Arkania (Perave-System)

[ Kolonien / Perave-System / Arkania / Adascopolis / Muffiges Hotelzimmer ] Ridley

Ungläubig starrte Ridley auf die Textnachricht der Regionalverwaltung, die ihn grade bei der Arbeit unterbrochen hatte. Bisher war der Tag so gut gelaufen. Er war früh aufgestanden, hatte seine Übungen in Selkatha abgeschlossen und direkt nach dem Frühstück mit der Arbeit begonnen. Sein fünf-Jahre Wirtschaftsplan für Manaan war in den letzten Zügen und wäre fertig geworden, bevor er am nächsten Morgen dorthin aufgebrochen wäre. Tatsächlich hatte alles was noch zu tun war mit Rechtschreibprüfung und Formatierung zu tun – ein Zeugnis seiner guten Planung während der letzten sechs Wochen. Und nun, keine vierundzwanzig Stunden bevor sein Shuttle am Raumhafen von Adascopolis abheben würde, hatte die Sektorverwaltung ihm diese Nachricht geschrieben.

Sein Ziel Morgen würde nicht Manaan sein – Manaan würde einem anderen Gouverneur unterstellt werden. Stattdessen würde das Shuttle das Pyrshak-System um ein paar Lichtjahre verfehlen und ihn stattdessen nach Truuine bringen. Auf Empfehlung eines seiner Professoren auf Yaga Minor. Mit ausdruckslosem Gesichtsausdruck fuhr sich Ridley durch das blond gefärbte Haar. Warum? Was hatte er falsch gemacht, dass man ihm Manaan nicht gönnen konnte?! Sicher, es war ein bekannter Name, doch die Koltoproduktion war am Boden und es würde viel Arbeit und Geschick benötigen dem Wasserplaneten wieder auf die Beine zu verhelfen. Es war die perfekte Aufgabe an der ein aufstrebender Gouverneur wie Ridley beweisen konnte was in ihm steckte. Und Truuine? Ridley konnte nicht anders als sich das T aus dem Namen wegzudenken. Die mitgesendeten Unterlagen, die er rasch überflogen hatte, sagten nichts von einem Vorgänger als Gouverneur. Es handelte sich ebenfalls um einen Wasserplaneten, doch mit nichts Offensichtlichem wie Kolto, an dem man einen wirtschaftlichen Aufschwung organisieren konnte.

Truuine war zwar besiedelt, in erster Linie jedoch von Aliens. Menschen stellten einen homöopathischen Anteil der Bevölkerung dar, die sich zu gleichen Teilen aus Karkarodon und Patrolianern, mit einem guten Schuss Selkath zusammensetzte. Noch dazu standen diese Gruppen durch Unstimmigkeiten bei Fischerei im Konflikt miteinander. Es gab zwar eine Handvoll Populationszentren, doch war die Urbanisierung des Planeten erschreckend niedrig. Und am wichtigsten, kein Kolto!

Ridley war zum Weinen zumute und tatsächlich, er spürte etwas Feuchtes seine Wange hinabkriechen. In einer einzigen Nachricht hatte die Sektorverwaltung sechs Wochen harter Arbeit den Müllschlucker heruntergespült und Ridley den Boden unter den Füßen weggezogen. Anstatt am nächsten Tag aufzubrechen und sich mit Mitarbeitern zu treffen, deren Akten er im Vorfeld eingehend studiert hatte, führte sein Weg nun ins Ungewisse. Auf einen konfliktgeladenen Planeten, über den er grade einmal die Zusammenfassung gelesen hatte, mit Untergebenen die er weder kannte, noch Vertrauen entgegen brachte.

Mit einem trockenen Schnaufen erhob er sich von einem Computer und durchquerte mit raschen Schritten das enge, muffige Hotelzimmer. Seine langen, dünnen Finger knackten, als sie sich fest um die hölzerne Fensterbank schlossen. Durch das offene Fenster wehte eine kalte Brise herein und zerzauste seine Haare, während er gedankenverloren auf die sich windenden, weißen Türme der Stadt starrte. Truuine würde eine starke Umstellung bedeuten. Wenn er das richtig gesehen hatte, gab es dort nicht einmal eine offizielle planetare Hauptstadt, etwas, das Ridley sich nur halb vorstellen konnte. Adascopolis, Pandath, Bastion Center, Capital City, alle Städte in denen er bisher gewohnt hatte waren Metropolen gewesen! Was das bedeutete nicht zu haben…der Gedanke war seltsam.

Für vielleicht fünf Minuten verharrte Ridley am Fenster, bevor er sich einen Ruck gab. An der Entscheidung der Sektorverwaltung konnte er jetzt genauso wenig ändern wie dass der Abreisetermin auf seinen fünfundzwanzigsten Geburtstag fiel. Es blieb ihm lediglich so viel wie möglich über Truuine zu recherchieren, bevor er morgen mit fast leeren Händen dort aufschlagen würde. An Schlaf war heute Nacht nicht zu denken. Das konnte er immernoch im Shuttle machen, wenn er im Hyperraum keinen Zugriff auf das Holonet haben würde. Leicht gebeugt setzte Ridley sich wieder in seinen Stuhl und begann damit Absagen an das Personal zu schreiben mit dem er morgen verabredet war.


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[Perave-System - Arkania - Novania - Büros von Ellay-Tomec Logistics] Dr. Ralena Anne Moore, Mr. Wayn Adasca, Dr. Kir Ansix und Mr. Mine Abar

