Coruscant

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Langsam nickte Arlen, während er mit ernstem Gesichtsausdruck Rat Elliundis Antwort auf seine Anfrage lauschte. Der Quermianer erklärte einerseits, dass er Arlens Offenheit schätzte, andererseits bereitete sie ihm Kopfzerbrechen. Das war nachvollziehbar. Nach dem Gespräch, das sie vor drei Monaten geführt hatten, wäre alles andere überraschend gewesen. Während er weitersprach, hörte Arlen zu, die Arme verschränkt. Einen Moment später kam der Quermianer schließlich zu einem Urteil.

Kurz schloss Arlen die Augen, als Rat Elliundi verkündete die Mission erlauben zu wollen. Er kam nicht umhin aufzuatmen. Es war ein Vertrauensbeweis, genauso wie ein Zeichen, dass Arlen seine Worte gut gewählt hatte. Es würde also weitergehen, er würde seine Talente ein weiteres Mal in den Dienst der Neuen Republik stellen können. Sehr bald schon.

Nachdrücklich erklärte Rat Elliundi, dass Arlen im Zwischenspiel mehrerer Organisationen Fingerspitzengefühl beweisen müssen würde. Arlen nickte. Und sollte er sich jemals in einem moralischen Dilemma wiederfinden, sollte er nicht zögern, zum Rat oder einer anderen Vertrauensperson zu gehen. Erneut nickte Arlen.
„Ich danke Euch für Euer Vertrauen. Ich werde Eure Worte im Hinterkopf behalten.“, erklärte er. Nun endlich wandte der Gesprächsfokus sich Ritterin Kaveri zu.

Überrascht sah Arlen auf, als Rat Elliundi sie mit dem Rang ‚Lieutenant‘ ansprach. Einen Moment später stieß er jedoch schon belustigt einen Schwall Luft durch die Nase aus. Das hätte er sich ja denken können. Der Quermianer hatte sie als jemanden beschrieben, die den Weg bereits beschritten hatte, den er anstrebte. Doch eine Enthüllung hatte der Quermianer noch in der Hinterhand: Sie würde Voorpaks Einsatz ebenfalls beiwohnen. Arlen warf ihr einen Blick zu.

Bestätigend ging Ritterin – Lieutenant – Kaveri auf die Worte des Rates ein. Sie unterstrich, dass ‚nicht leicht‘ vermutlich noch untertrieben war, sie am Ende des Tages jedoch alle dasselbe Ziel verfolgten. Arlen nickte.
„Die Erfahrung habe ich auch schon gemacht.“, erklärte er und dachte für einen Moment an sein Verhältnis zu Voorpak auf Kelada zurück. Noch immer kannte er den echten Namen des Mannes nicht und doch hatte er sich immer auf ihn verlassen können. Er hoffte, dass es auf der nächsten Mission genauso sein würde.

Lächelnd fuhr er fort:
„Ich freue mich darauf, mit Euch zusammenzuarbeiten, Lieutenant. Wenn das in Ordnung ist, würde ich mich bei Fragen zum…Fingerspitzengefühl gerne an Euch wenden.“

Aufmerksam musterte Arlen seine neue Kollegin. Daher entging ihm auch nicht das kurze Zögern, bevor sie zum nächsten Thema überging. Einen Moment später verstand er, warum und fand sich in derselben Situation wieder, in die seine Offenheit kurz zuvor Lieutenant Kaveri gebracht haben musste. Nun kam sie nämlich Informationen um die Ecke, von denen er ziemlich sicher war, dass sie ihn nichts angingen.

Unbehaglich brummend lehnte er sich in seinem Stuhl zurück. Natürlich wusste er von der Mission nach Bastion und in welche Erklärungsnot sie den Rat gebracht hatte. Er hatte die Pressekonferenz geschaut und gesehen, was für ein Rudel Raubfische dort unter den anwesenden Reportern gesessen hatte. Er konnte froh sein, dass er kein Interview über Kelada hatte geben müssen. So wie man Rätin El’mireth angegangen war, hätte man Arlen mit Haut und Haar verspeist. Hoffentlich hatte Rat Elliundi nicht doch noch so etwas auf der Agenda.

Entschuldigend warf Lieutenant Kaveri ihm einen Blick zu und zuckte mit den Schultern, nachdem sie ausgesprochen hatte. Arlen schmunzelte. Das war wirklich ein spaßiges Meeting für alle Beteiligten. Da war dann auch direkt der Beweis, wie eine Doppelfunktion zwischen NRGD und Jedi-Orden sein konnte. Er verkniff sich ein Lächeln. Hier saß sie nun und musste bei Rat Elliundi anfragen, welche Informationen sie der einen Fraktion über die andere geben durfte.


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Coruscant - Jedi-Tempel - Ratsebene - Rornans Büro, mit Arlen und Leela

Gut, dass Rornan nun Ritterin Kaveri mit einbinden konnte. Im Normalfall hätte er sie innerhalb des Ordens nicht mit ihrem Titel beim NRGD angesprochen, doch in diesem Fall machte er eine Ausnahme - so war schnell deutlich, weshalb die Frau hier bei ihnen saß. Er lächelte ihr dünn zu.

"Nein, Eure Ausdrucksweise ist recht zutreffend, wie ich finde."

Es war ein Tanzen auf einem sehr schmalen Grat, zwei Fraktionen anzugehören, aber was er bisher gehört hatte, lief es bei Ritterin Kaveri ganz annehmbar.
Merillion kam schnell über seine Überraschung hinweg und bat um was, was Rornan indirekt im Sinne gehabt hatte. Kaveri sollte ihn ein wenig unter ihre Fuchtel nehmen, was das Agieren als Doppelpersonal anging, und diese Mission bot sich dafür an. Selbstverständlich war Ritterin Kaveri ihm nicht weisungsbefugt, aber es schadete nicht, wenn er jemanden hatte, an den er sich wenden konnte.

Und schon lag dieses ominöse Fingerspitzengefühl direkt auf seinem Schreibtisch. Rornan seufzte innerlich. Typisch NRGD. Hatten sie beim Auffinden der "Tierarztpraxis" noch recht gut zusammengearbeitet, schien dies eher eine Ausnahme gewesen zu sein. Aber besonders in diesem Fall hatte der Orden absolut nichts zu verbergen, im Gegenteil. Sie mussten Ahnas Entscheidung rechtfertigen und sich wieder Vertrauen erarbeiten, da stand es außer Frage, dass sie irgendetwas zurückhielten - ganz davon abgesehen, dass es auch keinen Sinn ergab, denn sie alle arbeiteten schließlich gemeinsam gegen das Imperium. Nur die absoluten Ordensinterna, die Abstimmungen, die Überlegungen des Rates, diese Dinge würden selbstverständlich nicht herausgegeben werden, aber diese standen ohnehin unter Verschluss und blieben im Ratssaal.


"Ritterin Kaveri, der Orden hat nichts zu verbergen, daher sehe ich in Eurem Ersuchen kein Problem. Die Mission nach Bastion war ohnehin autorisiert, wenn auch äußerst geheim. Wir sind dabei, umfangreiche Dokumentationen über die Planung sowie die Ergebnisse der Untersuchungen zusammenzutragen. Wir stellen Euch diese Daten gerne zur Verfügung, und Ihr könnt auch weitere Fragen stellen. Ich nehme an, dass auch die Folgemission nach Kast Bestandteil dieses Dossiers sein soll, hier muss ich allerdings ein wenig meine Hand darüber halten. Die Berichte der Teilnehmer werden wir zur Verfügung stellen, allerdings nicht unzensiert, da wir Vergeltungsmaßnahmen verhindern möchten, sollte herauskommen, wer außer Brianna Kae und Eowyn El'mireth beteiligt gewesen ist. Das bisherige Vorgehen Vendars sollte hier in meinen Augen genug Erklärung sein - und letzten Endes kommt es nicht darauf an, wer beteiligt war, sondern nur, was geschehen ist. Seid Ihr damit einverstanden?"

Rornan wartete auf Kaveris Antwort, ging aber davon aus, dass sie nichts einzuwenden haben würde. Viel mehr konnte er ohnehin nicht anbieten, denn die Namen waren unverhandelbar, und auch Ahna würde herausgestrichen werden. Niemand wusste, wo diese Dokumente landen würden, da konnte der NRGD noch so sehr versichern, dass sie darauf acht geben würden. Nein, was die Sicherheit ihrer Leute anging würde weder Rornan noch der restliche Rat irgendein Risiko eingehen.

"Ich hätte allerdings noch ein Anliegen, Ritterin Kaveri", fuhr Rornan fort, als dieses Thema geklärt war. "Der Rat mischt sich eher selten darin ein, was das Thema Padawane angeht und wir sind uns dessen bewusst, dass gerade in Eurer besonderen Situation die Ausbilung eines Padawanes nicht wie üblich verlaufen kann, doch andererseits eröffnet es auch Möglichkeiten und Varianten. Erst kürzlich ist ein Mediziner unserem Orden beigetreten, welcher von seiner Machtsensitivität verständlicherweise recht überrumpelt scheint. Ihr habt einen ähnlichen Hintergrund mit Eurer vorherigen Ausbildung, und so weit wir es überblicken können, scheint Ihr auf dem Flimsi ein passendes Team abzugeben."

Der Rat griff zur Seite, ergriff in der Tat ein Flimsi mit Draen Tel'Sets Daten und schob es Kaveri hinüber.

"Er stammt von Tirahnn, einem kleinen Planeten am Rande des imperialen Raumes. Wir wünschen uns, dass Ihr ihn unter Eure Fittiche nehmt. Sollte sich nach der kommenden Mission herausstellen, dass wir uns geirrt haben und Ihr und er nicht zusammenfindet, so werden wir danach eine Lösung finden, aber versucht es bitte."

Der Rat hatte die berechtigte Vermutung, dass Kaveri sich eventuell ausruhen würde in ihrer Position als Mitglied beim NRGD und nicht in Betracht ziehen würde, einen Padawan auszubilden. Dennoch hätten sie ihr niemanden einfach aufs Auge gedrückt; wie Rornan gesagt hatte, war das nicht unbedingt der Stil des Rates. Doch in dem Moment, als Tel'Sets Daten unter seine Augen gekommen waren, hatte sich ein Gedanke entsponnen. Thornes Eindrücke des Anwärters bestätigten außerdem die Vermutung, dass Kaveri und er gut zusammenpassen konnten. Es war kein direkter Befehl - der Orden erteilte sehr selten direkte Befehle. Doch es war das, was bei den Jedi einem Befehl noch am nahesten kam.

Coruscant - Jedi-Tempel - Ratsebene - Rornans Büro, mit Arlen und Leela
 
Coruscant – Jedi-Tempel – Nebenraum der Pressekonferenz – Wes, mit Eowyn und Ian

Wes war sich nicht ganz sicher, was Eowyn meinte, dass sich über Fairness streiten ließe? Weil Ahna bereits den größtmöglichen Preis bezahlt hatte? War es das? Oder doch etwas anderes? Die eine Rätin hatte ihr Leben gegeben, die andere war nun an den Schwebestuhl gefesselt und musste die ganze Verantwortung allein tragen. Nur so eine vage Vermutung, nein, das konnte sie nicht wirklich denken. Obwohl Leute, die plötzlich mit einer Behinderung geschlagen waren, manchmal schon zu so düsteren Gedanken neigten. Im Endeffekt wusste er es nicht , aber vielleicht wäre es besser, wenn er ein Auge darauf hatte und von nun an aufpasste, ob da weitere Bemerkungen dieser Art folgten. Aber für den Moment wäre es wohl am klügsten, nicht zu sagen, fand er.

Eowyn stimmte dem Jedirat zu, dass es für das Imperium keinen Unterschied machte, wenn die Jedi sie wirklich rausschmissen. Sie meinte aber, für die Republik täte es das sehr wohl, schien aber bereit, sich der Ansicht der anderen Räte zu fügen. Nicht aber, wenn es darum ginge, sich im Tempel vor dem langen Arm des Imperiums zu verstecken. Nun machte es wirklich den Eindruck, als hadere sie mit ihrer Situation im Schwebestuhl. Lieber tot als ein Krüppel? War es das?


»Es stimmt schon, die Außenwirkung eines Rausschmisses wäre enorm. Aber wäre die auch positiv? Für mich wirkt das wie ein Schuldeingeständnis. Wir haben Mist gebaut. Also das Gegenteil von dem, was wir gerade eben versucht haben, der Öffentlichkeit zu vermitteln. Aber… ich weiß es ja auch nicht. So eine Situation hatten wir noch nie, seit ich mich irgendwie in der Nähe des Dunstkreises des Rates bewegt habe,«

Meinte der Tanaaber und tat es Eowyn gleich mit dem Schulterzucken. Dass die Frau sich nicht einsperren ließe war klar.

»Ja, das ist mir wohl bewusst – und wahrscheinlich kannst du's auch jetzt noch im Lichtschwertkampf mit mir aufnehmen.«

Wes grinste, als er auf seine legendär unterentwickelten Lichtschwertfähigkeiten anspielte. Eowyn bestätigte im Anschluss, dass sie Murrrar von seinem Versprechen erzählt hatte, die Ratsbeförderung nach der Mission wieder zurückzunehmen. Sie versteifte sich darauf, dass Ahna sich die blonde Tirahnnerin zwar als Nachfolgerin wünschen konnte, aber nicht die Entscheidung vorwegnehmen konnte, dass Eowyn im Rat verbleiben würde. Das war ja irgendwo die Voraussetzung dafür, die Schatten zu führen. Oder, war es das wirklich? Könnte nicht auch eine Meisterin die Schatten führen? Es gäbe andere Nachfolgeoptionen als Alexander, aber dazu konnte Wes nicht viel sagen. Dafür waren die Schatten zu… verschwiegen. Aber sie selbst käme schon wegen des Schwebestuhls nicht in Frage. Da war es wieder. Der Gizka wäre jetzt gefragt – und die Botschaft darauf ging besser in Erfüllung.

»Das mit dem Schwebestuhl ist aber nur eine vorübergehende Phase, oder? Was sagen denn die Heiler? Unternehmen die wirklich alles, was sie können?«

Der Taanaber war besorgt, weil es bei Eowyn so endgültig klang. Dass sie den Rest ihres Lebens an diesen Stuhl gefesselt sein würde. Er war fest davon ausgegangen, dass der Stuhl nur da war, weil die blonde Schatten ja bis vor kurzem ja noch bettlägrig gewesen war, auf dem Wege ihre Rekonvaleszenz.

»Außerdem könnten die Schatten doch sicher genauso gut von einer Meisterin geführt werden, oder? Ihr seid doch eh grundsätzlich anders als alle anderen.?«

Als Wes dachte, die Degradierung von Eowyn genauso groß aufzuziehen wie die Beförderung, damit es auch wirklich jeder mitbekam, bremste die Betreffende ihn ein. Ihr Blick sagte alles, dazu die kleinlaute Antwort, die wie von einem geprügelten Dackel klang. Sie wollte zwar degradiert werden, dass es aber auf diese Weise geschähe war ihr aber noch mehr zuwider als die Show-Beförderung von damals. Der Jedirat schwieg, während er darüber nachdachte.

»Nein, du hast recht. Eine Pressemitteilung von Rornan wird es wohl auch tun, schätze ich.«

Natürlich hieß das nicht, dass der Senat sie nicht vielleicht noch öffentlich in einer Anhörung auseinander nehmen würde, aber wenn die sich darauf einschossen, könnten die Jedi es so oder so nicht verhindern.

Die mysteriöse Schönheit von einer Padawan unterbrach ihr Gespräch, als sie ihm an Myas Stelle den Gizka brachte, was Eowyn Zeit verschaffte, nach Ian zu sehen, der gesundheitlich ja ebenfalls schwer angeschlagen war, auch wenn man es ihm, schick gemacht und in dem flotten Outfit, momentan so gar nicht ansah. Als die hochgewachsene und sich reichlich merkwürdig benehmende Dame wieder verschwunden war, nahmen sie den Faden wieder auf, so mehr oder weniger. Okay, wenn Eowyn mit einem offenkundig nicht gerechnet hatte, dann dass er ihr ein Stofftierchen mitbrachte. Von ihrem Blick her war er sich so gar nicht sicher, ob er einhundert Prozent ins Schwarze oder episch daneben gezielt hatte, aber sie nahm den Gizka an sich, und bedankte sich.

Wes versuchte, den Seufzer der Erleichterung möglichst unmerkbar ausfallen zu lassen. Ein Stein fiel ihm vom Herzen. Auf Umbara war es ihm total logisch erschienen. Erst auf Coruscant wurde ihm erst so richtig bewusst (auch: gemacht), wie viel da zwischen ihnen lag, was sie zu bewältigen hatten. Er beobachtete Eowyn, wie sie den Gizka betrachtete, und schwieg, hoffnungsvoll. Sie mussten doch zusammenstehen. Die Jedi würden es schwer genug haben, der Rat, die Missionsteilnehmer. Es würde so viel einfacher sein, wenn sie sich wieder versöhnten. Und tatsächlich: Wes' Herz hüpfte vor Freude, als die blonde Jedi zu einer Entschuldigung für ihr Verhalten ansetzte.

Inhaltlich stand sie nach wie vor dazu: das war so ein bisschen das Problem mit ihr. Niemand von außen konnte sie hart mit Eowyn umspringen wie sie zu sich selbst war. Sie legte unfassbar hohe Maßstäbe an sich selbst an. Wes selbst war eher so gewesen, er war jetzt Rat und versuchte dem gerecht zu werden und wenn er sich bemühte war es schon okay. Eowyn schien irgendwie immer zu denken, dass egal wie sehr sie sich bemühen, sie niemals gut genug sein würde, für eine ganze Menge Dinge, und das war so unfassbar schade.

Recht hatte sie sicherlich damit zu sagen, dass der Jedi-Rat sich ihr gegenüber ganz schlecht verhalten hatte und das war hauptsächlich seine Schuld. Wes hatte alles Fäden in der Hand gehabt. Er hatte von der Duval-Sache gewusst, er war bei der Ratssitzung anwesend gewesen, als Joseline die Idee der Beförderung aufbrachte, nur den Mund hatte er nicht aufbekommen, weder in die eine noch in die andere Richtung. Das war weder bemüht gewesen noch okay.

