimmer diente, ausgestattet mit niedrigen Tischen, fein gearbeiteten Sitzmöbeln und einer ruhigeren Lichtführung, die bewusst auf Entschleunigung ausgelegt war.

Weiter im Inneren der Suite öffnete sich der private Wohnbereich, der sich in seiner Gestaltung weicher und persönlicher zeigte, während sich das Schlafzimmer als zentraler Rückzugsort präsentierte, dominiert von einem großzügigen Bett, dessen Position so gewählt war, dass es den Blick in Richtung der Fenster freigab, während seitlich gesetzte Raumtrenner die angrenzenden Bereiche voneinander abgrenzten, ohne sie vollständig zu trennen.

Auf der einen Seite befand sich ein großzügiger Spa-Bereich, in dem dunkler Stein, eingelassene Lichtflächen und fließende Wasserstrukturen eine ruhige, fast meditative Atmosphäre erzeugten, ergänzt durch eine freistehende Wanne, eine weitläufige Dusche und mehrere funktionale Elemente, die sich nahtlos in die Gestaltung einfügten, während auf der anderen Seite ein Ankleidebereich lag, dessen klare Struktur und hochwertige Materialien eine ebenso funktionale wie ästhetische Ordnung vermittelten.

Die gesamte Rückseite der Suite wurde von einer durchgehenden Glasfront bestimmt, die sich zu einem weitläufigen Balkon öffnete, auf dem sich neben Sitz- und Liegebereichen auch eine eingelassene Wasserfläche befand, deren ruhige Oberfläche das Licht des Himmels und die ersten Reflexionen der Stadt einfing, des weiteren gab es eine separaten Bereich mit beheiztem Wasser zusätzlichen Komfort bot.

Von hier aus erstreckte sich der Blick über Blue One, über die geordneten Strukturen der Stadt, die sich bis zum Horizont zogen, und weiter hinaus bis zu den entfernten Linien des Nereus-Meeres, dessen silbriger Schimmer sich nur bei genauer Betrachtung vom restlichen Panorama abhob.

Theranos ließ diesen Eindruck für einen Moment wirken, bevor er sich wieder dem Moff zuwandte.


„Die Suite ist darauf ausgelegt, Euch während Eures Aufenthalts in allen belangen zufriedenzustellen, alle wesentlichen Bereiche sind integriert, sodass sowohl Arbeit als auch Rückzug und Empfang ohne Einschränkungen möglich ist und ich hoffe es fehlt Ihnen an nichts“, sagte Theranos ruhig, als sie wieder an der Tür angekommen waren.

"In etwa einer Stunde würde ich Euch wieder hier abholen, dann begeben wir uns zum Hangar und begegnen uns direkt zur Werft. Für ein Dinner auf dem Weg dorthin ist bereits gesorgt.“
Sein Blick blieb für einen Moment ruhig auf Moff Vayliuar gerichtet und wartete darauf, ob dieser noch etwas zu ergänzen hatte.


