| Kashyyyk | Wawaatt-Archipel | Wald nördlich Kachirho | Im Dickicht einer Astkreuzung | Lieutenant Tarkus & Trooper Mondal in Flankierungsbewegung , andere Imperiale sowie Brako und andere Republikaner in der Nähe |
Als sie zur Absturzstelle des LAAT zurückkehrten, war keiner da. Das Wrack lag noch immer genau dort, wo es sich beim Absturz zwischen den gewaltigen Ästen verkeilt hatte. Es war beinahe vollständig ausgebrannt. Nur an einigen Stellen glomm es noch zwischen den aufgerissenen, schwarzen Panzerplatten. Tarkus nahm mit Erleichterung zur Kenntnis, dass sein Befehl offenbar ausgeführt worden war. Es war nicht schwer, die Spuren der Gruppe zu finden. Sie war zu groß und beinhaltete zu viele Zivilisten, um die genommene Route zu verschleiern. Seine Leute hatten die Legaten und deren Angehörige aus dem Gefechtsbereich gebracht und offenbar nicht auf seine Rückkehr gewartet. Sie hatten richtig gehandelt.
Tarkus wollte sich gerade wieder in Bewegung setzen, den anderen Imperialen folgen, als Mondal plötzlich neben ihm stehenblieb und den helmbesetzten Kopf in den Nacken legte. Zunächst glaubte der Lieutenant, dass seine Untergebene etwas gehört hatte. Doch als er dem Blick folgte, erkannte er zwischen den Kronen der kilometerhohen Wroshyr-Bäume ein Stück freien Himmel. Das Blätterdach und die gewaltigen Äste lagen in unzähligen Schichten übereinander und nur wenig bis gar kein Licht erreichte die Ebenen darunter. Über dem Wrack hatte der Absturz jedoch teile der Vegetation in einer Schneise mit sich gerissen. Es handelte sich um nicht mehr als eine schmale, unregelmäßige Lücke, durch die Tarkus einen winzigen Ausschnitt des Himmels erkennen konnte. Er trat einen Schritt zur Seite und versuchte, durch die kleine Öffnung einen besseren Blick zu bekommen. Da waren Schiffe. Erst war es nur eines. Dann ein zweites. Dann folgten weitere. Landungsboote. Transporter. Sie kamen nicht aus Richtung des Planeten, sondern sanken durch die Atmosphäre auf Kashyyyk hinab. Tarkus kannte die Silhouetten nicht gut genug, um irgendwelche Modelle bestimmen zu können, aber das musste er auch nicht. Es waren definitiv keine imperialen Schiffe.
Republikanische Landungsboote. Über Kashyyyk.
Tarkus stand vollkommen reglos. Bisher hatte er sich an die Gewissheit geklammert, dass dort oben eine imperiale Flotte aus Kriegsschiffen den Orbit beschützten. Irgendwann, so war er sich sicher, würde die Kommunikation wiederhergestellt werden und irgendjemand würde neue Befehle erteilen.
Aber jetzt flogen republikanische Landungsboote nahezu ungehindert durch die Atmosphäre. Das konnte nur eins bedeuten: Das Imperium kontrollierte den Orbit von Kashyyyk nicht mehr. Die Flotte war besiegt worden.
Der Lieutenant spürte, wie sich seine Finger um den Griff seiner Waffe verkrampften. Er wollte nach einer anderen logischen Erklärung suchen, aber er fand keine. Eine intakte imperiale Flotte hätte niemals zugelassen, dass republikanische Transportverbände die Atmosphäre durchstoßen.
„Scheiße“, stöhnte Mondal neben ihm, die zu demselben Schluss gelangt war. Sie trat mit ihrem weißen Stiefel frustgeladen gegen eine Rankenwurzel. Tarkus antwortete nicht. Sein Blick senkte sich wieder auf den Wald. Was immer die aktuelle Situation da oben war, hier unten würden sie damit arbeiten müssen. Leben in der Lage.
Es dauerte Stunden, bis sie den Rest der Gruppe wiedergefunden hatten. Die Sturmtruppen hatten mit den Zivilisten einige Kilometer zurückgelegt und rasteten gerade in einer geschützten Vertiefung zwischen zwei ineinander verwachsenen Wurzeln. Der Sergeant meldete Tarkus knapp, dass es keine weiteren Verluste gegeben hatte. Die Legaten und ihre Familien waren allerdings zu erschöpft, um weiter durch das dichte Unterholz zu marschieren. Tarkus prüfte persönlich den Zustand eines jeden einzelnen, zählte Munition und registrierte Verwundungen. Erst dann erklärte er in wenigen Worten, was er und Mondal am Himmel gesehen hatten. Er spielt die Bedeutung nicht herunter. Dafür waren die Männer und Frauen der Wookieetreiber nicht dumm genug.
Es war einer der Legaten, der als erster reagierte.