Eowyn sprach von ihrer daraus folgenden Enttäuschung und dem Schock. Mit dem Wissen der seitdem vergangenen Zeit, den Bekenntnissen und der Erkenntnis, dass ihr Bild von sich selbst nicht Duvals Werk gewesen war, konnte er sich nun besser in sie hineinversetzen. Sie entschuldigte sich dafür, ihn so hart angegriffen zu haben und sagte, dass es ihr leid tat. Da war sie nun sicher nicht die einzige! Wes lächelte versöhnlich.


»Entschuldigung angenommen. Ich habe selbst genug Grund, dich um Verzeihung zu bitten. Vielleicht der ganze Rat ein bisschen, aber ich ganz besonders. Ich hab das verbockt. Du hast mich in's Vertrauen gezogen und bin dem nicht gerecht geworden. Hab nicht für deine Anliegen eingestanden, als ich es hätte tun sollen. Ja, ich hab dich damals als zu emotional empfunden, dass du überreagierst. Aber auf der anderen Seite war ich derjenige, der zu wenig emotional war, zu unsensibel,«

Bekannte er und sah sie mit großen Augen an. Er versuchte zu ergründen, wie er bei ihr ankam und begann mit der Erklärung, der Aufzählung seines Sündenregisters oder zumindest der schwerwiegendsten.

»Eigentlich war seit geraumer Zeit klar gewesen, dass wir dich als Kandidatin für eine Rätin sahen. Nach der Sache mit Duval wäre die normale Reaktion sicherlich gewesen, man stellt die Beförderung zurück, setzt dich auf Bewährung und beobachtet dich für eine Weile. Aber mit der Virusmission. Es gab Bedenken, dass eine einfache Jedi nicht wertvoll, nicht wichtig genug wäre, und oh, wir wollten Eowyn doch ohnehin befördern, klang wie die perfekte Lösung. Was du von hältst: egal. Wir waren so auf die Mission fixiert und haben den Menschen dahinter vergessen. Was das für dich bedeutet, darüber hat niemand nachgedacht und gerade ich hätte wissen müssen, dass es ein Problem für dich sein würde – und keine Anerkennung.«

Wes richtete den Blick nach unten. Gedankenlos war er gewesen. Er konnte ja noch nicht einmal behaupten, sie falsch eingeschätzt zu haben, er war einfach überhaupt nicht auf sie eingegangen. Hatte ignoriert, wie sie sich fühlte. Mehr noch, sie von oben herab behandelt wie der gestrenge Vater.

»Als deine Reaktion dann nicht so ausfiel wie erwartet, hab ich dich wie ein kleines Kind behandelt und das tut mir leid. Ein ›wie kann sie es wagen, unsere schönen Pläne zu stören, die wir in unserer Weisheit beschlossen haben‹. Das ist genau die Art von Überheblichkeit, die man dem Rat oft unterstellt und ich hätte mir nicht träumen lassen, dass ausgerechnet ich das unrühmliche Beispiel sein würde. Noch dazu gegenüber einer Freundin, einer Vertrauten, die vieles gebraucht hätte, aber nicht, den Kopf gewaschen zu bekommen. Dabei fühlte ich mich so gnädig, so großherzig, dir deine Verfehlungen so bereitwillig vergeben zu haben. Und dass die Mission doch so viel wichtiger wäre, als alles, was der oder diejenige im Einzelnen dazu zu sagen hätte. Ich war so blind! Das soll jetzt gar keine Rechtfertigung sein, ich stand während der Krise so unter Strom und du hast es abbekommen. Und wie der Rancor im Porzellanladen hab ich eine Menge Dinge kaputt gemacht und muss nun damit leben, dass sich manche davon nicht mehr kitten lassen.«

Der Taanaber schwieg für eine kurze Weile, bevor er mit sanftem Tonfall fortfuhr:

»Ich denke immer noch, dass du eine Bereicherung für den Rat wärst. Eine Frau, die Ansichten und Fähigkeiten mitbringt, die uns jetzt fehlen. Aber das ist jetzt viel schwieriger, auch meinetwegen. Es tut mir leid. Mein bevormundendes Verhalten, meine Arroganz und mein Mangel an Sensibilität haben uns dorthin gebracht, wo wir jetzt stehen. Ich bitte dich um Verzeihung – mit einer Krise überstanden und einer neuen, die gerade beginnt. Auf einen neuen Anfang vielleicht? Und ein Gläschen Fingerkraut?«

Coruscant – Jedi-Tempel – Nebenraum der Pressekonferenz – Eowyn und Wes
 
Coruscant – Jedi-Tempel – medizinischer Flügel, Q'Tahems Zimmer – Q'Tahem und Brianna

Bei der Erwähnung der Begegnung mit Sedros klingelte bei Q'Tahem etwas, aber ein Abyssin? Brianna hatte keine Ahnung, wie die aussahen, aber es war wohl jemand anders, denn ihre unfreiwililge Bekanntschaft war ein Angehöriger der Sith-Spezies.

„Nein. Ein Sith-Sith, ein Schüler von Kira offenbar. Sedros hieß er,“

Klärte sie ihn auf. Als der Nautolaner meinte, dass er anstatt eher lieber gar nicht auf Bastion gewesen wäre, kam sie sich mit einem mal ziemlich dumm vor. Natürlich, das war ein blöder Wunsch gewesen, und egozentrisch, wenn sie sich Q'Tahem mit seinen Blessuren ansah, Kestrel, der es noch dramatisch schlechter ging und Sarissia, die es wohl nicht geschafft hatte. Brianna spürte, wie sie rot anlief. Jetzt ohne Makeup konnte frau das auch wieder so gut beobachten.

„Oh ja, klar. Gar nicht wäre natürlich am allerbesten gewesen,“

Gab sie zu. Als die Silberhaarige auf Kestrel zu sprechen kamen, wurden sie beide traurig. Einige Augenblicke lang schwiegen sie beide. Q'Tahem sah in die Richtung des Nachbarzimmers, wo die komatöse Jedi-Meisterin behandelt wurde und Brianna dachte an ihre gemeinsame Reise. Loronar, Korriban, Naboo, Alzoc III. Jede dieser Stationen hatte die klein gewachsene Coruscanti geprägt und nun kämpfte sie auf ihrer Geburtswelt um ihr Überleben. Flüsterleise seufzte der Jedi, wie viel sie durchgemacht hatte und schilderte einen Weg, der dem ihren stark ähnelte.

„Wir waren gemeinsam in Sith-Gefangenschaft auf Korriban. Für mich war es hart, aber sie hatten sie noch viel schlimmer behandelt. Nach unserer geglückten Flucht ging es mir ganz ähnlich wie dir. Selbstzweifel. Ich dachte, aus mir würde niemals eine Jedi werden. Die ganze Palette. Ich wünschte, ich hätte bei euch bleiben und euch unterstützen können. Jetzt in der Trance ist es schwierig, ihr zu helfen und sie einfach so rauszuholen wäre gefährlich. Ich werde nach ihr sehen und mich um ihre körperlichen Verletzungen kümmern, aber ihr Geist, ihre Willenskraft…“

Brianna vollendete den Satz nicht; ihr Gegenüber wusste vermutlich auch so, was gemeint war. Er fragte, ob es denn der Wille der Macht sein konnte, dass sie diesen Leidensweg durchschritt. Schon wieder, fügte die Echani gedanklich hinzu, schüttelte denn aber den Kopf.

„Ich weiß, viele Jedi sind überzeugt davon, aber ich glaube nicht, dass die Macht wie eine Person mit eigenen Willen und Plänen und einer Agenda ist. Sie ist, was wir daraus machen. Das soll jetzt nicht heißen, dass sie ein bloßes Werkzeug wäre, aber unser Schicksal wird nicht von ihr vorherbestimmt, das ist nicht wahr,“

Gab sich Brianna überzeugt. Dass sie dafür Sorge tragen würden, dass die Heilerinnen anständig um Kestrel kümmern würden, beruhigte Q'Tahem wieder und sie kamen auf angenehmere Themen zu sprechen. Er hatte scheinbar genausowenig wie sie gewusst, dass Sane aus einer bedeutenden Bastioner Adelsfamilie stammte.

„Oh ja! Er heißt eigentlich Sane von Kath, seine Familie ist reich und im Transportgewerbe tätig, aber leider sind sie wohl glühende imperiale Loyalisten. Er scheint der einzige Lichtblick in seinem Hause zu sein, aber einer ist immerhin besser als keiner,“

Fand die Silberhaarige. Als sie von den Kindern von Bastion erzählte, begann Q'Tahem sofort mit zu überlegen, wie sie Samin und diese wohl aufspüren konnten, und er hatte einige Vorschläge.

„Den Schiffsnamen! Wieso hab ich danach nicht gefragt?“

Ärgerte sie sich.

„Ich hätte versucht, eine Geheimdienstakte über sie zu finden, oder Spuren im imperialen Holonet zu suchen. Ich hab immer noch ein Konto bei ImpTok, was denen ihr Pendant zu Hologram ist, mehr oder weniger. Oder es tauchen Spuren der Kinder auf… ich kann nur hoffen, dass die Imperialen die Suche nach ihnen aufgegeben haben.“

Alleine konnte sie mit den Ressourcen des Imperiums nicht mal im Ansatz konkurrieren, wenn es darum ging, eine fahnenflüchtige Ex-Militär zu suchen, und sie besaß ja auch gar nicht deren Informationen. Sie überlegte, was sie sonst noch tun konnte, während Q'Tahem an sein Komlink ging. Er berichtete von einem Ghul-Virus auf Thearterra und einer Mission, um ein Gegenmittel zu finden. Irgendwie klang das ein wenig wie ihre eigene Mission nach Bastion…

„Meinst du das Rak'ghoul-Virus?“

Fragte Brianna, denn das war das einzige, das ihr etwas sagte, von Taris her und ihrer Katastrophen-Mission dort. Thearterra wiederum war ihr von Kestrels Nachrichten ein Begriff und der Nautolaner hatte es vorhin ja ebenfalls erwähnt.

„Das wenige, was ich von Thearterra weiß, weiß ich von euch. Jedenfalls nichts positives… und als imperiale Welt auch sonst kein Ort, den ich momentan besuchen sollte…“

Coruscant – Jedi-Tempel – medizinischer Flügel, Q'Tahems Zimmer – Q'Tahem und Brianna
 
Coruscant – Jedi Tempel – Krankenstation – mit Riuen

Elise ließ den Blick einen Moment auf ihm ruhen, als dieses kurze Aha kam. Es war kein Einverständnis gewesen, das hörte man. Eher die Stelle, an der Riuen die Tür zu diesem Thema schloss, weil er seine Meinung gesagt hatte und nicht vorhatte, sie noch einmal in alle Einzelteile zerlegen zu lassen. Sie kannte diesen Ton inzwischen gut genug. Er war weder beleidigt noch uneinsichtig. Er wollte einfach weiter.

Sie ließ es zu.

"Schon gut", sagte sie und stellte die inzwischen kalte Tasse auf das Tablett zurück. "Die Stirn heb dir lieber für die nächste Wand auf."

Als er die Hand anhob und von seiner Selbstüberschätzung sprach, wurde ihr Blick ernster. Sie sah kurz auf die mechanische Prothese, dann zurück in sein Gesicht.

"Ich habe die Hand nicht erwähnt, um dir irgendeine Schuldrechnung hinzulegen", sagte sie ruhig. "Ich wollte dir sagen, warum ich die Leute auf der Liste nicht als abstrakte Hilfe sehen kann. Das ist alles."

Ihre Stimme blieb fest, ohne scharf zu werden.

"Du darfst deine Meinung behalten. Ich versuche sie dir auch nicht wegzunehmen. Wir erklären Tenia, Kestrel und Q'Tahem, worum es geht. Vollständig. Dann entscheiden sie selbst. Damit ist der Punkt für mich erledigt."

Sie ließ sich einen Moment tiefer in das Kissen sinken. Die Bewegung wirkte klein, aber ihr Körper nahm sie sofort als Anlass, sich mit einem dumpfen Ziehen in Schultern und Rücken zu melden. Elise zog kaum sichtbar die Luft ein und wartete, bis es nachließ. Sie hatte sich vorgenommen, wach zu bleiben, und sie würde sich von ein paar erschöpften Muskeln nicht schon wieder aus ihrem eigenen Gespräch drängen lassen.

Riuens Frage nach ihrem Zustand kam erwartbar. Diesmal hörte sie darin keine Provokation. Er wollte wissen, was sie auf Thearterra tatsächlich leisten konnte, und das war eine Frage, die sie beantworten musste, bevor sie morgen bei Eowyn auftauchten.

"Ja", sagte sie ohne Umschweife. "Mein Zustand wird sich bis zur Abreise verbessern."

Sie sah ihn dabei direkt an.

"Seit ich aufgewacht bin, ist es schon um Längen besser. Der Zusammenbruch, die Krämpfe, dieses ständige Gefühl, dass etwas an mir zieht, sind leiser geworden. Es ist noch da. Ich spüre es tief genug, dass ich es nicht vergessen kann. Aber der Parasit hält sich zurück."

Ihre Finger glitten über die Decke, blieben an einer Falte hängen und strichen sie glatt.

"Es fühlt sich an, als wäre er in eine Art Schlaf gefallen. Oder als hätte mein Körper ihn weit genug zurückgedrängt, dass er gerade keine Kraft mehr findet, wieder nach oben zu kommen. Egal was es ist, dieses Momentum würde ich gerne nutzen."

Das war keine medizinische Diagnose. Sie wusste selbst, dass die Heiler beim Wort Schlafmodus vermutlich mit Pads und Scannern über sie herfallen würden. Es war ihr Eindruck. Ihr Körper. Ihr Feind. Sie hatte lange genug in diesem Zustand gelegen, um zu merken, wann sich etwas in ihr verschob.

"Bis morgen stehe ich wieder auf", fuhr sie fort. "Dann gehe ich mit dir zu Eowyn. Auf meinen eigenen Beinen. Wir führen das Gespräch gemeinsam und wir gehen dort mit einem Plan hinein."

Sie hob eine Hand, bevor er ansetzen konnte.

"Der Plan enthält mich."

Es war keine große Ansage. Elise sprach den Satz so aus, wie sie auch feststellte, dass ein Verband gewechselt werden musste oder eine Tür verschlossen war. Eine Tatsache, die keinen weiteren Schmuck brauchte.

"Ich werde die Mission mit anleiten. Du hast die taktische Übersicht, die Kontakte und den Blick dafür, wie wir Leute zusammenbringen, ohne dass daraus eine Wandergruppe mit Todeswunsch wird. Ich kenne Thearterra."

Ein kurzer Atemzug, dann sprach sie weiter.

"Ich sitze dort nicht im Shuttle und drücke jemandem aus der Ferne die Daumen."

Ihre Mundwinkel zuckten nur kurz. Dann wurde sie wieder ernst.

"Wir teilen die Führung. Du planst den Einsatz mit mir. Wir besprechen jeden Schritt, bevor wir ihn gehen."

Sie ließ den Blick zu dem Comlink wandern, auf dem die Nachrichten längst abgeschickt waren. Es fühlte sich merkwürdig an, dass irgendwo in der Galaxis vielleicht gerade jemand diese Zeilen las. Vielleicht war Tenia im Einsatz. Vielleicht Kestrel auf einem Schiff, in einer Bibliothek oder irgendwo, wo es noch nach normalen Dingen roch. Vielleicht las Q'Tahem die Nachricht und nahm sich Zeit, bevor er antwortete.

Elise wusste nicht, wer von ihnen kommen würde. Sie wusste nur, dass sie sie brauchten.

"Eowyn bekommt denselben Überblick. Sie kann auf Lücken hinweisen. Sie kann uns Kontakte nennen. Sie kann auch sagen, dass sie es für eine schlechte Idee hält. Das Gespräch führen wir trotzdem. Morgen."

In ihrer Stimme lag jetzt etwas, das keinen Raum für Verhandlungen ließ. Sie war müde, das sah man ihr an. Ihre Augen lagen tiefer als gewöhnlich, die Haut war noch immer zu blass, und jede längere Bewegung hatte diese vorsichtige Langsamkeit bekommen, die Menschen annahmen, wenn der Körper nicht mehr selbstverständlich mitmachte. Aber ihre Gedanken waren klarer geworden. Seit dem Erwachen hatte sie Stück für Stück etwas von sich zurückbekommen.

"Eigentlich brauchen wir nur ihre Freigabe" sagte sie dann mit verschränkten Armen.

Coruscant – Jedi Tempel – Krankenstation – mit Riuen
 
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Coruscant - Jedi-Tempel - Nebenraum neben Pressesaal, mit Wes und Ian

Ich weiß es auch nicht, zuckte Eowyn hilflos mit den Schultern. Ich bin... die Frau fürs Machen, nicht die fürs Diplomatieren. Behalte es einfach im Hinterkopf. Wenn Wes Bescheid wusste, dass sie bereit dazu bereit war, den Orden zu verlassen falls notwendig, konnte er es bei Bedarf anbringen, falls man sie bei entsprechenden Themen wieder ausschloss. Zumindest, wenn er es weitertrug. Das gab ihr einen kleinen Stich - vollkommen sicher war sie sich dessen nach allem, was geschehen war, nicht mehr. Und das... schmerzte. Sie musste dieses Vertrauen in ihn und den Rat dringend wieder aufbauen, sonst hatte sie hier keine Zukunft mehr; was definitiv nicht das war, was sie wollte. Es lag an ihr selbst, daran zu arbeiten.

