Kashyyyk, Trandosha (Kashyyyk-System)

| Kashyyyk | Wawaatt-Archipel | Abzweigung zum Datenzentrum D1 | Lieutenant Tarkus, Wookieetreiber & zwei Trupps Trandoshaner in einem AT-AT, begleitet von einem AT-ST, weiter voraus zwei Scouts auf Speederbikes

Die Scouts hatten die Abzweigung gefunden und warteten dort, wo es abwärts in Richtung D1 führte. Das Datenzentrum lag in einem Bunker am Fuß des Wroshyr-Baumes. Tarkus verfolgte auf dem Datenpad, wie die Markierungen sich vom Pass entfernten und mehrmals um den gewaltigen Stamm herumwandten. Der befestigte Versorgungsweg bestand aus natürlichen Auswüchsen, die mit durch die Imperialen dort platzierten Rampen verbunden waren, deren massive Stützen zwischen tiefer gelegenen Ästen verschwanden. Die Regionalverwaltung hatte hier erhebliche Mengen Material verbaut, um ein digitales Archiv zu versorgen. Der Lieutenant hoffte, dass sie dabei auch das potentielle Gewicht von schwerem Kriegsgerät bedacht hatten. Der AT-AT-Kommandant ließ es jedoch nicht darauf ankommen und seine Bordingenieure die Verbindungswege überprüfen. Erst als dieser sein Einverständnis gab, setzten sie den Marsch fort. Wenigstens blieb ihnen ein weiterer Umweg oder der Abstieg zu Fuß erspart.

Mit dem Abstieg verschwand auch der letzte spärliche Rest des Tageslichts. Das Scheinwerferlicht des Kampfläufers wurde durch die nasse Rinde, rostige Streben und herabhängende, fluoreszierende Pflanzen reflektiert. Dahinter blieb jedoch alles völlig schwarz. Auf dem letzten Abschnitt ließ Tarkus
seine Leute dann schließlich absitzen. Sein Knie schmerzte beim Abwärtsgehen, aber daran hatte er sich inzwischen beinahe gewöhnt. Wesentlich störender für seine Gemütsverfassung waren da die schlurfenden Trandoshaner, die sich zwischen den Sturmtruppen bewegten. Einer blieb ständig stehen, um irgendetwas jenseits der Dunkelheit zu betrachten. Ein anderer verständigte sich mit seinem Nebenmann in kehligen, wilden und unverständlichen Lauten. Sie hielten keine erkennbar sinnvollen Abstände und verfügten nur über rudimentäre Rundumsicherung. Es handelte sich um neun Nichtsnutze, die man ihm ernsthaft als Ersatz für ausgebildete Sturmtruppen, immerhin die Elite des Imperiums, angedreht hatte. Vermutlich war das Kommando von Kammwacht froh gewesen, als sie die Trandoshaner loswerden konnten.

Die letzte Durastahl-Rampe endete auf einer befestigten Fläche aus dunkler Erde zwischen gewaltigen Wurzeln. Dahinter lag so tief unterhalb des Passes ein schlammiges Tal, unterbrochen nur von verrottendem Holz und bleichen Pilzflächen. Von oben tropfte ein stetiger Strom aus Wasser auf Tarkus‘ Helm. Im Licht der beiden Kampfläufer erschien der Bunker als niedriger Durabetonblock, dessen Fassade zwischen zwei mächtigen Wurzelansätzen in den gewaltigen Wroshyr-Baum eingelassen war, den die Imperialen soeben hinabgestiegen waren. Das darin befindliche Tor wirkte vollkommen ausgestorben. Weder Wachen noch Fahrzeuge hatte man zurückgelassen, als die Besatzung des Bunkers voreilig und überhastet nach Kammwacht geflohen, während um sie herum die Kommunikation zusammengebrochen war.

