Ilum

OP: Mit Seris ist abgesprochen, dass wir sie einmal überspringen

[ Ilum - improvisierter Landeplatz zwischen Siedlung und Kristallhöhlen - VT49 - Cockpit - Sera & Seris ]

Seris brachte die Sith am ausgemachten Landepunkt runter. Außerhalb des Cockpitfensters leuchteten die Scheinwerfer durch den anhaltenden Sturm aus Eis- und Schneeflocken. Es sah ein wenig aus, als würden sie sich weiterhin im Hyperraum befinden.

„Cool“, grunzte Sera, während sie der Pilotin auf die Schulter tätschelte. „Eiskalte Landung.“

Agatosh hatte das Cockpit bereits verlassen, als sie noch im Anflug waren. Offenbar konnte er es kaum abwarten, seinen übergroßen Stiefeln etwas Austritt zu verschaffen. Kaum hatte sich dieser Gedanke ihn ihrem Kopf geformt, hörte sie auch schon von irgendwo hinten die Rampe herunterfahren. Ohne Umschweife pfiff ein kalter Wind durch das kleine Schiff. Sera schüttelte sich. Es war Zeit, was Wärmeres anzuziehen. Mit federnden Schritten und einer gepfiffenen Wintermelodie auf den Lippen begab sie sich an den Spint mit den Raumanzügen. Es dauerte eins, zwei Minuten bis sie einen gefunden hatte, der nicht völlig zu groß für sie war und ein paar weitere, ehe sie ihn angezogen hatte. Den Helm ließ sie beiseite. Sie war ja auch kein Weichei.

Seris?“, rief Sera anschließend durch das Schiff nach der Pilotin. Eben jene hatte es sich gerade gemütlich gemacht, offenbar in der Annahme, sie würde beim Schiff bleiben. In diesem Moment war sie im Begriff, genüsslich an einem Glimmstängel zu ziehen.

„Keine Zeit für sowas“, schoss Sera im beiläufigen Ton heraus, machte ein paar Schritt auf sie zu, zog ihr das qualmende Ding aus dem Mund und schnipste es durch die Cockpittür. Um sicherzugehen, dass das Teil nichts abfackelte, griff sie im Flug in der Macht danach und zerquetschte das glühende, tabakhaltige Papier in der Luft zur Größe eines halben Fingernagels. Sie hatte kein Bock, von Agatosh Anschiss zu bekommen, falls das Schiff bei ihrer Rückkehr in Flammen aufgegangen war.

„Du kommst mit.“

Seras metallene Hand schloss sich um das Handgelenk der anderen Frau und zog sie unsanft mit sich.

„Trag das da!“

Mit der freien, menschlichen Hand deutete sie auf die Tragetasche, welche die Sprengminen, zwei Thermaldetonatoren, den handlichen Schneidbrenner sowie die Reserve-Energiezellen beinhaltete.

„Wenn du ganz lieb bist, darfst du auch mal am Höhleneingang rumsprengen. Vielleicht.“

Ohne auf eine Antwort zu warten, ließ sie Seris los, griff die Trageschlaufe der Tasche und warf sie ihr über die Schulter, ehe Sera erneut nach dem Handgelenk griff und sie weiterzog. Die Rampe heruntergekommen, peitschte ihnen der Wind ins Gesicht. Es handelte sich tatsächlich um einen Schneesturm. Außerdem war es dunkel. Agatosh war ihnen bereits einige Meter voraus. Seine riesenhaften Schemen waren aber selbst unter diesen Bedingungen für ihr natürliches Auge nicht zu übersehen. Dennoch sprang in ihrer linken Blickhälfte ein roter Suchfokus auf und verschiedenste Zahlen sowie Symbole rattertet vor ihrem inneren Auge herunter, während alle drei Sensor-Optiken gleichzeitig orange-farben aufleuchteten. Die Frauen hatten Mühe, Schritt zu halten. Insgesamt war es ein anstrengender Weg, die vereisten Felsen und Pfade hinauf ins Gebirge. Das war wirklich nichts für Sera. Immer wieder beschwerte sie sich lautstark über die Beschwernisse dieser Mission, aber es half ja nichts. Agatosh und die Pilotin waren auf sie angewiesen.
Und irgendwann kamen sie endlich an. Wurde aber auch Zeit. Ihre Wangen fühlten sich gefroren an. Dort, wo sie den Eingang zur Höhle verorteten, standen die Auswüchse eines alten Gebäudes. Sowas wie ein Tempel, wenn Sera nicht alles täuschte. Aber schwer zu sagen, weil die Sith, die vor ihnen kamen, hier ganze Arbeit geleistet hatten. Im Inneren wurde es dann etwas klarer. Es hatte sich definitiv mal um einen Tempel gehandelt. Offenbar um eine in die Höhle integrierte Halle.

„Ein Jedi-Tempel“, kommentierte Sera für die anderen.

Mit den Fingern strich die dunkle Schülerin über eines der zerstörten Wandbilder.


„Unser Meister hat ganze Arbeit geleistet.“

Anschließend deutete sie auf die dicken, herumliegenden Kabel, Arbeitsleuchten, den beiseite geräumten Schutt und laufende Heizstrahler.

