Coruscant

Coruscant - Jeditempel | Ratssaal | Aleron Blackthorne, Fabienne Bertheau und Jedirat Murrrarchesch

Murrar wollte Details erfahren und nicht nur wohl klingende Phrasen hören. Aleron war davon keineswegs überrascht und genauso wenig fiel es ihm schwer, auf die Frage des Wookiees zu antworten.

„Mir ist mehr als einmal der Typ von Offizier begegnet, der mithilfe der ihm zur Verfügung stehenden Befehlsgewalt seine Meinung selbst gegen den besten Rat und die besten Erfahrungswerte anderer durchgedrückt hat, um ein...Projekt nach seinen persönlichen Vorstellungen zu erzwingen.“

Diese Leute hatten aus für den Morellianer unerfindlichen Gründen eines gemeinsam. Sie verfügten fast alle erstaunlicherweise für gewöhnlich über ein überaus lautes Sprechorgan oder auch mehrere, je nach Spezies.

„Kurzfristig mag diese Herangehensweise Erfolg bringen und das macht sich auch durchaus gut in Jahresbewertungen, was wiederum dazu führt, dass nicht zwangsweise die tatsächlich geeignetsten Kandidaten befördert werden. Allerdings löst sie grundlegende Probleme nicht und mag sie vielleicht sogar verschlimmern oder zusätzliche entstehen lassen. Außerdem sorgt sie für Frust und Desillusionierung unter den anderen Beteiligten, was langfristig weitreichende negative Folgen auf ihre Leistung haben kann.“

Aleron hatte in seiner Zeit vielen solcher Egos begegnen dürfen und so schnell erfahren dürfen, was diese Verhaltensweise für Konsequenzen haben konnte.

„Auch im praktischen Einsatz ist das spürbar. Das schärfste Schwert muss nicht immer das geeignetste sein. Nur weil wir die Möglichkeit haben haben, mit Sprengstoff durch die Wand zu gehen oder mit einem Artillerieschlag einen Häuserblock dem Erdboden gleichzumachen, heisst das noch lange nicht, dass dies die beste Möglichkeit ist, ein Ziel zu erreichen.“

Das galt für ihn jetzt als Jedi vielleicht noch mehr als früher als Marine. Ein Lichtschwert war ein praktisches Werkzeug, das so ziemlich überall durchkam und zumindest nach dem, was der Morellianer so gelesen und gehört hatte, konnten Meister der Macht sozusagen im Handstreich mit geschickt eingesetzter Telekinese selbst Häuser zum Einsturz bringen.

„Ich könnte Euch jetzt diese oder jene Begegnung detailliert erklären, allerdings unterliegt vieles militärischer Verschlusssache und ehrlich gesagt will ich Euch auch nicht gegenüber Einzelpersonen negativ voreingenommen machen, nur weil ich persönlich diese oder jene negative Erfahrung mit ihnen gemacht habe.“

Aleron atmete tief durch. Eine Antwort zu Murrars folgender Frage zu geben, war vielleicht erheblich schwieriger, einfach weil sie so viel persönlicher war als das vorherige Thema.

„Jene, die ich verloren habe. Jene, die ich nicht retten konnte. Jene, die mir lieb und teuer waren und sind. Ich ehre sie, indem ich sie in Erinnerung behalte. So sehr sie mich auch schmerzen mögen, so will ich keine dieser Erinnerungen verlieren. Ich gedenke ihnen, indem ich mein Leben mit ganzer Kraft lebe und um Eure Frage zu beantworten, nein, ich sehe nicht die Gefahr, dass mich dies irgendwie einschränkt. Ganz im Gegenteil, so sehr dieser Erinnerungen auch manchmal schmerzen mögen, sie treiben mich nur dazu an, ein besseres Ich zu finden. Um Meinet- und um Ihretwillen, um ihr Andenken und die Opfer, die sie für mich gebracht haben, nicht zu verraten.“

Tatsächlich glaubte Aleron, dass ihn diese Erfahrungen nur widerstandsfähiger machten. Er hatte seine Feuertaufe hinter sich gebracht und sie bestanden. Er war immer noch hier und statt zu brechen, hatte er sich gebogen, nur um sich noch stärker wieder aufzuschwingen.

Der Jedirat hatte dann noch einiges über die Studien der Ritter und auch Alerons geäußerte Bedenken gegenüber der Stellung des Ordens in der Republik zu sagen. Da war viel wahres in den Murrars Worten zu hören und auch, wenn Aleron selbst nicht so ganz den Optimismus und das Vertrauen teilte, den der Wookiee hier in die Institutionen der Republik zu setzten schien, so vertraute der Morellianer doch auf die Weisheit und die Erfahrung seines gegenüber und nickte verständig.

Aleron sah sich nicht als paranoid oder Verschwörungstheoretiker sondern glaubte mehr, eine gesunde Skepsis an den Tag zu legen, die ihm eine erhöhte Wachsamkeit verlieh. Der Pfad zur Hölle war mit guten Absichten gepflastert, darum war es einfach wichtig, sehr genau darauf zu achten, welchen Weg man einschlug.

„Der Frieden ist ein hehres und wichtiges Ziel. Insbesondere wenn man sich die Zerstörungskraft der Alternative vor Augen führt und die kenne ich nur zu gut.“

Der Morellianer konnte ganz gut darauf verzichten, zurück aufs Schlachtfeld zu ziehen. Doch allem Anschein nach schienen die Galaxis und vielleicht auch die Macht andere Pläne mit ihm zu haben. Das änderte aber nichts an seiner Entschlossenheit, den eingeschlagenen Weg weiterzuverfolgen. Wenn er dabei mithelfen konnte, die Krise zu beenden oder zumindest abzudämpfen, so würde er dafür sein bestes geben.

„Fragen habe ich tatsächlich eine ganze Menge. Mehr als Antworten, um genau zu sein. Ich sehe mich aber wie gesagt noch am Anfang meiner Reise, aber ich denke, es ist wichtig und richtig, dass ich meine eigenen Antworten auf die vor mir liegenden Mysterien der Macht finde. Daher lasst es mich bei einer vielleicht nicht unbedingt simpler zu beantwortenden, aber praxisorientierteren Frage belassen. - Welche Aufgaben und Pflichten liegen vor mir, sofern ich zum Ritter ernannt werde? Welche Verantwortung werde ich dann eigenständig schultern müssen und was soll ich lieber einem Meister oder dem Rat berichten und um Anweisungen bitten?“

Aleron scheute keineswegs Verantwortung, doch wollte er genauso wenig seine Kompetenzen überschreiten und damit das in ihn gesetzte Vertrauen verraten. Er würde das zumindest nicht tun, ohne einen sehr guten Grund dafür zu haben.

Coruscant - Jeditempel | Ratssaal | Aleron Blackthorne, Fabienne Bertheau und Jedirat Murrrarchesch
 
[Coruscant - Jedi-Tempel - Krankenstation] Calen mit Daruq und Elise - weitere Patienten

Die Atmosphäre der Krankenstation war zu großen Teilen wenig bedrückend für den jungen Jedianwärter. Er blieb nahe bei seinem Begleiter und musterte seine Umgebung mit Interesse. Sowohl mit den Augen als auch mit den neu entdeckten Sinnen. Die Präsenzen der ihn umgebenden waren so unterschiedlich, schienen aber doch irgendwie alle eine ähnliche Richtung zu haben. Trotz ihrer Schmerzen waren die meisten der Patienten nicht übermäßig aufgewühlt. Generell hatte Calen hier im Tempel wenig ungezügelte Emotionen wahrgenommen. In seiner Heimatstadt war das immer anders gewesen. Es beeindruckte ihn was für eine Disziplin besonders die Heiler ausstrahlten. Sie bliebe trotz ihrer sicher durchaus schwierigen Aufgabe ruhig und fokussiert.

Leise, um niemanden zu stören beantwortete er die Frage des Jedi-Ritters. „Ich kann einen konstanten Fluss spüren. Nichts Destruktives, einfach neutral.“

Er betrachtete das Geschehen noch ein paar Augenblicke ehe er dem Mon Calamari folgte und lauschte seinen Worten genau zuhörte. Calen blieb dicht bei Daruq stehen, so wie es ihm zuvor angedeutet worden war. Er ließ den Blick ruhig auf Elise ruhen und nahm wahr, was sich ihm aufdrängte, ohne danach zu greifen. Die Präsenz der Frau war anders als alles, was er bisher gespürt hatte. Nicht so still und getragen wie bei Eyla, nicht so gedämpft wie bei den anderen Patienten. Es war, als läge etwas Raues unter der Oberfläche, etwas, das sich nicht ganz beruhigen ließ.

Calen spürte den Blick der Frau deutlicher, als er ihre Worte hörte. Es war kein prüfender Blick, eher ein tastender, als würde sie nicht nur ihn ansehen, sondern auch das, was sich noch ungeordnet um ihn herum sammelte. Für einen Moment vergaß er die Geräte, die Heiler, selbst Daruqs ruhige Präsenz an seiner Seite. Die Frage hing zwischen ihnen, unerwartet direkt. Was fehlt mir, Junge?

Er musste schlucken. Nicht aus Angst, sondern weil er merkte, dass es keine richtige Antwort gab, keine gelernte, keine sichere. Er war gerade erst alt genug, um hier zu stehen, und fühlte sich in diesem Moment genau so: jung, unerfahren, offen. Aber die Übung aus dem Trainingsraum war noch da, wie ein leiser Halt unter seinen Füßen. Er zwang sich, nicht auszuweichen.

„Ich weiß es nicht“, sagte er schließlich und hielt ihrem Blick stand. Seine Stimme war leise, aber nicht brüchig.

„Es fühlt sich an, als wäre da etwas, das noch keinen Platz gefunden hat“, fuhr er fort. „Nicht weg. Nicht verloren. Nur… nicht eingeordnet.“

Er senkte kurz den Blick, dann hob er ihn wieder.

„Eben im Trainingsraum hat Meister Daruq gesagt, ich soll nichts erzwingen. Nur wahrnehmen.“ Ein Hauch von Verlegenheit lag in seiner Stimme, als würde er sich dafür entschuldigen, so wenig vorweisen zu können. „Und was ich bei euch wahrnehme, ist kein Fehlen im Sinne von Leere. Eher… Spannung. Als müsste etwas noch zur Ruhe kommen, aber weiß nicht, wie.“

Danach schwieg er. Nicht, weil er nichts mehr zu sagen gehabt hätte, sondern weil er spürte, dass jedes weitere Wort zu viel gewesen wäre. In ihm hallte die Begegnung nach, stärker als alles zuvor an diesem Tag. Die Krankenstation war kein Ort des Lernens im klassischen Sinn, aber Calen begriff in diesem Moment, dass er hier etwas verstanden hatte, das man nicht üben konnte: dass die Macht nicht nur in Bewegung, sondern auch im Verweilen lag, und dass selbst Brüche Teil eines Ganzen sein konnten, ohne sofort geheilt werden zu müssen.

[Coruscant - Jedi-Tempel - Krankenstation] Calen mit Daruq und Elise - weitere Patienten
 
Coruscant - Jedi-Tempel - Krankenstation - Normalstation - Eowyns Zimmer, mit Eowyn

Da gab es Gespräche, die vielleicht jeder lieber vermied. Etwas anzusprechen, dass einen störte. Auf ein Verhalten aufmerksam machen, das einen verletzte. Das Vorhaben, sich zu trennen. All diese Themen erschienen Ian viel leichter als das, was er gerade versuchte, anzusprechen. Das, was ihm die Kehle zuschnürte und sein Herz in einen Schraubstock presste. Wie fragte man die Frau, die man liebte, nach dem, was ihr angetan worden war? Wie formte man Worte für etwas, das der eigene Verstand instinktiv zurückwies? Für Bilder, die schon dann unerträglich waren, wenn sie Fremden widerfuhren?

Ian spürte, wie sich seine Gedanken verhakten, jede Sorge die nächste nach sich zog. Er wollte Eowyn nicht verletzen, wollte keine Frage stellen, die alte Wunden wieder aufriss. Gleichzeitig fürchtete er das Schweigen – dieses Schweigen, das seine Fantasie mit Bildern füllte, grausamer als jede Wahrheit. Und über allem stand dieser eine, verzweifelte Wunsch: dass ihr nicht all das widerfahren war, wozu Bastion fähig gewesen wäre. Auch wollte er ihr die Scham nehmen und das Gefühl geben, sprechen zu können. Zu viele Sorgen. Zu viele Wünsche. Zu viele Ängste.

