Coruscant

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Langsam nickte Arlen, während er mit ernstem Gesichtsausdruck Rat Elliundis Antwort auf seine Anfrage lauschte. Der Quermianer erklärte einerseits, dass er Arlens Offenheit schätzte, andererseits bereitete sie ihm Kopfzerbrechen. Das war nachvollziehbar. Nach dem Gespräch, das sie vor drei Monaten geführt hatten, wäre alles andere überraschend gewesen. Während er weitersprach, hörte Arlen zu, die Arme verschränkt. Einen Moment später kam der Quermianer schließlich zu einem Urteil.

Kurz schloss Arlen die Augen, als Rat Elliundi verkündete die Mission erlauben zu wollen. Er kam nicht umhin aufzuatmen. Es war ein Vertrauensbeweis, genauso wie ein Zeichen, dass Arlen seine Worte gut gewählt hatte. Es würde also weitergehen, er würde seine Talente ein weiteres Mal in den Dienst der Neuen Republik stellen können. Sehr bald schon.

Nachdrücklich erklärte Rat Elliundi, dass Arlen im Zwischenspiel mehrerer Organisationen Fingerspitzengefühl beweisen müssen würde. Arlen nickte. Und sollte er sich jemals in einem moralischen Dilemma wiederfinden, sollte er nicht zögern, zum Rat oder einer anderen Vertrauensperson zu gehen. Erneut nickte Arlen.
„Ich danke Euch für Euer Vertrauen. Ich werde Eure Worte im Hinterkopf behalten.“, erklärte er. Nun endlich wandte der Gesprächsfokus sich Ritterin Kaveri zu.

Überrascht sah Arlen auf, als Rat Elliundi sie mit dem Rang ‚Lieutenant‘ ansprach. Einen Moment später stieß er jedoch schon belustigt einen Schwall Luft durch die Nase aus. Das hätte er sich ja denken können. Der Quermianer hatte sie als jemanden beschrieben, die den Weg bereits beschritten hatte, den er anstrebte. Doch eine Enthüllung hatte der Quermianer noch in der Hinterhand: Sie würde Voorpaks Einsatz ebenfalls beiwohnen. Arlen warf ihr einen Blick zu.

Bestätigend ging Ritterin – Lieutenant – Kaveri auf die Worte des Rates ein. Sie unterstrich, dass ‚nicht leicht‘ vermutlich noch untertrieben war, sie am Ende des Tages jedoch alle dasselbe Ziel verfolgten. Arlen nickte.
„Die Erfahrung habe ich auch schon gemacht.“, erklärte er und dachte für einen Moment an sein Verhältnis zu Voorpak auf Kelada zurück. Noch immer kannte er den echten Namen des Mannes nicht und doch hatte er sich immer auf ihn verlassen können. Er hoffte, dass es auf der nächsten Mission genauso sein würde.

Lächelnd fuhr er fort:
„Ich freue mich darauf, mit Euch zusammenzuarbeiten, Lieutenant. Wenn das in Ordnung ist, würde ich mich bei Fragen zum…Fingerspitzengefühl gerne an Euch wenden.“

Aufmerksam musterte Arlen seine neue Kollegin. Daher entging ihm auch nicht das kurze Zögern, bevor sie zum nächsten Thema überging. Einen Moment später verstand er, warum und fand sich in derselben Situation wieder, in die seine Offenheit kurz zuvor Lieutenant Kaveri gebracht haben musste. Nun kam sie nämlich Informationen um die Ecke, von denen er ziemlich sicher war, dass sie ihn nichts angingen.

Unbehaglich brummend lehnte er sich in seinem Stuhl zurück. Natürlich wusste er von der Mission nach Bastion und in welche Erklärungsnot sie den Rat gebracht hatte. Er hatte die Pressekonferenz geschaut und gesehen, was für ein Rudel Raubfische dort unter den anwesenden Reportern gesessen hatte. Er konnte froh sein, dass er kein Interview über Kelada hatte geben müssen. So wie man Rätin El’mireth angegangen war, hätte man Arlen mit Haut und Haar verspeist. Hoffentlich hatte Rat Elliundi nicht doch noch so etwas auf der Agenda.

Entschuldigend warf Lieutenant Kaveri ihm einen Blick zu und zuckte mit den Schultern, nachdem sie ausgesprochen hatte. Arlen schmunzelte. Das war wirklich ein spaßiges Meeting für alle Beteiligten. Da war dann auch direkt der Beweis, wie eine Doppelfunktion zwischen NRGD und Jedi-Orden sein konnte. Er verkniff sich ein Lächeln. Hier saß sie nun und musste bei Rat Elliundi anfragen, welche Informationen sie der einen Fraktion über die andere geben durfte.


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Coruscant - Jedi-Tempel - Ratsebene - Rornans Büro, mit Arlen und Leela

Gut, dass Rornan nun Ritterin Kaveri mit einbinden konnte. Im Normalfall hätte er sie innerhalb des Ordens nicht mit ihrem Titel beim NRGD angesprochen, doch in diesem Fall machte er eine Ausnahme - so war schnell deutlich, weshalb die Frau hier bei ihnen saß. Er lächelte ihr dünn zu.

"Nein, Eure Ausdrucksweise ist recht zutreffend, wie ich finde."

Es war ein Tanzen auf einem sehr schmalen Grat, zwei Fraktionen anzugehören, aber was er bisher gehört hatte, lief es bei Ritterin Kaveri ganz annehmbar.
Merillion kam schnell über seine Überraschung hinweg und bat um was, was Rornan indirekt im Sinne gehabt hatte. Kaveri sollte ihn ein wenig unter ihre Fuchtel nehmen, was das Agieren als Doppelpersonal anging, und diese Mission bot sich dafür an. Selbstverständlich war Ritterin Kaveri ihm nicht weisungsbefugt, aber es schadete nicht, wenn er jemanden hatte, an den er sich wenden konnte.