„Aber nicht genug. Jemand versucht, hier wieder Fuß zu fassen.“

Sera fragte sich innerlich, ob es sich dabei um die Bewohner der Siedlung handelte, die sie auf ihrem Anflug entdeckt hatten. Wenn das der Fall war, würden sie sich nach der Sprengung vielleicht auch noch darum kümmern müssen. Schließlich wollten sie ja nicht, dass hinterher wieder jemand aufräumte. Kurz öffnete Sera sich der Macht und streckte ihre Fühler in die von der Kammer abzweigenden Gänge. Hier war niemand. Aber irgendwas fühlte sich komisch an. Die Macht benahm sich hier anders als im Sith-Tempel. Immerhin waren sie hier drin jedoch vor dem Schneesturm geschützt, der nun draußen wütete.

„Da geht’s tiefer in die Höhle“, kommentierte sie den surrenden Fingerzeig ihrer mechanischen Hand. Es war ganz klar. Oder eben nicht. Was auch immer da unten war, störte ihre Sinne derart, dass sie keine klare Wahrnehmung hatte. Die Macht war dort unten stark. Es gab aber viele überlagernde Störfaktoren. Ob es sich dabei um die Machtkristalle handelte?

„Dann mal los. Besorgen wir unserem Meister seine Kristalle.“

[ Ilum - Kristallhöhlentempel - Eingang zu den Kristallhöhlen - Sera, Agatosh & Seris ]
 
[ Ilum – Kristallhöhlentempel – Eingang zu den Kristallhöhlen – Sera, Agatosh & Seris ]

Seris hatte nicht einmal die Gelegenheit gehabt, den ersten richtigen Zug zu nehmen. Kaum hatte sie den Rauch in den Mund gezogen, war die Zigarre auch schon verschwunden. Ihre Lippen blieben für einen Augenblick geöffnet, während sie dabei zusah, wie das kleine Ding vor ihren Augen zerquetscht wurde.

„Gehts noch?!“

Wütend sah sie Sera hinterher. Weiter kam sie nicht. Im nächsten Moment schloss sich bereits die metallene Hand um ihr Handgelenk. Seris stolperte einen Schritt nach vorne und versuchte instinktiv, sich aus dem Griff zu winden.

„Ich kann selber laufen!“

Offensichtlich interessierte das niemanden. Dann landete auch noch die schwere Tasche auf ihrer Schulter. Seris fing sie gerade noch ab und sackte unter dem unerwarteten Gewicht ein Stück zur Seite. Was zum Teufel hatte diese Frau dort hineingepackt? Wütend stapfte sie der Sith hinterher. Seris wusste nicht ganz warum sie eigentlich so wütend war. Entweder war es die unbefriedigte Nikotinsucht, die Tatsache dass für die Zigarre ihre letzten Kredits drauf gegangen waren oder einfach nur wie die ganze Situation verlaufen war.

Durch den Raumanzug warm gehalten lief sie mürrisch hinter den beiden anderen her, die Hände in der Hosentasche und auf der Schulter die schwere Tasche. Seris gab sich ihrer Wut vollkommen hin und stellte sich gedanklich vor wie Sera in die schneeverdeckten Tiefen des Planeten viel. Eine schöne Vorstellung.
Bei dem Gedanken daran vielleicht sprengen zu dürfen wurde ihre schlechte Laune tatsächlich ein wenig besser.

Während Sera sich immer wieder lautstark über den Aufstieg beschwerte, sparte Seris sich irgendwann sogar die Kraft dafür. Sie stapfte hinter den beiden Sith her, die schwere Tasche über der Schulter und den Blick größtenteils auf den Boden gerichtet. Nur gelegentlich sah sie zu Agatosh hinauf, der sich durch den Schnee bewegte, als wäre der verdammte Berg persönlich vor ihm in Ungnade gefallen. Wie konnte jemand so groß sein? Als sie endlich den Schutz der Ruinen erreichten, ließ Seris die Tasche mit einem dumpfen Klonk zu Boden fallen. Sie zog den Schal von ihrem Mund und atmete tief durch.

Ihre Finger waren trotz der Handschuhe kalt, ihre Nase fühlte sich inzwischen kaum noch an und irgendwo auf dem Weg hatte Schnee seinen Weg in einen ihrer Stiefel gefunden. Trotzdem verstummte Seris langsam, während sie sich umsah. Ihre anfängliche Genervtheit wich vorsichtiger Neugier.

Der Ort war alt. Selbst sie erkannte das. Zerstörte Wandbilder, geborstener Stein und die Überreste dessen, was einmal eine gewaltige Halle gewesen sein musste. Seris trat näher an eine der beschädigten Wände heran und strich mit den Fingerspitzen über eine tiefe Bruchkante.

Bei Seras Bemerkung sah sie zu ihr.

„Was ist ein Jedi?“

Ihr Blick wanderte über die zerstörte Halle. Dann fielen ihr die Kabel auf. Seris ging in die Hocke und nahm eines davon zwischen die Finger. Ihr Blick folgte seinem Verlauf zu den Arbeitsleuchten und Heizstrahlern.

„Das Zeug sieht jedenfalls nich so aus, als würde es schon seit Jahren hier rumliegen.“

Sie ließ das Kabel wieder fallen.