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[Äußerer Rand / Prefsbelt-Sektor / Prefsbelt IV / Unterkunft für Mitglieder des Beratungsstabs im Regierungsgebäude] - mit Dr. T'rsop und NSC
T'rsop starrte die Holokarte von Red One an. Er hatte sie sich schon sehr lange angeschaut - mit taktischen Informationen, ohne taktische Informationen, mit Hinweisen zur Infrastruktur und ohne, zusammen mit Schadensmeldungen und im Laufe der Jahrhunderte. Es war nie die Aushängestadt Prefsbelt IV. gewesen. Und nun haftete an ihr der modrige und alarmierende Geruch von Unzufriedenheit und Verrat. Hervorragende Bedingungen, um Aufstände auch in Zukunft zu gebären. Ein Ort der Märtyrer oder Verräter - wenn man ihn total verkommen lassen würde (was auf der oberflächlichen Ebene sowohl Wirtschaft als auch Ästhetik der Welt negativ treffen würde), dann würde man dieses Klima nur noch verstärken. Und würde man ihn andererseits herausputzen wie einen Preis-Varctyl in dem 'Großen Federfestival' von Utapau, würden die Bürger dort nicht offen meckern und frustriert sein - aber sie würden sich bevormundet vorkommen. Denn Red One ist seit unzähligen Generationen - selbst aus T'rsops Sicht eines Jahrhunderte lang lebenden Pau'aners - eine Mienenstadt. Und Miner und Bergbauer sind eine stolze, bodenständige und meist derbe Klasse. Das aus der Stadt herausdrängen zu wollen und mit einer anderen Art von Kultur zu ersetzen, würde Jahrhunderte dauern. Und einen Preis kosten, den der Gelehrte zum jetzigen Zeitpunkt von Welt- und galaktischer Politik nicht zu zahlen bereit war. Die Bevölkerung musste stabil bleiben, ja mehr noch: Sie musste florieren und erblühen. Nur dann würden sie langfristig eine bedeutsamere Stufe des Seins und Koexistierens erreichen.
Plötzlich sprang der Gelehrte auf und lief aufgebracht in seinem Wohnzimmer hin und her.
"Denk nach, du Idiot. Das ist doch wirklich keine schwere Aufgabe, die emotionalen Belange von Menschen in ihrer bemitleidenswerten Lebensspanne zu berücksichtigen und darauf kulturell-ästhetisch zu reagieren", rügte er sich kopfschüttelnd selbst. Er hasste es, wenn die Lösung sich nicht sofort erschloss. Und genauso sehr verachtete er Wesen, die auf dem ihnen zugedachten Posten nicht zumindest einmal das Erwartbare leisteten. Und sein Selbstanspruch an sich war, in seinen Aufgaben zu brillieren.
Nach einigen Minuten ließ er sich wieder seufzend auf sein Sofa fallen und wischte in der Holoprojektion die verschiedenen Darstellungsmodi durch.

"Minenstadt. Verräter. Historie der Arbeiter. Teilweise zerstört durch den jüngsten Aufstand. Weiterhin Teil von Prefsbelt IV. Leidet es, leidet der gesamte Planet. Minenstadt - derbe und gleichzeitig herzliche Wesen. Tunnel. Tunnel und bald eine ganz neue Tunnel- und Verkehrsanbindung..." So murmelte er vor sich hin, während er Darstellung um Darstellung durchging. Und schließlich: "Bäm! Das ist es!" Er sprang wieder auf und fuhr sich mit den Fingern durch seine tiefen Hautfurchen bevor er in die Hände klatschte. In ihm hatte eine Idee Gestalt angenommen. Eine Würdigung der Geschichte von Red One und seiner Bevölkerung mit zeitgleicher Integration in die höheren kulturellen Ebenen wie sie in der Hauptstadt gespflegt und durch Theranos gefördert wurden: Er würde ein großes Theater zwischen externen Hauptbahnhof und den kommerziellen Minenschächten errichten. Bei Bedarf könnten dort auch klassische Stücke aufgeführt werden und intellektuelle Veranstaltungen, wie die seiner Akademie Monspolis, stattfinden. Aber hauptsächlich sollten dort Spiele stattfinden, die das Leben der Miner erleichterten und deren Humor und Fragen ernst nahmen. Und natürlich - ein breites Pau'anischen Grinsen schlich sich auf sein Gesicht - könnte man dieses Gebäude wunderbar zu zwei Dritteln als Tunnel und Höhle bauen. Nach seinem eigens auf Prefsbelt etablierten Stil der 'Pau'schen Antibiose'. Zwar müsste er einige Anpassungen daran vornehmen, da dieser Stil vor allem für reiche und sehr extravagante Personen und deren Wohnpalais war... aber vom Prinzip her würde das wunderbar passen. Dieses Projekt sollte er vorantreiben.