Und schon lag dieses ominöse Fingerspitzengefühl direkt auf seinem Schreibtisch. Rornan seufzte innerlich. Typisch NRGD. Hatten sie beim Auffinden der "Tierarztpraxis" noch recht gut zusammengearbeitet, schien dies eher eine Ausnahme gewesen zu sein. Aber besonders in diesem Fall hatte der Orden absolut nichts zu verbergen, im Gegenteil. Sie mussten Ahnas Entscheidung rechtfertigen und sich wieder Vertrauen erarbeiten, da stand es außer Frage, dass sie irgendetwas zurückhielten - ganz davon abgesehen, dass es auch keinen Sinn ergab, denn sie alle arbeiteten schließlich gemeinsam gegen das Imperium. Nur die absoluten Ordensinterna, die Abstimmungen, die Überlegungen des Rates, diese Dinge würden selbstverständlich nicht herausgegeben werden, aber diese standen ohnehin unter Verschluss und blieben im Ratssaal.


"Ritterin Kaveri, der Orden hat nichts zu verbergen, daher sehe ich in Eurem Ersuchen kein Problem. Die Mission nach Bastion war ohnehin autorisiert, wenn auch äußerst geheim. Wir sind dabei, umfangreiche Dokumentationen über die Planung sowie die Ergebnisse der Untersuchungen zusammenzutragen. Wir stellen Euch diese Daten gerne zur Verfügung, und Ihr könnt auch weitere Fragen stellen. Ich nehme an, dass auch die Folgemission nach Kast Bestandteil dieses Dossiers sein soll, hier muss ich allerdings ein wenig meine Hand darüber halten. Die Berichte der Teilnehmer werden wir zur Verfügung stellen, allerdings nicht unzensiert, da wir Vergeltungsmaßnahmen verhindern möchten, sollte herauskommen, wer außer Brianna Kae und Eowyn El'mireth beteiligt gewesen ist. Das bisherige Vorgehen Vendars sollte hier in meinen Augen genug Erklärung sein - und letzten Endes kommt es nicht darauf an, wer beteiligt war, sondern nur, was geschehen ist. Seid Ihr damit einverstanden?"

Rornan wartete auf Kaveris Antwort, ging aber davon aus, dass sie nichts einzuwenden haben würde. Viel mehr konnte er ohnehin nicht anbieten, denn die Namen waren unverhandelbar, und auch Ahna würde herausgestrichen werden. Niemand wusste, wo diese Dokumente landen würden, da konnte der NRGD noch so sehr versichern, dass sie darauf acht geben würden. Nein, was die Sicherheit ihrer Leute anging würde weder Rornan noch der restliche Rat irgendein Risiko eingehen.

"Ich hätte allerdings noch ein Anliegen, Ritterin Kaveri", fuhr Rornan fort, als dieses Thema geklärt war. "Der Rat mischt sich eher selten darin ein, was das Thema Padawane angeht und wir sind uns dessen bewusst, dass gerade in Eurer besonderen Situation die Ausbilung eines Padawanes nicht wie üblich verlaufen kann, doch andererseits eröffnet es auch Möglichkeiten und Varianten. Erst kürzlich ist ein Mediziner unserem Orden beigetreten, welcher von seiner Machtsensitivität verständlicherweise recht überrumpelt scheint. Ihr habt einen ähnlichen Hintergrund mit Eurer vorherigen Ausbildung, und so weit wir es überblicken können, scheint Ihr auf dem Flimsi ein passendes Team abzugeben."

Der Rat griff zur Seite, ergriff in der Tat ein Flimsi mit Draen Tel'Sets Daten und schob es Kaveri hinüber.

"Er stammt von Tirahnn, einem kleinen Planeten am Rande des imperialen Raumes. Wir wünschen uns, dass Ihr ihn unter Eure Fittiche nehmt. Sollte sich nach der kommenden Mission herausstellen, dass wir uns geirrt haben und Ihr und er nicht zusammenfindet, so werden wir danach eine Lösung finden, aber versucht es bitte."

Der Rat hatte die berechtigte Vermutung, dass Kaveri sich eventuell ausruhen würde in ihrer Position als Mitglied beim NRGD und nicht in Betracht ziehen würde, einen Padawan auszubilden. Dennoch hätten sie ihr niemanden einfach aufs Auge gedrückt; wie Rornan gesagt hatte, war das nicht unbedingt der Stil des Rates. Doch in dem Moment, als Tel'Sets Daten unter seine Augen gekommen waren, hatte sich ein Gedanke entsponnen. Thornes Eindrücke des Anwärters bestätigten außerdem die Vermutung, dass Kaveri und er gut zusammenpassen konnten. Es war kein direkter Befehl - der Orden erteilte sehr selten direkte Befehle. Doch es war das, was bei den Jedi einem Befehl noch am nahesten kam.

Coruscant - Jedi-Tempel - Ratsebene - Rornans Büro, mit Arlen und Leela
 
Coruscant – Jedi-Tempel – Nebenraum der Pressekonferenz – Wes, mit Eowyn und Ian

Wes war sich nicht ganz sicher, was Eowyn meinte, dass sich über Fairness streiten ließe? Weil Ahna bereits den größtmöglichen Preis bezahlt hatte? War es das? Oder doch etwas anderes? Die eine Rätin hatte ihr Leben gegeben, die andere war nun an den Schwebestuhl gefesselt und musste die ganze Verantwortung allein tragen. Nur so eine vage Vermutung, nein, das konnte sie nicht wirklich denken. Obwohl Leute, die plötzlich mit einer Behinderung geschlagen waren, manchmal schon zu so düsteren Gedanken neigten. Im Endeffekt wusste er es nicht , aber vielleicht wäre es besser, wenn er ein Auge darauf hatte und von nun an aufpasste, ob da weitere Bemerkungen dieser Art folgten. Aber für den Moment wäre es wohl am klügsten, nicht zu sagen, fand er.

Eowyn stimmte dem Jedirat zu, dass es für das Imperium keinen Unterschied machte, wenn die Jedi sie wirklich rausschmissen. Sie meinte aber, für die Republik täte es das sehr wohl, schien aber bereit, sich der Ansicht der anderen Räte zu fügen. Nicht aber, wenn es darum ginge, sich im Tempel vor dem langen Arm des Imperiums zu verstecken. Nun machte es wirklich den Eindruck, als hadere sie mit ihrer Situation im Schwebestuhl. Lieber tot als ein Krüppel? War es das?