Wes' Versuch, sie aufzuheitern, war ehrenhaft, aber zum Scheitern verurteilt. Trotzdem lächelte Eowyn dünn.
Das wage ich doch sehr zu bezweifeln. Wes Stärke war die Verteidigung, und nachdem sie nun nicht mehr wirklich angreifen konnte... nun ja, ein Duell zwischen ihnen beiden wäre so langweilig und Fehl am Platz wie ein Wasserblobspiel auf Tatooine. Er blies dann in ein ähnliches Horn wie Brianna - taten die Heiler wirklich alles, was sie konnten?
Nun ja, Trümmerbrüche zweier Wirbel sind nun nichts, was im Vorbeigehen geheilt werden kann, wenn überhaupt... also ja, man wird sehen. Noch ist die Hoffnung aber nicht verloren, es sind ja auch erst ein paar Tage... Ich denke schon, dass die Heiler alles versuchen. Es würde aber jemanden wie Brianna, Chesara - oder eben Ian brauchen, vermutete Eowyn, aber sie sprach es nicht laut aus. Ian fiel es ohnehin schon schwer genug, dass er ihr aktuell nicht helfen konnte, da musste sie nicht noch das Messer in der Wunde herumdrehen. Außerdem... Er würde es auch in ein paar Wochen noch versuchen können, wenn sich bis dahin nichts getan hatte.
Und zumindest hatte sie mehreren Leuten versprochen, dass sie kämpfen würde - und seit gestern wollte sie es auch selbst. Sturn durfte nicht gewinnen. Und wenn das bedeutete, dass sie wieder laufen lernen musste - dann musste sie alles daran setzen. Der Echani würde es womöglich nie erfahren, sie wusste nicht, wie sein Zustand war, aber
sie würde es wissen.

Dann aber schüttelte sie den Kopf.
Von einer Meisterin, vielleicht. Ausnahmsweise. Von einer Meisterin, die einmal Rätin war? Ich glaube, das ist zu viel. Wir brauchen jemanden, der klar und deutlich führt, jemanden der sich nicht scheut, die Meinung zu sagen, jemanden, der in der Lage ist, moralisch zu balancieren, und vor allem jemanden, der das Vertrauen des Rates besitzt - und das der anderen Schatten. Wie können sie jemandem vertrauen, bei dem sie nicht sicher sein können, ob der Rat genug vertraut? Nein, in dem Fall wären die Schatten geschwächt, und schwache Schatten bedeuten einen schwachen Orden - und damit eine schwache Republik. Manchmal beginnen Instabilitäten in den ganz kleinen Details, und wir können uns jetzt garantiert kein bisschen mehr Schwanken erlauben. Sie schwankten ohnehin schon wie eine Nussschale auf Mon Calamaris Ozeanen, da durften sie nicht noch offene Risiken eingehen.
Sollte der Rat ihrer Degradierung zustimmen, so war die Vorstellung davon, erneut vor Kameras zu treten, katastrophal, aber Wes schwieg einen Moment - und lenkte dann ein. Eowyn konnte sich ein leichtes Ausatmen nicht verkneifen.
Danke, sagte sie schlicht leise. Wahrscheinlich war das heute nicht ihr letzter Auftritt gewesen, aber... sie war dankbar über jedes Mal, das sie nicht wieder vor die Kameras treten musste.

Das alles aber rückte in den Hintergrund, als sie dasaß, mit diesem Gizka in den Händen, und alleine im Raum mit ihrem alten... Tja. Wasauchimmer. Aber sie wollte nicht, dass es bei diesem "wasauchimmer" blieb. Bastion und Kast hatten ihr so viel genommen, und... war ihr Streit nicht irgendwie auch darauf zurückzuführen, zumindest zum Teil? Ihre Entschuldigung war miserabel, das bemerkte sie selbst, sie erklärte nicht genug, entschuldigte nicht genug und überhaupt, sie
konnte das besser, aber diese Konferenz war furchtbar lang gewesen, sie selbst unglaublich müde nach den Nächten voller Alpträume, und die Schmerzen... vielleicht durfte sie nicht so hart mit sich selbst sein. Und hoffentlich verstand Wes einfach, was sie sagen wollte.

Danach sah es aus. "Entschuldigung angenommen" - und ein Lächeln. Vorsichtig gab sie das Lächeln zurück, aber für Wes war es wohl nicht genug, nur ihre Entschuldigung anzunehmen. Und ja... natürlich, sie hatten beide Fehler gemacht. Aber vor allem... es tat
verdammt gut, dass er verstand, wieso sie so reagiert hatte. Sicher, es war eine katastrophale Reaktion gewesen, und nun, Monate später, fragte Eowyn sich selbst, wieso sie so explodiert war. Andererseits... ihre Lage und Position war nun einmal wirklich nicht einfach gewesen.
Mit leicht schiefgelegtem Kopf hörte sie zu, wie Wes seine ganznen Verfehlungen auflistete - das war wirklich weitaus mehr als ihr "Es tut mir Leid", und auch mehr als ein "Ich habe auch Fehler gemacht". Nein, er entschuldigte sich ausführlich, und zum ersten Mal, mit diesem Abstand, mit diesem Eingeständnis, dass die
normale Reaktion auf ihr Verhalten mit Duval eben eigentlich wirklich ein weiteres Beobachten gewesen wäre... fiel es ihr wesentlich leichter, alles zu verstehen. Verdammt, wieso hatte Wes nicht schon damals eingeräumt, was er ihr eben erklärte? Garantiert wäre sie dennoch verletzt gewesen, aber... sie hätte es besser verstanden. Sie hätte sich nicht so hintergangen gefühlt... Und ja. Er schaffte es, in Worte zu fassen, wie sie sich gefühlt hatte, ohne, dass sie es ihm erklären musste. Es war Überheblichkeit und Entscheidungen über ihren Kopf hinweg gewesen, die sie von Wes schlicht nicht erwartet hatte. Auch nicht vom Rat, aber... besonders nicht von Wes. Es war ihr beinahe wie Verrat vorgekommen, und das... hatte leider nicht dazu beigetragen, die Situation zu deeskalieren. Auch, wenn sie eben nicht so hätte reagieren dürfen...
Aber er hatte recht. Sie hatte ja gesehen, was er alles hatte erledigen müssen. Sie hatte sich Sorgen um ihn gemacht, sie hatte längst gemerkt gehabt, dass er über seine Grenzen hinaus geackert hatte. War es da ein Wunder, wenn er nicht mehr immer und überall alles im Kopf hatte haben können? Wenn er manchmal versucht hatte, einfache Wege zu finden? Und wenn er einfach auch mal
nicht mehr hatte verständnisvoll sein wollen?

Da war plötzlich so viel Verständnis für sein Verhalten. Eowyn konnte auf einmal sehen, wie es für ihn hatte gewesen sein müssen. Das machte es nicht grundsätzlich wieder gut - aber viel einfacher, es zu begreifen, zu verzeihen und voranzugehen. Sie war so sicher gewesen, dass dieser Bruch zwischen ihnen nicht mehr zu kitten war, weil das grundsätzliche Verständnis für sie in diesem Gespräch so vollkommen gefehlt hatte. Selbst bis nach Bastion, bis in ihr letztes Verhör, hatte dieser Konflikt sie beschäftigt. Aber das hier? Das war so viel mehr, als sie je erwartet hätte, und sie drückte den armen Gizka unbewusst zusammen.
Eowyn rang nach Worten. Was sollte sie darauf sagen? Wie sollte sie klarmachen, was gerade in ihr vorging? Sie verstand es ja selbst nicht wirklich, weil nach dieser Pressekonferenz ein solches Gespräch eigentlich viel zu viel war. Aber bevor sie auch nur irgendetwas sagen, irgendwelche Worte finden konnte, sprach Wes schon weiter.

Und zum allerersten Mal sprach er aus,
warum man sie im Rat haben wollte. Oder zumindest, warum er es wollte. Damals hatte sie ihn gebeten - und er hatte ihre Frage ignoriert. Es war noch immer keine größere Erklärung, aber es war immerhin etwas. Und zum allerersten Mal... nahm sie es ihm auch ab. Seine Worte klangen dieses Mal so ehrlich und überzeugt, dass es gar nicht anders ging.
Eowyn musste ihre Augen schließen und atmete zitternd einmal tief ein. Er meinte es ernst. Vermutlich hatte sie ihnen allen Unrecht getan. Es war... wohl wirklich so gewesen, wie er es sagte. Der Zeitpunkt war nun einmal
völlig falsch gewesen, die Art und Weise ebenfalls, was zu ihrer Annahme geführt hatte, dass alles nur ein Schauspiel, Schein und einfach nicht richtig sein konnte, aber... letzten Endes vermutlich einfach nur grandios miserable Misskommunikation.
Nein, sie fühlte sich nicht bereit. Nein, sie fand nicht, dass sie in den Rat gehörte. Aber - anscheinend empfand der
Rat das, oder hatte es zumindest damals so getan. Und dazu hatten sie das gleiche Recht wie sie, es nicht so zu sehen.

Eowyn kämpfte gegen die Tränen, die hinter ihre geschlossenen Augenlider traten. Zu viel. Alles war zu viel. Diese Erklärungen von Wes, seine so empathische Entschuldigung, sie brachten einiges ins Wanken, und das, wo sie ohnehin nach dem gestrigen Tag bei Elise und den Ereignissen eben völlig durch war. Aber noch einmal so emotional werden? Unmöglich. Sie musste sich besser im Griff haben... Auch, wenn sie keine Rolle mehr vor anderen spielen wollte, sondern sie selbst sein; sie war trotzdem eine Jedi, und Jedi hatten sich im Griff...
Als sie das Gefühl hatte, ihre Augen besser unter Kontrolle zu haben, öffnete sie sie wieder und sah Wes mit einem ehrlichen, erleichterten und dankbaren Lächeln an. Etwas, das seit Bastion so gut wie gar nicht mehr vorgekommen war.


Sehr, sehr gerne, erwiderte sie schließlich voller Nachdruck auf Wes' letzte zwei Fragen und zuckte dann hilflos mit den Schultern. Auch wenn du mein Gläschen gerne haben kannst, das Zeug... ist nicht wirklich meins. Es schüttelte sie immer noch, wenn sie an ihre letzte Kostprobe davon in Wes' Büro dachte.

Ich... danke, Wes. Einfach... danke. Sie sah ihm fest in die Augen. Ich weiß nicht, ob du ahnst, wie viel deine Worte mir bedeuten, und ich... verstehe es jetzt so viel besser. Deine Lage damals war wirklich... katastrophal, ich weiß das ja. Eigentlich. Aber ich war wohl zu blind, das im Zusammenhang zu sehen, weil ich selbst so unter Druck stand. Ich hätte... besser zuhören sollen. Ruhiger nachfragen... und mehr vertrauen. Sie rieb sich die Stirn. Seit meiner Rückkehr in den Orden nach meiner Abwesenheit hatte ich nicht immer das Gefühl, dazuzugehören, und dann meine ganzen verlorenen Padawane... Und ich hatte... ja, ich hatte eine verfluchte Angst in der Zeit vor Bastion, Wes. Um Ian, um die Republik, und... leider auch um mich. Absolut undjedihaft, schließlich... gab es keinen Tod. Aber seit Va'art... ihr Nahtoderlebnis hatte sie nie losgelassen, und mit dieser lebensgefährlichen Mission vor der Nase war es natürlich nicht einfacher geworden. Deshalb... habe ich wohl nicht zugehört. Und mir auch nicht vorstellen können, dass ihr es ernst meint, nach meinem Versagen. Dass es nicht nur dahingesagt ist, weil es gerade passt, ich kam mir vor wie eine Dejarikfigur. Ich... verstehe zugegeben immer noch nicht, warum ihr es ernst meint. Ein wenig hilflos und lächelte sie Wes an. Aber... vielleicht muss ich nicht alles verstehen. Vielleicht reicht akzeptieren...

Eowyn atmete tief durch. Noch etwas, das sie wieder durchrüttelte. Sie musste ihren Kompass neu ausrichten. Lernen, dem Rat wieder zu vertrauen. Mit ihm zusammenzuarbeiten. Und - sich als Teil von ihm zu sehen, ob sie es wollte oder nicht. Denn es lag nicht mehr länger in ihrer Hand, und auch nicht unbedingt in der vom Rat. Sie würden abwägen müssen, welches Vorgehen für die Republik am besten war, nicht, was sie sich wünschte. Aber ich warne euch... Ein winziges, schiefes Grinsen erschien auf ihrem Gesicht. Ich werde mich bemühen, mich zusammenzureißen, aber... ich bin, wer ich bin. Sie war niemand, der dem lieben Frieden willen zustimmte, oder sich gerne unterordnete, wenn es in ihren Augen keinen Sinn ergab. Genauso konnte sie mittlerweile aber leider nicht abstreiten, dass sie für eine Jedi zu emotional war. Doch der Rat wusste eigentlich, worauf sie sich eingelassen hatten - zumindest behaupteten sie das. Vielleicht... kannst du mir ja bei Gelegenheit einmal zeigen, was meine Aufgaben wären... Die offen-versteckte Zusicherung an Wes, dass sie sich nicht mehr sträuben würde, ihren Sitz zu akzeptieren.

Coruscant - Jedi-Tempel - Nebenraum neben Pressesaal, mit Wes
 
Coruscant – Jedi-Tempel – Nebenraum der Pressekonferenz – Eowyn und Wes
Im Endeffekt war sich Eowyn genausowenig sicher, ob ihr Austritt aus dem Orden die Gemüter besänftigen würde. Wes nickte daher, als sie meinte, er solle die Option im Hinterkopf behalten. Es war zumindest gut zu wissen dass, falls Quún oder der Senat vehement Eowyns Ausschluss aus dem Orden forderten, sie nicht um jeden Preis verteidigen mussten. Trotzdem gefiel ihm der Gedanke so ganz und gar nicht; sie mussten dafür sorgen, dass es gar nicht erst so weit kam. Dazu mussten sie die Lesart, dass die Jedi mit Allegious' Tötung die Galaxis gerettet hatten, in den Köpfen halten. Die Politik würde dann wahrscheinlich der öffentlichen Meinung folgen, so verärgert sie über den Alleingang vielleicht sein mochten. Sie würden nicht die Entlassung einer Heldin forcieren.

Den kleinen Scherz mit den Lichtschwertfähigkeiten nahm Eowyn positiv auf, von daher konnte Wes gleich augenzwinkernd eins draufsetzen:


»Du willst mir doch nicht weismachen, dass das Schwebeding nicht viel schneller und höher geht als ich bisher gesehen hab?!«

Ein Schwebestuhl mit den Leistungsdaten eines Speedermoped, das wär's doch. Da fühlte sich Eowyn sicher gleich nicht mehr so angekettet. Nur war das Thema an sich natürlich alles andere als zum Lachen. Sicher würden die Heiler sie wieder hinkriegen? Wann, okay, aber mit einem ›ob‹ würde er sich nicht zufrieden gehen. Aber die Blonde versicherte, überzeugt zu sein, dass die Heiler alles gaben.

»Ich verstehe,«

Erwiderte Wes und nickte. Dass die Tirahnerin trotz einer Degradierung als Anführerin der Schatten in Frage käme, bezweifelte diese. Der Jedirat bezweifelte, dass alle der Zuschreibungen, mit denen sein Gegenüber sich bedachte, wirklich zutrafen. Schlimm genug, dass sie sie dachte, dass die zutrafen. Sie meinte das doch so…? Aber sie hatte da einen Punkt.

»Das könnte ein Problem sein, dass die Leute so eine Degradierung dauerhaft als Makel ansehen würden – vielleicht sogar nach einer erneuten Beförderung zur Rätin. Aber als Meisterin, ja, da hast du wahrscheinlich recht. Die Leute würden an dir zweifeln und ob du die Rückendeckung des Rats genießt, ja. Schwache Schatten können wir uns in in der derzeitigen Situation sogar noch weniger leisten als sonst. Wir müssen ja davon ausgehen, dass die Sith jegliche Zurückhaltung, die sie während der Zeit des Friedensvertrags an die Tat gelegt haben könnten, endgültig passé ist. Im Endeffekt fühle ich mich aber in der Haltung bestätigt, deine Degradierung nach Möglichkeit zu verhindern,«

Betonte der Taanaber, der nach wie vor Eowyn am liebsten als oberste Schatten sehen würde und das nicht nur, weil es Ahnas letzter Wunsch gewesen war. Dass die Degradierung, falls sie wirklich käme, tunlichst nicht öffentlich stattfinden sollte, war Eowyn anzusehen. Ihr schien ja eine halbe Gerölllawine vom Herzen zu fallen, als er die Idee einer Show-Degradierung abschrieb. Den Orden würden sie so oder so schwächen, wenn Eowyn auf diese Weise oder gar mit einem Ausschluss bestraft würde. Daraus ein größtmögliches Zeremoniell zu machen, könnte ein bisschen zur Schadensbegrenzung beitragen, aber nicht um jeden Preis.

Irgendwann war aber die Frage der Bestrafung wahrlich genug diskutiert und sie kamen zu den Dingen, die Wes wichtiger waren als das. Schlimm genug, dass sie die Möglichkeit einer Degradierung überhaupt diskutieren mussten. Aber dass die Bastion-Mission obendrein ihre Freundschaft als Preis forderte, war wirklich verheerend. Es würde auch für ihn so viel schwerer werden, mit einer möglichen Degradierung mitzugehen. Es würde sich für ihn immer so anfühlen, als ob das eine mit dem anderen zu tun hatte. So wie er es empfand, dass ihre Freundschaft schon genug gelitten hätte, als dass er die Bestrafungsoptionen im Rat mittragen konnten. Hoffentlich wollten sie nicht von ihm, dass er die Degradierung vollzog. Oder machte das der ganze Rat wie bei der Beförderung zum Rat? Gab es denn überhaupt ein festgeleges Prozedere für so einen Fall?

