[Film] Odysee (Christopher Nolan 2026)

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Natürlich fehlten die Götter (für mich) gänzlich, das bisschen Athena war wohl eher ein Hirngespinnst von Odysseus.
In erster Linie war sie ja keine Göttin, auch kein bloßes Hirngespinst, sondern sie stand für die Schuld die ihn persönlich plagt. Sie (Athena) verschwindet ja erst, als er sich seine Verbrechen eingesteht, die er und seine Leute dort in Troja begangen hatten. Die Athena steht ja auch für die geköpfte Frau in Troja. Gegen Ende wird es ja gezeigt, wie seine Männer eine Frau ins Freie zerren und niederknien lassen.
 
Nolan hat also aus Odysseus den Oppenheimer gemacht. Naja kann man machen, ist dann aber halt düster und deprimierend.

Ja, Nolan greift in Die Odyssee stark auf die gleichen erzählerischen Mittel zurück wie schon in Oppenheimer. Schnelle Schnitte, ständige Perspektivwechsel, eine Musik, die kaum Luft zum Atmen lässt. Und doch funktioniert diese Handschrift in den beiden Filmen für mich ganz unterschiedlich.

Oppenheimer erzählt von einem Menschen, der permanent unter Druck steht. Wissenschaftlich, politisch, moralisch. Sein Leben ist geprägt von Entscheidungen, die sofort neue Konflikte nach sich ziehen. Dass der Film kaum innehält, passt deshalb gut. Es wirkt nicht wie ein Stilmittel um seiner selbst willen, sondern wie eine logische Konsequenz aus dem Stoff. Das Tempo überträgt diese innere Unruhe direkt auf uns Zuschauer. Die verschiedenen Zeitebenen greifen ineinander, ergänzen sich und verdichten sich zu einem Gesamtbild, das sich am Ende schlüssig anfühlt. Ich hatte nie das Gefühl, etwas Wichtiges zu verpassen.

Bei der Odyssee empfinde ich das anders. Dieser Stoff lebt für mich nicht von Verdichtung, sondern von Ausdehnung. Es geht weniger darum, Informationen zu verknüpfen, sondern darum, eine Reise wirklich zu erleben. Die Begegnungen mit dem Zyklopen, mit Kirke oder den Sirenen sind keine bloßen Etappen. Sie sind das Herz der Geschichte. Sie brauchen Raum, damit sich Atmosphäre entfalten kann. Staunen, Neugier und auch Bedrohung entstehen nicht im Vorübergehen.

Gerade deshalb hat mich der ständige Wechsel zwischen Odysseus, Penelope, Telemachos und den politischen Entwicklungen auf Ithaka immer wieder aus dem Film gerissen. Kaum hatte ich mich auf eine Episode eingelassen, ging es schon weiter. Es blieb selten Zeit, wirklich einzutauchen. Viele der Abenteuer wirkten dadurch eher angedeutet als erzählt. Und genau das hat mich am meisten enttäuscht, weil ich mir gerade davon am meisten versprochen hatte.

Am Ende liegt für mich genau hier der Unterschied. In Oppenheimer trägt Nolans Stil den Stoff und verstärkt ihn. In Die Odyssee hatte ich den Eindruck, dass sich der Stoff dem Stil beugen muss. Und das nimmt der Geschichte von dem Gefühl, wirklich auf einer langen, gefährlichen Reise zu sein.
 
Am Ende liegt für mich genau hier der Unterschied. In Oppenheimer trägt Nolans Stil den Stoff und verstärkt ihn. In Die Odyssee hatte ich den Eindruck, dass sich der Stoff dem Stil beugen muss. Und das nimmt der Geschichte von dem Gefühl, wirklich auf einer langen, gefährlichen Reise zu sein.

So schön zusammengefasst. Das ist genau das Problem was ich daran habe....ich konnte nicht eintauchen.
 
Das hier war eher die minimalistische, lieblose Version davon. Mir fehlte hier das Herz, der Zauber und die Buntheit der griechischen Mythologie.
Die Odyssee an sich war viel zu kurz und seine Kameraden auf dem Boot waren einem völlig egal.
Ich denke aber, das hat für Nolan System. Diese Männer sind - das wird auch durch bestimmte Aussagen seitens Circe deutlich - durch den Krieg zu Schweinen geworden und mehr ist aus seiner Sicht über sie nicht mehr zu erzählen. Die Zeit, in der diese mythologische Welt Herz hatte, voller Zauber und bunt war, ist in dieser Perspektive spätestens mit der List um das trojanische Pferd vorüber. Nur am Ende, mit Odysseus' letztem Aufbäumen, kommt sie noch einmal kurz zurück - und bei den Aufnahmen mit der wärmsten Sonne ist nicht einmal klar, ob es sich nicht um Tagträume handelt.