Dann gab sie zu, dass da Gewalt gewesen war. Etwas, das Ian längst wusste, etwas, das er gesehen hatte, das noch immer sichtbar war. Dennoch kamen die Worte wie Schläge.
Da.
War.
Gewalt.
Die Narben in ihrem Gesicht, die verfärbte Haut, die unweigerlich zeigte, dass Eowyn geschlagen, nein, misshandelt worden war. Ian konnte nicht vermeiden, dass sein Blick zu ihrem Auge glitt, dass er schluckte und es fühlte sich an, als wäre der Kloß in seinem Hals dabei, ihn zu ersticken.
Ihr Rücken, ihre Rippen, da war genug, was Ian offensichtlich sah, oder, wovon Eowyn bereits im Ansatz gesprochen hatte. Noch immer wagte Ian nicht, sich einfach selbst ein Bild zu machen, Eowyn mit der Macht zu berühren, zu analysieren, zu spüren. Nach allem, was er wusste, wäre ihm das, ungefragt, wie ein weiterer Übergriff erschienen und gleichzeitig kostete es ihn all seine Willenskraft, gegen den sich widerstrebenden Wunsch, es doch zu tun, anzukämpfen. Ihm wurde warm, nein, viel zu heiß.
Dann aber kam es deutlich und als Eowyn erklärte, nicht vergewaltigt worden zu sein, sah Eowyn Ian sogar in die Augen. Der Dunkelhaarige wusste nicht, ob es Erleichterung war, Entlastung, oder was auch immer, nein, vermutlich wusste er gar nichts mehr, als sein Körper die Kontrolle übernahm und Eowyn an sich zog, in einer seltsamen Mischung mehrerer Nuancen. Plötzlich, behutsam, fest, intensiv. Da erst merkte er überhaupt, dass er die Luft angehalten hatte. „
Ich weiß doch,“ sagte er leise, „ich weiß doch, ich habe dir geglaubt, ich wusste nicht…“, seine Stimme brach. „Ich wollte dir nichts unterstellen. Ich weiß, du willst mich zu oft beschützen.“ Ein leises Räuspern, ein Ringen um Beherrschung und um Festigkeit in der Stimme. „Und ich glaube dir.“

Coruscant - Jedi-Tempel - Krankenstation - Normalstation - Eowyns Zimmer, mit Eowyn
 
Coruscant - Jedi-Tempel - Ratssaal, Fabienne, Aleron, Murrrarchesch und Z5

Murrrar hörte genau zu, als Aleron von seinen Erfahrungen berichtete. Er blieb dabei leicht schwammig, aber der Wookiee vermutete stark, dass er konkrete Ereignisse und Erlebnisse vor Augen hatte. Wichtig war nur, dass er am Ende nicht zweierlei Maß anwandte, aber er schien gefestigt, was das anging, und man wusste nie, was das Leben bringen würde. Die Einstellung jedoch war eine, die zu den Jedi passte. Natürlich ein wenig ironisch, wenn man bedachte, was gerade galaxisweit im Raum stand, aber theoretisch... war dies der Weg, den der Orden gehen wollte.

Seine Mundwinkel zuckten. Aleron wollte ihn nicht voreingenommen machen?


[Nun, wenn Ihr dabei nicht gerade mit den höchsten Generälen um die Ecke kommt, so ist bei mir die Gefahr nicht sonderlich groß.]

Murrrar war kein Experte, was das Militär anging, das war nicht sein Gebiet.

[Trotzdem verstehe ich was Ihr meint.]

Es musste so reichen, und das würde es auch. Viel relevanter war ohnehin die Frage nach seiner Vergangenheit und den dort gemachten negativen Erfahrungen für die Zukunft. Der Noch-Padawan nahm sich Zeit für die Antwort, und das war auch gut so. Murrrar wollte keine oberflächlichen, dahergesagten Sätze hören, sondern die Wahrheit, so weit sie denn möglich und bekannt war. Die folgende Aussage dann klang fest und überzeugt. Natürlich hatte Aleron einige Personen verloren in seiner Vergangenheit, sie alle mit dieser Vergangenheit hatten das. Manche zerbrachen daran. Manche kämpften ihr ganzes Leben damit. Und manche konnten annehmen, verarbeiten und weitermachen. Der Morellianer schien zu letzterer Gruppe zu gehören. Seine Sorge wurde klar und deutlich zurückgewiesen.
Ein paar Momente sah Murrrar sein Gegenüber an, um so weit sicherzugehen, wie es ihm möglich war. Hierbei ging es um mehr als nur Eitelkeit, falsch eingeschätzte Zustände konnten drastische Folgen bis hin zum Tod nach sich führen, aber dann nickte er.


[Ich danke erneut für Eure Offenheit. Ich denke, Ihr werdet verstehen, dass dies Punkte sind, die die Sicherheit aller betreffen. Ich möchte daher auch betonen, dass es hierbei nicht darum geht, Personen auszuschließen, die durch diese Erfahrungen Probleme bekommen, sondern ihnen zu helfen, also auch Euch, sollte das jemals der Fall sein. Zögert nicht, Euch in einem solchen Fall an einen der Räte zu wenden.
Das gilt im Übrigen selbstverständlich auch für Euch]
, wandte er sich kurz an Fabienne, welche sich bisher völlig unauffällig im Hintergrund hielt. Natürlich war das hier eine Prüfung, aber diese Sache war viel zu wichtig, um sie auf später zu verschieben.

Er wandte sich dann den Fragen zu, die aufgekommen waren. Das Thema war viel zu komplex, um es in einem solchen Setting ausführlich besprechen zu können, dafür brauchte man Tage, wenn nicht Wochen; viele Unterhaltungen, viel Austausch, Meditation und Zeit. Doch andererseits war es zu wichtig, um es mit Sätzen wie "Das ist zu kompliziert für heute" abzutun. Also gab Murrrar sich Mühe, wenigstens einen kurzen Abriss zu geben. Zumindest ansatzweise schien Aleron zu verstehen, und mehr war erst einmal gar nicht notwendig. Vielleicht würde er selber im Laufe der Jahre begreifen, wie alles funktionierte. Und falls nicht - kritische Stimmen waren nichts negatives per se.
Er seufzte lang und breit, ein Geräusch, das Z5 unübersetzt ließ.


[Absolut. Ich fürchte nur, manchmal gibt es keine Alternativen. Und trotzdem werden wir alles tun, um diesen Zustand so schnell wie möglich wiederzuerlangen.]

Weitere Fragen standen im Raum, und der Morellianer hatte recht damit, dass er so manche Dinge selber herausfinden würde müssen. Bei der Macht, auch Murrrar kannte nicht ansatzweise alle Antworten, die er suchte oder gesucht hatte. Man musste wohl mindestens fünfhundert Jahre alt werden, um langsam alles zu durchblicken, aber vielleicht war selbst diese Zahl viel zu niedrig angesetzt.
Die weit wichtigeren Fragen waren in der Tat die, welche die unmittelbare Zukunft betreffen würden.


[Nun, die Aufgaben sind recht übersichtlich. Ihr werdet natürlich vor allem die Befugnis haben, Missionen eigenständig durchzuführen. Diese können sowohl vom Rat angewiesen werden, welche Ihr natürlich auch in Absprache ablehnen könnt, oder aber Ihr führt diese auf eigene Initiative aus. Dabei ist es wichtig, dies vorher mit dem Rat abzuklären. Ihr erhaltet Weisungsbefugnis gegenüber allen unter Eurem Rang sowie Zugang zu den Eurem Rang offenen Informationsquellen.
Weiterhin solltet Ihr Eure Fähigkeiten und Stärken ausbauen und erkunden, und es steht Euch frei, Euch einer Euren Fähigkeiten entsprechenden Berufung zuzuwenden. Auch dabei ist meist einer der Räte Euer Ansprechpartner.
Sollte Euch allgemein etwas seltsam vorkommen oder Ihr ein Problem haben, so könnt Ihr Euch immer an einen Meister oder einen Rat wenden. Ihr werdet Verantwortung tragen, müsst diese aber nicht alleine mit Euch ausmachen. In der Regel steht einem zu Beginn auch noch der Meister zur Seite. Ich hoffe, dass Meisterin Skyfly diese Rolle wird ausführen können, aber sollte dies nicht der Fall sein, so finden sich häufig andere Meister für Rat.

Und natürlich erhaltet Ihr das Privileg, selber einen Padawan zu einem Jedi auszubilden. Ihr könnt diesen eigenständig auswählen oder aber um Vermittlung bitten. Ihr legt dabei selbst Eure Vorgehensweise fest. Wichtig ist nur, dass Euer Padawan am Ende alle Grundlagen beherrscht, so, wie Ihr es mittlerweile tut, und in der Lage sein wird, seine Studien alleine weiter fortzusetzen sowie die Ritterverantwortung zu tragen. Ihr seid für Euren Padawan verantwortlich - dafür, dass er oder sie den Kodex und die Verhaltensweisen der Jedi lernt und ehrt, möglichst keinen Schaden davonträgt und eine gute Ausbildung erhält. Dies ist leicht gesagt, aber viel schwerer ausgeführt, vor allem angesichts der Bedrohung, die vor unseren Türen herrscht. Wählt Eure Schritte mit Bedacht, doch als ehemaligem Marine muss ich Euch dergleichen vermutlich nicht genauer ausführen.

Ich hoffe, dies war verständlich?]


Fragend legte Murrrar den Kopf schief. Manchmal war es schwer für Murrrar, abzuschätzen, was für Frischlinge bekannt und was unbekannt war. Für ihn, der er nun schon eine Weile hier im Orden lebte, war das alles reine Routine, doch für Personen, die von außerhalb kamen, wirkte das ganze System sicher fremd und überwältigend.

Es war Zeit, nun langsam zum nächsten Teil der Prüfung überzugehen.


[Ich habe vorhin von den Berufungen gesprochen. Diese sind natürlich kein Muss, aber vielleicht habt Ihr schon Vorstellungen. Wo schätzt Ihr Eure Stärken ein, und wo Eure Schwächen? Und ich nehme an, Ihr habt ein Lichtschwert gebaut?]

Die meisten Padawane waren stolz auf diese in der Regel letzte Arbeit, ein großer Schritt in Bezug auf die Beförderung.

Coruscant - Jedi-Tempel - Ratssaal, Fabienne, Aleron, Murrrarchesch und Z5
 
[ Kernwelten / Corusca-Sektor / Coruscant / Jedi-Tempel / Arlens Quartier / Nasszelle ] Arlen, allein

Mit ausdruckslosem Gesichtsausdruck starrte Arlen in den Spiegel vor ihm, in einer Hand eines der Ohrornamente, die ihn auf Kelada auf Schritt und Tritt begleitet hatten. Das andere lag noch in einer Schale auf dem Waschbeckenrand, zusammen mit der verzierten Kappe aus Durastahl, die er auf dem Nasenrücken getragen hatte. Seit Kelada hatte sich sein Gesicht merklich verändert. Die Gesichtszüge seines alten Lebens waren unter stundenlanger Folter geschmolzen und hatten einer Ruine Platz gemacht, in deren Mitte nun ein großes Loch klaffte, wo eigentlich seine Nase hätte sein sollen. In den letzten zwei Tage seit ihrer Ankunft auf Coruscant hatte Arlen viel Zeit damit verbracht, das fremde Gesicht zu betrachten und darüber nachzudenken, wie er unter diesen neuen Bedingungen weitermachen wollte.

Operationen, um sein Gesicht wiederherzustellen, waren natürlich eine Option. Grade hier auf Coruscant gab es eine Vielzahl von Möglichkeiten entweder Prothesen anzufertigen oder neues Gewebe aus geklonten Zellen heranwachsen zu lassen. Alles eine Frage des Geldbeutels, oder – in seinem Fall – ob der Jedi-Orden seinen Mitgliedern derartige Eitelkeiten zugestand. Und vor allem: Wollte er das überhaupt? Das Imperium hatte detaillierte Fotos und Holoaufnahmen seines Gesichts vor der Verletzung, mit denen er bis aufs Blut gejagt werden würde, wenn er ihm die Chance gab.

Doch in diesem Moment war eine mögliche Schönheitsoperation die geringste seiner Fragen. Was ihn in seiner Ankleidungsroutine gelähmt hatte, waren die Überlegungen, wie er mit diesen kulturellen Ornamenten umgehen sollte, die er so lange, ohne groß darüber nachzudenken jeden Morgen angelegt hatte. Beweise seiner stolz präsentierten Identität als Sith Reinblut, die ihm ohne große Probleme den Eintritt in die heiligsten imperialen Hallen gewährt hatten. Er hatte sie so lange getragen, sie nicht einmal abgelegt als Faith, Tha’klen und er sich aktiv vor dem Imperium versteckt hatten, dass er sich nun ohne sie nackt fühlte. Doch waren kulturelle Marker einer Sith-Identität wirklich Merkmale, die er ausgerechnet im Jedi-Tempel zur Schau stellen wollte? Zu seinem Termin mit Jedi-Rat Rornan Elliundi, zu dem er eingeladen worden war?

Arlens Finger zitterten, als er das Ohrstück schließlich senkte. Ohne das Ornament wirkte seine Gesichtsruine noch fremder, als sie es ohnehin schon tat. Wie eine Fratze, die das Imperium ihm aufgezwungen hatte und aus der nur bekannte Augen traurig zurückschauten. Für einen Moment schloss er sie, während er versuchte die hochkommenden Erinnerungen an den imperialen Folterkeller zu unterdrücken. Klirrend fiel das Ohrstück ins metallene Waschbecken. Sein Herz schlug schneller. Ein jäher Anflug von Schwindel versuchte ihn zu übermannen. Die Ränder des Spiegels verschwanden. Ein Fremder stand ihm gegenüber.

Tief holte er Luft, atmete langsam aus, wieder ein und ein weiteres Mal aus. Nach und nach beruhigte sich der sich drehende Raum wieder und ein Seufzen entrang sich seiner Kehle.

Nach einem Moment warf Arlen einen Blick auf sein Com. Die Zeit war fortgeschrittener, als er gehofft hatte und er spät dran. Wie lang hatte er dort gestanden? Es konnte nicht zu lange gewesen sein. Hatte er heute Morgen einfach seine Planung verpeilt?

Hastig drehte er den Wasserhahn auf, wusch sich ein weiteres Mal das Gesicht mit kaltem Wasser und zuckte zusammen, als er seine empfindliche Haut einen Moment später mit einem weichen Handtuch abtrocknete. Eine Tunika und Jediroben hatte er sich vorhin erst zurechtgelegt und so brauchte er nur wenige Sekunden, um sich anzukleiden. Das war gut, er wollte nicht zu spät kommen. Erst recht nicht zu diesem Termin. Einen Moment später hatte er das Quartier, das er mit einem ihm unbekannten Ritter teilte, mit wehender Robe verlassen. Noch immer fühlten seine Knie sich wackelig an, doch er hatte grade schlicht keine Zeit darüber nachzudenken.

