Agriworld-2079

[Mittler Rand – M'shinni-Sektor – Agriworld-2079 - Tagseite - Hertfordshire - regionales Verwaltungszentrum Aurek] 1st Squad (9 Soldaten), 4 Sturmtruppler, Tri und Gwenn, irgendwas um die zwanzig betäubte, lokale „Gesetzeshüter“, darunter Mr. Fisk.

Gwenn stürmte als Speerspitze der zweiten Welle – mit dem Blastergewehr im Anschlag – herein, die restlichen sieben Soldaten dicht an ihren Fersen. Blaue Betäubungsbolzen zerschnitten den Rauch, Salven aus imperialen Gewehren peitschten nahezu einseitig durch das Zimmer, warfen taumelnde Sicherheitskräfte von den Beinen und ließen Körper wie nasse Säcke auf den harten Metallboden klatschen. Die Luft schmeckte nach Ozon, verbranntem Teppich und dem beißendem Geruch von angekokelten Panzerungen. Die Constabulary gehörte ihnen. Tri hatte mal wieder saubere Arbeit geliefert. War irgendwie ganz nett, jemanden zu haben, der für einen die schwierigen Aufgaben übernahm, ohne dabei zu murren.
Oh, und ob sich Gwenn um die Credits kümmern wollte! Mit einem Grinsen nickte sie dem Sturmtruppensergeant zu.

„Machen wir so. Gute Arbeit hier.“ Irgendwo erklangen zwei Blaster – dieses Mal war sich die Weißhaarige sicher, dass es Betäubungsbolzen waren.
„Also gut, Fisk. Wie Sie sehen, halten wir mittlerweile alle Trümpfe in der Hand, aber ich bin eine Frau meines Wortes. So ...“ – Gwenn deutete mit der Hand, die das Gewehr nicht hielt, über die bewusstlosen Körper –, „... haben wir einfach weniger Fehlerquellen. Zeigen Sie mal auf die, welche Sie von denen behalten wollen.“
Der Chief der kleinen Constabulary schaute abschätzend von Gwenn zu den anderen Soldaten und fing an, seine Leute auszusortieren. Etwa ein Dutzend. Die Lieutenant und zwei weitere ihrer Leute, half Fisk, seine Leute auf einen Haufen zu ziehen. Der Rest, die vermutlichen Piraten, bekam eine Dosis extra starke und permanente Schmerzmittel verabreicht - direkt aus den Blastergewehren.
„Patch, Sie hatten sich ja vorhin für Zusatzaufgaben freiwillig gemeldet. Nehmen Sie sich noch wen und besorgen Sie mir einen Hub- oder Schwebewagen. Ansonsten dürfen Sie die Leute hier gleich per pedes durch den Komplex hucken.“ Nur damit keiner dachte, nun sei Zeit für eine Pause, machte sie auch gleich weiter.
„Du, du und du. Bewachen.“ Erst deutete sie auf drei ihrer Soldaten, dann auf das Dutzend Bewusstloser. „Alle Waffen sichern! Ich will nicht, dass, wenn einer aufwacht, irgendeinem unschönen Impuls folgt und ein Unglück passiert.“

Ihre grünen Augen bohrten sich in Fisk. „Das gilt auch für Sie!“ Er reichte ihr seinen Blaster mit dem Griff zuerst. Die Energiezelle entnahm sie der CDEF-Blasterpistole, wandte dann den Blaster einmal in ihrer Hand. „Na, wie hat sich das gute Stück denn hierher verirrt?“ Eine Antwort bekam sie nicht.
„Also gut, Chief, dann wollen wir mal. Die Credits sichern sich nicht von selbst. Keine Spielchen, oder sonst …“ Den Rest ließ sie unausgesprochen, die Implikation stand aber im Raum. „Während Sie uns den Weg zum Bunker zeigen, erzählen Sie mal, was es da so Schönes an Sicherheitsvorrichtungen gibt. Ich denke, keiner von uns hat ein Interesse daran, von Selbstschussanlagen ein paar neue Belüftungslöcher zu erhalten.“
Fisk nickte grimmig, wischte sich den Schweiß von der Stirn und trat an eine unscheinbare, verstärkte Stahltür im hinteren Bereich der Constabulary. Nach der Eingabe eines mehrstelligen Codes und einem tiefen Summen glitt das Schott zur Seite. Dahinter offenbarte sich ein steriler, spärlich beleuchteter Fahrstuhl, der tief in das Fundament des Verwaltungskomplexes führte.
„Das ist der Hintereingang in den Bunker“, erklärte Fisk. „Mein Code hat alle Sicherheitsmaßnahmen ausgeschaltet.“
Der Fahrstuhl schmeckte Gwenn überhaupt nicht. Wie Fische in einem Fass, schoss es der Weißhaarigen durch den Kopf. Ihre grünen Augen verengten sich zu misstrauischen Schlitzen. Der Aufzug war groß genug für 20, wenn man quetschte, vielleicht 30 Personen. Sie seufzte frustriert. Das war ihr zu einfach. Wenn der Zugang so einfach war, warum hatte er sich dann mit seinen Jungs nicht einfach in den Bunker abgesetzt?
Man wartete sowieso auf den Schwebewagen. Gwenn setzte ihren Rucksack ab und kramte nach etwas Essbarem. Da sie leichten Hunger verspürte, zog sie einen
almakianischen Apfel heraus. Beim Aufstehen schwang sie den Rucksack wieder auf den Rücken, biss knackend in den Apfel und meinte ruhig: „Wir werden die Hälfte Ihrer Leute zuerst runterfahren lassen.“
Fisk runzelte die Stirn. „Aber die sind bewusstlos. Die können da kaum aussteigen.“
Gwenn nickte. „Jup.“
„Das ist doch sinnlos.“
„Weiß ich nicht, Fisk! Ist es das?“, fragte die Weißhaarige, nachdem sie ihr Gewehr lose gesichert hatte. Mit dem inaktiven Vibromesser schnitt sie Stückchen vom Apfel ab und aß die Scheibe. Fisk schluckte unbewusst. Der leise Schnitt, mit dem Gwenns Klinge ein weiteres Stück des almakianischen Apfels abtrennte, schien in der plötzlichen Stille des Raumes lauter zu sein als die Blastersalven zuvor. Er blickte von der Klinge zu den kalten, grünen Augen der Weißhaarigen und begriff, dass Widerspruch hier keine Option war.
„Es ist nur eine Vorsichtsmaßnahme, Chief“, schmatzte Gwenn leise, aber betont, während sie das Fruchtstück kaute. „Wenn Ihr Code wirklich alles ausgeschaltet hat, fahren Ihre Jungs einfach nur eine Runde Fahrstuhl. Wenn nicht ... nun, dann haben die Selbstschussanlagen zumindest erst mal zu tun, während wir hier oben einen neuen Plan machen.“
Fisk starrte sie sekundenlang fassungslos an. Der Ball lag in seiner Spielhälfte, ihr waren seine Leute herzlich egal. Es dauerte quälende zehn Minuten, bis Patch mit einem klapprigen Repulsor-Schwebewagen zurückkehrte. Ohne ein weiteres Wort wuchteten die Soldaten sechs der bewusstlosen Sicherheitskräfte auf die Plattform des Wagens und schoben ihn in den sterilen Fahrstuhl. Das Schott stand noch offen, die Taste für das einzig andere Stockwerk war nicht gesichert. Fisks Uniform hatte ein paar ganz hässliche Schwitzflecken bekommen.
„Letzte Chance.“ Der Apfel war längst gegessen, nur das Vibromesser hielt sie noch in den Händen. „Wie kaltschnäuzig sind Sie?“ Mit dieser Frage warf sie das Kampfmesser so, dass der Griff den Knopf auslöste und die schwere Fahrstuhltür sich schloss.
„Frick!“, fluchte Fisk und trat erneut zum Terminal. Er gab hastig einen weiteren Code ein. Beim ersten Mal musste er sich vertippt haben, denn ein hässlicher Fehlerton erklang. Ihr Gefangener wischte sich gehetzt den Schweiß von der Stirn, um es dann noch einmal zu versuchen. Diesmal funktionierte es. Ein erleichtertes Ausatmen später drehte sich der Chef der Sicherheit wieder zu ihr – nur um gewaltig eine verpasst zu bekommen, benommen gegen das Terminal zu taumeln und zu Boden zu sinken. Gwenn kniete sich zu ihm, ihr Gesicht seinem ganz nah.
„Warum bei allen Sonnen mussten Sie das tun …“, zischte sie leise und wütend, „… ich habe Ihnen erklärt, was passieren wird.“
„Haben Sie nicht, LT.“
Gwenns Blick bohrte sich in den Sprecher, der ihren Augen nicht lange standhielt.
„Die Implikation war eindeutig.“ Sie erhob sich und trat einen Schritt zurück, ihre Hände hoben den DLT-20a. „Wer eine Drohung ausspricht, muss sie auch umsetzen, wenn sie getestet wird.“ Damit folgten drei schnelle Schüsse: Bauch, Brust, Kopf. Für einen Moment war es still. „Was machen wir mit dem Rest?“
„Die haben mich nicht belogen. Für die gilt der Deal.“

Die Fahrt nach unten dauerte gefühlt eine Ewigkeit, immerhin konnte sie ihr Messer wieder einsammeln. Als sich die Türen auf der Bunkerebene öffneten, schlug ihnen der Geruch von abgestandener, gefilterter Luft und kaltem Durastahl entgegen. Wie auch der matte Glanz von sauber gestapelten, schwarzen, zehneckigen, zylinderförmigen Behältern, zwischen deren Führungsrillen bereits goldene republikanische Credits glänzten. Der vielleicht verdammt schönste Anblick seit Langem. Hooch musste erfasst eine Träne wegdrücken, Gwenn war da nicht so nah am Wasser gebaut.
Unisono kippten die Soldaten den Schwebewagen, sodass die Sicherheitsbeamten in einem wilden Haufen herunterpurzelten, und man fing an, die Kreditkisten zu verladen. Ein Blick aufs Chrono verriet noch zwölf Minuten. Könnte eng werden.


[Mittler Rand – M'shinni-Sektor – Agriworld-2079 - Tagseite - Hertfordshire - regionales Verwaltungszentrum Aurek - Tresor/Bunker] 1st Squad (9 Soldaten), 11 betäubte Sicherheitskräfte darunter, kein Mr. Fisk. und Gwenn
 
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[ Mittlerer Rand – M'shinni-Sektor – Agriworld-2079 – Orbit – ISD-II Authority – Haupthangar ]
Darth Angelus, Darth Naver, Besatzung


Das Schiff, die wenige Augenblicke zuvor in den Hangar der Authority geglitten war, erwies sich sofort als jenes des anderen Sith. Angelus beobachtete schweigend, wie es auf dem Hangardeck aufsetzte und schließlich Darth Naver allein über die Rampe trat. Sein Schüler blieb offenbar zurück. Eine Entscheidung, die der adelige Sith nicht weiter hinterfragte. Sein Interesse galt ohnehin dessen Meister. Die Gratulation nahm Angelus mit einem ausgesprochen wohlwollenden Lächeln entgegen. Sein Kinn senkte sich zu einer knappen, beinahe höfischen Erwiderung der anerkennenden Geste.

"Weise Worte, Darth Naver“

Es tat gut, ausnahmsweise mit einem Ordensbruder zu verkehren, der offenkundig imstande war, Größe zu erkennen und ihr den gebührenden Respekt entgegenzubringen. Eine Eigenschaft, die nach Angelus' Erfahrung keineswegs unter allen Sith gleichermaßen verbreitet war, sondern viel eher eine Seltenheit darstellte. Zu viele verwechselten Höflichkeit mit Schwäche und erbärmliches Gekläffe mit Stärke. Naver schien über derartige Kleingeistigkeit erhaben zu sein. Das machte ihn interessant und gefährlicher, als so manchen verrohten Primaten aus den Reihen der Extinktoren.

"Bedauerlicherweise ließ sich nach unserem Zusammentreffen nicht mehr sonderlich viel von ihm bergen"

Für einen Augenblick glitt seine behandschuhte Hand unter den schwarzen Umhang. Nicht weit genug, um die Waffe hervorzuholen, wohl aber so weit, dass der metallene Griff des erbeuteten Lichtschwertes für einen Moment zwischen dem dunklen Stoff sichtbar wurde. Dann verschwand er wieder darunter. Das wölfische Lächeln vertiefte sich geringfügig, ehe Angelus Navers Ausführungen lauschte. Bei den letzten Worten hob sich eine seiner dunklen Brauen.

Interessant: offenbar war er nicht der Einzige, dessen Gedanken Agriworld in Teilen bereits verlassen hatten. Noch vor wenigen Augenblicken hatte der adelige Krieger selbst über Möglichkeiten nachgedacht, die weit über diese unbedeutende Bauernwelt hinausreichten. Nun stand vor ihm ein
Sith, der augenscheinlich dasselbe tat. Vielleicht aus anderen Gründen und mit anderen Zielen, doch das musste kein Nachteil sein, ganz im Gegenteil. Unterschiedliche Interessen konnten ausgesprochen nützlich sein, solange sie für eine gewisse Zeit in dieselbe Richtung führten.

"Ihr versteht es, meine Neugier zu wecken“

Sein Blick wanderte für einen kurzen Moment zur Hangaröffnung. Nicht mehr lange würde es dauern. Irgendwo unter ihnen lag Agriworld und wartete auf das, was Commodore Mentel und seine Geschütze vorbereitet hatten. Es wäre ausgesprochen ärgerlich gewesen, den zweitinteressantesten Teil des Tages in einem Hangar zu verbringen. Angelus setzte sich in Bewegung und bedeutete Naver mit einer beiläufigen Bewegung seiner Hand, ihn zu begleiten.

"Kommt, schließen wir uns Commodore Mentel auf der Brücke an. Wir können unser Gespräch auf dem Weg fortsetzen.“

Seine Schritte führten ihn zwischen zurückkehrenden Soldaten und eilig arbeitenden Hangarmannschaften hindurch. Für einige Meter schwieg der Sith. Seine Gedanken waren längst wieder einige Schritte weiter als seine Füße.

"Wisst Ihr, Darth Naver, ich habe in letzter Zeit zunehmend Gefallen an einer bestimmten Erkenntnis gefunden."

Er wandte den Kopf geringfügig zu dem anderen Sith.

"Der Orden besitzt bemerkenswert viele talentierte Ordensbrüder und Schwestern. Bedauerlicherweise verbringen die meisten von ihnen ihre Zeit damit, ausschließlich innerhalb der Grenzen ihres eigenen kleinen Kreises zu denken."

Ein kaum merkliches, wölfisches Lächeln umspielte seine Lippen.

"Dabei entstehen die interessanteren Möglichkeiten gelegentlich gerade dort, wo unterschiedliche Talente aufeinandertreffen."

Mehr sagte Angelus zunächst nicht. Noch gab es nichts, was einen Namen verdient hätte. Keine Abmachung, keine Gemeinschaft und schon gar kein Bündnis. Lediglich einige lose Fäden und die Frage, was geschehen mochte, wenn jemand beschloss, sie miteinander zu verknüpfen.

"Aber darüber können wir uns ein anderes Mal ausführlicher unterhalten."

Vor ihnen schlossen sich die Türen eines Turbolifts.

"Jetzt möchte ich endlich sehen, welchen Preis diese Bauernwelt für ihre Treue zu den Mördern unseres Imperators und den Überfall auf unser Territorium entrichtet. Ihr solltet Euren Schüler zu uns schicken – oder ist er noch nicht so weit, zu begreifen, was hier heute tatsächlich geschieht?"

Wenig später öffneten sich die Türen des Turbolifts zur Brücke der Authority. Angelus trat mit erhobenem Kinn hinaus und ließ seinen Blick kurz über die Arbeitsstationen und die gewaltigen Sichtfenster schweifen, hinter denen Agriworld auf seine letzten Minuten wartete. Ohne Eile setzte er seinen Weg durch die Kommandobrücke fort, bis er schließlich in der Nähe des Commodore zum stehen kam. Erst dort löste sich eine seiner Hände unter dem schwarzen Umhang hervor. Zwischen seinen Fingern lag der metallene Griff eines Lichtschwerts.