[ Ilum – Kristallhöhlentempel – Eingang zu den Kristallhöhlen – Sera, Agatosh & Seris ]
 
[Ilum – Kistallhöhlentempel - Eingang zu den Höhlen]
Agatosh, Sera, Seris

Agatosh blieb einen Moment hinter den beiden Frauen zurück und ließ den Blick über die Überreste der alten Anlage gleiten. Der Marsch durch Schnee und Eis hatte ihn kaum merklich angestrengt und seine Aufmerksamkeit galt längst etwas anderem. Die herumliegenden Kabel und der beiseite geräumte Schutt passten nicht zum Bild einer verlassenen Ruine. Hier wurde gearbeitet und das nicht irgendwann vor Jahren, sondern erst vor kurzer Zeit. Der Hüne ging einige Schritte tiefer in die ehemalige Halle hinein und musterte schweigend die Spuren. Sera hatte recht. Jemand versuchte, diesen Ort wieder nutzbar zu machen. Und wer auch immer es war, würde damit wahrscheinlich nicht aufhören, nur weil sie heute ein paar Zugänge zum Einsturz brachten. Wenn die Siedlung und das fremde Schiff tatsächlich damit zusammenhingen, konnten sie diese Variable nicht ignorieren.

Seris' Frage brachte ihn tatsächlich für einen Moment aus seinem Gedankenfluss. Sein Kopf drehte sich langsam zu ihr. Sie wusste nicht, was ein Jedi war? Wie konnte jemand bereits im Sith-Tempel leben, ohne dass man ihr selbst diese elementare Information vermittelt hatte? Agatosh schwieg einen Augenblick länger, als eigentlich notwendig gewesen wäre.

"Unsere Feinde, Jüngerin"

Die mechanische Stimme hallte monoton durch den Eingang. Seine rot glühenden Augen verharrten noch einen Moment auf ihr.

"Offenbar hat man bei deiner bisherigen Unterweisung einige Grundlagen ausgelassen"

Dann wandte er sich wieder dem dunklen Zugang zu. Auch Agatosh öffnete sich vorsichtig der Macht und tastete in die Tiefe. Doch statt Klarheit begegnete ihm ein dichtes Geflecht aus verschiedensten Eindrücken, das sich kaum auseinanderhalten ließ. Etwas an diesem Ort verzerrte seine Wahrnehmung und das nicht gerade zimperlich. Unter der tief gezogenen Kapuze verengten sich nun seine Augen.

"Wir finden zuerst den silbernen Kristall"

Eine kurze Pause folge, ehe er fortfuhr.

"Danach finden wir heraus, wer hier arbeitet"

Agatosh löste das Lichtschwert vom Gürtel, ohne dabei die Klinge zu entzünden und setzte sich langsam in Richtung der tieferen Höhlen in Bewegung.

[Ilum – Kistallhöhlentempel - Eingang zu den Höhlen]
Agatosh, Sera, Seris
 
[ Ilum - Kristallhöhlentempel - Eingang zu den Kristallhöhlen - Sera, Agatosh & Seris ]

Sera sah hinter ihrem Mitschüler her, als der Hüne sich mit dem Lichtschwertgriff in der Hand in Richtung des Ganges bewegte. Erst den Kristall finden, dann herausfinden, wer hier arbeitete. Klang fast vernünftig. Erschreckend. Wobei die dunkle Schülerin irgendwie das Gefühl hatte, sie würden das eine mit dem anderen erledigen. Für einen Moment blieb sie stehen. Ja, da schwang irgendein Gefühl in der Macht mit. Sie versuchte sich darauf zu konzentrieren, während sie Agatosh mit leicht schiefgelegtem Kopf nachsah und blickte anschließend zu Seris, die noch immer bei den Kabeln herumstand. Dass die Frau nicht einmal wusste, was ein Jedi war, beschäftigte Sera dabei weit weniger als Agatosh. Eigentlich fand sie es sogar ganz sympathisch. Jedi waren schließlich auch nur Leute mit Lichtschwertern, die auf der anderen Seite kämpften. Das konnte Seris immer noch lernen, wenn sie irgendwann tatsächlich einem begegnen sollte.

„Die Grundlagen werden sowieso überbewertet“, kommentierte Sera deshalb etwas verspätet die Feststellung des Chiss und deutete Seris mit einem Kopfnicken an, die Tasche wieder aufzunehmen. „Wenn du einen Jedi siehst, merkst du schon, dass er einer ist. Wahrscheinlich will er dich töten.“

Damit setzte sie sich ebenfalls in Bewegung und folgte Agatosh in den Gang hinein.

„Was gut wäre. Denn dann wirst du wütend. Und dass Wut dich stärker macht, hast du ja schon gemerkt. Grundlagenkurs ‚Sith‘ erledigt.“

Je weiter sie den Überresten des eigentlichen Tempels den Rücken kehrten, desto mehr verschwanden auch die Spuren jener Leute, die hier offenbar wieder arbeiteten. Allerdings nicht vollständig. Die dicken Stromkabel begleiteten sie noch ein ganzes Stück und betrieben irgendwelche Wärmegerätschaften. Ebenso Leuchten, deren kaltes Licht bizarre Schatten in den Felsen warfen. Sera blieb an einer dieser provisorisch an die Wand geschraubten Strahler stehen, betrachtete das Gerät und anschließend den Weg vor ihnen. Die Aufräumarbeiten waren hier weniger weniger weit vorangeschritten. Gut. Also mussten sie nicht unbedingt damit rechnen, dass einer der Arbeiter ihnen hier entgegenkam. Denn falls er fragen sollte: Eine Genehmigung, diese ominösen Höhlen zu sprengen, hatten sie natürlich nicht dabei.

Ihre mechanische Hand quietschte leicht. Die Kälte schien der Legierung nicht gutzutun.


„Wer baut eigentlich einen Tempel auf einem Planeten, auf dem einen die Pisse einfriert?“, fragte sie nonchalant aus dem Nichts in Richtung von niemand Besonderen.Diese Kristalle gibt’s doch bestimmt nicht nur hier? Warum nicht … ein Strandplanet?“

Sie schnaubte und stapfte etwas ungehaltener vorwärts.