Rat Rornan Elliundis Büro war in einem gänzlich anderen Teil des Tempels untergebracht als der spärlich eingerichtete Raum, den Arlen nun seit zwei Tagen bewohnte. Es war ein ordentlicher Fußweg durch eine ganze Reihe von Gängen, über eine große Treppe hinauf und schließlich mit einem Hyperlift nach oben. Arlen ging schnell, doch ohne zu rennen. Immer wieder warf er nervöse Blicke auf sein Com, nur um jedes Mal seinen Schritt noch zu verschnellern.

Die Strategie ging auf und schließlich war er nur zwei Minuten zu spät, als er vor der schlichten Tür eintraf. Arlen hob eine Hand zum Klopfen – und zögerte, als er ihr Zittern bemerkte.

Es war nicht der Termin an sich, den er fürchtete. Auf Kelada hatte er so viel erlebt, hier konnte nichts passieren, was ihn auch nur marginal in Gefahr bringen würde. Auch hatte er keine Angst davor, dem Rat Rede und Antwort über seine Handlungen auf Kelada stehen zu müssen. Er hatte die Trauer in Faiths Augen gesehen, als Gorah-Un ihr unerbittlich seine verfälschten Taten um die Ohren geschlagen hatte. Was auch immer Rat Elliundi deswegen von ihm halten würde, es würde wie eine laue Brise im Vergleich wirken. Nein, warum Arlen zögerte, war, die Furcht Kelada ein weiteres Mal durchleben zu müssen. Alles, was er getan hatte, was er versäumt hatte zu tun. Was er mehr hätte tun können, wo er sich hätte einschränken müssen. Die Scham und Trauer des zurückliegenden Jahres, die Schmerzen, die er anderen bereitet hatte und die Schmerzen, die ihm selbst zugefügt worden waren. All dies – so fürchtete er – lag ein weiteres Mal hinter dieser Tür.

Vernehmlich schlugen seine Fingerknöchel drei Mal gegen das kühle Material, wortlos um Einlass bittend. Das Zittern war verschwunden. Unterdrückt und hinter seine wohlgeübte Maske aufgeräumt.


[ Kernwelten / Corusca-Sektor / Coruscant / Jedi-Tempel / Vor Rornans Büro ] Arlen
 
Coruscant - Jedi-Tempel - Krankenstation- mit Daruq und Calen - weitere Patienten

Elise hatte Schmerzen. Sicher hatte sie die. Ihre Entzündungswerte waren so hoch, dass die Ärzte sie am liebsten in einen Bacta-Tank gesteckt hätten, wo man sie besser hatte kontrollieren können. Sie besser beobachten. Doch das kam nicht in Frage. Die Ritterin hatte große Furcht davor, was passieren würde, wenn sie ihre Augen wieder schließen würde und ihrem Unterbewusstsein den Kampf gegen den Eindringling überlassen. Doch sie war erst seit gefühlten Momenten wach. Verdaute noch, was passiert war. Sah schrecklich aus. Dann und wann wurde sie einigermaßen gründlich gewaschen, doch zurecht war sie nicht. Die eingefallenen Wangen waren ein Zeichen großer Strapazen gewesen. Das Koma war alles andere als erholsam gewesen, das sagten auch ihre Augen aus.

Doch in Wahrheit war sie nicht müde. Adrenalin schien wie dünnes Blut durch ihre Adern zu fließen. Sie war wach. Sie war da. Und sie hatte nicht vor, irgendetwas dem Zufall zu überlassen. Da kam ihr eine kleine Ablenkung gerade recht.

Vor ihr stand Daruq. Ein Ex-Militär und Musterbeispiel Jedi-haften Verhaltens. Er war extrem anständig, zuvorkommend und fürsorglich, anders als sie. Elise hatte ihn einst erlebt, sie sind ungefähr zur selben Zeit in den Rang des Ritters befördert wurden. Ihre Loyalität war auch schon die einzige Schnittmenge die sie so hatten. Das Universum war ein gefährliches Pflaster geworden und Samthandschuhe gehörten allmählich in die Kiste, fand die Ritterin. Dabei dachte sie an Markus. Das war immer auch sein Ansatz. Punch in the Face. Keine Gnade. Neben dem hellhäutigen Mon-Cala stand dieser lächerlich gutaussehende Junge. Halb langes Haar und eine Ausstrahlung, die sich gefühlt am liebsten in einer hinteren Ecke verkrochen hätte. Das sah man selten. Die meisten Jugendlichen strotzten nur so vor Selbstbewusstsein und Arroganz.

Seine Antworten waren vorsichtig. 'Etwas, das keinen Platz findet. Nicht eingeordnet.' Die Ritterin ließ den Jungen ausführen und auch Daruq unterbrach ihn nicht. Es war über die Maßen faszinierend wie jemand seine ersten Schritte mit der Macht tat. Elise schaute den Jungen an und nickte. Wie alt mochte er wohl sein? 18? 20?

"Du stotterst zurecht." sagte sie dann und löste das Rätsel auf. "Niemand weiß es." Sie fixierte ihn.

"Aber du spürst, dass da etwas ist. Anders als ich es spüre, aber deine Wahrnehmung gibt dir Recht."

Elise nickte anerkennend. Es kam ihr einen Moment so vor, als würde er sich hilfesuchend an Daruq wenden. Als wäre sie ein Raubtier, das sich seine Beute ansah, was nicht der Fall war. "Wie ist dein Name?"
Sie war noch nicht fertig. Es war die eine Sache irgendetwas wie Spannung zu spüren. Doch in ihr lebte eine Präsenz. Eine unidentifizierte Präsenz zwar, aber sie war spürbar bösartig. Alles an ihrer Aura strahlte das ab. Sie konnte es in starken Momenten kontrollieren, doch aktuell ließ sie den Dingen völlig freien Lauf. Das erzeugte eine unangenehme Hitze in ihr, aber es entspannte auch kurz ihre Kraftreserven.

"Fühl nochmal. Wie würdest du beschreiben, was da nicht zur Ruhe kommt?" gab sie ihm dann quasi als Vorlage herein und winkte ihn näher heran. "Was genau spürst du?"

Daruqs Miene versteinerte sich ein wenig und seine Arme hatten sich verschränkt. Es war unorthodox einen Anwärter mit der dunklen Seite der Macht zu konfrontieren, doch eigentlich war das eine perfekte Übungssituation. Ein Flaschengeist, eingesperrt in ihrem Körper.

Coruscant - Jedi-Tempel - Krankenstation- mit Daruq und Calen - weitere Patienten
 
Coruscant - Jeditempel | Ratssaal | Aleron Blackthorne, Fabienne Bertheau und Jedirat Murrrarchesch

Murrar erklärte die Rechte und Privilegien eines Jedi-Ritters, gleichzeitig schien es nur wenige Pflichten zu geben. Aleron war davon nicht unbedingt verblüfft, hatte er doch schon erlebt, wie Tara im und außerhalb von Einsätzen agiert hatte. Trotzdem erschien ihm die Vorstellung des Ritterdaseins noch auf eine unkomfortable Weise ungewöhnlich. Sicher, die Galaxis oder auch nur die Republik an sich war ein riesiger Ort mit Hunderten von Sektoren und Abertausenden von bewohnten Sternensystemen. Da war es unmöglich eine straffe, eng organisierte Organisation zu führen. Es gab eben nur so viele Jedi und nicht jeder davon war willens oder fähig dazu, in die Galaxie hinaus zu ziehen und Gutes zu tun.

Es war schon in Ordnung so, wie es war. Allein schon weil der Morellianer sich der langen Geschichte des Jedi-Ordens zumindest im Ansatz bewusst war und er keinen Grund dafür sah, die Struktur des Ordens anzuzweifeln. Er vertraute ganz auf die Weisheit der Meister und natürlich allem voran des Jedirates. Sie wussten, was sie taten und vor allem warum so und nicht anders. Aleron war zuversichtlich, dass er sich in die Rolle eines Ritters hineinfinden würde.

„Ich werde weiter auf die Weisheit des Rates und der Meister und ihren Rat vertrauen. Gerne bin ich auch bereit, an Jünglinge und Anwärter weiterzugeben, was ich bereits gelernt habe und ihnen bei ihren ersten Schritten zu helfen. Was aber die Ausbildung eines Padawan angeht, bin ich mir unschlüssig, dieser großen Verantwortung bereits gerecht werden zu können.“

Es war eine Sache, ein Thema zu erklären oder in einzelnen Übungen zu helfen. Aber die Verantwortung über die ganze Ausbildung übernehmen? Bei den Grundlagen wurden unverstellbare Weichen gestellt und hier Fehler zu begehen, konnte den Werdegang eines Padawans nachhaltig negativ beeinflussen. Das war nichts, was der Morellianer leichtfertig angehen wollte.

„Für die nächste Zeit würde ich mich gerne hauptsächlich auf mein eigenes Studium konzentrieren. Sofern das meine Pflichten gegenüber dem Orden erlauben natürlich.“

Es gab noch so viel zu lernen und zu ergründen. Aleron wollte gar nicht mutmaßen, wie lange es dauern würde, bis er sich nicht mehr als einen Lehrling und mehr als einen aktiven Praktiker einschätzen konnte. - Als nächstes stellte Murrar Fragen zu den Stärken und Schwächen des Morellianers, wo er sich im Orden am ehesten sah und natürlich auch, ob er ein Lichtschwert selbst gebaut hatte.

Die letzte Frage zu beantworten war am einfachsten und so löste Aleron sein selbst gebautes Lichtschwert vom Gürtel und ließ es beiläufig mit einem Handstreich zu Murrar herüberschweben, damit der Jedirat es begutachten konnte. Der Morellianer sah es als überflüssig an, irgend etwas über die Waffe zu sagen. Der Wookiee hatte schließlich erheblich mehr Erfahrung mit der Waffe der Jedi und würde er eine Frage haben, so würde er sie schon stellen.

Der Griff des Lichtschwerts war schmucklos gehalten und rein zweckdienlich gestaltet. So mancher würde die Waffe vielleicht als öde und langweilig abtun, für den Kenner aber mochte gerade diese Schlichtheit einiges über ihren Konstrukteur und Führer verraten. Die üblichen Schalträdchen für Klingenstärke und -Länge fanden sich gut erreichbar unter dem Aktivierungsknopf. Im Herzen des Griffes pulsierten zwei Dantarikristalle gut spürbar in der Macht. Sie waren gemäß den Bauplänen des Ordens in einem verzweigenden zyklischen Zündimpuls in Reihe geschaltet. Ein Kristall war blau und der andere grün, sodass die Klinge selbst in einem klaren Türkis strahlte. Die Kristalle waren eine symbiotische Verbindung mit dem Morellianer eingegangen, ein erfahrener Jedi wie Murrar würde schnell erkennen, dass die drei ein unsichtbares Band verband wie es nur entstehen konnte, wenn ein Machtnutzer das Lichtschwert in einer tief gehenden Meditationssitzung konstruierte.

„Eine gute Frage, ich will mit den offensichtlichen Optionen anfangen. Dienst als Beschützer liegt mir sehr wahrscheinlich am nächsten und sofern irgendwo eine Perspektive mit einem Einblick in militärische Angelegenheiten angeht, bin ich jederzeit bereit mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Am weitesten entfernt von mir sehe ich die Berufungen als Forscher und Visionär. Mein bisheriges Leben war sehr praxisorientiert und wir hatten ja eben schon besprochen, dass mir eine...akademische Rolle einfach nicht zusagt.“

Das ließ noch drei weitere Berufungen offen. An den Schatten dachte Aleron keine Sekunde, war ihm die Existenz dieser geheimen Gruppierung innerhalb des Ordens bisher noch nicht einmal gerüchteweise bekannt.

„Ich habe die Grundlagen des Heilens gelernt und die dazugehörigen Techniken sind überaus nützlich für mein Training. Aber als Heiler sehe ich mich nicht. Außerhalb von Notfallsituationen würde ich mit meinem aktuellen Wissensstand ungerne daran wagen, andere Personen mit der Macht zu heilen.“

Die Machtheilung mochte zwar Wunder bewirken, wenn sie richtig angewandt wurde, doch brachte sie für den Laien auch ungeheure Risiken mit sich. Wenn man etwas falsch machte, konnte man unglaublich großen Schaden anrichten und den Patienten vielleicht sogar unbeabsichtigt umbringen. Das wollte der Morellianer doch lieber vermeiden und zum Glück gab es nur wenig, dass die moderne Medizin nicht behandeln konnte.

„Am liebsten würde ich die Republik bereisen und da helfen, wo die Leute von ihren Idealen am weitesten entfernt sind. Im Rand, zum Beispiel nahe des Huttenraumes, wo die Kriminalität hoch und die Autoritäten schwach sind. Ich würde nicht so weit gehen, dass mir die Berufungen des Ermittlers und insbesondere die des Diplomaten momentan nahe stehen, dafür war ich einfach zu lange Soldat. Ich glaube aber, dass ich da draußen das meiste für die Bürger der Republik bewirken kann. Und das allein ist Grund genug für mich, diese Richtung einzuschlagen.“

Gewissermaßen war Aleron in der Beziehung tatsächlich voreingenommen. Das wollte er auch keineswegs verschweigen und er war sich auch ziemlich sicher, dass Murrar es durch die Macht gespürt hätte, hätte er auch nur versucht, etwas zu verbergen.

„Die meisten Augen und Ohren der Einflussreichen und Mächtigen sind für gewöhnlich auf den Kern und dessen Belange ausgerichtet. Gerade deswegen, will ich genau da hinschauen, wo sonst nur Schatten hinfällt. Die Völker im Rand verdienen unsere Hilfe genau so sehr wie alle anderen auch. Natürlich mag ich hier gewissermaßen parteiisch sein, stammt mein Volk ursprünglich doch aus einer Region ganz am Rand unserer Galaxis.“

Heute aber befand sich dort draußen nichts mehr für die noch lebenden Morellianer, was eine Rückkehr zu ihren persönlichen Wurzeln wert wäre. Das morellianische Commonwealth war schon lange vor Alerons Geburt untergegangen und die Ruinen waren seither ganz vom Korporationssektor vereinnahmt worden. Vermutlich war nichts mehr übrig und für planetenweite Minenoperationen komplett umgegraben worden oder derlei...oder die heutigen Machthaber in der Region hatten einen Freizeitpark um die kulturellen Wurzeln der Morellianer herum gebaut. Würde man ihn fragen, hätte er nicht sagen können, was er schlimmer finden würde.