Moore gähnte und erhob sich, streckte ihre Gliedmaßen und massierte sich die Linke Schulter, während sie das von Holobildschirmen beleuchtete Büro in Richtung des Caf-Automaten durchquerte. Erneut überkam sie dieser drang ihre Müdigkeit quasi in die Welt hinauszutragen, diesmal jedoch verdeckte sie mit dem Handrücken ihren Mund, während ihr das kräftige Gähnen beinahe die Tränen in die Augen trieb. Sie fühlte sich schwerfällig und ausgelaugt. Ein Blick auf die Uhr zeigte 16:57 Arkanischer Zeit, ergo eine knappe Stunde vor Mitternacht, an. Zehn Stunden... aber wer war sie schon sich zu beklagen. Der intensive Geruch des Caf aus Garqi-Bohnen fing bereits an ihre Sinne wieder zu beleben, während er langsam in ihre Tasse tropfte. Seit sie von Kafrene entkommen war, standen ihr Möglichkeiten offen von denen sie immer geträumt hatte. Sie drehte sich um und lehnte sich neben dem Automaten an den Tisch und betrachtete das Büro ihres neuen Teams, dem man sie zugeteilt hatte, Spezialisten auf unterschiedlichen Forschungsgebieten, die schon seit Jahren für oder mit der Black Sun zusammenarbeiteten. Der Raum war annähernd Quadratisch und beherbergte 4 Schreibtische. An der von ihr aus linken Wand, kurz neben der Tür erstreckte sich neben einigen Computerbildschirmen vor allem die Miniaturisierte Laboraustattung von Wayn Adasca, Sprössling eines Nebenzweiges des Hauses Adasca, Gründern und wichtigsten Shareholdern der "Adasca BioMechanical Corporation of Arkania", den faktischen Herren des Planeten. Wayn war ein Spezialist für Biologische Augmentierungen und Gensequenzen, kannte sich mit der Physiologie verschiedenster Rassen vielleicht sogar besser aus als ihre eigenen Ärzte. Er war dem Projekt als letztes zugeteilt worden und arbeitete derzeit an einer Möglichkeit technisches und biologisches Gewebe miteinander effektiver zu vernetzen um Lebensformscans täuschen zu können und eine einfachere optische Integration des Prototypen in die Umwelt zu ermöglichen.

Das Geräusch des Automaten verstummte und Moore griff nach dem Henkel der Tasse. Von der Crema des belebenden Elixirs stiegen mehr und mehr feiner gezeichnete Duftstoffe ihre Nasenflügel empor und trieben ihren Speichelfluss an. Vorsichtig nahm die Kriminelle einen Schluck, Hitze und eine Explosion an Bitterstoffen breitete sich in ihrem Mund aus, rann nach und nach ihre Kehle hinab und begann sie von innen zu wärmen. Ihr Blick wanderte weiter zu der ihr gegenüberliegenden Wand, die gänzlich von Werkzeugen und technischen Zeichnungen eingenommen wurde. Ein Verpine werkelte an einer einzelnen Panzerplatte die auf ein Gewebeähnliches Geflecht aus Kabeln, Carbonfasern, Keratingewebe mit eingebauten Kalkpartikeln und miniaturisierten Plastoidgelenken gespannt war. Sein Name war Kir Ansix, gesucht in der Republik wegen mehrere Fälle von Industriespionage, ein absolutes Genie der modernen Kriegstechnologie. Mehrere Veröffentlichungen über Moderne Defensivsysteme und Modulare Waffenplattformen zierten seine Wissenschaftliche Karriere. Zunächst war er zu Team gestoßen um die Schildtechnik Arianna Tralloks per "Reverse Engineering" nutzbar zu machen, mittlerweile arbeitete er aber an der Gesamtkonstruktion von "Mira" und stellte Wayn und Moore so eine Plattform zur Verfügung auf der sie ihre Ideen implementieren konnten. Einen Platz weiter rechts, an der Rechten Raumwand in der hinteren Hälfte saß sie selbst, ausgestattet mit einem ganzen Serverraum in einem der Nebenräume die dort an ihrer Zugriffskonsole zusammen liefen. Sie war der Auslöser für all das hier... nach ihrer Exfiltration von Kafrene hatte sie durch die Gefangene KI eine Maschinerie innerhalb der Black Sun in Gang gesetzt von der sie nicht einmal wusste das es sie gab. Bereits vor ihrer Vernehmung hatten die zwei Nerra die man mit ihrem Fall betraut hat bereits einige Informationen darüber bezogen was auf der Station geschehen war. Über mehrere Ecken und Stationen war sie dann schließlich unter der Aufsicht eines Muun namens Jurte Abar gelandet. Dieser wiederum hatte sie zusammen mit Mine, einem entfernten Verwandten hier in Novania untergebracht. Wayn und Kir trafen einige Wochen später ein und komplettierten das Forschungsteam... ihr Team... was nur eine einzige Aufgabe verfolgte: die Waffe die Arianna Trallok darstellte in einer ähnlichen Form nutzbar zu machen. Moores Blick blieb bei dem Muun hängen der noch einen Platz weiter rechts saß als sie. Er verfügte nur über bedingte Wissenschaftliche Kenntnisse, hielt das ganze Projekt jedoch durch andere Fähigkeiten am Laufen. Mine Abar war ein grandioser Statistiker und plante bereits jetzt die Feldtests, stellte geldliche Mittel für das Projekt über Frachtaufträge bereit und sondierte das Holonet ununterbrochen nach Veröffentlichungen die ihnen bei der Arbeit helfen konnten... seinen Rang kannte Moore nicht aber sie war sich sicher das der Muun vor allem zum Auftrag hatte sie alle bei der Stange zu halten. Abar Senior war eine umgängliche Person gewesen aber selten hatte die Sephi solch eine Eiseskälte von einem Lebewesen ausgehen sehen wie bei diesem Alien, eine Eigenschaft die der jüngere Abar definitiv geerbt hatte auch wenn sie noch beiweitem nicht so ausgeprägt war.