»Es stimmt schon, die Außenwirkung eines Rausschmisses wäre enorm. Aber wäre die auch positiv? Für mich wirkt das wie ein Schuldeingeständnis. Wir haben Mist gebaut. Also das Gegenteil von dem, was wir gerade eben versucht haben, der Öffentlichkeit zu vermitteln. Aber… ich weiß es ja auch nicht. So eine Situation hatten wir noch nie, seit ich mich irgendwie in der Nähe des Dunstkreises des Rates bewegt habe,«

Meinte der Tanaaber und tat es Eowyn gleich mit dem Schulterzucken. Dass die Frau sich nicht einsperren ließe war klar.

»Ja, das ist mir wohl bewusst – und wahrscheinlich kannst du's auch jetzt noch im Lichtschwertkampf mit mir aufnehmen.«

Wes grinste, als er auf seine legendär unterentwickelten Lichtschwertfähigkeiten anspielte. Eowyn bestätigte im Anschluss, dass sie Murrrar von seinem Versprechen erzählt hatte, die Ratsbeförderung nach der Mission wieder zurückzunehmen. Sie versteifte sich darauf, dass Ahna sich die blonde Tirahnnerin zwar als Nachfolgerin wünschen konnte, aber nicht die Entscheidung vorwegnehmen konnte, dass Eowyn im Rat verbleiben würde. Das war ja irgendwo die Voraussetzung dafür, die Schatten zu führen. Oder, war es das wirklich? Könnte nicht auch eine Meisterin die Schatten führen? Es gäbe andere Nachfolgeoptionen als Alexander, aber dazu konnte Wes nicht viel sagen. Dafür waren die Schatten zu… verschwiegen. Aber sie selbst käme schon wegen des Schwebestuhls nicht in Frage. Da war es wieder. Der Gizka wäre jetzt gefragt – und die Botschaft darauf ging besser in Erfüllung.

»Das mit dem Schwebestuhl ist aber nur eine vorübergehende Phase, oder? Was sagen denn die Heiler? Unternehmen die wirklich alles, was sie können?«

Der Taanaber war besorgt, weil es bei Eowyn so endgültig klang. Dass sie den Rest ihres Lebens an diesen Stuhl gefesselt sein würde. Er war fest davon ausgegangen, dass der Stuhl nur da war, weil die blonde Schatten ja bis vor kurzem ja noch bettlägrig gewesen war, auf dem Wege ihre Rekonvaleszenz.

»Außerdem könnten die Schatten doch sicher genauso gut von einer Meisterin geführt werden, oder? Ihr seid doch eh grundsätzlich anders als alle anderen.?«

Als Wes dachte, die Degradierung von Eowyn genauso groß aufzuziehen wie die Beförderung, damit es auch wirklich jeder mitbekam, bremste die Betreffende ihn ein. Ihr Blick sagte alles, dazu die kleinlaute Antwort, die wie von einem geprügelten Dackel klang. Sie wollte zwar degradiert werden, dass es aber auf diese Weise geschähe war ihr aber noch mehr zuwider als die Show-Beförderung von damals. Der Jedirat schwieg, während er darüber nachdachte.

»Nein, du hast recht. Eine Pressemitteilung von Rornan wird es wohl auch tun, schätze ich.«

Natürlich hieß das nicht, dass der Senat sie nicht vielleicht noch öffentlich in einer Anhörung auseinander nehmen würde, aber wenn die sich darauf einschossen, könnten die Jedi es so oder so nicht verhindern.

Die mysteriöse Schönheit von einer Padawan unterbrach ihr Gespräch, als sie ihm an Myas Stelle den Gizka brachte, was Eowyn Zeit verschaffte, nach Ian zu sehen, der gesundheitlich ja ebenfalls schwer angeschlagen war, auch wenn man es ihm, schick gemacht und in dem flotten Outfit, momentan so gar nicht ansah. Als die hochgewachsene und sich reichlich merkwürdig benehmende Dame wieder verschwunden war, nahmen sie den Faden wieder auf, so mehr oder weniger. Okay, wenn Eowyn mit einem offenkundig nicht gerechnet hatte, dann dass er ihr ein Stofftierchen mitbrachte. Von ihrem Blick her war er sich so gar nicht sicher, ob er einhundert Prozent ins Schwarze oder episch daneben gezielt hatte, aber sie nahm den Gizka an sich, und bedankte sich.

Wes versuchte, den Seufzer der Erleichterung möglichst unmerkbar ausfallen zu lassen. Ein Stein fiel ihm vom Herzen. Auf Umbara war es ihm total logisch erschienen. Erst auf Coruscant wurde ihm erst so richtig bewusst (auch: gemacht), wie viel da zwischen ihnen lag, was sie zu bewältigen hatten. Er beobachtete Eowyn, wie sie den Gizka betrachtete, und schwieg, hoffnungsvoll. Sie mussten doch zusammenstehen. Die Jedi würden es schwer genug haben, der Rat, die Missionsteilnehmer. Es würde so viel einfacher sein, wenn sie sich wieder versöhnten. Und tatsächlich: Wes' Herz hüpfte vor Freude, als die blonde Jedi zu einer Entschuldigung für ihr Verhalten ansetzte.

Inhaltlich stand sie nach wie vor dazu: das war so ein bisschen das Problem mit ihr. Niemand von außen konnte sie hart mit Eowyn umspringen wie sie zu sich selbst war. Sie legte unfassbar hohe Maßstäbe an sich selbst an. Wes selbst war eher so gewesen, er war jetzt Rat und versuchte dem gerecht zu werden und wenn er sich bemühte war es schon okay. Eowyn schien irgendwie immer zu denken, dass egal wie sehr sie sich bemühen, sie niemals gut genug sein würde, für eine ganze Menge Dinge, und das war so unfassbar schade.

Recht hatte sie sicherlich damit zu sagen, dass der Jedi-Rat sich ihr gegenüber ganz schlecht verhalten hatte und das war hauptsächlich seine Schuld. Wes hatte alles Fäden in der Hand gehabt. Er hatte von der Duval-Sache gewusst, er war bei der Ratssitzung anwesend gewesen, als Joseline die Idee der Beförderung aufbrachte, nur den Mund hatte er nicht aufbekommen, weder in die eine noch in die andere Richtung. Das war weder bemüht gewesen noch okay.