Coruscant - Jeditempel | Ratssaal | Aleron Blackthorne, Fabienne Bertheau und Jedirat Murrrarchesch
 
~ Coruscant | Jedi-Tempel | Kantine ~
Malek


Malek machte sich schließlich auf den Weg in die Kantine. Sein Magen erinnerte ihn deutlich daran, dass Training und Gespräche zwar wichtig waren, aber ohne Nahrung irgendwann ihre Grenzen hatten. Er entschied sich für eine Portion Nerf-Steak mit Wurzelgemüse und Corellianischem Brot, ein einfaches, aber sättigendes Gericht, das ihm schon immer gutgetan hatte.
Kaum hatte er sich gesetzt, hörte er eine vertraute Stimme neben sich.


„Na endlich.“

Meinte Thomes grinsend.

„Ich hab schon befürchtet, du ernährst dich jetzt ausschließlich von Pflichtbewusstsein.“
Malek blickte auf und musste grinsen.

„Thomes. Natürlich treffe ich dich hier.“

„Wo sonst?“

Thomes setzte sich ihm gegenüber und musterte ihn mit gespielter Ernsthaftigkeit.

„Du siehst aus, als hättest du endlich wieder was im Bauch und einen Plan im Kopf.“

Malek lachte leise.

„Trifft beides zu. Heute war… viel. Aber gut.“

„Freut mich.“

Thomes lehnte sich zurück.

„Sag mal, später am Nachmittag, Trainingsraum 2106?“

Malek nickte.

„Passt. Ich werde da sein.“

„Gut.“

Thomes deutete mit der Gabel auf ihn.

„Dann trainier nicht so verbissen, dass du mir später umkippst.“

„Ich gebe mir Mühe.“

Erwiderte Malek trocken, während beide sich ein amüsiertes Grinsen nicht verkneifen konnten.

Nach dem Essen trennten sich ihre Wege wieder. Bis zum Treffen am späten Nachmittag blieb noch Zeit, und Malek wollte sie sinnvoll nutzen. Er erinnerte sich an die Worte seiner Meisterin und beschloss, allein weiterzuarbeiten. Also begab er sich zu einem der kleineren Trainingsräume.
Dort griff er sich eines der Trainingsschwerter und hielt es einen Moment lang ruhig in den Händen. Unwillkürlich dachte er an sein eigenes Lichtschwert – das grüne, das er einst von Dengar erhalten hatte. Ein Geschenk aus einer anderen Zeit. Aus Momenten, die trotz aller Gefahr auch Wärme und Verbundenheit getragen hatten. Traurige Erinnerungen mischten sich darunter, und Malek schüttelte den Kopf, um sie nicht überhandnehmen zu lassen.
Jetzt, ermahnte er sich selbst.

Er stellte sich in Position und begann, sich die Grundlagen der Lichtschwertform Shii-Cho aus dem Gedächtnis zurückzuholen. Die ersten Bewegungen waren stockend, fast zögerlich. Er konzentrierte sich zunächst auf den Griff, auf Haltung und Balance, auf einfache defensive Abläufe, um wieder ein Gefühl für das Gewicht und die Länge der Klinge zu bekommen.
Mit der Zeit wurde sein Stand sicherer. Die Bewegungen flüssiger. Als sich das vertraute Gefühl langsam wieder einstellte, ging er dazu über, die einzelnen Sequenzen der Form erst im Kopf, dann aktiv durchzugehen. Schlag, Ausgleich, Drehung, Rückführung. Immer wieder. Ruhig, bedacht, ohne Hast.
Stunden vergingen, ohne dass Malek es wirklich bemerkte. Er war erschöpft, ja, aber auf eine gute Art. Eine, die ihm zeigte, dass er wieder auf einem Weg war, der ihm gehörte.



~ Coruscant | Jedi-Tempel | Trainingsraum ~
Malek
 
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Coruscant - Jedi-Tempel - Krankenstation - Normalstation - Eowyns Zimmer, mit Ian

Sie musste es ihm irgendwie klar machen. Da war so viel geschehen auf Bastion, so vieles, das sie Ian niemals sagen würde, aus verschiedenen Gründen. Daher war es beinahe paradox, dass er ihr nicht glaubte, als Eowyn ihm zumindest dieses kleine Detail offenbarte, das nicht geschehen war. Das sie im allerletzten Moment irgendwie verhindert hatte.
Wie wäre es ihr andersherum gegangen, wenn Ian an ihrer Stelle gewesen wäre? Vielleicht hätte sie ihm auch nicht geglaubt. Vermutlich hätte sie es aber auch wissen wollen. Alles logische Folgerungen. Woraus sie wiederum schloss, dass er ihr helfen musste. Er musste ihr sagen, was sie tun konnte, damit er ihr glaubte. Leider konnte sie ihn nicht in ihren Geist blicken lassen - das würde alles nur noch schlimmer machen. Aber auf die Macht vertrauen? Vielleicht eine Lösung.

Und Ian schien zu verstehen. Zügig fand Eowyn sich erneut in einer Umarmung wieder, dieses Mal ohne Vorwarnung, was sie einen Moment starr innehalten ließ, bevor sie sich besann, entspannte und ebenfalls ihre Arme um ihn legte. Ihr Kopf lag müde an seiner Brust, und sie schloss ihre Augen. So war es früher gewesen. Täglich. Andauernd. Sie hatte diese Momente genossen und ausgekostet in dem Bewusstsein, dass sie nicht selbstverständlich waren, und dennoch war es heute in der Rückschau so
normal.
Ian schien sich zu verteidigen, doch das war nicht notwendig. Ob er ihr nun geglaubt hatte oder nicht, beides war legitim. Wie sollte er ihr glauben und vertrauen, wenn er sie doch überhaupt nicht einschätzen konnte?
Sie selbst konnte sich nicht einschätzen. Wie sollte Ian das tun?

Das ist okay. Alles ist okay. Ich habe dich oft genug übergangen. Es ist nur natürlich, zu hinterfragen. Und du musst erst lernen, mir wieder zu vertrauen. Ich verstehe das. Sie würden Zeit brauchen, Zeit, die sie eigentlich nicht hatten. Wer wusste schon, wie es nach morgen weitergehen würde? Dabei war sie so sicher gewesen, dass sie nach Bastion alle Zeit der Welt haben würden. Unsinn, noch gestern hatte sie das geglaubt. Wir haben diese Zeit wahrscheinlich nicht... aber du darfst, sollst, sie dir trotzdem nehmen. Sie nahm ein paar Atemzüge, ruhig, versuchte, sich zu entspannen und loszulassen. Was auch immer loszulassen. Ian. Ian war hier... und sie war in Sicherheit. Niemand würde sie ausliefern. Sie beide... würden sich Zeit nehmen. Sie neu kennenlernen. Und vielleicht war das hier jetzt ein Moment, in dem sie einen weiteren Versuch starten konnte, was Ian betraf.
Ich weiß, du machst dir Sorgen um mich und vielleicht willst du mich nicht belasten, sagte sie leise. Wie sollte sie ihm sagen, was sie sagen wollte? Wenigstens eine Gemeinsamkeit schienen die alte Eowyn und sie zu haben. Sie beide konnten nicht mit Worten. Trotzdem... auch du warst Monate weg. Dort. Was ist mit dir? Wie geht es dir damit? Gibt es Dinge, über die du reden möchtest? Ich meine nicht die Situationen mit mir. Ich meine... dich. Was du erlebt hast. Er hatte solche Sorgen gehabt, der dunklen Seite zu verfallen. Offensichtlich war es, falls es geschehen war, nicht dauerhaft gewesen. Aber ganz sicher hatte er mit vielem zu kämpfen gehabt. Alleine, seine Position zu erarbeiten...

Coruscant - Jedi-Tempel - Krankenstation - Normalstation - Eowyns Zimmer, mit Ian
 
Coruscant - Jedi-Tempel - Ratsebene - Rornans Büro, alleine

Tief versunken studierte Rornan die aktuellen Nachrichten. Seine Gehirne liefen auf Hochtouren und gaben sich größte Mühe, das gesamte Galaxischaos zu begreifen und zu analysieren. Sehr viel war in der letzten Woche geschehen, und er war dafür verantwortlich, den Jedi-Orden auf dem Laufenden zu halten sowie die Stimmungslage einzuschätzen. Es war keine einfache Aufgabe, aber sie war äußerst wichtig. Nur so konnten sie entscheiden, welche Wege sie einschlagen wollten, der restliche Rat verließ sich in diesem Punkt auf ihn.
Außerdem war er ohnehin exzellent darin.

Er konnte es allerdings nicht wirklich leiden, wenn er seine Arbeit unterbrechen musste, und noch weniger konnte er es leiden, wenn es wegen etwas war wie dem, was vor ihm lag. Arlen Merillion, Rückkehr von einer Undercover-Mission, die anscheinend mindestens zum Teil gründlich schiefgegangen war. Ihm lag ein Bericht vor, der durchaus Lücken aufwies, und dann war da dieser elendige lange Artikel in den HNN, der ein unterirdisches Licht auf den Orden warf. Etwas, was sie aktuell ganz und gar nicht gebrauchen konnte, aus PR-Sicht eine absolute Katastrophe. Das einzige, das Rornan davon abhalten würde, den Sith mit klaren Worten unangespitzt in den Boden zu stampfen, war die Tatsache, dass er die verschollene Faith Navalon aufgegabelt und gerettet hatte.

Trotz seiner Arbeit, zwei Minuten vor dem Termin war Rornan bereit. Sein Schreibtisch war geordnet, die relevanten Dateien geöffnet, und er nutzte die Wartezeit, um noch einmal den Artikel zu überfliegen.
Und Merillion kam zu spät.
Ein weiterer Minuspunkt auf einer langen Liste. Rornans Zeit war kostbar, und er konnte es nicht ausstehen, wenn jemand sie ihm stahl. Er war normalerweise ab und an durchaus in der Lage, dafür Verständnis aufzubringen, aber aktuell, in dieser verzwickten Galaxis und diesem Missionsbericht auf seinem Tisch, sah er dafür nicht die geringste Veranlassung.

Endlich klopfte es, und mit einem Wink mit den Gedanken öffnete sich Rornans Bürotür. Der Ritter trat ein, ordentlich, gelassen, aber Rornan konnte spüren, dass diese Gelassenheit sich innerlich nicht fortsetzte.


"Ihr seid zu spät", begrüßte er ihn mit klaren Worten und fuhr dann direkt fort. Da war schlicht keine Zeit und kein Sinn für unnützen Smalltalk. "Es geht um Kelada, wie Ihr wisst. Berichtet."

Er würde abwarten, was der Ritter alles ansprechen würde. Natürlich konnte er hier vor Ort keine minütliche Dokumentation des Einsatzes abgeben, das war selbstverständlich, doch Rornan wollte sehen, worauf er seine Schwerpunkte legen, wie er diverse Dinge ansprechen und ob er sich in irgendeiner Form verteidigen würde.

Coruscant - Jedi-Tempel - Ratsebene - Rornans Büro, mit Arlen
 
[ Coruscant I Jedi-Tempel I Quartier ] Faith

Viel war geschehen, seit Faith das letzte Mal hier war. Damals, noch unter den Fittichen von Rätin Chesara, sah man dem Tempel die imperiale Besatzung noch an jeder Ecke an. Trümmerhaufen, verschüttete Gänge - ganze Bereiche, die unpassierbaren waren. Neben der Medi-Station waren zu jenem Zeitpunkt lediglich ein paar behelfsmäßige Quartiere, Kantinen und ein paar wenige Trainingsräume nutzbar gewesen. Die Zwischenzeit hatte man genutzt. Der Tempel wirkte inzwischen fast aufgeräumt und einsatzbereit.
So verändert dieser Ort wirkte, so verändert kehrte Faith selbst auch zurück. Die Zeit, die inzwischen vergangen war, hatte sie reifen lassen. Sowohl als Person, als auch als Jedi. Natürlich war sie noch immer eine Padawan - genaugenommen nicht einmal mehr das, schließlich konnte sie keinen Meister vorweisen -, aber sie fühlte sich stärker als jemals zuvor. Und was viel wichtiger war: Faith war sich ihrer Fähigkeiten, ihrer Stärken und Schwächen zum ersten Mal so richtig bewusst. Sie war nicht mehr das Mädchen auf der Schwelle zwischen Jugend und Erwachsensein, das nervös einen Fuß vor den anderen setzte, während die hohen Wände des Tempels ihre Schultern zerdrückten.

Sie war eine gestandene, junge Frau.

Als die Verwaltungsangelegenheiten erledigt waren, bezog sie ihr Quartier. Eine heiße Dusche und frische Wäsche - einst völlig alltägliche Dinge - genoss sie nun wie puren Luxus. Und so lag sie einfach mit geschlossenen Augen auf ihrem Bett, krallte die Hände in den Kragen ihrer frischen Tunika und zog den nicht nach Schweiß, Blut und Dreck stinkenden Kragen so hoch, dass er ihre Nase bedeckte, während sie das erste Mal seit Monaten an nichts dachte. An gar nichts. Und sie genoss es.