Klar war, dass Eowyn nicht mit einer Entschuldigung seinerseit gerechnet hätte. Es war klar, dass seine Worte sie anrührten. Sie wirkte aufgewühlt. Hoffentlich war es ein positives Aufgewühlt. Jedenfalls hatte er alles versucht. Nachgedacht, warum die Dinge damals so schrecklich schief gelaufen war. Seinen Anteil daran für sich benannt. Das wahrscheinlichst knuddeligste Plüschreptil der ganzen Galaxis gefunden… und ja. die blonde Menschenfrau nahm die Gegenentschuldigung an. Die andere Hälfte der Gerölllawine fiel von Wes' Herzen. Er entspannte sich – erst jetzt fiel ihm so wirklich auf, wie angespannt er gewesen war – und stieß einen Stoßseufzer der Erleichterung aus. Wenn er der Typ für Umarmungen gewesen wäre, wäre er Eowyn um den Hals gefallen. Stattdessen beugte er sich vor und gab ihr die Hand.


»Ich trinke für dich ein Fingerkraut mit. Auf einen neuen Anfang!«

Wes begann zu strahlen, als Eowyn, beinahe sprachlos, sich bedankte und ihm tief in die Augen sah. Dass sie verstand, wie seine Lage zu der Zeit gewesen war und ihm anvertraute, was ihre Sorgen und Nöte zu der Zeit gewesen waren. Eowyn hatte das Gefühl, nicht richtig zum Orden zu gehören? Das von ihr zu hören machte ihm Sorgen. Wes sah die Jedi gerne wie eine große Familie und für ihn war es das tatsächlich. Aber dass eine Jedi, die ihm sehr wichtig war, die moralisch zu seiner Familie gehörte, sich außen vor fühlte, war traurig. Angst, ja. Erklärte es das? Man musste den Kodex schon sehr verinnerlicht haben und ihn leben, um in den letzten ein, zwei Jahren nie Angst gehabt zu haben. Dass sie sich wie eine Spielfigur gefühlt hatte, wie ein Mittel zum Zweck, das hatten sie, der Rat verbockt.

»Ich glaube wir haben gesehen was passiert, wenn zwei Leute gleichzeitig dermaßen am Limit sind. Dann fliegen die Fetzen, wo es sonst nie dazu käme. Ich war wirklich am Limit damals, aber der Urlaub auf Alderaan hat mir gut getan. Wir… ich… hätte das Warum und Wieso besser erklären sollen. Die Zeit hätte ich mir trotz allem nehmen müssen. Das Schicksal der Republik hängte an euch und dass ihr hundertprozentig an Bord seid. Dass du dich als Dejarikfigur gefühlt hast, ist unsere Schuld als Rat, das hätte nicht passieren dürfen. Kein Jedi sollte sich als Marionette des Rates fühlen,«

Erklärte der Taanaber sehr ernst.

»Angst hab ich auch manchmal gehabt. Um Mitjedi, die mir nahe stehen, wie euch auf eurer Geheimmission. Dass wir den Tempel gleich wieder verlieren. Dass mir alles über den Kopf wächst… Aber dass du dich nicht wirklich als Teil des Ordens gefühlt hast, beunruhigt mich ein wenig. Das mit deinen Padawanen sind unglückliche Zufälle. Das waren ganz verschiedene Gründe, das brauch ich dir ja nicht zu sagen. Wer oder was gibt dir das Gefühl, nicht dazuzugehören? Was können wir tun, um das zu ändern?«

Fragte Wes. Zum Glück währten die Molltöne in dem eigentlich so positiv verlaufenden Gespräch nicht lange, denn plötzlich schien es, als wäre Eowyn bereit, dem Votum der anderen Räte zu vertrauen und sich selbst eine Chance als Mitglied des Gremiums zu geben. Dass sie ihren Dann-Kollegen gleich vorwarnte, unbequem zu sein, ließ Wes lachen.

»Es wäre schlimm wenn nicht! Wir brauchen Leute, die ihre Meinung klar zum Ausdruck bringen. Ahna hat nie mit der ihren hinter dem Berg gehalten, das kannst du mir glauben. Dass der Rat kraft höherer Einsicht und Eingebung durch die Macht stets einstimmig beschließt passiert so nur in Holofilmen, das kannst du mir glauben. Da kann es schon mal ganz schön kontrovers zugehen,«

Machte er ihr Mut. Räte waren keine Wesen höherer Art. Eowyn würde sich eingewöhnen müssen, klar, aber sie musste nichts menschenunmögliches vollbringen.

»Was du tun musst? Ich führe dich gerne ein, aber ein paar Dinge kann ich dir gleich sagen. Die Schatten brauchen eine Stimme im Rat. Eure Rolle im Orden ist zu speziell, als dass wir darauf verzichten. Wahrscheinlich wird man dich am Anfang erst mal von den sehr repräsentativen Terminen fernhalten, bis wir wissen, wie sich das entwickeln. Ich kann mir daher vorstellen, dass du die ersten Wochen als Rätin vor allem Ritterprüfungen abnimmst und Beförderungen vornimmst. Zu sehr im Rampenlicht sollten Schatten ja ohnehin nicht stehen. Passt das oder hättest du etwas anderes erwartet?«

Coruscant – Jedi-Tempel – Nebenraum der Pressekonferenz – Eowyn und Wes
 
Coruscant | Jeditempel | Zimmer – Eriu, Mya



Er nickte bei den Ausführungen zu der anderen Padawan nachdenklich. Gut, dass er das jetzt wusste, er konnte sich vorstellen, dass jene Padawan das persönlich nehmen könnte.


„Danke für die offenen Worte. Es wäre unangenehm unvorbereitet auf diese Person zu treffen.“

Als sie die kleine Kugel herausholte und diese zu levitieren begann, sah interessiert den Übungen zu und nahm schließlich die Kugel an.

„Ich werde es nicht so gut können wie Ihr, aber ich werde es versuchen.“

Er lächelte Mya an, und setzte sich in einen Schneidersitz. Dann atmete der Sephie einmal aus, legte die Hände ineinander und schloss die Augen. Er konzentrierte sich auf seine Umgebung, die Macht die alles darin durchfloss und lenkte die dann auf die Kugel, die sich langsam erhob und anfing zu drehen. Allerdings blieb es bei einer Achse und langsamer als es bei Mya der Fall gewesen war. Äußerlich und innerlich blieb der Sephie ruhig und gelassen, soviel konnte Mya feststellen, ebenso, dass er sehr wohl versuchte die Drehung über eine zweite Achse hinzubekommen. Schließlich hörte die Drehung auf und der Padawan hob seine rechte Hand vor sich, mit dem Handrücken zu Mya gerichtet, und lies die Kugel von einer Fingerspitze zur nächsten tanzen. Nach wenigen Augenblicken gesellten sich zwei Kieselsteine dazu, die er aus einer gläsernen Schale, die auf dem kleinen Tisch stand, levitierte. Langsam tanzen diese mit der Kugel auf den Fingerspitzen und zwischen den Fingern hindurch.

Dann sanken die Steine in seine offene Hand und die Kugel zu Mya.

Eriu öffnete die Augen. Auch wenn er nicht schwer atmete, konnte Mya erkennen, dass es für den Sephie nicht wenig seiner Konzentration gefordert hatte.


„Ich hoffe, dass es nicht zu enttäuschend war und Ihr Euch ein Bild machen konntet. Rätin Horn hatte viel Mühe, bis ich ohne Panik die Macht einfach fühlen konnte. Es hat lange gedauert und ich gestehe, dass es mit bei einigen Techniken der Jedi, von denen ich gelesen habe, ähnlich sein könnte.“


Er legte die Kieselsteine in die Schale zurück.

„Kann ich sonst noch etwas für Euch tun?“



Coruscant | Jeditempel | Zimmer – Eriu, Mya
 
Coruscant – Jedi Tempel – Krankenstation – mit Elise

Der Chiss schluckte jeden Kommentar, der ihm noch auf der Zunge gelegen hätte, hinunter. Elises Zustand wurde nicht besser und es war unnötig, ihre Energie darauf zu verschwenden, in einen Schlagabtausch zu gehen, bei dem beide das letzte Wort behalten wollten. Riuen wusste es außerdem besser: Natürlich ging es um Schuld. Bei seiner Hand und bei der kommenden Mission. Machte es Elise etwas aus, Leute auf die Mission zu nehmen, weil diese gefährlich war und ihnen etwas zustoßen konnte, ging es um Schuld. Ganz einfach. Sie hatte ihm lang und breit erklärt, dass sie schuld an dem Unfall bezüglich seiner Hand gewesen war. Vielleicht wollte sie ihm keine Schuldrechnung zuschieben, nö. Aber sich. Und auf dieses Spiel würde die Blauhaut sich nicht einlassen. Ähnlich sinnbefreite Diskussionen hatte er schon mit Eowyn geführt, die genauso wenig von ihrem Standpunkt ablassen wollte und Riu hatte dazu gelernt.
Dass es dabei nicht ganz so rüberkam, dass sie ihm seine Meinung lassen wollte, kommentierte der Chiss nicht. Nachgeben. Bessere Option, eindeutig. Denn eigentlich ärgerte es ihn, dass Elise ihm hier nicht mehr entgegenkommen konnte. Weil es um sie ging. Weil er etwas empfand. Weil er überzeugt war, dass ihre Sicht absurd war. Aber manchmal spielten die Weils keine Rolle und wenn das hier ihr bester Kompromiss war, würde er ihn fressen, ganz einfach.

Wäre da nicht der nächste Punkt, bei dem er ihr am liebsten den Kopf abgerissen hätte.
Sie sank tiefer in die Kissen und behauptete, dass sich ihr Zustand bis zur Abreise verbessern würde, dabei sah sie ihn sogar direkt an. Riuen erwiderte ihren Blick und verbarg dabei nicht, was er von dieser Idee hielt. Nichts. Alles in ihm begehrte auf, als sie allen Ernstes erklären wollte, dass es sich anfühlte, als sei der Parasit in einen Schlaf gefallen.
„Meinst du den Schlaf, den er geführt hat, bevor er dich in meiner Anwesenheit überfallen hat?“
Sie sprachen hier kaum eine Stunde und ihr Zustand verschlechterte sich, aber morgen würde sie aufstehen. Ja und ihm wuchs morgen eine dritte Hand, die seine mechanische abstieß und nett grüßte, dass sie lange genug gearbeitet hatte. War klar.

Wenn Eowyn dir morgen verbietet zu reisen, wird es das erste Mal sein, dass ich auf ihrer Seite stehe, Elise. Ich akzeptiere, was du sagst, aber ich halte gar nichts davon. Weniger als gar nichts. Aber du bist meine Meisterin, also halte ich den Mund.“ Aber Eowyn war sicher nicht in der Lage irgendetwas zu verbieten und während Riuen das bewusst wurde, rollte er mit den Augen. Oh ja, dieses Gespräch sah er vor sich. Wie Eowyn natürlich nicht widersprechen würde, weil sie überhaupt keine Meinung mehr zu haben schien.

„Ich hasse das jetzt schon. Wie du, kaum in der Lage zu laufen, dahin spazieren willst und die anderen lieber dalassen würdest. Ich hasse es und ich rate dir, keine dummen Witze zu machen, weil du hier eindeutig Grenzen überschreitest und ich ausnahmsweise keinen dummen Witz machen werde. Ich hasse es.“ Womit er furchtbar ernst klang, aber auch geschlagen. Denn würde Elise Eowyn sagen, dass sie nicht wollte, dass er mitflog, so traute er beiden zu, dass sie das durchzogen. Elise ließ keine Verhandlung mehr zu, dass sagte ihre Körpersprache so deutlich, wie es Riuens Worte eben getan hatten. Widersprechen würde er nicht, aber Elise musste ertragen, was er davon hielt das war sie ihm, Achtung, Achtung: schuldig.
„Die Freigabe wird kommen, da bin ich mir sicher.“
Coruscant – Jedi Tempel – Krankenstation – mit Elise
 
Coruscant - Jedi-Tempel - Nebenraum neben Pressesaal, mit Wes

Es sind billige Repulsoren, Wes, kein X-Wing,
erwiderte Eowyn, bemüht, die etwas lockere Stimmung zwischen ihnen beiden aufrecht zu erhalten. Was gut so ist, denn dann würde ich das Teil bei meinen Flugfähigkeiten vermutlich in einen Schrotthaufen verwandeln. Auch, wenn sie unter Umständen noch eine ganze Weile zu trainieren hätte? Unwahrscheinlich, aber darüber wollte sie jetzt nicht nachdenken.
Es tat gut, dass Wes ihren Gedankengang nachvollziehen konnte. Nein, eine degradierte Rätin war aktuell wirklich keine gute Führungsposition für die Schatten. Selbst in anderen Zeiten schwierig - aber nun, auf keinen Fall. Allerdings zog Wes den gegenteiligen Schluss als sie - sie schlicht nicht zu degradieren, anstatt ihr nicht den Posten der obersten Schatten zu geben. Aber sie würden sehen, was die Zeit brachte.

Viel wichtiger aktuell aber war, dass sie klärten, was da zwischen ihnen stand. Als sie heute früh aufgewacht war, hätte sich Eowyn nie träumen lassen, dass sie nach dieser elenden Pressekonferenz hier stehen und tatsächlich mit Wes ein klärendes Gespräch führen würde. Erst recht nicht eines, bei dem sie wirklich
verstehen würde. Es war eine Erleichterung, von der sie nicht einmal geahnt hatte, dass es sie belastete - schließlich waren in den letzten Monaten weitaus gravierendere Dinge passiert. Aber zu wissen, dass sie Wes nicht verloren hatte... Sie ergriff seine Hand und nickte. Auf einen neuen Anfang.
Wes strahlte schließlich so, wie sie ihn seit... uff, seit ihrer Rückkehr in den Orden? nicht mehr hatte strahlen sehen. Was nicht hieß, dass er es seither nicht getan hatte, aber wann immer sie ihn getroffen hatte, waren seine Blicke eher sorgenvoll oder ernst gewesen. Jetzt standen sie mitten in einem Krieg, den die Jedi vielleicht mit ausgelöst hatten, aber immerhin... immerhin hatten sie das C-Virus vernichtet, nicht wahr? Und sie hatten immer noch... sich. Oder eher - wieder. Das musste irgendwie etwas wert sein.

Sie nickte auf Wes' Erklärung hin, dass sie eben beide am Limit gewesen waren. Oh, wie recht er hatte. Und Eowyn war froh, dass er anscheinend irgendwie Urlaub bekommen hatte. Wenn jemand das verdient hatte, dann Wes, der hier auf Coruscant die Meisterleistung erbracht hatte, diesen Tempel unter der Krise neu aufzubauen. Dass er dann zugab, ihre Gefühle anzuerkennen, erleichterte sie ungemein - war es doch in ihrem Streitgespräch anders verlaufen.
Es tut zugegeben gut, das zu hören, gab sie leise zu. Genau wie Wes zugab, ebenfalls Angst gehabt zu haben - etwas, das Eowyn zugegeben wieder überraschte. Räte hatten keine Angst - Wes hatte keine Angst. Nicht er, der doch irgendwie immer alles im Griff hatte. Ein wenig Sorge, ja, sicher, aber Angst? Du bist so fähig, du hattest den Tempel hier immer gut unter Kontrolle, versicherte sie ihm, bevor Wes dummerweise ihren anderen, vielleicht etwas unbedachten Kommentar mit aufnahm. Und ja, natürlich, man konnte es so sehen, dass ihre Padawane nicht nur wegen ihr abhanden gekommen waren, aber... Aketos war durchaus ihre Verantwortung gewesen. Und Winter... Eowyn schob das Thema zur Seite. Winter hatte aktuell in ihrem Kopf keinen Platz.
Was sie tun konnten, damit sie sich wieder zugehörig fühlte? Eowyn seufzte leicht. Wenn es nur so einfach wäre.
Ich weiß nicht, Wes. Es ist einfach... nicht mehr wie früher. Liegt vermutlich an mir. Ich bin älter geworden... Sehe manche Dinge anders. Bin verschrobener, ecke an. Vielleicht muss ich auch das einfach akzeptieren. Ihre Familie war nun einmal für sie nicht mehr das, was sie einmal gewesen war. Und auch, wenn sie jetzt wenigstens den Tempel wiederhatten - es war schlicht anders als früher. Diese absolute Sicherheit und Geborgenheit, die sie damals hier verspürt hatte, war natürlich nicht mehr da, aber es war nicht nur das. Sie konnte es nicht greifen - vielleicht war es wirklich einfach nur die Tatsache, dass sie meistens nun einmal alleine war, isoliert von allen anderen. Irgendwie... nun eben auch das Los einer Schatten. Und ihre Beziehung zu Ian machte es nicht gerade besser.

Sie musste mehr akzeptieren, mehr annehmen. Genauso... wie eben vielleicht auch diesen Sitz im Rat. Auch, wenn seine Mitglieder in ihren Augen sich nun einmal dessen bewusst sein mussten, wen sie sich da zu sich holten. Oder... geholt hatten. Wes fand das aber wohl eher amüsant denn problematisch und brachte Ahna ins Spiel, was Eowyn wieder einen Stich ins Herz verpasste. Klar, er hatte wieder recht... aber Ahna war nun einmal Ahna gewesen, nicht wahr? Mit all ihrer jahrzehntelangen Erfahrung, ihren Fähigkeiten, der Bruchpunkttechnik, Machtstärke und Autorität. Sie selbst war noch nicht einmal vierzig... Trotzdem gab sie sich Mühe, schief zu lächeln.

Ich glaube, ich hab seit meiner Jugend keinen dieser Filme mehr gesehen. Du etwa? Als ob, Wes war doch noch beschäftigter als sie selbst. Vielleicht sollte sie das tatsächlich als Alternativweg ins Auge fassen, falls der Orden sich von ihr trennte - Ian hatte ihr doch schon längst gesagt, sie sollte ihre Schauspielerei intensiver betreiben. Falls sie also heimatlos wurde... dann konnte sie immer noch ins Holobusiness gehen. Schauspielerin oder Drehbuchautorin - wer könnte so realistisch schreiben oder spielen wie eine echte Ex-Jedi?
Sie seufzte dann leise, als der amüsante Gedanke verflog.
Ich hoffe, ihr wisst, worauf ihr euch einlasst, murmelte sie und zuckte schließlich aber mit den Schultern. Es war nicht ihre Verantwortung, nicht wahr? Der Rat wollte sie haben, dann bekam der Rat sie. Und sie würden sehen, wohin alles führte. Sie sollten nur nicht hinterher sagen, sie hätte sie nicht gewarnt...