"Machst du mir auch einen?", die wohlklingende Stimme des Arkaniers störte die Geschäftige Ruhe des Büros. "Klar.", Moore drehte sich zu der Maschine, stellte eine weitere Tasse unter den Auslass und ließ einen weiteren Caf einlaufen. Wieder auf das Thema fokussiert wartete sie bis der letzte Tropfen die Oberfläche des in der Tasse befindlichen Caf durchschlagen hatte, griff nach dieser und platzierte sie auf dem Tisch ihres Kollegen, der sein Gesicht gerade in einem Mikroskop vergraben hatte. Ihr Blick wanderte zu dem Bildschirm, über den sich die Kamera des Mikroskops klonen ließ. Mit einigen schnellen Befehlen holte sie das, was Wayn dort so interessiert betrachtete auf den Bildschirm, was den Arkanier dazu brachte aufzusehen. "Wie kommst du voran?", fragte Moore während sie noch versuchte zu verstehen was sie sich da gerade ansahen. Mittlerweile konnte sie Zellstrukturen zwar auseinander halten, bei zu viel Bewegung viel es ihr dennoch schwer, valide Daten aus dem zu ziehen was sich ihr in visuellen Eindrücken bot. "Die Nervenzellen haben noch immer Schwierigkeiten sich dauerhaft über das künstlich geschaffene Fluidnetzwerk zu versorgen. Siehst du hier diese aufgeblähten Cluster? Räumlich zeigt sich eine schwankende Menge an Trägerflüssigkeit innerhalb der Nervenzellen, die sich in Form von Sinuswellen ausweitet und ich kann mir noch immer nicht erklären warum. Diese Abweichungen erschweren vor allem das Wachstum eines kohärenten Neuronalen Clusters.", die makellose Stirn des Weißhaarigen legte sich in leichte Falten während er auf die fraglichen Bereiche deutete und Moore seine Berechnungen durchsehen ließ. "Und wenn wir nochmal die Idee aufgreifen die Ausdifferenzierung angesteuert durch die Kontrollplatine laufen zu lassen um dem Cluster per Elektronischer Impulse eine klarere Leitlinie zu geben? Immerhin muss die Schnittstelle auf lange Sicht so oder so realisiert werden.", wenn sie es nicht schafften die Technischen Komponenten nicht um ein deutlich potenteres Biologisches Speichermedium zu ergänzen dann wäre an eine Plattform mit einer Autonomie wie der einer Arianna Trallok beinahe unmöglich. Das Kontrukt brauchte ein Bewusstsein um organische Entscheidungen nachvollziehen und auch halbwegs so handeln zu können. Gleichzeitig musste eine solche Art von Kampfplattform jedoch auch kontrollierbar sein, am besten über technische Subroutinen die eine gewisse Grundloyalität oder ein gewissen Streben zu einem vorgegebenen Ziel ermöglichten. "In den letzten Versuchsreihen haben wir so aber immer nur instabile eigene Persönlichkeiten erzeugen können... vielleicht sollten wir einmal durch verschiedene Rassen iterieren um eventuell geeigneteres genetisches Material zu finden. Bisher haben wir noch keinerlei Humanexperimente durchgeführt. Arkanische DNA hat uns zwar bisher gute Dienste geleistet aber wieso sollte man den Radius nicht einfach erweitern?", in den Augen von Wayn Adasca blitze es schelmisch auf. Leben waren für diesen Mann nur Ressourcen für seine Forschung, eine Eigenheit die die Sephi sehr schätzen gelernt hatte. Sollten die Dummen doch ihren Beitrag zu Wissenschaft leisten, wenn dieser so aussah dann war das eben so. "Mine, meinst du, die Sun könnte uns ein paar mehr Humanoide Subjekte, am besten mit einer breiten Genetischen Basis besorgen?", der Blick der beiden Wissenschaftler wanderte hinüber zu dem recht wortkargen Muun. Er tippte noch einige Male auf seiner Tastatur herum bevor ein fast leblosen: "Schon dran.", seinen Lippen entwich und damit die fachliche Diskussion von Moore und ihrem Kollegen soweit vertagte bis sie neue Stammzellen in das Experiment einfließen lassen konnten. Erneut verspürte die Sephi das Bedürfnis sich zu strecken und dehnte einmal lasziv ihren Körper bevor sie ihre Tasse wegstellte. "So meine Herren, ich mache mich dann auf den Weg ins Bett, wenn es keinem etwas ausmacht. Macht nicht mehr zu lange...", bevor sie jedoch den Raum verlassen konnte, erklang die Stimme von Kir: "Bevor du dich jetzt in eine Traumwelt flüchtest Moore, ich bin so gut wie fertig, möchtest du sie sehen? Wayn hat bei der Haut ganze Arbeit geleistet. Kann nicht ganz verstehen was du für ein Problem mit den Körpern hast aber die Fortschritte zu begutachten macht die kleinen Rückschläge der letzten Tage mehr als wett.", Moore meinte im Gesicht des Insektoiden so etwas wie ein aufmunterndes Lächeln deute zu können und zeitgleich jagte ihr trotz aller Arbeit die sie in dieses Projekt steckte der Gedanke mit den künstlichen Mordmaschinen in einem Raum zu sein kalte Schauer über den Rücken. So wenig sie es sich eingestehen wollte, so sehr entsprach es doch der Wahrheit das die Begegnung mit eben genau jener KI mit der sie jetzt arbeitete, ihr noch heute Todesangst bereitete. Sie spielten mit dem Feuer und doch war Moore selten von einem Projekt so fasziniert gewesen. "Wenn du schon drauf bestehst meinetwegen. Nach ihnen Dr. Ansix...", mit einer kleinen Handgeste ließ sie den Verpinen an ihr vorbei, hauchte ein weiteres Gute Nacht in den Raum und folgte Kir Ansix durch die Tür, rechts den Gang entlang auf eine Sicherheitsschleuse zu.

Noch während sie den Gang entlang gingen tasteten blaue Scannerstrahlen nach ihnen, kontrollierten ihre Signaturen und Biozeichen, stellten sicher das niemand unbefugtes zu sehen bekam was sich gleich vor ihnen auftun würde. Wie von Geisterhand glitt das Schott schließlich zur Seite und sie betraten den Raum. Der Anblick verschlug Moore beinahe die Sprache.
"Man könnte meinen sie würde gleich die Lippen öffnen und beginnen zu sprechen nicht wahr?", Moore nickte und musste sich beherrschen das ihr nicht die Kinnlade herunter klappte. Die Modelle C-01 bis C-05 waren Mechanische Skelette gewesen die wenig Ähnlickeit mit einem realem Lebewesen vorzuweisen hatten... C-06 Nickname "Mira" jedoch... makellose Weiße Haut spannte sich über einen sehr trainiert wirkenden Körper, eisblaue Augen fixierten einen imaginären Punkt im Raum. Weißes wallendes Haar fiel der Frau bis zwischen die Schulterblätter und umrahmte ein ausdrucksloses Gesicht, als hätte jemand dieses einen ausdruckslosen Moment in einem Foto eingefangen. Einzig die kleinen Verbindungspunkte die in regelmäßigen Abständen von 2 Zentimetern ein Muster wie das von Bienenwaben nachzeichneten gaben einen Aufschluss darüber dass das was da in der Halterung im Raum eingespannt war eben kein Lebewesen war. In einem weiteren REK daneben hing der Anzug, die Zweite Hälfte von dem unglaublich modernen Mordinstrument. Gebaut aus einem Geflecht von Panzerplatten, aufgebracht auf ein modernes Schockabsorbergewebe mit teilweisen Stichschutzverstärkungen um die Lücken zu füllen. Der Anzug betrieb zudem den unglaublich potenten Schild der Moore die Flucht ermöglicht und Arianna Trallok ein so langes Leben beschehrt hatte.

"Wahnsinn."