Ausgestorben bedeutete aber auch, dass der Feind den Bunker wohl noch nicht auf dem Schirm hatte und sie rechtzeitig gekommen waren, um die Datenvernichtung befehlsgemäß auszuführen. Tarkus ließ die Wookieetreiber ausschwärmen und betrachtete die unmittelbare Umgebung. Ein breiter Wurzelrücken überragte den schlammigen, von Pfützen in Größe von kleinen Teichen durchsetzten Vorplatz des Bunkers um einige Meter. Von dort ließ sich die Zufahrt hervorragend überblicken, während die seitlichen Auswüchse des Baumes wenigstens etwas Deckung von oben und den Seiten boten.


„Mori, ich will Senn und Havel mit dem E-Web da oben haben“, erklärte er der Sergeant des dritten Trupps. Am liebsten hätte er ein zweites in einer überlappenden Stellung eingegraben, aber Thatch und der gesamte restliche vierte Trupp waren auf dem Weg von Kachirho nach Kammwacht innerhalb ihres LAAT/i verbrannt, sofern Tarkus dem Bericht Glauben schenken konnte. Und es gab keinen Grund, das nicht zu tun.

„Vale mit dem
E-11s da hin.“ Tarkus deutete auf eine seitlich versetzte Stellung, von dem aus der Scharfschütze die Äste über ihnen, den Bunker auhc die E-Web-Stellung abdecken konnte. Vale war zwar nicht ihr designierter Scharfschütze, aber er war es nun zwangsläufig, da Whenndott in dieses beschissene Loch im Boden gefallen war und Trooper Kesh sich in seinem LAAT/i nicht angeschnallt hatte. Seit dessen Fall war auch er MIA, wahrscheinlich tot.

„Rennak, nimm dir Trooper Mondal und einen Pionier aus Gruppe Dorn. Baut Vale ein Nest und bleibt dann bei ihm.“

„Kira ist die einzige Pionierin, Yara ist KIA“, erinnerte der Sergeant der Gruppe Aurek seinen Zugführer an die suboptimale Personalsituation.

„Dann nimm sie“, erwiderte Tarkus das Offensichtliche.

Der Sturmtruppen-Lieutenant schüttelte den Kopf und warf einen hinter seinem Helm verborgenen Seitenblick auf Numissk und seine Echsen. Er überlegte, wie er die Trandoshaner in ihren zusammengewürfelten Panzerteilen zu einem halbwegs sinnvollen Ersatz für die Leute machen sollte, die ihm fehlten. Er würde sie irgendwohin schicken müssen, wo sie die Abläufe der Wookieetreiber nicht stören konnten und am besten so agieren konnten, dass er sie nicht ständig beaufsichtigen musste. Für den Bunker waren sie ungeeignet. In den engen Korridoren würden sie seinen Sturmtruppen nur im Weg stehen. Für eine feste Stellung fehlte ihnen die Disziplin. Es blieb nur der Wald. Dafür mussten die selbsternannten Jäger doch wenigstens zu gebrauchen sein.


„Sie nehmen Ihre Leute und gehen auf Patrouille“, sagte er schließlich in Richtung des Trandoshaner-Anführers.
„Zwei Gruppen, der Nahbereich um den Bunker herum. Halten Sie Ausschau nach Bewegungen, Spuren und schauen Sie, ob es vielleicht einen zweiten Zugang gibt, von dem wir nichts wissen. Bleiben Sie innerhalb der Funkreichweite. Wenn Sie etwas entdecken, melden Sie es. Keine eigenständige Verfolgung. Hier gibt es heute keine Trophäen.“

Numissk zog die Lippen seines schuppigen Gesichts zurück.

„Immer gehen. Immer schauen. Deine Soldaten auch können.“

Tarkus drehte sich vollständig zu ihm um.

„Meine Soldaten können eine ganze Menge. Bei Ihren Leuten bin ich mir da nicht so sicher.“

Das dreiste Grinsen verschwand aus dem Gesicht des Jägers.

„Wir können Fallen machen. Schlingen. Stolperdraht. Wege sperren. Feind kommt, wir wissen. Feind läuft weiter, Feind tot.“

Er deutete mit einer Klaue zwischen die Wurzeln.