Wes nahm ihre unterschwellige Zustimmung zu diesem Posten auf und machte aus "bei Gelegenheit" einfach einmal "jetzt". Eowyn schluckte, als er sofort wieder die Schatten erwähnte - etwas, das sie kurz verdrängt hatte.
Richtig.
Wenn sie nun wirklich im Rat verblieb, auch auf Dauer... dann rückte dieser Posten in der Tat viel näher. Es herrschten noch Zweifel im Rat, ja, es war möglich, dass man sich anders entschied, doch... die Chancen waren nun definitiv gestiegen. Fernhalten von Repräsentativem - das konnte gerne immer so bleiben. Für eine Schatten war sie ohnehin
viel zu bekannt, sie würde wirklich schauen müssen, wie sie das in Zukunft hinbog. Einsätze wie der auf Nar Shaddaa würden viel schwieriger werden... andererseits saß sie im Schwebestuhl, also unnötige Gedanken.
Prüfungen und Beförderungen. Natürlich, das war wichtig... unglaublich wichtig sogar, doch kostete es bestimmt unglaublich viel Zeit. Aber sie würde einfach schauen müssen, wie sie alles ordnete. Sie dufte Malek nicht vergessen - diesmal würde ihr der Fehler, dass sie sich zu wenig um die Person hinter ihrem Padawan kümmerte, nicht passieren, oh nein.


Ich habe eigentlich gar nichts erwartet, bis eben ging ich davon aus, dass dieser Rang auf kurz oder lang Geschichte sein würde. Eowyn rieb sich die Stirn. Langsam bekam sie wirklich Kopfweh. Aber aus der Öffentlichkeit raushalten klingt fantastisch, am besten für immer. Heißt das, es liegt jetzt einfach so in meiner Verantwortung, ob ich zum Beispiel Padawane befördere oder nicht? Ein seltsames Gefühl. Noch nie hatte sie überlegt, worauf es dabei eigentlich wirklich ankam, und wie das von der anderen Seite her wirkte. Und das mit den Schatten... Sie zuckte mit den Achseln. Das liegt am Rat, Wes, das weißt du. Und auch, wenn ich diesen Rang jetzt... Sie stockte, annehme... heißt das noch immer nicht, dass ich um diesen Posten kämpfe. Entweder ihr habt das notwendige Vertrauen in mich... oder nicht. Wobei es sich außerordentlich seltsam anfühlte, dass sie ihr den Ratsposten noch immer zutrauten, diese Sache aber nicht. Verständlich, irgendwie, ein kleines bisschen... aber sehr, sehr seltsam. Sie wusste schlicht nicht, was sie davon halten sollte, und es klopfte wieder die Unsicherheit an, was sie im Rat überhaupt verloren hatte, und ob sich die Mitflieder dessen klar waren, dass... Schluss. Sie musste damit aufhören, zumindest für jetzt.

Und sie musste auch mit diesem Gespräch aufhören, so leid es ihr irgendwie plötzlich tat. Aber sie musste sich hinlegen... dringend. Schmerzunterdrückung funktionierte nicht auf Dauer und in unendlicher Intensität.
Danke dir, auf jeden Fall. Sie sah Wes noch einmal fest in die Augen. Für das Gespräch... und für den keinen Kerl hier. Leicht lächelnd hob sie den Gizka hoch. Endlich hat mein altes Bantha Gesellschaft, wenn ich unterwegs bin. Kannst du Rornan sagen, dass ich mich wieder ausruhe? Ich bin noch ziemlich angeschlagen... Falls er noch was von mir braucht, weiß er ja, wo er mich findet.

Eowyn verabschiedete sich von Wes, mit einem wesentlich leichteren Gefühl im Herzen als bei ihrer Begrüßung vor der Konferenz, und schwebte aus dem Raum. Draußen war erst einmal angenehm wenig los, da der Ausgang zum Nebenraum klugerweise nicht direkten Zugang zu irgendwelchen Hauptgängen oder gar zur Eingangshalle hatte, aber sie konnte es natürlich nicht vermeiden, in belebtere Bereiche des Tempels gelangen zu müssen. Sie hielt den Blick gesenkt, spürte die Blicke der anderen Jedi aber trotzdem und hörte das immerhin seltenere Flüstern. Als sie schließlich die Krankenstation und dann ihr Zimmer erreichte, war sie völlig ausgelaugt - sowohl körperlich als auch psychisch. Mühsam quälte sie sich mit letzter Kraft aus dem Schwebestuhl in ihr Bett, legte den Gizka auf den kleinen Tisch neben ihrem Bett und zog dann die Bettdecke über ihren Kopf - zumindest fast, einen kleinen Spalt behielt sie offen, damit weiterhin Licht in ihre kleine Höhle fiel. Mit Dunkelheit kam sie noch immer nicht klar.

Was für ein Vormittag. Sie war nicht einmal in der Lage, alles irgendwie Revue passieren zu lassen, weil einfach
so viel geschehen war. Dabei war der Tag erst zur Hälfte um. Sie musste unbedingt Malek schreiben. Elise fragen, wie es ihr heute ging. Nachsehen, ob irgendjemand etwas von Brianna wusste, ob sie vielleicht sogar eine Nachricht von der Ritterin bekommen hatte. Aber eigentlich... wollte sie einfach nur hier liegen, atmen, irgendwie ihren Kopf beruhigen und die Schmerzen aushalten, die ihren ganzen Körper wegen dieser ungewohnt langen Zeit im Stuhl peinigten. Zwar waren...
Ihr Herz schlug plötzlich irrsinnig schnell, und fahrig hob Eowyn ihre zitternde Hand zu ihrer Brust, während sie sich abmühte, die Nerven zu bewahren und nicht zu hyperventilieren. Atmen. Atmen, ein und aus... Ihren
ganzen Körper.

Viel, viel, VIEL weniger in den Bereichen unterhalb ihres Rückens. Beinahe... tat es
nicht weh. Aber... es tat weh. Es tat weh.
Sie hatte kein einziges Mal seit ihrem Sturz Phantomschmerzen gehabt. Das konnte es nicht sein. Konnte einfach nicht. Es musste bedeuten... Sie durfte nicht zu früh Hoffnung haben. Sie durfte nicht denken, dass jetzt alles gut wurde. Sie musste... abwarten. Beobachten. Mit den Heilern reden. Mit... Ja, auch mit Ian, auch wenn Eowyn betete, dass das hier kein Fehlalarm war. Ob Ian es verkraften würde, wenn sie sich einfach nur irrte? Sie durfte sich nicht irren. Aber sie war viel,
viel zu durcheinander und erschöpft, um jetzt trotz des Adrenalins, das ihren Körper durchflutete, irgendwelche Erkundungen mit der Macht zu unternehmen. Nein... sie musste abwarten.
Abwarten... sich beruhigen. Die zwei Tränen wegwischen, die ihr entwischt waren. Und atmen. So wie immer.
Einfach atmen.


Coruscant - Jedi-Tempel - Krankenstation, Eowyns Zimmer, alleine
 
[Coruscant / Jedi Tempel / Krankenstation / Krankenzimmer] mit Brianna

Das Gesicht des Nautolaners verdunkelte sich bei dem Namen Kira.
Die Zellen auf Ziost huschten durch seinen Kopf, genau wie das Gesicht des Grafen und von Zoey.


Kira… Irgendwie scheint die Galaxie doch kleiner zu sein, als einem lieb ist… Ich kenne Kira… Sie war mit auf Ziost… Wo uns Zoey an die Sith verraten hatte…

, meinte er zu Briannas Kommentar, dass sie von ihrem Schüler aufgespürt worden war. Er schüttelte aber zum Namen des Sith den Kopf…

Aber Sedros sagt mir nichts… Er ist vermutlich ein ziemlicher Drecksack, wenn er der Schüler von Kira ist…

, sprach er mit einem ziemlich bitteren Unterton.
Als sie auf Kestrel zu sprechen kamen, wurde Q’Tahems Blick wieder weicher. Er sah kurz in Richtung des Nachbarzimmers. Zweimal hatte sie eine so schreckliche Tortur durchmachen müssen… Und beide Male mit ihrem Padawan Schüler bzw Schülerin. Mit müdem Blick sah er der hellhäutigen Echani ins Gesicht und fragte sich, ob sie wirklich nachvollziehen konnte, wie es ihm erging, aber ihre Worte klangen schon auch wie seine momentanen Gedanken. Sie versprach ihm, dass sie nach ihr sehen würde. Er sah sie dankbar an und nickte bei ihren Worten.

Bei ihrer Sichtweise über die Macht hörte er interessiert zu. Anders als viele andere Jedi teilte sie nicht den Glauben, dass der Weg durch die Macht vorbestimmt war, sondern dass man selbst für seinen Weg verantwortlich war.
Das war ein interessanter Gedanke. Man sagte ja nicht umsonst: „Die Wege der Macht sind unergründlich.”


Ja… Vielleicht ist es nicht die Macht, die den Weg vorgibt, aber vielleicht gibt sie das Ziel vor?

, meinte er nachdenklich. Die Frage war dann nur: Was ist das Ziel? Oder gab es mehrere Ziele? Für jedes Lebewesen eines? Eine Antwort auf diese Frage würde er wohl nie erhalten…

Über die Information, dass Sane aus einer Adelsfamilie von Bastion stammt, fiel dem Nautolaner erstmal kurz der Mund auf.


Von Kath…?

, wiederholte er erstaunt.

Wow! Aber ich kann Sane verstehen, das nicht einfach so zu erzählen… In der Republik und vor allem beim Militär hätte er mit dem Hintergrund bestimmt ein echt schweres Leben gehabt…

Da behielt man das lieber mal für sich…

Bei den Kindern von Bastion hörte er sofort aufmerksamer zu. Einen Schiffsnamen hatte die Echani leider nicht erhalten. Sie verriet, dass sie im Holonet nach Informationen zu Samin suchen würde und dass sie die Augen nach Nachrichten über verschwundene Kinder auf Bastion auf halten würde…


Ich hoffe es auch… Aber das was ich von den Imperialen weiß, ist dass die sich wie ein Massiff in sowas rein beißen können…

Dann vibrierte sein Comlink.

Q’Tahem schüttelte bei Briannas Nachfrage unwissend den Kopf.


Ich muss ehrlich sagen: ich weiß es nicht. Aber, wenn es wirklich irgendwas mit Rak’ghouls zu tun hat, dann ist das ziemlich übel…

Rak'ghouls kannte Q'Tahem nur von richtig gruseligen Horror-Flimsifilmen vor seiner Zeit im Tempel.

Brianna ließ durch die Blume durchblicken, dass sie nicht vorhatte nach Thearterra aufzubrechen und lieferte auch noch einen guten Grund dafür: Thearterra war Imperial, da sollte sie momentan einen großen Abstand halten!


Klar… Ich hatte nur die Hoffnung gehabt, dass Du vielleicht etwas weißt, um ein Gegenmittel herzustellen…

, meinte er und tippte nachdenklich auf dem Rand seines Comlinks herum. Er sah in Gedanken versunken einige Momente an Brianna vorbei, bevor er dann wieder das Wort erhob.

[Ich denke… ich sollte mit Riuen und Elise reden…

, meinte er leiser und ließ den Blick einen Moment auf seinem Comlink ruhen.

Wenn ich den beiden irgendwie helfen kann… dann will ich es zumindest versuchen…

Sein Blick glitt zu seinen knochigen Händen und den schmalen Unterarmen. Für einen kurzen Moment zögerte er.

Auch wenn ich vermutlich keinen Fuß auf Thearterra setzen sollte…

Er nahm ruhig das Comlink in die Hand und tippte eine Antwort an Riuen und Elise.

Hallo ihr zwei,

Ich bin seit ein paar Stunden ebenfalls auf Coruscant.
Ghul-Virus klingt schrecklich! Ist es das Rak’ghoul-Virus!?
Seid ihr ebenfalls auf der Krankenstation, ich komme sofort vorbei, dann können wir ein paar Details besprechen!

Liebe Grüße
Q

Nach dem Abschicken sah er Brianna wieder etwas beunruhigt an.


Entschuldige… Ich möchte dich nicht rausschmeißen oder so… Im Gegenteil: Ich bin sehr froh, dass du mir einen Besuch abgestattet hast, aber ich glaube, ich sollte los…

, meinte er aufgeregt und warf bereits die Beine aus dem Bett, um zu Elise und Riuen zu gehen. Sein Körper protestierte leise, aber er ignorierte es und biss die Zähne zusammen.

Kurze Zeit darauf bekam er die Nachricht, dass sich Riuen und Elise auch auf der gleichen Krankenstation befanden, wie er selbst war. Mit etwas wackeligen Schritten, lief er zu der Zimmernummer, die ihm mitgeteilt worden war. Seine helle Robe, die er von den Jedi Heilern erhalten hatte, hing wie eine schwere Decke an ihm herab. So ganz ausfüllen konnte er sie nicht.

Nach einem vorsichtigen Klopfen trat er dann in das Krankenzimmer ein. Im Krankenbett des Zimmers lag die geschwächt wirkende Elise. Ihr schwarzes Haar hing ihr matt und strähnig ins Gesicht. Das Gesicht wiederum war bleich. Neben dem Bett stand ein blauhäutiger Mann mit tief roten Augen. Riuen, wie Q’Tahem vermutete.

Viel besser als Elise sah der Nautolaner selbst jedoch zugegebenermaßen nicht aus. Nur Elise sah müder und deutlich geschwächter aus. Wenn Riuen einen fitten, vor Energie triefenden Jedi-Ritter erwartet hatte, dann musste er nun zutiefst enttäuscht worden sein. Für einen Moment fragte sich der Nautolaner, ob er hier wirklich helfen konnte.
Q’Tahem war sichtlich unterernährt. Seine Backen waren stark eingefallen und seine Arme und Beine glichen dünnen Stecken. Eine Aura der Kraftlosigkeit umhüllte nicht nur Elise sondern auch den Nautolaner.

Seine Augen wanderten unsicher zwischen Riuen und Elise hin und her


Ähm…

Er zögerte einen Moment, bevor er einen Schritt weiter in den Raum machte.

Q’Tahem… Ich habe eure Nachricht bekommen…

Sein Blick blieb kurz an Elise hängen.

Wie schlimm ist es…?

[Coruscant / Jedi Tempel / Krankenstation / Krankenzimmer] mit Elise und Riuen
 
Coruscant – Jedi-Tempel – Nebenraum der Pressekonferenz – Eowyn und Wes

Eowyn behauptete, dass es bei ihren Flugkünsten besser wäre, dass ihr Schwebestuhl sich nur im Schlafwagenmodus fortbewegen konnte. Bei der Vorstellung, dass die menschliche Jedi so ein Ding zu Schrott flog, musste Wes unwillkürlich grinsen. In seinem Kopf sah er sie aber auch selbstbewusst und unversehrt dem brennenden Trümmerhaufen entsteigen und bis es so weit war, mussten die Heiler leider noch eine ganze Weile arbeiten.

Auf einem anderen Feld hatten sie viel schnellere Fortschritte erzielt. Die beiden besiegelten die Aussöhnung mit einem Handschlag und Wes war wirklich froh, eine Sorge weniger zu haben, die ihn belastete. Noch einmal über die unschönen Erlebnisse von damals zu reden wirkte befreiend. Oft hatte man ja den Impuls, diese Dinge zu verdrängen und wegzuschieben, als wäre nichts gewesen. Aber dieses Mal hatten sie darüber gesprochen und die Sache beigelegt und es zeigte sich, es war so viel besser, nicht zu schweigen.

Andererseits war Eowyn überrascht zu hören, dass Wes Angst gehabt hatte, den Wiederaufbau des Tempels nicht zu schaffen. Dabei war es schmeichelhaft für ihn, es so klingen zu lassen, als hätte er das quasi im Alleingang getan. Da waren doch noch viele andere gewesen. Ohne Sarid wäre der Tempel in den unteren Ebenen heute noch löchrig wie ein Aargauer Käse. Chesara hatte die Krankenstation wieder ausgebaut, Meister Nackl die Bibliothek, viele andere…


»Ich… hatte Hilfe,«

Entgegnete er. Ja, während der Krise hatte sich tatsächlich manchmal so gefühlt, als würde er den Laden ganz alleine am Laufen halten, aber er vermutete, dass er nicht der einzige Jedi, der das so empfunden hatte, jeder in seinem oder ihren Bereich.

Doch Eowyns verloren gegangenes Gefühl der Zugehörigkeit machte ihm Sorgen. Wie sie es ausdrückte klang nicht so schlimm, was einerseits gut sein konnte, oder andererseits auch schlecht, wenn da ein Gefühl des "nicht mehr dazu Gehörens" war, dass sich nicht so leicht in Worte fassen ließ. So konnte man auch schlechter das Problem verstehen und helfen. Aber er hoffte das beste und diagnostizierte:


»Weißt du, das klingt wie die Phasen der Nostalgie, die Firedevs und ich im Urlaub immer wieder hatten. Wir haben von den alten Zeiten auf Corellia geredet, als wir noch junge Jedi waren, als die Galaxis noch einfach zu sein schien und jedes Problem lösbar, notfalls indem man mal kurz mit dem Lichtschwert herumfuchtelte. Von alten Freunden, die nicht mehr bei uns sind. Die Probleme von heute sind so viel komplizierter geworden, die wenigsten lassen sich noch mit einem Lichtschwert hier oder einmal Telekinese da lösen. Und es gibt die neue Generation Jedi, die in einer Phase des vermeintlichen Friedens aufgewachsen ist und die irgendwie so ganz anders zu sein scheint… aber vielleicht nicht so sehr als wir in diesem Alter.«

Bei der Macht, wenn er so weiter machte, war das keine Nostalgie mehr, sondern er irgendwann der nölende alte Herr hier im Orden. Die Erinnerung an die Adi'rar-Filme verstärkte das noch. Das war alles so lange her. Natürlich hatte er ebenfalls seit Jahrzehnten keine solchen Filme mehr gesehen und die Vorstellung eines gemütlichen Filmabends erschien ihm derzeit ziemlich abwegig. Er schüttelte den Kopf.