„Scheiß Ilum!“

Es half nicht, dass sie die wahren Ausmaße des Höhlensystems erst erkannten, als sie den Beginn der Kristallhöhlen erreichten. Unzählige Abzweigungen, Kammern, enge Nischen und sonstige Spalten, in denen man sich verirren konnte, würden die Suche nach dem Kristall ihres Meisters ziemlich erschweren. Nicht einmal die Macht war ein brauchbares Werkzeug hier. Egal, wie sehr sie sich anstrengte, die Höhlenwände und tiefliegenden Kristalle warfen ihre Anstrengungen doppelt zurück. Es war fast unmöglich, ein klares Gespür aufzusetzen. Auch ihre mechanischen Optiken spielten verrückt. Sera zwinkerte alle paar Meter heftig mit dem natürliche Auge, im Versuch, die ganzen Fehlermeldungen, die ihre Optik per Direktlink in ihr Hirn speiste, auszublenden. Diese verdammte Kybernetik hatte sie immer noch nicht im Griff.

Ihr Blick wanderte gerade an Agatosh vorbei in weitere Öffnungen einer größeren Kammer. Mehrere natürliche Gänge führten von hier aus tiefer in den Berg und in jedem einzelnen konnte sie dieses kaum entwirrbare Echo der Macht spürgen. Irgendwo dort unten musste sich befinden, wonach sie suchten.


„Toll. Wohin jetzt?“


[ Ilum - Kristallhöhlentempel - eine Kammer in den Kristallhöhlen - Sera, Agatosh & Seris ]
 
[ Ilum – Kristallhöhlentempel – eine Kammer in den Kristallhöhlen – Sera, Agatosh & Seris ]


Seris lauschte den Ausführungen der beiden über Jedi und nickte dann etwas. Auch wenn sie hinter dem Rücken des Berges die Augen verdrehte. Sehr gesprächig war er ja nicht. ihr Blick durch die Höhle. Während Sera und Agatosh offenbar versuchten, irgendwelchen unsichtbaren Machtkram zu erspüren, konzentrierte Seris sich auf Dinge, mit denen sie tatsächlich etwas anfangen konnte. Spuren.

Leute hinterließen immer welche. Egal wie vorsichtig sie waren. Ihre braunen Augen wanderten über den Boden, die Wände und die zahlreichen Abzweigungen. Die meisten Gänge sahen für sie zunächst vollkommen gleich aus. Fels, Eis, Kristalle und noch mehr verdammtes Eis.


„Moment.“

Sie ging einige Schritte zurück und blieb vor einem der schmaleren Seitengänge stehen. Auf den ersten Blick unterschied er sich nicht von den anderen. Erst als Seris in die Hocke ging, wurden die kleinen Details deutlicher. Mit zwei Fingern strich sie über den vereisten Boden. An einer Stelle war die dünne Eisschicht aufgebrochen. Nicht viel. Gerade genug, dass es ihr auffiel.

Seris sah sich weiter um. Noch eine Stelle. Und noch eine.


Auf dem Boden waren zahlreiche kleine Schleifspuren und Kratzer. Weiter oben war an einer Kante ein winziges Stück dunkles Material hängen geblieben. Seris zog ihr Messer und löste es mit der Spitze. Ein kurzes Grinsen huschte über ihr Gesicht. Endlich etwas, das sie verstand.

„Da ist jemand lang.“


Sie richtete sich wieder auf und deutete mit dem Messer in den Seitengang. „Und nicht nur einmal.“


Seris ging ein paar Schritte hinein. Ihr Blick blieb diesmal am Rand des Ganges hängen. Dort verlief etwas unter einer dünnen Schicht aus Eis und Schnee. Sie schob mit der Stiefelspitze vorsichtig etwas davon beiseite. Ein Kabel kam zum Vorschein. Dünner als die dicken Versorgungsleitungen weiter oben und deutlich besser versteckt. Die Jüngerin ging erneut in die Hocke und folgte dem Kabel mit den Augen, bis es zwischen den Felsen verschwand.


„Wer auch immer hier unten rumkriecht, will offenbar nicht, dass jeder sieht, wo er hingeht.“

Sie warf den anderen Beiden einen Blick zu. Wer brauchte schon diese Macht wenn man aus der Gosse kam.

„Ich würde vorschlagen da langgehen.“
[ Ilum – Kristallhöhlentempel – eine Kammer in den Kristallhöhlen – Sera, Agatosh & Seris ]
 
[ Ilum – Kristallhöhlentempel – eine Kammer in den Kristallhöhlen ]
Agatosh, Sera, Seris


Agatosh ließ
Seras Beschwerden über die Kälte, Jedi und die Planung des Tempels wortlos im Raum stehen. Viel interessanter war das Verhalten der Macht. Je tiefer sie in die Höhlen vorgedrungen waren, desto unbrauchbarer wurde sie als Werkzeug. Jeder Versuch, einen einzelnen Eindruck herauszufiltern, wurde von dutzenden anderen zurückgeworfen. Es glich einem Versuch, in einem Raum voller Stimmen ein einzelnes Flüstern zu verfolgen.

Auf
Seras Frage hin schwieg der Hüne zunächst. Seine roten Augen wanderten stoisch über die verschiedenen Gänge. Doch bevor er zu einer Entscheidung kam, meldete sich Seris zu Wort.