"Commodore, ich habe Euch ein Souvenir von der Oberfläche mitgebracht"

Ein finsteres Lächeln legte sich auf die Lippen des Sith. Er hielt Mentel Faiths Lichtschwert entgegen – jene Waffe, die einst einer Jedi gehört hatte und nun als vermeintliche Trophäe seines Sieges auf Agriworld herhalten durfte. Mit Sicherheit hatte der Offizier eine solch hochwertige Waffe noch nie in seinen Händen gehalten. Er musste nur zugreifen.

[ Mittlerer Rand – M'shinni-Sektor – Agriworld-2079 – Orbit – ISD-II Authority – Brücke ]
Darth Angelus, Darth Naver, Commodore Scytale Mentel, Kommandostab
 
Agriworld-2079 | Neue Republik | Mittler Rand – M'Shinni Sektor | auf dem Rückflug zur ISD-II „Authority“ | Sedros Xyrtademus (inkognito als Darth Naver), Darel Cor (inkognito als Sith-Schüler Rel), KX-Droiden, gefangenes Forschungspersonal und imperiale Soldaten (NSCs)


Noch bevor Darel das Cockpit erreichte, spürte er die Veränderung der Triebwerke unter seinen Füßen. Der Decimator hatte bereits abgehoben und gewann rasch an Höhe, während die Forschungsanlage unter ihnen zurückblieb. Als er sich auf den Platz des Co-Piloten setzte, begann er beinahe automatisch damit, die Anzeigen vor sich zu überprüfen. Seine Atmung hatte sich inzwischen weitgehend beruhigt, auch wenn die Anstrengung des Sprints und der kurze Kampf noch immer in seinen Muskeln saßen. Besonders der Treffer an seinem Oberarm machte sich als unangenehme Wärme bemerkbar, sobald er die Schulter bewegte, doch die Rüstung hatte ihren Zweck erfüllt.

Die Daten waren gesichert, die Droiden an Bord und sein Auftrag erfüllt. Als Sedros schließlich beinahe beiläufig feststellte, dass damit auch Darels zweite Mission für den Sith-Orden erfolgreich abgeschlossen war und er sich gut geschlagen hatte, verharrte dessen Blick einen kurzen Moment auf den Instrumenten. Von seinem Meister kamen solche Worte selten genug, dass Darel ihnen deutlich mehr Bedeutung beimaß, als er nach außen zeigte.

„Danke, Meister.“

Mehr sagte er nicht, trotzdem breitete sich unter seinem Helm ein zufriedenes Lächeln aus. Vor wenigen Stunden hatte er noch nicht gewusst, wie seine Ausbildung unter wirklichem Beschuss bestehen würde. Nun hatte er mehrere bewaffnete Gegner überwältigt, Blasterbolzen mit seiner eigenen Klinge zurückgeschickt und den erste kleinen Auftrag erfüllt, den Sedros ihm allein übertragen hatte. Dass sein Meister genau das ebenfalls als Erfolg wertete, gefiel Darel mehr, als er offen zugeben würde.


Die Erinnerung an das Gefecht war noch überraschend klar. Das Summen seiner Klinge, die hektischen Bewegungen im Korridor und die kurze, beinahe berauschende Gewissheit, dass ihm die Männer vor ihm in diesem Augenblick tatsächlich unterlegen gewesen waren. Vor seiner ersten Mission hatte Darel angenommen, dass gerade das Töten eine Grenze darstellen könnte, die sich anders anfühlen würde, sobald er sie selbst überschritt. Nun wusste er es besser.

Es hatte sich real angefühlt, gefährlich und erheblich chaotischer als jedes Training, aber nicht falsch. Die Sicherheitskräfte hatten gekämpft, er hatte gekämpft und am Ende war er derjenige gewesen, der weiterging. Mit dieser Feststellung konnte Darel überraschend gut leben.

Die Authority füllte schon bald einen erheblichen Teil des Sichtfeldes vor ihnen aus, und wenige Minuten später setzte der Decimator wieder im Hangar des Sternenzerstörers auf. Darel bemerkte bereits während der letzten Phase des Anflugs, dass sein Meister seine Aufmerksamkeit auf etwas außerhalb des Schiffes richtete. Erst nachdem sie gelandet waren und Sedros sich ihm zuwandte, erhielt Darel jedoch seine nächste Anweisung.

Er sollte an Bord bleiben.
Für einen kurzen Moment war Darel enttäuscht. Weitere Sith befanden sich auf der Authority und nach ihrem erfolgreichen Einsatz hätte Darel durchaus gerne mitbekommen, was nun besprochen wurde. Gleichzeitig war ihm bewusst, dass er weiterhin nur der Schüler von Sedros war und dieser offensichtlich einen Grund dafür hatte, ihn zurückzulassen.

Die folgenden Worte seines Meisters machten deutlich, welchen.
Darel hörte aufmerksam zu, als Sedros ihm befahl, die Fesseln ihrer Gefangenen noch einmal zu überprüfen und sich anschließend in der Kapitänskabine einzuschließen. Dort sollte er meditieren und bewusst wahrnehmen, was das bevorstehende Bombardement in der Macht auslöste. Die angekündigten Konsequenzen einer möglichen Übelkeit ließen ihn unter seinem Helm kurz schmunzeln.

„Ich werde versuchen, mir die Reinigung der Kabine zu ersparen, Meister.“

Der leichte Humor verschwand jedoch wieder, als Sedros ihm erklärte, dass die kommenden Stunden eine Gelegenheit darstellten, wie sie in Friedenszeiten praktisch nicht zu finden war. Seit Beginn seiner Ausbildung hatte sein Meister immer wieder versucht, ihm deutlich zu machen, dass die Macht nicht lediglich etwas war, das man wie ein Werkzeug bewusst aktivierte. Sie war überall, reagierte auf Leben, Emotionen und auf jene Dinge, die Lebewesen miteinander verbanden.

Und nun würden dort unten in wenigen Minuten unzählige Menschen sterben.
Darel konnte sich vorstellen, dass der Tod so vieler Lebewesen etwas in der Macht auslösen musste. Sedros' Formulierung machte jedoch deutlich, dass alles, was er sich darunter vorstellte, vermutlich kaum ausreichen würde, um ihn tatsächlich darauf vorzubereiten. Gerade das weckte seine Neugier. Noch vor wenigen Monaten hätte ihn der Gedanke vielleicht hauptsächlich beunruhigt, doch nun bemerkte Darel neben einer gewissen Anspannung vor allem den Wunsch zu erfahren, was sein Meister meinte.

Wenn dies eine Gelegenheit war, die Dunkle Seite auf eine Weise wahrzunehmen, die sich weder simulieren noch im Tempel nachstellen ließ, wollte er sie nutzen.

Darel neigte den Kopf.

„Ich verstehe, Meister. Ich werde darauf achten.“

Als Sedros ihm anschließend aufmunternd auf die Schulter klopfte und das Schiff verließ, blieb Darel noch einen Augenblick im Cockpit sitzen. Durch die Sichtfenster konnte er Teile des gewaltigen Hangars erkennen, doch von hier aus würde er vom bevorstehenden Bombardement ohnehin kaum etwas sehen. Vielleicht war das auch gar nicht der Sinn dieser Übung.

Sedros wollte nicht, dass er zusah. Er sollte fühlen.

Darel erhob sich und verließ das Cockpit, um zunächst die fünf Gefangenen im Frachtraum zu kontrollieren. Die beiden KX-Droiden hatten ihre Aufgabe gründlich erledigt, trotzdem überprüfte er jede einzelne Fessel selbst und ließ seinen Blick über das Forschungspersonal wandern. Besonders der Ithorianer wirkte noch immer mitgenommen.

Darel blieb kurz vor ihm stehen.
„Wir sind jetzt wieder auf einem imperialen Schiff. Wenn Sie vernünftig bleiben, passiert Ihnen vorerst nichts.“

Anschließend ließ er seinen Blick über die übrigen Gefangenen wandern.
„Das gilt für Sie alle.“

Es war keine freundliche Versicherung, aber ebenso wenig eine unnötige Drohung. Darel hatte im Verlauf dieses Tages genug erlebt und keine Lust mehr sich mit den Gefangen mehr abzugeben als nötig. Nachdem er sich überzeugt hatte, dass alles gesichert war, gab er den beiden KX-Droiden die Anweisung, die Gefangenen weiterhin genau zu überwachen, und machte sich auf den Weg zur Kapitänskabine.

Dort angekommen, schloss und verriegelte er die Tür hinter sich wie es Sedros angeordnet hatte.

Der Raum war ruhig, beinahe irritierend ruhig. Nur das ganze leichte, gleichmäßige Vibrieren des Sternenzerstörers war durch den Boden und die Wände wahrnehmbar. Irgendwo außerhalb dieser Kabine gingen Soldaten ihren Aufgaben nach, Offiziere beobachteten den Planeten und vermutlich bereiteten sich bereits jene Geschützmannschaften vor, die in wenigen Minuten das Feuer eröffnen würden.

Darel löste sein Lichtschwert vom Gürtel und legte es griffbereit neben sich ab, bevor er sich auf den Boden setzte mit dem Rücken zur Cockpit scheibe. Die Rüstung behielt er bis auf den Maske an, schloss die Augen und konzentrierte sich zunächst auf seinen eigenen Atem und den Herzschlag, der sich nach den Ereignissen auf Agriworld inzwischen wieder weitgehend normalisiert hatte.


Sedros hatte ihn oft genug darauf hingewiesen, dass sein Drang, alles kontrollieren und erzwingen zu wollen, ihm bei der Macht eher im Weg stand. Deshalb versuchte Darel diesmal bewusst, nicht jeden Eindruck sofort zu ordnen oder zu verdrängen. Er ließ die Erschöpfung nach dem Kampf ebenso zu wie den Stolz über das Lob seines Meisters, die Erinnerung an die Männer, die durch seine Klinge und ihre eigenen Blasterbolzen gestorben waren, und jene Zufriedenheit, die aus dem Wissen entstand, ihnen überlegen gewesen zu sein.

Früher hätte Darel vermutlich versucht, gerade diese letzte Empfindung zu unterdrücken. Sie erschien ihm zu selbstgefällig und zu leicht mit jener Arroganz zu verwechseln, die er bei anderen verachtete. Jetzt aber ließ er sie bestehen.

Er hatte seinen Auftrag erfüllt, war aus seinem ersten richtigen Kampf zurückgekehrt und hatte festgestellt, dass seine Ausbildung tatsächlich funktionierte. Dass sich diese Erkenntnis gut anfühlte, musste er nicht vor sich selbst leugnen.
Vielleicht bestand Kontrolle tatsächlich nicht darin, jede Emotion sofort zum Schweigen zu bringen. Vielleicht genügte es, zu entscheiden, was man mit ihr tat und wie man sie lenkte.

Darel atmete langsam aus und versuchte, seine Wahrnehmung weiter zu öffnen. Irgendwo weit unter ihnen lag Agriworld-2079, und noch lebten dort Menschen. Noch gingen irgendwo Bewohner durch Straßen, suchten Schutz oder versuchten verzweifelt herauszufinden, was über ihren Köpfen geschah. In wenigen Minuten würde sich das ändern.
Darel wusste nicht, was dann auf ihn zukommen würde, doch zum ersten Mal seit Sedros ihm von der bevorstehenden Übung erzählt hatte, empfand er nicht nur Respekt davor. Ein Teil von ihm war gespannt darauf.

Er wollte wissen, wie sich die Dunkle Seite anfühlte, wenn sie nicht aus einer Lektion, einem Holocron oder der kontrollierten Präsenz seines Meisters kam. Also ließ er seinen Atem wieder ruhiger werden, öffnete sich so weit, wie es ihm möglich war, und wartete darauf, dass das bevorstehende Bombardement seine Spuren in der Macht hinterließ.


Agriworld-2079 | Neue Republik | Mittler Rand – M'Shinni Sektor | auf der ISD-II „Authority“ | Sedros Xyrtademus (inkognito als Darth Naver), Darel Cor (inkognito als Sith-Schüler Rel), KX-Droiden, gefangenes Forschungspersonal
 
M'Shinni Sektor - Mittlerer Rand - Agriwold-2079 - Hertfordshire - regionales Verwaltungszentrum Aurek - Tri Tunsa



Auf dem Weg zu Gwenn überkam ihm die Sorge, dass etwas schiefgelaufen sein könnte. Fisk und seine Leute würden ihnen das Geld bestimmt nicht freiwillig geben wollen. Jedoch glaubte er fest daran, dass es für Gwenn und ihre Soldaten kein Problem sein würde ein paar mittelmäßig gut ausgebildete Sicherheitskräfte in den Griff zu bekommen. Trotzdem beschleunigte er seine Schritte.
Auf dem Weg zum Constabulary kam er an einem Raum vorbei, welcher aussah wie ein Schlachtfeld. Er warf einen kurzen Blick rein und sah die Zerstörung. Überall in den Wänden und Raumtrennern waren Einschüsse zu sehen. Hier wurde ordentliche Arbeit geleistet.
Er lief weiter und kam schließlich an dem Schott an. Er trat ein und sah die auf dem Boden liegenden Beamten. Es musste bestimmt schwierig für den Chief gewesen sein auszuwählen, wer stirbt und wer lebt. Tri war dies gewöhnt. Es gehörte quasi zu seinem Job aber für so einen niederen Sicherheitsbeamten, der bestimmt noch nicht oft, vielleicht sogar noch nie den Planeten verlassen hat war es sicher schwierig gewesen.
Andererseits konnte es Tri auch egal sein, schließlich hatte er nicht vor bekanntschaften zu schließen. Er ging zum Fahrstuhl, als er sah, wer vor ihm auf dem Boden lag. Es war Fisk. Er hatte drei Schusswunden. Im Bauch, in der Brust und im Kopf. Tri wandte den Blick ab. Gwenn würde ihm einiges zu erklären haben. Hatte er möglicherweise versucht das Geld zu beschützen und ist deswegen gestorben? Er würde wohl nachfragen müssen. Die anderen Angestellten schienen noch am Leben zu sein. Er entdeckte jedenfalls keine weiteren Toten. Aber sie konnten auch einfach woanders liegen. Bei seiner Ausbildung hatten sie auch gelernt, wie man am Besten Leichen versteckt. Das konnte vor allem bei geheimen Missionen sehr nützlich sein. Die Ausbildung mochte sehr anstrengend gewesen sein und nicht alle mochten überlebt haben, aber jetzt war er froh, so gut ausgebildet worden zu sein. Er rief sich den Fahrstuhl und wartete. Es gab für ihn nichts schlimmeres als nichts zu tun und zu warten also funkte er über seinen Komlink seine Leute an und fragte nach dem Rechten. ,,Alles in Butter" wurde von Seven geantwortet. ,,Tut nur etwas weh die Verletzung." ,,Okay, bis gleich." Erwiederte Tri. Der Fahrstuhl war mittlerweile angekommen und er stieg ein. Er drückte auf den Knopf und die Türen schlossen sich. Der Fahrstuhl setzte sich in Bewegung und als er ankam trat Tri aus.
Das, was er dann sah überwältigte ihn. Vor ihm waren Berge von Credits. Es mussten hunderttausende, nein Millionen sein. Auf dem Boden lagen die betäupten Sicherheitskräfte, sie wirkten betäupt jedoch nicht Tod. Gwenn und ihre Leute waren gerade dabei die Credits einzupacken. Er fragte: ,,Hallo, gab es irgendwelche Probleme? Ich habe den Toten Fisk gesehen." Die Antwort genügte ihm nur halb, aber er half mit das Geld aufzuladen.