Eowyn machte eine Bemerkung, die man so auffassen konnte wie dass der Rat es noch bereuen würde, sie zu einer der ihren gemacht zu haben. Nicht wie einer Drohung, sondern einer Warnung vor vermeintlicher Ungeeignetheit. Da passte es, sie vermeintlich einfach in ihren neuen Rang einzuführen, also so richtig, denn eine Schatten-Mission im Feld war ja sicher etwas ganz anderes als im Ordensalltag, zumal da bestimmt Ahna das alleinige Sagen gehabt hatte und es relativ egal gewesen wäre, welche Ränge sonst noch Teil der Mission gewesen wären. Aber aus der Öffentlichkeit herausgehalten zu werden gefiel der Tirahnerin erwartungsgemäß, wiewohl sie Bedenken hatte, was das Vertrauen der anderen Räte anging, gerade darin, sie die so wichtige Rolle als oberste Schatten ausfüllen zu lassen. Aber sie hatte auch eine ganz praktische Frage.


»Ganz recht, du prüfst Padawane auf ihre Eignung zum Ritter und entscheidest nach eigenem Ermessen, in eigener Verantwortung,«

Bestätigte der Taanaber.

»Für immer wäre in der Tat am besten für eine Schatten. Wir sollten hoffen, dass die Öffentlichkeit schnell vergisst, denn im Moment sind vermutlich alle Augen auf Ian und dich gerichtet. Was den Rat angeht, ich glaube die meisten hast du seit deiner Rückkehr ja noch gar nicht gesehen? Die haben bisher nur deinen Auftritt heute, um sich ein Bild von dem zu machen, was du jetzt bist, das ist also alles relativ. Ich bin mir aber sicher, dass du heute Vertrauen hinzugewonnen hast. Deine Feuertaufe als Rätin hast du ja jetzt schon hinter dir.«

Vermutlich sogar zweimal, auf Kast und jetzt auf dieser Pressekonferenz, dachte Wes. Eowyn bedankte sich, ausdrücklich auch für den Gizka, was den Jedirat zufrieden lächeln ließ, und sie bat ihn, sich bei Rornan anzumelden.

»Ich danke dir

Entgegnete er, erleichtert, dass sie wieder gut waren.

»Das sage ich ihm. Schone dich gut, deine Genesung geht vor. Das war für mich schon anstrengend, für dich sicher noch viel mehr.«

Anschließend verabschiedeten sie sich:

»Gute Besserung! Und möge die Macht mit dir sein!«

Wes tat wie ihm geheißen und informierte Rornan, dass Eowyn sich Richtung Krankenbett abmeldete. Er wollte gerade zu seinem Büro zurückkehren, als er eine Kom-Nachricht von Mya erhielt. Wie, sie hatte einen Padawan für ihn gefunden? Er hatte nicht einmal gewusst, dass er auf der Suche war – aber sicherlich war es für Aulona besser, wenn sie nicht alleine zu lernen brauchte.

Coruscant – Jedi-Tempel, Gänge – Wes, unterwegs zu Erius Quartier
 
Coruscant – Jedi-Tempel – medizinischer Flügel, Q'Tahems Zimmer – Q'Tahem und Brianna

Brianna hatte vermutet, dass Q'Tahem Kira kannte und die Bestätigung folgte auf dem Fuß. Von Ziost her – was bedeutete, dass die Guldurs in diesem Punkt die Wahrheit gesagt hatten. Als die Erinnerung an die Machtbilder und das Holo zurückkehrte, wurde ihr ganz anders. Sie waren gedacht gewesen, um sie zu erschüttern, im Kampf aus dem Konzept zu bringen, und die Taktik hatte funktioniert. Dass es wirklich passiert war, machte alles nur noch schlimmer. Aber sicher war nicht jedes Wort war, das die beiden von sich gegeben hatten. Sicher hatten sie gelogen, übertrieben? Kurzzeitig überlegte die Echani, ob sie den Nautlaner fragen sollte, ob Kestrel wirklich wehrlose Sith-Jüngerinnen auf grausame Weise getötet hätte, ließ es dann aber doch sein. Das war absurd, es musste eine Lüge sein. Schlimm genug, dass die anderen Dinge wohl wirklich passiert waren.

„Ja. Davon hab' ich gehört,“

Entgegnete sie nur und als Q'Tahem meinte, Sedros nicht zu kennen, fügte sie hinzu:

„Es gibt schlimmere Sith als ihn, aber vielleicht bleibt das nicht lange so. Ich glaube, dass Kira eine ziemlich hohe Fluktuation an Schülerinnen hat. Auf Kast hat sie Ribanna als ihre Schülerin vorgestellt und ich hatte das Gefühl, dass das jetzt schon nicht mehr aktuell ist, von daher… Aber wenn Sedros bleibt, wird er garantiert noch zum Drecksack, so viel steht fest.“

Im Grunde waren wohl beide froh, als sie den ganzen großen Themenkomplex um Kestrel hinter sich ließen. Ihre gemeinsame Meisterin war in der Nähe, unter kontrollierten Bedingungen in der Heilung begriffen, das musste reichen. Mit einer Nachfrage stieß Q'Tahem im Anschluss zielsicher über das hinaus, was Brianna sich an Gedanken über die Macht machte. Sie hatte schlicht keine Ahnung, wie sich die Macht ihr denn mitteilen würde.

„Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht. Ich schätze ich bin im Jedi-Orden nicht gerade als Philosophin bekannt. Woher würde ich denn wissen, dass die Macht mir ein konkretes Ziel vorgibt? Da gibt es Bruchpunkte, aber in dem Fall bin ja ich es, die diese spürt und nicht die Macht, die mir diese eingibt, richtig?“

Fragte sie, obwohl sie wusste, dass ihr Gesprächspartner hierfür auch keine Ahnung parat haben konnte. Ahna, die einzige andere Jedi, von der sie wusste, dass sie die Bruchpunkttechnik beherrscht hatte, konnte ihr da leider nicht mehr helfen.

In Sachen Sane hatte der Nautolaner ebensowenig Ahnung wie sie von seinem Adelstitel gehabt. Er vermutete, dass der Soldat beim Militär Schwierigkeiten mit diesem Hintergrund gehabt haben würde.


„Da hast du recht. Es ist vermutlich am besten, wenn du das für dich behältst. Ich weiß dass er als Jugendlicher von Zuhause weggelaufen ist und im Outer Rim ein neues Leben angefangen hat. Womöglich weiß das Militär gar nichts von seinem Hintergrund… allerdings unwahrscheinlich,“

Meinte sie und versuchte sich vorzustellen, wie das wohl gewesen sein musste, als der verlorene Sohn sich nach so vielen Jahren plötzlich bei seinen Eltern meldete, um die Gefängnis-frei-Karte zu spielen… dass das Imperium recht hartnäckig sein konnte, hatten sie auf Bastion auch gemerkt. Dass diese Agentinnen im The Void herumschnüffelten, konnte ihretwegen passiert sein oder wegen Samin. Hoffentlich hatten sie die Spur nicht bis zu Sane weiterverfolgt, bangte sie. Den Gedanken hatte sie auf dem Flug öfter gehabt, aber es war zweifellos besser, ihn nicht deswegen zu kontaktieren.

Als Q'Tahem von der Bekannten erzählte, die sich mit diesem Ghul-Virus infiziert hatte, stellte sich schnell heraus, dass sie beide sich da nicht gut auskannten.


„Zeigt deine Bekannte irgendwelche Anzeichen, sich in ein grässliches Monster zu verwandeln? Wenn nicht, ist es vermutlich was anderes,“

Sagte Brianna. Bei Rak'ghulen war dieser Formwandler-Aspekt ja ein wesentlicher Punkt. Q'Tahem hatte gehofft, dass sie eine Ahnung hatte, wie frau ein Gegenmittel für dieses Virus herstellte, was nicht der Fall war:

„Leider nein. Im Normalfall kann man nicht einfach ein Gegenmittel für ein Virus herstellen. Im Falle des C-Viruses mussten wir den Urheber töten, um es zu stoppen, was zugegebenermaßen auch kein typischer Verlauf ist.“

Jetzt brauchte sie ja nicht mehr damit hinter dem Berg zu halten, was sie auf Kast getan hatten. Die ganze Galaxis wusste inzwischen davon.

Im Nachgang ließ der Nautolaner den Hinweis fallen, dass Elise offenbar jene Bekannte war, die sich mit dem Ghul-Virus infiziert hatte. Eine gemeinsame Bekannte also, leider. Die Zusammenarbeit mit ihr wäre sehr angenehm gewesen, wenn Riuen nicht ebenfalls mit von der Partie gewesen wäre. Mit dem Chiss nach Thearterra zu fliegen, auf die Erfahrung konnte sie gerne verzichten. Aber Elise machte ihr Sorgen, die mochte sie, und frau sah es Brianna an, deren Blick sich veränderte und in die Ferne richtete. Ausgerechnet Elise. Hatten die Rückkehrerinnen, um nicht zu sagen ‚Überlebenden‘ der Mission nicht genug eingesteckt? Nur wann hatte sie sich denn diesen Infekt zugezogen? Elise war eben, wie die meisten anderen auch, mit nicht unerheblichen Verletzungen von Kast zurückgekehrt und bestimmt nirgendwo auf Mission gewesen diese letzten paar Tage.

Q'Tahem wollte den beiden unbedingt helfen, wusste aber selbst, dass er besser nicht nach Thearterra fliegen sollte.


„Nein, in deinem Zustand solltest du ganz sicher nicht auf Mission gehen, schon gar nicht an einen Ort wie Thearterra!“

Erwiderte sie ein kleines bisschen barsch. Da war sie, die Heilerin, die ihren Patientinnen gestrenge Anweisungen gab. Die Echani beobachtete den geschwächten und verletzten Jedi, wie er eine Nachricht tippte, mutmaßlich an Riuen. Als er fertig war, sah er sie besorgt an und bedankte sich bei ihr für ihren Besuch. Scheinbar hatte er es eilig, zu Elise zu kommen.

„In Ordnung, ich sollte ohnehin nach Kestrel sehen und mich überzeugen, dass auch wirklich alles in Ordnung ist mit ihrer Trance. Richte Elise bitte gute Besserung aus und falls es irgendwas gibt, was ich tun kann… und nicht dazu führt, dass ich imperialen Anti-Jedi-Kräften in die Arme laufe oder herausfinde, wie hoch der Preis auf meinen Kopf ist… dann gib mir bitte unbedingt Bescheid. Mach's gut, wir sehen uns,“

Verabschiedete sie sich von dem Patienten. Brianna betrachtete es als etwas unter ihrer Würde, jetzt ungebeten bei Q'Tahem mitzudackeln, vielleicht konnte sie ja später nach Elise sehen. Also ließ sie ihn alleine, redete mit der behandelnen Heilerin über Kestrels Zustand und entschied, dass diese noch ein wenig warten konnte. Sie sollte Eowyn Bescheid geben, dass sie zurück war, dann konnten sie gemeinsam beratschlagen, wie das jetzt weiterging mit dem Ultimatum der neuen Imperatorin. Das tat sie sogleich per Kom, denn sicherlich war die Rätin ebenfalls irgendwo hier in der weitläufig gewordenen Krankenstation, hoffentlich inzwischen nicht mehr in der Intensivstation. Sie suchte sich dazu ein ruhiges Plätzchen bei den Heilerinnen und einer Tasse Tee, für sie war es selbstverständlich, dass sie da nach wie vor hingehörte.

Kom-Nachricht von Brianna Kae an Eowyn El'mireth

Hallo Eowyn,

ich bin zurück von Bastion und das erfolgreich. Kestrel und Q'Tahem sind am Leben und hier im Tempel, hat Marrev dir das gesagt? Wir mussten uns trennen, weil die Rettungsmission durch das Ultimatum gefährlicher wurde als gedacht. Können wir uns absprechen, wie es jetzt weitergehen soll mit uns beiden? Ich würde das lieber mit dir klären als mit einer anderen Rätin. Ich hoffe, die wissen nach wie vor nichts von meinem kleinen Ausflug?

Liebe Grüße,
Brianna

Kom-Nachricht Ende


Coruscant – Jedi-Tempel – medizinischer Flügel, Pausenraum des Personals – Brianna
 
Coruscant - Jedi-Tempel – Gänge - Ian



Ian beeilte sich, hinaus zu kommen, diesmal achtete er darauf, den richtigen Ausgang zu nehmen und so begegnete er niemandem mehr, der Fragen stellte.
Rennen. Er wollte einfach nur rennen, erinnerte sich aber schnell an den ernsten Blick der Ärzte, die ihm gesagt hatten, dass er sich schonen musste, wenn er nicht wollte, dass der dritte Herzinfarkt, der letzte sein würde. Sie hatten keinen Zweifel gelassen, wie knapp er dem Tod entkommen war und all das – sie hätten es nicht sagen müssen, denn er hatte es gespürt. Und selbst der schnelle Schritt jetzt, erinnerte ihn erneut daran.
Wie aber sollte er sich halbwegs beruhigen, wie Herr über seine Angst werden, wenn er nicht tun konnte, was ihm immer half: Bewegung.
Ian versuchte es mit Atmen, sprach sich innerlich gut zu, auf allen Sprachen die er kannte, versuchte, sich beruhigen, doch Eowyns Worte waren überdeutlich in seinem Kopf, schienen von den Wänden wieder zu ihm zu stoßen und ein widerliches Echo zu bilden
. Mich dem Imperium zu stellen.
Wo eben Wut war, wich diese Angst und sie war das allerletzte, was der Mann jetzt gebrauchen konnte.

Eine eiskalte Dusche half, nicht den Verstand zu verlieren und als Ian wieder angezogen war, führte ihn sein Weg automatisch zur Krankenstation, von der Ian nicht einmal wusste, wann Eowyn sie wieder verlassen würde.
Er klopfte und als er hineingebeten wurde, ging er geradewegs auf Eowyn zu, die sich ins Bett gelegt hatte. Vorsichtig setzte er sich neben sie auf die Bettkante, atmete einmal tief durch und beschloss, das zu tun, was er sonst auch tun würde. Er griff nach ihren Händen, sein Blick wirkte gehetzt und eindringlich zugleich. Er wusste nicht, wie anfangen, nein, er hatte nicht den Hauch einer Ahnung. Aber er konnte – er konnte nicht darüber nachdenken, welche Worte er jetzt wählen sollte. Er musste sprechen, jetzt, sofort, denn sonst würde die Angst zurückkehren und wenn das geschah, dann würde alles über ihn hereinbrechen. Ganz Bastion und das? Nein. Das ertrug er nicht.


Ich will dir sagen, wie stolz ich auf dich bin, was du da eben geschafft hast. Wäre ich im Publikum gewesen, du hättest mich überzeugt, mit jedem deiner Worte und wäre Tahiri im Publikum gewesen, sie hätte dir zugejubelt. Ich bin wirklich, wirklich stolz auf dich.“ Natürlich sollten auf solche Worte kein Aber folgen, aber Ian war kurz davor zu platzen.
Was mich nicht in Ruhe lässt, was verhindert, dass ich einfach nur stolz sein kann, ist das, was zu Wes gesagt hast. Dich dem Imperium stellen. Wyn, ich…“ Ian brach ab und kämpfte gegen die Angst und gegen die Verzweiflung, die über ihn hereinbrechen wollte. Er verlor, denn seine Stimme brach.
Ich will nicht, dass du dich stellst Wyn. Ich will es nicht. Du kannst alles entscheiden, aber das, das kann ich nicht akzeptieren. Ich bin fast verrückt geworden auf Bastion, vor Sorge um dich und jetzt haben wir es geschafft, wir haben es wirklich geschafft“, seine Stimme überschlug sich beinahe bei dem Wort ‚wirklich‘ „und du … ich … Wyn, ich ertrage nicht, wenn du dich stellst und ich will, dass du begreifst, dass du wirklich verstehst, dass ich fast alles akzeptieren kann. Aber das, das will ich nicht. Das kannst du nicht alleine entscheiden.“
Da saß sie neben ihm. Rechts neben ihm die Angst. Links die Verzweiflung und Ian wusste nicht, wer stärker an ihm zerrte. Aber es fühlte sich an, als würde er geradewegs zerrissen.



Coruscant - Jedi-Tempel - Krankenstation, Eowyns Zimmer mit Ian
 
Coruscant - Jedi-Tempel - Nebenraum neben Pressesaal, mit Wes

Wes schob ihre Gefühle, nicht mehr in den Orden zu gehören, auf Nostalgie - und auch, wenn Eowyn sich beinahe sicher war, dass es nicht daran lag, hatte sie in den letzten Monaten genug gelernt, um seinen Gedanken nicht gleich abzuschmettern. Vielleicht hatte er ja recht, auch, wenn sie es sich nicht vorstellen konnte. Vielleicht lebte sie wirklich zu sehr in der Vergangenheit. Und vielleicht... vielleicht spielte es zumindest mit eine Rolle, denn war es nicht auch das Gefühl des tiefen Glaubens, dass sie hier das richtige tat, dass sie die richtige Seite unterstützte, welches ihr unter anderem fehlte? Das war früher einfach ganz anders gewesen... Sie würde darüber nachdenken müssen. Irgendwann.