Ob mir das so gefällt? Da bin ich zwiegespalten. Es gibt dieser Adaption sicherlich einen Dreh, den es vorher noch nicht gegeben hat. Der Preis ist aber, dass das, was mir an der Odyssee immer am meisten gefallen hat - der Abenteueraspekt - seltsam nebensächlich erscheint. Wenn es um die Message des Filmes geht, sind es ausgerechnet die einzelnen Etappen der Reise, die man - abgesehen von der Circe-Episode - ggf. sogar aus dem Film am ehesten herausschneiden könnte, ohne dass viel "verloren" geht.

Gerade deshalb hat mich der ständige Wechsel zwischen Odysseus, Penelope, Telemachos und den politischen Entwicklungen auf Ithaka immer wieder aus dem Film gerissen. Kaum hatte ich mich auf eine Episode eingelassen, ging es schon weiter.
Schade daran ist für mich vor allem, dass es das alles eigentlich kaum gebraucht hätte, damit aus Die Odyssee ein Film im Stile Nolans wird. Die Vorlage ist ja bereits nicht ganz chronologisch erzählt, darin aber meines Erachtens nach wesentlich eleganter. Hätte sich Nolan an die Ordnung der Vorlage gehalten (und meinetwegen noch Erinnerungsfetzen an den trojanischen Krieg on top gesetzt), wäre dabei wahrscheinlich der für mich bessere Film herumgekommen.

Betonen möchte ich aber trotzdem, dass das hier alles "Gemecker auf höherem Niveau" ist. Wäre das hier kein Nolan-Film, wäre ich vermutlich nicht einmal enttäuscht, sondern würde den Film einfach als eine weitere, durchaus auch legitime Interpretation der Sage ablegen und damit hätte es sich dann.
 
Ob mir das so gefällt? Da bin ich zwiegespalten. Es gibt dieser Adaption sicherlich einen Dreh, den es vorher noch nicht gegeben hat. Der Preis ist aber, dass das, was mir an der Odyssee immer am meisten gefallen hat - der Abenteueraspekt - seltsam nebensächlich erscheint.

Ja dann gehts dir ja wie mir. =)

Betonen möchte ich aber trotzdem, dass das hier alles "Gemecker auf höherem Niveau" ist.

Das ist natürlich richtig!


Ich finde gerade in der Ilias sehr schön, wie die Götter sich einmischen und das ganze wie ein Schachbrett sehen. Diesen Aspekt mochte ich immer an der Mythologie und der fehlt mir in "Troja" und in "Odyssee" leider gänzlich.
 
Ich war gestern im Kino und fand die Odyssee gut, 8/10 Punkte. Dass er nicht Nolans bester Film ist, haben andere schon geschrieben, aber der Film ist immer noch herausragend. Noch einmal im Kino muss ich ihn mir aber nicht anschauen, was ich bei Dune Part Two oder Avatar 2 getan habe.

In den ersten 20 Minuten tat ich mir etwas schwer mit den vielen Namen und Beziehungen zueinander: Telemachos, Agamemnon, Menelaos, Ithaka, Troja, Sparta, ...
Ich hätte mir zuvor nochmal die grobe Handlung der Odyssee durchlesen sollen, um die Rahmenbedingungen zu kennen. Das würde ich auch jedem empfehlen, der vorhat, demnächst ins Kino zu gehen.

Im Laufe des Films und spätestens mit Odysseus Auftritt war ich dann aber drinnen in der Handlung.
Handwerklich wiedermal top, Nolan bleibt halt Nolan! Bildgewaltig, atmosphärisch, faszinierend.....

Ich muss zustimmen, dass der Soundtrack nicht überwältigend war. Dennoch fand ich ihn nicht schlecht; er übermittelt mit seiner melancholischen Melodie gut die Bedrücktheit, die Odysseus gespürt haben muss. 10 Jahre lang im Krieg, weitere 10 Jahre auf Irrfahrt, die vielen Verluste, die er ertragen musste, ...
Ich hatte doch oft Herzklopfen bei bestimmten Szenen. Vielleicht war es doch gut, dass ich die Geschichte nicht zuvor genau durchgelesen habe.

Odysseus, der Oppenheimer der Bronzezeit.
Eigentlich schade, dass seine Geschichte es nur Mythologie und keine gesicherte Historie ist.
 
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