M'Shinni Sektor - Mittlerer Rand - Agriwold-2079 - Hertfordshire - Verwaltungszentrum Aurek - Tresor - Tri, Gwenn, 1st Squad (NPCs), einige betäubte Sicherheitsbeamte (NPCs)
 
Agriworld-2079 | Neue Republik| Mittler Rand – M'Shinni Sektor | Hangar des ISD-II „Authority“ | Sedros Xyrtademus (inkognito als Darth Naver), Darel Cor (inkognito als Sith-Schüler Rel), Sabar Muraenus (inkognito als Darth Angelus), zwei Züge Death Trooper unter dem Kommando von Captain Vondar und Lieutenant Arcoum (NSCs), andere an der Operation beteiligte Soldaten sowie die Hangarbesatzung (NSCs)

Es war wohl nicht mehr viel von dem Jedi übrig geblieben. Sedros war zwar nicht dabei gewesen, aber er konnte sich gut vorstellen, dass dieser Krieger der Republik sich nicht hatte lebendig fangen lassen wollen. Also zweifelte er Darth Angelus’ Ausführungen zu dem Thema nicht weiter an. Der reinblütige Sith nickte zustimmend zu Darth Angelus’ weiteren Worten bezüglich des Ordens. “Die Talente der Sith sind so mannigfaltig wie die Interessen des Ordens.” Tatsächlich war es manchmal gar nicht so leicht, sich daran zu erinnern, dass die Sith alle derselben Organisation angehörten. Insbesondere, wenn sich die Interessen einzelner Mitglieder in adversiver Weise überschnitten. Die Regeln des Ordens zur Tötung anderer Ordensmitglieder waren heute aus gutem Grund so strikt. Und selbst das absolute Verbot ging für viele nur so weit, dass sie bei einem Verstoß darauf achteten, möglichst nicht auf frischer Tat erwischt zu werden.

Sedros war natürlich klar, dass der Sith vor ihm das Thema unterschiedlicher Talente nicht ohne Grund ansprach. Darum signalisierte der reinblütige Sith Darth Angelus auch, dem Thema gegenüber nicht abgeneigt zu sein. “Ich bin mir sicher, dass der aufkeimende Konflikt mit der Republik den Ordensmitgliedern mehr als genug Gelegenheit geben wird, ihre Interessen in fokussierte Bahnen zu lenken.” Und damit betraten die beiden Sith den Turbolift, um vom Hangar der Authority hoch zur Brücke des Sternenzerstörers zu fahren. Auf dem Weg erkundigte Darth Angelus sich noch nach Darel.

Der reinblütige Sith konnte sich gut vorstellen, dass sein Schüler eine imperiale Brückenbesatzung bei der konzentrierten Arbeit zu beobachten unglaublich interessant gefunden hätte. Das musste er ein andernmal nachholen.
“Rel hat sich heute gut geschlagen. Aber er steht noch ganz am Anfang seiner Ausbildung. Ich habe ihm befohlen, sich zur Meditation zurückzuziehen und das Orbitalbombardement ganz auf sich wirken zu lassen.” In dieser speziellen Situation aber war es Sedros wichtiger, das Ansehen des Ordens gegenüber dem Militär zu pflegen und ein überwältigter Sith-Schüler würde da bestenfalls hinderlich sein. “Auf das Machtecho des Orbitalbombardements kann kein Lehrtext, kein Zureden meinen Schüler vorbereiten und die Offiziere und Soldaten auf der Brücke werden es noch weniger verstehen, was über uns kommen wird.” Persönlich sah der reinblütige Sith nicht ohne Freude dem anstehenden Ereignis entgegen. Es war eine Sache, über einem bestehenden Nexus der dunklen Seite der Macht zu meditieren. Es war ein ganz anderes Erlebnis dabei zu sein, wenn eine Wunde in die Macht geschlagen wurde. Selbst wenn es nur eine so kleine war, wie bei einem dünn besiedelten Planeten namens Agriworld-2079. Der Gedanke war schon zu komisch. Dieser Planet war so unbedeuten, dass er lediglich eine Nummer besaß. Er war der Republik und seinen Bewohnern nicht einmal einen Namen wert gewesen.

Auf der Brücke angekommen hielt sich
Sedros erst einmal im Hintergrund. Das hier war Darth Angelus’ großer Moment, die glorreiche Rückkehr von der Oberfläche und der baldige Beginn des Orbitalbombardements. Ein einfaches Nicken genügte dem reinblütigen Sith, um Commodore Mendel und sonstigen Brückenoffiziere zu begrüßen. Er hielt sich leicht hinter dem anderen Sith, der dem Offizier scheinbar ein Souvenir von der Oberfläche mitgebracht hatte.

Agriworld-2079 | Neue Republik | Mittler Rand – M'Shinni Sektor | Brücke des ISD-II „Authority“ | Sedros Xyrtademus (inkognito als Darth Naver), Sabar Muraenus (inkognito als Darth Angelus), Commodore Scytale Mentel, Brückenbesatzung (NSCs)
 
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Gwenn schätzte etwa 2000 physische Creditchits pro Kiste, die Wertigkeit der einzelnen Chits betrug 100 republikanische Credits. 200.000 fucking Credits pro Kiste. Testweise hob sie eine der Kisten an, ein bisschen Anstrengung musste sie aufbringen, schätzungsweise musste das Gewicht irgendwo bei 50 Kilo liegen. Die meisten ihrer körperlich fitten Leute mussten sich schon ordentlich anstrengen und zogen einzelne Kisten mit beiden Händen über den Boden, andere trugen zu zweit eine Kiste. Gwenn nahm noch eine zweite Kiste mit der anderen Hand und klemmte sich diese wie auch die erste unter den jeweiligen Arm und trat zum Schwebewagen und fing an diese dort aufzureihen. Wofür auch immer sonst ihr Mix an Schwerkraftweltler- und Morellianergenen verantwortlich war, für die reine Stärke war sie dankbar, hatte ihr oft schon aus der Klemme geholfen.

„Ihr holt die Kisten ran, ich stapele sie.“, befahl sie ruhig. Jede Kiste war exakt 50 Zentimeter lang und 25 breit. Manchmal musste man Standardisierung einfach lieben, das Transportbett des Schwebewagens maß 200 auf 150 Zentimeter. Nun stellte sich einfach die Frage nach der Logistik der Gier. Einfach draufpacken und in einer Lage 24 Container verstauen, oder auf Nummer sicher gehen, und mit ein bisschen Sicherheitsabstand nur 15 mitnehmen? Während sie rechnete hob sie die ersten Kisten auf die Ladefläche. Sie mussten den Kram auch noch irgendwie sichern.

„Buster, Sie haben doch immer ´nen LCD dabei oder auch manchmal zwei. Diesmal auch?“ Er nickte, und die Gier machte einen Freudensprung. 24 Container auf der untersten Lage, 20 in der zweiten, 16 in der dritten und mehr Gier sollte man sich lieber nicht zutrauen. Die Flottenjungs wollten mit ihren dicken Rohren spielen. Frick, das würde knapp werden. Bevor sie jemanden abstellen konnte den Fahrstuhl zu rufen, setzte dieser sich von selbst in Bewegung, nun musste sie erst Recht wen dafür einteilen, zwei ihrer Leute waren schon ziemlich durch, die konnten die Pause gebrauchen und sicherten den Fahrstuhl mit ihren Blastergewehren. Der Fahrstuhl öffnete sich und der Sturmtruppensergeant (Tri) trat hinaus. Der Mann musste einen ausgezeichneten Sinn haben, wo er benötigt wurde und packte auch gleich mit an.

„Fisk hatte wohl doch noch Bedenken und wollte besonders clever sein. Hat nicht funktioniert.“, knurrte Gwenn leise, mittlerweile spürte sie die Anstrengung, der Helm war längst auf dem Boden, und sie wischte sich Schweiß von der Stirn, der ihren weißen Haarschopf an ihr kleben ließ. Dabei warf sie einen weiteren Blick auf ihr Chronometer. Fünf Minuten.

„Silvertail Six Three, kommen?“ Nur das unzufriedene Rauschen ihres Kommlinks antwortete. Zu allem Ärger war das Innere des Bunkers abgeschirmt. Es gab sicherlich irgendwo eine Kommstation, aber die Suche und Inbetriebnahme würde auch nur Zeit kosten. Sie musste einfach darauf vertrauen, dass ihr Staff Sergeant die Situation unter Kontrolle und die Zeit im Auge hatte.
Als Gwenn die letzte Kiste der zweiten Lage auf den Repulsorlift hiefte, sackte dieser kurz ab, fing sich jedoch, mit einem protestierendem Aufheulen von Motor und Material wieder. Alle, aber auch wirklich alle Anwesenden hatten inne gehalten, bei solchen Gewichten konnte es leicht zu Verletzungen kommen. Sie traf die Entscheidung.


„Das muss reichen. Buster, sichern Sie den Scheiß ordentlich ab und dann nichts wie raus hier.“ Sie konnte nur hoffen, dass der Corporal des ersten Trupps, wirklich Ahnung von Lastverteilung und Reißfestigkeit hatte. Wer konnte, half mit. Wer nicht konnte, stopfte sich die persönlichen Rucksäcke oder Tornister voll. Gwenn merkte sich die Leute. Man würde fein säuberlich teilen. Missgunst und Neid, wie auch das Gefühl, betrogen worden zu sein, förderten sonst nur wieder die Verwendung von Messern. Das würde sie nicht dulden.

Dann war man im Fahrstuhl, nochmal eine ganze Minute Fahrt. Als man wieder in der Constabulary angekommen war, musste es schnell gehen
.

„John, Sitrep!“, funkte sie ihren Stellvertreter an. Stress konnte man ihrer Stimmlage definitiv entnehmen, Panik jedoch nicht.

„Situation normal, all fucked up.“, lachte dieser über die Kommfrequenz. „Hatte kurz gedacht, ihr wärt nicht mehr.“ Dann wurde er professioneller, was vollkommen okay war. Sie hatte so informell angefangen; im AAR musste man das einfach beschönigen.

„Wir sind dabei uns zurückzuziehen, die Sturmtruppler haben einen Umgehungsversuch der Piraten aufgehalten, aber deren Haupttrupp ist mit seinen leichten und gepanzerten Speedern hier angekommen und machen uns das Lösen schwer. Noch verneinen wir ihnen die Hauptbrücke, aber wenn das so weiter geht, werden sie es irgendwann erzwingen. Sie halten ihre Luftabwehr in Deckung, wir kommen einfach nicht ran und dementsprechend sind wir auf uns alleine gestellt. Weder Veera von Lola können helfen.“

Gwenn wartete kurz.

„An der Hauptbrücke. Bei den Silos?“

„Bestätige.“

„Bei den Silos?“, wiederholte sie noch einmal eindringlicher.

„Oh, es dämmert gerade.“ Gut, dass er nicht die Umgebung meinte. Irgendwie konnte sie das Grinsen aus seiner Stimme hören. „Aber wir haben keine Ahnung, was drin ist.“

Im Verwaltungszentrum hätte man bestimmt eine Möglichkeit das herauszufinden. Nur eben die Zeit nicht. Konnte alles mögliche sein, Dünger, Korn oder vergleichbares. Treibstoff wäre ziemlich unwahrscheinlich.

„Nur eine sinnvolle Möglichkeit das herauszufinden.“

„Warte kurz.“

Vermutlich, dass seine seine Leute in Deckung gehen konnten. Gwenn stieß rennend das letzte Tor zur Landebucht auf und man war endlich wieder an der frischen Luft.

Vielleicht ein dutzend Herzschläge später, rollte ein Feuerpilz in die Höhe. Die Scheiben die beim ursprünglichen Angriff auf das Verwaltung standgehalten hatten, gaben spätestens jetzt den Versuch von struktureller Integrität auf. Sie zerbarsten vor der heranrollenden Schockwelle ohrenbetäubenden Lärms. Gleichzeitig zerschnitt eine erste Salve Turbolaserfeuer den Nachmittagshimmel - dankbarerweise weit entfernt in der Nachbarprovinz. Dennoch war es eine deutliche Erinnerung abzuhauen.
Gwenn hatte dieses hässliche Fiepsen in den Ohren, griff an diese und fand Blut an ihren Fingern wieder. Vielleicht hätte sie den verdammten Helm, mal besser doch wieder aufgesetzt. Sie gestikulierte zu Hooch und brüllte, vermutlich ihren Gehörverlust viel zu laut heraus, aber er verstand und übernahm.

Das dritte Platoon, B-Company, des 222.th Army Batallions kehrte zurück zu ihrem Basisschiff, der Strike-Kreuzer Conqueror, Gwenn hatte noch nie ein Base Delta Zero gesehen und auch diese Gelegenheit konnte sie nicht nutzen. Imperiale Ingenieure glaubten nicht an ‚Bullaugen‘ bei Truppentransportern. Zu Recht.
Patch hatte sich an ihren Ohren zu schaffen gemacht und auch wenn sie nicht gerne Patientin war, versuchte sie still zu halten, so gut es ging.

Ihr Blick suchte immer wieder den Schwebelift. Noch war man nicht an Bord, irgendwie musste man die ‚offizielle Landung‘ verringern. Sie hatte es durchgerechnet. 44 Creditkisten mit jeweils 200.000 Credits. Achtmillionenachthunderttausend republikanische Credits. Wie viel davon konnte man an offizieller Stelle durch schmuggeln, bestechen, lügen und einschüchtern vorbei wirtschaften? Der Ärger war noch nicht vorbei.


„...hören?“

„Leise.“, nickte Gwenn dem Sanitäter zu, um eine geringe Lautstärke bemüh. Was war das Heimatschiff von Tris Leuten? Die offizielle Kommfrequenz seiner Einheit hatte sie noch. Sie würde zu ihrem Wort stehen. Was sie an offizieller Stelle vorbei bekam, oder was diese ggfs. als Belohnung ausgab, würde sie durch alle involvierten Soldaten teilen. Aber noch stand der Zahltag aus.

[Mittler Rand – M'shinni-Sektor – Orbit auf dem Weg zur STR Conqueror - Agriworld-2079 – LAAT/i Alpha Six Three One Niner - Mannschaftsbucht] Erster und zweiter Trupp, Gwenn

OP: @Tri tunsa ich weiß nicht auf welchem Schiff du und deine Soldaten stationiert waren. Gegebenenfalls, komm gerne mit auf die Conqueror, das ist ein Kreuzer der Strike-Klasse. Ansonsten parken wir dich auch gerne auf deim Basisschiff. Sprich handhabe es gerne so wie du magst.
P.S. Wer einen Fehler bei meiner Mathematik findet, darf ihn gerne behalten. :D
 
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Mittlerer Rand - M'Shinni Sektor -Agriwold-2079 - Hertfordshire - regionales Verwaltungszentrum Aurek - Gwenn, Tri, 1st Squad (NPCs), betäubte Sicherheitskräfte (NPCs)



Die Kisten voller Credits sahen zwar schön aus, waren aber auch mindestens genau so schwer. Eine Kiste nach der anderen wuchteten sie auf den Repulsorlift. Tri schnaufte, nachdem er eine weitere Ladung Credits rübergehieft hatte. Ein kurzer Blick auf eine Uhr verriet ihm, dass ihre Zeit sich dem Ende neigte. Sie sollten sich ein bisschen mehr beeilen. Gerade als Gwenn noch eine Ladung Credits raufpackte sackte der Transporter gefährlich ab. Alle erschraken und hielten inne, doch zum Glück fing er sich wieder.
Es wäre nicht sonderlich schlau noch mehr raufzupacken, sonst würde die Ladung umkippen und alles wäre umsonst. Also rief Gwenn zur Rückkehr zum Schiff aus. Ein weiterer Blick auf die Uhr. ,,Kriff! Wir müssen dringend los!" Rief er und stopfte sich Geld in eine Tasche, welche er bei einem der Sicherheitsleuten sah und an sich nahm. Sie stiegen in den Fahrstuhl und fuhren hoch.
Die Fahrt kam im quälend lang vor, obwohl sie wahrscheinlich relativ schnell oben waren. Oben angekommen funkte er seine Leute an. Sie würden es wahrscheinlich nicht mehr rechtzeitig zu ihrem Schiff schaffen, selbst ohne Sevens Verletzung wären sie zu langsam. Er beriet sich kurz mit ihnen und sie kamen zu dem Schluss, dass sie fragen würden, ob sie bei Gwenns Schiff mitfliegen durften. Er fragte: ,,Hey, habt ihr ein Problem damit, wenn wir bei euch mitfliegen?" Es gab keine Proteste, also war es beschlossene Sache.
Draußen angekommen hielt er nach seinem Trupp ausschau. Er entdeckte sie, wie sie gegen weitere Piraten kämpften. Die von vorhin mussten nur der Vortrupp gewesen sein. Er bemerkte, wie Gwenn mit jemanden sprach, als plötzlich eine Rakete auf die Piraten niederging. Doch im selben Moment ertönte lautes Donnern. Er blickte sich um umd sah, wie in einem Dorf weiter hinten der Beschuss losging. Ihr Zeichen abzuhauen. Ohne seinem Helm könnte er den Krach sicher kaum aushalten. Er war froh, wie sehr die Helme solche Geräusche dämmten. Jedoch hatten nicht alle so viel Glück wie er. Gwenn hatte ihren Helm noch nicht aufgesetzt und bekam die volle Breitseite des Lärms ab. Tri setzte sich in Bewegung und rief seine Truppen zusammen. Um die Verletzten mussten sich sich später kümmern. ,,Los in das Schiff." Befahl er seinen Männern. Er stützte den humpelnden Seven und ging zu Raumschiff. Als alle drin waren schloss sich die Rampe und das Schiff hob ab. Ärzte eilten herbei und kümmerten sich um Gwenn und Seven. ,,Gute Arbeit." Rief Tri seinen Leuten zu und klopfte ihnen auf die Schulterplatten.
Doch noch war die Mission nicht erledigt. Irgendwie mussten sie es schaffen, das Geld vor dem Imperium zu verbergen. Jedoch war er sich ziemlich sicher, dass das keine Herausforderung für so ein gutes Team wie sie sein würde.