Es fühlte sich wirklich sehr absurd an, dass sie ab sofort dann einfach so über die Zukunft von Padawanen bestimmen sollte. Eowyn konnte sich noch gut daran erinnern, wie viel Hoffnung sie gehabt hatte, wie viel Ehrgeiz, wie viel Sorge, sie könnte die Prüfung zur Ritterin nicht bestehen. Und dann... war alles so anders gekommen. Verrückt, dass sie nun auf der anderen Seite stehen und einfach so entscheiden sollte, aber vermutlich war das etwas, woran man sich gewöhnte, mit der Zeit, also nickte sie zögernd.
Okay. Sie verzog das Gesicht, als Wes erwähnte, dass vermutlich die halbe Galaxis gerade auf Ian und sie blickte. Es stimmte wohl. Aber es war... unangenehm, mehr als das. Wenn Ian und sie schon nicht vor den Jedi eine private Beziehung haben konnten, schlimm genug. Aber vor... unglaublich vielen Personen da draußen? Sie wollte doch einfach nur... ein bisschen Frieden, innen drin. Ein bisschen Privatsphäre. Ein bisschen... ja, ein bisschen Entscheidungsgewalt über ihr eigenes Leben, nachdem sie so lange hin und her geworfen worden war.

Sie hatte außer Murrrar und jetzt Wes und Rornan tatsächlich noch niemanden der Räte gesehen, aber das war auch nicht überraschend. Die meisten waren ohnehin in alle Winde verstreut... War außer ihnen und Eleonore überhaupt noch jemand hier im Tempel? Sie schenkte Wes nur ein schmales Lächeln. Ob sie wirklich Vertraute gewonnen hatte, sie wusste es nicht. Und eigentlich... ja, eigentlich war es ihr auch egal. Sie wollte nur nicht, dass die Jedi, die Republik, zu sehr unter dem litten, was sie getan hatte, auch wenn es hauptsächlich Ahnas Entscheidung gewesen war. Aber sie hatte sie mitgetragen - und Eowyn wusste genau, dass der Plan nicht funktioniert hätte, hätten sie oder Brianna sich geweigert. Sie
war mit verantwortlich, mit schuldig, egal, was alle anderen sagten. Daran würde sich nichts ändern.

Sie verabschiedete sich von Wes und machte sich auf dem Weg in ihr Zimmer, wo sie sich unter der Decke verkroch und die schockierende Entdeckung machte, dass ihr Körper wohl wirklich zu heilen begann. Sie atmete, bemühte sich, nicht durchzudrehen, nicht zu viel Hoffnung zu bekommen. Das wäre falsch. Sie würde es nicht verkraften, wenn sie nun hoffte, und dann... Es klopfte. Ein Tasten in der Macht später war klar, dass es Ian war. Ian, der Ruhe gebraucht hatte, der seltsam gewesen war, vorhin, mit dem sie überhaupt nicht mehr wirklich gesprochen hatte seit der Begegnung mit Elise, und welcher der einzige war, der jetzt überhaupt diesen Raum würde betreten dürfen. Nicht einmal Malek würde sie es aktuell gestatten.
Eowyn schlug die Decke von ihrem Kopf weg, zog sich ein wenig nach oben, so dass sie besser angelehnt erhöht liegen konnte und bat ihn herein. Eigentlich fühlte sie sich einem Gespräch mit Ian nicht gewachsen - aber sie wollte ihn sehen, unbedingt. Er fehlte ihr; er fehlte ihr tief in ihr drin, er fehlte ihr so, wie sie früher gewesen waren. Sie hatte ihm versprochen, vor Bastion, dass sie immer auf seiner Seite bleiben würde.
Was auch immer geschah. Es war ihr ernst gewesen, und nie im Leben hätte sie gedacht, dass es so schwer werden würde, hinterher wieder zueinander zu finden. Sie wollte nichts mehr als das, nicht einmal, ihre Beine zu spüren, aber... ob es möglich sein würde? Ob sie in der Lage war, es zu schaffen? Ob sie die verschiedenen Personen, die Ian auf Bastion gewesen war, vergessen konnte, wirklich und absolut vergessen? Nichts, was er getan hatte, war Absicht gewesen, alles, was er getan hatte, war aus Liebe zu ihr und aus Angst geschehen. Sie wusste es. Sie verstand es jetzt. Sie musste... vergessen. Einfach vergessen.

Jetzt aber war nicht der Moment, das alles zu durchdenken, denn Ian wirkte noch immer seltsam. Eowyn hatte ein unglaublich mieses Gefühl. Wie er nach der Konferenz gewesen war... was hatte sie getan? Sie musste etwas getan haben. Oder?
Er setzte sich zu ihr... griff ihre Hände. Und machte ihr Angst. Eowyns Herz begann, schneller zu klopfen. Wenn er das tat, hatte er in der Regel etwas auf dem Herzen, und das nach heute, das war... einfach... einfach... nicht gut, egal, worauf es hinauslief.
Sie schluckte hart, starrte ihn an - Ian schwieg. Was bedeutete, es fiel ihm schwer, zu sagen, was er zu sagen hatte, und
das... war der Beweis, dass wirklich nicht gut war, worauf es hinauslief. Schließlich begann er doch zu sprechen, und begann damit, wie stolz er auf sie war. Nichts, was sie beruhigte. War es nicht das übliche Vorgehen, etwas positives zu sagen, bevor man mit der negativen Nachricht herausrückte? Und richtig, er fuhr fort. Zu Wes... was hatte sie hinterher zu Wes gesagt... da war so viel gewesen. Im Schnelldurchlauf durchforschte Eowyn alles, konnte gerade deshalb keinen klaren Gedanken fassen und hatte nicht die geringste Idee, was sie überhaupt gesagt hatte. Aber Ian klärte sie sofort auf - und sie musste erneut schlucken. Nicht nur was er sagte, sondern auch wie. Da waren die kleinen Nuancen, die er vor ihr nicht mehr verstecken konnte. Sie kannte ihn doch. Sie wusste doch, wie sehr er kämpfte, die Fassung zu bewahren. Sie sah es ihm an, in jeder seiner Bewegungen, und hörte zu. Sich dem Imperium stellen. Sie... Eowyn schloss die Augen, bemühte sich, weiterhin ruhig zu atmen, als wieder eine Welle von Selbsthass durch sie hindurchrollte. Annehmen. Die Trümmer sammeln und daraus etwas machen, wie Elise gesagt hatte. Sie war nicht leer - sie war zu viel. Annehmen... und loslassen. Irgendwie.

Ian hatte so recht. Wie würde es
ihr gehen, wenn er so handeln würde, wenn er so reden würde? Sie würde... sie würde definitiv nicht hier so sitzen wie er und ihn anflehen, nein, sie würde ihn anschreien, sie würde... sie wusste es nicht, aber sie würde. es. nicht. zulassen.
Sie hatte direkt nach der Ansprache von Vendar gesagt, dass sie
erst einmal bleiben würde - und ja, dazu stand sie ja auch. Aber für sie war das Thema nicht vom Tisch gewesen, nicht wirklich. Wie konnte es auch? Sie wollte nicht sterben, bei der Macht, nein, sie hatte noch immer solche Angst, solche Panik, selbst jetzt, sie durfte nicht... wegschieben, sie musste es wegschieben. Sie wollte nicht sterben. Aber sie war verantwortlich... und wenn sie dadurch das Leben von Milliarden, Billionen, retten konnte... Wie egoistisch wäre es, diesen Weg zu ignorieren?

Aber da war Ian. Ian, der sie
anflehte - und den sie völlig ausgeschlossen hatte. Wie hatte sie das tun können? Wie nur? Sie wusste doch, was sie ihm bedeutete. Wie... wie konnte sie... Wie hatte sie... Sie schloss ihn noch immer so aus aus allem, was sie dachte und tat. Es war... woher sollte sie wissen, was sie sagen sollte, oder konnte, oder durfte, was ihre Beziehung besser machen würde, einfacher, und was nicht? Aber das... das hätte sie nicht für sich behalten dürfen. Es war mehr als nur unfair gewesen, sondern eher... absolut inakzeptabel.

Eowyn drückte Ians Hände sanft und holte tief Luft. Sie bemühte sich, ihm während sie sprach in die Augen zu sehen - was leider nicht länger als ein paar Sekunden gelang, immer wieder glitt ihr Blick weg von ihm. Trotzdem zwang sie ihn wieder zurück, sobald sie es merkte. Er hatte es verdient, dass sie ihn ansah. Sie musste einfach.
Es tut mir Leid, Ian, kam mit dünner Stimme aus ihr heraus. Es tut mir Leid, dass ich dich ausgeschlossen habe. Das ist... furchtbar. Das hätte ich nicht tun dürfen. Es tut mir Leid. Und du hast recht. Das... das darf ich nicht entscheiden, ohne mit dir gesprochen zu haben. Sie musste sich daran erinnern, dass sie nicht mehr alleine war. Nicht mehr nur für sich entschied, wenn sie überhaupt in der Lage war, eine Entscheidung zu treffen. Ich... Es tut mir wirklich Leid. Atmen. Atmen... Aber wie ging es weiter? Sie fühlte sich zerrissen, völlig entzweit. Sie wollte nicht. Sie durfte nicht. Aber was, wenn sie musste... Was war müssen? Wie weit ging "müssen"? Und wer hatte das Vorrecht, irgendwelche Entscheidungen zu treffen? Wie traf man solche Entscheidungen? Es war so viel einfacher gewesen, als sie keine getroffen hatte. Als sie getan hatte, was man ihr sagte... Als sie getan hatte, was unter anderem Ian ihr gesagt hatte.
Aber das war falsch gewesen. Das war nicht
sie. Sie musste Entscheidungen treffen. Sie musste einfach. Sie durfte nicht dorthin zurück, in dieses Loch, aus dem Elise und sie sie gemeinsam herausgezogen hatten.
Ihr Atem ging stoßweise, während sie versuchte, ihn zu regulieren und wieder zur beruhigen, die Panik abzuwenden.


Sie wollte nicht. Er wollte nicht. Hieß das nicht, dass sie erst einmal versuchen mussten, diese Option so weit wie möglich nach hinten zu schieben? War das nicht die logische Konsequenz? Wenn man rational dachte, dann mussten sie versuchen, erst andere Möglichkeiten zu finden. Ich will das auch nicht, wisperte sie schließlich und konnte sich diesmal absolut nicht dazu bringen, Ian in die Augen zu sehen. Stattdessen landete ihr Blick auf seiner Brust. Ich habe solche Angst... Ich kann nicht schlafen, Ian. Ich lasse das Licht an. Ich weiß nicht, wie wir je wieder in einem Zimmer schlafen sollen. Ich will das nicht. Ich denke nur, ich muss, ich... Sie atmete tief ein und wieder aus. Aber du hast recht. Du hast recht. Du hast recht.
Ich... ich kann nicht sagen, dass ich den Schritt niemals gehe, es ab sofort kategorisch ausschließe, das... das kann ich nicht.
Hilfesuchend, beinahe verzweifelt, zwang sie sich nun wieder, Ian in die Augen zu blicken. Sie musste. Das hatte er verdient. Aber - ich werde es nicht mehr leichtfertig anbieten. Ich werde es nicht anbieten, ohne mit dir gesprochen zu haben. Ohne, dass wir gemeinsam entschieden haben. Ohne, dass wir nach anderen Lösungen gesucht haben. Ohne, dass wir uns absolut sicher sind, dass es keine andere Option gibt, um eine Katastrophe zu verhindern. Ohnehin... vielleicht ist es ohnehin schon zu spät. Der Krieg läuft schließlich schon. Wahrscheinlich macht es ohnehin keinen Unterschied mehr. Außerdem... ich habe Wes gesagt, dass ich den Ratsposten akzeptiere. Eine Rätin auszuliefern... kommt vielleicht wirklich nicht so gut.
Einatmen. Ausatmen.
Ich verspreche dir, ich schließe dich dabei nicht mehr aus. Es tut mir Leid. Ich... ich hoffe, du kannst mir vielleicht verzeihen...

Coruscant - Jedi-Tempel - Krankenstation, Eowyns Zimmer, mit Ian
 
Coruscant - Jedi-Tempel - Krankenstation, Eowyns Zimmer, mit Eowyn

Ian wusste nicht mehr, was er denken, oder fühlen sollte, zu groß waren die Emotionen, die ohnehin an ihm zerrten. Allein die Vorstellung, dass Eowyn tatsächlich den Schritt machen und sich dem Imperium stellen würde, war zu groß, zu schwer. Sie hatten Bastion überlebt. Bastion, auf dem sie eine Gefangene gewesen war, auf dem sie Folter ertragen hatte. Dann hatten sie eine kleine Gruppe gehabt, die Eowyn befreit hatte – und ihr kam in den Sinn zurückzukehren. Da war eine Giftpille in ihrem Zahn versteckt gewesen, sie hatte alles irgendwie ertragen, irgendwie überlebt und sie erklärte Wes, dass sie sich stellen würde. Überlegte. Was auch immer. Dabei spielte kaum eine Rolle, ob es ein vager Entschluss, eine fixe Idee oder beschlossene Sache war, denn zu Ian drang nur noch durch, was seine Panik, die kaum zu beherrschen war, ihm diktierte. Die Frau, die er mehr liebte, als vielleicht gut für ihn war, die Frau, die er um ein Haar verloren hätte, von der er vielleicht längst schon einen Teil verloren hatte, wollte sich dem Imperium zu stellen.

Dann kam ihre Entschuldigung. Keine Entscheidung, die sie alleine treffen konnte, nein. Aber … Eowyn war Eowyn. Sie
entschloss Dinge und manchmal waren die Kompromisse, die sie schloss, dass es keinen Kompromiss gab. Wegen dem Muss. Wegen dem elenden Muss, das sie erwähnte. Wegen diesem verfluchten Muss, dass über dem stand, was sie wollte, wegen diesem alles verschlingenden, elendigen Pflichtgefühls, das alles ausschloss. Kompromisse. Logik. Sie. Ihn. Alles und jeden. Ihm wurde schlecht und ihm war kalt, gleichzeitig viel zu warm und wieder spürte Ian, wie sein Herz schlug und wie alles in ihm danach schrie, zu fliehen. „Es gibt. Keine Option“, presste er hervor. „Es gibt einfach keine Option.“ Inzwischen war sein Gesicht kalkweiß und hätte Ian sich gesehen, vielleicht wäre er vor sich selbst zurückgeschreckt, wie er dasaß, die Hände Eowyns haltend, die er kaum noch fühlen konnte. „Wenn du dich auflieferst, wenn wir uns alle ausliefern würde, alle, die wir da gewesen sind, weißt du, weißt du was geschehen würde? Du …“ Wie konnte sie als Schatten so wenig über die Sith wissen? Wie konnte ihr so kluger Verstand zu einem solch … dummen Gedanken kommen? „Du weißt nicht, du weißt absolut nicht, wie sie denken. Du hörst die Forderung und denkst, du erfüllst sie und der Krieg wäre vorbei?“ Sein Lachen kam erstickt und Ians Verzweiflung schwoll an. „Wäre es so, wäre es wirklich so, ich würde mit dir gehen, mich mit dir stellen. Aber es ist nicht so, Eowyn, es nicht so.“ War es vergeblich, all seine Überzeugungskraft in seien Stimme zu legen, die ohnehin kaum, als die seine zu erkennen war? War es absurd gegen ihr Pflichtgefühl anzukämpfen, dass ihrer eigenen Logik entsprang?

Vendar hat nicht gesagt, dass der Krieg nicht stattfinden wird. Sie sagte: Wenn ihr Frieden wollt, beweist es. Nicht: Wenn ihr den Krieg sofort beenden wollt, liefert aus. Sie sagte: gebt uns die Mörder oder gesteht, dass ihr alle Täter seid. Kein Angebot für Frieden. Wir sollen liefern. Ausliefern und dann? Dann würde man dich öffentlich hinrichten. Man würde dich öffentlich hinrichten und –“ Für Sekunden bekam Ian keine Luft und als er endlich wieder seien Stimme gefunden hatte, war seine Stimme kaum mehr als ein Zittern, „den Krieg weiter fortführen. Nicht nur“ und seine verfluchte Stimme würde ihm jetzt wieder gehorchen,weil Frieden eine Lüge ist, sondern weil nach der Logik des Imperiums unverzeihliches getan wurde. Unverzeihliches. Du, Brianna, wir, wir sind, wären nur erbärmliche kleine Opfer für einen Krieg, der längst und du weißt es, Eowyn du weißt es, der längst vorbereitet war!“ Hatte sie ihm denn nicht zugehört, eben auf der Konferenz? Hatte sie denn in all den Monaten, in denen sie nach einer Lösung, nach einem Gegenmittel gesucht hatten, so wenig begriffen? „Du bist eine Schatten, aber ich war ein Sith, Wyn, ich war ein verfluchter, elender Sith und ich weiß, ich weiß, wie sie denken und ich flehe dich an, nur eine Sekunde zu überlegen, nur eine Sekunde so, als wärest du eine Sith. Als wärest du Vendar. Du wolltest schon immer an die Macht. Immer. Da bietet dir jemand die Gelegenheit, weil er deinen Kontrahenten beseitigt. Du musst es also nicht tun. Aber du musst Stellung beziehen. Natürlich musst du das, und dann hast du, denk wie eine Sith! Eine kleine, dumme Jedi. Und ihre noch dümmere Brut. Sie beseitigt dein Problem. Wunderbar. Du musst es also nicht mehr tun, aber du musst, DU MUSST die anderen glauben lassen, dass dir der Verlust unendlich leidtut. Und dann forderst du, während du innerlich triumphierst. Du weißt, dass es den Frieden nie gab, aber dass du nun endlich dazu übergehen kannst, ihn nicht länger geheim zu halten. Bitte, Eowyn, du bist eine Schatten, du weißt so sicher wie deinen Namen, dass eine Auslieferung niemals, niemals etwas verändern würde. Außer das: Sie hätten gewonnen. Sie hätten einfach nur gewonnen. Mehr Opfer. Mehr Opfer. Und während das Imperium einen Sieg mehr hätte, würde die Republik nur verlieren. Eine Hoffnungsträgerin. Mindestens. Willst du das?!“
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Coruscant - Jedi-Tempel - Krankenstation, Eowyns Zimmer, mit Ian

