Resident Evil (2026)
Bryan arbeitet als Kurierfahrer und bringt medizinische Lieferungen von einem Krankenhaus zum nächsten. Besonders gut bezahlt wird er dafür nicht. Als ihm kurz vor Feierabend ein dringender Auftrag angeboten wird, nimmt er ihn deshalb an. Innerhalb einer Stunde soll er eine wertvolle Fracht nach Raccoon City bringen. Das zusätzliche Geld kann er gut gebrauchen, zumal ihm seine Freundin gerade erzählt hat, dass sie schwanger ist und er darauf alles andere als glücklich reagiert hat. Da kommt ihm die Fahrt gar nicht so ungelegen.
Die Bedingungen könnten allerdings kaum schlechter sein. Es ist Nacht, die Straßen sind verschneit und Bryan fährt mit Sommerreifen los. Dann läuft ihm mitten im Nirgendwo eine Frau vors Auto. Er will ihr helfen und gerät dadurch immer tiefer in eine Geschichte, die mit jedem Schritt schlimmer und verrückter wird.
Bryan ist kein harter Kerl, der plötzlich jede Waffe beherrscht und problemlos mit allen Gefahren fertig wird. Er hat Angst, macht Fehler und handelt manchmal, ohne vorher nachzudenken. Trotzdem wirkt er nie dumm oder unfähig. Er versucht, anderen zu helfen, hat zwischendurch gute Ideen und wächst langsam an der Situation. Austin Abrams spielt ihn sehr sympathisch. Wenn Bryan seine knappe Munition verschwendet, etwas Wichtiges wegwirft oder an einem einfachen Hindernis scheitert, kann man darüber lachen, weil man sich selbst wahrscheinlich auch nicht viel besser anstellen würde.
Am stärksten ist der Film in der ersten Hälfte. Die verschneite Gegend, das wenige Licht und die Dunkelheit rund um Bryan sorgen für eine unheimliche Stimmung. Mit seiner Handytaschenlampe folgt er einer Spur durch den Schnee, betritt verlassene Häuser und sucht in finsteren Räumen nach einem Ausweg. Die Kamera bleibt meistens nah bei ihm, sodass man seine Unsicherheit gut nachvollziehen kann. Manchmal sieht man eine Gefahr schon früh kommen. In anderen Szenen taucht sie völlig überraschend auf. Einige dieser Schreckmomente haben mich tatsächlich erwischt.
Nach einem kurzen Einstieg legt der Film schnell los und kommt danach kaum noch zur Ruhe. Bryan wird von einer gefährlichen Situation in die nächste.
Auch die Monster sind gelungen. Es bleibt nicht bei gewöhnlichen Zombies. Die Wesen werden immer seltsamer, ekliger und stärker verformt. Körper reißen auf, verändern sich oder wachsen auf widerliche Weise zusammen. Der Film spart weder an Blut noch an Schleim und zeigt einige ziemlich heftige Bilder. Nicht jeder digitale Effekt sieht überzeugend aus, insgesamt sind die Kreaturen aber abwechslungsreich gestaltet und gut eingesetzt.
Horror und schwarzer Humor passen lange erstaunlich gut zusammen. Die meisten Lacher entstehen ganz von selbst, weil Bryan mit dem Wahnsinn um ihn herum völlig überfordert ist. Eine spannende Szene kann plötzlich im Chaos enden und dadurch komisch werden. Der Film macht Bryan dabei nicht lächerlich. Seine Reaktionen sind meist genau das, was man von einem normalen Menschen in einer solchen Lage erwarten würde.
Probleme bekommt der Film, sobald Bryan auf weitere Menschen trifft. Vorher musste er selbst herausfinden, was in dieser Gegend passiert ist. Nun werden ihm die Hintergründe innerhalb kurzer Zeit erklärt. Die Dialoge klingen dabei nicht besonders glaubwürdig und einige Figuren sind so übertrieben, dass sie kaum noch in die bisherige Geschichte passen. Gleichzeitig werden die Witze aufdringlicher. Nun machen fast alle Beteiligten lockere Sprüche, wodurch die Gefahr weniger ernst wirkt. Sogar ein ruhiger und emotionaler Moment wird mit einer schnellen Pointe beendet, die es nicht gebraucht hätte.
Im letzten Drittel wird aus dem unheimlichen Überlebenskampf ein lauter Monsterfilm. Das Tempo bleibt hoch und es gibt weiterhin einige gute Ideen, doch die Spannung der ersten Hälfte wird nicht mehr erreicht. Das Finale bietet noch einmal viel Action und reichlich Blut, läuft aber ungefähr so ab, wie man es erwartet. Auch der Pharmakonzern hinter der Katastrophe bleibt ziemlich blass. Seine Mitarbeiter wirken eher wie eine Gruppe überforderter Trottel als wie ein gefährliches Unternehmen.
Trotzdem hat mir Resident Evil viel Spaß gemacht. Der Film ist schnell, blutig, eklig und oft sehr komisch. Vor allem Austin Abrams trägt den Film, weil Bryan selbst im größten Chaos ein glaubwürdiger Mensch bleibt, der eigentlich nur seine Lieferung abgeben und wieder nach Hause fahren möchte. Mit etwas weniger Humor in der zweiten Hälfte wäre der Horror besser zur Geltung gekommen. So ist der Film eine kurzweilige Horrorkomödie mit einem sympathischen Hauptdarsteller, einigen herrlich widerlichen Monstern und einer starken ersten Hälfte