Eowyn sprach von ihrer daraus folgenden Enttäuschung und dem Schock. Mit dem Wissen der seitdem vergangenen Zeit, den Bekenntnissen und der Erkenntnis, dass ihr Bild von sich selbst nicht Duvals Werk gewesen war, konnte er sich nun besser in sie hineinversetzen. Sie entschuldigte sich dafür, ihn so hart angegriffen zu haben und sagte, dass es ihr leid tat. Da war sie nun sicher nicht die einzige! Wes lächelte versöhnlich.


»Entschuldigung angenommen. Ich habe selbst genug Grund, dich um Verzeihung zu bitten. Vielleicht der ganze Rat ein bisschen, aber ich ganz besonders. Ich hab das verbockt. Du hast mich in's Vertrauen gezogen und bin dem nicht gerecht geworden. Hab nicht für deine Anliegen eingestanden, als ich es hätte tun sollen. Ja, ich hab dich damals als zu emotional empfunden, dass du überreagierst. Aber auf der anderen Seite war ich derjenige, der zu wenig emotional war, zu unsensibel,«

Bekannte er und sah sie mit großen Augen an. Er versuchte zu ergründen, wie er bei ihr ankam und begann mit der Erklärung, der Aufzählung seines Sündenregisters oder zumindest der schwerwiegendsten.

»Eigentlich war seit geraumer Zeit klar gewesen, dass wir dich als Kandidatin für eine Rätin sahen. Nach der Sache mit Duval wäre die normale Reaktion sicherlich gewesen, man stellt die Beförderung zurück, setzt dich auf Bewährung und beobachtet dich für eine Weile. Aber mit der Virusmission. Es gab Bedenken, dass eine einfache Jedi nicht wertvoll, nicht wichtig genug wäre, und oh, wir wollten Eowyn doch ohnehin befördern, klang wie die perfekte Lösung. Was du von hältst: egal. Wir waren so auf die Mission fixiert und haben den Menschen dahinter vergessen. Was das für dich bedeutet, darüber hat niemand nachgedacht und gerade ich hätte wissen müssen, dass es ein Problem für dich sein würde – und keine Anerkennung.«

Wes richtete den Blick nach unten. Gedankenlos war er gewesen. Er konnte ja noch nicht einmal behaupten, sie falsch eingeschätzt zu haben, er war einfach überhaupt nicht auf sie eingegangen. Hatte ignoriert, wie sie sich fühlte. Mehr noch, sie von oben herab behandelt wie der gestrenge Vater.

»Als deine Reaktion dann nicht so ausfiel wie erwartet, hab ich dich wie ein kleines Kind behandelt und das tut mir leid. Ein ›wie kann sie es wagen, unsere schönen Pläne zu stören, die wir in unserer Weisheit beschlossen haben‹. Das ist genau die Art von Überheblichkeit, die man dem Rat oft unterstellt und ich hätte mir nicht träumen lassen, dass ausgerechnet ich das unrühmliche Beispiel sein würde. Noch dazu gegenüber einer Freundin, einer Vertrauten, die vieles gebraucht hätte, aber nicht, den Kopf gewaschen zu bekommen. Dabei fühlte ich mich so gnädig, so großherzig, dir deine Verfehlungen so bereitwillig vergeben zu haben. Und dass die Mission doch so viel wichtiger wäre, als alles, was der oder diejenige im Einzelnen dazu zu sagen hätte. Ich war so blind! Das soll jetzt gar keine Rechtfertigung sein, ich stand während der Krise so unter Strom und du hast es abbekommen. Und wie der Rancor im Porzellanladen hab ich eine Menge Dinge kaputt gemacht und muss nun damit leben, dass sich manche davon nicht mehr kitten lassen.«

Der Taanaber schwieg für eine kurze Weile, bevor er mit sanftem Tonfall fortfuhr:

»Ich denke immer noch, dass du eine Bereicherung für den Rat wärst. Eine Frau, die Ansichten und Fähigkeiten mitbringt, die uns jetzt fehlen. Aber das ist jetzt viel schwieriger, auch meinetwegen. Es tut mir leid. Mein bevormundendes Verhalten, meine Arroganz und mein Mangel an Sensibilität haben uns dorthin gebracht, wo wir jetzt stehen. Ich bitte dich um Verzeihung – mit einer Krise überstanden und einer neuen, die gerade beginnt. Auf einen neuen Anfang vielleicht? Und ein Gläschen Fingerkraut?«

Coruscant – Jedi-Tempel – Nebenraum der Pressekonferenz – Eowyn und Wes
 
Coruscant – Jedi-Tempel – medizinischer Flügel, Q'Tahems Zimmer – Q'Tahem und Brianna

Bei der Erwähnung der Begegnung mit Sedros klingelte bei Q'Tahem etwas, aber ein Abyssin? Brianna hatte keine Ahnung, wie die aussahen, aber es war wohl jemand anders, denn ihre unfreiwililge Bekanntschaft war ein Angehöriger der Sith-Spezies.

„Nein. Ein Sith-Sith, ein Schüler von Kira offenbar. Sedros hieß er,“

Klärte sie ihn auf. Als der Nautolaner meinte, dass er anstatt eher lieber gar nicht auf Bastion gewesen wäre, kam sie sich mit einem mal ziemlich dumm vor. Natürlich, das war ein blöder Wunsch gewesen, und egozentrisch, wenn sie sich Q'Tahem mit seinen Blessuren ansah, Kestrel, der es noch dramatisch schlechter ging und Sarissia, die es wohl nicht geschafft hatte. Brianna spürte, wie sie rot anlief. Jetzt ohne Makeup konnte frau das auch wieder so gut beobachten.

„Oh ja, klar. Gar nicht wäre natürlich am allerbesten gewesen,“

Gab sie zu. Als die Silberhaarige auf Kestrel zu sprechen kamen, wurden sie beide traurig. Einige Augenblicke lang schwiegen sie beide. Q'Tahem sah in die Richtung des Nachbarzimmers, wo die komatöse Jedi-Meisterin behandelt wurde und Brianna dachte an ihre gemeinsame Reise. Loronar, Korriban, Naboo, Alzoc III. Jede dieser Stationen hatte die klein gewachsene Coruscanti geprägt und nun kämpfte sie auf ihrer Geburtswelt um ihr Überleben. Flüsterleise seufzte der Jedi, wie viel sie durchgemacht hatte und schilderte einen Weg, der dem ihren stark ähnelte.