Mittlerer Rand - M'Shinni Sektor - Orbit über Agriwold-2079 - Gwenn, Tri, erster und zweiter Trupp (NPCs), Tris Trupp (NPCs)
 
[Mittler Rand – M'shinni-Sektor – Orbit auf dem Weg zur STR Conqueror - Agriworld-2079 – LAAT/i Alpha Six Three One Niner - Mannschaftsbucht] Erster und zweiter Trupp, Tris Trupp, Tri & Gwenn

Ein paar Dinge wurden Gwenn deutlicher. Gier konnte wunderbar zum Kopfverlust führen. Fast neun Millionen Credits. Etwa 2200 Kilo, 2,2 Tonnen in Credit Chits. Genügend Geld, um ein paar Leute darunter zu begraben. Über wie viele Leichen würde man für so eine Summe harter Credits gehen? Das alles sinnvoll umverteilt zu bekommen, musste ein Marathon werden, ein Sprint würde unweigerlich zu Fehlern und unangenehmen Fragen führen. Und Fragen wollte sie tunlichst meiden. Das und ein Erschießungskommando.
Man konnte durchaus erklären, wenn ein Soldat genügend Credits hatte, um in seiner dienstfreien Zeit immer eine Bar aufsuchen zu können, aber jede Nacht in einem Edelbordell würde auffallen. Und die Schnüffler von der KOMENOR steckten ihre Nasen eh viel zu oft in Angelegenheiten, die sie nichts angingen.


„Keine Kommnachrichten hier rüber.“, wies sie nochmal alle eindringlich an, nur um sich dann zu korrigieren:
„Kein Wort zu irgendjemandem.“ Ihr Blick wanderte abschätzend über die Anwesenden, auch über Tri und seine verbliebenen Sturmtruppler. Dann löste sie ihren Sicherheitsgurt und betrat das Cockpit.

„Max, Winston.“, begrüßte sie die beiden Piloten des LAAT/i. „Wir brauchen mal einen ungestörten Moment. Wir haben was Dringliches zu besprechen. Vielleicht könnten wir auch ein technisches Problem haben, so dass sich unsere Ankunft auf der Conqueror verzögert?“

Der Copilot tippte auf seiner Konsole herum, wandte dann den Kopf zu ihr um und nickte, dass es sicher war zu sprechen.

„Hat es was damit zu tun, dass wir ordentlich überladen sind?“

„Könnte man so sagen.“, pflichtete Gwenn ihm bei. „Wir haben fünf Sturmtruppler und knapp neun Millionen republikanische Credits an Bord.“

Nun drehte sich auch der Pilot um. Ein bisschen genoss sie auch die dramatische Stille. Ungeteilte Aufmerksamkeit zu haben, wenn man sie wollte, war wirklich nett.

„Wären etwa 150.000 Credits für jeden, wenn wir das sinnvoll, nur an die Beteiligten aufteilen. Also unser Platoon, die Sturmtruppler, Veera und Lolas Personal.“

„Sie haben nen Plan.“, stellte der Pilot fest.

„Ich habe einen Plan.“, nickte Gwenn selbstbewusst. „Die Frage ist, ob Sie dabei sein wollen. 150.000 Credits ist ne schöne Summe für die Zeit nach dem Militärdienst. Quasi eine Bonuszahlung für treue Soldaten, die ihre Kameraden nie im Stich gelassen haben.“

Die Piloten blickten sich einen Moment an, bevor Winston sachte nickte, dann auch Max. „Wir sind dabei.“

„Ich muss den Messertrick nicht aus nächster Nähe sehen.“
, kommentierte der Copilot.

Gwenn hatte nicht direkt gedroht, aber natürlich standen Konsequenzen im Raum, wahrscheinlich nicht einmal ausgehend von ihr selbst. Gab genügend Leute im Trupp - Hooch war der erste der ihr in den Sinn kam - die nachtragend waren. Sie würde auch die Piloten von Lola überzeugen müssen, denn es musste gelten, dass jedes einzelne Mitglied des Zuges – von ihr selbst bis zum einfachen Soldaten – mitmachen musste. Deshalb würde es gleiche Anteile geben, damit sich keiner hintergangen fühlen würde oder Gewissensbisse entwickelte. Entweder sie würden alle profitieren, oder alle vorm Erschießungskommando landen. Gwenn wusste, welche Option sie bevorzugte.

„Dann kommen Sie mit Winston, ich brauche Ihre Expertise.“

Wieder in der Mannschaftsbucht angekommen, wollte sie wissen: „Hinter welchen Abdeckungen ist Platz, so dass wir die Ladung möglichst unauffällig und masseeffizient verstauen können. Und wo wird nicht sooft nachgesehen?“
Der Copilot blickte sich nachdenklich um, bevor er einige Aufbauten aussonderte. „Dort, dort und dort.“

Mit einer auffordernden Handbewegung bedeutete Gwenn ihren technikaffinen Leuten, sich daran zu schaffen zu machen, während sie selbst eine der Creditkisten öffnete und den nächstbesten Soldaten zu sich winkte. „Es kommt erstmal alles in einen Pot, keiner behält auch nur einen Centicred für sich, wer was hat, liefert es hier bei mir ab. Jeder bekommt einen gleichen Anteil.“ Ihr Blick glitt streng durch die Soldaten. „Davon 5000 Credits jetzt, das dürfte jeder von uns unauffällig verstaut bekommen, die Summe ist klein genug, dass man sie beim Glücksspiel gewonnen haben konnte. Sollten da Schwierigkeiten aufkommen, Klappe halten und die Problemverursacher immer in meine Richtung lenken.“

Sie ließ ihre Worte wirken.

„Haben das alle verstanden?“

Es kamen gemurmelte und auch deutlich gesprochene Jas.

„Ich kann euch nicht hören.“, meinte sie laut genug, dass man es auch deutlich im Cockpit vernehmen konnte. Ihre Worte wurden energischer. „Wir müssen alle füreinander einstehen, oder wir werden alle einzeln hängen! Also frage ich nochmal: Haben das alle verstanden?“

Diesmal war die Bestätigung ohrenbetäubend. Ging doch! Man brauchte einfach die richtige Motivation.

Als man im Hangar der Conqueror aufsetzte, war LAAT/i Alpha Six Three One Niner immer noch überladen, aber die Mannschaftsbucht gab darauf keinen Aufschluss. Wer auch immer die Wortschöpfung 'Not macht erfinderisch', erdachte, hatte keine Ahnung zu was für Höchstleistungen Gier beflügeln konnte Selbst den Repulsorliftwagen hatte man auseinander geschraubt und hinter Armaturen und Abdeckungen verstaut. Einzig die Deckplatten des LAAT/i wiesen neue Kratzspuren auf. Aber es war ein Angriffstransporter, keine Admiralsfähre, da waren Schrammen und Kratzer nichts Neues. Wo gehobelt wurde, fielen Späne.
Jetzt musste man nur noch die Technikercrew sinnvoll ins Boot holen. Dann würde man immer mal wieder kleinere Summen extrahieren können, ohne dass ein plötzlicher Geldregen bei den Mannschaftsgraden auffiel, oder Techniker Paneele abnahmen, die man besser nicht öffnete.


„Okay, Tri.“, eröffnete die Lieutenant, nachdem sie ihren Weg zu dem Sergeant der Sturmtruppen gefunden hatte, der bei seinem verletzten Mann stand, um den sich der IM-6 Schlachfeld Medizindroide des LAAT/is und der Sanitäter des dritten Trupps (Whiskey) kümmerte. „Wir haben ein paar Optionen. Zunächst brauchen wir noch die Wartungscrew auf unserer Seite und dann haben wir alle Zeit der Galaxie. Aber ich denke das sollte kein Problem darstellen.“

„In den nächsten Wochen können wir bei passender Gelegenheit nach und nach mehr von den Credits entnehmen und auszahlen, die bloße Menge, Masse und die Notierung als republikanische Creds sind hierbei das Problem. Oder, wir warten auf den nächsten Einsatz, vielleicht gibt es mal ne schöne planetare Invasion, nicht so ne Schießbude, in welche die Flotte den Farmplaneten verwandelt. Dort finden wir ein paar zwielichtige Gestalten und die uns einen angemessen Wechselkurs anbieten und teilen die Creds dort auf. Je nachdem, wie es läuft, kann man die Summe vielleicht auch auf nem Konto bei einer Bank im Corporate-Sektor, buchen oder erhalten. Das wird vermutlich auch wieder Prozente kosten, aber ich denke das können wir vor Ort individuell erörtern.“

Um sie herum stiegen Soldaten aus und transportierten die Schwerverletzten Richtung Krankenstation ab. Ihr Stellvertreter verschwand in Richtung des anderen LAAT/i, um dort die nötigen Schritte der Geheimhaltung und Einweisung einzuleiten.

„Wie sind Ihre weiteren Befehle? Bleiben Sie an Bord der Conqueror? Und haben Sie Fragen zum weiteren Ablauf?“ Dabei nickte sie in Richtung einer der Abdeckungen hinter denen man einen Teil der Credits verstaut hatte.
Die Weißhaarige reichte ihm die Hand.
„Wenn Sie wollen, reicht Gwenn.“ Sie schmunzelte leicht, bevor sie wieder zum Geschäft kam. „Wir müssen unsere Einsatzberichte gut aufeinander abstimmen.“

[Mittler Rand – M'shinni-Sektor – STR Conqueror - Agriworld-2079 – LAAT/i Alpha Six Three One Niner - Mannschaftsbucht] Erster und zweiter Trupp, Gwenn
 
[Mittler Rand – M'shinni-Sektor - Agriworld-2079 - ISD-II "Authority" - Besh-Brücke] Commodore Scytale Mentel, Kommandostab (NPCs)

Die Nackenhaare des Commodores stellten sich unweigerlich auf, als er die Präsenz der Sith nahe sich spürte. Angelus sprach als Erstes, dicht bei ihm stand der andere Krieger, Naver. Scytale drehte sich um, nickte zu letzterem und widmete seine Aufmerksamkeit Angelus. Dieser hielt ihm mit einem fast schon wölfischen Grinsen eine Waffe entgegen. Ein Lichtschwert. Hatte Angelus etwa ein Intermezzo mit einem Jedi gehabt? Gut möglich.
Der gebürtige Bastioner ließ den Blick über den unscheinbaren Griff wandern, bevor er zugriff. Sie war leichter als erwartet und fühlte sich seltsam angenehm in seiner Hand an. Er richtete die Öffnung abseits der beiden Sith und aktivierte die Waffe. Surrend brannte die Klinge blau auf. Flüchtig ging sein Blick zu Angelus und dann wieder zur Waffe.

"Der Vorbesitzer ist... war ein Jedi, nehme ich an? Kein besonders gefährlicher?"
Scytale balancierte das Lichtschwert, drehte sich mit ihm und beobachtete mit wachsender Faszination die Vibrationen des Lichtes.

Der Kommunikationsoffizier riss ihn wieder zurück in das Hier und Jetzt. "Sir, die letzten Transporter haben die Planetenoberfläche verlassen. Die Custodian hat grünes Licht für die finale Phase von Operation Schwarze Ernte gegeben. Warten auf Feuerbefehl des Rear Admirals."
Ein erneutes Betätigen des Knopfes und die Klinge deaktivierte sich. Mentel gab sie Angelus zurück, bevor er seinen Fokus ebenfalls wieder auf Naver richtete.

"Gentlemen. Ich glaube vom Sichtfenster haben Sie die beste Sicht."

Mit wenigen Schritten führte er sie zu den großen, trapezförmigen Fenstern.

Die Authority lag ruhig im Raum.


"Der Rear Admiral hat den Feuerbefehl erteilt."
Scytale nickte und nahm die Information zur Kenntnis. Die anwesenden Offiziere hielten inne, blickten zu ihm aus den Gräben links und rechts. "Feuer Frei." In gewohnter Routine wurde der Befehl umgehend weitergeleitet - erst an die Schiffe im Verband, dann an die Feuerleitstationen, gefolgt von den Jägerleitständen.

Der Sternenzerstörer erbebte unter den Vibrationen seiner feuernden Turbolaserbatterien. Aus den Geschützstellungen lösten sich grüne Salven, die sich leuchtend in die Schwärze des Alls ergossen.
Die Feuerleitstände hatten ihre Ziele längst erfasst: die relativ dicht besiedelten Gebiete der Agriworld. Während also die Turbolaser die ersten Siedlungen unter Beschuss nahmen, stiegen die Bomberverbände in die Atmosphäre des Planeten hinab. Ihre Ziele waren die weitläufigen Felder und Agrarflächen, die das wirtschaftliche Rückgrat des Planeten bildeten.

Nicht lang und die ersten grelle Lichtblitze brachen auf der Planetenoberfläche auf. Detonationen erschütterten Felder, Anlagen, Siedlungen. Feuer bereitete sich über die getroffenen Gebiete aus. Wo eben noch die Lichter der wenigen Städte und landwirtschaftlicher Komplexe zu erkennen gewesen waren, stiegen nun dichte Rauchwolken auf.

Salve um Salve setzte sich die Symphonie der Zerstörung fort, während die Feuerleitoffiziere auf der Brücke die nächsten Zielkoordinaten bestätigten.


Scytales Gedanken wanderten zur Vanguard, zu Serana. Was sie wohl bei diesem Anblick spürte? Genugtuung? Zufriedenheit? Ausgleichende Gerechtigkeit für den Mord am Imperator, den Angriff auf Kashyyyk? Er wusste es nicht, doch für einen flüchtigen Augenblick fragte er sich, was sie ihm wohl sagen würde, stünde sie jetzt neben ihm am Sichtfenster. Vielleicht wären es auch gar keine Worte gewesen, die sie miteinander ausgetauscht hätten, während unter ihnen die erste von vielen Welten in Flammen aufging...