Wie lange sie so da lag, wusste sie am Ende nicht mehr. Irgendwann, als der Kopf so leer war, dass sie selbst die Macht zwischen den Wänden prasseln hörte, beschloss sie, dass es genug war. Langsam richtete sie ihren Körper auf und ließ die Gedanken zurückkehren. Was sollte sie jetzt tun? Man hatte ihr gesagt, dass man sie zu geeigneter Zeit rufen würde, um ihr mitzuteilen, wie es mit ihr weiterging. Bis dahin sollte sie sich den Padawananwärtern anschließen und tun, was diese eben so taten. Aus ihrer Erinnerung heraus handelte es sich dabei vor allem um Studium, Training und Meditation. Kurz schoss der Gedanke an Arlen in ihren Kopf und sie breitete unwillkürlich ihre Sinne aus, in der Hoffnung, seine Präsenz erspüren zu können. Während ihr das auf Kelada, selbst über weite Distanzen, gelang, gestaltete es sich im Jedi-Tempel weit schwieriger. Es gab hier weit mehr Präsenten, die sich gegenseitig in der Macht überlagerte. Zudem auch weit mächtigere als die seine, ohne ihrem Liebsten da zu nahe treten zu wollen. Dennoch gelang es ihr, nach einer ganzen Weile. Sie griff nach seiner Aura, ließ ihn spüren, dass sie da war und an ihn dachte. Mit Sicherheit würde er sich später bei ihr melden, sobald er alle seine Angelegenheiten geklärt hatte. Sie hatten darüber gesprochen. Vielleicht würde man in der gleichen Angelegenheit, namentlich Kelada, auch noch auf sie zukommen. Aber noch war es nicht soweit.

Also schnallte sie sich die Rückenhalterung für Zweibein um, schnappte sich ihren Com und verließ ihr Quartier. Auf den Weg in die Trainingsräume verlief sie sich mehrmals, und das, obwohl sie zwei Mal andere Jedi nach dem Weg fragte. Aus ihrem Plan, sich einen freien Raum zu suchen und Zweibein ein paar Energieschocks auf sie abschießen zu lassen, wurde nichts. Alle Trainingsräume waren belegt. In katzenartiger Geschmeidigkeit streifte sie ein paar Mal den Gang auf und ab und warf urteilende Blicke auf die dort Trainierenden, ehe sie einen jungen Mann entdeckte, der zumindest halbwegs so wirkte, als würde er sein Training bald abgeschlossen haben. Außerdem war er allein im Raum. Die Verschwendung allein war schon Grund genug, sich einfach hinzu zu gesellen.


"Was dagegen, wenn wir uns den Raum teilen?", fragte sie nonchalant in seine Konzentration hinein.

Ohne eine Reaktion abzuwarten schritt sie mit unbewegter Miene zum Regal, in dem die Trainingslichtschwerter aufbewahrt wurden und griff sich wahllos eines heraus. Ein leiser Pfiff aktivierte Zweibein, der unmittelbar alle Füße und Greifarme von sich streckte, als würde er aus einem langen Schlaf erwachen und erst einmal seine Glieder strecken müssen.


"Schieß Mal ein paar Energieblitze auf mich."

Faith hatte ihren Satz kaum beendet, da fuhr ihr ein stechender Schmerz in den Rücken.

"Ahhh, doch nicht ... Mhhh!"

Mit der freien Hand griff sie nach einem seiner Greifarme, zog den Droiden von ihrem Rücken und schmiss ihn ein paar Meter durch den Raum. Alsbald starteten seine Repulsoren und er begann das Fliegen. Mit erfreut quietschenden Tönen warf Zweibein sich nun in den Kampf, wobei er sie im Eiltempo umflog und immer wieder aus dem Nichts kleine gelbe Blitze auf ihren Körper abfeuerte. Faith - inzwischen das Trainingslichtschwert aktiviert - hatte die Augen geschlossen, gab sich der Macht hin und wehrte jeden der Angriffe ihres Droiden in fließenden Bewegungen ab.

[ Coruscant I Jedi-Tempel I Trainingsraum ] Faith und Malek
 
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Coruscant - Jedi-Tempel - Ratssaal, Fabienne, Aleron, Murrrarchesch und Z5

Murrrar nickte verstehend. Die Verantwortung für einen Padawan war riesig. Manche brannten nur so darauf, selbst weiterzugeben, was sie gelernt hatten und suchten sofort nach einem passenden Schüler, andere nahmen sich dafür Zeit.

[Niemand wird in der Regel zur Ausbildung eines Padawans gezwungen, außer, gewisse Umstände erfordern diverse Maßnahmen. Aber im Normalfall ist nur allzu nachvollziehbar, wenn sich jemand nach der Beförderung etwas Zeit nimmt, um sich an den neuen Rang und die neuen Aufgaben zu gewöhnen. Das Unterrichten von Jünglingen und Anwärtern kann dabei durchaus etwas Richtung geben, eine Maßnahme, die ich voll unterstütze. Ihr könnt Euch Zeit nehmen für diese Entscheidung, denn auch der passende Padawan muss gefunden werden. Dieser Weg will wohlüberlegt sein.
Daher, erweitert ruhig in Ruhe Euren Horizont und lasst alles auf Euch zukommen.]


Manchmal wiederum ging so etwas schneller als gedacht, wenn der passende Padawan plötzlich in der Kantine vor einem stand und man das Gefühl hatte, diesen Weg weiter verfolgen zu müssen. Aleron würde schon sehen, was das Leben für ihn bereithielt und danach entscheiden können.

Sie kamen zum nächsten Punkt der Prüfung, und schon wenige Momente später hielt der Wookiee einen Lichtschwertgriff in der Hand. Etwas klein für seinen Geschmack, aber das war in den allermeisten Fällen so. Ansonsten fühlte es sich gut in den Pranken liegend an. Es war auffallend neutral gehalten; für ein erstes Schwert eher ungewöhnlich. Viele Padawane, aber auch spätere Bauer gaben sich besondere Mühe, mit ihrem Schwert etwas auszudrücken – andererseits sagte auch dieser Griff viel über seinen Schöpfer aus. Aleron bevorzugte also ein schmuckloses Design, klare Linien, Effizient. Das passte ins bisherige Bild des ehemaligen Marines.
Ein weiterer Mosaikstein war die Nutzung der Kristalle sowie die Schaltung. Effizienz, erfolgreichster Nutzen aus dem, was vorlag. Ja, das war genau der Eindruck, den Murrrar hatte. Etwas, das er seiner Akte ruhig hinzufügen konnte, denn diese Eigenschaften konnte durchaus relevant sein.

Murrrar verzichtete darauf, die Klinge zu zünden, und gab sie Aleron zurück.


[Ein schönes Schwert], nickte er ihm zu. [Interessante Wahl der Schaltung.]

Aleron erörterte dann seine zukünftigen Optionen. Murrrar hatte ein wenig gehofft, er würde dabei indirekt auch mehr über die konkreten Stärken des Noch-Padawans erfahren, aber Aleron blieb meist vage – und um ehrlich zu sein, er selbst hätte es in seinem Alter womöglich ähnlich gehalten, denn es war nicht einfach, die Dinge deutlich zu benennen.
Wie auch immer, er folgte dabei dem Bild, das Murrrar sich von ihm im Kopf zusammengemalt hatte. Forscher und Visionär, nicht gerade ein Feld, in dem ein Mann der Tat untergebracht werden wollte. Und, um ehrlich zu sein, hätte Murrrar als Mitverantwortlicher für die Forscher ihm ohnehin davon abgeraten. Aleron erschien ihm nicht als ungeduldiger Mann, aber durchaus etwas... rastlos, war wohl das passendste Wort. Selbst, falls er Talente in dieser Hinsicht aufweisen sollte, es würde ihm sehr schwert fallen, sich in die Aufgaben einzufügen. Für das Heilen musste man in der Regel durchaus ein natürliches Talent haben, auch dies schloss er bei Aleron aus, da er nichts in seiner Akte dazu hatte finden können.

Blieben, in der Theorie, falls Aleron eine Berufung einschlagen wollte, neben den Beschützern, eben noch die Diplomaten und die Ermittler. Der Morellianer zäumte das Bolotaur von hinten auf – sein Ziel war also der Rand, daher würde er wohl einschlagen, was ihm dort am ehesten half. Viele Ritter trafen die Wahl nach ihren Fähigkeiten, doch es war nicht verkehrt, dies unter anderem auch andersherum zu tun.


[Ein nobles Ziel, wenn auch ein äußerst schweres. Doch wenn Ihr diesen Weg einschlagen möchtet, so bin ich mir sicher, man wird Möglichkeiten und Lösungen finden. Ich denke, Euch ist auch bewusst, dass es keine Pflicht ist, eine Berufung zu wählen. Solltet Ihr darin keinen Mehrwert finden, so steht Euch natürlich frei, dies nicht zu tun, oder auch später. Nicht alle Jedi müssen sich spezialisieren, und manchmal sind breiter gefächerte Fähigkeiten auch von Vorteil.]

Auch besaßen nicht alle Jedi ein besonderes Talent. Es kaum häufig vor, ja, aber nicht immer, und so machte es durchaus Sinn, dass man auch Jedi einsetzen konnte, die in mehreren Dingen ausgebildet waren. Wie er selbst gesagt hatte... das schärfste Schwert musste nicht immer das geeignetste sein.

[Auch auf die Gefahr hin, dass diese Frage sehr plump wirkt, doch ich finde sie auch sehr relevant... könnt Ihr mir eure größte Stärke und Eure größte Schwäche nennen? Und bitte...], er grinste breit, was seine Zähne zum Vorschein kommen ließ, [nennt nicht 'Schokolade' oder dergleichen. Ich werde Euch aus Eurer Schwäche keinen Strick drehen, wir alle haben Schwächen. Nehmt Euch ruhig ausreichend Zeit, ich kann warten.]

Manchmal kam es vor, dass Padawane bei diesem Thema plötzlich kopflos wurden und eine Art Blackout hatten, daher gab Murrrar sich Mühe, dies immer im Voraus schon zu vermeiden. Das hier war eine Prüfung, ja, aber sie war nicht dafür da, die Padawane vor Angst erstarren zu lassen, sondern um andere Dinge zu testen.
Andererseits hatte er nicht den Eindruck, Aleron würde diese Beruhigung brauchen. Trotzdem – fair war fair, und auch, wenn der Rat meinte, ihn schon gut einschätzen zu können... auch er konnte irren.


Coruscant - Jedi-Tempel - Ratssaal, Fabienne, Aleron, Murrrarchesch und Z5
 
Coruscant - Jedi-Tempel - Krankenstation - Normalstation - Eowyns Zimmer, mit Eowyn

„Ich vertraue dir noch immer, mehr als jeder anderen Person.“ Bastion
hatte daran nichts geändert, auch nicht die Tatsache, dass Eowyn sich verändert hatte und sich etwas zwischen sie geschoben hatte.
Mochte er die ‚neue‘ Eowyn auch nicht kennen, erkannte er genug von der ‚Alten‘ und mindestens ihr würde Ian sein Leben anvertrauen.
Übergangen. Ja, sie hatte ihn tatsächlich zu oft übergangen, etwas, das in dem Dunkelhaarigen mal Verständnis, mal Verärgerung hervorrief. Doch in jeder Beziehung gab es Themen, Dauerbrenner, Diskussionen und entweder man akzeptierte, oder man verlor. So tat es irgendwie gut, dieses Eingeständnis zu hören.

Ian löste die Umarmung, als Eowyn wissen wollte, wie es ihm auf Bastion ergangen war.

„Es gibt bestimmt viel, über das wir reden sollten. Auch ich. Ich kann dir sagen, dass mich die Katakomben beinahe um den Verstand gebracht hätten. Aber für heute, für heute möchte ich nicht mehr über mich sprechen. Das eben, es war viel und ich glaube, es war genug für heute. Lass uns dieses Gespräch ein anderes Mal führen. Dann werde ich nicht ausweichen, versprochen.“
Für heute hatte er wirklich genug, Ian spürte, die Erschöpfung des vorangegangenen Gespräches und noch immer fühlte es sich an, als wäre er einen Marathon gelaufen. Außerdem war da noch genug Unausgesprochenes, das noch besprochen werden wollte und auch das strengte an, denn auch wenn Unwissen manchmal half: In diesem Fall nicht. Nein, in diesem Fall half es absolut nicht, und doch gab es Grenzen dessen, was man an einem Tag ertrug und seine Grenze war beinahe überschritten.
„Wie geht es deinem Rücken, deinen Beinen. Du meintest, du hättest vielleicht etwas gespürt?“

Coruscant - Jedi-Tempel - Krankenstation - Normalstation - Eowyns Zimmer, mit Eowyn


Sorry, muss wieder rein kommen
 
Coruscant - Jeditempel | Ratssaal | Aleron Blackthorne, Fabienne Bertheau und Jedirat Murrrarchesch

Aleron nahm sein Lichtschwert wieder entgegen und hängte es zurück an den Gürtel. Murrar kommentierte es kurz und der Morellianer nahm das Lob mit einem dankenden Nicken an.

„Die Kristalle fanden Dank der Macht ihren Weg zu mir. Sie beide in das Schwert zu integrieren erschien mir als der einzig logische Schluss.“

Tatsächlich konnte Aleron bis heute nicht genau erklären, welche Verbindung sie eingegangen waren. Lange hatte er über und mit den beiden Dantarikristallen meditiert, aber bis jetzt konnte er lediglich sagen, dass sie eine symbiotische Verbindung eingegangen waren. Sie waren zu einem Teil von ihm geworden, genauso wie er nun zu ihnen gehörte. Was das nun aber genau bedeutete, war eines der Mysterien der Macht, die der Morellianer noch ergründen musste. Das würde nicht heute und nicht morgen geschehen, Aleron war sich aber sicher, dass sich ihm die Antwort auf diese Frage irgendwann erschließen würde.

