Coruscant

[ Kernwelten / Corusca-Sektor / Coruscant / Jedi-Tempel / Rornans Büro ] Arlen, sowie (NPCs) Rornan

Widerwillig nickte Arlen auf Rat Elliundis Rüge hin, dass er sich nicht sicher sein konnte, dass keine Zivilisten vor Ort gewesen waren. Er hatte es in seinem Bericht eingeräumt, aber dieser Möglichkeit hatte er gedanklich nicht genug Raum gegeben. Es war wahr, er konnte nicht sicher sein. Es war nicht wahrscheinlich, doch konnte er mit der Möglichkeit leben, dass Zivilisten für die Befreiung Faiths gestorben waren? Würde er es unter diesen Bedingungen wieder tun? Wenn er ehrlich zu sich selbst war, dann vermutlich ja.

Dies war jedoch erst der Beginn von Rat Elliundis Feedback gewesen. Ruhig kam er noch einmal auf Arlens Fehler zu sprechen den Planeten nicht rechtzeitig verlassen zu haben. Für einen Moment wollte Arlen sich erneut rechtfertigen, sein Handeln zu verteidigen, doch der Quermianer begegnete ihm mit etwas, das er nicht erwartet hatte: Mit Verständnis. Klinisch wie ein Arzt sezierte er das Vorgehen des Jedi-Ritters und zeigte ihm dann genau auf, wo er gescheitert war, wo er den Kodex aus dem Blick verloren hatte und wie er sein Verhalten in Zukunft anpassen musste. Denn sonst hatten er und alle anderen Umsonst gelitten. Die Worte trafen Arlen bis ins Mark und beschämt blickte er zu Boden. Er hatte geglaubt sein eigenes Versagen akkurat diagnostiziert zu haben, doch Rat Elliundis Worte führten ihm vor Augen, dass er erst am Anfang dieses Prozesses stand.

In die gleiche Richtung ging auch die nächste Frage des Rates. Elliundi machte klar, dass er explizit keine Antwort hören wollte. Arlen solle es für sich beantworten. Bedauerte er den Tod dieser Personen? Der Rat sprach im Kontext einer bestimmten Gegebenheit auf Kelada, doch spürte Arlen, dass da mehr hinter steckte. Erneut spürte er den Drang zu antworten, beherrschte sich jedoch. Was WAR die Antwort? Er bedauerte den Tod von Personen auf Kelada, sogar sehr viele von ihnen. Bedauerte er aber alle Wesen, die er getötet hatte? Den Kommodore und sein Geschwader, absolut. Die Zivilisten die er nicht hatte retten können? Jede Nacht. Doch Rat Elliundi zielte tiefer. Bedauerte Arlen die Soldaten die er getötet hatte, die Verbrecherbosse? War es ein Problem, wenn nicht? War das wirklich, wie ein Jedi sein sollte? In New IndSec hatte Arlen Faith erklärt, dass es sein Opfer war diese Taten auf sich zu nehmen, um die Galaxis vom Joch des Imperiums zu befreien. Doch tat er das wirklich, wenn er tötete, ohne zu fühlen? Plötzlich war er froh nicht sofort geantwortet zu haben. Dies waren Fragen, über die er nachdenken musste.

Rat Elliundi fuhr fort und kam nun direkt auf Arlens Muster von Fehlentscheidungen zu sprechen. Es durfte kein weiteres Mal geschehen und als Ansatzpunkt stellte er Arlens mangelnde Demut in den Raum. Es war ein Muster in den Antworten des Quermianers, eben noch hatte er über Arlens Jugend gesprochen. Beides gründete sich in einem Mangel an Erfahrung, die der Sith mit auf seine erste Mission genommen hatte. Überhaupt nach Kelada zu gehen hatte sich auf diese Faktoren gegründet. Er war ein frischer Jedi-Ritter gewesen, mit dem gesammelten Wissen eines erstklassig abgeschlossenen Studiums. Er hatte gedacht alles zu wissen, was er brauchte. Heute wusste er es besser.

Die Worte des Rates bezüglich Arlens Kontrollverlust gegenüber der Dunklen Seite waren dann noch schärfer. Erneut stellte er in Frage, ob Arlen sich der wirklichen Tragweite seiner Handlungen bewusst war und verschrieb weitere Maßnahmen. Er würde Arlens Entwicklung fortan im Auge behalten, doch der Sith selbst musste seinen inneren Frieden finden. Arlen nickte. Er verstand was der Quermianer versuchte ihm sagen und glaubte auch die Konsequenzen eines weiteren Versagens erfassen zu können. Stumm nickte er ein weiteres Mal und gab sein Bestes die Kritik zu verstehen und zu verinnerlichen. Es würde viel Arbeit bedürfen Maßnahmen zu ergreifen, um diese Fehler nicht zu wiederholen. Und Arlen war fest entschlossen dies auch zu tun, bevor er den Tempel das nächste Mal auf einer Mission verließ.

Schließlich kam die Sprache natürlich noch auf den widerwärtigen Propagandaartikel. Hatte Arlen gehofft Rat Elliundi würde ihm widersprechen und vielleicht doch noch einen Lichtblick am Horizont erkennen, so wurde er enttäuscht. Auch er sah hier einen katastrophalen Fehler, der eine akzeptable Mission in ihr Gegenteil verkehrt hatte und drückte schließlich den Kern seines Rates ein weiteres Mal aus: Arlen musste Frieden finden und seine Grenzen kennenlernen. Erneut nickte Arlen. Er fühlte sich elend, versuchte jedoch nicht in Selbstmitleid abzugleiten. Er hatte versagt, schwere Fehler gemacht und war vermutlich nur knapp harten Konsequenzen aus dem Weg gegangen. Wobei…als nächstes kam die Sprache genau auf dieses Thema.

Einerseits sprach Rat Elliundi allgemein darüber, dass er nun gesucht wurde und vorsichtig sein musste. Auch hier nickte Arlen, auch wenn er skeptisch war, wie schlimm es wirklich werden würde. Das Imperium mochte ihn entstellt haben, doch war er befreit worden, bevor sie sein neues Gesicht ins System hatten aufnehmen können. Die Aufzeichnungen waren zerstört worden und so gab es kein aktuelles Fahndungsplakat. Sogar die Imperiale Frachterkommandantin hatte ihn als entstellten Zeltron, anstatt als einen Sith identifiziert. Doch Arlen widersprach Elliundi nicht, dies wäre nur unnötige Haarspalterei gewesen.

Doch nun kam er zu wirklichen Konsequenzen des Rates. Einerseits würde man ihn im Auge behalten, andererseits nahm man ihm bis auf Weiteres die Erlaubnis einen Padawan auszubilden. Tha’klen würde ihm entzogen und anderweitig zugewiesen werden. Unwillkürlich schloss Arlen die Augen und atmete aus. Er hatte die:n Verpine zu Beginn eigentlich nicht ausbilden wollen, hatte es für zu gefährlich gehalten. Doch nun diese Worte zu hören, schmerzte schlimmer als er es sich hätte ausmalen können. Nicht nur war es die sichtbare Konsequenz wie sehr er in den Augen des Rates versagt hatte, auch nahm man ihm ein:e treue:n Begleiter:in, dien mit ihm durch die Hölle gegangen war.


„Ich danke…für Eure Zeit und Euren weisen Rat.“

, sagte Arlen schließlich mit brüchiger Stimme.

„Ich werde mein Bestes tun meine Fehler nicht zu wiederholen.“

Er würde es müssen, wenn er seinen Beitrag im Krieg gegen das Imperium leisten wollte.

„Wäre es in Ordnung, wenn ich Tha’klen die Nachricht selbst überbringe?“

Tief atmete er durch und schluckte. Da war noch ein Thema, das er bisher nur am Rande erwähnt hatte.

„Ich habe noch eine Sache, Rat Elliundi, die mir besonders im Lichte Eurer Kritik an meinem emotionalen Zustand relevant erscheint. Ich erwähnte meine emotionale Bindung zu Faith Navalon. Dies sind Gefühle, die noch aus unserer gemeinsamen Padawanzeit stammen, die wir aber erst auf Kelada erkannten. Dort mussten wir jedoch auch auf unser Machtverhältnis als Padawan und Ritter achten. Wir einigten uns also darauf keine Beziehung einzugehen, bevor wir Kelada nicht verlassen und diese Angelegenheit vor den Rat gebracht hatten. Faith und ich lieben uns, so viel ist klar geworden, doch wie steht der Rat dazu? Bevor ich mir die Gefühle eingestanden habe, habe ich versucht sie zu verdrängen. Dies hat nicht geklappt. Habt Ihr eine Empfehlung wie ich mit ihnen umgehen kann, ohne meinen Frieden zu gefährden? Gibt es von Eurer Seite her Auflagen, oder gar ein Veto?“

Kurz pausierte Arlen und überlegte, ob er etwas vergessen hatte. Dann plötzlich fiel ihm siedend heiß ein, wie seine Empfehlung vom Anfang in diesem Licht klingen musste.

„Ich…äh, ich versichere Euch, dass meine Empfehlung vorhin nichts damit zu tun hatte sie schneller befördert zu sehen. Meine Einschätzung basiert auf meinen Beobachtungen während der Mission, nicht auf meinen Emotionen ihr gegenüber.“

, schloss er lahm.


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Kernwelten Corusca-Sektor Coruscant Mittlere Ebenen ║ 'Quantum Lounge' Draen Tel'Set & Riuen

Wie ein Held der taten wirkte Tel’Set wirklich nicht, aber wem sah man Heldentum schon an? Einem mit Narben übersätem Mann, einer gebrochenen Frau? Nein, diese Dinge waren unsichtbar. Weder verriet ein scheuer, noch ein sicherer Blick etwas über Heldenmut.