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[ Perave-System / Arkania / Region Aurentis / Villa Velcrest ] Lucien Velcrest & NPC´s


Die Morgensonne hatte die Hügel von Aurentis bereits in warmes Gold getaucht, als Lucien Aurelian Cassian Velcrest, Vicomte von Aurentis langsam die Augen öffnete. Für einige Sekunden blieb er reglos liegen und starrte verschlafen zur Decke seines Schlafzimmers hinauf, während sein Verstand noch irgendwo zwischen Traum, Wein und den Erinnerungen an die vergangene Nacht festhing.

Über seinem Bett befand sich, wie in den Gemächern sämtlicher Mitglieder des Hauses Velcrest, das Familienwappen. Kunstvoll in die Deckenverkleidung eingearbeitet zog sich das Symbol seines Hauses durch vergoldete Ornamente und dunkles Edelholz, sodass es beinahe wirkte, als würde es über den Raum wachen. Seit Generationen gehörte diese Tradition zur Familie. Jedes Kind der Velcrests sollte jeden Morgen daran erinnert werden, wer es war, woher es stammte und welche Verantwortung mit dem Familiennamen verbunden war.

Lucien betrachtete das Wappen einige Augenblicke lang.
Es erinnerte ihn an seine Heimat, an die langen Tage in den Gärten von Aurentis, an die Geschichten seiner Großmutter und an jene unerschütterliche Sicherheit, die nur Familien vermitteln konnten, deren Geschichte sich über Jahrhunderte erstreckte.

Gleichzeitig erinnerte ihn das Wappen jedoch auch an all jene Erwartungen, die seit seiner Geburt über ihm schwebten wie eine Wolke, die niemals ganz verschwinden wollte.
Ein leises Geräusch entrang sich seiner Kehle, irgendwo zwischen Gähnen und einem müden Seufzen.
Seine weißen Augen verdrehten sich leicht, dann drehte er den Kopf zur Seite.

Auf dem rechten Teil des gewaltigen Bettes lag noch immer eine junge Frau, deren mittelbraune Haare sich über das Kissen verteilt hatten. Die Morgensonne fiel durch die halb geöffneten Vorhänge auf ihr Gesicht, ohne dass sie auch nur die geringste Absicht zeigte aufzuwachen.

Ein Grinsen huschte über Luciens Gesicht.

Sogleich drehte er sich Gemächlich auf die andere Seite.
Dort zeichnete sich unter der Seidendecke die Silhouette einer zweiten Frau ab. Dunkle Locken lagen verstreut auf dem Kissen und verschwammen beinahe mit dem Schatten des Bettes.

Für einen kurzen Moment hab Lucien und Kopf ließ den Blick zwischen beiden Seiten wandern.
Dann sank sein Kopf wieder zurück auf das Kissen, er drehte sich wieder auf den Ruck und betrachtete erneut das Wappen über sich.

Diesmal deutlich zufriedener.
„Nun“, murmelte er leise in die Stille des Raumes hinein, „ganz furchtbar ist es auch wieder nicht, ein Velcrest zu sein.“

Sein Grinsen wurde breiter.
Für einen Moment schloss er noch einmal die Augen, genoss die Ruhe und das angenehme Gewicht der Decke auf seinem Körper, ehe er sich schließlich dazu durchrang aufzustehen.

Langsam schwang er die Beine aus dem Bett und erhob sich.
Der kühle Boden vertrieb augenblicklich die letzten Reste seiner Müdigkeit.
Schon verschwand er im angrenzenden Badezimmer, aus dem einige Minuten später das Geräusch laufenden Wassers drang.

Als Lucien wieder herauskam, war von dem verschlafenen jungen Mann kaum noch etwas übrig.
Sein Weg führte ihn direkt in den großen begehbaren Kleiderschrank, der eher einem exklusiven Modegeschäft als einem gewöhnlichen Ankleideraum ähnelte. Hochwertige Stoffe aus dutzenden Welten säumten die Wände, maßgeschneiderte Kleidungsstücke hingen ordentlich sortiert nach Farbe, Anlass und Jahreszeit.

Nach kurzem Überlegen entschied er sich für eine locker geschnittene Hose aus hellem Chandrila-Leinen und ein leichtes olivfarbenes Hemd aus feiner Velafaser. Die Stoffe waren angenehm leicht, perfekt für die warmen Temperaturen des Sommers in Aurentis.

Die obersten Knöpfe ließ er offen und betrachtete sich dann einen Moment im Spiegel.

Die dunklen Locken leicht verspielten Locken, die tief gebräunte Haut und markanten Gesichtszüge.
Die vollständig weißen Augen, die ihn selbst nach einundzwanzig Jahren noch immer unverkennbar als Arkanier auswiesen.
Langsam legte sich ein selbstzufriedenes Lächeln auf sein Gesicht.

„Es hilft nichts“, stellte er fest und neigte leicht den Kopf.
„Ich sehe einfach hervorragend aus.“ Mit dieser natürlich nur objektiv völlig bescheidenen Einschätzung seiner selbst verließ er den Ankleideraum.

Beim Vorbeigehen fiel sein Blick noch einmal auf das Bett.
Die beiden Damen schliefen weiterhin.
Lucien schüttelte grinsend den Kopf. „Bewundernswert.“
Anschließend verließ er das Schlafzimmer.

Der lange Flur des Herrenhauses erstreckte sich vor ihm wie eine eigene kleine Welt. Hohe Fenster gaben den Blick auf die weitläufigen Parkanlagen frei, während Gemälde längst verstorbener Familienmitglieder die Wände schmückten. Das Anwesen selbst gehörte zu jenen Häusern, die nicht laut nach Aufmerksamkeit schrien. Es war groß und prachtvoll, aber auf jene ruhige Weise, die nur echter alter Wohlstand ausstrahlte. Über Generationen hinweg war die Villa erweitert, umgebaut und modernisiert worden, ohne dabei ihren ursprünglichen Charakter zu verlieren. Poliertes Edelholz, warme Farbtöne und helle Steinböden bestimmten das Bild, während hohe Fenster das Licht der Morgensonne tief in die Flure fallen ließen. Die Velcrests hatten nie das Bedürfnis verspürt, anderen beweisen zu müssen, wie wohlhabend sie waren. Jeder auf Arkania wusste es ohnehin.

Auf einer gepolsterten Sitzbank nahe eines der großen Fenster saß bereits Elara Serris. Die langjährige Haushälterin hob den Blick von ihrem Datenpad und musterte Lucien über den Rand ihrer Brille hinweg. Allein dieser Blick genügte, um ihm zu verraten, dass sie erstaunlich gut über seine nächtlichen Aktivitäten informiert war.

„Guten Morgen, junger Herr.“ begrüßte ihn die Dame.