[Mittler Rand – M'shinni-Sektor - Agriworld-2079 - ISD-II "Authority" - Besh-Brücke] Commodore Scytale Mentel, Darth Naver, Darth Angelus, Kommandostab (NPCs)

Imperial-Klasse-II-Sternenzerstörer - "Authority" - Commodore Scytale Mentel - Flaggschiff der Kampfgruppe
[Schilde: 100 % | Hülle: 100 %]
TIE/in [12 von 12 Maschinen]
TIE/in [12 von 12 Maschinen]
TIE/in [12 von 12 Maschinen]
TIE/in [12 von 12 Maschinen]
TIE/IT [8 von 8 Maschinen]

TIE/IT [8 von 8 Maschinen]


Victory-I-Klasse-Sternenzerstörer - "Righteous Fury"
[Schilde: 100 % | Hülle: 100 %]
TIE/in [12 von 12 Maschinen]
TIE/in [12 von 12 Maschinen]


Victory-I-Klasse-Sternenzerstörer - "Wrathbringer"
TIE/in [12 von 12 Maschinen]
TIE/in [12 von 12 Maschinen]


Eskortträger der Ton-Falk-Klasse - "Colossus"
[Schilde: 100 % | Hülle: 100 %]
XM-1-Raketenboot [8 von 8 Maschinen]
XM-1-Raketenboot [8 von 8 Maschinen]
TIE/sa [8 von 8 Maschinen]
TIE/sa [8 von 8 Maschinen]

TIE/in [12 von 12 Maschinen]
TIE/in [12 von 12 Maschinen]


Eskortträger der Ton-Falk-Klasse - "Adam"
[Schilde: 100 % | Hülle: 100 %]
XM-1-Raketenboot [8 von 8 Maschinen]
XM-1-Raketenboot [8 von 8 Maschinen]
TIE/sa [8 von 8 Maschinen]
TIE/sa [8 von 8 Maschinen]

TIE/in [12 von 12 Maschinen]
TIE/in [12 von 12 Maschinen]
 
[ Mittlerer Rand – M'shinni-Sektor – Agriworld-2079 – Orbit – ISD-II Authority – Brücke ]
Darth Angelus, Darth Naver, Commodore Scytale Mentel, Kommandostab


Angelus hatte die Ausführungen des anderen Sith über seinen Schüler mit einem Nicken zur Kenntnis genommen. Offenbar legte Naver bei dessen Ausbildung einigen Wert auf Meditation und die bewusste Wahrnehmung der Dunklen Seite. Eine Herangehensweise, die sich erheblich von jener seines eigenen Meisters unterschied. Darth Sting hatte wenig für derartige Übungen übriggehabt. Unter seiner Anleitung hatte es vor allem Kampf, Töten und den unbedingten Willen gegeben, den nächsten Tag noch zu erleben. Wer überleben wollte, musste stärker, schneller oder gerissener sein als sein Gegenüber. Eine durchaus wirksame Ausbildung, wie Angelus fand, wenngleich sie wenig Raum für die feineren Aspekte der Macht gelassen hatte.

Er behielt diese Überlegungen für sich. Was spielte es schon für eine Rolle, wie sein Meister ihn einst unterrichtet hatte? Der Schüler Sabar Muraenus existierte längst nicht mehr. An seine Stelle war Darth Angelus getreten, ein Vollmitglied des Ordens, das sich seinen Platz aus eigener Kraft erkämpft hatte und dessen Ambitionen inzwischen weit über die Vorstellungen seines ehemaligen Meisters hinausreichten.

Ohnehin beschäftigte ihn etwas anderes wesentlich mehr als die Ausbildung irgendeines Sith-Schülers.
Naver hatte seine Anspielung verstanden. Mehr noch, seine Antwort ließ zumindest erkennen, dass er dem Gedanken einer engeren Zusammenarbeit innerhalb des Ordens keineswegs abgeneigt war. Das war erfreulich. Angelus hatte nicht erwartet, bereits bei dieser ersten vorsichtigen Annäherung auf offene Zustimmung zu stoßen, doch die Bereitschaft, sich überhaupt mit solchen Möglichkeiten auseinanderzusetzen, genügte ihm fürs Erste. Es gab keinen Grund zur Eile. Große Vorhaben verlangten schließlich nach einem gewissen Maß an Geduld, selbst wenn diese nicht unbedingt zu seinen ausgeprägtesten Tugenden gehörte.

Ein schmales, zufriedenes Lächeln umspielte seine Lippen. Vielleicht würde sich aus dieser Bekanntschaft tatsächlich etwas entwickeln, das über die gemeinsame Teilnahme an einer imperialen Militäroperation hinausging. Die Voraussetzungen waren jedenfalls vielversprechend.

Auf der Brücke der Authority hatte sich seine Aufmerksamkeit zunächst jedoch dem
Commodore zugewandt. Mit sichtlichem Amüsement beobachtete Angelus, wie Mentel die ihm dargebotene Waffe entgegennahm, sie eingehend musterte und schließlich die Klinge aktivierte. Ein durchaus hübscher Anblick. Beinahe bedauerlich, dass die eigentliche Besitzerin nicht mehr in der Lage war, sich daran zu erfreuen. Als der Offizier schließlich nach der Gefährlichkeit des Jedi fragte, entwich dem Sith ein leises, amüsiertes Schnauben.

"Achtzehn Sturmtruppler, Commodore. Achtzehn gute Männer, die dieser Jedi auf dem Gewissen hat. Ich würde sagen, er verstand sein Handwerk durchaus."

Das wölfische Lächeln kehrte zurück, als er das deaktivierte Lichtschwert wieder entgegennahm und mit einer beiläufigen Bewegung unter seinem schwarzen Umhang verschwinden ließ.

"Aber ich bin zuversichtlich, dass wir bei unserer nächsten Unternehmung auf derartige Überraschungen besser vorbereitet sein werden, wo auch immer uns diese Operation hinführen mag. Ich habe bereits die Unterstützung meines ehemaligen Schülers angefordert. Ein ausgesprochen fähiger Mann."

Dass ausgerechnet dieser ehemalige Schüler für das Ableben der achtzehn Soldaten verantwortlich gewesen war, behielt Angelus besser für sich. Die Wahrheit war eine ausgesprochen formbare Angelegenheit, sofern man nur genügend Einfluss darauf besaß, wer sie erzählte. Und für den Augenblick gab es keinen Grund, die allgemein akzeptierte Version der Ereignisse infrage zu stellen.

Die Meldung des Kommunikationsoffiziers beendete das Gespräch. Die letzten Transporter hatten die Oberfläche verlassen. Die finale Phase der Operation stand unmittelbar bevor. Angelus folgte der Einladung des
Commodore zu den gewaltigen Sichtfenstern der Kommandobrücke, hinter denen sich Agriworld in seiner ganzen erbärmlichen Bedeutungslosigkeit erstreckte. Eine Bauernwelt, deren Name nicht einmal die Mühe einer eigenen Bezeichnung wert gewesen war. Und doch würde sie in wenigen Augenblicken eine Lektion erhalten, die weit über ihre eigenen Grenzen hinaus Beachtung finden sollte.

Als schließlich der Feuerbefehl erging, richtete sich Angelus zu seiner vollen Größe auf. Seine behandschuhten Hände verschränkte er hinter dem Rücken, während sein Blick unverwandt auf dem Planeten ruhte.

Dann erbebte die Authority.

Grüne Turbolasersalven schossen aus den gewaltigen Geschützstellungen des Sternenzerstörers und verschwanden in Richtung der Atmosphäre. Weitere folgten, begleitet von dem dumpfen Grollen der arbeitenden Batterien, das selbst durch die massiven Deckplatten bis in die Brücke zu dringen schien. Angelus verfolgte die leuchtenden Geschosse mit einer beinahe kindlichen Vorfreude. Wenige Augenblicke später flammten auf der Oberfläche die ersten grellen Lichtblitze auf. Dort, wo sich eben noch Siedlungen und landwirtschaftliche Anlagen befunden hatten, breiteten sich Feuer und Rauch aus. Weitere Einschläge folgten, einer nach dem anderen, während sich die Vernichtung über die Oberfläche fraß. Auch die Bomber waren unlängst im Begriff, ihr zerstörerisches Werk zu verrichten.

Ein prachtvoller Anblick.

Doch das eigentliche Schauspiel offenbarte sich Angelus nicht durch die Sichtfenster. Zunächst war es kaum mehr als ein fernes Zittern in der Macht gewesen. Ein Aufschrei, so flüchtig, dass er im nächsten Augenblick bereits wieder zu verschwinden drohte. Dann folgte ein weiterer. Und noch einer. Binnen weniger Herzschläge verdichteten sich die einzelnen Regungen zu etwas Größerem. Angst. Verzweiflung. Schmerz. Tausende Leben, deren letzte Augenblicke sich in die Macht einbrannten. Das Sterben einer Welt, deren Bewohner bis vor wenigen Stunden vermutlich nicht einmal gewusst hatten, dass sie sich im Krieg befanden.

Angelus schloss für einen Moment die Augen. Wie köstlich...

Er spürte, wie die Dunkle Seite auf das Geschehen reagierte. Wie sich die unzähligen Emotionen ineinander verschlangen und zu einer gewaltigen, chaotischen Strömung vereinigten. Es war rohe, ungezügelte Finsternis, geboren aus dem Entsetzen jener, die in diesem Augenblick begriffen, dass es für sie kein Entkommen mehr gab.

Und Angelus hieß sie willkommen.

Langsam löste er die Hände hinter seinem Rücken. Seine Finger spreizten sich kaum merklich, während er die eigene Präsenz in der Macht ausdehnte. Wie ein schwerer, schwarzer Teppich breitete sich seine dunkle Aura über die Brücke aus, kroch zwischen den Arbeitsstationen hindurch und legte sich über den Raum. Er machte sich nicht die Mühe, seine Natur zu verbergen. Im Gegenteil. Er wollte sie spüren, wollte die Finsternis, die sich unter ihnen entfaltete, in sich aufnehmen und ihr mit seiner eigenen begegnen.

Sein Atem wurde tiefer. Die Mundwinkel hoben sich zu einem Ausdruck unverhohlener Verzückung.

Die Dunkle Seite strömte durch ihn, nährte seinen Stolz, seine Wut, seinen unersättlichen Hunger nach Macht. Für einen Augenblick schien die Grenze zwischen dem Inferno unter ihnen und der Finsternis in seinem Inneren zu verschwimmen. Angelus öffnete sich dem gewaltigen Echo des Sterbens, sog die aufgewühlten Strömungen der Macht geradezu gierig in sich auf und genoss jede einzelne Regung, die durch seinen Körper fuhr. Seine grünen Augen öffneten sich wieder. Im Widerschein der brennenden Welt wirkten sie beinahe fiebrig.

Ein leises, finsteres Lachen entwich seiner Kehle.


"Wundervoll...“

Es war kaum mehr als ein geflüstertes Wort, doch es brachte seine Empfindungen treffender zum Ausdruck als jede längere Rede.

Unter ihnen setzte sich die Vernichtung fort. Weitere Salven durchdrangen die Atmosphäre, weitere Lichtblitze erhellten die Oberfläche. Angelus betrachtete das Schauspiel mit einer Genugtuung, die weit über die bloße Befriedigung eines militärischen Erfolges hinausging. Das Imperium hatte gesprochen, und eine ganze Welt musste zuhören. Nicht durch Verhandlungen, nicht durch diplomatische Noten oder die hohlen Versprechungen republikanischer Senatoren, sondern durch die unmissverständliche Sprache imperialer Macht und Stärke.

[ Mittlerer Rand – M'shinni-Sektor – Agriworld-2079 – Orbit – ISD-II Authority – Brücke ]
Darth Angelus, Darth Naver, Commodore Scytale Mentel, Kommandostab
 
| Mittlerer Rand – Hyperraum – Anflug auf Agriworld-2079 | Craton Minara |​

Das gleichmäßige Summen der Triebwerke und das blaue Flimmern des Hyperraums waren längst zu einer beinahe beruhigenden Selbstverständlichkeit geworden. Noch etwas mehr als eine Stunde, dann würde die Quiet Wager wieder in den Normalraum fallen. Craton hatte den Pilotensitz ein wenig zurückgestellt und betrachtete die Navigationsdaten, während seine Finger gedankenverloren mit einem Credit-Chip spielten. Er war neugierig, wie sich die Lage auf Agriworld inzwischen entwickelt hatte. Immerhin waren seit seinem letzten Besuch einige Tage vergangen, und das Imperium war ganz sicher nicht gekommen, um den Bauern beim Einbringen ihrer Ernte zu helfen. Der Credit-Chip wanderte über seine Fingerknöchel. Dann hielt er inne, etwas stimmte nicht. Es war kein Geräusch, keine Warnung des Navcomputers und auch kein Defekt an der Quiet Wager. Die Anzeigen blieben unverändert, der Hyperraumantrieb arbeitete ruhig und zuverlässig. Trotzdem richtete sich der Mirialaner langsam im Sitz auf. Ein unangenehmes Gefühl breitete sich in seiner Brust aus, als hätte sich für einen Augenblick etwas um sein Herz geschlossen. r kannte die Macht inzwischen gut genug, um zu erkennen, dass es nicht sein Schiff war. Da war etwas, etwas Gewaltiges... Es kam nicht wie eine einzelne Präsenz, die sich seinem Bewusstsein näherte. Eher wie eine Welle, die sich plötzlich durch etwas ausbreitete, das er bislang für vollkommen still gehalten hatte. Ein Durcheinander aus Empfindungen, zu zahlreich und zu flüchtig, um sie voneinander zu unterscheiden. Furcht, Schmerz, Panik, und dann brach etwas ab. Nicht alles gleichzeitig. Es war vielmehr, als würde irgendwo in einem gewaltigen Gebäude ein Licht nach dem anderen erlöschen. Nur viel schneller, als irgendjemand die Schalter hätte betätigen können. Craton umklammerte unwillkürlich die Armlehne. Die Dunkle Seite war da. Er spürte sie in diesem Augenblick deutlicher als zuvor, gespeist von einer Gewalt, die er nicht sehen konnte und deren Ausmaß sein Verstand kaum einzuordnen vermochte. Einen Teil davon konnte er beinahe greifen, als würde die Macht ihm etwas anbieten. Doch gleichzeitig war da dieses seltsame, bedrückende Verstummen.

Der Mirialaner schluckte. Für einige Sekunden saß er vollkommen regungslos da. Dann ließ der Druck nach, nicht vollständig. Etwas davon blieb zurück, ein Nachhall, der sich nicht einfach abschütteln ließ. Craton sah auf die Anzeigen, keine Störung, keine Warnung. Nichts, das erklärte, was gerade geschehen war.

„Was zum Fierfek war das denn?“
Er überprüfte die Position der Quiet Wager, anschließend die verbleibende Reisezeit. Noch immer derselbe Kurs. Noch immer Agriworld-2079. Der Credit-Chip lag vergessen neben seinem Sitz. Nach einigen Augenblicken lehnte sich der Mirialaner wieder zurück, allerdings ohne die vorherige Entspannung. Das Gefühl blieb. Er versuchte, es einzuordnen, einzelne Empfindungen aus dem Durcheinander herauszulösen, doch je länger er sich darauf konzentrierte, desto weniger greifbar wurde es. Schließlich gab er es auf. Sein Blick wanderte zur Anzeige der verbleibenden Flugzeit. Er wollte wissen, was dort draußen geschehen war.

Etwas mehr als eine Stunde später ertönte das vertraute Signal des Navcomputers. Craton legte beide Hände auf die Kontrollen, überprüfte den Austrittsvektor und zog den Hyperraumhebel zurück. Die blauen Schlieren schrumpften zu Sternen. Agriworld-2079 erschien vor der Cockpitscheibe, und mit ihm eine imperiale Flotte. Die Sensoren begannen beinahe augenblicklich, Kontakte zu erfassen und zu klassifizieren. Fregatten, Kreuzer, Trägerschiffe und Sternenzerstörer. Dazwischen bewegten sich zahlreiche kleinere Signaturen. Imperiale Kennungen füllten die taktische Anzeige. Doch Cratons Aufmerksamkeit galt zunächst dem Planeten. Er war nicht mehr derselbe. Selbst aus der Entfernung waren gewaltige Veränderungen auf der Oberfläche zu erkennen. Dort, wo beim letzten Besuch noch ausgedehnte landwirtschaftliche Regionen gelegen hatten, zogen sich dunkle, verwüstete Flächen durch die Landschaft. Gewaltige Rauch- und Staubformationen verdeckten Teile der Oberfläche. Hier und dort glommen noch immer Feuer unter den Wolken. Der Mirialaner beugte sich langsam nach vorne. Er hatte gewusst, was die Imperialen vorgehabt hatten. Darth Angelus hatte schließlich keinen Hehl daraus gemacht, dass Agriworld seiner Funktion als Versorgungswelt beraubt werden sollte. Es war allerdings eine Sache, davon zu wissen, eine andere, das Ergebnis zu sehen. Und eine vollkommen andere, es zuvor durch die Macht gespürt zu haben. Sein Blick blieb auf den dunklen Flächen haften. Jetzt verstand er, das Gefühl im Hyperraum, dieses plötzliche Verstummen. Nicht ein einzelner Tod, nicht einmal hundert. Der Mirialaner lehnte sich langsam zurück.