„Das Gute: Ich brauche keinen Helden.“ Hilfe, ja, die würde er auf Thearterra benötigen. Hilfe, ein bisschen Mut, doppelt so viel Leichtsinn. Na ja, also doch ein bisschen Held. Fragen und Hypothesen waren nicht gerade Riuens Stärke, aber vielleicht lag gerade darin auch eine Schwäche von ihm. Der Chiss fand lieber heraus, anstatt zu fragen und Möglichkeiten durchdenken? Wer nicht wagt, der nicht gewinnt, das war stets sein Motto gewesen. Ja, natürlich, gute Strategien und Taktiken waren ihm nicht fremd, aber niemals würde er Stunden über einen Problem brüten und – ach, auch das war nicht wahr. Er hatte Stunden gesessen und gelesen, über Seuchen, Ghule, Viren. Wenn die Situation es erforderte war Riuen durchaus in er Lage zu tun, was getan werden musste. Trotzdem – sitzen und über etwas brüten würde niemals zu seinem Hobby werden. Er war ein Macher, kein Denker. Am Ende brachte es in den allermeisten Situationen nichts, Gedanken hin und her zu wälzen und die immer gleichen Wege zu nehmen, in der Überzeugung, man wäre sie doch bisher noch gar nicht gegangen.
Ian war das beste Beispiel dafür: Immer am Denken, am Abwägen, am überlegen. Am Ende war seine Erkenntnis doch die Gleiche. Und genau das war es, zu was die, die alles Zerdachten am Ende wieder kamen: mit immer neuen Sätzen zu immer gleichen Schlüssen. Ian, der alles wieder gut machen musste, auch das, für das er nichts konnte. Dann natürlich Eowyn, die am Ende immer verlor. Zwei Beweise dafür, wie sinnlos es war, sich zu viele Gedanken zu machen

Tel’Set schien schließlich schwieg und schien sich noch einmal alles Gesagte durch den Kopf gehen zu lassen. Alles in allem musste es seltsam sein, in einer Bar auf einen fremden zu treffen, der nach Hilfe auf einer waghalsigen Mission fragte. Hätte Riuen, sich, wäre er Draen gewesen einfach sitzen gelassen und wäre gegangen? Tja, wer wusste das schon. Eigentlich hatte er sein Gegenüber gar nicht
wirklich um Hilfe gebeten. Der Mann hatte erklärt Arzt zu sein, Riuen hatte gesagt, dass er etwas herausfinden wollte. So waren sie überhaupt erst auf all das gekommen. Wollte er wirklich einen Fremden mit auf einen ihm unbekannten Planeten nehmen? Wirkte schon ganz schön verzweifelt das Ganze und ja, Riuen war verzweifelt und auch das hatte Seltenheitswert. Wo er zurück beim Thema Gedanken machen war. Mir nichts, dir nichts auf imperialen Boden zu reisen, war an und für sich schon hirnrissig genug. Einen Tempel aufzusuchen um dort nach Ghulen zu suchen, sich selbst nicht beißen und infizieren zu lassen, das war nicht nur hirnrissig, nein, es war hochgradig lebensmüde und mal ehrlich … Draen Tel’Set mitnehmen? Riuens Com riss ihn aus den Gedanken, und es war bereits das zweite Mal, dass sich der Apparat meldete. Seltsamerweise nun mit einem Gefühl. Dem, unbedingt auf sein Com sehen zu wollen.

Gerade, als er das wirklich tun wollte, begann Lockenkopff erneut zu sprechen. Ernst, bedächtig und es klang, sehr danach, als wolle er wirklich mit auf die Mission, von der er kaum etwas wusste. Klang so? Nein, ein paar Sekunden später war der Klang Entschlossenheit gewichen. Ruhiger Entschlossenheit, dem jeder sensationelle Nuance fehlte. Dieser Mann wollte ihn wirklich auf eine Mission begleiten, die der Chiss nicht einmal näher beschreiben hatte?
Tel’Sets Blick suchte den seinen und Riuen fühlte, etwas in sich aufkommen, das sich seltsam anfühlte. Normalerweise hätte er Spott empfunden, immerhin war das, was er hier implizit vorgeschlagen hatte, an Waghalsigkeit (und Irrsinn!) kaum zu überbieten. Doch da war etwas im Blick dieses Mannes, das so aufrichtig war, dass es Riuen Ehrfurcht einflößte. Ja, etwas, das verhinderte, dass Spott überhaupt aufkommen konnte.

„Wenn Sie tatsächlich bereit sind, mir bei einer Mission zu helfen, die mehr als gefährlich wäre, könnte ich zumindest bei der zweiten Frage sehr einfach antworten.“ Er konnte seinem gegenüber kaum sagen, dass er vorhatte, direkt zu einem Rat zu spazieren und um seine Beförderung zu bitten. Konnte noch weniger sagen, dass er als Ritter wohl die ein oder andere Person für seine Mission gewinnen konnte. „Ich kann uns direkt zum Orden führen und ich habe da schon eine Idee, wie uns geholfen werden kann, weil ich rein zufällig,“ was er kaum verschweigen musste, liefen die meisten Jedi doch in Robe herum und waren damit wunderbar zu erkennen, „zu ihnen gehöre.“ Klang nicht gerade nach dem besten Lockmittel. Ich-bin-ein-Jedi-und-frage-einen-Nichtjedi-und-dann-erst-die-Jedi. „Ja, klingt wenig überzeugend. Weiß ich. Aber ich komme ohne Umschweife zur Sache. Was, wenn ich Ihnen sage, dass da mehr in Ihnen schlummert, als der Mediziner, der Sie sind? Sie haben bestimmt schon einmal etwas gespürt, dass Sie nicht zuordnen konnten. Etwas, das sich nicht erklären ließ. Ich kanns erklären.“ Aber nicht hier und nicht so und außerdem. „Ich muss wirklich auf mein verfluchtes Comlink sehen.“ Gesagt, getan. Und dann, klonk, fiel es direkt auf den Tresen und von dort zum Boden, und Riuen fiel zusätzlich alles aus dem Gesicht.
Elise. Da war eine Nachricht von Elise und sie schrieb, sie schrieb, dass wach war. Sie war wach.
Wach.
WACH!
Riuen konnte nicht verhindern, dass er auflachte, schockiert, entgeistert. Ungläubig. Und er konnte nicht verhindern, dass er mit der Macht nach seinem Com griff. Innerhalb von Sekunden schwebte es zurück zu ihm. „
Sie ist wach“, kam tonlos und der Chiss klang wie jemand, der nicht wusste, ob er schockiert oder überglücklich sein sollte. Er starrte auf sein Com, als ein Dutzend Emotionen über sein Gesicht huschten.
„Jetzt hast Du es gesehen. Wenn Du mehr wissen willst, kommst du jetzt mit. Ich kann keine Sekunde länger warten.“ Womit Riuen ein paar Credits, die die Rechnung beider begleichen würde, auf den Tresen legte und aufsprang. Nichts würde ihn länger in dieser Bar halten. Er wollte rennen, sofort und auf der Stelle. Es war keine Beinahe Ungeduld mit der er Draen ansah. Es war Ungeduld.



Kernwelten Corusca-Sektor Coruscant Mittlere Ebenen
║ 'Quantum Lounge' Draen Tel'Set & Riuen
 
[ Coruscant I Jedi-Tempel I Trainingsraum ]
Faith, Zweibein und Malek


Ein freundliches Lächeln begleitete den Händedruck. Faith ließ seine Hand los und blieb einen Moment stehen, während sie ihn etwas genauer betrachtete. Nicht etwa prüfend oder misstrauisch, einfach nur neugierig. Er wirkte nicht wie ein Wichtigtuer.
Teyr sagte ihr nichts. Mit dem Namen sprang kein Bild in ihren Kopf, aber die Art, wie er es ausgesprochen hatte, reichte aus. Sie glaubte, den Unterton in seiner Stimme zu erkennen. Man sprach so über Orte, an denen man Dinge erlebt hatte.


“Klingt, als wärst du da nicht zum Spaß gewesen.”

Sie sagte es ohne Schwere. Nur als nüchterne Feststellung. Zweibein schwebte indessen etwas höher und gab ein zufriedenes Piepen von sich, als wäre sein Fehlverhalten vergessen und er damit aus dem Schneider. Faith warf ihm einen kurzen Seitenblick zu.

“Ziemlich ist untertrieben. Er hat bewusst auf dich gezielt und gut getroffen.”

Ein schiefes Grinsen huschte über ihr Gesicht.

“Irgendwas ist mit seiner Verhaltensplatine nicht in Ordnung.”

Sie verlagerte ihr Gewicht auf ein anderes Bein, ließ das Trainingslichtschwert locker in der Hand kreisen, deaktiviert. Malek fragte, ob sie ihm zeigen würde, wie Blasterfeuer abzuwehren war.

“Klar!”, stimmte sie direkt zu. “Auch wenn du die Theorie wahrscheinlich besser kennst als ich.”

In ihren Worten steckte kein falscher Stolz oder Kleinreden ihrer Fähigkeiten. Sie meinte es ernst.

“Die Haltungen, Formen, Bewegungsabläufe, Übergänge … ich hab’ das alles gelernt, ja. Aber ich hab’s nie so wirklich … Ich kann es nicht perfekt. Also wenn du keine Rüge von deinem Meister willst, schau es dir nicht bei mir ab.”

Sie zuckte lachend mit den Schultern.

“Wahrscheinlich braucht man das als Grundlage. Aber wenn ich in dem Moment, wo es wichtig wird, darauf achte, werde ich langsamer und mache Fehler. Das ist, was ich meinte.”

Faith ging ein paar Schritte zur Seite, nicht weg von ihm, sondern so, dass sie beide mehr Platz hatten.

“So bin ich beim nächsten Schritt, bevor ich den aktuellen noch ausführe.”

Kurz verzog sie den Mund, als sie über die richtigen Worte nachdachte, um ihre Gedanken zu formulieren.

“Das ist nicht falsch. Aber es macht mich … starr. Nicht flexibel genug. Und dann reicht so ein kleiner gelber Blitz auf den Hintern …”

Sie nickte in Richtung Zweibein und trat wieder einen halben Schritt näher.