Agatosh beobachtete, wie die
Jüngerin in die Hocke ging, die aufgebrochene Eisschicht untersuchte und schließlich das verborgene Kabel freilegte. Sein Blick verharrte einen Moment auf den Schleifspuren. Die Schlussfolgerung war simpel und richtig. Es musste Sera tierisch aufregen, dass eine drogensüchtige Jüngerin nützlicher war als sie.

Zum zweiten Mal auf dieser Reise erwies sich die
junge Frau in einem Moment als brauchbar, in dem andere Mittel - Sera - versagten. Womöglich hatte Darth Zion sie tatsächlich nicht vollkommen wahllos ausgewählt.

Agatosh trat an den Seitengang heran und folgte mit den Augen dem Verlauf des Kabels, bis es unter Eis und Gestein verschwand.


"Wir folgen dem Kabel"

Mehr Anerkennung würde
Seris vorerst dennoch nicht erhalten. Der Chiss löste erneut sein Lichtschwert vom Gürtel und setzte sich an die Spitze der kleinen Gruppe. Wenn jemand versucht hatte, diesen Weg zu verbergen, gab es dort unten mit hoher Wahrscheinlichkeit etwas, das verborgen bleiben sollte.

Und genau deshalb war es der richtige Weg.


[ Ilum – Kristallhöhlentempel – verborgener Seitengang ]
Agatosh, Sera, Seris
 
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Das Gefühl schlich sich ganz unbemerkt ein und ließ die Haare des Morellianers zu Berge stehen, bevor ihn ein kalter Schauer überfuhr und unvermittelt dazu brachte, stehen zu bleiben. Die kleine BD-Einheit zu Alerons Füßen bemerkte das gar nicht so richtig und ging weiter den Gang hinab und bog um eine Ecke, nur um dann kurz darauf, den mit schräg gestelltem Kopf den Morellianer fragend um die Ecke herum anzuschauen. Aleron aber hatte keinen Blick für die BD-Einheit übrig, sein Blick war in die Ferne gerichtet, als könnten seine Augen die Höhlenwände durchdringen.. “Die Luft hier hat sich verändert. Ich spüre Kälte. Eine…tödliche Kälte.” Jetzt kam die BD-Einheit zurück um die Ecke, um vehement zu protestieren. Das Stakkato an Binärtönen, von denen Aleron bei dem Tempo bestenfalls die Hälfte verstanden hätte, selbst wenn er konzentriert zuhörte, versuchte dem Jedi verständlich zu machen, dass sich die Umgebungstemperatur im Tunnelsystem seinen Umweltsensoren zufolge kein Stück verändert hatte.

Aleron konnte sein Gefühl nicht so richtig einordnen, war sich aber ziemlich sicher, dass die Macht ihm eine Eingebung geschickt hatte. Kaum hatte die BD-Einheit ihren Redeschwall beendet, wandte der Morellianer sich um und ging den Tunnel zurück herunter. “Komm BD-3, wir müssen herausfinden, was sich da oben verändert hat. Und sei bitte vorsichtig. Ich glaube, wir haben ungebetenen Besuch bekommen.” In einer mehr als menschlichen Geste hob und senkte sich der Hauptkörper der BD-Einheit mit gesenktem Kopf, als würde es aus tiefstem Herzen seufzen. Dann schüttelte der Droide in einer ebenso menschlich wirkenden Geste den Kopf und rannte Aleron hinterher, der in der Zwischenzeit schon ein gutes Stück Weg hinter sich gelegt hatte und bei jedem Schritt stieß es protestierende Binärtöne aus.

Die aufgekommene innere Unruhe ließ Aleron nicht mehr los. Ein so eindeutiges Gefühl der Vorwarnung hatte er schon lange nicht mehr gespürt…wenn überhaupt jemals. Irgendetwas würde bald passieren oder vielleicht war es bereits passiert. Und was auch immer es war, es war alles andere als gut. Das war das einzige, das der Morellianer mit Sicherheit sagen konnte. “BD-3, versuche Kontakt mit dem Schiff aufzunehmen, vielleicht weiß Fabienne mehr.” Der kleine Droide war nicht scheu darin, Aleron mitzuteilen, das hier mehrere Dutzend Meter unter der Planetenoberfläche kein Funkkontakt herzustellen war. “Versuch es einfach weiter, je früher wir mehr erfahren, desto besser.” Der Morellianer ging weiter, wohin seine Instinkte ihn führen wollte. Er wusste nicht so recht, wohin ihn seine Füße tragen würden. Er wusste lediglich, dass er nicht verpassen durfte, was auch immer auf ihn wartete.

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[ Ilum - Kristallhöhlentempel - irgendwo in den Kristallhöhlen - Sera, Agatosh & Seris ]

Sera beobachtete aus ihrem verbliebenen menschlichen Auge, wie Seris sich vor dem Gang auf den Boden hockte und dort Dinge entdeckte, die weder sie noch Agatosh bemerkt hatten, als wäre sie ein verdammter Suchdroide! Für einen kurzen Moment verzog sie kurz missmutig die Gesichtshälfte, mit der sich das noch veranstalten ließ. Sie hatte gerade noch versucht, sich mit der Macht durch dieses Wirrwarr zu tasten, während die Jüngerin einfach auf dem Boden herumkroch. Wie effektiv. Das würde sie Seris allerdings ganz sicher nicht auf die Nase binden. Stattdessen trat sie neben die andere Frau und betrachtete das freigelegte Kabel einen Augenblick.