Sein Datapad piepte.
"Wenn das jetzt wieder irgend so ein aufgeblasener Vater oder eine keifende Mutti ist, die sich über die Behandlung ihrer talentfreien Sprösslinge beschweren möchten, werde ich dafür sorgen, dass sie sich wünschen würden, im Boden zu verschwinden", murmelte T'rsop, erbost darüber, in seinem Gedankengang so rüde gestört worden zu sein. Doch als er seine Nachrichten öffnete, waren es keine sich beschwerenden Eltern. Aber etwas, was er mindestens als genauso zeitverschwendend ansah: Eine Einladung zum heutigen großen Ball im großen Festsaal. Ohne die ausgeschmückten" Einladungsfloskeln zu lesen, drückte der Berater auf 'ablehnen'. Er konnte bei Feiern erblühen - aber nicht bei so offiziellen Anlässen. Die Menschen würden ihn angaffen, sich unwohl in seiner Gegenwart fühlen und mehr oder weniger lästern, wenn er anfing, die kostbare Zeit wirklich zu genießen. Außerdem war so ein offizieller Ball eh nur Anlass, Honig ums Maul zu schmieren und höflich zu lügen, um in der Gunst dieses oder jenes Würde- und Verantwortungsträgers zu steigen. Mag sein, dass es da vielleicht - mit starker Betonung dieses Wortes - auch mal zu rhetorisch stimulierenden Intrigen und Ehrverletzungen im Mantel der Höflichkeit kam. Aber erstens hatte T'rsop keine persönlichen Fehden, die es auszukämpfen lohnte. Und zweitens wollte er das Privileg seiner feierlichen Anwesenheit nicht dadurch verwässern, dass er zu jedem offiziellen Anlass erschien. Auch wenn dieser vom Gouverneursbüro persönlich veranstaltet wurde.
So wollte er sich dann wieder seinem Projekt - oder zumindest einem seiner Projekte - widmen. Doch schon ertönte der Nachrichtenton erneut. Und diesmal war es ein Holoanruf. Von
Klaudi Merchod (NSC). Von ihr hatte er ja schon Monate nichts mehr gehört. Er ließ sich in sein Sofa fallen und aktivierte die Holo-Übertragung. "Klaudi, ich grüße dich. Und wie ich sehe, trotzt du deinem Alter erfolgreicher als viele andere", begrüßte er sie mit einem aufrichtig-warmen Lächeln. Die Frau, die in dem klassischen Holo-Blau erschien, war Ende fünfzig und hatte trotz ihres Alters noch etwas Verspieltes an sich. "T'rsop, ich grüße zurück. Und sehe, dass du trotz deines Alters kindischer bist als viele andere." Der Gelehrte gestattete sich ein humorvolles Glucksen zur Würdigung ihres rhetorischen Stoßes. "Deine Zunge schneidet tiefer als ein Laserschwert. Entweder bist du weiterhin in Übung, oder ein unverschämtes Naturtalent. Aber nun sag schon: Weshalb meldest du dich bei mir?", fragte T'rsop. Zeitgleich glitten seine Gedanken in die Vergangenheit. Klaudi war vor Jahrzehnten eine seiner Rhetorik- und Philosophiestudentinnen gewesen. Aus gutem Elternhaus - Banker, Großhändler oder so etwas in der Art - aufmüpfig, respektlos und doch verstandesgewandt. Sie war Teil dieses kleinen Klubs gewesen, 'Zirkel der Stifte'. Darin hatten sich ziemlich viele zynische oder desillusionierte Denker getroffen und debattiert. Und somit mal frischen Wind in die Akademie gebracht. Wenige Male war er selbst zu ihnen als Redner und Diskussionspartner gekommen. Er runzelte kurz die Stirn als er sich daran zu erinnern versuchte, was aus den Mitgliedern geworden war. Wenn er nicht irrte, waren die meisten gescheitert. Zynismus alleine war destruktiv - wenn man aber ein Ziel hatte und ein Sinn dafür, wie die anderen ticken, war er eine große Kraftquelle und starke Waffe. Was man gut an Klaudi sehen konnte, die Karriere im internationalen Immobiliengeschäft gemacht hatte. "Du hast vielleicht gesehen, dass heute Abend eine große Party geschmissen wird im Festsaal."
"Ja, wenn du den Ball meinst..." "Genau! Kommst du da auch hin?", fragte sie ihren alten Lehrer. Dessen Augen weiteten sich kurz: "Warum sollte ich das denn tun? Die Gesellschaft dort sind Snobs oder Hochwürden und ich bin nicht in der Stimmung für den Tanz der Höflichkeitsmasken. Außerdem habe ich Wichtigeres zu tun"
Sie wartete einen Moment, bis sie schließlich antwortete: "Soso, betrachtest du mich also als Snob und Hochwürden?" Dann seufzte sie, als sie bemerkte, dass T'rsop aus Höflichkeit schwieg. Denn sie hatte sich in den letzten Jahrzehnten trotz allem etwas verändert - wie der Pau'aner natürlich sofort festgestellt hatte. Also fuhr sie fort: "Ich muss wegen meiner Firma und zur Kundengewinnung dahin. Aber ich hätte gerne auch einen echten Gesprächspartner. Also: Kommst du mit?" T'rsop ließ das einen Moment auf sich wirken. Nur, um einer alten Freundin etwas Gesellschaft zu leisten auf einen Ball gehen? Noch war er von dem Nutzen nicht überzeugt. Er griff sein Datapad - halb bewusst, dass Klaudi das auch sehen würde. Er ging die offiziellen - und freigegebenen - Gäste durch. Ja, Legat Bayl war auch dabei. Ebenso einige wichtige Denker. Er seufzte. Dann musste er das wohl erledigen - und konnte es mit der Arbeit verbinden. Er lud noch schnell einige der besten Architekten ein und fällte schließlich seine Entscheidung.