„Wir waren gemeinsam in Sith-Gefangenschaft auf Korriban. Für mich war es hart, aber sie hatten sie noch viel schlimmer behandelt. Nach unserer geglückten Flucht ging es mir ganz ähnlich wie dir. Selbstzweifel. Ich dachte, aus mir würde niemals eine Jedi werden. Die ganze Palette. Ich wünschte, ich hätte bei euch bleiben und euch unterstützen können. Jetzt in der Trance ist es schwierig, ihr zu helfen und sie einfach so rauszuholen wäre gefährlich. Ich werde nach ihr sehen und mich um ihre körperlichen Verletzungen kümmern, aber ihr Geist, ihre Willenskraft…“

Brianna vollendete den Satz nicht; ihr Gegenüber wusste vermutlich auch so, was gemeint war. Er fragte, ob es denn der Wille der Macht sein konnte, dass sie diesen Leidensweg durchschritt. Schon wieder, fügte die Echani gedanklich hinzu, schüttelte denn aber den Kopf.

„Ich weiß, viele Jedi sind überzeugt davon, aber ich glaube nicht, dass die Macht wie eine Person mit eigenen Willen und Plänen und einer Agenda ist. Sie ist, was wir daraus machen. Das soll jetzt nicht heißen, dass sie ein bloßes Werkzeug wäre, aber unser Schicksal wird nicht von ihr vorherbestimmt, das ist nicht wahr,“

Gab sich Brianna überzeugt. Dass sie dafür Sorge tragen würden, dass die Heilerinnen anständig um Kestrel kümmern würden, beruhigte Q'Tahem wieder und sie kamen auf angenehmere Themen zu sprechen. Er hatte scheinbar genausowenig wie sie gewusst, dass Sane aus einer bedeutenden Bastioner Adelsfamilie stammte.

„Oh ja! Er heißt eigentlich Sane von Kath, seine Familie ist reich und im Transportgewerbe tätig, aber leider sind sie wohl glühende imperiale Loyalisten. Er scheint der einzige Lichtblick in seinem Hause zu sein, aber einer ist immerhin besser als keiner,“

Fand die Silberhaarige. Als sie von den Kindern von Bastion erzählte, begann Q'Tahem sofort mit zu überlegen, wie sie Samin und diese wohl aufspüren konnten, und er hatte einige Vorschläge.

„Den Schiffsnamen! Wieso hab ich danach nicht gefragt?“

Ärgerte sie sich.

„Ich hätte versucht, eine Geheimdienstakte über sie zu finden, oder Spuren im imperialen Holonet zu suchen. Ich hab immer noch ein Konto bei ImpTok, was denen ihr Pendant zu Hologram ist, mehr oder weniger. Oder es tauchen Spuren der Kinder auf… ich kann nur hoffen, dass die Imperialen die Suche nach ihnen aufgegeben haben.“

Alleine konnte sie mit den Ressourcen des Imperiums nicht mal im Ansatz konkurrieren, wenn es darum ging, eine fahnenflüchtige Ex-Militär zu suchen, und sie besaß ja auch gar nicht deren Informationen. Sie überlegte, was sie sonst noch tun konnte, während Q'Tahem an sein Komlink ging. Er berichtete von einem Ghul-Virus auf Thearterra und einer Mission, um ein Gegenmittel zu finden. Irgendwie klang das ein wenig wie ihre eigene Mission nach Bastion…

„Meinst du das Rak'ghoul-Virus?“

Fragte Brianna, denn das war das einzige, das ihr etwas sagte, von Taris her und ihrer Katastrophen-Mission dort. Thearterra wiederum war ihr von Kestrels Nachrichten ein Begriff und der Nautolaner hatte es vorhin ja ebenfalls erwähnt.

„Das wenige, was ich von Thearterra weiß, weiß ich von euch. Jedenfalls nichts positives… und als imperiale Welt auch sonst kein Ort, den ich momentan besuchen sollte…“

Coruscant – Jedi-Tempel – medizinischer Flügel, Q'Tahems Zimmer – Q'Tahem und Brianna
 
Coruscant – Jedi Tempel – Krankenstation – mit Riuen

Elise ließ den Blick einen Moment auf ihm ruhen, als dieses kurze Aha kam. Es war kein Einverständnis gewesen, das hörte man. Eher die Stelle, an der Riuen die Tür zu diesem Thema schloss, weil er seine Meinung gesagt hatte und nicht vorhatte, sie noch einmal in alle Einzelteile zerlegen zu lassen. Sie kannte diesen Ton inzwischen gut genug. Er war weder beleidigt noch uneinsichtig. Er wollte einfach weiter.

Sie ließ es zu.

"Schon gut", sagte sie und stellte die inzwischen kalte Tasse auf das Tablett zurück. "Die Stirn heb dir lieber für die nächste Wand auf."

Als er die Hand anhob und von seiner Selbstüberschätzung sprach, wurde ihr Blick ernster. Sie sah kurz auf die mechanische Prothese, dann zurück in sein Gesicht.

"Ich habe die Hand nicht erwähnt, um dir irgendeine Schuldrechnung hinzulegen", sagte sie ruhig. "Ich wollte dir sagen, warum ich die Leute auf der Liste nicht als abstrakte Hilfe sehen kann. Das ist alles."

Ihre Stimme blieb fest, ohne scharf zu werden.

"Du darfst deine Meinung behalten. Ich versuche sie dir auch nicht wegzunehmen. Wir erklären Tenia, Kestrel und Q'Tahem, worum es geht. Vollständig. Dann entscheiden sie selbst. Damit ist der Punkt für mich erledigt."

Sie ließ sich einen Moment tiefer in das Kissen sinken. Die Bewegung wirkte klein, aber ihr Körper nahm sie sofort als Anlass, sich mit einem dumpfen Ziehen in Schultern und Rücken zu melden. Elise zog kaum sichtbar die Luft ein und wartete, bis es nachließ. Sie hatte sich vorgenommen, wach zu bleiben, und sie würde sich von ein paar erschöpften Muskeln nicht schon wieder aus ihrem eigenen Gespräch drängen lassen.