„Na bitte. Dafür durftest du mitkommen“, kommentierte Sera letztendlich und klopfte Seris im Vorbeigehen auf die Schulter, als hätte sie deren Anwesenheit höchstpersönlich nach einem langen Auswahlverfahren genehmigt. Dann folgte sie ihrem blauen Mitschüler in den Gang hinein. Dieser hatte Seris‘ Schlussfolgerung offenbar ohne weitere Diskussion akzeptiert und sich wieder an die Spitze gesetzt. Wahrscheinlich war das das höchste Lob, Agatosh jemals einem anderen Lebewesen zukommen ließ. Es ärgerte sie ein wenig, dass die Jüngerin es einheimste. Hätte sie diese Entdeckung gemacht, hätte Agatosh bestimmt irgendwelche Widerworte gefunden.

„Fantastisch“
, raunte sie sich in den nicht vorhandenen Bart und zog eine Handlampe von ihrem Gürtel, deren Licht sie von nun an benötigen würden.
Das halb vergrabene Kabel führte sie tiefer in den dunklen Berg, ohne dass sie eine Ahnung davon hatten, was sie am anderen Ende erwarten würde. Zumindest gab ihnen dieses Kabel etwas, dem sie folgen konnten, ohne aus dem Gewirr der Macht an diesem Ort irgendeine Richtung herauslesen zu müssen. Wenn Zion sie später fragte, wie seine beiden Schüler den Weg durch die Kirstallhöhlen von Ilum gefunden hatte, würde Sera ihm trotzdem erzählen, dass es ihr Verdienst war. Schließlich hatte sie entschieden, die Pilotin mitzuschleppen.
Der Gang selbst wurde schon nach kurzer Zeit ziemlich eng. Das Licht ihrer Lampe glitt über schwarzen Stein, der hier und da unter dicken Schichten aus Eis hervorbrach, und verlor sich in tiefen, dünnen Spalten, deren Ende selbst ihre Optiksensoren nicht erfassen konnten. Immer wieder kamen kleinere und größere kristallene Formationen zum Vorschein und es war teils schwer, sie von dem erleuchteten Eis zu unterscheiden, in dem sich das Licht ihrer Lampe in allen Regenbogenfarben zerbrach. Manche von gaben eine deutliche Resonanz in der Macht ab. Andere gar nichts. Wieder andere schienen Seras Sinne aktiv abzustoßen. Verseuchte Jedi-Kristalle. Am Rand ihres künstlichen Sichtfeldes flackerten Entfernungsmessungen auf, verschwanden wieder und korrigierten sich selbst ständig, sobald sich das Licht an einer vereisten Oberfläche anders brach. Das alles bereitete ihr Kopfschmerzen. Die übereinanderliegenden Sensorstreifen ihrer Optik leuchteten in verschiedenen Reihenfolgen orangefarben auf, während das mit ihrem Hirn verbundene Modul ständig versuchte, aus dem Ganzen ein brauchbares Bild für Sera zusammenzusetzen. Offenbar hatte niemand bei der Konstruktion ihres neuen Gesichts daran gedacht, dass sie irgendwann durch einen eisigen Berg voller glitzernder Machtsteine kriechen würde. Wie kurzsichtig.

Nach einigen Minuten erreichten sie die Ausläufe einer größeren Höhle. Die gesamte Beschaffenheit von Wand und Boden schien sich hier zu verändern. Die vereinzelten Kristalle, die lediglich zwischen Eis und Gestein hervorgeschimmert hatten, waren hier eindeutig zahlreicher. Manche lagen vollständig oder einer milchigen Eisschicht. Je tiefer sie gingen, desto mehr ging weißes Glitzern in bläuliches über, an anderen Stellen wirkte es fast grün. Wann immer sie meinte, einen silbernen Kristall zu entdecken, genügte eine minimale Veränderung ihres Blickwinkels und es stellte sich als klares Eis heraus. Irgendwann blieb Sera an einer dieser Stellen stehen, ließ die Fingerspitzen aus der Metalllegierung vorsichtig darüber gleiten und betrachtete mehrere eingeschlossene Splitter, die zumindest durch die Eisschicht hindurch auf Zions Beschreibung passten. Sie schloss die Augen und meinte zumindest kurzzeitig, genau diese Kristalle in der Macht erfühlen zu können. Allerdings war es kein besonderes Gefühl. Sie hatte sich vorgestellt, von den richtigen Kristallen angezogen zu werden. Aber hier … gar nichts.


„Großartig“
, murmelte sie wieder mal vor sich hin und sah an der Wand entlang. „Zum Glück gibt es hier nur ungefähr eine Milliarde Kristalle.“

Sie spürte die Versuchung, einfach ein paar Dutzend davon herauszubrechen und ihrem Meister auf gut Glück zu präsentieren. Jedenfalls hatte sie keine Lust, hier stundenlang in Eiseskälte vor sich hin zu suchen. Mittlerweile taten ihr auch die Füße in den etwas zu großen Stiefeln weh.

Agatosh, sagte sie schließlich, ohne den Blick von der Wand zu nehmen, aber mit langsam sinkender Hand. „Komm mal her. Spürst du hier was?“

Dann sah sie zu Seris zurück und deutete mit dem Kinn auf das Kabel, das weiter durch die Kammer führte.

„Und du, Suchdroide: Wohin jetzt?“

Anschließend wandte sie sich wieder den Kristallen zu und schloss erneut die Augen. Vielleicht lag ihr Fehler darin, dass sich viel zu sehr auf diese verdammten Steine konzentrierte. Also suchte sie dieses Mal nicht gezielt nach dem, was sie hier für ihren Meister finden sollten. Stattdessen ließ sie einfach die Eindrücke ungefiltert auf sich einströmen. Kristalle, Agatosh, Seris, die andere Person etwas weiter unten im Berg, das kaum greifbare Echo der Macht, das überall hier zu stecken schien.