“... und man ist raus. Deshalb hab’ ich irgendwann aufgehört, perfekt sein zu wollen.”

Ein schroffes Grunzen folgte, als ihr Atemzug von einer gewissen Amüsiertheit unterbrochen wurde.

“Ich war Padawan von Meisterin Chesara. Sie hat während des Trainings sehr darauf geachtet, dass ich alles richtig mache. Aber dann waren wir im Dschungel von Felucia … und da ist mir klargeworden, dass es verdammt egal ist, wie sauber du deine Form ausführst.”

Sie tippte sich an die Stirn, um zu verdeutlichen, dass sie eine Erkenntnis gewonnen hatte.

“Am Ende geht es darum, zu überleben und andere zu schützen.”

Nun sah sie Malek direkt an.

“Damit will ich nicht sagen, dass es unwichtig ist, sauber zu trainieren. Nur, dass man im Moment bleiben muss. Achte auf dich, aber auch auf die Umgebung. Nutze die Macht, sie ist dein Verbündeter.”

Das alles klang ziemlich einfach, wenn sie darüber sprach. Aber natürlich war es eine schwierige Aufgabe, ein Lichtschwert richtig zu schwingen und dabei auch noch auf seine Machtsinne zu achten. Es war nichts, was man erklären konnte. Zumindest hatte sie - als Padawan - da keine lehrreichen, weisen Worte für. Ihrer Meinung nach musste man es erleben. Immer wieder. Bis es in Fleisch und Blut überging.
An dieser Stelle aktivierte Faith ihr Trainingslichtschwert wieder. Das vertraute, ionisierende Summen erfüllte den Raum.


“Für mich fühlt es sich nicht so an, als würde ich etwas aktiv tun”
, sagte sie nach einem Moment, während sie das Lichtschwert locker in der Hand drehte, um ein Gefühl dafür zurückzugewinnen. “Es ist eher, als würde ich meinem eigenen Hirn befehlen, dass es mir nicht im Weg stehen soll.”

Sie lachte leicht, als sie selbst hörte, wie merkwürdig ihre Worte klangen. Erneut verzog sie den Mund, als sie nach den richtigen Worten suchte.

“Am Anfang habe ich immer versucht, die Macht wie ein Werkzeug zu benutzen. Bewusst. So nach dem Motto: Jetzt konzentriere ich mich. Jetzt fühle ich. Jetzt reagiere ich.”

Die Padawan schüttelte den Kopf.

“Das ist anstrengend und schränkt die Macht nur ein.”

Faith stellte sich in eine entspannte Grundhaltung. Nicht die exakte Position, wie sie in den Lehrbüchern stand. Sondern eine, die natürlicher für sie war. Die Knie waren leicht gebeugt, die Schultern locker, der Griff nicht verkrampft.

“Du musst die Macht nicht kontrollieren. Nur dich selbst.”

Sie schloss die Augen.

“Ich nehme wahr, was da ist. Geräusche, Luft, Bewegung. Dein Atem zum Beispiel. Oder Zweibeins Repulsoren. Dann entscheide ich nicht mehr, wann und wie ich mich bewege. Der Moment entscheidet.”

Ein kurzer Atemzug folgte, als sie die freie Hand leicht anhob.

“Los, Zweibein.”

Der Droide summte begeistert auf und schoss sofort zur Seite. Sofort löste sich ein erster gelber Blitz. Mit weiterhin geschlossenen Augen hob sich Faiths Klinge wie von selbst und fing den Schuss sauber ab. Auch den nächsten, aus einem anderen Winkel. Dabei drehte sie sich nur minimal, nur so viel wie nötig. In ihren Grundbewegungen war die Ausführung der Form erkennbar, aber sie verlieh ihr eine eigene Dynamik, ganz so, wie sie es brauchte.

“Ich denke nicht darüber nach, woher der Schuss kommt”, sagte sie ruhig, zwischen den nächsten zwei Abwehrbewegungen.Ich weiß, dass er kommt. Und mache einfach.”

Der nächste Blitz kam schneller. Sie wich einen halben Schritt aus und ließ den Schuss vorbeiziehen, statt ihn zu blocken. Genau diese Tat verschaffte ihr die Gelegenheit, den darauffolgenden, auf die gegenüberliegende Seite gezielten Angriff abzuwehren.

“Ich entscheide auch nicht vorher, wie ich reagiere. Die Macht weiß, was zu tun ist”
,keuchte sie, als Zweibein erneut das Tempo erhöhte. Zwei kurze Salven hintereinander. Ihre Bewegungen wurden kurz fließender, geschmeidiger statt hektisch. Dann hob sie die Hand. Zweibein stoppte abrupt und piepte fast enttäuscht. Faith öffnete die Augen.

“Versuch es mal”, sagte sie in Richtung Malek.

“Und noch was: Das hier ist Training. Wenn du getroffen wirst, wirst du halt getroffen.”

Ein erneutes, leichtes Schulterzucken.

“Das passiert. Passiert mir auch ständig. Wichtig ist ja nur der Lerneffekt.”

[ Coruscant I Jedi-Tempel I Trainingsraum ]
Faith, Zweibein und Malek
 
// Nachricht an Den Orden der Jedi (z.Hd. Meisterin Rissa Vendon) \\
Absender:
Ridley Solaris, Gouverneur von Truuine
Verschlüsselte Übertragung, Direktkanal

Das Hologramm des Imperialen Wappens erscheint und dreht sich zwei Mal. Das Wappen erlischt und Ridley Solaris wird als Hologramm dargestellt, sitzend von der Hüfte aufwärts. Im Hintergrund steht ein Bücherregal mit teuer aussehenden Einbänden. Solaris lächelt in die Holokamera und nickt ihr freundlich zu.

Seid gegrüßt, Meisterin Vendon!

Ich bedaure die Umstände, unter denen sich unsere Wege auf Umbara zuletzt getrennt haben, jedoch freut es mich nun umso mehr Euch über diesen Weg noch einmal kontaktieren zu können. Leider fehlte mir Eure direkte Com-Nummer, weswegen ich Euren Orden als Adressaten gewählt habe. Ich hoffe ausdrücklich, dass Euch keine Scherereien entstanden sind, von einem Sith kontaktiert zu werden. Wenn doch, bitte ich selbstverständlich um Entschuldigung.

Solaris lächelt breit.

Ich versichere Euch jedoch, dass mein Anliegen rein praktischer Natur ist – es ist sogar sehr verwandt mit dem Gegenstand unserer Verhandlungen auf Umbara. Vielleicht ist Euch bekannt, dass ein Mitglied Eures Ordens vor nicht allzu langer Zeit ein Schiff meiner Verwaltung – ein Gozanti-Kreuzer namens ‚New Tide‘ – auf republikanisches Gebiet entführte. Ich bin natürlich nicht so naiv zu glauben über den Verbleib der Fracht, oder gar das Schiff selbst verhandeln zu können. Jedoch befand sich an Bord ebenfalls eine Crew, die deren Sicherheit und Verbleib mir sehr am Herzen liegt. Dabei geht es konkret 32 Mitglieder meiner Verwaltung oder Planetarer Sicherheitskräfte, die durch die Handlungen Eures Ordensmitglieds in Kriegsgefangenschaft geraten sind. Mit dieser informellen Nachricht möchte ich nachforschen, ob ein Austausch dieser Gefangenen (und/oder ihrer Leichen) mit Euch als vermittelnder Person im Bereich des Möglichen läge.

Natürlich steht auch Truuine nicht mit leeren Händen da. Unsere lokale Schiffsfabrik wurde über lange Zeit durch das republikanische Unternehmen Alani, Inc. geführt. Jedoch stellte sich zu unserem Bedauern heraus, dass das Personal am Boden dazu verführt wurde, truuiner Rebellen zu helfen. Den verantwortlichen Republikanischen Staatsbürgern – insbesondere der Unternehmensaufseher Oleg Rustamov und der Leitende Ingenieur Alik Mantell – droht natürlich für ihre Handlungen ein Prozess. Mein Vorschlag ist, dass wir stattdessen einen 1 zu 1 Austausch organisieren. Meine Crew gegen Eure Staatsbürger.

Darüber hinaus habe ich noch einen Alternativvorschlag. Natürlich wurde nach der Entführung der New Tide ein Kopfgeld von 5 Millionen Credits auf Euer Ordensmitglied, Arlen Merillion, ausgesetzt. Weitere 2,5 Millionen wurden für die Ergreifung seiner Komplizin, Faith Navalon ausgesetzt, sowie 1,25 Millionen auf eine weitere Verpine, deren Identität wir noch nicht feststellen konnten. Mein Vorschlag wäre, die Kopfgelder auf Navalon und die Verpine fallenzulassen und auf Merillion zumindest zu verringern. Ich glaube an dieser Möglichkeit hätte auch Euer Orden ein Interesse.

Ich danke Euch für Eure Zeit und Aufmerksamkeit in dieser Sache und hoffe, dass wir hier zum Vorteil beider Seiten noch einmal zusammenkommen können. Wie auf Umbara immer wieder betont wurde, sollte man nie aufhören miteinander zu sprechen. Im Anhang findet Ihr eine Liste unserer vermisster Crewmitglieder, sowie die festgenommen Republikanischen Staatsbürger. Ebenfalls könnt Ihr auf meine Com-Nummer zugreifen, falls Ihr mir direkt antworten wollt.

Ich entsende meine besten Wünsche und verbleibe

Gezeichnet, Gouverneur Ridley Solaris.