Riuens Frage nach ihrem Zustand kam erwartbar. Diesmal hörte sie darin keine Provokation. Er wollte wissen, was sie auf Thearterra tatsächlich leisten konnte, und das war eine Frage, die sie beantworten musste, bevor sie morgen bei Eowyn auftauchten.

"Ja", sagte sie ohne Umschweife. "Mein Zustand wird sich bis zur Abreise verbessern."

Sie sah ihn dabei direkt an.

"Seit ich aufgewacht bin, ist es schon um Längen besser. Der Zusammenbruch, die Krämpfe, dieses ständige Gefühl, dass etwas an mir zieht, sind leiser geworden. Es ist noch da. Ich spüre es tief genug, dass ich es nicht vergessen kann. Aber der Parasit hält sich zurück."

Ihre Finger glitten über die Decke, blieben an einer Falte hängen und strichen sie glatt.

"Es fühlt sich an, als wäre er in eine Art Schlaf gefallen. Oder als hätte mein Körper ihn weit genug zurückgedrängt, dass er gerade keine Kraft mehr findet, wieder nach oben zu kommen. Egal was es ist, dieses Momentum würde ich gerne nutzen."

Das war keine medizinische Diagnose. Sie wusste selbst, dass die Heiler beim Wort Schlafmodus vermutlich mit Pads und Scannern über sie herfallen würden. Es war ihr Eindruck. Ihr Körper. Ihr Feind. Sie hatte lange genug in diesem Zustand gelegen, um zu merken, wann sich etwas in ihr verschob.

"Bis morgen stehe ich wieder auf", fuhr sie fort. "Dann gehe ich mit dir zu Eowyn. Auf meinen eigenen Beinen. Wir führen das Gespräch gemeinsam und wir gehen dort mit einem Plan hinein."

Sie hob eine Hand, bevor er ansetzen konnte.

"Der Plan enthält mich."

Es war keine große Ansage. Elise sprach den Satz so aus, wie sie auch feststellte, dass ein Verband gewechselt werden musste oder eine Tür verschlossen war. Eine Tatsache, die keinen weiteren Schmuck brauchte.

"Ich werde die Mission mit anleiten. Du hast die taktische Übersicht, die Kontakte und den Blick dafür, wie wir Leute zusammenbringen, ohne dass daraus eine Wandergruppe mit Todeswunsch wird. Ich kenne Thearterra."

Ein kurzer Atemzug, dann sprach sie weiter.

"Ich sitze dort nicht im Shuttle und drücke jemandem aus der Ferne die Daumen."

Ihre Mundwinkel zuckten nur kurz. Dann wurde sie wieder ernst.

"Wir teilen die Führung. Du planst den Einsatz mit mir. Wir besprechen jeden Schritt, bevor wir ihn gehen."

Sie ließ den Blick zu dem Comlink wandern, auf dem die Nachrichten längst abgeschickt waren. Es fühlte sich merkwürdig an, dass irgendwo in der Galaxis vielleicht gerade jemand diese Zeilen las. Vielleicht war Tenia im Einsatz. Vielleicht Kestrel auf einem Schiff, in einer Bibliothek oder irgendwo, wo es noch nach normalen Dingen roch. Vielleicht las Q'Tahem die Nachricht und nahm sich Zeit, bevor er antwortete.

Elise wusste nicht, wer von ihnen kommen würde. Sie wusste nur, dass sie sie brauchten.

"Eowyn bekommt denselben Überblick. Sie kann auf Lücken hinweisen. Sie kann uns Kontakte nennen. Sie kann auch sagen, dass sie es für eine schlechte Idee hält. Das Gespräch führen wir trotzdem. Morgen."

In ihrer Stimme lag jetzt etwas, das keinen Raum für Verhandlungen ließ. Sie war müde, das sah man ihr an. Ihre Augen lagen tiefer als gewöhnlich, die Haut war noch immer zu blass, und jede längere Bewegung hatte diese vorsichtige Langsamkeit bekommen, die Menschen annahmen, wenn der Körper nicht mehr selbstverständlich mitmachte. Aber ihre Gedanken waren klarer geworden. Seit dem Erwachen hatte sie Stück für Stück etwas von sich zurückbekommen.

"Eigentlich brauchen wir nur ihre Freigabe" sagte sie dann mit verschränkten Armen.

Coruscant – Jedi Tempel – Krankenstation – mit Riuen
 
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Coruscant - Jedi-Tempel - Nebenraum neben Pressesaal, mit Wes und Ian

Ich weiß es auch nicht, zuckte Eowyn hilflos mit den Schultern. Ich bin... die Frau fürs Machen, nicht die fürs Diplomatieren. Behalte es einfach im Hinterkopf. Wenn Wes Bescheid wusste, dass sie bereit dazu bereit war, den Orden zu verlassen falls notwendig, konnte er es bei Bedarf anbringen, falls man sie bei entsprechenden Themen wieder ausschloss. Zumindest, wenn er es weitertrug. Das gab ihr einen kleinen Stich - vollkommen sicher war sie sich dessen nach allem, was geschehen war, nicht mehr. Und das... schmerzte. Sie musste dieses Vertrauen in ihn und den Rat dringend wieder aufbauen, sonst hatte sie hier keine Zukunft mehr; was definitiv nicht das war, was sie wollte. Es lag an ihr selbst, daran zu arbeiten.

Wes' Versuch, sie aufzuheitern, war ehrenhaft, aber zum Scheitern verurteilt. Trotzdem lächelte Eowyn dünn.
Das wage ich doch sehr zu bezweifeln. Wes Stärke war die Verteidigung, und nachdem sie nun nicht mehr wirklich angreifen konnte... nun ja, ein Duell zwischen ihnen beiden wäre so langweilig und Fehl am Platz wie ein Wasserblobspiel auf Tatooine. Er blies dann in ein ähnliches Horn wie Brianna - taten die Heiler wirklich alles, was sie konnten?
Nun ja, Trümmerbrüche zweier Wirbel sind nun nichts, was im Vorbeigehen geheilt werden kann, wenn überhaupt... also ja, man wird sehen. Noch ist die Hoffnung aber nicht verloren, es sind ja auch erst ein paar Tage... Ich denke schon, dass die Heiler alles versuchen. Es würde aber jemanden wie Brianna, Chesara - oder eben Ian brauchen, vermutete Eowyn, aber sie sprach es nicht laut aus. Ian fiel es ohnehin schon schwer genug, dass er ihr aktuell nicht helfen konnte, da musste sie nicht noch das Messer in der Wunde herumdrehen. Außerdem... Er würde es auch in ein paar Wochen noch versuchen können, wenn sich bis dahin nichts getan hatte.
Und zumindest hatte sie mehreren Leuten versprochen, dass sie kämpfen würde - und seit gestern wollte sie es auch selbst. Sturn durfte nicht gewinnen. Und wenn das bedeutete, dass sie wieder laufen lernen musste - dann musste sie alles daran setzen. Der Echani würde es womöglich nie erfahren, sie wusste nicht, wie sein Zustand war, aber
sie würde es wissen.