„Deine großen Waffen nicht überall sehen. Unsere Fallen nicht sehen müssen.“

Tarkus schwieg einen Moment. Natürlich. Fallen stellen konnten sie vermutlich. Wahrscheinlich verbrachten sie damit die Hälfte ihres unvollkommenen Lebens, um irgendwelches Getier zu fangen und das als große Jagdleistung zu deklarieren. Trotzdem hatte Numissk recht, was die Sichtverhältnisse betraf. Zwischen den Wurzeln lagen mehr tote Winkel, als sie jemals absichern konnten. Weder das E-Web noch AT-AT oder AT-ST konnten auf alles wirken. Wenn die Echsen dort brauchbare Hindernisse anlegten, waren sie zudem noch beschäftigt, und standen der eigentlichen Aufgabe nicht im Weg.

„Dann tun Sie das“, erwiderte er ruhig.

„Melden Sie jede Falle an Sergeant Rennak. Der Weg raus bleibt frei, verstanden?“

Numissk nickte langsam.

„Dann wir machen“.

Der Trandoshaner rief seine Jäger zusammen und verschwand mit ihnen zwischen den Wurzeln.

Tarkus wechselte auf den Fahrzeugkanal und sprach mit dem AT-AT-Kommandanten sein Vorgehen ab. Der große Kampfläufer würde den äußeren Bereich entlang der Zufahrt decken, der beschädigte AT-ST die seitliche Schneise zwischen den benachbarten Stämmen. Dessen zerstörtes und nun offenes Heck ließ er zur Wurzelwand drehen, sodass er mehr oder weniger festen Stellung mutierte. Immerhin hatte er damit das fehlende zweite E-Web ersetzt. Die beiden Scouts auf ihren Speederbikes würden den Aufstieg über den gewundenen Versorgungspfad sichern und den Zugang zum Overgrown Pass im Auge behalten.

Der Lieutenant selbst nahm die vier verbliebenen Soldaten aus Gruppe Dorn, mit Ausnahme von Kira Besh, sowie Sergeant Tredane mit den Troopern Venn und Korda aus Trupp Zwei mit zum Eingang. Torren führte das Sprengmaterial, das aus dem Bunker und seinen Inhalt Waldmüll machen sollte, sobald sie die mitführbaren Datenträger gesichert hatten. Die Zugangskontrolle akzeptierte wie geplant seine Codezylinder-Kennung und gab das doppelt gesicherte Blast-Schott frei. Dahinter lag ein hell beleuchteter Korridor, der den im Helm integrierten visuellen Prozessor für eine Sekunde überlastete, da dieser sich zuvor auf die vollkommene Dunkelheit des Waldbodens eingestellt hatte. So gut wie alle Sturmtruppler hielten sich unwillkürlich die Hand vor den Helm, als das grelle Licht sie blendete, bis der Helmprozessor sich kalibriert hatte.

Mit angelegtem
E-11 folgte er anschließend den ersten beiden Troopern hinein und ließ die Räume in taktischem Sturmangriff nacheinander überprüfen. Es war besser, auf Nummer sicher zu gehen. Leere Waffenhalterungen im Wachraum, herausgezogene Schubladen in einem Büro, zurückgelassene Flimsiplaststücke neben verschlossenen Aktenschränken. Einiges war mitgenommen worden. Gründlich waren sie dabei aber nicht gewesen. Die Hinterlassenschaften bezeugten die Eile.

Tarkus ließ die Papiere prüfen und bestätigen, dass es sich dabei um unrelevante Notizen handelte und ging dann weiter. Hinter dem Aufenthaltsbereich fanden sie schließlich die technischen Räume. Die Lüfter der Kühlungsanlagen liefen noch und auch die Kontrollanzeigen der Datenserver leuchteten. Der Lieutenant trat an eine davor liegende Sichtscheibe und betrachtete die Geräteschränke, während Sergeant Rennak über Funk den Aufbau der äußeren Sicherung meldete.