\\ Ende der Nachricht //
 
Kernwelten Corusca-Sektor Coruscant Mittlere Ebenen 'Quantum Lounge' Riuen und Draen Tel'Set

Draen atmete sichtlich erleichtert auf, ein kleines Lächeln schlich sich in seine Miene. Er nickte langsam, als wollte er die Worte verinnerlichen. „Das ist gut zu hören“, sagte er leise, fast erleichtert, nachdem der Chiss davon sprach, keinen Helden zu brauchen. „Manchmal sind es die bescheidenen Schritte, die den Unterschied machen. Kein Held sein zu müssen, macht vieles einfacher – und vor allem realistischer.“

Er war dankbar, dass das Gespräch eine Richtung genommen hatte, die ihn nicht überwältigte, doch diese Annahme musste er binnen weniger Momente wieder fallen lassen, als der Chiss weitersprach.

Draens Verstand versuchte, das Gehörte zu verarbeiten, doch sein Körper fühlte sich schwer an, als hätte er eine unsichtbare Last auf den Schultern. Für einen Moment schien sein Verstand zu stocken, dann wieder wirbelten seine Gedanken wie im Taumel. Fassungslos, ja – das war noch untertrieben. Es war, als hätte jemand ihm einen Stromstoß durch den Körper gejagt, der ihn völlig aus der Bahn warf. Er konnte kaum glauben, dass dieser Mann – dieser auf ersten Blick scheinbar gewöhnliche Zivilist – in Wahrheit ein Jedi sein sollte. Das konnte nicht sein. Es war unmöglich. Und doch lag in der Stimme des Chiss so viel Überzeugung, so viel Sicherheit, dass es kaum eine andere Erklärung geben konnte.

„Was… was sagen Sie da?“ brachte Draen kaum heraus, seine Stimme zitterte leicht vor Erstaunen. Er schüttelte leicht den Kopf, als wolle er die Realität aus seinem Geist vertreiben. „Sie… Sie sind ein Jedi?“ Seine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern. Die Worte klangen nach einer Unglaublichkeit, die er erst langsam begreifen musste. „Das… das kann nicht sein. Ich hätte es nie vermutet. Wie… wie ist das möglich? Warum haben Sie mir das nicht früher gesagt?“

Seine Hand zitterte, während er das Glas noch einmal hob, um einen Schluck zu nehmen, als wolle er den Schock runterspülen. Fragen über Fragen sammelten sich. Doch die Worte kamen kaum noch heraus, seine Gedanken wirbelten durcheinander. Erst hatte Dr. Amroth ihre geheime Verbindung zu Jedi-Rätin Eowyn El’mireth offenbart und ihm die Aufgabe überlassen, ein persönliches Paket zu überbringen, und nun, kaum dass er den Stadtplaneten Coruscant zum ersten Mal mit eigenen Augen erblickt hatte, hatte er sich in der nächstbesten Bar in die Arme eines getarnten Jedi begeben. Wie in aller erklärbaren Wahrscheinlichkeit war das mögich? Er fühlte sich fast wie in einem Traum, in dem die Realität plötzlich eine völlig andere Wendung nahm, als er erwartet hätte.

Als der Chiss dann noch weitersprach, erstarrte der Tirahnner jedoch völlig. Er starrte sein Gegenüber ungläubig an, seine Augen weiteten sich, und für einen Augenblick hielt er den Atem an. Das, was der Chiss nachfolgend über ihn sagte, traf ihn mitten ins Herz – eine Offenbarung, die so überwältigend war, dass er kaum wusste, wie er darauf reagieren sollte. Stille umgab ihn, friedfertige Stille. Die Loungemusik, die Hintergrundgespräche, der Lärm von den Luftstraßen draußen – alles erlosch. Einzig sein tobender Herzschlag zeugte davon, dass die Zeit nicht stehen geblieben war.

„Was… was meinen Sie damit?“ Draens Stimme zitterte leicht, doch die Überraschung war in seinem Ton deutlich zu spüren. „Dass in mir mehr schlummert, als ich je gedacht hätte? Dass ich etwas spüre, das ich nicht erklären kann?“

Er war völlig überwältigt, als würde sich eine Tür zu einer neuen Welt vor ihm öffnen, die er nie für möglich gehalten hätte. Eine Tür, die womöglich immer vor ihm gelegen, die er jedoch nie wahrgenommen hatte. Seine Gedanken wirbelten und wirbelten, und er musste tief durchatmen, um die Fassung zu bewahren.
„Ich… das ist unmöglich“, stammelte und seine Stimme brach. „Ich habe gewusst, dass es nur wenige Individuen in der Galaxis gibt, aber… ich habe nie geglaubt, dass ich selbst…“

Sein Blick wurde nachdenklich, fast ehrfürchtig. Er schüttelte den Kopf, unfähig, die Fassung zu bewahren.
„Das ist… das ist unglaublich.“ Als der Chiss davon sprach, erinnerte Draen sich an Momente, in denen er unwillkürlich einem Gefühl gefolgt war – eine intuitive Eingebung, die sich gegen seinen Verstand und all die Logik von Hypothesen, Theorien und Berechnungen durchgesetzt hatte. Oft hatte er diese Instinkte als Zufall abgetan, als bloße Ahnung, die nichts bedeutete. Doch jetzt, da er die Worte hörte, fühlte er, wie sich in ihm eine tiefe, unerwartete Resonanz bildete.

„Wenn das stimmt, dann ist meine Welt eine ganz andere als zuvor. Dann stehe ich vor einer Wahrheit, die alles, was ich bisher für sicher gehalten habe, in Frage stellt.“

Wie um diese Offenbarung zu unterstreichen, erblickte Draen, wie sein Gegenüber das Komm in seine Hand lenkte. Der Mediziner schüttelte leicht den Kopf, als wollte er die Überwältigung abschütteln, doch die Erkenntnis blieb in seinen Augen.
„Das verändert alles…“

In kontemplativer Ruhe verharrend saß er da, doch in seinem Gegenüber hatte sich ein imperativer Handlungsdrang gebildet, den Draen nicht ignorieren konnte. Im Gegenteil, jetzt spürte er es erst recht. Er fühlte die Dringlichkeit, die in den Bewegungen des Chiss mitschwang, und erkannte darin die Entschlossenheit, sofort handeln zu wollen. Die Flut an Gefühlen und Gedanken lag immer noch ausgebreitet vor ihm, wie ein unaufhörlicher Strom, der nur schwer zu bändigen war. Es war, als ob eine unsichtbare Kraft ihn dazu drängte, die Offenbarung widerstandlos zu akzeptieren und wie gewohnt weiter zu machen. Sein Verstand kämpfte gegen das emotionale Chaos an, gegen das Gefühl, von einer Welle überrollt zu werden, die er kaum kontrollieren konnte. Draen nahm einen tiefen Atemzug, versuchte, seine eigenen aufgewühlten Gedanken und Gefühle zu ordnen, während das unaufhörliche Drängen seines Gegenübers immer präsenter wurde. Er beobachtete den Mann, wie er am Rand seiner eigenen Geduld stand, bereit, jeden Moment zu handeln. Sein Blick wanderte von seinem eigenen Inneren hinaus zum Chiss, zu einem entschlossenen Ausdruck, der kaum noch Geduld zeigte. Das Feuer in den Augen des Mannes, die Energie, die in ihm brodelte, war nicht zu übersehen. Es war ein unübersehbares Verlangen nach Aufbruch. Draen erkannte, dass er die neu gewonnenen Unsicherheiten beiseiteschieben musste – denn hier ging es um mehr als ihn, das spürte er. Es ging um das Richtige, um das, was jetzt notwendig war.

Mit einem tiefen Atemzug stand der Tirahnner auf, seine Haltung wurde ruhig, aber bestimmt. Er wusste, dass er sich auf eine schier unbekannte Route begeben würde, doch das Gefühl in ihm sagte, dass es der richtige Weg war. War es etwa dieses Gefühl, das der Chiss innerhalb dieses kurzen Aufeinandertreffens in ihm gespürt hatte? Er wusste es nicht, doch er spürte die innere Überzeugung, die er nicht mehr ablegen konnte. Es glich dem Gefühl, das ihn allzu oft angetrieben hatte. Er durfte jetzt nicht beginnen, zu hinterfragen. Er musste seinem Inneren vertrauen – wie er es zuvor auch getan hatte.

„Ich komme mit“, sagte er mit Überzeugung in der Stimme.

Kernwelten Corusca-Sektor Coruscant Mittlere Ebenen 'Quantum Lounge' Riuen und Draen Tel'Set
 
~ Coruscant | Jedi-Tempel | Trainingsraum ~
Faith Navalon .::. Malek


Seine Gedanken vernebelten ihn erneut, als er wieder an Teyr dachte.

„Nein, war es nicht.“

Entgegnete er leise.

„Auf Teyr haben Sturmtruppler auf mich geschossen, ein Sith hat versucht, mich zu halbieren. Außerdem habe ich dort meinen Bruder zum letzten Mal gesehen und meine Freundin…“

Er schluckte einen dicken Kloß hinunter.

„…meine Freundin ist dort gestorben. Es war vieles, aber ganz sicher kein Spaß.“

Malek atmete ruhig aus und versuchte, die Erinnerungen zurückzudrängen. Stattdessen konzentrierte er sich wieder auf Faith. Er hörte ihr aufmerksam zu, verfolgte jedes ihrer Worte, als wollte er nichts davon verpassen.

Für einen kurzen Moment warf er Zweibein einen gespielt finsteren Blick zu und rieb sich noch einmal den Hintern an der Stelle, an der der Droide ihn getroffen hatte.
Faith war lustig, aber zugleich erstaunlich sympathisch. Ihre Aussagen ergaben erschreckend viel Sinn und auch wenn manches davon den Lehrbüchern und strengen Formen der Ausbildung widersprach, fühlte es sich schlüssig an. Malek hatte in den Holonews öfter von Menschen gelesen, die jahrelang Kampftraining absolviert hatten und im Ernstfall dann nur noch wild zugeschlagen und schreiend die Flucht ergriffen. Theorie und Realität waren eben nicht dasselbe.


„Ich muss zugeben, so weit war ich mit meinen Aufzeichnungen noch nicht.“

Gestand er.