Dann aber schüttelte sie den Kopf.
Von einer Meisterin, vielleicht. Ausnahmsweise. Von einer Meisterin, die einmal Rätin war? Ich glaube, das ist zu viel. Wir brauchen jemanden, der klar und deutlich führt, jemanden der sich nicht scheut, die Meinung zu sagen, jemanden, der in der Lage ist, moralisch zu balancieren, und vor allem jemanden, der das Vertrauen des Rates besitzt - und das der anderen Schatten. Wie können sie jemandem vertrauen, bei dem sie nicht sicher sein können, ob der Rat genug vertraut? Nein, in dem Fall wären die Schatten geschwächt, und schwache Schatten bedeuten einen schwachen Orden - und damit eine schwache Republik. Manchmal beginnen Instabilitäten in den ganz kleinen Details, und wir können uns jetzt garantiert kein bisschen mehr Schwanken erlauben. Sie schwankten ohnehin schon wie eine Nussschale auf Mon Calamaris Ozeanen, da durften sie nicht noch offene Risiken eingehen.
Sollte der Rat ihrer Degradierung zustimmen, so war die Vorstellung davon, erneut vor Kameras zu treten, katastrophal, aber Wes schwieg einen Moment - und lenkte dann ein. Eowyn konnte sich ein leichtes Ausatmen nicht verkneifen.
Danke, sagte sie schlicht leise. Wahrscheinlich war das heute nicht ihr letzter Auftritt gewesen, aber... sie war dankbar über jedes Mal, das sie nicht wieder vor die Kameras treten musste.

Das alles aber rückte in den Hintergrund, als sie dasaß, mit diesem Gizka in den Händen, und alleine im Raum mit ihrem alten... Tja. Wasauchimmer. Aber sie wollte nicht, dass es bei diesem "wasauchimmer" blieb. Bastion und Kast hatten ihr so viel genommen, und... war ihr Streit nicht irgendwie auch darauf zurückzuführen, zumindest zum Teil? Ihre Entschuldigung war miserabel, das bemerkte sie selbst, sie erklärte nicht genug, entschuldigte nicht genug und überhaupt, sie
konnte das besser, aber diese Konferenz war furchtbar lang gewesen, sie selbst unglaublich müde nach den Nächten voller Alpträume, und die Schmerzen... vielleicht durfte sie nicht so hart mit sich selbst sein. Und hoffentlich verstand Wes einfach, was sie sagen wollte.

Danach sah es aus. "Entschuldigung angenommen" - und ein Lächeln. Vorsichtig gab sie das Lächeln zurück, aber für Wes war es wohl nicht genug, nur ihre Entschuldigung anzunehmen. Und ja... natürlich, sie hatten beide Fehler gemacht. Aber vor allem... es tat
verdammt gut, dass er verstand, wieso sie so reagiert hatte. Sicher, es war eine katastrophale Reaktion gewesen, und nun, Monate später, fragte Eowyn sich selbst, wieso sie so explodiert war. Andererseits... ihre Lage und Position war nun einmal wirklich nicht einfach gewesen.
Mit leicht schiefgelegtem Kopf hörte sie zu, wie Wes seine ganznen Verfehlungen auflistete - das war wirklich weitaus mehr als ihr "Es tut mir Leid", und auch mehr als ein "Ich habe auch Fehler gemacht". Nein, er entschuldigte sich ausführlich, und zum ersten Mal, mit diesem Abstand, mit diesem Eingeständnis, dass die
normale Reaktion auf ihr Verhalten mit Duval eben eigentlich wirklich ein weiteres Beobachten gewesen wäre... fiel es ihr wesentlich leichter, alles zu verstehen. Verdammt, wieso hatte Wes nicht schon damals eingeräumt, was er ihr eben erklärte? Garantiert wäre sie dennoch verletzt gewesen, aber... sie hätte es besser verstanden. Sie hätte sich nicht so hintergangen gefühlt... Und ja. Er schaffte es, in Worte zu fassen, wie sie sich gefühlt hatte, ohne, dass sie es ihm erklären musste. Es war Überheblichkeit und Entscheidungen über ihren Kopf hinweg gewesen, die sie von Wes schlicht nicht erwartet hatte. Auch nicht vom Rat, aber... besonders nicht von Wes. Es war ihr beinahe wie Verrat vorgekommen, und das... hatte leider nicht dazu beigetragen, die Situation zu deeskalieren. Auch, wenn sie eben nicht so hätte reagieren dürfen...
Aber er hatte recht. Sie hatte ja gesehen, was er alles hatte erledigen müssen. Sie hatte sich Sorgen um ihn gemacht, sie hatte längst gemerkt gehabt, dass er über seine Grenzen hinaus geackert hatte. War es da ein Wunder, wenn er nicht mehr immer und überall alles im Kopf hatte haben können? Wenn er manchmal versucht hatte, einfache Wege zu finden? Und wenn er einfach auch mal
nicht mehr hatte verständnisvoll sein wollen?

Da war plötzlich so viel Verständnis für sein Verhalten. Eowyn konnte auf einmal sehen, wie es für ihn hatte gewesen sein müssen. Das machte es nicht grundsätzlich wieder gut - aber viel einfacher, es zu begreifen, zu verzeihen und voranzugehen. Sie war so sicher gewesen, dass dieser Bruch zwischen ihnen nicht mehr zu kitten war, weil das grundsätzliche Verständnis für sie in diesem Gespräch so vollkommen gefehlt hatte. Selbst bis nach Bastion, bis in ihr letztes Verhör, hatte dieser Konflikt sie beschäftigt. Aber das hier? Das war so viel mehr, als sie je erwartet hätte, und sie drückte den armen Gizka unbewusst zusammen.
Eowyn rang nach Worten. Was sollte sie darauf sagen? Wie sollte sie klarmachen, was gerade in ihr vorging? Sie verstand es ja selbst nicht wirklich, weil nach dieser Pressekonferenz ein solches Gespräch eigentlich viel zu viel war. Aber bevor sie auch nur irgendetwas sagen, irgendwelche Worte finden konnte, sprach Wes schon weiter.