Nun galt es, zu prüfen, ob es portable Datenträger gab, die sie sichern konnten. Anschließend würden sie den Rest vernichten.


| Kashyyyk | Wawaatt-Archipel | Datenbunker D1 | Vor dem Serverraum | Lieutenant Tarkus, Wookieetreiber & zwei Trupps Trandoshaner in einem AT-AT, begleitet von einem AT-ST, weiter voraus zwei Scouts auf Speederbikes aufgeteilt auf drinnen und draußen
 
[Kashyyyk | Wawaatt-Archipel | über den Wipfeln des Dschungels auf dem Weg zum Datenzentrum | führendes LAAT/i] - Agentin Chi-Maia Chonda ("Glyph"), Cpt. Brako Mulgg, republikanische Luftlandetruppen (NPCs)

Die Vibration der Antriebe des LAAT/i hielt sich tatsächlich Grenzen. Es war Glyphs erster Flug mit einem der altgedienten, aber immer noch effektiven Kanonenboote und eine Welle an Aufregung schoss durch ihre Adern, während sie ihren Blick durch die schmalen Sichtfenster hinaus auf die belaubten Spitzen und Laubdächer des Dschungels streifen ließ. Dadurch dass ihr Flug das letzte Sonnenlicht dieses Tages ausnutzte, wurden die Baumwipfel in rot-orangenes Feuer getaucht. Immer wieder sanken sie unterhalb der Baumspitzen, wenn sich das immergrüne Dickicht sich weit genug öffnete, um ihnen zu erlauben, ihre Sensorsignaturen zwischen den Wipfeln zu verstecken. In Gedanken ging die Agentin noch einmal den groben Plan durch: Landung auf einem Nebenast unweit der Bunkeranlage. Vorrücken auf den Bunker. Anlanden von zusätzlichen Kräften. Feuerunterstützung sichert Abseilen und Sturm auf den Bunker. Zugriff auf Datenknoten und gegebenenfalls Kapern der imperialen Komm-Vorrichtung. Remote-Verbindung und Datendownload. Abzug. Sie nickte langsam unter der Sturmmaske, die sie sich aufgesetzt hatte. Für einen Moment blickte sie zu Captain Mulgg hinüber, der in etwas Entfernung von ihr zwischen seinen Soldaten stand. Der Plan war kein Geniestreich oder besonders originell, aber er war solide. Und sie würde einen soliden Plan jederzeit einer komplexen, bis ins Detail durchgeplanten Strategie vorziehen. Schlicht weniger Ansatzpunkte, die scheitern konnten oder katastrophal fehlschlagen. Noch dazu anpassungsfähiger. Eine kurze Turbulenz erschütterte ihren Transporter, als er ein weiteres Mal aus dem Meer an Blättern und Baumspitzen auftauchte.

Vielleicht, nein, wahrscheinlich sogar, hatte sie den Offizier voreilig verurteilt. Chi-Maia spürte den Ansatz eines schlechten Gewissens. Weniger, weil sie den Besalisken mit ihrem spitzen Kommentar vor den Kopf gestoßen hatte. Genau genommen war die Erinnerung an seinen geschwollenen Kehllappen immer noch milde amüsant für sie. Mehr ärgerte sie dabei, dass sie wider besseres Wissen ihrer antisozialen Ader nachgegeben hatte, basierend auf der nicht unbedingt validen Einschätzung einer Person beim ersten Treffen. Sie seufzte unter dem sonoren Brummen der Antriebe kaum hörbar und prüfte mit geübten Handgriffen ihre Ausrüstung. Sie wusste um ihre Schwächen, war bemüht, sie anzugehen – oder sie zumindest unter Kontrolle zu haben. Der Aussetzer ihrer Selbstkontrolle ärgerte sie, keine Frage. Vorsichtig fuhr sie mit ihren behandschuhten Fingern über die unteren Kanten der Energiezelle in ihrem A300 Blasterkarabiner und klappte dann den Plasteelkolben der Waffe um, sodass sie diese an ihrer Schulter anlegen konnte. Auch wenn ihr der Captain persönlich egal war und ihr Job echte Freundschaften ohnehin eher schwierig machte; einen Verbündeten zu verärgern, mit dem sie kooperieren musste, war unprofessionell. Wie konnte sie sich am Ende des Tages über die mangelnde Effizienz anderer empören, wenn sie sich selbst so wenig im Griff hatte? Mit einem schnellen Ruck an ihrem Klettergeschirr und den Ausrüstungsgürteln testete sie, ob diese, samt der zahlreichen Taschen daran, vernünftig saßen. Immerhin – auch wenn sie keine Chance haben würde, wie die Luftlandekräfte es oftmals taten, mit einem Jetpack auf dem Rücken anzulanden. Das Abseilen unter Kampfbedingungen versprach aufregend zu werden.