Als nächstes bewertete Murrar die Erklärungen des Morellianers zu seinem Blick auf die Spezialisierungen. Nobel und äußerst schwer? Aleron wollte sich das erste Wort nicht aneignen, das erschien ihm dann doch als...vermessen. Es war jetzt nicht so, dass er besonderen Wert darauf legte, sich als über alle Maßen bescheiden darzustellen. Allerdings tat er die Dinge, die er tat schlicht nicht, um Ruhm und Lob zu ernten. Was die Schwierigkeit seines...es konkretes Vorhaben zu nennen, erschien dem Morellianer dann doch etwas verfrüht...seiner Idee anging. Nun, er war niemand, der sich von derlei abhalten ließ, eine Aufgabe anzugehen. Entsprechend nüchtern viel auch seine Antwort aus.

„Äußerst schwer vielleicht. Ich glaube aber, gerade an so einer Herausforderung am meisten wachsen zu können.“

Murrars nächste Frage war leicht gestellt, aber umso schwerer zu beantworten. Abgesehen vom Kommentar zur Schokolade vielleicht, deren Erwähnung Alerons Mundwinkel kurz zucken ließen.

„Schokolade zähle ich tatsächlich nicht zu meinen Schwächen, genauso wenig wie andere Süßspeisen.“

Nach diesem kurzen Kommentar hüllte sich der Morellianer aber erst einmal in Schweigen. Was war seine größte Stärke und was seine größte Schwäche? Und wie konnte er beides formulieren, ohne sich in einem falschen oder unvorteilhaften Licht darzustellen? Aleron schloss die Augen, um seine Sinne nach innen zu richten und seine Gefühle zu erforschen. Seine größte Stärke, seine größte Schwäche...das war gar nicht so leicht zu beantworten, dachte er im täglichen Leben doch nie in solchen Kategorien. Schließlich eine vielleicht von der Macht beeinflusste Eingebung. Als Aleron eine Antwort auf seine größte Stärke gefunden hatte, öffnete er wieder die Augen und sprach mit ruhiger Stimme.

„Es gibt für diese Eigenschaft der Morellianer keine passende Übersetzung. Also lasst es mich mit einer Umschreibung versuchen. Es ist eine...stille, unerschütterliche Entschlossenheit, die sich im Angesicht der widrigsten Umstände zeigt. Die Kraft, weiterzumachen, selbst wenn sich Hindernisse jeglicher Art, seien es nun Selbstzweifel oder äußere Widrigkeiten in den Weg zum Ziel stellen. Ich will es nicht als unerschütterlichen Mut und an Hochmut grenzendes Selbstvertrauen missverstanden wissen. Es ist vielmehr die störrische Weigerung, aufzugeben. Nicht die Abwesenheit von Furcht, sondern das Handeln trotz ihr. Es ist kein lauter Auftritt sondern eine tiefe Zuversicht und stille Kraft, die sich in Taten manifestiert. Die Bereitschaft Verantwortung zu übernehmen und die Fähigkeit auch in Einsamkeit weiterzumachen, selbst wenn niemand zusieht. Es ist eine Mischung aus Ausdauer, Mut, Selbstvertrauen und der Fähigkeit, unter Druck ruhig zu bleiben, nicht zu brechen und immer wieder aufzustehen. Ganz egal, wie oft man hinfällt.“

Es war dem Morellianer unmöglich zu sagen, ob diese Antwort den Jedirat zufrieden stellen würde. Sie entsprach aus Alerons Sicht aber schlicht der Wahrheit. Nicht nur hatten die wenigen überlebenden Morellianer so den Verlust ihrer angestammten Heimat verkraftet und ihre kulturelle Identität bis heute bewahrt, ohne von der menschlichen Mehrheitsgesellschaft assimiliert zu werden. Diese Eigenschaft hatte Aleron über die Jahre auch ganz persönlich gute Dienste geleistet, um den Widrigkeiten des Lebens als Soldat der Republik zu trotzen, ohne seine Seele zu verlieren.

Wie auch immer, was sollte er über seine größte Schwäche sagen? Größte Schwäche, was war das? Diese Frage zu beantworten, stellte sich als wahrlich schwieriger heraus, als die eigene größte Stärke zu benennen. Und dann kam Aleron die Eingebung. Der Orden hatte viele Regeln, unzählige Texte und Holochrone, die lehrten, wie mit der Macht umzugehen sei und was sie bedeutete. Vieles davon widersprach so grundlegend dem, was der Morellianer selbst erlebt hatte, dass es ihm widerstrebte, der Lehre der vereinigenden Macht zuzustimmen und sie zu verfolgen. Das machte ihn wahrscheinlich zu einem schlechten Jedi in den Augen vieler.

„Wenn ich Leid und Unrecht sehe, fällt es mir schwer, es zuzulassen, um damit einem abstrakten großen Ganzen zu nutzen. Ich sehe mich nicht als Verteidiger des Status Quo, um einem kosmischen Gleichgewicht zu dienen. “

Aleron atmete tief durch. So offen der Orthodoxie zu widersprechen, machte vielleicht alle Chancen zunichte heute oder in Zukunft zum vollwertigen Ordensmitglied zu werden. Doch er wäre nicht der, der er heute war, wenn er versuchen würde, zu lügen. Außerdem hatte der Morellianer keine Zweifel, dass es ohnehin ein von Vornherein chancenloses Unterfangen wäre, zu versuchen, etwas vor dem erfahrenen Jedirat Murrar zu verbergen.

„Ich weiß, dass ich vieles noch nicht verstehe und manches vielleicht nie. Aber alles was ich sehen oder zumindest erahnen kann, lässt mich darauf schließen, dass die Zukunft stets im Fluss ist. Und ich denke, das ist gut so. Statt also dieser trügerischen und vielleicht nie eintretenden Idee nachzueifern, ziehe ich es vor, im Hier und Jetzt zu leben und mich auf meine durchaus von der Macht beeinflusste Intuition zu verlassen. Die Macht entspringt dem Leben um uns herum, also sollte ich auch mein bestes geben, es zu schützen.“

Die Theorie der lebendigen Macht sagte Aleron wahrlich mehr zu, auch wenn sie dem Kodex der Jedi an vielen Punkten direkt widersprach, der Dinge wie Mitgefühl oder Bindungen aller Art ablehnte und Gehorsam gegenüber dem Orden und seiner Lehren über die persönliche moralische Verantwortung im aktuellen Moment stellte.

„Das macht mich wohl in den Augen vieler nicht zu einem idealen Kandidaten und mag daher meine größte Schwäche sein.“

Eine leichte Verbeugung folgte, um Murrar zu signalisieren, dass Aleron zu Ende gesprochen hatte.

Coruscant - Jeditempel | Ratssaal | Aleron Blackthorne, Fabienne Bertheau und Jedirat Murrrarchesch
 
Coruscant - Jedi-Tempel - Krankenstation - Normalstation - Eowyns Zimmer, mit Ian

Eowyn wusste nicht, weshalb Ian ihr noch vertraute, wie er das konnte, aber sie würde es akzeptieren, so wie alles andere auch – so, wie sie es auch akzeptieren würde, falls Ian mit ihr nicht über Bastion sprechen wollte. Aber es war wichtig, dass er die Möglichkeit dazu bekam. Er durfte einfach nicht verlorengehen.
Er löste die Umarmung wieder, um zu antworten, und gab ihr eine, wie ihr schien, wohlüberlegte Absage für ihre Frage. Eowyn nickte leicht. Natürlich, es
war viel. Jeder Tag war viel... Und es war völlig verständlich, wenn Ian nicht sprechen wollte; auch, falls er es morgen nicht tun wollte oder übermorgen. Sie selbst wollte ja auch nicht viel sprechen. Du darfst ausweichen, du musst nicht reden. Auch nicht mit mir. So lange du dich nicht aus falschen Gründen zurückhältst. Wenn es zu viel ist, ist es zu viel. Ich habe kein Anrecht darauf.

Sie schlossen das Kapitel, und Ian wechselte vielleicht ganz bewusst das Thema. Eowyn aber musste den Kopf schütteln und ihn enttäuschen. Das war der Grund, weshalb sie ihm eigentlich nichts hatte erzählen wollen... er würde fragen, er würde hoffen. Natürlich, sie hatte sich nun auch als Ziel gesetzt, schnell gesund zu werden, aber bis auf dieses leise, seltene Kribbeln ab und an war da nun einmal nichts. Und wenn es dumm lief, bildete sie es sich auch noch ein. Aber sie hatte sich entschieden, ihm die Wahrheit zu sagen, also musste sie nun den Weg bis zu Ende gehen. Nein, nichts. Ich... habe vorhin versucht, es mir einmal selbst genauer anzusehen. Ich glaube, es ist einfach ziemlich viel kaputt... Es flogen einige lose Teile herum, was kein Wunder ist bei zwei Trümmerbrüchen, aber ich verstehe zu wenig davon. Ich hatte die Hoffnung, dass ich vielleicht mehr erreichen kann, weil ich meinen Körper besser kenne, aber dafür... fehlt mir wiederum die medizinische Kompetenz. Du erinnerst dich an unsere Trainingseinheiten... Immer, wenn es um medizinisches Verständnis gegangen war, war es für Ian wesentlich einfacher gewesen. Morichro lag ihm wohl unter anderem deshalb so gut und ihr... so gar nicht. Vielleicht, wenn ich mit den Heilern zusammenarbeite. Ich denke aber, selbst, falls jemand es schafft, das ganze aufzuräumen, eine OP wird vielleicht trotzdem noch notwendig sein, ich weiß es nicht.
Aber erst mal das Schlachtfeld in Ordnung bringen.
Brianna, ja, sie hätte vielleicht irgendwas ausrichten können. Aber es war fraglich, wann und vor allem ob die Echani es überhaupt wieder von Bastion herunterschaffen konnte.

Coruscant - Jedi-Tempel - Krankenstation - Normalstation - Eowyns Zimmer, mit Ian
 
[ Kernwelten / Corusca-Sektor / Coruscant / Jedi-Tempel / Vor Rornans Büro ] Arlen

Arlen hatte kaum geklopft, da öffnete sich die Bürotür auch schon wie von Geisterhand. Die hochgeschossene Gestalt hinter dem Schreibtisch erkannte er sofort als Rornan Elliundi. Zwar hatte er dem Jedi-Rat noch nie von Angesicht zu Angesicht gegenübergestanden, doch war dieser im Holonet präsent genug, dass er ihn sofort erkannte. Der Quermianer begrüßte Arlen mit knappen Worten. Zumindest wenn man die Feststellung, dass er zu spät gekommen war, als Begrüßung werten wollte. Das ging ja schonmal gut los.

„Es tut mir leid Rat…Doktor Elliundi. Ich habe keine Entschuldigung für mein Zuspätkommen.“

, gab Arlen lahm zurück und blieb mit hinter dem Rücken verschränkten Armen vor dem Schreibtisch stehen – eine Aufforderung sich zu setzen hatte er ja nicht erhalten. Was hätte er auch anderes sagen sollen? ‚Tut mir leid, ich hatte eine Panikattacke.‘, kam ihm zwar durchaus als Diagnose in den Sinn, doch das verkniff er sich. Er war hier, um Rede und Antwort zu stehen und nicht um sich eine Portion Mitleid von jemandem abzuholen, der Wichtigeres zu tun hatte, als emotionales Supportkarnickel zu spielen.

Die nächsten Worte Elliundis folgten dann auch genau diesem Schema. Knapp forderte er Arlen auf zu berichten, der sich bei diesen Worten straffte und den Rücken noch weiter durchdrückte. Keine spezifischen Fragen zu seinem schriftlichen Bericht, einfach die Aufforderung sich zu erklären. Noch nie hatte er innerhalb des Jediordens einen mündlichen Missionsbericht abliefern müssen und wechselte so instinktiv zu dem Format, das ihm im Studium eingedrillt worden war. Auch auf Kelada hatte er sich erfolgreich darauf verlassen.


„Meine Mission unter dem Namen ‚Operation Doppelgänger‘ sah vor, mich aufgrund meiner Spezies als Angehöriger des Sith-Ordens ausgeben und in die Organisationsstruktur der keladaner Systemverwaltung einzuschleichen. Gleichzeitig sollte meine Identität als Jedi ein Geheimnis bleiben.“

, begann Arlen also in knappem, militärischem Tonfall seinen Bericht.

„Dort sollte ich meinen Handlern beim NRGD sensitive Informationen zugänglich machen und nach Möglichkeit Sabotageakte ausführen, um einerseits die Verwaltung zu schwächen und andererseits den Neutroniumtagebau zu verlangsamen. Dieser ist für die imperiale Aufrüstung von Bedeutung. Mein Sekundärziel war es Gerüchten über einen verschollenen Jedi-Tempel nachzugehen und eventuelle Artefakte für den Orden zu sichern. Um meine Tarnung gegenüber den imperialen Behörden zu erhalten, war es vonnöten in ihrem Namen als Sith aufzutreten, weswegen mir Spielraum eingeräumt wurde meine Tarnung bei Bedarf aufzugeben – beispielsweise, wenn die Hinrichtung von Zivilisten verlangt wird. In diesem Fall sollte eine umgehende Extraktion durch den NRGD stattfinden.“

Soweit die Grundparameter. Arlen schluckte, legte sich seine nächsten Worte zurecht und fuhr fort:

„Meine Kontaktaufnahme mit Gouverneur Antares erfolgte nach Plan. Meine Fähigkeiten demonstrierte ich, indem ich mittels NRGD-Informationen einen gesuchten Schwerverbrecher sicherstellte und auslieferte. Von da an wurde ich routinemäßig von der Regierung Antares zu verschiedenen Zwecken eingesetzt: Propaganda, die Sicherung von Dissidenten, das Ausschalten weiterer Elemente des lokalen organisierten Verbrechens. In dieser Position war es mir möglich im Regierungspalast ein- und auszugehen wie mir beliebte und auch sensitive Einrichtungen wie die Garnison-Gefängnis-Kombination in Colina zu betreten. Auf diesem Weg sendete ich dem NRGD regelmäßige Berichte und konnte den Neutroniumtagebau unter dem Deckmantel eines Dreifachagenteneinsatzes für den Gouverneur sabotieren. Meine Anwesenheit in der Mine diente dazu das organisierte Verbrechen für Antares zu infiltrieren. Ebenfalls konnte ich dem keladanischen Widerstand Informationen zum Anbau organischen Sprengstoffs zugänglich machen.“

Für einen Moment pausierte Arlen, während ein warmes Gefühl von außen durch seinen Geist strömte. Er spürte Faiths Präsenz, die ihn grade von irgendwo tiefer im Tempel aus berührt hatte. Dem Jedi-Rat gegenüber professionell bleibend verkniff er sich ein Lächeln.