Und zum allerersten Mal sprach er aus,
warum man sie im Rat haben wollte. Oder zumindest, warum er es wollte. Damals hatte sie ihn gebeten - und er hatte ihre Frage ignoriert. Es war noch immer keine größere Erklärung, aber es war immerhin etwas. Und zum allerersten Mal... nahm sie es ihm auch ab. Seine Worte klangen dieses Mal so ehrlich und überzeugt, dass es gar nicht anders ging.
Eowyn musste ihre Augen schließen und atmete zitternd einmal tief ein. Er meinte es ernst. Vermutlich hatte sie ihnen allen Unrecht getan. Es war... wohl wirklich so gewesen, wie er es sagte. Der Zeitpunkt war nun einmal
völlig falsch gewesen, die Art und Weise ebenfalls, was zu ihrer Annahme geführt hatte, dass alles nur ein Schauspiel, Schein und einfach nicht richtig sein konnte, aber... letzten Endes vermutlich einfach nur grandios miserable Misskommunikation.
Nein, sie fühlte sich nicht bereit. Nein, sie fand nicht, dass sie in den Rat gehörte. Aber - anscheinend empfand der
Rat das, oder hatte es zumindest damals so getan. Und dazu hatten sie das gleiche Recht wie sie, es nicht so zu sehen.

Eowyn kämpfte gegen die Tränen, die hinter ihre geschlossenen Augenlider traten. Zu viel. Alles war zu viel. Diese Erklärungen von Wes, seine so empathische Entschuldigung, sie brachten einiges ins Wanken, und das, wo sie ohnehin nach dem gestrigen Tag bei Elise und den Ereignissen eben völlig durch war. Aber noch einmal so emotional werden? Unmöglich. Sie musste sich besser im Griff haben... Auch, wenn sie keine Rolle mehr vor anderen spielen wollte, sondern sie selbst sein; sie war trotzdem eine Jedi, und Jedi hatten sich im Griff...
Als sie das Gefühl hatte, ihre Augen besser unter Kontrolle zu haben, öffnete sie sie wieder und sah Wes mit einem ehrlichen, erleichterten und dankbaren Lächeln an. Etwas, das seit Bastion so gut wie gar nicht mehr vorgekommen war.


Sehr, sehr gerne, erwiderte sie schließlich voller Nachdruck auf Wes' letzte zwei Fragen und zuckte dann hilflos mit den Schultern. Auch wenn du mein Gläschen gerne haben kannst, das Zeug... ist nicht wirklich meins. Es schüttelte sie immer noch, wenn sie an ihre letzte Kostprobe davon in Wes' Büro dachte.

Ich... danke, Wes. Einfach... danke. Sie sah ihm fest in die Augen. Ich weiß nicht, ob du ahnst, wie viel deine Worte mir bedeuten, und ich... verstehe es jetzt so viel besser. Deine Lage damals war wirklich... katastrophal, ich weiß das ja. Eigentlich. Aber ich war wohl zu blind, das im Zusammenhang zu sehen, weil ich selbst so unter Druck stand. Ich hätte... besser zuhören sollen. Ruhiger nachfragen... und mehr vertrauen. Sie rieb sich die Stirn. Seit meiner Rückkehr in den Orden nach meiner Abwesenheit hatte ich nicht immer das Gefühl, dazuzugehören, und dann meine ganzen verlorenen Padawane... Und ich hatte... ja, ich hatte eine verfluchte Angst in der Zeit vor Bastion, Wes. Um Ian, um die Republik, und... leider auch um mich. Absolut undjedihaft, schließlich... gab es keinen Tod. Aber seit Va'art... ihr Nahtoderlebnis hatte sie nie losgelassen, und mit dieser lebensgefährlichen Mission vor der Nase war es natürlich nicht einfacher geworden. Deshalb... habe ich wohl nicht zugehört. Und mir auch nicht vorstellen können, dass ihr es ernst meint, nach meinem Versagen. Dass es nicht nur dahingesagt ist, weil es gerade passt, ich kam mir vor wie eine Dejarikfigur. Ich... verstehe zugegeben immer noch nicht, warum ihr es ernst meint. Ein wenig hilflos und lächelte sie Wes an. Aber... vielleicht muss ich nicht alles verstehen. Vielleicht reicht akzeptieren...

Eowyn atmete tief durch. Noch etwas, das sie wieder durchrüttelte. Sie musste ihren Kompass neu ausrichten. Lernen, dem Rat wieder zu vertrauen. Mit ihm zusammenzuarbeiten. Und - sich als Teil von ihm zu sehen, ob sie es wollte oder nicht. Denn es lag nicht mehr länger in ihrer Hand, und auch nicht unbedingt in der vom Rat. Sie würden abwägen müssen, welches Vorgehen für die Republik am besten war, nicht, was sie sich wünschte. Aber ich warne euch... Ein winziges, schiefes Grinsen erschien auf ihrem Gesicht. Ich werde mich bemühen, mich zusammenzureißen, aber... ich bin, wer ich bin. Sie war niemand, der dem lieben Frieden willen zustimmte, oder sich gerne unterordnete, wenn es in ihren Augen keinen Sinn ergab. Genauso konnte sie mittlerweile aber leider nicht abstreiten, dass sie für eine Jedi zu emotional war. Doch der Rat wusste eigentlich, worauf sie sich eingelassen hatten - zumindest behaupteten sie das. Vielleicht... kannst du mir ja bei Gelegenheit einmal zeigen, was meine Aufgaben wären... Die offen-versteckte Zusicherung an Wes, dass sie sich nicht mehr sträuben würde, ihren Sitz zu akzeptieren.

Coruscant - Jedi-Tempel - Nebenraum neben Pressesaal, mit Wes
 
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