„Dreißig Sekunden zum Absetzpunkt. Landezone ist direkt voraus. Letzte Ausrüstungskontrolle und dann gute Jagd,“ dröhnte es leicht blechern aus dem Interkom, worauf die Luftlandetruppen um sie herum geschäftig eines Mal ihre Waffen checkten. Glyph atmete noch einmal tief durch und lächelte dann unter dem atmungsaktiven Material ihrer Sturmmaske, bevor sie einen geborgten Armeehelm mit Nachtsichtoptik aufsetzte. Für einen Augenblick genoss sie das Feuer des beginnenden Adrenalins in ihren Adern, ehe sie ihrem besaliskischen ‚Taxifahrer‘ kurz zunickte und über das leise Raunen der Soldaten, den brummenden Repulsoren und dem Klicken von unruhig stampfenden Armeestiefeln hinweg etwas zu rief: „Möge die Macht mit Ihnen sein, Captain. Und mit Ihren Soldaten!“ Ihre Stimme war immer noch distanziert, aber ihr Ton ehrlich: ein Friedensangebot vor dem Sturm. Sie spürte das Gewicht der mobilen Komm-Antenne in ihrer Transporttasche auf ihrem Rücken und passte ein letztes Mal die Schultergurte für einen bequemen Sitz an. Und dann setzte ihr Transporter mit einem unbequemen Rucken auf und die Seitentüren fuhren zischend beiseite. Das grelle Innenlicht des Frachtraums erleuchtete ein breiten, knorrigen Holzuntergrund wie ein Blitzlicht, bevor sich an den Rändern des Lichtkegels der Schein im tiefen Dunkel verlor. Glyph folgte den Luftlandetruppen in die bedrohliche Atmosphäre außerhalb der gepanzerten Seitentüren.

[Kashyyyk | Wawaatt-Archipel | unweit des Datenzentrums | massiver Nebenast] - Agentin Chi-Maia Chonda ("Glyph"), Cpt. Brako Mulgg, republikanische Luftlandetruppen (NPCs)​
 
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Der Dschungel unterhalb von Kammwacht hatte sich in ein zerklüftetes Schlachtfeld verwandelt, dessen einst undurchdringliche Vegetation nun von glühenden Blasterbolzen, detonierenden Geschossen und den schweren Waffen der imperialen Entsatztruppen zerrissen wurde. Zwischen den gewaltigen Wurzeln der Wroshyrbäume lagen verkohlte Ausrüstungsteile, aufgerissene Erdschollen und die reglosen Körper gefallener Soldaten, deren Rüstungen im feuchten Halbdunkel kaum noch erkennen ließen, welcher Seite sie angehört hatten. Der beißende Geruch verschmorter Rinde vermischte sich mit verdampfendem Regenwasser, aufgewühltem Schlamm und jener unverwechselbaren metallischen Note frischen Blutes, die sich selbst durch die allgegenwärtigen Ausdünstungen des tropischen Waldes ihren Weg in Lieutenant Ozymandias Skoll empfindliche Nase bahnte. Die Void Fangs hatten den ersten Vorstoß der imperialen Verstärkung unter erheblichen Anstrengungen zum Erliegen gebracht, doch der Geländegewinn war gering, die eigenen Kräfte erschöpft und die Überlegenheit des Gegners an schwerem Gerät weiterhin eine Bedrohung, der selbst die erfahrenen Spezialkräfte nur mit äußerster Vorsicht begegnen konnten. Während einzelne Rudel unter dem Schutz der übrigen ihre Positionen verlegten, Verwundete aus den vorderen Feuerstellungen geborgen wurden und das Stakkato vereinzelter Blastergewehre das vorübergehende Abflauen des Gefechts begleitete, versuchte Ozzy, aus den bruchstückhaften Meldungen seiner Unterführer ein verlässliches Lagebild zusammenzusetzen. Sie hatten den Vormarsch aufgehalten, vorerst jedenfalls, doch jede weitere Minute verschaffte den Imperialen Gelegenheit, ihre Kräfte neu zu ordnen und die republikanischen Stellungen mit zunehmender Präzision unter Beschuss zu nehmen. Für den Shistavanen stand deshalb längst fest, dass der eigentliche Erfolg dieses Einsatzes nicht an der Zahl zerstörter Fahrzeuge oder gefallener Gegner gemessen werden würde, sondern daran, wie lange es seinen Leuten gelang, den Entsatz von jenem Datenknotenpunkt fernzuhalten, um den das 36. Luftlandebataillon inzwischen einen ebenso erbitterten Kampf führte.

