Agriworld-2079 | Neue Republik | Mittler Rand – M'Shinni Sektor | Kleinstadt auf der Südhalbkugel, Forschungsanlage am südlichen Stadtrand | Sedros Xyrtademus (inkognito als Darth Naver), Darel Cor (inkognito als Sith-Schüler Rel), ein Zug Death Trooper unter dem Kommando von Captain Vondar, Wissenschaftler und sonstiges Personal der Anlage (NSCs)
Darel folgte seinem Meister an dem Death Trooper vorbei und betrat wenige Schritte hinter ihm das Innere der Forschungsanlage.
Das sporadische Blasterfeuer, das er bereits vor dem Gebäude gehört hatte, wurde innerhalb der Korridore deutlicher. Einzelne Schüsse hallten durch die Anlage und wurden von den glatten Wänden auf eine Weise zurückgeworfen, die es Darel zunächst schwer machte, ihre genaue Richtung einzuschätzen. Sedros schien sich davon allerdings nicht beirren zu lassen und orientierte sich stattdessen an den Beschriftungen der einzelnen Korridore.
Darel hielt sich wie angewiesen hinter ihm.
Seine rechte Hand blieb weiterhin in der Nähe seines Lichtschwerts, während sein Blick regelmäßig zwischen seinem Meister und ihrer unmittelbaren Umgebung wechselte. Türen, Seitengänge und Kreuzungen erhielten plötzlich eine Aufmerksamkeit, die Darel ihnen unter gewöhnlichen Umständen niemals geschenkt hätte. Er wusste schließlich nicht, welche Bereiche die Death Trooper bereits vollständig gesichert hatten oder ob irgendwo jemand zurückgeblieben war, der auf die Idee kommen konnte, sich den beiden Sith entgegenzustellen.
Bislang begegneten ihnen allerdings nur jene Menschen, für die diese Möglichkeit bereits vorüber war.
Bei der ersten Leiche eines Technikers blieb Darels Blick unwillkürlich einen Moment länger hängen.
Der Mann lag noch in seinem Overall auf dem Boden des Korridors. Wenig später folgte ein Wissenschaftler in einem Kittel und schließlich weitere Tote, an denen sie auf ihrem Weg vorbeikamen. Die Death Trooper hatten sich beim Eindringen in die Anlage offensichtlich nicht lange damit aufgehalten, Gefangene zu machen.
Darel verlangsamte seinen Schritt nicht, doch so selbstverständlich wie sein Meister konnte er die Toten nicht übergehen.
Vielleicht hätte er sich vor ihrer Landung eingeredet, dass es keinen besonderen Unterschied machen würde. Er wusste schließlich, was Krieg bedeutete, hatte über Schlachten gelesen und war spätestens seit seiner Aufnahme in den Sith-Orden keineswegs mehr vollkommen von Gewalt abgeschirmt gewesen.
Trotzdem war sein bisheriges Leben ein gutes gewesen.
Darel war in Wohlstand aufgewachsen, hatte studiert, trainiert und einen beträchtlichen Teil seines Lebens in einer Umgebung verbracht, in der Sicherheit für ihn etwas Selbstverständliches gewesen war und die gefährlichsten Erfahrungen seiner bisherigen Ausbildung ließen sich nur bedingt mit dem vergleichen, was nun vor ihm lag. Auf Dxun hatten sie gegen Tiere gekämpft, auf Bastion waren seine Gegner Trainingspartner oder Droiden gewesen.
Diese Menschen hier waren vor wenigen Minuten vermutlich noch ihrer Arbeit nachgegangen und jetzt lagen sie tot in einem Korridor.
Für einen kurzen Moment störte ihn dieser Gedanke mehr, als Darel erwartet hatte. Fast unmittelbar darauf suchte sein Verstand jedoch nach jener nüchternen Einordnung, mit der er auch sonst unangenehmen Dingen begegnete.
Sie waren keine vollkommen unbeteiligten Passanten gewesen, die zufällig zwischen die Fronten geraten waren. Sie hatten in einer republikanischen Forschungsanlage gearbeitet und damit einer Regierung gedient, mit der sich das Imperium im Krieg befand. Was genau hier erforscht wurde und wie viel die einzelnen Toten damit zu tun gehabt hatten, wusste Darel nicht. Doch sie hatten sich auf republikanischem Territorium in einer Einrichtung befunden, die für das Imperium wichtig genug war, um sie zum Ziel einer militärischen Operation zu machen.