„Guten Morgen, Frau Serris.“ sagte Lucien charmant und grinste dabei, was leider bei der alten Haushälterin nur selten fruchtete.

„Muss ich Euch daran erinnern, was Euer Vater Euch letztens noch gesagt hat...was habt ihr euch gestern Abend nur gedacht?“ antwortete Sie mit strenger Miene.

Lucien schloss kurz die Augen und atmete leise durch. Natürlich musste dieser Teil des Tages früher oder später kommen.

„Nein“, antwortete er schließlich und machte eine leicht abwehrende Handbewegung. „Leider erinnere ich mich noch sehr gut daran.“

„Wirklich?“,
erwiderte die ältere Frau trocken. „Nach Eurem Verhalten gestern Abend hätte man beinahe glauben können, Ihr hättet jedes einzelne Wort vergessen.“

Ein schwaches Seufzen entwich Lucien.
„Wie konntet Ihr einfach vom Ball verschwinden und Euren Vater sowie eure Brüder so in Verlegenheit bringen und sie dann dort Wortlos zurücklassen? Der ganze Saal hat darüber gesprochen und heute sicher ganz Aurentis.“

„Ganz Aurentis?“,
fragte Lucien und hob leicht eine Augenbraue. „Das halte ich für eine großzügige Schätzung.“

„Es ist keine Schätzung.“
gab Miss Serris streng zurück.

Lucien verzog das Gesicht.
Natürlich wollte er seinem Vater keine Schande bereiten. Trotz aller Spannungen, die sich in den letzten Jahren zwischen ihnen aufgebaut hatten, respektierte er den Mann nach wie vor. Doch je älter er geworden war, desto häufiger schienen ihre Gespräche in Missverständnissen zu enden. Sein Vater sah einen jungen Adligen, der sein Potenzial verschwendete. Lucien hingegen hatte oft das Gefühl, dass niemand wirklich sehen wollte, wer er war, solange er nicht genau der Mensch wurde, den andere in ihm sehen wollten.

„Ich werde mit ihm reden.“ gab Lucien am ende nach.

Elara Serris betrachtete ihn einige Sekunden lang, ehe der strenge Ausdruck auf ihrem Gesicht langsam verschwand.
„Ihr wisst, dass ich es nicht böse meine.“

„Ja…Das weiß ich, Miss Serris.“.
antwortete Lucien.

„Dann hört bitte endlich auf Euren Vater und hört mit solch Unfug auf.“ Ihre Stimme wurde merklich weicher. „In letzter Zeit haben Eure Eskapaden wirklich überhandgenommen, Lucien. Ihr seid kein kleiner Junge mehr, der sich hinter Charme und einem hübschen Lächeln verstecken kann.“

Sie legte ihm kurz die Hand auf den Arm. „Regelt das.“

Mit diesen Worten wandte sie sich ab und verschwand den Flur hinunter. Lucien blieb einen Moment lang stehen und sah ihr nach. „Ja, ja“, murmelte er schließlich und fuhr sich durch die dunklen Locken und seuftzte. „Ja....mein werter Herr Vater.“

Wenig später trat er hinaus auf den großen Balkon des Anwesens. Vor ihm erstreckten sich die gepflegten Gärten des Anwesens, deren Wege sich zwischen Brunnen, Zypressen und kunstvoll angelegten Terrassen hindurchschlängelten. Dahinter erhoben sich die sanften Hügel der Region Aurentis, die im Licht der Morgensonne beinahe wie gemalt wirkten.

Lucien lehnte sich gegen das steinerne Geländer und ließ den Blick über das Anwesen schweifen. Die Wärme der Sonne lag angenehm auf seiner Haut, während über den Gärten jene friedliche Stille herrschte, die ihn jedes Mal daran erinnerte, warum er Aurentis trotz allem liebte.


Das tiefe Summen eines Repulsorantriebs durchbrach die Ruhe.
Unten auf dem Vorplatz glitt eine elegante Schwebe-Limousine durch das Haupttor und kam vor den breiten Stufen des Herrenhauses zum Stehen. Lucien beobachtete das Fahrzeug einige Sekunden lang, ehe sich die Tür öffnete und sein Vater ausstieg.

Noch während der ältere Mann mit den weißen nach hinten gekämmten Haarenden Vorplatz überquerte, wanderte dessen strenger Blick bereits nach oben zum Balkon.
Ihre Augen trafen sich und plötzlich wusste Lucien mit jener unangenehmen Sicherheit, die man nur bei nahen Familienmitgliedern entwickelt, dass die kommenden Stunden deutlich weniger angenehm verlaufen würden als die vergangenen.

Langsam atmete er aus. "Ach....Nein, warum immer ich".
Dabei hatte der Tag eigentlich so ausgesprochen vielversprechend begonnen.


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Nachdem Lucien noch einige Minuten auf dem Balkon verbracht hatte, wandte er sich schließlich wieder dem Inneren des Hauses zu. Die Begegnung mit seinem Vater stand zwar noch bevor, doch solange diese Unterhaltung nicht tatsächlich begonnen hatte, sah er keinen Grund, sich den restlichen Vormittag verderben zu lassen.

Mit dieser Überzeugung kehrte er zunächst in seine Gemächer zurück.
Wenig später erfüllte das Rauschen der Dusche das Badezimmer, während heißes Wasser die letzten Spuren der vergangenen Nacht vertrieb. Als Lucien schließlich wieder vor dem Spiegel stand, fühlte er sich deutlich wacher als noch vor einer halben Stunde. Er richtete die dunklen Locken mit routinierten Handgriffen, überprüfte den Sitz seines Hemdes und betrachtete sich kurz selbst bevor er leicht grinste und sich selbst zunickte.
Mehr musste es für einen Vormittag nicht sein.

Mit dieser Einschätzung verließ er das Badezimmer und trat zurück in den Wohnbereich seiner Suite.
Gerade in diesem Moment öffnete sich die Tür, oder vielmehr war sie kurze davor sich wieder zu schließen.

Vor ihr standen die beiden Damen von letzter Nacht, begleitet von Elara Serris, die ihre Aufgabe offensichtlich bereits mit gewohnter Effizienz übernommen hatte und gerade dabei war die zwei Damen aus dem Zimmer zu begleiten.

Da bemerkten ihn die zwei Damen und die Haushälterin.
Die ältere Frau blieb stehen und sah ihn mit jenem Blick an, den sie sich vermutlich über Jahrzehnte perfektioniert hatte. Es war kein böser Blick. Kein wütender Blick. Es war jener ganz besondere Blick, der gleichzeitig Missbilligung, Enttäuschung, Sorge und stille Resignation ausdrücken konnte.