„Ebenfalls traf ich auf einen machtsensitiven Verpinen, Tha’klen, den ich als ausbildungsfähig identifizierte. Ich hielt mit dem NRGD Rücksprache zwecks Extraktion, jedoch war dies zu diesem Zeitpunkt nicht mehr möglich. Unterdessen war der Sith-Krieger Darth Angelus unter unklarer Mission auf Kelada eingetroffen. Um einen Fall an den Sith-Orden zu verhindern, nahm ich Tha’klen als meinen Padawan – offiziell Schüler – und lehrte ihn die nötigen Grundfertigkeiten, die er brauchen würde, um nicht gefangengenommen zu werden.“

Natürlich ließ Arlen bei dieser Zusammenfassung viel aus, doch wenn Rat Elliundi etwas Spezifisches wissen wollte, konnten sie ja später im Detail darauf eingehen. Sicher, diese Art zu berichten war vermutlich etwas klinisch, doch es war einfach der effizienteste Weg alle wichtigen Ereignisse zumindest anzusprechen. Er war ein Jahr lang auf Kelada gewesen, es war sicher nicht im Sinne des Rates, dass Arlen die nächste Stunde mit einer Detailerzählung verbrachte.

„Der Wendepunkt kam, als Gouverneur Antares mir zutrug, dass meine ehemalige Mitpadawan Faith Navalon der keladanischen Regierung in die Hände gefallen sei. Mir sollte der Auftrag zuteilwerden sie als Darth Kerbal zu verhören. Mit NRGD-Unterstützung formulierte ich einen Plan sie stattdessen zu befreien, der gleichzeitig meine Tarnung aufrechterhalten würde. Das Risiko der Enthüllung stieg durch diese Aktion signifikant, doch bewertete ich dies als akzeptabel. Teil der Mission war es etwa 500 Zivilisten zu befreien, die die Regierung Antares interniert hatte und zu unbekannten Zwecken nach Truuine deportieren wollte. Die Mission war ein Erfolg und meine Tarnung so gut, dass imperiale Behörden zeitweise Darth Angelus als möglichen Schuldigen internierten.“

An jenem Tag waren viele imperiale Soldaten ums Leben gekommen, doch war die ad hoc Mission Faith zu befreien nichts, was Arlen bereute. Im Gegenteil, die Aktion war vermutlich das Glanzstück seiner Arbeit auf Kelada gewesen. Endlich hatte er nicht mehr vortäuschen müssen, sondern hatte den Krieg ins Herz der imperialen Besatzung getragen.

„Während wir darauf warteten, dass Gras über die Sache wächst, gingen Faith, Tha’klen und ich Spuren des alten Jeditempels nach. Dabei fanden wir eine dem imperium unbekannte Stadt, New IndSec, die sich nach einem dort stattgefundenen Genozid vor den Imperialen versteckte. Wir stellten diplomatischen Kontakt her und führten den Hauptarchitekten des Genozids auf Wunsch des Premierministers von New IndSec der Gerichtsbarkeit der Stadt zu. In ihrer Nähe fanden wir ebenfalls den korrumpierten Machtgeist der gefallenen Jedi Mu’tabar, die uns angriff. Gemeinsam konnten wir Mu’tabars Abdruck bannen und so verhindern, dass sie weiteren Schaden anrichten kann. Auch gelang es uns das Holocron des Jedi-Meisters Balon – auch bekannt als Balon der Seher – sicherzustellen. Unglücklicherweise verloren wir dieses später an Darth Angelus.“

Auch hier gingen viele Nuancen und Details verloren. Kurz überlegte Arlen wie weit er mit seinem Bericht gehen sollte, entschied sich dann jedoch stattdessen zum nächsten Thema überzugehen.

„Nach unserer Rückkehr nach Kelada City wurden wir bei unserer Suche durch Darth Angelus unterbrochen. Er hatte meine wahre Natur erkannt und griff uns an. Der Kampf endete mit unserer Niederlage und Flucht. Hier verloren wir Balons Holocron, konnten den Verlust jedoch durch die spätere Sicherung eines weiteren Holocrons im Tempel kompensieren. Wir versuchten von Kelada zu fliehen, doch hatte Angelus unseren Hyperraumantrieb beschädigt, sodass wir es lediglich bis zum Rand des Systems schafften. Dies war genug, dass Angelus die Verfolgung abbrach und das System verließ, während wir nach Kelada zurückkehrten, um einen anderen Weg von dem Planeten zu finden. Zu diesem Zeitpunkt war Imperator Allegious bereits getötet worden, weshalb uns der NRGD keinen direkten Abtransport ermöglichen konnte. Also zogen wir weiter, wobei wir schließlich den Jedi-Tempel intakt vorfinden und weitere Artefakte sichern konnten. Diese blieben bis zum Ende der Mission in unserem Besitz.“

Noch einmal holte Arlen tief Luft. Nun kamen sie zu dem unangenehmen Teil. Der Moment an dem die Mission am ehesten gescheitert war.

„Auf dem Rückweg identifizierten wir eine weitere Möglichkeit das Imperium zu sabotieren, indem wir die öffentliche Hinrichtung eines lokalen Widerstandsführers verhindern wollten. Dies stellte sich jedoch als Falle heraus. Dem IGD war es gelungen meine echte Identität und meinen Namen festzustellen – wie genau ist mir unbekannt. Ich wurde gefangengenommen und gefoltert. Faith und Tha’klen mobilisierten unsere NRGD-Kontakte um mich zu befreien und Aufzeichnungen der Folter zu zerstören. Anschließend fanden wir gemeinsam einen Weg vom Planeten. Wir schlichen uns an Bord eines der Deportationsfrachter nach Truuine, konnten diesen in einer Grenzregion kapern und 750 weitere Zivilisten in republikanisches Gebiet bringen.“

Arlen befeuchtete die Lippen mit der Zunge und schluckte noch einmal. Sein Mund war trocken und nicht nur, weil er nun schon sehr lange erzählt hatte.

„Im Nachhinein hat die Befreiung Faiths wie befürchtet den Grundstein für meine Enttarnung gelegt. Sie hat die imperialen Behörden alarmiert und Darth Angelus in direkten Kollisionskurs mit uns gebracht. Dieses Risiko war mir bekannt, doch entschied ich, dass die Befreiung Faiths dies wert sei.“

Und diese Entscheidung würde er im Zweifel auch vehement Verteidigen. Durchdringend sah er dem Jedi-Rat in die Augen.

„Die Forderungen des Gouverneurs an mich erreichten nie die Schwelle, an der ich entschied, die Mission abzubrechen. Am nächsten daran kam sein Auftrag das keladanische organisierte Verbrechen zu infiltrieren und seine Köpfe auszuschalten. Ich entschied in Absprache mit dem NRGD, dass diese Mission akzeptabel sei, da die keladanischen Kartelle selbst schwer auf der Zivilbevölkerung lasteten. Mein präziser Schlag hinterließ ebenfalls ein derartiges Machtvakuum, dass die Regierung das organisierte Verbrechen weitgehend zerschlagen konnte. Die Zivilbevölkerung steht noch immer unter politischer Repression, jedoch haben Probleme wie Drogenhandel, Wesenshandel, Zwangsprostitution und versteckter Sklaverei deutlich nachgelassen. Aus diesen Gründen hielt ich es für akzeptabel das verlangte Attentat durchzuführen. Diese Entscheidung bewerte ich weiterhin als taktisch korrekt, da sie meine Tarnung aufrechterhielt und mich später befähigte sowohl Faith als auch die Deportationsopfer zu retten.“

Es war eine Rechtfertigung, die Arlen selbst nicht recht schmecken wollte. Ja, er würde unter ähnlichen Bedingungen ein weiteres mal Gleiterbomben legen, doch gefiel ihm selbst die Abwägung Imperiale Repression/Organisiertes Verbrechen eigentlich gar nicht. Dennoch, dass Faith noch hier war zeigte, dass er zumindest in dieser Sache korrekt gerechnet hatte.

„Was meine übrigen Handlungen für Antares angeht, so hat meine Anwesenheit den Betroffenen eher geholfen als geschadet. Gefangengenommen wären sie so oder so, jedoch konnte ich durch meine Methoden Todesopfer verhindern und Informationen über manche Gefangenentransporte an den NRGD weiterleiten. Anschließende Befreiungsaktionen waren nicht in allen Fällen möglich, doch konnten so mehr Wesen wieder in Freiheit kommen als ohne mein Handeln.“

Noch einmal holte Arlen tief Luft.

„Während der Mission kam es abgesehen von dem kritischen Fehlschlag meiner Enttarnung zu weiteren Tragödien. Im Neutroniumtagebau zettelte ich einen Gefangenenaufstand an, der vom Imperium jedoch niedergeschlagen werden konnte. Seine Teilnehmer kamen ums Leben.“

Bei diesen Worten senkte er das erste Mal seinen Blick. Es war seine erste große Niederlage gewesen und noch immer plagten ihn die Gesichter seiner toten Mitstreiter in seinen Träumen.

„Das Risiko war mir bekannt, doch bewertete ich es als gering. Ich lag falsch und habe viele treue Rebellen in den Tod geführt. Ebenfalls gelang es mir nicht einzelne zivile Opfer während meiner Zeit als Enforcer in den Reihen des Syndikats zu verhindern.“

Für einen Augenblick schwieg er, dann fuhr er fort. Zeit für die Zusammenfassung.

„Insgesamt wurden abgesehen der erwähnten Rückschläge signifikante Erfolge erreicht. Direkt oder indirekt konnten hunderte Zivilisten und eine Jedi aus den Händen des Imperiums gerettet werden. Der Neutroniumtagebau wurde beschädigt, ebenso die imperiale Garnison in Colina. Der Jedi-Tempel wurde ausfindig gemacht und Artefakte zurück nach Coruscant gebracht. Darüber hinaus haben wir diplomatischen Kontakt zu einem uns freundlich gesinnten Bevölkerungszelle aufgebaut und damit dem NRGD eine neue Operationsbasis verschafft. Die Enthüllung meiner Identität ist bedauerlich und ich kann noch nicht abschätzen welche Konsequenzen diese in Zukunft mit sich bringen wird. Insgesamt betrachte ich Operation Doppelgänger als Erfolg.“

Ein weiteres Mal hielt er inne und überlegte. Hatte er etwas vergessen? Vermutlich. Es würde ihm sicher noch einfallen. Eine weitere Sache wollte er jedoch noch abseits des Berichtes ansprechen:

„Abseits meines Berichtes möchte ich noch Folgendes sagen: Während der Mission hatte ich ausgiebig Gelegenheit Faith Navalons Entwicklung als Padawan zu beobachten. Auch wenn sie nicht meine Padawan ist, habe ich sie weitere Grundfähigkeiten gelehrt und empfehle ausdrücklich zu prüfen, ob sie die ausreichenden Qualifikationen für eine Erhebung zur Ritterin erreicht hat. Faith Navalon ist eine kluge, weise und tapfere junge Frau, die mich zu mehr als einer Gelegenheit aus tödlicher Gefahr gerettet hat. Kelada hat sie gestählt und die richtigen Instinkte an die Oberfläche gebracht, die eine Jedi-Ritterin haben sollte.“

Kurz stockte Arlen und räusperte sich.

„Der Vollständigkeit halber möchte ich erwähnen, dass ich in meiner Einschätzung aufgrund einer persönlichen Beziehung befangen bin, empfehle jedoch trotzdem ausdrücklich ihre Prüfung durch eine unabhängige Stelle.“

Nun hielt Arlen endgültig inne. Erwartungsvoll sah er Rat Elliundi an.


[ Kernwelten / Corusca-Sektor / Coruscant / Jedi-Tempel / Rornans Büro ] Arlen, sowie (NPCs) Rornan
 
~ Coruscant | Jedi-Tempel | Trainingsraum ~
Malek


Malek war dabei, die Grundlagen der Form I – Shii-Cho im Lichtschwertkampf zu festigen. Der Schweiß stand ihm nicht nur im Gesicht, sondern hatte längst seinen ganzen Körper erfasst. Die Übungen waren kräftezehrend gewesen, vor allem, weil er sie immer wieder wiederholen musste, doch genau das war nötig.
Zu Beginn hatte er entweder die Reihenfolge einzelner Bewegungen vergessen oder sie schlicht falsch ausgeführt. Das frustrierte ihn merklich. Nicht nur seine Muskeln schmerzten inzwischen, auch sein Kopf pochte von der Anstrengung und dem inneren Ärger über die eigenen Fehler.

Gerade als er einen der für ihn schwierigeren Abläufe innerhalb von Shii-Cho erneut durchging, wurde er aus seiner Konzentration gerissen. Eine Stimme erklang im Raum. Unvorbereitet und unkonzentriert machte er einen Fehler in der Sequenz, stolperte über seine eigenen Füße und erschrak so sehr, dass er sich im letzten Moment mit einem unbeholfenen Ausfallschritt abfangen musste, um nicht der Länge nach zu Boden zu gehen.

