Coruscant

Coruscant - Jeditempel | Ratssaal | Aleron Blackthorne, Fabienne Bertheau und Jedirat Murrrarchesch

Murrar wollte Details erfahren und nicht nur wohl klingende Phrasen hören. Aleron war davon keineswegs überrascht und genauso wenig fiel es ihm schwer, auf die Frage des Wookiees zu antworten.

„Mir ist mehr als einmal der Typ von Offizier begegnet, der mithilfe der ihm zur Verfügung stehenden Befehlsgewalt seine Meinung selbst gegen den besten Rat und die besten Erfahrungswerte anderer durchgedrückt hat, um ein...Projekt nach seinen persönlichen Vorstellungen zu erzwingen.“

Diese Leute hatten aus für den Morellianer unerfindlichen Gründen eines gemeinsam. Sie verfügten fast alle erstaunlicherweise für gewöhnlich über ein überaus lautes Sprechorgan oder auch mehrere, je nach Spezies.

„Kurzfristig mag diese Herangehensweise Erfolg bringen und das macht sich auch durchaus gut in Jahresbewertungen, was wiederum dazu führt, dass nicht zwangsweise die tatsächlich geeignetsten Kandidaten befördert werden. Allerdings löst sie grundlegende Probleme nicht und mag sie vielleicht sogar verschlimmern oder zusätzliche entstehen lassen. Außerdem sorgt sie für Frust und Desillusionierung unter den anderen Beteiligten, was langfristig weitreichende negative Folgen auf ihre Leistung haben kann.“

Aleron hatte in seiner Zeit vielen solcher Egos begegnen dürfen und so schnell erfahren dürfen, was diese Verhaltensweise für Konsequenzen haben konnte.

„Auch im praktischen Einsatz ist das spürbar. Das schärfste Schwert muss nicht immer das geeignetste sein. Nur weil wir die Möglichkeit haben haben, mit Sprengstoff durch die Wand zu gehen oder mit einem Artillerieschlag einen Häuserblock dem Erdboden gleichzumachen, heisst das noch lange nicht, dass dies die beste Möglichkeit ist, ein Ziel zu erreichen.“

Das galt für ihn jetzt als Jedi vielleicht noch mehr als früher als Marine. Ein Lichtschwert war ein praktisches Werkzeug, das so ziemlich überall durchkam und zumindest nach dem, was der Morellianer so gelesen und gehört hatte, konnten Meister der Macht sozusagen im Handstreich mit geschickt eingesetzter Telekinese selbst Häuser zum Einsturz bringen.

„Ich könnte Euch jetzt diese oder jene Begegnung detailliert erklären, allerdings unterliegt vieles militärischer Verschlusssache und ehrlich gesagt will ich Euch auch nicht gegenüber Einzelpersonen negativ voreingenommen machen, nur weil ich persönlich diese oder jene negative Erfahrung mit ihnen gemacht habe.“

Aleron atmete tief durch. Eine Antwort zu Murrars folgender Frage zu geben, war vielleicht erheblich schwieriger, einfach weil sie so viel persönlicher war als das vorherige Thema.

„Jene, die ich verloren habe. Jene, die ich nicht retten konnte. Jene, die mir lieb und teuer waren und sind. Ich ehre sie, indem ich sie in Erinnerung behalte. So sehr sie mich auch schmerzen mögen, so will ich keine dieser Erinnerungen verlieren. Ich gedenke ihnen, indem ich mein Leben mit ganzer Kraft lebe und um Eure Frage zu beantworten, nein, ich sehe nicht die Gefahr, dass mich dies irgendwie einschränkt. Ganz im Gegenteil, so sehr dieser Erinnerungen auch manchmal schmerzen mögen, sie treiben mich nur dazu an, ein besseres Ich zu finden. Um Meinet- und um Ihretwillen, um ihr Andenken und die Opfer, die sie für mich gebracht haben, nicht zu verraten.“

Tatsächlich glaubte Aleron, dass ihn diese Erfahrungen nur widerstandsfähiger machten. Er hatte seine Feuertaufe hinter sich gebracht und sie bestanden. Er war immer noch hier und statt zu brechen, hatte er sich gebogen, nur um sich noch stärker wieder aufzuschwingen.

Der Jedirat hatte dann noch einiges über die Studien der Ritter und auch Alerons geäußerte Bedenken gegenüber der Stellung des Ordens in der Republik zu sagen. Da war viel wahres in den Murrars Worten zu hören und auch, wenn Aleron selbst nicht so ganz den Optimismus und das Vertrauen teilte, den der Wookiee hier in die Institutionen der Republik zu setzten schien, so vertraute der Morellianer doch auf die Weisheit und die Erfahrung seines gegenüber und nickte verständig.

Aleron sah sich nicht als paranoid oder Verschwörungstheoretiker sondern glaubte mehr, eine gesunde Skepsis an den Tag zu legen, die ihm eine erhöhte Wachsamkeit verlieh. Der Pfad zur Hölle war mit guten Absichten gepflastert, darum war es einfach wichtig, sehr genau darauf zu achten, welchen Weg man einschlug.

„Der Frieden ist ein hehres und wichtiges Ziel. Insbesondere wenn man sich die Zerstörungskraft der Alternative vor Augen führt und die kenne ich nur zu gut.“

Der Morellianer konnte ganz gut darauf verzichten, zurück aufs Schlachtfeld zu ziehen. Doch allem Anschein nach schienen die Galaxis und vielleicht auch die Macht andere Pläne mit ihm zu haben. Das änderte aber nichts an seiner Entschlossenheit, den eingeschlagenen Weg weiterzuverfolgen. Wenn er dabei mithelfen konnte, die Krise zu beenden oder zumindest abzudämpfen, so würde er dafür sein bestes geben.