„Das Abwehren von Blasterschüssen ist für meinen aktuellen Leistungsstand noch ziemlich komplex.“

Faith begann daraufhin, ihm ihre Abläufe zu erklären. Sie zeigte ihm, wie sie stand, wie sie das Gewicht verlagerte, wie sie den Schwung der eigenen Bewegung nutzte. Nichts wirkte übertrieben oder unnötig. Sie bewegte sich elegant, aber nicht verspielt, nur so viel wie nötig. Eine Klinge, ein Block, ein Schritt zur Seite, ein fließender Übergang zum nächsten Schuss. Sie nutzte denselben Schwung, um einen Strahl zu parieren und einem anderen auszuweichen.
Als sie fertig war und die Augen wieder öffnete, lag auf Maleks Gesicht ein Ausdruck aus Überraschung, Staunen und stiller Bewunderung.


„Ich bezweifle gerade stark, dass du nicht perfekt bist.“
Meinte er mit ehrlicher Anerkennung.
„Das war eine wirklich beeindruckende Leistung. Deine Meisterin kann stolz auf dich sein.“
Als Faith ihm anbot, es selbst zu versuchen, wanderte sein Blick vorsichtig zu Zweibein. Der Droide war ihm noch immer nicht ganz geheuer, und irgendetwas in ihm flüsterte, dass dieses kleine Ding etwas gegen ihn hatte, auch wenn er natürlich wusste, dass ein Droide keine Gefühle hatte.
„Okay.“
Seufzte er.
„Dann versuch ich es mal. Schlimmer als ein paar zusätzliche blaue Flecken kann es ja nicht werden.“
Malek stellte sich so hin, wie er es gelernt und den ganzen Tag über geübt hatte. Seine Haltung war wie aus dem Lehrbuch, Grundposition, Griff fest, Klinge leicht schräg, Füße stabil. Er holte tief Luft, sammelte sich und nickte schließlich Faith zu, damit sie beginnen konnte.
Der erste Schuss kam schneller, als ihm lieb war. Der rote Trainingsstrahl traf ihn am rechten Oberarm, und er verlor dabei beinahe das Trainingsschwert.

„Auua.“
Mit schmerzverzerrtem Blick sah er erst Zweibein an, dann Faith, nickte aber erneut.
Der nächste Schuss folgte kurz darauf und traf ihn an der linken Flanke. Diesmal gelang es ihm, den Schrei herunterzuschlucken. Er biss die Zähne zusammen, atmete aus und nickte wieder.
Schuss um Schuss kam auf ihn zu und Schuss um Schuss traf. Noch drei weitere Male kassierte er Treffer, bevor er entnervt zu Faith hinübersah. In ihrem Ausdruck glaubte er so etwas wie Mitleid oder Besorgnis zu erkennen, vielleicht auch eine Spur Zweifel, ob sie ihn gerade überforderte.


‚Ich darf jetzt nicht aufgeben‘, schalt er sich selbst. ‚Nicht jetzt. Nicht heute. Und schon gar nicht vor ihr.‘
Malek schloss die Augen. Er atmete einmal tief durch und erinnerte sich an das, was er mit Eowyn erst kürzlich geübt hatte. ‚Alles ist die Macht. Die Macht hilft mir. Die Macht leitet mich. Die macht ist mein Freund‘

Mit geschlossenen Augen nickte er in Faiths Richtung, als Zeichen, dass sie weitermachen konnte.
Dieses Mal lauschte er nicht nur dem Summen der Trainingsklinge und dem Dröhnen seines eigenen Herzschlags. Er konzentrierte sich auf den Luftzug, den Zweibeins Bewegungen erzeugten, auf das leise Pfeifen und Sirren des Droiden, auf die Veränderung im Raum, kurz bevor ein Schuss gelöst wurde. Und zugleich öffnete er sich der Macht, nicht als Werkzeug, sondern als Verbündete.

Plötzlich wurde alles klarer. Seine Arme bewegten sich fließender, seine Klinge war zur richtigen Zeit am richtigen Ort. In einer Folge weniger Bewegungen schaffte er, was er eben noch für beinahe unmöglich gehalten hatte, er blockte mehrere Schüsse sauber ab, lenkte einzelne Strahlen seitlich weg und wich anderen gezielt aus.
Seine Miene hellte sich auf, auch wenn seine Augen noch geschlossen blieben. Es fühlte sich gut an. Richtig. Zum ersten Mal hatte er das Gefühl, nicht nur zu reagieren, sondern mitzuhalten.
Dann änderte sich etwas. Ein Schuss kam aus einem anderen Winkel, tiefer, schneller. Ehe er diese Veränderung vollständig erfassen konnte, durchzuckte ein stechender Schmerz seinen linken Unterschenkel.



~ Coruscant | Jedi-Tempel | Trainingsraum ~
Faith Navalon .::. Malek
 
Coruscant – Jedi-Tempel – Nebenraum der Pressekonferenz – u.a. mit Eowyn

Die Situation war super superseltsam. Waren Eowyn und er nicht mal enge Vertraute gewesen. Freunde gar? Es kam Wes vor, als wäre es schon eine Ewigkeit her, und er näherte sich die Rätin im Rollstuhl nicht wie einer Vertrauten, die er lange nicht gesehen hatte. Eigentlich sollte er Wiedersehensfreude empfinden, doch mit der Vorwarnung von Mya gab es stattdessen Vorsicht, Unbehagen. Ein möglichst neutrales Hallo, ein Zeichen von Unsicherheit, und Eowyn gab es genauso zurück, als wusste sie auch nicht genau, wie sie reagieren sollte.

Eine lange, noch unbehaglichere Stille setzte ein, während keiner von beiden etwas sagte und Wes auf die Antwort auf eine banale Frage wartete… vielleicht zu banal. Es war ja offensichtlich, dass es Eowyn nicht gut ging! Sie antwortete in sarkastischem Ton, was kein gutes Zeichen war. Gut, dass er den Gizka nicht mitgenommen hatte, der würde in dieser, ehrlich gesagt heiklen, Situation reichlich deplatziert wirken. Ein bisschen freundlicher klang die junge Frau, als sie mit einem Seufzen bestätigte, dass sie so mitgenommen war wie sie aussah. Reden wollte sie aber trotzdem nicht darüber, kein gutes Zeichen. Der Blick, mit dem sie zu ihm aufsah, als wollte sie ihn möglichst schnell wieder loswerden.


»In Ordnung, dann überspringen wir das, tut mir leid,«

Erwiderte der Taanaber mit sanfter Stimme und Eowyn klang ein wenig versöhnlicher. ›Es ist okay‹, immerhin.

»Wenn du jemanden brauchst um über die Mission zu reden, den Rat und alles vorgefallen ist, zwischen uns und generell, ich bin für dich da.«

Er musste es sagen. Schließlich hatte er sich freiwillig gemeldet, auch wenn es sich nun nicht mehr wie die angenehme Aufgabe anfühlte, an die er in der Ratssitzung gedacht hatte. Vielleicht war es besser, dass sie nun die Pressekonferenz hatten, auf die sie sich beide konzentrieren mussten. So gewannen sie beide die Zeit, das alles etwas sacken zu lassen. Eowyn vermutete, dass er Rornan ersetzte, was Wes ein bisschen überraschte. Klar, er wusste recht genau, was Sache war in Sachen C-Virus, aber supertief in die offizielle Kommunikationsstrategie des Ordens eingeweiht in der Causa Allegious war er jetzt nicht. Die schwierigen Verhandlungen auf Umbara hatten die Details der Sitzung auch schon wieder etwas verschwimmen lassen.

»Kommt er nicht?«

Fragte Wes daher zurück. Mya hatte das nicht explizit erwähnt. Weder dass Rornan käme noch das Gegenteil.

»Wäre ja sonderbar, wenn der Orden eine Pressekonferenz in so einer brisanten Angelegenheit veranstaltet und niemand von unseren medienaffinen Jedi ist hier,«

Scherzte er. Sodann war es auch schon Zeit, den Raum zu betreten, in dem die Veranstaltung steigen würde. Wes machte Anstalten, Eowyns Schwebestuhl schieben zu wollen, stellte aber fest, dass es ein selbstfahrendes Modell war. Also begaben sie sich getrennt auf ihre Plätze, Wes auf den mit seinem Namensschild, für Eowyn war einer ohne Stuhl freigehalten worden. So viele Gesichter aller möglichen Spezies. Aufgeregte Unterhaltungen, die bei ihrem Erscheinen allmählich verstummten. Das Interesse daran, was der Orden zu sagen hatte, schien wahrlich riesig zu sein.