Die jüngere der beiden Damen bemerkte ihn beinahe im selben Augenblick und schenkte ihm sofort jenes amüsierte Lächeln, das Lucien inzwischen nur allzu gut kannte. Mit einer kleinen Bewegung trat sie zur Seite und musterte ihn kurz von oben bis unten, als hätte sie ihn gerade erst entdeckt.

„Ah“, sagte sie gespielt überrascht. „Da ist der werte Herr ja.“ sagte sie und zwinkerte ihm zu.

Lucien erwiderte das Lächeln mühelos.
„Wart ihr nicht allzu Enttäuscht, dass ich nicht neben Euch aufgewacht bin?“

Die junge Frau legte dramatisch eine Hand auf ihr Herz und neigte leicht den Kopf.
„Untröstlich, wahrlich Untröstlich.“

Die Antwort kam so überzeugend, dass Lucien beinahe lachen musste.
„Das dachte ich mir.“

„Bis zum nächsten Mal, Lucien.“ sagte sie mit süßer und weicher Stimme.

Lucien atmete aus. Schade, wenn Frau Serris nicht so übereifrig wäre hätte er sicher noch ein wenig schöne Zeit mit ihnen verbringend können. "Was für eine Verschwendung....." dachte er bei sich.
„Bis zum nächsten Mal.“

Ihre Begleiterin verdrehte schmunzelnd die Augen. Dann traten beide Frauen auf den Flur hinaus und verließen schließlich den Raum. Lucien hob noch einmal kurz die Hand zum Abschied, ehe sein Blick auf Elara Serris fiel, die die gesamte Szene schweigend mit vor der Brust verschränkten Armen beobachtet hatte.

Sofort verschwand ein Teil seines Lächelns.
Die Haushälterin musste gar nichts sagen. Allein die Art, wie sie eine Augenbraue hob und ihn über den Rand ihrer Brille hinweg ansah, genügte vollkommen.

Er war sich bis heute nicht sicher, wie sie es schaffte, gleichzeitig enttäuscht, genervt, besorgt und missbilligend zu wirken, ohne dabei auch nur ein einziges Wort zu verlieren.

Lucien kratze sich kurz hinter seinem Ohr.
„Schönes Wetter heute....nicht war Miss Serris“. sagte er mit zuckersüßer Stimme

„Mhm.“ gab Sie mehr als Laut denn als Wort zurück.

„Die Gärten sehen wie immer ausgezeichnet aus.“
Diesmal erhielt er nicht einmal eine Antwort, sondern lediglich denselben Blick wie zuvor.

Für einige Sekunden herrschte Schweigen zwischen ihnen, bis Elara schließlich tief seufzte. Es war kein dramatischer Seufzer und auch keiner, der echte Verzweiflung verriet. Vielmehr klang er wie die stille Resignation eines Menschen, der sich längst damit abgefunden hatte, dass manche Kämpfe niemals gewonnen werden konnten und dass Lucien Velcrest zweifellos zu dieser Kategorie gehörte.

„Euer Vater erwartete euch unten.“ sagte sie mit in jenem Tom das Lucien bereits wusste das er nicht gut gelaunt war.
„Natürlich tut er das.“ antwortete Lucien knapp.
„Und er ist nicht besonders gut gelaunt.“ fuhr die Haushälterin fort
„Natürlich ist er das nicht.“ gab Lucien leicht genervt zurück. Als ob die sie ihm das sagen müsste.
„Und Ihr seid daran nicht völlig unschuldig.“ antwortete sie während sie die Hände in die Hüfte stemmte.

Lucien legte gespielt empört eine Hand auf die Brust.
„Iiiiiich....Neeein....Diese Anschuldigung verletzt mich zutiefst.“

Zum ersten Mal glaubte er tatsächlich, einen kurzen Anflug von Belustigung in ihrem Gesicht zu erkennen. Der Mundwinkel der Haushälterin zuckte leicht sichtbar nach oben, ehe sie sich wieder vollständig unter Kontrolle brachte.
„Ab zum Speisesaal,....sofort.“ sagte sie während sie leicht den Kopf schüttelte.

„Jawohl, Frau Serris.“ erwiderte Lucien und deute gespielt eine leichte Verbeugung an.
Die ältere Dame erdrehte leicht die Augen, dann wandte sich um und setzte ihren Weg fort. Lucien blieb noch einen Moment stehen und sah ihr nach, bis sie hinter einer Ecke verschwunden war. Erst dann ließ er den Kopf leicht nach hinten sinken, schloss kurz die Augen und atmete langsam aus.

„Das wird sicher....fantastisch“, murmelte er.
Sein Tonfall machte unmissverständlich klar, dass er das genaue Gegenteil meinte.

Dennoch setzte er sich schließlich in Bewegung und machte sich auf den Weg zum Speisesaal, wo sein Vater bereits auf ihn wartete und vermutlich genug Gesprächsstoff für die kommenden Stunden gesammelt hatte.

Die große Haupttreppe des Herrenhauses erhob sich im Zentrum der Eingangshalle wie das Herzstück des gesamten Gebäudes. Von den oberen Galerien führte sie zunächst in einem breiten Lauf nach unten, ehe sie sich auf halber Höhe elegant teilte und nach links und rechts auslief. Seit seiner Kindheit war Lucien diese Stufen unzählige Male hinabgestiegen, doch an diesem Morgen fühlte sich jeder einzelne Schritt schwerer an als gewöhnlich.

Unten angekommen durchquerte er die weitläufige Eingangshalle, deren hohe Fenster das warme Licht der Morgensonne hereinließen. Gemälde längst verstorbener Familienmitglieder blickten von den Wänden herab, als würden sie die Geschicke ihrer Nachkommen noch immer aufmerksam verfolgen. Poliertes Holz, heller Stein und die ruhige Eleganz des alten Hauses vermittelten jene selbstverständliche Würde, die nur Anwesen ausstrahlten, deren Geschichte länger war als die meisten Familienlinien anderer Welten.

Wenig später erreichte Lucien den Speisesaals. Er atmete einmal kurz durch und öffnete die Tür.


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Schon bevor er eintrat, machte sich ein unangenehmes Gefühl in seinem Magen breit. Es war schwer zu beschreiben, doch irgendetwas an der Stimmung des Hauses hatte sich verändert. Nicht laut, nicht offensichtlich, sondern auf jene subtile Weise, die man meist nur innerhalb einer Familie wahrnahm, wenn Entscheidungen bereits getroffen worden waren, bevor man selbst überhaupt davon erfahren hatte.