Ozzy zog sich mit seinem Trupp ein Stück aus der unmittelbaren Gefahrenzone zurück und ließ sich hinter einem breiten, feuchten Felsblock nieder. Die Zigarre, die er seit Stunden mit sich herumtrug, war inzwischen derart durchgekaut, dass sie kaum noch ihren Namen verdiente. Er betrachtete sie missbilligend, schob sie dennoch wieder zwischen die Fangzähne und aktivierte seinen Kommunikationskanal.


„Fang One an Bataillonsführung des Sechsunddreißigsten. Imperialer Entsatz aus Kammwacht aktuell aufgehalten. Feindverband gebunden, mindestens ein Transportfahrzeug ausgefallen. Kampfläufer weiterhin aktiv. Wir halten den Korridor vorerst gesperrt, können eine dauerhafte Abriegelung allerdings nicht garantieren.“

Er ließ eine kurze Pause verstreichen, ehe er hinzufügte:

„Ich brauche Ihren Fortschritt am Datenknotenpunkt. Und möglichst bald. Meine Leute können diesen verdammten Wald noch eine Weile verteidigen, aber irgendwann gehen uns entweder die Munition oder die Bäume aus.“

Während er auf die Antwort wartete, wandte Ozzy den Kopf in Richtung des Gefechts. Zwischen den Stämmen hingen Rauchschwaden, und über dem Wald kreisten aufgeschreckte Tiere, deren Rufe sich mit dem entfernten Stakkato imperialer Blaster vermischten. Irgendwo wurde ein Verwundeter gerufen. Anderswo schrie jemand nach einem Sanitäter. Ein Soldat lachte plötzlich viel zu laut, jenes kurze, beinahe hysterische Lachen, das manchmal aus einem Körper hervorbrach, wenn er erst nachträglich begriff, wie knapp er dem Tod entgangen war. Er dachte an seine Leute, an die Verbände des 36. Luftlandebataillons, die jetzt vielleicht unter denselben Bedingungen um jeden Raum und jeden Zugang des Datenknotenpunkts kämpften. Er dachte an Glyph, die sich irgendwo in diesem Durcheinander befand, vermutlich mit jener kühlen Entschlossenheit, die ihn bei ihrer ersten Begegnung gleichermaßen beeindruckt und amüsiert hatte. In einem ungewöhnlichen Moment des Pathos dachte er sogar an die republikanische Fahne. Für ihn war sie niemals bloß das Symbol einer Regierung gewesen. Sie stand für die erste Gemeinschaft, die ihm eine Zugehörigkeit ermöglicht hatte, ohne ihn nach seinem Fell, seinem Blut oder der Schande seiner Herkunft zu beurteilen. Diese Männer und Frauen hier, die sich in stinkenden Schlammlöchern verschanzten und unter feindlichem Feuer füreinander einstanden, waren der greifbarste Ausdruck dieser Überzeugung. Er würde sie nicht leichtfertig opfern. Doch er würde auch nicht zulassen, dass die Imperialen ungehindert zum Datenknotenpunkt durchbrachen und dort noch mehr republikanische Soldaten in den Tod schickten. Ozzy richtete sich langsam auf, als Kalthors Stimme erneut im Funk erklang.