Coruscant – Jedi-Tempel – Raum der Pressekonferenz – u.a. Eowyn und Wes
 
Coruscant – Jedi-Tempel – Ians Quartier - Ia

Der Tag neigte sich dem Ende zu und für Ian fühlte es sich an, als lägen viel, viel mehr Stunden zurück. Als wären zwei oder gar drei Tage in einen geflossen. Die Müdigkeit, die er jetzt spürte, war beinahe allumfassend. Sein Körper fühlte sich an, als hätte er zu lange keine Pause gehabt und sein Geist? Bei der Macht, sein Geist war so überfordert, so überreizt, dass er eigentlich gar nicht mehr hätte funktionieren dürfen – und doch tat er es.
Nach dem Gespräch mit Eowyn hatte sich der Dunkelhaarige in sein Quartier zurückgezogen, versucht etwas zu essen, gegen seinen Appetit, aber er hatte keinen Bissen herunterbekommen, nicht einmal ein Stück Schokolade. Ausruhen wollte er, doch sein Kopf hielt ihn davon ab. Und als die Nacht einbrach, lag Ian wach, starrte an die Decke, dachte an gestern, dachte an morgen, unfähig aus diesem Gedankenkarussell auszusteigen.
Die Verletzungen Eowyns, die er sich angesehen hatte. Die Pressekonferenz morgen. Und … die Verletzungen, die er Eowyn zugefügt hatte. Schloss er die Augen sah er West und Eowyn in dieser Zelle. Die beiden und sich selbst. Am deutlichsten aber sah er Eowyns Blick. Sah den Funken erlöschen, sah den Bruch. Ja, er spürte sogar die Veränderung in dieser von der Macht verfluchten Zelle, als befände er sich jetzt, in genau dieser Sekunde wieder dort und nicht hier auf Coruscant. Ian versuchte gar nicht erst die Augen zu schließen, denn er wusste, dass dieses Bild, diese Erinnerung bleiben würde. Also stand er auf, lief zum Fenster und starrte hinaus in die von Licht unterbrochene Dunkelheit Coruscants. Wie surreal es wirkte, all die Lichter zu sehen und zu wissen, dass das Leben da draußen seinen gewohnten Gang nahm. Noch. Um sich dann, wann genau, war ungewiss, aber sicher bald, sehr ändern würde. Hatte er Eowyn noch gesagt, dass er hoffte, morgen ein klein wenig Einfluss nehmen zu können, schwand die Hoffnung des Mannes mit jeder verstreichenden Sekunde.
Als er auf Bastion Einfluss genommen hatte, hatte sich die Situation zum Schlechteren gewandt. Dabei war morgen überhaupt nicht mit Bastion zu vergleichen gewesen. Denn morgen, morgen hatte Ian eine Wahl. Konnte entscheiden, was er sagte, wie er es sagte, hatte keine Rolle zu spielen. Morgen würde er Ian sein, er selbst. Kein Sith, kein Darth Keebo.

In der Zelle … Ian seufzte, ein langes, tiefes Seufzen. Er wollte nicht mehr an diese Szene denken. Wie aber sollte es gelingen, etwas zu verdrängen, das so erschütternd war.
Über Gewalt hatte er mit Eowyn gesprochen. Über die, die man ihr angetan hatte. Aber dieses ‚man‘ beinhaltete mehr. Man. Und
er. Die Sith hatten Eowyn Gewalt angetan, die Sith und er.
Vor einer Folter vermeintlich gerettet hatte Ian selbst gefoltert. Die Frau, die er liebte. Wieder war da der Blick ihrer Augen und das dumpfe Gefühl, das schlimmer wurde, ihn doch dazu brachte, die Augen zu schließen. Atmen. Ian musste atmen, denn er spürte, wie sich sein Puls beschleunigte, wie sein Herz stärker pumpte und jedes Mal, wenn das geschah, spürte er auch den Fremdkörper, der sich darin befand und am liebsten hätte er den Herzschrittmacher herausgerissen. Atmen. Langsam. Tief.

Du hattest keine andere Wahl, kam eine leise Stimme, die nicht beschwichtigend klang, die nicht legitimierte, aber auch nicht tröstete. Du hattest keine andere Wahl. Den Raum verlassen? Es hätte dich verdächtig gemacht. Bleiben? Du hättest es nicht ausgehalten. Ihr etwas anderes zeigen? Hätte Ian ihr etwas anderes zeigen sollen, etwas anderes tun sollen? Bestimmt. Aber was? Der Dunkelhaarige wusste es nicht. Die Situation war ein Trilemma gewesen – das war das Einzige, was er mit Sicherheit sagen konnte. Bloß schenkte auch das keinen Trost und nahm nicht das, was Ian vor allem spürte. Unsägliche Schuld.

Schuld.

Eine alte Bekannte. Nicht einmal in einem neuen Gewand und doch war da, jedes Mal, wenn sie einkehrte, es sich bequem machte, Ians Unfähigkeit, mit ihr umzugehen. Dabei hätte er das doch längst wissen müssen. Ein Gast, der oft kam und den man so gut kannte, war doch einfach zu versorgen. Schön wäre es gewesen. Zu schön.
Ian lief zurück zu seinem Bett, legte sich hin, doch der Schlaf wollte nicht einkehren. Mochte seine Erschöpfung noch so groß sein – die Schwere seiner Gedanken war größer. Nicht einmal eine Tiefschlaftrance wollte ihm gelingen, denn dafür hätte Ian sich konzentrieren müssen und das gelang ihm nicht.
Die Zeit auf dem Chrono verstrich, der morgige Tag rückte immer näher, brach an, schritt voran und Ian gab den Versuch auf, den Schlaf zu erzwingen.

Stattdessen versorgte er seinen Operationsschnitt mit einem wasserfesten Pflaster, duschte eine halbe Ewigkeit und zwang sich an die Pressekonferenz zu denken.
Ein Blick in den Spiegel verriet, dass er so schlecht aussah, wie er sich fühlte.
Die Ringe unter seinen Augen waren dunkel und tief und auch der Anzug, den Ian trug, vermochte nicht darüber hinweg zu täuschen.
Ihm war schlecht, der Magen flau und es schien, als wüsste sein Körper nicht, ober er frieren oder schwitzen sollte. Der Weg zu dem Raum, in dem die Pressekonferenz stattfand, schien Ian mit einem Mal sehr lang.
Du weißt, was du sagen möchtest. Du weißt, dass es wichtig ist. Beinahe wünschte der Mann sich, er hätte sich doch vorbereitet. Vor der Türe atmete er noch einmal tief durch, strich sich über den ordentlich rasierten Bart. Schlimmer als Bastion konnte das hier nicht werden. Und hatte er nicht schon einmal etwas ganz Ähnliches getan, als er @Joseline die Wahrheit gestanden hatte über sein Mitwirken an den Vorverhandlungen zum Frieden?
Damals war es ‚nur‘ eine Jedi gewesen, die ihm irgendwie wohlgesonnen war. Damals hatte er nur den Rat überzeugen müssen. Heute?
Als Ian die Tür öffnete, blieb ihm beinahe das Herz stehen – denn er hatte mit allem gerechnet, aber nicht mit dieser Vielzahl an Wesen, die sich in diesem Raum befanden. Beinahe mechanisch blieb er stehen und während seine Beine den Dienst versagen wollten, spürte er deutlich, überdeutlich, wie auch seine Hände ihm nicht mehr gehorchen wollten und zu zittern begannen. Dann wurden die Beine weich und Ians Herz begann seinen Takt zu verlieren – es raste, hämmerte gegen die Rippen, schlug gegen das fremde Metall in seinem Körper. Gleich würde es explodieren. Gleich würde es explodieren. Wenn es das nicht tat, würde Ian ersticken. Denn die Luft – war hier überhaupt Luft? Wurde immer dicker. So dick, dass er sie nicht atmen konnte.
Jemand berührte ihn von hinten. Jemand stieß ihn nach vorne. Bestimmt stieß ihn jemand nach vorne und Ian? Wollte sich umdrehen. Wollte raus. Musste raus. Dunkle Augenringe auf blassem, weißem Gesicht. Zitternde Hände. Weiche Beine. Ein enger Raum, ohne Luft. Das war. Zu viel.

Coruscant – Jedi-Tempel – Raum der Pressekonferenz – u.a. Eowyn, Wes und Ian
 
[ Coruscant I Jedi-Tempel I Trainingsraum ]
Faith, Zweibein und Malek


Faith verzog das Gesicht, achtete jedoch darauf, nicht zu Malek zu sehen, als er davon sprach, dass seine Freundin auf dieser Welt namens Teyr gestorben war. So wie es sich anhörte, waren sie und sein Bruder dort von Imperialen getötet worden. Ein Kloß bildete sich in ihrem Hals, den sie nur mit viel Mühe herunterschlucken konnte. Da war sie in ein feines Fettnäpfchen getreten.

“Tut mir leid”, hauchte sie sanft, etwas überrascht von dem schnellen Umschwung der Stimmung.

Es half, dass sie sich danach erneut auf das Training konzentrierten. Als er bezweifelte, dass sie nicht perfekt sei, musste die Padawan sogar wieder laut auflachen. Das war eine seltsame Formulierung.


“Niemand ist perfekt. Meine ehemalige Meisterin war das letzte Mal, als ich sie gesehen habe, ganz und gar nicht stolz auf mich. Aber das ist schon lange her”
, berichtigte sie Maleks Annahme. Weiter wollte sie auf das Thema um Rätin Chesara und ihre Ausbildung zu diesem Zeitpunkt gar nicht eingehen. Malek wirkte sympathisch, aber Faith hatte in letzter Zeit gelernt, dass man nicht jedem sein Leben zu Füßen ausbreiten musste. Das letzte Mal, als sie einem Typen blind vertraut hatte, entpuppte er sich als Kopfgeldjäger und verschleppte sie in die Fänge des Gouverneurs von Kelada.

Als Malek dann seinerseits begann, die Übungen mit Zweibein umzusetzen, stellte er sich … ehrlich gesagt sehr schlecht an. Faiths Lächeln starb mehr und mehr mit jedem Schuss, den Zweibein auf seinem Körper landete. Sie hatte ihm zu viel zugemutet. Schlimmer als ein paar zusätzliche blaue Flecken konnte es nicht werden, ja. Aber sie hatte nicht damit gerechnet, dass es so viele würden. Die Padawan schluckte, als erneut ein Kloß ihre Kehle hinauf kroch - diesmal das schlechte Gewissen -, und verschränkte die Arme ineinander, während sie ihn aufmerksam aus ihren nussbraunen Augen beobachtete. Er hatte die Lehraufzeichnungen in der Tat verinnerlicht. Die Ausgangsposition war akkurat, die Füße fest in gerader Linie zu den Schultern, der Griff - zu verkrampft. Als er schmerzerfüllt und mit sichtbarer Frustration zu ihr sah, dachte sie kurz darüber nach, Zweibeihn ein einfacheres Trainingsprogramm abspielen zu lassen. Also hob sie den Arm mit ausgestreckter Handfläche in Richtung des Droiden, um ihm zu bedeuten, kurz Pause zu machen.

Malek nutzte offensichtlich die Gelegenheit. Er schloss die Augen, atmete tief durch und nickte dann erneut in ihre Richtung. Er gab nicht auf.