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Prefsbelt IV | Trägerschiff im Standardorbit über dem Planeten | Besprechungsraum der Betastaffel | Kal Andrim, Reyan Vexler und der Rest der Betastaffel


Reyan saß während der Nachbesprechung ruhig auf seinem Platz, die Haltung aufrecht, die Hände locker ineinander gelegt, während sein Blick aufmerksam zwischen Captain Sunstrider und Kal hin und her wanderte. Die Zahlen, Auswertungen und taktischen Einschätzungen nahm er ohne große Mühe auf, doch was ihn mehr interessierte, war das Gesamtbild, das sich daraus ergab, denn unabhängig von einzelnen Manövern oder Treffern blieb am Ende vor allem eines hängen: Sie hatten sauber gearbeitet, sie hatten funktioniert, und sie hatten niemanden verloren.

Dass die Betastaffel dabei erneut die besten Ergebnisse geliefert hatte, überraschte ihn nicht wirklich, auch wenn er sich diese Zufriedenheit nicht offen anmerken ließ. Erst als Kal schließlich auf die Abschüsse zu sprechen kam und sein eigener Name fiel, hob Reyan den Blick.
Fünf Abschüsse bedeuteten nicht nur eine Zahl auf einem Datapad, sondern den Moment, in dem aus einem guten Piloten ein Ass wurde, und auch wenn Reyan sich bemühte, die Reaktion im Rahmen zu halten, ließ sich das leichte Grinsen nicht ganz vermeiden, das sich auf seinem Gesicht abzeichnete, als der Applaus einsetzte.
Er winkte knapp in die Runde, ließ den Blick über die anderen Piloten wandern und erwiderte Schulterklopfen und Glückwünsche mit einer Lässigkeit, die fast beiläufig wirkte, obwohl man ihm durchaus ansah, dass ihm dieser Moment etwas bedeutete.

Als Kal dann noch die Sache mit den Drinks aufgriff, zog Reyan eine Augenbraue leicht nach oben und schüttelte minimal den Kopf, während sich ein amüsiertes Lächeln hielt.
„Das entwickelt sich hier langsam zu einem ziemlich teuren Hobby Sir“, meinte er trocken in die Runde, ohne den Ton zu heben, was ihm ein paar Lacher einbrachte.

Als sich die Besprechung auflöste und die Piloten nach und nach aufstanden, verlagerte sich die Stimmung fast automatisch in Richtung Feier. Gespräche wurden lauter, Bewegungen entspannter, und irgendwo zwischen den Gruppen löste sich auch die letzte formelle Spannung, die während der Besprechung noch im Raum gelegen hatte.

Reyan blieb kurz stehen, als eine Pilotin aus der Staffel – dunkelhaarig, mit einem Blick, der irgendwo zwischen anerkennend und leicht herausfordernd lag – an ihm vorbeiging und ihm im Vorübergehen ein kurzes, schiefes Lächeln zuwarf.

Er erwiderte ihr Lächeln ganz selbstverständlich, ohne es groß hervorzuheben, und ließ seinen Blick einen Moment länger auf ihr ruhen, als es für eine flüchtige Begegnung notwendig gewesen wäre, bevor er leicht den Kopf zur Seite neigte und wieder das Gespräch mit seinen Kameraden suchte.




Am Abend verlagerte sich die Staffel geschlossen in die Offiziersmesse, und was zuvor noch kontrollierte Zufriedenheit gewesen war, wurde nun zu offener und gelassener Stimmung umgesprungen.

Stimmen erfüllten den Raum, Gläser wurden gehoben, und die Gespräche wechselten mühelos zwischen Fachsimpeleien über Flugmanöver und völlig belanglosen Themen.