...

Für den Bruchteil einer Sekunde stockte ihr Atem. Am Rande ihres linken Sichtfeldes wurde eine Fehlermeldung ausgeworfen, da sogar ihr künstlicher Lungenflügel einen Aussetzer hatte.

Da war eine weiter Person, weiter unten im Berg!

Aber nun war sie weg.

Verzweifelt versuchte Sera, in dem Durcheinander aus Resonanzen wieder dieses Echo zu verspüren. War sie verrückt geworden? Da war doch gerade etwas? Und das war ganz sicher keine der seltsamen Präsenzen der Kristalle, sondern etwas Lebendiges. Unvermittelt öffnete Sera ihr eines menschliches Auge und drehte den Kopf in die Richtung, aus der sie für den Bruchteil eines gewöhnlichen Wimpernschlages diesen Eindruck wahrgenommen hatte. Ihre Optiksensoren reagierten auf den Impuls und tasteten die Felswand in der Dunkelheit ab, fanden jedoch nichts außer weiterem Eis und noch mehr Stein. War da wirklich was?

Nachdenklich verzog sie den Mund und versuchte sich an das Gefühl zu erinnern. Es fühlte sich an, wie eine Person. Eine Person, die mit der Macht interagierte.

Mit dem rechten Arm nestelte sie nun an ihrem Gürtel herum, löste ihrerseits das Lichtschwert und aktivierte es. Sofort wurde die Umgebung rot erleuchtet. Die Farbe der Klinge spiegelte sich aus allen Richtungen wider und gab der Szenerie die passende Bedrohung.


„Da ist jemand“, stellte sie schließlich fest und blickte von Agatosh zu Seris. Ihre Nackenhaare stellten sich unwillkürlich von selbst auf.

„Also … glaube ich.“

Ein wichtiger Zusatz.

[ Ilum - Kristallhöhlentempel - irgendwo in den Kristallhöhlen - Sera, Agatosh & Seris ]
 
[ Ilum – Kristallhöhlen – tief im Berg – Sera, Agatosh & Seris ]

Seris hatte auf Seras Schulterklopfen nur mit einem schiefen Blick reagiert. Dafür durftest du mitkommen. Na klar. Natürlich war das alles Teil von irgendeinem großartigen Plan gewesen und nicht etwa die Tatsache, dass Sera sie beinahe gewaltsam aus dem verdammten Schiff gezerrt hatte. „Suchdroide, dachte sie einige Minuten später missmutig und zog den Riemen der schweren Tasche höher auf ihre Schulter. Kannst mich mal.fügte sie in Gedanken hinten dran.

Als Sera plötzlich verstummte, sah Seris zu ihr. Die Veränderung war klein, aber deutlich genug. Eben hatte die Sith noch über die Kristalle gemeckert, jetzt lag ihre Hand am Lichtschwert. Die rote Klinge erwachte zischend zum Leben. Seris' Hand wanderte augenblicklich zu ihrem Messer.

„Du glaubst?“ Seris verzog das Gesicht.

Anstatt weiter in die Dunkelheit zu starren, ging sie wieder herunter und betrachtete den Boden. Wenn da jemand war, musste derjenige irgendwie hierhergekommen sein. Ihr Blick wanderte über die vereiste Oberfläche.

Ihre Nackenhaare stellten sich auf und sie sah die anderen beiden angespannt an.

[ Ilum – Kristallhöhlen – tief im Berg – Sera, Agatosh & Seris ]
 
Ilum - Kristalhöhlentempel | Kristallhöhlensystem unter dem Tempel | Aleron Blackthorne, Sera Noan, Agatosh, Seris Veynar und der Droide BD-3 (NSC)

BD-3 hatte wieder die Führung übernommen. Jedenfalls versuchte der kleine Droide es immer wieder, nur um jedes Mal, wenn Aleron eine andere Richtung einschlug als BD-3 als ideale Route zurück an die Oberfläche berechnet hatte, erst allein in seine Richtung weiter ging, nur um dann sich laut beschwerend hinter dem Morellianer hinterherzurennen. “Ich suche nicht den schnellsten Weg an die Oberfläche BD-3…hier unten ist eine Präsenz.” Diese Erklärung rief natürlich weitere Beschwerden auf den Plan, die sich hauptsächlich damit beschäftigten, dass sie gar nichts erklärte und die Frage aufriefen, ob Aleron den Verstand verloren hatte. Der Morellianer ignorierte das unaufhörliche Binärgeschnatter und konzentrierte sich auf seine Machtsinne. Allerdings entzogen sich ihm weitere Erkenntnisse. Die Kristalle hier in den Höhlen waren einfach viel zu Präsenz für den Jedi-Ritter, als dass er mehr erfühlen konnte.

Als BD-3 um eine der unzähligen Abzweigungen des Höhlensystems bog, blieb er so plötzlich stehen, dass er tatsächlich gute 10 Zentimeter weiterschlitterte, bevor der kleine Droidenkörper der BD-Einheit zum Stehen kam. Die Linse seines optischen Sensors weitere sich erst überrascht, bevor sie sich scharf stellte, um die drei Gestalten vor sich interessiert zu mustern. Nach zwei Schrecksekunden schrak der Droide noch einmal in einer allzu menschlich wirkenden Geste hoch, nur um auf dem Schritt kehrt zu machen und mit eingezogenem Kopf sich hinter Aleron zu verstecken, der nun ebenfalls in die Abzweigung trat und zunächst nur Augen für den kleinen Droiden zu seinen Füßen hatte. “Was hast du denn auf einmal BD-3? Hast du etwas gefun…” Auch Aleron stutzte als in sein Blickfeld kam, was den kleinen Droiden so erschreckt hatte “…den.”