Eowyn war sich nicht sicher, was Ian alles überhaupt gehört und wahrgenommen hatte. Irgendwie verständlich. Aber was sie sagte, beruhigte ihn kein bisschen, eher im Gegenteil. Er wurde immer blasser, und seine Hände waren starr in den ihren, egal, was sie sagte, egal, wie sie um Verzeihung bat, egal, wie sie versprach, nichts mehr alleine zu entscheiden, er erwiderte nichts, sagte nicht, dass er ihr verzieh. Sie war zu müde, zu erschöpft, um selbst noch ruhig und rational denken zu können.
Keine Option. Es gab keine Option, Ian schloss es kategorisch aus. Was... von seinem Standpunkt aus... verständlich war? Aber nicht von ihrem. Nicht von ihrem... und da war es wieder, das entzweigerissen werden, das Wegnehmen von Entscheidungen. Alles in ihr schrie danach, ihm nachzugeben. Loszulassen. Die Hülle zu werden, die sie jetzt so lange gewesen war, ihm zugestehen, was er sich wünschte, immerhin hatte er ja auch recht! Es war nichts falsches daran, ihm diesen Gefallen zu tun... Dennoch klammerte Eowyn sich verzweifelt an das kleine bisschen "sie", das sie seit gestern zurückgewonnen hatte. Wenn es doch nur einfacher wäre. Wenn sie es ihm zugestehen könnte, ohne sich selbst zu verlieren... ER HATTE DOCH RECHT!
Er holte weiter aus. Erklärte. Erläuterte ihr, dass sie nichts wusste, dass sie keine Ahnung hatte, wie das Imperium funktionierte. Und obwohl es weh tat... vermutlich hatte er auch da recht. Wahrscheinlich beabsichtigte er es nicht, dennoch kam sie sich vor wie eine Padawan, als er es ausführte. Sie wusste nicht, wie sie dachten... "Es war nicht so". Sein verzweifeltes Lachen. Seine überschlagende Stimme. Sie öffentlich hinrichten... nein, würde man nicht, denn sie würde vorher die Pille nutzen, die noch immer in ihrem Zahn steckte, aber das tat nichts zur Sache, war wohl eher nebensächlich. Frieden ist eine Lüge... ja, sicher. Sicher war er das. Aber... Diese minimale Chance, diese winzig kleine... Eowyn schloss ihre Augen. Schuld. Es war die Schuld, die sie seit Kast trug, die sie all das sagen, denken, probieren ließ. Die Schuld zerfraß sie, obwohl sie wusste, dass sie kaum eine andere Wahl gehabt hatte. Dennoch, Brianna, Ahna und sie hatten in der Tat etwas Unverzeihliches getan. Atmen. Sie musste atmen, bevor sie hyperventilierte.
Ian redete und redete, er redete, als würde sein Leben davon abhängen - was es wohl auch tat. Denken, als wäre sie eine Sith... nun, das war nicht schwer. Sie hatte genug Einblick erhalten in den letzten Wochen, in die verschiedensten Arten und Weisen, wie Sith dachten. Und natürlich hatte Ian recht. Natürlich hatte er. Vendar würde nehmen, was sie bekam, und sie würde aus allem einen Vorteil ziehen. Konnten sie überhaupt irgendwie gewinnen? Hatten sie überhaupt irgendwie eine Chance? Sie würde gewinnen, wenn sie sich stellte, und sie würde, wenn sie es nicht tat. Eine Hoffnungsträgerin... Niemals war sie das. Sie war der Sündenbock der Galaxis, sie mit Brianna. Sie waren schuld am Krieg, zumindest für die Öffentlichkeit. Als ob diese Konferenz heute
irgendetwas daran ändern würde. Sie sahen doch nicht. Sie verstanden doch nicht... Die Jedi hatten gemordet. Sie waren schuld. Punkt.
Und war es nicht auch irgendwie so? Auch, wenn sie keine andere Wahl gehabt hatten? Es war so unglaublich schwer. So unglaublich, unglaublich schwer...

Ihre Hände lagen mittlerweile nur noch lose in denen Ians, völlig matt. Der Krieg war in den Startlöchern gestanden. Quún hatte ihn nur vorweggenommen, es hätte Krieg gegeben, so oder so. Es war nicht logisch... es war einfach nicht logisch. Denn immer, immer wieder war da nur die pochende Frage, diese völlig irrationale, unsinnige Frage in ihrem Kopf -
was wenn doch? Außerdem, sie hatte Wes gesagt, dass sie bereitstand. Konnte sie ihre Aussagen einfach zurücknehmen? Natürlich konnte sie... wollte sie?
Gab es darauf überhaupt irgendeine andere Antwort als ja?
Sich diese Möglichkeit offen zu halten, sie gab ihr die Chance, ihre Schuld abzutragen. Wenn sie sie ausschloss, dann würde sie für immer damit leben müssen. Gerade Ian... gerade er musste doch wissen, wie es war, mit Schuld zu leben. Aber vermutlich verstand er nicht, worum es hier ging. Weshalb auch. Sie verstand es selbst kaum. Und Ian musste es gar nicht verstehen. Es war nicht seine Aufgabe...
In Ordnung, sagte sie leise, kaum hörbar, die Augen noch immer geschlossen. FEIGLING. Ich sage Wes Bescheid. MÖRDERIN. Sie sackte ein wenig zusammen, öffnete dann die Augen, starrte ins Nichts. Versuchte, die Leere in sich zu verdrängen, die sich ausbreiten wollte. Es war... es war ihre Entscheidung. Ihre. Sie hatte sie getroffen. Sie war noch da. Sie war keine Marionette. Sie war keine Dejarikfigur. Sie war... sie. Eowyn. EOWYN. Sie durfte so entscheiden. Er hatte recht. Es war außerdem nicht sein Befehl gewesen. Er hatte es nicht befohlen. Er hatte... sie überzeugt, ja. Aber nicht befohlen. Sie durfte auf ihn hören. Etwas für ihn entscheiden. Sie durfte machen, was er sagte, weil sie es wollte. Und weil er recht hatte.
Sie hatte die Tür zugeschlagen. Sie musste nun damit klarkommen. Mit der Schuld, nicht alles Mögliche versucht zu haben, mit den Folgen. Aber sie konnte ohnehin nicht alles überblicken. Wusste nicht, was der richtige Weg war. Und das als Rätin... zu viel. Alles viel zu viel. Gestern. Dieser Vormittag, das Gespräch mit Wes, nun das hier. Sie verlor sich wieder. Sie hatte sich gerade erst wieder gefunden, zumindest ein winziges bisschen, und schon... schon wusste sie wieder nicht mehr, wie es weitergehen sollte.

Und dabei wollte sie doch einfach nur, dass alles wieder so war wie vor Bastion. Ihr Rücken, ihr Rang, ihre Padawan, ihr... Ich. Und Ian und sie.
Vor allem Ian und sie. Sie würde alles geben, alles, absolut alles, dass sie beide wieder waren wie vor Bastion. Sie waren nicht perfekt gewesen, aber trotzdem... waren sie sie gewesen. Ein Team. Sie wollte das zurück, so unbedingt. Dieses Verständnis füreinander - auch, wenn es oft gekracht hatte, sie hatten immer zueinander zurückgefunden. Du fehlst mir, wisperte sie schließlich. Sie wollte ihn zurück. Sie wollte ihn einfach zurück...

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Coruscant - Jedi-Tempel - Krankenstation, Eowyns Zimmer, mit Eowyn



Er hatte sich um Kopf und Kragen geredet, so zumindest fühlte es sich an und da war nichts mehr, kein Wort, kein Gedanke, rein gar nichts, was er noch hätte hinzufügen können. Nein, da waren einfach keine Worte mehr. Zu lange hatte er dem Imperium gedient, zu lange hatte Tahiri missverstanden, fehlinterpretiert und die so offensichtliche Wahrheit von sich geschoben, dass da jetzt absolut nichts mehr war. Außer Angst. Außer Verzweiflung. Außer Hilflosigkeit. Denn eigentlich war er ohnmächtig, ja, er war absolut ohnmächtig, denn er konnte Eowyn nur versuchen zu überzeugen. Verbieten, befehlen oder sie gar zu etwas zwingen, das konnte er nicht. Er hätte es nicht einmal gewollt, auch wenn er sich wünschte, dass sie begriff, dass sie diesen für ihn so vollkommen absurden Gedanken nicht weiterverfolgte. Es gab Situationen, in denen er sie am liebsten geschüttelt hätte, damit sie zur Vernunft kam, damit sie begriff. Das hier war anders, essentieller und vielleicht war genau das, der Grund, warum Liebe im Orden der Machtnutzenden so schlecht angesehen war.
Liebe bedeutete Abhängigkeit, in einer gewissen Form bedeutete sie allem voran Abhängigkeit. Jetzt bedeutete sie es. Ian war abhängig von Eowyns Entscheidung. Sein Gefühl war abhängig von dem, was sie tat – denn ihre Entscheidung würde etwas auslösen, etwas, dass sie beide betraf.

Eowyns Augen waren geschlossen und das Erste, was sie sagte, verstand Ian nicht. Auch nicht, was sie Wes sagen wollte – das hatte er akustisch verstanden, aber begreifen? Begreifen konnte er nicht.
War sie einverstanden? Verstand sie? War sie überzeugt? Hatte sie … kapituliert, so wie auf Bastion, als sie ihn Keebo genannt und sich seinem Befehl gebeugt hatte? Dem Dunkelhaarigen war es unmöglich Eowyn zu lesen, auch wenn er registrierte, dass sie ein klein wenig in sich zusammengesackt war, hatte er jedes Gefühl der Einschätzung verloren. Hatte sie früher oft genug ‚Raus aus meinem Kopf‘ gesagt, fühlte es sich jetzt an, als wären sie Wesen, die die Sprache des anderen überhaupt nicht verstanden. Mimik, Körperhaltung – alles schien fremd, Ian schien sich selbst fremd. Da war nur noch Ohnmacht und nichts, was er dagegen halte konnte. Absolut nichts.
Sie hatten Bastion hinter sich gelassen und nun lag es wieder vor ihnen. Ohne Plan, ohne Rettungsteam. Ohne Pille, auf die er hätte beißen können.

Dann kamen sie leise. Drei Worte. Du fehlst mir.
Sie sah ihn nicht dabei an. Keine einzige Sekunde. Aber ihre Worte durchrangen ihn wie ein Schwert und was ihr abgewandte Blick nicht verriet, verreit ihre Stimme. Und es war das erste Mal, dass er etwas spürte, dass so abgrundtief ehrlich, so sehr sie selbst war, so sehr die Eowyn, die er kannte, die er so sehr liebte, dass er nicht mehr abwägen konnte.
Auf Bastion hatte er spielen müssen, alles, hatte jedes Wort bedenken müssen. Jede Bewegung. Einfach alles.
Er fehlte ihr und sie hatte keine Ahnung, vielleicht nicht einmal den Hauch einer Ahnung, wie sehr ihn das traf – wie sehr er das gleiche spürte. Wie sehr er sich nach ihr sehnte und, wie sehr er sie vermisste. Als er sich zu ihr beugte, langsam, vorsichtig, seine Hand auf ihre Wange legte. Seine Stirn die ihre berühren ließ. War da bloß Sehnsucht. So viel Sehnsucht, dass es schmerzte, und genug davon, um sich ihr vorsichtig noch weiter zu nähern. Sie konnte sich abwenden, er würde ihr jede Chance lassen. Jede. Aber wenn sie zuließ, dass er sie küsste, würde sie spüren, sie würde spüren müssen, dass sie ihm fehlte.

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Coruscant - Jedi-Tempel - Krankenstation, Eowyns Zimmer, mit Ian

Sie fühlte sich miserabel.
Wann immer sie an "nach Bastion" gedacht hatte, hatte Eowyn gedacht, dass dann alles entweder furchtbar sein würde, weil Ian tot war oder sie ihre Mission nicht erfüllt hatten - oder, dass alles wieder gut werden würde. So wie in den Märchen, die Ian so liebte. "Und sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage."

Aber die Realität sah so völlig, völlig anders aus.

Ihre Mission war erfüllt. Ian lebte - sie lebte. Und trotzdem war da kein bisschen "und sie lebten glücklich". Sie waren entfernter voneinander als je zuvor, und Eowyn wusste ganz genau, dass das zum allergrößten Teil, wenn nicht sogar komplett, an ihr lag. Sie war nicht mehr die, die sie vor Bastion gewesen war. Sie war nicht einmal mehr die, die sie
nach Bastion gewesen war. Sie war... wer auch immer sie war.
Und Ian? Sie hatte keine Ahnung, nicht die geringste. Vielleicht war genau das das Problem. Sie wusste auch nicht mehr, wer da vor ihr war, was Ian für seelische Verletzungen davongetragen hatte. Ein bisschen was hatte er ihr gesagt, aber das war sicher nicht alles gewesen. Er war ihr so fremd wie selten, so fremd wie damals auf Va'art. Und das, das war nicht gut. Er fehlte ihr einfach so unglaublich.

So sehr, dass sie es aussprach.

Ian erwiderte nichts. Aber er bewegte sich, und kurze Zeit später berührte seine Hand sanft ihre Wange. So wie früher. Ganz so wie früher... Eowyn schloss ihre Augen, atmete zitternd ein und aus. Sie spürte ihn, und gleichzeitig... gleichzeitig
spürte sie ihn nicht. Es ergab keinen Sinn, aber so war es nun einmal. Genauso, als seine Stirn die ihre berührte. Diese Geste war schon seltener vorgekommen, aber auch sie war ihr bekannt. Und da war... nichts. Nichts außer dem sehnlichen Verlangen, bei ihm zu sein, wieder eine Einheit zu sein, wieder zu wissen, wer er war, ihn wirklich zu spüren. Wieder zitterndes atmen. Ihre Hände verkrampften sich in ihrem Schoß, und sie wünschte, WÜNSCHTE so sehnlichst, dass sie vergessen konnte, dass alles vorbei war, dass sie einfach aufwachen würde, in ihrem Bett, in ihrer winzigen Wohnung im Tempel, sich an ihn schmiegend, und dann einfach noch einmal die Augen zumachte, um ein wenig zu dösen; ohne, dass all diese furchtbaren Dinge geschehen waren.

Aber sie schlief nicht. Sie war wach. Und das hier war die Realität.

Realität war, dass sie spürte, dass Ian kurz davor war, sie zu küssen. Nicht stürmisch - er ließ ihr alle Zeit der Welt, zurückzuweichen. Aber sie wusste nicht, ob sie zurückweichen wollte. Sie wollte ihn küssen. Sie wollte ihn spüren - und vielleicht, vielleicht konnte sie es, wenn sie ihn küsste. Aber Realität war auch, dass es vielleicht nicht funktionieren würde, und genauso war Realität, dass ihr letzter Kuss nicht mit Ian gewesen war.
Thanatos. Thanatos hatte sie zuletzt geküsst. Geküsst, berührt... überall...
Ihre Augen waren nicht mehr sanft geschlossen, sondern zusammengekniffen. Raus. Weg. Er musste weg von hier. Sie wollte Thanatos nicht hier haben... Ihr Atmen ging nur noch stoßweise, sie hatte ihn absolut nicht mehr unter Kontrolle, genau wie sie nicht kontrollieren konnte, was ihr Körper tat. Ihre Gedanken wirbelten durcheinander - und da lagen Ians Lippen auf den ihren. So zart, dass sie sie kaum spüren konnte, und reflexartig zuckte Eowyn zurück; ein minimales, kleines bisschen; einfach nur, weil die Berührung so ungewohnt, so seltsam, so kontrastreich zu dieser letzten war. Aber sie zwang sich, dieses Zucken aufzuhalten, die Bewegung zurückzumachen. Wenn sie jetzt ausbrach, wenn sie jetzt diesen Kuss verhinderte, sie wusste nicht, wann sie beide je wieder den Mut haben würden, es zu wagen. Sie
musste sich trauen, sie musste das Risiko eingehen, vielleicht nichts zu spüren - und vielleicht konnte sie nur so Thanatos aus ihrem Kopf vertreiben...
Eowyn lehnte sich ein kleines bisschen weiter vor, um Ian deutlich zu machen, dass sie nicht abbrechen wollte. Wieder spürte sie seine Lippen - wieder unglaublich leicht, kaum spürbar. Dieses Mal zwang sie sich, den Kontakt auszuhalten, während ihr Atem weiter zitterte. Ian intensivierte seine Berührung, wurde minimal mutiger. Jetzt konnte Eowyn seine Lippen auf den ihren wirklich spüren, zum ersten Mal seit... sie wusste nicht seit wann. Sie erinnerte sich nicht einmal an ihren letzten Kuss... Und plötzlich war da ein minimales Flattern in ihrem Bauch. Es war klein, es war vage, aber es war vorhanden.

Sie spürte ihn.

Sie konnte ihn spüren. Wirklich spüren.

Eowyn holte scharf Luft und hob ihre rechte Hand, um sie langsam und vorsichtig auf Ians Hinterkopf zu legen, während er sie weiter küsste. Sie fühlte sich nicht in der Lage, den Kuss wirklich aktiv zu erwidern, zu viele Dinge tobten in ihrem Kopf hin und her, aber sie gab sich Mühe, mitzuhalten, ihm zu zeigen, dass alles in Ordnung war. Sie war hier. Ian war hier. Sie
beide waren hier. Und niemand, NIEMAND sonst, hatte hier etwas zu suchen, also fokussierte Eowyn sich voll und ganz auf den Mann vor ihr, der einst ihre ganze Welt, ihre ganze Galaxis gewesen war, und von dem sie wollte, dass es immer noch, wieder, so sein sollte. Sie fokussierte sich auf ihn, und auf das Flattern in ihrem Bauch, das leichte Ziehen, das sie früher so oft und so viel stärker gespürt hatte, aber das war egal - sie war sich nicht sicher gewesen, ob sie es überhaupt wieder würde fühlen können. Und dass sie es tat, war eine solche Erleichterung, tat so gut, dass sie sich noch einmal ein bisschen mehr in Richtung Ian streckte, um seine Lippen noch intensiver spüren zu können. Die vielen Tränen, die aus ihren Augen flossen, bemerkte sie dabei nicht einmal.

Coruscant - Jedi-Tempel - Krankenstation, Eowyns Zimmer, mit Ian
 
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