„Bei den schwarzen Knochen des toten Imperators...“
Er ließ den Satz unvollendet. Achtzehn Sturmtruppen hatte er getötet, um einen Jedi zu erfinden. Dort unten waren inzwischen ganz andere Zahlen bedeutungslos geworden. Und das Erschreckende daran war nicht einmal der Tod selbst, es war die Leichtigkeit. Irgendjemand hatte auf der Brücke eines Kriegsschiffes einen Befehl gegeben. Andere hatten ihn ausgeführt. Und weit unter ihnen waren Menschen gestorben, die vermutlich nicht einmal gewusst hatten, welches Schiff gerade seine Geschütze auf sie richtete. Keine List, keine Täuschung, keine besondere Raffinesse. Nur rohe, beinahe industrielle Gewalt. Brutal, effizient. Und auf eine erschreckende Weise beeindruckend. Dopa Maskey konnte nicht leugnen, was er im Hyperraum gespürt hatte. Das massenhafte Sterben hatte die Dunkle Seite genährt, und selbst über diese Entfernung hinweg war etwas davon zu ihm gedrungen. Für einen kurzen Moment hatte ihn diese Gewalt beinahe berauscht. Ein Teil von ihm hatte mehr davon gewollt, wollte noch immer danach greifen und herausfinden, wie viel Macht sich daraus schöpfen ließ. Der andere Teil betrachtete die verwüstete Oberfläche und fragte sich, wie wenig es brauchte, um all diese Leben auszulöschen. Nicht aus Mitleid, vielleicht nicht einmal aus Abscheu. Sondern weil er begriff, wie wenig die Menschen dort unten ihrem Schicksal entgegenzusetzen gehabt hatten. Sie waren ausgeliefert gewesen. Ein Zustand, den Craton Minara nur zu gut kannte und den er sich geschworen hatte, niemals wieder hinzunehmen. Sein Blick wanderte von der Oberfläche zu den gewaltigen Silhouetten der imperialen Kriegsschiffe. Macht. Wieder dieses verdammte Wort. Noch wusste er nicht, ob ihn das Schauspiel mehr faszinierte oder abstieß. Was ihn allerdings länger beschäftigte, als ihm lieb war, war die Erkenntnis, dass beides gleichzeitig möglich war.

Dann meldete der Annäherungsalarm zwei neue Kontakte. Schnell, klein, direkt auf ihn zu. Craton blickte auf die Anzeige. IE-Abfangjäger. Er ließ die Quiet Wager auf ihrem gegenwärtigen Vektor und nahm etwas Geschwindigkeit heraus. Wenig später knackte der Funk.

„Unidentifiziertes Schiff, hier imperiale Raumüberwachung. Reduzieren Sie Ihre Geschwindigkeit und halten Sie Ihren gegenwärtigen Kurs. Übermitteln Sie Kennung, Herkunft und Flugziel.“
Der Mirialaner warf einen Blick auf den Transponder. Quiet Wager. Alles in Ordnung. Eine vollkommen unverdächtige Reise aus imperialem Raum, zumindest auf dem Papier. Er öffnete den Kanal.
„Quiet Wager. Ziviles Scoutschiff aus Richtung Ord Mantell. Ich würde gerne zu Eurer Flotte, vorzugsweise ohne vorher Bekanntschaft mit Euren Laserkanonen zu machen.“
Die beiden Abfangjäger näherten sich weiter, er Funk knackte erneut.
„Quiet Wager, Sie befinden sich in einem militärischen Sperrgebiet. Übermitteln Sie unverzüglich Ihre Autorisierung.“
Craton verdrehte die Augen.
„Ja, ja. Fierfek. Einen Augenblick.“
Seine Finger wanderten über die Kommunikationskonsole. Diesmal musste er keine fremde Identität erfinden, keine Registrierung manipulieren und keinen überarbeiteten Zollbeamten davon überzeugen, dass er eigentlich nur seine Arbeit machte. Er übermittelte seine echte imperiale Sicherheitskennung. Verschlüsselte Identifikation, Ordenszugehörigkeit, Sith-Krieger. Die Bestätigung dauerte einige Sekunden. Währenddessen bezogen die beiden Abfangjäger Position vor und seitlich der Quiet Wager. Der Mirialaner trommelte mit zwei Fingern gegen die Armlehne.
„Nun kommt schon, ma bukee. So viele Buchstaben sind das nicht.“
Schließlich meldete sich die Raumüberwachung erneut.
„Quiet Wager, Sicherheitskennung bestätigt. Sith-Ordenszugehörigkeit verifiziert. Halten Sie Ihre Position und erwarten Sie weitere Anweisungen.“
Craton schloss für einen Moment die Augen. Natürlich, weitere Anweisungen. Der Mirialaner öffnete den Kanal erneut. Als er sprach, war der Tonfall deutlich kontrollierter.
„Quiet Wager an Raumüberwachung. Ich befinde mich auf Anforderung von Darth Angelus im System. Ihr könnt mich zu ihm eskortieren oder mir den entsprechenden Anflugkorridor freigeben.“
Eine kleine Pause. Dann gewann der ehemalige Schmuggler wieder die Oberhand.
„Und wenn Ihr schon dabei seid, informiert jemanden darüber, dass ich komme. Ich würde ungern noch einmal erklären müssen, warum ich hier bin.“
Die Antwort ließ etwas auf sich warten. Craton beobachtete unterdessen die beiden Abfangjäger, die weiterhin in Reichweite blieben. Immerhin hielten sie ihre Waffen still. Schließlich erhielt er die Freigabe, sich unter Eskorte dem imperialen Verband zu nähern. Einer der Abfangjäger zog voraus, während der andere sich leicht versetzt hinter die Quiet Wager setzte. Der Mirialaner schob die Triebwerksleistung hoch.
„Dobra. Geht doch.“

Der kleine Explorer folgte seiner Eskorte tiefer in den Verband hinein. Was zunächst nur taktische Symbole auf dem Sensorbild gewesen waren, wurde mit jedem Kilometer zu einer Ansammlung gewaltiger Kriegsschiffe. Fregatten und Kreuzer zogen langsam an den Cockpitscheiben vorbei, während immer wieder einzelne Jäger zwischen den größeren Einheiten hindurchschossen. Dann erschienen die Sternenzerstörer. Keilförmige Rümpfe, kilometerlang, von Geschütztürmen, Sensoranlagen und Hangaröffnungen übersät. Kriegsschiffe, deren bloßer Anblick bereits deutlich machte, weshalb das Imperium so viel Wert auf ihre Wirkung legte. Craton ließ den Blick über die Kennungen wandern. Schließlich blieb er an einem der größeren Kontakte hängen. Authority. Ein Sternenzerstörer der Imperium-II-Klasse. Die Quiet Wager wurde genau auf ihn zugeführt. Der Mirialaner betrachtete den gewaltigen Sternenzerstörer. Eines der imposantesten Kriegsschiffe des gesamten Verbandes, und ausgerechnet dorthin führte ihn seine Eskorte. Allerdings hätte Craton auch ohne die Navigationsdaten gewusst, dass er auf dem richtigen Weg war. Je näher er der Authority kam, desto deutlicher spürte er eine vertraute Präsenz in der Macht. Unverkennbar, selbst zwischen all den Tausenden Lebewesen an Bord. Stolz, selbstgefällig und von einer Schärfe, die der Mirialaner nur zu gut kannte. Darth Angelus. Natürlich, Craton lehnte sich etwas zurück und schüttelte amüsiert den Kopf.
„Bei den Sonnen. Eines der größten Schiffe im ganzen Verband. Hätte ich mir denken können.“
Er grinste.
„Bescheidenheit war noch nie Eure Stärke, maLorda.“
Die Authority wuchs weiter vor der Cockpitscheibe, bis ihr gewaltiger Rumpf einen Großteil der Sicht einnahm. Neben ihr wirkte selbst der nicht gerade winzige Explorer beinahe lächerlich klein.
Schließlich meldete sich die Hangarkontrolle. Ein neuer Anflugvektor erschien auf der Navigationsanzeige, zusammen mit der Zuweisung einer gesicherten Landefläche im Haupthangar. Craton bestätigte den Empfang. Die beiden Abfangjäger lösten sich von der Quiet Wager, während der Mirialaner den Explorer unter den Bauch des Sternenzerstörers steuerte. Gewaltige Panzerplatten zogen über ihm vorbei, unterbrochen von Geschützanlagen und technischen Aufbauten. Dann tauchte die Hangaröffnung vor ihm auf. Das blaue Schimmern des Atmosphärenschildes glitt über die Cockpitscheibe, als die Quiet Wager in das Innere der Authority eintauchte. Hartes weißes Licht, Landemarkierungen, Techniker und Bodenmannschaften. Abgestellte Maschinen und Frachtcontainer. Der Haupthangar war groß genug, um das kleine Scoutschiff beinahe darin verschwinden zu lassen. Der Mirialaner folgte den Anweisungen der Hangarkontrolle und brachte die Quiet Wager über die ausgewiesene Fläche. Die Repulsoren fingen das letzte Stück ab, ein leichtes Zittern ging durch den Rumpf, dann setzte das Schiff auf. Craton fuhr die Triebwerke herunter und blieb noch einen Moment im Pilotensitz sitzen. Er hatte Agriworld heimlich betreten, war unter Blasterfeuer von dort verschwunden. Und jetzt kehrte er zurück, mit gültiger Sicherheitskennung und offizieller Einladung. Der Mirialaner grinste.

„Dobra. So fühlt sich also eine legale Einreise an. Ungewohnt.“

Er erhob sich und ging zur Rampe. Der Helm hing noch immer hinten am Gürtel und schlug ihm prompt wieder gegen den Oberschenkel. Craton blieb stehen, blickte missmutig nach unten und löste das verdammte Ding schließlich aus seiner Halterung.
„Du wirst mir noch viel Freude bereiten.“
Der Helm wanderte zunächst unter seinen linken Arm. Mit der freien Hand richtete er den asymmetrischen Mantel, dessen dunkelrotes Futter für einen Augenblick unter dem schwarzen Stoff hervorblitzte. A-180 am Gürtel, Skorpion auf der anderen Seite, Messer an ihren vorgesehenen Plätzen. Die leichte Rüstung aus Armorweave und Plastoid saß fest und schränkte seine Bewegungsfreiheit kaum ein. Dopa Maskey war bereit, beinahe. Der Mirialaner betrachtete den Helm unter seinem Arm noch einen Augenblick, ehe er ihn schließlich über den Kopf zog. Mit einem leisen Klicken rastete die Verriegelung am gepanzerten Kragen ein. Ein kurzes Zischen bestätigte die Versiegelung, während das integrierte Atemsystem seinen Betrieb aufnahm. Für einen Moment verdunkelte sich sein Sichtfeld, dann erwachte das Visier zum Leben. Dünne Linien wanderten über die Innenseite der Sichtscheibe, gefolgt von einer Reihe kleiner Statusanzeigen. Atemluftversorgung, Druckausgleich und Umgebungswerte erschienen am Rand seines Blickfeldes. Daneben leuchtete kurz das Symbol des integrierten Comlinks auf, bevor die Anzeigen auf ihre vorgesehenen Positionen zurückwanderten. Craton bewegte prüfend den Kopf. Die Einblendungen folgten seinem Blick, ohne ihm die Sicht zu versperren. Noch etwas gewöhnungsbedürftig, aber durchaus brauchbar. Auch die Geräusche seiner Umgebung drangen nun gedämpft an seine Ohren, während das Audiosystem des Helms die wichtigsten Frequenzen verstärkte.

Zufrieden betätigte er die Rampensteuerung. Mit einem leisen hydraulischen Zischen senkte sich die Rampe, und das helle Licht des imperialen Hangars fiel in das Schiff. Die Optik reagierte augenblicklich. Für einen Sekundenbruchteil verdunkelte sich das Visier, ehe es die Helligkeit ausglich und seine Umgebung in leicht rötlichen Farbtönen wiedergab. Der Mirialaner setzte sich in Bewegung. Während er die Rampe hinabstieg, erschienen die ersten zusätzlichen Informationen in seinem Sichtfeld. Schmale Markierungen legten sich über einzelne Schiffe und technische Einrichtungen. Hier eine empfangene imperiale Transponderkennung, dort die Typenbezeichnung eines abgestellten Fahrzeugs. Am Rand des Visiers tauchten kleine Datenfelder auf, aktualisierten sich und verschwanden wieder, sobald er den Blick weiterwandern ließ. Die standardisierten imperialen Kennungen und Signale schienen dem System die Arbeit erheblich zu erleichtern. Interessant. Dopa Maskey erreichte den Fuß der Rampe und ließ den Blick langsam durch den geschäftigen Haupthangar der Authority schweifen. Unter dem Helm verzogen sich seine Lippen zu einem schmalen Lächeln. Mal sehen, was das Imperium dieses Mal für ihn bereithielt.



| Mittlerer Rand – M'shinni-Sektor – Agriworld-2079 – Imperialer Flottenverband – ISD-II Authority – Haupthangar | Dopa Maskey |​
 
[M'shinni-Sektor :: Agriworld-2079 :: zentrale Agrarregion :: Arbeiterunterkünfte außerhalb der Hauptmetropole :: altes Kühlhaus] Ylaine Vao, Nessa Tirr, Vika, Bewohner und Geflüchtete

Die nächste Trage war noch nicht auf der Ladefläche, als das Licht über den Hof fiel. Ylaine hielt den Rand der Holzplatte gegen ihre Hüfte gedrückt, während der Mann am anderen Ende den Kopf zur Stadt drehte und zwischen den Speicherbauten ein weißer Schein aufbrach, vor dem die oberen Stockwerke für einen Augenblick scharf hervortraten. Darüber stand die schmale Konstruktion eines Wasserturms. Sie konnte noch die Streben unter seinem Behälter erkennen, bevor das Licht sie verschluckte und eine Wolke über die Dächer stieg.

Das Gewicht zog nach links. Ihr Helfer hatte einen der Griffe losgelassen. Sie rief ihn zurück, fing die abrutschende Ecke am Oberschenkel ab und bekam die Platte mit ihm auf den Gleiter, wo der Verletzte beide Hände in seine Decke krallte. Erst dann erreichte das Grollen den Hof. Unter ihrer Hand vibrierte die Bordwand und im Kühlhaus klirrten die Scheiben, bis eine davon auf das Vordach fiel und dort in Stücke ging.

Die Leute darunter duckten sich. Ein Mann stolperte gegen die Kellertür, aus der weitere Bewohner kamen und im Eingang stehen blieben. Ylaine folgte ihren Blicken. Über der Stadt zogen grüne Lichtbahnen durch eine Lücke im Rauch und verschwanden zwischen den Gebäuden, deren Umrisse gleich darauf im aufsteigenden Staub verloren gingen. Weiter draußen flammte es auf den Anbauflächen auf. Erde schoss über die niedrigen Gewächshausdächer, bevor eine zweite Reihe Einschläge dahinter niederging.

Am Tor begann ein Kind zu schreien. Seine Mutter nahm es hoch und drückte seinen Kopf an ihre Schulter, doch es schrie weiter, während die lose Torhälfte gegen ihren Anschlag schlug und aus der Stadt ein neues Grollen kam. Ylaine sah noch einen Teil der hohen Speicherfront, dessen Fenster im Feuerschein glänzten. Dann neigte sich der obere Abschnitt und brach hinter den benachbarten Dächern weg. Die Wolke darüber wuchs so schnell, dass sie bald auch die Türme dahinter verdeckte.

Bis zu den Feldern reichten die Einschläge. Hinter den Verarbeitungsanlagen leuchtete ein Hang auf, an dem eben noch die Lichter einer Siedlung gestanden hatten, während weiter links die Gewächshausreihen unter mehreren ineinanderlaufenden Feuerwolken verschwanden. Ylaine hob den Kopf, suchte zwischen den Rauchschichten nach den Schiffen und bekam nur die nächste Salve zu sehen.

Der Duros kam vom Tor zurück und zeigte auf die Kellertür. Sie sollten die Leute wieder hinunterbringen. Hinter ihm versuchten bereits Bewohner, gegen die herauskommenden Träger in den Eingang zu gelangen. Einer rief nach seiner Frau, ein anderer hielt sich am Türrahmen fest und ließ auch dann nicht los, als ihm jemand auf die Finger trat.

Ylaine legte dem Frachtmeister die Hand auf den Unterarm. Er redete weiter, bis sie seinen Namen verlangte und ihn damit dazu brachte, sie anzusehen. Noch während er antwortete, fiel eine weitere Salve auf die äußeren Felder.

Base Delta Zero.