Darel wusste selbst, dass diese Erklärung die Leichen vor ihm nicht weniger tot machte. Sie genügte jedoch, um den kurzen Anflug von Unbehagen wieder dorthin zu schieben, wo er ihn im Augenblick haben wollte.
Es herrschte Krieg und sie standen auf der anderen Seite.
Sein Blick blieb noch einen Moment an einem der Toten hängen, bevor er wieder zu Sedros aufsah. Sein Meister ging weiter, als hätte es die kurze Unterbrechung überhaupt nicht gegeben.
Der Zugang zum Computerkern stellte schließlich ebenfalls kein größeres Hindernis dar. Darel trat einen Schritt zurück, als Sedros sein Lichtschwert aktivierte und die verschlossene Tür innerhalb weniger Augenblicke zerlegte. Kaum war der Weg frei, verschwand die rote Klinge wieder und Darel folgte seinem Meister in den dahinterliegenden Raum.
Sein Blick wanderte zunächst über den beinahe deckenhohen Computerkern und anschließend zu den beiden Konsolen. Von der technischen Funktionsweise verstand Darel selbst nicht genug, um hier einen sinnvollen Beitrag leisten zu können, und glücklicherweise hatten sie für genau diesen Zweck vier wesentlich besser geeignete Begleiter mitgebracht.
Sedros wies die KX-Droiden an, sich Zugang zum System zu verschaffen und sämtliche Forschungsdaten zu sichern, wobei sie zunächst überprüfen sollten, aus welchen Laboren keine aktuellen Aufzeichnungen vorhanden waren.
Darel trat etwas zur Seite, als sich die vier Droiden an ihre Arbeit machten.
Für Darel und Sedros blieb vorerst wenig anderes übrig, als abzuwarten.
Die vermeintliche Ruhe hielt allerdings nicht lange an.
Verzerrte Funksprüche drangen über die Kommunikationsverbindung zu ihnen durch. Anfangs waren es einzelne Meldungen, deren Zusammenhang Darel kaum erfassen konnte, doch schon bald wurde deutlich, dass irgendwo innerhalb oder in unmittelbarer Nähe der Anlage imperiale Soldaten fielen.
Darels Aufmerksamkeit richtete sich vollständig auf den Funkverkehr.
Dann fiel ein Wort, das dafür sorgte, dass sich seine Finger beinahe unwillkürlich näher an sein Lichtschwert bewegten.
Ein Jedi.
Die Anspannung, die Darel seit dem Betreten der Anlage begleitet hatte, veränderte sich schlagartig. Bislang hatte er jederzeit damit gerechnet, auf bewaffnete Sicherheitskräfte oder andere Verteidiger der Anlage zu treffen. Ein Jedi war etwas anderes.
Jedi waren bislang für ihn vor allem Bestandteil seiner Ausbildung gewesen. Gegner, über deren Fähigkeiten gesprochen wurde und gegen die ein Sith irgendwann bestehen können musste. Selbst seine Erfahrungen mit Sedros konnten daran nur bedingt etwas ändern. Sein Meister trainierte ihn, wollte ihn fordern und korrigierte seine Fehler. Ein Jedi würde nichts davon tun.
Nun befand sich tatsächlich einer irgendwo in ihrer Nähe.
Darel konnte nicht leugnen, dass ihn bei diesem Gedanken neben der Anspannung auch eine gewisse Aufregung erfasste. Seit ihrer Landung wartete er darauf, seine Ausbildung endlich unter realen Bedingungen einsetzen zu können, und ein Teil von ihm wollte wissen, wie viel davon tatsächlich übrig blieb, sobald ihm kein Trainingspartner gegenüberstand.
Gleichzeitig war er vernünftig genug, um zu erkennen, dass zwischen dem Wunsch nach einer Herausforderung und einem ausgebildeten Jedi ein beträchtlicher Unterschied lag.
Er hatte noch nie gegen einen Jedi gekämpft.
Er hatte überhaupt noch nie ernsthaft gegen einen anderen Machtnutzer um sein Leben kämpfen müssen.
Vielleicht wäre ausgerechnet ein Jedi also eine ausgesprochen ambitionierte Wahl für seinen ersten richtigen Gegner gewesen.