Sein Herz hämmerte in seiner Brust. Mit gerötetem Gesicht, mehr aus Scham als aus Anstrengung, drehte er sich zur Quelle der Störung um.
Ein dunkelblondes Mädchen stand am Waffenständer und griff nach einem Lichtschwert. Ohne sie weiter zu mustern, brachte er lediglich eine knappe Antwort hervor.


„Hallo. Fühl dich frei.“

Die Worte wurden leiser, als ihm auffiel, dass sie ihm bereits den Rücken zugewandt hatte.
Malek entschied, sich wieder auf sein Training zu konzentrieren. Er atmete tief ein und aus, zweimal, sammelte sich und stellte sich erneut in die Grundhaltung von Shii-Cho .


Wieder zuckte er zusammen, als ein Aufschrei durch den Raum hallte. Sein Blick wanderte reflexartig zu dem Mädchen , doch sie war bereits damit beschäftigt, sich um ihren fliegenden Droidenfreund zu kümmern, als wäre nichts geschehen.
Unzufrieden mit sich selbst, vor allem darüber, wie leicht er sich ablenken ließ, haderte er einen kurzen Moment. Dann zwang er sich zur Ruhe, nahm erneut Haltung an und begann von vorn. Die ersten drei Sequenzen führte er langsam und bewusst aus, konzentriert und kontrolliert.

Die Bewegungen waren korrekt. Präzise. Es fehlte noch an Geschwindigkeit, doch das war in Ordnung. Aus Sicherheit wird Routine. Und aus Routine entsteht Schnelligkeit, rief er sich ins Gedächtnis.
Langsam fand er wieder in den Rhythmus. Sein Umgang mit dem Trainingsschwert wurde sicherer, vertrauter, und Stück für Stück näherte er sich der Ebene, auf der er sich wieder wirklich wohlfühlen konnte.

„AUUU!!“

Ein lauter, schmerzerfüllter Schrei entrang sich seiner Kehle. Verwundert und völlig perplex rieb er sich den Hintern und drehte sich schlagartig um. Mit großen Augen starrte er das Mädchen schockiert an.
„Wieso? Was soll das?“ fragte er fassungslos. „Pass doch bitte auf! Das hat wehgetan!“

Verständnislos ruhte sein fragender Blick auf der jungen Jedi, während sein Herz noch immer schneller schlug, diesmal allerdings nicht nur vom Training.


~ Coruscant | Jedi-Tempel | Trainingsraum ~
Faith Navalon .::. Malek
 
Coruscant | Jeditempel | Garten - Eriu



Wie jeden Tag meditierte Eriu in dem Garten, den Jedirätin Horn ihm gezeigt hatte. Mittlerweile war er in der Meditation und dem Spüren der Lebewesen um Ihn herum so geübt, dass er keine lange Konzentration dafür brauchte. Aber er genoss die Ruhe und den Frieden hier im Garten. Seid seine Meisterin auf eine Mission aufgebrochen war, hatte er sich entschieden sich erst einmal weiterzubilden und die Geschichte der Jedi und der Republik zu studieren. Dabei war er in der Bibliothek auf viele verschiedene Interessante Wissensgebiete gestoßen, die der Allgemeinheit offen stand. Das sein Training als Padawan etwas zurückhing spielte für den langlebigen Sephie keine Rolle. Zeit war etwas, was er genug hatte und Wissen war etwas, von dem man nicht genug haben konnte. Alles andere würde sich finden.

Es war auch nicht verwunderlich, dass der Orden seinem Wunsch nachgekommen war, die Ausbildung seiner Machtfähigkeiten auf ein Minimum zu reduzieren. Er übte weiter und hatte Ansprechpartner, falls es Probleme oder Fragen geben sollte, neue Dinge bezüglich der Macht wollte er aber erst wieder bei seiner Meisterin lernen.
Meisterin Horn war mittlerweile bereits einige Zeit weg und man hatte ihn bereits angesprochen, ob er nicht einen anderen Jedi als Meister akzeptieren würde. Eriu hatte abgelehnt, Geduld war etwas, was er im Überfluss hatte. Es fühlte sich noch nicht richtig an und es hatte für dem Sephie einen Unterton von Aufgeben.

Wenn er etwas von seinen Eltern mitgegeben bekommen hatte, dann war es, dass Aufgeben keine Option war. Vielleicht war es nicht der richtige Ort, nicht die richtige Zeit oder etwas anderes, aber man gab nicht auf.

Ein Jedi zu werden, war etwas, mit dem er sich nicht nur angefreundet hatte. Auch wenn es sich anfangs wie ein Abschieben seines Vaters angefühlt hatte, hatte er mittlerweile eingesehen, dass es die richtige Wahl gewesen war. Thustra würde nicht weglaufen und hier hatte er die Möglichkeit den Abstand zu gewinnen, der vielleicht nötig war, auch wenn es ihm besonders auf die Ereignisse mit seiner Mutter und Raleen nicht gelingen wollte.

Er musste an sein Gespräch mit Ian denken. Wie es dem Menschen wohl ging? Er hatte immer wieder über das Gespräch nachgedacht, war aber am Ende bei seiner Meinung bezüglich Waffen geblieben. Vieles was der Mensch gesagt hatte, war jedoch richtig. Gab es ein Richtig und ein Falsch? Die Geschichte war voll von Entscheidungen, die man nicht eindeutig als richtig oder falsch, gut oder böse, einordnen konnte. Eriu dachte immer wieder darüber nach, doch fand sich in immer tieferen moralischen Problemen und Fragen wieder. Wie sollte man so die richtige Entscheidung treffen? Besonderes Personen mit Macht hatten es schwer, ob diese nur mystisch im Sinne der Jedi oder gesellschaftlich war. Macht und Verantwortung ging einher, an sich keine neue Erkenntnis, aber es war wirklich nicht einfach schwarz oder weiß. Ian hatte damit Recht behalten. Es fing schon damit an, ob es eigensüchtig gewesen war, seine Ausbildung als Jedi auf diese Art zu verzögern. Oder war es nicht vielmehr eigensüchtig diese trotz Abwesenheit seiner Meisterin voranzutreiben. War es nicht dann der Wunsch mehr Macht zu haben als Antrieb? Andererseits könnte er dann Anderen helfen?

Er seufzte und entspannte, vertrieb die Gedanken um sich auf seine Umgebung zu konzentrieren…




Coruscant | Jeditempel | Garten - Eriu
 
[ Coruscant I Jedi-Tempel I Trainingsraum ] Faith und Malek

Während Zweibein um Faith herum wirbelte, stand sie mit geschlossenen Augen im Raum und schwang das Trainingslichtschwert in relativ entspanntem Tempo von einer zur anderen Seite, um seine kleinen Energieblitze zu kontern.

Faith hatte den Schrei kommen sehen, noch bevor er sich vollständig aus der Kehle des jungen Mannes gelöst hatte, von dem sie annahm, dass es sich um einen Padawan oder Padawananwärter handelte. Nicht, weil sie ihn erwartet hätte, sondern weil sie den kleinen Bruch in seiner Konzentration gespürt hatte, die zuvor seine Aura dominierte. Der Energiestoß Zweibeins hatte ihn in erwischt. Und sie war sich ziemlich sicher, dass ihr rebellischer Droide in voller Absicht gehandelt hatte. Auf ihrem Gesicht lag genau deshalb ein missbilligender Ausdruck, als sie die Augen öffnete. Das Trainingslichtschwert summte noch leise in ihrer Hand, während Zweibeins mit einem aufgeregten Sirren in der Luft schwebend, einen engen Bogen um sie zog, als würde er sich vor dem Jungen in Acht nehmen wollen. Faith hob die Hand in seine Richtung, um ihm zu bedeuten, aufzuhören. Er zog sich augenblicklich zurück, sank mit einem beleidigt Klingenden Piepen auf Schulterhöhe und verharrte dort. Sie wendete ihren Blick auf die Quelle des Aufschreis.


"Mein Droide hat beiweilen Zielprobleme. Aber komm, so doll tut das nicht weh ...", versuchte Faith die Situation mit einem kleinen Lacher zu entschärfen. "Wenn du von einem echten Blaster oder Lichtschwert getroffen wirst ... DAS ist Schmerz."

Sie zuckte beiläufig mit der Schulter und dachte an die unzähligen Blessuren, die sie auf Aradia, dem Ring von Kafrene und Kelada davongetragen hatte. Jeder einzelne Stelle an ihrem Körper wärmte sich kurz auf, so als wollte er sie an jede einzelne davon erinnern. Faith lächelte dem fremden Jungen weiterhin entschuldigend zu.


"Versuch dich etwas mehr auf deine Umgebung zu konzentrieren. Du hast doch ein Lichtschwert in der Hand. Du hättest den Schuss abwehren können, bevor er dich traf!", gab sie ihm als gut gemeinten Ratschlag zu verstehen.
"Ich hab' gesehen, dass du deine Bewegungen im Kopf hast. Aber du siehst aus, als denkst du über den nächsten Schritt nach, während du den aktuellen noch ausführst."

Faith deutete mit ihrem deaktivierten Griff auf sein Trainingslichtschwert.

"Man muss bereit sein, auf Dinge zu treffen, die nicht im Lehrbuch stehen. Da draußen sind es Geräusche, Bewegungen ... Schmerz. RICHTGER Schmerz.", sie lachte erneut entwaffnend. "Da bringt dir eine Beschwerde auch nichts."

Sie machte einen Schritt nach vorn und bot ihm die Hand an.

"Ich bin übrigens Faith."

[ Coruscant I Jedi-Tempel I Trainingsraum ] Faith und Malek
 
Coruscant - Jedi-Tempel - Krankenstation - Normalstation - Eowyns Zimmer, mit Eowyn

Natürlich musste er nicht reden, weder mit Eowyn, noch mit sonst wem. Doch Ian wusste, war sich absolut sicher, dass es notwendig war, zu sprechen. Sowohl mit Eowyn, als auch mit einem Profi.
Um erlebtem den Schrecken zu nehmen, um mit der Angst umgehen zu können, waren Gespräche das Einzige, was half. Das Ungesagte, das zwischen ihnen waberte würde auf Dauer zu einem Problem werden. Denn Schweigen schuf Distanz, weil es mehr wurde, als das, was es war. Es würde wachsen schwerer werden und Distanz führte unweigerlich zum Verlust von Nähe. Zu anderen, zu sich.

„Ich weiß nicht, ob ich bei diesen Anrechtssachen mitgehen kann“, sagte Ian schließlich. „Du bist die Frau, die ich liebe und ich glaube, dass du auch deswegen sehr wohl das Recht darauf hast, nicht im Ungewissen gelassen zu werden. Dosiert, natürlich.“ Natürlich gab es keine Pflicht sich zu offenbaren, keinen Zwang, kein Anrecht in dem Sinne, wie Eowyn es nannte. Aber grundsätzlich wäre es falsch davon auszugehen, dass es auf der anderen Seite ein Anrecht dazu gab, den anderen in solch bedeutenden Dingen außen vor zu lassen.

Was den Zustand ihrer Beine oder des gesamten unteren Torsos betraf, stelle Eowyn keine Unterschiede mehr fest. Sie konnte spüren, dass ziemlich viel im Argen lag und vermutete, dass eine Operation notwendig sein konnte. Ian wunderte weniger, was Eowyn sagte, mehr aber, dass bisher niemand auf diese Idee gekommen war.

„Soll ich einmal nachsehen? Ich meine, ich werde ohnehin nichts tun dürfen, was anstrengend ist, das wurde mir streng verboten. Aber ich könnte schauen und erklären. Und vielleicht auch mit einem Heiler sprechen.“ Heilen war anstrengend und je komplexer die Behandlung war, desto schlimmer wurde es. Egal wie gut man in seiner Sache war – und Ian wusste um seine Kompetenz. Heilen war kein Spaziergang, die Macht war nicht so einfach zu bedienen, wie ein Türknauf. Die Ärzte hatten ihn eindringlich ermahnt, in den nächsten Wochen nicht über seine Grenzen zu gehen und, dass ein dritter Herzinfarkt der letzte sein konnte. Sie hatten ihn außerdem davor gewarnt, Morichro weiterhin dauerhaft auf seinen Körper anzuwenden. ‚Natürliche Funktionen wollen, sollen, nein, dürfen nicht dauerhaft manipuliert werden‘ hatte man ihm eindringlich zu erklären versucht.
Dabei hatte Ian widersprochen, dass auch ein Herzschrittmachen manipulierte, was der Arzt nicht hatte gelten lassen. Es gäbe einen Unterschied darin, etwas notwendigerweise zu
unterstützen und etwas dauerhaft zu manipulieren. Am Ende hatte Ian klein beigegeben, weil er wusste, dass der Mann recht gehabt hatte und was hätte er auch sonst erwidern sollen? Er hatte nicht einfach dafür gesorgt, seinen Körper effizienter zu beherrschen, keinen Sprung oder Sprint verbessert. Nein, viel mehr hatte der Dunkelhaarige wieder und wieder Dinge in seinem Körper unterdrückt, verlangsamt, verändert. Das und die psychischen Belastungen waren zu viel gewesen. Ian hatte begriffen.
Etwas anderes aber lag ihm viel eher auf dem Herzen.

„Was ist mit dir Eowyn, möchtest du über Bastion sprechen? Ich weiß, dass jetzt vielleicht der falsche Moment ist. Aber du sollst wissen, dass ich dir zuhöre. Das ich wissen möchte, was war. Was ist. Und was ich tun kann, neben dem, was du bereits gesagt hast. Ich will dich nicht ständig fragen, nicht aus Desinteresse, sondern aus Sorge, es könnte zu viel sein. Deswegen, lass mich eins sagen. Ich bin da, wenn du mich brauchst.“

Coruscant - Jedi-Tempel - Krankenstation - Normalstation - Eowyns Zimmer, mit Eowyn
 
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