Sie kannte den Begriff aus den Lagebesprechungen ihrer Militärzeit, aus Meldungen über Welten, zu denen Evakuierungsschiffe zu spät gekommen waren. Vor ihr lagen beleuchtete Wohnhäuser und die Wege, auf denen noch immer Leute zum Kühlhaus liefen. An einem der Gewächshäuser bewegten sich kleine dunkle Gestalten über eine freie Fläche. Der nächste Einschlag nahm ihr die Sicht auf sie.

Sie zog den Duros näher, damit er sie im Lärm verstand.


„Wir müssen zu den Schiffen. Jetzt.“

Sein Blick ging an ihr vorbei zur Stadt, dann zum Eingang, an dem die Träger festsaßen. Er nahm das Funkgerät vom Gürtel und rief den Fahrer am Verladeplatz. Zunächst kam nur Rauschen. Ylaine blieb neben ihm stehen, bis die Antwort durchdrang. Die Brücke sei noch frei, am ersten Frachter würden Passagiere aufgenommen.

Sie bat ihn, weitere Fahrzeuge zurückzuschicken und ging zur Kellertür.

Ein Laborangestellter hatte die vordere Seite einer Trage gegen seinen Bauch gezogen und stand eingekeilt zwischen dem Türrahmen und den Wartenden. Seine Finger waren um den Griff verkrampft. Ylaine drängte die Leute zur Seite, nahm mit der rechten Hand die Ecke der Platte und ließ sich von einem Bewohner helfen, bis der Mann seinen Arm lösen konnte. Auf der Trage lag ein Skrilling, dessen Kopf bei jedem Schlag tiefer zwischen die hochgezogenen Schultern sank. Sie brachten ihn zum nächsten Gleiter, während an der Straße neue Geflüchtete durch den Staub kamen.

Das Komlink vibrierte in ihrer Tasche. Dicht an der Hallenwand verstand sie V7 besser und ließ ihn dennoch die erste Meldung wiederholen. Über den technischen Dienst der Speicher hatte er drei weitere Frachterbesatzungen erreicht. Zusammen mit den beiden Schiffen am westlichen Verladeplatz konnten nun fünf Transporter Leute aufnehmen, zwei davon an den Außendocks. Sie ließ ihn die Verbindungen für den Frachtmeister zusammenstellen. Auf dessen Gerät mussten die Kennungen bleiben, auch wenn ihre eigene Verbindung abriss.

Ein schleifendes Geräusch kam vom Tor. Ein Lastgleiter schwenkte so dicht an der Mauer vorbei, dass seine beschädigte Front daran entlangschrammte, bevor der Fahrer ihn unter den Bäumen zum Stehen brachte. Auf der Ladefläche saß eine Skrilling mit einem Mann zwischen den Knien. Sie hielt seinen Kopf gegen ihre Brust und versuchte, ihn höher zu ziehen, doch sein Körper rutschte ihr immer wieder aus den Armen.

Die Pflegerin lief zu ihnen. Ylaine stieg an der niedrigen Bordwand hinauf und half, den Verletzten auf eine Decke zu legen. An einer Seite seines Halses klebten dunkle Stoffreste in der verbrannten Haut. Als sie seinen Oberkörper bewegten, schrie er auf und die Frau griff nach Ylaines Hand, presste sie gegen seine Schulter und hielt sie dort fest, bis die Pflegerin sie ansprach.

Er hieß Del. Seine Begleiterin sagte seinen Namen immer wieder, während sie ihm eine Flasche an den Mund hielt und das Wasser über sein Kinn auf die Decke lief. Er drehte den Kopf weg. Die Pflegerin nahm ihr die Flasche ab und bat sie, seine unverletzte Hand zu halten.

Beim Hinuntersteigen sah Ylaine den Fahrer noch in der Kabine sitzen. Sein Kopf lag gegen die Seitenscheibe, ein Arm war unter dem aufgeplatzten Ärmel an den Körper gezogen. Auf dem Beifahrersitz hing eine Frau quer im Gurt. Ihre Atemröhren lagen reglos an ihrem Hals.

Durch die offene Tür griff die Rangerin nach ihrem Handgelenk. An ihrer Halsseite war die Haut aufgerissen. Ylaine fand keinen Puls, beugte sich näher und rief sie an, während der Fahrer neben ihr zu sprechen begann. Sie hätten es wenigstens versuchen wollen. An der ersten Straße seien sie noch vorbeigekommen. Danach hätten die Häuser gebrannt.

Er wiederholte, dass sie es versucht hätten.

Ylaine rief nach der Pflegerin. Die Frau kam bis an die Tür, untersuchte die Beifahrerin und sah anschließend zu ihr auf. Hinter ihnen verlangte jemand nach Hilfe beim Transporter. Die Rangerin zog ihre Hand aus der Kabine zurück und legte den Arm der Toten auf deren Schoß.

Der Fahrer hielt sich am Türrahmen fest, als sie ihm beim Aussteigen half. Er wollte wieder hinein. Erst als die Skrilling von der Ladefläche nach ihm rief, wandte er den Kopf und ließ sich zu ihr führen. Auf ihre Frage nach der Frau vorne brachte er einen Namen heraus, den Ylaine im nächsten Grollen verlor.

Die Fahrzeuge vom Verladeplatz erreichten den Hof. An einem Personentransporter drängten die Bewohner von beiden Seiten zur Tür, bis eine Frau auf der Stufe das Gleichgewicht verlor und rückwärts zwischen die Wartenden sank. Ylaine bekam sie an der Jacke zu fassen. Der Mann dahinter schob weiter, seinen Blick auf die offenen Plätze gerichtet, und sie musste ihn am Kragen zurückziehen, damit die Frau wieder aufstehen konnte.


„Auf die andere Seite. Dort ist noch eine Tür.“

Er sah sie an, als hätte er ihre Worte zunächst nicht verstanden. Dann löste er sich aus ihrem Griff und drängte um die Front des Fahrzeugs herum.

Eine Böe legte die Blätter über ihnen um. Staub ging über die Tische und unmittelbar danach traf der Druck den Hof so hart, dass Ylaine gegen den Transporter geriet. Auf der Straße stürzten zwei Bewohner. Einer blieb mit den Händen vor dem Gesicht sitzen, während der andere versuchte, ihn am Mantel hochzuziehen. Im Kühlhaus schlug ein Fensterrahmen aus seiner Halterung. Ein Stück des Vordachs fiel neben der Kellertür herab und blieb quer im Durchgang liegen.

Mit einem der Laborangestellten zog sie das verbogene Blech zur Seite. Ihr linker Arm gab nach, bevor sie es weit genug angehoben hatten. Sie musste loslassen und neu fassen, während der Mann die Last allein hielt und sie nach einem weiteren Helfer rief. Erst zu dritt bekamen sie den Eingang frei.

Unten drängten die Wartenden zur Treppe. Staub hing unter den Lampen und auf einer der Matratzen lagen helle Putzstücke. Einige Bewohner wollten wissen, wohin die Fahrzeuge fuhren, andere verlangten, dass man die Tür schloss. Ylaine ging zwischen ihnen hindurch und erklärte, dass sie den Keller räumten. Eine Frau hielt ihr die Kennung ihrer Schwester entgegen. Diese sei auf dem Weg hierher. Sie könne doch nicht fortfahren, wenn ihre Schwester sie hier suche.

Auf dem Display stand ein Name. Ylaine übertrug ihn an den Frachtmeister und gab der Frau das Gerät zurück. Diese blieb vor ihr stehen, die Tasche noch zwischen den Füßen.


„Er gibt ihn an den Schiffen weiter. Kommen Sie mit.“

Die Frau sah zur Treppe. Ob die Schwester schon dort sei, wollte sie wissen. Ylaine musste ihr sagen, dass sie das nicht wusste. Über ihnen krachte es und die Lampe am hinteren Regal erlosch. Die Frau bückte sich nach ihrer Tasche.

An der zweiten Treppe kamen Vikas Vater und ein Laborangestellter mit dem letzten Verwundeten. Ylaine hielt ihnen den Weg frei und half von oben, die Platte über den Absatz zu schieben. Dahinter blieben die Matratzen zwischen den Regalen zurück, manche mit offenen Taschen daneben. Sie sah in die beiden Nischen, rief in den Waschraum und wartete, bis der Helfer aus dem hinteren Gang zurückkam. Dann gingen sie hinaus.

Nessa saß inzwischen neben ihrer verletzten Kollegin im Transporter. Eine Hand hielt sie um die Halterung über dem Sitz gelegt, mit der anderen stützte sie die Frau, deren Kopf gegen ihre Schulter gesunken war. Vika wartete an der offenen Tür und nahm ihrem Vater das Funkgerät ab, damit er sich beim Einsteigen festhalten konnte.

Sie fragte Ylaine, wo sie bleibe.

Die Rangerin zeigte auf den letzten offenen Lastgleiter, zu dem der Duros weitere Bewohner führte. Vika schaute dorthin und blieb noch einen Augenblick auf der Stufe stehen, bis ihr Vater nach ihr rief.

Vom Verpackungsbetrieb kam der zweite Betriebsfahrer zurück. Zwischen den Passagieren saß das ältere Paar, nach dem man ihn geschickt hatte. Während andere ihnen beim Umsteigen halfen, sagte er Ylaine, dass an der Haltestelle niemand mehr gewesen sei. Nach der Tochter des Kapitäns habe er bis zur nächsten Kreuzung gesucht, dann hätten Einschläge den Weg versperrt.

Sie stellte die Verbindung zum Frachter her und gab ihm das Gerät. Der Kapitän fragte sofort, ob er hinter den Gebäuden nachgesehen habe. Ylaine hörte noch den Versuch des Fahrers, ihm den Weg zu beschreiben, bevor eine Familie mit einem kleinen Liefergleiter durch das Tor kam und der Duros nach ihr rief.

Die Kinder stiegen auf seinen Lastgleiter um. Ihre Mutter folgte ihnen, während der Vater in der Kabine unter den Sitz griff. Er zog einen flachen Kasten hervor, blieb damit an der Tür hängen und zerrte daran, bis hinter den Unterkünften der Himmel aufleuchtete. Der Kasten fiel in den Staub. Für einen Moment stand er noch darüber, dann lief er zu seiner Familie.

Am Funkgerät rief der Kapitän erneut nach dem Fahrer. Dieser hielt es Ylaine hin. Sie nahm es, doch schon seine erste Frage musste er wiederholen, weil das Grollen über seine Stimme ging. Ob die Leute vielleicht zum Kühlhaus unterwegs seien.

Sie sah zur Straße. Zwischen den Bäumen kamen Bewohner, deren Gesichter unter einer Staubschicht kaum zu erkennen waren.

Die Rangerin sagte ihm, dass sie weiter nach seiner Tochter Ausschau hielten. Er solle alle aufnehmen, die sein Schiff erreichten und die Antriebe bereithalten. Lange kam keine Antwort. Dann hörte sie eine andere Stimme aus seinem Hintergrund und schließlich seine Bestätigung.

Der Duros winkte ihr vom letzten Fahrzeug. Zwei Bewohner liefen noch aus dem Hof zu ihnen. Einer schaffte es über die Bordwand, der andere bekam nur den Seitengriff zu fassen, als der Fahrer bereits anrollte. Ylaine hielt ihn am Unterarm und rief nach Hilfe. Der Mann neben ihr griff unter dessen Achsel, gemeinsam zogen sie ihn weit genug hoch, dass er ein Knie auf die Ladefläche bekam.

Sie setzte sich zwischen die Passagiere und zog den Gewehrriemen nach vorne, wo die Waffe gegen ihre Beine drückte. Unter den Bäumen blieben die Tische zurück. Eine Decke hing über eine Kante und bewegte sich im Luftzug, während der Gleiter durch das Tor schwenkte.

An der Einmündung zum Wirtschaftsweg liefen Leute auf die Fahrzeuge zu. Der Fahrer verlangsamte. Auf den vorderen Gleitern rückten die Passagiere zusammen, jemand streckte beide Arme aus und zog einen Jungen hinauf. Neben Ylaine hob eine Frau ihr Kind über die Bordwand. Sie nahm es entgegen, während die Mutter am Fahrzeug nach einem Halt suchte, und gab es an eine Bewohnerin weiter, die es quer über ihre Knie legte.

Für die Mutter machten sie noch Platz. Hinter ihr drängten weitere Wartende an den Gleiter.

Ylaine rief den Duros über Funk und verlangte ein leeres Fahrzeug vom Verladeplatz. Ein Mann am Seitenrand fragte, ob sie warten könnten. Hinter ihm leuchtete es zwischen den Bäumen auf. Der Fahrer gab Leistung und seine Hand glitt über die Bordwand, bis er loslassen musste.

Die Rangerin drehte sich um. Eine Frau lief ihnen einige Schritte nach. Ihr Mund bewegte sich, doch Ylaine hörte sie unter den Antrieben nicht mehr. Dann ging Staub über den Weg und verdeckte die Wartenden.

Sie wollte dem Fahrer zurufen, dass er halten solle. Beim Einatmen zog es unter ihrem Schulterblatt und sie bekam zunächst nur einen abgebrochenen Laut heraus, während neben ihr ein Mann seine Arme über den Kopf einer Verletzten legte. Sie griff fester um die Halterung und rief den Frachtmeister noch einmal.

Ob jemand zurückfahre.

Seine Antwort kam erst beim zweiten Ruf. Ein Fahrer sei unterwegs. Ylaine gab ihm die Einmündung durch und blieb nach hinten gewandt, obwohl sie zwischen den aufgewirbelten Staubschwaden kaum mehr den Verlauf des Weges erkennen konnte.

Entlang des Bewässerungskanals lag Glas auf der Fahrbahn. Wasser strömte aus einer geborstenen Leitung und sammelte sich in den ausgefahrenen Rinnen, denen der Fahrer auswich. Jenseits des Kanals brannten die äußeren Pflanzreihen. Dahinter schwenkte die Beregnungsmaschine ihre Ausleger noch immer über das Feld, das Ylaine vom Tor aus gesehen hatte. Das Wasser fiel zwischen die Kulturen, wurde seitlich fortgerissen und glänzte für einen Moment im Licht der Brände.

Ein grüner Bolzen verschwand hinter der Maschine. Erde und Feuer schlugen über ihre Ausleger, bis vom Feld nur noch eine aufsteigende Wolke blieb.

Die Hitze kam mit dem Wind über den Kanal. Ylaine zog die Brille vor die Augen und die Maske über Mund und Nase, während der Gleiter hinter einem Speicher aus der offenen Sicht kam. Auf der Ladefläche hustete eine Verletzte, ohne sich aufrichten zu können. Die Frau neben ihr drehte ihren Kopf zur Seite und hielt ihr ein Stück der Decke vor das Gesicht. Ylaine rückte näher, stützte die Schulter der Verletzten und blieb bei ihr, bis der Husten nachließ.

Vor der Brücke standen die Fahrzeuge dicht hintereinander. Aus einer Seitenstraße kamen weitere Gleiter und zwischen ihnen liefen Bewohner mit Kindern auf den Armen. Der Frachtmeister sprang ab. Ylaine folgte ihm auf der Kanalseite, wo sie sich an einem schräg stehenden Lieferfahrzeug vorbeischieben mussten. Dessen Ladung war in die Zufahrt gerutscht. Zwei Männer versuchten, einen Behälter unter der gebrochenen Seitenwand hervorzuziehen.

Der Duros rief nach weiteren Helfern. Ylaine hielt die nächsten Fahrzeuge zurück, bis die Männer den Behälter kippen konnten. Einer glitt mit dem Arm an der gerissenen Metallkante entlang und ließ mit einem Schrei los. Die Last sank zurück. Ein anderer trat an seine Stelle, während sie den Verletzten aus der Zufahrt zog und ihm ein zusammengedrücktes Tuch gegen den aufgerissenen Oberarm presste.

Er wollte wieder hinüber. Sie hielt ihn fest, bis ein Bewohner ihn zum nächsten Gleiter nahm.

Der Behälter rutschte über den Belag. Zwischen ihm und dem Geländer kam das erste Fahrzeug hindurch, so dicht, dass die Seitenwand an den Streben schrammte. Ylaine winkte das nächste vor. Am anderen Ende der Brücke drängten Fußgänger an den Gleitern vorbei und ein Fahrer beugte sich weit aus seiner Kabine, um ihnen etwas zuzurufen.