Lucien betrat den Raum und sein Vater saß bereits an der zehn Meter langen Tafel.

Die Ellbogen ruhten auf der Tischplatte, die Hände waren ineinander verschränkt und stützten das Kinn, während sein Blick unverwandt auf die Tür gerichtet blieb. Vor ihm standen eine Tasse Caf, ein Frühstück und ein Datenpad, doch keines dieser Dinge schien ihn im Augenblick zu interessieren. Alles an seiner Haltung vermittelte den Eindruck, als hätte er bereits seit geraumer Zeit auf genau diesen Moment gewartet.

Lucien blieb kurz stehen.
„Guten Morgen, werter Vater.“
Normalerweise wäre zumindest ein Nicken erwiderte worden, vielleicht ein knappes „Morgen“ oder irgendeine andere Reagktion. Doch diesmal kam nichts.

Sein Vater hob sah ihn lediglich an streng an. Mehrere Sekunden verstrichen.
Lange genug, dass Lucien begann, sich ernsthaft unwohl zu fühlen. Instinktiv richtete er den Kragen seines Hemdes, obwohl dieser vollkommen ordentlich saß, und fragte sich, ob die Sache vom Ball vielleicht doch größere Kreise gezogen hatte, als er zunächst angenommen hatte.

Schließlich ließ sein Vater langsam die Hände sinken.
Der Blick blieb unverändert.

„Wie konntest du es nur wagen?“
Die Worte waren so leise gesprochen, dass Lucien zunächst glaubte, sich verhört zu haben.

„Wie bitte Vater?“
Für einen kurzen Augenblick glaubte er tatsächlich, das Gespräch vielleicht noch retten zu können.
Dann krachte die flache Hand seines Vaters auf die Tischplatte.

Geschirr klirrte, die Tasse sprang einige Zentimeter über das Holz und selbst Lucien zuckte unwillkürlich zusammen. Er hätte sich niemals eingestanden, Angst zu haben, doch sein Vater verlor nur äußerst selten die Beherrschung, und genau deshalb wirkte es jedes Mal umso bedrohlicher, wenn es doch geschah.

„Wie konntest du es wagen, unserer Familie eine derartige Schande zu bereiten?“ sagte sein Vater, dessen Stimme nun einen schon fast schneidenden Ton angenommen hatte.

„Vater, ich—“ begann Lucien in der Hoffnung seinen Vater zu beruhigen.

„Nein!" schnitte sein Vater ihm das Wort ab. "Keine Ausflüchte mehr! Ich hab es Satt!.“

Langsam erhob sich der ältere Arkanier von seinem Stuhl und stützte beide Hände auf die Tischplatte.
„Nein“, wiederholte er deutlich ruhiger, was die Situation nur noch unangenehmer machte. „Diesmal hörst du mir zu ohne Unterbrechung ohne deine üblichen Ausflüchte...hast du mich verstanden Sohn...“

Lucien schwieg.
Nicht weil er wollte, sondern weil er zunehmend das Gefühl bekam, dass jede weitere Bemerkung die Lage nur verschlimmern würde.
„Jahrelang habe ich versucht, dir Möglichkeiten zu verschaffen. Ich habe Kontakte genutzt, mit Politikern gesprochen, mit Offizieren, mit vielen Personen die in der Wirtschaft führend sind. Ich habe versucht, dich in unsere Unternehmen einzubinden und dir einen Platz zu verschaffen, auf den andere junge Männer mehr als neidisch wären.“

Er machte eine kurze Pause und schüttelte langsam den Kopf.
„Und nichts davon war gut genug für dich.“

Als sein Vater wieder auf den Stuhl sank, wirkte er plötzlich älter als noch wenige Augenblicke zuvor. Die Wut war nicht verschwunden, doch hinter ihr zeigte sich nun etwas anderes – Müdigkeit, Enttäuschung und die Erschöpfung eines Mannes, der das Gefühl hatte, jahrelang gegen dieselbe Wand gesprochen zu haben.

„Nichts scheint dem werten Herrn Lucien Velcrest zu gefallen der anscheinend über jegliche Verantwortung erhaben zu sein scheint .“

Lucien blickte nach unten auf seine Hände und überlegte erneut den Monolog seines Vaters zu stoppen und das Gespräch zu suchen um seinen Vater zu beschwichtigen.
„Vater, ich—“

„Was würde dein Großvater dazu sagen?“
fiel ihm sein Vater sofort ins Wort.

Die Worte trafen ihn härter als alles zuvor und er verstummte sofort.
Sein Großvater.
Der einzige Mensch, der ihn niemals mit seinem Bruder verglichen hatte. Der einzige Mensch, der nie verlangt hatte, dass Lucien jemand anderes wurde, als er war. Der immer für ihn da war und sich immer wieder schützend vor ihn gestellt hatte wenn er mal den ein oder anderen Schabernack getrieben hatte.
Für einen Moment konnte er seinem Vater nicht einmal mehr in die Augen sehen.

„Schau nicht so. Du weißt genau, was ich meine.“
Die Stimme seines Vaters war nun deutlich leiser geworden.
„Das Einzige, was dein Großvater sich jemals gewünscht hat, war Zusammenhalt....Zusammenhalt innerhalb dieser Familie. Dass wir füreinander einstehen. Dass wir sich alle Unterstützen und gemeinsam etwas aufbauen.“

Sein Blick wurde wieder hart.
„Egal was du wolltest du hast es bekommen. Unterstützung bei deiner sein Vater formte mit den fingern Anführungszeichen "Swoop-Rennfahrer Karriere" hast du alles bekommen was du wolltest. Also du deine Spirituosen Firma aufbauen wolltest, haben wir dir Kontakte verschafft, oder als du dich für Schmuck und Mode begeistert hast und deine Eigene Luxus Firma gründen wolltest. Sein Vater atmete kurz durch Immer hat die Familie dich unterstütz doch du hast alles immer abgebrochen oder einfach aufgehört.
Stattdessen
verschwendest du dein Können und deine Talente sowie deine Jugend nur für Vergnügungen, Partys und Eskapaden.“
Man konnte seinem Vater ansehen wie furchtbar Enttäuscht er war.
Lucien war sogar der Meinung, Trauer in den Augen seines Vater sehen zu können.