„Dann ist es vorbei.“
Tarkus drehte den Kopf in seine Richtung.
„Was ist vorbei?“
„Die Schlacht, Lieutenant. Wenn die Republik Truppen landet, dann ist unsere Flotte entweder verloren oder geflohen! Kachirho ist gefallen oder wird es bald.“
Der uniformierte Mann war etwa Mitte Vierzig. Um sich scharten sich seine Ehegattin sowie eine fast erwachsene Tochter.
„Es gibt keinen Grund mehr, weiterzukämpfen. Wir sollten uns den nächsten Republikanischen Soldaten ergeben, auf die wir stoßen!“
Einige der anderen Legaten und deren Familienmitglieder schienen in leisem Gemurmel zuzustimmen. Andere hielten sich bedeckt. Tarkus nahm zunächst seinen Helm ab und klemmte ihn zwischen Armbeuge und Hüfte. Seine Haare klebten klitschnass an der Kopfhaut.
„Für welches Ressort sind Sie zuständig, Legat?“, fragte er ruhig, während er den Kopf schief legte und zwischen Boden und Gesicht seines Gesprächspartners hin und her sah.
„Landwirtschaft, Nahrungs- und Wasserversorgung. Aber das …“
Tarkus verlagerte sein Gewicht auf ein anderes Bein und bedeutete ihm mit der freien Hand, kurz Inne zu halten, während er die Worte wiederholte, als würde er über deren Bedeutung nachdenken.
„Wasserversorgung …“
Der Legat öffnete den Mund, aber der Sturmtruppler ließ ihn nicht mehr zu Wort kommen.
„Klingt nicht danach, als hätten Sie die Legitimität, die Kapitulation zu erklären.“
Der Mann wandte sich halb an seine Mitlegaten.
„Das ist LÄCHERLICH, wir müss…“
Tarkus übergab seinen Helm an Mondal, ehe er auf den Legaten zutrat, und ihm kurzerhand den Kolben seines E-11 in den Rachen prügelte.
„KLINGT NICHT DANACH - ALS HÄTTEN SIE - DIE VERFI***TE - LEGITIMATION - LEGAT!“, brüllte er dem anderen ins Gesicht, der schmerzerfüllt in die Knie ging und seine Uniform, die trotz einem Absturz, Feuergefecht und stundenlangem Marsch im Dschungel noch absolut makellos gewirkt hatte, mit Blut besudelte.
„Lächerlich ist es, bei den ersten Anzeichen von Schwierigkeiten, aufzugeben“, knurrte der Lieutenant in Richtung seiner winselnden Frau, während er den Legaten am Kragen packte und auf die Beine zurückzog.
„Abmarschbereit in 10!“, brüllte er an die spärlichen Reste seines Zugs sowie die Zivilisten gewandt. Die Diskussion war beendet.
Was auf den Karten wie eine überschaubare Entfernung ausgesehen hatte, verwandelte sich zwischen den Wroshyr-Bäumen in einen quälend langsamen Marsch in Richtung Kammwacht. Die direkten Wege konnten sie nicht nutzen, da die Republikaner offensichtlich inzwischen die größten Astkreuzungen besetzt hielten. Die anderen endeten häufig in unüberwindbaren Abgründen, oder führten in dichteste Vegetation, durch die sich die Sturmtruppler nur mit Mühe schlagen konnten. Immer wieder mussten sie Umwege nehmen, weil Verbindungsstege zerstört waren oder weil es republikanische Aktivitäten in der Nähe gab. Die Zivilisten hielten die Gruppe zusätzlich auf. Zwar sprach keiner mehr von Kapitulation, aber sie waren langsam. Tarkus hätte mit den Wookieetreibern allein wesentlich schneller vorankommen können, aber das war nun mal nicht ihr Auftrag. Sie sollten die Legaten lebend nach Kammwacht bringen und genau das würden sie tun.
Die ersten republikanischen Patrouillen begegneten ihnen bereits nach wenigen Stunden. Vier Soldaten auf Speederbikes rasteten neben einem Loch, das in einen der Bäume geschlagen war. Tarkus ließ die Zivilisten mit dem überlebenden Bordschützen als Wache zurück, während seine Männer und Frauen sich lautlos um die Scouts verteilten. Der abgestellte Wachposten wurde als erstes ausgeschaltet. Der anschließende Überfall dauerte nur wenige Sekunden. Zwei Republikaner starben mit den ersten Blasterschüssen. Der letzte schaffte es noch auf sein Speederbike, ehe es unter ihm in Flammen aufging und ihm bei lebendigem Leibe verbrannte. Das Zucken seines Körpers und die Schreie würde Tarkus sicher noch einige Stunden in Erinnerung behalten. Danach zogen sich die Imperialen quasi sofort zurück. Sie nahmen vorher noch Energiezellen, Wasser, Verbandsmaterial und alles andere mit, was sie gebrauchen konnten. Die Leichen ließen sie einfach liegen. Mit vier der republikanischen Handblaster konnten sie sogar die Legaten ausstatten, die fortan nicht mehr vollkommen wehrlos bleiben würden. Tarkus registrierte positiv, dass es ihnen Mut zu verleihen schien.