Hinter ihnen wurde es hell.

Sie griff nach dem Mantel des Duros und zog ihn zum Geländer. Der Schlag traf sie, bevor beide ganz unten waren. Etwas Dunkles flog über den Kanal und schlug in der Böschung ein, aus der Erde bis auf die Fahrbahn spritzte. Unter ihren Knien bebte der Belag. Ylaine hielt den Mund offen und bekam trotzdem keinen vollen Atemzug, während der Frachtmeister neben ihr die Arme über den Kopf nahm.

Als sie aufsah, bewegte sich eine der Geländerstreben noch. Jenseits davon stand Rauch über den Speichern, durch die sie gekommen waren. An seiner Basis glühte es so hell, dass die einzelnen Gebäude darin verschwanden.

Der Duros hielt ihr die Hand hin. Sie nahm sie rechts, ließ sich hochziehen und ging mit ihm zum letzten Gleiter, während die anderen Fahrzeuge hinter dem Düngemittelwerk aus ihrem Blickfeld kamen.

Auf der Ladefläche wollte jemand wissen, ob die Unterkünfte noch stünden. Ylaine drehte sich um, doch die Tanks des Werks verdeckten bereits den unteren Rand der Wolke.

Sie hatte den Bewohnern den Weg zum Keller gezeigt. Am Zaun des Forschungsbezirks hatte ein Mann ihre Angaben an die Wartenden weitergerufen und erst kurz zuvor waren die letzten Tragen wieder aus dem Eingang gekommen. Vielleicht liefen noch Leute dorthin. Auf ihrem Gerät stand die Kennung des Frachtmeisters, daneben die fünf Schiffe. Sie suchte nach einer Verbindung zum Kühlhaus und wusste schon beim Aufrufen, dass dort niemand von ihnen geblieben war.

Der Mann fragte erneut.

Sie sagte ihm, dass sie von hier aus nichts erkennen könne und ließ das Gerät auf ihrem Knie liegen.

Am Verladeplatz standen Bewohner zwischen Lebensmittelcontainern und offenen Frachterrampen. Manche kamen aus den Gleitern, andere liefen zu Fuß von den Speichern herüber oder ließen kleine Arbeitsfahrzeuge mitten auf der Fläche stehen. Unter dem Landelicht des ersten Schiffs gingen die Schatten der Passagiere über die Rampe. Ein Crewmitglied hielt den Zugang für eine Trage frei und rief nach Helfern, sobald es Ylaines Fahrzeug sah.

Beim Absteigen musste sie sich an der Bordwand festhalten. Ihre Knie gaben kurz nach. Sie wartete, bis der Boden unter ihren Füßen wieder stillzustehen schien, dann nahm sie mit zwei Männern die nächste Holzplatte vom Gleiter.

Über ihnen liefen die Triebwerke hoch. Der Lärm drückte gegen ihre Ohren und machte die Rufe der Bodenmannschaft zu einzelnen abgerissenen Silben. Am Rampenende kamen ihnen zwei Crewmitglieder entgegen, übernahmen den Verletzten und wiesen ihnen einen Platz im Laderaum.

Innen roch es nach Kühlmittel und verpackten Früchten. Bewohner saßen zwischen den Frachthalterungen mit angezogenen Beinen und rückten zusammen, während eine Frau ihr schlafendes Kind höher auf den Schoß zog. Ylaine blieb einen Moment hinter der Trage stehen. Über ihr verliefen Leitungen unter einer niedrigen Deckenverkleidung. An der offenen Schleuse drängten die nächsten Passagiere herein und der Frachter vibrierte unter den laufenden Antrieben.

Nessa kniete neben ihrer Kollegin auf einer ausgebreiteten Decke. Als sie Ylaine sah, hob sie die Hand, wollte offenbar etwas fragen und wandte sich dann wieder der Verletzten zu, die nach ihrem Ärmel griff. Der ältere Forscher saß neben ihnen und hielt den Probenkasten zwischen seinen Knien fest.

Ylaine half, die Trage abzusetzen. Erst beim Aufrichten bemerkte sie, wie fest ihre rechte Hand noch um den Griff lag. Sie löste die Finger einzeln und ging zur Schleuse zurück.

Draußen nannte Vika die Namen der Leute aus dem Kühlhaus. Einige antworteten aus dem Laderaum, andere vom nächsten Gleiter. Sie fragte nach den Fehlenden und wandte sich jedes Mal zur Zufahrt, wenn dort neue Bewohner erschienen.

Hinter ihr brach ein Lichtschein durch den Rauch. Die Wartenden an der Rampe duckten sich, bevor der Schlag den Platz erreichte. Im Laderaum begann jemand nach einem Kind zu rufen. Ein Matrose lief hinein, während sein Kollege die Leute weiter nach oben winkte.

Die Rangerin stand an der unteren Rampenkante und sah zwischen den abgestellten Fahrzeugen hindurch. Ein Mann kam mit einer Frau auf dem Rücken über den Platz. Einer ihrer Schuhe fehlte und ihre bloßen Zehen schlugen bei jedem Schritt gegen seine Beine. Dahinter erschien der zurückgeschickte Gleiter.

Ylaine ging ihm entgegen. Auf der Ladefläche saßen die Passagiere eng aneinander, die Köpfe und Schultern grau vom Staub. Einige hielten sich noch mit beiden Händen an der Bordwand fest, obwohl das Fahrzeug bereits stand. Sie suchte das Gesicht der Frau, die ihnen nachgelaufen war.

Der Fahrer rief nach Hilfe. Ylaine trat an die Seite, wo ein Bewohner versuchte, seine Beine über den Rand zu bringen, und hielt ihm die rechte Hand hin.


[M'shinni-Sektor :: Agriworld-2079 :: zentrale Agrarregion :: westlicher Verladeplatz :: zwischen Zufahrt und Frachterrampen] Ylaine Vao, Nessa Tirr, Vika, Bewohner und Geflüchtete
 
Agriworld-2079 | Neue Republik | Mittler Rand – M'Shinni Sektor | Brücke des ISD-II „Authority“ | Sedros Xyrtademus (inkognito als Darth Naver), Sabar Muraenus (inkognito als Darth Angelus), Commodore Scytale Mentel, Brückenbesatzung (NSCs)

Der reinblütige Sith erwiderte das grüßende Nicken des Commodore und hielt sich aus dem anschließenden Gespräch zwischen Darth Angelus und Commodore Mentel heraus. Der Offizier begegnete der Waffe des Jedi mit der gebotenen Vorsicht und schaffte es, sich damit weder selbst Schaden zuzufügen, noch eine Kerbe in den Boden zu schlagen. Als sich der Kommunikationsoffizier meldete, reichte der Commodore das Geschenk zurück an den Sith im Pelzmantel vor sich. Eine etwas wunderliche Geste, hatte Darth Angelus die Jediwaffe doch dem Offizier schenken wollen. Sedros kümmerte die Sache aber so wenig, wie der Tod von 18 Sturmtrupplern. Es ging ihn weder etwas an, noch interessierte es ihn sonderlich.

Wenig später fanden sich die drei vor einem Sichtfenster ein, um einen guten Blick auf das Orbitalbombardement zu bekommen. Der Blick aus den Panoramafenstern der Kommandobrücke der Authority war trügerisch friedlich. Als der Befehl ausging, mit dem Bombardement zu beginnen, brach keine von Nervosität begleitete außergewöhnliche Geschäftigkeit aus. Was in diesen Momenten passierte, triefte von geradezu schmerzhafter Trivialität gemessen an dem, was in wenigen Momenten folgen sollte. Der Kommunikationsoffizier meldete die Erteilung des Feuerbefehls durch
Rear Admiral Korren. Commodore Mentel nickte die Meldung ohne große Gefühlsregung ab und gab den Befehl an seine Brückenoffiziere weiter, die wiederum mit einer Selbstverständlichkeit ihre Geschützmannschaften anwiesen, das Feuer zu eröffnen, als ginge es hier lediglich darum einen Verwaltungsakt umzusetzen.

Direkt unter ihnen erwachten die Turbolaserbatterien der Authority zum Leben. Es gab nichts zu hören. Dafür spürte der reinblütige Sith leichte Vibrationen in den Deckplatten, die durch die Authority gingen, wann immer eine Salve abgefeuert wurde. Das visuelle Spektakel vor dem Sichtfenster war dafür umso spektakulärer. Aus den Geschützmündungen der Turbolaser der Authority brachen dicke, gleißende Strahlen hervor, die mit unbarmherziger Präzision und Unnachgiebigkeit aus dem Orbit in die Atmosphäre stießen und die Wolkendecke von Agriworld-2079 in wohlgefallen auflösten. Auf der Planetenoberfläche selbst waren keine einzelnen Explosionen zu sehen. Stattdessen bekamen sie immer mehr kilometerweite, kochende Brandherde zu sehen, die sich in Sekundenschnelle ausbreiteten, wo auch immer die tödlichen Turbolasersalven niedergingen. Während sich ganze Küstenlinien wandelten, weil das Meerwasser zum Kochen gebracht wurde, die aus dem Orbit gut sichtbare riesige weiße Dampfwolken erzeugte, verflüssigten sich komplette Gebirgszüge und ertränken die unzähligen nun brennenden Agrarflächen des Planeten unter Gesteinsmassen.

Das ganze wirkte mit dem einfachen Auge wahrlich unwirtlich. Es gab keine Schreie zu hören, sie rochen hier kein verbranntes Fleisch. Alles, was sie sahen, war ein trügerisch harmlos wirkendes Lichterspiel, das den Planeten unter ihnen neu dekorierte, als handele es sich dabei um ein belangloses Gemälde. Natürlich hatte der reinblütige Sith erheblich ausgefeiltere Sinne als seine Augen und Ohren, um zu erleben, was gerade geschah. Ein schauder durchlief seinen Körper, kurz nachdem die erste Turbolasersalve die Planetenoberfläche geküsst hatte. Es war aber kein Zittern aus Furcht. Es war pure, ungefilterte Ekstase. Während die Brückenbesatzung konzentriert ihrer Arbeit nachging, näherte sich
Sedros mit hinter dem Helmvisier weit aufgerissenen Augen dem Sichtfenster, um keinen einzigen Funken des Spektakels zu verpassen.

Denn für den reinblütigen Sith war dieses Orbitalombardement kein stummes Schauspiel. Er hörte es mit seinem inneren Ohr. Er konnte jeden Einschlag spüren. In dem Moment, in dem die ersten Turbolasersalven die Atmosphäre zerfetzten, brach ein unvorstellbarer mentaler Tsunami los, für den nur Machtsensitive empfänglich waren. Es war das gleichzeitige, gellende Aufschreien von unzähligen sterbenden Lebensformen. Die schiere Wucht des Leids, die Panik, der brennende Schmerz der Toten und der lähmende Schrecken jener, die das zweifelhafte Glück hatten zu überleben, nur um in der folgenden Salve selbst zu vergehen, schlugen eine Wunde in die Macht, die so schnell nicht vergehen würde. Ihr Echo flutete den Verstand des reinblütigen Sith wie ein flüssiges, unbarmherziges Feuer und dieses Gefühl war absolut glorreich für seine unmenschliche Seele.

Wo ein herkömmlicher Machtnutzer angesichts dieser grausamen Überdosis aus Qual augenblicklich in die Knie gehen oder sogar wahnsinnig werden, ja vielleicht sogar sterben würde, saugte
Sedros die unbeschreibliche Agonie der vor seinen Augen sterbenden Welt in den bodenlosen, schwarzen Abgrund, dessen Mahlstrom dort hauste, wo viele Kulturen und Religionen ihre Seele verorteten. Das Leiden von Agriworld-2079 war ihm ein Treibstoff, die eigene, in lebensfeindlicher Dunkelheit getränkte Machtsensivität zu nähren. Jeder erlöschende Lebensfunke auf der Planetenoberfläche kitzelte alle Sinne des reinblütigen Sith. Er nahm die absolute Hilflosigkeit der Opfer des heutigen Tages in sich auf und spürte ein brennendes, süßes Prickeln auf der Zunge. Es war ein geradezu intimer, sadistischer Rausch. Ein unwillkürliches, bebendes Lächeln stahl sich auf Sedros’ Lippen, während die Pupillen des reinblütigen Sith im Takt der grünen Turbolasersalven weiteten.

Während die Planetenkruste von Agriworld-2079 unter den grünen Lanzen mehr und mehr zerbrach und Magma in den Himmel pustete, fühlte sich der reinblütige Sith alles andere als geschwächt. Jedes Mal, wenn ihn eine Welle des Todes durchspühlte, zog sich der Mahlstrom in seiner Brust enger zusammen, verdichtete sich und ludt ihn mit der bösartigen, vibrierenden Energie der dunklen Seite der Macht auf.
Sedros schaute nicht nur dem Untergang von Agriworld-2079 zu. Er nahm das Ende dieser Welt in sich auf, absorbierte es und wuchs an der makabren Pracht der absoluten Vernichtung des Planeten. Schließlich sah er sich gezwungen, seine Hände so fest zu Fäusten zu ballen, dass es ihn schmerzte, um zu verhindern, laut aufzulachen vor wilder, triumphierender Freude. Doch tatsächlich half das wenig.

Kein Ton entglitt dem reinblütigen Sith, selbst seine Körperhaltung änderte sich kaum. Nach wenigen Minuten aber brach der unbändig gewordene Rausch durch seine geistige Abschirmung und blutete in die Kommandobrücke der Authority. Die angesammelte, bösartige Energie der dunklen Seite der Macht, die
Sedros aus den Milliarden von sterbenden Lebewesen gesaugt hatte, blutete mehr und mehr ungefiltert in den Raum. Eine unsichtbare psychische Welle rollte über die gesamte Brückenmannschaft und baute einen erheblichen Druck in den Köpfen auf. Es fühlte sich an, als würde die Temperatur im Raum um zwanzig Grad fallen. Die wenigen Soldaten und Offiziere, die es wagten, suchend aufzublicken erblickten nicht Darth Naver, sondern nahmen nur einen undurchdringlichen Schatten war, in dem sich ein grausames und abgrundtief böses Raubtier zu befinden schien, das bereit war ihnen die Kehle auf brutalste Weise herauszureißen, sobald sie auch nur den geringsten Ton von sich gaben oder irgendwie bewegten.

Den Soldaten an ihren Konsolen raubte es schlagartig den Atem. Finger erstarrten über den Schaltflächen und ein Offizier griff sich keuchend an den Hals als wäre der Sauerstoff aus der Brücke gesaugt worden, während er seine Augen voller nacktem Entsetzen nicht von dem Monster vor dem Sichtfenster abwenden konnte. Niemand schien sich mehr auf seine Arbeiten konzentrieren zu können und die bisher vorbildhaft gehaltene Militärdisziplin implodierte innerhalb von Sekunden. Die mentale Überdosis sadistischen Triumphs brach den Willen einiger in der Brückenmannschaft. Zwei Kommunikationsoffiziere sackten über ihren Stationen zusammen und fingen an, unkontrolliert und schluchzend zu weinen, ohne überhaupt zu verstehen, was gerade mit ihnen passierte. Ein junger Navigator riss sich in purer Todesangst sein Headset vom Kopf und floh in blindem, tierischen Fluchtinstinkt stolpernd durch ein Schott von der Kommandobrücke. Ein Sensorspezialist verdrehte die Augen, bevor er ohnmächtig einfach zusammenbrach und so hart auf den harten Metallboden knallte, dass es ihm vielleicht das Genick brach.

Erst als
Commodore Mentel und Darth Angelus sich neben ihm bemerkbar machten, wurde der reinblütige Sith aus seinem tranceartigen Zustand gerissen. Selbstredend entschuldigte er sich nicht. Was ihn betraf, war nichts geschehen, wofür es sich zu entschuldigen gab. Wer nicht der, seiner Meinung nach flüchtigen, Berührung der dunklen Seite der Macht widerstehen konnte, hatte es nicht anders verdient als zu leiden. Dennoch baute Sedros ohne Protest und in Windeseile seine geistige Abschirmung wieder auf, damit die Flottensoldaten ihrer Majestät ihre Arbeit ungestört fortsetzen konnten. Heute war wahrlich ein guter Tag.

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