„Lieutenant, zusätzliche Kontakte aus Richtung Kammwacht. Mehrere neue Signaturen auf dem nördlichen Versorgungsweg.“

Der Shistavane betrachtete die blinkenden Markierungen auf seinem Datenpad, dann hob er den Blick zu den riesigen Baumkronen, zwischen denen der Rauch des Gefechts aufstieg. Ein schweres, kehliges Seufzen entwich seiner Brust.

„Natürlich“, murmelte er. „Die Herren schicken uns Nachschlag.“

Er drückte die Sendetaste.

„Thenn, alle Rudel auf neue Feindbewegung vorbereiten. Verwundete aus den vorderen Stellungen bringen und Munitionsstand melden. Niemand verliert den Anschluss. Ich will wissen, wie lange wir diesen Korridor noch halten können.“ Seine Stimme wurde fester.„Sagen Sie den Jungs, dass ich für jeden, der heute heil nach Hause kommt, persönlich die erste Runde bezahle.“

Eine kurze Pause folgte, ehe Thenn antwortete.

„Bei achtunddreißig Mann könnte das teuer werden, Lieutenant.“

Ozzy ließ ein tiefes, heiseres Lachen hören.

„Dann sorgen wir besser dafür, dass ich mich ordentlich verschulde.“

Über ihnen erzitterte das Blätterdach unter dem nächsten Einschlag. Ein Regen aus nassem Laub fiel auf die republikanischen Stellungen, während tief im Dschungel die Motoren weiterer imperialer Fahrzeuge zu hören waren. Die Void Fangs gingen erneut in Deckung. Irgendwo jenseits des Waldes kämpfte das 36. Luftlandebataillon gegen die Zeit, die Ozzy und seine Leute ihm mit Blut erkauften.

Für einen flüchtigen Augenblick glaubte der weiße Hüne, zwischen dem anschwellenden Donnern der Repulsorantriebe ein weiteres Geräusch wahrzunehmen, das sich mit dem vertrauten Klang imperialer Truppentransporter kaum in Einklang bringen ließ. Es war ein tiefes, gleichmäßiges Vibrieren, dessen Ursprung irgendwo jenseits der dicht bewachsenen Geländekante liegen musste und das selbst durch den aufgeweichten Boden bis in die empfindlichen Ballen seiner Stiefel drang. Der Shistavane legte den Kopf leicht schräg, während seine Ohren unter dem weißen Fell zuckten und die roten Augen angestrengt das Zwielicht zwischen den gewaltigen Wroshyrstämmen absuchten. Das Geräusch wurde deutlicher, begleitet von einem metallischen Kreischen, als würde eine schwere Maschine sich gewaltsam ihren Weg durch die Vegetation bahnen. Dann verstummten die Rufe der aufgescheuchten Tiere, und irgendwo vor ihnen begann sich das Blätterdach in einer Weise zu bewegen, die sich unmöglich mit dem Wind erklären ließ. Noch bevor Ozzy seine Beobachtung an Thenn weitergeben konnte, brach Kalthors Stimme durch das Rauschen des Gefechtsfunks, ungewöhnlich angespannt und von einem schrillen Warnton im Hintergrund begleitet.


„Lieutenant, ich habe die neuen Signaturen aufgeschaltet. Das sind keine gewöhnlichen Transporter. Die Massewerte passen zu …“ Ein jäher Ausbruch statischer Störungen verschluckte den Rest seiner Meldung.

Im selben Augenblick erbebte der Dschungel unter einem gewaltigen, dumpfen Aufschlag, und zwischen den berstenden Stämmen am nördlichen Ende des Versorgungsweges zeichnete sich eine Silhouette ab, deren Ausmaße selbst den erfahrenen Shistavanen für einen Herzschlag verstummen ließen.


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