“Weiter Zweibein, befahl sie dem schwebenden Blecheimer also, ohne das Programm zu ändern. Und da war es. Faith spürte den Moment, in dem bei ihm etwas kippte Sie nahm diese Verschiebung beinahe beiläufig wahr, wie man einen Luftzug registriert, der nicht aus der ursprünglichen Richtung kommt. Da war kein dramatischer Durchbruch oder gar eine plötzliche Erleuchtung. Es war eher so, als würde er seine innere Unruhe langsam ordnen. Seine Bewegungen wurden nicht schneller, nicht kraftvoller, sondern einfach nur stimmiger, fließender, natürlicher. Der Abstand zwischen Wahrnehmung der Umgebung und seiner Reaktion verringerte sich ansehnlich. Er bewegte sich nicht mehr, um irgendeine Form korrekt auszuführen, sondern um tatsächlich zu blocken.

Als Zweibein Maleks plötzlichen Erfolg zum Anlass nahm, seine Position zu verändern und den Winkel der nächsten Salve anzupassen, brachte ein Treffer am Unterschenkel den Padawan aus dem Gleichgewicht. Sie spürte sofort, dass auch der nächste Treffer sitzen würde. Bevor dieser folgen konnte, hob Faith erneut die Hand.


“Stopp.”

Der Droide verharrte und hing mit einem enttäuscht klingenden Surren in der Luft.

Faith verschränkte die Arme erneut und verzog den Mund leicht, während sie darüber nachdachte, was Malek falsch gemacht haben könnte. Er war doch im Moment. Er hatte sich von der Macht leiten lassen.


“Kann es sein, dass der Gedanke, es funktioniert gerade, dich rausgebracht hat?”

Sie machte ein nachdenkliches, summendes Geräusch.

“Du hast gemerkt, dass du mehrere Schüsse sauber abgewehrt hast und wolltest diesen Moment umklammern und bewusst wiederholen, oder? Und bist dann wieder in deinem eigenen Kopf gewesen?”

Sie zuckte leicht mit den Schultern.

“Aber du hattest es. Du warst im Moment. Genau da musst du hin, dich aber nicht darauf verkrampfen, sondern immer bereit sein, dass der Moment - dass die Macht - fließend ist. Der Winkel war anders, aber Zweibein hat das Tempo nicht erhöht. Das hättest du bestimmt gespürt, wenn du dich weniger auf dich selbst als auf deine Umgebung konzentriert hättest.”

Ihr Blick wanderte kurz zu Zweibein, der noch immer in der Luft schwebte, als wartete er nur darauf, weiterzumachen.

“Zumindest glaube ich, das war das Problem. Was meinst du?”

Als sie erkannte, wie oberlehrerhaft sie dahersprach, folgte ein entkräftigendes Lächeln.

“Aber das passiert mir auch! Wenn man merkt, dass etwas gut läuft, versucht man nur noch mehr Kontrolle auszuüben”, fügte sie hastig an.

“Willst du es nochmal probieren?”, fragte sie zögerlich, da Malek so aussah, als hätte er inzwischen Stunden anstrengenden Trainings hinter sich.

“Warte, komm mal her.”

Faith ging auf ihn zu, griff nonchalant mit einer Hand nach seiner freien, während sie die andere auf seine Schulter legte und die Augen schloss. Sie öffnete sich der Macht und tastete Maleks Wehwehchen ab, ohne dabei jedoch zu sehr in seinen Körper und Geist einzudringen. Schließlich wollte sie ihn nicht überrumpeln. Es konnte überfordernd sein, wenn sich jemand ohne Vorwarnung plötzlich an der eigenen Aura zu schaffen machte. Stattdessen nutzte sie ihre Macht-Heilungsfähigkeiten, um ihn mit positiver Energie zu überschütten, die die Müdigkeit hoffentlich aus seinen Muskeln und Knochen vertrieb.

“Besser?”

[ Coruscant I Jedi-Tempel I Trainingsraum ]
Faith, Zweibein und Malek
 
Coruscant - Jedi-Tempel - Privater Raum vor dem großen Presseraum, u.a. mit Wes

Es tat ihm Leid, dass er diese Frage gestellt hatte - aber das war es nicht, worum es Eowyn ging. Sie wusste ja, dass Wes nun nicht derjenige war, der besonders gut mit solchen Situationen umgehen konnte, sie schließlich ebenfalls nicht. Ohnehin überging man vieles einfach, wenn man so viel wie sie unterwegs war und sich sowieso so selten sah. Man war froh darüber, kehrte Dinge unter den Tisch. Aber das, was geschehen war, konnte Eowyn nicht unter den Tisch kehren, nicht einfach so. Sie konnte es abhaken; akzeptieren, dass Wes und sie eben nicht mehr die Freunde waren, die sie einst gewesen waren, aber wegkehren? Nein. Sicher, sie hatte auch ihren Teil dazu beigetragen. Ihr Verhalten war gnadenlos katastrophal gewesen, als Wes sie aufgesucht hatte, und alles brannte in ihr, sich dafür zu entschuldigen. Bloß... damit wäre es nicht getan. Es würde nichts ändern an dem, was wiederum Wes getan hatte. Und jetzt, hier, in diesem Moment, war ohnehin der absolut falsche Zeitpunkt, das auszugraben. Hinterher, vielleicht. Je nachdem, wie diese Konferenz laufen würde.

Aber nicht jetzt.

Wes' folgende Worte aber klangen beinahe wie eine Art Friedensangebot. Wenn sie jemanden zum reden brauchte... Seine Worte waren so vage, dass sie nicht wusste, was er alles mit einbezog. Aber wie bitte sollte sie ausgerechnet mit
ihm über den Rat sprechen? Ja, natürlich, es wäre dringend notwendig, denn die aktuelle Situation war einfach noch immer demütigend und völlig in Schräglage, aber mit ihm? Mit ihm, der dafür gesorgt hatte, dass die Situation war, wie sie war? Der Rat vertraute ihr nicht, zu recht. Der Rat schloss sie aus, zu recht. Aber dann... sollten sie sie doch wieder degradieren und die Sache war endlich erledigt. So, wie Wes es versprochen hatte. Ja, vielleicht sollte sie ihn nach der Konferenz noch einmal direkt darum bitten, ganz offiziell. Nicht unter Freunden, denn das war in diesem Punkt, egal wie sie zueinander standen, einfach falsch - sondern unter angeblichen Ratskollegen. Und wieder... ein kleiner Stich. Nicht viel, aber es stach, und Eowyn wusste nicht, ob sie sich darüber freuen sollte, dass sie wieder begann, Dinge zu fühlen, oder ob sie bedauern sollte, dass es ausgerechnet Schmerz war, der zurückkehrte.
Sie hatte das alles zwischen ihnen beiden so nicht gewollt...

Sie nickte dann nur leicht.
Okay. Ganz sicher würde sie aber nicht mit ihm persönlich reden. Nein... diese Zeiten waren irgendwie... vorbei. Auch, wenn es wieder... schmerzte.

Sie lenkte das Gespräch daher in Richtung der bevorstehenden Pressekonferenz. Sie hatte nicht gewusst, dass Wes hier sein würde, es war von Rornan die Rede gewesen - daher ging Eowyn irgendwie davon aus, dass dieser durch Wes ersetzt worden war. Seine Antwort aber klang nicht gerade danach.
Oh, ich dachte nur, weil von dir keine Rede war. Dann kommt Rornan wohl... Da ist er. Der Quermianer betrat soeben den Raum und steuerte sofort sie beide an. Währenddessen sah Eowyn sich nach Ian um - nichts. Sie hatte eigentlich so gehofft, ihn vorher noch zu sehen. Sie hatte mit ihm reden wollen, ihn beruhigen... und ihn auch fragen, ob er die Senatssitzung gesehen hatte. Sicher, gestern war Ian gefestigt gewesen, aber Eowyn kannte ihn gut genug um zu wissen, dass das heute vermutlich ganz anders aussehen würde. Sie selbst war ja schon sehr unruhig und nervös, wie musste es ihm dann erst gehen?

Rornan gesellte sich zu ihnen beiden, und in seiner unnachahmlichen, direkten Art begann er, ohne sich mit viel Förmlichkeit aufzuhalten.
"Ich nehme an, ihr beide habt die Ansprache des Kanzlers gesehen? Das wird natürlich jetzt zu einigen aufgebrachten Journalisten führen, aber es ändert nichts für unser Vorgehen. Immerhin stellt er sich so gewissermaßen hinter uns, und eine Auslieferung ist definitiv vom Tisch. Wir werden uns wie geplant erklären und reinen Tisch machen. Denkt daran, kein Wort über die anderen Teilnehmer, insbesondere zu Ahna. Noch Fragen?"
Eowyn schüttelte stumm den Kopf, und kurze Zeit später folgte sie ihm und Wes in den nebenliegenden, großen Konferensaal. Sie registrierte, dass Wes kurz danach aussah, nach ihrem Schwebestuhl zu greifen, und seufzte innerlich ein wenig. So weit war es gekommen. Sie war... von einer exzellenten Kämpferin, einer herausragenden Meisterin im Schwertkampf, zu einer hilfebedürftigen Frau geworden. Aber sie durfte das jetzt nicht an sich heranlassen. Jetzt... musste sie noch einmal die Rätin spielen. Vielleicht zum allerletzten Mal.