„Aber Vater—“
Wieder krachte die Hand auf den Tisch.
„Ich will es nicht mehr hören!“

Diesmal erhob sich der ältere Mann erneut und seine Stimme erfüllte den gesamten Raum.
„Gestern war deine letzte Chance, Lucien. Deine letzte verdammte Chance ich hatte dich gewarnt.“

Lucien spürte, wie sich sein Magen zusammenzog, so aufgeregt und mit solchen Emotionen hatte er seinen Vater noch erlebt.
Du hättest Politiker kennenlernen können. Unternehmer. Admiräle. Viele, die bereit gewesen wären, dir Türen zu öffnen. Stattdessen fängst du Streit mit einem Adeligen an, flirtest mit Bediensteten, betrinkst dich bis zur Lächerlichkeit, rempelst Gäste auf der Tanzfläche an und verschwindest schließlich mit zwei Frauen aus dem Anwesen.“

Die folgenden Sekunden waren beinahe schlimmer als der eigentliche Ausbruch.
„Mehr Schande hättest du unserer Familie kaum bereiten können.“

Lucien wusste nicht einmal mehr, was er darauf antworten sollte.
Dann geschah etwas, womit er nicht gerechnet hatte.

Langsam breitete sich ein kleines schmallippiges lächeln auf dem Gesicht seines Vater aus.
Doch in diesem Lächeln lag weder Wärme noch Freundlichkeit. Es war die Art von Lächeln, die einem verriet, dass die eigentliche Strafe erst noch folgen würde.

„Deshalb hat die Familie Velcrest eine Entscheidung getroffen.“
Lucien runzelte die Stirn. „Was für eine Entscheidung?“
Wieder vergingen mehrere Sekunden bevor sein Vater antwortete. „Du wirst Arkania verlassen.“

Für einen Moment glaubte er, sich verhört zu haben.
„Ich werde....was?!“

„Du wirst Arkania verlassen und das o
hne Bedienstete, ohne Sonderbehandlung und ohne deine Freunde.“

Lucien starrte ihn wie zur Steinsäule erstarrt an. Was sein Vater da von sich gab kam seinen größten Albträumen gleich.
„Ihr..Ihr..könnt doch nicht—“

„Doch...und wir ich kann Sohn!"
Die Antwort kam sofort. „Und ich werde.“
Sein Vater verschränkte die Arme. „Du wirst nach Truuine reisen.“

Lucien blinzelte ungläubig. „Truuine?! Was!? Warum sollte ich—“ begann Lucien verdutzt.

„Weil Gouverneur Ridley Quinn Solaris dort sicher in irgendeiner Art und Weise so hoffe ich, Hilfe gebrauchen kann.“
Wieder wollte Lucien etwas erwidern, doch bevor er nur beginnen konnte zu sprechen fuhr ihm sein Vater ins Wort. „Ruhe!.“
Diesmal sprach sein Vater gefährlich ruhig weiter.
„Es ist bereits beschlossen. Du wirst deinem Schwager unterstützen, für ihn arbeiten, Verantwortung übernehmen und du wirst endlich aufhören, dich wie ein verwöhnter Junge aufzuführen und deiner Familie zur Last zu fallen. Immerhin bist du schon Einundzwanzig Jahre alt und ein Velcrest.“

Langsam setzte sich Lucien´s Vater.
„Darüber hinaus möchte das Haus Velcrest wirtschaftliche Investitionen auf Truuine prüfen. Offiziell reist du als Vertreter unserer Familie um deinen Platz im Unternehmen zu finden und eine mögliche Zweigstelle aufzubauen. Die baldige Veranstaltung, die Gala der kristallen Klänge sollte ein Idealer Einstieg für dich und deinen Auftrag sein. Knüpfe Kontakte und verschaffe dir einen Überblick.“
Zum ersten Mal seit Beginn des Gesprächs wurde seine Stimme etwas ruhiger.

„Lucien.“
Der junge Arkanier hob den Kopf.
„Dies ist deine letzte Chance.“ Die folgenden Worte sprach sein Vater beinahe emotionslos.
„Solltest du auch diese Gelegenheit verschwenden, werde ich veranlassen, dass dein Name aus allen Erbunterlagen gestrichen wird.“
Lucien wurde bleich und seine stimme versagte fasst.
„Vater ...“

Sein Vater hob die Hand.
„Und dein Titel als Vicomte würde aberkannt.“

Im Raum wurde es vollkommen still.
Selbst Elara Serris, die inzwischen unbemerkt in der Tür erschienen war, wirkte für einen Augenblick sprachlos und schockiert.

Luciens Vater wandte sich an die Haushälterin „Frau Serris.“

Die Haushälterin blinzelte.
„Ja...Ja, Comte Velcrest?“

„Mein Sohn wird uns in Kürze verlassen. Bitte bereiten Sie alles vor, was für seinen langen Aufenthalt auf Truuine notwendig ist.“

dabei betonten er besonders den langen Aufenthalt.

„Natürlich, werter Herr.“ Der Familienpatriarch nickte lediglich und wandte sich anschließend wieder seinem Datenpad zu und machte einen Wink in Richtung Tür.

„Du kannst nun gehen.“
Mehr sagte er nicht.
Lucien blieb noch einige Sekunden reglos stehen, bevor er sich schließlich vom Tisch entfernte. Seine Bewegungen wirkten beinahe mechanisch, als würde ein Teil seines Verstandes noch immer versuchen zu begreifen, was gerade geschehen war.

Wenig später trat er hinaus in die Gärten des Anwesens.

Die Sonne schien noch immer über Aurentis, als wäre überhaupt nichts geschehen. Zwischen den gepflegten Wegen plätscherten die Brunnen, während die sanften Hügel seiner Heimat friedlich im Licht des Vormittags lagen. Alles sah genauso aus wie noch vor einer Stunde, und doch hatte Lucien das Gefühl, als hätte sich die Welt unter seinen Füßen verschoben.

Langsam ließ er sich auf den breiten Stufen der Villa nieder und blickte über das Familienanwesen.
Zum ersten Mal seit vielen Jahren fragte er sich, ob dieses Haus eines Tages tatsächlich noch sein Zuhause sein würde oder ob er es gerade dabei war zu verlieren.

Sein Blick wanderte zum Himmel eine kleine Träne wegblinzelnd.
„Wie konnte es nur so weit kommen?“
Die Frage war kaum mehr als ein Flüstern.

Dort saß er noch einige Zeit bis er sich seinem Schicksal fügte und in sein Zimmer ging um sich für die Reise bereit zu machen.


[ Perave-System / Arkania / Region Aurentis / Villa Velcrest ] Lucien Velcrest & NPC´s
 
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