„Fragen habe ich tatsächlich eine ganze Menge. Mehr als Antworten, um genau zu sein. Ich sehe mich aber wie gesagt noch am Anfang meiner Reise, aber ich denke, es ist wichtig und richtig, dass ich meine eigenen Antworten auf die vor mir liegenden Mysterien der Macht finde. Daher lasst es mich bei einer vielleicht nicht unbedingt simpler zu beantwortenden, aber praxisorientierteren Frage belassen. - Welche Aufgaben und Pflichten liegen vor mir, sofern ich zum Ritter ernannt werde? Welche Verantwortung werde ich dann eigenständig schultern müssen und was soll ich lieber einem Meister oder dem Rat berichten und um Anweisungen bitten?“

Aleron scheute keineswegs Verantwortung, doch wollte er genauso wenig seine Kompetenzen überschreiten und damit das in ihn gesetzte Vertrauen verraten. Er würde das zumindest nicht tun, ohne einen sehr guten Grund dafür zu haben.

Coruscant - Jeditempel | Ratssaal | Aleron Blackthorne, Fabienne Bertheau und Jedirat Murrrarchesch
 
[Coruscant - Jedi-Tempel - Krankenstation] Calen mit Daruq und Elise - weitere Patienten

Die Atmosphäre der Krankenstation war zu großen Teilen wenig bedrückend für den jungen Jedianwärter. Er blieb nahe bei seinem Begleiter und musterte seine Umgebung mit Interesse. Sowohl mit den Augen als auch mit den neu entdeckten Sinnen. Die Präsenzen der ihn umgebenden waren so unterschiedlich, schienen aber doch irgendwie alle eine ähnliche Richtung zu haben. Trotz ihrer Schmerzen waren die meisten der Patienten nicht übermäßig aufgewühlt. Generell hatte Calen hier im Tempel wenig ungezügelte Emotionen wahrgenommen. In seiner Heimatstadt war das immer anders gewesen. Es beeindruckte ihn was für eine Disziplin besonders die Heiler ausstrahlten. Sie bliebe trotz ihrer sicher durchaus schwierigen Aufgabe ruhig und fokussiert.

Leise, um niemanden zu stören beantwortete er die Frage des Jedi-Ritters. „Ich kann einen konstanten Fluss spüren. Nichts Destruktives, einfach neutral.“

Er betrachtete das Geschehen noch ein paar Augenblicke ehe er dem Mon Calamari folgte und lauschte seinen Worten genau zuhörte. Calen blieb dicht bei Daruq stehen, so wie es ihm zuvor angedeutet worden war. Er ließ den Blick ruhig auf Elise ruhen und nahm wahr, was sich ihm aufdrängte, ohne danach zu greifen. Die Präsenz der Frau war anders als alles, was er bisher gespürt hatte. Nicht so still und getragen wie bei Eyla, nicht so gedämpft wie bei den anderen Patienten. Es war, als läge etwas Raues unter der Oberfläche, etwas, das sich nicht ganz beruhigen ließ.

Calen spürte den Blick der Frau deutlicher, als er ihre Worte hörte. Es war kein prüfender Blick, eher ein tastender, als würde sie nicht nur ihn ansehen, sondern auch das, was sich noch ungeordnet um ihn herum sammelte. Für einen Moment vergaß er die Geräte, die Heiler, selbst Daruqs ruhige Präsenz an seiner Seite. Die Frage hing zwischen ihnen, unerwartet direkt. Was fehlt mir, Junge?

Er musste schlucken. Nicht aus Angst, sondern weil er merkte, dass es keine richtige Antwort gab, keine gelernte, keine sichere. Er war gerade erst alt genug, um hier zu stehen, und fühlte sich in diesem Moment genau so: jung, unerfahren, offen. Aber die Übung aus dem Trainingsraum war noch da, wie ein leiser Halt unter seinen Füßen. Er zwang sich, nicht auszuweichen.

„Ich weiß es nicht“, sagte er schließlich und hielt ihrem Blick stand. Seine Stimme war leise, aber nicht brüchig.

„Es fühlt sich an, als wäre da etwas, das noch keinen Platz gefunden hat“, fuhr er fort. „Nicht weg. Nicht verloren. Nur… nicht eingeordnet.“

Er senkte kurz den Blick, dann hob er ihn wieder.

„Eben im Trainingsraum hat Meister Daruq gesagt, ich soll nichts erzwingen. Nur wahrnehmen.“ Ein Hauch von Verlegenheit lag in seiner Stimme, als würde er sich dafür entschuldigen, so wenig vorweisen zu können. „Und was ich bei euch wahrnehme, ist kein Fehlen im Sinne von Leere. Eher… Spannung. Als müsste etwas noch zur Ruhe kommen, aber weiß nicht, wie.“

Danach schwieg er. Nicht, weil er nichts mehr zu sagen gehabt hätte, sondern weil er spürte, dass jedes weitere Wort zu viel gewesen wäre. In ihm hallte die Begegnung nach, stärker als alles zuvor an diesem Tag. Die Krankenstation war kein Ort des Lernens im klassischen Sinn, aber Calen begriff in diesem Moment, dass er hier etwas verstanden hatte, das man nicht üben konnte: dass die Macht nicht nur in Bewegung, sondern auch im Verweilen lag, und dass selbst Brüche Teil eines Ganzen sein konnten, ohne sofort geheilt werden zu müssen.

[Coruscant - Jedi-Tempel - Krankenstation] Calen mit Daruq und Elise - weitere Patienten
 
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