Reyan stand zwischen einigen Piloten, ein Glas in der Hand, und ließ den Blick über die Szene schweifen, während er die Atmosphäre auf sich wirken ließ. Die Anspannung der letzten Einsätze war abgefallen, und für einen Moment war das hier einfach nur das, was es sein sollte: ein Abend unter Kameraden, die wussten, wie knapp es manchmal gewesen war.


„Also gut“, meinte er schließlich und hob das Glas ein Stück, „wenn ich das richtig verstanden habe, ist es heute meine Aufgabe, euch alle bei Laune zu halten.“

Ein zustimmender Ruf aus vielen Kehlen antwortete ihm, begleitet von einigen Lachern. Reyan hielt das Glas locker in der Hand, während er und die Reaktionen mit einem leichten, fast beiläufigen Schulterzucken quittierte. Immerhin hatte er auch nichts anderes erwartet.

„Ich gebe mein Bestes“, stieß er belustigt hervor, während sein Blick kurz über die Gesichter der anderen wanderte, „aber ich übernehme keine Garantie für morgen früh für keinen von Euch Bruchpiloten.“
Das Gelächter und Gejohle, das daraufhin durch die Gruppe ging, war ehrlich und ungezwungen, und für einen Moment ließ Reyan sich einfach darin treiben, ohne das Bedürfnis, noch etwas hinzufügen zu müssen, denn die Stimmung sprach für sich.

Noch bevor sich die Runde wieder vollständig auflösen konnte, trat Kal an ihn und Perlim heran und bedeutete ihnen mit einer kleinen Geste, ein Stück zur Seite zu gehen. Reyan folgte dem ohne Zögern, stellte sein Glas halb abgewandt auf eine nahe Ablage und richtete seine Aufmerksamkeit auf ihn, wobei sich seine Haltung unmerklich veränderte.

Als Kal die Einladung erwähnte, nahm er die Information auf, ließ sie gedanklich einmal durchlaufen, bevor sich das vertraute, leicht schiefe Grinsen wieder in seinem Gesicht zeigte.

Ein Ball im Gouverneurspalast war keine alltägliche Angelegenheit, und auch wenn er sich nach außen hin locker gab, war ihm sehr wohl bewusst, dass solche Einladungen selten ohne Bedeutung ausgesprochen wurden.


„Ein Ball also“, wiederholte er schließlich ruhig, fast nachdenklich, während sein Blick kurz zu Perlim glitt und dann wieder zu Kal zurückkehrte, „klingt nach einer deutlich angenehmeren Art, Eindruck zu hinterlassen.“

Er hob das Glas ein wenig an, als würde er die Situation damit fast beiläufig kommentieren, bevor er leicht mit den Schultern zuckte.

„Keine Sorge, Sir, ich krieg das hin“, fügte er hinzu, nun wieder mit diesem leichten Unterton, der irgendwo zwischen Selbstsicherheit und Charme lag. „Ich sehe in der Ausgehuniform sogar überraschend gut aus, hab ich mir sagen lassen.“

Ein Hauch von Amüsement lag in seinem Blick, doch es wirkte nicht überzogen oder gespielt, eher wie eine Selbstverständlichkeit, die er gar nicht groß erklären musste.
Der Ton blieb locker, doch es lag genug Klarheit darin, um keinen Zweifel daran zu lassen, dass er genau wusste, wann dieser Ton angebracht war und wann nicht.
“Wir werden Ihnen keine Schande machen Sir” fügte Vex noch mit einer ernsten Miene und Stimmlage hinzu um Kal zu signalisieren dass er verstanden hatte.

Als Kal das Gespräch schließlich beendete und sich wieder der restlichen Staffel zuwandte, griff Reyan sein Glas erneut auf und trat zurück in die Gruppe, die sich inzwischen wieder verteilt hatte, Gespräche aufgenommen hatte und langsam in den gewohnten Rhythmus eines Abends überging, der mehr mit Kameradschaft als mit Dienst zu tun hatte.

Er ließ den Blick noch einmal durch den Raum gleiten, nahm die Stimmen, das Lachen und die Bewegung um sich herum bewusst wahr und spürte dabei, wie sich ein Gefühl einstellte, das über bloße Zufriedenheit hinausging.



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