Alte Instinkte versetzten den Morellianer direkt in den Alarmmodus. Mit geübtem Blick folgte in Sekundenbruchteilen die Bedrohungseinschätzung der drei vor ihm. Zunächst einmal war da ein Hühne von einem Mann. Weit über 2 Meter groß, überragte die muskelbepackte Blauhaut selbst den knapp 2 Meter großen Jedi um fast einen Kopf. Er trug ähnlich wie Aleron eine Ganzkörperpanzerung von jenem unbekannter Machart. Seine Atemmaske wies auf alte Verletzungen hin, konnte vielleicht aber auch einfach dem kalten Klima Ilums geschuldet sein. Die rot leuchtenden Augen identifizierten ihn vielleicht als Chiss oder deuteten auf seine Verbindung zur dunklen Seite der Macht hin. Aleron war alles andere als ein Experte, was die dunkle Seite der Macht anging. Mehr als eindeutig einschätzbar war aber das Lichtschwert, das der Hühne aktivierungsbereit in seiner Hand hielt und nicht zuletzt auch die dunkle Machtpräsenz, die so dicht an dicht für den Jedi unverkennbar war.

Als nächstes erblickte Aleron eine kleine Frau. Halb Mensch, halb Maschine und etwa so groß wie Fabienne und unglaublicherweise noch schmächtiger als die Ossus Rangerin. Das bedeutete aber keineswegs, dass der Morellianer sie deswegen als weniger gefährlich als den Hühnen einschätzte. Alles von ihrer Körperhaltung, über ihren Blick hin bis zum Lichtschwert an ihrem Gürtel schrie geradezu danach, das in ihr ein gefährliches Raubtier schlummerte, für das Angriff einfach die beste Verteidigung war. Ihre ebenso unverkennbar von der dunklen Seite der Macht durchtränkte Machtpräsenz deutete darauf hin, dass diese Einstellung nicht auf Selbstüberschätzung, sondern auf nicht wenig handfester Kampferfahrung beruhte. Diese Frau hätte kaum unterschiedlicher als der Hühne sein können und stellte doch auf den ersten Blick eine mindestens ebenso große Gefahr dar.

Eine weitere junge Frau rundete das Trio ab. Dieses Mal ganz Mensch. Sie wirkte auf den ersten Blick im Gegensatz zu den anderen beiden wie eine fein eingestimmte Tötungsmaschine. Das verleitete Aleron aber nicht dazu, sie zu unterschätzen. Auch wenn die Rothaarige kein Lichtschwert offen trug oder in der Hand hielt, war ihre bloße Nähe zu den beiden schon ein Hinweis darauf, dass auch sie eine Bedrohung darstellen konnte. Wie eine Geisel wirkte sie jedenfalls nicht und Aleron konnte auch nicht erkennen, welche bösen Überraschungen sie vielleicht aus ihrer offenbar schwer beladenen Umhängetasche hervorzaubern konnte. Sie schien ebenfalls außerdem ebenfalls machtsensitiv zu sein, wie die anderen beiden, wenngleich sie auf den ersten Blick nicht so sehr von der dunklen Seite der Macht vereinnahmt zu sein schien.

Im Jedi-Tempel auf Coruscant waren einige, nicht zuletzt seine Meisterin Tara Li, dezent gesagt irritiert über sein kleines Projekt gewesen. Jetzt gerade war Aleron aber ziemlich froh darüber, seinen Plan umgesetzt zu haben, eine Rüstung der Republic Marines angepasst und mit nach Ilum gebracht zu haben. Ursprünglich hauptsächlich zum Schutz vor der Kälte hier, hatte der Morellianer auch auf das vertraute Gewicht der Rüstung gezählt, um ihm Halt zu geben. Jetzt aber glaubte er, dass er noch vor Ende des Tages auf die tatsächliche Schutzwirkung der verschiedenen Panzerplatten angewiesen sein würde. Von diesen Selbstzweifeln war allerdings nicht an seinem Gesicht oder aus seiner ruhigen Stimme abzulesen. “Ich bin nicht hier, um gegen euch zu kämpfen.” Der Morellianer verlagerte mit einem Halbschritt sein Gewicht, um eine bessere Balance zu finden und hob die offenen Hände auf Bauchhöhe, um zu signalisieren, dass er keine Waffe in Händen hielt. Damit würde er im Ernstfall auch leichter das gut sichtbar an seinem Gürtel hängende Lichtschwert ergreifen können. Zunächst aber versuchte der Jedi es mit Verhandlungen, auch wenn er sich einigermaßen sicher war, dass das gegen diese ungebetenen Gäste, vermutlich Sith, keine großen Aussichten auf Erfolg hatte.

BD-3 trat unterdessen den Rückzug um die Weggabelung an, nur um dann halb ängstlich, halb neugierig den Kopf doch wieder hinter der Felswand hervorzustrecken und das Gespräch zu beobachten.

Ilum - Kristalhöhlentempel | Kristallhöhlensystem unter dem Tempel | Aleron Blackthorne, Sera Noan, Agatosh, Seris Veynar und der Droide BD-3 (NSC)
 
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