Es blieb nicht bei dieser Begegnung. Mit jedem Kilometer, den sie sich Kammwacht näherten, wurde deutlicher, dass Kashyyyk einen neuen Herren hatte. Republikanische Patrouillen tauchten auf den imperialen Versorgungswegen auf. Über ihnen waren häufiger Triebwerke zu hören. Manchmal drang das entfernte Donnern schwerer Artillerie durch den Wald, ohne dass Tarkus sagen konnte, wer auf wen schoss, oder in welche Richtung es überhaupt ging. Der Funk blieb durchgehend unbrauchbar. Gelegentlich fing ihr Empfänger verstummelte Fetzen auf, aber nie genug, um daraus auch nur ansatzweise ein Lagebild zu gewinnen. Der Lieutenant musste irgendwann aufhören, in Frontlinien zu denken. Es gab keine Front. Zumindest keine, die er erkennen konnte. Immer wieder trafen sie auf tote Imperiale. Keine lebenden. Nach einer Weile begann er sogar daran zu zweifeln, ob Kammwacht überhaupt noch standhielt. Aber es musste einfach so sein. Es handelte sich um eine massiv befestigte Operationsbasis des Imperiums. Wenn Kammwacht gefallen war, gab es wirklich keine Hoffnung mehr.
Die Wookieetreiber passten sich erstaunlich schnell an. Irgendwann hatten sie raus, zu erkennen, welche Wege sie nutzen konnten, und welche sie lieber mieden. Welchen Patrouillen man besser auswich, und welche man in guerillaartigen Überfällen ausschalten konnte. Sturmtruppler lernten schnell. Sie hinterließen falsche Spuren, wechselten nach jedem Kontakt die Marschrichtung und nutzten die gewaltigen Höhenunterschiede des Waldes, um etwaige Verfolger abzuschütteln. Zwei Mal legten sie geplante Hinterhalte für republikanische Scouts. Beim ersten Mal warteten sie zwischen dichten Farnen, bis die gesamte Patrouille an ihnen vorbeigezogen war und eröffneten aus wenigen Metern Entfernung das Feuer. Beim zweiten Mal lockten sie ihre Verfolger auf eine schmale Astkreuzung, die sie mit Thermaldetonatoren präpariert hatten.
Es handelte sich nicht um die Gefechtsführung, wie Tarkus sie gelernt hatte. Guerillataktiken waren Sache anderer Spezialkräfte, nicht die der Sturmtruppen, die in ihren weißen Rüstungen mutig, heldenhaft und offen ohne Rücksicht voranschritten. Aber Sturmtruppen taten am Ende auch nur das, was ihnen einen Sieg brachte. Schließlich konnten sie hier weder geschlossene Formationen einsetzen, noch auf Feuerunterstützung hoffen. Auch die weißen Rüstungen veränderten sich. Schlamm, Pflanzenreste, Brandspuren und Kratzer bedeckten das Plastoid. Der Zug verstrickte sich nur noch in kurze, brutale Begegnungen, die begannen, wenn Tarkus es wollte und endeten, sobald der Gegner tot war. Jeder Blasterschuss musste seinen Zweck erfüllen. Sie hatten nur begrenzte Vorräte. Jede Granate, die sie verbrauchten, war unersetzlich. Nach jedem Gefecht zählten sie verbliebene Energiezellen und Material, teilten erbeutete Rationen auf und marschierten weiter. Unerbitterlich.
Die Familien der Legaten sahen inzwischen auch nicht weniger mitgenommen aus, als die Sturmtruppler. Ihre Kleidung war zerrissen, die Gesichter eingefallen dank Schlafmangel und Anstrengung. Trotzdem gingen sie weiter. Seitdem der Legat für Landwirtschaft einen Teil seiner Zähne verloren hatte, beschwerte sich niemand mehr lautstark. Sie marschierten weiter.
Trooper Whenndott fiel während des Marsches. Er trat auf laubbedeckte Ranken, die über ein kleines Loch im Boden gewachsen waren und sein Gewicht nicht halten konnten. Sein Absturz war ein mahnendes Beispiel dafür, warum es wichtig war, fortan nur noch aufzutreten, wenn sie sicher waren, dass sie hölzernes Geäst unter den Stiefelsohlen hatten.
Und schließlich erfüllte sich das Versprechen. Sie erreichten Kammwacht. Die Basis war nicht gefallen. Das Imperium war nicht von Kashyyyk verschwunden. Sie standen noch. Sie kämpften noch. Und mit ihnen die Wookieetreiber.
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