Kurz bevor sie den Saal erreichte, setzte Eowyn ihre äußere Maske auf, während sie sich erneut nach Ian umsah. Sie würden doch nicht ohne ihn starten... aber andererseits durften sie auch nicht zu lange warten. Wo war er nur? Jetzt hatte sie natürlich keine Chance mehr, mit ihm zu reden...
Ihr Platz war direkt neben dem Eingang, so dass ihr Weg so kurz wie möglich war. Neben ihr würde Ian sitzen, dann Wes und am anderen Ende Rornan. Sie ignorierte die Masse an Personen, die sich vor ihr befand, bewusst; sah nicht wirklich hin. Sie wusste genau, dass sie sonst durchdrehen würde. Das hier... das war... das absolute Gegenteil von dem, was sie wollte. Sie wollte nicht hier sein. Sie wollte... auf jeden Fall nicht DAS!
Ihre Hände krampften sich, unsichtbar für die Menge dank des großen Tisches, um ihren Schwebestuhl, und Eowyn schloss trotz der Tatsache, dass vermutlich jetzt schon unzählige Kameras auf sie gerichtet waren, die Augen, um sich wieder zu sammeln. Atmen. Sie musste atmen. Ein und aus... ein und aus...

Ian.

Sie spürte ihn plötzlich, als würde er vor ihr stehen, als könnte sie ihn berühren, aber sie wusste, er befand sich einige Meter von ihr entfernt bei einem der vorderen Eingänge zum großen Pressesaal. Sie dachte,
sie wäre kurz vor einer Panikattacke gewesen, aber das war nichts im Vergleich zu dem Gefühl, dass sie bei Ian spüren konnte. Warum er den direkten Zugang genommen hatte und nicht den Umweg über das Hinterzimmer wusste sie nicht, es war im Moment aber auch überhaupt nicht wichtig. Denn das, was er ausstrahlte, war in ihren Augen eine Panikattacke. So, wie sie es schon befürchtet hatte. Deshalb hatte sie kurz mit ihm reden wollen... Sie hatte keine Chance, in ihrem Zustand zu ihm zu gelangen, außerdem würde es ein verflucht schlechtes Bild abgeben, wenn sie zu ihm eilte, um mit ihm Händchen zu halten. Instinktiv öffnete sie sich daher, und zum ersten Mal seit Bastion streckte sie ihre Machtfühler nach ihm aus. Sie strich sanft über seine Präsenz; stellte sich vor, wie sie ihn umarmen würde. *Ian*, sandte sie ihm zu, nicht sicher, ob überhaupt irgendwelche Worte ankommen würden oder nur ein Gefühl, eine Ahnung. *Alles gut. Alles wird gut. Ich bin hier. Hab keine Angst. Atme. Wir stehen das durch. Gemeinsam. Ich bin bei dir. Atme...*

Coruscant - Jedi-Tempel - großer Pressesaal, u.a. mit Wes, Ian und Rornan (NPC)
 
Coruscant - Jedi-Tempel - großer Pressesaal, Journalisten

Der große Presseraum des Jedi-Ordens war kein klassischer Konferenzsaal. Er war Architektur gewordene Symbolik.

Hohe, helle Wände aus gebürstetem Stein zogen sich in sanften Bögen nach oben, durchzogen von schmalen Lichtlinien, die wie eingefrorene Energiebahnen wirkten. Hinter der Bühne spannte sich ein halbtransparentes Sichtfenster, durch das man in der Ferne einen Ausschnitt von Coruscants endloser Skyline erkennen konnte. Lichter, Verkehrsspuren, ein Planet, der nie schlief. Heute wirkte selbst diese Kulisse angespannter.

Die Luft vibrierte leise. Nicht durch die Macht. Durch Technik.

Schwebende Holokameras positionierten sich in präzisen Winkeln, einige stationär, andere langsam kreisend. Rote Aufnahmelichter glühten auf wie diskrete Warnsignale. In den Reihen darunter saßen Vertreter aus nahezu jedem relevanten System der Republik und nicht wenige aus neutralen oder ehemals imperial beeinflussten Welten.

Es war keine gewöhnliche Pressekonferenz. Es war ein Moment, der entscheiden würde, wer die Deutungshoheit über Krieg und Schuld bekam.

Talaris Venn betrat den Saal früh. Sehr früh.

Er liebte es, Räume zu lesen, bevor sie sich füllten. Geräuschpegel. Fluchtwege. Sitzordnung. Wer sich wohin setzte, sagte oft mehr als das spätere Statement. Sein dichtes, kupferbraunes Fell war an den Schultern etwas dunkler, die Haare an seinen Händen deutlich sichtbar, als er sein Datapad prüfend durchging. Er wirkte wie jemand, der aus Informationsarbeit kam, nicht aus Eitelkeit. Er blieb einen Moment stehen, musterte die Bühne. Vier Podeste. Gleichberechtigt angeordnet. Keine Hierarchie erkennbar.

Interessant.

Er setzte sich in die vordere linke Sektion, traditionell Kernwelt-Medien. Eine bewusste Platzierung. Neben ihm nahm eine Analystin aus Chandrila Platz. Ein kurzes Nicken, kein Smalltalk. Beide wussten, dass die Faktenlage brisant war: Laborunterlagen, forensische Analysen, Hinweise auf eine imperiale Einrichtung in Verbindung mit dem C-Virus Taris’ gelbe Augen ruhten nun auf der leeren Bühne.
Wenn der Jedi-Orden heute sprach, dann würde er prüfen, ob ihre Darstellung lückenlos war. Er war republikfreundlich, aber nicht naiv.

Als Lira Denova den Raum betrat, war er bereits zur Hälfte gefüllt.

Sie bewegte sich mit ruhiger Selbstverständlichkeit durch die Reihen. Ihr Mantel in tiefem Alderaan-Blau fiel glatt bis knapp unter die Knie, silberne Stickereien am Saum. Ihre Welt stand für Diplomatie, für Balance. Dass sie heute in einem Raum saß, in dem Jedi den Tod eines Imperators einordnen sollten, war ein politischer Einschnitt

Sie bemerkte Talaris, registrierte seine Platzwahl und entschied sich bewusst für zwei Reihen hinter ihm, leicht versetzt.

Während sie ihr Datapad aktivierte, lief im Hintergrund eine Zusammenfassung der letzten Tage: Verschwinden des C-Virus. Auftreten Imperatorin Vendar. Forderung nach Auslieferung zweier Jedi.

Lira presste die Lippen leicht aufeinander. Krieg konnte moralisch gerechtfertigt sein. Aber nur, wenn man den moralischen Maßstab selbst einhielt.

Kreel Vos kam nicht früh.

Er kam genau dann, als der Raum voll genug war, dass seine Präsenz registriert wurde. Seine dunkle Jacke war funktional, mit eingelassenen Datenports und kleinen Speicherkarten. Seine grünen Gesichtszüge wirkten angespannt, die Antennen reagierten sensibel auf die steigende Lautstärke im Raum. Er war in Grenzsystemen aufgewachsen. Systeme, die unter imperialer Präsenz gelitten hatten und unter republikanischer "Befreiung", die oft nur ein Machtwechsel gewesen war.

Er setzte sich auf die rechte Seite des Saals, in die Nähe von Vertretern aus Randgebieten. Zwei Plätze weiter saß ein Reporter aus einem ehemaligen imperialen Protektorat. Sie tauschten einen kurzen Blick. Keine Worte. Kezz hatte die Berichte über El’mireths Aufenthalt nahe Bastion gelesen, über die Nähe zu einem Sith und über die ungeklärten Details

Er glaubte nicht an imperiale Unschuld. Aber er glaubte auch nicht an makellose Helden.

Sha’nel Aris bewegte sich ohne Zögern in den Raum, als wäre sie auf dem Weg zu einer Verhandlung, nicht zu einer Pressekonferenz.

Ihre bläuliche Haut kontrastierte mit dem kantig geschnittenen, dunkelroten Jacket. Die Lekku waren streng zurückgebunden, keine unnötige Bewegung. Ihre Schritte waren ruhig, präzise. Sie hatte die Chronologie der Ereignisse mehrfach durchgespielt: Verschwinden des Virus, Tod Allegious, öffentliche Anschuldigungen Vendars.

Zu viele Ereignisse in zu kurzer Zeit.

Sie setzte sich exakt mittig. Direkt gegenüber der Bühne. Kein Versatz. Keine symbolische Nähe zu irgendeiner Fraktion. Neben ihr blieb zunächst ein Platz frei. Einige Reporter wechselten kurz ihre Sitze, offenbar unwillig, direkt neben ihr zu landen. Sie registrierte das ohne sichtbare Reaktion. Naera liebte Folgefragen. Und sie hatte nicht vor, heute mit einer einzigen Antwort zufrieden zu sein.

H-7 glitt beinahe lautlos durch den Mittelgang. Seine silbern-matte Oberfläche reflektierte die Lichtlinien der Decke in klaren, geraden Mustern. Er blieb kurz stehen, als zwei Holokameras ihre Position wechselten. Berechnete neue Blickwinkel. Registrierte.

Er ging zum Rand ohne sich zu setzen, mit optimalem Sichtfeld auf Bühne und Publikum.

Sein Prozessor verarbeitete bereits Projektionen zur Militäroffensive auf Kashyyyk. Zwei Flottenverbände, Sicherheitsratsbeschluss, keine vollständige Senatsabstimmung. Krieg bedeutete Haushaltsverschiebung. Haushaltsverschiebung bedeutete Unruhe. Unruhe bedeutete politische Instabilität.

Seine Photorezeptoren justierten sich neu.

Das Murmeln im Saal schwoll an und ebbte wieder ab.

Ein corellianischer Reporter gestikulierte heftig mit seinem Nachbarn.
Ein Vertreter von Mon Cala überprüfte zum dritten Mal seine Aufnahmeverbindung.
In der hinteren Reihe diskutierten zwei junge Journalisten über die Wortwahl des Kanzlers zur "Unvermeidlichkeit" des Krieges.

Dann: ein kaum wahrnehmbares Signal.

Die Beleuchtung der Bühne wurde minimal intensiver. Die Gespräche versiegten wie abgeschnitten. Selbst die Kameradrohnen stabilisierten sich. Eine Seitentür öffnete sich lautlos.

Vier Silhouetten traten ins Licht.

Und der Raum hielt den Atem an.

Coruscant - Jedi-Tempel - großer Pressesaal, Journalisten - vorn Wes, Eo, Ian und Rornan
 
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