Darel ließ die Hand trotzdem in der Nähe seines Lichtschwerts und verfolgte aufmerksam den Funkverkehr. Sollte der Jedi in ihre Richtung kommen, würde ihm ohnehin keine Zeit bleiben, darüber nachzudenken, ob er für diese Begegnung bereits bereit war.
Fast zwei Minuten später erledigte sich die Angelegenheit jedoch bereits wieder.
Die Stimme Darth Angelus’ drang über Funk zu ihnen durch und brachte die Nachricht, dass der Jedi tot war.
Darel lockerte seine Finger etwas.
Ein Teil der aufgebauten Spannung fiel augenblicklich von ihm ab, während gleichzeitig eine kleine Spur von Enttäuschung zurückblieb. Offenbar würde er noch etwas länger darauf warten müssen herauszufinden, wie er sich in einem tatsächlichen Kampf schlug.
Als Sedros zu ihm sah und trocken bemerkte, dass seine Feuertaufe wohl auf einen anderen Tag warten musste, musste Darel unter seinem Helm leicht schmunzeln. Die anschließende Warnung seines Meisters, trotzdem wachsam zu bleiben, nahm er mit einem knappen Nicken zur Kenntnis.
„Ich bleibe wachsam, Meister.“
Ganz unrecht hatte Sedros schließlich nicht. Wo ein Jedi auftauchte, bestand zumindest die Möglichkeit, dass er nicht allein gekommen war.
Bevor Darel diesem Gedanken weiter folgen konnte, meldete sich einer der KX-Droiden zu Wort.
Darel wandte sich dem Droiden zu und hörte aufmerksam zu, als dieser erklärte, dass das betreffende Labor zwar offiziell als belegt geführt wurde, sich im zentralen Archiv jedoch keinerlei aktuelle Aufzeichnungen daraus finden ließen.
Das war zumindest ungewöhnlich.
Wenn die übrigen Labore ihre Forschungsdaten im zentralen System hinterlegten und ausgerechnet ein einzelner Bereich davon ausgenommen war, gab es dafür vermutlich einen Grund. Vielleicht galten dort andere Sicherheitsvorschriften, vielleicht wurden die Daten separat gespeichert oder jemand hatte sehr bewusst dafür gesorgt, dass die dortige Arbeit nicht im gewöhnlichen Archiv auftauchte.
Was auch immer die Erklärung war, Darels Neugier war geweckt.
Sedros schien ebenfalls wenig Interesse daran zu haben, die verbleibende Zeit mit Spekulationen zu verschwenden. Drei der KX-Droiden erhielten den Befehl, den Download fortzusetzen, während der vierte sie zu Labor 3 führen sollte. Gleichzeitig forderte sein Meister über Funk vier weitere Death Trooper an, von denen zwei den Computerkern sichern und die anderen beiden zu ihrem neuen Ziel kommen sollten.
Darel nutzte die wenigen Augenblicke, um noch einmal den Sitz seines Lichtschwerts zu überprüfen.
Die Aussicht auf einen Jedi hatte sich vorerst erledigt, doch spätestens die bisherigen Funksprüche hatten deutlich genug gezeigt, dass der Komplex keineswegs vollständig unter imperialer Kontrolle stand. Und wenn jemand genügend Wert auf die Geheimhaltung seiner Arbeit gelegt hatte, um ein gesamtes Labor aus dem zentralen Datenbestand herauszuhalten, war zumindest nicht auszuschließen, dass dort noch etwas auf sie wartete.
Sedros wandte sich bereits wieder an ihn und forderte ihn auf mitzukommen.
„Jawohl, Meister.“, antwortete Darel und trat zu ihm.
Der KX-Droide würde ihnen den Weg weisen.
Was sie am Ende dieses Weges erwartete, würden sie früh genug herausfinden.
Agriworld-2079 | Neue Republik | Mittler Rand – M'Shinni Sektor | Kleinstadt auf der Südhalbkugel, Forschungsanlage – auf dem Weg zu Labor 3 | Sedros Xyrtademus (inkognito als Darth Naver), Darel Cor (inkognito als Sith-Schüler Rel), KX-Droide, Death Trooper unter dem Kommando von Captain Vondar, Wissenschaftler und sonstiges Personal der Anlage (NSCs)